Die Washington Post veröffentlicht Einzelheiten neuer Friedensvorschläge, die der Westen für eine Präsentation vor dem russischen Präsidenten Putin vorbereitet. Wie sich herausstellt, waren während der jüngsten Verhandlungsrunde zwischen der ukrainischen und der amerikanischen Delegation in Miami auch europäische nationale Sicherheitsberater sowie Vertreter der NATO und der Europäischen Union gemeinsam mit der ukrainischen Delegation in die Erörterung der wichtigsten Eckpunkte dieses Friedensplans eingebunden.
Der erste Punkt dieses Friedensplans betrifft den Wiederaufbau der Ukraine und die Entschädigung der Menschen, die unter diesem schrecklichen Krieg gelitten haben. Steve Witkoff und Jared Kushner schlugen der ukrainischen Delegation vor, einen Kostenvoranschlag für diesen Wiederaufbau zu erstellen und Mechanismen auszuarbeiten, die gewährleisten sollen, dass das Geld tatsächlich in den Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft und in Entschädigungszahlungen fließt und nicht für korrupte Geschäfte ausgegeben wird.
Der zweite wichtige Punkt des Plans sind Sicherheitsgarantien für die Ukraine, die auf dem Niveau von Artikel 5 des NATO-Vertrags vereinbart werden sollen und somit im Falle eines Angriffs durch die Russische Föderation den Schutz der Ukraine unter Beteiligung der Verbündeten vorsehen könnten.
Der dritte Punkt ist eine Energievereinbarung zwischen der Russischen Föderation, der Ukraine und Europa. Russland nimmt den Export von Energieträgern in die europäischen Staaten wieder auf, allerdings über das Territorium der Ukraine, die damit ihren Status als Transitland zurückerhält.
Der vierte Punkt ist die Einstellung der Kampfhandlungen entlang der Frontlinie, also entlang der Trennlinie zwischen den russischen und ukrainischen Streitkräften. Ich erinnere daran, dass die Ukraine einem solchen Ansatz zustimmt, während die Russische Föderation weiterhin darauf besteht, dass die ukrainischen Truppen aus den Gebieten Donezk und Luhansk abgezogen werden müssen, und zwar als Voraussetzung für überhaupt jegliche Verhandlungen über ein Ende des Krieges.
Und natürlich ist der nächste Punkt dieses Plans die Aufhebung jener Sanktionen, die gegen die Russische Föderation verhängt wurden.
Hier kann sich natürlich eine ziemlich einfache Frage stellen: Wozu braucht die Russische Föderation einen solchen Plan? Die Russische Föderation begann ihren Krieg gegen die Ukraine zu einer Zeit, als Russland der größte Exporteur von Energieressourcen nach Europa war. Und die Ukraine blieb ein zuverlässiges Transitdrehkreuz für diese Exporte.
Mehr noch: Vor dem Krieg unternahm Russland enorme Anstrengungen, um der Ukraine diese Transitrolle zu nehmen, indem es alternative Routen wie Nord Stream oder TurkStream errichtete. Warum sollte die Russische Föderation dann zustimmen, dass die Ukraine ihren Status als Transitland zurückerhält? Warum sollte die Russische Föderation zustimmen, dass die Ukraine Sicherheitsgarantien auf dem Niveau von Artikel 5 des NATO-Vertrags erhält, wenn Moskau seit Jahrzehnten alles daransetzt, dass niemand Verpflichtungen zum Schutz der Ukraine übernimmt? Genau deshalb ist Russland gegen eine NATO-Mitgliedschaft unseres Landes und keineswegs deshalb, weil es das Nordatlantische Bündnis selbst fürchtet.
Hier gibt es eine gewaltige Zahl von Fragen. Aber das Wichtigste besteht natürlich darin, dass Witkoff und Jared Kushner hoffen, solche Initiativen könnten das Interesse des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, und seines engsten Umfelds wecken. Und ich habe eine Antwort auf diese Frage, die Sie auf den Seiten der Washington Post nicht finden werden.
Ich denke nämlich, dass die Vorstellung ist, die Ukraine müsse zunächst ihre Angriffe auf die Erdölraffinerien der Russischen Föderation einstellen und erst danach würden Witkoff und Kushner mit diesem Vorschlag nach Moskau reisen, mit der Hoffnung der Trump-Administration zusammenhängt, Putin ein Angebot machen zu können, das er nicht ablehnen kann. Und dieses Angebot betrifft den Kauf der Auslandsvermögenswerte von Lukoil.
Trump, Witkoff und Kushner könnten von der Überlegung ausgehen, dass der russische Präsident, wenn man Putin gewaltige Geldsummen für diese Auslandsvermögenswerte anbietet, die er andernfalls verlieren würde, dieses Geschäft gegen die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine eintauschen wird. Insbesondere dann, wenn jene ukrainischen Gebiete, die bereits von der russischen Armee besetzt sind, unter seiner Kontrolle bleiben.
Und auf diese Weise würde der Krieg enden, Russland würde die Lukoils Vermögenswerte im Ausland an die Vereinigten Staaten verkaufen, und Putin und sein engstes Umfeld hätten die Möglichkeit, sich durch den Verkauf dieser Auslandsvermögenswerte zu bereichern. Und natürlich hätten auch jene Menschen die Möglichkeit, sich zu bereichern, die an diesem Lukoil-Geschäft beteiligt sind. Meiner Ansicht nach erwartet die Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten und Donald Trump selbst aber gerade hier eine gewaltige Enttäuschung. Denn Putin bietet die Auslandsvermögenswerte von Lukoil nicht an, um einem Frieden in der Ukraine zuzustimmen, sondern damit Trump, Witkoff und Kushner die Ukraine und Russlands Krieg gegen sie endlich in Ruhe lassen und Russland die Möglichkeit geben, den Nachbarstaat ungehindert zu zerstören.
Genau das geschieht in Wirklichkeit zwischen Moskau und Washington. Der Präsident der Russischen Föderation hofft, den Präsidenten der Vereinigten Staaten durch den Verkauf der Auslandsvermögenswerte von Lukoil an ihn bestechen zu können und auf diese Weise freie Hand für die Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur zu bekommen, die ukrainischen Angriffe auf die Infrastruktur der Russischen Föderation zu beenden und den Krieg mit einem vollständigen Sieg Russlands und der anschließenden Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit abzuschließen. Der Präsident der Vereinigten Staaten wiederum hofft gemeinsam mit seinem engsten Umfeld, den Präsidenten der Russischen Föderation und Putins engstes Umfeld, darunter auch die Energieoligarchen, durch das Angebot gewaltiger Geldsummen für die Auslandsvermögenswerte von Lukoil und die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation bestechen zu können. Auch dies würde den Weg für eine weitere Bereicherung der russischen politischen und wirtschaftlichen Elite ebnen.
Und hier liegt die wichtigste Frage nicht in den einzelnen Punkten dieses Friedensplans, denn solche Friedenspläne haben wir in diesen vier Jahren bereits zur Genüge gesehen. Und glauben Sie mir, wir werden in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges noch viele weitere sehen. Hier geht es um die Frage, wer wen bestechen wird.
Und meiner Ansicht nach verfügt der Präsident der Russischen Föderation über weitaus größere Möglichkeiten, denn er denkt nicht in finanziellen, sondern in imperialistisch-chauvinistischen Kategorien. Er braucht kein amerikanisches Geld, sondern ukrainisches Land. Und schon sehr bald werden der Präsident der Vereinigten Staaten und sein engstes Umfeld erkennen, von welchen Motiven sich der Präsident der Russischen Föderation leiten lässt. Vielleicht wird dies den Weg für neue schwere ukrainische Angriffe auf die russische Infrastruktur mit Unterstützung westlicher Staaten ebnen, mit dem einfachen und verständlichen Ziel, Putin zum Frieden zu zwingen – nicht indem man ihn besticht, sondern indem man jenen terroristischen Staat erschöpft, den der russische Präsident regiert.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Новий мирний план США | Віталій Портников. 13.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 13.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.