Verhandlungen in Miami: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 09.10.2026.

Heute treffen sich in Miami die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, mit einer ukrainischen Delegation, der der Leiter des Präsidentenbüros Kyrylo Budanow, sein erster Stellvertreter Serhij Kyslyzja, der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Rustem Umjerow sowie der Vorsitzende der Fraktion der Partei „Diener des Volkes“ in der Werchowna Rada der Ukraine, Dawyd Arachamija, angehören.

Bei dem Treffen wird es um die Suche nach Wegen zu einem Frieden im russisch-ukrainischen Krieg gehen. Wie beide Seiten jedoch betonen, wollen sich die USA derzeit vor allem auf die Frage einer Waffenruhe im Energiebereich konzentrieren. In Washington ist man der Ansicht, dass der bevorstehende Winter sowohl in der Ukraine als auch in Russland Besorgnis auslösen könnte und sich dadurch eine reale Möglichkeit bietet, einen Kompromiss zwischen den beiden Seiten zu finden.

Die ukrainische Seite hat selbstverständlich ihre Bereitschaft erklärt, die Vorschläge der US-Präsidialverwaltung zu einer solchen Waffenruhe im Energiebereich zu erörtern. In der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, zeigte man erwartungsgemäß keinerlei Interesse an den amerikanischen Vorschlägen. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass Witkoff und Kushner nach den Verhandlungen mit der ukrainischen Delegation in die russische Hauptstadt reisen werden. Natürlich nur, wenn man dort überhaupt mit ihnen sprechen möchte.

Ein wichtiger Bestandteil der Verhandlungen zwischen Moskau und Washington ist bekanntlich die Frage des Verkaufs von Aktien des Unternehmens Lukoil, über die die Sondergesandten des US-Präsidenten bei ihrem letzten Besuch in der russischen Hauptstadt persönlich mit dem russischen Präsidenten Putin gesprochen haben. Wir verstehen, dass Vertreter der US-Präsidialverwaltung an diesem Aktienverkauf interessiert sein könnten. Aber auch in Putins Administration könnte es Menschen geben, die daran interessiert sind, mit diesen Vereinbarungen Milliarden US-Dollar zu verdienen. Ganz zu schweigen vom russischen Staatshaushalt, der dadurch zusätzliche Mittel für die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges erhalten würde.

Wenn es aber bei den Lukoil-Aktien sowohl ein amerikanisches als auch ein russisches Interesse gibt, dann lässt sich hier möglicherweise eine gewisse Grundlage für einen Kompromiss finden, der gerade mit einer Waffenruhe im Energiebereich zwischen Moskau und Kyiv verbunden wäre, zumindest für einen kurzen Zeitraum. Und möglicherweise setzt man im Weißen Haus genau darauf.

Das heißt, in Moskau hofft man, dass Trump den Köder der milliardenschweren Aktien des russischen Ölgiganten geschluckt hat. Und in Washington könnte man hoffen, dass Moskau den Köder geschluckt hat, diese Milliarden Dollar zu erhalten. Die Zeit wird zeigen, wessen Hoffnungen realistischer waren.

Die Verhandlungen sind aber auch deshalb tatsächlich ziemlich ernst zu nehmen, weil es neben den Gesprächen mit den Sondergesandten des US-Präsidenten auch Verhandlungen in erweiterter Besetzung geben wird. Die nationalen Sicherheitsberater Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands sowie Vertreter der Europäischen Union und der NATO sind in die USA gereist. Unter ihrer Beteiligung sowie unter Beteiligung der Vertreter der ukrainischen und der amerikanischen Delegation wird in erweiterter Besetzung eine Verhandlungsrunde stattfinden, bei der es um Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Falle eines möglichen künftigen Endes des russisch-ukrainischen Krieges gehen wird, aber auch um Garantien für den Wiederaufbau der Ukraine, wiederum für die Nachkriegszeit.

Natürlich kann man diese Gespräche für etwas aus dem Bereich der politischen Science-Fiction halten. Denn wie wir sehen, gibt es schlicht keine objektiven Umstände, die es uns erlauben würden, von einem baldigen Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu sprechen. Und selbst die Vertreter des Weißen Hauses haben inzwischen aufgehört, an diese Utopie zu glauben, über die Donald Trump einst während seines Wahlkampfes und auch in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr ins Oval Office so selbstsicher nachgedacht hatte.

Aber entscheidend ist hier nicht das, was mit dem Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg zusammenhängt. Entscheidend ist, schon heute die Frage der Finanzierung zu erörtern. Denn es ist offensichtlich, dass die ukrainische Wirtschaft schwere Schläge durch den Feind erleidet und auch weiterhin erleiden wird. Dieser versucht, alles zu zerstören, was dem ukrainischen Staatshaushalt Geld einbringt, das notwendig ist, um den ukrainischen Widerstand gegen die russische Aggression aufrechtzuerhalten. Deshalb kann die Ukraine heute als Staat nur dank der Hilfe ihrer westlichen Partner existieren. Ohne diese Hilfe könnte die Ukraine schneller von der politischen Weltkarte verschwinden, als die russische Armee ihre Grenzen erreichen könnte.

Somit bleibt die Frage der Unterstützung der Ukraine durch unsere europäischen Verbündeten unter Bedingungen, in denen die Vereinigten Staaten keine solche Hilfe leisten, ein wichtiger Bestandteil des Verhandlungsprozesses und der kommenden Jahre der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation. 

Denn Russland selbst verfügt schlicht und einfach nicht über solche Reserven für diesen Kampf. Russland kann nur auf die Einnahmen aus seinem Öl und seinem Gas hoffen. Und deshalb ist es so wichtig, die Erdölverarbeitungsindustrie der terroristischen Föderation zu zerstören, zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem irgendeine Waffenruhe erreicht wird, falls es überhaupt dazu kommt.

Und Russland kann darauf hoffen, dass seine Energiesponsoren weiterhin seine Energieträger kaufen und auf diese Weise Dollar, Yuan und Rupien in den russischen Staatshaushalt fließen lassen, der inzwischen fast vollständig darauf ausgerichtet ist, der russischen Armee bei der Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine zu helfen. Aber ohne dieses Geld kann Russland nicht existieren. Während die Ukraine dank westlicher Hilfe existieren kann.

Allerdings denke ich, dass europäische Beamte der ukrainischen Delegation erklären könnten, dass es ohne die Verabschiedung jener Gesetze durch die Werchowna Rada der Ukraine, die für den Erhalt europäischer Gelder notwendig sind, und ohne die Einbringung dieser Gesetze durch die ukrainische Regierung kein Geld geben wird. Und das wird sich sowohl auf die Verteidigungsfähigkeit der ukrainischen Armee als auch auf die Möglichkeiten gewöhnlicher Ukrainer auswirken, die kommenden dramatischen Monate des russisch-ukrainischen Krieges zu überleben. 

Mir bleibt nur zu hoffen, dass die ukrainische Führung vor dem Hintergrund dieser Verhandlungen ihre inkompetente Selbstüberschätzung aufgibt, die bereits zum wichtigsten Kennzeichen Kyivs auf der internationalen Bühne geworden ist, und endlich beginnt, das zu tun, was unsere Partner von uns verlangen, damit sie uns Geld zum Überleben geben können.

Aus dieser Sicht müssen die Verhandlungen der ukrainischen Delegation in Miami also sowohl zu einem wichtigen Bestandteil einer Vereinbarung über dieses Überleben werden als auch zumindest eine Chance bieten, dass der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky und sein engstes Umfeld eine realistischere Haltung gegenüber der Welt und ihren Realitäten entwickeln. Wozu sonst führen die Vertreter eben dieses engsten Umfelds jetzt diese verantwortungsvollen Verhandlungen in Washington?


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини у Маямі: головне | Віталій
Портников. 09.10.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 09.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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