Zelensky traf sich mit Fedorov und Syrsky | Vitaly Portnikov. 18.07.2026.

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Proteste in der ukrainischen Hauptstadt und anderen Städten unseres Landes hat Präsident Volodymyr Zelensky ein Treffen mit dem ehemaligen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorov und dem Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, General Oleksandr Syrsky, abgehalten.

Nach Abschluss dieses Treffens versprach Zelensky, eine Entscheidung zu treffen, die die Armee betrifft. Mychajlo Fedorov wiederum berichtete ebenfalls über den Dialog und äußerte die Hoffnung, dass es gelingen werde, in der entstandenen Situation zu einer Verständigung zu gelangen.

Damit geschieht praktisch genau das, worüber ich seit dem ersten Tag dieser Krise unermüdlich spreche. Die Kunst der Staatsführung besteht gerade nicht darin, jemanden entlassen zu können. Das ist für einen Menschen mit präsidentiellen Vollmachten überhaupt kein großes Problem. Sie besteht vielmehr darin, wertvolle Mitarbeiter zu erhalten und eine Synergie für ihre weitere Zusammenarbeit zu schaffen – selbst dann, wenn sich ihre Auffassungen über den Krieg unterscheiden.

Wichtig ist dabei, dass die einen Ansätze die anderen ausgleichen und dass die Zusammenarbeit zwischen dem Verteidigungsministerium und dem Oberkommando der Streitkräfte zusätzliche Möglichkeiten schafft, den Widerstand gegen die russische Aggression fortzusetzen – umso mehr vor dem Hintergrund der Bereitschaft der Führung der Russischen Föderation, den Krieg gegen die Ukraine in der kommenden Zeit fortzuführen.

Wir sehen bereits, wie ernst Präsident Putin die Möglichkeit einer Fortsetzung des Krieges nimmt und wie real sowohl die Gefahr einer neuen Mobilisierung in der Russischen Föderation als auch einer Ausweitung des russisch-ukrainischen Krieges auf die benachbarten europäischen Staaten ist. Auch das könnte noch in diesem Jahr zu unvorhersehbaren Folgen führen.

Daher ist das Verständnis, dass Verteidigungsministerium und Streitkräfte ihre Anstrengungen bündeln und Möglichkeiten sowohl für eine Neugestaltung des Krieges als auch für die Erhaltung des Potenzials der Streitkräfte im Sinne der klassischen Kriegskunst finden müssen, eine offensichtliche Voraussetzung für die weitere Entwicklung der militärischen Lage.

Dabei ist natürlich nicht entscheidend, wie der ehemalige Verteidigungsminister und der Oberbefehlshaber der Streitkräfte persönlich zueinander stehen. Jeder von ihnen kann den Ansatz des anderen für unprofessionell oder ineffektiv halten. Doch gerade die Aufgabe des Obersten Befehlshabers besteht darin, aus jedem Ansatz das herauszugreifen, was den jeweils anderen ergänzt und stärkt. So arbeiten Verteidigungsministerien und Militärs in allen zivilisierten Staaten.

Wir müssen eine ganz einfache Tatsache verstehen: Unterschiede in den Ansätzen zwischen dem Verteidigungsministerium und der Armee wird es immer geben, solange das Verteidigungsministerium als Beschaffungsinstanz fungiert und die Armee die Ergebnisse dieser Beschaffungen erhält. 

Die Alternative zu einem solchen Modell und zu solchen Meinungsverschiedenheiten wäre eine totalitäre Herrschaft, in der es überhaupt keine zivile Kontrolle über die Armee und ihre Beschaffungen gibt und alles im Modus einer Militärdiktatur geschieht. Das Verteidigungsministerium würde dann zu einer Behörde, die von Generälen geleitet wird – so wie es beispielsweise während des Zweiten Weltkriegs in der Sowjetunion der Fall war, nicht jedoch in den Vereinigten Staaten oder in Großbritannien. Auch das muss man verstehen.

In dieser Situation bleibt die Kunst des Kompromisses, die Fähigkeit, zwischen wichtigen Akteuren des Wandels und denen, die unmittelbar an der Front kämpfen, eine gemeinsame Sprache zu finden, die wichtigste Aufgabe für die kommenden Monate und Jahre des zermürbenden russisch-ukrainischen Krieges.

Es wird also von Volodymyr Zelensky abhängen, wie die Taktik der Verständigung zwischen den beiden Kontrahenten aussehen wird. Ich bin jedoch überzeugt, dass das Staatsoberhaupt und Oberste Befehlshaber der Streitkräfte heute einen Schritt in die richtige und notwendige Richtung gemacht hat. Einen Schritt, den man nur begrüßen kann.

Natürlich wissen wir nicht, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln werden und wie die Energie Mychajlo Fedorovs in den Strukturen erhalten bleiben wird, die den Streitkräften der Ukraine im Widerstand gegen die zermürbende russische Aggression helfen sollen.

Ob Fedorov von Zelensky erneut für das Amt des Verteidigungsministers vorgeschlagen wird oder ob er eine Struktur leiten wird, die sich gerade mit der Erneuerung der Taktik und Strategie der Streitkräfte der Ukraine im Hinblick auf jene Technologien beschäftigt, die den Krieg in der kommenden Phase verändern sollen – sodass sowohl die menschlichen Verluste als auch die unmittelbare Gefahr direkter Zusammenstöße an der Frontlinie zwischen russischen und ukrainischen Truppen verringert werden.

Das heißt: eine Vergrößerung dieser sogenannten „Kill Zone“, die der ukrainischen Armee ermöglichen würde, die Kontrolle über jene Gebiete zu bewahren, die sich heute unter der Herrschaft der legitimen ukrainischen Regierung befinden, und sogar über eine Ausweitung dieses Territoriums auf Kosten der heute vom Kreml kontrollierten besetzten ukrainischen Gebiete nachzudenken. Oder zumindest Bedingungen zu schaffen, unter denen die besetzten Gebiete von Russland selbst isoliert werden – so, wie dies bereits auf der Krim geschieht und, wie ich hoffe, auch weiterhin geschehen wird.

Denn Russland zu beweisen, dass es ukrainisches Territorium zwar besetzen, dort aber keine tatsächliche Herrschaft ausüben kann, muss ebenfalls zu einem wichtigen Argument in den kommenden Jahren der Fortsetzung und – hoffentlich eines Tages – des Abklingens dieses endlosen und schrecklichen russisch-ukrainischen Krieges werden.

Dafür braucht es sowohl eine starke Armee als auch moderne Ansätze für deren Einsatz. Umso mehr, als wir bereits mehrere technologische Veränderungen während dieses Krieges erlebt haben. Angesichts der Tatsache, wie lange dieser Krieg noch andauern kann, könnten wir noch mehrere echte technologische Wendepunkte erleben.

Denn während eines großen Krieges – und dies ist ein großer Krieg, der sich nur noch weiter ausweiten kann – entwickeln sich Technologien im beschleunigten Tempo. Der technologische Fortschritt beschleunigt sich in Zeiten großer Kriege stets weit stärker als in Friedenszeiten. Denn die Energie richtet sich auf den Sieg im Krieg und damit auf die Entwicklung neuer militärischer Technologien, die Ländern wie der Ukraine helfen können, sich erfolgreich gegen Atommächte wie die Russische Föderation zu behaupten.

Und dabei müssen wir dem technologischen Fortschritt selbstverständlich immer einen Schritt voraus sein, um unseren Staat zu bewahren und zumindest hoffen zu können, in den kommenden schwierigen Jahren einen Weg zum Ende dieses Krieges zu finden. Das erfordert die Bündelung der Kräfte und das Bewusstsein der ukrainischen Führung für ihre Verantwortung, den ukrainischen Staat und das ukrainische Volk in den bevorstehenden schwierigen Zeiten zu bewahren.


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Titel des Originals: Зеленський зустрівся із Федоровим і Сирським | Віталій Портников. 18.07.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 18.07.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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