Putin hat Trump mit dem „Waffenstillstand“ getäuscht | Vitaly Portnikov. 03.02.2026.

Der massive russische Angriff auf die Ukraine in dieser Nacht wird von vielen als das Ende des sogenannten energetischen Waffenstillstands bezeichnet. Und ich möchte diese Frage erneut stellen: Gab es diesen Waffenstillstand überhaupt? Wir erfuhren von ihm durch den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der berichtete, er habe den Präsidenten Russlands gebeten, während der stärksten Kälteperiode keine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine durchzuführen.

Der Kreml hat niemals anerkannt, dass Putin dieser Bitte Trumps zugestimmt hätte. Allerdings betonte Putins Pressesprecher Peskow, dass Trump darum gebeten habe, bis zum 1. Februar keine Angriffe auf die Ukraine zu führen.

Warum genau dieses Datum gewählt wurde, erklärte der Kreml nie, doch die Tatsache bleibt bestehen: Die massiven Angriffe wurden genau am Tag nach dem in der russischen Hauptstadt genannten Datum wieder aufgenommen. Und trotz der starken Fröste, die derzeit in der Ukraine herrschen, waren sie nicht weniger grausam und nicht weniger umfangreich als frühere Angriffe Putins.

Somit kann festgestellt werden, dass der russische Präsident keinerlei Rücksicht darauf genommen hat, dass sein amerikanischer Amtskollege ihn gebeten hatte, gerade während der starken Kälte keine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine zu führen. Und daher stellt sich die Frage, ob Putin tatsächlich jemals an einen energetischen Waffenstillstand gedacht hat. Und ob man den Berichten Glauben schenken kann, die nach Trumps Erklärung in den Medien auftauchten, wonach angeblich bei den vorherigen Gesprächen in Abu Dhabi ein energetischer Waffenstillstand vereinbart worden sei, dass russische und ukrainische Unterhändler darüber gesprochen hätten und dass russische Unterhändler den Ukrainern mündlich zugesagt hätten, diesen Waffenstillstand einzuhalten.

Wie ich bereits sagte, nachdem diese – übrigens von niemandem bestätigten – Informationen aufgetaucht waren, konnte es dabei ausschließlich um den Wunsch der Russischen Föderation gehen, eine ausreichende Anzahl an Kalibr-Raketen, Iskander-Systemen und Drohnen für einen neuen massiven Angriff auf die Ukraine anzusammeln. Und Putin konnte dies in seiner Kommunikation mit Trump sogar als Waffenstillstand und als Bereitschaft darstellen, dem amerikanischen Präsidenten entgegenzukommen.

Schließlich waren wir unzählige Male Zeugen von Situationen, in denen Russland seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Ukraine allein deshalb einstellte, weil ihm die Ressourcen für weitere Angriffe fehlten. In solchen Fällen sammelte es diese Ressourcen an. Und das wurde niemals als irgendein Waffenstillstand bezeichnet, sondern ausschließlich als unzureichende Anzahl von Raketen und Drohnen für einen neuen massiven Angriff wahrgenommen.

Deshalb weiterhin zu glauben, dass der russische Präsident tatsächlich am Erfolg von Verhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine interessiert sei – wie Trump in der Nacht des massiven russischen Angriffs auf unser Land erneut erklärte –, bedeutet schlicht, die Augen vor der Realität zu verschließen. Zu sagen, Putin sei dem amerikanischen Präsidenten aus humanitären Gründen entgegengekommen und das bedeute bereits sehr viel – ich zitiere hier Trump –, heißt ebenfalls, die Augen vor der Realität zu verschließen. Zu glauben, dass russisch-ukrainische Konsultationen in Abu Dhabi heute irgendein realistisches Ergebnis bringen könnten, bedeutet ebenfalls, die Augen vor der Realität zu verschließen.

Und mit geschlossenen Augen zu leben bedeutet, die Herausforderungen nicht zu erkennen und den Abnutzungskrieg und Überlebenskampf zu verlieren, den Putin gegen die Ukraine führt. Und selbst wenn es dem amerikanischen Präsidenten und seinem Team an diesem Realismus und an diesem Verständnis dessen fehlt, was in der Welt tatsächlich geschieht, bedeutet das nicht, dass es uns selbst an diesem Realismus und diesem Verständnis mangeln darf.

Es gibt noch einen weiteren Punkt im Zusammenhang mit diesem massiven Angriff: Warum erfolgte er genau in dieser Nacht, und warum nannten die Russen die ganze Zeit hartnäckig und beharrlich das Datum 1. Februar? Das hatte nichts mit der Kälte zu tun. Es hing damit zusammen, dass man wusste, dass der Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, in die ukrainische Hauptstadt reisen würde, dass er vor den Abgeordneten der Werchowna Rada der Ukraine sprechen würde und dass dies ein bedeutender Moment der Unterstützung des ukrainischen Staates und des ukrainischen Krieges gegen die russische Aggression seitens des Generalsekretärs des Bündnisses sein würde, das Russland bis heute in seinen imperialen Ambitionen und in seinen Versuchen, seine Einflusssphäre in Europa wiederherzustellen, zurückhält.

Hinzu kommt, dass wir sehr genau wissen, dass Mark Rutte – ein Politiker mit guten Beziehungen zu Donald Trump, einer der wenigen europäischen Politiker, die in der Lage sind, Einfluss auf Trump auszuüben – fähig ist, ich würde sagen, den Versuchen Putins und seines Umfelds entgegenzutreten, dem amerikanischen Präsidenten Sand in die Augen zu streuen und bei den Verhandlungen Zeit zu gewinnen, in der Hoffnung, dies als Teil des russischen Krieges gegen die Ukraine bis zum Ende von Trumps Präsidentschaft im Januar 2029 fortsetzen zu können. So lange ist das gar nicht mehr, wenn man einen Blick auf den politischen Kalender wirft.

Und deshalb ruft Rutte mit seinen harten antirussischen Erklärungen und seinen Appellen an die NATO-Staaten, die Unterstützung der Ukraine in unserem Krieg gegen die russische Aggression fortzusetzen, offenkundigen Hass bei den Russen hervor. Und allein die Tatsache, dass der Generalsekretär des Nordatlantischen Bündnisses im ukrainischen Parlament auftritt, löst bereits den Wunsch aus, ihm zu demonstrieren, dass Russland bereit ist, den Krieg fortzusetzen, dass es Kyiv selbst dann beschießen kann, wenn er in der ukrainischen Hauptstadt eintrifft – sogar während seiner Rede –, und dass eine Person in einer derart hohen Position beim Führungskreis der Russischen Föderation keinerlei Respekt genießt.

Dabei erinnern wir uns gut daran, dass der Beschuss Kyjiws praktisch eingestellt wurde, wenn irgendein hochrangiger amerikanischer Beamter in die Stadt reiste, selbst wenn dieser keine bedeutende Position in der Trump-Administration innehatte. Und das soll aus Sicht Moskaus ebenfalls demonstrieren, dass man in der russischen Hauptstadt jenen mit Respekt begegnen kann, die aus Washington in die Ukraine reisen, gegenüber europäischen Politikern jedoch keinerlei Respekt zeigt – selbst wenn diese bedeutende internationale Organisationen anführen.

Und dies ist natürlich ein weiterer demonstrativer Schlag ins Gesicht und eine weitere Erinnerung daran, dass die NATO für Russland ein feindliches Bündnis ist, mit dem Moskau bereit ist, nicht nur durch die Bombardierung der Ukraine zu kämpfen.

So bestimmten diese beiden Umstände – Trump zu ignorieren und zu demonstrieren, dass Putin schießt, wann immer er es will, sowie seine Verachtung gegenüber Rutte, der NATO und sein erneutes Signal, dass eine euroatlantische Integration der Ukraine unmöglich sei – den Zeitpunkt unmittelbar nach dem 1. Februar für einen neuen verbrecherischen Angriff auf unser Land. Einen Angriff, der dazu bestimmt ist, jenen die Illusionen zu nehmen, die bereit sind, sich ihnen hinzugeben. Wobei, wie wir sehen, keine einzige russische Attacke dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika irgendwelche Illusionen nimmt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін обманув Трампа з «перемир’ям» | Віталій Портников. 03.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Rum-Baba. Vitaly Portnikov. 01.02.2026.

(sowjetisches Luxusgebäck; Symbol der Privilegien während der Blockade)

Die Blockade Leningrads war in der Sowjetunion schon lange vor dem Zeitpunkt eine der am stärksten mythologisierten Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, bevor der Sieg in diesem Krieg zur wichtigsten ideologischen Grundlage des putinschen Russlands wurde. Schon damals, noch vor der postsowjetischen Zeit, gab es Menschen, die von Ungleichheit im Hunger und in der Kälte sprachen und von Rum-Babas für das Parteifunktionärspersonal erzählten – einem Symbol für den Luxus der Privilegierten mitten im Hunger, ein Bild und eine Tatsache, die von einem der bekanntesten Leningrader Schriftsteller der Nachkriegsjahrzehnte, dem Frontkämpfer Daniil Granin, aufgegriffen wurden. Und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion – in jener kurzen Phase, in der man in Russland noch über etwas diskutieren konnte – begannen Stimmen laut zu werden, die das Handeln der sowjetischen Partei- und Militärführung während der Blockade infrage stellten.

All dies widerlegt selbstverständlich nicht die Tatsache des Leidens gewöhnlicher Menschen, die zu Geiseln des Krieges wurden. In der Sowjetunion richtete sich die Aufmerksamkeit gerade auf dieses Leiden, auf die Kälte und den Hunger. Man versuchte alles dafür zu tun, dass das Leid der Leningrader als eine der größten Katastrophen des Zweiten Weltkriegs wahrgenommen wurde, damit es im Bewusstsein der Bewohner des Imperiums sogar solch gewaltige und beispiellose Verbrechen wie den Holocaust verdrängte. Und ja, Moskau tat stets alles, damit diese Qualen aus Hunger und Kälte als Völkermord angesehen wurden – zuletzt wurde diese Definition in einer Erklärung des russischen Außenministeriums aus dem Jahr 2024 verwendet.

Natürlich war die Wirkung der Tragödie vor allem in Sankt Petersburg selbst zu spüren, wo es unter den Vorkriegsbewohnern praktisch keine Familien gab, die nicht von ihrem eigenen Leid und ihren eigenen Opfern berichten konnten. Der Piskarjowskoje-Gedenkfriedhof wurde zu einer der wichtigsten städtischen Dominanten, nicht weniger bedeutsam für das Empfinden der Stadt als der Newski-Prospekt oder die Petersburger Kanäle.

Und welch Ironie des Schicksals ist es, dass ausgerechnet ein Mensch, der angeblich in dieser blockadengeprägten Erinnerungstradition aufgewachsen ist, ein Mensch, der den Sieg im Zweiten Weltkrieg zu einer der zentralen Säulen seines Regimes gemacht hat, beschloss, genau diese unaussprechlichen Verbrechen zu wiederholen. Denn der Wunsch, die Ukrainer erfrieren zu lassen und sie gerade durch Leiden zur Kapitulation zu zwingen, war bei Putin praktisch seit den ersten Wochen des großen Krieges erkennbar. Und nun, im fünften Winter, kann er hoffen, seinem Ziel nähergekommen zu sein.

Dabei würde ich mich über Putins Wunsch, ältere Menschen und Kinder in kalten Wohnungen erfrieren zu lassen, nicht wundern. Denn in Wirklichkeit gab es immer zwei Blockade-Mythen. Der eine ist der Mythos der Menschen, die hungerten und an Kälte starben. Und der andere ist der Mythos der Menschen, die Rum-Babas aßen.

Wer sich am unteren Rand der Gesellschaft befand, hätte sich wünschen können, das eigene und fremde Leben so zu verändern, dass sich weder der Horror von Hunger und Kälte noch der Horror der Rum-Babas wiederholte. Doch bei dem „richtigen“ sowjetischen Menschen – und Putin ist genau ein solcher „richtiger“ sowjetischer Mensch – griff stets ein völlig anderer Instinkt: sich dem Funktionärswesen anzuschließen, um nie wieder in eine Notlage zu geraten und diejenigen nicht mehr als Menschen zu betrachten, denen das nicht gelungen war.

Deshalb kann er auch eine besondere Genugtuung empfinden, wenn er sieht, wie die Menschen in Kyiv, Charkiw oder Odesa leiden – weil er überzeugt ist, dass ihm selbst so etwas niemals widerfahren kann. Dass er die richtige Entscheidung getroffen hat, als er noch als Schüler zur Leningrader Abteilung des KGB ging, um zu fragen, wie er sich der „Behörde“ anschließen könne. Denn er verstand: Genau dort würde er Schutz haben, genau diese Menschen sichern Karriere und Sicherheit – und außerdem die Unmöglichkeit, jemals in eine Situation zu geraten, in der man in einer kalten Wohnung bei zwanzig Grad Frost stirbt, während irgendwo in der Nachbarstraße „Diener des Volkes“ in einem warmen Büro mit dicker Schicht Kaviar ihre Butterbrote bestreichen.

Er wollte ein „Mensch mit einer Rum-Baba“ werden – und er ist es geworden. Im „moralischen Kodex“ solcher Menschen bedeutet das nicht nur, die Möglichkeit zu haben, den gewünschten Erfolg zu erreichen, sondern auch die Möglichkeit, sich über andere lustig zu machen und sie zu quälen. Deshalb ist dieser Krieg für einen Menschen mit sadistischen Neigungen ein echtes Geschenk des Schicksals. Keiner von uns kann sich auch nur annähernd das Vergnügen vorstellen, das er empfindet, wenn er den nächsten Angriff plant oder sich nach der Temperatur in Kyiver Wohnungen erkundigt. Ein Mensch, unter dessen Residenzfenstern sein hellster Gegner – ungehemmt, lächelnd und lebensfroh – ermordet wurde, kann nicht anders sein. Jeder weitere Tag, an dem eine solche Person an der Macht bleibt, treibt sie zwangsläufig zu immer neuen Verbrechen und zu immer neuer Lust am Leben.

Zu immer neuen Rum-Babas zum Dessert.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Ромова баба. Віталій Портников. 01.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin bereitet eine Falle vor | Vitaly Portnikov @єПитання. 06.01.2026.

Olena Trybushna: Ich möchte damit anfangen, ob das persönliche Treffen zwischen Zelensky und Trump irgendwie Ihre Einschätzung dessen beeinflusst hat, was tatsächlich am Verhandlungstisch passiert. Ist das wirklich etwas, das inhaltlich Substanz haben kann und einen Weg zu irgendeiner Vereinbarung – oder ist es eine Imitation, eine Inszenierung – und zwar von allen Seiten?

Portnikov: Wissen Sie, Trump hat gesagt, dass er nur dann mit Zelensky und Putin sprechen werde, wenn es irgendeine Konkretheit gibt.

Olena Trybushna: Wann wird es etwas geben, worüber man sprechen kann?

Portnikov: Dass er Zelensky nach Mar-a-Lago eingeladen und zugleich ein Gespräch mit Putin geführt hat – mit dem er sich in Budapest zu treffen abgelehnt hatte, vergessen Sie das nicht – spricht dafür, dass eine gewisse Konkretheit vorhanden ist. Die Frage ist nur: welche? Und hängt die Frage der Beendigung der Kampfhandlungen jetzt wirklich – wie russische Beamte sagen – davon ab, dass die ukrainische Armee das Gebiet des Donbas verlässt? Oder ist das ausschließlich ein Vorwand, um die Gespräche in die Länge zu ziehen und den Krieg fortzusetzen, mit dem Ziel, die Ukraine als Staat zu zerstören? Aber man sollte beide Varianten betrachten.

Olena Trybushna: Lassen Sie uns das versuchen, denn ich habe die Frage, ob das wirklich jetzt nur der Stolperstein ist und der letzte Punkt, den man lösen muss – und dann liegt die Vereinbarung auf dem Tisch. Oder ist es für Putin einfach der nächste Weg, genau diese Vereinbarung nicht zu unterschreiben?

Portnikov: Putin ist ein Mensch, der in Varianten denkt. Kein Berufs-Mitarbeiter des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion und des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation denkt in nur einer Variante des Geschehens. Genau darüber haben wir gesprochen – sagen wir – im Jahr 2019, als man fragte, wie der KGB gegen KVN (KVN = „Klub der Witzigen und Einfallsreichen“ – eine sowjetische Comedy-Show. Dorther kommt Volodymyr Zelensky und große Teile seines Umfelds) kämpfen würde. Das ist kein Witz, weil unsere Führung sich einen bestimmten Verlauf der Situation vorstellen kann, dem sie folgt. Und sie können glauben, dass sie, wenn sie genau diesem Verlauf folgen, ein bestimmtes Ergebnis erreichen. Putin hingegen kann mehrere Varianten auf dem Tisch haben, und jede davon kann eine Fortsetzung haben. Darin liegt die Gefahr.

Und übrigens muss ich Ihnen sagen: Aus dieser Perspektive ist die Ukraine derzeit eher den Vereinigten Staaten ähnlich als Russland. Denn auch die Vereinigten Staaten können eine Variante auf dem Tisch haben – die Beendigung des Krieges, die Beendigung des Feuers – und sie können glauben, dass sie, wenn sie zu so einer Variante kommen, Erleichterung erreichen.

Die erste Variante, über die wir gesprochen haben: Die Ukraine lehnt alles ab, lehnt es ab, Truppen abzuziehen – obwohl wir das in den Aussagen von Präsident Zelensky nicht hören, stimmt’s? Und dann geht der Krieg einfach weiter. Schauen wir nun auf die zweite Variante. Die Ukraine sagt, dass sie die Frage eines Abzugs ihrer Truppen aus dem Teil des Gebiets der Oblast Donezk prüfen kann, der heute unter Kontrolle der ukrainischen Truppen steht.

Olena Trybushna: Wenn das irgendeine demilitarisierte Zone wäre.

Portnikov: Eine demilitarisierte Zone, eine Freie Wirtschaftszone. Dann beginnen Gespräche über ein Referendum. Vielleicht wird es eines geben, vielleicht nicht, vielleicht entscheidet das die Werchowna Rada. Ehrlich gesagt ist mir nicht einmal sehr klar, worum es überhaupt geht. Wenn wir auf einem Teil des Territoriums der Ukraine eine Freie Wirtschaftszone schaffen, dann braucht man ganz sicher keinerlei Referenden, weil die Oblast Donezk – das ist Territorium der Ukraine.

Olena Trybushna: Und dort eine ukrainische Verwaltung ohne all diese Tricks.

Portnikov: Darüber sprechen wir jetzt gar nicht – über die Verwaltung. Ich sage Ihnen, wie das aus juristischer Sicht aussieht. Es ist völlig egal, welche Verwaltung dort ist. Wichtig ist, dass wir glauben, dass es unser Territorium ist. Ich meine: aus rechtlicher Sicht ist das egal. Und dort gibt es eine Freie Wirtschaftszone. Wer verwaltet diese Wirtschaftszone? Das ist schon eine Frage, wie die ukrainische Regierung das sieht. Es könnte eine Verwaltung der Freien Wirtschaftszone geben, die in einem Abkommen mit den Vereinigten Staaten geschaffen wurde. Es ist ja eine Freie Wirtschaftszone.

Olena Trybushna: Nicht etwa die Russen.

Portnikov: Unklar ist, in welchem Ausmaß die Russen in diesem Teil des Territoriums präsent sein werden. Wenn sie präsent sind, ist das ein völlig anderer rechtlicher Status. Wenn dort keine Russen präsent sind, sprechen wir von einer demilitarisierten Zone. Warum sollten ausgerechnet Russen sie steuern, wenn sie demilitarisiert ist?

Olena Trybushna: Irgendeine bedingte Rosgvardija, die sie nicht „Truppen“ nennen.

Portnikov: Nein – das ist etwas, dem wir zustimmen müssten, dem die Amerikaner zustimmen müssten. Das ist eine andere Geschichte. Und sie können jetzt über die Rosgvardija reden und später sagen: „Nein, wir brauchen dort keine Rosgvardija, dort soll die lokale Miliz sein.“ Erinnern Sie sich, wie es in den Minsker Abkommen war? Dort war auch eine lokale Miliz in den besetzten Gebieten vorgesehen. Keine Rosgvardija. Und diese lokale Miliz sollte aus Sicht der Minsker Abkommen selbstständig durch lokale Behörden gebildet werden. Das heißt, alle verstanden sehr gut, was das sein würde. Aber aus rechtlicher Sicht blieb es trotzdem die Oblast Donezk der Ukraine, richtig? Der Staat kann festlegen, wie die Verwaltung dieses oder jenes Territoriums aussehen wird.

Worauf ich hinaus will: Man kann die Ukrainer nicht fragen: „Seid ihr dafür oder dagegen“, weil es um eine Freie Wirtschaftszone geht. Die Ukrainer kann man nur in einem Fall fragen: Wenn wir auf die Oblast Donezk der Ukraine verzichten – auf Donezk, auf Luhansk, auf Cherson, auf Saporischschja, auf die Krim – dann ist das eine Frage für ein Referendum. Der Präsident der Ukraine könnte ein internationales Abkommen unterschreiben. Er würde seine Unterschrift unter ein Abkommen setzen, das vorsieht, dass wir auf unser Territorium verzichten. Ich sage nicht, dass Präsident Zelensky das unterschreiben wird. Ich spreche nur über das Verfahren.

Olena Trybushna: Aber die Verfassung – die Verfassung verbietet das?

Portnikov: Nein, so einfach ist das nicht. Er kann so ein Abkommen unterschreiben. Dann können diese Fragen gemäß der Verfassung einem landesweiten Referendum vorgelegt werden. Wenn ein landesweites Referendum damit endet, dass die Mehrheit der ukrainischen Bürger dafür stimmt, diese Regionen aus der Verfassung zu entfernen, muss das von der Werchowna Rada umgesetzt werden. Wenn die Werchowna Rada das umsetzt, muss das das Verfassungsgericht bestätigen – die Übereinstimmung dieser Entscheidung mit der Verfassung der Ukraine. Es wird das nicht bestätigen, weil die unmittelbare Wirkung der Verfassung jede Entscheidung, die mit der Entfernung von Territorium aus dem Bestand der Ukraine zusammenhängt, entschieden verbietet.

Ja, wir geraten in eine Sackgasse – nur nicht sofort. Verstehen Sie, was das Hauptproblem ist? Ich erzähle Ihnen das. Glauben Sie, Putin weiß das nicht?

Olena Trybushna: Er weiß es. Und deshalb die Frage: Wird er zustimmen – und wozu?

Portnikov: Nein, das ist eine ganz andere Frage. Putin hat, wie Sie wissen, die Juristische Fakultät der Universität Sankt Petersburg abgeschlossen – so wie Medwedew. Sie sind Juristen. Man kann natürlich sagen, dass sie nie in dieser Arbeit tätig waren. Putin hat später überhaupt das Andropow-Institut abgeschlossen. Medwedew ist ein professioneller Jurist, er hat sich mit Jurisprudenz beschäftigt. Man kann sagen, Zelensky sei auch ein professioneller Jurist, der nie in dieser Arbeit tätig war. Aber wir betrachten jetzt nicht Zelenskys Portfolio, sondern Putins Portfolio. Putin kann sehr genau verstehen – ebenso wie Medwedew, sagen wir, und einige andere aus diesem Umfeld – wenn Juristen ihnen ein Gutachten bringen, dann werden sie sehr genau verstehen, was dort steht.

Dieses Gutachten wurde Putin offensichtlich im Januar–Februar 2014 gebracht. Als er die Entscheidung über die Abtrennung der Krim traf, über die Annexion der Krim und Sewastopols, musste er unbedingt Juristen, Experten – sogar vom Verfassungsgericht der Russischen Föderation – fragen, wie das Verfassungsgericht der Ukraine auf eine mögliche Entfernung der Krim aus der Verfassung der Ukraine reagieren würde. Ich versichere Ihnen: Angesichts von Putins Genauigkeit für solche Details hat er das sicherlich gemacht und das Gutachten erhalten.

Und hier kommt die nächste Frage: Was wollte Putin in diesem Gutachten? Dass wir so eine Möglichkeit hätten – oder dass wir sie nicht hätten?

Olena Trybushna: Wie Sie sagen: Bei ihm wäre die Wahl immer mehrgleisig.

Portnikov: Für ihn ist es besser, wenn wir diese Möglichkeit nicht haben. Denn wenn wir sie nicht haben, dann annektiert er die Krim, später andere Gebiete der Ukraine, und er führt uns in eine Sackgasse, in eine Falle, weil er eine Situation braucht, in der die Frage der Abtrennung von Territorium auf unrechtliche Weise gelöst wird. Ich habe Ihnen dieses Verfahren erklärt. Aber heißt das, dass das Verfassungsgericht keine Entscheidung treffen kann, die der ukrainischen Verfassung widerspricht? Ich möchte Sie daran erinnern, dass das Verfassungsgericht im Jahr 2019 genau so eine Entscheidung getroffen hat.

Wir haben eine Werchowna Rada – ob das den Anhängern von Volodymyr Zelensky gefällt oder nicht – die auf unrechtliche Weise gewählt wurde, weil es 2019 keine realen Gründe für die Auflösung der Werchowna Rada aus den Motiven gab, von denen sich der damalige und heutige Präsident der Ukraine leiten ließ. Aber das Verfassungsgericht bestätigte ruhig seine These.

Niemand hat gesagt, dass unter den Bedingungen, in denen wir sind – wenn ein Referendum stattfindet, wenn die Mehrheit der Menschen sich für die Abtrennung des Territoriums ausspricht, wenn die Werchowna Rada das bestätigt – das Verfassungsgericht nicht aus politischer Zweckmäßigkeit die Verfassung so interpretieren könnte, dass es keinen Anlass gibt, снова zum Krieg zurückzukehren. Denn welche Situation kann entstehen? Das Abkommen wird unterzeichnet, die Kampfhandlungen werden eingestellt, aber im Wesentlichen wird es ein Waffenstillstand sein, kein Frieden. Und alle werden wunderbar verstehen: Wenn wir dagegen stimmen, wenn die Ukrainer diesen internationalen Vertrag nicht billigen, die Werchowna Rada ihn nicht billigt, das Verfassungsgericht ihn nicht billigt – dann bekommt Russland die Möglichkeit, die Kampfhandlungen wieder aufzunehmen, nur nicht mehr in der Situation, in der die Vereinigten Staaten uns helfen würden, weil die Vereinigten Staaten alles getan haben.

Olena Trybushna: Alles, was sie konnten.

Portnikov: Stellen wir uns nun vor, wie sich die Situation in der zweiten Variante entwickelt. Ich bin überzeugt, dass Putin diese Annexion bewusst durchgeführt hat, weil er genau diesen möglichen weiteren Verlauf bereits eingeplant hatte – denn mit irgendeiner anderen ehemaligen Sowjetrepublik hat er das nicht gemacht. Er hat die Variante Transnistrien: Russland besetzt, annektiert aber nicht und erkennt nicht an. Er hat die Variante Abchasien und Südossetien: Russland besetzt, erkennt die Unabhängigkeit an, gliedert aber nicht ein. Und es gibt die Variante Ukraine – weil die Ukraine in dieser Situation wichtiger ist als 175 Georgien zusammen. Und man muss sie in die Falle treiben.

Was passiert danach, wenn wir dieses Abkommen anerkennen, zustimmen, dass die Oblaste Donezk, Luhansk, Cherson, Saporischschja – und dann weiter, die Krim, Sewastopol, auch wenn es nur ein Teil dieser Gebiete wäre – keine Gebiete der Ukraine sind? Ich denke, wir werden in dieser Situation weitergehen wollen, damit es überhaupt keine Fragen mehr an die Russische Föderation gibt, понимаете? Denn если wir Donezk anerkennen, aber Cherson nicht anerkennen – das ist die Gefahr eines Krieges. Wir wollen doch, dass es keinen Krieg mehr gibt. Also erkennen wir all diese Gebiete an, sagen wir so.

Olena Trybushna: Sie meinen, das öffnet den Weg, dass wir so immer weiter und weiter und weiter Territorien an Putin abgeben können.

Portnikov: Mir scheint, dass man gar nichts „abgeben“ muss. Das ist eine schleichende Kapitulation. Wozu irgendetwas abgeben? Es wird ein Staat mit Merkmalen von Staatlichkeit geben. Aber dieser Staat wird ganz genau einige Dinge wissen. Erstens: Keine Vereinigten Staaten werden uns im Fall eines neuen Angriffs helfen, weil wir einen Friedensvertrag gebilligt und unsere eigene Verfassung vergewaltigt haben. Wo ist das Problem?

Olena Trybushna: Glauben Sie, das ist die Falle, in die uns die Russen jetzt stoßen?

Portnikov: In die uns die Russen mit Hilfe von Trump stoßen. Und wir tun bereits bestimmte Dinge, ohne überhaupt zu bemerken, dass wir in dieser Falle sind. Ein sehr gutes Beispiel: Ich habe bemerkt – das ist ein weiterer gezielter Angriff gegen mich, ich bin es leid, sie zu zählen – wegen dessen, dass ich gesagt habe, dass Wahlen in „Diia“ absolut sinnlos sind, weil die Russen sie sowieso niemals anerkennen werden.

Und da begannen regierungsnahe Blogger zu sagen: „Und wieso soll Portnikov überhaupt auf die Russen achten? Wir brauchen die Meinung unseren Verbündeten.“ Aber den Verbündeten ist es gar nicht nötig, dass wir während des Krieges Wahlen durchführen. Das einzige Land, das von der Illegitimität der ukrainischen Macht spricht, von der Illegitimität des Präsidenten, den wir alle hier als legitim ansehen – und das ist unser gesellschaftlicher Konsens: bei Zelenskys Anhängern und bei Zelenskys Gegnern. Ich bin, wie Sie wissen, ein klarer Gegner von Zelensky, aber ich halte ihn für den legitimen Präsidenten der Ukraine und halte das Parlament für legitim, in dem „Diener des Volkes“ die Mehrheit hat.

Die einzige Person, die dem nicht zustimmt, ist der Präsident der Russischen Föderation, Putin. Wenn Trump sagt, dass es in der Ukraine lange keine Wahlen gab, sagt er das im Grunde auf Putins Einflüsterung. Aber das Wichtigste ist das Andere: Selbst wenn Trump meint, dass es bei uns irgendwelche Wahlen geben sollte, spricht er trotzdem mit dem amtierenden Präsidenten der Ukraine als mit einem legitimen Führer. Das haben wir in Mar-a-Lago gesehen. Und er wird mit ihm sprechen, solange Volodymyr Zelensky die Pflichten des Präsidenten der Ukraine erfüllt. Für wen führen wir also Wahlen durch?

Olena Trybushna: Für Putin.

Portnikov: Für Putin. Das ist die Realität. Man muss nicht irgendwelchen Wahlen erfinden, die in Kriegszeiten stattfinden. Das sind Wahlen für Putin. In „Diia“, nicht in „Diia“, irgendein anderer Mist wird noch auftauchen, irgendetwas wird sich die Werchowna Rada ausdenken. Und das Wichtigste: Putin wird diese Wahlen nicht anerkennen.

Und ich versichere Ihnen: Selbst wenn wir diese Kriegszeit-Wahlen durchführen und es uns danach gelingt, den Krieg zu stoppen, werden wir unbedingt neue Wahlen durchführen. Denn für viele Ukrainer wird – und das ist noch ein Problem dieser Wahlen – das Niveau der Legitimität sinken. Wir wissen ja nicht, wie diese Wahlen ablaufen werden.

Olena Trybushna: Man wird das Ergebnis anzweifeln, das einem nicht gefällt.

Portnikov: Wir haben keinerlei Fragen zur Legitimität von Volodymyr Zelensky – keinerlei. Der Präsident der Ukraine erhielt die Unterstützung von 73% derjenigen, die zur Wahl kamen. Welches Niveau von Legitimität braucht man noch? Und schauen Sie: In dieser Situation sagen wir: „Oh, er ist schon zu lange Präsident.“ Wie lange ist er Präsident? Im sechsten Jahr. Es gibt Präsidenten, die sieben Jahre im Amt sind. Der Präsident der Russischen Föderation wird, glaube ich, für sechs Jahre gewählt. Der Präsident Kasachstans wird für sieben Jahre gewählt. Wo liegt das Problem?

Olena Trybushna: Das Problem ist, dass die Menschen keine Frage zur Legitimität haben, aber eine Frage zur Effektivität in einem Krieg führenden Land – zu ihm und seinem Umfeld.

Portnikov: Ich habe auch Fragen zur Effektivität, aber wieder: Das ist die Wahl der Menschen. Und niemand hat gesagt, dass der nächste Präsident der Ukraine, der in Kriegszeiten Präsident wird, effektiver sein wird. Wir wissen nicht, wer das sein wird. Und noch eine Frage: Wer hat Ihnen gesagt, dass es überhaupt ein neuer Präsident der Ukraine sein wird? Unter Kriegsbedingungen werden die meisten Menschen höchstwahrscheinlich für den amtierenden Präsidenten stimmen.

Olena Trybushna: Umfragen zeigen, dass es Zaluzhny sein könnte, zum Beispiel.

Portnikov: Wenn er an Wahlen in Kriegszeiten teilnehmen wird. Das wissen wir nicht.

Olena Trybushna: Wir wissen es nicht, aber man sagt, möglicherweise kommt er zurück.

Portnikov: Vielleicht, vielleicht nicht. Er kann zurückkommen und einen Beamten im Büro des amtierenden Präsidenten werden.

Olena Trybushna: Sind Sie dagegen, den Präsidenten auszutauschen?

Portnikov: Ich will, dass es echte landesweite Wahlen gibt. Ich will, dass diese Wahlen nicht in „Diia“ stattfinden, weil „Diia“ überhaupt kein anonymes Portal ist. Ich verstehe nicht, wie ich an Wahlen teilnehmen soll, bei denen jeder, wenn er will, meine Stimme sehen kann. Dann nehme ich es einfach und wähle Volodymyr Zelensky, damit man mir nicht auf die Nerven geht. Ich bin schon bereit zu wählen, weil das keine Wahlen sind, das ist ein Plebiszit zur Unterstützung von „Nursultan Nazarbayev“, entschuldigen Sie – nur heißt er anders.

Ich will, dass Menschen teilnehmen, die Bürger der Ukraine sind. Ich will, dass Menschen teilnehmen, die im Ausland sind. Ich will, dass Menschen teilnehmen, die in den Streitkräften der Ukraine dienen, dass sie wirklich teilnehmen. Ich will eine Antwort auf die Frage bekommen, was mit den Bürgern der Ukraine sein wird, die sich in den besetzten Gebieten und auf dem Territorium der Russischen Föderation befinden. Denn man wird von uns verlangen – und nicht nur die Russen – dass wir diesen Menschen die Möglichkeit geben, an den Wahlen teilzunehmen.

Sagen Sie mir bitte: Worin unterscheidet sich ein Bürger der Ukraine mit ukrainischem Pass, der in Rostow ist, von einem Bürger mit ukrainischem Pass, der in Berlin ist? Können Sie mir das erklären?

Olena Trybushna: In nichts.

Portnikov: Und wie können wir Bedingungen schaffen, damit diese Menschen in einem Land abstimmen, mit dem wir keine diplomatischen Beziehungen haben und mit dem wir faktisch in einem Zustand eines militärischen Konflikts sind? Das sind alles Fragen, auf die man Antworten finden muss.

Und Sie verstehen doch: Putin wird sagen, dass das illegitime Wahlen sind, weil Millionen Menschen, die auf den besetzten Gebieten und auf dem Territorium Russlands leben, nicht teilgenommen haben. Er wird sagen: „Diese Menschen sind ukrainische Bürger geblieben. Sie leben in unserem Land, aber sie sind ukrainische Bürger geblieben. Und das Regime Zelensky erlaubt ihnen nicht, an den Wahlen teilzunehmen.“

Olena Trybushna: Putin wird – unabhängig vom Ergebnis – das sagen, was ihm nützt.

Portnikov: Wozu sollen wir dann Wahlen für Putin durchführen?

Olena Trybushna: Für Putin braucht man das nicht. Noch eine Frage zum Referendum. Viele Menschen beschäftigt real die Sorge: Wenn es dazu kommt, wenn sie gezwungen sind, auf diese Frage zu antworten – wie sollen sie dann richtig abstimmen? Sie haben Angst vor dieser Entscheidung.

Portnikov: So abstimmen, wie das Gewissen es sagt. Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie über das Territorium der Ukraine verfügen und es den Russen überlassen dürfen – stimmen Sie dafür. Wenn Sie glauben, dass Sie das nicht dürfen – stimmen Sie dagegen. Das entscheidet jeder für sich. Aber hier gibt es noch eine andere Frage. Eine andere. Wofür werden wir überhaupt abstimmen? Für eine Freie Wirtschaftszone?

Olena Trybushna: Na ja. Es hängt davon ab, wie es formuliert wird.

Portnikov: Im Referendum wird stehen: „Billigen Sie den Vertrag?“ Und stellen Sie sich den Witz vor, wenn Donald Trump tatsächlich kommt und vor dem Referendum in der Werchowna Rada spricht. Das wäre interessant. Entweder Sie billigen den Vertrag oder Sie billigen ihn nicht. Was sollen die Menschen dann tun? Das ist doch eine großartige Geschichte. Wieder einmal – das sind Tschekisten. Wir kennen das klare Handlungsprinzip des NKWD: „Mädchen, willst du, dass man dich auf die Datscha bringt, oder dass man dir den Kopf abreißt?“ Das ist ein unsterblicher Satz. Die Russen stellen andere immer vor genau so eine Wahl.

Olena Trybushna: Gibt es einen Ausweg aus dieser Falle – oder gibt es ihn nicht mehr, wenn alles so ist?

Portnikov: Einen linearen gibt es nicht. Aber Sie verstehen doch, dass vieles davon abhängen wird, wie sich die Ereignisse entwickeln. Man kann nicht alles vollständig planen. Selbst wenn man Putin ist. Wenn sich die Ereignisse in Richtung einer Schwächung des russischen Einflusses entwickeln, werden wir vielleicht – selbst wenn all das nach diesem Plan passiert – irgendwann eine Chance haben, das zurückzudrehen. Verstehen Sie? Denn all diese Entscheidungen werden ohnehin verfassungsrechtlich nichtig sein. Alle Entscheidungen, die nach 2013 getroffen wurden und von den Verfassungsgerichten der Russischen Föderation und der Ukraine gebilligt wurden, sind verfassungsrechtlich nichtig. Deshalb kann man sie immer zurückdrehen, weil sie die Grundlagen des Verfassungsrechts beider Länder verletzen.

Bei uns ist das aus dieser Perspektive noch nicht so katastrophal, weil unser Verfassungsgericht noch keine territorialen Entscheidungen gebilligt hat. Wir sprechen nur über die Entscheidung zu den Wahlen 2019 und fürchten eine Entscheidung des Verfassungsgerichts zu unseren Territorien, die noch nicht getroffen wurde. Vielleicht wird das Verfassungsgericht das nicht tun. In Russland hingegen sind all diese Entscheidungen verfassungsrechtlich nichtig, weil die russische Verfassung strikt die Angliederung von Teilen des Territoriums anderer Staaten an die Russische Föderation verbietet sowie die Anerkennung der Unabhängigkeit von Teilen anderer Staaten, wenn diese Unabhängigkeit nicht von dem Staat anerkannt wurde, von dem sie sie erklärt haben. Das kann kein Grund dafür sein, dass die Russische Föderation diese Gebiete als unabhängige Staaten betrachtet – in einer Situation, in der sie die territoriale Integrität eines Nachbarstaates oder auch eines Nicht-Nachbarstaates respektiert. Das spielt keine Rolle.

Dass die Russische Föderation die Ukraine als Staat in den Grenzen der Ukrainischen SSR von 1991 betrachtet, ist absolut eindeutig, ohne irgendwelche Vorbehalte, in der Alma-Ata-Erklärung festgeschrieben, die von allen Führern der ehemaligen sowjetischen Republiken unterzeichnet wurde – mit Ausnahme von Georgien, Lettland, Litauen und Estland. Lettland, Litauen und Estland haben daran überhaupt nicht teilgenommen. Georgien trat ihr später im Jahr 1991 in der damaligen Hauptstadt Kasachstans bei. Und das ist übrigens kein Scherz. Das ist nicht etwas, das ich mir hier ausdenke.

Als Präsident Ilham Aliyev und der armenische Premierminister Nikola Paschinjan bei Donald Trump waren – erinnern Sie sich? – unterzeichneten sie eine Erklärung, die wiederum auf die Alma-Ata-Erklärung Bezug nahm, weil das das einzige reale Dokument ist, in dem Aserbaidschan und Armenien die territoriale Integrität des jeweils anderen in den Grenzen der ehemaligen sowjetischen Republiken von 1991 anerkennen. Das ist eine Rechtsnorm. Niemand hat sie aufgehoben, und niemand kann sie aufheben – aus dem einfachen Grund, dass genau diese Norm den Austritt der ehemaligen sowjetischen Republiken aus der Sowjetunion begründet. Wenn man sie aufgibt, muss man zu dem Staat zurückkehren, der 1991 existierte.

Damit wird die Unabhängigkeit der Russischen Föderation annulliert – im Unterschied zu unserer, weil wir ein Referendum durchgeführt haben, weil wir ein souveräner Staat waren, Mitglied der Organisation der Vereinten Nationen sogar aus Sicht der internationalen Gemeinschaft. Die Russische Föderation ist ein erfundenes Territorium. Staatlichkeit besaß faktisch die Sowjetunion. Und damit die Russische Föderation Merkmale von Staatlichkeit erlangte, brauchte es die Alma-Ata-Erklärung – nichts anderes. Denn die Russische Föderation hat keine Unabhängigkeitserklärung. Es gibt nur eine Erklärung über staatliche Souveränität.

Man kann sagen, ich erfinde hier irgendwelche juristischen Anknüpfungspunkte, auf die heute niemand achtet. Aber das ist heute. Und ich wiederhole Ihnen: Bei jeder politischen oder wirtschaftlichen Krise wird man sich daran erinnern.

Olena Trybushna: Und man wird es uns vorhalten. Glauben Sie, dass Donald Trump selbst diesen gesamten Prozess jetzt versteht? Oder treibt er einfach mit der Strömung, in die Russland ihn lenkt?

Portnikov: Es ist ihm egal. Er braucht, dass das Feuer eingestellt wird, dass Menschen aufhören zu sterben, und dass er mit Russland Handel treiben kann. Er hat Ihnen doch gestern oder vorgestern gesagt, dass es schrecklich sei, wenn die Vereinigten Staaten nicht mit Russland handeln. Das ist Marktplatz-Logik.

Olena Trybushna: Glauben Sie, es hat sich nichts geändert? Schauen Sie: Fast ein ganzes Jahr versucht er, diesen Krieg in 24 Stunden zu beenden. Wir hatten einige – sagen wir – drei solche Referenzpunkte, an denen man seine Haltung uns gegenüber sehen konnte. Das Oval Office, wo man Zelensky damals einfach provozieren wollte, ihn aus der Fassung zu bringen. Dann Anchorage, mit dem roten Teppich, wo Trump sich vor Putin verneigte. Und jetzt Mar-a-Lago – alles lief mehr oder weniger ruhig, ohne Demütigungen. Sind das Anzeichen einer Evolution oder einfach Anpassung?

Portnikov: Nein, nein, nein, nein. Mir scheint, Sie wollen einfach die Logik nicht sehen, die sich das ganze Jahr hindurchzieht.

Olena Trybushna: Ich will verstehen, ob bei ihm irgendeine Erkenntnis einsetzt.

Portnikov: Erkenntnis worüber?

Olena Trybushna: Über den realen Zustand der Dinge.

Portnikov: Er versteht den realen Zustand der Dinge sehr gut. Man sollte nicht glauben, dass er ein Idiot ist.

Olena Trybushna: In manchen Momenten scheint es so, als würde er es nicht verstehen – wie ein Idiot –, wenn er sagt, Russland wolle Wohlstand für die Ukraine. Oder nicht?

Portnikov: Es ist völlig egal, was er auf der Ebene der Deklarationen sagt. Er ist ein Mensch, der es versteht, schöne Phrasen zu benutzen. Und genau deshalb ist er Präsident der Vereinigten Staaten – und wir sind es nicht. Trump will eine einzige einfache Sache: dass Putin sich bereit erklärt, den Krieg zu beenden – zu komfortablen Bedingungen – und dass er mit ihm Handel treiben kann. Zu komfortablen Bedingungen.

Olena Trybushna: Komfortabel für wen?

Portnikov: Für Putin, natürlich, für Putin. Er wiederholt die ganze Zeit dasselbe: „Du kannst nicht die ganze Ukraine erobern. Du versuchst es seit vier Jahren und kannst es nicht. Nimm das, was ich dir gebe – das Gebiet des Donbas, vielleicht mehr. Nimm die Aufhebung der Sanktionen, nimm die Rückgabe der Vermögenswerte, nimm unsere gemeinsame wirtschaftliche Tätigkeit – wir werden Geld verdienen. Was brauchst du noch, wenn du ohnehin nicht alles besetzen kannst?“ Er sagt doch: „Ich verstehe, wenn er das alles besetzen könnte. Aber er kann es nicht. Und ich biete ihm faktisch eine Schatulle mit Geschenken an. Nimm.“

Putin nimmt es nicht, aber er übt ständig Druck auf ihn aus, damit er es nimmt. Er sagt ihm ja nicht einfach: „Oh, bitte.“ Er hat Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil verhängt. Er verspricht neue Sanktionen gegen die Sponsoren Russlands, wenn Putin nicht zustimmt. Er erwägt keine Wiederaufnahme des direkten Flugverkehrs mit Russland. Er sagt: „Nach dem Krieg wird alles kommen.“ Er stellt die Arbeit der russischen Botschaft in Washington nicht wieder her, obwohl man dachte, das wäre das Einfachste. Er stellt nichts wieder her, er tut nichts. Verstehen Sie: Trumps Haltung zu Putin erinnert mich sehr an seine Haltung gegenüber Teilnehmerinnen von Schönheitswettbewerben.

Er sieht eine Teilnehmerin eines Schönheitswettbewerbs. Er ist noch nicht mit der wunderschönen Melania verheiratet. Und er will, dass diese Teilnehmerin – eine anonyme Frau, wir werden nicht spekulieren, wer das sein könnte – die neben ihm steht, zumindest anfängt, sich mit ihm zu treffen. Und er sagt ihr: „Du kannst sowieso keinen anderen Milliardär finden. Schau, du gehst über den Laufsteg, so schön, und niemand schenkt dir besondere Aufmerksamkeit. Sie haben dich benutzt und weggeworfen. Aber ich verspreche dir – schau, wie viel ich habe: Fabriken, Dampfschiffe, Trump Tower und so weiter.“ Sie sagt zu ihm: „Nein, du interessierst mich nicht.“ – „Nicht interessiert? Dann wirst du nicht an Schönheitswettbewerben teilnehmen. Du wirst Honorare bekommen, die halb so hoch sind.“ Sie sagt: „Du interessierst mich nicht, dann bekomme ich eben halb so viel.“ – „Ach, nicht interessiert? Dann sorge ich dafür, dass niemand dich überhaupt anschaut. Ich rede mit meinen Freunden. Aber wenn du zustimmst – alles gehört dir. Schau, bitte, das halbe Königreich.“ Genau das macht er mit Putin. Wie ein Verehrer.

Olena Trybushna: Der Tag wird kommen, an dem er sehen wird, dass das nicht funktioniert.

Portnikov: Oder vielleicht funktioniert es? Warum glauben Sie, dass es nicht funktioniert? Wer hat Ihnen das gesagt?

Olena Trybushna: Weil Putin nicht zustimmt.

Portnikov: Noch nicht. Aber wir wissen ja nicht, in welchem Zustand sich die russische Wirtschaft befinden wird.

Olena Trybushna: Wird irgendwann der Tag kommen, an dem er überzeugt sein wird, dass das alles Täuschung ist?

Portnikov: Nein, denn Putin kann zustimmen. Wer hat Ihnen gesagt, dass Putin nicht zustimmen wird? Wir haben doch gerade 15 Minuten lang über die zweite Variante gesprochen.

Olena Trybushna: Jedem Verehrer wird es irgendwann leid, dass er ständig abgewiesen wird.

Portnikov: Aber wer hat Ihnen gesagt, dass Putin ihn ständig abweisen wird?

Olena Trybushna: Das heißt, Sie glauben, dass Putin irgendwann zustimmen könnte.

Portnikov: In einem bestimmten Moment – wenn man weiter Druck auf ihn ausübt – könnte er zustimmen, weil er glauben wird, dass reale, ernsthafte Risiken für seine Wirtschaft und für sein Regime entstanden sind. Aber zustimmen, ich wiederhole, zu komfortablen Bedingungen – auf unsere Kosten. Die ganze Hochzeit wird auf unsere Kosten stattfinden. Verstehen Sie? Dieses Weihnachtsferkel zu Weihnachten – schauen Sie sich das Ferkel an. Das sind wir. Und für uns ist es wichtig, dass er ihm wenigstens irgendeine Keule von diesem Ferkel überlässt – nicht das ganze Ferkel. Er will ihm die Keule überlassen. Er sagt: „Du kannst doch nicht das ganze Ferkel essen, nimm halt die Keule. Sehr schmackhafte Keule. Probier’s.“

Olena Trybushna: Das heißt, Sie sprechen jetzt davon, dass Putin hypothetisch irgendwann damit zufrieden sein könnte, grob gesagt, dass man ihm den Donbas überlässt.

Portnikov: Genau das sage ich. Ich weiß nur nicht, wann das sein wird. Das wird auch sehr stark davon abhängen, was an der Front passiert. Nicht davon, was in der russischen Wirtschaft passiert. Und wer hat Ihnen gesagt, dass es nur der Donbas ist? Je nach Entwicklung der Ereignisse kann Putin auch mit mehr zufrieden sein. Und das ist übrigens genau das, was Trump Zelensky sagt: „Beeilt euch lieber, euch jetzt zu einigen, denn sonst wird es für euch schlimmer. Ich werde ihm mehr von eurem Territorium geben müssen, damit er sich beruhigt.“ Mir scheint, das ist eine sehr einfache Logik. Ist da etwas Komplexes?

Olena Trybushna: Meinen Sie, dass wir am Ende gezwungen sein werden, zuzustimmen – abzugeben?

Portnikov: Ich weiß es nicht, weil ich nicht weiß, was mit der russischen Wirtschaft passieren wird. Vielleicht müssen wir es nicht. Vielleicht müssen wir noch drei Jahre weiterkämpfen. Das hängt vom Zustand der russischen Wirtschaft ab, vom Zustand der russischen Armee, vom Zustand der ukrainischen Armee, vom Zustand der ukrainischen Wirtschaft, von der Bereitschaft der Partner, uns zu unterstützen. Die Europäer sind überzeugt, dass wir noch zwei Jahre durchhalten können. Sie haben uns Geld für zwei Jahre gegeben. Putin hat diese zwei Jahre vielleicht nicht. Und genau deshalb kann diese Entscheidung der Europäer seine Bereitschaft beeinflussen, das zu nehmen, was man ihm gibt. Entschuldigung.

Olena Trybushna: Das Verständnis, dass wir mit Hilfe der Europäer noch zwei Jahre durchhalten.

Portnikov: Und dass er vieles nicht bekommen wird. Also ist es vielleicht besser, jetzt zu nehmen, um die Kräfte wiederherzustellen und dann zu entscheiden, ob es gelingt, die Ukraine politisch zu bekommen, oder ob man wieder kämpfen muss. Das ist auch eine Verzweigung.

Olena Trybushna: Haben Sie derzeit irgendein Verständnis davon, in welchem Zustand sich die russische Wirtschaft ungefähr befindet? Bluffen sie, oder sind sie schon nahe daran, zuzustimmen?

Portnikov: Niemand hat dieses Verständnis – nicht einmal Putin. Das alles wird, würde ich sagen, eher durch Erfahrung entschieden als durch Deklarationen.

Olena Trybushna: Das heißt, sie selbst könnten nicht ganz sicher sein, in diesem ganzen Kräftemessen – wer länger durchhält, wir oder sie – ob sie nicht selbst am Ende einen Tag weniger durchhalten.

Portnikov: Sie können nicht sicher sein, weil sie die Reaktion Trumps nicht berechnen können. Vielleicht fühlt sich Trump plötzlich von Putin beleidigt, weil Putin so lange nicht auf seine Avancen reagiert, und sagt: „Na gut, dann zerstören wir eure Erdölraffinerieindustrie mit Tomahawks.“ Wissen Sie, es gibt einen Roman von Stanisław Lem – ich glaube, es ist sein letzter Roman – er heißt „Fiasko“. Haben Sie ihn gelesen?

Olena Trybushna: Nein.

Portnikov: Das ist eine großartige Geschichte. Sie unterscheidet sich von Lems anderen Romanen, weil Lem sie am Ende seines Lebens schrieb und da schon alles über die Menschheit verstanden hatte. Die Handlung ist sehr einfach – und sie ähnelt übrigens sowohl der Haltung Russlands gegenüber der Ukraine als auch der Haltung der Vereinigten Staaten gegenüber Russland.

Es taucht immer wieder die Frage auf: Gibt es eine andere Zivilisation? Plötzlich findet man irgendeine andere, nichtmenschliche Zivilisation, und Menschen fliegen Gott weiß wohin und wollen mit ihr Kontakt aufnehmen. Wir wollen ja Kontakt mit einer außerirdischen Zivilisation. Aber diese wollen keinen Kontakt. Sie haben – anders als Menschen – kein Bedürfnis, mit irgendwem Kontakt aufzunehmen. Also schicken die Menschen ihnen Warnungen: „Nehmt Kontakt mit uns auf. Wir wollen mit euch sprechen. Wir wollen verstehen, wie ihr lebt. Wir wollen erforschen, wie sich eure Zivilisation von unserer unterscheidet.“ Aber die wollen nicht. Sie schicken ihnen irgendeinen Film über ihren Planeten und sagen: „Fliegt zurück.“ – „Nein, wir wollen Kontakt. Wir wollen jetzt wie zwei Rassen in der Galaxie sein.“ – „Ihr wollt das, wir wollen es nicht.“

Und dann beginnen die Menschen, sie zu bombardieren – das zu zerstören, was diesem Planeten das Überleben ermöglicht: ich weiß nicht mehr, ob es ein Ozean war oder irgendeine Lebensquelle. Sie bombardieren es, weil sie beleidigt sind. Das ist genau das, was Putin 2013 mit uns begonnen hat. Und genau das, was Trump versucht, mit Putin zu machen.

Und übrigens ist das in der russischen Kultur tief verwurzelt. Das ist das Stück von Alexander Ostrowski „Die Mitgiftlose“. Generationen von Russen sind damit aufgewachsen – von denen, die das noch in Leibeigenen-Theatern gesehen haben, bis zu denen, die gesehen haben, wie Nikita Michalkow da spielt. „Wenn sie nicht heiraten will, muss man sie töten. Welche Alternativen gibt es sonst?“ Und genau deshalb überrascht es mich, dass Trump sich so verhält. Aber vielleicht ist das etwas Kaufmännisches: „Wenn ich es nicht kaufen kann, dann werfe ich es lieber ins Wasser. Soll es untergehen.“

Olena Trybushna: Er ist es gewohnt, alles zu kaufen?

Portnikov: Er will sich die Freundschaft mit Putin kaufen. Putin will diese Freundschaft noch nicht. Na gut. Aber Putin kann auch nicht sicher sein, dass er Trump versteht. Putin ist kein Händler, er ist ein Tschekist. Trump ist ein Händler. Es ist schwer zu verstehen, wie sich ein beleidigter Händler verhalten wird. Und wie werden all diese innenamerikanischen Faktoren jetzt auf diesen Händler einwirken? Im Herbst hat er Kongresswahlen.

Olena Trybushna: Die für ihn wichtig sind. Er hat seine Popularität, seine Ratings, und dort will man auch sehen, dass Trump die Ukraine nicht fallen lässt.

Portnikov: Ich denke, das ist für die Amerikaner eine zweitrangige Frage. Ich glaube, Sie haben vollkommen recht: Die Mehrheit der Republikaner und die Mehrheit der Demokraten wollen überwiegend die Unterstützung der Ukraine und verachten das russische Regime. Aber das ist kein entscheidendes Thema für Wahlen. Es wird nicht bestimmen, wie die Menschen abstimmen.

Und das müssen wir auch verstehen. Denn wir haben während der Wahlen 2024 ständig an die Ukrainer in Pennsylvania appelliert: „Wie könnt ihr so? Trump sagt doch schon, dass er uns nicht helfen wird. Und ihr seid Ukrainer!“ Sie sind Ukrainer, ja – aber sie sind auch Amerikaner. Sie interessieren sich für Wohlstand, Renten, Krankenversicherung, Migration. Und erst danach für die Ukraine.

Ich nehme an, dass es Menschen gibt, die stärker von Fragen des Nahen Ostens motiviert sind, obwohl ich mir auch da nicht sicher bin. Schauen Sie: Amerikanische Juden haben für Kamala Harris gestimmt. Eine große Zahl jüdischer New Yorker hat für den neuen Bürgermeister Zohran Mamdani gestimmt. Man kann ihn kaum einen großen Freund Israels nennen, oder? Aber sie haben aus anderen Gründen für ihn gestimmt – weil sie andere Prioritäten haben. Sie sind Juden, ja, aber sie sind Amerikaner.

Das ist etwas, das man verstehen muss. Wir versuchen ständig, die nationale Identität über die amerikanische zu stellen. Das ist falsch. Menschen, die sich in erster Linie von solcher Identität leiten lassen, gibt es in Amerika fast nicht. Denn wenn sich jemand entschieden hat, Amerikaner zu werden, wird er andere Schlüsselfaktoren berücksichtigen.

Ich bin überzeugt: Hätten wir diese Wahl getroffen – wir haben sie einfach nicht getroffen – würden wir genauso handeln. In soziologischen Umfragen würden wir sagen, dass wir helfen müssen, dass wir die Ukraine unterstützen. Aber wenn es darum ginge, für einen republikanischen oder demokratischen Kongressabgeordneten zu stimmen, würden wir darüber nachdenken, wie dieser Abgeordnete unser reales Leben in unserem Wahlkreis beeinflusst. Denn wenn wir so nicht denken, wozu sind wir dann überhaupt dorthin gegangen, bildlich gesprochen?

Olena Trybushna: Der Nobelpreis motiviert ihn also immer noch in seinem Wunsch, den Krieg zu beenden.

Portnikov: Der Nobelpreis kann motivieren, aber wieder einmal: Bis zur Nobelpreisvergabe bleiben nur noch wenige Wochen.

Olena Trybushna: Er wird ja für Leistungen des vergangenen Jahres vergeben.

Portnikov: Für Leistungen des vergangenen Jahres, und die Shortlist wird in den Wintermonaten 2026 geschlossen.

Olena Trybushna: Das heißt, grob gesagt, Trump bleiben nur noch ein paar Wochen, um den Krieg zu beenden und den Nobelpreis zu bekommen.

Portnikov: Worüber sprechen wir überhaupt, wenn wir die Ergebnisse des Treffens zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Premierminister Israels nicht kennen, das unmittelbar nach Trumps Treffen mit Zelensky stattfindet? Das sind ebenfalls Entscheidungen, die den Nobelpreis beeinflussen. Solange die zweite Phase des Friedens in Gaza nicht begonnen hat und nicht klar ist, ob sie überhaupt beginnen wird, erscheint es mir völlig unbegründet, überhaupt von einem Nobelpreis zu sprechen.

Olena Trybushna: Wenn Trump zu dem Schluss kommt, dass ein Nobelpreis im Zusammenhang mit der Ukraine nicht mehr realistisch ist – könnte das dazu führen, dass er insgesamt das Interesse an uns verliert?

Portnikov: Nein. Das ist eine politische Frage, denn man wird ihn immer wieder danach fragen. In jedem Fall will er nicht als Schwächling erscheinen. Wahlen hin oder her. Auch bei Wahlen kann das ein Moment sein, verstehen Sie? Er würde wie ein Schwächling aussehen. Wozu braucht er das? Nicht im Kontext der Ukraine, sondern generell: als jemand, der Probleme nicht lösen kann und seine Versprechen nicht erfüllt. Das kann zu einem Problem werden.

Olena Trybushna: Wird sich für uns etwas ändern, wenn die Republikaner diese Macht im Kongress verlieren?

Portnikov: Aus Sicht des Friedensprozesses nicht viel. Wenn die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus bekommen – was können sie tun? Sie können irgendwelche Beschlüsse fassen, über größere Hilfe sprechen.

Olena Trybushna: Militärische Hilfe zum Beispiel. Kann das etwas beeinflussen?

Portnikov: Aber das alles muss so oder so mit dem Präsidenten entschieden werden. Der Kongress allein kann ja, soweit ich verstehe, keine Waffen liefern. Es wird positiv wirken, aber nicht grundlegend. Und außerdem sprechen Sie über November 2026. Ein neuer Kongress wird erst Monate später arbeitsfähig, wie Sie verstehen. De facto beginnt er frühestens nach Weihnachten und Neujahr 2026–2027 zu arbeiten. Lassen Sie uns erst einmal bis November abwarten.

Olena Trybushna: Wo wir sind – und wo Herbst 2026 ist.

Portnikov: Verstehen Sie? Sie blicken sehr weit voraus, aber wir leben nicht mehr in einer Welt, in der man so weitreichende Pläne machen kann.

Olena Trybushna: Haben Sie irgendeine Vorstellung davon, wie sich diese Friedensverhandlungen in den nächsten Monaten entwickeln werden?

Portnikov: Nein, habe ich nicht.

Olena Trybushna: Zu unvorhersehbar?

Portnikov: Ich weiß nicht, welche reale Wahl Putin treffen wird. Wenn er die zweite Variante wählt, verstehe ich, wie sich alles entwickeln wird. Wenn er die erste Variante wählt, verstehe ich nicht, wie es sich entwickeln wird.

Olena Trybushna: Diese Arbeitsgruppen, über die man sich geeinigt hat …

Portnikov: Um Zeit zu schinden.

Olena Trybushna: Nur dafür?

Portnikov: Nicht nur dafür, sondern auch, um für Russland komfortablere Bedingungen herauszuholen. Verstehen Sie, was das Besondere an Arbeitsgruppen ist? Sie sind institutionalisiert. Eine Arbeitsgruppe ist nicht so etwas wie: Witkoff fährt zu Putin – vielleicht sogar mit Kushner – „Hi, Steve.“ „Hi, Wladimir. What are you doing?“ So läuft das nicht. Der US-Außenminister kann sich das nicht erlauben, und der US-Verteidigungsminister auch nicht, weil sie Dokumente vorbereiten müssen, die der Kongress sehen wird. Verstehen Sie?

Du kannst nichts auf ein Dokument kritzeln – Witkoff kann vielleicht irgendein Porträt von Trybushna malen und sagen, das sei sein Geschenk für Putin – aber sie müssen Dokumente erstellen. Das heißt: Trump will Institutionalisierung. Ist Ihnen aufgefallen, dass jedes Mal, wenn er Institutionalisierung will, alles sofort scheitert? Institutionalisierung bedeutet, dass Lawrow und Beloussow nicht mit Witkoff sprechen müssen, sondern mit Rubio und Hegseth.

Olena Trybushna: Das spricht erneut dafür, dass die Russen ihre Teilnahme an den Verhandlungen nur imitieren.

Portnikov: Wir werden sehen, wie die russische Arbeitsgruppe aussehen wird. Wir wissen es nicht.

Olena Trybushna: Hängt es von den Personen ab, die hineingehen?

Portnikov: Von den Positionen.

Olena Trybushna: Welches Niveau die Leute haben werden, die diese Dokumente schreiben?

Portnikov: Genau. Wenn dort wieder Kirill Dmitrijew sitzt, dann heißt das, sie spielen einfach nur ein Spiel.

Olena Trybushna: Und wer müsste dort sitzen, damit es ernsthaft ist?

Portnikov: Lawrow, Beloussow – Minister müssen dort sein. Sie haben doch gesehen, was passierte, als sie sich zum ersten Mal in Abu Dhabi trafen. Lawrow und Uschakow ließen Dmitrijew nicht einmal an den Verhandlungstisch. Rubio und der Nationale Sicherheitsberater Waltz konnten Witkoff natürlich nicht verbieten, sich dazuzusetzen, aber Lawrow und Uschakow konnten das – und sie sagten zu Dmitrijew: „Junge, geh mal spazieren, sprich mit Journalisten, das kannst du. Denn du entscheidest hier sowieso nichts. Du wirst hier nicht neben uns sitzen – neben den Menschen, die Entscheidungen treffen.“

Das ist alles. Deshalb sage ich: In dieser Hinsicht wird sehr, sehr viel davon abhängen.

Olena Trybushna: Wenn man versucht, diesen Plan mit den 20 Punkten, der aktuell diskutiert wird und den Trump, wie er behauptet, mit Putin besprochen hat, wobei Putin einem Teil dessen zugestimmt haben soll, ernst zu nehmen und zu analysieren – ob darin überhaupt irgendeine Perspektive steckt. Wenn wir über Sicherheitsgarantien sprechen: Dort steht etwas über ein Analogon zu Artikel 5 der NATO, bestätigt durch den US-Kongress. Viele stehen dem skeptisch gegenüber und sagen, das sei das Papier nicht wert, auf dem es geschrieben wird, weil während die Amerikaner noch überlegen, was sie damit machen sollen, die Russen uns schon erobern werden. Denn direkt in den Krieg auf der Seite der Ukraine einzutreten, falls Russland irgendetwas verletzt, bedeutet einen nuklearen Schlag.

Portnikov: Genau deshalb würde ich gern lesen, was dort konkret geschrieben steht, denn mir ist die Logik dessen, was passiert, klar – ich denke, Ihnen auch. Wenn die Vereinigten Staaten bereit sind, das Risiko eines Konflikts mit Russland einzugehen, warum tun sie das nicht schon heute? Warum warten sie auf den nächsten Krieg? Wo liegt da die Logik? Das heißt, dort muss etwas stehen, das dennoch Schutzmechanismen schafft, um einen direkten Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Russland zu vermeiden.

Wenn es Schutzmechanismen gibt, die einen direkten Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und Russland verhindern – wovor sollte Russland dann Angst haben? Übrigens sagte Trump beim Treffen in Mar-a-Lago, dass die Hauptlast der Sicherheit bei den Europäern liegen werde. Aber wie kann sie bei den Europäern liegen, wenn die Europäer selbst unter dem Schutzschirm der Vereinigten Staaten stehen? Wie kann jemand, der selbst unter einem fremden Regenschirm steht, über Ihnen einen Regenschirm aufspannen, wenn ihm der Regenschirm, unter dem er steht, nicht gegeben wird?

Dann ist das kein Regenschirm. Das ist so, als würde jemand sagen: „Der Regenschirm ist hier.“ Er steht hier unter dem Regenschirm, hält ihn fest, und du stehst daneben – und er zieht irgendwo einen anderen Gegenstand hervor, der kein Regenschirm ist. Und du denkst: „Vielleicht ist das ein Regenschirm?“ Während du noch nachdenkst, schlägt dich der Blitz.

Olena Trybushna: Was könnte in diesen Sicherheitsgarantien stehen, damit es wirklich funktioniert?

Portnikov: Ich weiß es nicht. Wirklich funktionieren kann nur der NATO-Beitritt – unter der Voraussetzung, dass Artikel 5 tatsächlich wirkt. Aber das wissen wir nicht. Vielleicht gibt es überhaupt keine Sicherheitsgarantien mehr. Vielleicht gibt es sie einfach nicht mehr.

Wir versuchen ständig, irgendeinem Phantom hinterherzujagen, weil wir uns nicht ändern wollen. Wir haben uns daran gewöhnt. Ich bin, wie Sie wissen, genau der Mensch, der seit den 1990er-Jahren sagt, dass wir die NATO brauchen, weil von Russland eine Gefahr ausgeht. Wir mussten entscheiden: entweder NATO oder OVKS. Man kann nicht im Regen stehen und zwei Regenschirme ignorieren. Unter dem einen Regenschirm erkennt man uns als souveränen Staat an, unter dem anderen gibt man uns Sicherheit als Teil Russlands. Wollen wir Teil Russlands sein? Wenn nicht, dann haben wir keine Wahl.

Aber jetzt weiß ich nicht, ob Artikel 5 der NATO überhaupt funktioniert. Deshalb sage ich Ihnen ehrlich: Die einzige reale Sicherheitsgarantie ist eine starke Ukraine, die mit solchen Waffen ausgerüstet ist, die es Russland nicht erlauben, uns einfach zu nehmen und zu erobern. Russland muss verstehen, dass das Risiko so hoch ist, dass es kein zweites Mal angreifen wird.

Und jetzt verrate ich Ihnen ein Geheimnis: Wenn wir im Jahr 2022 ein solches Waffen- und Bereitschaftsniveau gehabt hätten, ein solches Verständnis …

Olena Trybushna: … dann hätten sie nicht angegriffen.

Portnikov: Natürlich nicht. Aber erzählen Sie das bitte niemandem – die Leute werden sich aufregen.

Olena Trybushna: Ich fürchte, sie ahnen es schon lange.

Portnikov: Ich bin mir nicht sicher.

Olena Trybushna: Glauben Sie, dass wenn wir eine große Armee gehabt hätten und unsere Partner uns ausreichend bewaffnet hätten, wir keine Verpflichtung Amerikas gebraucht hätten, uns im Falle eines neuen russischen Angriffs zu verteidigen – und das hätte als Abschreckung gereicht?

Portnikov: Er plante einen Blitzkrieg. Er hatte nicht vor, in einen großen Krieg einzusteigen. Der große Krieg ist faktisch die Folge des Scheiterns des Blitzkriegs. Ein großer Krieg war nicht geplant. Man ging immer davon aus, dass es eine kurze Operation sein würde. Und Putin hat den Moment verpasst, als die Zeit der kurzen Operationen bereits vorbei war.

Ich will Sie überzeugen: Als die israelische Regierung nach dem 7. Oktober 2023 die Entscheidung traf, in Gaza einzumarschieren, hatte sie auch nicht vor, dort zwei Jahre zu bleiben – oder wie lange es jetzt ist. Nun ja, fast zwei Jahre. Und ein Teil des Territoriums wird immer noch von der israelischen Armee kontrolliert. Sie verstehen doch, dass alle Operationen der IDF gegen die Hamas früher kurz waren. Und hier: zwei Jahre Krieg. Und dazu Raketenangriffe aus Gaza. Und Raketenangriffe aus dem Jemen. Und Raketenangriffe aus dem Libanon. Ein völliger Wahnsinn. So etwas hat es in Israel noch nie gegeben – glauben Sie mir. In der Militärgeschichte Israels hat es so etwas noch nie gegeben.

Niemand hat je darüber nachgedacht: „Wie kann ein Staat auf einem so kleinen Territorium überleben, wenn er zwei Jahre Krieg führt? Und wie werden die Menschen darauf reagieren?“ Wir sagten immer: „Die Israelis sind alle großartig, sie kämpfen, sie gehen zur Armee, sogar die Kinder von Ministern.“ Aber entschuldigen Sie: Wenn ein Krieg zwei, drei Wochen oder zwei, drei Monate dauert, dann ist die Einstellung dazu eine ganz andere. Selbst wenn man weiß, dass es ein Krieg ums Überleben ist, ist die psychologische Haltung eine andere: Man bündelt alle Kräfte – und danach lebt man wieder friedlich. Aber wenn es zwei Jahre sind, dann reagieren die Menschen schon anders, stimmt’s?

Olena Trybushna: Und wenn es vier Jahre sind?

Portnikov: Unser Territorium ist größer. Aber das muss man begreifen. Das ist einfach Teil der menschlichen Psychologie. Und das ist – ein sehr wichtiger Punkt für das Jahr 2025 – etwas, das wir verstehen müssen.

Israelische Experten haben das immer gesagt, und das gilt auch für den postsowjetischen Raum: Wir lebten nach dem Zweiten Weltkrieg – und selbst nach dem Ende des Kalten Krieges – in einer Welt kurzer Kriege und langen Friedens. Diese Welt ist vorbei. Wir leben in einer Welt langer Kriege und kurzen Friedens. Und wehe der Nation, die den kurzen Frieden nicht zur Selbstverteidigung nutzt.

Olena Trybushna: Glauben Sie, dass sich der Krieg letztlich auch auf Europa ausweiten wird?

Portnikov: In hybrider Form – ja, das ist möglich, denn das ist absolut logisch.

Olena Trybushna: Und in nicht-hybrider Form?

Portnikov: In nicht-hybrider Form sehe ich im Moment keine direkte Gefahr, aber in Zukunft ist alles möglich. Derzeit ist es die hybride Dimension. Und wieder gibt es eine einfache Formel: Wenn man möchte, dass der Krieg schneller endet – Putin möchte, dass der Krieg schneller mit unserer Niederlage endet –, dann versteht er, dass die Quelle seiner Probleme Europa ist. Er kann versuchen, Europa einzuschüchtern, zumindest so weit, dass ultrarechte Politiker an die Macht kommen und beginnen, mit ihm zu verhandeln. Putin braucht also ein Europa kleiner Trumps. Deshalb kann es unterschiedliche Eskalationsschritte geben.

Olena Trybushna: Und wie sieht Europa uns derzeit? Als Vorposten, in den man investieren muss, damit wir stärker werden und Europa schützen, weil wir Teil Europas sind? Oder als Ort, an dem – je länger der Krieg hier dauert – desto später er zu ihnen kommt?

Portnikov: Das liberale, demokratische Europa – Europa als solches gibt es nicht, es gibt unterschiedliche Europas. Das liberale Europa, die heutigen europäischen Führungskräfte, die Einfluss haben, sehen uns als Vorposten, den man halten muss, damit Russland nicht in Versuchung gerät, weiterzugehen, Europa zu erpressen und das europäische Projekt zu zerstören. Für das ultrarechte und populistische Europa hingegen sind wir ein Hindernis für ihre Sicherheit und für ihre Zusammenarbeit mit Russland.

Olena Trybushna: Haben sie keine Angst davor, dass russische Truppen dann auch an ihren Grenzen stehen?

Portnikov: Doch, sie haben Angst. Deshalb wollen sie eine Puffer-Ukraine, die Russland untergeordnet ist, aber auf deren Territorium keine russischen Truppen stehen. Das ist genau das, was Orbán sagt: „Der Zusammenbruch der Ukraine wäre für uns eine Tragödie. Also soll es eine Ukraine geben – im Grunde wie Belarus“, sogar besser als Belarus, damit dort keine Truppen stationiert sind. Sie haben also Angst – aber eine völlig andere Angst als die Liberalen. Ich erinnere noch einmal: In einer ultrarechten oder ultra­linken Welt ist eine unabhängige Ukraine nicht möglich. Unabhängig davon, wie ihre eigene Bevölkerung dazu steht – und wir wissen, dass es bei uns ebenfalls viele Menschen mit ultrarechten oder populistischen Ansichten gibt – kann die Ukraine als unabhängiger Staat nur in einer liberal-demokratischen Welt existieren.

Alle Experimente der Existenz der Ukraine in einer Welt, die von Ultrarechten oder Ultrali­nken regiert wird – diese Welt gab es: Adolf Hitler, Josef Stalin – endeten mit dem faktischen Verschwinden der ukrainischen Unabhängigkeit. Das muss man einfach im Gedächtnis behalten. Es gibt Staaten, die mehr Glück haben und eine solche Welt überstehen können, und es gibt Staaten, die weniger Glück haben. Wir können sie benennen – das ist kein Geheimnis – Staaten, die Objekt imperialer Interessen sind, die existieren oder wiederhergestellt werden. Die Ukraine hat so ein unglückliches Schicksal. Belarus, die baltischen Staaten, Polen, Tschechien und die Slowakei – das sind die ersten Kandidaten, die gefährdet sind. Und es gibt Länder, die nur als Satellitenstaaten existieren können: Ungarn, Bulgarien, Rumänien – ich meine in einer solchen Welt.

Deshalb sollten all diese Länder, die ich genannt habe, ein Interesse daran haben, die ukrainische Souveränität und die liberal-demokratische Welt zu verteidigen. Übrigens: Erinnern Sie sich daran, dass die Ukraine natürlich viel früher als unabhängiger Staat verschwand, und die anderen Länder, die ich genannt habe, zu Satelliten wurden – mit Ausnahme der Tschechoslowakei –, sie waren faktisch autoritäre Staaten. Es gab dort keine Demokratie, sie konnten keine effektive Methode entwickeln, dem Feind zu widerstehen. Finnland hingegen war eine Demokratie – und es stellte sich heraus, dass sie effektiver ist, wenn man kämpfen muss. Darüber sollte man nachdenken.

Olena Trybushna: Dass sich die europäischen Führungskräfte in den letzten Monaten des Jahres 2025 doch noch durchgerungen haben, uns diese 90 Milliarden Euro für die nächsten paar Jahre bereitzustellen; dass sie versuchen, Orbáns Veto auf unserem Weg in die EU zu überwinden – ist das für Sie ein Zeichen dafür, dass Europa es doch ernst meint?

Portnikov: Es ist ein Zeichen von Verantwortung, natürlich, ein Zeichen des Verständnisses der Lage, ein Zeichen des Ausgleichs. Einerseits haben sie uns 90 Milliarden gegeben, andererseits haben sie unter Druck von Trump die russischen Vermögenswerte nicht konfisziert. Sie verstehen doch: Das ist kein Zufall. Trump hat das verhindert. Das heißt, sie brauchen ein Gleichgewicht mit Amerika.

Einerseits haben sie Verhandlungen mit uns eröffnet, aber das sind Surrogat­verhandlungen. Ohne Ungarn werden trotzdem keine Cluster geschlossen. Wir können so lange verhandeln, wie wir wollen, und sogar über alles Einigkeit erzielen – die Europäer verstehen einfach, dass in dem bestehenden System die Verhandlungen noch viele Jahre dauern können. Und in dieser Zeit kann sich alles ändern. Warum also sollte man sie nicht führen? Aber wir müssen klar verstehen: Ohne einstimmige Entscheidung in der Europäischen Union können reale Verhandlungen nicht zu Ende gebracht werden. Und bei Verhandlungen ist nicht nur der Anfang wichtig, sondern das Ende. Hoffen wir also, dass sie auch das mit den Jahren lösen können.

Olena Trybushna: Wenn Orbán im Frühjahr die Macht verliert – löst das das Problem?

Portnikov: Selbst wenn Orbán die Macht behält, aber die antiukrainische Rhetorik nicht mehr zur Machterhaltung braucht und gleichzeitig Druck von den Vereinigten Staaten kommt, kann das Problem gelöst werden. Aber der Beitritt zur Europäischen Union sieht derzeit dennoch nach einer sehr fernen Perspektive aus. Ich sage nicht, dass das nicht in den 2030er-Jahren passieren wird – wahrscheinlich schon. Außerdem verstehe ich bis heute nicht, wie die Ukraine und die Republik Moldau der Europäischen Union ohne gelöste Territorialfragen beitreten sollen. Ich sage nicht, dass das unmöglich ist – ich weiß einfach nicht, wie.

Olena Trybushna: Es hieß, man wolle die Ukraine bis 2027 in die EU aufnehmen.

Portnikov: Das haben Witkoff und Kushner geschrieben. Sie vertiefen sich nicht in so komplexe rechtliche Fragen. Danach kommen sowieso die Institutionen. Die EU-Kommissarin für Erweiterung hat gesagt, dass Moldau ohne Lösung des Transnistrien-Problems kaum EU-Mitglied werden wird. Haben Sie diese Aussage gehört? Und was ist dann mit der Krim und dem Donbas? Auf Transnistrien erhebt wenigstens niemand Anspruch. Das heißt, die Europäische Union muss irgendeine reale Entscheidung treffen, wo ihre faktische Grenze verläuft. Ich sage nicht, dass sie das nicht tun wird. So war es mit Zypern: Man nahm es auf und sagte: „Führt ein Referendum über die Wiedervereinigung der Insel durch.“ Zypern führte es durch, die griechischen Zyprioten stimmten dagegen. Aber Zypern wurde nicht ausgeschlossen. Ich weiß nicht, ob man das noch einmal so machen kann, aber dieses Beispiel existiert.

Olena Trybushna: Zum Schluss noch kurz über Russland. Was würde es für Russland selbst bedeuten, wenn man Putin alles verzeiht, alles normalisiert, alles, was er getan hat, vergisst, ihn wieder in den Klub der Großmächte zurückholt – und er wieder eine akzeptierte Person ist? Was bedeutet das für das Land und seine Zukunft?

Portnikov: Dass Russland alles tun kann, was es will, und trotzdem andere zwingt, mit ihm zu rechnen. Das ist die Konservierung der Diktatur für lange Zeit.

Olena Trybushna: Genau das meine ich – eine Konservierung der Diktatur für immer.

Portnikov: In der Geschichte Russlands gibt es kein „für immer“. Für immer war das Imperium der Romanows. Für immer hing es – mit Porträts der Zaren in den Gymnasien – und niemand dachte, dass eines Tages ein Zar aus der Dynastie Romanow sagen würde: „Ich bin müde, ich gehe.“ Dann war der Sowjetunion ebenfalls „für immer“. Die überwältigende Mehrheit der sowjetischen Menschen glaubte, das sei für immer. Verstehen Sie?

Als im Mai 1991 hier irgendwo in Kyiv am Opernhaus die Porträts der Mitglieder des Politbüros des ZK der KPdSU aufgehängt wurden – wenn man damals zu den Leuten gegangen wäre und gesagt hätte: „Wisst ihr, im Mai 1992 wird diese Partei verboten sein“, hätte Ihnen niemand geglaubt.

Olena Trybushna: Für das Leben vieler Russen wird das trotzdem „für immer“ sein.

Portnikov: Nicht unbedingt. In Russland ändert sich, wie Sie wissen, jahrhundertelang nichts – und dann bum, und alles ändert sich. Wir wissen es nicht.

Olena Trybushna: Und insgesamt: Glauben Sie, dass das Russland, so wie wir es heute kennen, überhaupt eine Demokratie sein kann?

Portnikov: Jedes Land kann eine Demokratie sein. Die Frage ist, was wir unter Demokratie verstehen und wie Russland demokratisch das Instrument des Drucks auf andere Völker und das Instrument der Russifizierung bewahren soll. Verstehen Sie: Eine Demokratie kann einem Tschetschenen nicht das Recht absprechen, Tschetschene zu sein, einem Jakuten nicht, Jakute zu sein. Eine Demokratie kann keine jakutischen Filme verbieten. Sie kann Tataren nicht sagen: „Nein, nein, nein, ihr dürft euer Alphabet nicht in lateinischer Schrift schreiben, weil uns Russen die Lateinschrift nicht gefällt.“ So etwas gibt es in Demokratien nicht.

Die Frage ist also: Wie würde dieses Land effektiv funktionieren? In den 1990er-Jahren hat es das versucht, aber sie haben sich sehr schnell erschrocken. Es geht dabei nicht einmal um territoriale Integrität. Ich glaube, dass die Russische Föderation nach 1991 alle Chancen hatte – und immer noch hat –, ihre Integrität zu bewahren. Aber dafür muss man kooperieren können. Man darf andere Menschen nicht als Menschen zweiter Klasse betrachten.

Olena Trybushna: Vielleicht liegt das Problem darin, dass, wenn sie all das loslassen, dann genau das beginnt, auseinanderzufallen.

Portnikov: Es könnte anfangen, auseinanderzufallen, es könnten innere Konflikte entstehen. Vielleicht fällt es auch nicht auseinander, sondern die Russen, die – sagen wir – in Kasan leben, wären gezwungen, die Tataren, die ebenfalls in Kasan leben, als Gleichberechtigte zu betrachten. Aber innerlich tun sie das nicht. In Russland gibt es überhaupt eine ganze Hierarchie der Völker, damit Sie das verstehen. Es ist nicht einfach so, dass nur Russen auf alle herabschauen – es gibt noch weitere Völker, das auf andere Völker herabschauen, und so weiter.

Olena Trybushna: Zweite Klasse, dritte Klasse.

Portnikov: Man spürt das, verstehen Sie? Das ist zu einem gewissen Grad Psychologie. Das ist übrigens etwas, das Ukrainer oft nicht verstehen. Wir sagen: „Bei uns gibt es antisemitische Erscheinungen.“ Ja, es gibt Alltagsantisemitismus – das kann ich als Mensch jüdischer Herkunft bestätigen. Kann ein Antisemit mir etwas Beleidigendes sagen? Natürlich. Aber ich weiß eine Sache ganz genau: Ein Antisemit hält mich nicht für einen Menschen zweiter Klasse. Er kann mich als Feind betrachten, er kann mich nicht mögen, aber wir streiten auf Augenhöhe.

Mit einem Russen ist das anders. Das ist übrigens etwas, das ich bemerkt habe, als ich anfing, in Russland zu leben – den Unterschied zwischen ukrainischen Juden und Moskauer Juden, bildlich gesprochen. Wir lebten in einer ähnlichen Situation des Alltagsantisemitismus. Ich spreche jetzt nicht vom Staat. Aber wenn jemand versuchte, einen Konflikt anzufangen, nahmen wir ihn auf Alltagsebene an. Und man wusste immer, dass man Unterstützung hat – nicht unbedingt nur von Juden.

Ich erinnere mich: Meine Dozentin für Polygraphie fuhr einmal in einem überfüllten Trolleybus. Jemand trat ihr auf den Fuß. Sie sagte: „Mann, warum treten Sie mir auf den Fuß?“ Er antwortete: „Jüdische Fresse“ und, nun ja, alles wie es sich gehört. Sie hatte eine Einkaufstasche. Und sie schlug ihm mit dieser Tasche voller Kefir auf den Kopf, weil sie beleidigt war. Sie war eine emotionale Frau. Und der ganze Trolleybus hat zu ihr gehalten, weil sie beleidigt worden war und als mutige Frau reagiert hatte.

In Moskau ist so etwas unmöglich. Wenn man in Moskau einer solchen Frau im Trolleybus dieselben Worte sagen würde, würde sie sich bücken und aussteigen. Vielleicht steigt sie nicht aus, aber sie fährt weinend weiter. Und das gilt von dieser Frau im Trolleybus bis hin zu Sergej Kirijenko. Man versteht: Der Russe hat das Recht, weil er sich selbst für höherstehend hält. In einem demokratischen Staat funktionieren solche Tricks nicht.

Und übrigens: Genau deshalb konnten Ukrainer – trotz schrecklicher Konflikte – mit anderen Völkern kooperieren, weil es diesen imperialen Überlegenheitsdrang nicht gab. Ukrainer sind freie Menschen – sogar in ihren negativen Erscheinungen. Verstehen Sie: Selbst ein negativer Ausbruch kann ein Ausdruck von Freiheit sein – oder ein Ausdruck von Sklaverei. Das ist das, worüber Jabotinsky einst schrieb, als er über Ukrainer sprach: über diesen wilden Ausbruch des Volkszorns. So sprach er über Schewtschenkos Bilder. Und das kann man im Grunde als psychologischen Typus des ukrainischen Volkes bezeichnen.

Bei den Russen hingegen ist das eine Kompensation für Sklaverei. Warum willst du einem Tataren, einem Juden, einem Jakuten etwas Beleidigendes sagen? Weil du im Grunde ein Sklave eines Herren bist. Heute ist dein Herr der Gutsbesitzer, dem du als Leibeigener gehörst. Morgen ist es derjenige, der dir Arbeit gibt. Übermorgen ist es der Parteisekretär des Gebietskomitees. Aber es ist immer ein Herrscher. Und du putzt ihm immer die Stiefel. Wie kannst du dich also selbst ausdrücken?

Olena Trybushna: Und das ist einer der Gründe, warum Russland sich niemals mit der Existenz der Ukraine abfinden wird – egal ob demokratisch oder nichtdemokratisch –, wenn sie uns so betrachten.

Portnikov: Ich glaube, Russland wird sich aus einem anderen Grund nicht mit der Existenz der Ukraine abfinden: weil sie nicht an die Existenz der Ukraine glauben. Man kann sich nicht mit der Existenz von etwas abfinden, an das man nicht glaubt. Sie betrachten die Ukraine einfach als Fortsetzung Russlands.

Aber sehen Sie den Unterschied: Die Bulgaren zum Beispiel glauben nicht an die Existenz Nordmazedoniens und des mazedonischen Volkes. Finden Sie mir ein paar Bulgaren, die daran glauben – ich würde gern mit ihnen sprechen, das wären sehr spezielle Bulgaren. Alle glauben, dass Mazedonier eine ethnische Gruppe der Bulgaren sind. Deshalb verlangen sie, dass die Mazedonier ihre Geschichtsbücher umschreiben, sonst werden sie keine Verhandlungen über den EU-Beitritt führen.

Aber gehen Sie zu einem Bulgaren und sagen Sie: „Hör zu, lass uns Ohrid bombardieren, damit sie verstehen, dass sie Bulgaren sind. Und Bitola bombardieren.“ Er wird Ihnen sagen: „Bist du verrückt? Das sind doch Bulgaren. Wie können wir sie bombardieren? Sie verstehen vielleicht nicht, dass sie Bulgaren sind – das ist ein Problem. Wir müssen mit ihnen arbeiten. Aber wie kann man Städte bombardieren, in denen bulgarische Königreiche existierten? Lies doch die Bibel. Wie kann man seine eigene Fleisch und Blut bombardieren?“

Und genau deshalb war Bulgarien – das niemals das mazedonische Volk oder die mazedonische Sprache anerkannt hat – das erste Land, das die Unabhängigkeit Mazedoniens anerkannt hat. Und bei uns waren die ersten Länder, die unsere Unabhängigkeit anerkannten, nicht Russland, das uns für Russen hält, sondern Polen und Kanada.

Denn Bulgaren sind – so oder so – freie Menschen. Russen sind Sklaven. Deshalb sehen sie nichts Besonderes darin, Odessa oder Charkiw vom Erdboden zu tilgen, weil „das ja russische Städte sind“. Aber wenn ihr das so denkt – warum zerstört ihr sie dann? Das ist die Antwort auf die Frage. Das ist der Unterschied.

Mir scheint, am Beispiel der bulgarisch-mazedonischen Beziehungen sieht man einfach, dass das eine unglaubliche Bewusstseinsverzerrung ist. Wenn mir als Jude zum Beispiel gewisse religiöse Praktiken anderer Juden nicht gefallen – sagen wir, ich bin Aschkenase und mag die sephardischen Bräuche nicht –, dann gehe ich sie doch nicht deswegen töten. Ich sage: Gut, sie beten so, ich bete so. Sie sind Juden.

Israel hat sogar die Karäer, die den Talmud nicht anerkannten und nur die schriftliche Tora akzeptierten, in das Rückkehrgesetz aufgenommen. Weil wenn Menschen Juden sind, man sie aufnehmen muss – und ihnen nicht erklären, wie sie zu leben haben.

Deshalb erscheint mir das russische Verhalten einfach wahnsinnig. Wahnsinn. Solange es um politische oder wirtschaftliche Instrumente ging, konnte ich das noch irgendwie erklären. Aber wenn ich sehe, wie Putin methodisch Gebiete zerstört, in denen bis 2014 tatsächlich die Mehrheit Russisch sprach und für prorussische Kräfte stimmte – und in Russland sieht man darin nichts Besonderes –, dann …

Olena Trybushna: Das ist wieder „Die Mitgiftlose“ – „Dann sollst du niemandem gehören.“

Portnikov: Oder einfach die Umsetzung des Memes „Bombardiert Woronesch“ in moderner Form. Im Grunde haben sie das immer so gemacht. Sie zerstörten sogar sowjetische Städte, als sie sie von den Hitlertruppen „befreiten“. Sie hatten es eilig. Sie dachten nicht: Vielleicht sollten wir warten. Erinnern Sie sich, wie sie an den Mauern Warschaus standen und zusahen, wie die Stadt vollständig zerstört wurde? Das ist genau das. Und daran muss man sich auch erinnern.

Olena Trybushna: Leider müssen wir ewig neben dem leben.

Portnikov: Niemand weiß, wie sich die Situation entwickeln wird. Sprechen Sie nicht von Ewigkeit.

Olena Trybushna: Russland wird in irgendeiner Form existieren.

Portnikov: Alle Staaten verändern sich, alle Nationen verändern sich im Laufe der Zivilisation. Die Russen mit ihrem heutigen imperialen, sklavenhaften Bewusstsein sind keine historische Konstante. Nichts ist ewig. Glauben Sie mir: Wenn es uns gelingt, Souveränität, Unabhängigkeit und Entwicklungsmöglichkeiten zu bewahren, dann liegen gute Zeiten vor uns.

Olena Trybushna: Ich wünsche uns, dass wir das erleben – und dass es schneller geschieht.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін готує пастку | Віталій Портников ‪@єПитання‬. 06.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 06.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Energie-Waffenruhe: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 30.01.2026.

Die New York Times berichtet über eine mündliche Vereinbarung zwischen russischen und ukrainischen Unterhändlern in Abu Dhabi über eine sogenannte Energie-Waffenruhe, die nach Angaben des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, infolge seines Appells an den russischen Präsidenten Putin zustande gekommen sein soll.

Die Zeitung betont, dass keinerlei schriftliche Vereinbarungen über diese Energie-Waffenruhe festgehalten wurden. Dennoch hätten Russen und Ukrainer über die Möglichkeit eines solchen Waffenstillstands gesprochen, und die russische Delegation habe sich sogar bei der ukrainischen entschuldigt, weil Russland bereits nach Erreichen dieser mündlichen Vereinbarung weiterhin ukrainische Städte beschossen habe. Insbesondere wurden Odessa sowie ein Personenzug angegriffen.

Wie realistisch die Informationen dieses amerikanischen Mediums sind und wie belastbar diese mündliche Vereinbarung tatsächlich ist, lässt sich derzeit nur schwer beurteilen. Grundsätzlich ist nicht einmal klar, inwieweit man eine einwöchige Energie-Waffenruhe überhaupt als echten Waffenstillstand bezeichnen kann.

Denn wir haben es bereits mehrfach erlebt, dass Russland eine Woche oder sogar länger keine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur durchgeführt hat, weil es Zeit benötigte, um Raketen und Drohnen für einen massiven Angriff zu sammeln. Damals wurde dies keineswegs als Waffenruhe bezeichnet, sondern als Ansammlung der für neue Angriffe notwendigen Ressourcen durch die Russische Föderation wahrgenommen.

Nun könnten wir es mit einer deutlich komplexeren Situation zu tun bekommen. Russland könnte erklären, dass es dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, entgegengekommen sei und während einer Woche, in der in der Ukraine starke Fröste herrschen, keine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur durchführen werde. Gleichzeitig dürfte jedoch auch die Ukraine in diesem Zeitraum keine Drohnenangriffe auf den Raffineriekomplex der Russischen Föderation ausführen. Auf diese Weise verschafft sich Russland einerseits ausreichend Zeit, um Ressourcen für neue kriminelle Angriffe auf unser Land zu sammeln, und schützt andererseits seinen Raffineriekomplex vor weiteren ukrainischen Schlägen. Ob dies tatsächlich die Logik von Präsident Putin war, als er dieser mündlichen Energie-Waffenruhe zustimmte, werden wir erst nach Ablauf dieser Woche verstehen.

Offensichtlich wird Putin in dieser Woche gezwungen sein, auf massive Angriffe gegen die ukrainische Energieinfrastruktur zu verzichten, da solche Angriffe bereits zu Spannungen zwischen ihm und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, führen würden. Der amerikanische Präsident hat gezeigt, dass er durch Dialog mit dem Präsidenten der Russischen Föderation in der Lage ist, solche schnellen Ergebnisse zu erzielen. Dabei wissen wir erneut nicht, ob dies das Ergebnis eines Gesprächs zwischen Putin und Trump war oder der Gespräche zwischen ukrainischen und russischen Unterhändlern in Abu Dhabi.

Moskau hat bislang nicht bestätigt, dass Putin Trump entgegengekommen ist. Gleichzeitig erklärte der Pressesprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, dass Trump sich tatsächlich mit einer solchen Bitte an den russischen Präsidenten gewandt habe. Wie Putin seinem amerikanischen Kollegen geantwortet hat, teilte der Pressesprecher selbstverständlich nicht mit. Doch wir verstehen sehr wohl, dass Putin Trump dieses Mal kaum eine Absage erteilt haben dürfte, da es sich um eine Bitte humanitären Charakters handelte. Ein offenes Ignorieren des Wunsches des amerikanischen Präsidenten, die Zivilbevölkerung vor neuen kriminellen Angriffen Russlands zu schützen, hätte eine unvorhersehbare Reaktion Trumps hervorrufen können. Wir haben bereits mehrfach gesehen, wie Putin versucht, gute Beziehungen zu Trump aufrechtzuerhalten, selbst nachdem der amerikanische Präsident harte Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt hat – insbesondere gegen deren Raffinerie- und Ölkonzerne.

Offensichtlich ist für Putin auch in dieser Situation das Wichtigste, sich vor neuen amerikanischen Sanktionen zu schützen. Er will verhindern, dass Trump etwa einem Gesetz zustimmt, das es ihm ermöglichen würde, Strafzölle gegen Länder zu verhängen, die weiterhin russisches Öl kaufen – ganz zu schweigen von anderen Optionen, die im Weißen Haus gemeinsam mit europäischen Verbündeten erwogen werden könnten.

Eine Woche ist für Putin natürlich kein Zeitraum. Zumal diese Woche genau dann endet, wenn eine neue Runde russisch-ukrainischer Verhandlungen beginnen soll. Für den russischen Präsidenten kann es zudem ein zusätzlicher Beweis für die Konstruktivität seiner Position sein, dass diese Waffenruhe genau bis zum Beginn der neuen Verhandlungsrunde anhält.

Doch erneut stellt sich die Frage, inwieweit diese angebliche Konstruktivität der Realität entspricht. In welchem Maße ist Putin überhaupt daran interessiert, die Zerstörung der ukrainischen Energieinfrastruktur und die Misshandlung der Zivilbevölkerung zu beenden?

Einige Antworten auf diese Fragen werden wir bald erhalten, denn die einwöchige Waffenruhe wird enden – gemeinsam mit Putins Versprechen an Trump. Es ist unwahrscheinlich, dass der amerikanische Präsident erneut mit der Bitte um Verlängerung an den russischen Präsidenten herantreten wird. Doch während der Verhandlungen selbst könnten – sofern tatsächlich mündliche Vereinbarungen zur Energie-Waffenruhe bestanden – diese erneut verlängert werden, wiederum ohne jegliche formelle, von den Parteien unterzeichnete Dokumente.

Und wissen Sie, warum? Weil Putin durchaus Probleme in seinem eigenen Raffineriekomplex spüren könnte. Er könnte verstehen, dass die Einnahmen des russischen Staatshaushalts schwinden werden, wenn ukrainische Drohnen weiterhin russische Raffinerien angreifen. Er könnte befürchten, dass die Ukraine im Falle fortgesetzter Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur mit weitreichenden Raketen ausgerüstet wird – wenn nicht mit amerikanischen, dann mit europäischen. Und dies könnte letztlich die Raffinerieindustrie Russlands und sogar die Ölproduktion der Russischen Föderation in absehbarer Zeit zerstören.

Das heißt: Putin könnte letztlich nicht nur durch den Wunsch gebremst werden, sich wegen möglicher neuer US-Sanktionen nicht mit dem amerikanischen Präsidenten zu zerstreiten. In Wahrheit könnte ihn nur Angst stoppen – die Angst, Einnahmen zu verlieren und damit die Stabilität seines Regimes zu gefährden. Ein Regime, das einerseits den Eroberungskrieg gegen die Ukraine fortsetzen will, andererseits aber an der Macht bleiben und die soziale Stabilität in der Russischen Föderation nicht für all jene Ziele aufs Spiel setzen möchte, die Putin seiner Armee bereits im inzwischen weit zurückliegenden Jahr 2022 gesetzt hat.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Енергетичне перемирʼя: головне | Віталій
Портников. 30.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.01.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Unser Krieg begann 2014 – nicht erst am 24. Februar 2022. Tanja Adams. 28.01.2026.

https://www.facebook.com/share/p/1CrKrE71iw/?mibextid=wwXIfr

Ein alter Post ist wieder aufgetaucht.

Ich möchte daran erinnern.

Und ja, ich habe – so gut ich konnte – versucht, euch vom Krieg zu erzählen. Davon zu erzählen, wie er sein wird. Zu erzählen, damit ihr keine Dummheiten macht, damit ihr euch im Rahmen eurer Möglichkeiten vorbereitet.

„Russland hat die Ukraine angegriffen, Katja! Das ist Krieg!“, lese ich in irgendeiner Erzählung über den 24. Februar. Ganz ehrlich, verzeiht mir, wenn ich damit jemandem in die Seele spucke, aber es regt mich verdammt nochmal auf. Es macht mich furchtbar, aus dem Bauch heraus, unkontrollierbar wütend.

Ja, ich verstehe, dass Probleme zu vergleichen maximal dämlich ist. Ja, ich weiß, dass jeder Schmerz anders ist. Ja, ich weiß, dass niemand schuld ist. Aber es regt mich auf.

Der Krieg begann Ende Februar 2014. Als grüne Männchen ohne Hoheitsabzeichen die Krim besetzten. Als meine Stadt aufhörte, meine zu sein. Als alles in Scherben zerfiel. Der Krieg begann, als mein Mann und mein Freund an die Front gingen.

Der Krieg begann, als das Wort „es ist eingeschlagen“ eine ganz konkrete Bedeutung bekam. Und das war nicht letztes Jahr.

Mein Krieg begann mit dem Verlust von Arbeit, Zuhause, Orientierung, Freunden, Geld – von allem verdammt nochmal – und das ist fast neun Jahre her.

Wir, überall Fremde, nirgends erwünscht, standen allein vor „Wohnung finden“, wenn es heißt „an Donezker vermieten wir nicht“. Vor „Miete bezahlen“, wenn das Geld zusammen mit der Arbeit schon vor einem halben Jahr ausgegangen ist. Vor „Job finden“, wenn du fast 40 bist und „bei uns ist die Altersgrenze 35“. Mit einer einzigen Tasche. Mit „die eigenen Katzen bei fremden Menschen zurücklassen“. Nicht einmal bei null anfangen – im Minus.

Mit Kinderhysterien. Mit „Ich fahre nach Donezk zurück, Ljúdka ist dort geblieben und es geht ihr gut“. Mit „Ich will NACH HAUSE!“ 24 Stunden am Tag. Und niemand nahm uns in Polen oder Deutschland auf, niemand zahlte uns Unterstützung, niemand drehte rührselige Videos über uns.

Er begann damit, dass es keinen Helm gab, keine Schutzweste, keine Schuhe, keine Hosen – aber es gab ein Tourniquet, eines, Baujahr 1975, so alt wie ich. Mit einem Taxifahrer aus Lwiw, der mir ins Gesicht sagte, was für ein Patriot er sei – im Gegensatz zu uns, den „Separatisten“.

Mit fremden Städten. Mit billigen Wohnungen. Mit erfolglosen Versuchen, immer wieder. Mit Mindestlöhnen. Mit Tränen, die nicht flossen, sondern irgendwo innen brannten wie Sodbrennen. Mit Telefonaten:

– Wie geht’s dir?

– Beschissen.

– Brauchst du Hilfe?

– Ich halte durch.

Er geht jetzt weiter, wenn meine Freunde, die den Donbas längst verlassen haben, versuchen, ihre Eltern zu retten. Die dreimal am Tag wechseln zwischen „Hol mich hier raus, die Nachbarin wurde getötet“ und „Ich fahre nirgendwohin! Wer braucht mich denn dort?“. Wenn Tocha, ein russischsprachiger Donbas-Bewohner, das personifizierte Böse, seit neun Monaten ohne Urlaub ist. Wenn deine Alten eine Wohnung nur noch zusammen anmieten können – von einer Rente allein geht das nicht. Und dein Geld nehmen sie nicht, sie sind es gewohnt, selbst klarzukommen; sie können diese neue Daseinsdoktrin nicht ertragen.

Unser Krieg begann vor langer Zeit, riss Fleischstücke aus uns heraus, und ich habe – so gut ich konnte – versucht, euch davon zu erzählen.


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Autor: Tanja Adams
Veröffentlichung / Entstehung: 28.01.2026.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Scheinverhandlungen statt Frieden. Vitaly Portnikov. 24.01.2026.

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Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass bei echten Verhandlungen ein verbrecherischer Beschuss der Zivilbevölkerung ein Anlass wäre, diese Verhandlungen abzubrechen und weitere diplomatische Demarchen zu setzen.

Das Problem besteht jedoch darin, dass das, was wir heute beobachten, keine echten Verhandlungen sind, sondern der Versuch der Ukraine und ihrer europäischen Verbündeten, der Administration Trump nicht die Möglichkeit zu geben, Kyiv mangelnden Friedenswillen vorzuwerfen, sich aus dem Prozess zurückzuziehen und sogar die Hilfe für die Ukraine einzustellen.

In Wirklichkeit führen wir die Verhandlungen also mit den Amerikanern. Die Russen sind dort lediglich Staffage, und sie haben dieselbe Aufgabe wie wir: allein durch ihre Präsenz Trump von ihrer Friedfertigkeit zu überzeugen. Dass man in Washington es vorzieht, den Beschuss der Ukraine während der Verhandlungen nicht zu bemerken, liegt bereits im Gewissen der amerikanischen Teilnehmer.

Und zum Schluss: Wird es irgendwann echte Verhandlungen mit Russland geben? Objektive Voraussetzungen dafür sind in den kommenden Jahren praktisch nicht vorhanden – selbst im Fall einer erheblichen Schwächung des wirtschaftlichen und militärischen Potenzials des Gegners. Wahrscheinlicher ist, dass wir es mit einem allmählichen Abklingen des Krieges zu tun haben werden, und unsere Hauptanstrengungen müssen auf Maßnahmen gerichtet sein, die auf die Erschöpfung der russischen Ressourcen abzielen.

Die Teilnahme an einem simulierten Verhandlungsprozess, um einen Verzicht der USA auf Druck gegenüber Moskau zu verhindern, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Maßnahmen.


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
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Verhandlungen in Abu Dhabi: Was kommt als Nächstes | Vitaly Portnikov. 22.01.2026.

Zu den Themen, die bei den dreiseitigen Verhandlungen in Abu Dhabi, die morgen und übermorgen stattfinden sollen, erörtert werden könnten, gehört auch die Frage eines energetischen Waffenstillstands. Das heißt: Russland stellt Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur ein, während die Ukraine im Gegenzug Angriffe auf russische Tanker der sogenannten Schattenflotte sowie auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation unterlässt.

Doch derzeit ist niemand sicher, dass solche Verhandlungen tatsächlich stattfinden und erfolgreich sein werden. Viel hängt davon ab, mit welchen Botschaften die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, aus der russischen Hauptstadt zurückkehren werden. Ihr Treffen mit dem russischen Präsidenten hat bislang noch nicht begonnen. Beobachter erinnern jedoch daran, dass Putin Witkoff und Kushner ein Format dreiseitiger Verhandlungen vorschlagen könnte, das keine gemeinsame Arbeit aller Delegationen vorsieht. Das heißt, die Amerikaner würden sowohl mit den Russen als auch mit den Ukrainern sprechen und als Vermittler zwischen den Delegationen fungieren, die in Abu Dhabi zusammenkommen.

Welche konkreten Fragen bei diesen Verhandlungen behandelt werden sollen, ist ebenfalls noch unklar. Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, der das Treffen in Abu Dhabi angekündigt hat, ebenso wie Vertreter des Weißen Hauses, betonte, dass die schwierigste Frage die territoriale sei. Russland besteht weiterhin darauf, dass sich die ukrainischen Truppen aus dem gesamten Gebiet der Oblast Donezk zurückziehen. Das würde bedeuten, auch aus jenen Bezirken, die derzeit vom legitimen ukrainischen Staat kontrolliert werden. Die Vereinigten Staaten schlagen als Kompromiss die Ausrufung einer Freihandelszone auf dem von der Ukraine kontrollierten Teil dieses Gebiets vor.

Dabei sollte man daran erinnern, dass das von der Russischen Föderation besetzte Gebiet der Oblast Donezk nicht von russischen Truppen geräumt werden soll. Dort wird es keine Freihandelszone geben. Und natürlich ist erstens unklar, inwieweit Putin damit einverstanden wäre, dass auf dem Gebiet der Donezk-Region, aus dem die ukrainischen Truppen kampflos abgezogen würden, keine russischen Streitkräfte stationiert wären. Zweitens stellt sich die Frage, ob er nicht versuchen würde, selbst im Falle der Abwesenheit regulärer russischer Truppen dort Einheiten der russischen Nationalgarde zu stationieren – wie sein außenpolitischer Berater Juri Uschakow bereits angedeutet hat. Und drittens ist unklar, inwieweit all dies für Putin überhaupt eine reale Forderung darstellt, die den russisch-ukrainischen Krieg beenden könnte.

Meiner Ansicht nach ist allein die Idee eines kampflosen Abzugs der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet der Donezk-Region für Putin ein Versuch, die Lage in unserem Land zu destabilisieren, um anschließend die an die Donezk-Region angrenzenden ukrainischen Gebiete zu erobern. Und ich bin mir nahezu sicher, dass selbst dann, wenn man sich vorstellen würde, die ukrainische Führung gäbe unter dem Druck sowohl des Kremls als auch des Weißen Hauses irgendwelchen Ersatzlösungen nach, die einen Verzicht auf die reale Kontrolle über jene Teile der Donezk-Region beinhalteten, die Moskau nicht besetzen konnte, bei Putin sofort ein Dutzend neuer demütigender Bedingungen entstehen würde.

Hier stellt sich die Frage, ob Trump diesen Bedingungen zustimmen und sie der Ukraine aufzwingen würde, so wie er heute faktisch die Geschichte um die Donezk-Region aufzwingt, oder ob er im Gegenteil wütend auf Putin reagieren und den Druck auf den russischen Präsidenten verstärken würde. Bislang gelingt es Putin jedoch schlicht, Zeit zu gewinnen – unter dem Deckmantel eines Verhandlungsprozesses.

Wir wissen nicht, welche realen Ergebnisse Trump und Zelensky während ihres einstündigen Treffens erzielt haben. Doch offensichtlich wird die Aufgabe für den russischen Präsidenten dadurch erleichtert, dass er sich nicht einmal auf gemeinsame Vorschläge der Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten einlassen muss, sondern Steve Witkoff einfach vorschlagen kann, die Gespräche über diese Vorschläge auf Arbeitsgruppen zu verlagern.

Allein das Format solcher Arbeitsgruppen, die lediglich zwei Tage tagen und nicht in einem kontinuierlichen Konsultationsprozess stehen, erlaubt es nicht zu sagen, dass der russische Präsident an echtem Frieden interessiert ist. Ganz zu schweigen davon, dass die Vorbereitungen für dieses Treffen zeitgleich mit Berichten über mögliche neue russische Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur erfolgen. Das bedeutet, dass für Putin nicht ein energetischer Waffenstillstand wichtig ist, sondern eine energetische Katastrophe in der Ukraine.

Das einzige reale Instrument, um seine Handlungen zu stoppen, ist eine deutlich intensivere Unterstützung der Ukraine – darüber hat Präsident Volodymyr Zelensky heute auf dem Internationalen Wirtschaftsforum gesprochen. Tatsächlich haben die Amerikaner die weitreichenden Raketen nahezu vergessen, obwohl Donald Trump noch vor wenigen Monaten über die Möglichkeit ihrer Lieferung an die Ukraine gesprochen hatte. Wären solche Waffen im ukrainischen Arsenal vorhanden, könnten sie zumindest jene Objekte zerstören, von denen aus die Vernichtung des ukrainischen Energiepotenzials erfolgt.

So jedoch wird der Krieg unter absolut ungleichen Bedingungen geführt: Es geht nicht um militärische Gefechte, sondern um Angriffe auf Infrastruktur. Die Russische Föderation kann zur Verwandlung der Ukraine in ein lebensgefährliches Gebiet das gesamte Spektrum ihrer Langstreckenraketen einsetzen – Iskander, Kinschal und alles, was ihr sonst zur Verfügung steht, einschließlich dessen, was vom militärisch-industriellen Komplex Russlands produziert oder von Verbündeten wie Iran oder Nordkorea geliefert wird.

Den Ukrainern stehen faktisch nur Drohnen zur Verfügung, die zwar Probleme für den russischen Ölverarbeitungskomplex verursachen können, dessen Betrieb jedoch nicht stoppen und auch die Reparatur beschädigter Kapazitäten nicht verhindern. Das ist eine völlig andere Situation als bei der ukrainischen Infrastruktur, die kurz nach jeder Reparatur erneut durch dieselben Raketen zerstört wird. All dies kann bei Putin nicht einmal den Wunsch hervorrufen, über ein Ende der Kampfhandlungen in absehbarer Zukunft nachzudenken.

Putin zieht also keineswegs grundlos Zeit in diesen Verhandlungen mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten. Und wenn die Amerikaner bei solchen Gesprächen nicht entschlossener und härter auftreten, sondern weiterhin auf ein konstruktives Verhalten Putins hoffen, wird der russische Präsident natürlich darauf setzen, die Situation bis Januar 2029 hinauszuzögern – bis Donald Trump schließlich das Weiße Haus verlässt und seinem Nachfolger ein ungelöstes russisch-ukrainisches Konflikterbe hinterlässt. Einen Konflikt, den dieser Würdenträger im Wahlkampf – wir haben das inzwischen fast vergessen – versprach, binnen weniger Tage mit einem einzigen einfachen Telefonanruf bei Wladimir Putin zu lösen, mit dem Trump angeblich so hervorragende persönliche Beziehungen pflegt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Абу-Дабі: що буде | Віталій Портников. 22.01.2026.

Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Worauf haben sich Trump und Zelensky geeinigt? | Vitaly Portnikov @gvlua. 22.01.2026.

Korrespondent: Lassen Sie uns die heutigen Ereignisse zusammenfassen – es gab tatsächlich viele, die die Ukraine betreffen. Was ist Ihrer Meinung nach heute in Davos das Wichtigste gewesen? Ist es die Ankündigung der morgigen Gespräche, oder verstehen wir zumindest auf der Informationsebene, dass es heute ein Einvernehmen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten von Amerika gibt – vielleicht sogar mehr Einvernehmen als zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa, wenn man an Donald Trumps gestrige Rede mit scharfer Kritik an europäischen Entwicklungen erinnert?

Portnikov: Wir schenken Reden viel Aufmerksamkeit, obwohl Reden an sich nichts bedeuten – wichtig sind konkrete Handlungen. Ja, Donald Trump hielt eine Rede, in der er über Grönland sprach, aber jetzt sagt er, es werde irgendeine neue Struktur in Bezug auf Grönland geben, und diese werde für die Vereinigten Staaten akzeptabel sein. Das heißt: Faktisch hat Donald Trump innerhalb von zwölf Stunden nach dieser Rede seine Position geändert. Ich schließe nicht aus, dass sie sich in den nächsten 24 oder 48 Stunden erneut ändern wird. Deshalb können wir im Grunde nicht sagen, dass etwas Reales passiert. Wir sind Zeugen eines bestimmten virtuellen Prozesses. Die Realität aber ist das, wovon Sie sprechen: ein möglicher neuer Schlag der Russischen Föderation gegen die Ukraine mit dem Ziel, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören und die Ukrainer „einzufrieren“, ihre Umsiedlung aus großen Städten zu fördern und die Ukraine in ein lebensgefährliches Gebiet zu verwandeln. Das ist es, wonach Putin strebt. Alles andere sind Gespräche über irgendwelche virtuellen Sicherheitsgarantien, die der Ukraine nach dem Krieg gewährt werden könnten, während niemand versteht, wie der Weg zur Beendigung dieses Krieges überhaupt aussieht.

Und ich frage immer: „Wie sollen diese Sicherheitsgarantien aussehen, selbst wenn sie – wie Präsident Zelensky sagt – von der Werchowna Rada und vom Kongress ratifiziert werden? Bedeutet das, dass die Vereinigten Staaten bereit wären, im Fall eines erneuten russischen Angriffs gemeinsam mit uns gegen Russland zu kämpfen? Wenn sie nicht dazu bereit sind, dann sind das keine Sicherheitsgarantien, sondern nur das nächste Versprechen von Unterstützung im Falle eines neuen Angriffs. Wenn wir gegen die größte Nuklearmacht der Welt kämpfen und eine andere Nuklearmacht nicht an diesem Krieg teilnehmen will, dann gibt es keine Sicherheitsgarantien. Bis vor Kurzem war die einzige reale Sicherheitsgarantie, die nach dem Zweiten Weltkrieg ausgearbeitet wurde, Artikel 5 der NATO. Jetzt, wo die Vereinigten Staaten faktisch die territoriale Unversehrtheit Dänemarks und Grönlands – das Teil des dänischen Königreichs ist – infrage stellen, wissen wir nicht einmal, ob dieser Artikel 5 überhaupt funktioniert. Und wenn sich herausstellt, dass er nicht funktioniert, bedeutet das: In der modernen Welt gibt es grundsätzlich keine Sicherheitsgarantien. Und jeder, der sich damit wirklich befasst, muss sich dessen wenigstens bewusst sein – denn das ist, wiederum, eine Rede über virtuelle Formen der Selbstberuhigung oder der Beruhigung der Gesellschaft: „Wisst ihr, wenn bei uns der Krieg endet, der kein Ende nimmt, dann werden wir solche Sicherheitsgarantien haben, die keine Beteiligung unserer Verbündeten an unserer Verteidigung im Falle eines neuen Krieges vorsehen.“ Wunderbar. Ein wahres Feuerwerk diplomatischer Siege, würde ich sagen.

Und in diesem Sinne haben vielleicht eher diejenigen recht, die von der Notwendigkeit sprechen, Kräfte zu bündeln. Sie sprachen von Volodymyr Zelenskys Rede mit Kritik an Europa. Mir scheint: Das Oberhaupt eines europäischen Landes sollte Europa nicht kritisieren, sondern darüber nachdenken, wie man sich mit Europa zu einem einheitlichen Militärbündnis zusammenschließt – wovon im Grunde ein anderer Staatsführer gesprochen hat, kein Europäer: der kanadische Premierminister Mark Carney. Er sagte klar, die Zeit sei gekommen, in der die sogenannten Großmächte nicht mehr auf irgendwelche Werte achten, sondern glauben, sie könnten anderen mithilfe von Druck sowie militärischer und wirtschaftlicher Stärke ihren Willen aufzwingen. Und so gilt: Entweder ihr schließt euch zusammen und erteilt diesen Versuchen eine Absage, oder ihr kritisiert eure möglichen Partner und versucht, sie zu mehr Einvernehmen zu bewegen. Das ist eine Wahl, die jeder – sagen wir – nach seiner politischen Intuition trifft. Ich glaube, die Ukraine wird die richtige Wahl treffen, weil sie Teil des europäischen Kontinents ist, und ohne die Hilfe der europäischen Partner ist die Ukraine, wie Sie verstehen, dazu verurteilt, von der politischen Weltkarte zu verschwinden. Keine Vereinigten Staaten – denn Donald Trump hat recht, sie sind weit weg – können uns in einer Situation helfen, wenn es kein europäisches Verständnis für die Notwendigkeit gibt, die Ukraine zu bewahren und ihr im Kampf gegen Russland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu helfen.

Korrespondent: Das größte Echo hat Präsident Zelenskys Information über ein dreiseitiges Treffen ausgelöst. Amerikaner, Russen, Ukraine werden morgen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sprechen. Insbesondere sagte Präsident Zelensky – zurück zu dem, was Sie beantwortet haben –, aber er hat die Sicherheitsgarantien nicht detailliert. Er sagte, die Sicherheitsgarantien seien abgestimmt. Es bleibe die Territorialfrage. Und wir verstehen, dass die Territorialfrage der Eckstein ist, der offensichtlich nicht erlaubt, dieses Friedensabkommen zu erreichen, weil die Russen alles und sofort wollen. Was erwarten Sie von den morgigen Gesprächen?

Portnikov: Nichts. Ich halte es für so, dass Putin seinen Vorrat an Tricks für Trump noch nicht ausgeschöpft hat. Nur wird es für ihn jedes Mal schwieriger, irgendeine Demonstration seiner Friedfertigkeit zu finden. Er begann mit ziemlich einfachen Lösungen: Telefongespräche, Schmeichelei gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Überzeugung, dass er zur Zusammenarbeit bereit sei. Irgendwann hörte das auf zu wirken. Erinnern Sie sich, Trump sagte: „Ich rede mit ihm, solche angenehmen Gespräche, aber es führt zu nichts.“ Dann gab es das Treffen in Anchorage, die Bereitschaft zu direkten Kontakten, zu ernsthaften Gesprächen. Danach änderte Trump sogar seine Position und hörte auf, ein Befürworter eines Waffenstillstands zu sein, und begann zu sagen, man müsse ein umfassendes Friedensabkommen vorbereiten. Ein Friedensabkommen kann man während militärischer Handlungen vorbereiten. Übrigens: Alles, was bei uns jetzt passiert, ist das Ergebnis dieser Positionsänderung Trumps, weil er Putin faktisch erlaubt hat, die Ukraine weiter zu zerstören und – sagen wir – uns keine weitreichenden Waffen gegeben hat, damit wir uns verteidigen. Das ist ja gerade der Geist von Anchorage, von dem Putin ständig spricht: ihm die Möglichkeit zu geben, uns so zu Ende zu bringen, wie er es kann, während Trump von Fortschritt bei Verhandlungen erzählt. Aber auch das hat sich erschöpft, denn Trump dachte, Putin wäre bereit, schnell ein Friedensabkommen zu schließen – doch Putin war dazu absolut nicht bereit. Er braucht das nicht.

Es gab einen dritten Trick: der Friedensplan von Dmitrijew und Uschakow, der Witkoff und Kushner vorgeschlagen wurde, mit der Möglichkeit, noch einen Friedensrat unter Trumps Vorsitz zu schaffen. Obwohl ich, so wie ich es verstehe, es jetzt überhaupt nur einen Friedensrat für all diese Konflikte geben soll. Aber dieser Friedensplan gab die Möglichkeit, wenn schon nicht sich vor neuen Sanktionen zu schützen, so zumindest vor der Konfiskation von Geld. Denn das reale Ergebnis dieses Friedensplans ist, dass die Amerikaner Druck auf die Europäer ausübten. Leider geschah das vor Grönland. Ich denke, wenn es die Grönlandkrise gegeben hätte, wäre es ihnen nicht gelungen, so zu drücken, dass diese der Ukraine keine konfiszierten russischen Vermögenswerte geben. Denn sonst würde das Trumps Friedensplan sprengen. Dann, als Trump mit Zelensky schließlich seine Sicht dieses Friedensplans abgestimmt hatte, erfand Putin einen neuen Trick – den vierten: den „Beschuss“ der Residenz in Walday durch ukrainische Drohnen, der Putin zwang, seine Verhandlungsposition zu ändern. Auch das funktionierte nicht, weil der amerikanische Geheimdienst Trump mitteilte, dass es keinen Beschuss der Residenz gegeben hatte, und er gezwungen war, das öffentlich anzuerkennen.

Nun der fünfte Trick: dreiseitige Verhandlungen. Ein russisches Lieblingshobby: etwas zu dritt zu unternehmen (es ist Alkoholkonsum gemeint). Aber das bedeutet nicht, dass es irgendein Ergebnis dieser Verhandlungen geben wird. Nun, die Delegationen werden sich treffen. Letztlich: Wie oft haben sich Russen mit Amerikanern getroffen, und wie oft haben sich Russen mit Ukrainern getroffen? Nun stellen wir uns vor, dass das Treffen diesmal zu dritt stattfindet. Wobei wir nicht wissen, wie dieses Treffen real ablaufen wird. Werden die Russen direkt mit uns sprechen, oder werden sie über die Amerikaner mit uns sprechen, und Witkoff und Kushner werden von einem Raum in den anderen laufen? Aber das spielt keine Rolle. Es ist wichtig, dass diese Verhandlungen weitergehen, dass diese Arbeitsgruppen arbeiten. Und die Frage ist: wie lange? Wenn klar wird, dass auch dort nichts erreicht werden kann, wird es interessant sein, welcher neue Trick Putins dann kommt.

Korrespondent: Das ist meine nächste Frage an Sie. Versuchen wir, den sechsten, siebten, achten Trick Putins zu prognostizieren.

Portnikov: Ich weiß es nicht, ich habe das Andropow-Institut nicht absolviert. Vielleicht ist das in gewissem Sinne mein Mangel, aber ich denke, dort bringt man einem all das bei. Im Prinzip könnte man auf Filme zurückgreifen, mit denen Putin aufgewachsen ist und mit denen alle sowjetischen Menschen seiner Generation aufgewachsen sind – ich glaube, die Jüngeren auch. Ich meine „Siebzehn Augenblicke des Frühlings“. Ist Ihnen aufgefallen, dass Volodymyr Zelensky in seiner heutigen Rede das benutzt hat? Das ist einfach seine Prägung durch dieses Kino – obwohl er, wie es scheint, ein junger Mensch ist, oder sein Speechwriter. Aber er sagte, bei uns in der Ukraine sage man, dass der letzte Satz in Erinnerung bleibt. Das sagt man bei uns in der Ukraine nicht. Das erklärte Standartenführer Stirlitz Standartenführer Holtoff, damit der vergesse, warum er zu ihm gekommen war – dass er Aspirin brauche und nicht die Fingerabdrücke der Funkerin auf dem Koffer. Ich erinnere mich auch daran, weil ich einer älteren Generation als Zelensky angehöre. Und deshalb haben alle sowjetischen Menschen behalten, dass man sich den letzten Satz merkt. Das ist nicht wahr. Das haben die Drehbuchautoren dieses Films erfunden. Gerade der letzte Satz wird vergessen. Aber sehen Sie: Zelensky hat beschlossen, Trump mit Hilfe dieses Films an das Luftabwehrsystem zu erinnern. Wobei wir im Fall von Trump überhaupt nicht prognostizieren können, welche Sätze – die letzten, die ersten oder die mittleren – er am besten behält, weil er ja kein Standartenführer ist, verstehen Sie? Er ist ein Mensch mit einem, ich würde sagen, ungewöhnlichen Denken. Man muss sich an ihn anpassen können. Wenn man also versuchen würde, diese Filme zu analysieren, finden wir vielleicht dort eine Antwort auf Putins Tricks.

Aber ich würde nicht suchen. Mich interessiert etwas anderes: Wird Putin genug Tricks bis Januar 2029 haben? Denn im Grunde ist das der Vorrat bis Januar 2029. Trump in einem warmen Bad halten, den Krieg zur Zerstörung der Ukraine fortsetzen – wenn es nicht gelingt, unser Land zu erobern, dann wenigstens sein gesamtes Territorium zu zerstören, eine große Zahl von Menschen aus diesem Territorium zu vertreiben, zumindest aus großen Städten, die Infrastruktur zu ruinieren, die Wirtschaft so zu zerstören, dass sie nicht wiederherstellbar ist – und 2029 dann darüber zu verhandeln, was hier geblieben ist, mit einem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Aber ich glaube, Putin könnte sich verrechnen. Wissen Sie warum? Er will Trump aussitzen, aber Trump hat einen Friedensrat geschaffen, dessen lebenslanger Vorsitzender er sein will. Ich denke, der Plan ist sehr einfach: Trump übernimmt das Amt des ewigen Vorsitzenden des Friedensrats, empfiehlt den Republikanern als Präsidenten der Vereinigten Staaten seinen Nachfolger. Der wird gewählt – so glaubt Trump. Und Trump arbeitet dann mit Putin, und der neue Präsident der Vereinigten Staaten arbeitet mit Medwedew. Und so wird die Frage nicht sein, wann Putin den Wechsel des US-Präsidenten abwartet, sondern wer von ihnen früher stirbt: Putin, Trump oder Xi Jinping? Das wird ein Rennen auf Lafetten sein. Und ich bin nicht sicher, dass Putin bereit ist, an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen, denn seine Wirtschaft lässt doch zu wünschen übrig. Deshalb würde ich jetzt an Putins Stelle darüber nachdenken, was Trump mit dieser Position des Vorsitzenden des Friedensrats vorhat – und ob diese Position nicht mit dem Wunsch nach lebenslanger Macht in den Vereinigten Staaten von Amerika verbunden ist, so paradox das klingt.

Korrespondent: Und wie sehr sehen Sie diesen Friedensrat insgesamt als etwas, das tatsächlich zu einer ernsthaften Institution werden könnte, die arbeitet? Denn einerseits verstehen wir, dass es eine gewisse Geschichte „unter“ Donald Trump ist. Andererseits sehen doch alle auch, dass die – bedingt gesagt – UNO nicht funktioniert und umformatiert werden muss. Und vielleicht könnte dieser Friedensrat gerade diese Umformatierung der globalen Sicherheitsinstitutionen zu wirksameren sein.

Portnikov: Und wie soll das gehen? Der Friedensrat ist übrigens durch eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates bestätigt, also ist er eine Fortsetzung der UNO. Er ist einfach als Ergebnis dieser Entscheidung zu Gaza entstanden. Trump will seine Befugnisse erweitern. Aber es entsteht die Frage: Was ist überhaupt der UN-Sicherheitsrat? Das ist eine Organisation, in der Nuklearstaaten ein Vetorecht haben. Und dieses Vetorecht ersetzt ihnen einen militärischen Konflikt miteinander. Stellen wir uns vor, es gäbe irgendeinen Trumpschen Friedensrat und Trump wäre dessen Vorsitzender, und ihm gefällt nicht, was ein bedingter Xi Jinping oder ein bedingter Putin tut. Aber sie bleiben dabei doch Führer von Nuklearstaaten. Bedeutet das, dass der Friedensrat abstimmen und Truppen auf das Territorium der Russischen Föderation schicken kann? Nun, wenn das so einfach wäre, bräuchte man gar keine UNO – entschuldigen Sie. Die Operation gegen das Regime von Slobodan Milošević in Jugoslawien fand überhaupt außerhalb einer UN-Entscheidung statt, auf Grundlage eines NATO-Mandats. Dafür war keine UNO nötig. Wenn Sie keine Angst haben, dass Sie mit einer Atombombe getroffen werden, können Sie vieles tun, sogar ohne UNO. Wenn Sie es aber mit einem Nuklearstaat zu tun haben, können Sie 145 Friedensräte schaffen – sie werden machtlos sein, weil sie genau wissen: Sie stimmen ab, können sogar Truppen schicken, aber irgendjemand drückt den roten Knopf, und von New York bleibt eine Erinnerung in einem enzyklopädischen Buch. Ich sage nicht, dass es unbedingt so sein wird. Ich weiß überhaupt nicht – nicht einmal –, wie groß das reale nukleare Potenzial der Russischen Föderation ist; seine quantitative Mächtigkeit kennen wir. Ich weiß nicht, welche technischen Möglichkeiten es für den realen Start von Raketen gibt, die das Ziel erreichen können. Und stellen Sie sich vor: Putin entscheidet, eine strategische Nuklearrakete zu starten, und sie erreicht das Ziel nicht, sie wird abgeschossen – was dann? Was dann tun? Dann könnte es doch einen Gegenschlag geben, den du nicht abwehren kannst, nicht wahr? Das ist ein großes Risiko, wenn du etwas startest und es funktioniert nicht. Andererseits: Wenn man 10 Raketen startet, funktionieren ein paar – das reicht schon. Ich scherze übrigens absolut nicht.

Deshalb: all diese Gespräche darüber, dass die UNO nicht funktioniert – die UNO funktioniert aus einem einfachen Grund: Wir haben keinen Atomkrieg. Wenn ein Atomkrieg beginnt – falls er beginnt, wir wollen nicht zu fatalistisch sein –, werden wir sagen, die UNO funktioniert nicht. Solange es keinen Atomkrieg gibt, bleibt alles auf lokale Konflikte begrenzt, sogar so grausamwie bei uns. Das ist die UNO am Werk. Und dafür hat man diesen Sicherheitsrat geschaffen: dafür. Es gab in diesen 80 Jahren nie einen Fall, in dem der Sicherheitsrat oder die UNO „funktionierten“, wenn es um Handlungen der Nuklearstaaten selbst ging. Wir haben nur nicht daran teilgenommen, weil wir bis 1991 Teil eines Nuklearstaates waren. Deshalb schien es uns, dass alles funktioniert. Wenn du in einem Nuklearstaat lebst oder unter einem nuklearen Schirm bist, scheint es dir, dass alles funktioniert. Aber ich will Ihnen ein großes Geheimnis verraten: Seit 1945 funktioniert nichts so, wie wir es wollten. Wir haben das einfach jetzt am eigenen Beispiel gespürt. Und jene Länder, die von Nuklearstaaten angegriffen wurden – vor 1991, vor dem Zerfall der Sowjetunion, oder sogar vor 2022 –, die wussten das alles sehr gut. Wurde der Bruch der Souveränität Ungarns, oder der Tschechoslowakei irgendwie bestraft? Hat irgendjemand die Sowjetunion bestraft? Hat irgendjemand gegen die Sowjetunion wegen Afghanistan gekämpft? Und als die Amerikaner Truppen nach Panama oder in die Dominikanische Republik oder sonst wohin schickten – konnte irgendeine Sowjetunion ihnen etwas antun? Ich würde also keineswegs übertreiben, zu behaupten, dass in unserer Zeit etwas aufgehört hat zu funktionieren. In unserer Zeit sind wir einfach Opfer dessen geworden, wie die internationalen Institutionen nach dem Zweiten Weltkrieg formiert wurden. Und es wird noch viele solche Opfer geben, ich versichere Ihnen das, weil wir jetzt in einer Situation sind, in der nichts funktioniert, die Regeln funktionieren nicht. Die Welt ist faktisch unter Donald Trump, Putin und Xi Jinping neu formatiert. Und nun wird es sehr viele Probleme geben. Wenn Amerika eines Tages in der Form zurückkehrt, in der es existierte – als Führer der zivilisierten Welt, der demokratischen Welt – bis 2025, stabilisiert sich das vielleicht ein wenig, aber ich habe darin keine Zuversicht.

Korrespondent: Als Donald Trump diese Woche wieder das Thema Grönland aufgriff. Ja, nach der Inauguration war es präsent – auch Kanada war da, alles war da, vieles war da. Und es schien, als sei danach Grönland in den Hintergrund getreten. Und jetzt: Hat sich die Konfrontation in den letzten 24 Stunden im Vergleich zu gestern abgeschwächt? Wissen Sie, worauf ich hinaus will? Ein kühner Gedanke kam mir in den Kopf. Erstens: Putin hat diese Büchse der Pandora im Jahr 2014 geöffnet, als er die ukrainische Krim aus sehr ähnlichen Sicherheitsüberlegungen annektierte – Überlegungen, die die Vereinigten Staaten Америки jetzt in Bezug auf Grönland vortragen. Aber was mir durch den Kopf ging: Was, wenn die Russen tatsächlich kalkuliert haben, dass sich die Welt – условно gesprochen – bis 2026 so verändern wird, dass es kein fataler Fehler mehr ist, offen über die Annexion fremder Territorien zu sprechen? Denn wir erinnern uns: Selbst 2022, als die vollumfängliche Aggression der Russischen Föderation begann, sprachen sie sehr vorsichtig über Annexionen von Territorien. Sie „befreiten“, sie „befreien“ bis heute, aber jetzt klingt die Rhetorik ganz anders: „Du bist stark, du hast das Recht, dir zu nehmen, was du brauchst.“

Portnikov: Weil Trump hier bis zu einem gewissen Grad Putins Taktik nachahmt, und Putin Trumps Taktik nachahmt. Aber das ist keine Strategie, ich denke nicht, dass sie da saßen und etwas durchrechneten. Denn selbst während Trumps erster Präsidentschaft unterschied sich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten doch von der, die wir heute sehen. Das lässt sich nicht durchrechnen. Manchmal gibt es Situationen, in denen die Geschichte – sagen wir – plötzlich im Galopp läuft und man sich nicht mehr an sie anpassen kann. Deshalb würde ich nicht behaupten, dass sich irgendjemand real auf etwas vorbereitet hätte.

Korrespondent: Was passiert zwischen Europa und den Vereinigten Staaten – in der Person Trumps, J. D. Vance – das sind schon fast Gegner; oder sollen all diese Aussagen Trumps Europa einfach dazu bewegen, in Bezug auf Verteidigungsinfrastruktur aufzuwachen?

Portnikov: Erstens wollen sie sie beruhigen, zweitens wollen sie sie aussitzen. Und auch das kann in gewissem Sinne ein Fehler sein, weil sie Trump schon einmal ausgesessen haben. Biden kam zurück – ich meine, ein demokratischer Präsident kam zurück. Und es schien, als sei Amerika auch zurückgekehrt, und dann stellte sich heraus, dass es nicht so zurückgekehrt ist, wie alle es wollten. Und aus dieser Perspektive müssen die Europäer natürlich wirklich über ihr eigenes Verteidigungsbündnis nachdenken. Das ist das Wichtigste. Und in diesem Verteidigungsbündnis muss natürlich die Ukraine eine wichtige Rolle spielen, weil wir eine kampffähige Armee haben. Die Ukraine muss hier für lange Jahrzehnte – das wird ihr Schicksal sein – eine Festung Europas für die Konfrontation mit Russland werden, wenn Sie wollen, und überhaupt gegen chinesischen Einfluss in Europa. Aber das ist nicht so einfach. Dieses Verteidigungsbündnis wird nicht alle Länder umfassen, die heute in der NATO oder in der EU sind, weil es nicht wenige Länder gibt, die ziemlich gelassen auf die Stärkung der Rolle Russlands und Chinas schauen. Dasselbe Ungarn Orbáns, dasselbe Slowakei Ficos. Sie wissen, dass die Gespräche zwischen Fico und Trump in Mar-a-Lago überhaupt hinter verschlossenen Türen stattfanden. Wir wissen nicht, worüber der Präsident der Vereinigten Staaten mit dem Premierminister der Slowakei sprach. Ein interessanter Moment: ein völlig für Journalisten unzugängliches Gespräch bei so einer Person wie Trump, die versucht, die ganze Zeit mit Journalisten zu sein. Das heißt: Es passieren Ereignisse, die er nicht öffentlich machen will, die für ihn aus irgendeinem Grund wirklich wichtig sind. Und diese Leute, die sich Trump zuneigen, die neigen sich zugleich Xi Jinping zu. Das ist auch ein sehr interessanter Moment.

Korrespondent: Und Putin.

Portnikov: Und Putin. Ja. So wird es ein anderes Europa sein. Und wiederum: Sowohl Trump als auch Putin werden gleichzeitig für den Sieg ultrarechter politischer Kräfte in Europa arbeiten. Denn im Grunde ist die Struktur Europas, die den Kontinent in die 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückwerfen soll, bereit. Alle politischen Parteien, die die Macht übernehmen und das europäische Projekt zerstören könnten und sich an den Ultrarechten in den Vereinigten Staaten und in Russland orientieren – sie sind da. Ich kann nicht sagen, dass sie erfolglos sind. Sie sind erfolgreich. Alternative für Deutschland. Italienische ultrarechte Parteien, die das Land faktisch schon nicht das erste Jahr regieren. Es gibt Varianten – die, die Putin schlecht finden, oder gut finden, aber es sind trotzdem Ultrarechte. Der ultrarechte Führer Portugals, der in die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen eingezogen ist, nachdem seine Partei vor ein paar Jahren im Parlament nicht einmal 3 % erreicht hatte. Stimmungen in allen Gesellschaften. Ich schrieb vor kurzem wieder einen Text darüber, dass diese Präsidentschaftswahlen in Portugal eine Demonstration dessen wurden, wie ultrarechte Tendenzen auf dem europäischen Kontinent zunehmen. Und es gab Kommentare von Ukrainern – in der Ukraine selbst und von denen in der Diaspora – die mir im Grunde bewiesen, dass der größere Teil dieser Menschen, die doch scheinbar an Demokratie und Liberalismus denken müssten, weil die Ukraine sonst in der zivilisierten Welt keine Überlebenschance hat, offen ultrarechte Ansichten vertritt. Wir wundern uns, wie Trump mit ukrainischen Stimmen gewann – zum Beispiel, bei den US-Präsidentschaftswahlen. Für ihn stimmten offenbar ukrainische Diasporaleute in Pennsylvania, aber das sind Menschen, die für ihn stimmten, weil sie identische Ansichten vertreten. Und selbst wenn Sie ihnen sagen, dass in dieser Situation die Ukraine einfach verschwinden wird, können sie das erstens nicht glauben, und zweitens ist ihnen vielleicht der Triumph einer solchen Ideologie in der ganzen Welt wichtiger als die Existenz des Staates, aus dem sie einst emigrierten. Das ist die Wahrheit der nächsten Jahrzehnte. Menschen werden bereit sein, ihre eigene Mutter zu opfern, nur damit dieser Mythos von irgendwelchen „Linken“, die ihre Vorstellung vom Leben zerstört hätten, von denen überwunden wird, die sie als ihre Idole ansehen – und durch diese, ich würde sagen, führerzentrierte Ideologie, die uns wiederum in die 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückwirft, als eine solche Ideologie in Berlin, Rom, Moskau, wo auch immer, fast überall triumphierte – außer in irgendwelchen bedingten Prags mit London und natürlich den Vereinigten Staaten. Aber das ist die Welt, in der wir leben werden. Es wird keine andere Welt geben. Ich meine die Welt, die man erreichen kann, und die Welt, in der wir leben werden.

Korrespondent: Was denken Sie: Wir kreisen weiterhin um die Situation in den Vereinigten Staaten, weil sie beeinflusst, was bei uns und im Verhandlungsprozess passiert. Es gibt die These, dass – grob gesagt – irgendwo schon ab Juni die Amerikaner, und vor allem Trump, auf die Innenpolitik umschalten müssen, sich auf die Wahlen zum Kongress und zum Repräsentantenhaus vorbereiten. Und im Grunde ist das Fenster, sich mit dem Friedensprozess in der Ukraine zu beschäftigen, für die USA im Grunde nur noch vier bis fünf Monate. Sind das Risiken, oder andersrum ist es gut, dass sie diesen Prozess jetzt vorantreiben, um ihren Wählern mit einem konkreten Ergebnis entgegenzukommen – und die wirtschaftliche Situation wird wichtig sein?

Portnikov: Wenn die wirtschaftliche Situation schlecht ist, wird kein Friedensprozess in der Ukraine ihre Wahlen retten. Aber wenn sie es nicht schaffen, den Krieg hier zu beenden, wird man sie auf jeder Pressekonferenz daran erinnern. Sie sehen ja, dass das passiert. Wohin Trump auch kommt und worüber er auch spricht – man fragt ihn nach der Ukraine und nach Putin. Das, weil die überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Ukraine unterstützt und Putin nicht unterstützt. Und das wird auch Teil des Wahlkampfs sein. Er wird nicht einfach die Augen schließen können, weil man wird ihn fragen wird: „Was ist passiert? Warum kümmern Sie sich nicht darum? Sind Sie ein Anhänger Putins?“ So werden demokratische Kandidaten bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus und Senat sprechen: „Seht, dieser Mensch verschlechtert nicht nur euer Leben, er ist auch ein Anhänger Putins. Er kümmert sich nicht um Frieden.“ Also kann er sich nicht einfach entziehen. Machen Sie sich keine Sorgen. Das Problem ist ein anderes: Er kann sich nicht entziehen. Aber die wichtigste Frage ist: Was kann er real tun und was ist er wirklich bereit zu tun? Wirtschaftliche Instrumente wirken, aber wir wissen nicht, wie effektiv. Glaube ich, dass amerikanische Sanktionen gegen die russische Wirtschaft wirken werden, wenn sie verstärkt werden können? Ich glaube es. Ich weiß nur nicht in welchem Jahr. Glaube ich, dass die Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine ihre Rolle spielen wird? Ja, das wird die Situation beschleunigen. Wieder: Ich weiß nicht in welchem Jahr. Aber zweifellos hat Putin ohne diese weitreichenden Raketen mehr Spielraum, den Krieg bis zu dem ersehnten Jahr 2029 fortzusetzen.

Und dass Trump den Prozess betreibt, wie er ihn betreibt – was hält ihn denn eigentlich zurück? Er imitiert Aktivität mit großem, würde ich sagen, Enthusiasmus. Er hat beschlossen, dass er Zelensky treffen muss – Zelensky kam, er sprach eine Stunde mit ihm. Eine Stunde. Was kann man in diese Stunde Außergewöhnliches entscheiden? Abstimmen, was Witkoff Putin sagen wird? Ich muss Ihnen übrigens sagen, dass ich hier das Positive sehe – wenn Sie ein Positives wollen –, dass Trump zuerst Zelensky getroffen hat und erst danach Witkoff zu Putin flog und nicht umgekehrt. Denn erinnern Sie sich: Früher war es immer umgekehrt. Sie sprachen mit Putin, dann sprachen sie mit Zelensky. Das ist schon ein gutes Zeichen von gesundem Menschenverstand. Hoffen wir, dass dieser gesunde Menschenverstand mit der Zeit stärker wird. Aber wie viel Zeit dafür nötig ist, weiß niemand. Und vor allem weiß es Donald Trump nicht.

Korrespondent: Wir beziehen uns erneut auf konkrete hochrangige Persönlichkeiten, nämlich Präsident Zelensky, auf seine Zitate: Im Grunde bleibt es dabei, das Territorialproblem irgendwie zu lösen. Es gibt die Position der Ukraine, es wird Vorschläge der Vereinigten Staaten von Amerika geben, und offensichtlich werden auch Vorschläge von Seiten der Russischen Föderation kommen. Wo sehen Sie überhaupt eine Grenze des Kompromisses, wo drei Positionen zumindest situativ zusammenkommen könnten – für ein Jahr, für zwei, bis 2029 als Variante?

Portnikov: Die Daten von Präsident Zelensky sind sehr wichtig, aber mich würde interessieren, was Präsident Putin реально denkt. Nicht Zelensky hat Putin angegriffen – Putin hat die Ukraine angegriffen. Wenn wir wirklich glauben, dass alles, was wir tun müssen, darin besteht, mit Putin die Territorialfrage zu klären, woraufhin der Krieg endet, dann geraten wir in die Falle, die dieser Oberstleutnant des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion meisterhaft für uns gebaut hat. Sobald die sogenannte Territorialfrage gelöst wird – und sie muss so gelöst werden, dass die Ukraine destabilisiert wird und der russischen Armee in den Monaten nach dieser ‚Lösung‘ die Eroberung der an die Oblast Donezk angrenzenden Regionen erleichtert wird –, versichere ich Ihnen: Es werden zehn neue Bedingungen auftauchen, die ebenfalls zur Destabilisierung der Ukraine beitragen und am Ende zu ihrem endgültigen Verschwinden als Staat von der politischen Weltkarte führen werden, weil dies eine Spezialoperation des Kremls ist.

Korrespondent: Und welche Falle können wir gemeinsam mit unseren Partnern für den KGB-Oberst bauen?

Portnikov: KGB-Oberste geraten nicht in Fallen. Sie sind wie Ratten, wie Sie aus Putins eigenen Memoiren wissen. Wenn du sie in die Falle treibst, drehen sie sich um, stürzen sich auf dich und beißen dir die Kehle durch. Man muss ihnen keine Fallen bauen – man muss ihnen die Möglichkeit nehmen, dich anzugreifen und dich zu beißen. Das ist das Wichtigste. Die Zerstörung des militärischen, wirtschaftlichen und demografischen Potenzials der Russischen Föderation ist der einzige Weg zur Beendigung dieses Krieges – wann auch immer das geschieht. Es gibt keinen anderen Weg.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Про що домовились Трамп і Зеленський | Віталій Портников ‪@gvlua‬. 22.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Gurt um Gurt/ Лента за лентою.

Schon sinkt leis der Abend, das aufständ’ge Herz schlägt,
Der Gurt mit den Patronen wird eilends belegt.

Refrain:
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!

Der Feind stürmt heran mit erbitterter Kraft,
Der junge MG-Schütze hält stand in der Schlacht.

Refrain

Als dann die Sonne am Morgen aufging,
Sank müde der Junge, verwundet, dahin.

Refrain

Die Sanitäterin eilt rasch herbei,
Schaut ihm ins Antlitz — erkennt ihn dabei.

Refrain

Er blickt sie noch an, die Brust steht in Brand,
Am Maschinengewehr hält das Mädchen stand.

Refrain

Der Feind greift erneut im entscheidenden Moment —
Da donnert erneut das verstummte MG.

Refrain (2×):
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!

1944


Вже вечір вечоріє, повстанське серце б’є,
А лента набої поспішно подає.

Приспів:
Ах, лента за лентою – набої подавай,
Вкраїнський повстанче, в бою не відступай!
Ах, лента за лентою – набої подавай,
Вкраїнський повстанче, в бою не відступай!

А ворог атакує і преться щосил,
Юнак-кулеметник їх вправно косив.

Приспів

Як сонце сходило, втомлений юнак,
Упав він ранений, упав він навзнак.

Приспів

До нього санітарка поспішно іде,
В обличчя вдивляєсь, його пізнає.

Приспів

Він в неї вдивляєсь, пече в грудях рана,
Біля кулемета дівчина молода.

Приспів

А ворог атакує, в останній момент –
Наново заграв вже затихлий кулемет.

Приспів (2)

1944


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Лента за лентою
Veröffentlichung / Entstehung: 1944
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach“],
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Verhandlungen in Davos: Wie geht es weiter | Vitaly Portnikov. 22.01.2026.

Der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, erklärte nach einem Treffen mit der ukrainischen Delegation in Davos, dass sich die Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in der Endphase befänden.

Steve Witkoff erläuterte allerdings nicht, wie er den russischen Machthaber davon überzeugen wolle. Bekannt ist jedoch, dass Witkoff und der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, Jared Kushner, noch am selben Tag in die russische Hauptstadt reisen werden, um dort Gespräche mit Wladimir Putin zu führen. Zuvor soll in Davos ein Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, stattfinden, der bereits in der Schweiz eingetroffen ist.

Diese Gespräche sollen offenbar erneut dazu dienen, eine gemeinsame amerikanisch-ukrainische Formel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges auszuarbeiten, mit der Steve Witkoff und Jared Kushner Putin kurz darauf vertraut machen wollen – nachdem sie zuvor eigene Gespräche mit dem Sondergesandten des russischen Präsidenten, Kirill Dmitriev, geführt haben, der ebenfalls nach Davos gereist ist.

Witkoff zeigte sich nach seinen Gesprächen mit den ukrainischen Vertretern in Davos jedoch recht optimistisch, äußerte Komplimente und kündigte sogar einen Plan Donald Trumps an, eine sogenannte zollfreie Zone für die Ukraine zu schaffen, um den Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft nach dem Krieg zu unterstützen. Dies ist ein weiteres wirtschaftliches Projekt, das die Lage beim Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft verändern soll, nachdem in Miami bereits ein US-Investitionsplan für die Ukraine in Höhe von bis zu 600 Milliarden Dollar diskutiert worden war.

Vor Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums in Davos wurde sogar die Möglichkeit erörtert, dass die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine am Rande des Forums ein Abkommen über die Schaffung eines solchen Investitionsfonds unterzeichnen könnten. Wie bekannt wurde, stellte sich jedoch noch vor Beginn des Treffens heraus, dass das Abkommen nicht fertig war und daher nicht unterzeichnet werden würde.

Kurz darauf wurde auch offensichtlich, dass sich die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine möglicherweise überhaupt nicht in dem Schweizer Kurort treffen würden und somit keinerlei Vereinbarungen zwischen ihnen zustande kämen. Doch auch hier änderte Donald Trump seine Position, als er erklärte, der russische Präsident Putin wolle den Krieg beenden, und er plane ein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine. Zuvor hatte Zelensky angekündigt, seinen Auftritt im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums aufgrund der schwierigen Lage in der ukrainischen Energieversorgung abzusagen.

Nach Trumps Erklärung änderte sich jedoch alles. Zelensky ist nun in Davos und bereit, mit Trump über die amerikanische Sicht auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu sprechen. Doch auch hier wird letztlich nicht entscheidend sein, worauf sich Trump und Zelensky einigen, sondern wie Putin das Ende des Krieges sieht.

Der russische Präsident selbst setzt unterdessen seine spöttische Haltung gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen fort. So antwortete Putin auf eine Frage der Vorsitzenden des Föderationsrates der Russischen Föderation, Valentina Matviyenko, zu seiner möglichen Teilnahme am sogenannten Friedensrat, dass er Trumps Einladung an das russische Außenministerium weitergeleitet habe, wo sie derzeit geprüft werde. Zugleich erklärte er, er sei bereit, eine Milliarde Dollar aus in den Vereinigten Staaten eingefrorenen russischen Vermögenswerten für den Wiederaufbau des Gazastreifens bereitzustellen. Weitere Milliarden eingefrorener russischer Gelder wolle er nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine für den Wiederaufbau jener Gebiete zur Verfügung stellen, die während des russisch-ukrainischen Krieges von Kampfhandlungen betroffen gewesen seien.

Putin präzisierte allerdings nicht, um welche Gebiete es sich dabei handeln solle: um jene Teile der Ukraine, die täglich von russischen Raketen und Drohnen bombardiert werden, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und „einzufrieren“, oder um die von Russland besetzten Gebiete, deren Kontrolle Putin nicht nur behalten, sondern sogar ausweiten möchte. Bislang haben wir jedenfalls keine einzige Erklärung des russischen Präsidenten gehört, die auf einen Verzicht auf seine bisherigen Forderungen nach dem Abzug ukrainischer Truppen aus jenen Gebieten hindeuten würde, die formell von der Russischen Föderation annektiert wurden, sich jedoch weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befinden.

Und hier kehren wir erneut zur Logik Steve Witkoffs zurück. Wenn er davon ausgeht, dass sich die Verhandlungen in der Endphase befinden, warum wissen wir dann nichts über eine Veränderung der russischen Position, die darauf hindeuten würde, dass Moskau und Kyiv tatsächlich zu einem realen Friedensabkommen bereit sind – zumindest zu einem, das einen Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie der Truppen beider verfeindeter Staaten vorsieht? 

Zugleich muss man jedoch festhalten, dass Russland erneut versuchen könnte, den Verhandlungsprozess in die Länge zu ziehen. Das zeigt sich selbst in den Worten Steve Witkoffs. Denn nach seinem Treffen mit Putin plant der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht, nach Davos zurückzukehren, sondern nach Abu Dhabi weiterzureisen, wo Arbeitsgruppen ihre Tätigkeit aufnehmen sollen, die den Entwurf eines Friedensabkommens ausarbeiten und konkretisieren sollen.

Offenkundig werden dies amerikanische, ukrainische und russische Arbeitsgruppen sein. Dabei könnten die Amerikaner als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine auftreten, sodass sich ukrainische und russische Unterhändler nicht direkt begegnen, sondern ihre Vorschläge über die Amerikaner austauschen. Wie wir verstehen, ist heute niemand in der Lage zu sagen, wie lange diese Arbeitsgruppen tätig sein werden und ob Putin nicht nur versuchen wird, den Verhandlungsprozess zu verzögern, sondern ihn im entscheidenden Moment sogar zu sabotieren – etwa durch die Organisation einer Provokation, durch die Beschuldigung Kyivs, kein echtes Interesse an einem Waffenstillstand zu haben, und durch eine erneute Rückkehr zu endlosen Gesprächen mit Präsident Trump, zu neuen Sanktionen und zur Suche nach Wegen, diese Sanktionen zu umgehen. Bislang hat Putin genau diese Taktik verfolgt, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass er sie in absehbarer Zeit ändern wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини у Давосі: що далі | Віталій Портников. 22.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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uebersetzungenzuukraine.data.blog
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