Die Ballade von Baturyn/ Дума о Батурині

Schlaf, mein Kind, mein Herz, mein Eigen,
Luli, luli, schlaf nun ein.
Hell der Mond blickt mild hernieder
In dies arme Paradieslein.

Singen will ich dir nun leise,
Märchen flüstern in der Nacht.
Schließ die müden, kleinen Augen —
Kindlein werden nun zur Ruh gebracht.

Trüb schlägt Sejm an seine Ufer,
Schwer und dunkel rollt die Flut.
Unser Baturyn umringen
Feinde voller Hass und Wut.

Doch die Mauern stehen feste,
Kosaken halten treu die Wacht.
Unsre Hoffnung ruht in Gott
Und der Jungfrau heil’ger Macht.

Refrain

Luli, luli, kleiner Söhne,
Wachse uns zur Freud und Ehr,
Den Kosaken einst zum Ruhme,
Feinden zur Vergeltung schwer.

Luli, luli, kleiner Söhne …

Früh schon kam der jähe Verrat,
Wie aus Höllen brach die Glut.
Tolle Hunde stürmten heulend,
Tranken unschuldiges Blut.

Plünderten und mordeten wütend,
Asche fiel wie schwarzer Schnee.
Gaben Tote Tier und Vögeln,
Preis dem Fraß in stummem Weh.

Aus den Flammen, aus den Trümmern
Trug uns Gottes Cherub fort,
Stellte uns in seine Obhut,
Führte uns an sichern Ort.

Glaube, Reinheit, unsre Ehre
Blieben unversehrt und rein;
Wie ein Funke unter Asche
Soll die Hoffnung ewig sein.

Refrain

Luli, luli, kleiner Söhne,
Wachse uns zur Freud und Ehr,
Den Kosaken einst zum Ruhme,
Feinden zur Vergeltung schwer.

Luli, luli, kleiner Söhne …

Schlaf nun sanft, mein kleines Herzblut,
Unser Paradies verbrannt;
Spott geworden unter Völkern,
Bettler im einst eignen Land.

Schlaf, mein kleines Herz, und wachse,
Werde stark und werde Mann.
Gottes Wahrheit und die Heimat
Gib dem Feind niemals als Pfand.

Und solang ihr Mahl noch feiern
Unmensch, Frevler, Heuchlerschar,
Steh, mein Ritter, treu auf Wache
Mit dem blanken Schwert fürwahr.

Und solang ihr Mahl noch feiern
Unmensch, Frevler, Heuchlerschar,
Steh, mein Ritter, treu auf Wache
Mit dem blanken Schwert fürwahr.

Refrain

Luli, luli, kleiner Söhne,
Wachse uns zur Freud und Ehr,
Den Kosaken einst zum Ruhme,
Feinden zur Vergeltung schwer.

Luli, luli, kleiner Söhne …

Doch die Mauern stehen feste,
Kosaken halten treu die Wacht.
Unsre Hoffnung ruht in Gott
Und der Jungfrau heil’ger Macht.

Refrain (leise)

Luli, luli, kleiner Söhne,
Wachse uns zur Freud und Ehr …

Спи, дитя моє кохане, люлі, люлі, бай,

Заглядає місяць ясний в наш убогий рай.

Стану я пісень співати і казок казать,

Ти стули-но оченята, треба діткам спать.

Сейм свою мутную хвилю б’є об береги,

Обступили наш Батурин кляті вороги.

Та тверда у нас залога, й козаки якстій,

І надія наша в Бога й в Діві пресвятій.

Люлі, люлі, синку, виростай в забаву,

Козачеству на славу, воріженькам в розправу,

Люлі, люлі, синку…

Але рано нагла зрада: із пекельних врат

Пси скажені увірвались в Божий вертоград.

Плюндрували, мордували, кров живих пили,

Звіру, птиці на поталу мертвих оддали.

Із цього погару злого, із руїн незрим

Виніс нас, моя дитинко, Божий херувим.

І в безпеці нас поставив, спас і сохранив,

І клейноти віри й цноти в нас оборонив.

Люлі, люлі, синку, виростай в забаву,

Козачеству на славу, воріженькам в розправу,

Люлі, люлі, синку…

Бог з тобою, спи, дитинко, тихо засинай.

І розкрали, і розтлили наш убогий рай.

Притчею в язицех стали ми в краях чужих,

І старцями голосили на річках своїх.

Спи, моя мала кровинко, швидше виростай,

Правди Божої й отчизни ворогу не дай.

І поки бенкет свій правлять нелюди й людці,

Стань, мій лицарю, на варті ти з мечем в руці.

І поки бенкет свій правлять нелюди й людці,

Стань, мій лицарю, на варті із мечем в руці.

Люлі, люлі, синку, виростай в забаву,

Козачеству на славу, воріженькам в розправу,

Люлі, люлі, синку…

Бо тверда у нас залога, й козаки якстій,

І надія наша в Бога й в Діві пресвятій.

Люлі, люлі, синку…

Biden zieht sich von der Wahl zurück | Vitaliy Portnikov. 21.07.24.

Heute können wir sagen, dass wir eine ungewöhnliche historische Sendung haben, die in den ersten Minuten nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten, Joseph Biden, seinen Rückzug aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur angekündigt hat stattfindet. Ein wichtiges Ereignis, das sowohl erwartet als auch unerwartet war. In den Vereinigten Staaten wurde bereits in den ersten Minuten nach der erfolglosen Debatte mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten, dem ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der außerordentliche Anstrengungen unternimmt, um ins Weiße Haus zurückzukehren, darüber spekuliert, dass Joseph Biden aus dem Präsidentschaftsrennen aussteigen könnte. Im Großen und Ganzen erscheint diese Situation selbst für das amerikanische politische System absolut außergewöhnlich und unglaublich. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass ein Kandidat, der bei den Vorwahlen für die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten 95 Prozent der abgegebenen Stimmen erhalten hat, sich mitten im Rennen aus der Wahl zurückzieht. Es ist einer der wenigen Fälle in der Geschichte, in denen der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten bei den US-Präsidentschaftswahlen nicht für eine zweite Amtszeit kandidiert. Das erste Mal in der Geschichte, dass die Debatten zwischen den Kandidaten für die US-Präsidentschaft stattfinden, bevor die Vertreter beider Parteien von ihren Parteitagen als Kandidaten bestätigt werden.

Wir sprechen hier von der Debatte zwischen dem Kandidaten Biden und dem Kandidaten Trump, aber eigentlich war es vom Verfahren her gar keine solche Debatte. Es war eine Debatte zwischen dem derzeitigen Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Zum Zeitpunkt dieser Wahl waren weder Donald Trump noch Joseph Biden als Kandidaten für die Vereinigten Staaten zugelassen. Und das ist eine absolut erstaunliche Situation. Warum wurden die Debatten vor den Parteitagen der Demokraten und der Republikaner abgehalten? Vielleicht, weil man sehen wollte, ob Josie Biden in seiner derzeitigen körperlichen Verfassung einem solchen Druck von Trump standhalten könnte. Denn stellen wir uns eine Situation vor, in der alles so abläuft, wie es schon immer nach dem üblichen Verfahren geschehen ist. Zuerst die Nominierung als Präsidentschaftskandidat und dann die Debatten. Und dann würden die Demokraten zunächst Joseph Biden als ihren Kandidaten für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten unterstützen, um dann plötzlich festzustellen, dass er bei dieser Wahl nicht antreten kann, weil er viel schlechter aussieht als sein Beinahe-Pendant Donald Trump. Das ist die Situation.

Jetzt stellt sich eine sehr wichtige Frage: Wie geht es weiter? Wie Sie sich vorstellen können, müssen die Demokraten nun über ihren Kandidaten für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten entscheiden, nachdem ihr Kandidat das Rennen verlassen hat. Joseph Biden selbst hat Vizepräsidentin Kamala Harris bei seiner Ankündigung, nicht für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten zu kandidieren, unterstützt. Das bedeutet jedoch nicht, dass das Problem damit gelöst ist. Denn unter den Demokraten gibt es heute eine Diskussion darüber, wie die Situation nach Bidens erstaunlicher Entscheidung aussehen soll. Einige Kandidaten der Demokraten auf dem Parteitag halten es für notwendig zu sagen, dass Kamala Harris die Kandidatin für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten sein sollte und setzen sich bereits dafür ein, dass sie auf dem Parteitag der Demokraten als Kandidatin bestätigt wird. Andere Delegierte brachten ihre Überraschung darüber zum Ausdruck, dass Biden Kamala Harris so schnell unterstützt hat, und betonten, dass sie gehofft hatten, es würde ein offener Prozess sein. Ich habe gerade eine Erklärung von einem der Delegierten, Ryan Mordan aus Virginia, gesehen, der sagte, dass es noch nie so einen historischen Präzedenzfall gegeben hat. Und er hoffe, dass ein faires und offenes Verfahren entscheidend ist, sowohl für die vielen Millionen demokratischen Wähler als auch für die Wahrnehmung der Wahl in der Welt. Und die Tatsache, dass die Delegierten jemanden wählen werden, auf die Meinung eines scheidenden Präsidenten stützend, der nicht mehr im Rennen ist, ist etwas, an das die Menschen nicht gewöhnt sind. In dieser Hinsicht gibt es also kein wirkliches Verständnis dafür, wie die Situation aussehen wird. Es sollte klar sein, dass die Delegierten, die für Biden stimmen sollten, nicht verpflichtet sind, Kamala Harris zu unterstützen, sie können tun, was immer sie tun wollen. In jedem Fall wird ein Kandidat gesucht werden. In diesem Schema wird es verschiedene Szenarien geben. Wir wissen nicht, wie es in der Praxis aussehen wird. Die amerikanischen Medien wagen es jetzt, dies zu erkennen. Und wir müssen verstehen, wie schwierig diese Situation für die Demokraten ist. Es könnte der Versuch unternommen werden, entweder auf dem Parteitag eine Entscheidung zu treffen oder vor dem Parteitag einen Kandidaten auszuwählen, der dann auf dem Parteitag als zugelassener Kandidat gewählt wird, wie es auf dem Parteitag der Demokraten vorgesehen war. Da es sich hierbei um ein völlig neuartiges Phänomen handelt, ist es sehr schwer zu verstehen. Das heißt, es könnte eine virtuelle Abstimmung geben, bei der der neue Kandidat bis Anfang August festgelegt wird. Es könnte eine offene Abstimmung in einem Szenario geben, das die Demokratische Partei seit 1968 nicht mehr erlebt hat, als kein demokratischer Präsidentschaftskandidat eine klare Mehrheit der Delegierten auf dem Parteitag hatte, und die Veranstaltung wird in eine Mini-Vorwahl verwandelt, bei der die Kandidaten versuchen werden, die Delegierten zu überzeugen, für sie zu stimmen. Das Potenzial für Chaos ist enorm, und die Zeit ist knapp. In einigen Staaten läuft im August die Frist ab, bis zu der ein Kandidat auf dem Stimmzettel für die Parlamentswahlen stehen muss, und in einigen Staaten beginnt die vorzeitige Stimmabgabe bereits im September. Im Grunde muss also alles vor dem Nationalen Parteitag der Demokraten, der am 19. August stattfindet, geklärt werden. So sollte es sein, im Prinzip. Wie sollte es nun weitergehen? Die Delegierten sollten zum Parteitag der Demokraten kommen und einfach den Gewinner der Vorwahlen unterstützen. Das ist Joseph Biden. Und das ist das Ende der ganzen Geschichte mit Präsidentschaftskandidaten in den Vereinigten Staaten. Aber jetzt, da Biden tatsächlich aus dem Rennen ausgeschieden ist, sind alle seine so genannten Delegierten freie Agenten und haben das Recht, selbst einen Kandidaten zu wählen, ohne die Beteiligung ihrer Wähler, die sie als Delegierte zur Unterstützung Bidens gewählt haben. Es gibt 3.949 Delegierte und weitere 749 Superdelegierte. Und sie alle werden an dieser Wahl beteiligt sein. Superdelegierte sind die Führungspersönlichkeiten der Demokratischen Partei, Menschen, die sich große Verdienste um die Partei erworben haben. Sie werden nicht als Delegierte gewählt, sie sind Gouverneure, ehemalige Präsidenten wie Barack Obama, wie Hillary Clinton, und so weiter, aber sie stimmen nicht im ersten Wahlgang ab. Fast niemand weiß heute, welche Art von Konvent wir erleben werden, offene oder virtuelle Abstimmung. In der Tat, es herrscht Chaos. Viele Leute sagen, dass die Demokraten an der Wahl von Kamala Harris interessiert sein sollten. Warum? Weil Kamala Harris von dem Budget profitieren kann, das die Biden-Harris-Kampagne erhalten hat. Das ist sowohl richtig als auch falsch. Denn das ist es, was die Demokraten sagen. Die Republikaner werden darauf bestehen, dass, wenn Joseph Biden aus dem Präsidentschaftsrennen ausscheidet und er der demokratische Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten ist, dieses Geld nun an die Spender zurückgegeben und umverteilt werden muss. Und nun wird es einen großen Streit darüber geben, ob Kamala Harris dieses Geld verwenden darf. Die Frage ist nun, inwieweit all dies rechtlich gerechtfertigt ist, inwieweit Kamala Harris als Person, die das Geld der Spender verwenden kann, einen Vorteil hat. Denn es könnte sich herausstellen, dass all diese Spender, die Joseph Biden gedroht haben, dass sie nicht weiter Geld geben würden und dass er ihre weitere Petition nicht verwenden könnte, getäuscht werden, weil dieser Fond, den sie aufgebracht haben, ein riesiger Fond, ungenutzt sein wird, und man wird anfangen müssen, das ganze Geld vom ersten Dollar neu aufzubringen. Und wann? Die Frage ist, wann? Zu einem Zeitpunkt, an dem Donald Trump, der jetzt fröhlich all diese Ereignisse kommentiert, sagt, dass Biden niemals Präsident der Vereinigten Staaten hätte werden dürfen, und er sammelt Geld während diesen Rückzug Bidens von der Wahl. Und Maida Johnson, eine der größten Unterstützerinnen von Trump und Sprecherin des Repräsentantenhauses, sagt, dass Biden jetzt zurücktreten sollte, denn wenn er sagt, dass er nicht kandidieren kann, dann kann er auch nicht als Präsident der Vereinigten Staaten dienen.

Nun stellt sich eine weitere wichtige Frage. Können es sich die Demokraten leisten, Harris nicht zu unterstützen? Wenn Harris Donald Trump besiegt, wird sie die erste weibliche Präsidentin der Vereinigten Staaten werden. Aber sie wird auch die erste afroamerikanische Frau sein, die für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten kandidiert, nachdem die Demokraten bereits zweimal Barack Obama nominiert haben. Wenn sie Kamala Harris jetzt nicht unterstützen, wird sie das die Stimmen von Afroamerikanern in anderen Minderheitengemeinschaften kosten, die für diese Situation empfänglich sind. Es gab ein Paar Biden-Harris, und jetzt vernachlässigen die Demokraten diese Kandidatin aus irgendeinem Grund. Trump kämpft bereits um ihre Stimmen, und dies wird ihm zusätzliche Gelegenheiten geben, sie darauf hinzuweisen, dass die Demokraten die Nominierung von Kamala Harris nicht ohne Grund abgelehnt haben, dass sie keine sehr guten Motive hatten.

Der nächste Punkt ist sehr wichtig. Kann Harris Donald Trump wirklich besiegen? Schließlich haben alle soziologischen Untersuchungen der Demokraten gezeigt, dass sie gegenüber Donald Trump keine offensichtlichen Vorteile gegenüber Joseph Biden hat. Ihr Rating und Bidens Rating sind praktisch gleich. Es ist nicht die Effekt, dass Harris und nicht Biden nominiert wird, und Harris wird das Präsidentschaftsrennen gegen Trump garantiert gewinnen. Nein, das ist nicht der Fall. Kamala Harris ist nicht so beliebt, und wir wissen nicht, wie ihre Popularitätsquoten aussehen würden, wenn sie überhaupt ohne Joseph Biden antreten würde.

Andererseits könnten die Demokraten aber auch ein anderes Motiv gehabt haben, das ebenfalls sehr wichtig ist. Dieses Motiv könnte damit zusammenhängen, dass die Demokraten glauben, dass es eine garantierte Niederlage wäre, wenn Joseph Biden als Kandidat der Demokraten die nächste Debatte verliert, nachdem die Demokraten gesehen haben, dass er keine physische Kraft hat und ihn trotzdem im Rennen gelassen haben. Und so kann es keine Garantie geben. Und das ist auch völlig klar. Was stellen wir fest? Die Republikaner haben eine völlige, fast religiöse Einigkeit um die Figur Donald Trump gezeigt. Auf dem letzten Parteitag der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten haben sich sogar diejenigen, die Trump einst offen verachteten, als sie für die Präsidentschaftskandidatur der Republikanischen Partei kandidierten, wie DeSantis, wie Nicky Haley, die Trumps charakteristische blasphemische Äußerungen hörten, völlige Respektlosigkeit, sie alle sprachen zur Unterstützung von Trump. Und im Prinzip ist es ganz offensichtlich. Wenn Sie Donald Trump nicht voll und ganz unterstützen und auch nur den geringsten Zweifel an seinen kognitiven Fähigkeiten und seiner Fähigkeit, die Vereinigten Staaten zu führen, äußern, auch wenn wir wissen, dass Donald Trump wie ein Mann aussieht, der über viele Dinge verwirrt ist, der viele Dinge nicht mehr versteht, er ist auch ein älterer Mann. Er ist ein Mann, der nie viel von Politik verstanden hat. In der Republikanischen Partei ist kein Platz für Sie. Viele bekannte Persönlichkeiten der Republikanischen Partei, Veteranen dieser Partei, haben den Kongress nicht besucht. Donald Trump hat es während seiner Präsidentschaft und während der Präsidentschaft von Joseph Biden geschafft, die Republikanische Partei der Vereinigten Staaten von einer klassisch konservativen Partei des modernen Westens in eine rechtsextreme politische Vereinigung vom Typus eines Personenkultes zu verwandeln. Aber den Leuten gefällt das. Das ist genau das, was die Wählerschaft jetzt ist, bereit, für Trump zu stimmen. Und die Leute mögen die Einheit, dass alle um eine Person vereint sind, um Donald Trump. Das ist alles. Er ist eine wirklich ernst zu nehmende Figur für republikanische Wähler, egal ob traditionell oder nicht traditionell. Und was sehen diese Leute und andere im Lager der Demokraten? Ein völliges Chaos. Sie haben den derzeitigen Präsidenten nominiert, obwohl sie sein Alter kannten. Nach den Debatten, die völlig grundlos stattfanden, erhoben sie ihre Stimme, als ein Redaktionsausschuss nach dem anderen forderte, Joseph Biden solle sich aus dem Rennen zurückziehen, weil er nicht in der Lage sei, das Land weiter zu führen. Jetzt sprechen all diese Leute über sein politisches Genie, was ebenfalls zynisch wirkt. Wenn Sie die Titelseiten führender amerikanischer Publikationen aufschlagen, werden Sie feststellen, wie brillant Joseph Bidens Weg in die Politik war. Diejenigen, die den Rückzug Bidens aus dem Rennen forderten, bezeichnen seine Entscheidung jetzt als erstaunlich und fragen, was nun geschehen wird. Es tut mir leid, aber warum haben Sie dazu aufgerufen, warum haben Sie Redaktionsausschüsse Entscheidungen treffen lassen, warum haben Sie Leitartikel veröffentlicht, so dass Sie, als die erstaunliche Entscheidung getroffen wurde, darüber sprechen konnten, wie erstaunlich sie war, das enorme politische Potenzial von Joseph Biden erwähnen und fragen konnten, was jetzt passieren wird. Niemand weiß, was als nächstes passieren wird. Das hat es in der Geschichte des amerikanischen Wahlkampfes noch nie gegeben. Es gibt ein großartiger Bericht von vor drei Minuten, in dem es heißt, dass ein hochrangiger Mitarbeiter von Präsident Biden, einer seiner engsten Mitarbeiter, eine Minute, bevor Biden in einem Tweet ankündigte, dass er das Präsidentschaftsrennen aufgeben würde, darüber informiert wurde, dass er seine Kampagne beenden würde. Dies ist ein perfektes Beispiel dafür, was in der Demokratischen Partei gerade passiert. Es ist interessant, dass Bill und Hillary Clinton Kamala Harris unterstützt haben und in einer gemeinsamen Erklärung geschrieben haben, dass sie alles tun werden, um sie zu unterstützen. Es ist an der Zeit, Kamala Harris zu unterstützen und mit allem, was wir haben, dafür zu kämpfen, dass sie zur Präsidentin gewählt wird. Die Zukunft Amerikas wird davon abhängen. Und wissen Sie, was ich Ihnen sagen werde? Wenn Bill Clinton und Hillary Clinton so vorausschauend gewesen wären, dann wäre Hillary Clinton vielleicht nicht nach Präsident Barack Obama für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten nominiert worden. Wenn Joseph Biden, der damals in viel besserer körperlicher Verfassung war, 2016 für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten kandidiert hätte, hätte er gegen Donald Trump gewonnen. Ich möchte mir dessen absolut sicher sein, obwohl es keinen Weg zurück in die Vergangenheit gibt. Aber für mich ist das eine absolut offensichtliche Sache. Und in diesem Moment wäre die zweite Amtszeit von Joseph Biden zu Ende gewesen. Und er müsste sich nicht entscheiden, ob er sich aus dem Rennen um die Präsidentschaft zurückzieht oder nicht, denn er hätte ohnehin nicht kandidiert. Und nun würde es einen echten Kampf zwischen den republikanischen und den demokratischen Kandidaten geben. Ich möchte Ihnen versichern, dass der republikanische Kandidat nicht Donald Trump sein würde. Denn wenn Donald Trump die Wahl 2016 verloren hätte, wäre er aus der großen Politik verschwunden. Und die Republikanische Partei hätte sich in ihrer gewohnten Art und Weise weiterentwickelt. Barack Obama, Hillary Clinton, Bill Clinton, sind schuld an der Situation, in der sie sich jetzt befinden. Dass sie ihre parteiinternen Interessen, ihre parteiinternen Querelen über die Interessen der Vereinigten Staaten von Amerika stellen. Und diese Auswirkung des Jahres 2016, der Niederlage Hillary Clintons gegen Donald Trump, verfolgt die Demokraten weiterhin und bestimmt weiterhin die Zukunft Amerikas und seine unglaublich turbulente Zukunft in diesem Moment.

Heute, am 21. Juli 2024, hat die Uhr des Dritten Weltkriegs zu ticken begonnen, der ausgelöst werden könnte, wenn Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wird und es ihm nicht gelingt, die Verständigung mit Wladimir Putin und Xi Jinping zu finden, die er sich erhofft hatte, bevor er ins Weiße Haus einzog. Denn Donald Trump glaubt fast religiös an die Stärke der Vereinigten Staaten von Amerika, an seine eigene Stärke, an die Stärke seines Egos, und die Führer anderer Atommächte, Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin und Präsident der Volksrepublik China Xi Jinping , haben den gleichen religiösen Glauben an ihre Stärke und ihre Fähigkeiten. Ihr Glaube ist in den letzten vier Jahren nur noch stärker geworden, weil sie gesehen haben, dass sie mit Gewalt Probleme lösen können, die mit politischen und wirtschaftlichen Hebeln nicht zu lösen sind. Die Welt atmet Krieg und Donald Trump ist die richtige Figur, um das Leben auf der Erde in ein unglaublich spannendes Drama des Verschwindens zu verwandeln. Und das können wir auch heute sehen. Es ist nicht notwendig, dass wir im Zentrum dieses Verschwindens stehen; im Gegenteil, die Ukraine als das Land, das das Vorspiel zum Dritten Weltkrieg begonnen hat, kann zur Peripherie all dieser unglaublichen Kämpfe werden, die wir später sehen werden. Aber das alles wird in den Jahren 2025-2026 geschehen. Wir werden noch Zeit haben, dieses Drama zu diskutieren, falls in der Welt bis dahin noch das Internet gibt.

Aber jetzt möchte ich über etwas anderes sprechen. Was wird jetzt in den Vereinigten Staaten passieren? Was wird ab dem 21. Juli 2024 passieren, der eigentlich ein Sonntag ist. Und morgen ist ein neuer Tag in den Vereinigten Staaten. Was für ein Tag wird das sein? Was für ein Montag wird es sein? Es wird ein Tag sein, an dem jeder erkennen wird, dass die Zeit der Regierung Joseph Biden vorbei ist. Das passiert immer, wenn ein Präsident seine zweite Amtszeit beendet. Und jeder weiß bereits, dass er nichts mehr kandidieren wird. Und er sitzt seine Amtszeit als Staatsoberhaupt noch zu Ende ab. Für einen Präsidenten geschieht dies normalerweise im siebten Jahr seiner Amtszeit, wenn er für eine zweite Amtszeit wiedergewählt wird. Das war der Fall bei Barack Obama, das war der Fall bei Bill Clinton, das war der Fall bei George W. Bush. Aber wann passiert es wie bei Joseph Biden? Im vierten Jahr seiner Präsidentschaft. Das hat es noch nie gegeben. Das ist eine völlig andere Situation. Mit anderen Worten: Die Regierung hat ein wichtiges politisches Momentum verloren. Denn ihr Handeln wird nun viel weniger genau beobachtet werden als bisher. Mit einer Person, die in ein paar Monaten definitiv nicht mehr der Präsident des mächtigsten Landes der Welt sein wird, kann man nicht strategisch verhandeln. Vor allem, wenn man weiß, dass das politische Leben der Vereinigten Staaten in ein völliges Chaos gestürzt ist.

Viele sagten, und ich habe es in den israelischen Medien gelesen, dass Joseph Biden eine Ankündigung über seine Ablehnung der Präsidentschaftskandidatur machen würde, aber nicht am Sonntag, sondern am Mittwoch. Denn am Dienstag müsste er sich mit dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu treffen, mit dem er in letzter Zeit nicht die besten Beziehungen hatte, weder menschlich noch politisch. Er hat Benjamin Netanjahu schon seit langem nicht mehr ins Weiße Haus eingeladen. Nun kommt Benjamin Netanjahu nur nach Washington, um seine Rede im Kongress zu halten und nicht, um sich mit Biden im Weißen Haus zu treffen. Und sie glaubten, dass Biden Netanjahu kein politisches Souvenir wie seinen Rückzug aus dem Rennen vor seiner Ankunft schenken wollte. Denn sie waren sich darüber im Klaren, dass alles, was Joseph Biden Benjamin Netanjahu über die Lage im Nahen Osten sagen würde, für Benjamin Netanjahu jetzt keine Rolle spielen würde, ganz und gar nicht. Dass es nur ein Gespräch unter alten Freunden sein wird: Wie geht es dir, Joseph, wie fühlst du dich, wie hast du das Coronavirus überstanden? Hier ist ein Souvenir aus Jerusalem für dich. Und so wird jedes Treffen im Weißen Haus von nun an ablaufen. Selbst wenn Sie sich vorstellen, dass die Demokraten Kamala Harris nominiert haben und sie die US-Präsidentschaftswahlen gewinnt. Sie und ich wissen sehr wohl, dass sie eine völlig andere Verwaltung haben wird, dass sie vielleicht ganz andere Leute als Außenministerin und nationale Sicherheitsberaterin sehen will als die Leute, die derzeit in der Verwaltung von Joseph Biden sind. Und so wird sie keine andere Wahl haben, als Wahlkampf zu machen, und die Menschen werden keine andere Wahl haben, als Joseph Biden als lahme Ente und seine Mitarbeiter als Leute wahrzunehmen, die nicht bleiben dürfen und höchstwahrscheinlich auch nicht bleiben werden. So sieht die Situation in den Vereinigten Staaten aus, wenn Präsidenten wechseln, wenn sogar der Vizepräsident den Präsidenten wechselt. Präsident John F. Kennedy hatte eine völlig andere Verwaltung als sein Nachfolger, Vizepräsident Lyndon Johnson. Lyndon Johnson wurde nach Kennedys Tod Präsident der Vereinigten Staaten, aber er formatierte seine Verwaltung neu, weil er mit ganz anderen Leuten arbeiten wollte. Der Bruder des Präsidenten, Robert Kennedy, versuchte daraufhin, Lyndon Johnsons Gegner bei den US-Präsidentschaftswahlen zu werden. Er war übrigens der letzte Präsidentschaftskandidat, auf den bei der Wahl geschossen wurde, vor Donald Trump. Im Großen und Ganzen erleben wir also nicht nur Turbulenzen bei den Wahlen in den Vereinigten Staaten, sondern auch politische Turbulenzen als solche. Das heißt, selbst wenn wir über den russisch-ukrainischen Krieg sprechen, kann uns die Regierung von Joseph Biden jetzt nichts Strategisches versprechen. Also, es gibt diese Gelder. Es wird weiterhin gemäß dem Beschluss des Kongresses verwendet werden. Aber diese Verwaltung wird nicht mehr in der Lage sein, neue Entscheidungen für die Zukunft zu treffen, irgendetwas strategisch zu planen. Ihre Aufgabe ist es, lediglich als Nothilfe zu fungieren. Sie soll die bisher getroffenen Entscheidungen beibehalten, aber keine neuen Initiativen vorschlagen. Deshalb kann die Vision des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, wer auch immer es sein wird, und wir wissen noch nicht einmal, wer es sein wird, eine völlig andere sein als die von Joseph Biden. Es liegt auf der Hand, dass nun alle die weitere Entwicklung abwarten werden.

Wir haben wiederholt gesagt, dass Wladimir Putin die US-Präsidentschaftswahlen abwartet, um danach zu entscheiden, in welchem Tempo, wie und für wie viele Jahre er den Zermürbungskrieg gegen die Ukraine fortsetzen will. Aber jetzt hat Putin sichergestellt, dass er mit seinen Berechnungen richtig lag, die Militäraktionen in ihrer jetzigen Richtung und ihrem Vektor mindestens bis November 2024 fortzusetzen, um seine nächste Strategie für die nächste Präsidentschaft festzulegen. Wir gehen davon aus, dass die nächste Amtszeit des US-Präsidenten auch die Amtszeit von Russlands Zermürbungskrieg gegen die Ukraine sein könnte. Der nächste US-Präsident könnte bereits aus dem Amt geschieden sein, und der Krieg wird weitergehen. Aber die Frage ist, wie Putin diesen Krieg sehen wird, wie weit die Erschöpfung gehen wird, wie hoch die finanziellen Beiträge sein werden, wie die chinesisch-amerikanischen Beziehungen genutzt werden, um die Situation an der europäischen Front zu verschlechtern – all das wird jetzt nach den US-Präsidentschaftswahlen im Kreml entschieden werden. Und natürlich werden alle geschlossenen Kontakte zwischen der russischen und der amerikanischen Präsidialadministration, die bisher offensichtlich stattgefunden haben, auf Eis gelegt werden. Wladimir Putin ist nicht mehr daran interessiert, was Joseph Biden über seine Absichten gegenüber der Ukraine denkt. Er wird jetzt darüber nachdenken, wie er den nächsten amerikanischen Präsidenten nutzen kann, um all die Ziele zu erreichen, die er sich gesetzt hat, um das russische Imperium auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion wiederherzustellen. Und er kann jetzt keine plötzlichen Schritte der US-Regierung mehr befürchten, zumindest nicht bis Februar 2025, bevor die Regierung wechselt. Dies ist genau der Moment, in dem Putin glaubt, dass er alle demokratischen Politiker aussitzen kann, dass sein wichtigster Verbündeter im Kampf um sein eigenes Imperium die unerbittliche Zeit ist, die sie alle aus dem Amt wirft und ihn als ständigen Führer Russlands belässt.

Und hier ist ein weiteres solches Kalkül. In China mag die Situation anders sein. Xi Jinping könnte glauben, dass die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten den chinesischen Interessen nur schadet, weil Donald Trump in Bezug auf China radikaler ist als Joseph Biden. Aber auch dies könnte China in die Lage versetzen, Russland in seinem Krieg mit der Ukraine ernsthafter und dynamischer zu unterstützen, um den Westen in diesem Bereich zu schwächen und zu verhindern, dass er von dem chinesischen Problem abgelenkt wird.

Und Länder wie der Iran, dem gegenüber Joseph Biden immer versucht hat, weniger radikal zu sein als Donald Trump, und einen Weg zurück zum Atomdeal zu finden, hat ihn aber nie gefunden, weil der Iran nicht mehr daran interessiert war. Und für den Iran wird es klar sein, dass die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten eine radikalere Position gegenüber dem Iran bedeuten wird. Was das bedeutet. Zunächst einmal wird der Iran nun versuchen, bis 2025 eine Atommacht zu werden, um Donald Trump mit offenen Armen zu empfangen. Und ich denke, wenn Anthony Blinkin sagt, dass der Iran in wenigen Wochen die notwendigen technischen Fähigkeiten erwerben könnte, um endlich eine Atombombe zu besitzen, dann sind das nicht nur Worte. Zweitens wird der Iran versuchen, Donald Trump zu beseitigen, bevor er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird, bevor er ins Weiße Haus einzieht. Ich glaube, dass es weitere Anschläge auf Donald Trump geben wird und dass der Iran versuchen wird, ihn zu töten.

Und nicht nur der Iran. Ich bin sicher, dass Donald Trump ernsthaft gefährdet sein wird, bevor er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wird, und wir werden sehen, dass dies nicht der letzte Schuss war. Denn es gibt Kräfte, die daran interessiert sind, diesen Führer aus dem Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu entfernen, und das sogar voraussichtlich, und vorzugsweise bevor er gewinnt. Diese Kundgebung in Pennsylvania war also ein ernstes Ereignis, das sich vor unseren Augen abspielte und das auch zu einer ernsten Warnung wurde.

Schauen wir uns an, was in den Minuten seit unserer Besprechung passiert ist, welche anderen Nachrichten aus Washington kamen, das in diesen Momenten nach der Entscheidung von Präsident Joseph Biden zum Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit geworden ist. Wir sprechen hier über die Erklärung des Gouverneurs von North Carolina, Roy Cooper, der als möglicher Kandidat für die Vizepräsidentschaft gehandelt wird, aber in Roy Coopers Erklärung gibt es ein warmes Lob für Joseph Biden und kein einziges Wort der Unterstützung für Kamala Harris.

Auch hier gibt es eine ernste Geschichte, denn es heißt, dass 30 Minuten bevor Biden seine Entscheidung bekannt gab, Mitarbeiter seines Unternehmens noch Abgeordnete anriefen und fragten, ob sie ihn auf dem Parteitag unterstützen könnten. Einer der Abgeordneten sagte, er habe um 13:12 Uhr einen Anruf erhalten und sei gefragt worden, ob Biden auf ihn zählen könne. Das ist eine absolut verrückte Situation, sagte der Abgeordnete aus Idaho, denn nur eine halbe Stunde später, um 13:45 Uhr, gab Biden seinen Rückzug aus dem Rennen bekannt.

Der Gouverneur von Pennsylvania, John Shapiro, der ebenfalls als einer der Anwärter auf die Nominierung der Demokraten gilt, gab eine Erklärung ab, in der er die Figur Bidens unterstützt, der einfach einen großartigen Job gemacht hat, und er erwähnte Kamala Harris nicht.

So sieht es also aus. Wie ich bereits sagte, wird das Chaos noch größer werden. Ich weiß nicht, womit demokratischen Führer, die Biden zum Ausstieg aus dem Rennen überredet haben, gerechnet haben. Das ist für mich ein großes Rätsel. Und vor einer Minute gab es eine Erklärung der ehemaligen Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, eine der wichtigsten Figuren im Wahlkampf der Demokratischen Partei. Es gab Gerüchte, sie sei dafür, dass Biden aus dem Präsidentschaftsrennen aussteigt. Sie lobte Biden in den höchsten Tönen, erwähnte aber Kamala Harris nicht.

Ich werde nun versuchen, die Fragen zu beantworten, die während dieser Sendung eingingen.

Frage: Was ist der wahre Grund für seinen Rückzug?

Nun, es gibt einen wirklichen Grund. Nachdem Biden in den Debatten zu sehen war, entschieden die führenden Vertreter der Demokratischen Partei, dass er Trump nicht schlagen kann und forderten seinen Rücktritt als Kandidat für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten.

Frage: Wie stehen die Chancen von Kamala Harris im Allgemeinen?

Kamala Paris hat die gleichen Chancen wie Joseph Biden, was die Soziologie betrifft. Ich habe das schon oft gesagt. Die gemessenen Werte zeigen, dass Kamala Haris auf dem gleichen Niveau wie Joseph Biden liegt. Sie fragen sich vielleicht: Warum sollten sie Biden absetzen? Weil die Demokraten vielleicht Angst hatten, dass Biden einer Debatte mit Trump nicht standhalten könnte und mit Sicherheit verlieren würde. Und Harris hat eine Chance, diese Debatte zu gewinnen, aber das weiß niemand. Und wir wissen nicht einmal, ob Kamala Harris auf dem Parteitag als Kandidatin der Demokratischen Partei ausgewählt wird. Es gibt Optionen, und es gibt viele von ihnen. Und das können wir im Prinzip nicht wissen. Es ist eine sehr komplizierte Situation.

Frage: Die New York Times schreibt, dass Biden Obama vorwirft, Kampagne zu organisieren um ihn unter Druck zu setzen. Das klingt tatsächlich nach organisiertem Druck. Warum sollte Obama das tun wollen?

Weil Obama, wie alle anderen führenden Demokraten, glaubt, dass Biden die Wahl verlieren wird. Warum sollte man sich übrigens dafür interessieren, was die New York Times über Obama und Biden schreibt, wenn die Redaktion der New York Times selbst am Tag nach der Biden-Trump-Debatte einen Leitartikel veröffentlicht hat, in dem sie Biden auffordert, sich aus dem Rennen zurückzuziehen. Das Economist-Magazin tat dasselbe, CNN tat dasselbe. Sie alle gaben diese Erklärung ab.

Frage: Gibt es neben Kamala Haris noch andere echte Führungspersönlichkeiten, die den Demokraten zur Auswahl stehen?

Es mag viele Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten geben. Es gibt eine Reihe von Demokraten, Gouverneure, die dafür kandidieren. Aber zunächst einmal gibt es für sie eine Menge Probleme. Zuallererst. Inwieweit werden sie von den Delegierten des Parteitags der Demokraten unterstützt werden? Gibt es eine konsolidierende Figur unter ihnen? Zweitens. Auch dies ist ein sehr wichtiger Punkt. Werden Demokraten bereit sein, einen Kandidaten zu unterstützen, der die Vorwahlen überhaupt nicht bestanden hat? Wie groß ist die Chance einer solchen Person, die Demokraten zu vereinen und Donald Trump zu besiegen? Drittens. Ist dies überhaupt eine Wahl oder ist es ein Referendum über Trumps Glaubwürdigkeit? Und wenn ja, können die Demokraten dann vielleicht jemanden wählen, der klar und deutlich spricht und nicht wie ein alter Mann aussieht, wie Joseph Biden?

Frage: Vielleicht hat Biden also gar keinen Grund, sich mit der Hilfe für die Ukraine zurückzuhalten, es ist an der Zeit, alles zu geben, nicht tropfenweise.

Erstens denke ich, dass das ganze Gerede über tropfenweise Waffenlieferungen auch Propaganda-Unsinn ist. Zweitens möchte ich Sie daran erinnern, dass die Entscheidung, Hilfe zu leisten, vom Kongress getroffen wird, die dann vom Pentagon kumuliert wird. Drittens müssen wir verstehen, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine angesichts der Risiken eines dritten Weltkriegs, die absolut real sind, Hilfe leisten. Vielleicht nicht ganz so real, da sich die Ukraine im Krieg befindet, aber sie sind mehr als real. Es handelt sich nicht um einen Krieg, wie ihn die Ukrainer erleben, sondern um einen Krieg mit Atomwaffen, der eine große Zahl von Menschen in Nordamerika und Europa auslöschen wird. Und all das können wir definitiv sehen. Das ist die Chance, in einer Zeit zu leben, in der die Hälfte der Menschheit verschwinden wird. Niemand hat jemals eine solche Chance gehabt. Sie und ich schon. Die Dinosaurier hatten eine solche Chance, nur um andere Dinosaurier verschwinden zu sehen. Und ich mache überhaupt keine Witze. Ich habe Ihnen in der letzten Geschichte erzählt, wie die Russen klar gesagt haben, dass es nicht darum geht, uns wenige Waffen zu geben, wenn westliche Waffen ihr Territorium treffen, sondern darum, uns Waffen zu geben und uns nicht zu erlauben, Ziele auf russischem Territorium zu zerstören. Dies ist eine wichtige Geschichte. Es geht nicht um die Menge, sondern darum, wohin man schießt. Wenn die militärischen Arsenale auf russischem Territorium zerstört werden, dann wird Wladimir Putins Militärmaschinerie natürlich langsamer laufen, und er kann immer noch darüber nachdenken, diesen Krieg irgendwann zu beenden, aber das wird nicht passieren. Aber jetzt gibt es Berichte, dass Putin, und das sagt er den Amerikanern direkt, den Houthis seine Raketen geben könnte, einschließlich Langstreckenraketen. Und mit diesen Raketen, die die Houthis jetzt noch nicht haben, könnten sie die Schifffahrt im Roten Meer komplett lahm legen und Israel einen sehr schweren Schaden zufügen. Und im Prinzip ist es das, wovor die Amerikaner Angst haben könnten. Und deshalb sind sie bei bestimmten Entscheidungen so vorsichtig. Denn sie wissen, dass einige ihrer Entscheidungen in Bezug auf den Krieg Russlands mit der Ukraine stattdessen eine ernsthafte Reaktion in anderen Teilen der Welt hervorrufen könnten. Denn der Krieg breitet sich langsam aus und wird sich weiter ausbreiten.

Frage: Warum loben Sie Trump? Haben Sie vergessen, dass der Krieg schon seit 2014 andauert und Trump ihn nicht gestoppt hat, als er an der Macht war? Was wird er jetzt tun? Wird er die Ukraine erpressen, damit sie Zugeständnisse macht?

Ich habe nicht gesehen, wo ich Trump in dieser Sendung gelobt habe, um ehrlich zu sein. Ich glaube, dass Donald Trump keine Ahnung hat, wie man den Krieg in der Ukraine beenden kann. Ich glaube, dass er an die Autorität des Präsidenten der Vereinigten Staaten glaubt. Und ich glaube, dass er einige Vorschläge für Wladimir Putin hat, die der russische Präsident nicht ablehnen kann, so schmackhaft sind sie. Aber ich glaube, Trump überschätzt den Wert dieser Angebote. Ich möchte Sie noch einmal daran erinnern. Als er Präsident der Vereinigten Staaten war, wurde Wladimir Putin bereits aus der Gruppe der Acht ausgeschlossen, aus der dann wieder die Gruppe der Sieben wurde. Und Donald Trump hat sich immer bemüht, Putin zu diesen Treffen der Gruppe einzuladen, zumindest als Gast. Und Putin wurde von den meisten anderen westlichen Führern nicht als Gast erwünscht. Und Trump hat es nicht ein einziges Mal geschafft, dieses Treffen mit Putins Beteiligung abzuhalten. Obwohl der Emmanuel Macron vor diesem Gipfeltreffen der Gruppe der Sieben in Biarritz mit Putin in seinem eigenen Präsidentenschloss, Briganson, zusammenkam, um mit ihm die Frage der Haltung Russlands zur Weltpolitik zu erörtern und dann die Ergebnisse seiner Gespräche mit Putin den Mitgliedern dieser Gruppe zu übermitteln. Und so war es dann auch. Aus irgendeinem Grund glaubt Trump, dass Putin, wenn er ihn einlädt, in den ehrwürdigen Club der westlichen Staatsoberhäupter zurückzukehren, den Krieg in der Ukraine sofort beenden und sich freuen wird, mit Trump Tee zu trinken, aber Putin hat seine Wahl bereits getroffen. Er braucht den Westen nicht. Er will Mitglied in einem ganz anderen Club sein, in dem China und andere diktatorische Länder sind. Er will, dass dieser Club den Westen besiegt. Und dafür will er, dass sein Land größer wird, dass es ein Imperium wird. Und ich glaube, Trump ist sich dessen noch nicht bewusst, aber er wird es merken, falls er Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Frage: Was sollte ein Demokrat jetzt tun, um die Siegchancen des neuen Kandidaten zu erhöhen?

Ich sage Ihnen gleich vorweg, dass ich die Siegchancen des neuen demokratischen Kandidaten nach wie vor für sehr gut halte. Nicht, weil er ein demokratischer Kandidat ist, sondern weil er gegen Trump ist. Und wie ich schon oft gesagt habe, betrachte ich die US-Präsidentschaftswahlen als ein Referendum für oder gegen Donald Trump. Wäre ich ein amerikanischer Staatsbürger, wäre ich bereit, für jeden Kandidaten zu stimmen, der gegen Trump ist. Übrigens gibt es noch eine Person, Robert Kennedy Jr., und wenn er sich jetzt zurückzieht, wird er die Chancen der Demokraten verschlechtern, weil seine Anhänger für den konservativen Kandidaten stimmen werden. Wenn es keinen Robert Kennedy gibt, werden sie für Trump. Eine Randbemerkung, denn auch das ist ein sehr wichtiger Teil des Präsidentschaftsrennens, der dritte Kandidat. Und ich denke, dass es viele Leute wie mich gibt, und viele amerikanische Bürger, die nicht daran interessiert sind, wen genau die Demokraten als Präsidentschaftskandidaten aufstellen werden, sondern daran, dass Donald Trump nicht Präsident der Vereinigten Staaten wird, das ist das Hauptmotiv. Genauso wie das Hauptmotiv der Trump-Anhänger darin besteht, dass Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten sein sollte, und nicht Biden, Harris oder sonst jemand. Solange es Trump ist, sind sie für Trump. Und genau darauf müssen sich die Demokraten konzentrieren, einen starken Kandidaten finden, irgendeinen Kandidaten, um den sie sich scharen können, der Einigkeit zeigt und mit dem sie gegen Trump antreten können, und einen kompetenten Wahlkampf in den Staaten führen, die über die künftige Präsidentschaftswahl und deren Ausgang entscheiden. Schließlich hat Hillary Clinton die US-Präsidentschaftswahlen 2016 nur deshalb verloren, weil sie in diesen wichtigen Staaten keinen Wahlkampf geführt hat. Joseph Biden hat die Wahl 2020 gewonnen, weil er die Wahl in diesen wichtigen Staaten gewonnen hat. Erinnern Sie sich an den Kampf um jede Stimme in jedem dieser Bundesstaaten. Übrigens erkennt Donald Trump die Ergebnisse der Wahl 2020 immer noch nicht an, weil er glaubt, dass er in einigen dieser Staaten gewonnen hat und dass ihm die Stimmen gestohlen wurden. Das ist eine echte Chance.

Frage: Wenn Trump wiedergewählt wird, wird er die Ölproduktion erhöhen, und die Ölpreise werden sinken, so wie sie es während seiner letzten Amtszeit getan haben, ist das nicht positiv für die Ukraine und für die Schwächung Russlands?

Wenn es Trump gelingt, die Ölproduktion in den USA zu erhöhen und die Ölpreise zu senken, wird dies sicherlich ein wichtiger Moment im russisch-ukrainischen Krieg sein. Aber dazu müssen alle Entscheidungen im Zusammenhang mit dem Verbot der Ölförderung durch bestimmte Technologien, die in den letzten Jahren eingeführt wurden, umgangen werden. Das ist nicht an einem Tag zu schaffen. Das ist der erste Punkt. Zweitens wissen wir nicht, um wie viel die Preise sinken werden, weil sie ohnehin nicht auf dem höchsten Niveau sind. Und Russland verkauft dieses Öl bereits zu Dumpingpreisen, und es könnte sich herausstellen, dass, selbst wenn die Ölpreise sinken, das Dumping für China und Indien recht günstig sein wird. Auch das ist ein ganz offensichtlicher Punkt. Drittens möchte ich Sie daran erinnern, dass Russland, selbst wenn der Ölpreis fällt, wenn es genug Öl produziert, um seine Militärausgaben zu decken und ein gewisses Maß an sozialer Stabilität aufrechtzuerhalten, über einen ziemlich langen Zeitraum mit niedrigen Ölpreisen überleben kann. Wichtig ist hier nicht, dass Russland Öl zu niedrigen Preisen verkauft, sondern dass es nicht in der Lage ist, es zu verkaufen. Russlands Energieverkäufe zu blockieren, was nicht geschehen ist, denn die Länder des globalen Südens unterstützen die russische Wirtschaft ohnehin durch ihre Bereitschaft, russisches Öl zu günstigen Preisen zu kaufen. Wenn also die Ölpreise sinken, kurbelt das die Wirtschaft an. Wenn Länder wie China und Indien wirtschaftlich wachsen, brauchen sie mehr Öl. Wenn sie mehr Öl brauchen, kaufen sie mehr russisches Öl zu niedrigeren Preisen. Das ist ein Teufelskreis. Wir müssen nach wirksamen Mitteln suchen, um Russland in seinen aggressiven Ambitionen zu stoppen. Um Russland in seinen aggressiven Bestrebungen zu stoppen, reicht es nicht aus, die Ölproduktion in dieser neuen Wirtschaft im globalen Süden zu erhöhen. Es ist wichtig, dass der Westen bereit ist, mit der Wirtschaft der Volksrepublik China zu brechen. Wenn die Volksrepublik China erkennt, dass es beim Kauf von Energie aus Russland auch um Indien geht, ist das ein Schlag für ihre Wirtschaftsbeziehungen zum Westen. Solange dies nicht geschieht, ist es ein großes Problem für die zukünftige Fortsetzung des Krieges. Das ist alles, was wir zu dieser ganzen Situation für heute zu sagen haben. Am Ende der Sendung werden wir uns ansehen, was sich in der Zwischenzeit im politischen Leben der USA sonst noch getan hat. So wurde berichtet, dass mindestens fünf demokratische Senatoren ihre Unterstützung für Kamala Harris als Kandidatin bekundet haben. Wir müssen Donald Trump besiegen. Ich weiß, dass Kamala Harris gewinnen kann, sagen diese Senatoren. Aktuelle und ehemalige Mitglieder des Demokratischen Nationalkomitees haben ihre Namen in einem offenen Brief zur Unterstützung von Vizepräsidentin Harris als Präsidentschaftskandidatin der Demokraten hinzugefügt. Senatorin Lizabeth Warren, eine der angesehensten amerikanischen Senatorinnen, unterstützte Kamala Harris und Joseph Bidens Entscheidung, sich aus dem Präsidentschaftswahlkampf zurückzuziehen. Es gibt hier also eine Fortsetzung der eigenen Geschichte, die wir verfolgen werden, und wir werden sehen, inwieweit Kamala Harris alle Demokraten in dieser absolut ungewöhnlichen Situation, in der sich die Vereinigten Staaten befinden, zu vereinen schafft. Denn hier geht es nicht nur um die Vereinigten Staaten. Bei dem, was wir in dieser historischen Stunde erleben, geht es um das Schicksal der Welt. Das Schicksal der Welt im Jahr 2024 und das Schicksal der Welt in den 20er Jahren dieses Jahrhunderts. Die turbulentesten Jahre. Ich möchte Ihnen gleich sagen, dass es vielleicht nie wieder ein Jahrzehnt wie die 20er Jahre geben wird. Die 30er Jahre werden vielleicht viel ruhiger sein als die 20er Jahre, aber unsere Aufgabe ist es, die 20er Jahre zu überleben und dieses Maß an Turbulenzen zu reduzieren, damit wir die 30er Jahre erleben können. Und dies wird von der Kompetenz und dem Realismus der Person abhängen, die im November 2024 zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wird.

Oh, es ist bewölkt, neblig/ Ой, хмариться, туманиться

Oh, es ist bewölkt, neblig,

Es fällt leichter Regen.

Junge Soldaten

Trinken Met-Wodka

Sie trinken Wodka, auch Likör,

Sie essen Beeren

Auch schauen sie

Auf fremde Frauen.

Die Frau eines Fremden ist wie eine Beere

Wie eine Mohnblume

Und du, Säbelchen,

Hast mir die Welt verdeckt.

Ich fasse dich, Säbelchen,

An der scharfen Kante,

Ich lasse dich los, Säbelchen,

In den tiefen Donau.

Schwimm, schwimm, Säbelchen,

Lerne zu schwimmen

Und ich, junger Soldat,

Suche mir eine Frau.

Und wenn ich mir, Säbelchen,

Eine Frau finde,

Dann nehme ich dich, Säbelchen,

Und befestige dich

An meiner Seite.


Ой, хмариться, туманиться,

Дрібні дощі йдуть.

Там молоді жовнярики

Мед-горілку п’ють.

П’ють горілку, ще й наливку,

Їдять ягідки,

Та ще й собі споглядають

На чужі жінки.

Чужа жінка, як ягідка,

Як той маків цвіт,

А ти ж мені, шабелино,

Зав’язала світ.

Візьму я ж тебе, шабелино,

Та й за гострий край,

Пущу ж я тебе, шабелино,

В глибокий Дунай.

Плавай, плавай, шабелино,

Вчися плавати,

А я піду, молод жовняр,

Жінку шукати.

А як я собі, шабелино,

Жінки не знайду,

Тоді я ж тебе, шабелино,

До боку припну.

Die Banalität des Krieges. Vitaly Portnikov. 21.07.24.

https://zbruc.eu/node/118991?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR0kHmMYXT8ExoAUUEwULlIz_cLkD0zH25LonnjoN_aSQlT6LMh6uzunnSs_aem_I3lE_jQhZ_iibfRyMWcJIQ

Vor kurzem wurde ich eingeladen, im Rahmen eines Projekts über die Zukunft von Odesa an einer Diskussion in Kyiv teilzunehmen. Es war eine Diskussion, wovon es inzwischen eine ganze Menge an vielen Orten gibt. Ich hörte mir an, wie die Teilnehmer darüber sprachen, wie man in einer Stadt, die bombardiert wird, Geschäfte führen kann, wie man den „Mythos Odesa“, d.h. die Wahrnehmung der südlichen Stadt durch ihre Bewohner und Besucher, verändern kann, aber ich sah darin nicht einmal einen Hinweis auf die Zukunft.

Schließlich hängt die Zukunft von Odesa, wie die jeder anderen ukrainischen Stadt, nicht von der Schaffung von Mythen ab, sondern vom Ausgang des Krieges. Wenn die Ukraine sich abwehrt und ein europäisches Land wird, wird Odessa zu einem der wichtigsten Häfen des Kontinents werden. Wenn unser Weg nach Europa länger wird, wird die Entwicklung der Stadt weniger intensiv sein. Wenn die Ukraine die Kontrolle über das Meer verliert, wird Odessa einfach zu einer Sackgasse auf der Landkarte des Landes, denn es ist unklar, wie sich der Hafen ohne das Meer entwickeln wird… Aber auch mit dem Meer wird viel davon abhängen, wie hoch die Sicherheitsgarantien nach dem Krieg sind. Denn wenn dieses Niveau nicht angemessen ist, könnte Odessa selbst – wie schon oft in seiner Geschichte – zu einem Vorposten reaktionärer Kräfte werden, die auf dem „georgischen Modell“ des Hafens und des Landes bestehen. Und über all diese Optionen müssen wir heute nachdenken“, schloss ich und erinnerte die Teilnehmer an das Schicksal von Triest, das einst der wichtigste Hafen Österreich-Ungarns war und heute nur noch eine schöne italienische Stadt ist, die in ihrer Vergangenheit lebt. Dieses Schicksal hätte Odesa vermeiden sollen…

Und dann unterbrach eine ältere Professorin aus Odesa diesen „Satz von Plattitüden“, wie sie meine Gedanken definierte, mit Irritation. „Danke, dass Sie uns daran erinnern, dass wir uns im Krieg befinden. Als ob wir das nicht wüssten!“

Um ehrlich zu sein, habe ich mit dieser spöttischen Bemerkung nicht gerechnet. Aber sie zeigte, wie zumindest ein Teil der ukrainischen Gesellschaft versucht – und das ist nicht das erste Mal in unserer Geschichte -, sich der Realität zu entledigen und sie durch den Versuch zu ersetzen, zu den bequemen Vorkriegsgesprächen zurückzukehren, die jetzt als Gespräche über die Zukunft deklariert werden. Der Krieg ist in diesen Gesprächen eine wirklich bedauerliche Banalität, die man besser ignorieren sollte, weil sie sonst die Scheinwelt, in der man lebt, mächtig und grausam durchkreuzt. Als wir uns an einem der Veranstaltungsorte in der Hauptstadt unterhielten, waren in Odesa Explosionen zu hören – aber was ist die Realität banaler Explosionen im Vergleich zur Schönheit und Relevanz des mythologischen Raums, in dem man sich befindet?

Der Wunsch, die Vergangenheit als Zukunft auszugeben, ist für viele Menschen, die sich nicht mit der Gegenwart abfinden wollten, zu einem Urteil geworden. Denn die Zukunft unterscheidet sich von der Vergangenheit, weil man sich viele Möglichkeiten vorstellt und versucht, sich auf jede vorzubereiten. Dass man nicht in Wünschen denkt, sondern in Möglichkeiten. Dass man nicht imitiert, sondern das Leben lebt, auch das Leben im Krieg. Wenn wir uns ehrlich sagen, dass unsere gemeinsame Zukunft vom Ausgang des Krieges abhängt und dass dieser Ausgang von unseren Erwartungen und Träumen abweichen kann, werden wir sehen, wie viele Wege zur Rettung der Ukraine in jedem Szenario offen stehen. Und dann wird unsere Gesellschaft ihre berühmte Ambivalenz und Infantilität ablegen, wenn wir gleichzeitig Verhandlungen wollen und keine Zugeständnisse an den Feind machen wollen, den Krieg an der Ostgrenze beenden wollen und mit denen Verständnis haben, die das Land an die Westgrenze verlassen. Dann werden wir erkennen, dass die Ukraine als Staat auch ohne ihre wichtigsten Städte eine Zeit lang funktionieren kann, aber diese Städte werden sich ohne die Ukraine in eine zivilisatorische Ödnis verwandeln. Nein, Krieg ist keine Plattitüde, Krieg ist eine Realität. Banalität ist die Fähigkeit eines Menschen, den Krieg zu ignorieren.

„Das Thema Atomwaffen ist noch nicht aufgetaucht“, spottete der Professor aus Odesa weiter. Und ich erinnerte mich an meinen Besuch in Hiroshima, einer wunderschönen japanischen Stadt, die für immer ein historisches Symbol für eine nukleare Katastrophe geworden ist. Aber das ist es für Politiker, Historiker, Journalisten und Touristen. Für ihre Bewohner ist Hiroshima einfach eine blühende Stadt, die sie lieben und die sie buchstäblich aus der Asche wieder aufgebaut haben. In dieser Stadt, deren Einwohnerzahl heute wahrscheinlich größer ist als die von Odesa, habe ich darüber nachgedacht, wie wichtig es ist, weiterzumachen und selbst tote Städte mit Leben zu füllen. Doch dazu müssen wir uns zunächst der Realität, der militärischen Realität unserer Zeit, bewusst sein.

Reise in die Zukunft. Warum wurde Putin noch nicht bestraft? Vitaly Portnikov. 20.07.24

https://www.radiosvoboda.org/a/reys-mh-17-putin-viyna/33044161.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR1SQ-vEkcTC1MavS14_lJXjjZ8vkbVVqvblHGAsSiLELw4LomADF29ksrk_aem_kiblFwL3mYczGuf1Bo1Ifg

Der zehnte Jahrestag des Abschusses des Flugzeugs der Malaysian Airlines durch das russische Militär wurde von fast allen führenden Medien der Welt erwähnt. Der Absturz, der vor zehn Jahren als das schrecklichste Symbol des von Russland gegen die Ukraine geführten Krieges bezeichnet wurde, hat jedoch neuen großen Tragödien Platz gemacht, und seine Organisatoren wurden nicht nur nicht bestraft, sondern planen weiterhin neue Kriege und neue Morde.

Ich erinnere mich noch gut an den Schock, der die Welt am Abend nach der Nachricht vom Absturz des Flugzeugs erfasste. Die Menschen brachten Blumen zu den Botschaften, Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens forderten ein Ende des Krieges.

Ich würde sogar sagen, dass die Welt erst nach diesem Verbrechen die Tragödie und das Ausmaß dessen begriffen hat, was „vor Ort“ – auf dem Boden der Ukraine – geschah, denn vor dem Tod der malaysischen Passagiere sahen viele Menschen den Angriff Russlands auf die Ukraine als einen weiteren unverständlichen regionalen Konflikt „weit weg“ von der Zivilisation. Und dann wurde allen klar, wohin die Ambitionen Wladimir Putins führen können.

Putins Russland ist endgültig in die UdSSR zurückgekehrt.

In Wirklichkeit war es eine Reise in die Zukunft, in unsere nahe Zukunft. Denn da wurde deutlich, dass Russland keine Angst vor dem Töten von Menschen hat, dass Moskau sich nicht entschuldigen oder rechtfertigen wird. Und das bedeutete, dass Putins Russland endgültig in die Sowjetunion zurückkehrte, zur Zeiten als diese den südkoreanischen Passagierflugzeug zerstört hat.

Dieses Verbrechen war eine der traumatischsten Erinnerungen meiner Kindheit, als ich den sowjetischen Generalstabschef, Marschall Nikolai Ogarkow, im Fernsehen sah, schämte ich mich zutiefst, dass ich Bürger eines so kriminellen, verbrecherischen Staates war, in dem der Wert des menschlichen Lebens gleich Null war. Die Unabhängigkeit der Ukraine war für mich übrigens auch deshalb wichtig, weil sie mir die Möglichkeit eröffnete, diesen barbarischen Staat nicht durch Auswanderung, sondern gemeinsam mit meinem Land loszuwerden. Aber der barbarische Staat selbst ist, wie sich herausstellte, nicht verschwunden, sondern hat seine blutige Ernte fortgesetzt. Und damals vor 10 Jahren war ich von Wut erfüllt. Wut, nicht Scham – das war auch der Fortschritt eines jahrzehntelangen Lebens ohne die Sowjetunion. Aber die Menschen starben weiter…

Der Flug MH-17 war auch deshalb ein Flug in die Zukunft, weil er die Bereitschaft der russischen Führung, Verbrechen jeglichen Ausmaßes zu begehen, und das Fehlen echter Rechtsinstrumente zur Bestrafung dieser Verbrechen demonstrierte. Solche Ereignisse ebnen den Weg für einen großen Krieg, weil sie dessen zukünftigen Organisatoren davon überzeugen, dass sie ungestraft bleiben werden. Deshalb war es für Wladimir Putin so wichtig, Wladimir Zemach, den einzigen mutmaßlichen Teilnehmer und Zeugen des Flugzeugabschusses, der von ukrainischen Geheimdienstmitarbeitern während einer brillanten Spezialoperation gefangen genommen wurde, aus der ukrainischen Haft zu befreien.

Putin musste seine Verbündeten davon überzeugen, dass er keinen der an seinen Verbrechen Beteiligten seinem Schicksal überlassen und keine Mühe scheuen würde, um dem kleinsten Rädchen zu helfen. Warum? Natürlich nicht aus Mitgefühl, sondern um zu beweisen, dass keiner der Beteiligten an künftigen Massenverbrechen in Zukunft bedroht sein würde.

Kinderspielzeug ist zu einem traurigen Symbol geworden.

Infolgedessen befand sogar der internationale Gerichtshof in Den Haag gewöhnliche „Bauernopfern“ für den Abschuss des Flugzeugs für schuldig, hatte aber keine Möglichkeit sogar sie zu erreichen. Die Tatsache, dass der Hauptangeklagte in diesem Prozess, der ehemalige FSB-Oberst Igor Girkin, einige Jahre nach seiner lebenslangen Haftstrafe in Den Haag in eine Strafkolonie in Russland geschickt werden wird, ist nur eine traurige Ironie.

Die Straflosigkeit des Bösen führt dazu, dass das Böse alltäglich wird. Die Bereitschaft der Weltmedien, Russlands lächerliche „Versionen“ des malaysischen Flugzeugabsturzes zu erörtern, hat dazu geführt, dass die russische Führung ihre eigenen Verbrechen in Bucha jetzt als Schwindel bezeichnet. Der tragisch abgebrochene Flug MH-17 war in der Tat ein Flug in die Zukunft, gerade weil er die Richtung aufzeigte, in die sich die Welt, die wir immer noch wegen Gedankenträgheit für stabil und friedlich hielten.

Und dies waren die letzten Tage der friedlichen Welt, ihre Agonie. Und das Kinderspielzeug aus dem Flugzeug, verstreut auf der schwarzen Asche des besetzten ukrainischen Landes, wurde zum traurigen Symbol dieser letzten Tage.

Ich bin auf dem Meer /А я на морі

Wenn es nicht regnet

Werden wir alle gegrillt,

Hitze den ganzen Tag und die ganze Nacht

Ist dies eine Stadt oder ein großer Ofen?

Während ich im Schlaf schwitze,

träume ich von einer fremden Insel,

Ich fliehe aus der Hölle ins Paradies,

Ruf mich im September wieder an.

Refrain:

Sucht nicht nach mir,

ich bin auf dem Meer, ich bin auf dem Meer.

Weißt du, wo ich bin?

Ich bin auf dem Meer, ich bin auf dem Meer

Du hast eine Menge zu tun,

Ich bin auf dem Meer, ich bin auf dem Meer

Ich habe mein Leben auf Eis gelegt

Ich bin auf dem Meer, ich bin auf dem Meer

Mein Traum wurde durch das Telefon unterbrochen,

Die Palmen vor dem Fenster wachsen nicht,

Die Wellen rufen mich nicht zum Eintauchen.

Ich will dort sein und ich will nicht hier sein!

Der ganze Tag ist schon wieder Hektik,

Die Sonne verbrennt mir das Hirn.

Ich weiß nicht, worauf ich warte,

Gebt mir zwei Tickets für das Flugzeug.

Refrain (2).


Якщо раптом дощ не піде –

Барбекю з усіх нас буде,

Спека цілий день і всю ніч –

Чи це місто є, чи велика піч?

Поки я пітнію вві сні,

Дивний острів сниться мені,

З пекла до раю тікаю,

Подзвони мені аж у вересні.

Приспів:

Не шукай мене,

Бо я на, бо я на морі.

Знаєш, де я є?

А я на, а я на морі.

Маєш безліч справ,

А я на, а я на морі,

Все життя відклав,

Бо я на, бо я на морі.

Обірвав мій сон телефон,

Пальми за вікном не ростуть,

Хвилі упірнуть не кличуть.

Хочу бути там і не хочу тут!

Знову цілий день метушня,

Сонце розпікає мізки.

На що чекаю – не знаю,

Дайте на літак мені два квитки.

Приспів (2)

Zelensky-Trump: Analyse | Vitaliy Portnikov. 19.07.24.

Volodymyr Zelensky hat mit Donald Trump gesprochen. Allein die Tatsache, dass der Präsident der Ukraine und der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten ein solches Gespräch geführt haben, ist beispiellos, insbesondere während eines heftigen Wahlkampfes in Amerika. Es gibt nicht viele aktuelle Staatschefs, die mit dem ehemaligen amerikanischen Präsidenten sprechen. Man erinnere sich nur an die Kontakte zwischen dem ungarischen Premierminister Viktor Orban und dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda. Gleichzeitig ist jedoch klar, dass Donald Trump einen großen Einfluss darauf haben wird, wie sich die Ereignisse im russisch-ukrainischen Krieg entwickeln. Und das nicht nur, falls Trump zum neuen US-Präsidenten gewählt wird, sondern auch angesichts der Kontrolle, die der ehemalige US-Präsident über die Republikanische Partei hat. Es sei daran erinnert, dass es die Bemühungen von Donald Trump und seinen Anhängern waren, die im US-Kongress die Hilfe für die Ukraine blockierten, was zu den tragischen Ereignissen an der russisch-ukrainischen Front führte. Der Verlust von Avdiivka zum Beispiel. Daher ist der Dialog mit Donald Trump, auch wenn es sich nur um ein Protokollgespräch handelt, ein wichtiger Teil der Einschätzung, wie sich die Ereignisse im Krieg zwischen Russland und der Ukraine in Zukunft entwickeln werden. Außerdem ist klar, dass Volodymyr Zelensky sich nicht auf dieses Gespräch beschränken wird und hofft den ehemaligen US-Präsidenten persönlich zu treffen.

Wie aus diesem Gespräch hervorgeht, haben sich Donald Trumps Absichten hinsichtlich seiner Haltung zum Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht geändert. Er hofft nach wie vor, die Parteien an den Verhandlungstisch zu bringen, wie er wiederholt in seinen Äußerungen zum russisch-ukrainischen Krieg gesagt hat. Trump gibt keine klare Erklärung dafür ab, wie er dies tun wird, selbst wenn er ins Weiße Haus kommt, vielleicht weil er keine Ahnung hat, wie er es tun soll, aber es gibt ein gewisses fantastisches Bild, das in den Köpfen des ehemaligen amerikanischen Präsidenten und seiner Anhänger existiert. Und hier ist anzumerken, dass sich Donald Trumps Sicht auf die politische Lage in der Welt und die Möglichkeiten der Einflussnahme auf Russland nicht sehr von den Ansichten jener ukrainischen Bürger unterscheidet, die im Jahr 2019 glaubten, dass eine Einigung mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin möglich sei. Warum sollten wir Trump für eine solche eklatante politische Inkompetenz verantwortlich machen? Zumal es sich um einen Mann handelt, der sich auf einem völlig anderen Kontinent befindet und, wie wir bereits wissen, in der Außenpolitik nicht sehr bewandert ist.

Im Großen und Ganzen können wir sehen, wie Donald Trump Volodymyr Zelensky zu irgendeinen Verhandlungen zwingen kann. Der ukrainische Präsident ist für den Zustand seines eigenen Landes und seiner Armee verantwortlich. Die Ukraine ist auf die militärische und politische Unterstützung der Vereinigten Staaten angewiesen, auch wenn, wie wir heute gesehen haben, US-Außenminister Antony Blinken auf der Konferenz des Astin-Instituts betonte, dass die Ukraine in der Lage sein wird durchzuhalten, auch wenn Amerika, natürlich Trumps Amerika, militärische und finanzielle Unterstützung verweigert, wenn sich diese Unterstützung in erster Linie auf die Bemühungen der europäischen Länder und anderer Länder der zivilisierten Welt konzentriert, die sich bewusst sind, wie wichtig es ist, Diktaturen in einer Situation Wiedererstand zu leisten, in der Trumps Amerika versuchen wird, Vereinbarungen mit diesen Diktaturen zu treffen. Aber natürlich ist man mit amerikanischer Hilfe besser dran als ohne sie. Es scheint, dass wir alle diese Tatsachen in diesen Monaten klar verstanden, in denen der US-Kongress aufgrund der Blockade durch die Republikaner und ihren Führer, der jetzt für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten kandidiert, Hilfen für die Ukraine und andere mit den Vereinigten Staaten verbündeten Länder verzögerte.

Die wichtigste Frage dieses Krieges bleibt in dem Gespräch zwischen Trump und Zelensky aber ausgeklammert: Was kann Donald Trump Wladimir Putin anbieten? Wir kennen bereits Trumps Formel, die dem ehemaligen Präsidenten von seinen Beratern angeboten wurde. Der Ukraine die Hilfe zu verweigern, wenn sie sich weigert, mit Russland zu verhandeln, aber wenn Russland sich weigert, mit der Ukraine zu verhandeln, die Ukraine mit viel mehr Waffen auszustatten, als sie bisher hatte. Er sieht dies als Rezept für Verhandlungen zwischen Moskau und Kyiv und ein Ende des Krieges. Doch weder Trump noch seine Berater, so scheint es mir, können die Frage beantworten, was passiert, wenn der russische Präsident Wladimir Putin sich von der Aufrüstung der Ukraine nicht einschüchtern lässt und den Krieg mit Unterstützung der Volksrepublik China fortsetzt. Wohl wissend, dass China viel mehr daran interessiert sein wird, Trumps Amerika zu schwächen, als Bidens Amerika zu schwächen. Der Präsident der Volksrepublik China, Xi Jinping, ist sich nämlich sehr wohl bewusst, dass die chinesische Bedrohung für Donald Trump ein viel existenzielleres Problem darstellt als für Joseph Biden, und wird daher die Position der USA schwächen wollen, um zu verhindern, dass die Amerikaner ihre Streitkräfte im asiatisch-pazifischen Raum stationieren. Dies wird eine wichtige politische Aufgabe für die Volksrepublik China sein. Und hier kommt der Sieg von Donald Trump auch auf diese Weise Wladimir Putin entgegen, denn er wird der neuen Entwicklung der strategischen Beziehungen zwischen Russland und China einen Impuls geben. Er wird es sogar ermöglichen, zu einer offenen Unterstützung Moskaus durch Peking überzugehen. Was wird Donald Trump in dieser Situation tun? Wir wissen, dass es eine Antwort auf diese Frage gibt. Er wird die Ukraine aufrüsten.

Und hier, in dieser Formel, kommen wir zu einer sehr einfachen Wahrheit. Es spielt keine Rolle, was der ehemalige amerikanische Präsident heute sagt und welche Ratschläge er von denen hört, die gerne seine Berater werden und Positionen in seiner Regierung einnehmen würden. So wie die Ukrainer im Jahr 2019 in der Hoffnung auf eine Einigung mit Wladimir Putin aufgrund ihrer Wahlentscheidung sich für ein men Bündnis mit dem Westen und einen Krieg mit Russland entschieden sind, so werden die Amerikaner aufgrund ihrer Wahlentscheidung in heftige Auseinandersetzungen mit Russland und China verwickelt sein. Trumps Kampf mit China wiederum wird zu einem stärkeren Bündnis zwischen Russland und China führen. Die Stärkung des Bündnisses zwischen Russland und China wird dazu führen, dass Wladimir Putin bereit sein wird, weiter an der ukrainischen Front zu kämpfen, ungeachtet aller Vorschläge aus dem Weißen Haus. Und so kommen wir zu der Konstellation, die sich im Moment bereits entwickelt hat. Die Konfrontation zwischen Demokratien und Diktaturen, auch wenn Donald Trump und seine Wählerschaft sich nicht an dieser Konfrontation beteiligen wollen. Denn diese Konfrontation wird viel heftiger und ernster sein als zu Bidens Zeiten, und die Chance eines dritten Weltkriegs, in dem Trump, Xi Jinping und Putin nicht auf einem Friedensgipfel, sondern auf dem Schlachtfeld aufeinandertreffen, ist viel realer, als es den Menschen erscheint, die im November 2024 für den republikanischen Kandidaten stimmen werden. Allerdings werden die Wähler von Donald Trump dies natürlich erst nach der Wahl erkennen, falls sie ihrem Auserwählten einen Sieg bei den US-Präsidentschaftswahlen bescheren und ihn ins Kabinett des Weißen Hauses zurückholen, man könnte auch sagen, ins Militärkabinett.

Was Putin will. Vitaly Portnikov über Friedensgespräche. 18.07.24.

https://www.svoboda.org/a/chego-hochet-putin-vitaliy-portnikov-o-mirnyh-peregovorah/33040471.html

Nur ein Fauler spricht derzeit nicht über mögliche Friedensgespräche mit Russland. Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky verspricht, in den kommenden Monaten einen neuen Friedensgipfel zu organisieren und dazu sogar russische Vertreter einzuladen. Der republikanische Präsidentschaftskandidat der Vereinigten Staaten, Donald Trump, spricht ebenfalls über mögliche Vereinbarungen mit Putin, ebenso wie Besucher, die den ehemaligen Präsidenten umwerben. Xi Jinping, Erdogan, Orban, jeder von ihnen behauptet, ein Vermittler zu sein, haben immer wieder die Notwendigkeit von Verhandlungen erklärt. Die Hauptfrage ist jedoch nicht, ob Putin an den Verhandlungstisch kommen wird, sondern was all diese Personen Putin anzubieten haben.

Um diese Frage zu beantworten, muss geklärt werden, was Putin überhaupt braucht. Die „heilige“ Krim? Besetzte ukrainische Gebiete? Dass die Ukraine nicht in der NATO ist und Russland „nicht bedroht“? Entmilitarisierung mit Entnazifizierung? Aufhebung der Sanktionen?

Ist das nicht zu klein gedacht? Hat es sich gelohnt, nicht nur um dieser Sache willen einen so großen Kampf zu beginnen, sondern ihn nun schon drei Jahre lang gegen jeden gesunden Menschenverstand fortzusetzen? Um Sewastopol und Melitopol willen? Um Luhansk und Berdjansk willen? Wirklich?

Putin will nicht nur die Beute an sich reißen, sondern nicht nur ein Partner, sondern ein Konkurrent der amerikanischen und chinesischen Führung werden. Und er scheint davon überzeugt zu sein, dass er dies auf eine Weise erreichen kann, indem er zum Imperium zurückkehrt, indem er, wenn schon nicht die Sowjetunion, so doch zumindest den „sowjetischen Einflussraum“ von Uschhorod bis Aschgabat wiederherstellt. Der Sieg über die Ukraine lähmt nicht nur die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, sondern auch ihre Nachbarn und zwingt sie, ein sicheres Modell der Koexistenz mit dem russischen Regime zu suchen, und damit den sowjetischen Einflussbereich in Europa und Asien wiederzubeleben. Eine Niederlage im Krieg macht Putin zum Verlierer und sein Land zu einem geopolitischen Missverständnis. Wir sehen bereits, wie ehemalige Sowjetrepubliken Hals über Kopf fluchten und versuchen neue Sicherheitsgaranten zu finden, und wie mitteleuropäische Länder ihre Schranken vor russischen und belarussischen Autos zumachen.

Ich werde mich nicht fragen, was Zelensky Putin zu bieten hat. Die Antwort ist, glaube ich, für jeden klar: Er hat nichts zu bieten. Zelensky kann Putin nicht sein eigenes Land anbieten. Aber was kann Trump Putin anbieten? Was können andere selbsternannte Vermittler, von Xi Jinping bis Orban, Putin anbieten? Die Kontrolle über besetzte Gebiete? Teilweise Aufhebung der Sanktionen? Will Trump die Aufgabe von Putins Hauptidee, dem Traum vom Imperium, mit Geld abkaufen? Solche Vorschläge können im Kreml nur als raffinierter Spott empfunden werden.

Verhandlungen zur Beendigung des Krieges haben für den Kreml keine Bedeutung, solange sie nicht dazu führen, dass die Ukraine und der Westen das Recht Russlands auf seine imperiale Zukunft akzeptieren. Genau das hören wir von Dmitri Medwedew: Dann muss das ukrainische Parlament in Kyiv zusammentreten, um die Liquidierung der Ukraine und ihren Anschluss an Russland zu beschließen, dann müssen die russischen „Patrioten“ einsehen, dass Russland auch im Falle eines vorläufigen Friedens den Krieg definitiv wieder aufnehmen wird, um die Ukraine zu vernichten. Medwedew hat völlig Recht, wenn er behauptet, dass jede Ukraine „nationalistisch“ wäre, denn aus seiner – und Putins – Sicht ist allein die Existenz eines souveränen ukrainischen Staates das Nationalismus.

Aber wenn wir verstehen, was Putin will, dann ist unser Hauptziel nicht, mit ihm zu verhandeln, sondern ihn zu zwingen, zu erkennen, dass er sein Ziel nicht erreichen wird. Dass es ihm weder gelingen wird, die Ukraine zu absorbieren, noch ein Imperium wiederzubeleben. Wenn man an das Märchen über das Wünsche erfüllende Goldfisch erinnert. Dass die Hauptaufgabe dieser bösen politischen alten Frau Russland nicht darin besteht, Herrscherin über das Meer zu werden, sondern nicht an einem kaputten Trog zu enden. Genau ab dem Moment der Erkenntnis dieser einfachen Wahrheit, wann auch immer er kommt, wird es eine Chance für echte Verhandlungen geben.

Bis dahin werden wir leider weiter kämpfen müssen.

Trommel der Trauer!/Барабан печалі!

Schlag! Schlag! Schlag! Schlag die wilden Takte!
Trommel, Trommel
Arme im Gras ausgebreitet, feuchte
Handflächen in Handflächen
Deine Augen, deine Leuchten… (Trommel!)
Und die Sterne zeichnen… (Trommel!)
Schlag! Schlag! Schlag! Schlag die wilden Takte!
Wilde Takte! Wilde Takte!

Schlag, Trommel der Trauer
Und der Körper hat geschrien
Er trommelt wieder
Über weltweite Trauer
Schlag, Trommel der Trauer
Und das Herz hat geschrien
Sanft berühre ich die Wunde,

Schlag! Schlag, Trommel der Trauer!
Und dein Körper hat geschrien
Schlag, schlag, schlag, schlag
Schlag, schlag, schlag, schlag

Schlag, Trommel der Trauer!
Und mein Herz hat geschrien
Schlag, schlag, schlag, schlag
Schlag, schlag, schlag, schlag

Schlag, schlag, schlag
Schlag, Trommel
Schlag, schlag, schlag, schlag
Schlag, schlag, schlag
Trotz der Wunden
An meinen Handflächen
Blühen Mohnblumen auf dem Feld
Die Sterne leuchten silbern
Heb deinen Streitkolben, Hsuptman
Schlag, schlag, schlag, schlag, Trommel Schlag, schlag, schlag, Trommel
Schlag, schlag! Die Welt ist zu klein
Klopf, Herz der Trauer
Riesigen Trommel
Deine Augen unter mir
Deine Brust und dein Körper
Arme im Gras ausgebreitet
Feuchte Handflächen
In deinen Handflächen
Schlag! Schlag, Trommel! Schlag!

Schlag, Trommel der Trauer!
Und dein Körper hat geschrien
Schlag, schlag, schlag, schlag
Schlag, schlag, schlag, schlag

Schlag, Trommel der Trauer!
Und mein Herz hat geschrien
Schlag, schlag, schlag, schlag
Schlag, schlag, schlag, schlag


Бий! Бий! Бий! Одбивай дикі такти!
Барабане, барабане
Руки в траві розкинуті, вогкі
І долоні у долонях
Очі свічада твої… (Барабан!)
І накреслюють зорі… (Барабан!)
Бий! Бий! Бий! Одбивай дикі такти!
Дикі такти! Дикі такти!

Бий, барабан печалі
І тіло прокричало
Він барабанить знову
Про світову печаль
Бий, барабан печалі
І серце прокричало
Ніжно торкаюсь рани

Бий! Бий, барабан печалі!
І тіло твоє прокричало
Бий, бий, бий, бий
Бий, бий, бий, бий

Бий, барабан печалі!
І серце моє прокричало
Бий, бий, бий, бий
Бий, бий, бий, бий

Бий, бий, бий
Бий, барабане
Бий, бий, бий, бий
Бий, бий, бий
Не зважаючи на рани
У долонях моїх
Зацвітуть маки в полі
Засяють сріблом зорі
Піднімай булаву, отамане
Бий, бий, бий, бий, барабане

Бий, бий, бий, барабане
Бий, бий! Світу замало
Стукай, серце печалі
Велетенському барабану
Очі твої піді мною
Перса і тіло твоє
Руки в траві розкинуті
Вогкі долоні
У долонях твоїх
Бий! Бий, барабан!

Бий! Бий, барабан печалі!
І тіло твоє прокричало
Бий, бий, бий, бий
Бий, бий, бий, бий

Бий, барабан печалі!
І серце моє прокричало
Бий, бий, бий, бий
Бий, бий, бий, бий

Krieg um den Staat | Vitaliy Portnikov. 16.07.24.

25:10 Korrespondentin. Es stellt sich heraus, dass Diktaturen jetzt proaktiv sind. Sie sind einen Schritt voraus, sie heizen Konflikte an. Die sogenannte westliche Welt reagiert darauf. Aber wenn die Situation eskaliert, und wir sehen, dass die westliche Welt, um eine Entscheidung zu treffen, den Kongress überzeugen muss, sich beraten muss. Und Kim Jong-un kommt zu Putin, und dann rollen Züge von Waffen. Wie können Demokratien in einem solchen Kräfteverhältnis überleben, in dem sie nicht proaktiv sind und Tyranneien proaktiv sind?

Portnikov. Kennen Sie eine historische Periode, in der Demokratien proaktiv waren und Diktaturen nicht? Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, wollten die Vereinigten Staaten nicht an ihm teilnehmen. Als die Japaner Pearl Harbor angriffen, war es Japan, das den Vereinigten Staaten den Krieg erklärte, nicht die Vereinigten Staaten dem Japan. Mehr noch. Im Oval Office von Präsident Franklin Roosevelt wurde die Frage diskutiert, ob man Deutschland den Krieg erklären sollte. Man entschied sich dagegen, weil die Vereinigten Staaten nicht in den europäischen Krieg verwickelt werden sollten. Es war Deutschland, das den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg erklärt hat. Und nun stellt sich immer die Frage, was passiert wäre, wenn Adolf Hitler klüger gewesen wäre und nicht den Krieg erklärt hätte. Dann wären die Vereinigten Staaten nicht auf dem europäischen Kriegsschauplatz gewesen. Sie hätten sich höchstwahrscheinlich nicht beteiligt, und Deutschland hätte durch die Hände Großbritanniens und der Sowjetunion zerstört werden müssen. Ich denke, dass Deutschland angesichts seines damaligen demografischen Potenzials im Vergleich zum demographischen Potenzial der Sowjetunion trotzdem untergegangen wäre. Aber es hätte sich herausstellen können, dass nicht so viele Menschen in diesem Raum heute gewesen wären wie jetzt. Denn wir hätten einfach weitere 10-15 Millionen Leichen gebraucht um deutsche Soldaten an die Ostfront zuzuschmeißen. Und wir müssen auch verstehen, dass wir heute vielleicht gerade deshalb hier sind, weil Adolf Hitler sich geäußert und gesagt hat, dass er den Vereinigten Staaten von Amerika den Krieg erklärt und damit den Verlauf des Krieges verändert hat, indem er ein Instrument benutzt hat, um einen anderen wichtigen Akteur ins Krieg einzubeziehen. Übrigens, als nach dem Pariser Abkommen von 1973 zwischen den Vereinigten Staaten und der Demokratischen Republik Vietnam die vietnamesischen Kommunisten das Abkommen verletzten und zwei Jahre später in Südvietnam einmarschierten, forderten Präsident Gerald Ford und Außenminister Henry Kissinger den Kongress auf, Südvietnam zu helfen. Und der Kongress hat einfach nicht abgestimmt, und Südvietnam wurde nicht gerettet. Henry Kissinger hätte sich danach erschießen müssen, er lebte aber noch weitere fünfzig Jahre, und das nicht schlecht.

Korrespondentin. Es zeigt sich also, dass es keinen Ausweg gibt. Demokratien sind immer reaktiv, nicht proaktiv. Haben Sie also eine realistische Einschätzung, ob sie diesen Kampf überleben werden, und wenn ja, worauf stützt sich diese Einschätzung?

Portnikov. Demokratien können aus einem einfachen Grund nicht proaktiv reagieren. Sie sind Wahlsysteme. Ein Politiker in einer Demokratie kann seinen Bürgern niemals sagen: Wir ziehen in den Krieg. Er sagt immer: Wir verteidigen unsere Werte, unseren Staat. Wir verteidigen, wir greifen nicht an. Ein Politiker in einer Diktatur verteidigt sich ebenfalls. Er sagt seinen Landsleuten nur, dass dies eine Verteidigung ist. Sie glauben es entweder oder werden gezwungen, es zu glauben. Sie haben keine andere Wahl, weil sie niemanden wählen. Putin kann so lange Präsident von Russland sein, wie er will. In der Volksrepublik China gab es noch nie Wahlen. Was immer die Führung der Kommunistischen Partei Chinas beschließt, das geschieht. Sie haben also viel mehr Handlungsfreiheit. Übrigens, wenn man einen großen Krieg anzetteln will, auch das zeigen die Erfahrungen von Putins Russland, Hitler-Deutschland und dem faschistischen Italien, muss man zuerst die Demokratie begraben, damit man mit freier Hand handeln kann. Und das war für mich immer interessant, auch in den 90er Jahren, denn mir war völlig klar, dass Russland niemals damit einverstanden sein würde, in den Grenzen zu existieren, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion übrig geblieben waren. Aber wie bereitet man die russischen Gesellschaften auf einen Krieg vor, wenn sie gar nicht kämpfen wollen, wenn sie sich innerhalb dieser Grenzen völlig wohl fühlen, wenn sie die neue politische Realität bereits akzeptiert haben? Wie kann man den Russen erklären, dass alles getan werden sollte, um die Grenzen der Sowjetunion wiederherzustellen? Ganz einfach. Der erste Tschetschenien-Krieg, Terrorismus, Bombenanschläge auf Häuser, der zweite Tschetschenien-Krieg. Und schon haben wir eine völlig andere Gesellschaft. Die Zerstörung unabhängiger Medien, die Zerstörung unabhängiger Politik, Partei geeintes Russland, all das war nicht nur eine Vorbereitung auf die Alleinherrschaft, es ist eine Vorbereitung auf den Krieg. Ich erinnere mich noch gut daran, dass wir vor dem ersten Tschetschenienkrieg im Ostankino-Studio in der damals beliebten Sendung des Presseclubs, die von der berühmten russischen Journalistin Kira Proschotinskaja moderiert wurde, saßen. Plötzlich wurde eine der Geschichten gebracht, wie arme Russen von Tschetschenen versklavt wurden. Ich glaube nicht, dass die Lage in Tschetschenien damals schon so akut war. Tschetschenien hat seine Souveränität erklärt, aber damals haben viele russische Republiken ihre Souveränität erklärt, Russland hat ein Abkommen mit Tatarstan geschlossen, und das hat nicht zum Krieg geführt. Die Geschichte wurde gezeigt, und alle reagieren emotional, wie immer: Wir müssen hingehen und dort die Ordnung wiederherstellen. Und aufgrund meiner journalistischen Erfahrung im Nahen Osten und auf dem Balkan könnte ich sagen, dass es nicht nur darum geht, dass eine Gruppe, eine kriminelle Gruppe, einen Menschen entführt hat und ihn irgendwo für Hausarbeiten einsetzt, wenn man es so sieht. Denn das kann überall passieren, mit jedem Kriminellen, egal welcher Herkunft, nicht unbedingt tschetschenisch, und der Geisel soll nicht unbedingt ein Russe sein, sondern auch ein Tadschike, oder selbst ein Tschetschene. Es kommt auf die Beziehung zwischen einer Verbrecherorganisation und Menschen an. Es ist klar, dass wir die Kriminalität bekämpfen müssen, aber warum sollten wir sie nach Nationalität und Territorium benennen, wenn so etwas passiert? Sie wissen, dass es später in Russland eine berühmte Geschichte über das Dorf Kuschtschowskaja in der Region Krasnodar gab, wo es definitiv nur Russen gab, die die ganze Stadt in die Sklaverei führten, bis zu dem Punkt, an dem sie ein Berufsschulwohnheim in ein Bordell verwandelten. Sie kamen um mit diesen Mädchen zu schlafen, sie töteten Menschen, sie töteten eine ganze Familie von 15 Personen. Und das Wichtigste: Als sie verhaftet wurden, versuchten die Leute, die dort lebten, sie zu decken, sie wollten nicht gegen sie aussagen, weil sie ihre Herren waren. Und das war so eine tschetschenische Geschichte. Und ich sagte, das es sehr gefährlich ist, wenn man anfängt, diese Situation so zu eskalieren, dann wird man alle Errungenschaften, die Russland, relativ gesehen, im August 1991 gemacht hat, Demokratie, Pressefreiheit, normale Entwicklung, Perspektiven, all das wird enden. Sie werden nur noch an diesem blutigen Haken des Kaukasus hängen. Und die Moderatorin sagte zu mir: „Schüchtern Sie uns nicht ein, Vitaly“. Und diesen Satz habe ich mir für den Rest meines Lebens gemerkt, „schüchtern Sie uns nicht ein“. Denn als ich ihn hörte, sah ich zunächst einmal eine Mauer zwischen mir und all diesen Menschen, dass diese Mauer bereits da war, dass wir Ausländer waren, dass sie die Realität nicht mehr so wahrnahmen wie ich. Das war, würde ich sagen, die Creme de la Creme des russischen Journalismus und des öffentlichen Lebens. Und zweitens, weil ich erkannte, dass sie nicht aufhören würden, dass sie moralisch vorbereitet waren, dass dies alles ihre Vorbereitung war, und ich sah nur diese ersten Regentropfen, die dann zu einem Sturm werden. Und das ist die Antwort auf Ihre Frage. Übrigens wissen Sie, dass es in Deutschland in den 1930er Jahren genau so war, der Brandanschlag auf den Reichstag, die Kristallnacht, politische Provokationen. Und dann war die deutsche Gesellschaft bereit für den Krieg, eine Gesellschaft, die Angst vor dem Krieg hatte, weil sie den Ersten Weltkrieg erlebt hatte.

Korrespondentin. Sehen Sie, es gab so viele Anzeichen dafür, dass Russland seine aggressive Politik fortsetzen würde und es schließlich zu einem Krieg kommen würde. Und nicht nur in den 90er und 2000er Jahren. Unsere Geschichte lehrt uns, dass Russland versucht, die Ukraine zu übernehmen, sie zu kolonisieren, sie wieder anzugreifen. Trotzdem war der 24. Februar 2022 für viele Ukrainer eine Überraschung. Es war ein Schock. Ich meine, so etwas darf nicht passieren. Und wie können wir in Zukunft, wenn unsere Staatlichkeit erhalten bleibt, nicht wieder in diese Falle tappen? Wie können wir nicht daran glauben, dass Russland uns im 22. Jahrhundert nicht angreifen kann?

Portnikov. Oder im 24. Jahrhundert. Das hängt zum ersten Mal davon ab, wie die Bevölkerung, die nach dem Krieg auf dem Territorium der Ukraine verbleibt, sich selbst wahrnehmen wird, was für eine Bevölkerung es sein wird. Denn das Beispiel Georgien zeigt, dass die Menschen einen Wunsch haben können, einen Wunsch nach Frieden. Der Hauptgedanke wird sein, dass wir uns mit Russland auf eine Koexistenz einigen müssen. Wenn der Westen versagt hat, uns zu schützen, der Krieg begann, und wir nun keine normalen Sicherheitsgarantien erhalten, dann müssen wir auf Russland hören. Und das kann zu einer ziemlich schwierigen Situation führen, wenn wir formell unsere Staatlichkeit behalten, die Ukraine aber nicht. Kann das passieren? Es kann passieren. Ich denke aber, dass wir auf jeden Fall jetzt darüber nachdenken müssen, wie wir unsere Staatlichkeit bewahren können, und dann die folgenden Probleme lösen. Aber die Tatsache, dass eine solche Situation eintreten kann, scheint mir ganz offensichtlich zu sein, absolut. Und es wird auch davon abhängen, wie unsere Situation nach dem Krieg aussieht. Wenn wir in der Europäischen Union sein werden und Russland zunehmend von China beeinflusst wird, ist das eine Geschichte. Wenn wir nicht in der Europäischen Union sein werden, werden wir zwischen Russland und dem Westen bleiben. Und Russland wird sich als unabhängige Kraft im postsowjetischen Raum positionieren, einfach weil wir nirgendwo hinkommen werden, und andere ehemalige Sowjetrepubliken werden davor eingeschüchtert, selbst wenn sie besondere Beziehungen zu China haben. Dies ist eine andere Geschichte. Es gibt also viele Möglichkeiten. Ich weiß nicht, inwieweit sich die Meinung der Menschen ändern wird, denn wir befinden uns in einer Zeit des Krieges, und im Großen und Ganzen ist es ein großer Schock. Nach dem Krieg werden wir etwas verstehen. Wenn ich also ständig soziologische Zahlen höre, glaube ich ihnen nicht. Denn ich sage immer wieder, dass sich die ukrainische Nachkriegsgesellschaft von der Kriegsgesellschaft unterscheiden wird, genau wie die Kriegsgesellschaft sich von der Vorkriegsgesellschaft unterscheidet. Es sind drei verschiedene Gesellschaften, und wir wissen nicht, wie die Nachkriegsgesellschaft aussehen wird. Wir wissen nicht einmal, wer in dieser Gesellschaft einen Platz haben wird und wer nicht. Wir wissen nicht, welche Entscheidung diese Gesellschaft treffen wird. Denn sie wird traumatisiert sein, sie wird frustriert sein und sie wird enttäuscht sein. Sehen Sie, wir nehmen vieles durch die Mythen der Vergangenheit wahr. Wir haben nicht in einer echten Kriegszeit gelebt. Für uns ist es eine absolut offensichtliche Tatsache, dass, relativ gesehen, am 8. Mai 1945, als der Krieg zu Ende ging, alle unglaublich glücklich waren, weinten, lachten, sich umarmten.

Korrespondentin. Etwa 15 Minuten lang.

Portnikov. Können Sie sich vorstellen, was mit den Menschen am nächsten Tag geschah? Was geschah nach dem Krieg? Sowohl in Europa als auch in der Sowjetunion? Wie lebten die Menschen in Eisenbahnwaggons auf Bahnhöfen in deutschen Städten oder einfach in Unterständen in der Sowjetunion? Wie war es in den Trümmern? Wie glücklich sich die Menschen fühlten, das weiß ich nicht, das ist eine große Frage. Und wie haben sich die Menschen gefühlt, die sich in einem Gebiet befanden, das nicht unmittelbar vom Krieg betroffen war? Auch das ist ein riesiges Gebiet, zumindest in der Sowjetunion. Und die Menschen, die in dem Gebiet lebten, das der Krieg zerrissen hatte. Hier liegt eine Stadt in Trümmern, die man nicht betreten darf, und woanders, sagen wir in Taschkent oder Tiflis gibt es auch Verluste und Trauer, aber das sind Städte, die nicht zerbombt oder zerstört wurden, das ist eine ganz andere Geschichte. Jeder von Ihnen kennt seine Familiengeschichte aus der Nachkriegszeit, und die ist nicht glücklich. Das Glück beginnt etwa 15 Jahre später. Warum war die Breschnew-Ära für die Sowjetbürger so glücklich, dass sie sich immer noch daran erinnern? Weil es fast 20 Jahre nach dem Krieg war. Damals konnte man einfach endlich ohne Angst leben.

Korrespondentin. Jetzt frage ich mich, ob es Menschen in diesem Raum gibt, die auf diese glückliche Zeit erleben werden.

Portnikov. Ich will damit nur sagen, dass es irgendwann nachlässt. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es eine Generation gab, die den ersten Weltkrieg beendet und den Krieg 1939 wieder begonnen hat. Und das war die Generation meiner Großeltern. Meine Großmutter wurde kurz vor 1917 geboren. Sie wurde im Ersten Weltkrieg geboren. Dann die Oktoberrevolution. Unser Haus in Podil steht noch irgendwo, es wurde uns weggenommen, und die ganze große Familie wurde in ein Zimmer gesteckt. Dann die Hungersnot, der Zweite Weltkrieg, nicht nach Kyiv fahren zu dürfen, Hunger, Hunger, und schließlich, in den 60er Jahren, haben wir es endlich geschafft, mehr oder weniger zu leben. Und wie alt war solcher Mensch zu dem Zeitpunkt? 50 Jahre alt? Wir wissen jetzt, dass wir nach dem Krieg nicht in einem Land mit glücklichen Menschen leben werden. Und wir müssen darüber nachdenken, wie wir diesen Menschen erklären können, wie wichtig der Wiederaufbau des Landes für die Zukunft ist. Von sich aus, aus eigenem Antrieb, denn die Sowjetunion könnte ihnen einfach befehlen, aufzubauen und das war’s dann. Aber das können wir nicht tun, wir leben in einer demokratischen Welt.

Korrespondentin. Nun, ein Land mit unglücklichen Menschen ist sofort ein fruchtbarer Boden für die Entwicklung der friedensbewegten Parteien, für Populismus und radikale Bewegungen und vieles mehr. Es stellt sich heraus, dass die Zukunft nach dem Krieg absolut terra incognita ist, weil wir nicht einmal den Zeitrahmen kennen. Es wird vielleicht 2030, 2040, 2028 sein, wir wissen es nicht. Aber dennoch, was können wir aus den Erfahrungen, die wir in diesen 10 Jahren bereits gemacht haben, lernen? Was ist die wichtigste Lehre, die wir zumindest in dieser Phase ziehen können?

Portnikov. Zumindest müssen wir uns einer einfachen Sache bewusst werden: dass dieses Land nur dann Sinn macht, wenn es ukrainisch ist. Denn immer, wenn wir wieder anfangen, diese kulturellen Diskussionen zu führen, muss man sich fragen, wofür die Menschen sterben, wofür sie leiden, warum sie keine Perspektive haben, wofür? Nur für ein bestimmtes Territorium, für eine Grenze, die mit Josef Stalins Bleistift auf einer geografischen Karte eingezeichnet wurde? Nein, ich habe den Eindruck, dass die Menschen für die Ukraine kämpfen, dafür, dass die Ukrainer Ukrainer bleiben und als Ukrainer am Aufbau des europäischen Projekts teilnehmen können, von dem ich auch hoffe, dass es all diese Winde überstehen wird. Und das ist eine wichtige Sache, das ist das Bewusstsein der Öffentlichkeit für diese Aufgabe. Das ist die staatliche Politik. Das ist, wissen Sie, ein positives Identitätsprogramm. Ich habe große Angst vor Identitäten, die auf Ressentiments basieren. Dass die Menschen Ukrainer werden und Ukrainisch sprechen, nur weil sie das Verhalten Russlands nicht akzeptieren.

Korrespondentin. Aber so funktioniert das. Ich denke, es öffnet die Augen für den Grund der früheren pro-russischen Erfahrung. Warum habe ich Russisch gesprochen? Weil ich nicht einmal den Namen meines Ururgroßvaters kenne und es keine Geschichte gibt, weil sie alle ermordet wurden, weshalb mein Urgroßvater ukrainisch und ich russisch gesprochen habe. Und genau das passiert jetzt an dieser Kreuzung. Nicht, weil ich wütend auf Russland bin, weil es mich bombardiert hat, sondern weil ich verstanden habe, warum ich Russisch spreche, weil meine Vorfahren das Gleiche durchgemacht haben, was ich jetzt durchmache.

Portnikov. Aber dann würde man nicht zum Russischen zurückkehren, sobald es etwas einfacher wird, wenn man es so betrachtet, spricht man weiterhin Ukrainisch, und wenn man zum Russischen zurückkehrt, weil es für einen leichter und einfacher ist, und man mit dieser Kultur und Zivilisation nicht viel gemeinsam hat, bedeutet das, dass man nur beleidigt war und nur reagiert hat, dass dies eine reaktive Zivilisation ist. Und die Zivilisation aus Liebe kommt aus innerer Selbsterkenntnis. Ich weiß das aus meiner eigenen nationalen Erfahrung, denn ich gehöre zu einer Generation von Menschen, die sich durch ihre Großeltern als Juden fühlten. Nicht nur, weil wir so erzogen wurden, sondern weil wir uns dafür interessiert haben. Und als ich in den postsowjetischen Jahren zum ersten Mal zu einem jüdischen Feiertag kam, dachte ich: Mein Gott, es gibt so viele Juden in meinem Alter. Es gibt sie überhaupt. Und sie sind alle gleichermaßen an eigenen Traditionen, eigenen Liedern interessiert. Ich meine, es war einfach eine unglaubliche Entdeckung für mich, dass es viele Menschen gibt, die genauso fühlen wie ich. Aber meine Großmütter und ihre Schwestern fühlten genauso. Mit ihnen konnte ich leicht darüber reden. Aber es gab die Generation meiner Eltern. Diese Generation von Menschen, und damit meine ich nicht einmal meine eigenen Eltern, sondern die Generation aus dieser Zeit, die Angst hatten, die do erzogen wurden, die Angst vor all dem hatten, weil sie unter den Bedingungen dieses Ausbruchs von Antisemitismus während der stalinistischen Ära aufgewachsen sind. Und sie haben sich nur dann als Juden wahrgenommen, wenn sie als Juden beschimpft wurden. Und sobald ihre jüdische Herkunft in Vergessenheit geriet, waren sie sofort bereit, sie selbst zu vergessen, wenn sich die Gelegenheit dazu bot. Und das sind verschiedene Arten von Identität. Denn die Leute sagen immer zu mir: Warum erwähnst du deine jüdische Herkunft? Und das ist so, weil ich mich so fühle. Es ist nicht, weil mich jemand wegen meiner jüdischen Herkunft beleidigt. Ich bin in der Ukraine nur wenige Male in meinem Leben auf Anzeichen von Antisemitismus gestoßen. Ich kann nicht sagen, dass ich hier gelebt habe und beleidigt wurde, und dass ich deshalb beweisen wollte, dass ich tatsächlich jüdischer Herkunft bin. Nein, ich fühle mich hier absolut wohl. Aber es ist einfach ein Teil meiner Identität. Genauso wie ich immer wieder erlebt habe, dass Ukrainer sagen, dass sie Ukrainer sind, nicht weil ihnen das vorgeworfen wurde, sondern weil sie sich einfach so fühlen. Und das beginnt mit dieser positiven Selbstwahrnehmung. Aber auch dafür braucht es eine staatliche Politik. Damit der Staat erklären kann, dass es sich nicht um eine dörfliche Kultur, nicht um eine ländliche Nation handelt, dass Ukrainer zu sein nicht demütigend ist. Denn das Imperium hat immer erklärt, was man zu tun hat, wenn man jemand sein will, nicht durch den Schlamm waten soll. An die Moskauer Universität? An das Bolschoi-Theater? Stellen Sie sich vor, wir haben hier eine Kyiver Oper mit Sängern, die in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus zum Goldschatz der Weltoper gehörten. Fast niemand erwähnte dies jemals. Man hat immer geglaubt, dass die Ukraine nur Volkslieder, Volkskultur und Folklore präsentieren kann. Und wenn Sie sich weiter von der Folklore entfernen, dann singen Sie in Moskau oder St. Petersburg. Kommen Sie nicht hierher zurück. Natürlich wandern Opernsänger durch die ganze Welt. Aber die Idee war, dass man, wenn man von hier ausbricht, nicht hierher zurückkommen sollte, es ist ein niedrigeres Niveau. Und erst jetzt beginnen wir zu verstehen, dass die Ukraine ein europäisches Land wie jedes andere ist. Dass wir klassische Musik haben, dass wir Opern und Ballette haben, dass wir Malerei haben, dass wir Architektur haben, dass wir eine lange Geschichte der Literatur haben. Dass wir all das haben, wie alle anderen auch, und die ganze Zeit hat man versucht, uns zu erklären, dass wir das alles nicht haben. Und dass alles, was auf Ukrainisch gemacht wird, dazu da ist, das Dorf und die Ernte zu beschreiben.

Korrespondentin. Man kann auch Lieder über die Liebe singen.

Portnikov. Nun, Liebeslieder sind natürlich schön, das kann jeder. Jemand auf Awarisch, jemand auf Ukrainisch, jemand auf Georgisch, sollen sie für uns singen. Und man sieht, dass die Russen das immer noch als eine Idee, als ein Stereotyp des Denkens haben. Sie sind absolut unfähig, beispielsweise den Wert des Territoriums, auf dem sie leben, zu erkennen. Ich war nie in der Lage, mit meinen russischen Kollegen über die Völker Russlands zu sprechen. Selbst jetzt muss ich, um ein Gespräch über die Völker Russlands zu führen, mit einem russischen Journalisten nichtrussischer Herkunft sprechen, weil wir über eine politische Nation sprechen. Aber man beginnt sich zu fragen, was mit den Völkern Russlands geschieht, nur wenn man Tatare, Tuwiner, Burjaten, Nicht-Russe ist. Ich muss Ihnen sagen, dass ich der erste Journalist in Russland war, der in den späten 80er und frühen 90er Jahren über die politischen Prozesse in den russischen Republiken zu schreiben begann. Keiner meiner Kollegen war daran interessiert. Ich beschäftigte mich mit der Ukraine, und ich hätte mich auch nicht dafür interessieren sollen. Aber es war einfach wichtig für mich, zu verstehen, was dort geschah. Als ich merkte, dass ich einfach nicht mehr mithalten konnte, weil in der Ukraine und in anderen Sowjetrepubliken solche Prozesse begonnen hatten, suchte ich nach einer Person, die mich in diesem Bereich, in diesen Texten, ablösen konnte. Natürlich war diese Person ein gebürtiger Tatare. Einen Russen habe ich nicht gefunden. Das ist die Antwort auf die Frage. Deshalb ist es für uns sehr wichtig, einen autarken Staat und eine autarke Gesellschaft aufzubauen. Stattdessen versuchen wir, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie keine russischen Bücher lesen, keine russischen Lieder hören und sich nicht für russische Blogger interessieren müssen. Dies ist eine Volge des Krieges, der definitiv enden wird, und die Menschen werden zu all diesen Büchern und Liedern zurückkehren, wenn wir ihnen nicht eine einfache Sache zeigen: Wir haben unsere eigene. Seht und hört euch an, was immer ihr wollt. Aber die Frage ist, dass, wie in jedem normalen Land, das eigene zuerst kommt und dann das der anderen. Wenn man anfängt, zwischen dem Eigenen und dem Fremden zu unterscheiden, dann hat man zumindest eine objektive Einschätzung der Realität, wenn man versteht, dass man auf Ukrainisch über alles reden kann. Wir befinden uns in einem Land, in dem es bis vor kurzem keinen internationalen Journalismus, keine Schulbücher und keine ausreichende wissenschaftlichen Informationen gab. Man gab vor, die ukrainische Sprache sei nicht in der Lage, all dies auszudrücken. Alles ist nur auf Russisch möglich. Nun, natürlich. Wie könnte es anders sein? Vor fünf Jahren konnte man hören, dass es unmöglich wäre, russische Fernsehserien ins Ukrainische zu synchronisieren, weil es lächerlich klang.

Korrespondentin. Es klingt wirklich lächerlich.

Portnikov: Und wenn die verstorbene Frau Zavaratnyuk in der Fernsehserie, die damals bei allen Ukrainern beliebt war, in einer Art Surzhyk sprach, war das nicht lustig, sondern sehr würdevoll. Denken Sie einfach darüber nach. Dies ist auch ein Signal, den man sendet, „die hierher kommt, um uns zu bedienen und unseren Kindern die Füße und Hände zu waschen. Das sind Ukrainer, arme, unglückliche Menschen, wir sind reich hier in Moskau, und sie sind arm, sie werden uns jetzt dienen.“ Das war nicht zu Sowjetzeiten, das war in unserer Zeit.

Korrespondentin. Unsere wichtigste Lektion ist also, dass die Ukraine als unabhängiger Staat nur existieren kann, solange sie im Sinne einer ukrainischen politischen Nation ukrainisch bleibt, und wir verstehen bereits, dass wir keine Monokultur sind und dass Vertreter anderer ethnischer Gruppen Teil der ukrainischen politischen Nation sind.

Portnikov. Natürlich, aber eine politische Nation ist eine Nation, die die Rechte von Minderheiten und Gemeinschaften respektiert, das ist eine ganz normale Situation. Deshalb sind die Russen keine politische Nation, weil sie es nicht respektieren. In der Ukraine ist das ganz anders, oder zumindest sollte es so sein. Und das ist auch die Vielfalt unseres kulturellen Weltbildes. Und wir verstehen, was uns gehört und was uns nicht gehört. Und jetzt wird es zunehmend verstanden. Aber wenn wir über die ukrainische Kultur im Allgemeinen sprechen, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass wir in Kyiv ein Denkmal für Sholem Aleichem haben, weil Sholem Aleichem ein jüdischer Schriftsteller war, der über die Realitäten des ukrainischen Landes schrieb. Er hat hier geschrieben und in Kyiv gelebt. Aber in Moskau gibt es Denkmäler für Schewtschenko und Lesja Ukrainka. Denn für sie sind es Menschen, die über einen Teil ihrer Zivilisation geschrieben haben. Und was für uns wahr ist, ist für sie eine Lüge, sie haben das alles nicht ohne Grund dort aufgestellt. Denn wir denken immer, dass das Schewtschenko-Denkmal aus Respekt vor uns steht. Nein, das Schewtschenko-Denkmal in Moskau ist eine ganz andere Kennzeichnung. Das ist wie in den sowjetischen Lehrbüchern über russische Literatur, das haben Sie vielleicht schon alles vergessen, aber Schewtschenko war da. Als einer der russischen Schriftsteller. Das heißt, sie haben die Leute indoktrinierte. Ja, natürlich.

Korrespondentin. Hören Sie, in Ihren Lehrbüchern haben Sie ein unvergessliches Gespräch mit Latynina, wo sie sich an die Sprache erinnert, in der Schewtschenko Tagebücher schrieb. Sie ziehen an diesem Band und werden es so lange ziehen, bis dieses imperiale Denken ausradiert ist. Und wann wird es ausgelöscht werden? Es ist unwahrscheinlich, dass wir es sehen werden.

Portnikov. Ich immer überrascht, wenn Leute anfangen zu analysieren, was für Dinge sie in welcher Sprache über ein Schriftsteller oder eine kulturelle Figur geschrieben haben. Schewtschenko hat nicht nur Tagebücher auf Russisch geschrieben. Er hat mehrere Prosawerke verfasst. Wir könnten dies erwähnen, aber wir verstehen, dass es ein Versuch war. Deshalb ist Schewtschenko ein ukrainischer Schriftsteller und kein russischer, denn er experimentierte mit der russischen Sprache, und es war ganz offensichtlich, dass er dabei das verlor, was ihn zu Taras Schewtschenko machte. Im Prinzip war es ein sehr gutes Experiment.

Korrespondentin. Die Ukraine verliert sich selbst, wenn sie ins Russische wechselt.

Portnikov. Ich würde sagen, diese Essenz, dieses Brennen. Und das ist übrigens das, was ich aus Jabatynskys Artikel zitiert habe. Jabatynsky führt als Beispiel auch einen italienischen Dichter an, der im römischen Dialekt schrieb, und als er zum literarischen Italienisch wechselte, ging alles verloren. Warum schreiben die Menschen weiterhin in ihren eigenen kleinen Sprachen, obwohl sie die Sprache des Landes, in dem sie leben, vollständig beherrschen? Warum hat Friedrich Mistral auf Provenzalisch geschrieben, als es praktisch keine Muttersprachler dieser Sprache gab, und ist Nobelpreisträger geworden? Weil man auf diese Weise seine Seele vermitteln kann. Es ist kein Buchhaltungsbuch. Und ich denke, das ist auch völlig klar. Ich gestehe Ihnen, dass ich meine Tagebücher schon als Kind geschrieben habe. Ich habe mit 12 Jahren angefangen, auf Russisch zu schreiben, und mit 14 bin ich auf Ukrainisch umgestiegen. Es hat sich einfach herausgestellt, dass das Ukrainische für meine Gespräche mit mir selbst besser geeignet war als das Russische. Niemand hat mich davon überzeugt, dass ich mein Tagebuch auf Ukrainisch schreiben sollte. Das waren nur ein paar kindische Gedanken, wie Sie sich vorstellen können. Ich ging dorthin, tat dies, dachte über jenes nach. Und irgendwie hat sich das natürlich ins Ukrainische übertragen. Und ich bin in meinen Tagebüchern nie wieder zum Russischen zurückgekehrt, so lange ich sie geführt habe, obwohl ich schon seit Jahren in Moskau gelebt habe. Ich wusste nicht einmal, wie. Ich schrieb Artikel auf Russisch, aber als ich mein Tagebuch nahm und versuchte, etwas auf Russisch zu schreiben, scheiterte ich. Es stellte sich heraus, dass ich mit mir selbst nicht Russisch sprechen konnte. Das ist eine phänomenale Sache. Und Schewtschenko konnte sein Tagebuch auf Russisch schreiben, weil er sich in einer Gesellschaft befand, mit der er intern kommunizierte, und er konnte auch glauben, dass er mit dieser Gesellschaft auf Russisch sprach, aber das ist keine Kreativität.

Korrespondentin. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die eigentliche Aufgabe darin besteht, die ukrainische Staatlichkeit zu bewahren, und dann das Ukrainische in dieser ukrainischen Staatlichkeit zu bewahren, und dann werden wir der Meinung sein, dass wir mehr oder weniger erfolgreich waren.

Damit möchte ich das Wort an das Publikum weitergeben, und ich bin sicher, dass wir Fragen von den Zuhörern haben werden – heben Sie die Hand, wenn Sie sie stellen möchten.

Frage. Was bedeutet eigentlich Ukrainischsein? Wir reden die ganze Zeit darüber, viele Menschen reden darüber. Ist es überhaupt ein ethnisches Konzept, oder kann es ein politisches sein? Ist er nicht zu eng gefasst? Denn früher dachte ich, wenn man von Ukrainischsein spricht, bedeutet das eine Person mit einem bestickten Hemd, die die Volkstraditionen kennt und respektiert und so weiter. Es gibt eine Wand, mit Fotos von Ukrainern aus dem Honchar-Museum, und es war eine Assoziation des Ukrainischseins. Ich frage mich immer wieder: Ist das ein ethnisches Konzept oder ein politisches Konzept, und wenn es politisch ist, wie drückt es sich aus?

Portnikov. Ich denke, dass dies nicht einmal eine politische Frage ist, sondern eine gesellschaftliche, es ist eine Frage der Selbstidentifikation. Und es ist völlig klar, dass die Ukrainer seit Jahrhunderten als ein ethnisches Projekt erhalten geblieben sind. Es gab übrigens keine andere Möglichkeit, sich zu erhalten. Denn wenn man versucht hat, eine politische Nation zu werden, hat man sich einfach im Reich aufgelöst. Und fast alle Völker des russischen Reiches waren ethnische Projekte. Ich habe einmal einen Artikel in der Zeitschrift Sovremennist geschrieben, ich glaube, es war 1991, mit dem Titel Der ukrainische Jude als seltener Vogel. Es war ein Essay mit der einfachen Idee, wie sich ein ukrainischer Jude von, sagen wir, einem polnischen Juden unterscheidet. Ein polnischer Jude kennt in der Regel die nationalen jüdischen Traditionen, ob er nun religiös ist oder nicht. Er kann Jiddisch oder auch nicht, aber er ist gut mit der polnischen Kultur vertraut und spricht Polnisch. Das ist der typische polnische Jude, so wie ihn die Polen wahrnehmen. Schauen wir uns nun einen ukrainischen Juden an. Ein ukrainischer Jude kann auch jüdische Traditionen kennen, einer Gemeinde angehören oder einfach nur ein säkularer Mensch mit einer Erinnerung an seine nationale Herkunft sein. Aber in der Regel spricht er Russisch und kennt die russischen kulturellen Traditionen. Und der Ukrainer, den er trifft, spricht auch Russisch mit ihm. Und sie diskutieren gemeinsam über den Roman von Bulgakow. Und das ist es, was sie einander näher bringt. Denn der Ukrainer selbst befindet sich in seinem eigenen hermetischen Raum und will niemanden hereinlassen. Und der Jude befindet sich in einem hermetischen Raum. Und das ist übrigens kein Witz: Ich habe Ihnen einmal erzählt, dass ich vor kurzem einen Film mit dem berühmten ukrainischen Schauspieler Kola Jakowtschenko gesehen habe. Er lag schon seit vielen Jahren irgendwo in einer Schublade. Dieser Film war für mich nichts Besonderes, aber es gab ein Ende des Films, in dem eine Familie in einer gewöhnlichen Kyiver Wohnung sitzt und eine Romanze auf Ukrainisch singt. Und das sind berühmte sowjetische Schauspieler. Ich war wirklich überrascht, dass sie dort saßen und auf Ukrainisch sangen, denn ich hatte sie noch nie in solchen Rollen gesehen. Der Punkt ist, dass diese Szene für mich wie ein Blitzschlag vorkam. Ich kann erklären, warum. Weil ich es zum ersten Mal gesehen habe, ein einfaches Kyiver Familientreffen, bei dem Ukrainisch gesprochen und ukrainische Lieder gesungen werden. Weil ich mich an die Feiertage meiner Familie erinnerte, an denen die Leute zusammenkamen, eine große Familie von 20-25 Personen jüdischer Herkunft. Sie sangen jüdische Lieder und diskutierten über jüdische Themen. Und ich saß da als kleines Kind und dachte, dass in dieser Wohnung und in dieser Wohnung wahrscheinlich sowjetische Leute sitzen und über den Tag des Sieges singen. Und Gott bewahre, dass sie überhaupt wissen, dass wir so leben. Wir brauchen es ihnen gar nicht zu sagen, denn sie werden denken, dass wir seltsame Menschen sind. Und dann wurde mir plötzlich klar, dass sich hinter der Mauer eine ukrainische Familie befinden könnte. Und genau das ist wahrscheinlich passiert, mit einem ukrainischen Jungen, der dachte: @Da singen sie wohl über den Tag des Sieges. Gott, was für ein Horror, wir brauchen uns nicht einmal mit ihnen zu unterhalten. Wir werden sie treffen und sie fragen: Haben sie die letzte Ausgabe der Novij Mir gelesen?“ Das war eine Strategie der Selbsterhaltung. In der unabhängigen Ukraine soll das anders sein. Ich glaube, dass wir gerade deshalb eine politische Nation sind, weil das Ukrainische als Wert von Menschen mit unterschiedlichem ethnischen Hintergrund geteilt wird. Dies ist ein politisches und soziales Projekt. Ich habe das 2014 auf dem Maidan mit eigenen Augen gesehen. Ich habe diese Episode auch erzählt, als ich auf dem Maidan war, als das Konzert von Wakartschuk dort stattfand und er im letzten Moment die Hymne zu singen begann. Und ich stand neben meinen Kollegen, die 10, 15, 20 Jahre jünger sind als ich, jeder unterschiedlich. Und sie sangen die Hymne und weinten. Und ich, als jemand, der in der Sowjetunion aufgewachsen ist, dachte plötzlich: Es gibt keinen einzigen ethnischen Ukrainer unter ihnen. Und ich bin kein ethnischer Ukrainer. In dieser Gruppe von 5-6 Personen gibt es keine ethnischen Ukrainer, und sie singen die ukrainische Hymne, was, wie ich denke, bedeutet, dass ich endlich gesiegt habe. Ich könnte meinen eigenen Sieg mit eigenen Augen sehen, denn endlich gibt es eine politische Ukraine. Ein Mensch muss nicht ethnisch ukrainisch sein. Wenn man ein besticktes Hemd seiner Großmutter trägt, obwohl es wunderschön ist, versteht man, dass ein Jude oder ein Pole so ein besticktes Hemd nicht haben würde. Und diese Person empfindet genauso für dieses Land wie ein ethnischer Ukrainer. Das heißt, die Ukrainer sind über die Grenzen des ethnischen Projekts hinausgegangen. Und das ist übrigens vielen Menschen passiert, ich meine, auch den Ukrainern selbst , denn es gab viele Ukrainer, die nicht Teil dieses Projekts waren. Das ist das Wichtigste. Vor allem in den südlichen und östlichen Regionen unseres Landes. Dass wir es geschafft haben, das so zu machen. Und jetzt ist es für uns sehr wichtig, dass diese Zugehörigkeit nicht eine hasserfüllte Zugehörigkeit ist, sondern eine Zugehörigkeit des Selbstbewusstseins und der Liebe. Dass jemand ein Ukrainer sein will, ein politischer Ukrainer, ein gesellschaftlicher Ukrainer, weil er es einfach sein will, verstehen Sie? Nicht, weil er von den Russen mit ihren Angriffen beleidigt wurde. Nicht wegen der Reaktion, denn es war immer eine reaktive Zivilisation, die ganze Zeit über. Die Ukrainische Volksrepublik wurde nach dem Februar 1917 ausgerufen. Die Unabhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik wurde nach dem Staatsstreich vom Oktober 1917 ausgerufen. Die Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1991 wurde nach dem Staatsstreich vom August 1991 ausgerufen. All diese Veränderungen im ukrainischen Bewusstsein traten immer dann auf, wenn die Russen etwas taten, das die Ukrainer bedrohte. Das ist der Igel-Effekt.

Frage: In Bezug auf die Selbstidentifikation und die aktive Berufung auf alles Ukrainische, auf die Literatur, auf die Musik, auf das ukrainische Theater, sagen Sie, dass dies degradiert werden kann, das heißt, es kann wieder ins Russische zurückgehen. Vielleicht haben Sie in diesem Zusammenhang Gedanken, was zu tun ist. Ich, als Vertreter der Kultur und Kunst, was sollte Ihrer Meinung nach getan werden, um zu verhindern, dass die Menschen zum russischen Produkt zurückkehren? Wie sehen Sie das? Um diesen Rückschritt zu verhindern oder zu minimieren?

Portnikov. Ich denke, wir müssen arbeiten und der Staat muss arbeiten. Seit Jahren sagen wir, dass es mehr ukrainische Musik und mehr ukrainische Filme geben wird, wenn wir ukrainische Sendezeit quotieren. Und die Leute werden sich ukrainische Filme ansehen. Aber niemand hat uns geglaubt. Sie haben nicht verstanden, warum das überhaupt notwendig war. Sie wissen, wie es in den 90er Jahren war, als plötzlich sowohl die Printmedien als auch das Fernsehen auf Russisch umstellten, was in der Ukrainischen SSR überhaupt nicht der Fall war, denn auch dort gab es Russisch, aber es kam aus Moskau. Hier war es marginalisiert, aber ukrainisch. Und dann haben alle beschlossen, dass es der Markt ist. Und für mich war das übrigens ein großer Schlag. Denn ich hatte klar entschieden, dass ich mit Ukrainern Ukrainisch spreche. Und wenn ich etwas auf Russisch schreibe oder sage oder visuelle Produkte herstelle, dann ist das nicht für die Ukrainer. Es ist für den Teil der russischen Gesellschaft, der mich hören will, und für die Bewohner der ehemaligen Sowjetrepubliken, mit denen Russisch unsere Kommunikationssprache ist. Und die Ukrainer können mich auf Ukrainisch hören, weil sie es alle verstehen. Und dann stellte sich plötzlich heraus, dass es notwendig war, für ukrainische Zeitungen auf Russisch zu schreiben, weil es keine andere Sprache gab. Und für mich als Journalist einer ukrainischsprachigen Zeitung mit einer Millionenauflage in der Ukraine war das, ehrlich gesagt, eine Niederlage. Und ich habe immer wieder gesagt: Warum, was macht ihr? Versteht ihr nicht, dass es ganz anders sein muss, sonst verlieren wir… Und was nach 2014 begann, gab mir Recht.

Korrespondentin. Denn es war kein Markt, es war ein Krieg.

Portnikov. Nein, warum Krieg? Nach 2014 war es auch ein Markt. Sobald die Quoten eingeführt wurden, erschien die zeitgenössische ukrainische Musik in großer Zahl. Denn, um ehrlich zu sein, als ich aus Moskau nach Kyiv kam und das ukrainische Radio einschaltete, hatte ich den Eindruck, es sei Brjansk. Nicht einmal Moskau, sondern das Niveau von Brjansk und Kursk. Und ich habe nicht verstanden, warum. Und zur gleichen Zeit gingen Moskauer zum Konzert von Okean Elzy, obwohl sie auf Ukrainisch sangen. Und irgendwie ist dort niemandem die Krone abgefallen, in dem Publikum. Und niemand hat zu gesagt: Warum singt ihr ukrainisch? Philip Kirkorov singt Russz und macht das so gut. Nun, irgendwie ist es mit den Theatern dasselbe. Ich sage es noch einmal. Wir kennen die Geschichte der 60er, 70er 30 Jahrhunderts. Damals kamen Menschen aus Russland hierher, um Aufführungen der Kyiver Oper und des Franko-Theaters zu sehen. Damals waren es Reisen zu Theatern mit hohem kulturellem Niveau. Was geschah später? Wenn ein Moskauer Theater zu uns kam, gingen alle hin, man hat hatten sie ja im Kino gesehen. Und die Aufführungen waren schrecklich. Denn zu dieser Zeit waren die Moskauer Theater auf einem schrecklichen Niveau. Es war zum Verzweifeln. Deshalb habe ich übrigens für mich beschlossen, nicht in Kyiz zu leben. Denn wenn das armenische Theater, wo Khoren Abrahamyan damals der Hauptregie führte, oder das georgische akademische Theater, wo Sofiko Chaoreli noch spielte, uns besuchte, kam ich immer zu wunderbaren Aufführungen. Das waren tolle kulturelle Veranstaltungen. Und man konnte immer hingehen und sich hinsetzen, wo man wollte, denn die Kyiver gingen nicht zu diesen Veranstaltungen, sie waren nicht russisch.

Korrespondentin. Was kann man tun, um nicht in das innere Brjansk zurückzufallen?

Portnikov. Daran arbeiten. Wir müssen darauf hinarbeiten, dass der Staat versteht, wie wichtig es ist, Kunst, Kino und Museen zu unterstützen. Es ist auch wichtig, die Bedeutung der Freiheit der Kreativität zu verstehen, damit es sich um eine qualitativ hochwertige Arbeit handelt, wobei vor allem die Freiheit der Kreativität von großer Bedeutung ist. Staatliche Unterstützung ist wichtig, aber Sie erinnern sich noch gut an die Zeit, als es lange Schlangen vor den Theatern in Moskau gab. Damals war Mingaligas Scarbauskas, Rima Stuminas, es gab ein Festival der neuen Drama, zu dem Theater aus der ganzen Welt kamen. Und man konnte sich alle Aufführungen ansehen, litauische, isländische, schwedische und britische. Und dann sagte Genosse Putin, dass man das richtige Theater haben muss, dass wir Stücke über die Spezielle Militärische Operation aufführen werden l. Und das war’s, es gibt kein Theater, obwohl es Geld für Kultur gibt. Aber für die Art von Kultur, die Sie gar nicht sehen oder hören wollen. In der Ukraine hingegen, schauen Sie sich an, was heute mit den ukrainischen Theatern geschieht. Ihr Theater ist für den Rest der Spielzeit ausverkauft. Das ist bei den meisten Theatern der Fall, in Kyiv, in Lemberg und in jedem anderen ukrainischen Ort. Dort kommt man nicht rein. Ich fing an, diese Aufführungen zu besuchen und dachte, dass die Leute vielleicht die emotionalen Erfahrungen kompensieren, aber es sind sehr hochwertige Aufführungen. Ich glaube, ich verstehe das Theater, und ich war davon überrascht. Denn so etwas hatte ich in Kyiver Theatern noch nie gesehen. Als ich hin ging, dachte ich, ich müsste gehen und vergessen. Ich erinnere mich, dass ich dich bei einer der Aufführungen Ihres Theaters mit Rimes Tuminas gesehen habe und er fragte mich nach der Aufführung: „Bitte sagen Sie mir, was nötig ist, um die ukrainische Kunst lebendig zu machen? Denn sie ist eigentlich ziemlich steif, irgendwie versteinert“. Und ich sagte zu ihm, vielleicht brauchen wir Sie, um ein Stück zu inszenieren. Er sagte, dass ein Stück von einem Regisseur den kulturellen Prozess nicht verändert, es muss ein Prozess sein. Und das ist das Ergebnis: Das Wachtangow-Theater weigert sich, einen Gedenksbend zum Gedenken an Tuminas zu veranstalten, der dieses Theater zu einem Phänomen im europäischen Theaterleben gemacht hat, man könnte sagen, es ist Vergangenheit, aber es war so. Und in der Ukraine werden die Aufführungen, die zu inszenieren Tominas selbst als Ehre empfunden hätte, von ukrainischen Regisseuren gemacht, nicht von Regisseuren, die hierher kommen, wie die Russen Litauer brauchten, um ihr Theater wiederzubeleben, sondern von unseren eigenen Regisseuren, was ebenfalls Bände spricht. Und es gibt viele solcher Beispiele. Wir sehen Leute, die sich den Film „Haus des Wortes“ ansehen. Ich hätte überhaupt nicht gedacht, dass die Leute in einen solchen Kammerfilm gehen und alle Karten für die Vorführung ausgekauft werden. Auch das sagt viel aus. Es zeigt, dass wir das Potenzial für eine solche Arbeit mit der Gesellschaft haben. Wir müssen nur weitermachen, und wir brauchen den Staat, um weiterzumachen. Denn wenn wir Gesetze verabschieden, dass den Kinos das Geld bezahlen, damit sie Filme in englischer Sprache vorführen, dann denke ich, dass wir im zukünftigen Staat für Vorführungen und Dreharbeiten in ukrainischer Sprache extra bezahlen müssen.

Korrespondentin. Wissen Sie, Milan Kundera schreibt in seinem Essay „Die Tragödie Mitteleuropas“, dass die Kultur zum letzten Schutzschild wird, wenn die Nationen am Rande des Untergangs stehen. Das ist einer der Gründe, warum die Kultur in solchen entscheidenden Momenten, wie wir sie jetzt erleben, so sehr explodiert. Und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass diese letzte Bastion hält und dass die Ukraine der Zukunft, die überleben wird, ihre eigene ukrainische Sprache und eine ukrainische politische Nation haben wird.