In einem Interview mit der Zeitung Kommersant griff der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, überraschend den kasachischen Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew an.
Er erinnerte an die Rede des kasachischen Staatschefs auf dem St. Petersburger Internationalen Wirtschaftsforum im Jahr 2022.
Damals verweigerte der kasachische Präsident in Anwesenheit des russischen Präsidenten die Anerkennung der Souveränität der sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Und als er nach dem Recht der Nation auf Selbstbestimmung gefragt wurde, merkte er an, dass es, würde dieses Recht uneingeschränkt angewendet, deutlich mehr als zehn Staaten mehr auf der heutigen geopolitischen Weltkarte gäbe.
Dass Lawrow drei Jahre später Tokajews Rede in Erinnerung rief – und wir verstehen sehr wohl, dass dies keine überraschende Frage eines Journalisten war – zeigt, wie sehr solche Fragen vom russischen Außenministerium interpretiert, abgestimmt und vorgeschlagen werden. Das deutet darauf hin, wie sehr Putin selbst und sein engstes Umfeld von Tokajews Antwort verärgert waren.
Jetzt sagt Lawrow deutlich, dass er mit der Position des kasachischen Präsidenten nicht einverstanden ist, denn das Recht auf Wahrung der territorialen Integrität und das Recht der Nation auf Selbstbestimmung seien vollkommen gleichberechtigte Ideen der Charta der Vereinten Nationen und des modernen Völkerrechts.
Lawrows Erklärung kann als Signal an die kasachische Führung gewertet werden, als Erinnerung daran, dass der Kreml jederzeit die Karte der russischen Bevölkerung der Republik Kasachstan nutzen könnte, um die Lage in diesem Land zu destabilisieren und sogar Teile seines Territoriums zu besetzen, falls Kasachstan nicht im Fahrwasser der russischen Politik bleibt.
Aber was die Bedeutung des Rechts der Nation auf Selbstbestimmung als Rechtfertigung des russisch-ukrainischen Krieges in Lawrows Worten angeht, so hinkt – wie bei russischen Beamten und Propagandisten üblich – die Logik natürlich. Denn Russland hat im Laufe des Krieges einen Teil des ukrainischen Territoriums mit überwiegend ukrainischer Bevölkerung besetzt. Damit hat es gerade den Bewohnern der Gebiete Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja das Recht auf Selbstbestimmung und auf ein Leben in einem einheitlichen Staat mit dem Rest des ukrainischen Volkes verwehrt.
Auf der von Russland besetzten Krim leugnet Moskau – und davor Sankt Petersburg – konsequent das Recht der krimtatarischen Bevölkerung auf nationale Selbstbestimmung, obwohl diese Bevölkerung schon damals ein Subjekt der Staatlichkeit auf der Krim war, als noch niemand von russischen Siedlern auf diesem Territorium gehört hatte.
Aber wenn wir über Russland selbst sprechen, kann man sich viele Fragen stellen. Was ist mit dem nationalen Selbstbestimmungsrecht des tatarischen Volkes? Warum hat Russland das Unabhängigkeitsreferendum von Tatarstan ignoriert, bei dem sich die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für die Souveränität und Unabhängigkeit der Republik Tatarstan außerhalb der Russischen Föderation aussprach?
Was ist schließlich mit der Selbstbestimmung des tuwinischen Volkes, als die Entscheidung über den Beitritt der Tuwinischen Republik zur RSFSR und zur Sowjetunion ohne Referenden auf dem Territorium der Tuwa getroffen wurde? Eine verfassungswidrige Entscheidung nur des kleinen Chural der Tuwinischen Volksrepublik, wobei die Tuwinen selbst und das Parlament damals nicht nach ihrem Willen und ihrer nationalen Willensbildung gefragt wurden.
Was ist mit der Selbstbestimmung aller anderen Völker Russlands, die nach und nach zu Minderheiten in ihren eigenen ethnischen Gebieten werden? Warum ist die Besetzung eines Gebietes, in dem die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung ethnische Ukrainer sind, und die Abtrennung dieses Gebietes vom Rest der Ukraine die Verwirklichung des Rechts der Nation auf Selbstbestimmung sein sollte, während das Leben von Tataren, Baschkiren, Tschetschenen, Inguschen, Kalmücken, Kabardinern, Balkaren, Jakuten und diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen im Rahmen eines einheitlichen russischen Staates ohne Möglichkeit der nationalen Selbstverwirklichung und sogar mit dem Verbot des obligatorischen Unterrichts der Sprachen dieser Völker in ihrem eigenen Siedlungsgebiet einher geht?
Das ist kein Verzicht auf das Recht der Nation auf Selbstbestimmung. Warum wird im Fall der ukrainischen Besatzung durch den Kreml ein Ansatz verfolgt, und wenn es um die seit Jahrhunderten von Moskau unterdrückten Völker Russlands geht, ein ganz anderer Ansatz? Und diesen Ansatz soll der kasachische Präsident teilen, dessen Landsleute erst Ende des 20. Jahrhunderts ihr Recht auf nationale Staatlichkeit verwirklichen konnten. Nach Jahrhunderten nationaler Unterdrückung und der Umwandlung des kasachischen Volkes in eine nationale Minderheit in seinem eigenen Land. Die Ignoranz der kasachischen nationalen und staatlichen Geschichte und die Marginalisierung der kasachischen Sprache, selbst in den Städten der kasachischen Sowjetrepublik, ganz zu schweigen vom Rest der Sowjetunion, wo es natürlich keine Lehrstühle für das Kasachische und keine Disziplinen zur Geschichte Kasachstans gab, geschweige denn, dass man sich eine solche Entwicklung vorstellen konnte.
Allerdings war die Situation der Kasachen und der Vertreter anderer Völker der Sowjetunion in dieser Hinsicht völlig gleich. In Russland wurde die nationale Eigenart dieser Völker ignoriert, ihre Sprachen wurden nicht unterrichtet, an ihren Kulturen war man praktisch nicht interessiert, oder die Vielfalt dieser Kulturen wurde in eine Art Kultur der Völker der UdSSR umgewandelt, Vertretern dessen auf Ausstellungen der Leistungen der Volkswirtschaft in Moskau für den großen Bruder tanzen und springen sollten.
Deshalb verstehen wir sehr gut, welche Ziele Lawrow verfolgt, wenn er Tokajew angreift. Das ist nicht einmal ein Angriff auf den kasachischen Präsidenten, sondern ein Angriff auf die Kasachen, auf die kasachische Staatlichkeit, auf die kasachische Souveränität als solche. Das zeigt einmal mehr die Verachtung für diese Souveränität und zeigt, wie Lawrow, dieser Ausländer, der zum führenden russischen Chauvinisten geworden ist, wie es einst ein anderer Schöpfer des chauvinistischen Russlands, Lenin, genau so beschrieben hat, wie er die Staatlichkeit der Völker der ehemaligen Sowjetunion betrachtet.
Aber ich glaube, die Reaktion auf eine solche Erklärung wird dem Wunsch des Kreml-Ribbentrop entgegengesetzt sein.
Der russische Botschafter in Kirgisistan, Sergej Wakunow, wurde ins Außenministerium des Landes einbestellt und erhielt eine Protestnote wegen des brutalen Vorgehens moskauer Strafverfolgungsbeamter gegen Bürger der Kirgisischen Republik in dem Moskauer Badekomplex „Bodrost“.
Der Skandal begann, nachdem ein Abgeordneter des kirgisischen Parlaments ein Video veröffentlicht hatte, das die Folgen eines Überfalls moskauer Polizisten auf eine gewöhnliche Sauna in der russischen Hauptstadt zeigt, wo Menschen, die sich im Badekomplex befanden, gezwungen wurden, auf dem Boden zu kriechen, geschlagen und auf vielfältige Weise gedemütigt wurden – ganz nach den besten Traditionen der russischen Strafverfolgungsbehörden.
Nachdem sich die Nachricht in Kirgisistan verbreitet hatte, musste die Führung des Landes beschließen, dem Botschafter der Russischen Föderation eine Protestnote zu überreichen. Und obwohl es offensichtlich ist, dass die Forderung nach Maßnahmen gegen die moskauer Strafverfolgungsbeamten wahrscheinlich nicht erfüllt werden wird, ich glaube, dass das Innenministerium der Russischen Föderation die Sadisten in Uniform eher belohnen wird, als ihnen einen Verweis zu erteilen und sie aus dem Dienst zu entlassen. Dennoch konnte zumindest die Würde der Führung der Kirgisischen Republik bei dieser für die russisch-kirgisischen Beziehungen seltenen Aktion mit der Einberufung des Leiters der russischen diplomatischen Vertretung, der sich offensichtlich als Gouverneur Kirgisistans und nicht als Botschafter im kirgisischen Außenministerium fühlt, gewahrt werden.
Die Geschichte mit der Prügelattacke auf Kirgisen korreliert derzeit vollständig mit der Politik der Einschränkungen gegenüber Arbeitsmigranten, die in Russland in den letzten Jahren betrieben wird und mit dem Aufschwung des russischen Chauvinismus im Zusammenhang mit dem andauernden Krieg gegen die Ukraine einherging.
Es ist ganz offensichtlich, dass solche Aktionen moskauer Strafverfolgungsbeamter überhaupt keine Eigeninitiative und kein Amtsmissbrauch sind. Es ist eine Demonstration dessen, wie man sich gegenüber Menschen verhalten sollte, die in Russland nicht einmal als Menschen zweiter, sondern dritter Klasse angesehen werden, denn zu der zweiten Klasse gehören die russischen Bürger aus den Nationalrepubliken der Russischen Föderation, die bei ihren russischen Nachbarn genauso verachtet werden wie die Gäste Russlands aus den zentralasiatischen Ländern, haben aber zum Leid der Chauvinisten mit russischer Staatsbürgerschaft. Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass in diesem Fall das Vorgehen der moskauer Polizisten vollständig der Stimmung der Bevölkerung entspricht. Es gab Informationen, dass die Polizisten überhaupt erst aufgrund einer Anzeige von Anwohnern in den Komplex „Bodrost“ kamen, die einfach gesagt behaupteten, es seien zu viele Kirgisen in der Sauna.
Natürlich wurde dies mit Erklärungen begleitet, dass die Anwohner nicht in den Badekomplex kommen könnten. Aber in Wirklichkeit verstehen wir sehr gut, dass die Ursache nicht darin liegt, sondern in diesem russischen Vorurteil und der Weigerung, sich im selben Raum mit denen aufzuhalten, die Schwarzarbeit leisten, auf Baustellen oder in der Gastronomie arbeiten müssen, aber auf keinen Fall neben wahren Arier aus den Vororten Moskaus oder den Außenbezirken der russischen Hauptstadt baden wollen.
Das ist im Wesentlichen der Kern der Situation, die sich im Komplex „Bodrost“ ereignet hat. Ganz alltäglich, ganz normal für ein Land, in dem Chauvinismus und Rassismus längst zum Rang einer offiziellen Ideologie erhoben und zudem von der Mehrheit der Bevölkerung unterstützt werden.
Politisch gesehen sollte man daran erinnern, dass die russische Führung immer alles getan hat, um in den zentralasiatischen Ländern Regime zu erhalten, die sich ausschließlich mit dem Schutz ihrer eigenen Claninteressen befassen, ohne über die Notwendigkeit der Entwicklung der Wirtschaft und einer zivilisierten demokratischen Gesellschaft in ihren Ländern nachzudenken, und daher als Reservoir billiger Arbeitskräfte für die Russische Föderation dienen, jener Arbeitskraft, ohne die die Wirtschaft Russlands in den letzten Jahrzehnten kaum zurechtgekommen wäre.
Aber Russland, das Sponsor der Unmöglichkeit einer normalen Entwicklung in den zentralasiatischen Ländern ist, behandelt diejenigen, die aus diesem Grund in dieses Land kommen, um zu arbeiten, weil sie in ihrer Heimat keinen Platz finden, mit Verachtung. Und für die meisten Einwohner der zentralasiatischen Länder ist dies ein regelrechter Teufelskreis.
Es sei denn natürlich, die Entwicklung der zentralasiatischen Länder geht einen anderen Weg, einen Weg, auf dem es keinen russischen Einfluss mehr gibt, kein russisches Desinteresse, keine Razzien moskauer Polizisten und OMON-Beamten in Saunen, keine Prügelattacken moskauer Strafverfolgungsbeamter, keine Morde durch russische Faschisten mehr gibt, die sich in ihrem eigenen Land immer wohl und bequem fühlten, das immer von seiner Bereitschaft spricht, den Faschismus zu bekämpfen, wo auch immer, nur nicht auf dem Territorium der Russischen Föderation selbst.
Und ich glaube, wenn wir mit solchen Vorfällen konfrontiert werden, die nur deshalb bekannt werden, weil es Videomaterial gibt oder ein Politiker darüber spricht, oder die Situation bis zu einem Mord eskaliert, der nicht mehr vertuscht werden kann, dann wird erst die ganze schreckliche Situation der Lage von Ausländern aus den zentralasiatischen Ländern in Russland deutlich.
Die Menschen können eine Aufenthaltserlaubnis haben oder nicht, jahrelang oder sogar jahrzehntelang in Russland leben oder für einige Monate anreisen, um wenigstens etwas Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber die Verachtung bleibt offensichtlich und gleich, sowohl für denjenigen, der einen russischen Pass erhalten hat, als auch für denjenigen, der für einige Wochen angereist ist.
Und ein moskauer Polizist ist der Herr des Lebens, der ohne Probleme sowohl einen Bürger der Kirgisischen Republik als auch einen Bürger der Russischen Föderation verprügeln wird. Er wird natürlich niemals dafür bestraft werden, dass er Menschen misshandelt und seine Verachtung direkt vor der Videokamera zur Schau stellt, denn ein Land, das eigentlich dafür geschaffen wurde, dass sich dort Polizisten und Geheimdienstler der richtigen Nationalität wohlfühlen, wird immer diejenigen misshandeln, die sich nicht vor dem russischen und polizeilichen Staat schützen können.
Donald Trump beschuldigt erneut den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und den ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Joseph Biden, die Krieg zwischen Russland und der Ukraine zugelassen zu haben, weil sie schreckliche Arbeit geleistet haben.
Diese Aussage Trumps, die in sozialen Netzwerken zu sehen ist, ist eine Fortsetzung seines Interviews mit einem Journalisten an Bord des Präsidentenflugzeugs, als der Präsident der Vereinigten Staaten Fragen zur russischen Attacke auf Sumy beantworten musste.
Es war offensichtlich, dass Trump dieses Thema nicht sehr mochte, und er begann, die Journalisten erstens davon zu überzeugen, dass es ein Fehler der russischen Führung war, und zweitens, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine nicht sein Krieg ist, da er seit kürzlich im Weißen Haus ist, und als er Präsident war, gab es keinen solchen Krieg, und wenn er Präsident geblieben wäre, hätte er auch nicht begonnen.
Ziemlich klassische Aussagen Trumps, an die wir uns alle gewöhnt haben. Aber gleichzeitig muss man verstehen, warum Trump jetzt Zelensky und Biden beschuldigt und alle davon überzeugt, dass der Krieg zwischen Russland und der Ukraine nicht sein Krieg ist.
Weil keine realen Ergebnisse in Bezug auf die Einstellung der Kämpfe an der russisch-ukrainischen Front erzielt wurden, ebenso wenig wie bei allen anderen Fragen, mit denen sich der amerikanische Präsident nach seiner Amtseinführung befasst hat.
Und diese Schlussfolgerung musste Trump offensichtlich nach einer weiteren Reise seines Sonderbeauftragten Steve Witkoff nach St. Petersburg ziehen, wo dieser sich erneut mit dem russischen Präsidenten getroffen hat.
Die Tatsache, dass weder in Washington noch in Moskau nach diesem Treffen irgendwelche Erklärungen zu diesen Gesprächen abgegeben wurden, könnte uns zu einem einfachen Schluss führen. Es gab keine realen Ergebnisse. Das Treffen zwischen Witkoff und Putin endete so, wie es enden sollte, so wie alle vorherigen Gespräche zwischen amerikanischen und russischen Regierungsbeamten endeten, so wie die Telefongespräche zwischen Trump und Putin endeten.
Ein Fiasko. Der russische Präsident stimmt den Vorschlägen der Amerikaner bezüglich der Möglichkeit einer Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front, selbst für 90 Tage, nicht zu. Und Verhandlungen mit Putin vor dem Hintergrund militärischer Operationen, also vor dem Hintergrund solcher schrecklichen russischen Verbrechen wie des Angriffs auf Sumy, werden für den Ruf Trumps selbst gefährlich.
Und der amerikanische Präsident versteht das sehr gut. Deshalb ist er wütend, denn in diesem Meister der Deals bleibt in seinem Leben und in seinen Präsidentenappartements einfach nichts anderes übrig. Nun, und noch ein weiterer wichtiger Punkt, der damit zusammenhängt, dass an Bord des Flugzeugs Trump nur Biden im Zusammenhang mit dem Thema seines Nicht-Krieges erwähnte, in den sozialen Medien aber auch Zelensky erwähnte. Dies könnte mit dem Interview des ukrainischen Präsidenten mit dem Fernsehsender SBC zusammenhängen, in dem Zelensky den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und den Vizepräsidenten dieses Landes, J.D. Vance, aufforderte, die Ukraine zu besuchen, um sich selbst von dem zu überzeugen, was tatsächlich in der russisch-ukrainischen Konfrontation vor sich geht.
J.D. Vance beschuldigte der ukrainische Präsident, mit der Stimme der russischen Propaganda zu sprechen. Er sagte, dass die Situation absolut eindeutig sei, dass bekannt sei, wer angegriffen habe und wer sich verteidige, wer der Aggressor und wer das Opfer sei, und dass dies alle sehr gut wüssten.
Natürlich gefällt diese Rhetorik des ukrainischen Präsidenten weder Trump noch Vance, die versuchen, den Anschein zu erwecken, dass sie Vermittler im russisch-ukrainischen Konflikt seien und nicht über den wahren Aggressor in dem Krieg sprechen wollen, den Putin gegen unser Land begonnen hat. Und dies könnte nicht nur mit den finanziellen Interessen des amerikanischen Präsidenten zusammenhängen, sondern auch mit dem völligen Mangel an Werten der demokratischen Welt im Arsenal von Donald Trump und seinem Verständnis der Weltpolitik. Denn wir wissen, wie sehr der amerikanische Präsident autokratische Herrscher und diktatorische Regime bewundert.
Nach diesem Interview von Volodymyr Zelensky und nachdem der Sender SBC einen Bericht über Grönland gezeigt und betont hatte, dass die Bewohner dieses autonomen Gebietes in Dänemark nicht eilig haben, der Idee des Anschlusses an die Vereinigten Staaten zuzustimmen, schlug Trump sogar vor, dem Fernsehsender nach dem besten Vorbild seines Freundes Putin die Lizenz zu entziehen. Und die Tatsache, dass der Präsident solche Bemerkungen machte und versprach, den Sender zu verklagen, obwohl es in den Fernsehnachrichten des Senders nichts Extravagantes, Besonderes und noch weniger Verleumderisches gab, zeigt vor allem, wie giftig Themen für Donald Trump werden, die er noch vor kurzem für gewinnbringend in seiner Außenpolitik hielt.
Trump weiß nicht, wie er den russisch-ukrainischen Krieg beenden und Putin zumindest dazu bringen kann, einer Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front zuzustimmen. Das wusste er nie, selbst als er seine kühnen Aussagen machte, dass er diesen Krieg in 24 oder 48 Stunden beenden werde. Das Ende des russisch-ukrainischen Krieges existierte nur im Kopf von Trump und wurde natürlich von seinen Mitarbeitern unterstützt, die schon lange verstanden haben, dass man, um an der Seite des amerikanischen Präsidenten zu sein, jeden Unsinn unterstützen muss, den er sich ausgedacht hat, um in einer komfortablen Welt zu existieren, Golf zu spielen und sich eigene Denkmäler in seiner eigenen Residenz zu eröffnen.
Das Gleiche gilt für Grönland. Trump versteht offensichtlich nicht, wie er dieses Gebiet annektieren soll. Ein echten Krieg unter Verletzung der Regeln des Völkerrechts will er, zumindest vorerst, nicht beginnen, und irgendwelche realen Instrumente, um die Grönländer davon zu überzeugen, dass sie ihren Status in die Rolle eines amerikanischen Bundesstaates ändern sollen, hat Donald Trump auch nicht.
Dass die Menschen Freiheit, Unabhängigkeit und Identität schätzen können, sind wiederum Dinge, die nicht im Lexikon eines professionellen Developers existieren, der aus Gründen, die niemand und vor allem er selbst nicht versteht, beschlossen hat, dass er etwas von Weltpolitik versteht, und diese Illusion wurde von seiner komischer Wählerschaft unterstützt, die jetzt zu verstehen beginnt, in welche missliche Lage sie nach den letzten Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten geraten ist.
Nun, sie fängt gerade erst an, es zu verstehen. Ich denke, dass die Amerikaner sich die Tiefe der Fehltritte, in die sie in den nächsten Jahren geraten werden und aus denen sie in Bezug auf die Folgen dieser Regierung lange und schwierige Jahrzehnte lang nicht herauskommen werden, gar nicht vorstellen können. Aber das betrifft Amerika.
Was den russisch-ukrainischen Krieg betrifft, so nehmen natürlich keine Anschuldigungen Trumps gegen Zelensky und erst recht nicht gegen Biden, dass sie nicht die richtige Arbeit geleistet haben, die Verantwortung von dem Hauptverantwortlichen für diesen Krieg dem russischen Präsidenten Putin, ab. Ihn erwähnt der Präsident der Vereinigten Staaten, wenn er von seinem Nicht-Krieg spricht, aus uns unverständlichen Gründen irgendwie nicht. Versuchen wir zu verstehen, warum das so ist.
Präsident Donald Trump nannte den feigen Angriff der Russen auf das Zentrum der ukrainischen Sumy einen schrecklichen Fehler.
Ich denke, das war schrecklich, antwortete Donald Trump auf die Fragen der Journalisten. Mir wurde gesagt, dass sie einen Fehler gemacht haben. Aber ich denke, das ist eine schreckliche Sache. Ich glaube, dieser ganze Krieg ist schrecklich.
Der Journalist, wie es im Umgang mit Trump nicht selten vorkommt, traute seinen Ohren nicht und fragte nach, ob der amerikanische Präsident tatsächlich der Meinung sei, dass der Angriff mit einer russischen Rakete ein Fehler gewesen sei.
Trump bestätigte erneut, dass die Russen – er nannte sie nicht Russen, sondern ausschließlich „sie“ – einen Fehler gemacht hätten und er glaube, dass dies der Fall gewesen sei. Schauen Sie, fragen Sie sie, sagte Donald Trump, der natürlich nicht vergaß zu erwähnen, dass dies Bidens Krieg sei, nicht sein Krieg.
Es ist hervorzuheben, Bidens Krieg, nicht Putins Krieg, mit dem sich Donald Trump nach seinen eigenen Worten weiterhin in gutem Einvernehmen befindet.
Bekanntlich mussten sowohl der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, als auch der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten für die Beilegung des russisch-ukrainischen Krieges, Kid Kellogg, auf den russischen Angriff auf Sumy reagieren.
Im Gegensatz zu den Angriffen auf Kriwij Rig, über die im Außenministerium niemand etwas gesagt hat, und die Botschaft der Vereinigten Staaten in Kyiv erwähnte in ihrer ersten Meldung über den Angriff Russland nicht einmal, mussten jetzt sich sowohl der Außenminister der Vereinigten Staaten als auch der Sonderbeauftragte des Präsidenten und zahlreiche Vertreter der amerikanischen Elite zu diesem demonstrativen Verbrechen der Russen äußern.
Vielleicht auch deshalb, weil es gerade am Palmsonntag geschah, um so die absolute Gleichgültigkeit des russischen Präsidenten Putin gegenüber all friedenstiftenden Initiativen des amerikanischen Präsidenten Trump zu unterstreichen.
Und alle verurteilen diesen russischen Angriff und niemand spricht von seiner Fehlerhaftigkeit, und Trump behauptet weiterhin, dass ein Fehler gemacht wurde.
Warum? Trump selbst verwendet den Ausdruck „mir wurde gesagt“, und man kann sich vorstellen, dass er von Leuten aus seinem eigenen Umfeld falsch informiert wurde, sagen wir, durch den gleichen Sonderbeauftragten des amerikanischen Präsidenten, Stephen Witkoff, der bereits drei Treffen mit dem russischen Präsidenten geführt hat und offensichtlich von all diesen finanziellen Angeboten begeistert ist, die ihm Putin während der Verhandlungen mit dem amerikanischen Developer, der das große Vertrauen von Donald Trump genießt, macht.
Aber die Sache liegt offensichtlich nicht an Witkoff, schon allein deshalb, weil er in diesen Tagen mit Umzügen zwischen St. Petersburg und dem Nahen Osten beschäftigt ist, wo eine ganze Reihe von Verhandlungen im Zusammenhang mit den Hauptproblemen dieser Region fortgesetzt werden. Und sich vorzustellen, dass Witkoff im Moment des russischen Angriffs auf Sumy sofort Trump mit der besorgten Enthüllung seines eigenen Denkmals anrief und ihm sagte: „Donald, das ist ein Fehler, das ist ein unbeabsichtigter Schlag der Russen“, kann ich mir nicht so recht vorstellen.
Und ich möchte nicht einmal in Trumps Umfeld nach Leuten suchen, die ihm solchen Unsinn erzählen. Denn ich bin aufrichtig davon überzeugt, dass Trump solchen Unsinn selbst produzieren kann, der sich natürlich auf unbekannte Quellen berufen kann, um keine Verantwortung für seine eigenen Worte zu übernehmen.
Wenn Trump zugibt, dass Putin absichtlich ukrainische Städte angreift, dann muss er sich auch selbst an den Journalisten, die er an Bord des Präsidentenflugzeugs versammelt, Rechenschaft ablegen. Warum hat er denn so gute Beziehungen zu jemandem, der am Palmsonntag Zivilisten tötet? Und er ist so ein tugendhafter Christ und hat so viel Mitgefühl für alle tugendhaften Christen.
Und so zeigen Trump und die Mitglieder seines Teams ihre ganze Ehrfurcht, ganz offensichtlich, so scheint es mir, eine demonstrative Ehrfurcht, die nichts mit der Realität zu tun hat, denn wir verstehen, dass Menschen, die an etwas anderes als an Geld und ihre eigene Größe glauben, sich niemals so verhalten würden wie Donald Trump, die Mitglieder seines engsten Umfelds und natürlich seine Anhänger.
Man kann mit Sicherheit sagen, dass diese Menschen an nichts glauben, weder an Gott noch an den Teufel, sondern nur an ihren zweifelhaften finanziellen Erfolg hier und jetzt, und alles tun, um dies zu erreichen.
Wenn Trump zugeben würde, dass Putin absichtlich ukrainische Städte beschießt, müsste er über die Verschärfung der Sanktionen gegen das russische Regime und den russischen Staat nachdenken. Aber er hat nicht einmal mitgeteilt, dass er die Sanktionen gegen Russland verlängert hat, die von seinem Vorgänger, Präsident Joseph Biden, verhängt wurden. Im Gegensatz zu allen anderen Dekreten des amerikanischen Präsidenten, die er vor laufenden Kameras mit seiner typischen Selbstgefälligkeit und mit Antworten auf Fragen der Journalisten unterzeichnet.
Und ich möchte noch einmal daran erinnern, dass die überwiegende Mehrheit dieser Entscheidungen absoluter Unsinn ist, der dann widerlegt und korrigiert werden muss, zum Beispiel wie das berühmte Zolldekret von Trump, das ihn zum Gespött gemacht hat. Man kann sagen, auf der ganzen Welt, ganz zu schweigen von den verängstigten Amerikanern, die sich bald für immer von ihren langjährigen Ersparnissen verabschieden müssen.
Dieses Dekret über Sanktionen gegen Russland wurde in völliger Geheimhaltung unterzeichnet, und wir wüssten nichts davon, dass der amerikanische Präsident die Gültigkeit der Sanktionen Bidens verlängert hat, wann es nicht die Veröffentlichung in den entsprechenden offiziellen Quellen gäbe, in denen solche Dokumente einfach nicht unveröffentlicht bleiben können.
Wenn Trump zugeben würde, dass Putin absichtlich ukrainische Städte angreift, müsste er sich selbst die Frage beantworten: Warum führt er sinnlose Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten? Warum rief er ihn zweimal an, erniedrigte sich, als Putin ihm eindeutig nicht auf seinen Vorschlag antwortete, einen 30-tägigen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erklären?
Warum fliegt Witkof ständig zu Putin, der sich mit wichtigeren Angelegenheiten befassen sollte, wie dem Nahen Osten und dem Iran, anstatt den russischen Präsidenten von etwas zu überzeugen, von dem man Putin einfach nicht überzeugen kann.
Da Trump nicht zu den Menschen gehört, die sich selbst die Wahrheit sagen können, erzählt er uns weiterhin von Putins Fehlern, während Putin Verbrechen begeht. Aber ich bin sicher, dass Putin Trump nicht die Möglichkeit geben wird, seine Verbrechen zu übersehen.
Früher oder später wird der russische Präsident den Amerikaner zu seinem Komplizen machen, wenn Trump nicht den Mut hat, sich selbst die Wahrheit über sein Verhalten in seinen Beziehungen zum russischen Präsidenten und im russisch-ukrainischen Krieg zu sagen. Und solche Leute wie Trump hassen die Wahrheit mehr als alles andere auf der Welt.
Der russische Raketenschlag auf Sumy am Palmsonntag war eine der wichtigsten politischen Nachrichten des heutigen Tages.
Informationen über das russische Verbrechen waren auf den Titelseiten aller führenden westlichen Publikationen in den ersten Nachrichten der weltweiten Fernsehsendern und Nachrichtenagenturen zu sehen.
Und tatsächlich, die völlige Missachtung der Normen, die in der zivilisierten Welt gelten, seitens der Russen, erinnerte wieder einmal daran, wie brutal und von Straflosigkeit berauscht Putins Regime ist.
Diesmal war auch die amerikanische Reaktion viel schärfer und hochrangiger als nach dem ähnlichen Verbrechen in Krywyj Rih. Ich möchte daran erinnern, dass damals nur die Leiterin der amerikanischen diplomatischen Vertretung in Kyiv das Attentat verurteilte, aber Russland in ihrem ersten Post in den sozialen Medien nicht erwähnte, was Kritik von der ukrainischen Öffentlichkeit und vom ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky hervorrief.
Jetzt konnte man natürlich auch die Reaktion von US-Außenminister Marco Rubio, des Sonderbeauftragten des US-Präsidenten für die Konfliktlösung in der Ukraine, Keith Kellogg, und eines weiteren Sonderbeauftragten des US-Präsidenten, Richard Grenell, sehen, der oft als Kandidat für das Amt des US-Außenministers im Falle eines Rücktritts von Rubio und der US-Botschafterin in Kyiv , Bridget Brink, genannt wird.
Alle diese Erklärungen verurteilten den russischen Angriff auf Sumy und bezeichneten ihn als inakzeptabel. Und erinnerten daran, dass er am Palmsonntag stattfand.
Aber ich glaube, dass die amerikanischen Beamten verstehen sollten, dass die bloße Tatsache ihrer Verhandlungen mit dem Kreml, die Tatsache, dass Donald Trump die internationale Isolation Putins in der zivilisierten Welt durchbrochen hat, zu solchen Angriffen beiträgt, weil er den russischen Führer von seiner völligen Straflosigkeit überzeugt. Dass der amerikanische Präsident und andere Beamte von Trump mit ihm sprechen werden, egal welches schreckliche Verbrechen er begangen hat.
Deshalb bestanden die europäischen Führer, die dieses russische Verbrechen verurteilten, sowohl der französische Präsident Emmanuel Macron als auch der britische Premierminister Kier Starmer und der finnische Präsident Sauli Niinistö – und wir sprechen hier von Leuten, die sich mit Donald Trump getroffen haben und sich in Kürze wieder treffen wollen – darauf, den Druck auf Russland zu verstärken, weil der Präsident der Russischen Föderation nur eine einzige Sprache versteht: die Sprache der Stärke, des Drucks und der Schaffung von Problemen für sein Banditenregime. Weder Putin noch die Vertreter seines engsten Umfelds, die gleichen Tschekisten wie er selbst, brutal und blutrünstig, verstehen keine andere Sprache und werden sie auch nie verstehen.
Und jeder, der versucht, sich mit Putin zu einigen, sollte sich daran erinnern, dass ihn ein Fiasko erwartet. Und das Fiasko von Donald Trump wird für den amerikanischen Präsidenten und sein Land noch schändlicher aussehen, es wird den Verlust des Status bedeuten, den die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg erlangt haben, und eine Rückkehr zu diesem Status in der Geschichte der Vereinigten Staaten wird es vielleicht nie mehr geben.
Es muss noch ein wichtiger Aspekt geklärt werden. In den ukrainischen Medien wird viel über die Gründe für den russischen Raketenangriff auf Sumy gesprochen. Und sie versuchen zu verstehen, ob die Ansammlung von Militärs im Zentrum dieser ukrainischen Stadt tatsächlich der Grund dafür war, oder ein anderer Grund. Aber ich möchte eine einfache Sache erklären. Jegliches Erscheinen von Militärs, Waffenherstellern, westlichen Beratern oder sonst jemandem im Zentrum einer ukrainischen Stadt ist nicht die Ursache, sondern der Anlass. Der Grund ist, dass Putin die ukrainische Zivilbevölkerung terrorisieren will, um uns von der Notwendigkeit einer Kapitulation vor Russland zu russischen Bedingungen zu überzeugen.
Und einen Anlass findet man immer. Als der Angriff auf Krywyj Rih stattfand, gab es in der Entfernung zum Spielplatz, auf den die Raketen fielen, kein einziges Objekt, das man für militärisch hätte halten können. Und dann erfanden die Russen ein Restaurant. Jetzt betonen sie in ihren propagandistischen Publikationen, dass sie auf die Sumy-Universität zielten.
Aber auf jeden Fall, selbst wenn sie dort jemanden gesehen haben, ist es immer noch ein Schlag ins Stadtzentrum. Nichts rechtfertigt ihn, außer dem Wunsch der Russen, die Ukrainer einzuschüchtern, sie zu terrorisieren und ihnen ins Gedächtnis zu rufen, dass Russland ukrainische Städte angreifen wird, selbst wenn es der ukrainischen Armee in dieser Situation zwar nicht gelingt, diesen Angriffen zu widerstehen, aber gleichzeitig gelingt es ihr, den russischen Angriff auf ukrainisches Gebiet zu stoppen. Das ist die Hauptidee. „Ja, Ihre Armee lässt uns nicht rein, aber sie kann uns nicht daran hindern, Sie im Hinterland zu zerstören“.
Deshalb sollte man nicht nach Gründen und Ursachen suchen, sondern sich bewusst sein, dass die Aufgabe des russischen Staates die Liquidierung des ukrainischen Staates ist. Die Existenz der Ukraine selbst ist der Anlass und der Grund für diesen Krieg. Wenn Sie wissen wollen, was Putin braucht, damit der Krieg endet, dann braucht er, dass es keine Ukraine und kein ukrainisches Volk gibt. Dann wird der Krieg enden, weil es den Gegenstand nicht mehr gibt, der den russischen Führer und seine Landsleute, die das Annektieren fremder Territorien als ihr eigenes ansehen, um kein schlechtes Gewissen zu haben, so sehr beunruhigt.
Es ist alle Opfer wert, sowohl von ihrer Seite als auch von der Seite derer, die sie vernichten. Und das muss man den westlichen Politikern erklären. Jeder dieser Schläge, jeder dieser Angriffe muss wieder daran erinnern, was die Ideologie der Russischen Föderation ist, eines brutalen mittelalterlichen Staates, der nach allen Regeln von Banden und Mafia handelt. Und keine Verhandlungen werden die Einstellung dieser Bande und Mafia zu der Art und Weise ändern, wie sie ihre abscheulichen Ziele verfolgt.
Die Tatsache, dass in den Vereinigten Staaten nach dem Angriff auf Sumy schließlich über die kriminelle Rolle Russlands gesprochen wird, wird auch Donald Trump dazu zwingen, in die Realität zurückzukehren, die der derzeitige amerikanische Präsident hartnäckig nicht anerkennen will, aber anerkennen muss, sowohl in der Innen- als auch in der Außenpolitik. Denn bei einer Person, die einen Staat wie die Vereinigten Staaten leitet, verschwindet irgendwann die Wahl zwischen ihren Erfindungen, Fantasien und Illusionen und der grausamen Welt, in der sie sich befindet und eine der führenden Mächte dieser schwierigen Welt leitet.
Neue Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der iranischen Delegation bezüglich des iranischen Atomprogramms finden bereits nächste Woche im Oman statt.
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, und der iranische Außenminister Abbas Araghchi haben unter Vermittlung des Leiters des omanischen Außenministeriums, Badr bin Ahmad al-Busaiydi, nur zwei Stunden miteinander kommuniziert.
Witkoff und Araghchi konnten jedoch nur wenige Minuten direkt miteinander sprechen. Und wahrscheinlich gibt dieser Umstand den Vereinigten Staaten die Möglichkeit, die Verhandlungen mit Teheran als direkt zu bezeichnen, wie es Präsident Donald Trump gefordert hatte, während Teheran darauf hinweist, dass der gesamte Verhandlungsprozess praktisch unter omanischer Vermittlung stattfand. Das heißt, die Verhandlungen waren nicht direkt, wie es der oberste Führer des Iran, Ajatollah Chamenei, gefordert hatte.
Vor den Verhandlungen gab es Informationen darüber, dass die Vereinigten Staaten bereit sind, dem Iran erhebliche Zugeständnisse zu machen. Dies sagte Steve Witkoff selbst, und in den Medien erschienen Erklärungen zu diesen Zugeständnissen.
Vor allem haben die Vereinigten Staaten nichts mehr gegen die Fortsetzung des iranischen Atomprogramms einzuwenden; es geht ausschließlich um den Verzicht auf dessen militärische Komponente.
Außerdem wird in den Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der iranischen Delegation die Frage der Produktion von ballistischen Raketen durch den Iran und der Unterstützung zahlreicher terroristischer Organisationen, der sogenannten Widerstandsachse, durch dieses Land nicht erörtert.
Das heißt, Steve Wischow will sich ausschließlich auf die Frage konzentrieren, ob der Iran Atomwaffen erhalten kann, was Israel , dessen Führung bereits mit Raketenbeschuss durch die Islamische Republik konfrontiert war und das nur dank massiver Unterstützung der Verbündeten und der Zerstörung des iranischen Arsenals noch bevor sich die iranischen Raketen im israelischen Luftraum befanden mehrere Angriffe aus dem Iran überstehen konnte, sicher nicht gefallen wird.
Wie die derzeitige amerikanische Regierung jedoch verhandelt, wurde bereits bei den Konsultationen deutlich, die Steve Witkoff mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin führte.
Es ist offensichtlich, dass dieser Stil, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und die Interessen anderer zu ignorieren, auch bei den Verhandlungen zwischen Washington und Teheran bestimmend sein wird.
Für den Iran ist es derzeit jedoch das Wichtigste, diese Verhandlungen so lange wie möglich zu verlängern. Denn wir verstehen sehr gut, woran die Führung der Islamischen Republik interessiert ist. Für sie ist es wichtig, dem Iran die Möglichkeit der Herstellung von Atomwaffen zu erhalten. Die derzeitigen Bedingungen, die Steve Witkoff und Abbas Araghchi erörtern, kommen den Bedingungen, die die Vereinigten Staaten dem Iran damals gestellt hatten, als Barack Obama Präsident der USA war und ein Atomabkommen erzielt wurde, aus dem Donald Trump später austrat, ziemlich nahe.
Damals gab der Iran tatsächlich einen Großteil seiner Atombestände auf, behielt sich aber die Möglichkeit vor, Atomwaffen herzustellen, wenn die notwendigen Materialien vorhanden sind.
Nachdem die Vereinigten Staaten aus dem Atomabkommen ausgestiegen waren, gab es Informationen darüber, dass der Iran jetzt jederzeit mehrere Atombomben herstellen könnte. Offensichtlich möchte der Iran auch in der derzeitigen Verhandlungsphase die Mittel zur Herstellung von Atomwaffen behalten.
Dabei könnte das Regime des Ajatollahs auf die Materialien verzichten, die eine solche Produktion ermöglichen würden, wie es dies bereits getan hat, und so eine mögliche Attacke der Vereinigten Staaten auf den Iran verhindern und die Möglichkeit behalten, zur Herstellung von Atomwaffen zurückzukehren, zum Beispiel nach dem Ende der Präsidentschaft von Donald Trump, wenn der nächste amerikanische Präsident nicht mehr so hart gegenüber der Islamischen Republik eingestellt ist.
Derzeit wird man in Teheran versuchen, Zeit zu gewinnen. Es ist klar, dass die erste Verhandlungsrunde eher technischer Natur ist und einen Erfolg der amerikanischen Diplomatie belegen könnte, schon allein deshalb, weil die iranischen Führungskräfte kurz nach der kategorischen Ablehnung solcher Beratungen durch Ajatollah Chamenei zu Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten bereit waren.
Die Beratungen selbst können jedoch recht lange dauern. Im Iran wird man versuchen zu verstehen, wann Donald Trumps Geduld endlich erschöpft sein wird und was er tun wird, wenn er merkt, dass sich die Verhandlungen hinziehen. Das heißt, im Großen und Ganzen verhält sich Ajatollah Chamenei gegenüber Trump ungefähr so, wie sich Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, gegenüber Trump am Tag vor den Verhandlungen mit Witkoff und Araghchi verhielt, nachdem er sich auch mit dem Sonderbeauftragten des amerikanischen Präsidenten getroffen hatte.
Die Tatsache, dass gleichzeitig Verhandlungen mit Putin und mit iranischen Vertretern stattfinden, kommt Teheran zugute. Putin kann die Rolle des Vermittlers zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran spielen und beweisen, dass er die Führung der Islamischen Republik zu größeren Zugeständnissen bewegen kann, und so dem Iran helfen, die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten zu verzögern.
Und der amerikanische Vertreter könnte der Meinung sein, dass die Beteiligung Russlands am Verhandlungsprozess mit dem Iran Donald Trump helfen wird, Wladimir Putin zu Zugeständnissen in der Frage des Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front zu bewegen.
So könnten Putin und Ajatollah Chamenei ein doppeltes Spiel spielen, um die Situation bei den Verhandlungen mit Russland und dem Iran zu verschleppen, ein Spiel, das Donald Trump zum Narren halten soll. Der Präsident der Russischen Föderation und Ajatollah Chamenei verbindet natürlich dieses Bestreben.
Hinzu kommt, dass Donald Trump für die russisch-amerikanischen und die amerikanisch-iranischen Verhandlungen dieselbe Person entsandt hat, die, nach dem, was wir sehen und hören, Pietät vor dem Präsidenten der Russischen Föderation hat und bereit ist, dem ganzen Unsinn zu glauben, den Wladimir Putin ihm erzählt, ganz zu schweigen von den verlockenden Angeboten, die Witkoff vom Sonderbeauftragten des russischen Präsidenten für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit, Kirill Dmitrijew, erhält. Dadurch wird die Aufgabe noch weiter erleichtert.
Denn was braucht Moskau? Die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten fortsetzen und den Krieg mit der Ukraine fortsetzen. Und was braucht Teheran? Die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten fortsetzen und seine Möglichkeiten zur Herstellung von Atomwaffen ausbauen und verschleiern. Das sind im Wesentlichen die Ziele des Prozesses, in dessen Mittelpunkt Steve Witkoff sich unerwartet befindet.
Am Palmsonntag führten die Russen einen Raketenangriff auf das Zentrum von Sumy durch. Dutzende Tote, Dutzende Verletzte. Die Zahl der Opfer könnte leider steigen, da die Russen gezielt Wohnviertel auswählten, gerade dann, wenn an einem Feiertag die meisten Menschen im Stadtzentrum sein könnten.
Zunächst einmal unser tief empfundenes Mitgefühl mit den Angehörigen der getöteten und verletzten Bewohner von Sumy. Und natürlich müssen wir uns bewusst sein, dass die Russen jetzt nicht einmal mehr verbergen, dass sie ihren Terror auf Wohnvierteln ausüben.
Als es einen ähnlichen Angriff auf Krywyj Rih gab, konnten sie in der Nähe des Epizentrums ihres Angriffs nicht einmal ein Objekt finden, das als militärisch bezeichnet werden könnte. Und dann sagten sie ganz ruhig, dass sie nicht auf den Spielplatz, sondern auf ein Restaurant zielten, in dem angeblich Militärs zusammenkamen und das aus dieser Sicht ein legitimes Ziel für einen Raketenangriff der Streitkräfte der Russischen Föderation war. Und die Tatsache, dass mit dem Restaurant überhaupt nichts geschah und dort offensichtlich keine Treffen stattfanden, hat diese russische Lüge nicht gestoppt.
Ich bin überzeugt, dass wir jetzt wieder falsche Meldungen aus dem Kreml hören werden. Denn jetzt, wo Washington vor dem Hintergrund dieser verbrecherischen Angriffe die Verhandlungen mit Moskau fortsetzt, kann Putin sicher sein, dass ihn nichts und niemand in seinem Terror gegen die Zivilbevölkerung der Ukraine aufhalten wird.
Uns mag dieser Terror keine offensichtliche Logik zu haben scheinen. Aber das nur aus der Sicht von Menschen, die die Absichten des terroristischen Staates nicht verstehen. Glauben Sie mir, Terror hat immer eine Logik. Niemand verübt Terrorakte gegen die Zivilbevölkerung, wenn dies nicht den Plänen des Kremls, den Plänen der Streitkräfte der Russischen Föderation und Putins Vorstellung von der Realität entspricht.
Ein wichtiges Ziel solcher Angriffe ist die Einschüchterung der Zivilbevölkerung der Ukraine. Die Ukrainer daran zu erinnern, dass nur die Kapitulation die Raketenangriffe auf ihr Land beenden kann, dass keine Armee sie schützen wird, da die Armee die russischen Truppen aufhalten und ihnen die Möglichkeit nehmen kann, neue ukrainische Gebiete zu besetzen, aber Raketenangriffe wird niemand aufhalten und sie werden so lange fortgesetzt, bis Kyiv die Bedeutung der Liquidierung des ukrainischen Staates und der Eingliederung seines Territoriums in Russland erkannt hat.
Das zweite Ziel ist die Destabilisierung der Stimmung in der ukrainischen Gesellschaft, damit diejenigen, die die Notwendigkeit des Widerstands erkennen, mit denen in Konflikt geraten, die sagen: „es ist egal, welche Flagge über meinem Haus weht, Hauptsache die Raketenangriffe hören auf“.
Ich kann den Menschen, die wirklich glauben, dass Vereinbarungen mit dem Kreml etwas wert sind, an das Schicksal aller vorherigen Vereinbarungen und an das erinnern, was mit denen geschah, die sich mit Moskau auf Frieden einigten.
Ich erinnere mich an eine Episode aus dem Roman einer afrikanischen Schriftstellerin, die von einem Konflikt in ihrem Heimatland erzählte, als die Truppen einer der Seiten, die zuvor eine Blockade eingerichtet hat, geschafft haben den gegnerischen Gebiet einnehmen und angeboten haben diejenigen zu ernähren, die wochenlang weder Brot noch Wasser hatten, nur für einen einzigen Slogan: „Wir werden in einem einigen Land leben“. Und als die Menschen mit diesem Slogan aus ihren Häusern kamen, wurden sie natürlich zusammen mit ihren Kindern erschossen, um das Gebiet für die loyale Bevölkerung zu säubern.
Und glauben Sie mir, genau dieses Schicksal hat der Präsident der Russischen Föderation für das ukrainische Volk gewählt. Er betrachtet die Ukrainer als illoyale Bevölkerung, die aus ihrem Heimatland vertrieben werden muss, damit sie Platz für eine loyale Bevölkerung, für die Russen, machen.
Glauben Sie nicht denen, die Ihnen erzählen, dass Russen und Ukrainer fast ein Volk sind, dass sie eine gemeinsame Geschichte haben, eine ähnliche Sprache, wie kürzlich ein russischer Oppositioneller Wladimir Kara-Murza gegenüber französischen Parlamentariern närrisch erzählte.
Nein. Die Geschichte des gemeinsamen Lebens zwischen Russen und Ukrainern ist eine sehr kurze Periode in ihrem nationalen Zusammenleben, und in dieser Zeit nutzten die Russen die Ukrainer auch, um ihr imperiales Gewicht zu erhöhen, und kämpften jeden Tag gegen sie, wenn die Ukrainer versuchten, ihren nationalen Identität zu bekunden. Seit der Perejaslaw-Rada, seit Baturin und Tschegerin, seit der Verbannung von Schewtschenko hat sich am Verhältnis der Russen zu den Ukrainern nichts geändert.
Und ich wünsche jedem von ganzem Herzen, dass er sich davon nie persönlich überzeugen wird und nie einem russischen Soldaten, einem russischen FSB-Agenten, der russischen Propaganda und all dem Übel, das seit Jahrhunderten den russischen Staat und sein Volk beherrscht, Auge in Auge begegnet. Der überzeugt ist, dass man jeden Preis für ein paar Kilometer fremdes Land bezahlen kann.
Ja, Russland hat so gelebt, lebt und wird leben. Unsere Aufgabe ist es, nicht in sein Visier zu geraten.
Und deshalb müssen wir natürlich auch Putins militärisch-technisches Ziel verstehen. Er mag erkennen, dass er nicht in der Lage ist, die gesamte Ukraine zu besetzen, aber er möchte erstens die Möglichkeit haben, noch einen Teil der Gebiete in den ukrainischen Regionen zu besetzen, in denen er Scheinreferenden abhalten kann, um dann die Ausweisung von ukrainischen Truppen aus diesen Gebieten zu fordern.
Und die Oblast Sumy ist einer der offensichtlichen Kandidaten des Kremls für die Schaffung einer solchen Farce. Daher könnte die Bombardierung von Sumy eine Vorbereitung auf einen solchen russischen Angriff sein.
Und wenn im Kreml erkannt wird, dass der Angriff aussichtslos ist, könnte es für notwendig gehalten werden, eine große Pufferzone zwischen den Gebieten zu schaffen, die von den Russen kontrolliert werden, sowohl auf dem souveränen Territorium Russlands selbst als auch auf den besetzten ukrainischen Gebieten und der freien Ukraine, um die Aufgabe derer zu erleichtern, die über Optionen zur Aufteilung des ukrainischen Territoriums in verschiedene Kontrollzonen zwischen verschiedenen Armeen diskutieren.
Das könnte auch ein Ziel Putins sein, das er übrigens kaltblütig den amerikanischen Verhandlungsteilnehmern präsentieren wird. Denn wenn Verhandlungen geführt werden, können dort alle menschenverachtenden Vorschläge vorgebracht werden, die mit einem schnellen Weg zum Frieden begründet werden.
Also, wie ich schon sagte, Terror hat eine Logik. Und unsere Aufgabe ist es, diese Logik zu verstehen, selbst wenn es scheint, dass nichts außer Emotionen und Hass übrig bleibt.
Vor 36 Jahren schrieb der amerikanische Professor Francis Fukuyama einen Artikel mit dem Titel „The End of History?“, den er später in ein Buch umwandelte. Dieser Text kann als eine der erfolglosesten Vorhersagen in der Welt der Politikwissenschaft betrachtet werden. Der amerikanische Denker betrachtete den Zusammenbruch des Kommunismus in seiner Konfrontation mit der demokratischen Welt als das Ende der Weltgeschichte und kam zu dem Schluss, dass, wenn selbst die Sowjetunion die liberale Demokratie als Höhepunkt der zivilisatorischen Entwicklung akzeptierte, von welchen zukünftigen Konflikten wir dann noch sprechen könnten?
Fukuyama hat nicht viel gesehen oder verstanden. Er erkannte nicht, dass das Sowjetimperium in den letzten Jahrzehnten seiner Existenz – genauer gesagt nach dem Zweiten Weltkrieg – ausschließlich als russisch-chauvinistischer Staat funktionierte, in dem die kommunistische Ideologie mehr eine Hülle als das Wesen des Regimes war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass das kommunistische China in Symbiose mit einer Marktwirtschaft erhalten bleiben würde und dass in diesem Land das kommunistische System und die kapitalistischen Mechanismen mit nationalen Ambitionen und imperialen Bestrebungen koexistieren würden.
Ich würde dem amerikanischen Intellektuellen jedoch nicht vorwerfen, dass er die Prozesse, die in Europa und Asien ablaufen, nicht versteht. Dies war noch nie eine Stärke des amerikanischen politischen Denkens, insbesondere wenn es um autoritäre Regime geht, in denen diese Intellektuellen nicht gelebt haben und deren Wesen sie einfach nicht verstehen konnten. Francis Fukuyamas Irrtum mit dem „Ende der Geschichte“ ist ein natürlicher Fehler eines aufrichtigen westlichen Denkers, dem man keinen Vorwurf machen kann.
Selbst für uns, die wir damals in der Sowjetunion lebten, war es schwer zu glauben, dass nach dem Zusammenbruch des Kommunismus die Geschichte wie gewohnt weitergehen würde, mit Konflikten, Kriegen und Hass. Denn der Untergang des größten totalitären Imperiums der Welt weckte Hoffnungen, die weit von einer nüchternen Einschätzung der Realität entfernt waren.
Heute jedoch scheint es, als stünden wir vor dem wahren Ende der Geschichte. Dem Ende der Geschichte der liberalen Demokratie. Was in den Vereinigten Staaten geschieht, verändert die Welt auf eine viel tiefgreifendere Weise, als es der Zusammenbruch der Sowjetunion je getan hat.
Niemand hat von der Sowjetunion etwas Außergewöhnliches erwartet. Sie war ein autoritärer Staat mit einer marginalen Wirtschaft und einer armen Bevölkerung, die von den Errungenschaften der modernen Zivilisation abgeschnitten war. Zum Zeitpunkt ihres Zusammenbruchs war der Kommunismus längst keine Ideologie mehr, die Millionen von Menschen auf der ganzen Welt sympathisch war. Er hatte seine Ineffizienz und Arroganz gezeigt. Die Beteiligung der Sowjetunion an der Niederschlagung des Hitlerismus nach dem Zweiten Weltkrieg schuf eine Zeit lang die Illusion ihrer moralischen Überlegenheit, selbst bei denen, die den Kommunismus nie unterstützt hatten. Doch die Invasion in Ungarn und in die Tschechoslowakei und das, was die UdSSR aus Mitteleuropa gemacht hat, zerstörten diese Sympathie endgültig. Als die Sowjetunion zusammenbrach, betrachteten selbst italienische, spanische oder französische Kommunisten sie als ein Land der Vergangenheit.
Die Situation mit den Vereinigten Staaten war ganz anders. Schon vor den Weltkriegen wurden sie in der Alten Welt als Traumland wahrgenommen – als Zufluchtsort für diejenigen, die in Europa oder Asien keinen Platz fanden. (Fukuyamas Eltern waren übrigens genau solche Menschen.) Der amerikanische Traum war nicht nur ein Wort, er war Realität. Er bestand aus Wolkenkratzern, wissenschaftlichen Errungenschaften, einer neuen Kultur und freien Bürgern. Die Europäer waren bereit, die Augen vor der Rassentrennung zu verschließen, weil sie selbst auf einem Kontinent mit chronischen nationalen Konflikten lebten. Sie waren bereit, die Millionen von Anhängern totalitärer religiöser Sekten zu ignorieren, weil die religiösen Institutionen in Europa selbst noch immer großen Einfluss hatten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereinigten Staaten nicht nur zu einem Traumland, sondern auch zu einem Symbol der Demokratie. Ein Land, das andere davon überzeugte, dass liberale Demokratie, Toleranz und Menschenrechte der Weg zum Wohlstand für Staaten, Nationen und Individuen sind. Und die Amerikaner taten dies mit einem solchen Eifer und einer solchen Bereitschaft, an den Veränderungen in anderen Gesellschaften mitzuwirken, dass man ihnen ernsthaft Glauben schenkte.
Umso größer war der Schock, als sich herausstellte, dass der neue US-Präsident und sein innerer Kreis bereit waren, auf diese Rolle zu verzichten.
Von der Sowjetunion erwartete man nicht viel. Man hoffte, dass Russland ein normales demokratisches Land zwischen Europa und Asien werden würde. Ja, das waren naive Erwartungen, aber nicht überzogen. Die rasche Verwandlung Russlands in ein zivilisatorisches Monster überzeugte uns davon, dass der Kommunismus nicht die einzige Quelle all des Schreckens war, der sich seit Jahrzehnten auf seinem Territorium und in den von den Bolschewiki eroberten Ländern abspielte.
Die Vereinigten Staaten waren unser wahrer Fahnenträger. Der Fahnenträger der liberalen Demokratie. Der Staat, zu dem alle aufblickten. Und der sich selbst zu dieser Rolle ernannt hat. Er hat Energie, Ressourcen und das Leben seiner Bürger eingesetzt, um ein Symbol unserer Hoffnung zu bleiben. Und jetzt sagt er, dass er keiner Fahnenträger ist und dass wir alle ihn beraubt haben, während er stolz ihre Fahne trug. Eine Fahne, von der wir dachten, dass wir sie teilen.
Das ist bitter. Denn wir haben noch nicht in einer Welt gelebt, in der die Vereinigten Staaten nicht der Fahnenträger der liberalen Demokratie sind. Wir waren uns sicher, dass Freiheit, Demokratie und die Rechte eines jeden einen starken Verteidiger haben. Und nun verleugnet dieser Verteidiger uns und sich selbst. Und es ist unangenehm, in einer solchen Welt zu leben.
Aber wir werden es tun müssen. Wir müssen es tun, wenn wir wirklich das wahre Ende der Geschichte erreichen wollen, von dem Fukuyama schrieb – eine Welt des gegenseitigen Respekts und der gemeinsamen Werte. Denn im Gegensatz zu denen, die heute in den Vereinigten Staaten gewonnen haben, wissen wir mit Sicherheit, dass dies eine wahre und gerechte Welt ist. Und es lohnt sich, für sie zu kämpfen.
Vladyslav Zadorin, ein Verteidiger der Schlangeninsel, verbrachte fast zwei Jahre in russischer Gefangenschaft. Er fiel den Besatzern am ersten Tag der umfassenden Invasion in die Hände, als der Satz seines Kameraden über das Radio gesendet wurde: „Russisches Kriegsschiff, geh nach…“, bekannt wurde.
Vladislav überlebte Hunger, Misshandlungen und Folter, verlor 60 kg, aber er überlebte – trotz allem. „Dumskaya“ sprach mit dem Krieger.
KEHRTE AUS POLEN ZURÜCK UND WURDE MARINESOLDAT
Wir treffen unseren Helden in Arkadien. Wir brauchen lange, um einen Ort zu finden, an dem sich niemand in unser Gespräch einmischt. Es ist noch mehr als ein Monat bis zur Touristensaison, so dass die meisten Cafés frühmorgens geschlossen sind.
Da ist er, Vladyslav Zadorin. Breite Wangenknochen, ein harter, leicht in sich gekehrter Blick. Der Mann lächelt, er hat Sinn für Humor, trotz allem, was er durchgemacht hat. Er verbrachte 679 Tage unter schrecklichen Bedingungen in russischer Gefangenschaft. Darüber werden wir bei einer Tasse Kaffee sprechen.
Vlad wurde in Blagoweschtschensk (ehemals Uljanowka), Gebiet Kirowograd, als Sohn eines Schweißers und einer Buchhalterin im Schulamt des Bezirks geboren. Der von Natur aus aktive und kontaktfreudige künftige Marinesoldat hatte von Anfang an nicht die Absicht, seine Zukunft mit den Streitkräften zu verbinden, und beschloss, nach seinem Schulabschluss sein Glück im Ausland zu versuchen.
„Als ich 18 wurde, sagte ich meinen Eltern, dass ich nicht auf ihre Kosten leben würde“, beginnt Vlad seine Geschichte, „ich ging nach Polen und arbeitete zunächst in einem Kosmetiklager in einer kleinen Stadt. Dann zog ich nach Warschau und arbeitete in einem Parkhaus. Dort verdiente ich bereits eintausend Dollar. Im Alter von 18 Jahren ist es toll, so viel Geld zu bekommen. Damals dachte ich, dass ich den Rest meines Lebens in Polen verbringen würde.“
2019 kam Vlad zum Geburtstag seiner Mutter nach Hause und beschloss nach einem Gespräch mit seinem Vater, einen Vertrag mit den Streitkräften der Ukraine zu unterzeichnen.
„Mein Vater hat nichts angedeutet“, erinnert sich Vlad. „Er hat nicht gesagt: ‚Vlad, geh zur Armee‘, so etwas gab es nicht. Er erzählte mir nur von seinem Dienst in der Tschechischen Republik während der Sowjetzeit. Und ich beschloss für mich: Mein Vater hat gedient, mein älterer Bruder hat gedient, warum sollte ich nicht auch dienen? Das ist die Pflicht eines jeden Menschen.“
Im Alter von 20 Jahren unterschrieb Vlad einen Vertrag, absolvierte eine Ausbildung und wurde Flugabwehroffizier in einer Marine-Infanterieeinheit. Fünf Monate vor Ablauf seines Vertrags mit dem Staat wurde der Verteidiger nach Schlangeninsel entsandt.
EIN STURM KOMMT BALD!
„Es war Januar. Mein Vertrag ging zu Ende. Ich sollte meine Zeit in der Einheit beenden, auf Patrouille gehen, dann meine Waffen und Habseligkeiten abgeben und gehen. Gleichzeitig bereitete ich meine Unterlagen für die Ausreise nach Deutschland vor. Und dann sagte mein Kommandeur: „Bublik (mein Spitzname), du musst die Jungs ablösen, genau für einen Monat“. Ich musste es tun.“
Vlad zufolge war der Dienst am Schlangeninsel so etwas wie ein Kinderlager: zurücklehnen, den Himmel beobachten, sonnenbaden, Muscheln und Fische fangen. Der Mann erinnert sich, dass trotz der spürbaren Spannung keiner seiner Kameraden wirklich an einen umfassenden Krieg glaubte, außer vielleicht sein Kommandant.
„Mein Kommandant sagte damals ein paar seltsame Worte zu mir, aber ich schenkte ihnen keine große Aufmerksamkeit“, erinnert sich der Marinesoldat, „er fragte mich: ‚Bublyk, wann gehst du? „Im Mai.“ „Also wirst du den Krieg noch miterleben.“ Ich ließ es auf sich beruhen. Was für ein Krieg, dachte ich. Ich konnte es nicht fassen.“
Am 3. Januar war Zadorin bereits auf der Insel. Er und seine Kameraden wurden dem 88th Separate Battalion der 35th Marine Brigade zugeteilt. Die Tage zogen sich hin, tagein tagaus. Am 4. Februar feierte Vlad seinen Geburtstag auf der Insel und beschloss, einen weiteren Monat zu bleiben: „Der Dienst geht weiter, das Gehalt kommt, und ich kann es nirgendwo ausgeben – toll.“
Am 7. März wollte Zadorin auf das Festland zurückkehren. An den 24. Februar und den Tag davor erinnert sich der Marinesoldat fast auf die Sekunde genau:
„Wir haben den 23. Februar gefeiert. Viele von der ‚alten Garde‘ feierten mit uns. Wir haben 50 Kilo Muscheln gefangen. Es war sehr warm dort. Wir trugen kurze Hosen. Wenn es windstill war, konnten wir im Meer schwimmen. Wir haben eine riesige Bratpfanne gebraten. Wir haben gefeiert. Und am 24. wurden wir um 4 Uhr morgens durch den Alarm geweckt. Wir dachten, jemand hätte gestern Mist gebaut und würde bestraft werden. Wir rennen raus und nehmen unsere Positionen ein. Ich habe Telegram geöffnet und sah, dass der Krieg wirklich begonnen hatte. Kiev, Odesa, Kirovograd, Lviv wurden bombardiert, Flugzeuge waren im Einsatz, überall gab es Angriffe. Mir blieb die Luft weg, ich konnte nicht mehr atmen. Ich habe meine Familie angerufen. Dann habe ich mich ein wenig beruhigt. Ich dachte, dass Schlangeninsel an der Grenze zu Rumänien liegt und die Russen es wahrscheinlich nicht erreichen würden. Aber es hat sich herausgestellt, dass sie bei uns angefangen haben.“
DIE KAMPFFLIEGEN VON DER SCHLANGENINSEL.
Gegen 9 Uhr am 24. Februar tauchte das erste russische Schiff am Horizont auf. Der Aufklärer schoss ohne zu bremsen auf die Insel, verfehlte sie, drehte ab und verschwand. Gegen Mittag tauchten der Kreuzer Moskwa und das Patrouillenschiff Wassili Bykow am Horizont auf. Und dann hörten wir auf Kanal 26 des Öffentlichen Rundfunks den Dialog, den jeder Ukrainer hören kann und der den Vektor der Bewegung des russischen Flaggschiffs festlegt. Unser Gesprächspartner konnte die legendären Worte jedoch nicht hören, da er sich auf der Position befand.
Nach einer kurzen Verhandlung erlaubten die Russen der Ukraine, die zivilen Spezialisten, die den Leuchtturm und andere Einrichtungen auf der Insel überwachten, mitzunehmen. Vlad erinnert sich, dass der Kommandeur allen, die nicht kämpfen wollten, anbot, die Waffen niederzulegen und mit Booten zum Festland zu fahren, aber keiner der 80 Soldaten war bereit, seine Kameraden zu verlassen.
Um 15:00 Uhr, sobald die Zivilisten die Insel verlassen hatten, startete der russische Kreuzer den ersten Angriff. Dann bombardierten die Flugzeuge Schlangeninsel. Das Gebäude des Grenzschutzpostens, der Leuchtturm, das Museum, das Radargerät und andere Einrichtungen wurden zerstört. Unter dem Schutz eines Kreuzers landete ein feindlicher Landungstrupp auf der Insel.
„Es gab zwei Stellen, an denen man landen konnte“, sagt Vlad, „der Strand, an dem wir schwammen, und der Pier. Am Strand befand sich ein Stacheldraht, an dem wir ein sowjetisches Schild mit der Aufschrift „Vermint“ anbrachten. Die Russen haben es nicht riskiert, dort zu landen, sie sind über die Pier reingekommen. Als wir gefangen genommen wurden, sahen wir, dass sie geladen waren und dass sie “ Vintores“ (spezielle Scharfschützengewehre – Anm. d. Red.) mit modernen Optiken und “ Valy“ (spezielle Sturmgewehre – Anm. d. Red.) hatten. Wir wären in wenigen Minuten erledigt gewesen, und ich bin unserem Kommandeur dankbar, dass er die Entscheidung getroffen und das Leben von 80 Menschen gerettet hat.
Die Gefangenen blieben trotz des Sturms bis zum Morgen auf dem Pier liegen, unter dem Visier der Maschinengewehre. Zu diesem Zeitpunkt, so Vlad, inspizierten die Besatzer die Insel sorgfältig in der Hoffnung, die berüchtigten Bio-Labors zu finden.
„Sie haben wirklich daran geglaubt, sogar die Kommandanten“, lacht unser Gesprächspartner, „sie haben in jede Spalte geschaut, jeden Stein aufgehoben. Vielleicht waren sie auf der Suche nach Kampfdelfinen, vielleicht aber auch nach Kampffliegen. Da habe ich gemerkt, wie sehr ihre eigene Propaganda sie beeinflusst hat.“
SCHOLLEN AUF DER KRIM UND TAPIK IN KURSK
Die Gefangenen wurden in das besetzte Sewastopol transportiert. Ironischerweise waren Vlad und seine Mitgefangenen in derselben Kaserne untergebracht, in der sein älterer Bruder 2005 diente. Auf der Krim wurden die Kriegsgefangenen annehmbar behandelt. Sie bekamen das gleiche Essen wie russische Soldaten, und die täglichen Verhöre wurden ohne Schläge durchgeführt.
„Sie glaubten wirklich an ihren Blitzkrieg, daran, dass das Kyiver Regime die Macht an sich gerissen hatte und dass die Ukrainer nur davon träumten, sich mit ihren slawischen Brüdern gegen die Amerikaner zu vereinen, sie glaubten, dass alles in drei Tagen vorbei sein würde, also verhöhnten sie uns nicht“, sagt der Marinesoldat. Sie gaben uns Schollen, Teigtaschen und Joghurt. Die Verhöre wurden von FSB-Ermittlern durchgeführt. Sie nahmen unsere Fingerabdrücke und machten Fotos von unseren Tätowierungen. Sie haben uns damals nicht geschlagen“.
Zwei Wochen später wurden die Verteidiger von Schlangeninsel in Busse verladen und zum Flugplatz gebracht. Auch Gefangene aus Chaplynka, Chongar und anderen Frontgebieten wurden dorthin gebracht. Alle zusammen wurden mit Militärflugzeugen nach Kursk transportiert, von wo aus sie in Lieferwagen in eine Zeltstadt bei Shebekino (Region Belgorod, Russland) gebracht wurden.
„Wir wurden aus den Fahrzeugen geworfen, buchstäblich hinausgeschmissen“, sagt der Verteidiger von Zmiine, „unsere Hände waren gefesselt, und wir fielen, so weit wir konnten. Dann standen wir lange auf den Knien in der Schlange für die Verhöre, manche eine Stunde, manche zwei, im Schnee, in der Kälte. Ich hatte Glück und blieb etwa 15 Minuten stehen.“
Während dieses Verhörs war das russische Militär nicht mehr zimperlich und setzte Folter ein, einschließlich Elektroschocks mit einem alten sowjetischen TA-57 Militär-Feldtelefon, auch bekannt als „Tapik“. Blanke Drähte wurden an Brustwarzen und Genitalien angeschlossen, und dann wurde die Spannung angelegt.
„Es war beängstigend“, gibt Vlad zu. An diesem Punkt ändert sich der Blick des Mannes und er ist ganz in sich gekehrt: „Ich bin mehrmals vom Stuhl auf den Rücken gefallen. Sie fragten mich, wo die Ausrüstung sei. Sie wussten nicht, dass ich von der Schlangeninsel bin.“
„EINIGE SCHAFFTEN ES NICHT EINMAL BIS ZUR ZELLE, SIE WURDEN AM EMPFANG ZU TODE GEPRÜGELT“.
Die Kriegsgefangenen blieben noch zwei Tage lang in Zelten, dann wurden sie in Gruppen aufgeteilt und in russische Gefängnisse gebracht. Die Behörden und einige andere Personen, darunter die entführten Geistlichen des Rettungsschiffs Sapphire, wurden nach Stary Oskol in der Oblast Belgorod gebracht, wo das örtliche Untersuchungsgefängnis speziell für Kriegsgefangene eingerichtet wurde.
„Solange wir nur wenige waren, wurden wir relativ gut behandelt“, sagt der Marinesoldat, „aber je mehr Gefangene eingeliefert wurden, desto schlechter wurden sie behandelt, desto mehr schnauzten sie uns an. Sie schlugen uns ständig. Mit Händen, Füßen, Schlagstöcken. Je mehr du geschrien oder auch nur gegrunzt oder vor Schmerzen gestöhnt hast, desto härter haben sie dich geschlagen. Das hat ihnen Spaß gemacht. Und wenn man schwieg und aushielt, beruhigten sie sich. „Tut es nicht weh? Soll ich es dir noch einmal besorgen?“ Es tut weh, musste man sagen, dann schlagen sie dich wieder und verlieren das Interesse. Aber im Allgemeinen hing es von ihrer Stimmung ab. Manche haben es nicht einmal bis in die Zelle geschafft, die wurden schon an der Aufnahme zu Tode geprügelt.“
Zusätzlich zu den Schlägen verhöhnten die Wärter die Gefangenen, wann immer es möglich war. Für einen Spaziergang wurden nur wenige Sekunden eingeräumt, in denen der Gefangene auf das Dach rennen musste, wo sich ein Spazierweg befand, zur Berichterstattung in die Videokamera schauen und sofort zurücklaufen musste. Und das alles in gebückter Haltung mit hinter dem Rücken verschränkten Armen – so machen es Häftlinge, die zu lebenslanger Haft verurteilt wurden, in Russland normalerweise. Sie hatten auch nur wenige Sekunden Zeit, um sich in der Dusche zu waschen, was nur dazu reichte, sich kaltes Wasser über Gesicht und Kopf zu gießen. Bei den Mahlzeiten wurden nur ein paar Minuten gewährt, in denen er ein paar Löffel von dem schlucken musste, was der russische Koch ihm auf den Teller warf.
Während seiner Gefangenschaft hat der ukrainische Soldat von 120 auf 60 kg abgenommen!
„Sie gaben uns Kartoffelschalen, die direkt vom Erdboden geholt und mit Lehm gekocht wurden. Wir wetteiferten sogar mit den Jungs darum, wer die längste Kartoffelschale hatte. Manchmal bekamen wir sogar Kartoffeln mit Sprösslingen.“
Und dann waren da noch die täglichen Verhöre. Manchmal mit Schlägen, manchmal mit ausgefeilter Folter. Die FSIN (Russischer Strafvollzugsdienst – Anm. d. Red.) versuchte, Geständnisse für jedes Verbrechen zu erzwingen. Einem Zellengenossen von Vlad, einem Kämpfer aus Charkiw, wurde mit einem Klappmesser die Zunge durchgeschnitten, weil er sich weigerte, den Vorwurf der Plünderung zu akzeptieren. Einige konnten es nicht ertragen und unterschrieben die Dokumente, andere nicht. Nach Angaben unseres Gesprächspartners war es eine reine Lotterie. Am brutalsten waren die Vertreter der so genannten kleinen Völker: Burjaten, Jakuten und andere, die aus den Gefängnissen im russischen Hinterland verlegt wurden.
Am Ende seiner Erzählung über die drei Monate, die er in der Haftanstalt Stary Oskol verbrachte, bezeichnet Vlad diese Bedingungen als „sanatoriumsähnlich“. Mit jeder Verlegung, mit jedem neuen Gefängnis, verschlechterten sich die Haftbedingungen und die Haltung der Wärter.
Die nächste Station war die Strafkolonie 6 in Voluyki, Oblast Belgorod.
„Der Empfang dort war sehr hart, wir wurden so geschlagen, dass wir es kaum bis zur Kaserne schafften. In Woluyki machte ich Bekanntschaft mit einem tierärztlichen Betäubungsgerät. Das ist ein riesiger Schocker, mit dem man Schweine und Kühe tötet. Sie benutzten ihn bei uns. In den Arm, in das Bein, in den Anus, in die Genitalien, in den Mund, in den Hals. Glaubst du, dass es unmöglich ist, an der Wand hochzukriechen, wenn du an der Wand stehst, fast in einem Spagat? Wenn sie dir einen Elektroschocker in den Anus stecken, springst du einfach an die Decke.“
In Voluyky gab es sowohl Kriegsgefangene als auch Zivilisten, die aus den besetzten Gebieten verschleppt worden waren. Alle wurden zur Arbeit gezwungen – zum Zusammenstellen von Ordnern mit Schnellheftern. Vlad zufolge war die monotone Arbeit, wenn auch mit fantastischen Produktionsstandards, eine echte Ablenkung.
Von Anfang an informierten die Russen die Gefangenen auf jede erdenkliche Weise falsch, indem sie fiktive Nachrichten verbreiteten, dass die Ukraine bereits vollständig erobert sei und die russischen Truppen die polnische Grenze erreicht hätten.
„Zuerst haben wir das geglaubt“, erinnert sich Zadorin, „aber dann haben wir gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Wenn sie die Ukraine erobert hatten, warum saßen wir dann noch hier? Später, in Kursk, begannen sie, neue Kriegsgefangene zu bringen, und wir begannen, die Wahrheit zu erfahren, dass sie nicht einmal die Regionen Donezk und Luhansk vollständig einnehmen konnten, und wir erfuhren von der Gegenoffensive in den Regionen Charkiw und Cherson.“
Nach Woluysk wurde Wladyslaw in die vierte Strafkolonie in Oleksijiwka im Gebiet Belgorod verlegt. Nach Angaben des Mannes verliefen die Monate dort friedlich:
„Wir wurden dort gut behandelt. Der Leiter der Kolonie stammte aus Odesa, und 60-70 Prozent von uns waren aus Odesa-Brigaden. Vielleicht wurde ich deshalb in den drei Monaten, die ich dort war, nie geschlagen, sie gaben mir Medikamente und ernährten mich ordentlich.“
SCHNECKEN UND KERNSEIFE ZUM FRÜHSTÜCK, ZAHNPASTA ZUM DESSERT
Die schlimmsten Bedingungen erwarteten die Ukrainer in Kursk. Vlad und ein weiterer Kriegsgefangener wurden am 31. Dezember 2022 dorthin verlegt. Er sollte im Rahmen des Neujahrsaustauschs freigelassen werden, aber irgendetwas ging schief, und der Mann wurde in Kursk zurückgelassen. Dort begann er schnell abzunehmen:
„Meine Lieblingsspeise dort war Zahnpasta mit Schwarzbrot. Aus irgendeinem Grund gaben sie uns so viel Zahnpasta, wie wir wollten, wir schmierten sie einfach auf das Brot, es war süß, und aßen es so. Wir haben Würmer und Schnecken gegessen, wir haben lebende Mäuse zerrissen und gegessen, wir haben versucht, eine Taube zu fangen, aber es ist uns nicht gelungen, wir haben Toilettenpapier und Waschseife gegessen. Pro Tag bekamen wir drei Scheiben Brot mit Sägemehl oder Sand.
In Kursk gab es einige der brutalsten Verhöre, oder besser gesagt, Folter um der Folter willen, denn die Jungs hatten im vergangenen Jahr schon alles gesagt, was sie konnten.
„Sie steckten Nadeln unter die Nägel, zerbrachen Flaschen über dem Kopf. Im Badehaus gab es einen Industrietrockner, in den sie die Jungs steckten, und sie erstickten fast und wurden ohnmächtig. Sie schlugen mir mit einem Hammer Wirbel in die Wirbelsäule, zerschlugen zum Spaß Sektflaschen auf meinem Kopf. Es gab viele Fälle, in denen man zu Tode geprügelt wurde. Viele der Jungs wurden vergewaltigt. Eine Form der sexuellen Gewalt ist zum Beispiel das, was sie Chupa-Chups nennen. Sie fragten dann: „Magst du Süßigkeiten?“, und jede Antwort war richtig. Sie gaben dir einen Gummistock, mit dem sie dich schlugen und brachten dich dazu, ihn zu lecken und zu lutschen, das nachzuahmen. Und das haben sie auch gemacht. Viele Jungs wurden mit diesem Stock vergewaltigt. Es gab einen Jungen, der drei Monate hintereinander zwei- oder dreimal am Tag von Häftlingen vergewaltigt wurde. Man hat den Wärtern Geld bezahlt, und sie haben ihn weggebracht. Danach hat er völlig den Verstand verloren. Es war beängstigend, wenn man nachts hörte, wie jemand gefoltert wurde.
Es war nicht leicht, die ständigen Folterungen und Misshandlungen zu ertragen. Einige Kriegsgefangene begingen Selbstmord. Vlad hatte zwei Selbstmordversuche. Das erste Mal, als er zu einem Austausch gebracht werden sollte, aber nicht ausgetauscht wurde.
„Die Jungs haben mich gerettet“, erinnert sich der Mann, „es hat einen großen Einfluss darauf, mit wem man in einer Zelle sitzt. Wir hatten eine Fünf-Personen-Zelle. Da waren 12 Leute drin: IT-Leute, Englischlehrer, Bauern und Geschäftsleute. Wir haben viel geredet, ich habe dort viel gelernt, jetzt weiß ich etwas über Landwirtschaft, wie man Bäume beschneidet, ich habe Englisch gelernt und ich habe anderen von Polen erzählt.“
Trotz der unmenschlichen Bedingungen fanden die Ukrainer Wege, sich abzulenken. Vlad und seine Zellengenossen bastelten Spielkarten und Dominosteine aus Buchdeckeln – die Russen gaben ihnen alle möglichen Karl Marx- und anderen Bücher – und versteckten sie im Lüftungsschacht. Sie versteckten sie in den Lüftungsschächten.
Den Ukrainern gelang es auch, ihre Unterhosen aus Bettzeug selbst herzustellen:
„Wir bekamen weder Unterhosen noch Socken, nur ein Hemd. Wir machten uns Nadeln aus einem Plastikeimer, im Gefängnisjargon ‚Aljonuschka‘ genannt. Dann zogen wir Fäden aus Gefängnisdecken, drei oder vier Stück, knüpften sie zusammen und benutzten dieses Seil, um die Seite des Eimers abzuschneiden, dann schärften wir sie gegen einen Betonkasten. Wir machten Schnittmuster aus Bettwäsche und nähten Unterhosen, um wie Menschen auszusehen.“
FREIHEIT
Vlad wurde nach Neujahr, am 3. Januar 2024, ausgetauscht, als ein großer Austausch stattfand und 230 Ukrainer nach Hause zurückkehrten. Wenn sich der Marinesoldat an diesen Tag erinnert, stehen ihm die Tränen in den Augen.
„Wir haben Silvester gefeiert, wir haben mehr Tee bekommen als sonst“, sagt der Verteidiger, „Abends wurde die Futterklappe geöffnet, ich und drei weitere Personen wurden aufgerufen. Ein Jahr lang hatten sie meinen Namen nicht aufgerufen, und dann taten sie es doch. Ich bekam einen Herzschlag, meine Beine wurden schwach, ich fiel hin und verlor das Bewusstsein. Sie holten mich zurück ins Leben und fragten mich, welche Größe ich trage. Ich verstand, dass es um einen Austausch ging. Ich habe zwei Nächte lang nicht geschlafen, ich konnte nicht schlafen. Am 3. Januar holten sie mich und die anderen ab, setzten uns die Mützen aufs Gesicht, fesselten uns mit Klebeband und luden uns in die Transporter. Wir wurden um sieben Uhr abends an der Grenze zum Gebiet Sumy ausgetauscht. Die ersten Worte, die ich hörte, waren Ukrainische: „Wer will Zigaretten?“ und „Ruhm der Ukraine“. Zu sagen, dass ich überglücklich war, wäre eine Untertreibung. Mir kamen die Tränen, ich konnte nicht aufhören. Ich konnte es nicht fassen.“
Die entlassenen Häftlinge wurden zur Untersuchung nach Sanzhary geschickt. Die tägliche Folter hat die Gesundheit aller schwer geschädigt. In zwei Jahren verwandelten sich die kräftigen Männer in ihre Schatten, wie auf Fotos vom Holodomor der 1930er Jahre.
„Bei mir wurde eine geschlossene Kopfverletzung diagnostiziert, meine Gallenblase wurde herausgenommen – sie war aufgrund der Wasserqualität verkalkt, sie wollten mir meine großen Zehen amputieren, aber dann konnten sie sie retten. In Kursk gab man mir Schuhe in Größe 41, aber ich habe Größe 45. Meine Zehen begannen zu faulen. Die Russen haben mir einfach die Nägel mit einer Zange herausgezogen, und das war die einzige Behandlung. Außerdem haben sie mir während des Verhörs drei Wirbel mit einem Hammer zertrümmert. Aber die Ärzte sagen, dass das Rückenmark nicht betroffen ist und es besser ist, es nicht zu berühren, sondern es ein wenig zu strecken.“
Eine lange Rehabilitationsphase begann. Dank freiwilliger Helfer konnten Vlad und drei andere entlassene Häftlinge in einen der besten Ferienorte Litauens, Druskininkai, und anschließend in die Karpaten reisen. Nach Angaben des Mannes hatte er zwei Monate lang praktisch keine Gefühle mehr. Er empfand weder Freude noch Aggression. Selbst als seine Eltern zu Besuch kamen, war ihm das egal, erinnert er sich.
„Dort wurde bei mir eine PTBS diagnostiziert“, sagt der Marinesoldat, „als erstes wurde mir klar, dass ich keinen Alkohol trinken kann. Sofort begannen unkontrollierte Aggressionen und ein verstärkter Sinn für Gerechtigkeit. Ich habe typische Erscheinungsformen. Jetzt denke ich, dass ich gelernt habe, sie zu kontrollieren und damit zu leben. Das MTC hat mich in die dritte Gruppe der Behinderungen eingestuft, und jetzt werde ich in die zweite Gruppe wechseln, weil mein Gesundheitszustand sich verschlechtert.
RUSSLAND – EINE DÜNNE FASSADE VON DOSTOJEWSKI, HINTER DER SICH VERWÜSTUNG UND KRIEG VERBERGEN
Der Wunsch, den Kampf gegen den Feind fortzusetzen, aber an der Informationsfront, half ihm, in ein normales Leben zurückzukehren. Vlad wurde Botschafter des Projekts Break the Fake, das sich auf die Bekämpfung von Propaganda und Desinformation spezialisiert hat. Der Soldat ist vor kurzem aus Frankreich zurückgekehrt. Zuvor war er in Litauen, Lettland, Estland, Polen, Österreich, der Slowakei, Slowenien, Kroatien, Griechenland und der Türkei, wo er mit lokalen Journalisten, Abgeordneten und hohen Beamten sprach.
„Dies ist eine Art Krieg, ein Informationskrieg, auf der internationalen Bühne“, sagt der ehemalige Kriegsgefangene. Wir haben die Fernsehsender 112 und ZIK, Medwedtschuks Sender – Quellen russischer Propaganda – blockiert. Jetzt blockieren wir die russischen Propagandasendungen in Europa. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung sagen, was Russland und die Russen sind. Ich erzähle, was sie den Menschen antun. Ich bringe den Europäern bei, wie sie die Nachrichten filtern können. Sie sind absolut blind für all diese Fälschungen und Propaganda, wie kleine Kinder. Sie haben keine eigene Gegenpropaganda. Wir in der Ukraine haben viel Erfahrung, und wir können den Europäern beibringen, wie man das macht. Wir müssen ihnen zeigen, dass es in Russland nicht um Größe und Kultur geht. In Russland geht es um Armut, Zerstörung und Krieg. Eine dünne Fassade aus Ballett und Dostojewski, dahinter Wodka, Bären, eine Balalaika, ein betrunkener Mann, eine geschlagene Frau und geschlagene Kinder. Das ist das wahre Russland.
„Die Europäer müssen verstehen, dass wir nicht nur einen Krieg zwischen zwei Armeen führen“, so der Marinesoldat weiter, „die Russen werden bereits von Nordkorea, China und dem Iran unterstützt. Dies ist ein Krieg zwischen Recht und Gewalt. Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der ein großes Land ein kleineres Land angreifen und Territorium erobern kann, nur weil es das möchte. Wozu brauchen wir dann all diese Gesetze, die Demokratie, all das? Und wenn es die Freiwilligen nicht gäbe, wenn es die Jungs nicht gäbe, die an der Front sind, dann wären die Russen schon hier, dann wären alle Männer erschossen worden und die Russen wären in die Ukraine gebracht worden, um unsere Frauen und Kinder zu vergewaltigen.“
Schließlich bittet Vladyslaw darum, über die Tatsache zu sprechen, dass Russland unter Verletzung des Völkerrechts die Gefangennahme unserer Soldaten nicht bestätigt.
„Wir haben ein sehr großes Problem damit, dass Russland Leute gefangen nimmt und nicht offiziell bestätigt, wo sie sind“, sagt Zadorin, „ich persönlich glaube nicht an den Austausch aller gegen alle, ich glaube überhaupt nicht daran. Wenn es einen Austausch von allen gegen alle gibt, werden nur diejenigen ausgetauscht, die offiziell bestätigt sind. Und was ist mit dem Rest? Hier geht es wirklich um das Leben. Außerdem gibt es auch Zivilisten, die in den besetzten Gebieten gefangen genommen wurden. Es gibt auch viele von ihnen, sie sind keine Kriegsgefangenen. Sie fallen unter keine Konvention. Während meiner zweijährigen Gefangenschaft habe ich keine einzige Organisation gesehen, die die Inhaftierung von Kriegsgefangenen überwacht hätte. Nicht eine einzige. Das Rote Kreuz ist eine impotente Organisation, absolut inkompetent. In Russland gibt es vorbildliche Gefängnisse, in die sie gehen dürfen. Zurzeit gibt es in Russland mehr als 200 Haftanstalten. Unsere Leute werden in Magadan, Kolyma, Sibirien, Tschetschenien und Weißrussland festgehalten. Sie alle warten auf ihre Freiheit, und wir haben kein Recht, sie zu vergessen.“
Manchmal siegt die Angst über die Logik. Yulia und ich gingen die Osypenko-Straße entlang, als ein russisches Flugzeug über uns hinwegflog. Wir drehten uns um und rannten los.
Wir hofften zu überleben und rannten, als würden wir einen Test im Sportunterricht bestehen wollen. Wir waren von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit getrieben.
Um sicher zu gehen, dass das Flugzeug nicht alleine tötet, kamen Mörser hinzu.
Meine schwarze Bommelmütze tauchte auf und verschwand über den Zäunen der Nachbarn.
Es schien, als würde ich unter den pfeifenden Minen Übungen machen.
Yulia und ich flitzten wie die Blitze eine kleine Straße entlang. Wir träumten davon, unsichtbar zu werden.
Der Wunsch, unsichtbar zu werden, tauchte in einem Evakuierungsbus wieder auf. Er brachte Menschen aus dem besetzten Berdiansk ins freie Saporischschja.
Es gab keinen Platz zum Stehen. Aber die Menschen stürmten in einer verzweifelten Menge über die Treppe, mit steinernen Gesichtern und gleichgültigen Augen.
Wer zur Hauptverkehrszeit mit dem Bus gefahren ist und dachte, es sei eng, der hat sich getäuscht. Im Vergleich zum Evakuierungsbus gab es dort Luft und persönlichen Freiraum.
Wir stiegen in die stickige Kabine ein und bereuten es dann fast fünfzehn Stunden lang. Ich dachte, ich käme da nicht mehr lebend heraus.
Ich kämpfte um zwanzig Zentimeter des schmutzigen Bodens, versuchte, auf meinen Beinen zu halten, die ganz starr wurden, und wurde gleichzeitig von einem epilepsiekranken Mann mit dem Ellbogen in die Seite geschubst.
Ein echter epileptischer Anfall war in diesem Bus unmöglich. Der Mann konnte nicht umfallen und in Krämpfe verfallen. Er lehnte sich mit dem Rücken auf die andere Leute, schüttelte sich am ganzen Körper, rollte mit den Augen zur Decke, aber er stand weiter, von allen Seiten eingeklemmt.
Angst schlich sich ins Herz und kribbelte kalt unter den Rippen. Er verdrängte alle anderen Gefühle.
Fast zwanzig Kontrollpunkte mit Raschisten, ihren Beschimpfungen und ihrem Hass. An einem der Kontrollpunkte schrie ein Soldat mit einem Sturmgewehr “ Ruhm der Ukraine“ in die Menge und zog den Abzug. Ich und ein weiterer Junge zuckten zusammen und drehten uns um. Der Raschist lachte. Ich hörte, wie er zu einem der anderen Freaks sagte: „Ich wollte sehen, wer von diesen Kreaturen reagieren würde.“
Unser Bus fuhr in der Dunkelheit durch ein Minenfeld. Er schwankte und kippte auf die Seite. Ich lief auf den Rädern wie ein Blinder, langsam und unsicher.
Drinnen schrie ein Kind am Fenster wie am Spieß. Ein kleines Mädchen aus einem Keller in Mariupol. Es schrie so laut, dass sich die Seele im Kreis drehte.
Die Leute zischten: „Wie kann eine Mutter ihr Kind nicht beruhigen? Macht, was ihr wollt, aber lasst sie Ruhe geben.“
Das Mädchen schrie vor Angst. Im Keller war es immer dunkel, und der Beschuss schlug mit einem riesigen Hammer auf die Wände ein.
Auch im Bus herrschte Dunkelheit und Panik. Es war wie ein Signal für den Beginn des Bombardements. Das Mädchen erstickte fast vor lauter Schreien. Ihre Mutter leuchtete mit einer Telefontaschenlampe auf sie ein.
Angst ist ein gemeinsames Unglück, wie ein Krieg oder eine Reise durch ein Minenfeld. Die Menschen sind bereit, sich aus Angst zu zerfleischen: „Du bist krank! Mach das Licht aus! Ein Schuß wird hierher kommen! Hier wird es ein großes Massengrab geben!“
Das Mädchen konnte nicht mehr weinen. Die Mutter weinte. Sie schluchzte wie ein kleines Kind. Keiner tröstete sie. In der Angst gibt es kein Mitgefühl. In der Angst gibt es kein Herz. Es gibt nur den tierischen Instinkt, um jeden Preis zu überleben.
In diesem Bus hatte ich nicht so sehr Angst vor dem Beschuss. Ich hatte Angst davor, kein Mensch mehr zu sein.
Іноді страх перемагає логіку. Ми з Юлькою йшли вулицею Осипенко і над нами пролетів російський літак. Ми повернули в інший бік і побігли.
Ми сподівалися вижити і бігли, як під час здачі нормативу на уроці фізкультури. Нас гнав розпач і безвихідь.
Щоб літаку було вбивати не самотньо, до нього підключились міномети.
Моя чорна шапка з помпоном з’являлася, то зникала над сусідськими парканами.
Здавалося, що я роблю зарядку під свистячими мінами.
Ми з Юлькою металися блискавками по невеликій вуличці. Мріяли стати невидимками.
Бажання стати невидимкою виникло знову в евакуаційному автобусі. Він віз людей з окупованого Бердянська до вільного Запоріжжя.
Місць не було, навіть, стояти. Але люди ломилися на сходи відчайдушним натовпом, з кам’яними обличчями та байдужими очима.
Якщо ви їхали маршруткою в годину пік і визнали її тісною, ви помилялися. В порівнянні з евакуаційним автобусом, там було повітря та особистий простір.
Ми увійшли до задушливого салону, а потім, майже п’ятнадцять годин, шкодували. Я думала, що живой із нього не вийду.
Я боролася за двадцять сантиметрів брудної підлоги, намагалася вистояти на ногах, що не гнулися, а в цей час мене бив ліктем у бік хлопець з епілепсією.
Повноцінний напад у цьому автобусі був неможливим. Хлопець не міг впасти і забитися в судомах. Він лежав спиною на інших людях, здригався всім тілом, закочував очі до стелі, але продовжував стояти, затиснутий з усіх боків.
Страх заповзає в серці і лоскоче холодом під ребрами. Всі інші почуття він виштовхує геть.
Майже двадцять блокпостів рашистів, їхні знущання та ненависть. На одному з блокпостів денеерівець з автоматом крикнув у натовп „Слава Україні“ і пересмикнув затвор. Я і якийсь хлопчина здригнулися і обернулися. Рашист заржав. Я чула, як він сказав комусь з таких самих виродків: „Хотел посмотреть, кто из этих тварей ответит „.
Наш автобус їхав мінним полем у темряві. Він хитався і завалювався на бік. Крокував колесами, як сліпий, повільно й невпевнено.
У середині салону, біля вікна несамовито кричала дитина. Маленька дівчинка з маріупольського підвалу. Вона кричала так, що душа ставала колом.
Люди шипіли: „Як так, мати не може заспокоїти дитину?“ Зробіть, що завгодно, але нехай вона замовкне“.
Дівчинка кричала від страху. У підвалі завжди була темрява і обстріли ламали стіни величезним молотом.
В автобусі теж була темрява та паніка. Як сигнал до початку бомбардування. Дівчинка майже задихалась від крику. Мама світила їй телефонним ліхтариком.
Страх – спільна біда, як війна чи поїздка мінним полем. Люди від страху готові розірвати:
„Ти – хвора! Вимкни світло! Зараз сюди прилетить! Тут буде велика братська могила!“
Дівчинка більше не могла плакати. Плакала її мати. Схлипувала, як маленька. Її ніхто не втішив. У страху немає співчуття. У страху немає серця. Є тільки тваринний інстинкт – вижити за всяку ціну.
У цьому автобусі найбільше я боялася не обстрілу. Мені було страшно перестати бути людиною.