Scheinverhandlungen statt Frieden. Vitaly Portnikov. 24.01.2026.

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Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass bei echten Verhandlungen ein verbrecherischer Beschuss der Zivilbevölkerung ein Anlass wäre, diese Verhandlungen abzubrechen und weitere diplomatische Demarchen zu setzen.

Das Problem besteht jedoch darin, dass das, was wir heute beobachten, keine echten Verhandlungen sind, sondern der Versuch der Ukraine und ihrer europäischen Verbündeten, der Administration Trump nicht die Möglichkeit zu geben, Kyiv mangelnden Friedenswillen vorzuwerfen, sich aus dem Prozess zurückzuziehen und sogar die Hilfe für die Ukraine einzustellen.

In Wirklichkeit führen wir die Verhandlungen also mit den Amerikanern. Die Russen sind dort lediglich Staffage, und sie haben dieselbe Aufgabe wie wir: allein durch ihre Präsenz Trump von ihrer Friedfertigkeit zu überzeugen. Dass man in Washington es vorzieht, den Beschuss der Ukraine während der Verhandlungen nicht zu bemerken, liegt bereits im Gewissen der amerikanischen Teilnehmer.

Und zum Schluss: Wird es irgendwann echte Verhandlungen mit Russland geben? Objektive Voraussetzungen dafür sind in den kommenden Jahren praktisch nicht vorhanden – selbst im Fall einer erheblichen Schwächung des wirtschaftlichen und militärischen Potenzials des Gegners. Wahrscheinlicher ist, dass wir es mit einem allmählichen Abklingen des Krieges zu tun haben werden, und unsere Hauptanstrengungen müssen auf Maßnahmen gerichtet sein, die auf die Erschöpfung der russischen Ressourcen abzielen.

Die Teilnahme an einem simulierten Verhandlungsprozess, um einen Verzicht der USA auf Druck gegenüber Moskau zu verhindern, ist ein wesentlicher Bestandteil dieser Maßnahmen.


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Art der Quelle: Social Media
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.01.2026.
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Witkoff – Putin: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 23.01.2026.

Nach den wie immer stundenlangen Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Putin gaben die amerikanischen Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner keinerlei Erklärungen ab und flogen weiter zu den Verhandlungen der Arbeitsgruppen der russischen, ukrainischen und amerikanischen Seite in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Konkreter äußerte sich hingegen der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow – ein Politiker, der für seine Beteiligung an der Ausarbeitung des sogenannten Friedensplans bekannt ist, den Moskau vor allem benötigt, um neue antirussische Sanktionen zu verhindern und die Kontrolle über seine derzeit im Westen eingefrorenen Vermögenswerte zu behalten. Er betonte, dass es ohne eine Lösung der Territorialfragen keinerlei reale Fortschritte im sogenannten Friedensprozess geben werde.

Damit lässt sich feststellen, dass auch Monate nach Beginn einer neuen Etappe der Suche von Präsident Donald Trump nach Wegen aus dem russisch-ukrainischen Krieg – und ungeachtet der Aussagen des amerikanischen Präsidenten, Putin wolle Frieden – der Kreml an seiner Position festhält und vor allem den Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet der Oblast Donezk fordert, das derzeit von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird.

Natürlich kann dies nicht nur eine Verzögerungstaktik bedeuten, sondern auch den Versuch Moskaus, Wege zur Destabilisierung der Ukraine zu finden, um die Führung unseres Landes unter dem Druck nicht nur Putins, sondern auch Trumps zu erniedrigenden territorialen Zugeständnissen zu zwingen. Moskau hofft offenbar, dass ein solcher Schritt zumindest in Teilen der ukrainischen Gesellschaft eine scharfe Reaktion auslösen, zum Zerfall der Streitkräfte der Ukraine führen und es Russland ermöglichen würde, einen größeren Teil des ukrainischen Territoriums ohne besondere Anstrengungen zu erobern.

Das heißt, Putin hofft weiterhin auf einen Revanchismus nach dem Scheitern seines Blitzkriegs von 2022. Und da seine Armee ihm das Gewünschte nicht liefern kann, sucht er nach politischen Schritten, um einen solchen Revanchismus umzusetzen.

Gleichzeitig muss betont werden, dass sich in der Position Moskaus gewisse instrumentelle Veränderungen abzeichnen, die vor allem damit zusammenhängen, dass Putin versteht, dass er dem amerikanischen Präsidenten Trump etwas als Beweis seiner angeblichen Friedfertigkeit anbieten muss. Dazu gehören auch die Gespräche, die derzeit in Abu Dhabi stattfinden.

Wir wissen bislang nicht genau, wie realistisch bei diesen Verhandlungen ein direkter Kontakt zwischen der russischen und der ukrainischen Delegation sein kann. Auch wenn man ehrlich sagen muss, dass dies praktisch nichts entscheidet. Denn in der bisherigen Situation des russisch-ukrainischen Krieges haben Ukrainer und Russen bereits mehrfach direkt miteinander gesprochen – sowohl 2022 als auch 2025. Das führte lediglich zu Zeitverzögerungen seitens der russischen Delegation und zur Präsentation politischer Ultimaten im Namen Präsident Putins.

Jetzt könnte sich die Situation ändern, weil der Kreml zum Leiter der russischen Delegation bei diesen Arbeitsgruppengesprächen Admiral Igor Kostjukow ernannt hat, den Chef der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation. Wenn man sich die Geschichte der sowjetischen und russischen Nachrichtendienste vor Augen führt, handelt es sich dabei um das GRU – die militärische Aufklärung –, die eine der wichtigsten Rollen in der Machtvertikale spielt, wenn es um die Streitkräfte der Russischen Föderation geht. Denn Putin versucht als professioneller Tschekist im Umgang mit Generälen gerade auf solche Nachrichtendienstler zu setzen, aus deren Reihen auch er selbst stammt. Aus dieser Sicht ist die Autorität des Admirals – des ersten Vertreters der Marine an der Spitze des Militärgeheimdienstes – für den Kreml unbestreitbar.

Dass Putin ausgerechnet den Chef der Hauptverwaltung des Generalstabs der Streitkräfte Russlands zu den Verhandlungen entsendet, kann mit mehreren Umständen zusammenhängen. Erstens wollte Putin offenbar, dass dem Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, General Budanov, der vor seiner Ernennung die ukrainische Militäraufklärung leitete, ein Gegner gegenübersteht, der die Schritte des neuen Leiters der Administration von Volodymyr Zelensky verstehen kann. Medinski hingegen würde Budanov hier offensichtlich unterlegen sein. Deshalb entsendet man den Chef der militärischen Aufklärung.

Zweitens möchte Putin Trump damit ein erhöhtes Interesse an der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges demonstrieren. An der Spitze der Delegation, die mit Amerikanern und Ukrainern sprechen wird, steht nun nicht mehr irgendein Medinski, der in diesem Leben praktisch nichts entscheidet und eher eine Putin-Marionette ist, die lediglich zuvor in der Präsidialadministration formulierte Ultimaten verliest. Stattdessen handelt es sich um eine Person, die zumindest in der Lage ist, ein eigenes Spiel zu entwickeln und sich anschließend mit dem Präsidenten der Russischen Föderation abzustimmen – jemand aus dem Kreis derjenigen, denen man im Kreml als „Eigenen“ vertraut und nicht als bloßem Servicepersonal, zu dem all diese Berater und Assistenten des russischen Präsidenten zweifellos zählen.

Ein dritter Punkt könnte – wenn auch eher als Hoffnung – damit zusammenhängen, dass Russland tatsächlich ernsthaft Sicherheitsfragen erörtern wollte und dass Putin die ukrainischen Angriffe auf seine Raffinerien und die damit verbundenen Verluste wirklich beunruhigen. In diesem Fall könnte Russland einen gewissen Schritt in Richtung eines sogenannten Energie-Waffenstillstands unternehmen. Und nicht etwa, weil Putin plötzlich Mitgefühl für das Leid der Ukrainer entwickelt hätte, die er in diesem kalten Winter einzufrieren versucht. Sondern weil Militärs Putin berichten könnten, dass mit Blick auf die ukrainische Energieinfrastruktur bereits das meiste dessen getan wurde, was möglich war, und dass weitere Verluste nun vor allem den Öl- und Raffineriekomplex Russlands treffen würden – also genau jenen Bereich, den Putin benötigt, um den Krieg in den kommenden Jahren fortzusetzen und die Situation bis 2029 hinauszuzögern, wenn die Vereinigten Staaten einen neuen, berechenbareren Präsidenten haben werden, mit dem man über die vollständige Kontrolle Russlands über den postsowjetischen Raum verhandeln könnte.

Dass Putin trotz dieser vier Jahre Krieg weiterhin auf ein solches Szenario hofft, ist wohl die eigentliche, zentrale Veränderung im Verhandlungsprozess. Doch wir werden sehen, was in diesen zwei Tagen in Abu Dhabi tatsächlich geschieht, um zu verstehen, wie erfolgreich es Putin nun gelingt, Zeit zu schinden, um den Krieg unter dem wachsamen, aber – wie ich sagen würde – nicht besonders realistischen Blick Donald Trumps fortzusetzen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Віткофф – Путін: головне | Віталій Портников. 23.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.01.2026.
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Die zerbrochene Welt. Kolumne von Vitaly Portnikov. 23.01.2026.


Silhouette von Donald Trump während seiner Rede in Davos. Foto: Evan Vucci/AP.

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Schon allein die Teilnahme des amerikanischen Präsidenten Donald Trump am Wirtschaftsforum in Davos veranlasste Beobachter dazu, das Treffen in den Schweizer Bergen als sensationell zu bezeichnen und die Rede des US-Präsidenten als eine neue Botschaft aus Washington zu erwarten.

In Wirklichkeit habe ich persönlich jedoch keinerlei Sensation gesehen – aus einem ganz einfachen Grund: Die Thesen, die Trump über Europa vortrug – und beachten Sie, dass sich der Hauptpathos seiner Rede gerade gegen Europa richtete und nicht etwa gegen Russland oder China –, haben wir bereits ein Jahr zuvor auf der Münchner Sicherheitskonferenz vom amerikanischen Vizepräsidenten J. D. Vance gehört.

Trump wiederholte lediglich in konzentrierterer Form, in seiner typischen spöttischen Manier und rund um die Grönlandkrise all jene Vorwürfe und Beleidigungen, die nicht nur Teil seiner persönlichen Weltsicht sind, sondern auch Teil jener Ideologie, deren Ausnutzung ihm bereits zweimal zum Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten verholfen hat. Und natürlich kann man diese Ideologie als Trumpismus bezeichnen – nur wurden ihre Thesen zum ersten Mal nicht von einem amerikanischen, sondern von einem russischen Politiker von der Tribüne der Münchner Konferenz bereits im fernen Jahr 2007 vorgetragen.

Dieser Politiker – und der Patriarch dieser neuen Ausprägung einer uns aus dem vergangenen Jahrhundert nur allzu gut bekannten Ideologie – war selbstverständlich Putin, der Hüter der sogenannten traditionellen Werte und ein eifriger Kritiker Europas.

Das sollte niemanden überraschen. Ein geeintes Europa irritiert den russischen Präsidenten, weil dieses Projekt ihn daran hindert, zum „Gendarmen Eurasiens“ zu werden. Es hindert ihn daran, ehemalige Sowjetrepubliken zu annektieren. Es hindert ihn daran, sich als Herr des Kontinents zu fühlen. Es reizt ihn auch deshalb, weil Europa nach dem Zweiten Weltkrieg in die Moskauer Einflusssphäre „eingedrungen“ ist, sich nicht scheute, die einst vom Kreml besetzten baltischen Staaten aufzunehmen und nun auch noch der Ukraine, Moldau und Georgien den Kandidatenstatus verliehen hat – also auf das angeblich „angestammte“ Territorium von Zaren und Generalsekretären „übergegriffen“ hat.

Gäbe es die Europäische Union nicht, wäre es für Putin sehr viel leichter, mit einzelnen europäischen Staaten „Verständigung zu finden“ und dort autoritäre Regime zu fördern. Und selbstverständlich stünde der russische Soldat längst in all seinen ehemaligen Besitzungen – selbst wenn das den Vereinigten Staaten nicht gefallen hätte.

Doch auch Trump braucht die EU aus ähnlichen Gründen nicht: Mit jedem einzelnen europäischen Staat ließe sich ein eigener wirtschaftlicher Dialog führen, man könnte erpressen und einschüchtern. Und am Ende ließe sich Europa schlicht und einfach aufteilen wie nach dem Zweiten Weltkrieg: Dir der Osten, mir der Westen, und irgendetwas an der Peripherie – Xi Jinping.

Wenn Trump also sagt, er liebe Europa, sollte man sich sofort daran erinnern, wie er während seiner ersten Amtszeit den Brexit aktiv unterstützte, lokale Populisten förderte und den Briten besondere Beziehungen versprach, falls sie die EU verlassen würden – und wie er nun beinahe neue Zölle gegen diesen „besonderen Verbündeten“ eingeführt hätte, nur weil London ihn in der Grönlandkrise nicht unterstützte. Gestern noch war Großbritannien stolz darauf, eigene – und nicht europäische – Abkommen mit Washington schließen zu können. Morgen könnte es zum Opfer der Weigerung werden, solche Abkommen einzugehen. Also ja, Trump liebt Europa – aber nur ein zersplittertes und machtloses.

Und ja, in der Welt dreht sich derzeit tatsächlich alles um Europa, das sich in ein Zentrum von Demokratie, Liberalismus und Zukunftshoffnung verwandelt hat. Antieuropäische Reden werden – man beachte das – ebenfalls von europäischen Tribünen gehalten. Und genau in Europa tobt der größte Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg – und vom Ausgang dieses Krieges wird abhängen, ob die Welt endgültig „zerbricht“ oder ob es gelingt, sie zu reparieren, selbst gegen den Willen von Trump, Putin und Xi. Und man muss verstehen: Wenn Europa verliert und die Demokratie verfällt, werden die Sieger unweigerlich untereinander in Streit geraten und einen Dritten Weltkrieg unvermeidlich machen. Nur könnten sie dann ebenfalls auf unserem Kontinent Krieg führen.

Viel wird jedoch davon abhängen, ob es den Europäern gelingt, sich nicht nur zu vereinen – wie es übrigens ein nicht-europäischer Staatschef, der kanadische Premierminister Mark Carney, von der Tribüne des Forums aus forderte –, sondern auch die Herausforderung anzunehmen, zu der sie der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, aufgerufen hat. Und ebenso wichtig ist es, den triumphalen Vormarsch der Populisten – sowohl der ultrarechten als auch der ultralinken – über den Kontinent zu verhindern. Zumal einige dieser Totengräber Europas von Putins Unterstützung und Geld leben, andere von Trumps Unterstützung und Energie. Und es gibt auch jene, die es schaffen, sich gleichzeitig Gönner in Moskau und in Washington zu sichern.

Viktor Orbán, der heute gemeinsam mit Trump im sogenannten Friedensrat sitzt, aber auch nichts dagegen hätte, an Putins Seite zu stehen, ist dafür ein lehrbuchhaftes Beispiel. Doch die größte Gefahr ist keineswegs Orbán selbst, sondern die „Orbanisierung“ Europas – und genau das wäre das Finale aller Bemühungen um seine Einigung, Eigenständigkeit und Fähigkeit, Bedrohungen zu widerstehen.

Das Forum in Davos zwang alle, die Karten offenzulegen, und zeigte, dass die europäischen Führungskräfte die Realität erkennen. Doch eine Sache ist es, diese Realität zu erkennen – eine ganz andere, zu handeln. Die Antwort auf die Herausforderung von Davos 2026 müssten eben genau solche Taten sein.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Зламаний світ. Колонка Віталія Портникова. 23.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Verhandlungen in Abu Dhabi: Was kommt als Nächstes | Vitaly Portnikov. 22.01.2026.

Zu den Themen, die bei den dreiseitigen Verhandlungen in Abu Dhabi, die morgen und übermorgen stattfinden sollen, erörtert werden könnten, gehört auch die Frage eines energetischen Waffenstillstands. Das heißt: Russland stellt Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur ein, während die Ukraine im Gegenzug Angriffe auf russische Tanker der sogenannten Schattenflotte sowie auf die Ölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation unterlässt.

Doch derzeit ist niemand sicher, dass solche Verhandlungen tatsächlich stattfinden und erfolgreich sein werden. Viel hängt davon ab, mit welchen Botschaften die Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, aus der russischen Hauptstadt zurückkehren werden. Ihr Treffen mit dem russischen Präsidenten hat bislang noch nicht begonnen. Beobachter erinnern jedoch daran, dass Putin Witkoff und Kushner ein Format dreiseitiger Verhandlungen vorschlagen könnte, das keine gemeinsame Arbeit aller Delegationen vorsieht. Das heißt, die Amerikaner würden sowohl mit den Russen als auch mit den Ukrainern sprechen und als Vermittler zwischen den Delegationen fungieren, die in Abu Dhabi zusammenkommen.

Welche konkreten Fragen bei diesen Verhandlungen behandelt werden sollen, ist ebenfalls noch unklar. Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, der das Treffen in Abu Dhabi angekündigt hat, ebenso wie Vertreter des Weißen Hauses, betonte, dass die schwierigste Frage die territoriale sei. Russland besteht weiterhin darauf, dass sich die ukrainischen Truppen aus dem gesamten Gebiet der Oblast Donezk zurückziehen. Das würde bedeuten, auch aus jenen Bezirken, die derzeit vom legitimen ukrainischen Staat kontrolliert werden. Die Vereinigten Staaten schlagen als Kompromiss die Ausrufung einer Freihandelszone auf dem von der Ukraine kontrollierten Teil dieses Gebiets vor.

Dabei sollte man daran erinnern, dass das von der Russischen Föderation besetzte Gebiet der Oblast Donezk nicht von russischen Truppen geräumt werden soll. Dort wird es keine Freihandelszone geben. Und natürlich ist erstens unklar, inwieweit Putin damit einverstanden wäre, dass auf dem Gebiet der Donezk-Region, aus dem die ukrainischen Truppen kampflos abgezogen würden, keine russischen Streitkräfte stationiert wären. Zweitens stellt sich die Frage, ob er nicht versuchen würde, selbst im Falle der Abwesenheit regulärer russischer Truppen dort Einheiten der russischen Nationalgarde zu stationieren – wie sein außenpolitischer Berater Juri Uschakow bereits angedeutet hat. Und drittens ist unklar, inwieweit all dies für Putin überhaupt eine reale Forderung darstellt, die den russisch-ukrainischen Krieg beenden könnte.

Meiner Ansicht nach ist allein die Idee eines kampflosen Abzugs der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet der Donezk-Region für Putin ein Versuch, die Lage in unserem Land zu destabilisieren, um anschließend die an die Donezk-Region angrenzenden ukrainischen Gebiete zu erobern. Und ich bin mir nahezu sicher, dass selbst dann, wenn man sich vorstellen würde, die ukrainische Führung gäbe unter dem Druck sowohl des Kremls als auch des Weißen Hauses irgendwelchen Ersatzlösungen nach, die einen Verzicht auf die reale Kontrolle über jene Teile der Donezk-Region beinhalteten, die Moskau nicht besetzen konnte, bei Putin sofort ein Dutzend neuer demütigender Bedingungen entstehen würde.

Hier stellt sich die Frage, ob Trump diesen Bedingungen zustimmen und sie der Ukraine aufzwingen würde, so wie er heute faktisch die Geschichte um die Donezk-Region aufzwingt, oder ob er im Gegenteil wütend auf Putin reagieren und den Druck auf den russischen Präsidenten verstärken würde. Bislang gelingt es Putin jedoch schlicht, Zeit zu gewinnen – unter dem Deckmantel eines Verhandlungsprozesses.

Wir wissen nicht, welche realen Ergebnisse Trump und Zelensky während ihres einstündigen Treffens erzielt haben. Doch offensichtlich wird die Aufgabe für den russischen Präsidenten dadurch erleichtert, dass er sich nicht einmal auf gemeinsame Vorschläge der Präsidenten der Ukraine und der Vereinigten Staaten einlassen muss, sondern Steve Witkoff einfach vorschlagen kann, die Gespräche über diese Vorschläge auf Arbeitsgruppen zu verlagern.

Allein das Format solcher Arbeitsgruppen, die lediglich zwei Tage tagen und nicht in einem kontinuierlichen Konsultationsprozess stehen, erlaubt es nicht zu sagen, dass der russische Präsident an echtem Frieden interessiert ist. Ganz zu schweigen davon, dass die Vorbereitungen für dieses Treffen zeitgleich mit Berichten über mögliche neue russische Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur erfolgen. Das bedeutet, dass für Putin nicht ein energetischer Waffenstillstand wichtig ist, sondern eine energetische Katastrophe in der Ukraine.

Das einzige reale Instrument, um seine Handlungen zu stoppen, ist eine deutlich intensivere Unterstützung der Ukraine – darüber hat Präsident Volodymyr Zelensky heute auf dem Internationalen Wirtschaftsforum gesprochen. Tatsächlich haben die Amerikaner die weitreichenden Raketen nahezu vergessen, obwohl Donald Trump noch vor wenigen Monaten über die Möglichkeit ihrer Lieferung an die Ukraine gesprochen hatte. Wären solche Waffen im ukrainischen Arsenal vorhanden, könnten sie zumindest jene Objekte zerstören, von denen aus die Vernichtung des ukrainischen Energiepotenzials erfolgt.

So jedoch wird der Krieg unter absolut ungleichen Bedingungen geführt: Es geht nicht um militärische Gefechte, sondern um Angriffe auf Infrastruktur. Die Russische Föderation kann zur Verwandlung der Ukraine in ein lebensgefährliches Gebiet das gesamte Spektrum ihrer Langstreckenraketen einsetzen – Iskander, Kinschal und alles, was ihr sonst zur Verfügung steht, einschließlich dessen, was vom militärisch-industriellen Komplex Russlands produziert oder von Verbündeten wie Iran oder Nordkorea geliefert wird.

Den Ukrainern stehen faktisch nur Drohnen zur Verfügung, die zwar Probleme für den russischen Ölverarbeitungskomplex verursachen können, dessen Betrieb jedoch nicht stoppen und auch die Reparatur beschädigter Kapazitäten nicht verhindern. Das ist eine völlig andere Situation als bei der ukrainischen Infrastruktur, die kurz nach jeder Reparatur erneut durch dieselben Raketen zerstört wird. All dies kann bei Putin nicht einmal den Wunsch hervorrufen, über ein Ende der Kampfhandlungen in absehbarer Zukunft nachzudenken.

Putin zieht also keineswegs grundlos Zeit in diesen Verhandlungen mit der Ukraine und den Vereinigten Staaten. Und wenn die Amerikaner bei solchen Gesprächen nicht entschlossener und härter auftreten, sondern weiterhin auf ein konstruktives Verhalten Putins hoffen, wird der russische Präsident natürlich darauf setzen, die Situation bis Januar 2029 hinauszuzögern – bis Donald Trump schließlich das Weiße Haus verlässt und seinem Nachfolger ein ungelöstes russisch-ukrainisches Konflikterbe hinterlässt. Einen Konflikt, den dieser Würdenträger im Wahlkampf – wir haben das inzwischen fast vergessen – versprach, binnen weniger Tage mit einem einzigen einfachen Telefonanruf bei Wladimir Putin zu lösen, mit dem Trump angeblich so hervorragende persönliche Beziehungen pflegt.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Абу-Дабі: що буде | Віталій Портников. 22.01.2026.

Autor / Verfasser / Kanal: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
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Worauf haben sich Trump und Zelensky geeinigt? | Vitaly Portnikov @gvlua. 22.01.2026.

Korrespondent: Lassen Sie uns die heutigen Ereignisse zusammenfassen – es gab tatsächlich viele, die die Ukraine betreffen. Was ist Ihrer Meinung nach heute in Davos das Wichtigste gewesen? Ist es die Ankündigung der morgigen Gespräche, oder verstehen wir zumindest auf der Informationsebene, dass es heute ein Einvernehmen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten von Amerika gibt – vielleicht sogar mehr Einvernehmen als zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa, wenn man an Donald Trumps gestrige Rede mit scharfer Kritik an europäischen Entwicklungen erinnert?

Portnikov: Wir schenken Reden viel Aufmerksamkeit, obwohl Reden an sich nichts bedeuten – wichtig sind konkrete Handlungen. Ja, Donald Trump hielt eine Rede, in der er über Grönland sprach, aber jetzt sagt er, es werde irgendeine neue Struktur in Bezug auf Grönland geben, und diese werde für die Vereinigten Staaten akzeptabel sein. Das heißt: Faktisch hat Donald Trump innerhalb von zwölf Stunden nach dieser Rede seine Position geändert. Ich schließe nicht aus, dass sie sich in den nächsten 24 oder 48 Stunden erneut ändern wird. Deshalb können wir im Grunde nicht sagen, dass etwas Reales passiert. Wir sind Zeugen eines bestimmten virtuellen Prozesses. Die Realität aber ist das, wovon Sie sprechen: ein möglicher neuer Schlag der Russischen Föderation gegen die Ukraine mit dem Ziel, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören und die Ukrainer „einzufrieren“, ihre Umsiedlung aus großen Städten zu fördern und die Ukraine in ein lebensgefährliches Gebiet zu verwandeln. Das ist es, wonach Putin strebt. Alles andere sind Gespräche über irgendwelche virtuellen Sicherheitsgarantien, die der Ukraine nach dem Krieg gewährt werden könnten, während niemand versteht, wie der Weg zur Beendigung dieses Krieges überhaupt aussieht.

Und ich frage immer: „Wie sollen diese Sicherheitsgarantien aussehen, selbst wenn sie – wie Präsident Zelensky sagt – von der Werchowna Rada und vom Kongress ratifiziert werden? Bedeutet das, dass die Vereinigten Staaten bereit wären, im Fall eines erneuten russischen Angriffs gemeinsam mit uns gegen Russland zu kämpfen? Wenn sie nicht dazu bereit sind, dann sind das keine Sicherheitsgarantien, sondern nur das nächste Versprechen von Unterstützung im Falle eines neuen Angriffs. Wenn wir gegen die größte Nuklearmacht der Welt kämpfen und eine andere Nuklearmacht nicht an diesem Krieg teilnehmen will, dann gibt es keine Sicherheitsgarantien. Bis vor Kurzem war die einzige reale Sicherheitsgarantie, die nach dem Zweiten Weltkrieg ausgearbeitet wurde, Artikel 5 der NATO. Jetzt, wo die Vereinigten Staaten faktisch die territoriale Unversehrtheit Dänemarks und Grönlands – das Teil des dänischen Königreichs ist – infrage stellen, wissen wir nicht einmal, ob dieser Artikel 5 überhaupt funktioniert. Und wenn sich herausstellt, dass er nicht funktioniert, bedeutet das: In der modernen Welt gibt es grundsätzlich keine Sicherheitsgarantien. Und jeder, der sich damit wirklich befasst, muss sich dessen wenigstens bewusst sein – denn das ist, wiederum, eine Rede über virtuelle Formen der Selbstberuhigung oder der Beruhigung der Gesellschaft: „Wisst ihr, wenn bei uns der Krieg endet, der kein Ende nimmt, dann werden wir solche Sicherheitsgarantien haben, die keine Beteiligung unserer Verbündeten an unserer Verteidigung im Falle eines neuen Krieges vorsehen.“ Wunderbar. Ein wahres Feuerwerk diplomatischer Siege, würde ich sagen.

Und in diesem Sinne haben vielleicht eher diejenigen recht, die von der Notwendigkeit sprechen, Kräfte zu bündeln. Sie sprachen von Volodymyr Zelenskys Rede mit Kritik an Europa. Mir scheint: Das Oberhaupt eines europäischen Landes sollte Europa nicht kritisieren, sondern darüber nachdenken, wie man sich mit Europa zu einem einheitlichen Militärbündnis zusammenschließt – wovon im Grunde ein anderer Staatsführer gesprochen hat, kein Europäer: der kanadische Premierminister Mark Carney. Er sagte klar, die Zeit sei gekommen, in der die sogenannten Großmächte nicht mehr auf irgendwelche Werte achten, sondern glauben, sie könnten anderen mithilfe von Druck sowie militärischer und wirtschaftlicher Stärke ihren Willen aufzwingen. Und so gilt: Entweder ihr schließt euch zusammen und erteilt diesen Versuchen eine Absage, oder ihr kritisiert eure möglichen Partner und versucht, sie zu mehr Einvernehmen zu bewegen. Das ist eine Wahl, die jeder – sagen wir – nach seiner politischen Intuition trifft. Ich glaube, die Ukraine wird die richtige Wahl treffen, weil sie Teil des europäischen Kontinents ist, und ohne die Hilfe der europäischen Partner ist die Ukraine, wie Sie verstehen, dazu verurteilt, von der politischen Weltkarte zu verschwinden. Keine Vereinigten Staaten – denn Donald Trump hat recht, sie sind weit weg – können uns in einer Situation helfen, wenn es kein europäisches Verständnis für die Notwendigkeit gibt, die Ukraine zu bewahren und ihr im Kampf gegen Russland in den nächsten Jahren und Jahrzehnten zu helfen.

Korrespondent: Das größte Echo hat Präsident Zelenskys Information über ein dreiseitiges Treffen ausgelöst. Amerikaner, Russen, Ukraine werden morgen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sprechen. Insbesondere sagte Präsident Zelensky – zurück zu dem, was Sie beantwortet haben –, aber er hat die Sicherheitsgarantien nicht detailliert. Er sagte, die Sicherheitsgarantien seien abgestimmt. Es bleibe die Territorialfrage. Und wir verstehen, dass die Territorialfrage der Eckstein ist, der offensichtlich nicht erlaubt, dieses Friedensabkommen zu erreichen, weil die Russen alles und sofort wollen. Was erwarten Sie von den morgigen Gesprächen?

Portnikov: Nichts. Ich halte es für so, dass Putin seinen Vorrat an Tricks für Trump noch nicht ausgeschöpft hat. Nur wird es für ihn jedes Mal schwieriger, irgendeine Demonstration seiner Friedfertigkeit zu finden. Er begann mit ziemlich einfachen Lösungen: Telefongespräche, Schmeichelei gegenüber dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Überzeugung, dass er zur Zusammenarbeit bereit sei. Irgendwann hörte das auf zu wirken. Erinnern Sie sich, Trump sagte: „Ich rede mit ihm, solche angenehmen Gespräche, aber es führt zu nichts.“ Dann gab es das Treffen in Anchorage, die Bereitschaft zu direkten Kontakten, zu ernsthaften Gesprächen. Danach änderte Trump sogar seine Position und hörte auf, ein Befürworter eines Waffenstillstands zu sein, und begann zu sagen, man müsse ein umfassendes Friedensabkommen vorbereiten. Ein Friedensabkommen kann man während militärischer Handlungen vorbereiten. Übrigens: Alles, was bei uns jetzt passiert, ist das Ergebnis dieser Positionsänderung Trumps, weil er Putin faktisch erlaubt hat, die Ukraine weiter zu zerstören und – sagen wir – uns keine weitreichenden Waffen gegeben hat, damit wir uns verteidigen. Das ist ja gerade der Geist von Anchorage, von dem Putin ständig spricht: ihm die Möglichkeit zu geben, uns so zu Ende zu bringen, wie er es kann, während Trump von Fortschritt bei Verhandlungen erzählt. Aber auch das hat sich erschöpft, denn Trump dachte, Putin wäre bereit, schnell ein Friedensabkommen zu schließen – doch Putin war dazu absolut nicht bereit. Er braucht das nicht.

Es gab einen dritten Trick: der Friedensplan von Dmitrijew und Uschakow, der Witkoff und Kushner vorgeschlagen wurde, mit der Möglichkeit, noch einen Friedensrat unter Trumps Vorsitz zu schaffen. Obwohl ich, so wie ich es verstehe, es jetzt überhaupt nur einen Friedensrat für all diese Konflikte geben soll. Aber dieser Friedensplan gab die Möglichkeit, wenn schon nicht sich vor neuen Sanktionen zu schützen, so zumindest vor der Konfiskation von Geld. Denn das reale Ergebnis dieses Friedensplans ist, dass die Amerikaner Druck auf die Europäer ausübten. Leider geschah das vor Grönland. Ich denke, wenn es die Grönlandkrise gegeben hätte, wäre es ihnen nicht gelungen, so zu drücken, dass diese der Ukraine keine konfiszierten russischen Vermögenswerte geben. Denn sonst würde das Trumps Friedensplan sprengen. Dann, als Trump mit Zelensky schließlich seine Sicht dieses Friedensplans abgestimmt hatte, erfand Putin einen neuen Trick – den vierten: den „Beschuss“ der Residenz in Walday durch ukrainische Drohnen, der Putin zwang, seine Verhandlungsposition zu ändern. Auch das funktionierte nicht, weil der amerikanische Geheimdienst Trump mitteilte, dass es keinen Beschuss der Residenz gegeben hatte, und er gezwungen war, das öffentlich anzuerkennen.

Nun der fünfte Trick: dreiseitige Verhandlungen. Ein russisches Lieblingshobby: etwas zu dritt zu unternehmen (es ist Alkoholkonsum gemeint). Aber das bedeutet nicht, dass es irgendein Ergebnis dieser Verhandlungen geben wird. Nun, die Delegationen werden sich treffen. Letztlich: Wie oft haben sich Russen mit Amerikanern getroffen, und wie oft haben sich Russen mit Ukrainern getroffen? Nun stellen wir uns vor, dass das Treffen diesmal zu dritt stattfindet. Wobei wir nicht wissen, wie dieses Treffen real ablaufen wird. Werden die Russen direkt mit uns sprechen, oder werden sie über die Amerikaner mit uns sprechen, und Witkoff und Kushner werden von einem Raum in den anderen laufen? Aber das spielt keine Rolle. Es ist wichtig, dass diese Verhandlungen weitergehen, dass diese Arbeitsgruppen arbeiten. Und die Frage ist: wie lange? Wenn klar wird, dass auch dort nichts erreicht werden kann, wird es interessant sein, welcher neue Trick Putins dann kommt.

Korrespondent: Das ist meine nächste Frage an Sie. Versuchen wir, den sechsten, siebten, achten Trick Putins zu prognostizieren.

Portnikov: Ich weiß es nicht, ich habe das Andropow-Institut nicht absolviert. Vielleicht ist das in gewissem Sinne mein Mangel, aber ich denke, dort bringt man einem all das bei. Im Prinzip könnte man auf Filme zurückgreifen, mit denen Putin aufgewachsen ist und mit denen alle sowjetischen Menschen seiner Generation aufgewachsen sind – ich glaube, die Jüngeren auch. Ich meine „Siebzehn Augenblicke des Frühlings“. Ist Ihnen aufgefallen, dass Volodymyr Zelensky in seiner heutigen Rede das benutzt hat? Das ist einfach seine Prägung durch dieses Kino – obwohl er, wie es scheint, ein junger Mensch ist, oder sein Speechwriter. Aber er sagte, bei uns in der Ukraine sage man, dass der letzte Satz in Erinnerung bleibt. Das sagt man bei uns in der Ukraine nicht. Das erklärte Standartenführer Stirlitz Standartenführer Holtoff, damit der vergesse, warum er zu ihm gekommen war – dass er Aspirin brauche und nicht die Fingerabdrücke der Funkerin auf dem Koffer. Ich erinnere mich auch daran, weil ich einer älteren Generation als Zelensky angehöre. Und deshalb haben alle sowjetischen Menschen behalten, dass man sich den letzten Satz merkt. Das ist nicht wahr. Das haben die Drehbuchautoren dieses Films erfunden. Gerade der letzte Satz wird vergessen. Aber sehen Sie: Zelensky hat beschlossen, Trump mit Hilfe dieses Films an das Luftabwehrsystem zu erinnern. Wobei wir im Fall von Trump überhaupt nicht prognostizieren können, welche Sätze – die letzten, die ersten oder die mittleren – er am besten behält, weil er ja kein Standartenführer ist, verstehen Sie? Er ist ein Mensch mit einem, ich würde sagen, ungewöhnlichen Denken. Man muss sich an ihn anpassen können. Wenn man also versuchen würde, diese Filme zu analysieren, finden wir vielleicht dort eine Antwort auf Putins Tricks.

Aber ich würde nicht suchen. Mich interessiert etwas anderes: Wird Putin genug Tricks bis Januar 2029 haben? Denn im Grunde ist das der Vorrat bis Januar 2029. Trump in einem warmen Bad halten, den Krieg zur Zerstörung der Ukraine fortsetzen – wenn es nicht gelingt, unser Land zu erobern, dann wenigstens sein gesamtes Territorium zu zerstören, eine große Zahl von Menschen aus diesem Territorium zu vertreiben, zumindest aus großen Städten, die Infrastruktur zu ruinieren, die Wirtschaft so zu zerstören, dass sie nicht wiederherstellbar ist – und 2029 dann darüber zu verhandeln, was hier geblieben ist, mit einem neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Aber ich glaube, Putin könnte sich verrechnen. Wissen Sie warum? Er will Trump aussitzen, aber Trump hat einen Friedensrat geschaffen, dessen lebenslanger Vorsitzender er sein will. Ich denke, der Plan ist sehr einfach: Trump übernimmt das Amt des ewigen Vorsitzenden des Friedensrats, empfiehlt den Republikanern als Präsidenten der Vereinigten Staaten seinen Nachfolger. Der wird gewählt – so glaubt Trump. Und Trump arbeitet dann mit Putin, und der neue Präsident der Vereinigten Staaten arbeitet mit Medwedew. Und so wird die Frage nicht sein, wann Putin den Wechsel des US-Präsidenten abwartet, sondern wer von ihnen früher stirbt: Putin, Trump oder Xi Jinping? Das wird ein Rennen auf Lafetten sein. Und ich bin nicht sicher, dass Putin bereit ist, an einem solchen Wettbewerb teilzunehmen, denn seine Wirtschaft lässt doch zu wünschen übrig. Deshalb würde ich jetzt an Putins Stelle darüber nachdenken, was Trump mit dieser Position des Vorsitzenden des Friedensrats vorhat – und ob diese Position nicht mit dem Wunsch nach lebenslanger Macht in den Vereinigten Staaten von Amerika verbunden ist, so paradox das klingt.

Korrespondent: Und wie sehr sehen Sie diesen Friedensrat insgesamt als etwas, das tatsächlich zu einer ernsthaften Institution werden könnte, die arbeitet? Denn einerseits verstehen wir, dass es eine gewisse Geschichte „unter“ Donald Trump ist. Andererseits sehen doch alle auch, dass die – bedingt gesagt – UNO nicht funktioniert und umformatiert werden muss. Und vielleicht könnte dieser Friedensrat gerade diese Umformatierung der globalen Sicherheitsinstitutionen zu wirksameren sein.

Portnikov: Und wie soll das gehen? Der Friedensrat ist übrigens durch eine Entscheidung des UN-Sicherheitsrates bestätigt, also ist er eine Fortsetzung der UNO. Er ist einfach als Ergebnis dieser Entscheidung zu Gaza entstanden. Trump will seine Befugnisse erweitern. Aber es entsteht die Frage: Was ist überhaupt der UN-Sicherheitsrat? Das ist eine Organisation, in der Nuklearstaaten ein Vetorecht haben. Und dieses Vetorecht ersetzt ihnen einen militärischen Konflikt miteinander. Stellen wir uns vor, es gäbe irgendeinen Trumpschen Friedensrat und Trump wäre dessen Vorsitzender, und ihm gefällt nicht, was ein bedingter Xi Jinping oder ein bedingter Putin tut. Aber sie bleiben dabei doch Führer von Nuklearstaaten. Bedeutet das, dass der Friedensrat abstimmen und Truppen auf das Territorium der Russischen Föderation schicken kann? Nun, wenn das so einfach wäre, bräuchte man gar keine UNO – entschuldigen Sie. Die Operation gegen das Regime von Slobodan Milošević in Jugoslawien fand überhaupt außerhalb einer UN-Entscheidung statt, auf Grundlage eines NATO-Mandats. Dafür war keine UNO nötig. Wenn Sie keine Angst haben, dass Sie mit einer Atombombe getroffen werden, können Sie vieles tun, sogar ohne UNO. Wenn Sie es aber mit einem Nuklearstaat zu tun haben, können Sie 145 Friedensräte schaffen – sie werden machtlos sein, weil sie genau wissen: Sie stimmen ab, können sogar Truppen schicken, aber irgendjemand drückt den roten Knopf, und von New York bleibt eine Erinnerung in einem enzyklopädischen Buch. Ich sage nicht, dass es unbedingt so sein wird. Ich weiß überhaupt nicht – nicht einmal –, wie groß das reale nukleare Potenzial der Russischen Föderation ist; seine quantitative Mächtigkeit kennen wir. Ich weiß nicht, welche technischen Möglichkeiten es für den realen Start von Raketen gibt, die das Ziel erreichen können. Und stellen Sie sich vor: Putin entscheidet, eine strategische Nuklearrakete zu starten, und sie erreicht das Ziel nicht, sie wird abgeschossen – was dann? Was dann tun? Dann könnte es doch einen Gegenschlag geben, den du nicht abwehren kannst, nicht wahr? Das ist ein großes Risiko, wenn du etwas startest und es funktioniert nicht. Andererseits: Wenn man 10 Raketen startet, funktionieren ein paar – das reicht schon. Ich scherze übrigens absolut nicht.

Deshalb: all diese Gespräche darüber, dass die UNO nicht funktioniert – die UNO funktioniert aus einem einfachen Grund: Wir haben keinen Atomkrieg. Wenn ein Atomkrieg beginnt – falls er beginnt, wir wollen nicht zu fatalistisch sein –, werden wir sagen, die UNO funktioniert nicht. Solange es keinen Atomkrieg gibt, bleibt alles auf lokale Konflikte begrenzt, sogar so grausamwie bei uns. Das ist die UNO am Werk. Und dafür hat man diesen Sicherheitsrat geschaffen: dafür. Es gab in diesen 80 Jahren nie einen Fall, in dem der Sicherheitsrat oder die UNO „funktionierten“, wenn es um Handlungen der Nuklearstaaten selbst ging. Wir haben nur nicht daran teilgenommen, weil wir bis 1991 Teil eines Nuklearstaates waren. Deshalb schien es uns, dass alles funktioniert. Wenn du in einem Nuklearstaat lebst oder unter einem nuklearen Schirm bist, scheint es dir, dass alles funktioniert. Aber ich will Ihnen ein großes Geheimnis verraten: Seit 1945 funktioniert nichts so, wie wir es wollten. Wir haben das einfach jetzt am eigenen Beispiel gespürt. Und jene Länder, die von Nuklearstaaten angegriffen wurden – vor 1991, vor dem Zerfall der Sowjetunion, oder sogar vor 2022 –, die wussten das alles sehr gut. Wurde der Bruch der Souveränität Ungarns, oder der Tschechoslowakei irgendwie bestraft? Hat irgendjemand die Sowjetunion bestraft? Hat irgendjemand gegen die Sowjetunion wegen Afghanistan gekämpft? Und als die Amerikaner Truppen nach Panama oder in die Dominikanische Republik oder sonst wohin schickten – konnte irgendeine Sowjetunion ihnen etwas antun? Ich würde also keineswegs übertreiben, zu behaupten, dass in unserer Zeit etwas aufgehört hat zu funktionieren. In unserer Zeit sind wir einfach Opfer dessen geworden, wie die internationalen Institutionen nach dem Zweiten Weltkrieg formiert wurden. Und es wird noch viele solche Opfer geben, ich versichere Ihnen das, weil wir jetzt in einer Situation sind, in der nichts funktioniert, die Regeln funktionieren nicht. Die Welt ist faktisch unter Donald Trump, Putin und Xi Jinping neu formatiert. Und nun wird es sehr viele Probleme geben. Wenn Amerika eines Tages in der Form zurückkehrt, in der es existierte – als Führer der zivilisierten Welt, der demokratischen Welt – bis 2025, stabilisiert sich das vielleicht ein wenig, aber ich habe darin keine Zuversicht.

Korrespondent: Als Donald Trump diese Woche wieder das Thema Grönland aufgriff. Ja, nach der Inauguration war es präsent – auch Kanada war da, alles war da, vieles war da. Und es schien, als sei danach Grönland in den Hintergrund getreten. Und jetzt: Hat sich die Konfrontation in den letzten 24 Stunden im Vergleich zu gestern abgeschwächt? Wissen Sie, worauf ich hinaus will? Ein kühner Gedanke kam mir in den Kopf. Erstens: Putin hat diese Büchse der Pandora im Jahr 2014 geöffnet, als er die ukrainische Krim aus sehr ähnlichen Sicherheitsüberlegungen annektierte – Überlegungen, die die Vereinigten Staaten Америки jetzt in Bezug auf Grönland vortragen. Aber was mir durch den Kopf ging: Was, wenn die Russen tatsächlich kalkuliert haben, dass sich die Welt – условно gesprochen – bis 2026 so verändern wird, dass es kein fataler Fehler mehr ist, offen über die Annexion fremder Territorien zu sprechen? Denn wir erinnern uns: Selbst 2022, als die vollumfängliche Aggression der Russischen Föderation begann, sprachen sie sehr vorsichtig über Annexionen von Territorien. Sie „befreiten“, sie „befreien“ bis heute, aber jetzt klingt die Rhetorik ganz anders: „Du bist stark, du hast das Recht, dir zu nehmen, was du brauchst.“

Portnikov: Weil Trump hier bis zu einem gewissen Grad Putins Taktik nachahmt, und Putin Trumps Taktik nachahmt. Aber das ist keine Strategie, ich denke nicht, dass sie da saßen und etwas durchrechneten. Denn selbst während Trumps erster Präsidentschaft unterschied sich die Außenpolitik der Vereinigten Staaten doch von der, die wir heute sehen. Das lässt sich nicht durchrechnen. Manchmal gibt es Situationen, in denen die Geschichte – sagen wir – plötzlich im Galopp läuft und man sich nicht mehr an sie anpassen kann. Deshalb würde ich nicht behaupten, dass sich irgendjemand real auf etwas vorbereitet hätte.

Korrespondent: Was passiert zwischen Europa und den Vereinigten Staaten – in der Person Trumps, J. D. Vance – das sind schon fast Gegner; oder sollen all diese Aussagen Trumps Europa einfach dazu bewegen, in Bezug auf Verteidigungsinfrastruktur aufzuwachen?

Portnikov: Erstens wollen sie sie beruhigen, zweitens wollen sie sie aussitzen. Und auch das kann in gewissem Sinne ein Fehler sein, weil sie Trump schon einmal ausgesessen haben. Biden kam zurück – ich meine, ein demokratischer Präsident kam zurück. Und es schien, als sei Amerika auch zurückgekehrt, und dann stellte sich heraus, dass es nicht so zurückgekehrt ist, wie alle es wollten. Und aus dieser Perspektive müssen die Europäer natürlich wirklich über ihr eigenes Verteidigungsbündnis nachdenken. Das ist das Wichtigste. Und in diesem Verteidigungsbündnis muss natürlich die Ukraine eine wichtige Rolle spielen, weil wir eine kampffähige Armee haben. Die Ukraine muss hier für lange Jahrzehnte – das wird ihr Schicksal sein – eine Festung Europas für die Konfrontation mit Russland werden, wenn Sie wollen, und überhaupt gegen chinesischen Einfluss in Europa. Aber das ist nicht so einfach. Dieses Verteidigungsbündnis wird nicht alle Länder umfassen, die heute in der NATO oder in der EU sind, weil es nicht wenige Länder gibt, die ziemlich gelassen auf die Stärkung der Rolle Russlands und Chinas schauen. Dasselbe Ungarn Orbáns, dasselbe Slowakei Ficos. Sie wissen, dass die Gespräche zwischen Fico und Trump in Mar-a-Lago überhaupt hinter verschlossenen Türen stattfanden. Wir wissen nicht, worüber der Präsident der Vereinigten Staaten mit dem Premierminister der Slowakei sprach. Ein interessanter Moment: ein völlig für Journalisten unzugängliches Gespräch bei so einer Person wie Trump, die versucht, die ganze Zeit mit Journalisten zu sein. Das heißt: Es passieren Ereignisse, die er nicht öffentlich machen will, die für ihn aus irgendeinem Grund wirklich wichtig sind. Und diese Leute, die sich Trump zuneigen, die neigen sich zugleich Xi Jinping zu. Das ist auch ein sehr interessanter Moment.

Korrespondent: Und Putin.

Portnikov: Und Putin. Ja. So wird es ein anderes Europa sein. Und wiederum: Sowohl Trump als auch Putin werden gleichzeitig für den Sieg ultrarechter politischer Kräfte in Europa arbeiten. Denn im Grunde ist die Struktur Europas, die den Kontinent in die 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückwerfen soll, bereit. Alle politischen Parteien, die die Macht übernehmen und das europäische Projekt zerstören könnten und sich an den Ultrarechten in den Vereinigten Staaten und in Russland orientieren – sie sind da. Ich kann nicht sagen, dass sie erfolglos sind. Sie sind erfolgreich. Alternative für Deutschland. Italienische ultrarechte Parteien, die das Land faktisch schon nicht das erste Jahr regieren. Es gibt Varianten – die, die Putin schlecht finden, oder gut finden, aber es sind trotzdem Ultrarechte. Der ultrarechte Führer Portugals, der in die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen eingezogen ist, nachdem seine Partei vor ein paar Jahren im Parlament nicht einmal 3 % erreicht hatte. Stimmungen in allen Gesellschaften. Ich schrieb vor kurzem wieder einen Text darüber, dass diese Präsidentschaftswahlen in Portugal eine Demonstration dessen wurden, wie ultrarechte Tendenzen auf dem europäischen Kontinent zunehmen. Und es gab Kommentare von Ukrainern – in der Ukraine selbst und von denen in der Diaspora – die mir im Grunde bewiesen, dass der größere Teil dieser Menschen, die doch scheinbar an Demokratie und Liberalismus denken müssten, weil die Ukraine sonst in der zivilisierten Welt keine Überlebenschance hat, offen ultrarechte Ansichten vertritt. Wir wundern uns, wie Trump mit ukrainischen Stimmen gewann – zum Beispiel, bei den US-Präsidentschaftswahlen. Für ihn stimmten offenbar ukrainische Diasporaleute in Pennsylvania, aber das sind Menschen, die für ihn stimmten, weil sie identische Ansichten vertreten. Und selbst wenn Sie ihnen sagen, dass in dieser Situation die Ukraine einfach verschwinden wird, können sie das erstens nicht glauben, und zweitens ist ihnen vielleicht der Triumph einer solchen Ideologie in der ganzen Welt wichtiger als die Existenz des Staates, aus dem sie einst emigrierten. Das ist die Wahrheit der nächsten Jahrzehnte. Menschen werden bereit sein, ihre eigene Mutter zu opfern, nur damit dieser Mythos von irgendwelchen „Linken“, die ihre Vorstellung vom Leben zerstört hätten, von denen überwunden wird, die sie als ihre Idole ansehen – und durch diese, ich würde sagen, führerzentrierte Ideologie, die uns wiederum in die 1930er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückwirft, als eine solche Ideologie in Berlin, Rom, Moskau, wo auch immer, fast überall triumphierte – außer in irgendwelchen bedingten Prags mit London und natürlich den Vereinigten Staaten. Aber das ist die Welt, in der wir leben werden. Es wird keine andere Welt geben. Ich meine die Welt, die man erreichen kann, und die Welt, in der wir leben werden.

Korrespondent: Was denken Sie: Wir kreisen weiterhin um die Situation in den Vereinigten Staaten, weil sie beeinflusst, was bei uns und im Verhandlungsprozess passiert. Es gibt die These, dass – grob gesagt – irgendwo schon ab Juni die Amerikaner, und vor allem Trump, auf die Innenpolitik umschalten müssen, sich auf die Wahlen zum Kongress und zum Repräsentantenhaus vorbereiten. Und im Grunde ist das Fenster, sich mit dem Friedensprozess in der Ukraine zu beschäftigen, für die USA im Grunde nur noch vier bis fünf Monate. Sind das Risiken, oder andersrum ist es gut, dass sie diesen Prozess jetzt vorantreiben, um ihren Wählern mit einem konkreten Ergebnis entgegenzukommen – und die wirtschaftliche Situation wird wichtig sein?

Portnikov: Wenn die wirtschaftliche Situation schlecht ist, wird kein Friedensprozess in der Ukraine ihre Wahlen retten. Aber wenn sie es nicht schaffen, den Krieg hier zu beenden, wird man sie auf jeder Pressekonferenz daran erinnern. Sie sehen ja, dass das passiert. Wohin Trump auch kommt und worüber er auch spricht – man fragt ihn nach der Ukraine und nach Putin. Das, weil die überwältigende Mehrheit der Amerikaner die Ukraine unterstützt und Putin nicht unterstützt. Und das wird auch Teil des Wahlkampfs sein. Er wird nicht einfach die Augen schließen können, weil man wird ihn fragen wird: „Was ist passiert? Warum kümmern Sie sich nicht darum? Sind Sie ein Anhänger Putins?“ So werden demokratische Kandidaten bei den Wahlen zum Repräsentantenhaus und Senat sprechen: „Seht, dieser Mensch verschlechtert nicht nur euer Leben, er ist auch ein Anhänger Putins. Er kümmert sich nicht um Frieden.“ Also kann er sich nicht einfach entziehen. Machen Sie sich keine Sorgen. Das Problem ist ein anderes: Er kann sich nicht entziehen. Aber die wichtigste Frage ist: Was kann er real tun und was ist er wirklich bereit zu tun? Wirtschaftliche Instrumente wirken, aber wir wissen nicht, wie effektiv. Glaube ich, dass amerikanische Sanktionen gegen die russische Wirtschaft wirken werden, wenn sie verstärkt werden können? Ich glaube es. Ich weiß nur nicht in welchem Jahr. Glaube ich, dass die Lieferung weitreichender Waffen an die Ukraine ihre Rolle spielen wird? Ja, das wird die Situation beschleunigen. Wieder: Ich weiß nicht in welchem Jahr. Aber zweifellos hat Putin ohne diese weitreichenden Raketen mehr Spielraum, den Krieg bis zu dem ersehnten Jahr 2029 fortzusetzen.

Und dass Trump den Prozess betreibt, wie er ihn betreibt – was hält ihn denn eigentlich zurück? Er imitiert Aktivität mit großem, würde ich sagen, Enthusiasmus. Er hat beschlossen, dass er Zelensky treffen muss – Zelensky kam, er sprach eine Stunde mit ihm. Eine Stunde. Was kann man in diese Stunde Außergewöhnliches entscheiden? Abstimmen, was Witkoff Putin sagen wird? Ich muss Ihnen übrigens sagen, dass ich hier das Positive sehe – wenn Sie ein Positives wollen –, dass Trump zuerst Zelensky getroffen hat und erst danach Witkoff zu Putin flog und nicht umgekehrt. Denn erinnern Sie sich: Früher war es immer umgekehrt. Sie sprachen mit Putin, dann sprachen sie mit Zelensky. Das ist schon ein gutes Zeichen von gesundem Menschenverstand. Hoffen wir, dass dieser gesunde Menschenverstand mit der Zeit stärker wird. Aber wie viel Zeit dafür nötig ist, weiß niemand. Und vor allem weiß es Donald Trump nicht.

Korrespondent: Wir beziehen uns erneut auf konkrete hochrangige Persönlichkeiten, nämlich Präsident Zelensky, auf seine Zitate: Im Grunde bleibt es dabei, das Territorialproblem irgendwie zu lösen. Es gibt die Position der Ukraine, es wird Vorschläge der Vereinigten Staaten von Amerika geben, und offensichtlich werden auch Vorschläge von Seiten der Russischen Föderation kommen. Wo sehen Sie überhaupt eine Grenze des Kompromisses, wo drei Positionen zumindest situativ zusammenkommen könnten – für ein Jahr, für zwei, bis 2029 als Variante?

Portnikov: Die Daten von Präsident Zelensky sind sehr wichtig, aber mich würde interessieren, was Präsident Putin реально denkt. Nicht Zelensky hat Putin angegriffen – Putin hat die Ukraine angegriffen. Wenn wir wirklich glauben, dass alles, was wir tun müssen, darin besteht, mit Putin die Territorialfrage zu klären, woraufhin der Krieg endet, dann geraten wir in die Falle, die dieser Oberstleutnant des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion meisterhaft für uns gebaut hat. Sobald die sogenannte Territorialfrage gelöst wird – und sie muss so gelöst werden, dass die Ukraine destabilisiert wird und der russischen Armee in den Monaten nach dieser ‚Lösung‘ die Eroberung der an die Oblast Donezk angrenzenden Regionen erleichtert wird –, versichere ich Ihnen: Es werden zehn neue Bedingungen auftauchen, die ebenfalls zur Destabilisierung der Ukraine beitragen und am Ende zu ihrem endgültigen Verschwinden als Staat von der politischen Weltkarte führen werden, weil dies eine Spezialoperation des Kremls ist.

Korrespondent: Und welche Falle können wir gemeinsam mit unseren Partnern für den KGB-Oberst bauen?

Portnikov: KGB-Oberste geraten nicht in Fallen. Sie sind wie Ratten, wie Sie aus Putins eigenen Memoiren wissen. Wenn du sie in die Falle treibst, drehen sie sich um, stürzen sich auf dich und beißen dir die Kehle durch. Man muss ihnen keine Fallen bauen – man muss ihnen die Möglichkeit nehmen, dich anzugreifen und dich zu beißen. Das ist das Wichtigste. Die Zerstörung des militärischen, wirtschaftlichen und demografischen Potenzials der Russischen Föderation ist der einzige Weg zur Beendigung dieses Krieges – wann auch immer das geschieht. Es gibt keinen anderen Weg.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Про що домовились Трамп і Зеленський | Віталій Портников ‪@gvlua‬. 22.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Ach im Hain, dort bei der Donau/ Ой у гаю, при Дунаю

Ach im Hain, dort bei der Donau,
Singt die Nachtigall.
Ruft ihr lieber kleines Vöglein
In das kleine Nest hinein.

Refrain:

Ach tjoh-tjoh, ach tjoh-tjoh-tjoh,
Singt die Nachtigall.
Ruft ihr lieber kleines Vöglein (2)
In das kleine Nest hinein.

Ach im Hain, dort bei der Donau,
Dort die Musik erklingt.
Bass der brummt, die Geige weinet,
Mein Geliebter tanzt und singt.

Refrain:

Ach tjoh-tjoh, ach tjoh-tjoh-tjoh,
Dort die Musik erklingt.
Bass der brummt, die Geige weinet (2)
Mein Geliebter tanzt und singt.

Ach im Hain, dort bei der Donau,
Steh ich ganz allein.
Weine, klage, schluchze bitter,
Sehne mich nach dir, mein Lieb.

Refrain:

Ach tjoh-tjoh, ach tjoh-tjoh-tjoh,
Singt die Nachtigall.
Ruft ihr liebes kleines Vöglein (2)
In das kleine Nest hinein.

Ой у гаю, при Дунаю
Соловей щебече.
Він свою всю пташину
До гніздечка кличе.

Ой тьох-тьох і тьох-тьох-тьох
Соловей щебече.
Він свою всю пташину | (2)
До гніздечка кличе.

Ой у гаю, при Дунаю
Там музика грає.
Бас гуде, скрипка плаче,
Милий мій гуляє.

Ой тьох-тьох і тьох-тьох-тьох
Там музика грає.
Бас гуде, скрипка плаче, | (2)
Милий мий гуляє.

Ой у гаю, при Дунаю
Стою самотою.
Плачу, тужу, ще й ридаю
Милий за тобою.

Ой тьох-тьох і тьох-тьох-тьох
Соловей щебече.
Він свою всю пташину | (2)
До гніздечка кличе.


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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Ой у гаю, при Дунаю
Originalsprache: uk
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Gurt um Gurt/ Лента за лентою.

Schon sinkt leis der Abend, das aufständ’ge Herz schlägt,
Der Gurt mit den Patronen wird eilends belegt.

Refrain:
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!

Der Feind stürmt heran mit erbitterter Kraft,
Der junge MG-Schütze hält stand in der Schlacht.

Refrain

Als dann die Sonne am Morgen aufging,
Sank müde der Junge, verwundet, dahin.

Refrain

Die Sanitäterin eilt rasch herbei,
Schaut ihm ins Antlitz — erkennt ihn dabei.

Refrain

Er blickt sie noch an, die Brust steht in Brand,
Am Maschinengewehr hält das Mädchen stand.

Refrain

Der Feind greift erneut im entscheidenden Moment —
Da donnert erneut das verstummte MG.

Refrain (2×):
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!
Ach, Gurt um Gurt – reich Munition!
Ukrainischer Kämpfer, weich niemals davon!

1944


Вже вечір вечоріє, повстанське серце б’є,
А лента набої поспішно подає.

Приспів:
Ах, лента за лентою – набої подавай,
Вкраїнський повстанче, в бою не відступай!
Ах, лента за лентою – набої подавай,
Вкраїнський повстанче, в бою не відступай!

А ворог атакує і преться щосил,
Юнак-кулеметник їх вправно косив.

Приспів

Як сонце сходило, втомлений юнак,
Упав він ранений, упав він навзнак.

Приспів

До нього санітарка поспішно іде,
В обличчя вдивляєсь, його пізнає.

Приспів

Він в неї вдивляєсь, пече в грудях рана,
Біля кулемета дівчина молода.

Приспів

А ворог атакує, в останній момент –
Наново заграв вже затихлий кулемет.

Приспів (2)

1944


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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Лента за лентою
Veröffentlichung / Entstehung: 1944
Originalsprache: uk
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Die Illusion einer Fortsetzung der Friedensverhandlungen. Kolumne von Vitaly Portnikov. 22.01.2026.


Volodymyr Zelensky und Donald Trump auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Schweiz, 22. Januar 2026.
Foto: Volodymyr Zelensky / X / East News

https://vot-tak.tv/91192077/tramp-zelenskij-zachem-vstrecha?fbclid=IwZnRzaAPfdSJleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEetOzjgF8DJWNx0300bAADHNQixhuAJFecF2RkUX2VCXU3mWohmqfQilh_eI0_aem_3X0o1iCzpjJIXsAsbuKByg

Nach dem Treffen der Staats- und Regierungschefs der Vereinigten Staaten und der Ukraine blieb die wichtigste Frage unbeantwortet: Warum musste Trump so dringend ein Treffen mit Zelensky initiieren und behaupten, der russische Präsident wolle den Krieg beenden, obwohl von Putin selbst keinerlei eindeutige Signale in diese Richtung gekommen sind?

Teilweise hat Trump diese Frage dennoch selbst beantwortet, als er nach dem Rendezvous mit Zelensky das Geschehen als einen „langwierigen Prozess“ bezeichnete. Möglicherweise ist es für ihn tatsächlich notwendig, die Illusion eines solchen Prozesses aufrechtzuerhalten, um keine Zweifel an seiner eigenen Einbindung in die Regelung des russisch-ukrainischen Konflikts aufkommen zu lassen.

Und in diesem Wunsch, das Feuer im Herd nicht erlöschen zu lassen, ähnelt er Putin, der ebenfalls bemüht ist, Trump seine Friedfertigkeit und Verhandlungsbereitschaft zu demonstrieren – um eine Verschärfung des Sanktionsdrucks seitens der USA zu vermeiden oder zumindest neue Waffenlieferungen an die Ukraine zu verhindern.

Die Tricks des Kremls

Für mich bleibt in diesem Zusammenhang die zentrale Frage: Reichen Putins Tricks aus, um Zeit bis Januar 2029 zu schinden, wenn Trump das Weiße Haus verlassen wird? Denn in Wirklichkeit sind fast alle Methoden, die Putin kennt, bereits eingesetzt worden: schmeichelhafte Telefongespräche mit dem amerikanischen Präsidenten, die demonstrierte Bereitschaft zu persönlichen Kontakten und sogar ein „Entwurf eines Friedensplans“, der von Kirill Dmitrijew dienstbeflissen an Steve Witkoff übergeben wurde.

Als Trump und Zelenskyl gemeinsame Vorschläge abstimmten, auf die Putin reagieren sollte, erfand dieser „plötzlich“ einen angeblichen Beschuss seiner Residenz in Waldai durch ukrainische Drohnen – um noch etwas Zeit zu gewinnen. Und was nun?

Nun findet vor dem Hintergrund der anhaltenden Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur und des offensichtlichen Bestrebens des Kremls, die Ukraine in diesem Winter „einzufrieren“, in Abu Dhabi das erste trilaterale Treffen auf Delegationsebene zwischen Russland, der Ukraine und den USA statt. Nach außen mag dies wie eine gewisse Wende im Friedensprozess wirken, in Wirklichkeit ist es jedoch nur ein weiterer Weg, Putin Zeit zu verschaffen.

Denn niemand behauptet ernsthaft, dass solche trilateralen Gespräche mehr Ergebnisse bringen werden als die bisherigen bilateralen – sei es mit den Amerikanern während der Besuche Witkoffs und Kushners in Moskau oder mit den Ukrainern, deren Gespräche seit 2014 bis 2025 geführt wurden und nichts erbracht haben. Doch sie schaffen den Anschein eines Prozesses. Und Trump erhält seinerseits die Möglichkeit, allen zu versichern, „der Frieden sei nahe“, während alle anderen von der „letzten Meile“ und von „fruchtbaren Anstrengungen“ sprechen, um den amerikanischen Präsidenten nicht zu verärgern oder zu enttäuschen.

Doch betrachtet man die realen Fakten, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Auf dem Forum in Davos war die Unterzeichnung von Dokumenten über Sicherheitsgarantien für die Ukraine und über ihren Wiederaufbau geplant. Weder das eine noch das andere ist geschehen – und es ist auch klar, warum.

Epherme Sicherheitsgarantien

Die Grönland-Krise hat grundsätzlich infrage gestellt, ob die USA, die Europäer und die Ukrainer überhaupt in der Lage sind, irgendwelche wirksamen Sicherheitsgarantien zu erarbeiten. Schon zuvor wirkten solche Garantien utopisch, da es meiner Ansicht nach keine realen Sicherheitsgarantien geben kann, wenn es um eine Konfrontation mit einer Atommacht geht.

Solche Garantien sind nur dann möglich, wenn eine andere Atommacht bereit ist, eine direkte Konfrontation einzugehen – und genau das ist derzeit nicht zu erkennen. Doch jetzt, da die USA – ein Land, das nach Artikel 5 des NATO-Vertrags verpflichtet ist, die territoriale Integrität Dänemarks zu verteidigen – selbst diese Integrität infrage stellen (im Zusammenhang mit Grönland), ist völlig unklar, was sie der Ukraine überhaupt versprechen können. Und erst recht, wie europäische Verbündete solche Versprechen stützen könnten.

Somit kann ein Dialog über Sicherheitsgarantien schlicht nicht stattfinden, solange die Grönland-Krise nicht beigelegt ist oder zumindest bis zu dem Moment, in dem Trump die Insel erneut „vergisst“.

Was die Garantien für Wohlstand betrifft, ist ebenfalls unklar, warum man von „Milliarden an Investitionen“ sprechen sollte, wenn niemand erklären kann, wie die Sicherheitsgarantien für Investoren aussehen sollen. Es wird angenommen, dass genau über diese Milliarden Witkoff mit Putin sprechen wird.

Putin hat bereits mit Ironie vorgeschlagen, für den Wiederaufbau der vom Krieg betroffenen Gebiete eingefrorene russische Vermögenswerte zu verwenden. Dabei hat er jedoch nicht präzisiert, ob es sich um die besetzten Gebiete handelt oder um jene, die er gar nicht erobern konnte.

Selbst wenn Trump und Zelensky in Davos ein Investitionsabkommen unterzeichnet hätten, wäre das Papier mit den Unterschriften der Präsidenten vermutlich wertvoller gewesen als der Inhalt des Dokuments selbst.

Denn Krieg ist keine Show. Er ist Konkretheit. Er ist die Bereitschaft, auch Menschenleben zu riskieren. Und entweder wird man in Washington unter Trump dazu bereit sein – oder diese realen Entscheidungen werden bis zum Amtsantritt seines Nachfolgers aufgeschoben.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Иллюзия продолжения мирных переговоров. Колонка Виталия Портникова. 22.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Trump will einen Teil Grönlands | Vitaly Portnikov. 22.01.2026.

Nach dem Treffen mit dem Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, hat der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, seine Position in Bezug auf Grönland abgeschwächt und auf die Einführung von Zöllen gegen europäische Länder verzichtet – eine Drohung, mit der er noch vor wenigen Tagen aufgetreten war und die zu den schwerwiegendsten Auslösern von Spannungen in den Beziehungen zwischen den Verbündeten während Trumps gesamter Zeit im Oval Office zählte. Diese Drohung stellte übrigens auch das Erreichen eines wirtschaftlichen Einvernehmens zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union infrage, nachdem das Europäische Parlament im vergangenen Jahr auf die endgültige Umsetzung des Handelsabkommens verzichtet hatte, das zwischen Präsident Trump und der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, erzielt worden war.

Nun scheint es nicht mehr um eine vollständige Kontrolle der Vereinigten Staaten über Grönland zu gehen. Donald Trump stimmte einem Modell zu, nach dem das amerikanisch-dänische Abkommen über die Möglichkeiten der Vereinigten Staaten auf der Insel überprüft werden soll. Dabei würden die Vereinigten Staaten dort nicht nur ihre militärische Präsenz ausbauen, sondern auch Teile des grönländischen Territoriums zur souveränen Nutzung erhalten, auf denen sie ihre Militärbasen stationieren könnten.

Mark Rutte soll – den Medienberichten zufolge – Donald Trump ein Modell vorgeschlagen haben, das an den Status der britischen Militärbasen auf Zypern erinnert. Seit vielen Jahrzehnten stehen diese Gebiete unter souveräner Verwaltung des Vereinigten Königreichs und unterliegen damit nicht der Regierung in Nikosia. Selbst der Konflikt zwischen den beiden Teilen Zyperns hat an dieser britischen Souveränität nichts geändert.

Allerdings ist unklar, wie endgültig ein solches Abkommen tatsächlich wäre. Ebenso unklar ist, wie groß die territorialen Ansprüche der Vereinigten Staaten in Grönland ausfallen würden und wie die Verhandlungen zwischen Washington und Kopenhagen insgesamt verlaufen werden.

Europäische Beamte erklären in den Kulissen des Internationalen Wirtschaftsforums in Davos, dass man sich nach den zunächst hoffnungsvollen Berichten über das Treffen zwischen Trump und Rutte keineswegs entspannen sollte, da die Rede Donald Trumps auf dem Internationalen Wirtschaftsforum weiterhin im Raum stehe. In dieser Rede sprach der Präsident der Vereinigten Staaten vollkommen unmissverständlich von der Notwendigkeit einer Kontrolle über Grönland – und zwar über ganz Grönland. Es gibt bislang keinerlei offizielle Bestätigung  zu gen dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten seinen Ansatz tatsächlich geändert hat.

Auch Trumps Aussagen, Grönland müsse Teil des sogenannten „Goldenen Schutzschildes“ werden und es gehe dabei um die Sicherheit nicht nur der Vereinigten Staaten, sondern ganz Europas, können kaum als klare Erklärung des Geschehens dienen. Schon allein deshalb nicht, weil – wie wir wissen – die Frage der Stationierung amerikanischer Militärbasen auf der Insel keineswegs zwangsläufig mit amerikanischer Souveränität über diese Basen verbunden sein muss. Zudem haben die Vereinigten Staaten in den vergangenen Jahrzehnten ihr Netz an Militärbasen in Grönland nicht ausgebaut, sondern im Gegenteil die Zahl der Basen und des dort eingesetzten Personals reduziert. Bislang gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass das Pentagon seine militärische Präsenz auf der Insel verstärkt.

Die Pressesprecherin von Präsident Trump, Karoline Leavitt, erklärte unmissverständlich, dass Trump vor allem an den Bodenschätzen und natürlichen Ressourcen Grönlands interessiert sei. Auch das lässt sich erklären, wenn man bedenkt, wie stark die Vereinigten Staaten heute von der Lieferung seltener Erden aus der Volksrepublik China abhängig sind, die die amerikanische Wirtschaft im wahrsten Sinne des Wortes „am Hals packen“ kann – was der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, nach Trumps Versuchen, einen umfassenden Zollkrieg mit Peking zu beginnen, eindrucksvoll demonstriert hat.

Allerdings ist erstens unklar, wie bedeutend und profitabel die Lagerstätten in Grönland derzeit tatsächlich sind und ob amerikanische Unternehmen bereit wären, nicht nur die Förderung, sondern vor allem auch die Erkundung dieser Rohstoffe zu finanzieren. Zweitens bleibt offen, ob Donald Trump damit einverstanden wäre, dass diese Erkundung und Förderung auf souveränem Territorium Dänemarks und Grönlands erfolgt und nicht unter amerikanischer Hoheit steht. Und drittens stellt sich die Frage, inwieweit das Sicherheitsargument von Donald Trump nicht lediglich als Vorwand genutzt wird, um Zugang zu diesen Bodenschätzen zu erhalten.

Daher könnte der amerikanische Präsident – nachdem er mit dem NATO-Generalsekretär gesprochen und womöglich erkannt hat, dass sich die Kontrolle über Grönland nicht auf einfache Weise durchsetzen lässt – das Interesse an diesem Thema schon in wenigen Tagen wieder verlieren und zumindest für eine gewisse Zeit nicht darauf zurückkommen.

So war es im Übrigen mit Grönland bereits zuvor. Donald Trump hatte die Insel schon während seiner ersten Amtszeit im Oval Office erwähnt. Er verlor relativ schnell das Interesse an der Idee eines Kaufs Grönlands und, nachdem er die Bedeutung der Insel in den ersten Tagen seiner Rückkehr ins Weiße Haus erneut hervorgehoben hatte, ließ er das Thema für nahezu zehn bis elf Monate wieder fallen.

Die erneute Zuspitzung der Grönland-Thematik erfolgte bei Trump unmittelbar vor dem Internationalen Wirtschaftsforum. Möglicherweise genau deshalb, um während dieses Treffens mit den Europäern hart zu verhandeln oder die Grönland-Frage gegen Sicherheitsgarantien für die Ukraine einzutauschen – Garantien, die solange der russisch-ukrainische Krieg andauert und amerikanisch-russische Gespräche ohne konkretes Ergebnis geführt werden, ebenso illusorisch bleiben wie viele andere wirtschaftliche und politische Projekte Donald Trumps.

Doch während die Europäer auf eine formale Fixierung der neuen amerikanischen Position hoffen, macht sich der Präsident Russlands, Wladimir Putin, offen über seinen amerikanischen Amtskollegen lustig. Er erinnert an den Verkauf Alaskas, spricht von den Summen, die die Vereinigten Staaten Dänemark für den Kauf der Insel hätten zahlen können, und versucht, den Betrag, den das Russische Kaiserreich einst für Alaska erhielt, auf heutige Werte umzurechnen – entweder für einen hypothetischen Kauf dieser Gebiete oder für den Kauf Grönlands. Kurz gesagt: Er ergötzt sich offen am Zerfall des modernen Völkerrechts, an dem nun keineswegs mehr nur er allein beteiligt ist. Und das ist wohl die sichtbarste Ausprägung des Grönland-Skandals, die wir in den letzten Tagen beobachten konnten.

Und selbst eine Beilegung der Situation wird kaum Klarheit in der grundlegendsten Frage schaffen: Wird das internationale Recht in den kommenden Jahren und Jahrzehnten überhaupt bestehen bleiben – oder wird es als ein Relikt der jüngeren Vergangenheit verschwinden?


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Titel des Originals: Трамп хочет часть Гренландии | Виталий Портников. 22.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Verhandlungen in Davos: Wie geht es weiter | Vitaly Portnikov. 22.01.2026.

Der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, erklärte nach einem Treffen mit der ukrainischen Delegation in Davos, dass sich die Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in der Endphase befänden.

Steve Witkoff erläuterte allerdings nicht, wie er den russischen Machthaber davon überzeugen wolle. Bekannt ist jedoch, dass Witkoff und der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, Jared Kushner, noch am selben Tag in die russische Hauptstadt reisen werden, um dort Gespräche mit Wladimir Putin zu führen. Zuvor soll in Davos ein Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, stattfinden, der bereits in der Schweiz eingetroffen ist.

Diese Gespräche sollen offenbar erneut dazu dienen, eine gemeinsame amerikanisch-ukrainische Formel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges auszuarbeiten, mit der Steve Witkoff und Jared Kushner Putin kurz darauf vertraut machen wollen – nachdem sie zuvor eigene Gespräche mit dem Sondergesandten des russischen Präsidenten, Kirill Dmitriev, geführt haben, der ebenfalls nach Davos gereist ist.

Witkoff zeigte sich nach seinen Gesprächen mit den ukrainischen Vertretern in Davos jedoch recht optimistisch, äußerte Komplimente und kündigte sogar einen Plan Donald Trumps an, eine sogenannte zollfreie Zone für die Ukraine zu schaffen, um den Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft nach dem Krieg zu unterstützen. Dies ist ein weiteres wirtschaftliches Projekt, das die Lage beim Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft verändern soll, nachdem in Miami bereits ein US-Investitionsplan für die Ukraine in Höhe von bis zu 600 Milliarden Dollar diskutiert worden war.

Vor Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums in Davos wurde sogar die Möglichkeit erörtert, dass die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine am Rande des Forums ein Abkommen über die Schaffung eines solchen Investitionsfonds unterzeichnen könnten. Wie bekannt wurde, stellte sich jedoch noch vor Beginn des Treffens heraus, dass das Abkommen nicht fertig war und daher nicht unterzeichnet werden würde.

Kurz darauf wurde auch offensichtlich, dass sich die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine möglicherweise überhaupt nicht in dem Schweizer Kurort treffen würden und somit keinerlei Vereinbarungen zwischen ihnen zustande kämen. Doch auch hier änderte Donald Trump seine Position, als er erklärte, der russische Präsident Putin wolle den Krieg beenden, und er plane ein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine. Zuvor hatte Zelensky angekündigt, seinen Auftritt im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums aufgrund der schwierigen Lage in der ukrainischen Energieversorgung abzusagen.

Nach Trumps Erklärung änderte sich jedoch alles. Zelensky ist nun in Davos und bereit, mit Trump über die amerikanische Sicht auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu sprechen. Doch auch hier wird letztlich nicht entscheidend sein, worauf sich Trump und Zelensky einigen, sondern wie Putin das Ende des Krieges sieht.

Der russische Präsident selbst setzt unterdessen seine spöttische Haltung gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen fort. So antwortete Putin auf eine Frage der Vorsitzenden des Föderationsrates der Russischen Föderation, Valentina Matviyenko, zu seiner möglichen Teilnahme am sogenannten Friedensrat, dass er Trumps Einladung an das russische Außenministerium weitergeleitet habe, wo sie derzeit geprüft werde. Zugleich erklärte er, er sei bereit, eine Milliarde Dollar aus in den Vereinigten Staaten eingefrorenen russischen Vermögenswerten für den Wiederaufbau des Gazastreifens bereitzustellen. Weitere Milliarden eingefrorener russischer Gelder wolle er nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine für den Wiederaufbau jener Gebiete zur Verfügung stellen, die während des russisch-ukrainischen Krieges von Kampfhandlungen betroffen gewesen seien.

Putin präzisierte allerdings nicht, um welche Gebiete es sich dabei handeln solle: um jene Teile der Ukraine, die täglich von russischen Raketen und Drohnen bombardiert werden, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und „einzufrieren“, oder um die von Russland besetzten Gebiete, deren Kontrolle Putin nicht nur behalten, sondern sogar ausweiten möchte. Bislang haben wir jedenfalls keine einzige Erklärung des russischen Präsidenten gehört, die auf einen Verzicht auf seine bisherigen Forderungen nach dem Abzug ukrainischer Truppen aus jenen Gebieten hindeuten würde, die formell von der Russischen Föderation annektiert wurden, sich jedoch weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befinden.

Und hier kehren wir erneut zur Logik Steve Witkoffs zurück. Wenn er davon ausgeht, dass sich die Verhandlungen in der Endphase befinden, warum wissen wir dann nichts über eine Veränderung der russischen Position, die darauf hindeuten würde, dass Moskau und Kyiv tatsächlich zu einem realen Friedensabkommen bereit sind – zumindest zu einem, das einen Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie der Truppen beider verfeindeter Staaten vorsieht? 

Zugleich muss man jedoch festhalten, dass Russland erneut versuchen könnte, den Verhandlungsprozess in die Länge zu ziehen. Das zeigt sich selbst in den Worten Steve Witkoffs. Denn nach seinem Treffen mit Putin plant der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht, nach Davos zurückzukehren, sondern nach Abu Dhabi weiterzureisen, wo Arbeitsgruppen ihre Tätigkeit aufnehmen sollen, die den Entwurf eines Friedensabkommens ausarbeiten und konkretisieren sollen.

Offenkundig werden dies amerikanische, ukrainische und russische Arbeitsgruppen sein. Dabei könnten die Amerikaner als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine auftreten, sodass sich ukrainische und russische Unterhändler nicht direkt begegnen, sondern ihre Vorschläge über die Amerikaner austauschen. Wie wir verstehen, ist heute niemand in der Lage zu sagen, wie lange diese Arbeitsgruppen tätig sein werden und ob Putin nicht nur versuchen wird, den Verhandlungsprozess zu verzögern, sondern ihn im entscheidenden Moment sogar zu sabotieren – etwa durch die Organisation einer Provokation, durch die Beschuldigung Kyivs, kein echtes Interesse an einem Waffenstillstand zu haben, und durch eine erneute Rückkehr zu endlosen Gesprächen mit Präsident Trump, zu neuen Sanktionen und zur Suche nach Wegen, diese Sanktionen zu umgehen. Bislang hat Putin genau diese Taktik verfolgt, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass er sie in absehbarer Zeit ändern wird.


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Titel des Originals: Перемовини у Давосі: що далі | Віталій Портников. 22.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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