Zwischen Erinnerung und Zukunft: Die Krise der polnisch-ukrainischen Beziehungen. Lubomir Haidamaka. 02.06.2026.

Lubomir Haidamaka. 02.06.2026.

Manchmal sagt ein einziger Satz mehr über einen Menschen aus als all seine Bücher, Titel, Ämter und patriotischen Reden zusammen.

Professor Jan Żaryn, einer der langjährigen Ideologen der polnischen Rechten in Fragen der Geschichtspolitik, sagte etwas sehr Einfaches und sehr Ehrliches: Wenn die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnt, könnte sie seiner Ansicht nach für Polen sogar gefährlicher werden als Russland.

Und an diesem Punkt könnte man die Diskussion eigentlich schon beenden, denn der Mann hat sich schlicht verplappert.

Denn das hat nichts mehr mit Wolhynien, nichts mit der UPA, nichts mit historischer Erinnerung, nichts mit Gräbern, nichts mit Traumata und nicht einmal mit polnischem Patriotismus zu tun, hinter dem sich in solchen Fällen alte imperiale Komplexe sehr bequem verbergen lassen. Es geht um die Angst vor einer starken Ukraine, die aufhört, ein bequemes Opfer zu sein, die aufhört, ein Gebiet zwischen Russland und Polen zu sein, die aufhört, der arme Verwandte am europäischen Tisch zu sein und plötzlich beginnt, zu einem eigenständigen Akteur zu werden, mit dem man rechnen muss.

Für einen Teil der polnischen Rechten war die Ukraine akzeptabel, solange man sie bedauern, belehren, aus der Position des großen Bruders unterstützen und sie gelegentlich daran erinnern konnte, dass sie irgendwem etwas schulde. Eine Ukraine, die um Waffen bittet, Binnenvertriebene versorgt, unter Raketenbeschuss steht und sich für jede einzelne Granate bedankt, passte für sie noch irgendwie ins Weltbild. Eine Ukraine jedoch, die überlebt hat, die gelernt hat zu kämpfen, die eine der stärksten Armeen Europas geschaffen hat, eine eigene Stimme gewonnen hat und morgen zum Zentrum einer neuen Sicherheitsordnung im Osten des Kontinents werden könnte, macht ihnen bereits Angst.

Und das ist sehr bezeichnend.

Denn eine normale polnische Elite müsste sagen: Eine starke Ukraine ist eine historische Chance für Polen. Es ist die Chance, endlich aus der ewigen Rolle eines Grenzstaates zwischen Berlin und Moskau herauszutreten. Es ist die Chance, eine Achse Kyiv–Warschau zu schaffen, mit der man in Brüssel, Washington und sogar in Moskau rechnen muss – sofern dort irgendwann noch jemand rechnen lernt. Stattdessen hören wir wieder das alte Lied jener Menschen, die nicht nach vorne blicken, sondern in den Sarg der Vergangenheit, und die darüber hinaus verlangen, dass alle anderen neben ihnen in dieser Pose historischen Leidens verharren.

Polen hat tatsächlich schreckliche Traumata, und darüber sollte man sich nicht lustig machen. Doch wenn ein Trauma zu einem politischen Beruf wird, wenn darauf Karrieren, Umfragewerte, Lehrstühle, Parteien und Fernsehreden aufgebaut werden, dann hört es auf, Erinnerung zu sein, und wird zu einem Instrument, die Gesellschaft in einem kindlichen Zustand zu halten. Denn erwachsene Nationen erinnern sich an ihre Toten, erlauben den Toten aber nicht, die Zukunft der Lebenden zu bestimmen.

Auch die Ukraine ist weder heilig noch ohne Schuld. Auch bei uns gibt es viele Menschen, die Geschichte nicht als Verantwortung verstehen, sondern als Knüppel, mit dem man anderen auf den Kopf schlagen kann. Auch bei uns gibt es genügend Politiker, die nicht in der Lage sind, mit Polen in der Sprache von Stärke, Würde und langfristiger Strategie zu sprechen. Denn dafür braucht man nicht nur ein Amt, sondern auch Rückgrat, Bildung, Erinnerung und ein Gefühl für Staatlichkeit. Und damit haben wir – wie immer – größere Schwierigkeiten als mit der nächsten pathetischen Erklärung vor laufender Kamera.

Und deshalb stehen wir vor einer sehr unangenehmen Wahrheit.

Auf polnischer Seite ist ein erheblicher Teil der rechten Politiker nicht bereit für eine starke Ukraine, weil eine starke Ukraine ihre alte Weltkarte zerstört, auf der die Polen immer ein wenig älter, ein wenig klüger, ein wenig europäischer sind und die Ukrainer höflich danken und nicht allzu laut daran erinnern sollen, dass Polen ohne ukrainisches Blut heute womöglich nicht über historische Kränkungen nachdenken würde, sondern über russische Panzer irgendwo deutlich näher an der Weichsel.

Auf ukrainischer Seite ist ein erheblicher Teil der Politiker nicht bereit für ein Gespräch mit Polen, weil man für ein solches Gespräch nicht jammern, nicht pöbeln und keinen billigen Patriotismus spielen darf, sondern ruhig und bestimmt sagen muss: Wir respektieren eure Erinnerung, aber wir werden euch nicht erlauben, unsere zu privatisieren; wir sind bereit, über alle Opfer zu sprechen, aber wir sind nicht bereit, vor euren Mythen auf die Knie zu gehen; wir wollen ein Bündnis, aber wir akzeptieren nicht die Rolle des kleinen Bruders, den man gelegentlich zurechtweisen kann.

Denn eine Versöhnung zwischen der Ukraine und Polen kann nicht auf gegenseitiger Erniedrigung aufgebaut werden. Sie kann nur auf einer erwachsenen Formel beruhen: Wir vergeben und bitten um Vergebung, wir erinnern uns an alle Getöteten, wir nennen jedes Opfer beim Namen, wir erkennen an, dass unsere Helden nicht immer eure Helden sein werden und eure Helden nicht immer unsere Helden sein werden, und gleichzeitig verstehen wir das Wichtigste: Wenn die Ukraine und Polen nicht zusammenstehen, gewinnt Moskau.

Doch dafür braucht es würdige Menschen.

Nicht Kommentatoren historischer Kränkungen, nicht professionelle Patrioten, nicht kleine politische Händler, nicht jene, die nur darin geübt sind, Traumata vor Wahlen aufzubauschen und sich danach bei Empfängen mit einem Glas in der Hand als Staatsmänner zu inszenieren. Es braucht Menschen, die in der Lage sind, ihren Gesellschaften unangenehme Wahrheiten zu sagen und nicht beim ersten Aufschrei zusammenzuzucken.

Und solche Menschen sind weder dort noch hier besonders sichtbar.

Stattdessen haben wir politische Impotente, die unfähig sind, Zukunft hervorzubringen, dafür aber hervorragend darin sind, die Vergangenheit zu bewirtschaften. Die polnische Rechte fürchtet eine starke Ukraine, weil diese von ihr verlangt, erwachsen zu werden. Die ukrainische Führung versteht es nicht, mit Polen auf Augenhöhe zu sprechen, weil man dafür selbst Staatsmänner sein müsste und nicht bloß zeitweilige Manager auf gemieteten Sesseln.

Und genau darin liegt die ganze Tragödie.

Zwei Länder, die das Rückgrat eines neuen Europas bilden könnten, riskieren erneut, im Sumpf alter Ängste, kleiner Ambitionen und großer politischer Hilflosigkeit zu versinken. Russland verliert historisch, doch das bedeutet noch lange nicht, dass wir automatisch die Zukunft gewinnen.

Denn die Zukunft wird nicht von denen gewonnen, die einen starken Nachbarn fürchten.

Und ganz sicher nicht von denen, die selbst nicht in der Lage sind, stark zu werden.


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Autor / Verfasser / Kanal: Lubomir Haidamaka
Veröffentlichung / Entstehung: 02.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Maidan-Revolution: Mythos und Realität. Lubomir Haidamaka. 28.05.2026.

Lubomir Haidamaka. 28.05.2026.

In letzter Zeit stoße ich immer wieder auf die merkwürdige, aber erstaunlich hartnäckige Überzeugung, dass der Maidan im Jahr 2014 von irgendjemandem sorgfältig organisiert, von irgendjemandem finanziert, in irgendwelchen Büros geplant und anschließend einfach wie eine gut einstudierte Aufführung für naive Bürger auf die Straße gebracht worden sei.

Und jedes Mal, wenn ich das höre, möchte ich eine einfache Frage stellen: Habt ihr diesen Maidan wirklich gesehen, oder wurde er euch später von Menschen erzählt, denen sehr daran gelegen war, dass die ukrainische Würde wie ein fremdfinanzierter Kostenplan aussieht?

Denn der Maidan begann nicht als Revolution. Er begann nicht einmal als Plan zum Sturz Janukowytschs. Er begann mit Verunsicherung, Wut und dem zutiefst menschlichen Gefühl, wieder einmal betrogen worden zu sein. Jahrelang hatte man dem Land vom europäischen Kurs erzählt, das Parlament unterstützte den Weg zum Assoziierungsabkommen mit der EU, Beamte reisten umher, verhandelten und sprachen von einer historischen Entscheidung – und dann zog die Regierung wenige Tage vor dem Gipfel in Vilnius plötzlich die Notbremse und sagte: Schluss, wir fahren nicht.

Die ersten Menschen gingen nicht auf die Straße, weil ihnen jemand einen Umschlag zugesteckt hatte. Sie gingen auf die Straße, weil viele in diesem Moment zum ersten Mal sehr deutlich spürten: Mit uns wird nicht wie mit Bürgern umgegangen, sondern wie mit einer Bevölkerung, der man ins Gesicht lügen und anschließend befehlen kann, nach Hause zu gehen.

Wenn das eine so genial organisierte Spezialoperation gewesen sein soll, warum war der Maidan in den ersten Tagen dann klein, unsicher und fast studentisch geprägt? Warum gab es dort keine fertige Führungsstruktur, keinen einheitlichen Stab, keine klare Kommandokette, keine disziplinierte Statistenmasse und kein im Voraus geschriebenes Drehbuch? Warum liefen die Politiker den Ereignissen eher hinterher, als sie zu lenken? Warum begann die ganze Geschichte mit Beiträgen in sozialen Netzwerken, Anrufen bei Freunden, Thermoskannen mit Tee, selbstgemalten Plakaten und dem Gefühl, man müsse einfach hinausgehen, weil Schweigen bereits beschämend geworden war?

Dann kam die Nacht des 30. November.

Und genau dort tat das System das, was autoritäre Systeme fast immer tun, wenn sie ihre eigene Gesellschaft nicht verstehen. Es entschied, dass die Erwachsenen Angst bekommen würden, wenn man die Kinder zusammenschlägt. Doch es geschah genau das Gegenteil. Die Menschen gingen nun nicht mehr nur für Europa auf die Straße. Sie gingen für die geschlagenen Studenten auf die Straße, für das Recht, nicht wie Vieh behandelt zu werden, für das Recht, eine Demütigung nicht einfach hinunterzuschlucken und nicht so zu tun, als wäre nichts geschehen.

Genau deshalb sind die Geschichten vom „bezahlten Maidan“ so bequem für alle, die Angst vor der Verantwortung des Volkes haben. Denn wenn der Maidan bezahlt war, dann muss man nicht über Janukowytsch nachdenken, nicht über Korruption, Polizeigewalt, die Gerichte, die „Familie“, Meschyhirja oder über einen Staat, der seine Bürger wie Leibeigene behandelte. Dann ist alles ganz einfach: Jemand gab Geld, jemand ging auf die Straße, jemand rief Parolen, jemand gewann. Ein billiges Märchen für jene, denen es schwerfällt anzuerkennen, dass ein Volk manchmal tatsächlich aufsteht.

In Wirklichkeit aber war der Maidan ein schwarzer Schwan. Ein unvorhersehbares Ereignis, das nicht aus einem Plan entstand, sondern aus aufgestauter Kränkung, zerstörtem Vertrauen und staatlicher Dummheit. Man konnte ihn nicht vernünftig modellieren, weil er nicht aus einer einzigen Organisation, nicht aus einem einzigen Zentrum und nicht aus einer einzigen sozialen Gruppe bestand. Dort waren Studenten, Unternehmer, IT-Spezialisten, Afghanistan-Veteranen, Lehrer, Geistliche, Nationalisten, Liberale, russischsprachige Kyiver, ukrainischsprachige Galizier, Menschen aus dem Zentrum, dem Osten und dem Süden des Landes, aus Dörfern und Städten. Und gerade diese Vielfalt war der Beweis dafür, dass es keine Inszenierung war.

Inszenierungen sehen ordentlicher aus. Dort sprechen alle dieselben Sätze, folgen denselben Handreichungen und warten auf Befehle von oben. Der Maidan war anders. Er stritt mit sich selbst, diskutierte, machte Fehler, improvisierte, organisierte sich selbst, übernachtete in der Kälte, schleppte Brennholz heran, errichtete Barrikaden, kochte Essen, versorgte Verwundete, suchte Helme, brachte Reifen, betete, fluchte und hielt durch – nicht weil jemand dafür bezahlte, sondern weil es bereits beschämend gewesen wäre, zurückzugehen.

Ja, auf dem Maidan waren Parteien vertreten. Ja, es gab zivilgesellschaftliche Organisationen. Ja, es gab Menschen mit Ressourcen, Bühnen, Technik, Logistik, politischen Ambitionen und eigenen Interessen. Es wäre seltsam gewesen, wenn all das beim größten Protest des Landes nicht vorhanden gewesen wäre. Aber die Beteiligung organisierter Strukturen an einer großen Volksbewegung mit der Behauptung zu verwechseln, sie hätten diese Bewegung geschaffen und gekauft, ist entweder Naivität oder bewusste Lüge.

Denn Geld kann Busse zu einer Kundgebung bezahlen. Geld kann Fahnen kaufen. Geld kann eine Bühne, Lautsprecheranlagen, Werbung und sogar einige tausend Menschen für ein paar Stunden bezahlen. Aber Geld kann keine Monate auf dem kalten Platz kaufen. Geld kann nicht die Bereitschaft kaufen, sich Schlagstöcken entgegenzustellen. Geld kann nicht Mütter kaufen, die nach ihren Kindern suchen. Geld kann nicht Menschen kaufen, die nach den ersten Todesopfern nicht auseinanderlaufen, sondern noch entschlossener werden.

Und das Wichtigste: Wäre der Maidan tatsächlich nur eine bezahlte politische Technologie gewesen, dann hätte er geendet, als es gefährlich wurde. Denn bezahlte Projekte enden dort, wo Lebensgefahr beginnt. Der Maidan hingegen wurde gerade in dem Moment wirklich zum Maidan, als die Gefahr real wurde.

Ich glaube, der Mythos vom „bezahlten Maidan“ lebt nicht deshalb weiter, weil er überzeugend wäre. Er lebt weiter, weil es für viele Menschen psychologisch leichter ist, an eine Verschwörung zu glauben als an Freiheit. Es ist leichter zu sagen, die Ukrainer seien gekauft worden, als anzuerkennen, dass Ukrainer selbst gegen die Macht aufstehen können. Es ist leichter, die Würde anderer abzuwerten, als sich selbst zu fragen, wo man damals war, als andere beschlossen, nicht länger zu schweigen.

Der Maidan war nicht heilig. Dort gab es Fehler, Naivität, Romantik, Manipulationen, fremde Interessen, politische Parasiten und Menschen, die sich später auf dem Blut anderer sehr gut eingerichtet haben. Aber all das ändert nichts am Wesentlichen: In seinem Kern war der Maidan eine spontane Explosion bürgerlichen Engagements und kein buchhalterisches Projekt.

Und vielleicht wird er gerade deshalb bis heute so gehasst.

Denn einen bezahlten Protest kann man im Archiv politischer Technologien ablegen.

Ein echter Maidan dagegen stellt eine Frage an jeden Einzelnen von uns.


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Autor: Lubomir Haidamaka
Veröffentlichung / Entstehung: 28.05.2026.
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Tausend Stiche gegen das Imperium. Lubomir Haidamaka. 03.06.2026.

Lubomir Haidamaka. 03.06.2026.

„Flattere wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene“, sagte Muhammad Ali, und das scheint eine der treffendsten Formeln für den Krieg der Ukraine gegen das russische Imperium zu sein.

Denn das russische Imperium lässt sich nicht mit einem einzigen schönen Schlag besiegen, nach dem es zusammenbricht, weint, Reue zeigt und anfängt, vernünftige Bücher zu lesen statt FSB-Leitfäden. Imperien fallen nicht so. Sie verrotten langsam, halten sich durch Angst, Trägheit, Öl, Lügen, sklavischen Gehorsam und durch diese ewige russische Fähigkeit aufrecht, jede Niederlage damit zu erklären, dass „alles nach Plan läuft“.

Deshalb darf die Ukraine nicht Russlands Spiel spielen – das Spiel der imperialen Größenfantasien, der großen Karten, der großen Paraden und des großen Führers, der an einem absurd langen Tisch sitzt und glaubt, die Geschichte arbeite für ihn.

Unser Spiel ist ein anderes.

Tausende kleiner Stiche.

Oder besser gesagt – Millionen.

Nicht ein einziger Schlag, nach dem alle darauf warten, ob der Thron wankt. Sondern tägliche, kalte, systematische Arbeit, nach der der Thron so zu knarren beginnt, dass selbst diejenigen es hören, die gestern noch so taten, als geschehe überhaupt nichts.

Irgendwo steht eine Fabrik still. Irgendwo bricht die Logistik zusammen. Irgendwo wird es plötzlich laut. Irgendwo begreift ein Beamter zum ersten Mal, dass der Krieg, den er viele Jahre nur im Fernsehen gesehen hat, die unangenehme Eigenschaft besitzt, ohne Zustimmung der Präsidialverwaltung in seine Stadt zu kommen. Irgendwo schaut das einfache russische Volk  auf brennende Infrastruktur und fragt zum ersten Mal nicht mehr ganz so selbstsicher: „Und warum trifft es ausgerechnet uns?“

Uns? Wegen Butscha, Mariupol, Isjum, Cherson, Kramatorsk und Charkiw. Wegen jedes Kindes, das unter Sirenengeheul einschlief, wegen jedes Ukrainers, den sie mit Panzern, Folterkellern und Waschmaschinen zu ‚befreien‘ kamen.

Ich finde es bemerkenswert, wie die russische liberale Öffentlichkeit in solchen Momenten plötzlich ein ausgeprägtes ökologisches Bewusstsein entwickelt. Jahrelang kümmerten sie sich kaum um zerstörte ukrainische Städte, verschleppte Kinder, niedergebrannte Felder, beschossene Krankenhäuser, verminte Gebiete und das schwarze Meer des Todes, das Russland auf unser Land gebracht hat. Doch sobald bei ihnen irgendwo etwas zu brennen beginnt, erscheint sofort ein von Asche verschmutzter Spatz, eine traurige Bildunterschrift, ein paar Tränen, jede Menge Humanismus und vor allem: „keine Politik“.

Es ist sehr bequem, in einem Land zu leben, das seit Jahrhunderten stiehlt, tötet, besetzt, deportiert und die Geschichte sowie ganze Völker vergewaltigt – und der Welt anschließend von einem bedauernswerten Spatz neben einem Treibstofftank zu erzählen.

Ich habe nichts gegen den Spatz. Der Spatz ist, anders als viele russische Intellektuelle, ganz sicher unschuldig.

Aber ich habe Fragen an Menschen, die das Imperium jahrzehntelang nicht gesehen haben, als es zu uns kam, und plötzlich eine Tragödie erkennen, sobald das Imperium beginnt, eine Antwort auf seine Taten zu erhalten.

Und hier kommt ein wichtiger Punkt.

Die Ukraine darf nach jedem erfolgreichen Schlag nicht in Euphorie verfallen, denn Euphorie ist ebenfalls eine Droge – nur eine billige. Ein Objekt, ein Lager, ein Treibstoffdepot, eine Fabrik, ein Flugplatz – das ist noch kein Sieg. Es ist nur ein einzelner Stich. Ein schmerzhafter, richtiger, notwendiger Stich – aber eben nur einer.

Der Sieg beginnt nicht dort, wo wir einmal spektakulär zuschlagen, sondern dort, wo wir regelmäßig, in großem Maßstab, serienmäßig und ohne Unterbrechung zuschlagen können – ohne Pause für Selfies mit der politischen Führung.

Denn die Russen sind nicht deshalb gefährlich, weil sie besonders klug wären. Gerade damit haben sie ihre Schwierigkeiten. Gefährlich sind sie, weil sie kopieren, skalieren und mit schierer Masse überrollen können. Das haben wir in diesem Krieg bereits gesehen. Wir entwickeln etwas Wirksames, sie lachen zunächst darüber, stehlen dann die Idee, produzieren sie zehnmal häufiger und beginnen anschließend, uns mit unserer eigenen Logik zu schlagen – nur ohne unsere moralischen Beschränkungen.

Deshalb lautet die entscheidende Frage jetzt nicht, ob wir zustechen können.

Das können wir.

Die entscheidende Frage lautet, ob wir daraus ein staatliches System machen können und nicht nur ein heroisches improvisiertes Wunder, das auf einigen talentierten Menschen, Freiwilligen, Ingenieuren, Soldaten und eben jenen verrückten Ukrainern beruht, die aus einem Keller heraus mehr zustande bringen können als manche Ministerien mit ihren Budgets, Präsentationen und Beratern.

Das russische Imperium muss nicht einen großen Schlag spüren, sondern ständigen Schmerz. Einen Schmerz, der den Schlaf raubt. Einen Schmerz, der dazu zwingt, Ressourcen umzuleiten. Einen Schmerz, der das Gefühl der Straflosigkeit zerstört. Einen Schmerz, nach dem jeder Gouverneur, jeder Fabrikdirektor und jeder Nutznießer des imperialen Systems zu verstehen beginnt, dass der Krieg nicht mehr bloß ein Fernsehereignis für die russische Provinz ist.

Flattere wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.

Aber nicht nur einmal.

Jeden Tag.

Tausendfach.

Millionenfach.

Denn ein Imperium, das seit Jahrhunderten daran gewöhnt ist, andere zu beißen, muss endlich eine einfache Wahrheit begreifen:

Die Ukrainer sind nicht gekommen, um es zu bitten, gut zu werden.

Die Ukrainer sind gekommen, um dafür zu sorgen, dass es kein Imperium mehr sein kann.


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Autor: Lubomir Haidamaka
Veröffentlichung / Entstehung: 03.06.2026.
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Plattform / Quelle: Facebook
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Zelensky schreibt an Trump | Vitaly Portnikov. 01.06.2026

Зеленський пише Трампу. Віталій Портников. 01.06.2026.

Volodymyr Zelensky hat Donald Trump einen Brief geschrieben. Nach dem erneuten russischen Angriff auf Kyiv – wieder auf Märkte, Einkaufszentren und Wohnviertel – wandte sich der Präsident der Ukraine an seinen amerikanischen Kollegen mit der Bitte, bei der Verstärkung der Luftverteidigung zu helfen.

Bislang kam die Antwort nur indirekt – vom US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Ihr Inhalt lässt sich einfach zusammenfassen: Wir werden helfen, soweit wir können. Doch offenbar sind die Möglichkeiten derzeit begrenzt. Nach der Nahostkrise sind die amerikanischen Raketenbestände erschöpft, und es wird Zeit benötigen, sie wieder aufzufüllen.

Diese Logik kann man verstehen. Theoretisch.

Aber die Menschen in Kyiv können nicht darauf warten, bis das Pentagon seine Lagerbestände wieder aufgefüllt hat. Sie leben – oder überleben nicht – schon jetzt unter russischen Angriffen. Und wir verstehen sehr gut, dass Putin nicht beabsichtigt, diese Angriffe einzustellen. Der Luftterror ist zu einem seiner wichtigsten Instrumente in diesem Krieg geworden. Mehr noch: Der russische Präsident versucht, den territorialen Krieg in einen demografischen Krieg zu verwandeln. Er hofft weiterhin, dass mit jedem Angriff die Bevölkerung der Ukraine schrumpfen wird und große ukrainische Städte selbst für diejenigen nicht mehr sicher erscheinen werden, die ihre Häuser bislang nicht verlassen haben.

Und hier stellt sich eine Frage, deren Antwort nicht besonders angenehm klingt.

Wie konnte es dazu kommen, dass die mächtigste Armee der Welt nach nur wenigen Monaten eines begrenzten Konflikts im Nahen Osten bereits nicht mehr in der Lage ist, einen Verbündeten mit einer ausreichenden Anzahl von Luftverteidigungssystemen zu versorgen? Wenn ein einziger Kriegsschauplatz die Ressourcen so stark erschöpft, was wird dann im Falle mehrerer gleichzeitiger Krisen geschehen? Und was bleibt dann von den Vorstellungen über die militärische Macht der Vereinigten Staaten?

Aber gut. Nehmen wir an, dass es so ist.

Was soll die Ukraine dann tun?

Die Antwort existiert, und sie ist nicht neu. Ich muss sie nur immer wieder wiederholen.

Erstens: Europa. IRIS-T, SAMP/T, Patriot-Systeme europäischer Produktion – all das existiert. Das Problem besteht nicht darin, dass es diese Systeme nicht gibt. Das Problem besteht darin, ob die europäischen Länder bereit sind, sie der Ukraine schnell und in ausreichender Menge zu übergeben. Manchmal ist diese Bereitschaft vorhanden. Häufiger muss sie jedoch nach jedem neuen Angriff auf ukrainische Städte erneut erkämpft werden.

Zweitens: die eigene Produktion. Die Ukraine produziert bereits unter Kriegsbedingungen Drohnen und Raketen. Das wird Patriot-Systeme nicht ersetzen, aber es ist eine Realität, die ausgeweitet werden muss. Dafür braucht es Technologien, Komponenten, Investitionen und industrielle Zusammenarbeit mit den Verbündeten. Nicht nur Worte der Unterstützung.

Und schließlich – das Wichtigste.

Der beste Schutz ukrainischer Städte ist die Zerstörung der russischen Möglichkeiten, Angriffe durchzuführen. Fabriken, Lagerhäuser, Logistikzentren, Abschussanlagen. Genau um solche Möglichkeiten bittet die Ukraine ihre Partner seit Jahren. Und genau davor haben viele im Westen noch immer Angst – aus Gründen, die nach jedem neuen Angriff auf Kyjiw, Charkiw, Odessa oder Dnipro immer weniger überzeugend erscheinen.

Das Paradox dieses Krieges ist einfach und grausam. Der Westen gibt der Ukraine einen Schild – und selbst diesen nicht immer in ausreichender Menge –, schränkt gleichzeitig aber oft die Möglichkeiten ein, denjenigen anzugreifen, der die Angriffe ausführt. Und anschließend wundert man sich, warum diese Angriffe nicht aufhören.

Zelenskys Brief war völlig logisch. Hegseths Antwort war vorhersehbar. Aber Briefe und Antworten sind ein Gespräch, keine Strategie.

Eine Strategie beginnt dort, wo man die Möglichkeit hat, den nächsten Angriff auf Kyiv bereits im Ansatz zu vereiteln.

Und zwar möglichst, bevor die Raketen erneut in Richtung ukrainischer Städte fliegen.


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Titel des Originals: Зеленський пише Трампу. Віталій Портников. 01.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.06.2026.
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Plattform / Quelle: Zeitung
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Der Kreml verschärft die „Friedensbedingungen“ | Vitaly Portnikov. 02.06.2026.

Um den Krieg zu beenden – sogar innerhalb eines Tages –, müsse der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, seinen Streitkräften den Befehl geben, die russischen Regionen zu verlassen, betont der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation Putin, Dmitri Peskow. Mit den russischen Regionen meint man in Moskau bekanntlich die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja der Ukraine sowie die Autonome Republik Krim und Sewastopol, die in der Verfassung der Russischen Föderation als Subjekte Russlands verzeichnet sind.

Somit ist Russland der Auffassung, dass nicht seine Truppen die aus Sicht des Völkerrechts und des gesunden Menschenverstands besetzten ukrainischen Gebiete verlassen sollten, sondern im Gegenteil die Streitkräfte der Ukraine den Donbass, das Gebiet Saporischschja und die Region Cherson räumen müssten, damit Putins geopolitische Fantasien verwirklicht werden können – zumindest unter Bedingungen, in denen die russische Armee nicht in der Lage ist, das gesamte Territorium der Ukraine zu besetzen.

Schon als die Russen betonten, dass die ukrainische Armee für den Beginn von Verhandlungen über einen Waffenstillstand die Gebiete Donezk und Luhansk verlassen müsse, stellte ich mir die Frage: Warum sind für den Kreml damals nur Donezk und Luhansk Gegenstand von Verhandlungen über den Frieden gewesen? Warum sollten die Gebiete Saporischschja und Cherson, die von Russland genauso annektiert wurden wie die Gebiete Donezk und Luhansk der Ukraine, nicht ebenfalls jene Territorien sein, aus denen Russland den Abzug ukrainischer Truppen fordert?

Offensichtlich war dies damals Teil irgendwelcher Konsultationen mit der Administration von Präsident Donald Trump. Damit man in Washington die Ansprüche des Kremls nicht für überzogen hielt, entschied man sich, zunächst mit den Gebieten Donezk und Luhansk zu beginnen. Auch deshalb, weil Kramatorsk, Slowjansk und andere Städte des Gebiets Donezk, die unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung stehen, von Russland als befestigte Festungen wahrgenommen wurden, deren Eroberung das Leben vieler russischer Söldner sowie militärischer Ausrüstung kosten würde, die – wie wir verstehen – für Putin weitaus wichtiger ist als das Leben irgendwelcher russischer Bürger, die bereit sind, für Geld unsere Landsleute zu töten.

Doch nun sehen wir, dass Peskow ausspricht, was tatsächlich gemeint ist, da keinerlei echte Verhandlungen mit der Ukraine stattfinden und dieser Verhandlungsprozess für Putin nicht mehr erforderlich ist, um Kontakte mit der Trump-Administration aufrechtzuerhalten. Damit Russland überhaupt über einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front nachdenken kann, muss Putin seinen Landsleuten zumindest den Anschein eines Sieges vermitteln können – davon, dass es Russland gelungen ist, die Kontrolle über sämtliche Gebiete zu erlangen, die nach der Verfassung dieses Landes als russisch erklärt wurden.

Das wäre zumindest eine Art Simulation eines Sieges in einer Situation, in der die Kontrolle über das gesamte Territorium unseres Landes nicht erreicht werden kann. Gleichzeitig besteht natürlich auch der Wunsch, Zwietracht innerhalb der ukrainischen Gesellschaft zu säen, denn die Destabilisierung der Ukraine war und bleibt eine der wichtigsten Aufgaben der russischen politischen Führung.

Man möchte erreichen, dass die Menschen in der Ukraine glauben, es gebe doch Möglichkeiten, den Krieg zu beenden, den Beschuss ukrainischer Städte und die Tötung ukrainischer Bürger zu stoppen. Und diese Möglichkeit bestehe darin, Russland jene ukrainischen Gebiete zu überlassen, auf die es territoriale Ansprüche erhebt und die es in seine Verfassung eingetragen hat – eine Verfassung, die Putin längst zu einem wertlosen Lappen gemacht hat.

Ich würde jedoch nicht empfehlen, die Erklärungen des Kreml-Sprechers oder auch die Aussagen Putins ernst zu nehmen. Man sollte sich immer daran erinnern: Mit einem Menschenfresser kann man über nichts verhandeln. Der Appetit des Menschenfressers wächst beim Essen. Wenn man ihm das Territorium von vier ukrainischen Regionen überlässt, wird er, glauben Sie mir, sofort Pläne zur Eroberung benachbarter ukrainischer Gebiete schmieden. Gibt man ihm diese benachbarten Gebiete, wird er weitergehen.

Genau das ist die klassische Salami-Taktik, an die man sich stets erinnern sollte, wenn wir die Situation im russisch-ukrainischen Krieg diskutieren. Und es ist kein Zufall, dass diese Forderungen gerade jetzt erhoben werden, da die Ukraine den Korridor von Russland zur Krim unter Kontrolle nimmt, da russische Raffinerien und militärisch-industrielle Betriebe angegriffen werden, da Putin trotz neuer Einnahmen aus dem Verkauf russischen Öls katastrophal das Geld für den Krieg ausgeht und es im Interesse des russischen Präsidenten liegt, diesen Krieg aus Sicht der Stabilität seines menschenverachtenden Regimes möglichst schnell zu beenden – allerdings mit einem realen Ergebnis, das man als Sieg darstellen und das die Vorbereitung auf einen neuen Krieg nach der Wiederherstellung russischer Möglichkeiten ermöglichen kann. Und Putin kann durchaus davon ausgehen, dass der Abzug ukrainischer Truppen aus vier Regionen unseres Landes ein Sprungbrett für neue Offensiven schaffen würde.

Deshalb bleibe ich dabei, dass von einem echten Friedensvertrag zwischen Russland und der Ukraine keine Rede sein kann. Ebenso wenig kann man echte Friedensverhandlungen zwischen Moskau und Kyiv erwarten – selbst nicht unter Vermittlung der Administration des amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

Worauf man hingegen hoffen kann, ist, dass die russischen Truppen zum Stillstand kommen, weil die Reserven des Aggressorstaates erschöpft sein werden. Genau zur Vernichtung dieser Reserven müssen die ukrainischen Streitkräfte arbeiten. Genau zur Vernichtung dieser Reserven müssen die ukrainischen Diplomaten arbeiten, indem sie Voraussetzungen für neue verheerende Sanktionen gegen die Wirtschaft der Terrorföderation schaffen.

Und natürlich wird es in dieser Situation keinen Truppenabzug geben. Möglich wäre vielmehr ein Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie der verfeindeten Armeen, verbunden mit einer ernsthaften weiteren Arbeit zur Verhinderung eines neuen Angriffs der Russischen Föderation durch die Umwandlung der Ukraine in einen echten Festungsstaat.

All das liegt noch vor uns, wenn es gelingt, die russische Armada heute aufzuhalten. Dem Menschenfresser zu geben, was er verschlingen will, wäre nicht der Weg zum Ende des Konflikts, sondern die schlechteste denkbare Form seiner Fortsetzung.


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Titel des Originals: Кремль посилює «умови миру» | Віталій Портников. 02.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.06.2026.
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Putin setzt den Terror fort | Vitaly Portnikov. 02.06.2026.

Eine weitere schreckliche Nacht für Kyiv sowie für andere Städte und Regionen unseres Landes. Zunächst möchte ich den Betroffenen dieses russischen Angriffs, der praktisch vom Abend bis zum Morgen des 2. Juni 2026 andauerte, mein aufrichtiges Mitgefühl aussprechen.

In Kyiv brennt es derzeit. Die Stadt ist von Rauch eingehüllt. In einem sozialen Netzwerk sah ich ein symbolisches Foto der Mutter-Heimat-Statue vor dem Hintergrund der Brände.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus dieser Fortsetzung des russischen Luftterrors ziehen?

Erstens sehen wir, dass der russische Machthaber vor diesem erneuten Angriff auf die ukrainische Hauptstadt sowie andere Städte und Regionen der Ukraine weiterhin das Thema Starobilsk ausschlachtet. Er berief eine Besprechung mit den Sicherheitsorganen ein und betonte die Notwendigkeit, die Schuldigen für den Schlag gegen Starobilsk zu bestrafen.

Welchen Zusammenhang der Angriff russischer Truppen auf eine Poliklinik in der ukrainischen Hauptstadt mit dieser sogenannten Bestrafung haben soll, wird Putin Ihnen natürlich nicht erklären können. Doch genau so rechtfertigt er den Terror gegen die Zivilbevölkerung, die Einschüchterung von Menschen und die Angriffe auf Wohnviertel in Kyiv, Charkiw, Dnipro und anderen ukrainischen Städten, die in dieser Nacht Ziel russischer Angriffe wurden.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt: Mit diesem Angriff demonstriert Putin, dass er nicht die Absicht hat, tatsächlich über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu verhandeln – ganz gleich, welche Prognosen dazu in den politischen Korridoren kursieren.

Er versucht schlicht, diesen Krieg von einem Krieg der Armeen in einen Krieg der Raketenangriffe zu verwandeln. Und er könnte hoffen, dass er mit genau dieser Taktik, der Taktik der Zerstörung ukrainischer Städte, die Ukraine zwar vielleicht nicht zur Kapitulation zwingen, aber zumindest den demografischen Krieg gegen das ukrainische Volk gewinnen kann. Einen Krieg, der keineswegs erst seit vier Jahren und einigen Monaten andauert.

Dieser Krieg dauert bereits seit Jahrhunderten an. Und Putin hofft, aus diesem Krieg als Sieger hervorzugehen. Genau auf einen solchen Sieg ist dieser Terror ausgerichtet.

Zudem könnte Putin davon ausgehen, dass er die Zeit nutzen kann, in der die Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund ihrer Probleme im Nahen Osten und der drohenden Energiekrise über keine wirksamen Mittel verfügen, um Druck auf die Russische Föderation auszuüben. Aus Putins Sicht ist dies also genau der Zeitpunkt, an dem er ukrainische Städte und die friedliche Bevölkerung der Ukraine ungestraft terrorisieren kann. Denn ich wiederhole: Das ähnelt keinem Krieg, sondern vor allem Terror. Und Sie sehen, dass die Russen nicht einmal versuchen, irgendwelche Objekte zu finden, mit deren angeblicher Bekämpfung sie diese Angriffe erklären könnten.

Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, dass Russland, wie man sieht, gar nicht über ein so großes Potenzial für derart massive Angriffe verfügt. Der russische Außenminister Sergej Lawrow drohte unmittelbar nach dem 14. Mai, als der vorherige große Angriff stattfand, mit systematischen Angriffen auf Kyiv. Er empfahl ausländischen Diplomaten, die in der ukrainischen Hauptstadt akkreditiert sind, Kyiv zu verlassen.

Und Sie wissen, welche Antwort er erhielt: Niemand beabsichtigt auszureisen. Das liegt nicht nur daran, dass Diplomaten oder die diplomatischen Vertretungen der Vereinigten Staaten oder der Länder der Europäischen Union besonderen Mut zeigen würden. Es ist vielmehr das Verständnis dafür, dass den Russen das notwendige Potenzial für ständige systematische Angriffe fehlt.

Der Angriff auf Kyiv wurde nicht bis zum 2. Juni verschoben; vielmehr konnten die Russen erst am 2. Juni genügend Raketen und Drohnen bereitstellen, um ihre Angriffe auf die Ukraine fortzusetzen. Aber Sie konnten bemerken, dass sich unter den Raketen, die heute auf die Ukraine abgefeuert wurden, keine Iskander- und keine Kinschal-Raketen befanden. Es gab lediglich eine kleine Anzahl von Kalibr-Raketen, mit denen die südlichen Regionen unseres Landes gleich zu Beginn des Angriffs attackiert wurden.

Kyiv hingegen wurde vor allem mit einer Gruppe ballistischer Raketen sowie Zircon-Raketen angegriffen, die gemeinsam mit den ballistischen Raketen eingesetzt wurden. Und wie Sie verstehen, zeigt bereits die Umrüstung von Seeraketen für Angriffe auf Kyiz oder andere ukrainische Städte, dass der Russischen Föderation Raketen fehlen. 

Zircon-Raketen zeichnen sich bei Angriffen auf Landziele nicht durch besondere Präzision aus. Allerdings verstehen wir sehr gut, dass Russland in einer Situation, in der es um Terror geht, auch keine besondere Präzision benötigt.

Und das Wichtigste ist: Dabei handelt es sich um strategische Waffen der Russischen Föderation. Die Russen verfügen nicht über viele Zircon-Raketen und können nur etwa zehn Stück pro Monat produzieren. Wenn sie also versuchen, Raketen aus ihren strategischen Reserven einzusetzen, um die Wirksamkeit ihrer ballistischen Raketen zu erhöhen und die ukrainische Luftverteidigung zu überlasten, dann spricht auch das dafür, dass ihnen derzeit nicht genügend Raketen und Drohnen für ständige und vor allem häufige Angriffe auf die Ukraine zur Verfügung stehen. Und es ist sehr wichtig, dass dies auch künftig so bleibt.

Dafür sind präzise Raketen- und Drohnenangriffe auf den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation erforderlich. Man muss die Fabriken zerstören, die zur Tötung ukrainischer Zivilisten und zur Vernichtung ziviler Infrastruktur genutzt werden.

Denn tatsächlich handelt es sich um Zentren des weltweiten Terrorismus, angeführt von Präsident Putin und seinen Mitstreitern, die die Russische Föderation endgültig in eine terroristische Gruppierung verwandelt haben, die lediglich den Namen und das Potenzial eines Staates nutzt, um Terrorangriffe gegen die friedliche Bevölkerung eines Nachbarlandes durchzuführen.


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Titel des Originals: Путін продовжує терор | Віталій Портников. 02.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Kurzer Kurs der Geschichte Russlands. Vitaly Portnikov. 01.06.2026.

Короткий курс історії Росії. Віталій Портников. 01.06.2026.

In den Jahren 1917–1920 gingen das Russische Reich und die Hoffnungen auf eine russische Demokratie unter den Schlägen der Bolschewiki zugrunde. Die Macht ging an eine Diktatur über, die sich auf drei Säulen stützte: den Parteiapparat, der den neuen Staat lenkte, den Sicherheitsdienst, der den Roten Terror durchführte, und die Armee, die den Bürgerkrieg gewann.

Zwischen diesen drei Gruppen begannen praktisch von den ersten Tagen ihres Bestehens an ständige Konflikte. Stalin, der die Kontrolle über den Parteiapparat erlangt hatte, konnte nach Lenins Tod die von Trotzki geführte Armee und den Terrorapparat, der zunächst vom unerwartet verstorbenen Dserschinski und später vom hingerichteten Jagoda geleitet wurde, neutralisieren.

Doch Stalin fürchtete die Stärkung des Parteiapparats und setzte deshalb auf ein Bündnis mit den Tschekisten. Deren neue Vertreter vernichteten praktisch den größten Teil der damaligen Nomenklatura sowie einen erheblichen Teil der militärischen Befehlshaber der bereits marginalisierten Armee.

Der Zweite Weltkrieg rückte die Armee erneut in den Vordergrund. Nach dem Krieg versuchte Stalin mithilfe der Tschekisten, ihren Einfluss und die Popularität der berühmtesten „Marschälle des Sieges“ zu marginalisieren. Nach Stalins Tod jedoch zerschlug der Parteiapparat, über den Chruschtschow die Kontrolle erlangte, im Bündnis mit den Militärs unter Marschall Schukow die Organe der Staatssicherheit nahezu vollständig und stellte sie unter die Kontrolle der Partei. Fünf Jahre später entledigte sich Chruschtschow Marschall Schukow und marginalisierte die Armee erneut.

Es begann die Alleinherrschaft des Parteiapparats, die bis zum Ende der 1980er Jahre andauerte, als die Tschekisten ihre Revanche nahmen und die Voraussetzungen für das Verbot der KPdSU schufen.

Im neuen Russland konnten sie nicht sofort an die Macht gelangen und bereiteten sich darauf vor, während die Wirtschaft zerfiel und das Eigentum zugunsten der tschekistischen Netzwerke umverteilt wurde. 1993 rückte die Armee erneut in den Vordergrund, als sie Präsident Jelzin den Sieg über den Kongress der Volksdeputierten sicherte und als wichtigstes Instrument des Tschetschenienkrieges galt. Der Terror, der aus diesem Krieg hervorging, ermöglichte es den Tschekisten jedoch, ihre Positionen zu stärken. Die Macht gelangte für kurze Zeit in die Hände des Föderalen Schutzdienstes, und im Jahr 2000 kam schließlich der Föderale Sicherheitsdienst endgültig an die Macht.

Heute, da Russland selbst zu einer Zone von Angriffen wird, versucht der Föderale Schutzdienst, Revanche zu nehmen – und die Generäle der zunehmend marginalisierten Armee beobachten die Situation aufmerksam.

Künftig wird der Machtkampf in Russland zwischen diesen drei Kräften stattfinden. Und wer diesen Kampf gewinnt, wird auch die endlosen Kriege im postsowjetischen Raum anführen – denn zwischen allen Gruppierungen besteht Konsens darüber, dass die russische Staatlichkeit innerhalb der Grenzen der ehemaligen Sowjetunion wiederhergestellt werden müsse.


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Titel des Originals: Короткий курс історії Росії. Віталій Портников. 01.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.06.2026.
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In Russland geht der Treibstoff aus | Vitaly Portnikov. 01.06.2026.

Die Russen spüren bereits ernsthafte Probleme bei der Ölverarbeitung. Nach Angaben der Agentur Bloomberg betrug das durchschnittliche Volumen der Ölverarbeitung in den Betrieben der Russischen Föderation im Mai dieses Jahres 4,58 Millionen Barrel pro Tag, was 700.000 Barrel weniger sind als im Mai des vergangenen Jahres. Insgesamt ist dies der niedrigste Wert seit Oktober 2009. Das ist das Ergebnis der Tatsache, dass die Ukraine im Mai 2026 acht von zehn russischen Raffinerien angegriffen hat.

Nun steht Russland vor einem echten Dilemma. Entweder muss man Öl gegen Devisen kaufen, von denen ohnehin nicht mehr viele in den Haushaltsreserven der Russischen Föderation vorhanden sind, oder man muss jenes Öl, das nicht zu den Raffinerien gelangen kann, auf dem Weltmarkt verkaufen, um die Devisenreserven aufzufüllen. Doch auch hier gibt es reale Probleme, denn die Ukraine greift nicht nur die Ölverarbeitungsbetriebe der Russischen Föderation an, sondern auch die russischen Ölhäfen.

Jene Ausnahmen, die die Vereinigten Staaten Russland für den Verkauf seines Öls auf dem Weltmarkt gewährt haben, betreffen nur das Öl, das sich zum Zeitpunkt des Beginns des amerikanisch-israelischen Krieges gegen den Iran bereits auf Tankern befand. Neues Öl muss erst aus Russland herausgebracht werden, und das ist aufgrund der Lage in den Ölhäfen problematisch. Und danach muss es noch illegal verkauft werden. Zudem fühlt sich die Schattenflotte der Russischen Föderation auf den Weltmeeren derzeit nicht besonders wohl, weil immer mehr europäische Länder Tanker festsetzen, die russisches und iranisches Öl transportieren.

Und genau hierin liegt der Schlüssel zur Antwort auf die Frage: Wann könnte der russisch-ukrainische Krieg enden? Erst dann, wenn der Russischen Föderation die Ressourcen zur Fortsetzung dieses Krieges ausgehen.

Die Ölverarbeitung ist einer der realen Faktoren, auf die man achten sollte.

  • Erstens nutzt die russische Armee, die weiterhin versucht, auf ukrainischem Boden Offensivoperationen durchzuführen, gerade die Produkte der russischen Raffinerien. Wenn dieser Armee der Treibstoff ausgeht, wird sie auch nicht mehr in der Lage sein, weiter vorzurücken.
  • Zweitens werden Treibstoff und andere Erdölprodukte natürlich benötigt, damit die russische Wirtschaft funktioniert. Ohne Geld kann man ebenfalls keinen Krieg führen.
  • Drittens gibt es einen sehr wichtigen Aspekt im Zusammenhang mit den Haushaltsmitteln, die zur Bezahlung der Vertragssoldaten benötigt werden, die weiterhin in den russischen Streitkräften kämpfen oder sich jener Bande anschließen wollen, die Ukrainer tötet und ausraubt sowie ukrainisches Land besetzt.

Und wir verstehen sehr gut, dass der russische Präsident Putin ohne die Öl- und Raffinerieindustrie der Russischen Föderation keinerlei reale Möglichkeiten hat, den Krieg fortzusetzen. Somit sind die Angriffe auf die Raffineriebetriebe der Russischen Föderation Teil einer Strategie, die darauf abzielt, den russisch-ukrainischen Krieg möglichst bald zu beenden oder ihn zumindest für Russland deutlich teurer zu machen.

Man muss verstehen, dass dies nur ein Teil des Problems ist. Selbst wenn man sich vorstellt, dass Russland keine neuen Soldaten mehr mobilisieren kann und seine Militärtechnik an der Front nicht genügend Treibstoff für die Fortsetzung der Kampfhandlungen erhält, könnte Moskau den Schwerpunkt des russisch-ukrainischen Krieges auf die ständigen Bombardierungen ukrainischer Städte und Siedlungen verlagern, um sie in Ruinen zu verwandeln und die ukrainische Bevölkerung – zumindest in den großen Städten des Landes – erheblich zu verringern.

Ich werde nicht müde zu wiederholen, dass der Präsident der Russischen Föderation gegen die Ukraine nicht nur einen territorialen, sondern auch einen demografischen Krieg führt und dass die erhebliche Verringerung der Bevölkerungszahl auf dem Territorium der Ukraine ein wichtiges Ziel dieses Krieges ist.

Deshalb bleiben neben den Angriffen auf die Raffinerien und Ölhäfen der Russischen Föderation auch Angriffe auf den militärisch-industriellen Komplex Russlands eine wichtige Aufgabe – auf all jene Fabriken, die Kalibr-, Kinschal- und Iskander-Raketen, Drohnen und andere Militärtechnik produzieren, die Russland für Angriffe auf ukrainisches Territorium einsetzt.

Dabei muss man sich bewusst sein, dass selbst dann, wenn der russisch-ukrainische Krieg künftig Perspektiven auf ein Ende haben sollte, die Gefahr neuer Raketenangriffe auf das Territorium der Ukraine sowie von Drohnenangriffen auch nach dem Abschluss eines Waffenstillstands bestehen bleiben wird. Denn es liegt im Interesse der Russischen Föderation, die Ukraine in einem Zustand der Unsicherheit zu halten und dadurch sowohl die Entwicklung der ukrainischen Wirtschaft als auch die Möglichkeiten der europäischen und euro-atlantischen Integration der Ukraine auf unbestimmte Zeit erheblich zu bremsen. Auf diese Weise soll der Nachbarstaat zu Diskussionen über eine mögliche Wiederaufnahme der Integration mit der Russischen Föderation gedrängt werden – ungeachtet der katastrophalen Folgen des russisch-ukrainischen Krieges und der Tausenden von Ukrainern, die von Russen getötet wurden.

Um eine solche Entwicklung zu verhindern, müssen sowohl der Raffineriesektor als auch der militärisch-industrielle Komplex der Russischen Föderation ständig unter den Schlägen der ukrainischen Streitkräfte stehen.

Tatsächlich gibt es keinen anderen realen Weg, um den Kreml dazu zu bringen, über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken. Keine diplomatischen Verhandlungen werden ohne reale Probleme für die Russische Föderation irgendwelche Ergebnisse bringen – außer dass Putin den diplomatischen Prozess verschleppt, um seine guten Beziehungen zur Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump aufrechtzuerhalten und Verhandlungen mit der Europäischen Union aufzunehmen, um eine Lockerung des Sanktionsdrucks auf die Russische Föderation zu erreichen.

Wenn es uns jedoch gelingt, die Raffinerieindustrie der Russischen Föderation und den militärisch-industriellen Komplex des Nachbarlandes in Trümmer zu legen, verschaffen wir uns zumindest Zeit, um uns auf einen neuen Krieg mit der Russischen Föderation vorzubereiten, der unvermeidlich werden könnte, solange in Russland ein Tschekisten-Regime an der Macht bleibt – sei es unter Präsident Putin oder unter einem seiner Nachfolger aus den Reihen des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation oder des Föderalen Schutzdienstes der Russischen Föderation.

Dann wird alles davon abhängen, welches der beiden Länder sich schneller in eine echte Festung verwandelt, die für eine neue Schlacht bereit ist. Denn wenn es der Ukraine gelingt, sich gründlich vorzubereiten und zu einer solchen Festung zu werden, könnte Russland einfach zu dem Schluss kommen, dass ein neuer großer Krieg für es unbezahlbar wäre und dass es sich nicht lohnt, erneut seine Raffinerien und Ölhäfen aufs Spiel zu setzen.


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Titel des Originals: В Росії закінчується пальне | Віталій Портников. 01.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.06.2026.
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Achmetow: Drei Varianten des Friedens | Vitaly Portnikov. 31.05.2026.

Rinat Achmetow gab der britischen Zeitung The Guardian ein Interview. Es ist ein weiterer öffentlicher Auftritt kurz nachdem der Eigentümer des Fußballklubs Schachtar erstmals seit vielen Jahren wieder ein Fußballspiel seiner eigenen Mannschaft besucht hatte. Formal handelt es sich natürlich um ein Interview zu einem sportlichen Thema, und veröffentlicht wurde es auch im Sportteil des Guardian.

Ein aufmerksamer Leser wird in diesem Text jedoch zahlreiche politische Aussagen entdecken. Rinat Achmetow spricht sogar von drei Friedensvarianten, mit denen der russisch-ukrainische Krieg enden könnte.

  • Ein gerechter Frieden, der zur Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine führt und außerdem die Zahlung von Reparationen durch die Russische Föderation für die verursachte Besatzung einschließt.
  • Ein stabiler Frieden, der dazu führen soll, dass die Ukraine ein freies, wohlhabendes, demokratisches europäisches Land wird.
  • Und eine weitere Variante – der falsche Frieden, in den Russland die Ukraine derzeit hineinzuziehen versucht.

Achmetow erklärt, dass ein stabiler Frieden die wahrscheinlichste Variante sei, und überzeugt den Journalisten davon, dass ein solcher Frieden tatsächlich möglich sei, weil es für den russischen Präsidenten Putin keinen Sinn mehr habe, diesen Krieg fortzusetzen, und Russland durch die Fortführung der Kampfhandlungen inzwischen praktisch in eine Sackgasse geraten sei, insbesondere im Hinblick auf die Perspektiven seiner eigenen wirtschaftlichen Entwicklung.

Dies ist nicht die einzige Aussage des reichsten Mannes der Ukraine in diesem Interview, die sich nicht auf den Sport, sondern auf die Politik bezieht. Achmetow äußert sich respektvoll über Präsident Volodymyr Zelensky. Das ist keine Sensation, denn in der Regel pflegte er stets recht tolerante Beziehungen zu jeder Person, die sich im Büro des Präsidenten der Ukraine befand.

Eine Sensation ist jedoch, dass Achmetow über Asow spricht und sogar über seine Gespräche mit dem Kommandeur der Formation, Denys Prokopenko, während der Verteidigung von Asowstal. Auch dies kann, wenn schon nicht als politische Position, so doch zumindest als Ausdruck politischer und menschlicher Sympathie verstanden werden.

Achmetow spricht von seiner Vision der Ukraine als eines demokratischen, wohlhabenden und freien Staates als Antwort auf eine Frage, in der der Journalist ihn daran erinnert, dass viele Menschen in der Ukraine die Loyalität des Oligarchen gegenüber der ukrainischen Staatlichkeit infrage gestellt hätten. Und auch dies ist eine Antwort auf solche Zweifel.

Wenn man also dieses Interview zu einem sportlichen Thema aufmerksam liest, kann man darin ein echtes politisches Programm erkennen. Darin liegt tatsächlich die größte Sensation dieses Interviews. Bislang hatte Rinat Achmetow in der Regel nie derart offensichtliche politische Erklärungen abgegeben. Er tat dies nicht einmal zu jener Zeit, als er formal Abgeordneter der Werchowna Rada der Ukraine war und nicht im Gebäude des Gesetzgebungsorgans erschien, gerade weil er sein völliges Desinteresse an politischer Tätigkeit demonstrierte.

Diese politische Positionierung während des Krieges kann zumindest darauf hindeuten, dass Achmetow weiterhin an die Wiederaufnahme des politischen Prozesses glaubt. Denn ohne eine solche Überzeugung hätte es keinen Sinn, gleichzeitig über Schachtar zu sprechen, das Achmetow ebenfalls als einen Klub mit ukrainischen Werten beschreibt und daran erinnert, dass dessen Name bereits vor langer Zeit von der russischen in die ukrainische Schreibweise überführt wurde, und zugleich über den politischen Prozess in der Ukraine, über seine Vorstellung eines Friedensprozesses und darüber, wie die Nachkriegsukraine aussehen sollte.

Aus Sicht der formalen politischen Logik ergibt das Sinn. Vor dem Hintergrund der faktischen Verringerung der Möglichkeiten der meisten reichsten Menschen der Ukraine und des Verschwindens vieler von ihnen aus der politischen Arena – sowohl als aktive Akteure als auch als Strippenzieher – bleibt Rinat Achmetow weiterhin ein Mensch mit erheblichen Ressourcen und bedeutenden Möglichkeiten, auf jene Wahlprozesse Einfluss zu nehmen, die in der Ukraine nach dem Ende der Kampfhandlungen stattfinden könnten.

Daraus lässt sich jedoch schließen, dass die vier Jahre und einige Monate des großen Krieges, die Achmetow nach eigenen Worten in der Ukraine verbracht hat, nachdem er im Februar 2022 in seine Heimat zurückgekehrt war, sowohl Achmetow selbst als auch seinen Stil der öffentlichen Kommunikation ernsthaft verändert haben.

Obwohl solche Auftritte in internationalen Medien weiterhin episodisch bleiben, kann man sagen, dass wir die berühmte Vorsicht Achmetows nicht mehr beobachten. Einer der reichsten Unternehmer der Ukraine ist nun bereit, offen mit westlichen Journalisten über seine Vorstellungen der politischen Entwicklung des Landes zu sprechen und sogar über jene Friedensvarianten, die derzeit auf höchster politischer Ebene diskutiert werden. Aus wiederum rein formaler Sicht könnte dies wie eine Bewerbung um eine eigene Rolle im politischen Prozess erscheinen.

Man könnte sagen, dass eine solche Beteiligung Rinat Achmetows ebenfalls keine Sensation sei, weil Achmetow wie jeder ukrainische Milliardär schon früher ein aktiver Teilnehmer aller politischen Prozesse war, die auf Wahlebene in unserem Staat stattfanden. Ja, aber früher wirkte diese Beteiligung nicht öffentlich und war auch nicht öffentlich. Sie bestand nicht in der Offenlegung eigener politischer Ansichten, sondern eher in dem Versuch zu verstehen, welches politische Projekt in dem jeweiligen Wahlzyklus erfolgreicher sein könnte.

Ein Achmetow, der nicht nur mit Politikern spricht, sondern selbst mit der Veröffentlichung eines politischen Programms und einer Vision der Zukunft auftritt – das ist natürlich ein völlig anderer Achmetow.


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Titel des Originals: Ахметов: три варіанти миру | Віталій
Портников. 31.05.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 31.05.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Papa/ Тату.

Schon die Störche vom Neste
Sind weit in den Süden gezogen,
Und die Mutter sitzt traurig
Noch immer am Fenster allein…
Ich erinnere mich noch,
Als du, Vater, die Uniform anzogst,
Du versprachst mir: „Ich komme zurück,
Wenn im Garten blüht der Mai.“

Refrain:
Papa, Papa, mein Papa,
Wie gern würd ich dich wieder umarmen!
In deinen Armen einschlafen,
Vergessen die Sorgen und Angst.
Mit der Schwester im Keller
Sind wir das Verstecken so leid…
Möge Gott dich beschützen
Und das Heer soll der Himmel bewahr’n!

Gestern hat meine Mutter
Mir die Wyschywanka gegeben,
Und die ganze Schule
Blüht in den Wyschywankas so schön.
Doch auf eure Stellungen
Lässt der Feind seine Angriffe beben,
Ich weiß ganz genau, dass du standhältst,
Denn hinter dir werde ich stehn!

Refrain:
Papa, Papa, mein Papa,
Wie gern würd ich dich wieder umarmen!
In deinen Armen einschlafen,
Vergessen die Sorgen und Angst.
Mit dir steht Ukraine,
Darum wirst du niemals gebrochen.
Möge Gott dich beschützen
Und das Heer soll der Himmel bewahr’n!

Schon die Störche vom Neste
Sind weit in den Süden geflogen,
Doch der Sieg wird uns gehören,
Das Land wie Familie vereint.
Mit dem gelb-blauen Kranze
Haben wir die Welt umspannt,
Wird erblühen, wird leben,
Mein Land wird in Glanze erstrahlen!

Refrain (2×):
Papa, Papa, mein Papa,
Wie gern würd ich dich wieder umarmen!
In deinen Armen einschlafen,
Vergessen die Sorgen und Angst.
Mit dir steht Ukraine,
Darum wirst du niemals gebrochen.
Möge Gott dich beschützen
Und das Heer soll der Himmel bewahr’n!

Вже лелеки з гніздечок
Далеко у вирій злетіли,
А матуся сумна знов
Засиділась біля вікна...
Пам'ятаю той день,
Коли Ви, тату, форму оділи,
Обіцяли прийти, як розквітне
В садочу весна!..
Тату, тату, татусю,
Як хочу я вас обійняти!
Задрімати в обіймах,
Забути тривогу і страх!
По підвалах з сестричкою
Вже надоїло ховатись...
Нехай Вас і все Військо
Боронить Господь в небесах!

Вчора мама мене одягнула
В нову вишиванку,
Розцвіла вишиванками знов
Уся школа моя,
А по ваших позиціях
Ворог б'є без перестанку,
Знаю точно, що ви стоїте,
Бо за вами є я!..
Тату, тату, татусю,
Як хочу я вас обійняти!
Задрімати в обіймах,
Забути тривогу і страх!
З вами вся Україна і світ,
Тому Вас не зламати
Нехай Вас і все військо
Боронить Господь в небесах!

Вже лелеки з гніздечок
Далеко у вирій подались,
Перемога за нами,
Країна як дружна сім'я!
Ми у жовто-блакитний вінок
Увесь світ об'єднали!
Розцвіте, заживе, запанує
Країна моя!
Тату, тату, татусю, |
Як хочу я вас обійняти! |
Задрімати в обіймах, |
Забути тривогу і страх! |
З вами вся Україна і світ, |
Тому Вас не зламати |
Нехай Вас і все військо |
Боронить Господь в небесах! | (2)

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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Тату
Autor: Василь Мицик
Sängerin: Ярина Мицик
Veröffentlichung / Entstehung: 2022
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Lied-Sammlung
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