Oh Gott, gib kein Mitleid, nur Zorn. Vasyl Stus

Oh Gott, gib kein Mitleid, nur Zorn

Oh Gott, keine Milde, nur Rache

Lass uns diese Fesseln zerstörn,

Die Ketten zersprengen, zerschlagen.

Gib uns ein Herz ohne Ruh, 

Gib uns ein zitterndes Stöhnen,

Fackeln der Seelen, die lodern

Inmitten fremdartigen Feuern.

Unser Drang, unser Drang, unser Drang

Hilft uns die Flügeln erlangen.

Siehst du: ein wütender Brand.

Vorwärts, auch Tod lässt nicht bangen.

Gesegnet sei, rasende Kugel,

Die Kugel, die schnell fliegt und trifft.

Es passt nicht zu zaudern, zu grübeln.

Der Leib sehnt sich gierig nach dir.

Oh Gott, gib unendlich Vergeltung,

Oh Gott, gib unendlich viel Rache.

Unser Zorn kennt schon längst keine Schranken.

Lass ihn für ewig erwachen.


Боже, не літості – лютості,

Боже, не ласки, а мсти,

Дай розірвати нам пути ці,

Ретязі ці рознести.

Дай нам серця неприкаяні,

Дай стрепіхатих стогнів,

Душ смолоскипи розмаяні

Меж чужинецьких вогнів.

Пориве, пориве, пориве,

Разом пірвемося в лет.

Бач, – розтивається зориво,

Хай і на смерть,а – вперед.

Благославенна хай буде та

Куля туга, що разить

Плоть, щоб її не марудити

В перечеканні століть.

Боже, розплати шаленої,

Боже, шаленої мсти,

Лютості всенаученної

Нам на всечас відпусти.

Das Land der Kinder. Serhij Zhadan.

„Schritt für Schritt, Tag für Tag kommen wir unserem Ziel näher.

Und wir haben nur ein Ziel – all diesen Abschaum, der uns zerstören wollte, aus unserem Territorium zu verbannen.

Sie werden es nicht schaffen. Dieses Mal nicht.“

***

So viel Trauer und so viele Sorgen, 

Kaum ein Schritt gelingt am Morgen. 

Dein Herz erstarrt, Verluste zählen,

Gute Nachrichten, sie bleiben fern und fehlen.

In einem Land, wo es so viele Kinder gibt,

Weiss man für was man lebt und wofür man stirbt.

Dieser Vogelkäfig ist so eng, dass es schmerzt.

Nach der Frühlingsfreude sehnt sich das Herz.

Der Morgen reißt mit der Zeit durch Wellenschlag,

Was bleibt nach uns? Freu dich und lach.

Zu Lieben bedeutet für alle da zu sein.

Zu Glauben heißt: Führ die anderen an.

Brücken brennen und brennen und Mauern wachsen.

Das fragiler Fundament, das alles hält

Sind Kinder, die ins Himmel des Landes sprießen,

Kinder erweitern die Sprache unserer Welt.

Ein Land, das keinem was übel nimmt. 

Ein Land, das für ewig hier existiert.

Das Land, wo der Regen sich gern aufhält,

Über das Gedichte zu schreiben leicht fällt.

Das Land ist größer als jedes Übel.

Das wir für seine Vergangenheit lieben.

Jede ihrer Morgenröten  lieben wir.

Und ein paar Fragen stellen sich mir.

Was hält uns überhaupt hier?

Auf dieser Erde sind so weniger wir.

Die Sterne scheinen so gütig auf uns.

Und Kinder kehren heim vom Fluss.

Kinder kehren in ihre Häuser zurück.

Wir sind es, die bleiben und leben im Glück.

Das Haus ist voller Stimmen und Gäste.

Das Land der Kinder atmet gemächlich.


„Крок за кроком, день по дневі ми рухаємося до своєї мети. 

А мета в нас одна – викинути зі своєї території всю цю наволоч, яка прийшла нас знищити. 

Ось лише нічого в них не вийде. 

Не цього разу.“

***

Скільки печалей і скільки морок,

і ти вже не можеш ступити крок,

і вже зупиняєш серце, рахуючи втрати.

І так бракує добрих вістей

в країні, в якій так багато дітей

знають як варто жити й за що помирати. 

Та клітка для птаха така тісна

і легко дається кожна весна,

і час обривається вранці відлунням прибою.

По нас лишаються радість і сміх.

Любити – це значить бути для всіх.

Вірити – значить уміти вести за собою.

Знову горять, горять мости і зводяться стіни,

але тримають нам горішні основи

діти, які які проросли у небо країни,

діти, що стали для нас продовженням мови.

Країна, яка не тримає зла.

Країна, яка тут завжди була.

Країна, в яку повертають дощі,

про яку так легко писати вірші.

Країна – більша за будь-яке зло.

Любити її за те, що було.

Любити кожне з її світань.

І в мене лишається пару питань.

Що нас тримає тут взагалі? 

Нас так мало на цій землі.

Нам так щедро світять зірки.

Це діти вертаються від ріки.

Діти вертають в свої доми.

Це ми тут лишаємось жити, це ми.

Повен дім голосів і гостей.

Дихає тихо країна дітей.

Russen trafen das Kyiver Wasserkraftwerk | Vitaly Portnikov. 26.08.24.

Ein weiterer massiver russischer Raketenangriff auf die Ukraine hat gezeigt, dass Wladimir Putin seine Taktik gegenüber dem Staat, den er hasst, nicht ändert. Die russischen Truppen versuchen weiterhin die ukrainische Infrastruktur zu zerstören, und hoffen, dass sie Bedingungen schaffen können, unter denen die Ukrainer nicht in der Lage sein werden, in ihrem eigenen Land zu leben, und somit gezwungen sein werden, es für neue Eroberer, für Russen, zu räumen. 

Viele sprechen in dem Zusammenhang mit dem Einmarsch der ukrainischen Streitkräfte in die Region Kursk und der Errichtung der Kontrolle über einen Teil des Territoriums dieses Subjekts der Russischen Föderation von der Rache Wladimir Putins. Wenn ich jedoch solche Definitionen höre, möchte ich immer fragen, was die früheren Raketenangriffe und Drohnenangriffe der Russischen Föderation vergalten ? Ab dem Jahr 2022, als Putin beschloss, den so genannten großen Krieg gegen die Ukraine zu beginnen. Putin übt keine Rache, das muss man sich nicht einbilden. Putin versucht, seinen eigenen Plan zur Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit und zum Anschluss des ukrainischen Territoriums an Russland umzusetzen. Und wenn er sieht, dass seine Truppen diese ehrgeizige Aufgabe nicht erfüllen können, ergreift er die Maßnahmen, um die Ukraine in eine Wüste zu verwandeln. 

Genau damit kann der neue russische Raketenangriff auf das Gebiet unseres Landes in Verbindung gebracht werden. Und dieser Angriff, der sich auf zahlreiche ukrainische Regionen ausbreitete, Schäden an der Infrastruktur verursachte und Tote und Verletzte unter den ukrainischen Bürgern zur Folge hatte, hat eine zusätzliche faktische Belastung mit sich gebracht. Dies ist die Tatsache, dass russische Truppen das Gebiet des Kyiver Wasserkraftwerks getroffen haben. 

Russland spricht oft von ernsthaften ökologischen und nuklearen Bedrohungen. Als beispielsweise ukrainische Truppen durch die Region Kursk vorrückten, war die Situation im Kernkraftwerk Kursk in Kurtschatow das Hauptgesprächsthema in der russischen Führung. Moskau initiierte sogar einen Besuch von Generaldirektor Magate in diesem Kernkraftwerk. Die Tatsache, dass Russland selbst Katastrophen auf ukrainischem Territorium organisiert und bereit ist, dies in Zukunft zu tun, wird von russischen Politikern und Propagandisten nicht als vollendete Tatsache angesehen. Erinnern wir uns zum Beispiel an die Zerstörung des Wasserkraftwerks von Kachowka, die mit einem echten taktischen Atomschlag verglichen werden kann. Doch die Russen haben diese Explosion organisiert, ohne auch nur einen Gedanken an die möglichen Folgen für die Umwelt zu verschwenden. Dabei ging es sowohl um die Folgen für das Gebiet, das von den rechtmäßigen Behörden der Ukraine kontrolliert wird, eis auch für das Gebiet, das immer noch unter der Kontrolle der widerlichen russischen Besatzer steht. 

Und jetzt sehen wir, dass der Angriff auf das Kyiver Wasserkraftwerk, auf den Speicher Vyzhhorod, eine Erinnerung daran ist, wie dramatisch die Folgen weiterer russischer Aktionen auf eine so wichtige Einrichtung sein können. Wie wir sehen können, fürchtet Moskau keine Konsequenzen für die ukrainische Hauptstadt. Es hat keine Angst davor, dass seine Angriffe zu einer echten Umweltkatastrophe für Hunderttausende, wenn nicht gar Millionen von Menschen führen könnten. 

Ja, das ist Putins wahres Programm. Ein Programm, das während des zweiten Tschetschenienkriegs umgesetzt wurde, unmittelbar nachdem Putin zunächst zum Premierminister und dann zum amtierenden Präsidenten der Russischen Föderation ernannt wurde. Man kann sagen, dass Putin mit diesem menschenfeindlichen Plan die russischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 gewonnen hat und seither im Amt ist. Seit 24 Jahren in Folge ist er der Präsident des Todes. Für den Tod haben die Bürger der Russischen Föderation, diese wahren Priester des Todes in ihrem Land, 24 Jahre lang gestimmt. Und sie wollen den Tod in den Nachbarstaaten Russlands verbreiten. 

Es liegt auf der Hand, dass ein Land, das an die Folgen eines Krieges denkt, nicht versuchen wird, Objekte zu zerstören, die für die Zivilbevölkerung von entscheidender Bedeutung sind. Aber Putin hat die Bombardierung von Grosny und anderen tschetschenischen Städten völlig gelassen hingenommen. Er war sogar bereit, ganz Tschetschenien in die Luft zu jagen, nur um die Kontrolle über diese Republik wiederzuerlangen, nur um Russlands Recht auf das Gebiet zu beweisen, das die Russen als ihr Eigentum betrachten und das sie übrigens in den Jahren des unrühmlichen, verbrecherischen russischen Imperiums in einem blutigen Kampf gewonnen haben. 

Und was ist das Ergebnis? Das Ergebnis ist, dass Putins Politik weder bei seinen Landsleuten noch bei der internationalen Gemeinschaft eine ehrliche Bewertung gefunden hat. Und nun versucht Putin, denselben Todesplan in unserem Land umzusetzen. Deshalb müssen wir nicht über Putins Rache nachdenken, sondern darüber, wie wir diese Tötungs- und Zerstörungsmaschinerie stoppen können, die Putin auf dem Territorium der Russischen Föderation unter dem Beifall seiner Landsleute gebaut hat, die schon lange an diesem Todesvirus, dem imperialen Virus, erkrankt sind. 

Und sie kann nur durch Schläge auf russischem Territorium selbst gestoppt werden, nur durch die Zerstörung militärischer und militärisch-industrieller Einrichtungen der Russischen Föderation, nur durch die Eroberung neuer Teile des russischen Territoriums, durch die Umlenkung der Aufmerksamkeit der russischen Truppen auf das souveräne Territorium Russlands selbst. 

Erst wenn der Krieg nicht nur in die Häuser der Russen kommt, sondern sich dort auch für lange Zeit niederlässt, zum Hauptbewohner jedes russischen Hauses wird, erst dann können wir hoffen, dass nicht Mals Putin, sondern die Russen selbst anfangen, über die Unannehmlichkeiten nachzudenken, die ein Leben in einem ewigen Krieg mit sich bringt, der weder ihnen noch ihren Kindern und hoffentlich auch nicht ihren Enkeln echte Entwicklungsperspektiven lässt. 

Wenn wir also von einem weiteren russischen Angriff auf die Ukraine sprechen, einem Versuch, das Kyiver Wasserkraftwerk in die Luft zu sprengen, einem Versuch, den Ukrainern im Winter Licht und Wärme zu entziehen, müssen wir daran denken, dass der Krieg für die Russen selbst eine absolut relevante Realität sein muss. Er muss Teil ihrer Realität werden, so wie er für die Ukrainer Teil der Realität geworden ist. Und nur dann besteht eine reelle Chance, dass dieser Krieg in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts entweder beendet oder zumindest ausgesetzt wird, dass das Raubtier darauf verzichtet, unser Land weiter anzugreifen. 

Ukrainischer Projekt . Vitaly Portnikov. 25.08.24.

https://zbruc.eu/node/119271?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR077Q44dqmKS-q7EgO2omDqUdePOkjlok3z-xFC526-z-Gr-yDV0lx_gWM_aem_bOOEMnHXR3KnREsL-KdU_g

Nur wenige mögen es, wenn die Ukraine als „Projekt“ bezeichnet wird, denn es ist eine offensichtliche Demütigung, ein Wunsch zu beweisen, dass die Ukraine kein Land, kein Staat ist, sondern ein „Projekt“, das erfunden wurde, um die lokalen Eliten zu bereichern, die die Gelegenheit nutzten, sich von dem „waren Land“ mit seiner Hauptstadt in Moskau zu trennen und Gewinne und Möglichkeiten nicht mit seinen Führern zu teilen. Ja, natürlich, die Ukraine ist kein Projekt. Aber Projekt kann man die Ukrainische SSR nennen.

Die Sowjetukraine war ein Projekt wie jede andere Republik in der UdSSR. Ihre Gründung auf dem von den Bolschewiki eroberten Territorium zielte darauf ab, die Existenz einer wirklich unabhängigen Ukraine zu verhindern und die Möglichkeit einer solchen Staatlichkeit ins Lächerliche zu ziehen – nicht umsonst sind die ukrainische Worte „Unabhängigkeit“ und „Autonomie“ im Russischen zu Spottbegriffen geworden.

Hinzu kommt, dass dieser neue Pseudostaat Gebiete mit sehr unterschiedlichen Stimmungen und Vorstellungen von Souveränität vereint. Die Zentralukraine, der Kern der Zivilisation und Staatlichkeit von alten Rus, in dem die Vorfahren der modernen Ukrainer ursprünglich lebten, existierte in einer Republik neben den Industrieregionen des Ostens und des Südens, die mehrere Jahrhunderte lang vom russischen Reich kolonisiert worden waren und in deren Zentren sich die Bevölkerung aus ganz Russland versammelte – nicht umsonst wurden die künftigen ukrainischen „Millionenstädte“ zum Kern des kaiserlichen Konservatismus und zur Stütze der Schwarzen Hundertschaften. Zu den ehemaligen Gebieten des Russischen Reiches gesellten sich 1939 die ehemaligen Gebiete Österreich-Ungarns – Galizien, Bukowina und Transkarpatien -, deren Bevölkerung weder der Russifizierungspolitik St. Petersburgs noch dem von Moskau organisierten Holodomor ausgesetzt war, aber Erfahrungen mit parlamentarischer Kultur und freiem ukrainischen Denken hatte. Nicht zu vergessen die Rückkehr von Wolhynien, dem es nicht nur gelungen war, 20 Jahre lang als Teil des Vorkriegspolens zu leben, sondern auch den ersten 20 Jahren der sowjetischen Repression zu entgehen, die auch diese Region für immer veränderte.

Auch die sowjetische Führung betrachtete die Ukrainische SSR als ein Projekt, nicht als Staat. Sie betrachtete sie mit Misstrauen, das auch regional unterschiedlich ausgeprägt war. Erst nach Stalins Tod 1953 wurde ein ethnischer Ukrainer zum Chef der örtlichen Kommunistischen Partei, also der Ukrainischen SSR. Ein Ukrainer aus dem Osten oder Süden des Landes konnte jedoch zur Arbeit nach Moskau versetzt und sogar als „Aufseher“ in eine andere Unionsrepublik auf einen Posten geschickt werden, der eigentlich einem ethnischen Russen vorbehalten war. Aber ein gebürtiger Galizier wurde nie Chef des Lemberger Regionalkomitees der Kommunistischen Partei der Ukraine. Nach Beginn der Perestroika stellte sich heraus, dass dieses Misstrauen gegenüber den russischen Kommunisten in Galizien seine Gründe hatte: Die Region boykottierte – wie auch die baltischen Staaten – Gorbatschows Referendum über den Erhalt der wiederhergestellten Sowjetunion. Die gesamte Ukraine hingegen stimmte dafür.

Es ist für uns natürlich schwer zu begreifen, dass wir am 24. August 1991 nicht die Unabhängigkeit des Staates, sondern die Unabhängigkeit des bolschewistischen Projekts, das ein Staat werden sollte, erklärt haben. Darin unterscheiden wir uns übrigens von den baltischen Staaten, deren Erfahrung wir gerne als Beispiel für ein alternatives Verhalten nach dem Austritt aus der UdSSR anführen. Schließlich traten diese Länder der Union als etablierte Staaten bei, fast innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen (mit der Ausnahme, dass Litauen die Region Vilnius nicht einschloss, die bis 1939 von Polen kontrolliert wurde, aber in der Zeit der Wiederherstellung der Unabhängigkeit zum Zentrum der größten Probleme wurde). Stalin baute Lettland, Litauen und Estland nicht auf, sondern besetzte sie. Was die Ukraine betrifft, so haben Lenin und Stalin sie besetzt, sie ihrer Staatlichkeit beraubt und sie so gestaltet, dass eine Rückkehr zur „Unabhängigkeit“ ausgeschlossen war. Und sie haben verloren. Aber ihr historischer Verlust bedeutet nicht, dass wir automatisch gewinnen werden. Wir werden genau dann gewinnen, wenn das imperiale bolschewistische Projekt endlich dem ukrainischen Staat auf dem gesamten Territorium, das wir verteidigen können, weicht.

Endgültig bedeutet, ohne Russifizierung, deren Ergebnisse wir immer noch auf den Straßen der ukrainischen Städte, in jeder Schule und auf jedem Spielplatz hören können. Und schließlich bedeutet es, Russland nicht als zivilisatorisches Zentrum zu betrachten, nur weil „wir keine anderen Sprachen kennen“ und daher überall russische Produkte verwenden, von Büchern bis zu Tik-Toks. Schließlich geht es darum, sich der historischen Einheit des ukrainischen Volkes von Lemberg bis Charkiw bewusst zu werden und zu verstehen, dass das jahrhundertelange Leben in verschiedenen Staaten diese Einheit nicht aufhebt, sondern Chancen für regionale Vielfalt schafft. Die endgültige Lösung ist ohne eine Kirche mit einem Patriarchat in Moskau. Das Endergebnis ist nicht zwei Ukraine, die durch Sprache, kulturelle Orientierung und religiöse Zentren getrennt sind, sondern mit einer Ukraine.

Denn das Projekt kann nicht überleben. Nur der Staat kann überleben.

Und ich sah die Ukraine. Mikhailo Yudovsky

Und ich sah die Ukraine,  

wie im Traum —  

wie im Frühling an der Hecke,  

schlanken Baum

weiß erstrahlt, als ob der Himmel  

Wolken blühte,  

Und vor Kugeln wie der Neo,  

sich zur Seite duckte.

Und die Kugeln, wilde Wespen,  

summten überall.  

Und die Geister hoben Sensen  

in das Himmelsblau.  

Und vor Drohnen Häuser bebten   

bis in ihre Mauern,  

und die schlanken Bäume sanken  

auf den schwarzen Zaun.

Und ich sah die Ukraine,  

die in Armen hielt,  

die erschrockene Milchstraße,

wie ein kleines Kind,    

und jedem Stern zuflüsterte:

„Fürchte dich nicht, Kleine —

dein himmlischer Leib wird bedeckt

von irdischen Leibern.

Nicht die Zeit, in blauen Laken  

zitternd zu liegen —  

meine lichten Frühlingskinder  

werden obsiegen.  

Mit ihnen die Mutterskraft,  

die sie seit der Wiege  

nicht zum Sterben segnete,  

zum Leben und Lieben.“

Und ich sah dann diese schönen  

heiligen Kinder,  

Ihre Mütter, früh ergraut  

durch böse Nachrichten.  

Und ich sah die eigne Mutter,  

die am Dorfrand  

durch den unseren Kirschgarten  

in den Himmel trat.


І я побачив Україну,

як уві сні —

стрункі дерева біля тину,

що навесні

вкривались білим — наче небо

цвіло від хмар

і ухилялося, як Нео,

від куль і мар.

А кулі, ніби дикі оси,

дзижчали скрізь.

А мари підіймали коси

у синю вись.

Хати здригалися від реву

до самих стін,

і падали стрункі дерева

на чорний тин.

І я побачив Україну,

що на руках

тримала, як малу дитину,

Чумацький шлях

і кожній зірці шепотіла:

«Не бійсь, мала —

твоє небесне вкриють тіло

земні тіла.

Не час на простині тремтіти

цій голубій —

мої весняні світлі діти

ідуть у бій.

І з ними — материнська сила,

що з повиття

їх не на смерть благословила,

а на життя».

І я побачив тих красивих

святих дітей

і матерів, зарані сивих

від злих вістей.

І я побачив рідну мати,

що край села

вишневим садом біля хати

у небі йшла.

Vitaliy Portnikov: Der Tatort. 22.08.24.


Der russische Präsident Wladimir Putin an der Gedenkstätte für die Opfer des Terroranschlags in Beslan, 20. August 2024

https://ua.krymr.com/a/vitaliy-portnykov-mistse-zlochynu-beslan-kavkaz/33088263.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR2XAcPXeRDBOrE2aE1fNofKRB-N6_dJuIs8IsUtxIWUmRy07C6t6Yh97iQ_aem_DeAWG8C-fq9sEUdrRFdNwA

Wladimir Putins Reise in den Nordkaukasus inmitten der ukrainischen Offensive in Kursk ist ein weiterer Versuch, zu demonstrieren, dass in Moskau alles ruhig ist und es keinen Grund zur Sorge gibt. Aus Sicht der Kreml-Propaganda ist es Putins Beruf, für Stabilität zu sorgen.

Als er Präsident wurde, war der zweite Tschetschenienkrieg in vollem Gange, und Terroranschläge in großem Stil waren an der Tagesordnung. Und jetzt spaziert derselbe Präsident durch das schöne Beslan und das schöne Grosny von heute. Kurzum, wie schön ist Russland unter Putin geworden!

Aber es könnte auch ein anderes Motiv für diese Reisen geben. Einen Verbrecher zieht es immer an den Ort des Verbrechens. Beslan war eine der größten Fehlkalkulationen der russischen Spezialdienste, und es scheint eine bewusste Fehlkalkulation gewesen zu sein. Moskau hat alles dafür getan, dass keine echten Verhandlungen stattfanden, die den Tod der Geiseln hätten verhindern können.

Der kurz vor der Ermordung stehende Präsident von Itschkeria, Aslan Maschadow, durfte Beslan nicht besuchen. Die berühmte Journalistin Anna Politkowskaja, die später ermordet wurde, wurde ebenfalls auf dem Moskauer Flughafen vergiftet, als sie versuchte, mit den Entführern der Kinder von Beslan zu sprechen. Dies führte zu einer Tragödie, die auch vor dem Hintergrund anderer, ebenso schrecklicher Tragödien der Putinschen Herrschaft in schrecklicher Erinnerung bleibt.

Von den Flächenbombardement auf Grosny will ich gar nicht erst reden. Und nicht nur Grosny – ganz Tschetschenien wurde in ein permanentes Kriegs- und Zerstörungsgebiet verwandelt, und nach dem Ende des Krieges wurde es für Jahrzehnte zu einer Region der Unterdrückung und demonstrativen Willkür. Natürlich kann Putin die neue Stadt bewundern, die auf den Trümmern errichtet wurde. Aber nur diese Ruinen sind das Werk seiner Militärs.

Offensichtlich waren es die Tschetschenienkriege, die der russischen Führung zu der Erkenntnis verhalfen, dass die Anwendung von Gewalt zum gewünschten Ergebnis führen kann. Dass sie nicht auf Diplomatie oder gar wirtschaftlichen Druck setzen sollte, sondern auf Spezialoperationen, Attentate und Krieg. Auf die Kriege in Tschetschenien folgten der Angriff auf Georgien im Jahr 2008, die Besetzung und Annexion der Krim, die „Spezialoperation“ im Donbas und der große Krieg mit der Ukraine.

Und jetzt, im Kaukasus, scheint Putin beweisen zu wollen, dass die Russen nichts zu befürchten haben, dass die Stabilität wiederhergestellt wird, dass die Bewohner der Region Kursk bereits auf der Krim sind und dass russische Truppen in der Region Kursk stehen. Aber jeder kann sich an das unsägliche Leid erinnern, das diese Putinsche „Stabilität“ mit sich gebracht hat, und wie jedes neue Verbrechen das nächste, noch massivere, nach sich zog. Der traurige Kreislauf dieser Verbrechen muss also durchbrochen werden – und zwar bald. Es kommt nur darauf an, Putin die Möglichkeit zu nehmen, die Städte, die zu Epizentren des Leids geworden sind, mit selbstgefälligem Gesicht zu besuchen.

Als Torquemada, der blutrünstig, starb. Dmytro Pawlitschko.

Als Torquemada, der blutrünstige, verstarb,

Zogen Mönche durch Spanien, still verhüllt, 

In Lumpen, wie der Bettler sich umhüllt, 

Die Hirten finstrer Horden voller Arg.

Wie bangten sie, die frommen Väter, dann,

Ob ihre Macht nicht wanken wird zur Not?

Der Ketzer freut sich über eignen Tod – 

Doch zeigt sich keine Freude bei dem Mann?

Sie selbst verkündeten in allen Gassen,

Dass jener Inquisitor nun erlag.

Die Menschen lauschten, weinten ohne Frag…

Kein Lächeln stahl sich heimlich ins Gesicht,

Sich voll bewusst: der Henker starb,

Gefängnismauern brachen nicht.


Коли помер кривавий Торквемада,

Пішли по всій Іспанії ченці,

Зодягнені в лахміття, як старці,

Підступні пастухи людського стада.

О, як боялися святі отці,

Чи не схитнеться їх могутня влада!

Душа єретика тій смерті рада —

Чи ж не майне десь усміх на лиці?

Вони самі усім розповідали,

Що інквізитора уже нема.

А люди, слухаючи їх, ридали…

Не усміхались навіть крадькома;

Напевно, дуже добре пам’ятали,

Що здох тиран, але стоїть тюрма!

Kursk-Anomalie. Vitaly Portnikov – über die Falle für Putin. 29.08.24.

https://www.svoboda.org/a/kurskaya-anomaliya-vitaliy-portnikov-o-kapkane-dlya-putina/33083338.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR13ATcIlemtTZJo5C3z1w6swJ2BCie7N2RF7mJ2r6pXFnt93XulqAmhRck_aem_3d6NQILM-mCwVQQlMoF3og

Wäre der Überfall der ukrainischen Verteidigungskräfte auf das Gebiet der Region Kursk in der Russischen Föderation nicht erfolgt, wäre er es wert gewesen, in einer Dystopie beschrieben zu werden, um die Ineffektivität und Verkommenheit des Putinschen Staates zu beweisen. In dieser Dystopie könnte alles sein. De Geschichte darüber, dass im zehnten Jahr nach dem Beginn eines bewaffneten Konflikts mit dem Nachbarland, ich erwähne nicht einmal die zweieinhalb Jahre des großen Krieges, die russischen Behörden sich nicht die Mühe gemacht haben, ihre Grenzen zu eben diesem Land zu sichern. Und die Beschreibung, dass Putin und Co. wochenlang nicht wirklich wussten, was sie tun sollten, wenn in ihr souveränes Territorium eingedrungen wird – und ihnen nichts Besseres einfiel, als eine Anti-Terror-Operation auszurufen, als ob eine Gruppe von Extremisten in Suja das örtliche Haus der Kultur eingenommen hätte und nicht die Armee eines anderen Landes einen Teil des russischen Territoriums besetzt hätte. Und die Tatsache, dass sich der russische Präsident fast zwei Wochen nach Beginn der Invasion zu einem Staatsbesuch in Aserbaidschan entschloss, vielleicht um zu beraten, wie die territoriale Integrität wiederhergestellt werden kann, oder vielleicht auch nur, weil er sein Selbstvertrauen auf so einfache Weise beweisen wollte. Und natürlich gäbe es in dieser Dystopie auch einen Platz für die Bevölkerung. Die Bevölkerung der besetzten Gebiete, die sich beim ukrainischen Militär über die Gleichgültigkeit der russischen Behörden beschwert, und die Bevölkerung des übrigen Russlands, die mit ihren üblichen Problemen beschäftigt ist und anscheinend gar nicht bemerkt, dass ein Teil des Landes nicht mehr vom Kreml kontrolliert wird. Es gibt keinen patriotischen Aufruhr, keine Warteschlangen vor den Einberufungszentren oder zumindest Besuchen der Parlamentarier in der Region Kursk. Nun, Suja und Suja. Die da oben wissen es besser. Die Ukrainer sind in der Region Kursk, der Präsident ist in Baku, wir sind in Sotschi, das Leben geht weiter.

Hätte ich eine solche Dystopie auch nur eine Woche vor dem ukrainischen Einmarsch in Russland veröffentlicht, hätten mir die meisten Leser natürlich Russophobie vorgeworfen. Schließlich hätte ein vernünftiger Mensch keine Zweifel daran haben dürfen, dass die russische Grenze sicher war, die Bevölkerung von patriotischen Gefühlen erfüllt war und der Präsident persönlich die Befreiung seines Heimatlandes anführen würde, anstatt mit seinem aserbaidschanischen Kollegen Tee zu trinken.

Aber da ich nicht so vernünftig bin, hatte ich immer meine Zweifel daran, dass der russische Staat funktioniert und dass es eine russische patriotische Gesellschaft voller rechtschaffener Wut gibt. Und diese Zweifel haben sich bestätigt. Sie wurden bestätigt, weil das, was in der Region Kursk geschieht, keine Anomalie ist.

Es ist eine Regelmäßigkeit.

Die russische Führung, ihre Unfähigkeit, die möglichen Folgen ihres Handelns zu kalkulieren, ihr Unwille, sich in die Lage des Gegners zu versetzen, ihre Arroganz und ihre Selbstüberschätzung haben für diesen Verlauf der Ereignisse gesorgt. Der Verlauf der Ereignisse wurde auch dadurch diktiert, dass Putin den Krieg bewusst zur neuen Normalität der Russen gemacht hat. Denn wenn man beschließt, Gebiete eines Nachbarlandes zu annektieren, noch bevor man die tatsächliche Kontrolle über diese Gebiete erlangt, und dann jahrelang einen ebenso sinnlosen Krieg um diese sinnlose tatsächliche Kontrolle führt, warum sollten sich die Russen dann besonders um die territoriale Integrität des Staates sorgen? Die Russen haben sich bereits daran gewöhnt, dass sie die Staatsgrenzen ihres eigenen Landes nicht mehr auf einer Landkarte abbilden können. Dass es innerhalb Russlands beispielsweise die Oblaste Saporischschja oder Cherson gibt, in deren Oblastzentren ukrainische Flaggen wehen, und die Bewohner dieser Oblastzentren sich überhaupt nicht als Russen fühlen. Wenn Russland also nur einen Teil der Region Saporischschja kontrolliert, warum kann es dann nicht auch einen Teil der Region Kursk oder Belgorod kontrollieren? Welchen Unterschied macht das aus? Warum sollte man wegen des Verlusts der Kontrolle über ein unbekanntes Bezirkszentrum am Boden zerstört sein, aber Verlust der Kontrolle über Cherson sollte toleriert werden? Und die Behörden selbst können der Gesellschaft den Unterschied nicht erklären. Denn eigentlich müssten die Behörden sagen, dass Donbass, Cherson, Saporischschja oder die Krim gestohlene Gebiete sind, sie gehören nicht zu Russland, man hat sie nur so genannt, damit es einfacher ist, mit der Ukraine zu kämpfen und man noch etwas anderes stehlen könnte. Aber die Kursker Region ist wirklich russisches Land, und sie zu befreien ist eine Frage des Staatsprestiges und der Sicherheit. Aber ein Dieb ist ein Dieb, er kann nicht unterscheiden, was ihm gehört und was jemand anderem gehört. Deshalb ist Putin buchstäblich hin- und hergerissen von seiner Unfähigkeit die Lage wirklich einzuschätzen, von der Notwendigkeit, weiter zu lügen, von der Erkenntnis, dass er in dieselbe politische und rechtliche Falle getappt ist, die er der Ukraine seit Jahren gestellt hat.

Und dass er in diese Falle getappt ist, ist auch keine Anomalie, sondern ein natürliches Muster des ungerechten, betrügerischen und verachtenswerten Krieges, den er begonnen hat.

Das Gesetz des Maidans. Vitaly Portnikov. 17.08.24.

https://zbruc.eu/node/119208?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR3k9uqdW-lBTmrIKj9WnWu0_7QLG456KKf_6Dz8lWwpPgjZtG825cz_8vc_aem_dJR4_42d_gEsrPjBURYQGw

Auf den ersten Blick scheint die Studentenrevolution in Bangladesch unendlich weit von der Ukraine und unseren politischen Prozessen entfernt zu sein. Vor dem Hintergrund eines endlosen Krieges ist es wahrscheinlich schwierig, die Analogien zu erkennen und zu verstehen, warum der Machtwechsel in Bangladesch zu einer der wichtigsten Nachrichten in den Weltmedien geworden ist. Vielleicht haben viele Menschen in Bangladesch nicht verstanden, warum der ukrainische Maidan vor zehn Jahren auf den Titelseiten der Weltmedien stand. Doch wenn man genau hinsieht, ist die Revolution in Bangladesch genau wie der Maidan. In ihrer reinsten Form. Es ist nicht nötig, irgendetwas zu erfinden.

Die Bengalen, die die Mehrheit der Bevölkerung Bangladeschs ausmachen, sind eines der ältesten und berühmtesten Völker Hindustans und haben der Welt den großen Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore geschenkt. Die Bürger von Bangladesch selbst sind jedoch eine junge politische Nation, die nach der Scheidung von Indien und Pakistan und der Abspaltung der Republik Bangladesch von Pakistan entstanden ist – natürlich mit Unterstützung Indiens, das daran interessiert ist, die Fähigkeiten seines ewigen Rivalen in der Region zu verringern. Die langjährige Premierministerin Sheikh Hasina, die Tochter des ermordeten Staatsgründers Mujibur Rahman, hatte eine ganz besondere Beziehung zu Indien aufgebaut, und Neu-Delhi war an der Stabilität ihrer Regierung interessiert. Und die Premierministerin versuchte, die Veteranen des Unabhängigkeitskrieges, die ehemaligen Verbündeten ihres Vaters, und deren Verwandte zu ihrer Unterstützer zu machen. Und zwar nicht nur, um sie zu ihrem Rückgrat zu machen, sondern auch, um ihnen Privilegien bei der Arbeitssuche zu verschaffen, was in einem armen Land mit einer großen Zahl von Studenten sehr wichtig ist. Es war diese Ungerechtigkeit, die die Studenten in Dhaka auf die Straße brachte und nach mehrwöchigen Protesten den nunmehrigen ehemaligen Premierminister zur Flucht nach Indien zwang.

Jetzt beschuldigt Sheikh Hasina von Indien aus – wie einst Janukowitsch von Russland aus – die Vereinigten Staaten des Putsches gegen sie, und indische Politiker und Medien sind überzeugt, dass sie Recht hat. In Indien kann und will man einfach nicht glauben, dass die Regierung von Bangladesch ihrer eigenen Kurzsichtigkeit und ihrem mangelnden Verständnis für soziale Probleme zum Opfer gefallen ist. Und diese Sichtweise erinnert auch sehr stark an die Art und Weise, wie unser Maidan in Russland kommentiert wurde. In Indien betrachtet man Bangladesch als Juniorpartner und als ein Gebiet, das dem eigenen Einfluss unterliegt, und begreift nicht, dass die Bürger dieses Landes ihre eigene Vision von seiner Zukunft haben können. Und die neue Führung Bangladeschs wirft ihren Nachbarn diese demonstrative Arroganz vor. In der Tat hat sich das Land in nur wenigen Tagen verändert. Der Interims-Premierminister von Bangladesch, ein weiterer Bengale, der Nobelpreisträger Mohammad Yunus, bekannt für seine Idee der Mikrokredite für die ärmsten Bevölkerungsschichten, ähnelt dem früheren Premierminister in etwa so, wie Arsenij Jazenjuk 2014 dem mit Mottenkugeln besprühten Mykola Asarow ähnelte (obwohl Sheikh Hasina wirklich das wirtschaftliche Gesicht von Bangladesch veränderte und Asarow nur das Gesicht der unbesiegbaren ukrainischen Korruption war). Der neuen Regierung gehören auch Studentenvertreter an, so wie sich die erste Regierung nach dem Maidan auch revolutionären Aktivisten beinhaltete. Aber mit Vertretern der traditionellen politischen Kräfte, genau wie in Bangladesch. Und das ist eine bekannte Gefahr, aber auch eine Chance, ein demokratisches Land aufzubauen. Denn in Bangladesch, wie auch in der Ukraine vor mehr als einem Jahrzehnt, waren es junge Menschen, die den Protest begannen, die sich gegen Ungerechtigkeit wehrten und die Lebensphilosophie ihrer Eltern nicht akzeptierten, die versuchten, einfach auf Veränderungen zu warten – und beim Warten starben. Junge Menschen wollen einfach nicht jahrzehntelang warten und wollen ihre Zukunft schützen. Und kein noch so großer Widerstand von älteren Diktatoren wird dieses Gesetz ändern.

Obwohl sie es natürlich versuchen werden. Haben Sie Janukowitsch auf der Pressekonferenz in Rostow vergessen? Sheikh Hasina hat ebenfalls versprochen, nach Hause zurückzukehren, obwohl sie nach den blutigen Tagen des Kampfes gegen die Demonstranten kaum eine Chance hat, an die Macht zu kommen. Das liegt auch daran, dass Indien nicht Russland ist und keine Gewalt anwenden wird, um den Bürgern von Bangladesch eine Regierung aufzuzwingen, die ihm genehm ist. Hier muss man sagen, dass die Bangladescher Glück haben Nachbarn zu haben, die über antikoloniale Erfahrung verfügen, und nicht ein verrücktes von Komplexen geplagtes Imperium. Und obwohl wir nicht wissen können, wie sich Bangladesch nach der Revolution verändern wird, ist die Tatsache, dass in einem Land, in dem die Macht jahrzehntelang von Autokraten auf Generäle übergegangen ist, nun das einfache Volk über die Zukunft entscheidet, ein klarer Beweis dafür, dass das Maidan-Gesetz funktioniert.

Syrskys geheime Operation | Vitaliy Portnikov. 19.08.24.

The Economist behauptet, dass die Operation in der Region Kursk eine verdeckte Operation des Oberbefehlshabers der ukrainischen Streitkräfte, General Oleksandr Syrsky, war. Syrsky wollte die westlichen Verbündeten der Ukraine nicht über die Vorbereitungen für diese Operation informieren, da sie laut der Zeitung bereits eine der Operationen des ukrainischen Kommandos gestört hatten und Russland von einer anderen wichtigen Operation erfahren hatte. 

Nicht weniger interessant ist die Tatsache, dass Oleksandr Syrsky die Einzelheiten dieser Operation direkt mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky besprach, ohne die Beteiligung der engsten Mitarbeiter des Präsidenten, derselben wenigen Manager, die Zelensky nach eigenen Angaben bei der Führung des ukrainischen Staates helfen. Und auch die Aufbereitung der Informationen über die russischen Stellungen in Kursk erfolgte ausschließlich durch den Nachrichtendienst der Armee, während der Verteidigungsnachrichtendienst der Ukraine für die Suche nach Informationen erst in der entscheidenden, letzten Phase der Operation eingesetzt wurde. 

Man kann also davon ausgehen, dass General Syrsky tatsächlich ein Durchsickern von Informationen über die Operation der ukrainischen Streitkräfte in der Region Kursk befürchtete sowie die Tatsache, dass der Westen, der sich stets entschieden gegen jegliche Aktionen der Ukraine auf dem Gebiet der Russischen Föderation ausgesprochen hatte, in der Lage sein würde, die Vorbereitung der ukrainischen Offensive zumindest durch politischen Druck auf den Präsidenten der Ukraine und andere Vertreter der ukrainischen Führung zu stoppen. Und wie wir sehen können, hat es funktioniert. Die Offensive der ukrainischen Streitkräfte in der Region Kursk kam selbst für die Russen völlig überraschend und war vor allem eine schwere politische Niederlage für den russischen Präsidenten Wladimir Putin. Sie zeigt, dass Russland in den zehn Jahren des russisch-ukrainischen Konflikts und den zwei Jahren und acht Monaten des großen Krieges mit der Ukraine die Frage der Schließung seiner Grenze zur Ukraine in den Regionen Belgorod, Kursk und Brjansk nicht gelöst hat. 

Die Zeitung betont, dass verschiedene Optionen für die Operation in Betracht gezogen wurden, darunter die Möglichkeit, in mehreren russischen Regionen gleichzeitig zuzuschlagen, z. B. in den Regionen Kursk und Brjansk, die Möglichkeit, zuerst in Brjansk und nicht in Kursk zuzuschlagen, und die Offensive in der Region Kursk, die wir alle gerade erleben. In der Veröffentlichung wird natürlich die Frage nach den Zielen der ukrainischen Operation gestellt und betont, dass das Hauptziel vor allem darin bestand, die Ressourcen der russischen Streitkräfte aus der für die ukrainische Armee wichtigen Region Donezk abzuziehen. (Ich möchte Sie daran erinnern, dass die so genannte Wiederherstellung der territorialen Integrität der Volksrepublik Donezk bereits im Februar 2022 die Hauptaufgabe des russischen Präsidenten Wladimir Putin war). Und wir können sagen, dass diese besondere Erwartung eindeutig nicht erfüllt wurde. Russland hat seine Ressourcen nicht von der Donezk-Front zurückgezogen und greift weiterhin die Stellungen der ukrainischen Verteidigungskräfte an. Dies liegt offensichtlich daran, dass die Einnahme einer strategischen Position in der ukrainischen Region Donezk für den Kreml inzwischen ein viel wichtigeres Ziel darstellt als die Befreiung des Gebiets der Region Kursk, wo das ukrainische Militär sich derzeit befindet. 

Der Wirtschaftswissenschaftler bezeichnet die Situation als eine, in der Russland beschlossen hat, an beiden Fronten aggressiv zu handeln. Einerseits will es seine Ressourcen in der Region Donezk belassen und dort eine Offensive auf strategisch wichtige Städte starten, was für die ukrainische Armee gefährlich ist. Andererseits beginnen sie mit der Anhäufung von Reserven in der Region Kursk, um die Anweisungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu erfüllen, der auf einer nichtöffentlichen Sitzung des russischen Sicherheitsrates seinen Truppen den Auftrag erteilt hat, die ukrainischen Truppen aus der Region Kursk zu vertreiben. Es stellt sich natürlich auch die Frage, wie realistisch dieser Befehl des russischen Präsidenten ist. Immerhin führt die russische Armee den Befehl zur so genannten Wiederherstellung der territorialen Integrität der Volksrepubliken Donezk und Luhansk bereits seit zwei Jahren und acht Orten aus. Und ein Ende dieser Operation, die der Vorwand für den Beginn des langjährigen Krieges Russlands mit der Ukraine war, ist noch nicht in Sicht. Angesichts der Tatsache, dass sich jetzt immer mehr russische Truppen in der Region Kursk versammeln, die aus verschiedenen Kampfgebieten in der Ukraine sowie aus Reserveeinheiten auf dem Territorium der Russischen Föderation selbst stammen, ist es nicht offensichtlich, dass diese Truppen in der Lage sein werden, die Anweisungen des russischen Führers schnell zu erfüllen und die weitere Präsenz ukrainischer Truppen auf dem souveränen Territorium der Russischen Föderation zu verhindern. Aber es liegt auf der Hand, dass die Russen versuchen werden, hier erhebliche Ressourcen zu sammeln, nachdem sie sicher sind, dass sie im Krieg mit der Ukraine in der Region Donezk alles getan haben, was sie können, zumindest vorläufig. Und dabei sollten wir nicht vergessen, dass sich die Ukraine auf die Operation in der Region Kursk sehr gründlich vorbereitet hat, indem sie ausgebildetes militärisches Personal einsetzt, und wenn es diesem militärischen Personal gelingt, ausreichend starke Strukturen aufzubauen, um die russische Armee an einem Angriff zu hindern, wird dies die Russen in den nächsten Jahren des russisch-ukrainischen Krieges erschöpfen. Und wenn es den Russen gelingt, die Ukrainer aus dem russischen Territorium zu vertreiben, wird dies natürlich zu gewissen militärischen und politischen Verlusten für die Ukraine selbst führen. Im Großen und Ganzen werden die Richtungen Kursk und Donezk in der Konfrontation zwischen den beiden kriegführenden Staaten also strategisch wichtig. 

Und ein weiteres Ziel, von dem westliche Journalisten jetzt sprechen, ist, dass die Ukraine hofft, ihre Verhandlungsposition gegenüber Moskau zu stärken, was sich in erster Linie auf einen Tweet des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu stützen scheint, der sagte, er glaube, dass die Offensive in Kursk ein Versuch der Ukraine sei, ihre Verhandlungsposition zu verbessern, während er gleichzeitig betonte, dass es in dieser Situation keine Verhandlungen mit der Ukraine geben könne. Meiner Meinung nach wollte der russische Präsident jedoch auch vor der ukrainischen Offensive auf dem Territorium der Russischen Föderation keine Verhandlungen mit der Ukraine aufnehmen. Heute ist der Kreml nicht in der Stimmung für Verhandlungen, sondern für einen langfristigen Zermürbungskrieg, dessen Ziel die Absorption des ukrainischen Staates und sein Verschwinden von der politischen Landkarte der Welt sein sollte. Deshalb sollten alle Schritte, die die Ukraine im Zermürbungskrieg unternimmt und die zur Erschöpfung der Russischen Föderation selbst führen, Wladimir Putin davon überzeugen, dass diese aggressiven Aufgaben nicht rational sind.