Verhandlungen in Davos: Wie geht es weiter | Vitaly Portnikov. 22.01.2026.

Der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, erklärte nach einem Treffen mit der ukrainischen Delegation in Davos, dass sich die Verhandlungen über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in der Endphase befänden.

Steve Witkoff erläuterte allerdings nicht, wie er den russischen Machthaber davon überzeugen wolle. Bekannt ist jedoch, dass Witkoff und der Schwiegersohn von Präsident Donald Trump, Jared Kushner, noch am selben Tag in die russische Hauptstadt reisen werden, um dort Gespräche mit Wladimir Putin zu führen. Zuvor soll in Davos ein Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, stattfinden, der bereits in der Schweiz eingetroffen ist.

Diese Gespräche sollen offenbar erneut dazu dienen, eine gemeinsame amerikanisch-ukrainische Formel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges auszuarbeiten, mit der Steve Witkoff und Jared Kushner Putin kurz darauf vertraut machen wollen – nachdem sie zuvor eigene Gespräche mit dem Sondergesandten des russischen Präsidenten, Kirill Dmitriev, geführt haben, der ebenfalls nach Davos gereist ist.

Witkoff zeigte sich nach seinen Gesprächen mit den ukrainischen Vertretern in Davos jedoch recht optimistisch, äußerte Komplimente und kündigte sogar einen Plan Donald Trumps an, eine sogenannte zollfreie Zone für die Ukraine zu schaffen, um den Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft nach dem Krieg zu unterstützen. Dies ist ein weiteres wirtschaftliches Projekt, das die Lage beim Wiederaufbau der ukrainischen Wirtschaft verändern soll, nachdem in Miami bereits ein US-Investitionsplan für die Ukraine in Höhe von bis zu 600 Milliarden Dollar diskutiert worden war.

Vor Beginn des Internationalen Wirtschaftsforums in Davos wurde sogar die Möglichkeit erörtert, dass die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine am Rande des Forums ein Abkommen über die Schaffung eines solchen Investitionsfonds unterzeichnen könnten. Wie bekannt wurde, stellte sich jedoch noch vor Beginn des Treffens heraus, dass das Abkommen nicht fertig war und daher nicht unterzeichnet werden würde.

Kurz darauf wurde auch offensichtlich, dass sich die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine möglicherweise überhaupt nicht in dem Schweizer Kurort treffen würden und somit keinerlei Vereinbarungen zwischen ihnen zustande kämen. Doch auch hier änderte Donald Trump seine Position, als er erklärte, der russische Präsident Putin wolle den Krieg beenden, und er plane ein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine. Zuvor hatte Zelensky angekündigt, seinen Auftritt im Rahmen des Internationalen Wirtschaftsforums aufgrund der schwierigen Lage in der ukrainischen Energieversorgung abzusagen.

Nach Trumps Erklärung änderte sich jedoch alles. Zelensky ist nun in Davos und bereit, mit Trump über die amerikanische Sicht auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu sprechen. Doch auch hier wird letztlich nicht entscheidend sein, worauf sich Trump und Zelensky einigen, sondern wie Putin das Ende des Krieges sieht.

Der russische Präsident selbst setzt unterdessen seine spöttische Haltung gegenüber seinem amerikanischen Amtskollegen fort. So antwortete Putin auf eine Frage der Vorsitzenden des Föderationsrates der Russischen Föderation, Valentina Matviyenko, zu seiner möglichen Teilnahme am sogenannten Friedensrat, dass er Trumps Einladung an das russische Außenministerium weitergeleitet habe, wo sie derzeit geprüft werde. Zugleich erklärte er, er sei bereit, eine Milliarde Dollar aus in den Vereinigten Staaten eingefrorenen russischen Vermögenswerten für den Wiederaufbau des Gazastreifens bereitzustellen. Weitere Milliarden eingefrorener russischer Gelder wolle er nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine für den Wiederaufbau jener Gebiete zur Verfügung stellen, die während des russisch-ukrainischen Krieges von Kampfhandlungen betroffen gewesen seien.

Putin präzisierte allerdings nicht, um welche Gebiete es sich dabei handeln solle: um jene Teile der Ukraine, die täglich von russischen Raketen und Drohnen bombardiert werden, um die Zivilbevölkerung zu terrorisieren und „einzufrieren“, oder um die von Russland besetzten Gebiete, deren Kontrolle Putin nicht nur behalten, sondern sogar ausweiten möchte. Bislang haben wir jedenfalls keine einzige Erklärung des russischen Präsidenten gehört, die auf einen Verzicht auf seine bisherigen Forderungen nach dem Abzug ukrainischer Truppen aus jenen Gebieten hindeuten würde, die formell von der Russischen Föderation annektiert wurden, sich jedoch weiterhin unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befinden.

Und hier kehren wir erneut zur Logik Steve Witkoffs zurück. Wenn er davon ausgeht, dass sich die Verhandlungen in der Endphase befinden, warum wissen wir dann nichts über eine Veränderung der russischen Position, die darauf hindeuten würde, dass Moskau und Kyiv tatsächlich zu einem realen Friedensabkommen bereit sind – zumindest zu einem, das einen Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie der Truppen beider verfeindeter Staaten vorsieht? 

Zugleich muss man jedoch festhalten, dass Russland erneut versuchen könnte, den Verhandlungsprozess in die Länge zu ziehen. Das zeigt sich selbst in den Worten Steve Witkoffs. Denn nach seinem Treffen mit Putin plant der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht, nach Davos zurückzukehren, sondern nach Abu Dhabi weiterzureisen, wo Arbeitsgruppen ihre Tätigkeit aufnehmen sollen, die den Entwurf eines Friedensabkommens ausarbeiten und konkretisieren sollen.

Offenkundig werden dies amerikanische, ukrainische und russische Arbeitsgruppen sein. Dabei könnten die Amerikaner als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine auftreten, sodass sich ukrainische und russische Unterhändler nicht direkt begegnen, sondern ihre Vorschläge über die Amerikaner austauschen. Wie wir verstehen, ist heute niemand in der Lage zu sagen, wie lange diese Arbeitsgruppen tätig sein werden und ob Putin nicht nur versuchen wird, den Verhandlungsprozess zu verzögern, sondern ihn im entscheidenden Moment sogar zu sabotieren – etwa durch die Organisation einer Provokation, durch die Beschuldigung Kyivs, kein echtes Interesse an einem Waffenstillstand zu haben, und durch eine erneute Rückkehr zu endlosen Gesprächen mit Präsident Trump, zu neuen Sanktionen und zur Suche nach Wegen, diese Sanktionen zu umgehen. Bislang hat Putin genau diese Taktik verfolgt, und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass er sie in absehbarer Zeit ändern wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини у Давосі: що далі | Віталій Портников. 22.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 22.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putins „Cholodomor“. Vitaly Portnikov. 19.01.2026.

https://vilni-media.com/2026/01/19/putinskyj-kholodomor/?fbclid=IwZnRzaAPc4olleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEe48YJ9LLgQJV93iFYTeeUkTZCzqunK8uwS2-JUFfzdcKIpJlCUKFIGw2HwaI_aem_RsspwQWrle_nJl-eO45vbA

In diesem kalten Winter erwarten die Ukrainer fast jeden Tag neue massive Angriffe Russlands auf die Energieinfrastruktur des Landes. Die Angriffe erfolgen methodisch und grausam – inzwischen wird sogar über die Möglichkeit von Attacken auf die Verteilungsstationen ukrainischer Atomkraftwerke gesprochen, um noch größere Probleme mit Wärme- und Stromversorgung zu verursachen.

Offenkundig versucht Putin auf diese Weise, der Welt Stärke und Grausamkeit zu demonstrieren, zeigt in Wirklichkeit jedoch höchstens seine Ohnmacht. Denn die Versuche, die Ukraine unbewohnbar zu machen, sind eine weitere Erinnerung an das Scheitern seines Blitzkriegs und an die Misserfolge der russischen Armee.

Der große Krieg, den Putin vor vier Jahren begonnen hat, sollte innerhalb weniger Wochen mit der Besetzung eines Großteils des Landes enden – einschließlich Kyivs – und mit der wahrscheinlichen Angliederung der östlichen und südlichen Regionen der Ukraine an die Russische Föderation. Doch nach vier Jahren dieses Krieges ist die russische Armee noch immer nicht einmal in der Lage, die gesamte Region Donezk unter Kontrolle zu bringen – und nutzt den sogenannten „Friedensprozess“, um zu versuchen, dieses Gebiet kampflos zu erhalten, indem sie den Abzug der ukrainischen Truppen fordert.

In diesen vier Jahren ist die Ukraine nicht nur kein Satellitenstaat Russlands geworden, sondern hat den Status eines EU-Beitrittskandidaten erhalten und nicht auf die euroatlantische Integration verzichtet. Und natürlich ist die Zahl der ukrainischen Bürger, die sich heute eine „gemeinsame Zukunft“ mit dem grausamen nördlichen Nachbarn wünschen würden, selbst unter dem politischen Mikroskop nicht zu erkennen.

Seinen Zorn über die Niederlagen der eigenen Armee demonstriert Putin an ukrainischen Frauen und Kindern. Denn man muss sich darüber im Klaren sein, dass der Beschuss der ukrainischen Energieinfrastruktur keinerlei Bezug zu den Bedürfnissen der Armee oder des militärisch-industriellen Komplexes hat. Die Russen wollen ganz bewusst Wohnviertel ohne Strom zurücklassen.

Wozu? Zunächst einmal zur Rache. Dann, um Angst zu verbreiten. Damit die ukrainische Gesellschaft sich mit der klassischen putinschen Logik abfindet: Russland – oder der Tod.

Es gibt auch strategischere Ziele. Die Ukraine in ein Gebiet zu verwandeln, das zum Leben ungeeignet ist, und zu beweisen, dass ein Land, das sich entschieden hat, der russischen Aggression zu widerstehen, einfach nicht erfolgreich sein kann. Das heißt, am Beispiel der Ukraine andere einzuschüchtern – insbesondere die ehemaligen Sowjetrepubliken, für deren Territorien Moskau eigene Pläne haben könnte. Und auch die Länder Mitteleuropas: Putin träumt noch immer von der Wiederherstellung der „Einflusssphäre“ der Sowjetunion auf dem Kontinent.

Hinzu kommt der Wunsch, die Bevölkerungszahl des Nachbarlandes deutlich zu verringern, die Ukrainer durch russische Bombardierungen zur Ausreise zu zwingen. Dieser demografische Krieg dauert seit Jahrhunderten an – man denke nur an den stalinistischen Holodomor. Heute beobachten wir Putins „Kältemord“.

Politisch kann der russische Präsident nicht gewinnen, denn man kann ein Land nicht durch Raketenangriffe und Schläge gegen die Infrastruktur erobern. Doch das hebt das Leid der Zivilbevölkerung nicht auf, die Opfer seiner Heimtücke wird.

Das bedeutet, dass man nicht nach einem sinnlosen Dialog mit Putin suchen darf, sondern den Druck auf Russland verstärken muss. Das bedeutet auch, dass man sich nicht mit dem Ausbleiben von Hilfe für die Ukraine brüsten darf, sondern diese Hilfe ausbauen muss – insbesondere durch die Verstärkung der Luftverteidigung. Denn die hohe Zahl der Treffer erklärt sich durch die schlichte Begrenztheit der vorhandenen Ressourcen.

Und natürlich muss der Schutz der reparierten Energieobjekte verstärkt werden, damit der Feind sie nicht erneut zerstören kann. Außerdem gilt es, gemeinsame Anstrengungen zu unternehmen, um diesen schwierigen Winter zu überstehen und die Sinnlosigkeit von Putins Bemühungen zu beweisen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Путінський «холодомор». Віталій Портников. 19.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Offener Brief an die europäischen „Führer“. Paul-Michel Manandise. 14.01.2026.

Zur Kenntnis der „Leiter“ der „Regierungen“ der europäischen Staaten, an den Kreml und den Tyrannen Wladimir Putin

https://www.facebook.com/share/p/1C1hKzztzN/?mibextid=wwXIfr

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen mit dem kalten Zorn dessen, der vielfach Rückzüge und Verrat erlebt hat, verborgen hinter der samtigen Sprache der Diplomatie. Sie sind informiert. Sie wissen Bescheid. Und dennoch lassen Sie dies weiter geschehen.

In der Ukraine, im Herzen Europas, im 21. Jahrhundert, erleidet ein ganzes Volk das, was nur bei seinem wahren Namen genannt werden kann: ein Vernichtungskrieg, methodisch, kalkuliert, geführt von der Russischen Föderation und Wladimir Putin mit einer Grausamkeit, die schamlos das Völkerrecht, die menschliche Würde und die Idee der Zivilisation selbst mit Füßen tritt.

Sie wissen es: Die ukrainische Energieinfrastruktur wird gezielt zerstört, Objekt für Objekt, im Rahmen einer Terrorstrategie. Ein Land in Dunkelheit und Kälte zu stürzen, ist keine „bloße militärische Taktik“ – es ist ein Angriff auf die Zivilbevölkerung, auf Kinder, auf Kranke, auf ältere Menschen. Es ist die bewusste Entscheidung, Strom, Heizung, Wasser und Licht als Waffen einzusetzen.

Jedes zerstörte Kraftwerk, jeder herausgerissene Transformator, jede zerrissene Stromleitung bedeutet Krankenhäuser im Notbetrieb, abgebrochene Operationen, stillstehende Inkubatoren, ganze Familien, die in eisigen Wohnungen zittern, ältere Menschen, die in der Dunkelheit sterben.

Und Sie können nicht so tun, als wüssten Sie davon nichts.

An Sie, die europäischen Regierungen, muss ich mich ohne jede Beschönigung wenden:

Infolge Ihrer endlosen Abwägungen, Halbmaßnahmen und „roten Linien“, die Sie einmal ziehen, dann wieder ausradieren, akzeptieren Sie faktisch das Unakzeptable. Ihre „Vorsicht“ wird zur moralischen Mitverantwortung. Ihre Langsamkeit wird zur stillschweigenden Zustimmung. Ihre diplomatische Sprache ist der Vorhang, hinter dem Sie Verbrechen verbergen.

Sie wissen, dass der Ukraine Mittel der Luftverteidigung fehlen, um ihr Energiesystem zu schützen. Sie wissen, dass es einsatzbereite Systeme gibt, die diese Raketen und Drohnen abfangen könnten, die die Infrastruktur zerstören. Sie wissen, dass jeder Tag Verzögerung bei den Lieferungen neue Tote bedeutet, neue zerstörte Lebenswege, ganze Städte, die in Dunkelheit versinken.

Und dennoch zögern Sie, zaudern, diskutieren endlos, wägen politische, wahlstrategische und wirtschaftliche Kosten ab – als wögen ein paar Prozentpunkte Wirtschaftswachstum oder ein paar Dezibel innenpolitischer Unzufriedenheit mehr als Tausende ukrainischer Leben, die Ihrem Komfort geopfert werden.

Das ist nicht bloß Schwäche: Es ist ein historisches Verbrechen.

Der russischen Macht, dem Kreml und Wladimir Putin muss man Folgendes sagen – klar und nüchtern:

Was Sie der Ukraine antun, ist keine „Spezialoperation“, keine „Sicherheitsmaßnahmen“, kein „Schutz der russischsprachigen Bevölkerung“. Es ist ein aggressiver, illegaler, verbrecherischer Krieg. Es ist die Vernichtung eines ganzen Volkes.

Indem Sie die Energieinfrastruktur angreifen, haben Sie sich bewusst dafür entschieden, das Leid der Zivilbevölkerung als Instrument Ihres Krieges zu nutzen. Sie haben beschlossen, Millionen Menschen Wärme, Licht und Wasser zu entziehen. Sie haben Winter und Nacht zu Waffen gemacht, Elektrizität zu einem Instrument der Erpressung.

Dies ist ein Verbrechen, das mit jeglichem Anspruch auf „Größe“ unvereinbar ist.

Die Geschichte wird sich nicht an Ihre Reden, Ihre Lügen und Ihre inszenierten Bilder erinnern. Sie wird sich an zerstörte Städte erinnern, an Kinder, die sich in Kellern verstecken, an Patienten, die im Licht von Taschenlampen operiert werden, an Familien, die beten, dass der Generator noch ein paar Stunden durchhält.

Sie behaupten, „Russland zu verteidigen“; in Wahrheit beschmutzen Sie nur seinen Namen und bedecken Ihre Gegenwart und Ihre Zukunft mit Schande.

Kehren wir zu Ihnen zurück, den europäischen Führern.

Sie rühmen sich, bestimmte Werte zu verteidigen: Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit. Diese Worte, die Sie unaufhörlich in Ihren Reden wiederholen und in Verträge schreiben, haben nur dann Wert, wenn sie in Handeln umgesetzt werden – insbesondere dann, wenn es etwas kostet.

Die Ukraine zahlt bereits einen blutigen Preis.

Sie bittet nicht darum, dass Ihre Kinder in Schützengräben sterben. Sie bittet Sie um Waffen, um Luftverteidigung, um wirtschaftliche und politische Unterstützung, die dem Ausmaß der Bedrohung entspricht, der sie gegenübersteht – einer Bedrohung, die, täuschen Sie sich nicht, auch gegen den Rest Europas gerichtet ist.

Jedes Mal, wenn Sie Entscheidungen hinauszögern, Hilfe kürzen oder sie an Ihre innenpolitischen Kalküle knüpfen, senden Sie nach Moskau ein sehr klares Signal: „Macht weiter, wir werden nichts Entschlossenes unternehmen. Wir fürchten steigende Energiepreise mehr als die Zerstörung eines ganzen Landes.“

Ist es wirklich dieses Europa, das Sie verkörpern wollen?

Ein Europa, das zusieht, wie ein verbündetes Volk massive Angriffe auf Kraftwerke, Netze und Städte erleidet, und darauf lediglich mit „tiefer Besorgnis“ in Kommuniqués und mit kümmerlichen Waffenlieferungen reagiert?

Ich wende mich an Sie als Oberst, der den Preis der Untätigkeit kennt und die Kosten allzu lange aufgeschobener Entscheidungen.

Das ist es, was Ehre, gesunder Menschenverstand und einfache Menschlichkeit verlangen:

1. Die Luftverteidigung der Ukraine unverzüglich und umfassend verstärken. Schluss mit Halbmaßnahmen. Schluss mit dem Zögern bezüglich Typ, Reichweite oder Anzahl der Systeme. Jeder Tag und jede Nacht ohne zusätzlichen Schutz ist ein weiterer Tag, der den russischen Angriffen geschenkt wird.

2. Eine dauerhafte Unterstützung der ukrainischen Energieinfrastruktur sicherstellen. Lieferung von Ausrüstung, Transformatoren, Generatoren, Ersatzteilen und technischen Teams: Es reicht nicht, Hilfe anzukündigen – sie muss schnell vor Ort eintreffen, in ausreichender Menge, um zu reparieren, zu verstärken und zu schützen.

3. Die Dinge beim Namen nennen. Schluss mit lahmer, verschwommener Rhetorik. Klar feststellen, dass systematische Angriffe auf kritische zivile Infrastruktur Verbrechen sind. Die direkte Verantwortung der russischen Führung und Wladimir Putins für den Terror offen anerkennen.

4. Internationale Strafverfolgung vorbereiten. Sammeln, dokumentieren, bezeugen – so, dass das, was heute in der Ukraine geschieht, vor Gericht verhandelt wird. Sie können sich nicht länger überrascht oder uninformiert geben. Die Welt wird wissen, wer befohlen hat, wer ausgeführt hat – und wer dies hat geschehen lassen.

5. Die politischen und wirtschaftlichen Kosten der Entscheidungen bewusst tragen. Ein Staat zu führen bedeutet nicht nur, kurzfristige Zyklen und Umfragen zu managen. Es bedeutet auch, den eigenen Bürgern ehrlich zu erklären, dass der Schutz von Freiheit, menschlicher Würde und europäischer Sicherheit seinen Preis hat. Ihn heute nicht zu zahlen heißt, morgen einen viel höheren Preis zu zahlen – in einer brutaleren, instabileren und gefährlicheren Welt.

Eines Tages wird der Krieg enden.

Die Ukraine wird ihre Toten und Verwundeten zählen, ihre zerstörten Häuser und Kraftwerke. Die Archive werden sprechen. Zeugnisse werden sich anhäufen. Bilder werden bleiben.

Dann wird die Geschichte eine einfache Frage stellen: Was taten die europäischen Regierungen, während Russland systematisch Kraftwerke bombardierte, Städte in Dunkelheit tauchte und Kälte und Nacht zu Waffen langsamer Vernichtung machte? Und Ihre Namen, Ihre Ämter, Ihre Entscheidungen – oder Ihr Ausbleiben von Entscheidungen – werden Zeugnis Ihrer Untätigkeit ablegen.

Sie haben noch die Wahl, nicht zu denen zu gehören, die wegsahen.

Sie haben noch die Möglichkeit, den Werten würdig zu sein, die Sie proklamieren. Aber diese Wahl muss jetzt getroffen werden, nicht in Memoiren, die Sie eines Tages schreiben werden, um Ihre eigene Rolle zu beschönigen.

Ich schreibe Ihnen ohne Illusionen, aber mit einer kompromisslosen Forderung:

Hören Sie auf, sich hinter „Komplexität“, hinter Verfahren und Wahlkalendern zu verstecken. Blicken Sie denen in die Augen, die in der Ukraine leben, leiden und sterben – unter Beschuss, in Kälte und Dunkelheit –, die Ihre Langsamkeit erst ermöglicht.

Oberst Paul-Michel Manandiz, Oberst, der sich weigert, Vorsichtd mit Feigheit zu verwechseln, Strategie mit Gleichgültigkeit, Diplomatie mit stillschweigender Mittäterschaft


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media
Titel des Originals: Offener Brief an die europäischen „Führer“. Paul-Michel Manandise. 14.01.2025.
Autor: Paul-Michel Manandise
Veröffentlichung / Entstehung: 14.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Neue Verhandlungen in Washington | Vitaly Portnikov. 17.01.2026.

Eine ukrainische Delegation, der der Leiter des Präsidialamtes Kyrylo Budanow, der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Rustem Umjerow sowie der Vorsitzende der Parlamentsfraktion der Partei Diener des Volkes Davyd Arachamija angehören, ist in die Vereinigten Staaten gereist, um Gespräche mit Vertretern des Weißen Hauses zu führen – darunter mit dem Sondergesandten des US-Präsidenten Steve Witkoff, dem Schwiegersohn des Präsidenten Jared Kushner sowie mit dem Heeresminister Daniel Driscoll, der, wie bekannt ist, sich erst vor Kurzem dem Verhandlungsprozess angeschlossen hat und eigene Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky geführt hat.

Diese Gespräche sind vor allem im Vorfeld des Treffens zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky in Davos von Bedeutung. Bei diesem Treffen könnten – so wird angenommen – Dokumente über die weitere Zusammenarbeit zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten verabschiedet werden. Dabei könnte es entweder um Sicherheitsgarantien für die Ukraine seitens der USA oder um Garantien für Investitionen und Hilfe für die Ukraine in der Nachkriegszeit gehen.

Offensichtlich ist Kiew daran interessiert, eine gemeinsame Sprache mit Washington zu finden und sicherzustellen, dass das Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine erfolgreich verläuft. Meiner Ansicht nach ist dies die wichtigste Aufgabe der ukrainischen Delegation: sich nicht mit den Amerikanern zu zerstreiten und einen gemeinsamen Handlungsnenner sowie gemeinsame Vorschläge zu finden, die dem russischen Präsidenten Putin präsentiert werden könnten.

Man könnte fragen: Warum überhaupt nach gemeinsamen Vorschlägen suchen, wenn die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine, Donald Trump und Volodymyr Zelensky, ihre gemeinsamen Vorschläge bereits bei ihrem letzten Treffen in Mar-a-Lago abgestimmt haben und Donald Trump diese Vorschläge theoretisch dem russischen Präsidenten hätte präsentieren sollen?

Doch wir verstehen sehr gut, dass die Geschichte des sogenannten Friedensprozesses eher einem Herumlaufen im Kreis gleicht. Denn in einer Situation, in der der russische Präsident nicht an einem Ende des Krieges interessiert ist, werden alle gemeinsamen Vorschläge, die Washington selbst nach Abstimmung mit Kyiv vorbringt, keinerlei praktische Bedeutung für ein tatsächliches Kriegsende haben.

Derzeit wird darüber gesprochen, dass Witkoff und Kushner erneut in die russische Hauptstadt reisen wollen. Schon deshalb ist es wichtig, dass sie bei Gesprächen mit Putin jene Ideen vortragen, die gemeinsam mit der ukrainischen Delegation erarbeitet werden. Allerdings sollte man auch nicht erwarten, dass der russische Präsident bei einem weiteren Treffen mit amerikanischen Vertretern seine Position ändern wird.

Daher scheint es mir, dass die Gespräche zwischen Kyiv und Washington nicht länger aus der Perspektive einer möglichen Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges betrachtet werden sollten. Vielmehr müssen sie vor allem als Möglichkeit gesehen werden, eine gemeinsame Position mit den Vereinigten Staaten zu entwickeln und Druck auf Russland auszuüben, um dieses Finale nicht durch Verhandlungen mit Putin, sondern durch die Erschöpfung des russischen Staates und der russischen Armee näherzubringen.

Wie ich bereits mehrfach gesagt habe, ist dies der einzige reale Weg, auf dem wir eines Tages einen Tunnel sehen könnten, in dem vielleicht – möglicherweise erst nachdem Donald Trump nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten ist – das Licht erscheinen kann, das die Finalisierung aller Bemühungen Washingtons und Kiews bedeutet, und wenn nicht die Zustimmung Russlands zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit der Ukraine, dann zumindest die Möglichkeit eines Abklingens des Krieges auf unbestimmte Zeit.

Dazu ist es selbstverständlich notwendig, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine weiterhin helfen und diese Hilfe sogar verstärken. Man muss sich auch darüber im Klaren sein, dass nach dem Auslaufen jenes Hilfspakets, das wir Präsident Joseph Biden verdanken, die amerikanische Unterstützung für die Ukraine erheblich zurückgegangen ist. Und Präsident Donald Trump ist sogar stolz darauf, wenn er erzählt, dass die Vereinigten Staaten nun keinen einzigen Dollar mehr für die Hilfe an unser Land ausgeben.

Das bedeutet jedoch einen Mangel an Luftabwehrsystemen, einen Mangel an ausreichenden Waffen, um der russischen Aggression entgegenzutreten, und die Notwendigkeit, all diese Waffen in den Vereinigten Staaten für bares Geld zu kaufen – weil Donald Trump Politik nicht als Schutz von Werten betrachtet, sondern als ein System von Geschäften. Und er macht daraus übrigens auch keinen Hehl.

Selbst die Unterzeichnung des Mineralienabkommens, das theoretisch das Weiße Haus dazu hätte bewegen sollen, ein Interesse am Kampf der Ukraine gegen Russland und an der Verteidigung der ukrainischen Souveränität zu entwickeln, hat, wie wir sehen, nichts an der Haltung Donald Trumps und seines Teams zur Entwicklung des russisch-ukrainischen Krieges geändert.

Wenn es der ukrainischen Delegation also gelingt, eine größere Rolle der Vereinigten Staaten bei der Unterstützung der Ukraine zu vereinbaren, wäre das bereits ein nicht schlechtes Ergebnis dieser Gespräche. Doch zu glauben, dass Trump bereit ist, von seiner grundsätzlichen Weigerung abzurücken, unserem Land zu helfen, statt aus diesem Krieg Profit zu schlagen, erscheint mir vergeblich.

Natürlich wäre es ebenfalls kein schlechtes Ergebnis, irgendein Dokument auszuarbeiten, das von den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine während des Davoser Forums unterzeichnet werden könnte. Doch auch dieses Dokument wird keinerlei reale, konkrete Umsetzung erfahren, da sämtliche Vereinbarungen über Sicherheitsgarantien nach dem Krieg, über Investitionen nach dem Krieg oder über die Präsenz irgendwelcher Truppen nach dem Krieg zweifellos dann überprüft werden, wenn die Nachkriegszeit tatsächlich eintritt. Ganz allgemein wirkt die Diskussion darüber, was nach dem Krieg geschehen soll, in einer Situation, in der es keine realen Instrumente zur Beendigung des Krieges gibt, aus politischer Sicht schlicht absurd.

Doch wir sind gezwungen, an dieser offensichtlichen Absurdität teilzunehmen, um uns nicht mit Donald Trump zu zerstreiten und den amerikanischen Präsidenten nicht zu einem offenen Verbündeten des russischen Präsidenten zu machen – zumindest dann, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht.

Wenn man es also ganz konkret formuliert, besteht die Hauptaufgabe der ukrainischen Unterhändler darin, ihren amerikanischen Gesprächspartnern entgegenzukommen und so zu tun, als habe ihre Tätigkeit tatsächlich einen konkreten Inhalt. Vielleicht erlaubt dies Witkoff und Kushner, realistischer mit dem russischen Präsidenten Putin zu sprechen – falls dieser tatsächlich bereit ist, sie in absehbarer Zeit in der russischen Hauptstadt zu empfangen.

Interessant ist übrigens, wann dies geschehen wird – vor oder nach dem Davoser Forum – und wie sich dies auf Donald Trumps Bereitschaft auswirken wird, konkrete Dokumente mit seinem ukrainischen Amtskollegen zu erörtern. Denn wir haben bereits mehrfach gesehen, wie Gespräche zwischen Trump und Putin praktisch alle ukrainischen Bemühungen zunichtegemacht haben.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові перемовини у Вашингтоні | Віталій Портников. 17.01.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 17.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Portnikov: Die Person, die den Krieg in der Ukraine in die Länge zieht, sitzt im Weißen Haus. 16.01.2025.

https://espreso.tv/viyna-z-rosiyeyu-portnikov-lyudina-yaka-zatyague-viynu-v-ukraini-v-bilomu-domi?fbclid=IwRlRTSAPYTYFleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEezjJC2rRk_iywU2IOSu4D0U–2z47KkTjJavX0vYLYsaaNb3AdOpc1L8aUaQ_aem_UsnR3GrdkAsjesR95oGVUw

Es ist daran zu erinnern, dass für Putin die Schwäche des Westens dessen Bereitschaft ist, mit ihm zu sprechen. Ich sage nicht, dass der französische Präsident Emmanuel Macron nach den Gesprächen von Präsident Trump nicht mit Putin sprechen sollte. Ich halte vielmehr die Legitimierung der Gespräche mit Putin durch Trump selbst für einen schweren Fehler. Für mich ist das Problem Nummer eins. Denn als Putin spürte, dass die Amerikaner keinerlei ernsthafte Gespräche mit ihm führen wollten, verhielt er sich vorsichtiger. Jetzt nimmt Putin Trumps Bereitschaft zum Dialog als eigene Legitimierung wahr und als Möglichkeit, alle anderen zu ignorieren.

Man sollte beobachten, was geschieht, falls der Dialog auf der Ebene der europäischen Staats- und Regierungschefs plötzlich wieder aufgenommen wird. Wie wird Putin das auffassen? Als Möglichkeit, zwischen Europäern und Amerikanern zu manövrieren und die einen gegen die anderen auszuspielen? Oder wird er im Gegenteil begreifen, dass Europa eine eigene harte Position hat, die nicht mit der Position Trumps übereinstimmt? Und dass diese europäische Position auch dann Bestand hat, wenn Trump erneut versucht, Putin „mit Zuckerbrot zu füttern“?

So oder so ist ein Verhandlungsprozess mit Putin ein Weg zur Eskalation des Konflikts und zur Fortsetzung des Krieges. Wenn wir wissen, wer durch sein Handeln den Krieg in der Ukraine faktisch in die Länge zieht und Putin Zuversicht für den morgigen Tag gibt, dann sitzt diese Person im Weißen Haus. Putin darf nicht legitimiert werden – davon bin ich absolut überzeugt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essey
Titel des Originals: Портников: Людина, яка затягує війну в Україні, – в Білому домі. 16.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 16.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Solowjow wurde als Hund bezeichnet | Vitaly Portnikov. 13.01.2026.

Der russische Botschafter in Armenien, Sergej Kopyrkin, wurde ins Außenministerium dieses Landes einbestellt, um ihm im Zusammenhang mit feindseligen Äußerungen, die auf einem der Kanäle des russischen Staatsfernsehens gefallen waren, Protest zu übermitteln. Es geht natürlich um die Aussagen des Fernsehmoderators Wladimir Solowjow, der dazu aufgerufen hatte, eine sogenannte „militärische Spezialoperation“ in Armenien zu beginnen.

Diese Aufrufe Solowjows haben in Jerewan besondere Empörung ausgelöst. Der stellvertretende Sprecher des armenischen Parlaments, Ruben Rubinian, verglich Solowjow mit einem Hund, dessen Bellen den Karawanen nicht daran hindern dürfe, sich in die richtige Richtung zu bewegen.

Empörung über Solowjows Äußerungen ist auch in den Ländern Zentralasiens zu hören – bisher allerdings nur auf der Ebene einzelner Abgeordneter. So forderte der kirgisische Abgeordnete Dostan Bekeschew die Führung seines Landes auf, Wladimir Solowjow wegen seiner Aufrufe zu möglichen „Spezialoperationen“ in Zentralasien zur Persona non grata zu erklären. Und der usbekische Abgeordnete Babur Bekmurodow riet dem russischen Fernsehmoderator sogar, lieber mit seiner Nachtigall zu spielen (Wortspiel auf seinen Namen Solowjow und eine spöttische Anspielung auf sein eigenes Propagandageschwätz), statt mit Aussagen aufzutreten, die das internationale Recht verletzen.

Dabei muss man eine einfache Sache verstehen. Solowjow hat lediglich das ausgesprochen, worüber in den höchsten Kreisen der russischen politischen Führung schon lange gesprochen wird. Man kann sagen: Was Putin im Kopf hat, hat Solowjow auf der Zunge. Denn der abgebrühte russische Propagandist versucht vor allem, der russischen Obrigkeit zu gefallen.

Es interessiert ihn überhaupt nicht, was die Führungen der postsowjetischen Staaten darüber denken, wie seine Äußerungen in Jerewan, Bischkek oder Taschkent kommentiert werden. Das Hauptziel der russischen politischen Führung ist die sogenannte „Korrektur des Fehlers von 1991“, also die Rückkehr der heutigen Russischen Föderation zu den Grenzen der Sowjetunion.

Beim FSB kann man sich bis heute nicht damit abfinden, dass die Zerschlagung des Parteiapparats und seine faktische Ersetzung durch Leute aus dem System des sowjetischen KGB nur dazu geführt hat, dass der ehemalige KGB heute lediglich jenen Teil des Territoriums der Sowjetunion kontrolliert, der zum Zeitpunkt des Zerfalls des kommunistischen Imperiums die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik war. Dabei wissen wir sehr genau, dass man an der Lubjanka mit der Kontrolle über die gesamte Sowjetunion gerechnet hatte. Deshalb war die Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepubliken eine so bittere Überraschung für die Tschekisten. Deshalb wird Wladimir Putin den Zerfall der Sowjetunion später als die größte geopolitische Katastrophe des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Deshalb wird der russische Präsident schon in seiner Zeit als Vizebürgermeister von Sankt Petersburg – man stelle sich das vor, bereits 1991 – den Bolschewiki vorwerfen, sie hätten durch die Schaffung der Unionsrepubliken selbst die Voraussetzungen für den Zerfall des einst durch den Bürgerkrieg zusammengeschweißten Imperiums geschaffen.

Und es ist klar, dass der brutale Krieg gegen die Ukraine Teil von Putins Bemühungen ist, diesen sogenannten Fehler von 1991 zu korrigieren. Denn Russland ging genau zu dem Zeitpunkt zu aktiven Kampfhandlungen gegen das Nachbarland über, als klar wurde, dass es – wenn auch in ferner Zukunft – objektive Möglichkeiten für einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union und zur NATO gibt und damit die Möglichkeit, ukrainische Gebiete einfach in die Russische Föderation einzugliedern, ohne einen ernsthaften Konflikt mit dem Westen, nicht mehr bestehen würde.

Seit 1991 versuchte Russland, die ehemaligen Sowjetrepubliken in einer Art geopolitischem Kühlschrank zu halten. Entweder sie schlossen sich prorussischen Projekten wie der OVKS oder der Eurasischen Wirtschaftsunion an oder bewahrten zumindest Neutralität. Sobald man in Moskau sah, dass eine ehemalige Sowjetrepublik in Richtung Westen driftete, verwandelte sie sich sofort in einen „Staat mit Handicap“, in ein Land mit unklaren Grenzen.

So war es in Moldau und Georgien. Russland hielt jahrzehntelang eine geopolitische Falle im Südkaukasus für Armenien und Aserbaidschan aufrecht. Sobald klar wurde, dass eine ehemalige Sowjetrepublik reale politische Alternativen bekam, begann sofort wirtschaftlicher oder sogar militärischer Druck.

Man kann sagen, dass der große Krieg Russlands gegen die Ukraine die Kulmination dieses Drucks ist. Doch erinnern wir uns an die Kriege in Moldau und Georgien schon in den 1990er Jahren. Erinnern wir uns an den Karabach-Konflikt, an die Konflikte in Zentralasien, an den Krieg Russlands gegen Georgien 2008 – und wir verstehen, dass der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der 2014 mit der Okkupation und Annexion der Krim begann, die Kulmination jahrzehntelanger Bemühungen des Kremls ist, den Einfluss und die Souveränität der Nachbarstaaten zu zerstören und Bedingungen für ihre spätere Einverleibung zu schaffen.

Und selbst wenn Putin heute nicht mehr die Kräfte für solche Schritte hat, so sind die Wünsche doch geblieben. Und je weniger Zeit und Möglichkeiten für die vollständige Unterwerfung der Ukraine bleiben und je brutaler der Krieg gegen dieses Land wird, desto größer werden zumindest die propagandistischen Ambitionen des Kremls.

Deshalb beleidigt Wladimir Solowjow die Nachbarstaaten Russlands ganz bewusst und beruft sich dabei auf amerikanische Aktionen in Lateinamerika. „Wenn Trump das darf, dann dürfen wir es erst recht. Denn im Unterschied zu Trump haben wir unsere Nachbarländer nie als wirkliche Staaten betrachtet.“ Genau das lässt sich aus den beleidigenden Aussagen Solowjows herauslesen.

Deshalb ging der Fernsehmoderator auch bewusst auf diese Provokation ein – in dem Wissen, dass er damit die Menschen in den Nachbarstaaten Russlands beleidigt. Aber dafür wird es Putin gefallen und all jenen, die versuchen, den russischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass seine Pläne, Russland wieder in die Sowjetunion zu verwandeln und ihn selbst zum Imperator eines prorussischen Reiches zu machen, früher oder später Wirklichkeit werden – notfalls durch neue blutige Kriege im postsowjetischen Raum.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Соловьева назвали собакой | Виталий Портников. 13.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die USA beschuldigen Russland | Vitaly Portnikov. 13.01.2025.

Bei der Sitzung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, die auf ukrainische Initiative nach dem Einsatz der Rakete „Oreschnik“ gegen das Gebiet der Region Lwiw in der Ukraine einberufen wurde, verurteilte die stellvertretende ständige Vertreterin der Vereinigten Staaten im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, Tammy Bruce, Russland für diesen Angriff.

„Dank der Führung von Präsident Trump befinden wir uns heute näher an einer Vereinbarung als jemals zuvor seit Beginn des Krieges. Dennoch setzt Russland seine neuen Angriffe auf die Ukraine fort, startet die nuklearfähige Rakete Oreschnik und richtet diese auf Gebiete der Ukraine, die nahe an den Grenzen zu Polen und zur NATO liegen“, sagte die Diplomatin und betonte, dass „dies eine weitere gefährliche Eskalation des Krieges zu einem Zeitpunkt ist, an dem die Vereinigten Staaten mit Kyiv, anderen Partnern und Moskau daran arbeiten, den Krieg durch Verhandlungen und Vereinbarungen zu beenden“.

Die Erklärung von Tammy Bruce ist die erste offizielle Reaktion der Vereinigten Staaten auf den Abschuss der Oreschnik-Rakete durch die Russische Föderation auf das Gebiet der Region Lwiw. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten weder der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump, noch Außenminister Marco Rubio, noch irgendeiner der hochrangigen amerikanischen Beamten die russischen Fähigkeiten oder ihre Eskalationsschritte im Krieg erwähnt. Hätte es die Sitzung des Sicherheitsrates, auf die die Ukraine gedrängt hatte, nicht gegeben, hätten wir womöglich auch diese Reaktion der US-Vertreterin im Sicherheitsrat nicht gehört.

Daraus lässt sich eine einfache Schlussfolgerung ziehen: In Washington hofft man weiterhin – entgegen jeder Logik – auf Vereinbarungen mit dem russischen Präsidenten Putin. Denn während Putin die Oreschnik gegen ukrainisches Gebiet nahe der polnischen Grenze einsetzt, also nahe der NATO, während Putin durch Raketenangriffe versucht, die ukrainische Energieinfrastruktur in der kältesten Phase des Winters zu zerstören, während russische Spitzenpolitiker neue Drohungen gegen die Ukraine und gegen europäische Staaten ausstoßen, erklären amerikanische Diplomaten, der Weg zu einer Einigung habe sich verkürzt und es gebe nun reale Chancen auf Vereinbarungen zur Beendigung des Krieges.

All diese Aussagen widersprechen, wie wir verstehen, dem gesunden Menschenverstand. Wäre der Weg zur Beendigung des Krieges wirklich kurz, würde Putin nicht versuchen, die Ukraine und Europa einzuschüchtern. Wäre der Weg zur Beendigung des Krieges kurz, würde Russland nicht versuchen, die ukrainische Energieversorgung zu zerstören. Wäre der Weg zur Beendigung des Krieges kurz, würde man in Moskau nicht davon sprechen, dass die Ziele der sogenannten „Spezialoperation“, die nun schon fast vier Jahre andauert, erreicht werden müssten, sondern man würde nach Kompromissen durch Verhandlungen suchen.

Sogar auf derselben Sitzung des Sicherheitsrates, bei der die amerikanische Diplomatin Russlands Positionen verurteilte, rechtfertigte der ständige Vertreter der Russischen Föderation beim UN-Sicherheitsrat, der berüchtigte Wassilij Nebensja, die Handlungen Russlands und drohte mit der Fortsetzung der Angriffe auf die Ukraine – das heißt, er bestätigte faktisch die Notwendigkeit einer weiteren Eskalation durch die russische politische Führung.

Man kann also feststellen, dass Putin seine Taktik fortsetzt, die er seit dem ersten Tag von Donald Trumps Rückkehr ins Oval Office verfolgt. Er streitet sich nicht persönlich mit Trump, ist bereit zu Gesprächen mit dem amerikanischen Präsidenten und sogar bereit, ihn selbst anzurufen, wenn er an einer Lockerung der US-Sanktionen gegen Russland oder an der Blockierung der Bemühungen des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky interessiert ist. Aber abgesehen von persönlichen Komplimenten gegenüber Trump ist Putin nicht bereit, irgendwelche konkreten Schritte zu unternehmen, die zum Ende des russisch-ukrainischen Krieges führen könnten. Im Gegenteil: Er nutzt Trumps Präsenz im Weißen Haus, um den Krieg fortzusetzen – trotz der Tatsache, dass es ihm nicht gelingt, die seit 2014 laufende Sanktionsmaschine Washingtons gegen Russland zu stoppen.

Damals sprach der Präsident der Vereinigten Staaten Barack Obama vom kumulativen Effekt der Sanktionen. Jetzt, im Jahr 2026, beginnen Beobachter zu glauben, dass die amerikanischen Sanktionen endlich Wirkung zeigen und ernste Probleme für die russische Wirtschaft sowie den Öl- und militärisch-industriellen Komplex verursachen könnten. Doch wann genau diese Sanktionen Putin tatsächlich zwingen werden, den Krieg zu beenden, weiß heute niemand – denn niemand kennt den wirklichen Zustand der russischen Wirtschaft und niemand weiß, wie lange Putin bereit ist, diesen Zustand zu ignorieren, solange ihm noch Ressourcen für den Krieg gegen unser Land zur Verfügung stehen.

Und aus dieser Sicht ist nicht entscheidend, dass die Vereinigten Staaten russische Handlungen gelegentlich selbst auf höchster Ebene verurteilen. Und nicht einmal, dass Präsident Donald Trump, der aus für niemanden nachvollziehbaren Gründen weiterhin von seinen guten Beziehungen zu Putin spricht – obwohl dieser sich offen über seinen amerikanischen Kollegen lustig macht –, von Zeit zu Zeit Enttäuschung über Putins Verhalten äußert. Der eigentliche Punkt ist: Der Verhandlungsprozess mit dem russischen Präsidenten treibt Putin zu härteren und entschlosseneren Maßnahmen gegen die Ukraine. Das muss jeder verstehen, der die heutige Politik verfolgt.

Das ist Ausdruck der russischen politischen Kultur. Wenn Russen sehen, dass man mit ihnen verhandeln will, sind sie überzeugt, dass sie noch brutalere Schritte gegen den Feind unternehmen müssen, um ihn zur Kapitulation zu zwingen.

Für den Westen sind Verhandlungen Teil einer Kultur, die Kriege und das Töten von Menschen beenden kann – und das hat auch Donald Trump selbst oft gesagt. Für Putin sind Verhandlungen ein Zeichen von Schwäche und ein Anlass, die Eskalation fortzusetzen und weiter zu töten, um das angegriffene Land zur Kapitulation und seine Verbündeten zur Einstellung der Hilfe zu zwingen.

Und man sollte nicht glauben, dass Putin aus diesem Verhandlungsprozess nicht schon Ziele erreicht hätte. Er hat sie erreicht. Dazu gehört, dass die Vereinigten Staaten – worauf Trump und seine Administration stolz verweisen – die Hilfe für die Ukraine eingestellt haben und uns nun Waffen nur noch verkaufen. Das ist einer der größten Fehler des „neuen alten“ amerikanischen Präsidenten. Dazu gehört auch, dass durch amerikanische Bemühungen die eingefrorenen Vermögenswerte der Russischen Föderation nicht beschlagnahmt wurden. Wie bekannt, überzeugten amerikanische Diplomaten die Europäer davon, dass ein solcher Schritt den erfundenen Friedensplan Trumps gefährden würde – einen Plan, den Russland ohnehin nicht umzusetzen gedenkt. Dazu gehören schließlich auch die Spaltungen unter den Verbündeten in der Frage der Beendigung des Krieges sowie die Notwendigkeit, Donald Trump ständig zu schmeicheln, damit er nicht auf die Seite seines russischen Amtskollegen wechselt.

Man kann daher klar sagen: Eine der Ursachen für Putins Brutalität und Beharrlichkeit ist gerade der von Donald Trump initiierte Verhandlungsprozess. Trumps Wunsch, mit dem russischen Präsidenten zu sprechen und Putin aus der internationalen Isolation herauszuführen, ist entscheidend. Trump glaubte offenbar, dass die Weigerung von Präsident Joe Biden, nach Beginn des groß angelegten Krieges gegen die Ukraine mit Putin zu sprechen, der Grund dafür sei, dass Putin den Krieg fortsetze – während ein Dialog ihn zum Aufhören bewegen würde.

Nun, wie in so vielen anderen Fällen hat Trump einen grundlegenden und schweren Fehler begangen – dessen Folgen wir heute alle zu spüren bekommen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: США звинувачують Росію | Віталій Портников. 13.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 13.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Das „Oreschnik“-Signal | Vitaly Portnikov. 12.01.2025.

https://hromada.us/uk/articles/2026/01/12/the-oreshnik-signal?fbclid=IwZnRzaAPTL3lleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeIeQY_OUSrmcmt57E3X-R8omgtD-f6UtlbEWUbmeqXcWe8P-JuKntpTwOlNM_aem_1YUz26sc6_1biC3U53965w

Ein weiteres barbarisches Bombardement Kyivs und anderer ukrainischer Städte durch die Russen – und in diesem Fall ist das Wort „barbarisch“ keine pathetische Übertreibung, denn es geht um den Versuch, Millionen Menschen auf dem Höhepunkt der Winterkälte Heizung und Wasser zu nehmen – wurde von einem Schlag mit dem berüchtigten russischen „Oreschnik“ gegen die Region Lwiw begleitet.

Es ist bereits der zweite derartige Angriff nach dem demonstrativen Schlag auf Dnipro. Offensichtlich war der erste Angriff dazu gedacht, zu zeigen: Russland verfügt über ein Waffensystem, das den Luftabwehrsystemen, die die Ukraine schützen, nicht unterliegt. Aber wozu dann der zweite?

Meiner Ansicht nach ist das in letzter Linie der Versuch, die Ukrainer einzuschüchtern. Die Ukrainer werden mit dem gesamten Arsenal an Mitteln, das Putin zur Verfügung steht, zur Kapitulation gezwungen – und der „Oreschnik“ spielt dabei längst nicht die Hauptrolle, verglichen mit dem menschenfresserischen Wunsch, Kyiv oder Odesa „einzufrieren“. Aber die Europäer will Putin erschrecken.

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass Putin ein schnelles Ende des Krieges nicht weniger, vielleicht sogar mehr wünscht als Trump oder die Ukrainer. Er kann sich der schwierigen Lage seiner Wirtschaft und der enormen Verluste der russischen Armee an der ukrainischen Front nicht entziehen. Doch der russische Machthaber will, dass der Krieg zu seinen Bedingungen endet – zu Bedingungen der Kapitulation der Ukraine.

Und Putin kann durchaus glauben, dass gerade die Europäer mit ihrer Bereitschaft, der Ukraine zu helfen, diesen Traum verhindern. Die Entscheidung der EU, der Ukraine einen Zuschuss von 90 Milliarden Dollar zu gewähren – Gelder, die es der Ukraine ermöglichen werden, die nächsten zwei Jahre durchzuhalten – war für den russischen Präsidenten eine unangenehme Überraschung. Ebenso wie die Bereitschaft der führenden europäischen Länder, weiterhin über ein eigenes Militärkontingent auf ukrainischem Boden zu diskutieren.

Zwar ist derzeit noch von einer Stationierung dieser Truppen erst nach einem Friedensabkommen und einem Waffenstillstand die Rede. Doch niemand weiß, wie sich die Situation entwickeln wird, wenn endgültig klar wird, dass Putin gar keinen Frieden will. Deshalb muss der russische Präsident dafür sorgen, dass die Europäer bis dahin eingeschüchtert sind und nicht einmal mehr von irgendeiner militärischen Präsenz zu träumen wagen.

Und natürlich ist das auch ein Signal an Trump – damit der amerikanische Präsident nicht einmal daran denkt, irgendwelche Friedensbedingungen mit Volodymyr Zelensky und den europäischen Führern abzustimmen. Er soll begreifen: Verhandelt werden muss nur mit Putin und ausschließlich zu dessen Bedingungen. Und Zelensky sowie die Europäer sollen einfach über das informiert werden, worauf sich Putin und Trump geeinigt haben, und gezwungen werden, diesen Vorschlägen zuzustimmen. Andernfalls – Krieg und „Oreschnik“.

Ich behaupte natürlich nicht, dass Putin blufft. Den Gegner zu unterschätzen – und erst recht seine Unberechenbarkeit und Verbissenheit – ist ein direkter Weg in Niederlage und Zusammenbruch. Putins Handlungen und Absichten müssen als reale und ernste Bedrohung verstanden werden. Und als Drohung.

Aber auch Drohungen kann man unterschiedlich begegnen. Man kann sich fürchten und versuchen, auf den Bedingungen des Aggressors zu einem Einvernehmen zu kommen. Oder man kann eigene Signale der Stärke finden – zumal Putin auf solche Signale in der Regel keine wirkliche Antwort hat.

Er konnte seinem Verbündeten Baschar al-Assad, der aus Syrien Hals über Kopf nach Moskau fliehen musste, nicht helfen. Er konnte auch seinem Verbündeten Nicolás Maduro nicht helfen, der sich vor Gericht in New York wiederfand. Und erinnern wir uns daran, wie er 2014 seiner jämmerlichen Marionette Viktor Janukowytsch nicht helfen konnte, als dieser bis nach Rostow davonlief.

Wenn man also mit Putin in der Sprache von Druck, Sanktionen und der Zerstörung seiner Energiekonzerne spricht – dann versteht er das.

Wenn er jedoch sieht, dass man versucht, mit ihm zu verhandeln – dann startet er den „Oreschnik“ nahe den europäischen Grenzen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Сигнал «Орєшніком». Віталій Портников. 12.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die ukrainische Flagge über Kupjansk | Vitaly Portnikov. 12.01.2025.

Die Kämpfer der Brigade „Chartija“ haben die Flagge über dem Rathaus der ukrainischen Stadt Kupjansk gehisst und setzen die Säuberung der Stadt von den russischen Invasoren fort. Das hat eine symbolische Bedeutung vor dem Hintergrund des bekannten Berichts des Chefs des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation und Leiters der sogenannten „Spezialoperation“ in der Ukraine, General Waleri Gerassimow, der noch vor einigen Monaten dem russischen Präsidenten Putin die Einnahme von Kupjansk gemeldet hatte. Doch es kam anders als gedacht. Es stellte sich heraus, dass die Ressourcen der ukrainischen Streitkräfte – zumindest zum heutigen Zeitpunkt – ausreichen, um diesen aggressiven Versuchen der Russen entgegenzutreten.

Kupjansk ist für Putin nicht einfach nur eine weitere Stadt in der Region Charkiw. Es ist ein Beweis dafür, dass Russland in Regionen außerhalb der sogenannten Annexionzone Gebiete erobern kann. Und es ist die Vorbereitung auf eine neue Annexion. Man sollte daran erinnern, dass russische Truppen Kupjansk im Jahr 2022 nach der Besetzung zum „zeitweiligen Gebietszentrum“ der Region Charkiw erklärten – nicht zufällig. Kupjansk sollte zur Basis für ein weiteres Scheinreferendum werden.

Ohne das mutige Handeln der ukrainischen Streitkräfte habe ich keinen Zweifel, dass die gefälschten Referenden, die in den Regionen Saporischschja und Cherson stattfanden und zur Ausrufung der besetzten Gebiete dieser ukrainischen Regionen als „unabhängige Staaten“ mit anschließender Annexion durch Russland führten, ebenso in Kupjansk durchgeführt worden wären. Und natürlich hätte die Russische Föderation bei allen Verhandlungen danach nicht nur Ansprüche auf die Gebiete der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson, Saporischschja und der Autonomen Republik Krim erhoben, sondern auch auf das Gebiet der Region Charkiw und selbstverständlich die Übergabe der Gebietshauptstadt Charkiw verlangt – unter dem Vorwand, dass die Bewohner der Region Charkiw für einen eigenen unabhängigen Staat und dessen Anschluss an Russland gestimmt hätten.

Natürlich hat das nichts mit internationalem Recht oder gesundem Menschenverstand zu tun. Doch wir haben längst gelernt, dass der russische Präsident weder innerhalb des internationalen Rechts handelt noch sich für gesunden Menschenverstand interessiert – ihn interessiert ausschließlich Macht. Und seitdem im Oval Office ein Präsident der Vereinigten Staaten sitzt, der bereit ist, mit Putin sogar über den russischen Status der besetzten Krim und sogar über den Abzug ukrainischer Truppen aus jenen Gebieten der Region Donezk zu sprechen, die von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert werden – was hätte Putin davon abhalten sollen, auch noch die Region Charkiw zu fordern?

Doch wie wir sehen, wurden diese Pläne der russischen Besatzer in den Jahren 2022–2023 von den Verteidigungskräften der Ukraine vereitelt. Und Gerassimow suchte lange nach Möglichkeiten, eine neue Offensive in der Region Charkiw zu beginnen.

Kupjansk sollte die Stadt werden, in der erneut eine regionale Besatzungsverwaltung ihre Arbeit aufnehmen würde – eine Stadt, in der ein neues Referendum über die Ausrufung eines „unabhängigen Staates Region Charkiw“ und dessen Beitritt zur Russischen Föderation vorbereitet worden wäre.

Genau das, so scheint mir, sind Putins Pläne für das neue Jahr 2026. Nein, nicht das Ende der Kampfhandlungen. Nein, nicht irgendwelche Vereinbarungen mit Donald Trump über einen Waffenstillstand – sondern ein neues Referendum und neue Ansprüche auf eine weitere ukrainische Region.

Das ist die Logik von Putins Abnutzungskrieg: nicht nur seine barbarischen Angriffe auf ukrainische Städte, nicht nur der Versuch, die Ukrainer zu erfrieren und ihnen die Energieinfrastruktur zu nehmen, nicht nur Forderungen nach Übergabe von Gebieten, die Moskau nicht kontrolliert – sondern auch neue Referenden, neue Annexionen und natürlich neue Föderationssubjekte in der russischen Verfassung.

Ein Imperium wie Putins Staat kann seinen eigenen Bürgern seinen Sinn nur beweisen, wenn es sein Territorium erweitert. Das rechtfertigt die Verschärfung des Totalitarismus, neue Kriege gegen Nachbarstaaten und auch die Verschlechterung des Lebens der einfachen Russen. Denn was zählt der Lebensstandard, wenn das Territorium wächst? Davon wurden die Russen überzeugt – seit den ersten Jahrzehnten des Moskauer Zarenreiches, des Russischen Imperiums und der Sowjetunion. 

Und schließlich ist Putin zu dem zurückgekehrt, wozu der russische Staat immer existierte: nicht damit die Menschen gut leben, nicht damit sie Zukunftsperspektiven haben, sondern um neue Gebiete zu erobern, die Nachbarn zu vertreiben, sich an ihrer Stelle anzusiedeln und all in Zerstörung und Rückständigkeit zu stürzen.

Dass das in Kupjansk zumindest heute nicht gelingt, ist eine echte Heldentat der ukrainischen Verteidigungskräfte, eine echte Heldentat der Chartija und aller anderen ukrainischen Soldaten, die für die Region Charkiw kämpfen. Es ist der Beweis dafür, dass alle Putinschen Bemühungen zur territorialen Ausdehnung und Annexion letztlich vergeblich sind.

Und selbst wenn Donald Trump weiterhin amerikanische Journalisten davon zu überzeugen versucht, dass die Ukraine keine Karten in der Hand habe und ihre einzige Karte darin bestehe, dass der amerikanische Präsident jederzeit bereit sei, Putin anzurufen und ihm sogar zu applaudieren, wie es in Anchorage geschehen ist – in Wahrheit ist die wichtigste Karte der Ukraine ganz etwas anderes. Es ist nicht Trump mit seinen widersprüchlichen Ideen und seiner völligen Missachtung des internationalen Rechts, die sich praktisch während seines gesamten Aufenthalts im Oval Office zeigt. Die wichtigste Karte der Ukraine sind ihre Streitkräfte und ihre Bürger, die bereit sind, für die Existenz und Rettung des ukrainischen Staates zu kämpfen.

Und genau das kann Putin offenbar nicht einrechnen. Denn ein russischer Präsident, der seine eigenen Landsleute zu Menschen gemacht hat, die keinen Einfluss auf die Ereignisse in ihrem eigenen Land haben, glaubt, dass es mit den Ukrainern genauso kommen wird – und dass jene Gebiete, die er Russland einverleiben will, früher oder später in die Hände seiner Armee fallen. Und diese Armee ist sogar bereit, Putin schon vorab von Erfolgen zu berichten – nur um dann festzustellen, dass sie sich selbst getäuscht hat. Und die ukrainische Flagge über dem Rathaus von Kupjansk ist ein guter Beweis für dieses Fiasko der Gerassimow’schen Lügen und Propaganda.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Український прапор над Куп’янськом | Віталій Портников. 12.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


1418: die Zahl von Putins Niederlage | Vitaly Portnikov. 12.01.2025.

„Ich habe im Krieg keine Tagebücher geführt. Doch 1418 feurige Tage und Nächte werde ich nicht vergessen.“

Diese Worte, mit denen die sogenannten Memoiren des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU Leonid Breschnew, „Kleines Land“, begannen, kennt jeder, der die sowjetische Epoche durchlebt hat. Denn Breschnews Memoiren wurden im Fernsehen und im Radio vorgelesen und sogar in der Schule behandelt.

Damit verlieh der damalige Führer des sowjetischen Staates den 1418 Tagen, während derer der Zweite Weltkrieg auf dem Territorium der Sowjetunion tobte, eine zusätzliche sakrale Bedeutung. Und dieses Datum ist für viele bis heute sakral. Darüber spricht man heute in der Ukraine, darüber sprechen russische Propagandisten, darüber spricht man auch im Westen.

Nach 1418 Tagen war der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Das nationalsozialistische Deutschland hatte vor den Alliierten kapituliert. Die Truppen der Sowjetunion, Großbritanniens und der Vereinigten Staaten standen auf deutschem Territorium, und die Regierung Deutschlands war gezwungen, den Widerstand einzustellen.

Nach 1418 Tagen des russischen Krieges gegen die Ukraine können wir hingegen von keinerlei realem Ergebnis sprechen. Wie wir sehen, greifen russische Truppen weiterhin in der Region Donezk an – dort, wo ihre Offensive nicht erst 2022, sondern bereits 2014 begann, als die ersten Saboteure auf Befehl Putins in die Ukraine kamen, um unseren Staat zu destabilisieren und schließlich zu zerstören. Die Ukraine hält den Schlägen der Raketenarmeen der Russischen Föderation stand, zerstört jedoch zugleich selbst den Ölraffineriekomplex und strategische Objekte Russlands.

Doch all das führt nicht zu einem wirklichen Wendepunkt im Krieg. Genau davon spricht der amerikanische Präsident Donald Trump, wenn er seinen russischen Amtskollegen fragt: „Was machst du seit vier Jahren in der Ukraine? Warum tötest du so viele Menschen? Solltest du nicht darüber nachdenken, dieses blutige Gemetzel zu beenden?“

Doch diese Gedanken erreichen ihren Adressaten kaum, denn Putin folgt einer völlig anderen Logik, wie kürzlich einer der führenden russischen Politologen, Fjodor Lukjanow, sagte: „Für die russische Führung ist der Krieg zu einem Zustand geworden, nicht nur zu einem Ziel.“

Im Zweiten Weltkrieg ging es darum, das Regime Hitlers zu vernichten und eine neue Weltordnung zu schaffen. Stalin glaubte, dass diese neue Ordnung zu seinem Vorteil sein würde.

Putin weiß, dass er ein Land führt, das den Wettbewerb mit der zivilisierten Welt verloren hat, das faktisch zu einem Satelliten des benachbarten China wird und das den Vereinigten Staaten und Europa in Friedenszeiten nichts Reales entgegensetzen kann. Doch im Krieg verwandelt sich Russland in einen echten geopolitischen Faktor.

Gerade deshalb ist für Russland heute ein langjähriger Abnutzungskrieg wichtig. Und wenn es ein Kriegsende geben soll, dann nur eines, das die ukrainische Staatlichkeit zerstört und es ermöglicht, anderen Ländern zu drohen – also den Krieg auf andere Fronten auszudehnen.

Wenn wir also sagen, Putin sei an einem schnellen Ende des Krieges durch die Kapitulation der Ukraine interessiert, dann nicht, um Frieden in Europa zu schaffen, sondern um ukrainische Bürger in neue und neue Kriege zu treiben, an denen die Russische Föderation interessiert ist.

Lukjanow erinnert an die jahrzehntelangen Kriege zwischen Russland und Schweden. Man kann auch die Kriege zwischen Russland und dem Osmanischen Reich erwähnen. Oder den Dreißigjährigen Krieg in Europa. Das ist genau jener sogenannte Kriegszustand, der im 21. Jahrhundert völlig anachronistisch und fehl am Platz erscheint. Doch auch die russische Staatlichkeit selbst ist heute anachronistisch.

Deshalb berufen sich ihre Führer so oft auf eine ferne Vergangenheit und blicken nicht in die Zukunft. Deshalb kann der Abnutzungskrieg gegen die Ukraine aus Putins Sicht so viele Jahre dauern, wie nötig sind, um diesen Kriegszustand aufrechtzuerhalten und das Ziel zu erreichen, Russland wieder an die Grenzen der Sowjetunion von 1991 zu führen.

Aus dieser Perspektive sind 1418 Tage Krieg, in denen Moskau seine imperialistischen Ziele nicht erreichen konnte, für den russischen Präsidenten keine sakrale Zahl, kein Zeichen einer Niederlage Russlands und nicht einmal ein neuer Abschnitt, sondern nur der Anfang jener Ereignisse, die beweisen sollen, dass Russland nur im Zustand des Krieges seine Feinde besiegen und ihnen einen Dialog aufzwingen kann.

Und tatsächlich: Noch vor wenigen Jahren, in den ersten Jahren dieses grausamen Krieges, hätte niemand gedacht, dass der Präsident der Russischen Föderation in die Vereinigten Staaten fliegen würde und der Präsident der Vereinigten Staaten dem russischen Führer – einem Kriegsverbrecher und Mörder – applaudieren würde. Doch 2025 haben wir alle diesen Applaus gesehen. 

Auch Putin sah ihn und überzeugte sich davon, dass der Kriegszustand das ist, was ihn zu einem realen Partner Donald Trumps macht. Und jeder neue Monat von Verhandlungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, die zu nichts Reellem führen, wird den russischen Präsidenten nur noch mehr in der Überzeugung bestärken, dass er die Kampfhandlungen fortsetzen muss, um unser Land zu zerstören und die Ukrainer aus den Grenzen ihres Staates und ihrer ethnischen Gebiete zu verdrängen.

Gibt es einen wirklichen Ausweg aus dieser Situation, die vielen längst völlig ausweglos erscheint und die am 24. Februar 2022 in eine echte Sackgasse geraten ist? Natürlich gibt es ihn. Und ich erinnere immer wieder daran.

Dann, wenn die Russische Föderation ihre realen materiellen und demographischen Ressourcen für die Fortsetzung des Krieges gegen die Ukraine verliert, kann man davon sprechen, dass wir uns in einem Tunnel befinden, in dem Licht erscheint – das Licht eines Friedensprozesses.

Damit dies geschieht, muss – wie ihr versteht – alles getan werden, um wirtschaftlichen und politischen Druck auf Russland auszuüben: die Zerstörung seiner Ölraffinerien, Sanktionen gegen den Ölverkauf, die Festsetzung russischer Tanker. All das arbeitet gegen Präsident Putin und seinen Wunsch, den Kriegszustand über lange, bittere Jahrzehnte aufrechtzuerhalten.

Deshalb sollte man, wenn man über diese 1418 Tage spricht, nicht über Zahlen nachdenken, sondern über die Möglichkeiten weiteren Drucks auf Russland und Putin: über die Zerstörung politischer Autoritäten in der russischen Führung, die an einen Dialog mit den Vereinigten Staaten glauben, über die Zerstörung des wirtschaftlichen – also des energetischen – Potenzials Russlands und natürlich über die Verringerung der Zahl derjenigen, die bereit sind, für Geld Ukrainer zu töten.

Und dann werden wir sagen können, dass wir uns dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges nähern.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: 1418: число поразки Путіна | Віталій Портников. 12.01.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 12.01.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.