Was kommt als Nächstes mit dem „Friedensprozess“ | Vitaly Portnikov. 

In den letzten Wochen und natürlich auch in dieser letzten Woche haben wir ziemlich gründlich den Verhandlungsprozess verfolgt, der im Rahmen der unerwarteten Veröffentlichung in den amerikanischen Medien dieses Friedensplans stattfindet, der – wie wir wissen – buchstäblich vor ein paar Wochen auf den Seiten der amerikanischen Medien erschienen ist und sich als eine sehr unerwartete Entwicklung herausgestellt hat, sogar, wie mir scheint, für die Administration von Donald Trump. Denn alle aktiven Schritte zur Umsetzung dieses Plans begannen genau in dem Moment stattzufinden, als dieser Plan im Portal Axios veröffentlicht wurde.

Und ich habe immer noch die Frage: Was wäre passiert, wenn dieser Plan nicht veröffentlicht worden wäre? Hätten dann solche intensiven Friedensverhandlungen begonnen? Hätte Donald Trump begonnen, sich zu diesem Plan zu äußern und ihn zu unterstützen? Denn wir sehen ja, dass wir es mit einem ziemlich unausgereiften Dokument zu tun haben, das – und das ist das Wichtigste, wie mir scheint – überhaupt nicht abgestimmt worden war, weder mit Kyiv noch mit der Europäischen Union, nicht getestet an der Reaktion der Russen, nicht solcher Leute wie Kirill Dmitriev, sondern solcher, die tatsächlich Entscheidungen treffen. Das heißt, Wladimir Putin.

Und wie sich die Ereignisse entwickelt hätten, wenn es dieses Leak dieses Plans, offensichtlich von Kirill Dmitriev in die amerikanischen Medien, nicht gegeben hätte, wissen wir nicht. Aber jetzt entwickeln sie sich eben so, wie sie sich entwickeln. Und unsere heutige Sendung wird gewissen Ergebnissen dieses Prozesses gewidmet sein, weil es tatsächlich im Verlauf der ganzen Woche solche Zwischenbilanzen gegeben hat.

Ein Versuch, irgendwelche Ergebnisse zu erreichen, war die Reise von Steve Witkoff und Jared Kushner in die russische Hauptstadt. Es gab mehrere Verhandlungsrunden zwischen den amerikanischen Vertretern und der ukrainischen Delegation unter Leitung von Rustem Umjerow. Und gestern, wie wir uns erinnern, schaltete sich auch Volodymyr Zelensky per Videokonferenz in diese Verhandlungen ein. Morgen werden Gespräche mit den europäischen Spitzenpolitikern stattfinden, die Volodymyr Zelensky in London führen wird.

Emmanuel Macron ist offenbar auf der Suche nach neuen Wegen, Druck auf die Russische Föderation auszuüben, erfolglos nach Peking geflogen. Wie man aus der Reaktion des französischen Präsidenten entnehmen kann, hat der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping, jene Vorschläge, die von den europäischen Führern im Zusammenhang mit der Notwendigkeit der Beendigung des Krieges Russlands gegen die Ukraine unterbreitet werden konnten, nicht ernsthaft aufgenommen.

Was haben wir am heutigen Tag? Auf der einen Seite haben wir optimistische Beteuerungen buchstäblich von allen Seiten. So spricht der Präsident der Ukraine. So sprechen europäische Beamte. So spricht Donald Trump. So spricht Keith Kellogg und andere Vertreter der amerikanischen Administration, dass der Frieden gleichsam ganz nah sei und man buchstäblich in ein paar Wochen ein Ergebnis erreichen könne, dass nur noch einige wenige grundlegende Fragen übrig seien, an denen gearbeitet werde, dass die Distanz zum Frieden noch nie so kurz gewesen sei.

Auf der anderen Seite sehen wir, dass es keinerlei reale Beweise dafür gibt, dass die Russische Föderation diese Verhandlungen überhaupt ernst nimmt. Daher ist vollkommen unklar, mit wem die Ukraine, die Vereinigten Staaten, die Europäische Union überhaupt gedenken, einen Frieden auszuhandeln. In dieser Lage würde ich sagen, dass solche Informationen vor allem die ukrainische Gesellschaft destabilisieren. Und wenn Putin das Ziel dieses pseudo-friedensplanerischen Vorhabens nicht nur darin sah, Sanktionen gegen die Ölunternehmen der Russischen Föderation zu verhindern, sondern auch neue Schritte zur Destabilisierung der Ukraine zu unternehmen, kann man sagen: Das funktioniert.

Denn viele Menschen, die diesem Friedensprozess folgen, wünschen sich irrational, dass der Krieg endet und wollen sich nicht eingestehen, dass wir erst in den ersten Jahren dieses Krieges leben. Und natürlich wollen diejenigen, die überzeugend darlegen, dass der Krieg noch vier Jahre dauern kann, sie nicht nur nicht anhören, sondern nicht einmal hören. Zumal aus der Sicht eines Menschen, der sich in Politik nicht auskennt – und wir müssen im Übrigen daran denken, dass wir von Leuten regiert werden, die sich in Politik nicht auskennen.

„Wenn sich schon solche ernsthaften Führer wie der Präsident der Vereinigten Staaten so intensiv mit diesem Problem beschäftigen, mit dem Präsidenten der Russischen Föderation in Kontakt stehen, mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China in Kontakt stehen – das kann doch kein weißes Rauschen sein.“ Doch, es kann weißes Rauschen sein, wenn das Ziel des Präsidenten der Russischen Föderation, ich würde sagen eines ziemlich starken Taktikers, eben dieses weiße Rauschen ist; dann wird es weißes Rauschen geben.

Wir versuchen uns einzureden, dass das Hauptproblem des Friedensplans zum jetzigen Zeitpunkt – wie übrigens auch die Amerikaner und Europäer sagen – in den territorialen Zugeständnissen und in Sicherheitsgarantien liege. Und man muss kein großer Spezialist sein, um zu verstehen, dass das alles nicht der Wirklichkeit entspricht.

Die territorialen Zugeständnisse konzentrieren sich auf die Frage des Abzugs der ukrainischen Truppen vom Gebiet der Oblast Donezk. Und das soll gewissermaßen zur realen Bedingung für die Einstellung der Kampfhandlungen werden, was an sich schon aus Sicht der russischen Position unlogisch erscheint, denn Russland spricht ja konsequent von der Notwendigkeit, das sogenannte Nazi-Regime in Kyiv zu vernichten.

Wenn die ukrainischen Streitkräfte aus der Oblast Donezk abgezogen werden, und auf allen anderen Abschnitten der Front der Status quo erhalten bleibt, hieße das, dass das sogenannte Nazi-Regime weiter existiert und dass Russland das Wichtigste nicht erreicht hat – die Zerstörung dieses Regimes und die Verwandlung der Ukraine in diesen von ihnen erträumten Satellitenstaat oder gar in ein Gebiet der Russischen Föderation. Dann müsste man eingestehen, dass die Russische Föderation vier Jahre lang für Kramatorsk und Slowjansk Krieg geführt hat.

Ebenso bleibt das Schicksal jener Gebiete der Oblaste Saporischschja und Cherson völlig unklar, die formell von der Russischen Föderation annektiert wurden, sich faktisch aber unter der Kontrolle der ukrainischen Armee befinden – einschließlich der Regionalzentren dieser Pseudosubjekte der Russischen Föderation, Saporischschja und Cherson. Wir müssen daran erinnern, dass diese Städte aus Sicht der russischen Verfassung Regionalhauptstädte russischer Regionen sind. Und Melitopol oder Nowa Kachowka sind die provisorischen Sitze der pseudo-regionalen Verwaltungen dieser Subjekte der Russischen Föderation. Das heißt, es stellt sich heraus, dass man die Truppen aus der Region Donezk abziehen kann – das sei eine Prinzipienfrage –, aber aus anderen annektierten Gebieten die Truppen nicht abzuziehen braucht.

Zwar betonen die Russen sofort, dass es sich um einen eingefrorenen Konflikt handele. Das heißt, sie schließen die Möglichkeit einer Wiederaufnahme des Konflikts zwecks „Befreiung“ dieser Gebiete von den ukrainischen Streitkräften in naher Zukunft nicht aus. Aber dann ist überhaupt nicht klar, von welchen Kriterien sie sich leiten lassen wollen, wenn sie in einem Subjekt der Russischen Föderation den Abzug der Truppen fordern und in anderen dies nicht tun.

Das heißt, wenn wir von einem Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Donbas sprechen, können für mich nur zwei Versionen entstehen, warum Putin davon spricht. Die erste Version ist für mich die offensichtlichste: dass das einzige Ziel des russischen Präsidenten darin besteht, den Präsidenten der Ukraine zu zwingen, offiziell die Tatsache anzuerkennen, dass die ukrainischen Truppen diese Gebiete verlassen, um so die Ukraine zu destabilisieren und ihr gesamtes Territorium im Verlauf der nächsten Monate infolge des Zusammenbruchs von Armee und Gesellschaft zu erobern. Denn der Präsident Russlands hofft auf einen Bürgerkrieg in der Ukraine oder auf eine Destabilisierung, die durch seine verdeckten Agenten ausgelöst wird, die nirgendwohin verschwunden sind.

Ich möchte Sie ebenfalls daran erinnern: Wenn Sie glauben, dass es bei uns keine russische Agentur mehr gibt – natürlich hat sich ein Teil davon gezeigt, als man ihnen 2022 sagte, sie sollten sich zeigen, aber ein Teil der Schläferagenten wird sich zwangsläufig 2026 auf verschiedensten Positionen und Ebenen zeigen, falls tatsächlich unter dem Druck Donald Trumps und seiner wunderlichen Administration die Ukraine dem Abzug der Truppen aus dem Donbas zustimmen sollte. Aber daran glaube ich nicht besonders. Sogar an ein solches Szenario der Ereignisse glaube ich nicht so recht. Destabilisierung ist der Hauptpunkt.

Stellen wir uns vor, dass Putin nicht auf Destabilisierung setzt, sondern tatsächlich den Abzug der ukrainischen Streitkräfte vom Gebiet der Oblast Donezk als Bedingung für einen Waffenstillstand fordern könnte. Warum? Weil wir uns möglicherweise nicht vollständig des Ausmaßes der Probleme bewusst sind, die in der russischen Wirtschaft und in den russischen Streitkräften entstanden sind, und glauben könnten, dass der Präsident Russlands seiner Armee Zeit zur Erholung geben möchte – für einen neuen Schlag gegen die Ukraine.

In dieser Situation wäre die Besetzung eines strategisch wichtigen Gebietes ohne Kampf, mit Festungsstädten, die die russische Armee noch jahrelang unter großen Verlusten erobern könnte, in einer Lage, in der es ihr bereits an Menschen fehlt, die man für Geld rekrutieren kann, während Putin eine allgemeine Mobilmachung zu veranstalten fürchtet, auch ein mögliches Szenario.

Aber man muss verstehen, dass dann ein Abkommen geschlossen würde, das erstens die Ukraine destabilisiert, weil die Ukrainer natürlich nur mit wenig Enthusiasmus akzeptieren werden, dass ihre Armee Gebiete verlässt, für die sie jahrelang gekämpft hat. Zweitens entstünden neue strategische Positionen für die russische Armee. Drittens würde dieses Abkommen ausreichend Klauseln enthalten, die später als ukrainische Vertragsverletzungen interpretiert werden könnten, um einen neuen Angriff der russischen Armee von weitaus komfortableren Positionen aus zu starten als denen, die sie heute einnimmt.

Und außerdem erinnere ich noch einmal daran, dass es selbst in einem solchen Friedensabkommen offensichtlich wäre, dass der Konflikt um die Oblaste Saporischschja und Cherson eingefroren bliebe. Und selbst wenn in irgendeinem Friedensabkommen stünde, dass die Seiten sich verpflichten, dieses Problem auf friedlichem Wege zu lösen, verstehen Sie genau, dass es der Russischen Föderation völlig egal ist, was irgendwo geschrieben steht. Und wenn wir hören, dass, sollte sie diese Bestimmungen des Friedensabkommens verletzen, Donald Trump sehr böse auf sie würde – na, machen Sie sich bitte nicht lächerlich.

Sie haben doch gesehen, wie Donald Trump „böse“ wird. Nichts als offener Spott und Verachtung ruft dieser Mensch beim Präsidenten der Russischen Föderation, bei der politischen und militärischen Führung Russlands hervor. Und wie Putin in Wirklichkeit zu Trump, den Trumpisten und Trumps Umfeld steht, konnte man sehen, als er ganz selbstbewusst zu einem Treffen mit Trumps eigenem Schwiegersohn zu spät kam, der zwei Stunden lang auf ihn warten musste. Und das war eine völlig bewusste Demütigung, denn wir wissen ja bestens, dass Putin ausschließlich vorsätzlich zu spät kommt.

Wenn er irgendwelche Menschen wirklich respektiert und mit ihnen einen ernsthaften Dialog führen möchte, zwingt er sie nicht, im Vorzimmer auf ihn zu warten. Können Sie sich Putin vorstellen, der zu einem Treffen mit Xi Jinping zu spät kommt? Können Sie nicht? Nun, dann müssen Sie den Platz von Kushner und Witkoff auf der politischen Landkarte der Russischen Föderation verstehen – im Vorzimmer vor dem Büro des Präsidenten der Russischen Föderation. Ich bin sicher, dass diese Leute nie und nimmer im Ruheraum des Präsidenten der Russischen Föderation waren und auch nie dort sein werden. Das ist ein „Zarenplatz“, zu dem solche, ich würde sagen, Geschäftemacher seriöse Tschekisten nur in gefrorenem Zustand zulassen, um den Zustand der Leiche zu begutachten. Das ist alles, was man wissen muss.

Aber die Leute beginnen zu glauben. Eine riesige Zahl von Menschen. Vergessen Sie nicht, dass wir es genau mit jener Bevölkerung zu tun haben, die 2019 für illusorische Vereinbarungen mit Russland gestimmt hat. Die überwiegende Mehrheit der Menschen beginnt zu glauben, dass man durch den Verlust von Territorium Frieden erreichen kann. Und genau das ist es, was Putin braucht.

Jetzt zur zweiten Frage, die ebenfalls als ziemlich ernsthaft diskutiert wird – die Frage der Sicherheitsgarantien. Man kann sich einfach nicht auf Sicherheitsgarantien einigen. Was mir ebenfalls wie ein absolut irrealer Bewusstseinsstrom vorkommt. Wir haben doch über die letzten Jahrzehnte stets gesagt, dass die einzige reale Sicherheitsgarantie in Europa der NATO-Beitritt eines europäischen Landes ist. Und wie klug waren unsere Nachbarn, dass sie in jener Zeit, die wir auf das Wählen prorussischer Politiker, Sozialisten, Kommunisten und oligarchischer Parteien in die Werchowna Rada verwendet haben, auf andere Scherereien, mit denen sich die ukrainischen Wähler in den 1990ern und zum Teil in den 2000ern beschäftigt haben – mit Ausnahme der Wahlen nach den beiden Revolutionen, die Wahlen nach Revolutionen zählen ja nicht –, in dieser ganzen Zeit, wie ich sagen würde, eine Stabilität im Verständnis dessen herrschte, was mit uns geschieht.

Nun, all diese Länder sind der NATO beigetreten. Aber jetzt habe ich eine Frage: Hat irgendjemand eine Garantie, dass im Falle eines Angriffs Russlands, dieser nuklearen Supermacht unserer Zeit, des größten Atomstaates der heutigen Welt und einzigen solchen nuklearen Superstaates in Europa, eine andere große nukleare Supermacht – die Vereinigten Staaten –, die sich nicht in Europa befindet, bereit sein wird, die europäischen Länder vor diesem Ansturm zu verteidigen?

Bis zum Erscheinen Donald Trumps im Oval Office im Jahr 2025 waren sich alle absolut sicher, dass die euroatlantische Solidarität funktioniert. Selbst die erste Amtszeit Donald Trumps, ebenfalls völlig nicht auf den Nutzen der NATO ausgerichtet, hat den Europäern das Vertrauen in den morgigen Tag erhalten. Vielleicht, weil es den russisch-ukrainischen Krieg nicht in einem solchen Ausmaß gab. Und als Donald Trump damals von der Notwendigkeit sprach, dass die NATO-Staaten das Bündnis finanzieren und ihre Beiträge erhöhen müssten, sprach er selbst von Solidarität in dieser Frage.

Jetzt aber, wenn wir die Nationale Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten aufmerksam lesen, können wir Lettland, Litauen, Estland und Polen keine Garantie geben, dass die Vereinigten Staaten für sie kämpfen werden, falls Russland sie angreift. Und Russland weiß das. Wir sehen, dass die Idee Donald Trumps selbst, die Idee der ultrarechten politischen Kräfte in den USA, die man vor hundert Jahren postfaschistisch oder faschistisch genannt hätte – nennen wir die Dinge bei ihrem Namen –, darin besteht, die Vereinigten Staaten nicht einmal in den Anfang des 20., sondern ins 19. Jahrhundert zurückzuführen, als Lateinamerika die einzige Interessenssphäre der Vereinigten Staaten war.

Und das funktioniert heute ebenfalls nicht, weil die Vereinigten Staaten damals der einzige wirtschaftliche Hegemon des Kontinents waren, während heute China eine vollständige wirtschaftliche Alternative zu den Vereinigten Staaten in Lateinamerika ist. Und jene Länder, die ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Amerika zurückfahren, werden automatisch ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit mit der Volksrepublik China ausbauen.

Wenn wir also von der amerikanischen Kanonenbootdiplomatie des 19. Jahrhunderts sprechen, müssen wir immer daran denken, dass diese militärische Diplomatie erstens durch die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Vereinigten Staaten und die Expansion ihrer Unternehmen abgesichert war, für die es heute eine Alternative gibt, und zweitens dadurch, dass sich die Vereinigten Staaten damals überhaupt nicht um Demokratie scherten und bereit waren, jede Diktatur zu unterstützen, die ihren Interessen entsprach, und sogar neue Staaten zu schaffen, die ihren Interessen entsprachen. So ist Panama auf der politischen Landkarte der Welt entstanden.

Heute funktioniert das nicht. Heute gilt: Selbst wenn man die Ukraine tatsächlich erobern und irgendeine Form der Kontrolle über sie etablieren möchte – was früher den Prinzipien der amerikanischen Politik nicht entsprach; früher befreiten die Amerikaner von Diktaturen, wie im Irak –, aber wer weiß, wie es unter Trump sein wird, so muss man in jedem Fall dort freie Wahlen abhalten. Und freie Wahlen führen längst nicht zwingend jene Administration an die Macht, die einem gefällt, zumal man selbst mit eigenen Händen alle Instrumente der „Soft Power“ zerstört hat. Auch das funktioniert also nicht.

Aber nochmals: Wenn die NATO als Sicherheitsgarant für Europa, zumindest für Mitteleuropa, nicht mehr funktioniert, welche Sicherheitsgarantien sollen uns dann die Amerikaner geben? Langstreckenraketen? Geld für eine neue Verteidigung, das sie uns jetzt nicht geben wollen, während wir Krieg führen? Was soll es geben, das die größte nukleare Supermacht der Menschheitsgeschichte von einem neuen Angriff abhält, wenn die andere Supermacht nicht mit ihr Krieg führen will, sich vor einem Atomkrieg fürchtet?

Und das betrifft nicht nur Trump. Was soll es in der Ukraine geben, das die putinsche Russische Föderation derart erschrecken würde, die sich überhaupt nicht um Verluste schert und mit kühler Gelassenheit auf ukrainische Angriffe auf Belgorod oder andere russische Städte blickt, diese Angriffe als direkten Beweis für die Russen wertend, dass die Ukraine eine Quelle der Instabilität ist und der Krieg mit ihr fortgesetzt werden müsse, bis dieser Staat, der den Russen nicht erlaubt, friedlich zu leben und Neujahr zu feiern, liquidiert ist?

Deshalb muss man die Wahrheit sagen: Unter Bedingungen, in denen die Vereinigten Staaten nicht vorhaben, real an der Verteidigung ihrer Verbündeten und Partner teilzunehmen, sind all ihre Sicherheitsgarantien ausschließlich auf dem Papier. Es existieren in der Realität keinerlei Sicherheitsgarantien, die die Ukraine vor Russland schützen könnten. Mit zwei Ausnahmen: Entweder der direkte Kriegseintritt der Vereinigten Staaten mit möglichem Einsatz eines nuklearen Faktors in diesem Krieg, oder die wirtschaftliche und politische Destabilisierung der Russischen Föderation mit der Erzeugung einer inneren Krise von solcher Kraft, dass die Russen eine gewisse Zeit mit diesen Problemen beschäftigt sein werden.

Das ist keine Garantie dafür, dass es keinen Krieg Russlands gegen die Ukraine geben wird. Es ist eine Garantie für eine Pause im Krieg Russlands gegen die Ukraine, für die Dauer dieser komplizierten innenpolitischen Periode wird Russland nicht gegen die Ukraine kämpfen. Aber wenn es sich erholt und wieder in einen „normalen“ Zustand kommt, wird es sich erneut auf die Eingliederung dieses Territoriums vorbereiten. Damit darüber niemand Zweifel habe.

Das Einzige, was wir vielleicht in dieser Zeit tun können, ist, ein hinreichend starker Staat zu werden, Mitglied der NATO und der Europäischen Union zu werden, falls sich diese russische Krise hinzieht, sodass es weder Trump noch Trumpismus mehr geben wird und diese Ideologie selbst verurteilt sein wird und sich die Vereinigten Staaten zu ihren Werten zurückbesinnen – aber das alles sind Hoffnungen, keine Prognosen.

Also liegen die Probleme der Friedensvereinbarung in Wirklichkeit nicht darin. Das Problem der Friedensvereinbarung, Freunde, besteht darin, dass überhaupt dieses idiotische Friedensabkommen diskutiert wird. Während darüber gesprochen werden müsste, die Feuerpause entlang der Front zu erreichen. Ich wiederhole noch einmal das, was ich in allen Sendungen gesagt habe und nicht müde werde zu wiederholen: Wenn Sie hören, dass jemand ein Friedensabkommen verhandelt, müssen Sie das als Diagnose verstehen, dass der Krieg weitergehen wird. Die einzige Möglichkeit zu verstehen, dass der Krieg zu Ende geht, ist die Bereitschaft der Parteien, die Einstellung des Feuers an der russisch-ukrainischen Front zu diskutieren.

Nicht unbedingt entlang der aktuellen Frontlinie. Die Russische Föderation kann als Bedingung für einen Waffenstillstand ebenfalls den Abzug der ukrainischen Streitkräfte etwa aus den Oblasten Donezk, Saporischschja und Cherson fordern. Und wir können dagegen sein. Wir können fordern, dass die russischen Truppen sich von irgendwo zurückziehen, und sie können sich weigern und erklären, dass sie das nicht tun werden.

Aber die Logik darf nicht die Logik eines Friedensvertrages sein. Das ist genau das, was man in der Ukraine, wie mir scheint, überhaupt nicht verstehen wollte, weil man die ganze Zeit sagte: „Wie? Wir stellen das Feuer ein, und dann greifen sie uns wieder an.“ Ja, natürlich. Es kann eine Serie russisch-ukrainischer Kriege der 20er bis 40er Jahre dieses Jahrhunderts geben.

Das hier kann nur der erste Krieg sein. Die Ukraine kann in eine Phase wie Israel eintreten – mit ewigen Kriegen, ständigen Mobilmachungen, Eroberungen ukrainischer Gebiete, Befreiungen ukrainischer Gebiete. All das ist möglich, aber wir können jetzt nicht in die Geschichte schauen. Die Israelis wussten 1948, als sie um ihre Unabhängigkeit kämpften, nicht, was 1956 oder 1967 sein würde. Und jeder Krieg stellte die Existenz des jüdischen Staates als solchen infrage.

Vielleicht werden irgendwann unsere Kinder oder Enkel einen Krieg gewinnen, der einen Punkt hinter die Frage der Existenz der Ukraine setzt. Und dann wird niemand mehr an der Stabilität der Existenz unseres Staates zweifeln. Aber möglicherweise vergehen bis dahin Jahrzehnte. Vielleicht ist das die Aufgabe der Enkel der heutigen Ukrainer.

Viele Ukrainer haben gesagt, sie wollten „zu Ende kämpfen“ und diesen Krieg nicht ihren Enkeln hinterlassen. So wird es nicht sein. Sie werden den Krieg Ihren Enkeln hinterlassen. Erfinden Sie sich da nichts. Ihre Aufgabe ist es, den Enkeln etwas zu hinterlassen, für das sie kämpfen können.

Dabei sind selbst ungünstige Bedingungen eines Waffenstillstands – Bedingungen eines Waffenstillstands. Und Gespräche über Frieden können sich jahrelang hinziehen. Es ist wie mit den Wiederaufbaukonferenzen für die Ukraine, die 2022 begonnen haben. Auf alle Fragen, warum wir über Wiederaufbau sprechen, wenn wir nicht einmal das Jahrzehnt wissen, in dem der Krieg endet – Jahrzehnt, nicht Jahr –, winkten alle nur ab, weil es natürlich wichtig war, auf einer Tribüne in der italienischen Schweiz aufzutreten. Ein wunderbarer Ort, ich liebe ihn sehr, aber ich hätte nie gedacht, dass man dorthin fahren müsse, um über den Wiederaufbau eines Landes zu diskutieren, in dem ein Krieg tobt, der nicht einmal ein vermutetes Endjahr hat. Darin liegt der Kern.

Dies ist also der Hauptpunkt: Dass wir in diesen Wochen nicht zur Konkretion übergegangen sind. Wir diskutieren weiterhin Artikel, die nichts mit der Einstellung des Feuers zu tun haben: territoriale Fragen und Sicherheitsgarantien. Das hat nichts mit einem Waffenstillstand zu tun. All das muss später diskutiert werden. Die Neutralität der Ukraine, Fragen des Wiederaufbaus, die Frage der territorialen Integrität, die Frage des Status der annektierten Gebiete, jegliche anderen humanitären oder politischen Fragen müssen erst nach dem Schweigen der Waffen diskutiert werden.

Mehr noch: Es wäre völlig logisch, dass das Feuer eingestellt wird, der Kriegszustand aufgehoben wird, Wahlen gemäß der ukrainischen Gesetzgebung ausgerufen werden und nach deren Durchführung Friedensverhandlungen mit denjenigen stattfinden, die von der Bevölkerung ein neues Mandat erhalten haben.

Denn diese Menschen werden im Wahlkampf – sowohl der neue Präsident der Ukraine als auch die Abgeordneten – ihren Mitbürgern klar sagen, welche Ideen sie während des Friedensprozesses vertreten werden. Das wird so etwas wie ein Referendum darüber sein, wie die ukrainische Gesellschaft die Fortsetzung der Ereignisse tatsächlich sieht. Und auch Russland wird darauf schauen.

So wie die Ukraine 2019 ihre Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abgehalten hat und man in Moskau sie wie ein Referendum verstanden hat. Falsch verstanden. Und wir wissen übrigens jetzt, wie, denn einer der russischen Befehlshaber hat sich verplappert, dass sie sich geirrt hätten, als sie glaubten, dass 70 % der Bevölkerung für sie seien und 30 % gegen sie und dass sie die Ukraine leicht einnehmen würden.

Und wie haben sie das gerechnet? Glauben Sie, das sei eine Frage der Soziologie? Nein. Das ist eine Frage der Interpretation der Präsidentschaftswahlen. Wähler von Präsident Zelensky wurden als Menschen wahrgenommen, die sich eine Einigung mit Russland wünschen und apriori mit einer Kapitulation vor Russland einverstanden seien. Und 30 % der Wähler von Petro Poroschenko wurden als unerwünschte „Banderisten“ angesehen, die nach der Eroberung der Ukraine durch die russischen Streitkräfte und dem Einmarsch der Nationalgarde einfach vernichtet würden. Diese Menschen tauchten, wie Sie verstehen, in jenen Listen auf, die die russische Seite vor der Eroberung ukrainischer Gebiete zusammengestellt hatte. Das ist alles. Alles ganz einfach. „30 Prozent werden wir physisch vernichten, 70 % akzeptieren uns als Befreier, und Zelensky wird als jemand gesehen, der ihre Wünsche verraten hat.“

Das war eine völlig falsche Stimmenzählung, denn die überwiegende Mehrheit der Zelensky-Wähler wollte keine Kapitulation in einem Krieg mit Russland. Sondern sie glaubten – genauso wie der amtierende Präsident selbst, mit seinem völligen Unverständnis der Realität –, dass man mit Putin verhandeln könne. Verhandeln, nicht kapitulieren. Sich auf vorteilhafte Bedingungen einigen, nicht kapitulieren. Derjenige, der Serien verkaufen will, möchte, dass sein Film im Kino gezeigt wird und nicht, dass das Filmmaterial unterwegs verbrannt wird. Das ist nur ein Sprichwort.

Kurz gesagt, um es einfach zu formulieren: Man hätte das prorussische Publikum zählen müssen – die Wähler von Boiko und, sagen wir, damals von Wilkul, ich glaube, er war auch Präsidentschaftskandidat von der OPPOSITIONSPLATTFORM – Für das Leben und vom Oppositionsblock. Und die übrigen Wähler, die für Zelensky stimmten, einschließlich Zelenskys Wähler im ersten Wahlgang, musste man natürlich mit den Wählern Poroschenkos zusammenzählen. Und dann wären es 70 zu 30 gewesen, aber in umgekehrter Verteilung. Doch die Russen haben das nicht getan.

Und genau darin liegt auch jetzt eine Gefahr, wie Sie verstehen. Wenn in jener Situation, von der ich mit Ihnen spreche, bei den Präsidentschaftswahlen für einen Menschen gestimmt wird, der sagt, er sei in der Lage, sich mit Putin zu einigen, und dass lediglich der vorherige Präsident Zelensky sich in Wahrheit als Anführer einer „Kriegspartei“ herausgestellt habe und so weiter – wenn für einen solchen Menschen gestimmt wird, dann wird es keinen Friedensprozess geben, ich verspreche es Ihnen – sondern Krieg.

Das heißt, ein realer Friedensprozess wird nur dann stattfinden, wenn ein Mensch gewinnt, der sagt, dass eine Kapitulation vor Russland unmöglich ist, dass er auf klaren patriotischen Positionen steht, dass er mit Putin sprechen kann, aber nur dann, wenn die ukrainischen Interessen berücksichtigt werden. Mit einer solchen Person kann Moskau einen gewissen Kompromiss finden, weil es sehen wird, wie die Mehrheit der ukrainischen Bevölkerung tatsächlich eingestellt ist – nämlich nach vier Jahren Krieg nicht auf die Knie vor dem Moskauer gottgleichen Machthaber gefallen ist.

Aber ich garantiere Ihnen nicht, dass die Ukrainer logisch wählen werden. Und ich garantiere Ihnen nicht, dass Russland die Wahlergebnisse korrekt interpretieren wird. Auch nach den Wahlen kann es also Krieg geben und keinen Friedensprozess – aber es gibt eine Chance. Es gibt eine Chance.

Doch erneut: Wir sprechen mit Ihnen über die Logik eines Waffenstillstands. Und bis zu einer solchen Logik ist es derzeit noch sehr, sehr weit. Und was wird dann nötig sein? Es wird Zeit vergehen müssen, bis offensichtlich wird, dass diese Verhandlungen über ein Friedensabkommen wie ein Luftballon platzen müssen. Und dann wird in dieser Situation eine ganz konkrete Neuorientierung der Politik stattfinden. Ich kann Ihnen nicht sagen, welche, das heißt, ich kann Ihnen nicht sagen, wie Trump handeln wird. Aber höchstwahrscheinlich wird er versuchen, noch mehr Druck auf Putin auszuüben, damit Putin seine – wie soll ich sagen – komfortablen Friedensbedingungen akzeptiert.

Für uns ist es wichtig, dass Trump gezwungen ist, auf die Ergebnisse jener Meinungsumfragen zu achten, die es jetzt in Bezug auf die Ukraine sowohl unter Republikanern als auch unter Demokraten gibt, und zu begreifen, dass er, wenn er eine putinsche Position einnimmt, einfach die Zwischenwahlen verlieren wird – und das ist der Weg zum Impeachment. Ich glaube nicht wirklich, dass er mit Blick auf die Mehrheit den Senat verlieren wird, aber das Repräsentantenhaus in einer solchen Situation – leicht.

Wir brauchen, dass Trump, indem er versucht, Putin dazu zu zwingen, komfortable Bedingungen zu akzeptieren, so starken Druck auf Russland ausübt, dass Russland am Ende so sehr geschwächt sein wird, dass es bereit ist, auch nicht-komfortable Bedingungen zu akzeptieren. Aber all das ist eine Perspektive, die nicht nahe liegt.

Das ist also eine Analyse dieser ersten Woche. Natürlich werden wir mit Ihnen zu den Gesprächen über die zukünftige Entwicklung zurückkehren. In der nächsten Woche wird es europäische Treffen geben, wir werden sehen, wie die europäischen Partner auf all diese Schritte der Amerikaner reagieren.

Wir werden versuchen, die Fragen zu beantworten, die jetzt in dieser Sendung gestellt werden.

Frage. Zurzeit ertönen häufig Appelle und konkrete Vorschläge zu Veränderungen bei uns und bei den Partnern. Meistens in der Formulierung: Entweder wir verändern uns, oder wir gehen zugrunde. Sind wir jetzt wirklich so nahe am Kollaps?

Portnikov. Das ist eine Frage dessen, was man unter Kollaps versteht. Ehrlich gesagt ist die Lage an der Front natürlich schwierig, aber so schwierig ist sie schon in den letzten vier Jahren. Natürlich haben wir Probleme mit der Staatsführung, aber Probleme mit der Staatsführung haben wir seit mindestens sechs Jahren. Und das ist noch eine optimistische Zahl. Natürlich haben wir Probleme in den Beziehungen zu den Partnern, weil sie derzeit viele instrumentelle Fragen nicht lösen können, etwa die Frage der Finanzierung der Ukraine im Jahr 2026. Aber sie versuchen, das zu tun, sie suchen nach Wegen. Und ich bin sicher, dass diese Wege gefunden werden, denn wiederum will in Europa niemand, dass die russische Armee an die Grenzen Europas kommt.

Aber hier stellt sich eine ziemlich ernste Frage. Was muss passieren, damit wir von Kollaps sprechen? Die russische Armee befindet sich immer noch in Pokrowsk und versucht, die Stadt einzunehmen. Wir haben das Jahr 2025. Es sind fast vier Jahre Krieg vergangen. Wie Sie sich erinnern, waren die Russen sicher, dass sie die Oblast Donezk innerhalb weniger Wochen einnehmen würden. Selbst wenn wir uns vorstellen, dass sie Pokrowsk erobern – niemand hat gesagt, dass es leicht wird, das nächste strategische Zentrum im Donbas einzunehmen.

All diese Kämpfe entlang der gesamten Frontlinie bringen ebenfalls keine Ergebnisse, sondern sind eher psychologischer Druck und eine Demonstration der Möglichkeiten der russischen Armee. Wir wissen, je breiter die Front, desto schwerer ist es, an ihr zu kämpfen, wenn man im Angriff ist. Auch das sind völlig objektive Dinge. Und außerdem wollte ich immer fragen: Was ändert sich für den ukrainischen Staat und seine Existenz tatsächlich, wenn – stellen wir uns das vor – die Russen nach mehreren Jahren unserer Verteidigung noch einen Teil des ukrainischen Territoriums im Osten erobern? Zu Ruinen verwandelt – sie verwandeln es in Ruinen.

Das heißt, ich sehe daran nichts Gutes, aber ich frage, ob das ein Kollaps ist? Nein, das ist kein Kollaps. Je mehr Russland in der Ukraine Krieg führt, desto näher kommt es selbst zwei Dingen: seinem eigenen wirtschaftlichen Kollaps – ich sage nicht, dass der unbedingt 2026 oder 2027 eintreten wird, aber er wird eintreten, und er wird im Übrigen unumgänglich und irreversibel sein. Man soll nicht glauben, dass der russische Staat nach diesem Kollaps einfach zack – und sich wieder erholt. Nein. Und zweitens der Notwendigkeit, den Krieg auf eine europäische Front auszuweiten, denn die Russen verstehen sehr gut, dass solange uns die Europäer unterstützen, all ihre Anstrengungen vergeblich sind. Und inwieweit die Russen in der Lage sein werden, ihre Anstrengungen auszuweiten, das ist bereits eine gute Frage. Und wie Europa reagieren wird, ebenfalls.

Frage. Glauben Sie, dass die Ukraine nach dem Krieg einen ähnlichen Weg wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg vor sich haben könnte – mit einem raschen wirtschaftlichen Wachstum und Wiederaufbau?

Portnikov. Nein, das glaube ich nicht. Beide Teile Deutschlands, die zwischen West und Ost geteilt waren, hatten klare Sicherheitsgarantien von zwei größten Nuklearsupermächten in der Geschichte der Menschheit. Von zwei Ländern, die in der Lage sind, die Menschheit zu vernichten. Die Bundesrepublik Deutschland von den Vereinigten Staaten von Amerika. Andere Garanten dieses Regimes – zunächst der Besatzung, später der Sicherheitsgarantien – waren im Übrigen weitere Atommächte: Frankreich und Großbritannien. Die Deutsche Demokratische Republik erhielt Sicherheitsgarantien von einer anderen riesigen nuklearen Supermacht, der Sowjetunion. Und selbst dann, erinnern Sie sich, fühlte sich West-Berlin, das sich im Zentrum der DDR befand, aber von den westlichen Alliierten kontrolliert wurde, bis zur endgültigen Klärung seines Status, die sich über dreißig Jahre hinzog, nicht besonders sicher.

Die Ukraine ist im besten Fall – West-Berlin. Aber weder Ost- noch Westdeutschland, weil es heute keine Sicherheitsgarantien gibt, die die normale Entwicklung von Investitionen in die Ukraine gewährleisten würden. Und sowohl der Westen als auch der Osten wollten beide Teile Deutschlands zu Schaufenstern ihres Systemkonflikts machen – so weit, wie es jedem von ihnen gelang. Selbst Ostdeutschland sah viel besser aus als die anderen sogenannten sozialistischen Länder, gerade weil es als Schaufenster gebraucht wurde.

Aber diejenigen, die selbst in West-Berlin Geld investierten, waren sich ihrer Investitionen keineswegs sicher. Sie verstanden, dass sie in ein Schaufenster investierten, aber wie lange dieses Schaufenster existieren würde, wusste niemand. Ganz zu schweigen davon, dass sie ihr Geld aus diesen Investitionen in der Bundesrepublik selbst absichern konnten.

So ist es auch hier: Man kann natürlich die Ukraine entwickeln, unter der Bedingung, dass das ganze Geld daraus nicht in der Ukraine ist und nicht verloren geht. Aber das ist eine ganz andere Sache als die Entwicklung der Ukraine selbst. Daher habe ich keine besonders optimistischen Prognosen bezüglich dieses simplen Punktes, den wir diskutieren. Ich würde natürlich gern sehen, dass sich die Ukraine so entwickelt, aber dafür gibt es keine objektiven Voraussetzungen.

Wird das von Sicherheitsgarantien abhängen? Ja, wenn sie entstehen, wenn wir genau wissen, dass die Ukraine ihre Unabhängigkeit und Souveränität garantiert, dass die Russen uns nie wieder angreifen. In diesem Fall können wir ohne jeden Zweifel auf ein rasches wirtschaftliches Wachstum hoffen. Und unter Berücksichtigung der Besonderheiten des korrupten Systems der ukrainischen Staatsführung und der sowohl vertikalen wie horizontalen Korruption in der ukrainischen Gesellschaft können wir innerhalb von 20–25 Jahren bestimmt Niveau Rumäniens erreichen. Na gut, 30 Jahre.

Frage. Trump und seine Helfershelfer verhalten sich faktisch wie Agenten Putins. Wann wird die Elite der USA endlich angemessen darauf reagieren?

Portnikov. Eine gute Frage. Danke dafür. Ich glaube nicht, dass Trump und seine Administration sich wie Agenten Putins verhalten. Ihre gesamte Ideologie ist die Ideologie des amerikanischen Isolationismus, die in der Zwischenkriegszeit – zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg – absolut Mainstream war. Und übrigens sympathisierten viele amerikanische Unternehmer und Politiker damals aufrichtig mit Adolf Hitler und Benito Mussolini.

Niemand hat sie als Agenten Hitlers oder Mussolinis betrachtet. Das war ihre Ideologie: Dass Europa selbst mit seinen Problemen fertig werden müsse, dass eine starke Hand nötig sei, dass Hitler Deutschland aus wirtschaftlichen Ruinen herausgeführt habe. Und vor allem, dass dies nicht die Sphäre amerikanischen Einflusses sei. Was hätten die USA in Europa verloren? Gibt es starke wirtschaftliche Staaten, muss man mit ihnen Handel treiben, und die Europäer sollen ihre Probleme selbst lösen.

Wenn wir sehen, dass sie meinen, ihre Hauptaufmerksamkeit müsse dem Wettbewerb mit China gelten und dass für den Erfolg dieses Wettbewerbs mindestens die Neutralität Russlands notwendig sei – wie aus ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie hervorgeht –, verhalten sie sich vollkommen adäquat. Das ist einfach ihre Ideologie.

Man darf Ideologie nicht mit Agententätigkeit verwechseln. Ich sehe bislang nichts inadäquates in ihrem Handeln, gemessen an dieser Ideologie. Ich würde sogar sagen, dass sie sich gezwungen sehen, sich zurückzuhalten, weil das der amerikanischen Gesellschaft nicht sehr gefällt.

Frage. Mit welcher Wahrscheinlichkeit in Prozent schätzen Sie eine chinesische Aggression im Pazifik unter der Präsidentschaft Trumps ein, und wie ist Ihre Prognose hinsichtlich seiner Reaktion?

Portnikov. Trump wird nicht mit China Krieg führen. Man sollte sich darüber keine Illusionen machen. Doch ich bin mir nicht sicher, dass Xi Jinping derzeit bereit ist zu einer realen Aggression gegen Taiwan, aus einem einfachen Grund: Das könnte wirtschaftliche Folgen haben, die für die chinesische Wirtschaft sehr gefährlich wären. Gerade die Gegner Chinas in aller Welt könnten diese Gelegenheit nutzen, um China wirtschaftlich zu isolieren. Denn wenn eine wirtschaftliche Isolation Chinas heute zu ernsten sozialen Problemen und Erschütterungen führte, ohne eine logische Erklärung zu haben, dann wäre im Falle eines Angriffs auf Taiwan sehr leicht zu erklären, warum die Menschen schlechter leben: „Wegen des Krieges Chinas gegen Taiwan, wir können mit einem Aggressorland nicht handeln.“

Es wäre wie mit Russland. Sie verstehen sehr gut, dass – hätte vor dem großen Angriff Russlands auf die Ukraine jemand von den deutschen Politikern gesagt: „Wir schließen Nord Stream und werden niemals wieder Gas aus Russland beziehen“, das im deutschen Publikum milde gesagt auf Unverständnis gestoßen wäre. Gut, Sie wollen kein Gas über Nord Stream beziehen. Aber es gibt doch das ukrainische Gastransportsystem. Das ist doch billiges Gas.

Der Krieg verändert alles. Ein Krieg zwingt jede Gesellschaft, unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Die Ukraine unterscheidet sich nur darin, dass unsere Führer diese unpopulären Entscheidungen nicht treffen wollen und nicht darin, dass die Gesellschaft während des Krieges nicht bereit wäre.

Frage. Wenn die Ukraine zuerst ausblutet, wie könnte der Prozess der Russifizierung ablaufen? Werden gleich von Anfang an Erschießungen und Filtrationslager direkt in den Höfen und Häusern eingerichtet?

Portnikov. Nein, so wird das nicht sein. Es wird Referenden in jeder ukrainischen Oblast geben – über die Ausrufung der Unabhängigkeit oder den Anschluss an die Russische Föderation. So, wie es in den besetzten Gebieten geschieht. Sie sehen ja das Szenario. Ich nehme übrigens an, dass man im ersten, zweiten, vielleicht dritten Jahr sogar erlauben wird, die ukrainische Sprache als Unterrichtssprache in den Schulen zu wählen – und sie dann verbieten wird.

In dieser Zeit werden die Gebiete von illoyaler Bevölkerung „gereinigt“ – ebenfalls auf rein wirtschaftlichem Wege. Man wird Ihnen einfach sagen, dass Sie, wenn Sie Ihre Wohnung verkaufen, Eigentum besitzen wollen, Bürger der Russischen Föderation sein müssen. Nach einem, zwei Jahren wird alles klar sein. Und diejenigen, die diese Pässe annehmen, werden loyal sein, weil das ihre Entscheidung ist. Eine wirtschaftliche – man muss ja irgendwie leben. Und mit der Wahl des Passes wird auch die Wahl der Sprache kommen: „Nun, in unserem Land gibt es eine Sprache. Was soll man da machen? Jetzt ist es Russland, wir können nichts tun.“

Die Menschen, die damit nicht einverstanden sind, werden entweder ausreisen oder getötet. Sind Elemente eines Partisanenkampfes möglich? In manchen Gebieten ja, in manchen nein. Das hängt vom Grad der Nähe der jeweiligen Region zur russischen Zivilisation als solcher ab.

Frage. Wie schätzen Sie den durchschnittlichen Bildungsstand der Amerikaner ein? Es wirkt so, als ob sie ein ziemlich dummes Volk wären.

Portnikov. Das sagen Bürger eines Landes mit unglaublich klugen Entscheidungen bei Wahlen in den Jahren 2019 oder 2010 – da quillt der Bildungsgrad direkt heraus. Das nennt man: „Wenn meine Kuh schon muht, sollte deine schweigen.“ Ich kann manchmal einfach nicht anders – diese kindliche Selbstgewissheit freut mich fast.

Natürlich verwandeln sich Wahlen weltweit, wenn man ehrlich spricht, heute in einen Wettstreit neuer Informationstechnologien. Es ist überhaupt nicht überraschend, dass Donald Trump TikTok so sehr gefällt. Natürlich kann man in dieser Situation sagen, dass heute Menschen an Wahlprozessen teilnehmen, die sich früher wenig für Politik interessiert haben, die nur dank der sozialen Netzwerke zu Wahlen kommen. Natürlich. So ist es. Aber der amerikanische Wähler hat sehr oft für Leute gestimmt, deren Wahl Ihnen unverständlich wäre, und hat aus wirtschaftlichen Gründen gewählt, ist sehr oft übers Ohr gehauen worden. Sehr oft haben amerikanische Wahlen zur Großen Depression geführt. Amerikanische Wahlen haben einen wirtschaftlichen Charakter, der in erster Linie mit dem aktuellen Lebensstandard im jeweiligen Moment zusammenhängt. Sie basieren, wie Sie wissen, auf einigen wenigen Bundesstaaten, die ihre Parteipräferenzen nicht festgelegt haben.

Denn die Vereinigten Staaten sind in Wirklichkeit zwei politische Staaten in einem. Und es gibt einige Bundesstaaten, die einfach nicht entscheiden können, zu welchem dieser politischen Staaten sie gehören. Das hat nichts mit Intelligenz zu tun, das ist eine Frage der Orientierung und wirtschaftlichen Präferenzen.

Frage. Warum wird manchmal die Frage einer Wiederwahl Trumps aufgeworfen? Ist das überhaupt möglich?

Portnikov. Nein, das ist nicht möglich. Aber Folgendes ist möglich: Wenn bei den Wahlen 2026 die Demokraten die Kontrolle über beide Häuser des Kongresses erhalten, können sie Donald Trump des Amtes entheben – ihm also ein Impeachment aussprechen. Juristisch gesprochen: Wenn dieses Impeachment stattfindet, kann der Vizepräsident, J. D. Vance, neuer Präsident der Vereinigten Staaten werden. Wenn die Demokraten auch für den neuen Präsidenten Gründe für ein Impeachment finden, dann wird der Vizepräsident der Vereinigten Staaten der Vizepräsident, der vorher im Kongress gewählt wurde. Das wird ein Senator oder Kongressabgeordneter der Demokraten sein. Und auf diese Weise wird ein Demokrat schon vor den Wahlen 2028 Präsident der Vereinigten Staaten.

Aber im Moment habe ich viele Fragen. Erstens: Wird es überhaupt zu einem Impeachment des Präsidenten Trump kommen? Zweitens: Wird man auch dem Vizepräsidenten Vance, falls er Präsident wird, ein Impeachment aussprechen können? Drittens: Werden die Demokraten überhaupt die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses erhalten? Wissen Sie, man sollte nicht „Hopp“ sagen, bevor man gesprungen ist. Das sind alles offene Fragen.

Aber wenn die Demokraten 2026 die Kontrolle zumindest über eine Kammer des Kongresses erlangen – das Repräsentantenhaus – und dort alle politischen Initiativen Trumps rigoros blockieren, dann wird Präsident Trump zur „lame duck“, zur lahmen Ente. Und alle werden bereits darüber nachdenken, wer der nächste Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Und die Republikaner werden eine real neue Person suchen, die nach dieser Phase des Trumpismus bei den Wahlen gewinnen kann.

Ich bin nicht einmal sicher, dass das J. D. Vance sein wird, oder überhaupt eine Person, die Trump unterstützen wird. Das ist ebenso möglich. Wir wissen nicht, wie das „Zeitalter Trump“ enden wird. Es kann enden, während Trump im Amt ist. So ist es mehr als einmal gewesen.

Frage. Wer von den europäischen Spitzenpolitikern kann heute zum Führer bei der Schaffung einer antirussischen Militärkoalition Europas werden?

Portnikov. Sie suchen ständig irgendwelche Führer, dabei ist ein gesellschaftlicher Bedarf nötig, verstehen Sie? Denn ein Führer erscheint dank eines gesellschaftlichen Bedarfs. Winston Churchill war eine Kompromissfigur, die nur deshalb Premierminister Großbritanniens wurde, weil die Konservativen, als der Zweite Weltkrieg begann, eine Regierung der nationalen Einheit bilden wollten, um zu zeigen, dass sie die Fehler der vorherigen Periode verstanden hatten. Aber die Labour-Partei wollte nicht, dass diese Regierung vom anerkannten Führer der Konservativen, Neville Chamberlain, geführt wird, der damals Premierminister Großbritanniens war.

Und alle brauchten eine zufällige Figur, die unter den Konservativen kein besonderes Ansehen genoss, nicht einmal die Partei führte – die Partei wurde von Chamberlain geführt – und die auch bei den Labour-Leuten keinen großen Autorität als ernsthafte Figur hatte. Und so konnten sie in diese Regierung ihren eigenen Führer, Clement Attlee, den anerkannten Führer der Labour-Partei, als Vizepremier entsenden.

Aber der gesellschaftliche Bedarf, die Bereitschaft der Briten zum Widerstand, hat aus Churchill „Churchill“ gemacht – eine sehr widersprüchliche Figur, die ihre Ansichten darüber, wie man sich in kritischen Situationen zu verhalten habe, mehrmals geändert hat.

So auch hier: Wenn es einen Bedarf europäischer Gesellschaften zum Widerstand geben wird, wird eine Gruppe von Politikern entstehen, die zu einem solchen Widerstand bereit ist. Dafür braucht man keinen einzelnen Führer. Wenn es einen solchen gesellschaftlich-elektoralen Bedarf nicht geben wird, werden Politiker erscheinen, die bereit sind, sich mit Russland zu einigen – dafür braucht man ebenfalls keinen Führer.

Nicht Führer machen Geschichte. Geschichte machen bewusste Völker. Das muss jeder verstehen, der immer noch einen „guten Zaren im Büro“ sucht. Geschichte wird von den Völkern geschrieben, nicht von denen, die an die Spitze bestimmter Nationen treten, wenn diese ihr eigenes Bild der Zukunft erarbeitet haben. Das muss man sich immer vor Augen halten.

Die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte ist praktisch minimal. Maximal ist der Bedarf der Menschen nach bestimmten Prozessen. Auch wenn die Biografien der Menschen, die zu Ausdrucksfiguren dieser Prozesse werden, natürlich sehr groß sind – es ist offensichtlich und interessant, wie sich Menschen an diese Bedürfnisse anpassen.

Und es gibt Menschen, die einfach ihrem Volk gefallen wollen. Nun, dann kann es sein, dass von diesem Volk am Ende nichts übrig bleibt. Hoffen wir, dass das nicht mit uns geschieht.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: fЩо далі із «мирним процесом» | Віталій Портников. 07.12.2025., falls bekannt]
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Amerikaner erpressen Zelensky | Vitaly Portnikov. 07.12.2025.

Zu den ukrainischen Unterhändlern, die in diesen Tagen in den Vereinigten Staaten Gespräche mit dem Sonderbeauftragten von Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, sowie mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner geführt haben, hat sich heute auch Präsident Volodymyr Zelensky dazugeschaltet, der im virtuellen Format mit den amerikanischen Vertretern die wichtigste Frage im Zusammenhang mit dem nebulösen Friedensabkommen erörterte, das dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ein Ende setzen soll.

Die Hauptthemen dieser Gespräche waren, wie die Publikation Axios betonte, die in den letzten Wochen nahezu die wichtigste Quelle zu diesem Friedensplan geworden ist, die Fragen der Territorien und der Sicherheitsgarantien.

Bekanntlich hat der russische Präsident Putin bereits mehrfach betont, dass man über irgendeine Waffenruhe und ein Ende der Kampfhandlungen nur dann sprechen könne, wenn die Streitkräfte der Ukraine jenen Teil des Gebiets der Donezker Region verlassen, der bis heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird.

Gerade die Diskussion über den Abzug der ukrainischen Truppen aus der Donezker Region erscheint mir in erster Linie als der Versuch Putins, die innenpolitische Situation in der Ukraine zu destabilisieren und Bedingungen für eine Ausweitung der russischen Besatzungszone zu schaffen – keineswegs nur auf dem Gebiet der Donezker Region. Denn sich vorzustellen, dass Putin den Krieg allein um des Erwerbs eines Teils der Donezker Region willen beenden möchte, ist derzeit wenig realistisch.

Doch wie bekannt, haben wir in den letzten Tagen vom russischen Präsidenten auch von der „Befreiung“ der sogenannten Noworossija gehört. Das kann auch auf eine Steigerung der Ansprüche Putins hinweisen, der fordern könnte, dass die ukrainischen Truppen ebenfalls die Gebiete der Saporischschja- und der Cherson-Region verlassen – und sogar auf eine Ausweitung der Ansprüche auf die gesamte linksufrige Ukraine, die ebenfalls ohne große Probleme zur Noworossija erklärt werden könnte. Aus der Sicht der ideologischen Ansätze Putins kann jede ukrainische Region als „bolschewistisches Geschenk“ an die Ukraine deklariert und somit von der Russischen Föderation vereinnahmt werden.

Wie Putin in dieser Richtung weiter handeln wird, wissen wir nicht. Aber wir sehen, dass auch die Amerikaner nicht besonders bereit sind, den Abzug der ukrainischen Truppen aus der Donezker Region einfach als die beste Entwicklungsmöglichkeit anzuerkennen. Und es werden offenbar irgendwelche alternativen Vorschläge vorbereitet, die aus meiner Sicht vom russischen Präsidenten nicht akzeptiert werden dürften.

Ganz zu schweigen davon, dass Putin kaum mit der bloßen faktischen Anerkennung der Kontrolle der Russischen Föderation über die Krim, den Donbas und andere annektierte ukrainische Regionen zufrieden sein wird. Putin wird von Trump und den europäischen Staats- und Regierungschefs verlangen, die Tatsache seiner Besatzung auch juristisch anzuerkennen – was aus Sicht der derzeit in den Vereinigten Staaten geltenden Gesetzgebung kein amerikanischer Präsident tun kann. Und ganz zu schweigen von der mangelnden Bereitschaft europäischer Staats- und Regierungschefs, den Ergebnissen einer Besatzung zuzustimmen, die sie an die entsprechenden Handlungen der Diktatoren Adolf Hitler und Josef Stalin erinnern würden, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entschlossene Verbündete waren. Man sollte überhaupt nicht glauben, dass die Europäer dem zustimmen könnten.

Doch wie wir sehen, gehen territoriale Verhandlungen weiter. Das heißt, sowohl Witkoff als auch Kushner halten weiterhin daran fest, dass gerade in der Lösung dieser Frage tatsächlich ein Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges liege. Ich sage gleich: Eine solche Lösung, die mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges verbunden wäre, existiert nicht.

Eine weitere schwierige Frage, auf die die Amerikaner möglicherweise eine Antwort suchen, diese aber kaum finden werden, ist die Frage der Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Volodymyr Zelensky will reale Garantien. Doch nachdem die neue Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten veröffentlicht wurde, ist überhaupt nicht mehr klar, ob es diese realen Garantien gibt.

Früher gingen wir davon aus, dass die reale Garantie für die Sicherheit der Ukraine unser Beitritt zur NATO sei und damit die Anwendung von Artikel 5 des Nordatlantikvertrags auf uns, der eine gemeinsame Verteidigung der Partnerstaaten für das Land vorsieht, das angegriffen wird. Doch nun ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten alles daransetzen, sich ihrer Verantwortung für die Sicherheit des europäischen Kontinents zu entledigen. Und heute wird niemand in den Vereinigten Staaten selbst klar sagen können, ob Washington tatsächlich bereit wäre, beispielsweise die baltischen Staaten oder Polen zu verteidigen, falls diese Länder von den Streitkräften der Russischen Föderation angegriffen würden.

Und wenn sich herausstellt, dass Artikel 5 nicht mehr als ein so unumstößlicher Beweis für Sicherheit erscheint, wie er es über all die Jahrzehnte des Bestehens des Nordatlantischen Bündnisses war – bis zum letzten Wahlsieg Trumps bei den Präsidentschaftswahlen in den USA –, dann stellt sich die Frage: Wie sollen die Sicherheitsgarantien für die Ukraine aussehen, wenn sich die Vereinigten Staaten entschieden gegen einen Beitritt unseres Landes selbst zur Nordatlantischen Allianz aussprechen? Und können wir tatsächlich auf eine klare Entscheidung hoffen, die impliziert, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines neuen Angriffs der Russischen Föderation auf die Ukraine bereit wären, gemeinsam mit der Ukraine unsere Souveränität zu verteidigen?

Ich sage gleich: Wenn es in Washington überhaupt einen solchen Willen gegeben hätte, hätte eine solche Entscheidung bereits 2014 oder 2022 getroffen werden können, als demokratische Präsidenten – Barack Obama oder Joe Biden – an der Spitze der Vereinigten Staaten standen. Doch die letzte Person, die eine solche Entscheidung treffen wird, ist ein republikanischer Präsident und Isolationist nach seinen ideologischen Dogmen – Donald Trump.

Somit gibt es keine realen Garantien, die einen neuen Beginn des russisch-ukrainischen Krieges verhindern könnten – abgesehen vielleicht von der Bewaffnung der Ukraine mit modernen Waffen und der Umwandlung unseres Landes in eine echte Festung, bei deren Angriff der Feind schwere und bereits unvermeidliche Verluste erleiden würde.

Doch es stellt sich die Frage, inwieweit man jetzt auf eine solche Bewaffnung der Ukraine hoffen kann und wie viel Zeit dafür benötigt wird, damit in der Russischen Föderation kein Zeitfenster für einen neuen, noch ernsthafteren und aggressiveren Angriff auf die Ukraine entsteht, falls sich in den 2020er-Jahren dieses Jahrhunderts die Möglichkeit einer Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front ergeben sollte.

Und nun verstehen wir, dass Zelensky mit seinen amerikanischen Gesprächspartnern Fragen erörtert, auf die es in Wirklichkeit keine Antworten gibt. Denn die einzige Frage, die ukrainische und amerikanische Unterhändler eigentlich erörtern müssten, lautet: Wie kann man den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, zu einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zwingen, um danach ein Gespräch über die Bedingungen eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine zu beginnen? Und solche Gespräche können 10 oder auch 25 Jahre andauern – wie wir es aus der Erfahrung aller früheren Konflikte kennen.

Da aber gerade ein solcher Ansatz derzeit mit den Amerikanern nicht angewandt wird, verdient alles, was wir heute beobachten, eine klare und verständliche Bezeichnung: weißes Rauschen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Американці шантажують Зеленського | Віталій Портников. 07.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Die Russen setzen auf Kushner | Vitaly Portnikov. 05.12.2025.

Der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow – ich erinnere daran, dass er einer der Teilnehmer der letzten Gespräche zwischen Putin und dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff sowie dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner, war – betonte, dass gerade Kushner der Autor der endgültigen Version des Friedensplans sein könne, der zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führen soll. Insgesamt habe er sich während der Gespräche mit Witkoff als sehr nützlich erwiesen, da er ihnen Systematik verliehen habe.

Damit haben die Amerikaner vom Kreml ein ziemlich eindeutiges Signal erhalten. Genau Kushner wird im Kreml nun als der wichtigste Verhandler betrachtet, der mit Putin über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges verhandeln kann.

Auf den ersten Blick scheint das eine seltsame Entscheidung zu sein, denn mit Witkoff ist es Putin gelungen, Beziehungen aufzubauen, die man sogar bei den protokollarischen Aufnahmen des Präsidenten der Russischen Föderation mit dem ehemaligen Immobilienmakler und langjährigen Freund Trumps erkennen kann. Putin gefällt Witkoff offenbar, und dieser verbirgt seine Sympathie für den russischen Diktator nicht. Witkoff scheut sich nicht einmal, Uschakow Ratschläge zu erteilen, wie man sich gegenüber Präsident Trump verhalten solle, um die für die Russische Föderation nützlichsten Ergebnisse im Vorfeld des Besuchs des ukrainischen Präsidenten zu erzielen – wie aus einem Telefongespräch bekannt wurde, das von der Agentur Bloomberg veröffentlicht wurde.

Doch wie wir sehen, ist nicht Witkoff, sondern Kushner für den Kreml von Interesse. Und das ist eine typische Taktik der russischen Geheimdienste, die Russland bereits seit mehreren Jahrzehnten lenken. In Mosskau ist man sich vollkommen bewusst, dass der Schwiegersohn des Präsidenten nicht der beste Freund des Präsidenten ist, sondern eine Person, die das unbedingte Vertrauen von Donald Trump genießt. Denn gerade Kushner war einer der Hauptakteure der Friedensverhandlungen im Nahen Osten. Mehr noch: Sein finanzielles Interesse machte sich bemerkbar, als die endgültigen Varianten eines Waffenstillstands zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas beschlossen wurden.

Wie bekannt ist, waren an diesen Verhandlungen Länder wie Katar aktiv beteiligt. Und gerade die Investitionen dieser Länder in Fonds, die mit Kushner verbunden sind, könnten ein gewichtiger Beweis dafür gewesen sein, wie sich Israel zu verhalten habe, wenn es um Friedensabkommen geht.

Und nun kann der Kreml zwei Aufgaben auf einmal lösen. Erstens: Kushner mit eigenen finanziellen Angeboten zu interessieren. Wozu sonst wäre das Institut geschaffen worden, das Kirill Dmitrijew genau zu dem Zeitpunkt leitete, als man in Mosskau beschloss, die Zeit bei den Verhandlungen mit den Amerikanern in die Länge zu ziehen? Und zweitens: sein besonderes Interesse gerade an Kontakten mit der Familie Trump zu demonstrieren. Da der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten sein Präsidentenamt offensichtlich als Familienunternehmen betrachtet, dürfte ihm ein solcher Ansatz nur gefallen.

Hier stellt sich jedoch eine andere, nicht weniger wichtige Frage: In welchem Maß kann Jared Kushner letztlich überhaupt reale Zugeständnisse von Putin und anderen russischen Führungspersonen in der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges erreichen?

Wir müssen ohne jede Illusion sofort sagen, dass der Wirkungsgrad Kushners hier dem Wirkungsgrad Witkoffs entspricht. Jeder amerikanische Beamte oder selbst ein Familienmitglied von Donald Trump wird von der russischen Führung dazu genutzt, Zeit zu schinden und den russisch-ukrainischen Krieg weiterzuführen.

Es kann lediglich die Hoffnung geben – und Putin und Uschakow könnten zu einem solchen Schluss nach dem letzten Gespräch mit Kushner gekommen sein –, dass sich mit dem Schwiegersohn von Präsident Trump diese Zeit effektiver in die Länge ziehen lässt als mit dem Freund Trumps, weil Trump seinem Schwiegersohn mehr Vertrauen schenken wird. Und wenn Kushner den Präsidenten der Vereinigten Staaten davon überzeugt, dass Putin bereits nach Möglichkeiten für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges sucht und diese Suche zudem noch mit großzügigen finanziellen Angeboten an die Familie des Präsidenten der Vereinigten Staaten begleitet, kann das Trump auf optimistische Prognosen über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges einstimmen.

Sie verstehen doch, dass all diese optimistischen Prognosen, die Trump äußert, keineswegs einfach so entstehen. Sie beruhen auf unrealistischen Erwartungen und der professionellen Arbeit der russischen Geheimdienste, die den amerikanischen Präsidenten gerade dazu bringen, an seine eigenen Hoffnungen zu glauben. Und der Dialog mit seinem Schwiegersohn soll Putin helfen, diese Linie fortzusetzen.

Der Hauptfehler besteht dabei genau darin, dass Trump ständig von seiner eigenen Idee zurückweicht, einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen. Wenn er sieht, dass Putin offensichtlich nicht vorhat, den Krieg zu beenden, kehrt er für kurze Zeit zu dieser Idee zurück und wendet sich dann wieder davon ab. Und für Putin ist es das Wichtigste, Kushner so zu nutzen, dass Trump den Gedanken an einen Waffenstillstand endgültig vergisst und sich an einem jahrelangen Friedensprozess beteiligt – also an Verhandlungen vor dem Hintergrund von Krieg und der Zerstörung der Ukraine.

Putins strategische Idee besteht darin, diesen Verhandlungsprozess bis zu dem Zeitpunkt fortzusetzen, an dem die politische Karriere Trumps endet, also bis Januar 2029. In dieser Zeit hofft der russische Präsident, unseren Staat zu zerstören – wenn nicht durch Erfolge seiner Truppen an der Front, dann zumindest durch Raketenbombardierungen und den Einsatz von Drohnen im ukrainischen Hinterland. Er hofft außerdem, den Machtantritt ultrarechter und ultralinker populistischer Parteien in Europa zu unterstützen. Und die Führer dieser Parteien werden sich, so hofft Putin, mit ihm auf ein völlig anderes Bild Europas und auf eine völlig andere Haltung zum russisch-ukrainischen Krieg einigen.

Und für den neuen amerikanischen Präsidenten – selbst wenn es sich um eine Person handeln sollte, die weit stärker mit gesundem Menschenverstand verbunden ist als der derzeitige selbstgefällige Amtsinhaber der Vereinigten Staaten von Amerika – wird es dann bereits sehr schwer sein, die Fehler Trumps irgendwie zu korrigieren. Möglicherweise werden die Vereinigten Staaten bis dahin ihren Ruf als weltweiter Anführer endgültig zugunsten der Volksrepublik China und der Russischen Föderation als deren treuem Satelliten verloren haben.

Das ist also Putins globaler Plan. Das ist keine Geschichte über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges. Daran hat im Kreml überhaupt niemand jemals gedacht und denkt auch heute nicht. Es ist eine Geschichte darüber, wie man die familiären Beziehungen von Präsident Trump nutzt, um in jenem geopolitischen Kampf gegen den Westen zu siegen, den Putin vor mehreren Jahrzehnten begonnen hat und aus dem er vor allem dank der Inkompetenz und Dummheit jener, gegen die er kämpft, als Sieger hervorzugehen hofft. Und man muss sagen: Die Wähler in den Ländern, die sich dieser Gefahr eigentlich bewusst sein müssten, erweisen dem russischen Präsidenten genau den Dienst, den er benötigt.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росіяни ставлять на Кушнера | Віталій Портников. 05.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Warum wir trotzdem weiterkämpfen. Vitaly Belkin. 04.12.2025.

https://www.facebook.com/share/p/17kr6riQzP/?mibextid=wwXIfr

Putin hat erneut offen erklärt, dass es keinen Frieden geben wird. Und wisst ihr was… ich glaube ihm.

Denn dieser Krieg hat nichts mit Logik zu tun.

Nicht mit Abmachungen.

Nicht mit Diplomatie.

Es geht darum, dass man uns auslöschen will – und wir uns stur weigern. Und hier sage ich ehrlich, wie es ist, ohne schöne Parolen und süße Versprechungen:

Ich bin mir nicht sicher, dass wir siegen werden. Nein.

Nicht, weil wir schwach wären – wir sind stärker, als sich irgendjemand vorstellen kann.

Sondern weil dieser Krieg so tief, so zerbrochen und so ungleich ist, dass manchmal selbst der Glaube Risse bekommt.

Aber eines weiß ich ganz точно: Aufgeben dürfen wir nicht.

Nicht, weil wir Helden sind.

Sondern weil es uns einfach nicht mehr geben wird, wenn wir aufgeben.

Die größte Tapferkeit ist nicht, vorwärtszugehen, wenn du dir des Sieges sicher bist. Das ist leicht.

Die größte Tapferkeit ist, weiterzukämpfen, wenn du weißt, dass du verlieren kannst, dass die Chancen minimal sind, dass jeder nächste Schritt der letzte sein kann – und trotzdem weiterzugehen.

Denn wenn du stehenbleibst, werden wir verschwinden.

Einfach nicht mehr da sein.

Keine Sprache.

Kein Zuhause.

Keine Kinder.

Keine Zukunft.

Während irgendwo im Hinterland „Experten“ jene belehren, die sich erst auf den Krieg vorbereiten.

Während einige wegen Strom, Wasser, Müll, Nebenkosten demonstrieren, schauen wir darauf und sagen uns selbst, dass wir andere Maßstäbe für Tragödien haben.

Die Infanterie bewegt sich derweil weiter – eine Bewegung, die niemand sieht.

Sie geht.

Stirbt.

Geht wieder.

Ohne Kameras.

Ohne Pathos.

Ohne Garantie, zurückzukehren.

Ihr werdet uns niemals verstehen.

Und ihr seid nicht schuld – einfach, weil eure und unsere Welt nach unterschiedlichen physikalischen Gesetzen funktionieren.

Unsere ist dort, wo ein gepanzertes Fahrzeug mit einem „Zweihundertsten“ oben drauf vorbeifährt…

und anhält, um zu fragen, ob man dich mitnehmen soll.

Und du nickst einfach, kletterst auf die Panzerung und setzt dich neben den leblosen Körper.

Weil das die Norm ist.

Unsere Norm.

Und wenn der Diktator sagt, dass es keinen Frieden geben wird, schweigen wir.

Nicht, weil wir Angst haben.

Sondern weil wir das längst verstanden haben.

Der Frieden wird uns nicht geschenkt.

Der Frieden wird nicht einfach unterschrieben.

Der Frieden wird nicht von selbst kommen.

Man wird ihn sich herausbeißen müssen.

Schritt für Schritt.

Mit Blut.

Mit Verlusten.

Mit einem Schmerz, den man nicht in Worte fassen kann.

Und selbst wenn in mir Zweifel leben – ich werde trotzdem gehen.

Ich werde trotzdem kämpfen.

Ich werde trotzdem standhalten.

Denn stark sind nicht jene, die sich des Sieges sicher sind.

Stark sind jene, die weiterkämpfen, selbst wenn sie sich des Ausgangs nicht sicher sind.

Es wird keinen Frieden geben? Gut.

Dann werden wir kämpfen, bis er kommt – oder bis es uns nicht mehr gibt.

Und solange wir stehen, haben wir nicht verloren.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media

Autor: Vitaly Belkin
Veröffentlichung / Entstehung: 04.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putins Appetit wächst | Vitaly Portnikov @gvlua. 05.12.2025.

Korrespondent: Fangen wir mit diesem angeblichen Gespräch an, das das deutsche Magazin „Spiegel“ veröffentlicht hat, in dem europäische Staats- und Regierungschefs Präsident Zelensky davor gewarnt haben, dass Amerika in dem Kontext, Territorien aufzugeben, ihn verraten könnte, und überhaupt betont haben, dass es für Präsident Zelensky ziemlich gefährlich sei, mit den jetzigen Unterhändlern über den Krieg von amerikanischer Seite zu sprechen. Das sind nämlich genau die Leute, die jetzt zu Putin gefahren sind und sich dann in Europa nicht mit Präsident Zelensky getroffen haben. Was haben Sie in dieser Botschaft gehört? Dass die Europäer alles verstehen und bereit sind, Seite an Seite mit der Ukraine bis zum Ende zu stehen? Oder könnte das doch der erste Hinweis darauf sein, dass es heißt: „Ohne Amerika wird es für uns alle schwer, und ihr, Ukrainer, werdet euch auf die Bedingungen einigen müssen, die euch die Vereinigten Staaten von Amerika und Putin vorschlagen“?

Portnikov: Ich habe in diesem Gespräch keinen einzigen Hinweis darauf gesehen, dass die Europäer vorschlagen würden, sich unter irgendwelchen Bedingungen zu einigen. Das ist wirklich eine ganz normale Demonstration von Angemessenheit. Für mich gibt es in diesem Gespräch praktisch nichts Sensationelles – aus dem einfachen Grund, dass ich ohnehin schon der Meinung war, dass all diese europäischen Staats- und Regierungschefs hervorragend verstehen, was in den Vereinigten Staaten von Amerika vor sich geht. Und jeder versteht das – das muss man klar verstehen. Ganz und gar nicht nur die Europäer.

Nur wollen die Europäer nicht mit Trump streiten, sie wollen die Lage der euroatlantischen Sicherheit nicht verkomplizieren. Aber dass sie Trumps Wunsch sehen, sich mit Putin zu einigen, scheint mir völlig offensichtlich. Das sieht absolut jeder.

Korrespondent: Gleichzeitig sehen wir schon ein deutlich konkreteres Aufeinandertreffen und Drohungen gegen Europa. Putin hat in der vergangenen Woche gesagt, wenn es einen offenen Konflikt gebe, könne es sein, dass es niemanden mehr gebe, mit dem man verhandeln könne. Und schon sein Handlanger Medwedew hat heute oder vielleicht gestern in seinem Telegram-Kanal geschrieben, dass, wenn die Europäer es wagen sollten, die jetzt bei der Russischen Föderation beschlagnahmten Vermögenswerte wegzunehmen – verhaftet, nicht konfisziert –, Russland möglicherweise versuchen werde, die Rückgabe dieses Geldes bereits auf militärischem Wege zu erzwingen.

Portnikov: Was kauft da eine belgische Bank – wie in irgendeinem guten Zeichentrickfilm. Aber im Ernst: Diese Erklärungen zeugen ausschließlich davon, dass sie diese Vermögenswerte tatsächlich ziemlich ernsthaft beunruhigen, und dass man genau ihre verwundbare Stelle gefunden hat, dass sie sich von diesem Geld nicht verabschieden wollen. Das Einzige ist, dass wir im Moment noch sehr weit davon entfernt sind zu verstehen, wie man dieses Geld nutzen kann. Aber die Art, wie sie reagieren, ist ein aufschlussreicher Moment, der zeigt, dass sie Schwachstellen haben. Und diese eingefrorenen russischen Vermögenswerte sind eine dieser Schwachstellen.

Und alles andere – hören Sie: Putin wäre nicht Putin, wenn er nicht zu Drohungen überginge, sobald man versucht, mit ihm zu verhandeln. Putin ist ein Mensch, der jegliche Versuche, sich zu einigen, als Zeichen der Schwäche des Feindes betrachtet und der meint, dass man den Feind vernichten müsse und nicht mit ihm verhandeln. Denn aus Putins Sicht verhandeln Menschen, die sich in dieser Welt ihrer Sache sicher sind, nicht – sie diktieren.

Und wenn Trump mit ihm über irgendetwas verhandeln will, nicht mehr nur Steve Witkoff zu ihm schickt, sondern auch seinen eigenen Schwiegersohn Jared Kushner, dann heißt das, dass Trump diesen Frieden sehr nötig hat. Den Nobelpreis oder noch etwas anderes. Und folglich kann man Druck ausüben sowohl auf die Amerikaner als auch auf die Europäer, und man kann seinen Appetit vergrößern.

Korrespondent: Was meinen Sie – Sie haben die Zusammensetzung der Delegation nach Moskau erwähnt, und Trumps Schwiegersohn Kushner ist gefahren. Kushner wird doch eher mit so erfolgreichen Phasen von Verhandlungen assoziiert. Und so war es ja im Nahen Osten. Offensichtlich haben die Amerikaner wohl ein besseres Ergebnis erwartet. Welche Folgen könnte das haben? Hat Putin – was, nebenbei, wie mir scheint, oft eine seiner Eigenschaften ist, insbesondere was die Ukraine betrifft – nicht überzogen in seinem Wunsch, seinen Willen durchzusetzen? Wird er, sagen wir so, nicht einen Widerstand bekommen, der größer ist, als er erwartet hat?

Portnikov: Das ist eine gute Frage, weil das nicht einmal eine Eigenschaft Putins ist, sondern überhaupt eine Eigenschaft der russischen politischen Kultur. Ich habe das einmal bei Valerij Schewtschuk gelesen, der ganz klar sagte, wodurch sich das Kyiver Land vom Moskauer unterscheidet: durch die Übermaßhaftigkeit der Wünsche. Du kannst dich niemals beruhigen. Es scheint, als könntest du alles gewinnen, aber sofort willst du so viel, wie du nicht schlucken und verdauen kannst. Und das trifft in vollem Umfang auf die heutige russische politische Führung zu. Wir sehen das. Also werden wir sehen, wie das sein wird.

Ich bin überhaupt nicht sicher, dass die Amerikaner selbst wirklich geglaubt haben, dass sie sich mit Putin über etwas Ernstes einigen könnten. Ich denke, dass Trump gerade die Idee hatte, dass man mit Hilfe dieser Pendeldiplomatie mit der Zeit zu irgendwelchen Entscheidungen kommen könnte, die – sagen wir – für die russische Seite komfortabel wären und zu denen man die ukrainische Seite zwingen könnte. Aber wir verstehen doch mit Ihnen bestens: Trump, der sieht, dass die überwältigende Mehrheit der Amerikaner, darunter auch die republikanischen Wähler, die Ukraine unterstützt und Russland nicht unterstützt, kann nicht einfach so sagen, dass er ein Bündnis mit Putin eingeht, denn in diesem Fall wäre er in seiner eigenen Partei in absoluter Minderheit.

Ja, natürlich gibt es irgendwelche ultrarechten Kräfte, die sich an Russland als verlässlichen Partner orientieren, als Hüter der sogenannten traditionellen Werte. Sagen wir es ehrlich: postfaschistische Kräfte – sowohl unter den Republikanern als auch in der amerikanischen Gesellschaft. Aber diese Kräfte sind keineswegs die Mehrheit in der Republikanischen Partei. Die Republikanische Partei kann man nicht als postfaschistische Partei bezeichnen. Es gibt in ihr einfach Gruppierungen, die eine solche Ideologie offen vertreten – wie übrigens auch in Russland.

Wir können klar sagen, dass Russland ein Land einer postfaschistischen, postnationalsozialistischen Ideologie ist. Alles, was Putin sagt. Sie haben „Noworossija“ erwähnt. Diese Idee von „Noworossija“ wurde zum ersten Mal als solches politisches Manifest in der sogenannten Krim-Rede Putins artikuliert, die auf der Sitzung der Föderalen Versammlung der Russischen Föderation 2014 gehalten wurde, wo Putin wieder von den Fehlern der Bolschewiki sprach, die der Ukraine Territorien geschenkt hätten.

Aber damals sagten viele – und ich habe das gesehen, als ich diese Rede live hörte –, dass diese Rede ein Plagiat, ein Remake der entsprechenden Sudeten-Rede eines anderen Politikers sei, dem Putin sehr nahe steht: des Reichskanzlers Adolf Hitler. Sie war aufgebaut wie eine Rede Hitlers. Sie enthielt Ideen, die Hitlers Ideen sehr ähnlich waren. In ihr wurde sogar der Begriff „Nationalverräter“ verwendet, der direkt aus der nationalsozialistischen Propaganda in die russische Propaganda übergegangen ist.

Wir müssen uns mit Ihnen daran erinnern, dass wir es mit einem Staat zu tun haben, der im Grunde die faschistische Ideologie zum Fundament seiner Existenz gemacht hat. Daran ist nichts Besonderes. Man kann natürlich sagen: „Oh, der große Sieg im Großen Vaterländischen Krieg – wie konnten sie…?“ Ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis: Die Mitarbeiter der sowjetischen Geheimdienste – zuerst des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, dann des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation – haben ideologisch immer mehr mit dem Nationalsozialismus sympathisiert als mit dem Kommunismus. Und sie haben einfach die Möglichkeit bekommen – weil diese Ideologien sich sehr ähnlich sind –, diese Sympathien und Wünsche in die Realität umzusetzen.

Korrespondent: Apropos Übermaß, wovon Sie richtig gesprochen haben. Putin zeigte ja gerade mit seinen Aussagen über „Noworossija“ immer, dass – sagen wir grob, in irgendeinem sehr schrecklichen Traum, rein hypothetisch – die Ukraine unter irgendeinem Protektorat fremder Truppen und so weiter irgendeiner Weise dem zustimmen würde, was die Amerikaner vorschlagen: das Territorium jenes Teils der Oblast Donezk zu überlassen, der jetzt unter Kontrolle steht. Das sind große Städte – Slowjansk, Kramatorsk, Družkiwka. Das sind Städte, in denen weiterhin Zehntausende Menschen leben. Aber wir verstehen doch, dass Putin immer mehr wollen wird: „Okay, dann gebt noch Saporischschja, gebt noch Cherson, gebt noch Dnipro, gebt Charkiv, gebt Sumy.“

Portnikov: Wir wissen im Grunde, wie „Noworossija“ auf der russischen politischen Karte aussieht. Und das ist ganz und gar nicht nur die Oblast Donezk, die Oblast Luhansk, die Oblast Cherson und die Oblast Saporischschja. Seien wir ehrlich. Und hier gibt es noch einen sehr wichtigen Moment: All diese Gespräche über den Donbas sind im Grunde nicht darauf gerichtet, dass wir den Russen den Donbas übergeben, sondern auf die Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass es unter den Ukrainern viele Menschen gibt, die immer zu einer Verständigung mit Russland zu beliebigen russischen Bedingungen tendiert haben, weil Russland für sie die Metropole ist. Diese Menschen sind 2022 irgendwohin verschwunden, aber das bedeutet nicht, dass sie weg sind. Es ist eine riesige Zahl von Menschen, die insbesondere in den östlichen und südlichen Regionen unseres Landes konzentriert sind, aber nicht nur dort. Und natürlich haben sie vor dem Hintergrund der Ereignisse, die nach Februar 2022 begannen, ihre Meinungen nicht geäußert. Jetzt aber hören wir sie buchstäblich aus jedem Bügeleisen und hören sie auf den Straßen: „Ach, wenn Zelensky doch schneller etwas unterschreiben würde und dieser Horror vorbei wäre.“

Und die Rede ist natürlich vom Donbas. Und sie werden niemals glauben, dass es mit dem Donbas nicht enden wird und dass das ausschließlich dazu dient, sie – sagen wir – von ihrem Wunsch, die Ukraine zu unterstützen, in ihren natürlichen Wunsch zu überführen, Russland zu unterstützen, hier einen Bürgerkonflikt zu provozieren. Sie tun das nicht zum ersten Mal. Ich weiß nicht, ob Sie den Auftritt des ehemaligen Oberkommandierenden der Landstreitkräfte der Russischen Föderation in einem der russischen Informationskanäle gesehen haben, der gerade über Putins Fehler vor dem Angriff auf die Ukraine sprach, über das Versagen der Geheimdienstgemeinschaft. Er sagte, dass sich herausgestellt habe, „dass uns nur 30 % der Bevölkerung unterstützen und 70 % gegen uns sind. Und wir dachten, es sei umgekehrt“.

Und jetzt versuchen wir einmal zu verstehen, woher solche Zahlen stammen. Das ist keine Geheimdienstgemeinschaft – das ist einfach das Unvermögen, politisch richtig zu rechnen. Die 70 % der Menschen, die laut ihren Daten Russland unterstützten, sind genau die Wähler von Volodymyr Zelensky. Die 30 %, die Russland nicht unterstützten, sind die Wähler von Petro Poroschenko – grob gesagt. In Wirklichkeit hätte man aber völlig anders rechnen müssen. Man hätte die Wähler von Zelensky, Tymoschenko und anderen staatstragenden und nationaldemokratischen Kandidaten zum populistischen Elektorat Zelenskys hinzurechnen müssen, und 30 % wären dann für das Elektorat übrig geblieben, das für prorussische Kräfte stimmte – für die OPZZH, den Oppositionsblock. Und dann hätten sie gesehen, dass es keinerlei 70 % gibt, die bereit wären, vor Russland zu kapitulieren. Der Hauptfehler bestand genau darin, dass man in Russland das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019 völlig klar als politischen Revanchismus Moskaus interpretierte, der mit dem politischen Revanchismus 2010 vergleichbar sei, als die putinsche Marionette Viktor Janukowytsch in der Ukraine an die Macht kam.

Und gerade deshalb war das Treffen in Paris zwischen Putin und Zelensky eine kalte Dusche für den russischen Präsidenten. Und gerade deshalb traf Putin damals, buchstäblich im Flugzeug von Paris nach Moskau, die Entscheidung über den Angriff auf die Ukraine und über die Ersetzung Zelenskys, der sich – wie er sagte – vor den nationalistischen Banderowzi erschreckt habe, durch „richtige Führer“, die den Willen der 70 % Wähler umsetzen würden, die bei den Präsidentschaftswahlen für ein Bündnis mit Russland und für die Kapitulation vor ihm gestimmt hätten. Da haben Sie es.

Und jetzt wollen sie erneut diesen Teil des Elektorats finden, die Lage destabilisieren, die Ukraine in einen Bürgerkrieg stürzen und auf diese Weise den größten Teil unseres Territoriums besetzen. Ein einfacher Plan, in dem Putin die Hauptrolle spielt, und Witkoff mit Kushner die Statistenrollen. Nun, so haben sie die Rollen verteilt.

Korrespondent: Und wir drehen uns weiter, sogar mit dem, was Sie jetzt gesagt haben, um diese Definition: die Übermaßhaftigkeit der Politik der Russischen Föderation, die Überschätzung der eigenen Kräfte, die sie irgendwie haben – sie haben wahrscheinlich ein gewisses Elektorat, das sie unterstützt. Und sie geben jetzt auch viel zu und sagen offen, dass sie zu Beginn der großangelegten Invasion ein Kontingent von etwa 250.000 Militärangehörigen eingesetzt haben, und jetzt, schwierig zwar, aber sie rücken vor, sind etwa eine Million russische Militärangehörige im Donbas. Aber das ist ganz sicher kein Vorrücken mit der Perspektive, große ukrainische Städte einzunehmen.

Portnikov: Natürlich nicht, denn der Krieg ist längst nicht mehr nur ein Krieg an der Front. In Moskau verstand man sehr gut, dass man durch einen Krieg an der Front nicht viel erreichen kann. Deshalb ist es ein Krieg zur Erschöpfung des ukrainischen Staates. Ein Krieg, der darauf abzielt, im Laufe der nächsten Jahre des Widerstreits zwischen Moskau und Kyiv das Territorium der Ukraine in eine eisige Wüste ohne Bewohner zu verwandeln. Und wenn Sie wieder fragen: „Wozu braucht Russland, selbst wenn es die Kontrolle über die Ukraine erlangt, als eine Wüste ohne Bewohner?“, dann waren Sie niemals in Russland, sind nicht durch Zentrusrussland gefahren, wo man Dutzende, Hunderte Kilometer durch Leere fährt, wo keine Menschen leben, waren nicht in Sibirien, das seit seiner Eroberung durch Jermak – ich meine den echten Jermak, nicht den Bürojermak – ein völlig leerer Kontinent geblieben ist. Sie haben nicht gesehen, wie heute in den nationalen Republiken Russlands Dörfer und Kleinstädte ohne Menschen zurückbleiben, wo die Mehrheit der Männer längst in diesem Krieg gestorben ist, und früher im Zweiten Weltkrieg gestorben ist.

Deshalb ist eine Ukraine ohne Bevölkerung eine völlig normale Situation für die Russen. Warum? Weil sie jede Situation als Militärbasis betrachten. Ich erinnere mich für immer – ich glaube, ich habe Ihnen diese wunderbare Geschichte meiner Reise in die Oblast Kaliningrad erzählt. Das letzte Mal war ich in der Oblast Kaliningrad, als es bereits Direktflüge Kyiv–Kaliningrad gab. Und ich war mehrmals dort, als ich in Russland arbeitete. Und diesmal arbeitete ich schon in der Ukraine. Ich beschloss, diesen Direktflug zu nutzen, um zu sehen, wie sich die Kurorte der Oblast Kaliningrad entwickeln – die berühmten deutschen Kurorte, an denen die gesamte deutsche und, übrigens, russische Aristokratie bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts Urlaub machte.

Und ich fahre mit dem Besitzer der Apartments, die ich gebucht habe, im Auto und frage ihn nach dem Geschäft. Und er sagt zu mir: „Ja, das Geschäft läuft gut, aber es gibt ein großes Problem.“ – „Welches?“ – „Wir haben keine Raketen.“ – „Wozu brauchen Sie Raketen?“, frage ich ihn erstaunt. „Na wie denn, damit man vor uns Angst hat! Welchen Sinn hat es, in der Oblast Kaliningrad zu leben, wenn wir keine Raketen und keine Atomwaffen haben?!“, antwortet er überzeugt. 

Das ist ein ganz normaler Mensch. Das waren noch die Zeiten der sogenannten beinahe Demokratie, der Zusammenarbeit mit dem Westen. Aber ein gewöhnlicher, einfacher Russe träumte schon damals davon, dass er in seinem Hof nicht ein Hotel, sondern einen Raketenstartanlage hätte, von dem aus man Raketen in Richtung Berlin und Warschau abschießen könnte. Das ist der Traum jedes „normalen“ Menschen in der russischen Gesellschaft. Und Putin kennt diese Wünsche. Das ist alles.

Korrespondent: Das heißt, Kaliningrad – oder Königsberg, wie sein deutscher Name lautet – wurde sozusagen zum Vorboten der Krim, kann man sagen?

Portnikov: Natürlich, bis zu einem gewissen Grad. Aber das Wichtigste ist, dass sie mit diesem unglaublich wichtigen Gebiet für sie, das hätte – Sie wissen schon – einfach das Europa Russlands sein können, umgegangen sind. Es liegt ja zwischen Polen und Litauen. Das ist ein riesiges europäisches Erbe, das Grab Kants, das in einem der alten Dome Kaliningrads erhalten geblieben ist. Sie haben das einfach stumpf in eine Militärbasis verwandelt. Genau so, wie sie die Krim in eine Militärbasis verwandeln. Alles, was sie sehen, verwandeln sie entweder in ein Plumpsklo oder in eine Militärbasis. Das sind die zwei Zustände der rätselhaften russischen Seele. Da – Sie wollten ein Rezept, Sie haben es bekommen. Anstatt – sagen wir – einen riesigen Flughafen zu schaffen, der zu einem Drehkreuz für Reisen geworden wäre… Gott sei Dank, dass sie ihn tatsächlich nicht geschaffen haben – für Reisen von Russen in die ganze Welt.

Korrespondent: Und wenn man jetzt auf eine solche geopolitische Weltkarte schaut: Wir verstehen – da ist die Ukraine, die mit der Russischen Föderation kämpft, hinter der Ukraine stehen die europäischen Staats- und Regierungschefs, hinter der Russischen Föderation stehen in unterschiedlichem Maß Nordkorea, Iran, andere Verbündete.

Portnikov: Sie haben China aus irgendeinem Grund nicht erwähnt. Und das ist die Hauptmacht, die hinter Russland steht.

Korrespondent: Oder Russland rückt einfach auf Vorschlag Chinas mal in die eine, mal in die andere Richtung. Ich wollte, wissen Sie, nicht so formulieren, dass China hinter Russland stehen könnte.

Portnikov: China steht zweifellos hinter Russland, aber das ist ein kompliziertes Bündnis, in dem die Chinesen einerseits aufrichtig am Erfolg Russlands interessiert sind und andererseits möchten, dass dieser Erfolg nicht zu einer Stärkung der russischen Positionen in der Region führt, weil sie lieber ein Krieg führendes Russland sehen als ein Russland, das Hegemon wird – im europäischen Raum. Mit einem solchen Russland hatten sie es ja bereits zu tun. Das war die Sowjetunion, mit der sich Mao Zedong so zerstritt, dass es sogar militärische Zusammenstöße an der Grenze zwischen der Sowjetunion und China gab. Insofern ist China an einem Krieg interessiert, nicht an einem Sieg im Frieden. Und aus dieser Sicht erfüllt es seine Aufgaben, würde ich sagen.

Korrespondent: Ich wollte in der vorherigen Frage noch einen anderen Aspekt ansprechen, aber das, was Sie geantwortet haben, ist auch sehr interessant. Wir verstehen: Ukraine–Europa, Russland–China, auf der anderen Seite Nordkorea, Iran, und andere kleinere Länder. Und wo befinden sich in dem jetzigen Koordinatensystem die Vereinigten Staaten von Amerika?

Portnikov: Das müssten Sie Donald Trump fragen, wo sich in diesem heutigen Koordinatensystem die Vereinigten Staaten befinden.

Korrespondent: Ich habe leider keine Karten, um mit Trump zu sprechen. Ich frage Sie.

Portnikov: Um mit Trump zu sprechen, braucht man keine große Schule. Man muss sich nur auf etwas anderes einlassen: dass er dich ein Schwein nennt, und du nichts erwidern wirst, sondern in seine glücklichen Äuglein blicken wirst. Das ist seine bekannte Art, mit der Presse zu kommunizieren. 

Wenn wir ernsthaft reden: Die Vereinigten Staaten verwandeln sich jetzt in ein isolationistisches Land, das versucht, seinen Platz in Lateinamerika zu finden – vor allem mittels Drohungen gegen verschiedene Regime, sowohl autoritäre als auch demokratische. Donald Trump hat mit seinem politischen Konzept, mit seinem Blick auf die Welt die Vereinigten Staaten in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückgeworfen. Er hat das bewusst getan.

Ich sage immer, dass es in den Vereinigten Staaten immer einen Kampf zwischen zwei politischen Auffassungen gab. Die eine sah die Vereinigten Staaten als Weltführer. So positionierten dieses Land Präsident Woodrow Wilson, der während des Ersten Weltkriegs Präsident war, und am Ende seiner Tätigkeit Präsident Franklin Roosevelt und Harry Truman und viele andere Präsidenten bis hin zu Ronald Reagan, Bill Clinton, Barack Obama letztlich. Und es gibt Menschen, die immer der Meinung waren, dass sich die Vereinigten Staaten auf dem amerikanischen Kontinent isolieren müssen. „Wir haben einen wunderbaren Ozean. Uns interessiert nicht, was dort passiert. Das alles geht uns nichts an.“ Die Namen dieser Präsidenten erinnern wir uns nicht besonders, weil sie sich in der amerikanischen Geschichte keinen wirklichen Platz gesichert haben. Und Trump, davon bin ich überzeugt, wird das auch nicht tun. Wenn zehn Jahre nach Trump vergangen sind, wird man sich an ihn einfach als alten, gebrechlichen Menschen erinnern, der bei den Sitzungen seiner eigenen Regierung eingeschlafen ist, denn es wird null Errungenschaften geben.

Aber diese Leute waren lange Zeit in Amerika an der Macht. Sie sind jetzt zurückgekehrt. Daran ist nichts Überraschendes. Das war für Amerika immer eine Lektion. Immer, wenn diese Leute zurückkehrten und begannen, Amerika zu regieren, endete das immer mit einem Zusammenbruch, Krieg, menschlichen Opfern, wirtschaftlichen Problemen, einer großen Depression. Jetzt erwartet die Amerikaner dasselbe. Glauben Sie mir: Es wird nichts Gutes aus der Herrschaft Trumps entstehen. Der Wähler Trumps bekommt, was er verdient. Und daran ist ebenfalls nichts falsch, weil die Geschichte nicht diejenigen bestrafen muss, die herrschen, sondern diejenigen, die wählen.

Nur wenn die Geschichte diejenigen, die wählen, klar und hart bestraft und ihr Leben in eine durchgehende Tragödie und einen Albtraum verwandelt, sind die Völker in der Lage, Schlussfolgerungen zu ziehen, die ihnen helfen, zu überleben. Deswegen nehmen wir diese Gerechtigkeit genau als Gerechtigkeit für die sogenannten einfachen Leute wahr. Es reicht nicht aus, sagen wir, Gerechtigkeit für Populisten, für Trump zu haben – es muss so sein, dass derjenige, der für diesen Unsinn gestimmt hat und Aussichtslosigkeit für sich, für seine Familie für lange schwarze Jahrzehnte bekommen hat, mit dieser Gerechtigkeit Auge in Auge ohne irgendwelche Perspektiven aus der Situation herauszukommen, konfrontiert wird. Das ist richtig. Es ist falsch, wenn du „weiß der Teufel für wen“ wählst und dann so lebst, als sei in deinem Leben nichts passiert. Nein, so ist es in der Geschichte niemals gewesen und glauben Sie mir, es wird auch nicht so sein.

Korrespondent: Und wann wird die Geschichte bestrafen? Nun, Putin wurde in der Russischen Föderation nicht gewählt.

Portnikov: Putin wurde nicht gewählt, natürlich.

Korrespondent: Aber wann wird die Geschichte diese KGB-hafte russische Elite bestrafen, die sich seit der Sowjetunion an die Macht klammert und jetzt Zehntausende Menschen tötet und möglicherweise noch wesentlich mehr?

Portnikov: Man muss nicht die Elite bestrafen, sondern das russische Volk, das damit einverstanden ist, in einem solchen Regime zu leben. Die Geschichte muss Völker bestrafen, nicht Regime. Also – die Russen, wie es heißt, haben nie so gut gelebt wie unter Putin. Und leben sie jetzt immer noch gut? Mit jedem Jahr wird sich ihre wirtschaftliche Lage verschlechtern. Mit jedem Jahr werden die Perspektiven für ihre Kinder und Enkel verschwinden. Mit jedem Jahr wird Russland in die Dunkelheit der Aussichtslosigkeit eintauchen. Und das ist normal. Wenn wir darüber sprechen, dürfen wir nicht sagen: „Oh, was für ein Schrecken! Oh, die armen Leute in Uljanowsk oder da irgendwo in Belgorod. Sie sind doch an nichts schuld.“ Die Völker tragen Verantwortung für ihre Herrscher.

Und wenn Sie denken, dass ich kein Mitgefühl mit den Deutschen habe, die 1945 in eine solche Tragödie geraten sind, dass es sogar schwer ist, sich vorzustellen, wie viele menschliche Opfer, Tötungen, Vergewaltigungen, Vertreibungen aus den Heimatorten… Das ist eine riesige humanitäre Katastrophe, eine der größten im 20. Jahrhundert. Habe ich Mitgefühl mit jedem einzelnen Menschen? Ja. Aber ich erinnere mich, dass gerade weil diese Menschen herumgingen und für Hitler gestimmt haben und ihnen Hitler gefallen hat, sechs Millionen meiner Glaubensgenossen niemals mehr an ihr normales Leben werden erinnern können, weil man sie einfach verbrannt und getötet hat. Deswegen kann mein Mitgefühl gegenüber irgendeinem deutschen Mädchen mein Verständnis dafür, dass dieses Mitgefühl auf mein Mitgefühl gegenüber einem im Konzentrationslager getöteten jüdischen Jungen trifft, nicht überlagern. Verstehen Sie?

Also – so funktioniert der Prozess der Bestrafung durch die Geschichte. Wenn wir über die Russen nachdenken, müssen wir uns an die Menschen erinnern, die umgekommen sind, an die ukrainischen Kinder, die im Holodomor aufgegessen wurden. Deren Eltern sie im Holodomor aufgegessen haben. Woran sollen wir denken? An die unglücklichen Russen, die so schlecht in der Sowjetunion gelebt haben, oder an das, was mit dem ukrainischen Volk geschehen ist?

Korrespondent: Hat der Prozess der Bestrafung der russischen Nation durch die Geschichte, wenn man es so nennen kann, schon begonnen?

Portnikov: Das wird ein langer Prozess sein, und nicht nur das russische Volk wird eine Figur in diesem Verlauf der Geschichte sein. Sie werden noch sehen, wie viele Menschen, die nicht verstehen, was sie in diesem Leben tun, in diesem Moloch landen werden.

Korrespondent: Wofür bestraft die Geschichte die Ukraine und das ukrainische Volk mit einem solchen Nachbarn?

Portnikov: Das ist ein eigenes Thema – über die drei Jahrzehnte unserer Unabhängigkeit und über den Unwillen und das Unvermögen eines großen Teils unserer Mitbürger, richtige Schlussfolgerungen über die Bedrohungen für die Existenz unseres Staates zu ziehen, sowie über die Marginalisierung, die bewusste Marginalisierung derjenigen, die vor diesen Bedrohungen gewarnt haben.

Korrespondent: Zum Schluss stelle ich Ihnen noch eine Frage. Ich habe sie Ihnen nicht zum ersten Mal gestellt, und eine Ihrer Prognosen bekomme ich einfach nicht aus dem Kopf. Sie haben schon mehr als einmal in unseren Sendungen gesagt, dass es Anfang des kommenden Jahres dazu kommen könnte – nicht unbedingt im Februar –, dass der Konflikt zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine in eine noch heißere Phase des Krieges mit Kampfhandlungen übergeht, möglicherweise bereits mit Drohnen oder Langstreckenangriffen unter Einbeziehung Europas. Ich erinnere mich, dass Sie vielleicht vom Februar gesprochen haben. Ich habe mir dieses Datum jetzt herausgesucht und wollte Sie fragen, ob das möglicherweise zu einem solchen Ausgangspunkt werden könnte.

Im Jahr 2007 hielt Putin auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine Rede, in der er all diese seine menschenfressenden Absichten umriss. Damals hat das niemand besonders wahrgenommen, aber schon damals hat Putin das gesagt. Dann kam Georgien, dann kam die Krim, dann die Situation auf dem Territorium unseres Staates. Am 21. Februar 2022 trat Zelensky auf der Sicherheitskonferenz in München auf, wo er sagte, dass die Ukraine die Atomwaffen zurückholen müsse. Zumindest erinnere ich mich nicht wörtlich an diese Rede. Und am 24. Februar geschah dann der Einmarsch der Russischen Föderation. Einer der Aspekte, warum sie das getan haben, war gerade, dass sie sagten: Zelensky drohe mit Atomwaffen. „Wie können wir einen Feind mit Atomwaffen an unserer Grenze haben?“

Ich möchte nicht in den Pessimismus verfallen, aber was meinen Sie: Kann es in diesem Jahr nach der Münchner Sicherheitskonferenz zu etwas kommen, das den Verlauf der Geschichte verändern wird? Wir können ja auch die letztjährige Münchner Konferenz und die Rede von J.D. Vance in Erinnerung rufen. Das war ja ebenfalls eine gewisse historische Wende.

Portnikov: Wissen Sie, jetzt spricht Putin selbst bereits über die Möglichkeit eines Krieges mit Europa. Früher hat er das nicht getan. Hier gibt es eine einfache Formel, die man nicht einmal mit Politologen besprechen muss, sondern mit Militärs.

Wenn du in einem Konflikt keinen entscheidenden Vorteil erzielen kannst und in eine Sackgasse gerätst, dann musst du den Konflikt ausweiten, um auf einem breiteren Kriegsschauplatz irgendwelche Möglichkeiten zu finden. Möglicherweise mit Hilfe hybrider Aktionen – aber die Ausweitung des Konflikts ist ein offensichtlicher Schritt, eine offensichtliche Reaktion darauf, dass du in diesem Krieg, der bereits vier Jahre andauert, keinen wirklichen Erfolg erzielen kannst.

Und die russische Führung wird schlicht nicht darum herumkommen, zu dem Schluss zu gelangen, dass sie irgendetwas mit Europa machen muss, damit Europa aufhört, der Ukraine zu helfen, Angst bekommt – und damit man den europäischen Ultrarechten helfen kann, in den führenden europäischen Ländern an die Macht zu kommen. So kann das kommen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Апетити Путіна зростають | Віталій Портников ‪@gvlua‬
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Putin will „Noworossija“ besetzen | Vitaly Portnikov. 04.12.2025.

Der Präsident Russlands, Wladimir Putin, hat erneut Noworossija erwähnt. In seinem Interview am Vorabend seines Besuchs in Indien betonte Putin, dass Russland in jedem Fall den Donbass und Noworossija befreien werde – auf militärischem oder anderem Wege.

Bezeichnend ist, dass Putin inzwischen keineswegs mehr nur von der Region Donezk spricht. Und es bleibt nur zu verstehen, von welcher „Noworossija“ er spricht, wenn er die Notwendigkeit ihrer „Befreiung“ betont. Geht es dabei um die Gebiete der ukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson? Wie bekannt ist, wurde ein Teil dieser Territorien bereits 2022 von den Russen besetzt und später innerhalb der administrativen Grenzen der ukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson annektiert. Oder geht es um einen umfassenderen Plan – jenes politische Projekt, von dem wir Putin während der Sitzung der Föderalversammlung der Russischen Föderation anlässlich der Annexion der Krim sprechen hörten?

Gerade damals erwähnte Putin das sogenannte bolschewistische „Geschenk“ an die Ukraine, das mit den meisten östlichen und südlichen Regionen unseres Landes zusammenhänge. Und genau dieses Gebiet wurde in Moskau damals als Noworossija bezeichnet, das – wie wir heute verstehen – Teil der Russischen Föderation werden sollte.

Übrigens sprach Putin auch am 24. Februar 2022, als er sich mit der Ankündigung des Beginns der sogenannten speziellen Militäroperation an seine Landsleute wandte, davon, dass Russland die Rechte aller „Völker“ der Ukraine gewährleisten müsse.

Fragen Sie mich bitte nicht, welche Völker das sein sollen, wenn die überwältigende Mehrheit der Einwohner der Ukraine ethnische Ukrainer sind. Aber wir erinnern uns ja, wie 2014 plötzlich das „Volk des Donbass“, das „Volk der Region Donezk“ oder „der Region Luhansk“ auftauchte. Später erschienen dann das „Volk der Region Saporischschja“ oder „der Region Cherson“, und Teile der von Russland besetzten Gebiete erklärten bei Pseudoreferenden, sie seien nun unabhängige Staaten, die sich Russland anschließen wollten.

Genau auf diese Weise wollte Putin auch 2022 vorgehen. Er hoffte, dass die Marionettenregierung, die er in Kyiv nach der Einnahme der Stadt durch russische Truppen installieren wollte, einer ganzen Reihe von Referenden im Osten und Süden der Ukraine zustimmen würde. Und selbstverständlich würden die Teilnehmer dieser Fake-Referenden der Ausrufung der „Unabhängigkeit“ dieser ukrainischen Regionen mit anschließendem Anschluss an Russland zustimmen.

Und jener Teil der Ukraine, der nicht von diesem Referendumsprogramm erfasst worden wäre, sollte sich selbstverständlich in eine neue Belarus verwandeln – ein Land, das von einer putinschen Marionette geführt würde und alle Wünsche Russlands erfüllen müsste, allerdings in verkleinerter Form.

Das war übrigens genau jener Blitzkrieg-Plan, von dem wir bereits im Februar 2022 gesprochen haben. Nun kehrt Putin offenbar zu diesem Modell zurück – vor dem Hintergrund seiner Verhandlungen mit den Vertretern Trumps, Steve Witkoff und Jared Kushner.

Und das zeigt ein weiteres Mal, dass die sogenannten russischen Bedingungen in diesen Verhandlungen nichts Reales bedeuten. Wenn Ukrainer beginnen, ernsthaft darüber zu diskutieren, ob man vielleicht tatsächlich einen Teil der Region Donezk aufgeben müsse, damit der Krieg endet, und wenn Trump oder Rubio davon sprechen, dass es sich nur um ein kleines Gebiet handele, das von ukrainischen Truppen gehalten werde und ohnehin früher oder später von Russland besetzt würde – dann übersehen sie eine ganz einfache Sache.

Es geht überhaupt nicht um den Donbass. Es geht darum, dass Putin Bedingungen stellt, die vor allem auf die Destabilisierung der politischen Lage in unserem Land abzielen. Er will mithilfe Trumps die ukrainische politische Führung dazu zwingen, sich zumindest mit der Besetzung der Region Donezk durch russische Truppen abzufinden – mit der Aufgabe jener Festungen, die die ukrainischen Streitkräfte seit vielen Jahren verteidigen. Und sobald das geschieht – worauf Putin hofft, dass es zu einer scharfen Destabilisierung des politischen Lebens in unserem Land führen wird –, werden die Russen sofort wieder von Noworossija sprechen und vom ukrainischen Führung verlangen, auch aus den Regionen Saporischschja und Cherson die Truppen abzuziehen.

So ist auch Hitler vorgegangen. Zunächst verlangte er von der Tschechoslowakei die Übergabe der Kontrolle über das Sudetenland. Als der britische Premier Neville Chamberlain und der französische Premier Daladier diesen Forderungen Adolf Hitlers zustimmten, wurde schon wenige Monate später der Präsident der verkleinerten Tschechoslowakei nach Berlin zitiert und darüber informiert, dass er der Umwandlung seines Landes in das Protektorat Böhmen und Mähren zustimmen und noch in der Reichskanzlei seine Zustimmung zur faktischen Liquidierung der Souveränität und Unabhängigkeit seines Staates unterschreiben müsse.

Für die Ukraine hat Putin einen vollkommen identischen Plan. Gerade deshalb sollte man sich nicht selbst täuschen. Es gibt keine Bedingung eines Abzugs der ukrainischen Truppen aus der Region Donezk im Austausch für einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front und erst recht nicht für ein Ende des Krieges als solchem. Es gibt Putins klares Verständnis, dass die östlichen und südlichen Regionen der Ukraine von Russland kontrolliert werden und Teil Russlands werden müssen.

Und natürlich kann Putin nach der Salamitaktik vorgehen: Zuerst die Region Donezk fordern, dann Cherson und Saporischschja – und danach, wie wir verstehen, auch Charkiw, Mykolajiw und Odesa. Denn der Entzug des Zugangs der Ukraine zum Meer ist – selbst wenn es nicht gelingt, die staatliche Souveränität unseres Landes vollständig zu zerstören – ebenfalls eines der wichtigen Ziele der russischen Führung und, ich würde sagen, auch eines der wichtigen Ziele des russischen Volkes, das diese expansionistischen Absichten seines Präsidenten unterstützt.

Und hier bleibt nur noch zu verstehen: Verstehen die Amerikaner das eigentlich? Es scheint, sie verstehen es. Denn derselbe Donald Trump hat wiederholt gesagt, dass Putin offenbar die ganze Ukraine braucht – und nicht nur den Donbass oder die sogenannte Noworossija.

Und wenn sie das verstehen – warum verhalten sie sich dann inadäquat, warum verschließen sie die Augen vor den wahren Absichten des russischen Präsidenten, warum unternehmen sie keine Anstrengungen, die auf die Eindämmung von Putins expansiven Bestrebungen gerichtet wären? Denn es ist absolut offensichtlich: Wenn er diesen Weg weitergeht, wird er nicht bei der Ukraine haltmachen. Die Destabilisierung der Lage in Europa wird ebenfalls eines der wichtigen Elemente der weiteren russischen Politik werden.

Das logisch zu verstehen, wie auch alle anderen Handlungen des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, fällt mir, wie Sie verstehen, ziemlich schwer. Doch die Tatsache bleibt bestehen: Gerade vor dem Hintergrund der Verhandlungen mit Witkoff und Kushner, gerade vor dem Hintergrund des Treffens amerikanischer Vertreter mit der ukrainischen Delegation unter Leitung des Sekretärs des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates Umerow, spricht Putin völlig ruhig – als hätte es diese fast vier Jahre des großen russisch-ukrainischen Krieges nie gegeben – von Noworossija, die von den russischen Streitkräften „befreit“ werden müsse. So, als hätte es sonst überhaupt nichts gegeben. So, als hätte man nicht einmal diesen reduzierten Katalog putinscher Forderungen in Gestalt eines Teils der Region Donezk diskutiert.

Deshalb sollte man weder wir noch Trump, noch Witkoff, Kushner und Rubio, noch all jene, die die wahren Ziele der russischen expansionistischen Politik in Richtung Ukraine verstehen wollen, in Illusionen leben.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін хоче окупувати «Новоросію» | Віталій Портников. 04.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der Geist von Anchorage. Vitaly Portnikov. 04.12.2025.


US-Präsident Donald Trump und der Präsident der Russischen Föderation Wladimir Putin in Anchorage, 15.08.2025. Foto: Julia Demaree Nikhinson/Associated Press/East News

https://www.sestry.eu/statti/duh-ankoridzha?fbclid=IwZnRzaAOet8lleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEe32Y7osT_Oe68cnPxXOZTNt4PDLLut_IpKbC_MflheDLBxlKK4qZbUsrz9J4_aem_KbaQcPIPVptwhqXqjo052A

Russische Funktionäre, die in den letzten Wochen die friedensstiftenden Bemühungen der Administration von Donald Trump kommentieren, vergessen nicht zu betonen, dass der russisch-amerikanische Dialog über die Bedingungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges dem „Geist von Anchorage“ entsprechen müsse. Doch was bedeutet das eigentlich?

Auf den ersten Blick wirkt das seltsam. Denn während des amerikanisch-russischen Gipfels in Alaska konnte keinerlei Einigung erzielt werden, er endete sogar vorzeitig … Ja, Donald Trump versuchte später, sein Treffen mit Putin als Erfolg darzustellen, doch außerhalb von ihm selbst schien in den Vereinigten Staaten eigentlich niemand diese Einschätzung zu teilen. Und konkrete Inhalte dieses angeblichen Erfolges hat Trump niemals vorgelegt. Welcher „Geist“ also?

Gleichzeitig haben die Russen recht. Genau damals kam es zu einem tatsächlichen Wendepunkt in der amerikanischen Position.

Wenn Trump vor dem Treffen mit Putin noch die Idee eines Waffenstillstands mit anschließendem Friedensprozess vertreten hatte, so festigte er sich nach Alaska beinahe endgültig in der Vorstellung von der Unterzeichnung eines Friedensabkommens – also von Verhandlungen während des laufenden Krieges. Und das ist genau Putins Idee.

Putin rechnet weiterhin damit, mithilfe von Friedensverhandlungen und der Demonstration seiner angeblichen Friedfertigkeit Zeit für die Fortsetzung des Vernichtungskrieges und die Besetzung neuer ukrainischer Gebiete zu „kaufen“. Deshalb passt der Friedensplan Trumps dem russischen Präsidenten nicht wegen seines Inhalts, sondern allein wegen seiner Existenz. Wegen der Logik selbst, dass man sich zuerst über den Frieden einigen müsse – und der Waffenstillstand Teil dieser Vereinbarungen sein solle.

Denn in dieser Logik kann die „Pendeldiplomatie“ der Gesandten Trumps beliebig lange dauern, langwierige Gespräche mal mit den Russen, mal mit den Ukrainern können sich über Monate hinziehen – während der Krieg weitergeht. Man könnte sagen, dass Trump durchaus daran interessiert ist, den Krieg so schnell wie möglich zu beenden – zumindest im Hinblick auf die Chance, den ersehnten Friedensnobelpreis zu erhalten. Doch wenn Putin nicht gewillt ist, sich schnell zu einigen, wird Trump gezwungen sein, sich Putins Tempo zu fügen. Nach dem nächsten kavallerieartigen Vorstoß in Richtung Friedensregelung hat der amerikanische Präsident bereits wieder eingestanden, dass er keine endgültigen Fristen habe. Ist das nicht genau das, was Putin erreichen will?

Und wenn wir beginnen, über die Details des Friedensplans zu diskutieren, über Änderungen daran, über den „gerechten“ oder „ungerechten“ Inhalt einzelner Artikel eines möglichen Abkommens, dann geraten wir in Wirklichkeit erneut in eine weitere putinsche Falle.

Denn alle Gespräche über Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit müssen nach einem Waffenstillstand stattfinden – und nicht während der Kampfhandlungen.

Denn Friedensverhandlungen während eines Krieges sind keine Verhandlungen, sondern der Druck des Aggressors auf das Opfer und ein Hinauszögern der Zeit in der Hoffnung, neue Sanktionen zu verhindern. Und es scheint, dass Trump das von Anfang an sehr gut verstanden hat und gerade deshalb Putin einen Waffenstillstand angeboten hatte. Warum also hat der amerikanische Präsident seinen Ansatz geändert?

Vielleicht deshalb, weil er zu dem Schluss kam, dass es ihm ohnehin nicht gelingen würde, Putin schnell zu einem Waffenstillstand zu zwingen – und dass sich, wenn er sich auf Friedensverhandlungen einlässt, also dem russischen Präsidenten entgegenkommt, dann vielleicht gleichzeitig die Chance ergibt, sowohl den Waffenstillstand als auch das Ende des Krieges zu erreichen.

Doch Trump unterschätzt Putin. Für den russischen Präsidenten ist jeder Schritt des Entgegenkommens bereits eine Niederlage des Gegners, den man nun nur noch weiter unter Druck setzen muss. Und nun gewinnt Putin nicht nur Zeit, sondern streift sich auch noch eine Militäruniform über und droht mit einem „Krieg bis zum letzten Ukrainer“ oder sogar mit der Bereitschaft zu einem Krieg in Europa. Solche dreisten Erklärungen hatte der russische Präsident früher nicht abgegeben – aber früher war ihm auch der amerikanische Präsident in der Abfolge der Schritte zur Beendigung des Krieges nicht entgegengekommen.

Das ist es, was in Wirklichkeit den „Geist von Anchorage“ ausmacht.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Дух Анкоріджа. Віталій Портников. 04.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 04.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Ukrainer wurden in die USA eingeladen: Einzelheiten | Vitaly Portnikov. 03.12.2025.

Unsere heutige Sendung wird dem Verlauf der Ereignisse im sogenannten Friedensprozess gewidmet sein, den Ereignissen rund um den Plan, den der amerikanische Präsident Donald Trump vorgeschlagen hat und der in den letzten Tagen während zahlreicher Verhandlungsrunden sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Europa, sowohl zwischen Amerikanern und Ukrainern als auch zwischen Amerikanern und Europäern so aufmerksam geprüft wird.

Gestern gab es, wie Sie wissen, eine Art entscheidende Etappe, weil, wie der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, sagte, man Russland in diese Situation „einbinden“, in diese Gleichung einbeziehen müsse. Und genau zu diesem Zweck sind der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steven Witkoff, und dazu noch in Begleitung des Schwiegersohns des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Jared Kushner, in die russische Hauptstadt gereist, um mit dem russischen Präsidenten Putin zu verhandeln.

Und die Beobachter teilten sich sofort in zwei Gruppen, je nach Einschätzung dessen, was passieren könnte. Viele sagten, allein die Anwesenheit Kushners bei diesem Treffen sei schon ein Beweis für eine ernsthafte Entwicklung der Ereignisse, dass sich die Amerikaner mit den Russen über etwas einigen würden, dass es unbedingt ein Ergebnis geben werde, weil Kushner, der seinem Schwiegervater Trump viel näher steht als sein Freund Witkoff, nur dann auftauche, wenn es schon möglich sei, über irgendeine reale, siegreiche Erfolgsmeldung zu sprechen. Nun, und natürlich konnte Kushner in einer solchen Situation offenkundig darauf hoffen, dass Moskau die Vorschläge verstehe, die die Vereinigten Staaten vorgebracht und bereits mit der ukrainischen Delegation abgestimmt hatten.

Andere sagten, dass man überhaupt nichts erwarten müsse. Wie Sie wissen, gehörte ich zu dieser zweiten Gruppe, die meinte, dass die Verhandlungen mit nichts enden könnten, dass nun höchstwahrscheinlich nicht nur Witkoff, sondern auch Kushner zum Narren gemacht würden, dass Putin nichts akzeptieren würde und dass die meisten grundsätzlichen Vorschläge der Vereinigten Staaten als solche charakterisiert würden, die die russische Seite nicht annehmen könne, und dass sie den Kreml ohne jegliche Ergebnisse und sogar ohne Erklärungen verlassen würden.

Mich wunderte nur, dass Witkoff nach diesem Treffen mit Putin ein Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in Europa angesetzt hatte, um ihm offenkundig von irgendwelchen Ergebnissen zu berichten, die sich in die Logik der sogenannten „Pendeldiplomatie“ einfügen sollten. „Wir haben mit den Ukrainern gesprochen, dann mit den Russen. Über deren Vorschläge haben wir ebenfalls mit den Ukrainern gesprochen. Danach reden wir wieder mit den Russen, um ein reales Ergebnis zu erzielen.“ Aber all das ist nicht geschehen. Witkoff hat sich nicht mit Zelensky getroffen, genau deshalb, weil der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten dem Präsidenten der Ukraine nichts zu sagen hatte.

Damit ist diese Geschichte im Grunde zu Ende gegangen. Er ist zusammen mit Jared Kushner in die Vereinigten Staaten zurückgekehrt, der nach Aussagen derjenigen, die bei diesen Verhandlungen dabei waren, verärgert darüber gewesen sein soll, dass Putin einfach nicht über das sprach, was Kushner für das eigentliche Wesen des Problems hält.

Aber wenn die amerikanischen Vertreter das Wesen des Problems im Ende des russisch-ukrainischen Krieges sehen, dann besteht für Putin das Wesen des Problems im bloßen Fakt der Existenz der Ukraine, die ihm die Amerikaner nicht erlauben, seinem Staat einzuverleiben. Das sind völlig unterschiedliche Sichtweisen auf das „Wesen“. Und solange die Amerikaner nicht begreifen, worin das Wesen von Putins Problemen besteht, werden sie auf alle möglichen Arten mit dem Kopf gegen die Wand rennen.

Jetzt haben wir vom Außenminister der Ukraine, Andrij Sybiha, erfahren, dass die Amerikaner die Verhandlungen mit den Russen positiv bewerten und die ukrainische Delegation nach Washington einladen. Was kann das in Wirklichkeit bedeuten, wenn man es ernsthaft betrachtet? Das ist das, was ich den Geist von Anchorage nenne – aber den echten Geist von Anchorage, nicht den Unsinn, mit dem die Russen stets das Fiasko des für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, beschämenden Treffens mit dem russischen Staatschef Putin in Alaska zu überdecken versuchen.

Was ist der Geist von Anchorage? Trump und Putin treten nach einem völlig ergebnislosen Treffen vor die Journalisten, währenddessen Putin sich völlig gelassen über seinen amerikanischen Gesprächspartner lustig gemacht hat, der, wie wir sehen, es schon allein aufgrund seiner physischen Verfassung derzeit schwer hat, stundenlange Verhandlungen durchzustehen.

Putin hielt für die versammelten Journalisten eine kurze Geschichtsvorlesung, wobei er den russisch-ukrainischen Krieg als zweitrangiges Thema bei seinem Treffen mit Trump nur am Rande streifte. Der verärgerte Trump sagte den Journalisten, dass man keinerlei Deal habe erreichen können, und sie gingen weg, ohne eine einzige der Fragen der Journalisten zu beantworten, die sich in Alaska in Erwartung irgendeiner ausgedachten Sensation versammelt hatten.

Doch bereits im Flugzeug – und wie Sie wissen, ist der Flug von Alaska nach Washington viele Stunden lang – zog Trump, der seine zahlreichen Niederlagen immer gern als Siege verkauft, seine Schuhe aus, schlüpfte in bequemes Flugschuhwerk und begann zu erzählen, wie erfolgreich doch sein Treffen mit Putin gewesen sei. Und später war er sehr beleidigt, als praktisch die gesamte amerikanische Presse, alle Medien, alle Fernsehsender dieses Treffen für jeden – ich würde sagen – bewussten Menschen bei gesundem Verstand als Niederlage und Schande des Präsidenten der Vereinigten Staaten charakterisierten. Nicht die erste, wie wir verstehen, und nicht die letzte in dieser wundersamen Präsidentschaft.

Und so verteidigte Trump weiterhin die Idee, dass er in Wirklichkeit doch gesiegt habe. Denn, wie Trump selbst bei der gestrigen ebenfalls bemerkenswerten Sitzung der amerikanischen Regierung sagte, habe er immer recht, mache alles immer richtig und wisse alles. Das ist so ein psychologischer Zustand eines Menschen, der sich nie in dem irrt, womit er eigentlich überhaupt nichts zu tun hat und wovon er keinerlei Ahnung hat.

Und jetzt wird sich dieselbe Situation wiederholen. Witkoff und Kushner haben in Moskau ein demütigendes Fiasko erlitten – von Putin, der ihnen eine weitere Vorlesung gehalten und betont hat, dass er nicht beabsichtige, sich auf irgendwelche amerikanischen Forderungen, Ideen und Vorschläge einzulassen.

Ja, vielleicht hat Putin zum Schein einigen zweitrangigen Punkten zugestimmt, die den Krieg aber in keiner Weise beenden, doch das spielt keine Rolle, denn die Situation an sich ist absurd, verstehen Sie? Wenn die Amerikaner mit den Russen nicht über eine Feuerpause sprechen – was übrigens ebenfalls Teil dieses idiotischen Geistes von Anchorage ist –, sondern statt über einen Waffenstillstand zu sprechen und Druck auf Russland und seine Wirtschaft auszuüben, damit Russland einfach aufhört zu schießen, wie es ein Klassiker formuliert hat, stattdessen irgendwelche Artikel eines Friedensvertrags diskutieren, den man zehn Jahre hintereinander besprechen kann – dafür ist er ja ein Friedensvertrag –, dann ist in dieser Situation natürlich der einzige vollständige Sieger Putin gewesen, ist er und wird er bleiben. Denn Putin möchte Verhandlungen vor dem Hintergrund von Kriegshandlungen führen. Das hat er bereits im Winter und Frühjahr 2022 gezeigt. Was hat sich geändert? Nichts. Aber die Igel fressen weiter den Kaktus.

Ich denke also, dass – wenn sich die amerikanische Delegation mit der ukrainischen in Washington trifft – es genauso sein wird. Sie werden von gewaltigen Erfolgen berichten, die bei diesen Verhandlungen erzielt worden seien, dass sie von den Ukrainern Antworten auf irgendwelche russischen Vorschläge erwarteten, die es gegeben habe, und auf Ergänzungen, die zu diesem Schema des sogenannten Friedensplans vorgeschlagen worden seien, den die amerikanische und die ukrainische Delegation erörtert hatten.

Die ukrainische Delegation kann etwas akzeptieren, etwas nicht akzeptieren. Wieder werden Fragen gestellt werden, auf die die Amerikaner keinerlei Antworten haben. Warum sollten die ukrainischen Truppen das Gebiet der Oblast Donezk verlassen, das die Russen seit vier Jahren nicht erobern können, nur weil Trump vorhersagt, dass die Russen es früher oder später erobern werden? Und warum zur Hölle sollten die Ukrainer einem Kriegsende ohne jegliche Sicherheitsgarantien seitens der Vereinigten Staaten zustimmen? Und wie sollten diese Sicherheitsgarantien aussehen? Und was ist mit den eingefrorenen russischen Vermögenswerten? Wie wird das aussehen und wie wird der Wiederaufbau der Ukraine aussehen? Selbst wenn es uns irgendwann gelingt, die Kampfhandlungen zu beenden – auf all diese Fragen haben die Amerikaner nicht einmal den Hauch einer Antwort.

Sie werden reden. Vielleicht werden Witkoff und Kushner erneut zu Putin fahren, und der wird ihnen wieder eine Vorlesung halten. Und erneut stellt sich die Frage: Wann wird das sein? Werden die amerikanischen Vertreter es noch vor den Weihnachtsfeiertagen schaffen, den russischen Präsidenten erneut zu treffen? Wenn nicht, dann, wie wir wissen, kommt das politische Leben sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Russland während der Feiertage praktisch zum Stillstand. Nun, das ist dann für einen einfachen Zeitraum – ich würde sagen – vom 24., aber nach dem amerikanischen Festkalender in Wirklichkeit ab dem 15. Dezember, dem ersten Tag von Chanukka, bis zum 7. Januar, dem Weihnachtsfest nach altem Stil, das in der Russischen Föderation gefeiert wird.

Das heißt, betrachten Sie dies als unsere letzten 10–12 Tage, in denen theoretisch noch irgendwelche Verhandlungen stattfinden können. Und möglicherweise ist die Kalkulation der Amerikaner genau die, die es einmal bei der Vereinbarung über Mineralien gab: Wenn die Feiertage vorbei sind, erinnert sich niemand mehr an diesen Friedensplan, und es beginnt irgendeine andere Tagesordnung im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg, denn man kann sagen, dass dies einfach Teil der politischen Show unter Beteiligung Trumps ist.

Juri Uschakow, der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten, der beauftragt ist, diese ganze Geschichte zu kommentieren, trat heute mit eigenen Erklärungen zum künftigen Verlauf der Ereignisse im russisch-amerikanischen Dialog auf. Und was an diesen Erklärungen wichtig war – ebenso übrigens wie an den Erklärungen eines anderen russischen Beamten, des Kreml-Pressesprechers Dmitri Peskow, der diese Situation ebenfalls kommentierte: Die Russen sind einerseits nicht bereit, der Mehrheit der amerikanischen Vorschläge zuzustimmen, möchten sich andererseits aber nicht mit Trump überwerfen.

Deshalb sagen die Russen erstens, dass Putin die amerikanische Vereinbarung nicht abgelehnt habe. Nein, das seien einfach die ersten Konsultationen und der erste Versuch, sozusagen, die Position des jeweils anderen zu verstehen. Ich wiederhole nochmals: Selbst wenn die Friedensverhandlungen drei Jahre lang andauern, passt das Putin völlig. Man wird so alle drei bis vier Monate die Uhren abgleichen.

Noch ein wichtiger Punkt – das ist bereits das, was Uschakow sagt: Sie sprächen nur mit den Amerikanern, mit den Europäern sprächen sie nicht. Die Europäer seien unfreundlich eingestellt, und die Russen würden ihnen ständig vorschlagen, konstruktiver zu sein. Aber sie würden nicht konstruktiver. Das liege also alles auf dem Gewissen der Europäer, obwohl diese allmählich etwas angemessener zu werden begännen, besonders nach der Situation an der Frontlinie, „am Boden“, wie sie es gern nennen.

Und so hätten sie mit den Amerikanern all diese Fragen offen diskutiert, weil sie überhaupt nur mit den Amerikanern sprechen, aber zu nichts seien sie gelangt. Es sei einfach eine angenehme Zeit, die sie da mit den Amerikanern und mit Trumps Team verbracht hätten, mit denen sie den Frieden in der Ukraine besprechen. Aber welche Ergebnisse? Es gibt kein Ergebnis. Das ist im Grunde das Wesen dessen, was in diesem Dialog geschieht.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt, über den man ebenfalls sprechen muss, besteht darin, dass die Europäer nicht nur nicht an den Verhandlungen mit Russland teilnehmen – was übrigens sehr gut ist, denn ich finde, dass man mit den Russen nichts zu besprechen hat –, sondern Möglichkeiten suchen, der Ukraine im Haushalt 2026–2027 zu helfen. Denn ich erinnere daran, dass das ukrainische Parlament diesen Haushalt mit einem Defizit verabschiedet hat. Und dieses Defizit muss, wie Sie verstehen, durch westliche Hilfe gedeckt werden.

Jetzt wissen wir bereits, heute erschien eine Erklärung der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, darüber, wie zwei Drittel des Finanzbedarfs der Ukraine für die kommenden zwei Jahre gedeckt werden sollen. Das sind 90 Mrd. Euro von benötigten 136 Mrd. Euro. Den Rest müssen internationale Partner abdecken. Es stehen zwei Entscheidungen zur Abstimmung. Erstens ein Kredit der Europäischen Union. Diese Entscheidung kann nur einstimmig angenommen werden. Und die zweite Entscheidung ist der sogenannte Reparationenkredit, bei dem die Guthaben aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten in der Europäischen Union genutzt werden. Und diese Entscheidung kann mit qualifizierter Mehrheit getroffen werden.

Das heißt, selbst wenn der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán oder der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, die vielleicht keinen Appetit auf eine solche Entscheidung haben, beschließen, dagegen zu stimmen, werden ihre Stimmen nichts bedeuten.

Und nun stellt sich die Frage, wie diese Gelder bereitgestellt werden. Erstens sind das Gelder zur Haushaltsunterstützung der Ukraine. Und hier werden die Instrumente genutzt werden, die schon eingesetzt wurden, damit die Ukraine in dieser schwierigen Zeit des Widerstands überleben konnte. Und zweitens ist das militärische Unterstützung. Übrigens zeigt die Tatsache, dass die Europäer dies auf zwei Jahre planen, auch den Realismus der europäischen Wahrnehmung – niemand erwartet das Ende des Krieges bis 2027–2028.

Alle verstehen inzwischen, dass dies ein jahrelanger Krieg ist. Die ersten vier Jahre sind vergangen. Das kann sich noch einige Jahre fortsetzen, vorausgesetzt natürlich, Russland verfügt weiterhin über das wirtschaftliche und demografische Potenzial zur Fortführung des Krieges.

Bislang sehen wir keine wirklichen ernsthaften Probleme, die den russischen Präsidenten dazu zwingen würden, über ein Ende des Krieges nachzudenken. Wir können uns aus einem einfachen Grund irren: Putin könnte die tatsächliche Situation in seiner eigenen Wirtschaft vor uns verbergen, sodass in Wirklichkeit alles viel schlimmer sein könnte. Hoffen wir darauf, aber grundsätzlich muss man sich darauf einstellen, dass der Krieg möglicherweise nicht einmal zwei Drittel seiner weiteren Dauer hinter sich hat und noch Jahre und Jahre eines zermürbenden Widerstands zweier verfeindeter Staaten bevorstehen. Nun, das ist die geopolitische Realität.

Aber wenn die Europäer davon sprechen, dass sie die Ukraine zwei Jahre lang haushaltspolitisch unterstützen wollen, ist das ein weiteres wichtiges Signal an die Russische Föderation: „Selbst wenn ihr weiter die Ukraine bombardiert, um die Infrastruktur dieses Landes zu zerstören, seine Wirtschaft zu ruinieren und der Ukraine nicht zu erlauben, sich normal zu entwickeln – Europa wird die Ukraine unterstützen, damit sie euch Widerstand leistet und es keine Illusionen darüber gibt, dass ihr die Ukraine wirtschaftlich vernichten könnt. Europa wird der Ukraine helfen, und erschöpft wird eure degenerierte Wirtschaft sein, denn wir werden alles tun, damit auch wir uns vollständig von euren Energieträgern lösen und damit die Länder des globalen Südens immer größere Probleme bekommen, wenn sie weiterhin eure Energieträger kaufen.“

Und ich denke, das ist der einzig richtige Ansatz, denn der einzig richtige Ansatz muss ein solcher wirtschaftlicher Zusammenbruch Russlands sein, nach dem der Nachbarstaat sich über mehrere Jahrzehnte nicht mehr normal aufrichten kann. Das heißt, die russische Wirtschaft muss in eine solche Sackgasse getrieben werden, dass die russische Bevölkerung keine Möglichkeiten zu einem normalen Leben über viele Jahrzehnte hinweg finden kann und sich nur mit ihrem eigenen Überleben beschäftigt – mit dem Überleben des einfachen Russen, mit der Suche nach Überlebensmöglichkeiten – und dass, wenn sich das auf Dutzende Millionen Menschen erstreckt, die in ihrem eigenen Land keinen Platz finden, dies ihre aggressiven Ambitionen stoppen kann.

Ja, Sie werden sagen, dass sie dann umso mehr in die Armee gehen werden, dass es für sie eine größere finanzielle Versuchung geben wird zu töten. Sie töten ja für Geld. Aber was ist, wenn es kein Geld gibt, um diese niederträchtigen und gemeinen Söldner zu bezahlen? Und wie Sie sehen, beeilt sich Putin nicht, eine allgemeine Mobilisierung durchzuführen, weil er versteht, dass er bis zu einem gewissen Grad einen sozialen Vertrag mit der russischen Gesellschaft hat. „Wir werben diejenigen an, die keinen Platz in diesem Leben haben, für Geld. Wir reinigen unser Land von Lumpen, denen wir bezahlen. Die überwältigende Mehrheit dieses Lumpenpacks stirbt. Und ihr hindert uns nicht am Kriegführen und arbeitet zudem noch in den Rüstungsbetrieben der Russischen Föderation für ganz gutes Geld, das wir alle aus dem Ölverkauf erhalten. Und wir führen ein wunderbares Leben auf fremdem Blut, auf dem Blut der Ukrainer, die wir mit Vergnügen töten, um ihr Land zu bekommen, und auf dem Blut der unglücklichen Lumpen, die wir entsorgen, weil wir sie nicht brauchen. Also, lasst sie für die Ordnung buckeln.“

Aber wenn es kein Öl und Gas gibt, mit deren Geld man die Beschäftigten des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation bezahlen kann – eines Komplexes, der mit jedem Kriegstag nur wachsen und sich vergrößern wird, weil der Bedarf an Eskalation dieses Krieges sich ebenfalls vergrößern wird, auch in Richtung Europa –, wenn es also keine Gelder aus dem Öl gibt, dann gibt es keine Möglichkeit, für Rüstungsproduktion zu bezahlen, keine Möglichkeit, Söldner zu bezahlen, dann steht man vor der Notwendigkeit einer echten Mobilisierung von Bürgern, die daran nicht teilnehmen wollen und lieber die Besetzung der „sakralen Krim“ oder der jetzt für die Russen „wichtigsten Stadt“ „Krasnoarmeisk“ beobachten möchten. So nennen diese Schurken von ihren Sofas aus Pokrowsk weiterhin. Das ist ebenfalls eine reale Sache, die geschieht.

Und ich halte das für den entscheidenden Punkt in unserem Verständnis davon, wie man diesen Krieg beenden kann: Es ist die Erschöpfung des wirtschaftlichen, demografischen und sozialen Potenzials der Russischen Föderation. Und es ist der Nachweis des Westens, dass er bereit ist, die Ukraine so lange zu unterstützen, wie es nötig sein wird – so lange, wie Russland bereit ist, Krieg zu führen.

Jetzt ist bereits bekannt, wer zu Verhandlungen mit den Vertretern von Präsident Trump in die Vereinigten Staaten reisen wird. Rustem Umjerow, Andrij Hnatow und alle, die für diese Verhandlungen nötig sind, werden das Gespräch mit den Vertretern von Präsident Trump fortsetzen. Und derzeit, so der ukrainische Präsident, bestehe das Verständnis, dass eine Möglichkeit entstanden sei, den Krieg zu beenden.

Das sagt Zelensky in den letzten Tagen ständig, aber wie das konkret umgesetzt werden soll, wissen wir bislang nicht. Wir wissen jedoch, was der finnische Präsident Alexander Stubb gesagt hat, der ebenfalls von den nächsten Tagen spricht und davon, ab wann man davon sprechen könne, ob es den Teilnehmern dieses Konflikts – vor allem natürlich der westlichen Seite – gelungen ist, ihn zu regeln und was erreicht werden konnte.

Stubb spricht jetzt von Frieden zu ungerechten Bedingungen für die Ukraine. Wenn man sein Interview genau zitieren will: Er – ein Mensch, der, wie Sie wissen, ständig mit Donald Trump Golf spielt – sagt, er sei enttäuscht gewesen, als er den Friedensplan gesehen habe, und dass die Finnen darauf vorbereitet sein müssten, dass die Bedingungen für einen gerechten Frieden in der Ukraine nicht erfüllt würden. Und jetzt arbeite die Europäische Union daran, dass im Friedensprozess die Souveränität und territoriale Integrität der Ukraine gewahrt blieben.

„Die Realität war so, dass Frieden entweder gut oder schlecht sein oder einen gewissen Kompromiss darstellen kann. Die Realität ist auch, dass die Finnen darauf vorbereitet sein müssen, dass, wenn der Frieden kommt, all die Bedingungen eines gerechten Friedens, über die in den letzten vier Jahren so viel gesprochen wurde, offensichtlich nicht erfüllt sein könnten.“ Das ist ebenfalls die klare Meinung des finnischen Präsidenten.

Stubb ist bis heute nicht sicher, dass Trump überhaupt von dem Plan mit den 28 Punkten wusste. Und er glaubt, dass es überhaupt nicht so war, aber wir werden das nie erfahren. Und als Stubb diesen Plan sah, hielt er ihn für äußerst unangenehm und beleidigend für die Ukraine. Im amerikanischen Entwurf wurde Finnland ebenfalls im Kontext von Sicherheitsgarantien erwähnt. Und übrigens verstehen die Finnen bis heute nicht, wie Finnland dort hineingeraten ist. „Vielleicht, weil wir die stärksten Streitkräfte in Europa haben. Und das ist ja großartig.“

Insofern kann man sagen, dass wir sehen, dass führende europäische Politiker, ich würde sagen, die reale Kontakte zu den Vereinigten Staaten haben, ebenfalls sagen, dass sie keine Voraussetzungen für irgendeinen real gerechten Frieden sehen. Aber wir werden sehen. Noch einmal: Ich denke, dass die Situation bis zu den Zwanzigern des Dezember klarer wird oder einfach in der Luft hängen bleibt. Und danach kann es sein, dass wir schlicht nichts mehr über diesen Friedensplan erfahren werden, dass es eine völlig andere Tagesordnung geben wird, die mit der Entwicklung der Ereignisse rund um den russisch-ukrainischen Krieg zusammenhängt.

Damit sie mich richtig verstehen: Es kann sein. Und wir sprechen jetzt deshalb jeden Tag über die Entwicklung der Ereignisse rund um diesen Friedensplan, damit wir ein realistisches Bild vom Verlauf jener Prozesse haben, die diesen Kriegsverlauf verändern können. Das ist ebenfalls eine völlig reale Sache, wenn man darüber spricht, wie sich die Ereignisse in den nächsten Wochen entwickeln könnten. Die Frage ist nicht, ob wir tatsächlich einen realistischen Friedensplan sehen werden, sondern ob wir wenigstens in gewisser Weise darauf vorbereitet sein können, was rund um die Lösung der Probleme des russisch-ukrainischen Krieges in der nächsten Zukunft geschehen wird.

Und dass wir verfolgen können, was in Bezug auf die Hilfe für die Ukraine geschieht. Denn dass ich jetzt so ausführlich bei den Fragen der Finanzierung unseres Landes im Jahr 2026 verweile, liegt daran, dass uns die Hälfte des Haushalts fehlt – damit es diesbezüglich bei niemandem irgendwelche Illusionen gibt. Das ist ebenfalls eine Frage dessen, ob die Ukraine kämpfen kann. Und das ist ebenfalls eine Frage, die in erster Linie von der Europäischen Union abhängt, von der Form, in der die Hilfe für die Ukraine in der nächsten Zukunft geleistet wird.

Denn, wie Sie verstehen, kann kein Land ohne Haushalt, ohne Geld Krieg führen. Und während wir mit Ihnen über die Erschöpfung Russlands sprechen, können wir uns selbst erschöpfen. Und jetzt stellt sich die Frage, inwieweit der Westen bereit ist, sich mit unserer Erschöpfung abzufinden, wenn man bedenkt, dass die Frage des Widerstands des ukrainischen Volkes gegen die russischen Invasoren eine Frage realer Sicherheitsgefühle für die Europäer selbst ist.

Ich denke, dass Putin uns viel Gutes tut, wenn er sagt, dass er bereit ist, mit Europa Krieg zu führen. Jedes Mal, wenn Putin betont, dass sein Land bereit sei, gegen Länder der Europäischen Union, gegen NATO-Länder auf dem europäischen Kontinent zu kämpfen, erinnert er die Europäer daran, dass sie nicht uns helfen, sondern ihre eigene Sicherheit schützen und uns so vor Entscheidungen über einen Friedensplan schützen, die wirklich ungerecht und gefährlich für die Ukraine wären. Und Sie haben die Umfragen gesehen, dass die Hälfte der Ukrainer bereit ist zu demonstrieren, wenn diese Bedingungen tatsächlich gefährlich sind und, ich würde sagen, nicht garantieren, dass der Krieg sich in den nächsten Jahren nicht wiederholt.

Das sind die heutigen, ich würde sagen, Nachrichten im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg und dem Verhandlungsprozess. Aber niemand hat gesagt, dass, wenn wir diese Sendung beendet haben, nicht erneut der Präsident Trump auf den Radaren auftauchen wird. Ich denke, er müsste schon aufgewacht sein. Und nun wird er ebenfalls beginnen, über das zu sprechen, was mit dem russisch-ukrainischen Krieg geschieht.

Frage. Sagen Sie bitte, welches aus Ihrer Sicht das realistischste Szenario für die Entwicklung der Ereignisse in diesem Krieg in den nächsten sechs Monaten ist?

Portnikov. Wenn im Friedensprozess kein Durchbruch erzielt wird, werden die nächsten sechs Monate dieses Krieges den vergangenen vier Jahren ähneln. Es wird Stellungskämpfe an der Frontlinie geben. Ja, die Russen können sich in gewissem Maße vorarbeiten, einzelne Ortschaften einnehmen, sie können sich auch nicht vorarbeiten, sie können an dieser Frontlinie stehen. Sie sehen, dass selbst rund um Pokrowsk weiterhin Kämpfe stattfinden.

Die Beschüsse ukrainischen Territoriums mit russischen Raketen und Drohnen werden weitergehen. Es wird von Zeit zu Zeit massive Angriffe geben, und die Versuche, die ukrainische Energieinfrastruktur zu zerstören, werden weitergehen. Aber ungefähr im Februar werden sie bereits abnehmen, denn dann ist der Winter vorüber und das macht keinen Sinn mehr. Und für die Russische Föderation sind solche Angriffe schließlich ziemlich teuer.

Der Ausbau des militärisch-industriellen Komplexes der Russischen Föderation wird weitergehen, die Anhäufung von Waffen möglicherweise für einen nächsten Krieg gegen europäische Länder. Die Ukraine wird weiterhin den russischen Raffineriekomplex zerstören, Häfen, die gesamte Infrastruktur, die nötig ist, damit Russland Geld verdient. Die Schläge gegen die russische Tankerflotte werden verstärkt werden – sowohl auf den Meeren als auch in Form von Sanktionsschlägen, in Form von Kontrolle der Schiffe dieser Flotte. Die amerikanischen Sanktionen gegen die Russische Föderation könnten verstärkt werden.

Das heißt, der Krieg wird zur Routine, an die wir uns in diesen vier Jahren eigentlich schon hätten gewöhnen sollen und an die wir uns möglicherweise in den nächsten vier Jahren, grob gesagt, gewöhnen müssen. Ich sehe also im nächsten Halbjahr, wenn es keine Vereinbarungen über einen Waffenstillstand und über einen Friedensprozess geben wird – und ich sehe zumindest heute keine Voraussetzungen für solche Vereinbarungen –, lediglich weitere sechs Monate eines Krieges, der seit vier Jahren andauert und, grob gesagt, noch vier Jahre andauern kann.

Ich weiß nicht, wann er enden wird. Ich halte es für möglich, dass er in vier Monaten enden kann, wenn sich die Bedingungen ergeben. Aber wenn er nicht endet, wird es eben Routine sein. Der Krieg wird zur Routine. Und das Hauptziel dieses Krieges ist weniger der Sieg an der Front als die Erschöpfung beider verfeindeter Länder. Die Ukraine will Russland erschöpfen, Russland will die Ukraine erschöpfen. Das ist die Logik eines modernen Krieges, wenn die Hauptakzente im Hinterland liegen, weil die Russen verstehen, dass sie militärisch nichts erobern können.

Die Technologie entwickelt sich ständig weiter, die Möglichkeiten werden immer geringer. Sie wollen die Ukraine in eine menschenleere Wüste verwandeln, und wir wollen Russland in eine ökonomische, energetische Wüste verwandeln. Das ist die Logik des russisch-ukrainischen Krieges der 20er, vielleicht sogar der 30er Jahre des 21. Jahrhunderts.

Und ich denke, dass der Krieg 2026 eskalieren und in einen hybriden Krieg der Russischen Föderation gegen europäische Länder übergehen kann, möglicherweise bereits unter Einsatz von Kympfwaffen. Auch darauf muss man sich vorbereiten.

Frage. Warum sagt Alexander Stubb, der Präsident Finnlands, dass die Ukraine gezwungen sein wird, Frieden zu ungünstigen Bedingungen zu unterschreiben? Und zusätzlich hat Italien sich geweigert, Waffen zu kaufen.

Portnikov. Nun, Italien hat sich vorerst geweigert, Waffen zu kaufen, sie nehmen an diesem Programm nicht teil, scheinbar aus eigenen haushaltspolitischen Erwägungen. Vielleicht hoffen sie weiterhin darauf, dass man in naher Zukunft tatsächlich irgendein Verständnis über das Kriegsende findet. Dann müssten die Italiener kein Geld für militärische Hilfe für die Ukraine ausgeben. Auch das kann in naher Zukunft aus Sicht der Italiener, wie sie die Situation sehen, durchaus so sein.

Als Präsident Stubb das sagte, scheint mir, dass ich ihn Ihnen bereits zitiert habe, und er hat es etwas anders formuliert. Er sagte, dass die Finnen darauf vorbereitet sein müssten, dass nicht alle Bedingungen eines gerechten Friedens, über die vier Jahre lang gesprochen wurde, erfüllt werden könnten.

Ich sehe überhaupt keinen Grund zu glauben, dass der Krieg unter irgendwelchen gerechten Bedingungen enden könnte. Der Krieg hätte unter gerechten Bedingungen, zu Bedingungen eines gerechten Friedens enden können, wenn wir die Grenzen von 1991 erreicht, sie gesichert und irgendwie einen Waffenstillstand mit der Russischen Föderation hätten vereinbaren können.

Ein Krieg, während dessen russische Truppen sich auf dem Territorium der Ukraine befinden, weiter vorrücken, neue Ortschaften besetzen und die ganze Ukraine im Inneren zerstören, kann nur zu ungerechten Bedingungen enden. Leben Sie nicht in Illusionen. Der Krieg wird zu ungerechten Bedingungen enden.

Die Bedingung, dass die Russen die Kontrolle über einen Teil des ukrainischen Territoriums behalten – das ist eine ungerechte Bedingung. Die Bedingung irgendeiner ukrainischen Neutralität – das ist eine ungerechte Bedingung. Die Frage ist, wie diese ungerechten Bedingungen aussehen werden, aber einen gerechten Frieden wird es hier nicht geben. Vergessen Sie das.

Die Garantie eines gerechten Friedens kann nur die Entkräftung der Russischen Föderation und der Zusammenbruch ihres Staatsapparates sein. Objektive Gründe dafür gibt es heute nicht. Man kann natürlich darauf warten und dann einen gerechten Frieden schließen. Aber die Frage ist, wer bis dahin noch auf der politischen Weltkarte stehen bleibt.

Frage. Kann Trump die Unterstützung für die Ukraine blockieren, wenn er den Krieg bis zu den Zwischenwahlen nicht beendet und diese verliert?

Portnikov. Ich sehe für Trump derzeit keine Notwendigkeit, die Unterstützung für die Ukraine als solche zu stoppen. Erstens gibt es keine besonders große Unterstützung. Und Trump sagt stolz, dass die Amerikaner kein Geld mehr für diesen Krieg ausgeben. Ich halte das für einen strategischen Fehler der Vereinigten Staaten, für einen weiteren Fehler dieser beschämenden Präsidentschaft, die aus Fehlern besteht. Ich denke, dass Historiker dieser Präsidentschaft noch eine angemessene Bewertung geben werden – glauben Sie mir, keine besonders positive. Selbst wenn Trump zehn Nobelpreise bekäme, was ich bezweifle.

Aber wenn Trump die Unterstützung für die Ukraine vollständig aufgeben würde – den Austausch von Geheimdienstinformationen, die Sanktionen gegen Russland, all das –, womit wäre er dann überhaupt für Putin interessant? Und womit würde er Putin unter Druck setzen? Welche Karten hätte er dann? Nein, Trump wird die Unterstützung für die Ukraine nicht aufgeben.

Und wenn er die Zwischenwahlen verliert – ich hoffe sehr, dass die Republikaner sie tatsächlich verlieren, ich würde mir wünschen, dass das geschieht, weil es für sie eine ernste Lehre und eine Notwendigkeit wäre, ihre politischen Prioritäten neu zu bewerten –, dann wird es für ihn viel schwieriger, das zu tun, als vor den Nachwahlen, in denen er den Kongress weiterhin kontrolliert.

Frage. Sie sagten, der Erste, der blinzelt und Trumps Forderungen ablehnt, habe verloren. Können wir behaupten, dass Putin in dieser Runde verloren hat?

Portnikov. Nein, das können wir nicht, weil die Russen selbst sagen, dass sie niemanden abgewiesen hätten. Sie seien bereit, ihren konsultativen Prozess mit den Amerikanern fortzusetzen. Das sei nur das erste Treffen. Alle Kreml-Beamten, die mit Kommentaren zu diesen Verhandlungen aufgetreten sind, haben betont, dass sie zu einem weiteren Verhandlungsprozess bereit seien. Deshalb sehe ich nicht, dass im Moment überhaupt jemand verloren hätte. Im Gegenteil, jetzt werden die Amerikaner versuchen, ihre Gespräche mit Putin als riesigen Erfolg darzustellen. Und auch das muss man verstehen. Bisher ist das nicht der Fall.

Putin wird verlieren, wenn Trump nach einer gewissen Zeit sagt, dass Putin keinen Frieden will, die Verhandlungen um der Verhandlungen willen fortsetzt, nicht auf die amerikanische Gespräche eingeht und er daher irgendwelche Sanktionen gegen Russland verschärft. Wobei Sie ebenfalls verstehen müssen, dass Sanktionen ihre Grenze haben.

Frage. Warum fragen Journalisten Trump nicht, warum bei dem schlechten Biden die Ukraine Territorien zurückerobert hat, während bei dem großartigsten Trump die Ukraine zurückweicht und die Raketenangriffe stärker geworden sind?

Portnikov. Trump kann die Verantwortung dafür nicht bei sich, sondern bei der Ukraine abladen, die die Chancen nicht genutzt habe. Ich denke, dass Trump genug, ich würde sagen, Verständnis dafür hat, was man in einer solchen Situation antworten muss. Und Trump wird ganz klar sagen, dass man gerade weil klar gewesen sei, dass ein langer Krieg zu einem Vorteil Russlands führen würde, möglichst schnell habe aufhören, nicht ihn in einen langjährigen Krieg verwandeln dürfen, der die Ukraine erschöpfe, die ihrem demografischen und militärischen Potenzial nach kleiner ist als die Russische Föderation. Ein kleines Land, das lange mit einem großen Krieg führt, erschöpft sich schneller. Das ist für Trump keine große Aufgabe.

Frage. Worauf spielt Putin an, wenn er von den Ursachen des Konflikts spricht?

Portnikov. Er meint die Verwandlung der Ukraine in eine Antirussland und in ein aggressives Land, das der Westen nutzt, um Russland zu schwächen. Und er glaubt, dass nur das Verschwinden dieses Landes von der politischen Weltkarte und die Eingliederung „historischer russischer Gebiete“ in Russland, wovon russische Abgeordnete und russische Propagandisten sprechen, die Beseitigung der Konfliktursachen sein werde. Dass die eigentliche Ursache des Konflikts am 24. August 1991 lag, als die Werchowna Rada der Ukraine unsere Unabhängigkeit erklärte, und am 1. Dezember 1991, als – zu Enttäuschung der überwältigenden Mehrheit der Russen – die Ukrainer diese Unabhängigkeit im Referendum unterstützten, darüber spricht er nicht. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass das für die Russen damals ein Schock war. Die Entscheidung des ukrainischen Parlaments nahmen sie ruhig hin, weil sie glaubten, dass das ukrainische Volk niemals eine Auflösung der brüderlichen Bande mit dem russischen Volk unterstützen würde. Für die überwältigende Mehrheit der Russen wurden die Ukrainer von diesem Tag an zu Verrätern, an denen man sich rächen müsse. Und es ist für mich sehr merkwürdig, dass viele Ukrainer selbst über viele Jahre hinweg nicht begriffen haben, wie man sie in Russland wahrnimmt, und nicht begriffen haben, dass die Russen unseren Staat als ein temporäres Gebilde betrachten, das unter allen Umständen liquidiert werden müsse. Am besten auf wirtschaftlichem Wege, oder auf politischem. Aber wenn das nicht gelingt, dann, wie Putin gestern an Europa gewandt gesagt hat, ist Russland bereit zum Krieg. Daher gilt: Wenn es die Ukraine gibt, wird es Spannungen in den Beziehungen zu Russland geben, wird es eine Bereitschaft Russlands zum Krieg geben. Die einzige Möglichkeit für Russland, diesen Krieg zu beenden, ist, die Ukraine zu zerstören. Die einzige Möglichkeit für die Ukraine, diesen Krieg zu beenden, ist, Russland seines Potenzials zu berauben, sie zu zerstören. Keine andere Möglichkeit, diesen Krieg wenigstens auf das Niveau eines über viele Jahre eingefrorenen Konflikts zu bringen, existiert, hat nie existiert und wird nie existieren. Und jeder, der das Ende des Krieges sagen wir in absehbarer Zeit erlebt, falls es dazu kommt, muss wissen, dass der Krieg bald wieder aufflammt. Es gibt keinerlei Chancen, dass es anders sein könnte, solange das russische Volk mit seinen Ambitionen existiert. Es gab seit 1991 keinen Tag, an dem das anders gewesen wäre. Nun ja, niemand glaubt es trotzdem.

Frage. Was ist der wahre Grund, warum Putin keine Mobilisierung ausruft? Wegen Geldmangels oder will er diesen Lumpen einfach auslöschen?

Portnikov. Ich denke, dass Putin die Mobilisierung genau deshalb nicht ausruft, weil wir von einem sozialen Pakt in der Russischen Föderation sprechen. Als Putin versucht hat, eine echte Mobilisierung ohne Geld auszurufen – das war, wie Sie sich erinnern, im ersten Jahr des russisch-ukrainischen Krieges – haben eine Million Menschen Russland verlassen. Das war eine Art Referendum. Die Russen haben gezeigt, dass sie nicht kämpfen wollen. Und im Kreml hat man daraus Schlussfolgerungen gezogen, man hat sehr gut verstanden, dass es in dieser Situation eine reale Möglichkeit gibt, die normale soziale Stabilität in Russland zu verlieren, wenn man sie mit Gewalt in eine Armee treibt, die Ukrainer töten soll. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt im Zusammenhang mit dem, was rund um den russisch-ukrainischen Krieg geschieht. Und auch das müssen Sie verstehen. Putin wird sich mit allen Mitteln gegen eine Mobilisierung wehren.

Obwohl ich sicher bin, dass die russischen Generäle sich gerade eine allgemeine Mobilisierung wünschen würden, weil sie immer ausschließlich aufgrund von Fleischangriffen gewonnen haben. Hören Sie, unsere Großväter, Urgroßväter – von der überwältigenden Mehrheit derjenigen, die jetzt diese Sendung sehen – sind bei diesen Fleischangriffen im Zweiten Weltkrieg umgekommen. Und die Schlächter, die diese Fleischangriffe organisiert haben, angefangen bei Marschall Georgi Schukow und endend mit all den anderen sogenannten „Marschällen des Sieges“, wussten gar nicht, wie man anders Krieg führt. Sie kennen doch diesen wunderbaren Witz über ein Gespräch zwischen General Dwight Eisenhower und Marschall Georgi Schukow, als Eisenhower Schukow fragt, wie die sowjetische Armee Minenfelder räumt. Und er sagt: „Na wie, wir schicken dort einen Zug rein.“ Das ist natürlich ein Witz, aber dieser Witz hätte sehr gut in der Realität stattfinden können.

Ich möchte Sie überhaupt daran erinnern, dass hinter der sowjetischen Armee in den ersten Kriegsjahren sogenannte Sperrtruppen marschierten, die vom wahren Marschall des Sieges, Marschall der Sowjetunion Lawrenti Berija, aus NKWD-Truppen gebildet worden waren. Denn bis zu dem Zeitpunkt, an dem man begonnen hatte, jenen sowjetischen Soldaten, die versucht hatten, sich vor einer unvermeidlichen Niederlage zu retten, von diesen Sperrkommandos ins Gesicht zu schießen, damit sie nur nach vorn auf diese Fleischangriffe gingen, waren die sogenannten sowjetischen Feldherren, diese Genies der Strategie und Taktik, nicht in der Lage gewesen, überhaupt irgendeinen Krieg zu führen – und das Ergebnis waren Dutzende Millionen Opfer dieser Unfähigkeit und Inkompetenz, weil, wissen Sie, aus 40 Millionen Opfern wird selbst ein Affe ein großer Feldherr. Ich sage das ganz klar. Wir müssen die Geschichte des Zweiten Weltkriegs neu bewerten, wenn wir die Zahl der sowjetischen, deutschen, britischen und amerikanischen Opfer berücksichtigen. Dann wird alles klar. Selbst mit den deutschen Opfern ist das nicht zu vergleichen.

Und wie lernen all diese russischen Generäle? Wie lernt man überhaupt an russischen Militärakademien? Sie lernen auf dem Erbe all dieser „Marschälle des Sieges“. Und ich, als jemand, der, wie mir scheint, alle Marschallmemoiren gelesen hat, die es gab, noch in meiner Kinder- und Jugendzeit, war entsetzt über diese Unfähigkeit und Grausamkeit dieser roten Napoleons.

Nun, die letzte Nachricht dieser Ausgabe ist, dass Präsident Donald Trump von Steven Witkoff und Jared Kushner über die Verhandlungen im Kreml informiert worden ist. Sie haben darüber auch die ukrainischen Delegationen informiert, nachdem sie nach Washington zurückgekehrt waren, wie berichtet wird. Dieses Treffen im Weißen Haus wird ebenfalls als gründlich, produktiv bezeichnet, obwohl völlig unklar ist, worin seine wirkliche Produktivität besteht.

Jetzt werden wir den weiteren Verlauf der Ereignisse abwarten, wir werden auf die Reaktion des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, warten und, wie man sagt, den Finger am Puls behalten. Welchen Puls? Dieser Puls ist normal, wenn man all diese wunderbaren Nachrichten berücksichtigt. Also ganz egal, ob man den Finger in einer solchen Situation am Puls hat oder nicht – der Puls wird, würde ich sagen, der Situation angemessen sein. Mir scheint, das ist klar. Sie sehen, bei dieser ganzen Aufregung habe ich jetzt einen Puls von 78. Messen Sie bitte Ihren eigenen Puls und schreiben Sie ihn in die Kommentare. Und damit beende ich unser heutiges Gespräch.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Українців запросили до США: подробиці | Віталій Портников. 03.12.2025.
Autor : Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Peskow rettet Putin | Vitaly Portnikov. 03.12.2025.

Der Pressesprecher des Kreml, Dmitry Peskow, betonte, dass man nicht davon ausgehen könne, dass der russische Präsident Putin während des gestrigen Treffens mit den Sondergesandten von Präsident Donald Trump, Steve Witkoff und Jared Kushner, den sogenannten amerikanischen Plan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges abgelehnt habe. Peskow unterstrich, dass es gestern lediglich zu einem ersten Meinungsaustausch gekommen sei, der konstruktiv verlaufen sei, und dass es sich dabei um einen normalen Arbeitsprozess und um die Suche nach Kompromissen handle.

Damit wird bestätigt, dass man im Kreml keinesfalls offen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Streit geraten möchte, aus Angst vor neuem Sanktionsdruck auf die Russische Föderation. Putin versucht gleichzeitig, jegliche realen Vereinbarungen abzulehnen, die zur Beendigung des Krieges in der Ukraine führen könnten, und dennoch gute Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten zu bewahren.

Nach dem gestrigen mehrstündigen Treffen Putins mit Witkoff und Kushner betonte der außenpolitische Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, den man als den eigentlichen Autor der meisten Punkte jenes Friedensplans bezeichnen kann, der in den amerikanischen Medien aufgetaucht ist, dass man bislang von keinerlei realem Kompromiss sprechen könne, der zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation erzielt worden wäre.

Dass tatsächlich keinerlei reale Vereinbarungen zustande gekommen sind und dass Putin den amerikanischen Vertretern jegliche Abmachungen verweigert hat, nachdem er sie zuvor mehrere Stunden im Kreml hatte warten lassen, zeigt auch die Tatsache, dass Witkoff und Kushner die russische Hauptstadt umgehend verließen und sich in Richtung Vereinigte Staaten begaben.

Zuvor war allerdings davon ausgegangen worden, dass sie sich noch mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, sowie mit europäischen Politikern treffen könnten, bei welchem Treffen sie berichten würden, was sie in den Gesprächen mit Putin erreicht hätten. Doch wenn nichts erreicht wurde — worüber soll man dann mit dem ukrainischen Präsidenten sprechen?

So entschied sich der Sondergesandte des amerikanischen Präsidenten, statt das Scheitern der sogenannten Pendeldiplomatie Witkoffs einzugestehen, in die Vereinigten Staaten zurückzufliegen. Und im Kreml versucht man nun zu verstehen, wie Witkoff — vor allem aber Kushner, der in der amerikanischen Außenpolitik nur dann aufzutreten versucht, wenn es um einen Erfolg geht, nicht aber dann, wenn er stundenlangen Ausführungen Putins zuhören muss — auf die gestrigen Gespräche reagieren und was beide Donald Trump berichten werden.

Doch noch bevor Witkoff und Kushner detailliert mit dem amerikanischen Präsidenten darüber sprechen werden, wie es nun weitergehen soll, versucht der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation bereits jetzt, Putin vor Trumps Zorn zu retten, indem er betont, der Prozess verlaufe konstruktiv und es handele sich um eine Suche nach Kompromissen.

Und so ist das Beste, was die Amerikaner tun können, erneut anzureisen. Genau das entspricht, wie ich bereits sagte, auch den Absichten des russischen Präsidenten Putin. Nach Anchorage ist Trump im Grunde dem Modell Putins gefolgt, das lange „Friedensverhandlungen“ während eines laufenden Krieges vorsieht.

Ich habe schon mehrfach erklärt, dass das wirkliche Signal für ein Ende des Krieges nur eine Zustimmung Putins zu einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front entlang der Kontaktlinie der Truppen wäre. Alles andere ist ausschließlich ein Maskenspiel, das erstens das mangelnde Interesse des russischen Präsidenten an einer Beendigung des Krieges zeigt und zweitens die Unwilligkeit des amerikanischen Präsidenten, einzugestehen, dass er vom russischen Präsidenten keinerlei Zugeständnisse erreichen kann.

Wenn sich die Situation also weiter nach Putins Plan entwickelt, werden die Amerikaner — sowohl Witkoff als auch Kushner, jeder andere amerikanische Beamte oder Diplomat und auch Trump selbst — zu bloßen talentlosen Statisten im putinschen Theater. Sie werden ständig in die russische Hauptstadt reisen, in Begleitung eines weiteren Kreml-Betrügers, Kirill Dmitrijew, über den Roten Platz spazieren, dann Putin treffen, der entweder einem neuen Punkt der Friedensvereinbarungen zustimmt oder nicht zustimmt, und anschließend nach Washington zurückkehren.

Peskow wird vor die Kameras treten und betonen, dass es sich um einen normalen Arbeitsprozess und um die Suche nach Kompromissen zwischen Moskau und Washington handelt. Währenddessen wird der russisch-ukrainische Krieg weitergehen. Russische Truppen werden weiterhin auf fremdem Boden angreifen. Russische Raketen und Drohnen werden friedliche ukrainische Zivilisten töten. Und Trump wird gemeinsam mit seinem Umfeld versuchen, all das nicht zu bemerken, um die Illusion eines Friedensprozesses aufrechtzuerhalten und nicht zu zeigen, dass der russische Präsident ruhig und kaltblütig seine Füße am Anzug des Amerikaners und seiner engsten Freunde und Verwandten abwischt, die bis heute nicht begreifen können, nach welcher Taktik ein erfahrener Tschekist spielt, der mit Geschäftsleuten und Immobilienmaklern spielt wie eine alte Katze mit alten Mäusen.

So sieht das Bild im russisch-amerikanischen sogenannten Friedensprozess aus, der überhaupt nur deshalb begonnen hat, weil Dmitrijew Witkoff und Kushner den sogenannten Friedensplan zugespielt hat, der darauf abzielte, die Aufhebung der US-Sanktionen gegen die wichtigsten Geldquellen Putins und seines engsten Umfelds — die Ölkonzerne Rosneft und Lukoil — zu erreichen.

Und genau hier liegt der entscheidende Punkt, der die russische Haltung in den kommenden Jahren dieses ungerechten Krieges beeinflussen könnte. Wenn Trump bereit sein wird, weiterhin Druck auf die Russische Föderation auszuüben, die Durchsetzung von Ölsanktionen zu kontrollieren, auf diese Weise den Haushalt der Russischen Föderation zu zerstören und neue Sanktionen einzuführen, insbesondere auch gegen jene Länder, die Russland weiterhin in diesem aggressiven Krieg unterstützen — und zu diesen Ländern muss auch die Volksrepublik China gehören, die heute der wichtigste Sponsor der russischen Aggression und Befürworter der Fortsetzung der Kämpfe bis zum Sieg der Russischen Föderation ist —, dann erhält der amerikanische Präsident eine reale Chance, noch vor dem Ende seiner Amtszeit im Oval Office einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erzwingen oder zumindest die Voraussetzungen für ein solches Ende der Kampfhandlungen für seinen Nachfolger zu schaffen, der 2029 das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten übernehmen wird.

Genau auf einen solchen systematischen, ernsthaften und geplanten Druck auf die Russische Föderation und auf die Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine sollten sich Donald Trump und sein Umfeld orientieren. Das heißt: Donald Trump muss sich von seiner eigenen falschen Politik und seinem falschen Weltverständnis lösen, das im Grunde seine gesamte Persönlichkeit prägt, und zur Politik seines Vorgängers Joseph Biden zurückkehren.

So sehr Trump Biden auch verachten mag — ein realer Politiker und Staatsmann war sein Vorgänger, während Trump bislang nicht einmal Anspruch auf die Rolle eines Politikers erheben kann, geschweige denn auf die Rolle eines Staatsmannes, der in der Lage wäre, echte Kriege zu beenden, die ein amerikanisches Eingreifen erfordern.

Ob der russisch-ukrainische Krieg bald endet und wie dieses Ende aussehen wird, hängt davon ab, wie vernünftig Trump und sein Umfeld handeln — konkret davon, ob sie bereit sind, Gier zurückzustellen und stattdessen strategisch und verantwortungsvoll zu denken.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Пєсков рятує Путіна | Віталій Портников. 03.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Verhandlungen in Moskau: ohne Ergebnis | Vitaly Portnikov. 02.12.2025.

Wir haben mehrere Stunden lang darauf gewartet, dass die Verhandlungen, die im Kreml zwischen dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, und den Gästen aus Washington – dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten Steve Witkoff und dem Schwiegersohn von Präsident Trump, Jared Kushner – stattfinden, zu Ende gehen würden und wir mit Ihnen gemeinsam erste Bilanz dieses für uns wichtigen Dialogs ziehen könnten. Aber das ist nicht geschehen, und wir können jetzt feststellen, dass diese Verhandlungen bereits seit fünf Stunden ununterbrochen andauern.

Aus Kremlquellen tauchen Informationen auf, dass sie noch recht lange weitergehen könnten. Und auch das ist eine absolute Tatsache in dem, was wir jetzt während dieses beispiellosen – ich würde sagen, in seiner Dauer – Dialogs zwischen der russischen und der amerikanischen Delegation beobachten.

Wir verstehen natürlich nicht besonders gut, was sich im Moment im Kreml abspielt, weil wir sehen, dass es eigentlich keine wirkliche Grundlage dafür gibt, dass Kushner und Witkoff sich mit Putin wirklich einigen könnten. Schon im Verlauf dieses Dialogs wurde betont, dass der Kreml in drei wichtigen Fragen dieses Dialogs keine Zugeständnisse machen wird.

  • Eine davon betrifft selbstverständlich die territoriale Integrität der Ukraine. Das heißt, der Kreml möchte, dass die ukrainischen Streitkräfte zumindest das Gebiet des Donezker Gebiets verlassen, das derzeit von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird und das im Grunde eine befestigte Festung ist, die die russische Armee daran hindert, ihre Offensive auf andere Regionen der Ukraine auszuweiten.
  • Der zweite Punkt hängt damit zusammen, dass die Russische Föderation eine Reduzierung der ukrainischen Armee anstrebt, weil die Wehrlosigkeit der Ukraine eine sehr wichtige Bedingung für jeden Dialog Putins mit den Amerikanern ist.
  • Und der dritte Punkt – übrigens einer der schwierigsten für den Westen insgesamt – hängt damit zusammen, dass Putin die internationale Anerkennung der neuen Grenzen der Russischen Föderation fordert, damit sowohl die Vereinigten Staaten als auch andere westliche Staaten anerkennen, dass Krim, Donbass, Saporischschja und das Gebiet Cherson integrale Teile Russlands und nicht der Ukraine sind.

Und wie Sie verstehen, ist es praktisch unmöglich, in dieser Situation zu einer Einigung zu kommen. Denn selbst wenn man sich theoretisch vorstellen könnte, dass jemand irgendwann hofft, die Ukraine dazu zu zwingen, ihre Truppen aus Teilen des Donezker Gebiets abzuziehen oder ihre eigene Armee zu begrenzen – wie wollen Sie Deutschland oder Frankreich zwingen, Krim oder Donbass als russisch anzuerkennen? Was müsste geschehen, damit die überwältigende Mehrheit der westlichen Staaten, die die Russische Föderation als tatsächlichen Aggressor ansehen, einem solchen Ablauf der Ereignisse zustimmen würde?

Von anderem rede ich da noch gar nicht. Selbst die Vereinigten Staaten können Krim und Donbass nicht als russisch anerkennen, egal was Präsident Trump sagt. Eine ganze Reihe amerikanischer Gesetze und Präsidialerlasse der Präsidenten der Vereinigten Staaten – darunter auch von Donald Trump selbst – machen eine solche Anerkennung grundsätzlich unmöglich.

Selbst wenn man sich vorstellt, dass der Präsident der Vereinigten Staaten in einem bestimmten Stadium des amerikanisch-russischen Dialogs mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit tritt, in der er den russischen Status von Krim und Donbass anerkennt, wäre das keine juristische Anerkennung, sondern ausschließlich eine Erklärung eines einzelnen Amtsträgers, die von jedem neuen amerikanischen Präsidenten widerrufen werden könnte. Denn eine tatsächliche rechtliche Anerkennung der neuen Grenzen der Russischen Föderation kann kein amerikanischer Präsident vornehmen.

Gleichzeitig sehen wir jedoch auch einen anderen Umstand. Putin, der in den letzten Tagen ununterbrochen versucht, Kampfpose zu zeigen, von der Besetzung ukrainischer Städte zu sprechen, von der Unvermeidlichkeit der Besetzung weiterer ukrainischer Regionen und Städte nicht nur im Donezker Gebiet, sondern etwa auch in der Region Charkiw, kann sich keinen offenen Bruch mit Präsident Trump leisten. Das heißt, er kann nicht derjenige sein, der kategorisch gegen den Friedensprozess auftritt. Umso mehr, als Putin – wie ich schon mehrfach gesagt habe – mit dem Friedensprozess als solchem grundsätzlich zufrieden ist. Ihm passt der Frieden nicht.

Warum ist Putin mit dem Friedensprozess zufrieden? Weil das, was jetzt geschieht, nicht nach Trumps Plan verläuft, sondern nach Putins Plan. Und das müssen Sie alle verstehen. Putins Plan besteht darin, dass der Friedensprozess weitergeht, ohne dass die Kämpfe an der russisch-ukrainischen Front eingestellt werden.

Auf diese Weise können diese Friedensverhandlungen jahrelang stattfinden, ohne jeden Fortschritt bei der Beendigung des Krieges selbst – vor dem Hintergrund militärischer Aktionen, Raketenbombardements, der Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur. Und gleichzeitig können sie die Vereinigten Staaten davon abhalten, unserem Land wirksamer zu helfen, in der Hoffnung, dass Putin doch bald dem Frieden zustimmen wird.

Und es gab Trumps Plan, von dem der Präsident der Vereinigten Staaten nach dem Gipfeltreffen mit dem russischen Staatschef in Alaska Abstand genommen hat. Ja, einerseits war das eine offensichtliche Niederlage für Präsident Trump, aber aus irgendeinem Grund hat sie seine Sicht auf den Friedensprozess verändert.

Vielleicht erfahren wir eines Tages die Wahrheit, wenn die heutigen Mitstreiter Trumps Memoiren über diese schändlichen Tage schreiben werden. Aber der Kern der Sache ist, dass Trump, der vom ersten Tag seiner Amtszeit an den russischen Führer davon zu überzeugen versuchte, dass es nötig sei, das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen und sich dann mit dem Friedensprozess zu beschäftigen, nach Alaska diese völlig logische Idee aufgegeben hat und nun im Rahmen völlig anderer, Putinscher Vorstellungen weiter handelt: „Lasst uns ein Friedensabkommen unterschreiben. Und in diesem Friedensabkommen wird es selbstverständlich auch einen Waffenstillstand geben, wie sollte es ohne ihn gehen?“

Und das ist ein völlig anderer Ansatz. Das ist ein Ansatz, der gerade zeigt, dass Russland den Krieg nicht beenden will, und die Vereinigten Staaten ihm dabei mit der Imitation eines Friedensprozesses praktisch entgegenkommen. Aber es gibt etwas, was Trumps Ansatz von Putins Ansatz unterscheidet und ständig eine Konfliktsituation zwischen diesen beiden Führern schafft, die sich in ihrer Weltsicht eigentlich sehr ähnlich sind. Trump möchte eine schnelle Unterzeichnung des Friedensabkommens, und Putin möchte die Sache in die Länge ziehen – mindestens bis zu dem Tag, an dem Trump das Oval Office verlässt. Das passt dem amerikanischen Präsidenten, der seine herbeigesehnte Nobelpreismedaille bekommen möchte, ganz und gar nicht. Und so befindet sich Putin in einer Situation, in der er unbedingt Zeit schinden muss, gleichzeitig aber Trump sehen lassen muss, dass er konstruktiv eingestellt ist und sich bemühen wird, die Lage im Zusammenhang mit dem Friedensprozess rasch zu lösen.

Nun, und so befinden wir uns, wie wir sehen, jetzt genau in einer solchen merkwürdigen, ich würde sagen, Situation, in der wir diesen stundenlangen Verhandlungen folgen und in der es keinerlei reale Anzeichen dafür gibt, dass Putin sich mit den amerikanischen Vermittlern irgendwie anlegt. Im Gegenteil, er will sie totreden. Er ist bereit, jedes einzelne Problem, jedes einzelne Detail zu erörtern. Wie wir sehen, ist Putin tatsächlich – im Unterschied zu Witkoff und Kushner – in diesen Krieg eingetaucht. Sie haben es auf seiner Pressekonferenz in Bischkek gesehen – wir wollen jetzt gar nicht über Wahrheit oder Lüge sprechen –, aber er steckt in den Details, in den Namen der Brigaden, in der Lage an der Front. Er lebt mit dem allen. Und wiederum kann er mit Witkoff und Kushner dann Punkt für Punkt diesen sogenannten Friedensplan erörtern, was ihm passt, was ihm nicht passt, was man weiterentwickeln kann und was nicht.

Das alles ist im Grunde eine Demonstration von Konstruktivität, die zu nichts führen kann. Gleichzeitig beobachten wir mit Ihnen den Prozess der Shuttle-Diplomatie. Wir haben schon mehrere Ausprägungen eines solchen Prozesses gesehen. Das ist zum einen die Tatsache, dass nach der Veröffentlichung des Friedensplans in den amerikanischen Medien ein amerikanisch-ukrainischer Dialog begonnen hat. Zwei Runden von Friedensverhandlungen. Eine davon fand bekanntlich in Genf statt, die andere im Bundesstaat Florida. Während dieser Verhandlungen wurde eine gemeinsame Position der Vereinigten Staaten und der Ukraine in Bezug auf den Friedensplan festgelegt. Und übrigens sind es genau mit dieser Position, mit der Witkoff und Kushner zu Putin gereist sind.

Und wiederum ist die Anwesenheit von Kushner dort sehr wichtig. Auch das muss man verstehen: Denn alle halten Witkoff für eine Vertrauensperson Trumps. In Wirklichkeit ist die Vertrauensperson Trumps aber Kushner. Witkoff ist der Vollstrecker von Trumps Willen. Und Kushner, der Mitglied der Familie des amerikanischen Präsidenten ist, genießt weit mehr Vertrauen als jeder auch noch so enge, langjährige Freund des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Und alle meinen – aus der Nahost-Erfahrung –, dass, wenn Kushner auftaucht, das bedeutet, dass Trump eine sofortige Lösung des Problems fordert.

Und man muss sich daran erinnern, dass Witkoff ziemlich lange Zeit allein den Nahost-Friedensprozess mit wechselndem Erfolg betreut hat. Mal war man nah dran, mal wieder weit entfernt. Doch plötzlich, als klar wurde, dass die Parteien einem tatsächlichen Waffenstillstand näher kamen, tauchte Kushner auf. Und es entstand, nebenbei bemerkt, der Friedensrat für Gaza, den Donald Trump leiten soll.

Das ist ein totgeborenes Gremium. Es gibt keinerlei reale Fortschritte hin zu einer zweiten Phase des Nahost-Friedensplans von Trump, und es gibt auch keinen Friedensrat. Aber es gibt einen Waffenstillstand. Und genau so ist es auch hier in diesem Plan, der offensichtlich vom russischen Vertreter Kirill Dmitrijew Witkoff und Kushner vorgeschlagen wurde: Es tauchte ebenfalls ein Friedensrat auf, den natürlich Donald Trump leiten soll. Auch das wird zu keinerlei realen Ergebnissen führen, bedeutet aber die persönliche Einbindung Trumps und seiner Familienmitglieder in die Entscheidungsfindung. Und Putin kann das nicht ignorieren.

Und so reisen nach dieser Runde amerikanisch-ukrainischer Verhandlungen – ich erinnere daran, dass Kushner an der letzten Runde teilgenommen hat – beide Trump-nahen Vertreter zu Verhandlungen mit Putin in die russische Hauptstadt. Und diesen Verhandlungen folgen wir jetzt. Das ist mittlerweile die sechste Stunde dieser Verhandlungen. Natürlich werden wir nach ihrem Abschluss noch Zeit haben über ihre Ergebnisse zu sprechen. Wenn nicht heute, dann morgen früh oder am Abend.

Im Anschluss daran sollen Witkoff und Kushner erneut Verhandlungen mit der ukrainischen Delegation führen – diesmal aber bereits mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky. Es sind Meldungen aufgetaucht, wonach sie sich mit Zelensky in einem der europäischen Länder treffen könnten.

Das könnte übrigens in eben jenem Irland geschehen, wo der ukrainische Präsident heute vor dem Parlament dieses Landes gesprochen hat. Eine recht wichtige Rede, weil sie daran erinnert hat, dass Europa weiterhin solidarisch mit der Ukraine ist – aber wichtig in deklarativ-politischer Hinsicht. Und jetzt ist, wie Sie wissen, die Zeit für praktische Entscheidungen.

Und Irland ist ein Land, in dem die Amerikaner in der jüngeren Vergangenheit auf dem Heimweg Zwischenstopp machten. Man kann sich gut einen Flug von Russland nach Irland und von Irland in die Vereinigten Staaten vorstellen. Und eben in Irland könnte dann das Treffen mit Präsident Zelensky stattfinden, um ihn darüber zu informieren, welche Vorschläge und Bedingungen der russische Staatschef für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges stellt.

So wird das aussehen, wenn wir über den weiteren Verlauf der Ereignisse zwischen Moskau und Washington, zwischen Washington und Kyiv sprechen. So stelle ich mir die Situation für den heutigen Tag vor.

Ich erinnere daran, dass hier sehr vieles passiert und inzwischen die Rolle Pekings – oder besser gesagt, die Hoffnungen auf Peking, die verschiedene Seiten im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg hegen – immer deutlicher sichtbar wird.

Am Mittwoch trifft in China der französische Präsident Emmanuel Macron ein. Man geht davon aus, dass er dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, die europäische Sicht darauf unterbreiten wird, wie der Krieg Russlands gegen die Ukraine beendet werden soll. Die Bitte darum, dass China auf den Präsidenten Russlands einwirkt, um das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen.

Und ich möchte daran erinnern, dass zur gleichen Zeit Verhandlungen zwischen dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem chinesischen Außenminister Wang Yi stattgefunden haben. Und dass Moskau die Lage mit einem hochrangigen chinesischen Diplomaten genau vor dem Hintergrund des Aufenthalts von Kushner und Witkoff in der russischen Hauptstadt erörtert, zeigt ebenfalls, dass auf der Achse Moskau–Peking nicht weniger intensive Konsultationen über den Dialog zur Beendigung des Krieges stattfinden als auf der Achse Washington–Peking – ich erinnere daran, dass Donald Trump kürzlich mit Xi Jinping gesprochen hat – und auf der Achse Europa–Peking.

Das heißt, alle versuchen, China so weit wie möglich in die Rolle eines Partners in dieser Situation hineinzuziehen – selbstverständlich mit unterschiedlichen Zielen. Und wie wir verstehen, gelingt das nicht vielen, denn aus meiner Sicht ist die Volksrepublik China an der Bewahrung des Status quo interessiert, also an der Fortsetzung genau dieses Krieges. 

Egal, was man in Peking sagt, ein solcher Krieg schwächt objektiv alle außer China selbst. Er schwächt die Russische Föderation, die immer mehr in die Rolle eines politischen Satelliten Chinas abrutscht, und er schwächt auch den Westen – vor allem wirtschaftlich –, weil dieser Krieg natürlich keine rosigen Perspektiven für westliche Volkswirtschaften schafft. Er schwächt die Vereinigten Staaten, weil er die Unfähigkeit von Präsident Trump demonstriert, diesen größten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg zu beenden. Und China erscheint die ganze Zeit über allen als wichtiger Partner, als wichtiger Teilnehmer all dieser Ereignisse.

Ich denke also, dass wir in dieser Situation in den kommenden Wochen natürlich noch darüber sprechen können, was sich auf dieser Ebene weiter ereignen wird. Sollte klar werden, dass Trumps Plan bislang nicht den Erfolg bringt, auf den man in Washington möglicherweise gesetzt hat – gar nicht so sehr, als man ihn veröffentlicht hat; ich habe eher den Eindruck, dass er gegen den Willen der amerikanischen Administration publik wurde, aber sagen wir: man hatte ihn angestoßen.

Noch ein sehr wichtiger Punkt, den ich ebenfalls ansprechen möchte, ist, dass Putin vor den Verhandlungen mit Witkoff und Kushner eigens eine weitere propagandistische Rede zum russisch-ukrainischen Krieg gehalten hat. Wiederum, um den Amerikanern zu beweisen, dass Gespräche mit ihnen überhaupt nur ein Zeichen seines guten Willens sind. Ansonsten sei er auf dem Schlachtfeld auf dem Vormarsch und brauche keinerlei besonderen Friedensverhandlungen.

Er hat im Allgemeinen über Pokrowsk gesprochen, erzählt, dass es ein hervorragender Brückenkopf sei – Putin nennt es natürlich noch Krasnoarmijsk –, um alle Aufgaben der sogenannten „militärischen Sonderoperation“ zu lösen. „Jetzt ist es bequem, sich in alle Richtungen zu bewegen, die der Generalstab der Russischen Föderation für nötig hält“, sagte Putin, und dass „dieser große befestigte Bereich der ukrainischen Streitkräfte jetzt vollständig in den Händen der russischen Armee ist“. Und damit alle davon überzeugt seien, dass Putin diesmal nicht lügt – und wir wissen, dass er seit einigen Monaten fortlaufend über Pokrowsk spricht –, hat er erneut Reporter aufgerufen, nach Pokrowsk zu kommen, und gesagt, dass die ukrainische Führung, nicht er, Putin, der zynische Aggressor, der sich am Töten von Menschen erfreut, während der Rest der Welt sich entwickelt und neue Wege sucht, auf einem anderen Planeten lebe und sich die Ukraine nicht um Wirtschaft und Front kümmere, sondern nur damit beschäftigt sei, Geld zu suchen, Geld herauszuschlagen.

Und das sagt er über die Führung eines Landes, dessen Wirtschaft faktisch durch die russische Aggression zerstört wurde. Es ist, als würde er behaupten, die ukrainische Führung müsse Geld suchen, weil unsere Wirtschaft bankrott gegangen sei, es eine Wirtschaftskrise gegeben habe, die Menschen nicht genug gearbeitet hätten. Nein, unsere Wirtschaft ist von einem abscheulichen Aggressor zerstört worden, der alles tut, um die Ukrainer in diesem Winter einfrieren zu lassen, um die ukrainischen Betriebe lahmzulegen, damit die Ukrainer nicht in der Lage sind, eine Armee zu unterhalten, die jeden Tag eine riesige Zahl Russen tötet und den Krieg für die Russische Föderation in eine echte demografische Krise verwandelt.

Und bei all diesen Gesprächen über die Einnahme dieses oder jenes Ortes darf man nicht vergessen, dass das Tausende und Abertausende Opfer auf russischer Seite bedeutet. Und diese Zahl wird sich im Verlauf dieses Krieges in geometrischer Progression erhöhen.

Aber Putin kümmert das natürlich wenig. Putin verspricht, dass auch Kupjansk in wenigen Tagen, wie er sagt, „befreit“ werde. Und auch das ist eine sehr merkwürdige Bemerkung vor dem Treffen mit Witkoff und Kushner aus dem einfachen Grund, dass – wie wir sehr gut verstehen – Kupjansk nicht das Donezker oder das Luhansker Gebiet ist und nicht einmal Cherson oder Saporischschja, sondern das Gebiet Charkiw in der Ukraine. Und innerhalb dieser Grenzen erkennt Russland unsere territoriale Integrität weiterhin formal an.

Wenn also der russische Staatschef davon spricht, dass Kupjansk „befreit“ werde, bestätigt er damit, dass die Ambitionen der Russischen Föderation sich keineswegs auf die fünf Subjekte beschränken, die von der Russischen Föderation teilweise besetzt – einige vollständig, andere teilweise – und annektiert wurden und als Regionen Russlands in die Verfassung der Russischen Föderation aufgenommen worden sind.

Nein. Das Ziel Russlands war, ist und wird auch in den kommenden Jahrzehnten dieses Konflikts – in welchen Formen er sich auch abspielen mag – die ukrainische Staatlichkeit selbst bleiben. Denn ohne die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit gibt es keinen russischen Imperialismus. Das ist ein existenzieller Konflikt, der im Europa des 21. Jahrhunderts keine Voraussetzungen für eine Beendigung hat. Und die einzige Möglichkeit, diesen Konflikt zu beenden, besteht darin, der Russischen Föderation das Potenzial für seine Fortsetzung zu nehmen. Das versuchen wir zu tun, indem wir die Aggressoren demografisch und ihre Wirtschaft zerstören – bislang mithilfe von Drohnenangriffen.

Ich hoffe, dass, wenn diese Blase des Friedensprozesses platzt und wir von den Verbündeten Langstreckenraketen erhalten, die russische Wirtschaft durch ukrainische Angriffe und westliche Sanktionen noch viel stärker in Mitleidenschaft gezogen wird. Und ich meine, das ist das einzige wirksame Rezept, um diesen Krieg zu beenden: die Verelendung der russischen Wirtschaft, wie ich schon gesagt habe.

Russland ist, wie wir sehen, darüber tatsächlich besorgt. Jetzt, da von Angriffen auf russische Tanker berichtet wird – was natürlich bestimmte Probleme für die russische Schattenflotte schafft, mit deren Hilfe Russland hofft, westliche Sanktionen zu umgehen –, wird versprochen, die Angriffe auf ukrainische Häfen und auf Schiffe, die diese Häfen anlaufen, zu intensivieren. Und auch das zeigt erneut, dass Russland versucht, für sich selbst einen Vorwand zu finden, seine Aggression in allen möglichen Richtungen zu verstärken.

Wir sehen jetzt, dass Angriffe auf Tanker in der Wirtschaftszone der Türkei stattfinden. Es ist überhaupt nicht zwingend, dass dies eine ukrainische Aktion sein muss; es können auch Provokationen der Russischen Föderation sein, um später die Zerstörung ukrainischer Häfen zu rechtfertigen. Wobei mir völlig unklar ist, warum die Russen überhaupt irgendetwas rechtfertigen müssten. Das ist eine Frage, die ziemlich rätselhaft bleibt.

Ich muss sagen, dass genau in diesem Moment, im Grunde in dieser Minute, eine Minute zuvor, die Verhandlungen von Präsident Putin mit Witkoff und Kushner beendet wurden. Das heißt, wir mussten nicht noch drei oder vier Stunden abwarten. Hoffen wir, dass wir noch während dieser Sendung die ersten Erklärungen aus dem Kreml erfahren.

Falls Putin und seine Gesprächspartner vor die Presse treten – im Pressezentrum werden in diesen Minuten nach dem Treffen Putins mit Witkoff und Kushner Journalisten versammelt –, ist derzeit von einem Pressebriefing des Beraters des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, die Rede. Jenes Uschakow, der zusammen mit Kirill Dmitrijew eben jenen Plan vorgeschlagen hat, über den wir sprechen. Und vielleicht wird er zumindest die Vorschläge der russischen Seite in Bezug auf diese Verhandlungen benennen.

Es ist nicht bekannt, ob es irgendwelche Erklärungen von Witkoff und Dmitrijew geben wird. Es ist auch völlig naheliegend, dass Witkoff und Kushner ebenfalls irgendwelche Erklärungen abgeben könnten. Und Dmitrijew, der an diesen Verhandlungen teilgenommen hat, gibt ohnehin immer irgendeine Erklärung. Nach dem Abschluss dieser Verhandlungen könnte es zumindest Aussagen in sozialen Netzwerken geben; wir werden diesem Verlauf der Ereignisse buchstäblich während unserer Sendung folgen. Wenn Sie also diese Sendung verfolgen, können Sie gemeinsam mit uns über die tatsächlichen Ergebnisse dessen sprechen, was im Kreml geschehen ist – falls es überhaupt irgendwelche Ergebnisse gibt. Im Moment ist das schwer zu sagen, aber wissen Sie: Wenn wir davon ausgehen, dass Verhandlungen, die fünf Stunden gedauert haben, völlig ergebnislos waren, dann werden wir tatsächlich über eine vollständige Imitation eines Friedensprozesses durch die russische Seite sprechen müssen. Auch das ist ein ziemlich wichtiger Punkt, den wir alle diskutieren müssen. Wir werden also jetzt gemeinsam auf all diese Nachrichten warten.

Ich erinnere daran, dass wir nicht einmal genau wissen, wie der Friedensplan aussieht, den Kushner, Witkoff und Putin erörtern. Denn der Friedensplan, der – wie Sie wissen – bei Axios veröffentlicht und später vom ukrainischen Abgeordneten Oleksij Hontscharenko, der zum Haupt-News-Maker dieses Dokuments wurde, ausführlich publiziert wurde, nachdem sich die Delegationen der Vereinigten Staaten und der Ukraine getroffen hatten, wurde geändert: Einige Punkte wurden daraus gestrichen, einige hinzugefügt. Und in dieser Form wurde er der russischen Seite übergeben.

Was dabei interessant ist: Putin hat sich entschlossen, diese Änderungen zu ignorieren, und lediglich hervorgehoben, dass die amerikanische Delegation bei den Gesprächen mit der ukrainischen Delegation beschlossen hat, diesen Plan in vier große Blöcke zu unterteilen. Nun, auch das ist ein wichtiger Punkt, den man erwähnen muss, wenn wir die Haltung Putins zu diesem Friedensplan diskutieren.

Das heißt, er hat – wie Sie sehen – keineswegs begonnen, zu sagen: „Sehen Sie, wir haben der Regierung Trump so einen konstruktiven Plan vorgeschlagen, ihn mit ihr besprochen, und dann hat sie sich mit den Ukrainern getroffen und alles verändert. Jetzt ist das ein schlechter Plan, den wir nie wieder diskutieren werden.“ Nein, er versteht sehr gut, dass es, um sich nicht mit Trump zu überwerfen und keine neuen Sanktionen zu riskieren, eines neuen Plans bedarf, der bereits von der russischen Seite mitgestaltet wird, an dem die russische Seite konstruktiv ihre eigenen Änderungen einbringen kann und dass es im Moment nicht angebracht ist, Trump mit einer Ablehnung der Verhandlungen zu erpressen.

Hier gibt es übrigens, so seltsam das klingt, durchaus einen Konsens. Das ist im Prinzip der Bereich, in dem es zwischen den Seiten einen Konsens gibt: Es ist die Frage des Trump-Friedensplans und das Verständnis, dass man sich nicht mit Trump anlegen darf. Weder Zelensky möchte sich – wie Sie verstehen – mit Trump überwerfen, weil von der Stimmung des amerikanischen Präsidenten zumindest der Austausch von Geheimdienstinformationen mit der Ukraine und der Verkauf amerikanischer Waffen an die Ukraine für europäisches Geld abhängt.

Im Übrigen wissen Sie, dass Trump heute bei einem erneuten Treffen mit Journalisten während einer Kabinettssitzung gesagt hat, dass die Vereinigten Staaten sich finanziell bereits aus dem russisch-ukrainischen Konflikt zurückgezogen hätten, dass dort kein amerikanisches Geld mehr im Einsatz sei. Und das war ein sehr wichtiger Punkt in seiner Rede, dass er lediglich versucht, diesen Konflikt zu lösen. Und auch das ist, wie Sie verstehen, sehr wichtig, weil es damit verbunden ist, dass Trump grundsätzlich immer den Wunsch hat, zu beweisen, dass er keinerlei reale Ausgaben für den russisch-ukrainischen Krieg tätigen will – was ebenfalls ein sehr wichtiger Aspekt in dieser Geschichte ist. Und für Trump ist dies eine absolut harte Frage, die er praktisch seit Beginn seines Wahlkampfs vertritt: dass dieser Krieg überhaupt nicht in irgendeiner Weise finanziert werden müsse.

Heute hat Trump allerdings etwas über den russisch-ukrainischen Krieg gesagt, was er zuvor nicht gesagt hatte. Er sagte, diese Situation sehe wie Chaos aus. Das heißt, er verliert sich in den Möglichkeiten, die Spannungen im Verhandlungsprozess im russisch-ukrainischen Krieg zu vermindern. Zelensky wiederum sagte in seiner Rede vor dem irischen Parlament, dass wir jetzt dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges näher seien als je zuvor.

Es ist offensichtlich, dass sich der ukrainische Präsident auf irgendwelche tatsächlichen Informationen stützen kann, die er kennt und wir nicht. Aber solange wir die Situation betrachten, verstehen wir nicht wirklich, worin genau diese Nähe besteht und wie sie in Russland tatsächlich unterstützt wird. Ich denke, das ist der wichtigste Punkt, den wir begreifen müssen: Denn der Wunsch der Ukraine nach Frieden – selbst auf einigen Kompromissgrundlagen wie einem Waffenstillstand entlang der Kontaktlinie – ist hinreichend bekannt und wird seit Jahren beobachtet. Und übrigens: Wäre dieser Wunsch nach Frieden nicht vorhanden gewesen, hätte es nicht einmal die Minsker Vereinbarungen gegeben, wie Sie verstehen. Doch Russland versucht ständig, diese Bemühungen zu torpedieren.

Und nebenbei bemerkt hat heute der NATO-Generalsekretär Mark Rutte in seiner Rede gesagt, dass man jetzt nicht an eine Wiederholung einer Situation wie die der Minsker Vereinbarungen denken dürfe. Das war ebenfalls eine heutige Rede des NATO-Generalsekretärs vor dem Hintergrund all dieser Verhandlungen. Der NATO-Generalsekretär betonte, dass die künftige Unterstützung der Ukraine durch den Westen so gestaltet werden müsse, dass die Russische Föderation niemals wieder Truppen auf ukrainisches Territorium entsenden könne. Und dass es wichtig sei, bei den aktuellen Verhandlungen nicht den Fehler zu wiederholen, den der Westen mit den Minsker Vereinbarungen gemacht habe, als Russland sich während ihrer Geltung einfach auf einen noch umfassenderen, noch ernsthafteren, noch bedrohlicheren Angriff auf unser Land vorbereitet hat. Und mit Blick auf den Beitritt der Ukraine zur NATO betonte der NATO-Generalsekretär, dass beim NATO-Gipfel in Washington – was übrigens nur schwer zurückzunehmen sei – klar hervorgehoben wurde, dass sich die Ukraine auf einem unumkehrbaren Weg in das Bündnis befindet.

Das steht, wie Sie verstehen, in einem gewissen Widerspruch zu dem Verhandlungsprozess, der jetzt stattfindet. Doch unter den NATO-Mitgliedern gibt es keine Einstimmigkeit zum Beitritt der Ukraine zur NATO. Warum sind diese Worte wichtig? Weil jetzt darüber gesprochen wird, dass die Vereinigten Staaten den Beitritt der Ukraine zur NATO klar blockieren werden, sich also nicht für diesen Beitritt einsetzen. Aber das kann weder die ukrainische Verfassung noch die Position der Länder beeinflussen, die für eine Mitgliedschaft der Ukraine eintreten.

Es stellt sich nur eine Frage: Inwieweit wird das Putin zufriedenstellen? Wir wissen bereits aus den Memoiren von Angela Merkel, dass auch sie Putin versprochen hat, dass die Ukraine der NATO nicht beitrete, solange sie Bundeskanzlerin sei. Und Putin sagte ihr völlig logisch: „Angela, aber du wirst ja nicht immer Bundeskanzlerin sein.“ Genau dasselbe kann er Donald Trump sagen: „Donald, in drei Jahren wirst du das Oval Office verlassen, aber die NATO wird NATO bleiben, und die Ukraine wird Ukraine bleiben. Wie willst du diese Situation beeinflussen, wenn du im Ruhestand bist?“ 

Und was kann Donald Trump darauf antworten? Dasselbe wie Angela Merkel. Es gibt nichts zu sagen, wenn man mit einem Diktator spricht, der beabsichtigt, sein eigenes Land noch Jahrzehnte lang zu regieren, während in jedem Fall die eigene politische Karriere durch demokratische Normen begrenzt ist.

In diesen Minuten ist der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, in der US-Botschaft in Moskau eingetroffen. Damit kann man bereits klar sagen, dass die Verhandlungen endgültig beendet sind. Wir wissen nicht, ob Witkoff in der Botschaft irgendwelche Erklärungen für die amerikanische Presse abgeben wird.

Bislang sehen wir, dass es keine Erklärungen gibt, außer – wie ich schon sagte – einem einzigen Wort, das Kirill Dmitrijew nach den Verhandlungen im Kreml geäußert hat. „Produktiv“, sagte Kirill Dmitrijew. Produktiv. Das ist das einzige Wort, mit dem er diese Verhandlungen bislang bewertet hat; andere Reaktionen sehen wir nicht, aber wir werden auf sie warten. Ich denke, möglicherweise erhalten wir während unserer Sendung bereits erste Reaktionen.

Während wir auf irgendwelche Ergebnisse dieser Verhandlungen warten, beantworte ich die Fragen, die bereits eingegangen sind.

Frage. Kann die Ukraine in der Donezker Region Zugeständnisse machen, wenn sie vernünftige Sicherheitsgarantien erhält? Zum Beispiel Sicherheitsgarantien der USA, die theoretisch auf dem Papier stark sind.

Portnikov. Erstens kann ich mir die Situation, dass wir auf dieses Gebiet, das wir kontrollieren, verzichten, nur schwer vorstellen. Im Grunde, ich sage es Ihnen ganz offen: Wenn Sie sich vorstellen, dass die Ukraine das Gebiet der Donezker Oblast verlässt, das sie all die Jahre verteidigt hat, wird das sehr an das Sudetenland erinnern, an Hitlers Besetzung des Sudetenlandes, nach der das Ende der Tschechoslowakei kam. Natürlich kann es keine identische Entwicklung der Ereignisse wie im Zweiten Weltkrieg und heute geben, aber es wäre eine sehr ähnliche Situation, in der die Russen kampflos das erhalten, was sie jahrelang nicht erobern konnten.

Aber ich werde gar nicht einmal dabei stehenbleiben, weil ich Ihnen eine andere Frage stellen möchte: Was sind überhaupt diese „vernünftigen“ amerikanischen Sicherheitsgarantien? Wie sehen Sicherheitsgarantien in dieser Welt überhaupt aus? Können Sie mir das erklären? Bis zu einem gewissen Zeitpunkt, zumindest bis 2025, war ich der Meinung, dass die Mitgliedschaft im Nordatlantischen Bündnis die offensichtlichste Sicherheitsgarantie sei. Denn wenn Russland Länder angreift, die NATO-Mitglieder sind, bedeutet das, dass die Vereinigten Staaten in dieser Situation die europäischen Länder verteidigen werden. Und damit würde Russland der Gefahr eines großen Atomkrieges gegenüberstehen, was natürlich im Kreml niemand will. Aber heute bin ich mir dessen einfach nicht mehr sicher.

Heute wird viel von Drohnenarmeen gesprochen, davon, dass Russland europäische Länder mit Drohnen angreifen könnte, während die europäischen Länder keinerlei reale Möglichkeiten haben, sich dagegen zu wehren. Und deshalb ist die Unterstützung der ukrainischen Armee so wichtig. Das höre ich von Kommentatoren und Militärs – aber das alles spielt letztlich keine große Rolle, welche technologischen Möglichkeiten man hat. Russland hat weniger, der Westen hat mehr. Vielleicht wird Russland vorübergehend sogar mehr Drohnenkapazitäten haben als europäische Länder, bis diese gelernt haben, mit Drohnen umzugehen.

Aber wenn es ein Krieg eines Atomblocks mit einer Atommacht ist, dann spürt man natürlich im Rücken immer die Möglichkeit eines gegenseitigen strategischen Atomschlags und der Zerstörung Moskaus. Und genau das sollte die Russen eigentlich dazu zwingen, sich vorsichtiger zu verhalten.

Dann fragen Sie: „Warum fürchten Polen oder Deutschland oder die baltischen Staaten dennoch einen Krieg, warum rüsten sie auf?“ In Wirklichkeit aus einem einfachen Grund: weil heute niemand sicher ist, dass das Amerika Trumps die europäischen Länder verteidigen wird.

Dann entsteht eine einfache Frage: Wenn niemand in Deutschland, in den baltischen Staaten oder in Polen garantieren kann, dass die Vereinigten Staaten sich im Falle eines Angriffs Putins angemessen verhalten werden, warum sollten wir dann glauben, dass selbst die NATO-Mitgliedschaft eine wirksame Sicherheitsgarantie ist?

Warum sollten wir, wenn wir sehen, dass unsere Nachbarn sich auf einen Krieg vorbereiten und ihrer eigenen Sicherheit nicht mehr sicher sind, glauben, dass wir, wenn wir einem Club von Ländern beitreten, die ihrer eigenen Sicherheit und der Rolle der Vereinigten Staaten nicht sicher sind, uns auf Sicherheitsgarantien verlassen können?

Ich sage es Ihnen noch einfacher. Nicht nur das System des Völkerrechts wurde durch Russland zerstört. Nach der Annexion der Krim wurde auch das System der internationalen Sicherheit zerstört, das Trump seinerseits zerstört. Ja, vielleicht, wenn wir 2029 den Zusammenbruch des Trumpismus beobachten – nicht Trumps, sondern des Trumpismus. Der Trumpismus selbst muss verschwinden, er darf ohne Trump nicht fortbestehen. Das heißt, entweder wird der Kandidat der Republikaner ein solider Politiker sein, kein Trumpist, oder ein trumpistischer Politiker muss bei der Präsidentschaftswahl eine vernichtende Niederlage erleiden. Vielleicht kann man dann das System der internationalen Sicherheit wiederherstellen, aber ich bin mir dessen nicht sicher. Erst einmal müssen wir mit Trump bis 2029 durchhalten.

Dann frage ich Sie erneut: „Und wie sehen Sicherheitsgarantien aus?“ Es gibt sie derzeit nicht. Viele glauben, die Vereinigten Staaten würden mit uns irgendein Abkommen schließen, das bedeutet, dass sie im Falle eines erneuten russischen Angriffs für uns kämpfen würden. Aber dann verstehe ich nicht, warum sie nicht jetzt für uns kämpfen können, sondern erst im Falle eines erneuten russischen Angriffs. Worin liegt da der Sinn? Ein Krieg mit Russland im Falle eines erneuten Angriffs ist doch genauso das Risiko eines Atomkriegs, mit dem Einsatz sowohl taktischer als auch strategischer Atomwaffen und dem Tod von Dutzenden Millionen Menschen in den Vereinigten Staaten und in Russland.

Ich denke, das Schicksal der Russischen Föderation mag den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht besonders umtreiben, aber die Verwandlung von Washington und New York in Ruinen dürfte ihn schon beschäftigen. Warum sollte er so etwas um der Ukraine willen unterschreiben? Ich sehe keinerlei reale Möglichkeiten dafür. Denn wenn sie es tun wollten, würden sie es bereits tun.

Und die Ansätze sind recht einfach. Präsident Joseph Biden wollte Russland so weit schwächen, dass es den Krieg beendet, und Donald Trump will Russland überzeugen, den Krieg zu beenden. Ja, er übt Druck aus, vielleicht sogar effektiver als früher, aber dennoch sind das zwei Ansätze von Menschen, von denen der eine unser aufrichtiger Unterstützer und Freund war, der andere uns in diesem Leben überhaupt nicht wichtig nimmt. Aber beide sind identisch in ihrem Bestreben, die direkte Beteiligung Amerikas an diesem Krieg zu verhindern. Und einen dritten Ansatz, einen anderen als den von Biden oder Trump, wird es nicht geben. Er existiert in der Realität nicht.

Was sind also Sicherheitsgarantien? Vielleicht sind Sicherheitsgarantien eine starke Ukraine, eine starke ukrainische Armee, modernste Technologien, die Fähigkeit, dem Feind einen eigenen Schlag zu versetzen, von dem er sich jahrzehntelang nicht erholen kann. Aber dafür sind bestimmte Vereinbarungen notwendig. Und übrigens muss Russland diesen Vereinbarungen zustimmen.

Und wenn wir ein Abkommen haben werden, das die Begrenzung der ukrainischen Armee zum Ziel hat – wie sollen wir uns dann verteidigen? Das ist der direkte Weg zu einem russischen Protektorat.

Frage. Sehen Trump und sein Umfeld in dieser Situation nicht, dass man ihn verhöhnt? Und wenn sie es sehen – wozu spielen sie mit den Russen dieses Spiel, bei dem sie sich schlagen lassen?

Portnikov. Ich muss sagen, ich glaube nicht, dass Trump denkt, man mache sich über ihn lustig, aber er kann glauben, dass er mit dieser Art Diplomatie Putin zu dem gewünschten Ergebnis zwingen wird. Das ist eine völlig reale Sache. Wir können das als Spott betrachten, aber er kann es als Suche nach Zugeständnissen betrachten. Und er kann glauben, dass Putin gerade nach der Verhängung von Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil und nach der Demonstration seiner Entschlossenheit zur Zerstörung der russischen Wirtschaft an genau diesen Zugeständnissen interessiert sein könnte.

Wir verstehen ja nicht wirklich, wie der tatsächliche Zustand dieser Wirtschaft aussieht, was mit ihr vor sich geht. Und deshalb sind Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil – diese größten russischen Ölkonzerne, die eigentlichen Geldbörsen des russischen Haushalts und Putins selbst – im Zusammenhang mit dem Wunsch, auf die Einhaltung dieser Sanktionen zu achten, von großer Bedeutung. Und abermals: Der Wunsch, sich nicht mit Trump zu überwerfen, besteht nicht nur bei Putin und Zelensky, sondern auch bei Narendra Modi, und Xi Jinping will ebenfalls nicht in einen scharfen Konflikt mit Trump geraten. Und vor allem verstehen alle, dass, falls chinesische Unternehmen, die russisches Öl kaufen, selbst ohne direkten Konflikt mit Xi Jinping, unter die Sekundärsanktionen der Vereinigten Staaten fallen, dies einen ernsthaften Schlag für die Wirtschaft der Russischen Föderation bedeuten wird.

Auch das ist ein Punkt, der es uns nicht erlaubt zu sagen, Putin könne sich leisten, sich frei über Trump lustig zu machen. Zeit schinden – ja, das kann er. Und das tut er, man kann sagen, seit Januar 2025. Aber die Frage ist, wie lange ihm das gelingen wird. Der Wille ist klar, aber wie realistisch ist es?

Frage. Warum gehört unter den drei Punkten, denen Russland nicht zustimmen wird, nicht auch das Thema Sicherheitsgarantien? Ist Russland hier zu Zugeständnissen bereit?

Portnikov. Ich glaube, ich habe diese Frage bereits beantwortet, als ich darüber gesprochen habe, wie die Situation in Bezug auf Sicherheitsgarantien aussieht. Russland kann Sicherheitsgarantien ignorieren, weil es davon ausgehen kann, dass der Ukraine ohnehin keine realen Sicherheitsgarantien gegeben werden können. 

Und wiederum: Wenn Sie sagen, Russland sehe keinerlei Probleme mit Sicherheitsgarantien, dann müssen Sie auch das andere sehen – dass Russland Sicherheitsgarantien gerne kombiniert sähe mit einer schwachen ukrainischen Armee, weil es annimmt, dass der Westen seine Sicherheitsgarantien ohnehin nicht umsetzen und die Ukraine ohnehin an keine Sicherheitsgarantien glauben wird. Wenn es in der Ukraine keine Armee gibt, wird die Ukraine früher oder später unter russischen Einfluss geraten, selbst wenn man sich ein theoretisches Ende des russisch-ukrainischen Krieges vorstellt.

Das heißt, als einer der Varianten könnte ein „georgischer“ Weg betrachtet werden, in dem man die Ukraine nicht einmal von außen angreifen muss, sondern der innere Zustand der ukrainischen Gesellschaft so sein wird, dass er Möglichkeiten für eine Kapitulation schafft – eine innere Kapitulation vor dem Aggressor, auch wenn es keine Kapitulation bei der Unterzeichnung des Friedensabkommens gibt.

Frage. Hat Amerika überhaupt Instrumente für die Situation, in der der Führer des Landes immer weniger arbeitsfähig ist und mit seinen Handlungen den Erfolg der USA sowohl innen- als auch außenpolitisch untergräbt?

Portnikov. Angesichts der Tatsache, dass dieser Führer sich absoluter Sympathien eines großen Teils seiner Wählerschaft erfreut und seiner Nächsten, die ihm heute bei der Kabinettssitzung Loblieder gesungen haben – wenn Sie diese Videoaufnahmen aus der Sitzung des amerikanischen Kabinetts gesehen haben, wie Trump schläft, während alle von seinem Genie sprechen, sogar davon, dass er stolz darauf sein soll, keine Hurrikans in den Vereinigten Staaten zugelassen zu haben.

Das ist heute ernsthaft vom Minister für innere Sicherheit der Vereinigten Staaten gesagt worden. „Wir danken Ihnen, Herr Präsident, dass Sie einfach keine neuen Hurrikans in den Vereinigten Staaten zugelassen haben.“ Das Niveau der – ich würde sagen – nordkoreanischen Züge der amerikanischen Politik ist mir nach wie vor unbegreiflich. Aber es gibt Institutionen, Sie müssen sich bewusst sein, dass amerikanische Institutionen funktionieren, die einen kollektiven Biden schaffen können, der ebenfalls in den letzten mindestens zwölf Monaten seiner Amtszeit nicht im besten kognitiven Zustand war – wir haben es gesehen – und sehr schnell gealtert ist, und einen kollektiven Trump.

Sie verstehen, das Problem ist, dass die Stressresistenz eines Menschen, der irgendeinen Staat führt – und schon gar einer so großen Nation wie die Vereinigten Staaten –, eine sehr ernste Prüfung ist. Und das müssen Sie verstehen. Man sieht immer, dass Menschen, die Präsidenten selbst nicht besonders großer Länder werden – ganz zu schweigen von Ländern wie den Vereinigten Staaten – einem so großen Stress ausgesetzt sind, dass sie sehr schnell altern, wenn sie ohnehin nicht mehr jung sind. Trump ist der älteste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten; er verliert seine Arbeitsfähigkeit einfach deshalb, weil der Stress ungeheuer groß ist. Und dann stellt sich die Frage, wie die Institutionen, die auf einen solchen Führer zugeschnitten sind, funktionieren. Wie arbeitsfähig und erfolgreich ist das Team?

Ich möchte Sie daran erinnern, dass Präsident Ronald Reagan während seiner zweiten Amtszeit in den letzten zwei Jahren bereits an Alzheimer erkrankt war, was selbstverständlich sorgfältig verheimlicht wurde und erst nach seinem Ausscheiden aus dem Weißen Haus bekannt wurde. Gleichzeitig muss man im Gedächtnis behalten, dass die Lage bei der Führung der Vereinigten Staaten damals immer recht schwierig war, aber der kollektive Regent – die Institutionen – arbeiteten tadellos, während der Präsident selbst mit seiner Persönlichkeit und seiner Bedeutung einfach Zentrum und Symbol dieses Teams war. Wir werden sehen, wie es weitergehen wird.

Nun ist also der Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, im Kreml vor die Journalisten getreten. Er betont, dass das Gespräch Putins mit Witkoff nützlich, konstruktiv und inhaltsreich gewesen sei, aber es werde noch viel Arbeit geben. Nun, das ist genau das, was wir erwartet haben. Kompromisse seien bislang nicht gefunden worden. Ein Treffen der Staatsoberhäupter der Russischen Föderation und der Vereinigten Staaten werde derzeit nicht erörtert und nicht geplant. „Wir haben nicht konkrete Formulierungen und Entscheidungen besprochen“, sagt Uschakow, „sondern das Wesen. Die Seiten sehen ein enormes Potenzial für eine Zusammenarbeit zur Umsetzung des Friedensvorschlags der Vereinigten Staaten in Bezug auf die Ukraine. Mit etwas sind wir bereit, uns einverstanden zu erklären, anderes hat Kritik hervorgerufen, aber es gab eine nützliche Diskussion“, sagt Uschakow.

Putin habe über Witkoff Grüße an Trump übermittelt sowie – wie Uschakow sagt – eine ganze Reihe von, wie immer, politischen Signalen. „Die Möglichkeit eines Treffens zwischen Putin und Trump wird davon abhängen, welche Fortschritte bei der Regelung des Konflikts erzielt werden.“ Man habe die Perspektiven der gemeinsamen Arbeit zur Erreichung einer langfristigen Regelung erörtern können.

Ich möchte Sie generell daran erinnern, dass Trump betont hat, er werde sich mit Putin und Zelensky erst dann treffen, wenn der Friedensplan abgestimmt sei oder wenn nur noch letzte Striche dieses Friedensplans zu besprechen blieben. Das ist damit also verknüpft.

„Russland hat zusätzlich zum ursprünglichen Plan Trumps zur Regelung in der Ukraine noch vier weitere Dokumente erhalten. Und das Treffen habe die Möglichkeit gegeben, die Wege einer weiteren Regelung der ukrainischen Krise zu besprechen. Erörtert worden sei das Wesen des US-Plans zur Regelung, nicht konkrete Vereinbarungen.“ Nun, das ist im Prinzip das, was jetzt in die Ticker der Nachrichtenagenturen eingeht, während des ersten Auftritts von Präsidentenberater Uschakow vor der Presse.

Was daran nun so konstruktiv gewesen sein soll, ist eine große Frage. Und wenn man dieses Treffen zwischen Witkoff, Kushner und Putin in zwei Worten beschreiben soll, dann ist es so zu Ende gegangen, wie ich es versprochen habe: Man hat sich darauf geeinigt, sich zu einigen – denn in Wahrheit gibt es, wie Sie verstehen, keinerlei reale Grundlage, heute davon auszugehen, dass die Seiten zu einem Kompromiss gelangen könnten.

Aber es gibt noch etwas Wichtiges: Die Russische Föderation und die Vereinigten Staaten haben vereinbart, nicht über das Wesen der Verhandlungen zwischen Putin und Witkoff im Kreml zu informieren. Das heißt, es seien nicht konkrete Formulierungen erörtert worden, sondern das Wesen dessen, was den amerikanischen Dokumenten zugrunde liegt, aber über dieses Wesen werde man nicht sprechen. Wie Sie wollen – so können Sie das interpretieren.

Das heißt faktisch: Nicht nur gibt es keinerlei reale Vereinbarungen, es gibt nicht einmal ein klares Verständnis davon, worin das Wesen dessen besteht, worüber sie gesprochen haben. Aber nun werden Witkoff und Kushner mit diesem großen „Wesen“, über das sie gesprochen haben, höchstwahrscheinlich auf ein Treffen mit Selenskyj zusteuern. Übrigens werden wir allein daran, ob dieses Treffen stattfindet oder nicht, erkennen, ob es ihnen gelungen ist, sich zumindest auf irgendetwas mit Putin zu verständigen. Auf irgendetwas. Und auch das ist ein wichtiger Punkt.

Offensichtlich gilt: Wenn Uschakow sagt, dass es keinerlei realen Kompromissplan für die Ukraine gibt, wird Witkoff kaum etwas anderes sagen. Wenn es überhaupt nicht gelungen ist, auch nur einen Schritt voranzukommen, wird Witkoff seine Begegnung mit Zelensky in Europa vermutlich absagen müssen und damit wäre die ganze Geschichte beendet.

Wenn nicht, dann werden einige der Punkte, die heute in Moskau besprochen wurden, dem Präsidenten der Ukraine zur Kenntnis gebracht. Er wird dazu Stellung beziehen müssen, und dann wird eine neue Runde von Verhandlungen zwischen Russen und Amerikanern stattfinden. Vielleicht nicht auf der Ebene Witkoff–Putin, sondern auf der Ebene der offiziellen Vertreter Moskaus, etwa Uschakow mit Witkoff oder Rubio oder jemand anderem.

Ich sage noch einmal: Man sollte hier keinerlei tatsächliche Effektivität erwarten. Für Moskau ist es wichtig, Zeit zu schinden. Für Putin ist das der zentrale Punkt in allen Verhandlungen: Zeit schinden und gleichzeitig neue Sanktionen der Vereinigten Staaten vermeiden. Da Putin versteht, dass es neue Sanktionen geben wird, wenn er es mit dem Zeitspiel übertreibt – weil Trump dann glauben wird, dass weiterer Druck erforderlich ist.

Die Vereinigten Staaten müssen zumindest demonstrieren, dass sie zu einem Friedensprozess bereit sind und diesen durchführen. Und dass es bereits in einigen Punkten eine Einigung mit Kyiv gibt, in einigen Punkten eine Einigung mit Moskau. Wenn es aber keine Einigung über die prinzipiellen Punkte geben wird, dann werden all diese Details – Vereinbarungen über nichts – ohnehin keine ernsthafte Rolle spielen.

Und auch das ist ein großes Problem für Donald Trump: Denn irgendwann wird offensichtlich werden, dass dieser Plan nicht funktioniert. Und was dann? Wenn der Plan nicht funktioniert und Putin keinerlei Kompromisse eingeht, dann muss man den Druck auf Moskau wieder verstärken, man muss der Ukraine mehr helfen. Und wie Sie sehen, will Trump eine Entwicklung in genau diese Richtung nicht.

Und darin besteht im Prinzip das Wesen dessen, worauf wir den ganzen Tag heute gewartet haben. Es ist kein politisches Wunder geschehen. Aber im Grunde haben die meisten Medien und Beobachter schon hervorgehoben, dass man von einem Treffen Putins mit Witkoff kein echtes politisches Wunder erwarten dürfe.

All diese russischen propagandistischen Aussagen: „Warten Sie auf wichtige Nachrichten aus dem Kreml. Gleich werden Sie ernsthafte Veränderungen sehen.“ Das war einfach eine propagandistische Vorbereitung, die mit der diplomatischen Realität nichts zu tun hat.

Aber selbstverständlich ist das noch nicht das Ende der Geschichte, denn ich denke, dass wir in dieser Situation noch irgendwelche amerikanischen Kommentare hören werden. Kommentare wird es ganz sicher geben. Irgendetwas wird Steve Witkoff sagen, wahrscheinlich. Vielleicht schreibt er etwas in sozialen Netzwerken. Es wird bestimmt irgendeine reale Reaktion von Donald Trump geben – in den Vereinigten Staaten ist ja noch Tag.

Womit sich Steve Witkoff jetzt in der US-Botschaft in Moskau beschäftigt, wissen Sie sehr gut. Er telefoniert wahrscheinlich mit Donald Trump und spricht über die Möglichkeiten, die es im Zusammenhang mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse gibt. Wir werden sehen, wie Trump seinerseits auf diese Situation reagiert.

Im Prinzip wird das alles erst am Morgen klarer werden, denn es ist ja bereits der 3. Dezember. Morgen früh werden wir irgendeine amerikanische Reaktion sehen, erfahren, ob es ein Treffen zwischen Steve Witkoff, Jared Kushner und Volodymyr Zelensky geben wird. Wir werden die ukrainische Reaktion auf all diese Ereignisse sehen. Vielleicht erfahren wir, wie die europäischen Führer reagieren, ob überhaupt mit ihnen über die Ergebnisse dieser Verhandlungen gesprochen werden wird. Auch das ist interessant.

Im Grunde ist das alles, was man zum jetzigen Zeitpunkt über die Situation sagen kann, die auf die eine oder andere Weise mit der künftigen Entwicklung des sogenannten Friedensprozesses verbunden ist. Aber wir müssen daran denken, dass für uns heute das Wichtigste ist – wie Sie verstehen –, die amerikanische Unterstützung nicht zu verlieren. Denn all diese seltsamen Friedensbemühungen können lange andauern, während wir Geheimdienstinformationen brauchen. Wir müssen verstehen, was mit den russischen Beschüssen passiert. Wir brauchen, dass die Amerikaner uns weiterhin Waffen verkaufen.

Übrigens ist gerade eine Meldung aufgetaucht, dass ein Teil der Waffenlieferungen – ich weiß nicht, wie sehr das stimmt – eingefroren worden sei. Die Amerikaner liefern diese Waffen derzeit nicht aus. Und das ist ebenfalls ein beunruhigender Punkt, dass sie im Zuge dieses Friedensprozesses in der Trump-Administration zu solchen Schritten greifen könnten. Wir werden also, wie man so sagt, in Verbindung bleiben in Bezug auf dieses Ereignis. 


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Москві: без результатів
| Віталій Портников. 02.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung:
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.