Trump verführt Lukaschenko | Vitaly Portnikov. 24.12.2025

Der Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump betrachtet seine Kontakte mit seinem belarussischen Amtskollegen Alexander Lukaschenko als Teil einer breiteren Strategie, die darauf abzielt, die Beziehungen zum Kreml zu verbessern und eine Überwindung der internationalen Isolation Russlands zu ermöglichen.

Einfach gesagt prüfen amerikanische Beamte, wie Lukaschenko auf die Möglichkeit einer Aufhebung der Sanktionen gegen Belarus reagiert und zu welchen Zugeständnissen der belarussische Diktator im Austausch für eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in seinem eigenen Land bereit ist.

Das Wall Street Journal berichtet, dass Trump seinen langjährigen Vertrauten John Coyle mit der Aufgabe betraut hat, Alexander Lukaschenko zu umwerben. Coyle führte mit dem belarussischen Diktator stundenlange Gespräche, bei denen es keineswegs nur um die Lockerung der Sanktionen gegen führende belarussische Unternehmen und die Freilassung politischer Gefangener aus Lukaschenkos Gefängnissen ging, sondern auch um Themen, die Lukaschenko noch weit mehr interessierten.

So versuchte John Coyle beispielsweise, den belarussischen Präsidenten mit einem Schlankheitspräparat zu verführen, das er selbst verwendete und für das Lukaschenko Interesse zeigte. Mehr noch: Coyle versuchte, eine Lieferung dieses Präparats nach Belarus zu organisieren.

Wie bekannt ist, ist Lukaschenko in den letzten Jahren sehr besorgt sowohl um sein äußeres Erscheinungsbild als auch um seinen Gesundheitszustand. Und es stellt sich heraus, dass weder die Medizin des Kremls noch die belarussische Medizin dem alternden Diktator helfen können, seine Gesundheit und damit seine ungeteilte Macht über die Belarussen zu bewahren. Deshalb muss er sich an den „verfluchten Westen“ wenden – was allerdings schon immer eines der Hauptwünsche autoritärer Machthaber war und sie ideologisch nie davon abgehalten hat, wenn es um die Verlängerung ihres eigenen Lebens und den Erhalt ihrer Gesundheit ging.

So wurde das Schlankheitspräparat zu einem der wichtigsten Argumente im Dialog zwischen Coyle und Lukaschenko. Und keinerlei moralische Erwägungen über die Art und Weise, wie Lukaschenko seit Jahrzehnten sein Land regiert, hielten den Vertrauten Donald Trumps davon ab. Er antwortete, dass es völlig egal sei, mit wem man spreche, solange dieser Mensch einem das geben könne, was man anstrebt.

Dasselbe Rezept wendet die Regierung Donald Trumps offenbar an, wenn es um eine Person geht, die beim amerikanischen Präsidenten weit mehr Bewunderung hervorruft als Alexander Lukaschenko – um Wladimir Putin. Und man kann davon ausgehen, dass das Schema, das Trump im Umgang mit dem belarussischen Diktator verwendet – wirtschaftliche Versprechungen zur Erzielung politischer Ergebnisse –, von ihm durchaus als ideal für den Dialog mit dem Kreml angesehen wird.

Zumal Freunde und enge Verwandte Donald Trumps in der Zusammenarbeit mit der Regierung des russischen Präsidenten weitaus mehr Geld verdienen können als in der Zusammenarbeit mit der Regierung des Präsidenten von Belarus.

Nun ja, die Dimensionen sind andere. Viele glaubten, Trump habe ein besonderes Verhältnis zu Lukaschenko aufgebaut, um dessen Abhängigkeit von seinem russischen Kollegen zu verändern und so den Einfluss Russlands im postsowjetischen Raum zu verringern. Doch offenbar ist genau das nicht das, was den amerikanischen Präsidenten interessiert.

Wenn es um Belarus geht, kann Belarus von der Trump-Regierung nicht nur als Testgelände betrachtet werden, das zeigen soll, wie Beziehungen zu Wladimir Putin aufgebaut werden und welche Versuchungen Donald Trump dem russischen Präsidenten anbieten wird, sondern vielmehr als eine Art Fenster zum Aufbau besonderer Beziehungen zur Russischen Föderation, falls Putin auf keine der Versuchungen Trumps eingeht, der Wunsch nach für die Trump-Regierung, seine Familie und seine Verwandten vorteilhaften Beziehungen aber bestehen bleibt.

In diesem Fall könnte Belarus, dessen Führung eigene Beziehungen zu den Vereinigten Staaten aufbaut, nicht mehr als Testgelände, sondern als russisches Fenster nach Amerika genutzt werden. Und unter Vermittlung des belarussischen Präsidenten könnten zumindest Pilotprojekte wirtschaftlicher Art umgesetzt werden, die für das Umfeld Donald Trumps und das Umfeld Wladimir Putins von Bedeutung sind.

Dabei würde der Sanktionsdruck auf Russland formal bestehen bleiben, und niemand könnte Trump vorwerfen, dass sein Land internationale Verpflichtungen verletzt oder Russland bei seinem Eroberungskrieg gegen die Ukraine unterstützt.

Schließlich kann auch die Unterstützung des belarussischen Regimes, von dessen Territorium aus 2022 der Angriff auf die Ukraine erfolgte, als Teil einer solchen Unterstützung betrachtet werden. Doch wir können erneut auf das Zitat von John Coyle zurückkommen, der überzeugt ist, dass es keinerlei Rolle spielt, mit wem man spricht, solange diese Person einem das geben kann, was man will.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, warum Donald Trump dann so ernste persönliche Vorwürfe gegen den Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro, erhebt, der seine Macht in Venezuela nach demselben Prinzip wie Alexander Lukaschenko erhält und ein Diktator nahezu desselben Typs ist. Vielleicht liegt der Grund überhaupt nicht darin, dass Trump über die venezolanische Demokratie nachdenkt oder sich auch nur eine Minute am Tag für das Schicksal des venezolanischen Volkes interessiert. Vielleicht liegt der Grund darin, dass Nicolás Maduro zumindest bislang Donald Trump und seinem Umfeld nicht geben kann, was diese Menschen tatsächlich wollen.

Für Nicolás Maduro setzt sich übrigens Alexander Lukaschenko selbst ein, der bereit ist zu garantieren, dass der venezolanische Präsident kein Drogenabhängiger ist. Doch wir sehen, dass in diesem Fall die Meinung Alexander Lukaschenkos Donald Trump überhaupt nicht interessiert. Und der venezolanische Präsident kann kaum auf Wohlwollen des amerikanischen Präsidenten hoffen, selbst dann nicht, wenn er nach irgendeiner Form der Annäherung an Trump und seine Regierung suchen sollte.

Wenn wir also diese so unterschiedlichen Haltungen Washingtons gegenüber Minsk und Caracas beobachten, können wir zumindest für uns selbst klar feststellen, dass es hier überhaupt nicht um Werte oder um den Schutz der Demokratie geht, sondern um Interessen, die Maduro offensichtlich nicht bedienen will – oder vielleicht auch nicht mehr bedienen kann, angesichts des Zustands, in den er die venezolanische Wirtschaft gebracht hat.

Und Lukaschenko – selbst wenn er es vielleicht nicht wirklich kann – will es offensichtlich, und vor allem ist er in der Lage, diesen Willen der Trump-Regierung zu demonstrieren und jene für die Fortsetzung der Zusammenarbeit notwendige Illusion zu schaffen, die in den Beziehungen mit der heutigen Regierung immer diejenigen steuert, die ihr Bilder einer angeblichen Zusammenarbeit vorlegen können.

Und natürlich wird in diesem Fall für Alexander Lukaschenko das beste Beispiel dafür, wie man Geschäfte macht, nicht Nicolás Maduro, sondern sein langjähriger Kumpel Wladimir Putin.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп искушает Лукашенко | Виталий Портников. 24.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Lukaschenko verspottet die Ukrainer | Vitaly Portnikov. 06.11.2025.

Alexander Lukaschenko hat die Ukrainer eingeladen, nach Belarus überzusiedeln, und versprach, dass sie im Falle eines Umzugs die gleichen Bedingungen erhalten würden wie die Bürger seines Landes. Größerer Zynismus als diese Einladung scheint kaum vorstellbar. Zunächst stellte der belarussische Diktator das Territorium seines Landes für einen Angriff auf einen Nachbarstaat zur Verfügung, verurteilte dessen Bewohner zu Tod, Raketenbeschuss, Bombardierungen, Plünderungen, Vergewaltigungen und einem jahrelangen Leben im Zustand eines endlosen Krieges – und lädt dann diese vom Krieg leidenden Menschen, deren Leid in hohem Maße durch seine eigenen Bemühungen und seinen Beitrag verursacht wurde, ein, nach Belarus zu ziehen und für eines der archaischsten und menschenfeindlichsten Regime der heutigen Welt zu arbeiten. Er verspricht den Ukrainern, die für den Erhalt ihres Staates und ihrer demokratischen Freiheiten kämpfen, dieselbe Möglichkeit, unter der Diktatur zu leben, die die Bürger von Belarus ertragen müssen.

Es besteht kein Zweifel daran, dass Alexander Lukaschenko nicht Präsident von Belarus wäre, wenn die Bürger des Landes selbst entscheiden könnten, welche Macht in ihrem Staat herrschen soll – dieser Mann, umgeben von einer korrupten Schar von Gefährten, die aus dem Kreml gesteuert wird. Es besteht ebenso kein Zweifel, dass die Bürger von Belarus, wenn sie selbst entscheiden könnten, wie ihre Regierung handeln soll, niemals dem Aufenthalt russischer Truppen auf belarussischem Boden oder der von dort aus verübten Aggression durch die russischen Streitkräfte zugestimmt hätten. Ich denke, die Belarussen hätten alles getan, um die russische Aggression zu verhindern, denn auch sie selbst nehmen die russischen Truppen auf ihrem Territorium als Besatzungstruppen wahr. Und das Lukaschenko-Regime wird schon seit Langem selbst als ein Besatzungsregime empfunden – auch von jenen, die in den 1990er-Jahren unvorsichtigerweise für den selbstgefälligen Populisten gestimmt haben, der den Belarussen Wohltaten auf Kosten des russischen Wirtschaftspotenzials versprach.

Doch all dies kann man als Teil der belarussischen politischen Realität betrachten – bis zu dem Moment, in dem Lukaschenko nun auch noch versucht, Ukrainer einzuladen, in Belarus zu leben und zu arbeiten. Offenbar deshalb, weil seine eigenen Bürger ihm nicht mehr genügen. Er fürchtet weiterhin Volksaufstände, denn das Jahr 2020 hat ihm eine eindeutige Erkenntnis gebracht: Er ist kein Held für seine eigene Bevölkerung. Die einzige Möglichkeit, für ihn zu überleben, besteht darin, sich auf russische Bajonette zu stützen. Und das ist keine besonders bequeme Position.

So hofft Lukaschenko weiter, dass, wenn er zum Beispiel vom Krieg erschöpfte Ukrainer einlädt, jene, die sich zum Umzug nach Belarus entschließen, weder Lust noch Zeit hätten, über Machtwechsel oder Proteste nachzudenken. Sie könnten dann Teil der wirtschaftlichen Maschinerie seines Regimes werden – in einer Situation, in der Lukaschenko kaum noch Möglichkeiten hat, wirtschaftliche Stabilität zu bewahren, und Russland nicht mehr das Geld besitzt, um das belarussische Regime zu finanzieren. Zumal der Hauptteil des Sanktionsdrucks gegen Belarus trotz des Dialogs mit den Vereinigten Staaten weiterhin besteht und die Normalisierung der Wirtschaft kaum fördert.

Es ist allerdings gut möglich, dass Lukaschenko die Ukrainer in erster Linie der schönen Worte wegen einlädt – um zu zeigen, was für ein „Friedensstifter“ er sei und mit welchem „Respekt“ er den Bürgern des Nachbarlandes begegne. Solche Aussagen hat er auch früher gemacht, als er demonstrierte, dass er bereit sei, als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine zu fungieren – selbst nach 2014, als die Führer der Ukraine, Russlands und der westlichen Länder in Minsk zusammenkamen, um die erste Phase des von Russland ausgelösten Krieges gegen die Ukraine zu regeln.

Doch schon damals war klar, dass Lukaschenko in diesem Krieg Putin und nicht dem ukrainischen Volk den Erfolg wünschte. Vor allem deshalb, weil Lukaschenko – wie auch Putin – jedes Volk hasst, das in der Lage ist, seine eigene Macht zu kontrollieren und seinen eigenen Entwicklungsweg zu wählen. Jedes Volk, das in der Lage ist, einem Diktator – dem eigenen oder einem fremden – Nein zu sagen, ist Lukaschenko ebenso verhasst wie Putin. Diese beiden Menschen sind natürliche Verbündete im Krieg gegen die Ukraine, weil sie durch ihre gemeinsame Verachtung für Völker vereint sind, die nach Selbstbestimmung streben. Und sie glauben, dass der wirksamste Weg, um ihre „Fähigkeiten“ zu beweisen, Gewalt und Krieg seien – Gewalt auf den Straßen von Minsk, Mogiljow, Witebsk, Homel und anderen belarussischen Städten, die für die Einwohner von Belarus bereits zum Alltag geworden ist; und Krieg auf den Straßen von Odessa, Charkiw, Kyiv und anderen ukrainischen Städten, die Opfer der unbegründeten Aggression Putins wurden.

Und dann, selbstverständlich, kann man die Bewohner dieser vom Krieg zerstörten Städte in Versuchung führen, nach Belarus zu kommen – mit der Behauptung, dass in diesem Land Ruhe, Ordnung und göttlicher Segen herrschten. Ruhe und Ordnung, die durch die Bereitstellung belarussischen Territoriums als Sprungbrett für Angriffe auf Nachbarländer oder für Putins Spezialoperationen gegen die Belarus angrenzenden Staaten „gesichert“ ist. Und göttlicher Segen, weil es Lukaschenko bislang gelingt, mit seinem eigenen Volk abzurechnen und die normale Entwicklung seines Landes zu verhindern.

Aber es ist völlig offensichtlich, dass es für den belarussischen Diktator mit der Schwächung Russlands im Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges von Tag zu Tag schwieriger werden wird, die Stabilität seines Regimes aufrechtzuerhalten – und dass er damit faktisch zum Verschwinden der belarussischen Staatlichkeit und des belarussischen Volkes beiträgt. Ich weiß nicht, ob Lukaschenko auf der Anklagebank landen wird, aber dass sein Regime nicht von Dauer sein wird und dass jedes Jahr seiner Existenz in den zukünftigen Geschichtsbüchern von Belarus als ein schwarzes Jahr der nationalen Existenz bezeichnet werden wird – darin bin ich zu 100 Prozent sicher. Ebenso sicher bin ich, dass kein einziger Ukrainer zu einem Mann gehen wird, der an der Aggression gegen ihr eigenes Land beteiligt war. Keine Einladung Lukaschenkos wird daran etwas ändern. Ganz gleich, welche angeblichen Wohltaten er den Menschen verspricht, in deren Land er gemeinsam mit Putin einen ungerechten Krieg gebracht hat.

Worüber sich Trump und Lukaschenko geeinigt haben | Vitaly Portnikov. 11.09.2025.

Nach dem Treffen von Aljaksandr Lukaschenko mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, John Cole, wurde in Minsk ein Brief veröffentlicht, den der amerikanische Präsident an seinen belarussischen Amtskollegen geschickt hat. Trump hatte sich auch früher respektvoll über Lukaschenko geäußert, und in diesem Brief wird betont, dass er gemeinsam mit seiner Ehefrau für die Gesundheit eines der abscheulichsten Herrscher des 20. und 21. Jahrhunderts beten werde.

Und das erinnert noch einmal an jene aufrichtigen Sympathien, die Donald Trump für die Führer autoritärer Regime hegt, die ihre eigenen Nationen unterdrücken und ihnen keinerlei reale Perspektiven eröffnen. Allerdings hatte das Treffen zwischen Lukaschenko und Cole auch reale Ergebnisse. Das erste und gewichtigste war die erneute Freilassung politischer Gefangener durch Lukaschenko – ganze 52 Personen, unter ihnen international bekannte Kämpfer gegen das autoritäre Lukaschenko-Regime sowie ausländische Staatsbürger, die Lukaschenko als Geiseln genommen hatte und weiterhin gegenüber Washington als Verhandlungsmasse benutzt. Zugleich wurden die Sanktionen gegen die belarussische Fluggesellschaft Belavia aufgehoben.

Das heißt, Trump begleicht seine „Rechnung“ mit Lukaschenko für Menschen nicht nur mit Besuchen seiner Vertreter, sondern auch mit realen wirtschaftlichen Möglichkeiten – nicht nur für Lukaschenko selbst, sondern auch für den russischen Präsidenten Putin, der weiterhin hinter dem belarussischen Machthaber steht, der längst zu einer Marionette des russischen Regimes geworden ist. Und hier stellt sich die Frage, was tatsächlich die Hauptmotivation von Donald Trump ist, wenn er schmeichelhaft über Lukaschenko spricht, ihm persönliche Briefe schickt und seine Gesandten nach Minsk entsendet.

John Cole betont, dass für die Administration die Normalisierung der Beziehungen mit der Republik Belarus wichtig sei. Und er hoffe, dass Lukaschenko im Rahmen dieser Normalisierung alle politischen Gefangenen freilassen werde. Wie wir sehen, stellt Trump keinerlei Bedingungen, die mit einer Demokratisierung des Regimes, der Durchführung freier Wahlen oder dem Verzicht auf die russische Militärpräsenz in Belarus verbunden wären. Und das erweckt den Eindruck, dass es für den amerikanischen Präsidenten nicht so sehr um eine Normalisierung der Beziehungen mit Minsk geht und auch nicht um den Versuch, Belarus von Russland loszulösen – was unter den heutigen politischen und wirtschaftlichen Bedingungen schlicht unmöglich ist –, sondern darum, Belarus als legales Fenster für Beziehungen mit der Russischen Föderation zu nutzen, angesichts der demonstrativen Unnachgiebigkeit des russischen Präsidenten Putin in der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges.

Trump hat keine Möglichkeit, demonstrative Schritte auf Putin zuzugehen, jenem Kollegen, dem er noch vor Kurzem in Anchorage begeistert applaudierte, als Putin überheblich die Gangway seiner Präsidentenmaschine hinabstieg. Doch der Wunsch, zumindest wirtschaftliche Beziehungen zu Putin aufzubauen, verschwindet nicht. Nehmen wir etwa die Aufhebung der Sanktionen gegen die Fluggesellschaft Belavia. 

Gegenüber Russland kann Trump die Sanktionen nicht aufheben. Die einzige Möglichkeit im Umgang mit dem russischen Führer besteht für ihn darin, keine neuen Sanktionen zu verhängen – mit der Begründung, er könne damit ein Hindernis für einen nicht existierenden Verhandlungsprozess zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges schaffen. Mit Belarus aber ist alles anders. Lukaschenko lässt politische Gefangene frei, und Trump „bezahlt“ ihm dieses gute Benehmen.

Moskau hat bekanntlich erst kürzlich über die Notwendigkeit gesprochen, direkte Flugverbindungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten wiederherzustellen. Dieses Thema interessiert sowohl russische Oligarchen als auch Vertreter der russischen Mafia. Direkte Flüge in die Vereinigten Staaten sind für sie eines der Instrumente, ihren Lebensstandard und ihre Beziehungen zu jenem Teil der amerikanischen Elite aufrechtzuerhalten, der bereit ist, über den russischen Autoritarismus hinwegzusehen – für das, was für sie das Wichtigste und offenbar einzige reale Priorität ist: Geld. Nun kann theoretisch nach der Aufhebung der Sanktionen die belarussische Fluggesellschaft Belavia in die Vereinigten Staaten fliegen. Zwar bleibt die Frage, wie sie den europäischen Luftraum nutzen will, da die europäischen Länder offenbar nicht vorhaben, mit Lukaschenko eine Verständigung zu suchen. Doch hier kann der belarussische Machthaber wiederum auf die Unterstützung des amerikanischen Präsidenten hoffen. Und schon haben wir den ersten Flughafen – den internationalen Flughafen Minsk –, von dem aus russische Oligarchen, Spione und Würdenträger Direktflüge in die USA antreten könnten.

Es könnte auch eine Formel entstehen, nach der Belavia als nicht sanktionierte Gesellschaft solche Direktflüge von russischen Flughäfen aus durchführt und damit für die russische politische und wirtschaftliche Elite noch komfortablere Bedingungen schafft. Auf der einen Seite werden keine Sanktionen gegen Russland aufgehoben. Auf der anderen Seite sind sowohl Putin als auch Trump zufrieden. Und natürlich ist der russische Präsident überzeugt, dass er eine Lizenz zur Fortführung des russisch-ukrainischen Krieges besitzt, während der belarussische weiterhin hofft, dass er noch eine gewisse Anzahl von Menschen, die für Demokratie in seinem eigenen Land gekämpft haben, gegen eine neue Aufhebung von Sanktionen gegen sein Regime eintauschen kann.

Das heißt, wir haben es faktisch mit derselben Fassade zu tun, hinter der sich Putin schamhaft während der russisch-ukrainischen Verhandlungen verbarg, als unsere Landsleute aus der Gefangenschaft freigelassen und gegen russische Soldaten ausgetauscht wurden – aber keinerlei reale Entscheidungen diskutiert wurden, die eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in absehbarer Zukunft signalisiert hätten. Stattdessen hörten sich die ukrainischen Verhandler all den Unsinn an, den sie schon zuvor vom Leiter der russischen Delegation, Wladimir Medinskij, während der sogenannten Verhandlungen von 2022 gehört hatten. 

Und hier ist es dasselbe. Dieselbe Menschenhandelspraxis mit demselben Ergebnis. Wenn es um den Handel mit Ukrainern geht, verschafft Putin Donald Trump die Möglichkeit, keine neuen Sanktionen gegen die Russische Föderation einzuführen – was das Ziel des russischen Präsidenten ist, oder vielleicht sogar ein gemeinsames Ziel der russischen und des amerikanischen Präsidenten. Wenn Lukaschenko Menschen „handelt“, verschafft er Trump damit die Möglichkeit, Sanktionen gegen Belarus aufzuheben und gewisse neue Sonderbedingungen für Putin zu schaffen.

Natürlich ist es sehr gut, dass sowohl unsere Landsleute aus ukrainischer Gefangenschaft befreit wurden als auch mutige Kämpfer gegen das Lukaschenko-Regime heute aus belarussischen Gefängnissen entlassen wurden. Wenn auch nicht alle – denn der charismatische Führer der belarussischen Opposition, Mikalaj Statkewitsch, ehemaliger Präsidentschaftskandidat seines Landes, lehnte die Deportation nach Litauen ab und kehrte nach Belarus zurück. Doch wir müssen die Motive verstehen, von denen sich Diktatoren leiten lassen, wenn sie solche Entscheidungen treffen. Und im Großen und Ganzen ist Donald Trump bereit, dieses schmutzige Spiel mit ihnen zu spielen.

Parade für Verbrecher | Vitaly Portnikov. 29.08.2025

Neben dem russischen Präsidenten Putin wird auch der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un zur Parade beim Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, anreisen. Es wird der erste Besuch des nordkoreanischen Führers in China seit vielen Jahren sein. 

Es ist symbolisch, dass er während seines Aufenthalts in Peking auch Gespräche mit seinem russischen Komplizen führen kann, dem er tatkräftig dabei hilft, friedliche Ukrainer zu töten.

Und wie wir sehen, zeigt Xi Jinping mit dieser gleichzeitigen Einladung von Putin und Kim Jong Un lediglich, dass China bereit ist, die Russische Föderation in ihrem Eroberungskrieg gegen unser Land zu unterstützen.

Dem chinesischen Führer ist es gelungen, am 3. September in Peking eine wahre Parade der Mörder und Diktatoren zu versammeln. Neben dem Präsidenten Russlands und dem Führer Nordkoreas werden dort auch der Präsident des Iran und der myanmarische Diktator sein. Und selbstverständlich darf auch Lukaschenko nicht fehlen. Die russische Marionette reist regelmäßig nach China, allein schon, damit Putin nicht auf die Idee kommt, Belarus der Russischen Föderation gebietsweise einzuverleiben, wie der russische Präsident es den Belarussen einst versprochen hatte.

Von westlichen Führern besucht praktisch niemand die Parade in der Hauptstadt der Volksrepublik China – mit einer einzigen Ausnahme: Der slowakische Premierminister Robert Fico, bekannt für seine antieuropäischen und antiukrainischen Äußerungen und für seine Koalition mit rechtsextremen Kräften in seinem Land, wird nach Peking reisen. 

Und auch der serbische Präsident Aleksandar Vučić. Sein Land gehört zwar nicht zur Europäischen Union, strebt aber nach wie vor eine Mitgliedschaft an. Wie wir sehen, hindert ihn das jedoch nicht daran, obwohl er kategorisch jede Einführung von Sanktionen gegen die Russische Föderation ablehnt, an der Parade bei Xi Jinping teilzunehmen.

Auf diese Weise können wir sagen, dass der Vorsitzende der Volksrepublik China dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, eine echte alternative Welt demonstriert. Eine Welt, in der man weder auf Sanktionen noch auf Drohungen aus Washington achtet. Eine Welt, in der China durch den Kauf von russischem oder iranischem Öl zeigt, dass diese Länder westliche Sanktionen einfach ignorieren können. Eine Welt, in der Waffen an ein Land geliefert werden, das seit Jahren Zivilisten im Nachbarstaat tötet und nicht einmal daran denkt, seinen grausamen und aggressiven Krieg zu beenden oder wenigstens auszusetzen.

Dass es heute faktisch zwei politische und wirtschaftliche Welten gibt, haben wir schon lange verstanden. Wir haben begriffen, dass westliche Sanktionen deshalb nicht so wirken können, wie man es einst in Washington oder Brüssel erwartete. Denn wenn die Länder des globalen Südens ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu jenen Staaten, die das Völkerrecht verletzen, nicht abbrechen wollen, können diese Staaten wiederum, wenn nicht die Sanktionen vollständig ignorieren, so doch zumindest lange genug ihre eigene Politik betreiben – ungeachtet dessen, was man in amerikanischen oder europäischen Hauptstädten über sie denkt.

Der Iran und Nordkorea stehen bekanntlich schon viel länger unter westlichen Sanktionen als die Russische Föderation. Dennoch produzieren sie Waffen, helfen Russland im Krieg – und der Iran steht obendrein kurz davor, die Atombombe zu bauen, trotz aller Bemühungen der USA und Israels.

Und Putin, wenn er sich dieses Beispiel der Ajatollahs oder des nordkoreanischen Diktators ansieht, versteht, dass auch er seine Politik betreiben kann, ohne auf die Vereinigten Staaten oder die Europäische Union Rücksicht zu nehmen.

Und warum? Weil China durch seine Ölkäufe die finanziellen Möglichkeiten für diktatorische Regime und den Krieg gegen unser Land sicherstellt. Nun, nicht nur China, auch Indien – dessen Premierminister sich unmittelbar vor all diesen Feierlichkeiten sowohl mit Xi Jinping als auch mit Putin treffen wird. Das werden für ihn ebenfalls die ersten hochrangigen Begegnungen mit dem chinesischen Führer seit langer Zeit sein. 

Natürlich hätte Indien allein hier keine große Rolle gespielt. Aber die Unterstützung Chinas hat tatsächlich Gewicht. Denn hier geht es nicht nur um ein wirtschaftliches Interesse, wie in Neu-Delhi, sondern auch um das politische Interesse der Führung der Kommunistischen Partei Chinas an der Schwächung des Westens.

Wenn wir früher die realen chinesischen Ziele im russisch-ukrainischen Krieg nur aus einzelnen Signalen aus Peking oder aus den privaten Äußerungen chinesischer Beamter erkennen konnten, die betonten, dass man Russland nicht erlauben werde, diesen ungerechten Krieg zu verlieren, so sehen wir jetzt – vor dem Hintergrund der Situation unmittelbar vor der Parade in Peking – dass China bereit ist, seine Unterstützung für die aggressive Politik Russlands und für eine strategische Partnerschaft mit einem Land zu demonstrieren, das nicht einmal daran denkt, über echte Friedensverhandlungen nachzudenken.

Der Botschafter Chinas in der Russischen Föderation erklärte bereits im Vorfeld von Putins Ankunft in Peking, dass es ein historischer Besuch werde, weil er nur das strategische Bündnis zwischen der Russischen Föderation und der Volksrepublik China unterstreiche.

Ich bin überzeugt, dass Xi Jinping und Putin während ihrer Gespräche in der chinesischen Hauptstadt darüber nachdenken werden, wie man Donald Trump effektiv entgegentreten und wie man seine Anwesenheit im Oval Office nutzen kann, um die Vereinigten Staaten ihrer globalen Einflusssphäre zu berauben und anderen Ländern ihre Unzuverlässigkeit als wirtschaftlicher und politischer Partner vor Augen zu führen. 

Donald Trump selbst hilft, wie wir wissen, im Grunde genommen sowohl Peking als auch Moskau, solche Thesen in den Köpfen vieler Staatsführer des globalen Südens zu verankern.

Natürlich wird in Amerika all dies unter dem Vorwand betrieben, man müsse Moskau von Peking lösen – und dafür könne man notfalls auch die ukrainischen Interessen opfern. Doch in Wirklichkeit löst sich niemand von niemandem. Im Gegenteil: Wir sehen die Einheit der diktatorischen Regime. Diese Einheit wird Anfang September allen demonstriert werden, die sie sehen wollen – oder auch nicht sehen wollen.

Und am Ende zahlen wir für diese absurden Illusionen des Weißen Hauses und für die Inkompetenz des Teams, das infolge der letzten Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten an die Macht gekommen ist – mit dem Leben unserer Mitbürger, mit der Fortsetzung des Krieges, mit Zerstörung und mit den russischen Einnahmen aus dem Öl, das Moskau weiterhin sowohl nach China als auch nach Indien verkauft.

Und all das werden wir nun in aller Deutlichkeit sehen – wie diese Menschen miteinander verkehren und welche Pläne sie schmieden, damit Krieg und die Zerstörung des Völkerrechts zur Norm im schwierigen 21. Jahrhundert werden.

Putin hat Trump verärgert | Vitaly Portnikov @i_gryanul_grem. 05.07.2025.

Korrespondent. Wie haben Sie die Nacht verbracht, angesichts des massiven Angriffs mit ballistischen Raketen und Drohnen auf Kyiv? Wie haben Sie die Nacht überstanden?

Portnikov. Wissen Sie, das ist schon eine Standardreaktion, würde ich sagen, das Verhalten in solchen Situationen. Leider sind diese Angriffe so regelmäßig geworden, dass man genau weiß, was und wie man handeln muss. Für mich war es in dieser Nacht aus professioneller Sicht wichtig zu verfolgen, wie die Angriffe Russlands von dem Gespräch zwischen Trump und Putin abhängen. Und das habe ich tatsächlich gesehen, denn genau als ich anfing, die Einzelheiten des Gesprächs zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten zu untersuchen, genau als bekannt wurde, dass dieses Gespräch beendet war, noch bevor der Assistent des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, mit Kommentaren herauskam, genau in diesem Moment heulten die Sirenen der Luftalarm auf. Zuerst war es eine Aufklärungsdrohne über Kyiv, die fast eine Stunde lang über der ukrainischen Hauptstadt flog und offensichtlich Objekte fotografierte, die die russische Armee angreifen wollte. Im selben Moment wurden bereits Kampfdrohnen von verschiedenen Positionen aus gestartet und es begann der große Angriff, der zu Zerstörungen, Bränden und Verletzungen von Menschen führte. 

Also, für mich war nicht wichtig, dass der Angriff stattfinden würde, denn diese Angriffe finden regelmäßig statt. Wichtig war für mich der offensichtliche Zusammenhang zwischen dem Angriff und dem Gespräch, wobei Putin sich nicht einmal scheut seine Gespräche mit Trump tatsächlich mit Angriffen auf Kyiv zu synchronisieren. Und das ist der wichtigste Punkt. Darüber spreche ich eigentlich vom ersten Moment an, als Trump die diplomatische Isolation Putins beendete. Putin betrachtet seine Gespräche mit Trump als Anreiz, ukrainische Städte anzugreifen.

Für ihn ist es ein Element der Straflosigkeit, für ihn ist es ein Anzeichen davon, dass, was auch immer er auf ukrainischem Boden tut, Trump mit ihm sprechen und ihn bitten wird, und er wird ihm absagen. Und mit jedem neuen Gespräch kann er immer härter vorgehen, weil er darauf rechnet, dass der amerikanische Präsident selbst kapitulieren und die Ukraine zur Kapitulation zwingen wird.

Deshalb habe ich einen solchen großen Angriff erwartet, ehrlich gesagt, von dem Moment an, als ich erfuhr, dass Trump mit Putin sprechen würde. Ich konnte natürlich sein Ausmaß nicht vorhersehen, ich konnte die Ziele nicht vorhersehen, obwohl klar war, dass in der Regel Gespräche zwischen Putin und Trump zu Angriffen auf Kyiv führen, während an anderen Tagen Angriffe auf andere ukrainische Städte stattfinden, auf Charkiw, auf Odessa, auf Dnipro. Es ist wichtig, Kyiv anzugreifen.

Das sind politische Angriffe, verstehen Sie? Man kann natürlich behaupten, dass Russland auf Objekte des militärisch-industriellen Komplexes, auf Objekte der ukrainischen Infrastruktur zielt, man kann immer ein Ziel für Drohnen finden. Aber der Punkt ist genau dieser. Es ist ein politischer Angriff, ein Schlag ins Gesicht für Trump.

„Du hast mit mir gesprochen, und ich schlage wieder zu, du wirst es hinnehmen und mit mir trotzdem sprechen“.  Es ist kein Zufall, dass Trump schon zu sagen anfängt, dass er Putin nicht wiedererkennt und dass er sehr enttäuscht von diesem Dialog ist. Das hat er doch vorher nicht so gesagt, oder? 

Korrespondent. Und warum versucht Trump Ihrer Meinung nach nicht, das zu stoppen? Ich spreche nicht einmal von einem moralisch-ethischen Aspekt, aber man sagt, dass Trump ein sehr ehrgeiziger, narzisstischer Mensch ist, und wenn man, ihm ins Gesicht spuckt, kann es ihn auf persönlicher Ebene beleidigen. Aber er scheint trotzdem mit einem nicht nachvollzierbarem Eifer weiter mit Wladimir Putin zu sprechen. 

Portnikov. Wahrscheinlich ärgern sich Menschen dieses Schlags, wenn sie von denen beleidigt werden, die sie nicht als ihresgleichen betrachten. Und wenn sie von denen beleidigt werden, die sie als ihresgleichen und sogar als stärker betrachten, dann ärgern sie sich nicht und wischen es weg. Das kann ein solcher Persönlichkeitstyp sein. Wir haben ihn auch schon millionenfach in jedem, sagen wir, Hof unserer Kindheit getroffen. Wenn ein Mensch, den wir als Schläger wahrnahmen, als jemanden, der mit einem Schlag auf jede Beleidigung antwortet, bei dem Erscheinen eines Erwachsenen hinter unseren Rücken verschwand und darauf rechnete, dass wir ihn beschützen würden. Das ist alles ein Persönlichkeitstyp, wenn Sie so wollen. Erstens.

Zweitens, Trump geht davon aus, dass er Putin aufhalten kann. Kurz vor diesem Angriff machte Trump Putin erhebliche Zugeständnisse. Erstens die Aussetzung der Lieferung von Waffen an die Ukraine. Das war eine klare Konzession an Putin. Es heißt, diese Entscheidung sei bereits im Juni getroffen worden, aber ich bezweifle sehr, dass dies eine endgültige Entscheidung war. Es könnte ein Schema einer Entscheidung gewesen sein, das der Präsident der Vereinigten Staaten einsetzen könnte, wenn er sieht, dass es seinem Dialog mit seinem russischen Kollegen hilft. Das ist passiert. Zweitens, was wir auch gesehen haben, ist die Aufhebung der Sanktionen gegen russische Banken.

Hier heißt es, die Aufhebung der Sanktionen betreffe ausschließlich den syrischen Teil des russischen Finanzsystems. Es heißt, die Transaktionen, die russische Banken mit dem Regime von Baschar al-Assad durchgeführt haben. Aber wir verstehen, dass, wenn Sanktionen gegen einen Teil von Transaktionen aufgehoben werden, dies der Bankensystem im Prinzip zusätzliche Möglichkeiten schafft. Zumal, wenn wir von Geldern sprechen, die im Wesentlichen im Rahmen der Zusammenarbeit zwischen russischen Banken und dem Regime von Baschar al-Assad eingefroren waren. 

Das ist ein ziemlich kompliziertes Finanzsystem auf der ganzen Welt, das ist ein Krake. Und dieser Krake ist jetzt unter dem Deckmantel der Aufhebung der Sanktionen gegen Syrien von den Problemen befreit, die er seit dem Beginn des Krieges in diesem Land hatte. Und das hilft auch der russischen Führung. 

Und Trump erwartete wahrscheinlich, dass Putin seine Handlungen wertschätzen würde, dass er seine Zugeständnisse wertschätzen würde. Aber das ist nicht geschehen, wie wir gesehen haben, Putin hat wieder einmal keine Zugeständnisse Trumps gewürdigt, weil er keine Teilkonzessionen braucht, er braucht die Kapitulation. Putin ist ein Mensch, der in solchen Kategorien denkt: Entweder kapitulierst du, oder du gehst mir nicht auf die Nerven.

Korrespondent. Aber dabei verstehe ich, dass wir weder in Putins noch in Trumps Kopf eindringen können, wir können nur aufgrund ihres Handelns etwas analysieren. Aber das sind doch unvergleichliche Kräfte, die Russische Föderation und die Vereinigten Staaten von Amerika. Das verstehen alle, auch die Leute, die Putin offenbar im Kreml umgeben. Womit will die Russische Föderation die Vereinigten Staaten von Amerika bezwingen?

Portnikov. Das sind unvergleichliche Kräfte, wenn Sie bereit zu kämpfen sind, und wenn Sie nicht bereit zu kämpfen sind, dann ist es egal, welche Kräfte Sie haben. Sie werden doch keine Angriffe auf russische militärische Ziele durchführen, so wie Sie es im Iran getan haben, weil Sie einen Atomkonflikt befürchten. Die wirtschaftlichen Auswirkungen auf Russland sind begrenzt, weil Russland, wenn Sie so wollen, ein Teil der chinesischen Wirtschaft ist. Und es ist klar, dass die Wirtschaft der BRICS-Mitgliedsländer angesichts der Sanktionen gegen Russland derzeit mit der westlichen Wirtschaft um Einfluss kämpft und zeigt, dass sie selbst Entscheidungen treffen kann, die nicht mit den Maßnahmen übereinstimmen, die die westlichen Länder im Hinblick auf den Sanktionsdruck ergreifen. 

Welche realen Möglichkeiten hat Donald Trump also, auf Russland Druck auszuüben, außer der Lieferung von Waffen an die Ukraine? Und mit der Lieferung von Waffen gibt es eigene Probleme, denn das Kriegsgebiet vergrößert sich tatsächlich und Russland wird es mit eigenen Mitteln vergrößern. 

Es ist klar, dass nach dem Ende des zwölftägigen Krieges im Nahen Osten niemand garantieren kann, dass dieser Krieg nicht wieder beginnen wird, niemand versteht, was wirklich mit dem Atompotenzial des Iran passiert ist. Niemand versteht wirklich, ob der Iran bereit ist, sein Atomprogramm fortzusetzen oder es wirklich einzustellen. Niemand versteht wirklich, welchen Einfluss Wladimir Putin auf den Iran haben könnte und was der Iran im Hinblick auf Putins Ratschläge tun wird. Wird Putin ihnen raten, sich zu einigen oder ihnen im Gegenteil helfen, Atomwaffen zu erhalten? 

Sie verstehen doch sehr gut, dass Emmanuel Macron nicht zufällig Putin angerufen hat. Und dass er ihn genau wegen des Iran angerufen hat, denn über den russisch-ukrainischen Krieg gibt es nichts zu besprechen. Die Positionen der Präsidenten sind diametral entgegengesetzt, sie können sich nicht einigen.

Daher besteht das Problem darin, dass Trump, wenn er nach Zugeständnissen von Putin sucht und nicht darüber nachdenkt, wie er stärker auf ihn Druck ausüben kann, einfach nicht Putin nicht beeindruckt. Wir selbst können nicht sagen, was Trump tun könnte, das das Putin-Regime wirklich bedrohen würde. Sanktionen, nun, sie könnten innerhalb den Jahren wirken, aber im Moment wirken sie nicht.

Waffenlieferungen, ja, das ist wichtig, aber wiederum, wie hoch ist das Potenzial Amerikas und vor allem der Wille Amerikas, der Ukraine Waffen zu liefern, wenn der Krieg noch dreieinhalb Jahre dauert? 

Diese Fragen kann Putin stellen. Er glaubt, dass die Idee eines Abnutzungskrieges, in dem Russland bereit ist, jeden Preis für den Erwerb der Ukraine zu zahlen, die Bemühungen Trumps lähmt. Das könnte sein Ansatz sein. 

Er mag falsch sein. Es kann sich herausstellen, dass die russische Wirtschaft damit nicht zurechtkommt. Es kann sich herausstellen, dass Russland nicht über das ausreichende demografische Potenzial für einen Krieg von weiteren drei bis vier Jahren verfügt. Aber Putin lebt derzeit in solchen Kategorien und will sie nicht aufgeben.

Korrespondent. China und das, was in die Öffentlichkeit gelangt ist. In privaten Gesprächen soll der chinesische Außenminister folgendes gesagt haben: China sei an einem Sieg Russlands interessiert, oder sagen wir, nicht an einer Niederlage Russlands interessiert, denn wenn sich der Fokus von dem ukrainischen Krieg abwendet, werden die USA ihre Aufmerksamkeit auf China richten. Das Erscheinen dieser Information, dieser Aussage, die noch nicht offiziell bestätigt wurde, warum wurde das Ihrer Meinung nach getan, wozu dient das? Und glauben Sie, dass dies tatsächlich gesagt und so in den Informationsraum gebracht wurde?

Portnikov. Ich weiß nicht, ob es gesagt wurde, aber es ist logisch. Ich sage seit 2022, dass China an dem Erfolg Russlands interessiert ist. Denn wenn wir die Ukraine betrachten, das ukrainische Gebiet. Wenn sich die Ukraine gegen Russland abwehrt, dann mit Hilfe der Vereinigten Staaten, mit Hilfe des Westens. Der Westen und die Vereinigten Staaten bleiben die wichtigsten Investoren für die ukrainische Wirtschaft. China hat keinen Platz in dieser Wirtschaft.

Stellen Sie sich aber vor, dass Russland die Ukraine besetzt. Es ist klar, dass China Zugang zu allen ukrainischen Ressourcen hat, ebenso wie zu den belarussischen Ressourcen. Und das ist, denke ich, worüber Xi Jinping und Putin während der Olympischen Spiele in Peking gesprochen haben. „Wir werden schnell Ordnung in der Ukraine schaffen“, erklärte ihm Putin. „Es wird dort eine normale, adäquate Regierung geben, keinen Zelensky , keine Beamten, die bereit sind, mit dem Westen zusammenzuarbeiten, keine europäischen Integration. Wir werden gemeinsam die ukrainischen Bodenschätze erschließen, mit Hilfe unserer Freunde Janukowitsch und Medwedtschuk. Es wird ein normales Land geben, ein normales Land wie Belarus“. 

Und Xi Jinping war damit, denke ich, einverstanden, denn das ist keine große Neuigkeit. Ich erinnere mich sehr gut an meine eigenen Dialoge mit chinesischen Kollegen, als sie offen sagten: „Hören Sie, wenn Sie ein souveräner Staat bleiben, wird Amerika hier herrschen. Und wenn Sie mit Russland zusammenarbeiten, wird es allein China sein. Warum sollten wir dann wollen, dass Sie ein souveräner Staat sind, wenn Sie nur ein Staat im Orbit der amerikanischen Interessen sind? Eine solche Ukraine ist für uns nicht interessant“. Das wurde nie verheimlicht. Wenn wir davon sprechen: Wang Yi könnte etwas an Kallas sagen. Nun, es könnte sagen, es könnte nicht sagen, es ist doch auch so klar. Sie haben es in privaten Gesprächen nie verheimlicht. Erinnern Sie sich, als der chinesische Botschafter in Frankreich, Lü Shaye, deutlich sagte: „Die ehemaligen Sowjetrepubliken sind Staaten mit begrenzter Souveränität“.

Ja, das wurde vom Außenministerium der Volksrepublik China dementiert. Ja, sie werden es offiziell nie zugeben, aber sie denken so. 

Korrespondent. Aber wozu tun sie das jetzt, wenn es sich natürlich um eine gezielte Politik handelt? Sie sind doch erfahrene Diplomaten, Außenminister. Wenn man selbst in privaten Gesprächen solche Dinge äußert, birgt das Risiko, dass sie veröffentlicht werden. 

Portnikov. Was wird man tun können, wenn sich China jetzt in einer Phase aktiver Konfrontation mit den Vereinigten Staaten befindet und tatsächlich bewiesen hat, dass die gesamte Wirtschaftspolitik Trumps, sein gesamter Druck auf China, überhaupt nicht realisiert werden kann? Und so kommen sie zu dem Zeitpunkt, an dem in den Vereinigten Staaten neue Sanktionen gegen Russland erwogen werden, die Möglichkeit von Sanktionen gegen Länder, die russisches Öl kaufen. Und sie wissen genau, dass diese Sanktionen niemals gegen sie verhängt werden, denn das wäre ein weiterer Schlag gegen die amerikanische Wirtschaft. Sie sagen es offen, weil sie überzeugt sind, dass Amerika den Schlag nicht aushält, zumindest nicht in dem Ausmaß, in dem sie bereit sind, diesen Schlag zu versetzen.

Das ist übrigens das Ergebnis all dessen, was passiert ist. Es wurde ein Zoll von 260 Prozent eingeführt und dieser Zoll wurde wieder abgeschafft, das heißt, es wurde praktisch kapituliert. Warum sollten die Chinesen jetzt nicht ihre Stärke spüren, wenn sich herausstellt, dass die amerikanische Wirtschaft mit einem ernsthaften Druck auf die chinesische Wirtschaft nicht fertig wird? Man sollte sich daher niemals über etwas hermachen, wenn man nicht wirklich zuschlagen kann. 

Korrespondent. Für die Ukraine, angesichts der sehr eigenartigen Position der Vereinigten Staaten, der Regierung von Donald Trump, der Einmischung Chinas, der Aggression der Russischen Föderation, der Zunahme von Angriffen und auch der Waffenlieferungen. Wie sehen Sie in dieser Situation die richtige Politik der Ukraine? Da ist Europa, das seine Loyalität zur Ukraine zeigt und nicht bereit ist, aufzugeben und keine wage Position einnimmt. Aber das ist offenbar doch nicht genug. Welche Möglichkeiten des Manövrierens hat die Ukraine heute in dieser schwierigen Situation?

Portnikov. Den Präsidenten der Vereinigten Staaten umzustimmen, mit den Europäern über neue Waffenlieferungen zu verhandeln, den eigenen militärisch-industriellen Komplex auszubauen. Es gibt keine andere Wahl. Die Position Chinas war immer so, wie sie war. Mich hat überrascht, dass viele in Kyiv auf China gesetzt haben. Ich habe immer behauptet, dass man, wenn man mit China kommunizieren will, sich nicht so gegenüber China verhalten sollte wie gegenüber Russland, dass man immer Kompromisse suchen sollte. Wenn Sie wollen, dass China irgendwo zurückweicht, eröffnen Sie doch zumindest eine Vertretung der APEC, die in Moskau und Warschau arbeitet. Erhöhen Sie den Grad der Verbindungen zu Taiwan, damit Sie mit China verhandeln können, um Ihre Unabhängigkeit zu zeigen. Und wenn Ihre wichtigste Diplomatie in östlicher Richtung lautet: „Wir werden China nicht verärgern, dann wird es sich aufregen“, und Sie mit einer völliger Straflosigkeit zu tun haben, wenn China nicht einmal versteht, womit Sie ihm nützlich sein können. China hilft Russland sowieso, und Sie stehen vor ihm stramm und suchen nach Möglichkeiten, mit Genossen Xi Jinping zu sprechen, um ihn in etwas umzustimmen, in etwas, in dem man ihn a priori nicht umstimmen kann. In dieser Richtung muss die Politik geändert werden. Aber ich muss Ihnen sagen, dass wir seit Jahren darüber diskutieren und kein reales Ergebnis erzielt wurde.

Korrespondent. Donald Trump, der seine Enttäuschung über Wladimir Putin zum Ausdruck brachte. Die New York Times schrieb am Vortag, dass die Erklärungen der Trump-Administration, sie würden der Ukraine keine Patriots und Waffen liefern, ein Signal dafür seien, dass die USA aus dem Krieg ausscheiden oder ausscheiden wollen. Das heißt, sie werden sagen: „Klärt es selbst“. Und werden das endgültig tun. Wie wahrscheinlich ist ein solches Szenario und wie könnte es aussehen, Ihrer Meinung nach? 

Portnikov. Ich glaube nicht, dass Donald Trump es sich leisten kann, aus dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine auszusteigen, denn das würde für ihn erhebliche Imageschäden bedeuten. Wenn dieser Austritt zu einer Niederlage der ukrainischen Truppen führt, wird das auf dem Gewissen von Donald Trump liegen. Ihm wird immer gesagt werden: „Wie kann das sein? Sie haben doch versprochen, die Ukraine zu bewaffnen, wenn Russland keinen Frieden will. Nun, Russland will keinen Frieden, und Sie sind aus dem Konflikt ausgestiegen. Wovon haben Sie sich leiten lassen?“

Donald Trump hatte einen klaren Aktionsplan, dass er beide Seiten zum Frieden zwingen würde. Wenn er Putin zu nichts zwingen kann, dann ist er schwach, und das werden alle sehen. Ich glaube nicht, dass Donald Trump lange mit einem solchen Ruf leben will.

Korrespondent. Er versucht jetzt, mehr Druck auf Präsident Zelensky und die Ukraine auszuüben? 

Portnikov. Und wie kann er Druck auf Zelensky ausüben, wenn Zelensky bereits mit all seinen Initiativen einverstanden ist? Zelensky ist zu Verhandlungen bereit, Zelensky ist zu einem Waffenstillstand an der Frontlinie bereit, Zelensky ist zu einem Treffen mit Putin bereit. Wie kann er Druck auf Zelensky ausüben, was soll Zelensky noch tun? Druck muss einen Sinn machen. Trump braucht keinen Druck auf Zelensky auszuüben, denn er kann von Zelensky nichts mehr erreichen.

Korrespondent. Und auf Putin wagt er es nicht, Druck auszuüben, nehme ich an? 

Portnikov. Vielleicht wagt er nicht, vielleicht hat er einfach keine Druckmittel. Ich denke, er hat eher Angst, als dass er keine Druckmittel hat, wenn wir ehrlich sind.

Korrespondent. Hat er Angst vor dem Atomwaffenpotenzial? Womit kann Wladimir Putin ihn wirklich erschrecken? 

Portnikov. Erstens fürchtet er das Atomwaffenpotenzial, das gilt für alle amerikanischen Regierungen. Zweitens will er sich vielleicht einfach nicht mit Putin streiten. Haben Sie nicht daran gedacht? Er sieht keinen Grund für einen Konflikt. Er glaubt aber, dass Putin den Krieg in der Ukraine beenden sollte und alles wunderbar sein wird. Sie werden zusammenarbeiten.

Korrespondent. Es stellt sich heraus, dass er Putin als Oberhaupt eines Imperiums legitimiert, mit dem man auf Augenhöhe sprechen kann, nun, einer solchen Pseudo-Imperiums, aber dennoch bringt er dieses Pseudo-Imperium, allem Anschein nach, in den Status eines Imperiums, denn das Oberhaupt des derzeit mächtigsten Landes der Welt spricht auf Augenhöhe mit einem Mann, der einen Angriffskrieg führt und in wirtschaftlicher, demografischer, sozialer, politischer und anderer Hinsicht in allen Punkten unterlegen ist. Aber er sagt: „Ihr seid auch ein Imperium, Leute, ich nehme euch an“. Sehe ich das jetzt richtig?

Portnikov. Vielleicht sieht er das so. Es ist für uns schwer zu verstehen, von was Donald Trump bei seinen Handlungen geleitet wird. 

Korrespondent. Zbigniew Brzezinski und sein großes Schachbrett über die Tatsache, dass Russland ohne die Ukraine kein Imperium ist. Das ist das Buch, das die Politik vieler Staaten bestimmt hat. Es ist, so verstehe ich das, sowohl für Putin als auch für Trump ein Tischbuch, im Prinzip. Kann man das so sagen?

Portnikov. Ich weiß nicht, inwieweit  Zbigniew Brzezinskid Gedanken für Putin überhaupt eine ernsthafte Rolle spielen. Putin hat eine ganz klare Vorstellung davon, dass Russland an die Grenzen der Sowjetunion von 1991 zurückkehren muss. Und die Ukraine ist in diesem Zusammenhang natürlich wichtig, denn die Ukraine ermöglicht es, auf Europa viel stärker Druck auszuüben als jede andere ehemalige Sowjetrepublik. Es ist einfach ein anderes Kriegsgebiet. 

Aber zu sagen, dass Russland ein Imperium ohne all seine anderen ehemaligen Besitzungen, ohne den Kaukasus, ohne Zentralasien ist, ist auch eine große Übertreibung. Russland, das Zentralasien und den Kaukasus nicht kontrolliert, ist auch kein Imperium. Daher ist klar, dass die Ukraine für sie sehr wichtig ist. Aber die Tatsache, dass ihr Imperium insgesamt zerfallen ist, ist für sie auch eine absolut offensichtliche Sache. 

Deshalb haben sie immer von einer integrationsorientierten, sozusagen, Komponente für alle ehemaligen Sowjetrepubliken gesprochen. Sie waren ja nicht nur auf die Ukraine ausgerichtet, sondern auch auf alle ehemalige Sovietrepublikeb auch. 

Ja, natürlich, die Hauptidee ist der Bund dreier brüderlicher Völker, der sogenannte Bund von Russland, Ukraine und Belarus. Aber es war gemeint, dass dieser Bund viel einfacher durch andere Gebiete wächst als Russland ohne Ukraine und Belarus. Da haben Sie die ganze Idee.

Korrespondent. Sie haben, übrigens, den Kaukasus, den Südkaukasus, Aserbaidschan erwähnt. Und was jetzt zwischen Moskau und Baku passiert und wie sich Präsident Aliyev verhält. Er hat im Allgemeinen keine Angst vor Wladimir Putin, und ist bereit, mit ihm seiner Sprache zu sprechen, sogar indem er sagt, dass er im einen Spiegel hingestellt hat: „Sieh mal, was du bist, ich kann das auch“. Und das ist meiner Meinung nach noch ein wichtiger Punkt. 

Portnikov. Das ist der Prozess des verzögerten Zerfalls des Imperiums. Denn all diese unabhängigen Staaten, einschließlich der Ukraine, waren lange Zeit nur umbenannte sowjetische Republiken. Im Schatten des russischen zivilisatorischen Einflusses. Jetzt hört es auf. Denn was ist das Neue am Verhalten Aserbaidschans? Quält Russland zum ersten Mal ethnische Aserbaidschaner, Bürger Aserbaidschans? Sie verhalten sich immer so. Und Aserbaidschan reagierte anders. Die aserbaidschanische Gesellschaft selbst bemerkte dies möglicherweise nicht, weil sie keinen Streit mit Russland anfangen wollte, „weil unsere Leute leben in Russland und es schlecht werden würde. Denn Russland kann uns im Südkaukasus mit eigenen Truppen, die sich dort auf armenischem Gebiet befinden, schaden und uns noch einen Teil des Territoriums wegnehmen. Wir müssen uns nicht mit ihnen streiten, daher ist es besser nicht zu bemerken, wie sie uns behandeln.“ Aber jetzt, nach dem zweiten Karabach-Krieg, hat das aserbaidschanische Volk, nicht nur Aliyev, diese Privilegien nicht zu bemerken nicht mehr. Denn das Volk fühlt sich als Volk, das den Krieg gewonnen hat, das die territoriale Integrität des Staates wiederhergestellt hat. Und wir werden dort über die Methodik und so weiter sprechen, aber das ist so ein Selbstgefühl.

Präsident Aliyev kann sich auch nicht anders fühlen, denn er kann seinen Landsleuten nicht erklären, warum er die Augen vor dem Tod von Aserbaidschanern in Russland während irgendwelcher Ermittlungen oder der Zerstörung des Flugzeugs, und dem Fehlen von Entschuldigungen seitens Moskaus verschließt. Das ist, was passiert. Es findet eine Souveränisierung Aserbaidschans statt, so wie früher Souveränisierung der Ukraine stattgefunden hat.

Übrigens ist diese alternative Vereinigung war nicht zufällig immer die GUAM. Georgien, Ukraine, Aserbaidschan und Moldawien. Vier ehemalige sowjetische Republiken, die ihren Souveränitätsanspruch früher als die anderen stärker spürten. Und jetzt passiert alles im Rahmen dieser Länder. Ja, Georgien nähert sich Russland relativ an, aber es hat immer noch nicht einmal diplomatische Beziehungen zu Russland.

Die Ukraine führt Krieg mit Russland. Aserbaidschan widersetzt sich Russland. Russland gibt irre Summen für Moldawien aus, um die Macht in diesem Land an prorussische Kräfte zurückzugeben. Das ist alles. Im Moment passiert an anderen Orten noch nichts. 

Das heißt, diese vier Länder bleiben die wichtigsten Länder der Instabilität für Russland. Und das schon seit den neunziger Jahren, möchte ich Sie daran erinnern, denn diese Vereinigung wurde bereits zu Zeiten von Eduard Schewardnadse, Leonid Kutschma, Heydar Aliyev und Mircea Snegur  oder Pjotr ​​Lutschinski geplant. Das ist schon sehr lange her.

Verstehen Sie? Das hat also seine eigene Logik, die sich seit Jahrzehnten nicht ändert, aber natürlich gab es vorher keinen so aktiven Widerstand. Und übrigens, wenn Sie sich erinnern, gab es in dieser GUAM auch Usbekistan, das dann ausstieg, weil Islam Karimov beschloss, die Beziehungen zu Moskau nicht zu verschärfen. Obwohl er versuchte, sich relativ unabhängig zu halten. Und wohin reiste der usbekische Präsident, Schavkat Mirsijiojew in den ersten Tagen nach Beginn dieses Konflikts Russlands und Aserbaidschans? Nach Baku. Ja, das war natürlich ein früher geplanter Besuch. Aber er hat ihn nicht abgesagt. Ihm kam nicht in den Sinn, dass er wegen des Konflikts zwischen Aliyev und Putin nicht zu Aliyev fahren würde. Und man weiß nicht, was vor 10 Jahren mit solchen Besuch gewesen wäre.

Korrespondent. Dieses Symptom, das wir jetzt beobachten. Ich verstehe, dass Donald Trump diese Punkte vielleicht nicht beachtet, aber trotzdem, ich denke, es ist sehr wichtig, dass man Moskau widerstehen kann, man kann es spiegelbildlich machen, man kann es hart machen, und die Welt bricht danach nicht in einem bestimmten Land zusammen. Das heißt, Aliyev hat Putin gezeigt, dass er mit ihm so sprechen kann, wie er mit ihm spricht. Und Putin kann nichts tun. 

Portnikov. Oder will es noch nicht. Was bedeutet, kann nicht tun? Er wird es tun, das versichere ich Ihnen. Er wird das aserbaidschanische Business aus dem Land verdrängen. Sie können die Propaganda verstärken, sie fordern von Aliyev bereits Entschuldigungen, wie Sie verstehen. Und das ist auch eine ziemlich ernste Geschichte. Aber das einzige, was er definitiv nicht kann, er kann nicht mit Aserbaidschan Krieg führen, denn alle militärischen Bemühungen der Russischen Föderation konzentrieren sich derzeit auf die ukrainische Richtung, das sehen wir über unseren Köpfen. Wenn Raketen fliegen, wenn Drohnen fliegen, wenn die russischen Truppen weiter vorrücken.  Russland hat keine anderen Ressourcen. Deshalb hat sich Russland aus Syrien zurückgezogen. Deshalb ist Russland übrigens vom Südkaukasus abgezogen.

Deshalb sagte Putin, als der Angriff auf den Iran stattfand: „Oh, wissen Sie, ich weiß nicht, was ich damit machen soll“. Das ist alles eine logische Folge der Schwächung der Position Russlands, auch im postsowjetischen Raum, das ist, dass Russland in einen endlosen Krieg mit der Ukraine verwickelt ist.

Korrespondent. Wie ist die Lage an der Front derzeit? Wie schwierig ist es derzeit für die ukrainischen Streitkräfte, den russischen Angriff abzuwehren?

Portnikov. Wir sehen, dass trotz der offensichtlichen Schwierigkeit dieser Situation die russischen Truppen nicht die Positionen erreichen, die sie einnehmen möchten. Wir haben bereits von Führern der ukrainischen Armee gehört, dass der Vormarsch sowohl in Oblast Sumy als auch in der Donezk  gestoppt wurde, und wir sehen keinen aktiven Vormarsch. Denn all diese russischen Angriffe sind zum großen Teil eine Folge davon, dass die russische Armee keine neuen Positionen einnehmen kann. Deshalb rächen sie sich an der Zivilbevölkerung und hoffen, die Zivilbevölkerung zur Kapitulation zu zwingen, damit die ukrainische Armee die Gebiete, zumindest die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, kampflos verlässt. Darüber hinaus gibt es möglicherweise auch Angriffe auf den militärisch-industriellen Komplex, damit die ukrainische Armee keine neuen Waffen erhält, damit die Amerikaner nicht helfen und die Ukrainer selbst nicht produzieren, um so die Möglichkeiten der eigenen Truppen zu erleichtern. Obwohl ich denke, dass dies die russische Armee nicht vor der Sackgasse im Vormarsch retten wird.

Korrespondent. Fragen aus unserem Chat. Was denken Sie, warum ist noch ein Top-Manager eines russischen Unternehmens, in diesem Fall Transneft, aus dem Fenster gefallen? Etwa zehn solcher Leute gibt es schon. Sie fingen an seit dem Beginn des großen Krieges im Jahr 2022 aus dem Fenster zu fallen. 

Portnikov. Ich bin kein Verschwörungstheoretiker. Aber ich erinnere mich sehr gut, dass nach dem Augustputsch 1991 auch die für die Angelegenheiten des ZK der KPdSU Verantwortlichen aus dem Fenster fielen. Das ist also eine Tradition der russischen Politik. Aus dem Fenster zu fallen ist die beste Möglichkeit, viele Probleme loszuwerden. 

Korrespondent. Kann sich eine gewisse Verbindung vorstellen? Sagen wir, Gazprom?

Portnikov. Dafür muss man in die finanziellen und geschäftlichen Verbindungen verwickelt sein, die auf der Ebene der russischen Mafia bestehen, und wir sind glücklicherweise nicht daran verwickelt. Sonst wären wir auch schon längst aus dem Fenster gefallen.

Korrespondent. Aber was die Vertikale betrifft, ein interessanter Punkt im Zusammenhang mit der putinschen Vertikale ist jetzt das, was mit Kadyrow passiert oder nicht passiert, denn es gab eine Hochzeit, und Ramsan Kadyrow ist auf keinem Foto zu sehen. 

Portnikov. Wir wissen nicht, was mit Kadyrow passiert. Auch das ist Konspirologie. Wir müssten vielleicht über seinen Gesundheitszustand informiert werden, aber Russland ist nicht das Land, in dem über jeden Beamten berichtet wird, was mit ihm passiert. Daher gibt es einerseits Indikatoren für seinen Einfluss, andererseits Indikatoren für seine Abwesenheit. Ich glaube auch nicht, dass dies eine grundlegende Bedeutung hat, denn das Regime, das in Tschetschenien eingerichtet wurde, mag personalistisch erscheinen, ist aber in Wirklichkeit ist es ein Regime, das durch den russischen Macht Einfluss in der Region gesichert wird.

Korrespondent. Ihrer Meinung nach hängt das nicht zusammen? Wenn man sich vorstellt, dass Putin verschwindet, und der Krieg auf einer Stelle tritt, beginnen sie nicht, ihn zu bremsen?

Portnikov. Ich weiß nicht, wer Putins Nachfolger sein wird und welche Vorstellungen dieser Nachfolger davon haben wird, wie man in dieser Richtung vorgehen muss. Es kann sowohl zu einer Entspannung der Situation als auch zu deren Eskalation führen.

Korrespondent. Weitere Fragen unserer Zuschauer betreffen die außenpolitischen Bemühungen der Ukraine, worauf sich die wichtigsten diplomatischen Bemühungen derzeit konzentrieren.

Portnikov. Es gibt die Vereinigten Staaten, es gibt Europa. Es ist ganz offensichtlich, dass sowohl dort als auch dort nach neuen Mitteln gesucht werden muss.

Korrespondent . Wie bequem ist Jermak für die USA?

Portnikov. Ich glaube nicht, dass die Beziehungen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten durch bestimmte Beamte bestimmt werden, sei es der Chef des Präsidentenbüros oder der Präsident selbst. Die Beziehungen zwischen der Ukraine und den USA werden durch die Sichtweise der Vereinigten Staaten bestimmt, ob die Vereinigten Staaten den Souveränität der Ukraine vor der russischen Aggression schützen wollen. Das ist ziemlich einfach und erfordert keine besonderen diplomatischen Kontakte. Wenn es den politischen Willen dazu gibt. Und wenn nicht, werden keine politischen Kontakte, keine bequemen Leute diese Vorstellung von der Realität ändern. Man muss es auch nicht übertreiben. Das ist ein Krieg, im Krieg spielt die Diplomatie eine untergeordnete Rolle.

Korrespondent. Der zwölftägige Krieg im Nahen Osten, der Angriff auf den Iran, darunter auch der amerikanische. Es gab viele verschiedene Interpretationen, dass Putin geschwächt ist, dass Putin das Regime nicht aufrechterhalten konnte, genauer gesagt, blieb das Regime erhalten, aber er könnte nichts demonstrieren. Jetzt höre ich schon eine andere Meinungen, dass Putin nicht geschwächt sei und dass mit dem Iran nicht alles eindeutig sei, das Regime ist erhalten geblieben, angereichertes Uran wurde abtransportiert, sie werden es weiter tun. Und heute, wenn man nach einem kleinen zeitlichen Abstand, darauf schaut. Wie hat das Ihrer Meinung nach, auch auf den Ukraine-Krieg, eingewirkt?

Portnikov. Die Geschichte mit dem Iran hat ziemlich schwerwiegend gewirkt, das ist klar, denn wir sehen jetzt, dass die Vereinigten Staaten auch darüber nachdenken, dass zusätzliche Waffen sowohl für ihre eigene Armee als auch für Israel notwendig sind, und bereiten sich auf eine neue mögliche Runde der Auseinandersetzung mit dem Iran vor. Niemand versteht wirklich, was mit dem Atomprogramm passieren wird, wie weit es wirklich gestoppt ist, für wie lange. Dieser Zustand der Ungewissheit im Nahen Osten wird alle beeinflussen.

Korrespondent. Wir haben damals darüber gesprochen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass Russland beispielsweise eine Ladung an den Iran weitergibt, das irgendwie heimlich macht, und der Iran eine Atombombe bekommt. Darauf spielte Dmitri Medwedew an, wofür er von Donald Trump getadelt und sich zurückgenommen musste. Und dieses Szenario, wie schätzen Sie das im Allgemeinen ein, unter den gegenwärtigen Bedingungen?

Portnikov. Ich denke, dass wenn Dmitri Medwedew das laut sagt, bedeutet das, dass sie es besprechen. Und es ist nicht wichtig, was er Trump antwortet. Wichtig ist, was sie untereinander besprechen, dass ihnen überhaupt eine solche verrückte Idee in den Sinn kommt. Das ist schlecht. Das sie überhaupt über solche Kategorien denken. Das bedeutet, dass sie den Bezug zur Realität verloren haben.

Korrespondent. Die Verbreitung von Atomwaffen im Allgemeinen. Es wird angenommen, dass China kategorisch dagegen ist, Russland nicht? 

Portnikov. Ich denke, dass Russland nicht. Denn für Russland ist die Verbreitung von Atomwaffen ein weiterer Hebel zur Ausübung von Druck auf den Westen. China ist in dieser Hinsicht vorsichtiger, aber hier gibt es Meinungsverschiedenheiten zwischen China und Russland, einfach weil die nuklearen Potenziale der Seiten unvergleichlich sind, und Russland glaubt, dass es nicht durch die Verbreitung von Atomwaffen bedroht wird, während China das anders sehen könnte.

Korrespondent. Lukaschenko ist der erste Schritt, das heißt, er hat Atomwaffen erhalten, aber keine Kontrolle über die Atomwaffen, das heißt geographisch. 

Portnikov. Lukaschenko ist kein erster Schritt, denn Lukaschenko hat keinen Einfluss auf die Verteidigungsfähigkeit seines eigenen Landes.

Korrespondent. Und welche Spielchen spielt Lukaschenko jetzt? Indem er ein Teil der politischen Gefangene freilässt. Welchen Handel betreibt er und mit wem? 

Portnikov. Ich denke, er spielt einfach sein eigenes Spiel mit dem Westen und versucht, ein unabhängiger Akteur zu bleiben, obwohl er es per Definition nicht ist. Ja, er kann Leute freilassen, damit amerikanische Beamte zu ihm kommen, damit er demonstrieren kann, dass mit ihm gesprochen wird, er kann dafür Menschen opfern. Das ist die übliche Taktik jedes Diktatoren: humanitäre Fragen zu lösen, wenn man keine anderen lösen will. Das ist übrigens dasselbe, was Putin bei den ukrainisch-russischen Verhandlungen tut.

Er lässt Gefangene frei, löst aber keine Fragen. Hier ist es genauso. Wenn jemand mit konkreten Fragen zu dir kommt und du sie nicht lösen willst. Was tust du? Du handelst mit Menschen. In diesem Sinne unterscheidet sich Lukaschenko nicht von Putin.

Korrespondent. Es gibt diese beliebte Ansicht, dass Lukaschenko, obwohl er unter der Kontrolle von Wladimir Putin steht, nicht im physischen Sinne in den Krieg eingetreten ist, das heißt, die Soldaten der belarussischen Armee haben die Grenze zur Ukraine nicht mit Maschinengewehren überschritten. Und es wird angenommen, dass dies seine Leistung ist, dass Putin ihn gebeten hat, Druck auf ihn ausgeübt hat, aber er es nicht getan hat. Was ist mit dieser Geschichte, was denken Sie?

Portnikov. Ich denke, wir wissen nicht, was dort tatsächlich passiert ist, aber die Größe der belarussischen Armee, ihre Verteidigungsfähigkeit, hätte die Operation, die Russland auf ukrainischem Gebiet durchgeführt hat, wahrscheinlich nicht beeinflusst. Als es ein Blitzkrieg war, brauchten sie die belarussische Armee nicht. Und als es kein Blitzkrieg mehr war, würde die belarussische Armee nichts mehr an der Situation ändern, denn sie zogen selbst aus der Nordukraine ab. Deshalb glaube ich nicht, dass es dort irgendwelche Leistungen von Lukaschenko gab. Ich denke, niemand hat Lukaschenko gebeten, sich ab dem Blitzkrieg teilzunehmen, um die Früchte des Sieges nicht mit ihm zu teilen. Und nach der Niederlage des Blitzkrieges hat man ihn nicht gebraucht. Man sollte also überhaupt nicht nach einer schwarzen Katze in einem dunklen Raum suchen.

Korrespondent. Aber gleichzeitig, Lukaschenko, der in diesem ziemlich engen Raum manövriert, könnte es so sein, ich verstehe, dass dies eine sehr hypothetische Modellierung ist, aber wenn Putin verschwindet, und Lukaschenko bleibt. Könnte Lukaschenko zu seinem früheren Status zurückkehren?

Portnikov. Nein, kann er nicht. Lukaschenko würde, falls Putin verschwindet, selbst zusammenbrechen. Denn dies ist ein Regime, das vollständig vom russischen Einfluss abhängig ist. Wenn Putin zusammenbricht und es ein anderes Regime geben wird, das Lukaschenko helfen wird, wird Lukaschenko bleiben. Es geht hier nicht um Putin, es ist ein Tschekistenregime. Wenn das Tschekistenregime Lukaschenko braucht, wird Lukaschenko bleiben. Wenn das Tschekistenregime Lukaschenko nicht braucht, wird Lukaschenko zusammenbrechen. Denn Belarus ist ein Staat, der seine Souveränität verloren hat. Und die Rückgewinnung dieser Souveränität ist nur im Falle des Zusammenbruchs des Lukaschenko-Regimes möglich. Mit Lukaschenko wird es keine Souveränität geben.

Kellogg reist zu Lukaschenko | Vitaly Portnikov. 19.06.2025.

Der Sonderbeauftragte des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, Keith Kellogg, könnte bereits in den nächsten Tagen Minsk besuchen, um mit Alexander Lukaschenko und anderen Vertretern der belarussischen Führung Gespräche zu führen. 

Sollte diese Reise tatsächlich stattfinden, wäre es der Besuch eines hochrangigen amerikanischen Vertreters in Belarus seit vielen Jahren. Wie wir verstehen, wurden nach zweitausendzwanzig, als Lukaschenko den Volksaufstand gegen die Wahlfälschung des belarussischen Präsidenten niedergeschlagen hatte, alle Kontakte zu ihm auf ein Minimum reduziert, und nach zweitausendzweiundzwanzig, als Lukaschenko das Gebiet seines Landes als Aufmarschgebiet für den Angriff auf die benachbarte Ukraine zur Verfügung stellte, wurde er endgültig für amerikanische Beamte unerwünscht. 

Aber wenn Präsident Donald Trump die Kommunikation mit Wladimir Putin wieder aufgenommen hat und ständig von seinen guten persönlichen Beziehungen zum russischen Präsidenten spricht, warum sollte er dann nicht auch mit Lukaschenko sprechen?

Es stellt sich jedoch die Frage, warum. In amerikanischen Quellen tauchen Informationen auf, dass Keith Kellogg, der jedoch keinen ernsthaften Einfluss auf die Entscheidungen von Donald Trump hat, auf diese Weise die Wiederaufnahme des offensichtlich festgefahrenen Verhandlungsprozesses fördern und mit Hilfe von Alexander Lukaschenko den russischen Präsidenten Wladimir Putin überzeugen möchte, die Bedingungen für die Einstellung des Feuers an der russisch-ukrainischen Front und möglicherweise das Ende des russisch-ukrainischen Krieges realistischer zu betrachten, an dem Wladimir Putin weiterhin Gefallen findet, indem er die Beschüsse ukrainischer Städte und die Tötung von Zivilisten verstärkt, was den Bewohnern des Kremls schon immer besonderes Vergnügen bereitet hat.

Wenn die amerikanische Führung jedoch tatsächlich solche Hoffnungen auf Lukaschenko setzt, könnte dies nur eine weitere Illustration des Unverständnisses der gegenwärtigen Präsidialverwaltung der Vereinigten Staaten dafür sein, was tatsächlich im postsowjetischen Raum geschieht. 

Alexander Lukaschenko, meisterhaft von Wladimir Putin vor dem Hintergrund der Ereignisse von zweitausendzwanzig  in die Falle gelockt, hat wohl kaum genügend Einfluss, um dem russischen Präsidenten irgendwelche realen Ratschläge zu geben. Der Erhalt der Souveränität Weißrusslands beruht heute auf den brüchigen Manövern Lukaschenkos zwischen dem Präsidenten der Russischen Föderation und dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. 

In dieser Situation kann Alexander Lukaschenko kaum derjenige sein, der Wladimir Putin rät, sich mit dem Scheitern der Hoffnungen des russischen Präsidenten auf die Annexion und Unterwerfung der Ukraine abzufinden.

Möglicherweise ist die Reise von Kellogg viel konkreter und mit der Durchführung russisch-belarussischer Übungen verbunden, die viele im Westen als Vorbereitung auf die Wiederaufnahme russischer Angriffe auf die nördliche Ukraine und sogar auf Versuche der Besetzung der ukrainischen Hauptstadt oder auf Aktionen gegen die baltischen Staaten betrachten könnten. 

Bekanntlich ist man in Europa, nachdem Donald Trump die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten gewonnen hat, nicht sicher, ob die Vereinigten Staaten bereit sein werden, ihre Verpflichtungen nach Artikel fünf zu erfüllen, und man geht davon aus, dass der russische Präsident die NATO auf die Probe stellen könnte, indem er einen Schlag gegen die baltischen Staaten führt und zeigt, dass der amerikanische Präsident eine ernsthafte Konfrontation mit der Russischen Föderation fürchtet.

Doch bereits jetzt ist offensichtlich, dass die Übungen von Russland und Belarus im Westen zweitausendfünfundzwanzig deutlich kleiner sein werden als die entsprechenden Übungen im Jahr zweitausendeinundzwanzig, als Putin sich auf den Angriff auf die Ukraine, die Besetzung Kyivs und die Bildung einer Marionettenregierung in der ukrainischen Hauptstadt vorbereitete, mit dem Anschluss eines Großteils der ukrainischen Gebiete im Osten und Südosten des Landes an Russland und der Umwandlung des restlichen ukrainischen Gebiets in einen Marionettenstaat unter russischem Einfluss.

Es ist offensichtlich, dass Russland, dessen Truppen im Osten konzentriert sind und fieberhaft versuchen, so viel wie möglich vom Gebiet der Oblast Donezk zu besetzen, heute nicht in der Lage ist, groß angelegte Übungen durchzuführen, ohne einen Großteil der Truppen im Donbass in das Gebiet Belarus zu verlegen. 

Und die belarussische Armee verfügt nicht über die bedeutenden militärischen Ressourcen, um eigenständige Operationen in Richtung Kyiv oder Vilnius durchzuführen. Und Alexander Lukaschenko selbst wird kaum zu solchen eigenständigen Aktionen bereit sein, sie sind für ihn einfach nicht nötig. 

Und Wladimir Putin versteht sehr wohl, dass er, wenn er seinen belarussischen

Kollegen zu Selbstmordaktionen drängt, die Voraussetzungen dafür schafft, einen so wichtigen Verbündeten in Bezug auf die strategische Bedeutung der belarussischen Richtung für weitere destabilisierende Aktionen in Europa zu verlieren. 

Daher hat Keith Kellogg einfach nichts mit Alexander Lukaschenko zu besprechen. Und das Einzige, was der amerikanische Sonderbeauftragte erreichen wird, wenn er nach Minsk kommt, ist, dass er die diplomatische Isolation des belarussischen Diktators durchbricht, genau wie Donald Trump die diplomatische Isolation Wladimir Putins durchbrochen hat.

Wenn die ständigen Anrufe Trumps bei Putin als ein brillanter diplomatischer Sieg Putins über das Weiße Haus und den kollektiven Westen bezeichnet werden können, ein Sieg, der nur deshalb errungen wurde, weil Trump ständig nachgibt, dann kann die Reise von Keith Kellogg in die belarussische Hauptstadt als ein brillanter diplomatischer Sieg Alexander Lukaschenkos bezeichnet werden. 

Und dann bleibt nur noch zu seufzen und zu fragen, warum die gegenwärtige Präsidialverwaltung dem russischen und belarussischen Diktator solche Möglichkeiten zum Triumph bietet, ohne praktisch etwas dafür zu bekommen, außer falschen Versicherungen der Liebe zu Trump und Wirtschaftsprojekten, die wahrscheinlich niemals Wirklichkeit werden.

Es ist die offensichtliche Inkompetenz sowohl von Donald Trump selbst als auch der Menschen, die ihn umgeben. In dem Versuch, den Anschein von Aktivität zu erwecken, wenn es keinen wirklichen Grund zu glauben gibt, dass der russisch-ukrainische Verhandlungsprozess zu irgendeinem Ergebnis führen könnte. Oder wenn es darum geht, dass Donald Trump Russland weiterhin als einen viel logischeren und verständlicheren Verbündeten betrachtet als die westlichen Länder. Wenn man sich nicht an demokratischen Idealen und Werten orientiert, die Bedeutung des Völkerrechts als Instrument zur Aufrechterhaltung der Weltordnung nicht im Auge hat und zu autoritären Methoden der Staatsführung neigt, dann ist klar, dass Wladimir Putin und Alexander Lukaschenko für einen menschlich und politisch viel näher liegen als Emmanuel Macron oder Mark Carney. 

Mit all seiner politischen Aktivität nach seiner Rückkehr ins Oval Office bestätigt Donald Trump diese einfache Wahrheit, ohne auch nur sichtbare Anstrengungen zu unternehmen, um uns von seiner Sympathie für Autokraten zu überzeugen. Und natürlich versucht das Umfeld von Trump auf die gleiche Weise zu handeln, um dem Boss zu gefallen. 

Putin liquidiert Belarus | Vitaly Portnikov. 23.03.2025.

Belarusische Oppositionsmedien behaupten, dass Wladimir Putin während der letzten Gespräche mit Alexander Lukaschenko, die während des offiziellen Besuchs des belarussischen Staatschefs in der russischen Hauptstadt stattfanden, Lukaschenko zu verstehen gab, dass die Frage der Liquidierung der belarussischen Staatlichkeit praktisch geklärt sei und in den kommenden Jahren eine Reihe von Maßnahmen ergriffen werde, die die Fähigkeit des Kremls demonstrieren würden, das sogenannte Unionsstaat in ein vollwertiges föderales Gebilde umzuformen, in dem Belarus den Platz eines Bundeslandes einnehmen wird.

Wenn solche Gespräche tatsächlich stattgefunden haben, dann wird deutlich, dass der russische Präsident den Vertreter des US-Präsidenten, Steve Witkoff, nicht ohne Grund acht Stunden lang in seinem Büro warten ließ.

Dies war nicht nur ein Zeichen der Missachtung gegenüber Witkoff und Donald Trump, sondern auch das Ergebnis des ernsten Gesprächs, das er mit Lukaschenko führte, der offensichtlich nicht bereitwillig die Souveränität seines Landes an die russische Führung abgeben möchte, aber nach 2020 anscheinend keine realen Möglichkeiten mehr hat, dem Druck der russischen Seite zu widerstehen.

Es ist natürlich wichtig zu verstehen, was Lukaschenko unternehmen wird, um nicht nur seinen persönlichen Verbleib an der Macht, sondern auch den Erhalt von Belarus als formal unabhängigen Staat zu sichern, selbst wenn er sich in einer nahezu vollständigen wirtschaftlichen und militärischen Abhängigkeit von der Russischen Föderation befindet.

Und sollte Lukaschenko nichts erreichen, könnte er nicht nur der erste, sondern auch der letzte Präsident der Republik Belarus werden. Der nächste Führer dieses Landes würde dann einen Status haben, der dem eines Präsidenten von Tatarstan oder dem eines tschetschenischen Regierungschefs entspricht, mit dem einzigen Unterschied, dass Belarus den Status eines Subjekts des Völkerrechts möglicherweise nur deshalb behalten könnte, um Russland einen zusätzlichen Sitz in der Organisation der Vereinten Nationen zu verschaffen.

So geschah es auch mit der Sowjetunion. Schließlich bestand Josef Stalin bei der Gründung der UN darauf, dass die Ukrainische SSR und die Belarussische SSR, die über keinerlei Souveränität verfügten und deren Delegationen bei den Sitzungen der UN-Generalversammlung gemäß den aus der Hauptstadt der Sowjetunion erhaltenen Direktiven abstimmten, als souveräne Staaten in die Organisation aufgenommen wurden.

Viele glauben, dass das Modell der Integration von Belarus in den russischen Staat auch auf die übrigen ehemaligen Sowjetrepubliken angewendet werden wird. Denn die Idee, den Unionsstaat mit allen Subjekten, die bis 1991 darin waren, mit möglicher Ausnahme der baltischen Republiken – und das nur, weil diese Länder Mitglieder der NATO und der Europäischen Union geworden sind – wiederzubeleben, bleibt das wichtigste politische Ziel des russischen Präsidenten.

So könnte er das Integrationsmodell für Belarus anwenden, das er dann auch den Führern anderer ehemaliger Sowjetrepubliken vorschlagen wird. In dieser Situation kann man von den Schwierigkeiten sprechen, die mit der Ukraine entstanden sind. Putin rechnet jedoch damit, den russisch-ukrainischen Krieg in den nächsten Jahren durch die Annexion des Nachbarstaates und die Bildung eines Marionettenregimes nach dem Vorbild Lukaschenkos auf dem Gebiet, das nicht besetzt werden kann, zu beenden.

Und eine solche Ukraine müsste natürlich auch aus Sicht des Kremls Teil des neuen föderalen Staates werden, mit den gleichen Rechten wie Belarus, aber mit einem Gebiet, das die russische politische Führung für die Existenz dieser formal unabhängigen, aber tatsächlich vollständig vom Kreml kontrollierten Ukraine zuweisen wird.

Und der russisch-ukrainische Krieg soll den Führern anderer ehemaliger Sowjetrepubliken eine Mahnung sein: „Wenn ihr der belarussischen Variante nicht zustimmt, dann werden auch gegen euch energische militärische Aktionen eingeleitet, die in jedem Fall zu eurer Integration in das große Russland führen werden, und kein Westen wird euch helfen, wie sich herausgestellt hat, ist er nicht in der Lage, den Ukrainern zu helfen.“

Es gibt jedoch noch einen weiteren, ziemlich wichtigen Akteur in dieser Geschichte, der an Putins ehrgeizigen Plänen nicht interessiert sein könnte. Das ist der Vorsitzende der Volksrepublik China, Xi Jinping. Bis vor kurzem war Belarus ein wirtschaftlicher Außenposten Chinas, und die Sanktionen, die gegen Belarus verhängt wurden und sich doch vom Sanktionsniveau Russlands unterschieden, erlaubten es, Minsk als zuverlässigen Partner Pekings und in Zukunft als einen der Außenposten der Volksrepublik China in den Bestrebungen Pekings nach der Ausweitung seines eigenen Einflussbereichs in Europa zu betrachten. Wir wissen bereits, dass es sich hier um eine ganze Reihe von Staaten handelt, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Europäischen Union.

Nicht zufällig besuchte Xi Jinping während seiner letzten Europatournee demonstrativ Belgrad und Budapest. Und Minsk befindet sich sozusagen in derselben Reihe. Wenn Belarus jedoch nur noch ein Teil des russischen Staates, der Russischen Föderation oder einer anderen Form des Bestehens Russlands wird, dann ist klar, dass der politische und wirtschaftliche Einfluss der Volksrepublik China auf Belarus begrenzt sein wird, und vor allem, Belarus wird sich immer im gleichen wirtschaftlichen Modus befinden wie Russland und daher für China nicht mehr als eigenständiges Subjekt von Interesse sein, über das wirtschaftliche und finanzielle Transaktionen abgewickelt werden könnten.

Alexander Lukaschenko hat also heute zwei Möglichkeiten. Die erste, realistischere Möglichkeit besteht darin, sich um Unterstützung in Peking zu bemühen und so zwischen Peking und Moskau zu manövrieren, in der Hoffnung, dass Xi Jinping Wladimir Putin dazu zwingen wird, die Idee der Annexion von Belarus aufzugeben.

Und der zweite Weg, der viel schwieriger ist, besteht darin, sich von dem Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine zu distanzieren, indem man zumindest eine bedingte Zusammenarbeit mit dem Westen wiederherstellt, unter dem Vorwand, dass Belarus von der Russischen Föderation annektiert werden würde, wenn die Vereinigten Staaten und die Europäische Union diese Zusammenarbeit nicht wieder aufnehmen.

Beide Varianten sind für Lukaschenko recht riskant, angesichts des Ausmaßes der Kontrolle, die Moskau auf dem Gebiet der Republik Belarus erlangt hat. Und angesichts des Grades des Fanatismus, der im Kreml in Bezug auf die Notwendigkeit der Liquidierung der Staatlichkeit und Souveränität aller ehemaligen Sowjetrepubliken herrscht, beginnend natürlich mit Belarus und der Ukraine.

Lukashenkos Albtraum und Putins Interessen. Was hat die Erfahrung in Syrien gezeigt? 25.01.25.

https://www.radiosvoboda.org/a/lukashenko-putin-dosvid-syriyi/33288702.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR3zbXvKRn62ddIhweYQHE7I0OOrQcuCWH34OAGln5iRZnsbYd2UXmj_yFg_aem_V4gFK4vMFI7ktHjSwpyuSg

Während die Welt im Jahr 2020 die Präsidentschaftswahlen in Belarus und die Proteste der Bürgerinnen und Bürger gegen die Fälschung der Wahlergebnisse aufmerksam verfolgte, erinnern sich heute nur noch Experten für den postsowjetischen Raum an die neue „Wahl“ von Alexander Lukaschenko.

Natürlich konnte Belarus auch vor 2020 kaum als demokratisches Land bezeichnet werden, und sein Führer Alexander Lukashenko konkurrierte mit Wladimir Putin um die zweifelhafte Ehre, „Europas letzter Diktator“ zu sein. In den letzten Jahren hat sich Belarus jedoch endgültig in einen totalitären Staat verwandelt, in dem alle Wahlen nur reine Farce sind.

Lukaschenko hat aus der vorangegangenen Abstimmung und der Verachtung der Bevölkerung für seinen vorgetäuschten Sieg Konsequenzen gezogen. Nun ist kein einziger Kandidat, der auch nur bedingt als Alternative zum Diktator in Frage käme, für die Wahlen zugelassen worden. Auch wird es keine unabhängigen Beobachter geben.

Die Wahlen in Belarus sind lediglich eine Dekoration für Lukashenkos unbegrenzte Macht. Doch paradoxerweise hat auch diese unbegrenzte Macht ihre Grenzen. Und diese Grenzen liegen in Moskau.

Eine Marionette des Kremls

In den letzten Jahren ist das Interesse Russlands, Lukaschenko zu einer gehorsamen Marionette des Kremls zu machen, immer deutlicher geworden. Ja, der belorussischer Diktator war auch bis 2020 ein Verbündeter von Putins Regime. Aber er konnte sich gewisse Manöver leisten.

Zumindest im postsowjetischen Raum konnte Lukashenko wie ein vorsichtiger Akteur wirken. Und er war sicher nicht daran interessiert, sein Land zum Sprungbrett für einen Angriff auf die Ukraine zu machen. Aber er war gerne bereit, eine Plattform für Verhandlungen zu bieten. Es ist kein Zufall, dass die Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine nach 2014 in Minsk stattfanden.

2020 hat alles verändert. In gewisser Weise würde ich das, was in Belarus passiert ist, mit Hitlers Anschluss Österreichs vergleichen. Schließlich hat Adolf Hitler im März 1938 nicht nur das Gebiet eines Nachbarstaates an das Reich angeschlossen. Er schuf auch Möglichkeiten für zusätzlichen Druck auf die benachbarte Tschechoslowakei, deren Führung sich nicht auf einen Angriff aus Österreich vorbereitet hatte und sich noch weniger vorstellen konnte, dass Österreich einfach verschwinden und deutsche Truppen an der ehemaligen österreichisch-tschechoslowakischen Grenze erscheinen würden.

Natürlich ist Belarus nicht verschwunden, aber 2022 tauchen russische Truppen an der weißrussisch-ukrainischen Grenze an Orten auf, an denen sie nie zuvor erwartet wurden. Wäre es den Belarussen gelungen, ihr Recht auf freie Wahlen im Jahr 2020 zu verteidigen, hätte Putin wahrscheinlich nicht gewagt, einen Blitzkrieg gegen die Ukraine vorzubereiten.

Das harte Vorgehen von Lukashenko Sicherheitskräften gegen Demonstranten und die Verwandlung von Belarus in ein Land der Gefangenen haben Lukashenko jedoch selbst zu einer Geisel von Putins Wünschen und Interessen gemacht. Ist das nicht ein politischer Anschluss?

Das Beispiel Syrien

Und genau davon müssen wir ausgehen, wenn wir über die Zukunft von Belarus und die ukrainisch-Belorussischen Beziehungen nachdenken. Solange Russland seine Macht und seinen Einfluss behält, sind Lukashenko und sein Regime kaum bedroht. Sicher, es ist nicht sehr bequem, auf den Bajonetten anderer Leute zu sitzen, aber es ist viel besser als im Gefängnis. Und Lukashenko ist sich dessen wohl bewusst.

Aber wenn Moskau die Kontrolle über Belarus verliert, wird Lukashenkos Regime nicht einmal ein paar Monate überleben, da es in erster Linie auf Angst und Unterdrückung beruht. Natürlich ist es schwierig vorherzusagen, wie die Diktatur des Mannes, der Belarus seit 31 Jahren regiert, zusammenbrechen wird.

Aber das Beispiel Syriens, wo die Diktatur der Assad-Familie mit ihrer mehr als 50 Jahre währenden brutalen Herrschaft in nur wenigen Wochen zusammengebrochen ist, sollte Lukashenko ein abschreckendes Beispiel für den Albtraum eines Diktators sein.

Vitaly Portnikov: Lukaschenko und die „Verstrickung“ von Belarus in den Krieg. 08.01.24.

https://ua.krymr.com/a/vitaliy-portnykov-lukashenko-bilorus-vtiahuvannia-viyna/33268630.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR2oQK-aA0gSVifUC0VLqS8272V_w208_bIt7RQobTRYHNX8Fu3-pw4Sut0_aem_Eia7gv0geBrQ13IqrcDpMg

Nach dem Interview des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky mit dem amerikanischen Podcaster Lex Friedman warf Alexander Lukaschenko ihm vor, Belarus in den Krieg hineingezogen zu haben – als ob die Aggression gegen die Ukraine nicht von Belarus aus geführt worden wäre.

Es ist klar, dass Lukaschenko jetzt im Vorfeld der nächsten Scheinpräsidentschaftswahlen in Belarus im Wahlkampfmodus ist und nicht anders konnte, als auf Zelenskys Erinnerung an seine Entschuldigung nach dem russischen Angriff vom belarusischen Hoheitsgebiet aus zu reagieren. Es ist klar, dass Lukaschenko nicht zugeben will, dass er dafür verantwortlich ist, dass das Territorium seines eigenen Landes als Sprungbrett für eine Aggression dient. Nach 30 Jahren an der Macht hätte er jedoch erkennen müssen, dass die Verwicklung des eigenen Landes in einen Krieg die Missachtung des Völkerrechts fördert. Und genau das hat er in den letzten Jahren getan. Es hat also keinen Sinn, die Schuld von sich auf andere zu schieben.

Schon vor dem großen Krieg zwischen Russland und der Ukraine sprach Lukaschenko von seiner Bereitschaft, die annektierte Krim zu besuchen.

„Wir haben dreimal (mit Putin) darüber gesprochen. Und er musste selbst entscheiden, wann der Zeitpunkt günstiger wäre, wenn es dort wärmer wird, wann ein idealer Zeitpunkt ist. Ich habe ihm gesagt: ‚Wenn du uns einlädst, gehen wir'“, erklärte Lukaschenko, der behauptete, er habe „jedes Recht“, die Halbinsel zu besuchen.

Lukaschenko hat es jedoch nie auf die Krim geschafft. Aber er kam nach Abchasien. Der belarussische Diktator besuchte die de facto von Russland kontrollierte Republik schon nach dem Ausbruch des Krieges und empfing ihren derzeitigen Präsidenten Aslan Bzhania in Minsk.

Ebenso aufschlussreich waren Lukaschenkas Treffen mit dem Chef der besetzten und annektierten DVR Denis Puschilin und die Abhaltung der Krimtage in Belarus.

Damit scheint Lukaschenka bewiesen zu haben, dass er in einer grundlegenden Frage – der Missachtung des Völkerrechts – mit Putin solidarisch ist.

Dass er bereit ist, zusammen mit dem russischen Präsidenten eine Welt aufzubauen, in der die Zukunft der Staaten nicht durch das Völkerrecht, sondern durch das Recht der Gewalt bestimmt wird.

Indem er zustimmt, sich mit den Führern von Marionettenregimen zu treffen, demonstriert er seine eigene außenpolitische Unselbständigkeit.

Indem er das Territorium als Sprungbrett für Aggressionen zur Verfügung stellt, zeigt er, dass das Recht der Gewalt der Ansatz ist, dem er zustimmt und an dem er festhält, sowohl gegenüber seinen eigenen Bürgern, die mit dem Autoritarismus nicht einverstanden sind, als auch gegenüber den Nachbarländern.

Aber nur in der Welt, die Lukaschenko mit Putin aufbaut, wird es nicht nur für die Ukraine, sondern auch für Belarus selbst schwierig sein, zu überleben.

Denn eine solche Welt ist eine Welt für Diktatoren, nicht für Nationen.

Vitaly Portnikov: Assads Zusammenbruch, Putins Bajonette und die Krim. 11.12.24.


Ein zerschossener Banner mit dem Bild von Präsident Bashar al-Assad. Hama, Syrien, 6. Dezember 2024

https://ru.krymr.com/a/portnikov-krah-asad-krym/33235751.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR3eTCm3uGbQDIcbiDuM7vQ3HH2_JfCVvkFcOzApmxpVIl-iURje_SSkd0M_aem_RPFbBvkaGr-oj75xLkVC3w

Der abrupte Zusammenbruch des langjährigen Regimes von Bashar al-Assad in Syrien war auch eine Erinnerung an das Ausmaß der Regimeabhängigkeit, die der russische Staatschef Wladimir Putin braucht, um ein Einverständnis mit unappetitlichsten politischen Abenteuer zu erwirken.

In den 16 Jahren, die seit dem Krieg gegen Georgien und der Ankündigung Russlands, die „Unabhängigkeit“ Abchasiens und Südossetiens anzuerkennen, vergangen sind, ist es dem Kreml nicht gelungen, die internationale Gemeinschaft zur Zustimmung zu seiner Entscheidung zu bewegen. 

Für die große Mehrheit der Staaten der Welt waren und sind sie Teil des international anerkannten georgischen Staatsgebiets.

Syrien – oder besser gesagt, nicht einmal Syrien, sondern die vom inzwischen abgesetzten Regime ausgerufene Arabische Republik Syrien – stimmte jedoch dieser „Unabhängigkeit“ der georgischen Regionen zu.

Die meisten Staaten der Welt erkannten die Annexion der Krim nicht an; für sie blieb die Halbinsel Teil des international anerkannten Gebiets der Ukraine. Das Assad-Regime hielt jedoch die Beziehungen zur Krim aufrecht, als wäre sie eine Region der Russischen Föderation.

Es zeigt sich, dass man den Diktator buchstäblich auf Bajonette setzen muss – russische Bajonette -, damit er Putins Verstöße gegen das Völkerrecht akzeptiert.

Sogar bei Lukaschenko ist dieses Thema noch nicht vom Tisch, obwohl die Abhängigkeit des belarussischen Diktators von seinem russischen Gönner offensichtlich ist.

Und doch hat dieser die Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens immer noch nicht anerkannt. Erst nach Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine, als der belarussische Diktator keine Rückzugsmöglichkeit mehr hatte, gelang es Moskau, ihn zu einer Privatreise nach Abchasien und einem Treffen mit dem ehemaligen Präsidenten dieser nicht anerkannten Republik, Aslan Bzhania, in Minsk zu bewegen.

Und erst jetzt war es möglich, „Krim-Tage“ in Belarus abzuhalten. Und erst jetzt traf Lukaschenko mit dem Chef der russischen Besatzungsführung in Donezk, Denis Puschilin, zusammen, als wäre er ein gewöhnlicher Leiter der russischen Region.

Das heißt, es brauchte auch einen Krieg, damit Lukashenko langsam aber sicher den Weg von Assad einschlug.

Nur im Falle von Belarus handelt es sich nicht um einen Bürgerkrieg und Russlands Hilfe bei der Erhaltung des syrischen Regimes, sondern um das Bestreben des Volkes, den Diktator zu stürzen und die Beteiligung des belorussischen Regimes an Russlands Krieg gegen die Ukraine.

Ohne Verständnis der Diktatoren, dass ihre eigenen Landsleute die etablierten Regime hassen, und ihrer Bereitschaft sich an Kriegen zu beteiligen, kann man jedenfalls nicht mit einer Zustimmung zu Verstößen gegen das Völkerrecht rechnen.

Selbst eine autoritäre Regierung weiß sehr wohl, wie gefährlich es ist, Grenzen zu verletzen, und wie es auf jeden Staat, der einer solchen Verletzung zustimmt, zurückfällt.

Daher werden Putins Versuche, seine Abenteuer zu legitimieren, sicherlich immer zum Scheitern verurteilt sein.

Selbst Moskaus Verbündete werden sich davon abhalten lassen, der Unabhängigkeit Abchasiens und Südossetiens oder der Annexion ukrainischer Gebiete zuzustimmen.

Eine solche Zustimmung setzt, wie wir sehen, eine direkte Abhängigkeit voraus – die Umwandlung dieses oder jenes Staates in ein Marionettenregime, das unmittelbar von Moskaus Unterstützung abhängt.

Aber selbst diese Unterstützung hält, wie wir gesehen haben, nicht ewig – Baschar al-Assad, der 2014 versprochen hatte, sich nicht so zu verhalten wie der ehemalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch, ging den gleichen Weg nach Moskau. Sein Scheitern macht alle bisherigen diplomatischen Erfolge des Kremls zunichte.

Jetzt kann Janukowitsch seine Erfahrungen mit Assad teilen, und letzterer täte meiner Meinung nach gut daran, seine Erfahrungen mit Lukaschenko zu teilen: Die Zustimmung zu russischen politischen Abenteuern führt immer zum Scheitern.