Die kriechende Finsternis. Dzmitry Halko. 16.06.2026.

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Es ist kaum verwunderlich, dass es Wehrdienstverweigerer gibt.

Denn Krieg ist nicht die natürliche Umgebung des Menschen.

Die natürliche Umgebung des Menschen sind das Zuhause, Freunde, Kinder, die Katze auf der Fensterbank, der nicht ausgetrunkene Kaffee und Pläne für morgen.

Seltsam wäre es, keine Angst davor zu haben, all das zu verlieren.

Krieg ist, wenn ein Mensch stundenlang in einer kalten Grube liegt und darüber nachdenkt, wie er den Abend noch erleben könnte.

Er denkt an heißes Wasser. Trockene Socken. Sein eigenes Bett. Seine Mutter. Seine Frau. Seine Kinder. An die Katze, die niemand füttern wird.

Krieg riecht nach nasser Kleidung, die man schon die dritte Woche trägt. Nach altem Schweiß. Nach Diesel. Nach Mäusen. Nach Schimmel im Bunker. Krieg riecht nach Verbranntem. Und nach Leichen.

Krieg ist, wenn du durch eine Explosion aufwachst und einige Sekunden lang nicht begreifst, ob es ein Traum war oder ob du schon nicht mehr existierst.

Wenn der Mensch, mit dem du gestern noch Kaffee getrunken hast, heute zu einem Foto auf deinem Handy geworden ist.

Wenn dein Leben davon abhängt, ob dich eine Drohne von der Größe einer gut genährten Möwe bemerkt hat.

Wenn du lernst, am Geräusch zu unterscheiden, wovor man noch weglaufen muss und wovor wegzulaufen bereits zu spät ist.

Wenn all deine großen Zukunftspläne durch einen einzigen fremden Fehler, einen einzigen Splitter oder eine einzige Sekunde Pech enden können.

Es gibt noch etwas, worüber selten gesprochen wird.

Im Krieg ist es ein seltsames Gefühl, duschen zu gehen.

Denn während du nackt unter dem Wasser stehst, sitzt irgendwo am Rand deines Bewusstseins der Gedanke: „Das wäre ein verdammt idiotischer Tod, wenn jetzt etwas einschlägt.“

Genauso seltsam ist es, sein großes Geschäft zu verrichten.

Ich mache keine Witze.

Ein Mensch kann sich an Explosionen, Feuchtigkeit und schlaflose Nächte gewöhnen. Aber der Gedanke, dass man mit heruntergelassenen Hosen getötet werden könnte, erscheint aus irgendeinem Grund besonders ungerecht.

Der Krieg besteht aus sehr seltsamen Erinnerungen.

Ich erinnere mich zum Beispiel noch gut daran, wie ich einmal unter Beschuss mit einem Teller Mivina-Nudeln herumgerannt bin.

Neben mir schlugen Mörsergranaten ein. Etwas pfiff, etwas krachte. Erdklumpen und Splitter flogen durch die Luft. Und ich schlängelte mich zwischen den Kratern hindurch, duckte mich, manövrierte, ließ aber den Teller hartnäckig nicht aus der Hand.

Damals lachten die Jungs noch: „Sieh mal einer an, die Belarussen lassen ihr Eigentum nicht los!“

Im Krieg wurde mehrmals damit gedroht, mich unter Beschuss aus dem Bunker zu werfen.

Der Grund war ernst.

Ich schnarchte.

Und genau damals verstand ich, dass zwischen Kameradschaft und dem Wunsch, einen Kameraden umzubringen, manchmal nur eine einzige schlaflose Nacht liegt.

Und ich erinnere mich noch daran, wie die Jungs lange darüber lachten, dass ich im Schlaf den Kommandeur umarmt hatte, weil es so kalt war. Das Gehirn interessiert sich nachts nicht besonders für Dienstvorschriften und Hierarchien – der Körper sucht die Nähe eines anderen warmen Körpers. Ich wachte auf, und die Jungs lachten: „Jetzt bist du verpflichtet, ihn zu heiraten!“

Ich erinnere mich auch daran, wie ein Soldat unter Beschuss seinem Sohn am Telefon Mathematik erklärte. Ringsum krachte es, und er erklärte geduldig irgendwelche     Bruchrechnungen. Als hinge das Schicksal des Universums von einer richtig gelösten Aufgabe ab.

Und vielleicht war es auch so.

Denn wenn ein Kind seine Hausaufgaben macht, bedeutet das, dass die Welt noch nicht endgültig zusammengebrochen ist.

Krieg handelt davon, wie das Leben sich hartnäckig weigert aufzuhören.

Und er spricht auch seine eigene Sprache.

An einem Ort gab es eine Stellung. Sie hieß „Himmel“.

Jemand hielt heute den Himmel. Jemand ging gestern in den Himmel. Jemand kehrte vom Himmel zurück. Jemand steckt im Himmel fest. Jemand muss im Himmel abgelöst werden. Jemand schlägt vor: „Lasst uns zum Himmel gehen.“

Ich war im Himmel.

Ich habe den Krieg bereits in seinem Entstehen gesehen. Gleich Anfang März 2014. Kaum war ich in Donezk angekommen, befand ich mich in einem Raum mit einem russischen Saboteur, der über Putin schimpfte, weil dieser „zögert, sich windet, Schiss hat“. Bei sich hatte er sechs Sprengsätze.

Ich dokumentierte russische Geheimdienste in Luhansk und Slowjansk noch vor Beginn irgendwelcher Kampfhandlungen. Sie fingen Menschen ab und schleppten sie „in den Keller“. Ich dokumentierte den Beginn ethnischer Säuberungen.

In einem Hostel in Donezk geriet ich in eine bunte Gesellschaft von Europäern. Meist Abenteurer. Sie hatten keine blasse Ahnung, was hier vor sich ging. Oft kamen sie in der Vorstellung, hier „Freiheitskämpfer“ zu sehen. Sie interessierten sich sehr für die russische Kultur.

Später schrien einige dieser Menschen vor Glück, als sie die ukrainische Flagge sahen. Und riefen mit Akzent: „Ruhm der Ukraine!“

Denn das, was in den Gebieten geschah, die von der Besatzung erfasst wurden, war … ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben soll. Es war, als hätte jemand alle hellen Bestandteile des menschlichen Lebens dort ausgesaugt und den gesamten Raum stattdessen mit einer Mischung aus Angst, Verzweiflung und Ohnmacht gefüllt. Und das Schlimmste war das Gefühl, dass es dich nicht mehr gibt. Denn nun kontrollierst du nichts mehr.

Man fragt mich manchmal: Wie kannst du Menschen verurteilen, die sich dem staatlichen Zwang verweigern? Du bist doch Anarchist! Und das dann auch noch „Verrat“ nennen. Ist das nicht Ausdruck eines totalitären Bewusstseins? Zumal dieser Staat es nicht verdient, verteidigt zu werden!

Als eingefleischter alter Anarchist betrachte ich staatliche Zwangsapparate tatsächlich mit Misstrauen. Als Humanist verstehe ich die Angst biologischer Körper vollkommen, in die unmenschlichen Bedingungen des Krieges zu geraten. Und als Anhänger einer strikten Einhaltung der Menschenrechte empören mich die Missbräuche einzelner Mitarbeiter der Wehrersatzbehörden.

Früher hatten die Steppenvölker ein gutes Instrument – die „Abwanderung“.

Wenn dir etwas nicht gefiel, satteltest du dein Pferd, brachst auf, suchtest neues Land und richtetest dort dein Leben nach deinen Vorstellungen ein.

Aber freies Land gibt es nicht mehr. Alles ist besetzt.

Deshalb beginnt Freiheit heute nicht mehr mit der Flucht. Sie beginnt mit der Verteidigung jener wenigen Orte, an denen der Mensch noch sich selbst gehört.

Genau deshalb sehe ich keinen Widerspruch.

Ich kann den Staat nicht mögen. Ich kann die Bürokratie hassen. Ich kann über Beamte schimpfen.

Aber wenn Menschen kommen, die dem Menschen selbst das Recht nehmen wollen, ein Mensch zu sein, wird die Wahl sehr viel einfacher.

Das „eigene“ Land hat nichts mit Blut und Boden zu tun. Es geht um den Raum menschlicher Selbstbestimmung. Um einen Ort, an dem der Mensch Mensch bleibt.

Besatzung bedeutet nicht bloß einen Wechsel der Kulissen, sondern den Verlust des Lebensraums, der dir gehört.

Die Russen und die Belarussen haben keine eigenen Länder. (Nun, die Russen sollten auch keines haben, solange sie nicht aufhören, Russen zu sein.) Die Ukrainer haben ihr eigenes Land.

Emigration ist derselbe Verlust – nur mit der Möglichkeit, sich einen neuen Raum anzueignen. Aber das ist nicht jedem möglich. Und sie verlangt Jahre eines Daseins als „Halbmensch“. Für viele bleibt die Möglichkeit, diesen neuen Raum zu meistern, eine Illusion.

Der Mensch lebt nicht nur innerhalb seines Körpers. Der Mensch lebt innerhalb einer ganzen Welt, die um ihn herum gewachsen ist.

Die Katze auf der Fensterbank. Kinderzeichnungen am Kühlschrank. Die Schlüssel in der Tasche. Der Baum vor dem Fenster. Die Lieblingsroute durch die Stadt. Menschen, denen man nicht erklären muss, wer man ist. Die Sprache, in der man denkt. Witze, die man ohne Erklärung versteht. Die Gräber der Menschen, die man geliebt hat. All das, was dich zu dem macht, was du bist.

Deshalb ist die Verteidigung des eigenen Landes die Verteidigung des eigenen erweiterten Körpers.

Dazu gehören nicht nur Dinge und Orte, sondern auch das Netz menschlicher Beziehungen und des Vertrauens.

In Tausenden kleiner Interaktionen zwischen Menschen. Im Recht, Nein zu sagen. Im Recht, Ja zu sagen. Im Recht, sich zusammenzuschließen. Im Recht, keine Angst zu haben.

Gemeinsame Regeln. Unsichtbare Vereinbarungen. Die Gewohnheit, einander zu helfen.

Die Möglichkeit, die Regierung zu kritisieren. Die Möglichkeit, einen dummen Beitrag auf Facebook zu schreiben, ohne Gefahr zu laufen, im Keller zu landen. Die Möglichkeit, einen Journalisten, Anwalt oder Abgeordneten anzurufen. Die Möglichkeit, eine Bürgerinitiative, eine Gewerkschaft oder einen Nachbarschaftschat zu gründen.

Die Möglichkeit, Fremden ein wenig mehr zu vertrauen, als es in einem Gefängnis üblich ist.

Die Emigration schneidet weder einen Arm noch ein Bein ab. Sie schneidet einen riesigen Teil dieser erweiterten menschlichen Welt ab, den man anschließend jahrelang wieder nachwachsen lassen muss.

Die Besatzung amputiert all dies. Und lässt keine Möglichkeit zur Regeneration mehr.

Sie sind noch jung, haben einen modernen Beruf und es ist Ihnen egal, wo genau Sie leben?

Aber es gibt Millionen, denen das nicht egal ist. Die nirgendwohin gehen können. Alte Menschen. Hilfsbedürftige. Kinder. Ihre Mütter.

Und es gibt noch Hunderttausende, die bereits gefallen sind. Hunderttausende Verwundete. Hunderttausende, die seit Jahren kein friedliches Leben mehr hatten.

Jeder, der hätte bleiben können, nicht hätte fliehen oder sich entziehen müssen, es aber dennoch getan hat, hat die Lücke in der Verteidigung um einen Zentimeter vergrößert. Hat den Druck auf diejenigen erhöht, die kämpfen. Hat das Risiko für diejenigen erhöht, die nirgendwohin wegkönnen.

Jeder zusätzliche Zentimeter dieser kriechenden, toten Finsternis macht unsere ganze menschliche Welt um einen weiteren Zentimeter kleiner.


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Art der Quelle: Sozialmedia

Autor: Dzmitry Halko.
Veröffentlichung / Entstehung: 16.06.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Für was kämpft die Ukraine. Dzmitry Halko. 12.05.2026.

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Die Geschichte über die Serie von Explosionen in Belarus und die Hinrichtung von Konovalov und Kovalyov war das Vorspiel zu der Frage – wofür kämpft die Ukraine?

Denn die Ukraine kämpft in erster Linie nicht für die Flagge oder die Sprache. Nicht für das Erbe der Kyiver Rus, die Trypillja-Kultur oder Polubotkos Gold.

Flagge und Sprache sind wichtig, weil hinter ihnen eine andere Lebensweise steht.

Im Frühjahr 2022 fragten mich manche Menschen von außen: Gibt es für einen Bauern in der Region Cherson oder Mykolajiw überhaupt einen Unterschied, unter welcher Flagge er das Land bearbeitet, sät und die Ernte einfährt?

Fragen Sie nicht, warum ausgerechnet von Bauern die Rede war. Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil ein Traktor friedlich, unpolitisch und nicht besonders zum „Nationalismus“ neigend aussieht.

Der Traktor auf dem Felde macht dir-dir-dir,

Alle streiten für irgendwas – nur wir für den Frieden hier.

Ich erinnerte mich später an diese Fragen in der Puschkin-Straße im Dorf Archangelske, direkt in der Region Cherson. Dort lebte die Familie des Bauern Valentyn Pavlenko. Ein Mensch, der jahrelang sein Haus aufgebaut hatte – groß, schön, mit Liebe gemacht. Rasenflächen, Büsche, ein Patio, ein Spielplatz für die Enkel, ein separates Häuschen für die alte Mutter, sogar ein Pool. Im Hof standen Maschinen zum Schleifen von Sonnenblumenkernen – „damit sie nicht schmutzig machen, wenn man sie in die Hand nimmt“.

„Er hatte so viel Herzblut in all das gesteckt, dass er es nicht verlassen konnte. Er sagte: Wir halten durch, wir warten auf unsere Leute. Ach, Valik… Er hat nicht mehr gewartet“, sagte mir sein Cousin.

Eines Tages quartierten sich russische Soldaten im Haus ein. Sie richteten sich ein, als wären sie über Airbnb gekommen. Sie saßen vor dem Plasmafernseher, tranken und aßen. Und wunderten sich: „Ihr lebt hier aber verdammt gut.“

Ein paar Tage später wurde Valentyn mit einem Schuss in die Stirn im Keller seines eigenen Hauses erschossen. Seine Frau wurde mit dem Gewehrkolben erschlagen.

Also gab es durchaus einen Unterschied.

Und die Frage nach der Flagge kam ganz am Anfang der Invasion aus einem Land zu mir, in dem man nicht die geringste Ahnung hatte, was eine Diktatur ist.

Den Unterschied zwischen ihr und einer Demokratie hielt man für rein kosmetisch. Für etwas, das gewöhnliche Menschen nicht betrifft. Derselbe Staat, nur mit etwas anderen Dekorationen. Vielleicht sogar effizienter – wegen des vereinfachten Entscheidungsmechanismus.

Diejenigen, die solche Fragen stellen, betrachten Demokratie wie ein modisches High-End-Design. Im Grunde nicht besonders notwendig. Etwas aus dem Bereich der Benutzeroberfläche und nicht der Systemeinstellungen.

Weniger Freiheiten, die angeblich ohnehin nicht jeder braucht, dafür Ordnung.

Mischt euch nicht in die Politik ein, und alles wird gut sein. Billige Wurst. Saubere Straßen. Sichere Metro. Stabilität. Vielleicht sogar gutes Internet und hippe Cafés. Wenn man Glück hat, kommt noch ein IT-Sektor obendrauf, damit es moderner aussieht.

Das ist eine sehr naive Vorstellung. Der Unterschied ist viel tiefer und viel schrecklicher.

Tatsächlich geht es um die alltägliche Architektur der Realität. Um die grundlegende Physik menschlicher Existenz.

Der Unterschied besteht darin, dass der Mensch unter einer Diktatur dem Staat vollkommen schutzlos ausgeliefert ist. Nicht „weniger geschützt“. Nicht „mit weniger Rechten“. Nein. Vollständig schutzlos.

Das heißt: Wenn die Maschine plötzlich beschließt, dich zu zermahlen, hast du nichts, woran du dich festhalten kannst. Niemanden, den du rufen könntest. Keinen Notausgang.

Und das Wichtigste: Diese Maschine muss dich nicht einmal persönlich hassen. Sie muss nicht einmal etwas gegen dich haben. Du kannst zufällig unter die Räder geraten.

In einer Diktatur hat dein Leben kein eigenes Gewicht. Es wiegt genau so viel, wie die Staatsmaschine in einem bestimmten Moment braucht.

Fehler passieren überall. Missbrauch in unterschiedlichem Ausmaß ebenfalls. Korruption, Vetternwirtschaft, Dummheit, Gier, bürokratische Spiele, der menschliche Wunsch, den eigenen Arsch zu retten, Fälschungen für bessere Statistiken, institutionelle Trägheit, Angst vor Verantwortung und so weiter – in unterschiedlichen Verhältnissen gibt es das in fast jedem System.

Es gibt auch lokale Fürsten, die bereit sind, dich aus dem Weg zu räumen, um sich dein Eigentum anzueignen oder dich zum Schweigen zu bringen. Alles kommt vor.

Aber in Demokratien sind das Bugs. Das Feature der Diktatur ist das völlige Fehlen jeglicher Puffer zwischen Mensch und Staat. Das ist ein Gebäude ohne Notausgänge.

Diktaturen töten und unterdrücken nicht unbedingt jeden Tag jemanden. Das Problem besteht darin, dass sie es tun können. In jedem Moment. Ohne Erklärungen. Und alle um sie herum werden so tun, als wäre das normal.

In Demokratien gibt es Gerichte, Medien, Anwälte, öffentliche Meinung, internationale Strukturen, Verfahren, Reputationsrisiken, das Recht, öffentlich Alarm zu schlagen. Sie können schlecht funktionieren. Sie können kaputtgehen. Aber sie existieren.

Unter einer Diktatur wirkt schon die Idee, dass ein kleiner Mensch Probleme für das System schaffen könnte, beinahe unanständig. Dort ist es umgekehrt: Das System schafft Probleme für dich. Und du musst dich schweigend anpassen.

In Belarus gab es noch zu Sowjetzeiten einen berühmten Fall, den der Regisseur Viktor Dashuk in seinem Text über die „Witebsker Affäre“ beschrieb – eines der schrecklichsten Justizfließbänder der späten UdSSR. Damals erhielten unschuldige Menschen lange Haftstrafen für eine Mordserie, die ein echter Serienmörder begangen hatte.

In einem Fall wurde die Verurteilung eines Unschuldigen durch eine Aussage „bewiesen“, wonach man den Verdächtigen angeblich mit „einem Hund der Rasse Deutscher Schäferhund“ gesehen habe.

In die Akten klebte man sorgfältig ein Foto des Hundes des Angeklagten ein. Einer kleinen Promenadenmischung, die eher an eine Katze als an einen Schäferhund erinnerte.

Das Gericht schluckte das. Der Mensch erhielt fünfzehn Jahre hinter Gittern. Und saß diese Strafe vollständig ab.

Übrigens trug der Mann den Nachnamen Kovalyov.

Dashuk erinnerte sich daran, dass ihn nicht einmal die Zahl der zerstörten Schicksale am meisten erschütterte. Sondern die Antworten der Menschen, die Verbrechen gestanden hatten, die sie nie begangen hatten.

Er fuhr zu ehemaligen Häftlingen, führte Interviews mit ihnen für seinen Film und stellte immer dieselbe Frage: Wie?

Wie konnte man sich selbst ein fünfzehnjähriges Urteil für einen fremden Mord unterschreiben?

Denn sie wurden nicht mit mittelalterlichen Foltermethoden gequält. Ihnen wurden nicht täglich die Knochen gebrochen. Ihnen wurden nicht die Nägel ausgerissen.

Und fast alle antworteten ihm gleich.

Wenn sich die eiserne Tür der Untersuchungshaft hinter dir schließt, verstehst du plötzlich, dass du vollständig aus der Welt der Lebenden verschwunden bist. Dass dir niemand helfen wird. Weder Eltern. Noch Freunde. Noch ein Anwalt. Nicht einmal Gott.

Und der Ermittler erklärt dir ruhig die Regeln der neuen Realität: „Du kommst hier sowieso nicht mehr raus. Mir wurde befohlen, den Fall um jeden Preis abzuschließen, damit sich die Gesellschaft beruhigt.“

Und die Menschen zerbrachen daran.

Genau dieses existenzielle Gefühl absoluter Verlassenheit, diese psychologische Kapitulation vor der Unausweichlichkeit – das sind Eigenschaften, die Menschen völlig fremd sind, die nie unter einer Diktatur gelebt haben.

Das ist der eigentliche Nerv totalitärer Erfahrung. Nicht das Fehlen eines iPhones oder von Wahlen. Sondern der Moment, in dem sich die eiserne Tür hinter dir schließt – und du plötzlich begreifst, dass du aufgehört hast, ein Mensch zu sein, und zu einem Objekt innerhalb eines Mechanismus geworden bist.

Eines Mechanismus, dessen sämtliche Elemente gegen dich arbeiten.

Dabei müssen diese Menschen nicht einmal Sadisten sein. Das ist sehr wichtig. Sie können ganz gewöhnliche Funktionäre des Systems sein. Menschen, die „eine Aufgabe erfüllen“.

„Die Stadt muss ruhig schlafen.“

Diesen unheimlichen Satz zitierte Dashuk. Er erklärt alles.

Nicht die Wahrheit finden. Nicht die Gesellschaft schützen. Nicht den Verbrecher stoppen. Sondern sozusagen die gesellschaftliche Nervosität zu beseitigen.

Das heißt: Die Gesellschaft wird in einem solchen System nicht als Gemeinschaft von Bürgern betrachtet, sondern als nervöse Masse, die kontrolliert  werden muss.

Und wenn man dafür einen Unschuldigen einsperren, einen Menschen psychologisch brechen, ein falsches Geständnis erhalten oder irgendwen zufällig erschießen muss – dann gilt das als zulässige Regierungstechnologie.

Im Fall Konovalov und Kovalyov gab es „eine Katze“, die man „Schäferhund“ nannte, und es gab Interpol, das dies legitimierte. Wenn die ganze Welt um dich herum der Lüge zustimmt, beginnst du selbst an sie zu glauben, nur um noch einen weiteren Tag zu überleben…

Zuerst verwandeln sie einen kleinen Mischlingshund im Gerichtsprotokoll in einen Schäferhund.

Dann verwandeln sie ein ganzes Land in einen Brückenkopf, ohne die Bevölkerung um Erlaubnis zu fragen.

Und danach kommen sie zu den Nachbarn, um ihnen diese „Mathematik“ beizubringen, in der zwei plus zwei gleich „eine Kugel in den Hinterkopf“ ist.

Die Ukraine kämpft für das Recht auf Realität. Für das Recht darauf, dass eine Katze eine Katze ist, ein Schäferhund ein Schäferhund und ein Mensch das Recht hat, „Nein“ zu sagen und gehört zu werden.

Die Ukraine kämpft dafür, dass eiserne Türen niemals Ausweglosigkeit bedeuten.

Damit niemand jemals sagen kann: „Nicht einmal Gott wird dir helfen, denn mir wurde befohlen, den Fall abzuschließen.“

Damit jeder Mensch, unabhängig von seinem Status, einen „Ausweg“ hat.

Die Ukraine kämpft für das Recht auf eine Gesellschaft, in der gesellschaftliche Ruhe nicht mit dem Leben Unschuldiger erkauft wird.

Die Ukraine kämpft gegen ein System, in dem der „verordnete Schäferhund“ die Norm ist und das Gefühl des Ausgeliefertseins das zentrale Gefühl des Bürgers.


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Autor: Dzmitry Halko
Veröffentlichung / Entstehung: 12.05.2026.
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Die Kraft der Jugend. Vitaly Portnikov. 26.07.2025.

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Der erste Eindruck von denen, die an den spontanen Protesten teilgenommen haben, die nach dem Versuch des ukrainischen Parlaments stattfanden, die Unabhängigkeit der Antikorruptionsbehörden zu untergraben, ist die Jugend der meisten Teilnehmer. Tatsächlich sieht man auf den Straßen Menschen, die während des letzten Maidan noch Kinder waren und wahrscheinlich nicht einmal jene berühmte Fernsehserie gesehen haben, die zum wichtigsten politischen Werkzeug von Volodymyr Zelenskyk wurde.

Natürlich könnte man sagen, dass wir diesen Menschen den Weg bereitet haben – durch unsere Teilnahme an früheren Maidan-Bewegungen, durch Veränderungen im Bildungssystem, das den jungen Menschen vermittelte, dass es normal sei, für seine Rechte einzustehen, dass protestierende Ukrainer die Macht immer besiegt haben – wenn auch zu einem hohen Preis. Und herangewachsen ist nicht eine sorglose Generation, sondern Menschen, die an die Kraft ihrer Rechte und Überzeugungen glauben.

Aber wer hat den Weg für die Teilnehmer der Revolution auf dem Granit geebnet? Für Menschen, die in einer ganz anderen Gesellschaft aufgewachsen sind, in der es schon lange keine Aufstände mehr gegeben hatte und in der die Älteren den Jüngeren stets rieten, sich nicht zu weit herauszuwagen. Natürlich kann man sagen, dass es sich nicht mehr um eine so fügsame Generation handelte wie die vorherige – jene, die ihre Kindheit in der Endphase des Stalinismus verbrachte, mit seinem Kampf gegen Nationalismen, seinem Antisemitismus und seiner Ukrainophobie. Aber andererseits erinnere ich mich sehr gut an meine Eindrücke vom Kyiver Studenten-Hungerstreik – weil ich ihn unwillkürlich mit den politischen Prozessen in Moskau und Russland verglich.

Als Journalist besuchte ich damals fast alle Moskauer Kundgebungen, Versammlungen und Treffen. Dort führten die sogenannten „Sechziger“ das Wort – Menschen im Alter von 30 bis 40 Jahren. Menschen meines Alters waren dort kaum zu sehen. Junge Politiker gab es praktisch nicht. Persönlichkeiten wie Boris Nemzow galten eher als Phänomen. Von echten studentischen Bewegungen konnte man nur träumen – es sei denn, sie waren mit offiziellen Initiativen oder mit der Perestroika verbunden.

Zwar gab es Ausnahmen von dieser jugendlichen Passivität. Zum Beispiel den Ukrainischen Jugendklub, den wir genau in diesen Jahren gründeten. Und seine Hauptinitiatoren waren Studenten – Studenten aus Lwiw, die an der mechanisch-mathematischen Fakultät der Moskauer Universität studierten. Wenn wir uns heute gelegentlich in Lwiw mit Kolleginnen und Kollegen von damals treffen – inzwischen Professoren an Lwiwer Hochschulen –, dann gibt es viel zu erinnern. Das war echte zivilgesellschaftliche Aktivität – aber eine Aktivität ukrainischer Studenten. Solche Erscheinungen waren in den nationalen Diasporas in Moskau gar nicht so selten. Moskau selbst war jedoch nur durch informelle Bewegungen vertreten – kulturelle, ästhetische, aber nicht politische. Junge Russen waren bereit, anders auszusehen, andere Musik zu hören, sich anders zu kleiden als die Älteren – aber ihr Verständnis von politischer Verantwortung änderte das nicht. Infolgedessen kam es in Russland nie zu etwas Vergleichbarem mit der Revolution auf dem Granit.

Die ukrainische Jugend hingegen blieb im Zentrum des politischen Geschehens. Das jüngste Beispiel vor den aktuellen Protesten ist der Maidan von 2013–2014, der ebenfalls mit Studentendemonstrationen begann. Und er entwickelte sich zu einer landesweiten Bewegung nach der brutalen Niederschlagung der Studenten durch die „Berkut“-Spezialeinheiten. Ich erinnere mich gut an jene jungen Menschen, die damals auf den Maidan in Kyiv oder in Lwiw kamen, die aus Lwiw in die Hauptstadt reisten. Sie waren so alt wie heute jene, die sich vor dem Iwan-Franko-Theater oder auf anderen Plätzen und Straßen des Landes versammeln. Und sie glaubten ebenso an Gerechtigkeit und an ihr Recht auf Protest wie jene, die heute dreißig oder fünfunddreißig Jahre alt sind. Und genauso glaubten an ihr Recht auf Protest jene, die vor 35 Jahren auf den Platz der Oktoberrevolution gingen – Menschen, die heute fast sechzig sind. Meine Altersgenossen.

Und natürlich würde ich mir wünschen, dass meine Altersgenossen nicht jene sind, die bald sechzig werden, sondern jene, die heute zwanzig sind – jene, die sich jetzt versammeln. Denn ich möchte wirklich sehen, ob auch ihre Kinder und Enkel auf die Straße gehen werden. Oder ob es vielleicht keine Notwendigkeit mehr geben wird, auf die Straße zu gehen. Keine Notwendigkeit mehr, die Gerechtigkeit vor einer weiteren Präsidialverwaltung zu verteidigen. Vor einem weiteren Parlament.

Und doch wissen wir alle sehr gut, dass engagierte Menschen immer etwas zu verteidigen haben – solange der Wille da ist. Und wenn wir uns darüber freuen, dass die Jugend wieder bereit ist, für ein normales Land zu kämpfen, dürfen wir nicht glauben, dass dies eine besondere Jugend sei und es zuvor keinen Protestgeist gegeben habe. Den hat es immer gegeben. Das ist einfach das ukrainische Gefühl für Ungerechtigkeit – unsterblich. Es ließ sich weder von Zaren noch von Generalsekretären noch von unserer eigenen unbeholfenen Regierung unterdrücken. Und auch Putin wird es nicht gelingen. Denn er hat immer noch nicht begriffen, womit er es zu tun hat.

Erzähle mir, Ukraine! / Розкажи, Україно!

Erzähle mir doch, 

wie du lebst,  Ukraine?  

Warum brennst du erneut,  

wieso liegst in Ruinen?  

Warum treten Soldaten  

deine Felder mit Macht?  

Und in fremden Gefilden  

weint die Mutter bei Nacht.  

Wieviel Tränen noch fließen,  

wieviel Blut wird noch sein,  

bis wir alle in Liebe  

dürfen leben daheim?  

Wieso bringt man so viel  

meinem Volke an Leid?  

Wir wollten doch nur  

unser Leben in Freiheit!

Refrain:

Dass die Weizenfelder erblühen,  

dass die Erde die Frucht nicht ermühen,  

dass die Kinder in Frieden hier spielen,  

nicht vor schrecklicher Kriege mehr fliehen!  

Dass die Freude in Häusern erklinge,  

dass das Wort Gottes Hoffnung uns bringe,  

dass ein Lied durch die Ukraine ziehe –  

ungeteilt, stark in Liebe und Friede!  

Wie viel Kriege gab’s schon,  

um die Freiheit zu haben?  

Wie viel Seelen und Leben  

hat das Land schon begraben?  

Wie lang wirst du noch, Hord,

unser Blut weiter trinken?

Nie wirst du uns besiegen,

nie uns brechen, uns schinden!

Brüder, auf, schützt das Land,  

lasst uns kämpfen und stehen,  

denn nur wir selbst allein  

können Freiheit erflehen!  

Denn kein anderer als wir

Kann die Freiheit uns geben,

Denn ein jeder wählt stets

Selbst sein Schicksal fürs Leben! 

Refrain:

Dass die Weizenfelder erblühen,  

dass die Erde die Frucht nicht ermühen,  

dass die Kinder in Frieden hier spielen,  

nicht vor schrecklicher Kriege mehr fliehen!  

Dass die Freude in Häusern erklinge,  

dass das Wort Gottes Hoffnung uns bringe,  

dass ein Lied durch die Ukraine ziehe –  

ungeteilt, stark in Liebe und Friede!


Розкажи ти мені,

Як живеш, Україно?

Чому знову в вогні,

Чому знову в руїнах?

Чому землю твою

Знову топчуть солдати?

А в далекім краю

Паче знов чиясь мати!

Скільки треба ще сліз,

Скільки треба ще крові?

Щоби дали нам всім

Просто жити в любові.

Нащо стільки біди

Моєму народу?

Ми ж хотіли завжди –

Просто мати свободу!

Приспів:

Щоб пшеничні поля колосилися

І родити земля не втомилася,

Щоби діти малі мирно гралися

І страшної війни не боялися!

Щоби радість була в домі кожному,

Щоб знайшов кожен суть в слові Божому,

І щоб пісня пливла Україною –

Неподіленою, єдиною!

Скільки воєн було,

Щоб здобути свободу,

Скільки в битвах мого

Полягло вже народу.

Скільки, дика орда,

Будеш кров нашу пити?

Нас ніколи тобі

Не здолати, не вбити!

Піднімаймось, брати,

Рідний край боронить,

Бо ніхто окрім нас

Це не зможе зробить!

Бо ніхто окрім нас

Не здобуде нам волю,

Бо завжди вибирав

Кожен сам свою долю!

Приспів.

Der Krieg wird ewig dauern. Yurij Gudimenko 24.05.22.

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Ich gebe euch die beste Vorhersage auf die Frage „Wann der Krieg vorbei ist“.

Der Krieg wird ewig dauern.

Der Krieg wird ewig dauern.

Krieg. Es wird weitergehen. Bis in alle Ewigkeit.

Nicht nur für mich und nicht nur für diejenigen, die kämpfen oder sich freiwillig melden, oder in der Besatzung waren oder gezwungen wurden, aus ihrer Heimat zu fliehen. Der Krieg wird nicht nur mit Traumschreien, zitternden Händen, Selbstmorden, verstümmelten Körpern, zerstörten Schicksalen, verbrannten Träumen weitergehen.

Der Krieg wird weitergehen, auch wenn das letzte ukrainische Kind, das einen russischen Panzer nicht nur in einem Museum gesehen haben, alt wird und stirbt. Der Krieg wird nach dem Tod des letzten Monsters weitergehen, das sich an den verdammten Buchstaben „Z“ geklammert hat.

Dieser Krieg dauert seit Hunderten von Jahren an. Das würden Petliura oder Bandera oder Shukhevych denken. Sie würden diesen Krieg als Fortsetzung ihres eigenen betrachten. Und sie hätten recht. Denn dieser Krieg wird ewig dauern.

Die aktive Phase endet. Wir werden gewinnen, das weiß ich. Aber Frieden wird nicht kommen. Es wird nur eine neue Phase des Krieges geben. Wirtschaftlich, psychologisch, politisch, diplomatisch, alles auf einmal – egal. Nur neu. Anders.

Denn Russland wird nicht verschwinden. Putin wird verschwinden, die Russische Föderation wird verschwinden, was jetzt existiert , wird auseinanderfallen, aber bei Russland geht es nicht um Grenzen und nicht um den Staat, es geht um die Denkweise. Anstelle der Russen, die in unserem Land liegen bleiben werden, werden einige neue geboren. Und einige von ihnen werden sicherlich glauben, dass Putin Recht hatte, dass die Ukraine nicht existieren sollte, dass in Bucha, Gostomel, Borodyanka und Mariupol alles richtig gemacht wurde.

Und deshalb wird der Krieg ewig weitergehen. Weil diese Idee für Russen angenehm ist. Weil es eine Denkweise ist. Weil sie genau so sein wollen. Weil sie einfach so sind. Und wir – nicht.

Aber das Format dieses ewigen Krieges hängt von uns ab. Wird das eine neue heiße Phase, in der wir, unsere Kinder und dann unsere Enkel wieder an die Front zurückkehren? Oder es wird ein diplomatisches Spiel sein, bei dem eine wohlhabende, reiche, ruhige, schwer bewaffnete Ukraine dafür sorgen wird, dass die Trümmer der Russischen Föderation Konflikte untereinander bewältigen und keine Zeit haben, sich auf eine neue Invasion auf uns vorzubereiten.

Und das wird hier und jetzt gelöst. In Charkiw, Donezk, Cherson, Luhansk, Saporischschja und anderen Landteilen. Dort wird entschieden, wie der ewige Krieg in den kommenden Jahrzehnten aussehen wird. Und werden unsere Kinder in unseren Schützengräben sitzen müssen oder können sie in einem europäischen Staat in aller Ruhe ihrem eigenen Leben nachgehen?

Aber kurz gesagt, meine Vorhersage über das Ende des Krieges ist sehr einfach.

Der Krieg wird kein Ende nehmen. Es tut uns leid.

Wenn Ihnen die Prognose nicht gefällt – Sie wissen, wo Sie andere hören können, ungefähr zwei oder drei mal pro Woche. Wir können die Ergebnisse in etwa einem Jahr vergleichen.

In der grimmigen Dunkelheit der fernen Zukunft gibt es nur Krieg.


Тримайте найкращій прогноз на тему «Коли закінчиться війна».

Війна триватиме вічно.

Війна триватиме вічно.

Війна. Триватиме. Вічно.

Не тільки для мене, і не тільки для тих, хто воює, або волонтерить, або був у окупації чи вимушений був стати біженцем з рідного дому. Війна триватиме не тільки криками уві сні, тремтінням рук, самогубствами, скаліченими тілами, зруйнованими долями, згорілими снами.

Війна триватиме і після того, як останній з українських дітей, що бачив російський танк не тільки у музеї, стане старим і помре. Війна триватиме і після того, як помре остання потвора, яка чіпляла на себе блядську літеру «Z».

Війна ця триває вже сотні років. Саме так вважав би Петлюра, або Бандера, або Шухевич. Вони б вважали цю війну продовженням своєї. І були б праві. Бо ця війна триватиме вічно.

Закінчиться активна фаза. Ми в ній переможемо, я це знаю. Але мир не настане. Настане просто нова фаза війни. Економічна, психологічна, політична, дипломатична, все одразу – пофіг. Просто нова. Інша.

Тому що Росія не зникне. Зникне Путін, зникне Російська Федерація, розпадеться те, що є зараз, але Росія – це не про кордони і не про державу, це про образ мислення. Замість тих росіян, які залишаться в нашій землі, народиться якась кількість нових. І хтось із них обов‘язково буде вважати, що Путін був правий, що України не має існувати, що у Бучі, у Гостомелі, у Бородянці, у Маріуполі все було зроблено вірно.

І саме тому війна буде продовжуватись завжди. Тому що ця думка приємна для росіян. Тому що це образ мислення. Тому що вони хочуть бути саме такими. Тому що вони саме такі. А ми – ні.

Але саме від нас залежить формат цієї вічної війни. Чи буде це нова гаряча фаза, в якій на фронт повернемось і ми, і наші діти, а потім і онуки. Або це буде дипломатична гра, у якій квітуча, багата, спокійна, озброєна до зубів Україна слідкуватиме за тим, щоб уламки Російської Федерації займалися конфліктами між собою і не мали часу на підготовку нового вторгнення до нас.

І це вирішується тут і зараз. На Харківщині, Донеччині, Херсонщині, Луганщині, на Запоріжжі і інших землях. Саме там вирішується, як вічна війна буде виглядати наступні десятиріччя. І чи доведеться нашим дітям сидіти в наших окопах або ж вони зможуть спокійно займатися власним життям у надсучасній впливовій європейській державі.

Але, якщо коротко, то мій прогноз щодо кінця війни дуже простий.

Кінця війни не буде. Вибачте.

Якщо прогноз вам не подобається – ви знаєте, де послухати інші, про два-три тижні. Можемо десь за рік порівняти результати.

In the grim darkness of the far future there is only war.

Seit mehr als zweihundert Jahren/ Вже більше літ двісті.

Seit mehr als zweihundert Jahren

Ist ein Kosak in Gefangenschaft.

Er geht an Dnjepr

Und beschwört sein Schicksal:

– Oh, komm raus aus dem Wasser,

Befreie mich mein Liebes vor diesem Unglück.

Befreie mich mein Liebes vor diesem Unglück.

– Ich werde nicht rausgehen, Kosake,

Ich gehe nicht raus, mein Falke.

Ich hätte es mit Freude gemacht,

kann aber nicht

Denn ich selbst in Gefangenschaft bin.

Oh, in Gefangenschaft, unter dem Joch,

Hinter der Moskauer Wache im Gefängnis.

Hinter der Moskauer Wache im Gefängnis.

Im Gefängnis, in Ketten

Seit Zeiten vom Bohdan. (Hetman Bogdan Chmelnitsky)

Der aus eigenem Antrieb

Mich in Gefangenschaft verkauft hat

Mich in Gefangenschaft verkauft hat.

Oh, du Bohdan, unser ruhmreicher Hetman,

Du hast die Ukraine und mich verkauft.

Mich, junges Kosakenschicksal,

In den Not verkauft,

In die Moskauer Gefangenschaft.

Oh, ich will nicht in Ketten sein

Unvernünftiger, dummer Hetman Bohdan,

Unvernünftiger, dummer Hetman Bohdan!

Du bist gestorben und hast es gut

So zu liegen, wo du liegst.

Steh auf und schau

Was ist mit Mutter Ukraine los?

Wo sind unsere Pferde – Falken,

Wo sind die Kosaken wie Adler

Wo sind die Kosaken wie Adler!

Auf dem Feld für den Herren,

In schweren Unterdrückung,

Anstelle Glücklichseins.

Um mich herum stehen Feinde

Wie schwarzen Wolken

Wie schwarzen Wolken!

Gemeine Feinde

Und schlimmes Trübsal.

Wie der Wind weht

Von der großen Wiese,

Lass den Pflug fallen, Kosake, nimm das Messer

Wenn du einen Feind erwischst, töte ihn

Wenn du einen Feind erwischst, töte ihn!

Mach aus der Sichel einen Speer

Und aus der Sense einen Säbel

Erstick den Feind wo du ihn findest.

Erstick ihn, Seelenbruder, schneide ihm die Kehle durch, steche ihn.

Damit er die Ukraine nicht verunreinigt, zünde ihn an

Damit er die Ukraine nicht verunreinigt, zünde ihn an!

Dann alle Heiligen,

Und heiliger Gott selbst vom Himmel,

Werden dir ein neues Schicksal schenken.

Dich aus der Gefangenschaft befreien.

Du, Salisnjak, hartnäckiger Hund,

Sag dem Volk mindestens etwas,

Sag dem Volk mindestens etwas!

Erzählt wie Kämpfe begannen haben

Wie Kinder in Ketten geboren werden.

Oh, sieht es, hört es,

Oh, wie Moskau die Ukraine beherrscht,

Oh, wie Moskau die Ukraine beherrscht!

Und aus den Kosakensäbeln

Wurden Sicheln geschmiedet,

Und scharfe Klingen,

Wurden zu Sensen geändert,

Und unsere Kinder werden bald zu Rekruten

Und unsere Kinder werden bald zu Rekruten!

Unsere Kinder schauen sich die Welt

Mit weit offenen Augen an.

Kehrt zurück zu euren Familie

Wenn nicht um zu leben, dann mindestens zum sterben.

Ach, komm aus dem Ausland,

Komm zurück, um die Ukraine zu verteidigen,

Komm zurück, um die Ukraine zu verteidigen!

Der gütiger Wind weht

Von Wäldern und Reben,

Um gute Leute, auf gute Gedanken zu bringen.

Oh, der Wind bläst und sagt:

Kosake, verlass dich nicht auf Fremde,

Kosake, verlass dich nicht auf Fremde!

Verlässt euch nicht auf Fürsten,

Ihr Menschenkinder.

Denn die haben dem Schicksal in Gefangenschaft,

Nicht ins Augen gesehen

Oh Gott, übertrage diese Worte von Generation zu Generation,

Es gibt keine stärkeren Seelen als die des Volkes,

Es gibt keine stärkeren Seelen als die des Volkes!


Вже більше літ двісті,

Як козак в неволі.

Понад Дніпром ходе,

Викликає долю:

– Ой, вийди, вийди, із води,

Визволь мене, серденько, із біди.

Визволь мене, серденько, із біди.

– Не вийду, козаче,

Не вийду, соколю.

Хоть рада, неможу,

Бо й сама в неволі.

Ой, у неволі, у ярмі,

За московським караулом у тюрмі.

За московським караулом у тюрмі.

У тюрмі, в кайданах

Од часів Богдана.

Од нього самого,

В неволю віддана.

Ой, ти Богдане, гетьмане,

Запродав ти Україну і мене,

Запродав ти Україну і мене.

Мене молодую,

козацькую долю,

Запродав в тяжкую,

Московську неволю.

Ой у не волю в кайдани

Нерозумний гетьмане Богдане!

Нерозумний гетьмане Богдане!

Ти вмер, так добре

Лежать де лежати.

А встань подивися,

Де вкраїна мати,

Де наші коні – соколи,

Та де козаченьки як орли!

Та де козаченьки як орли!

На панщині в кузні,

В великій неволі,

Замість того щастя,

Замість тої долі,

Ой обступили навкруги,

Як ті чорні хмари вороги!

Як ті чорні хмари вороги!

Тяжчії вороженьки,

Ще й тяжчая туга.

Як вітер повіє,

З великого луга,

Кинь плуг козаче, бери ніж

Тай де злапав вороженька там заріж!

Тай де злапав вороженька там заріж!

Зроби з серпа спис,

А з коси шаблюку,

Души вороженька,

Де здрімав, гадюку,

Ой души брате, ріж, коли,

Щоб не смердів на вкраїні, запали!

Щоб не смердів на вкраїні, запали!

Тоді всі святії,

І сам Бог святий із неба,

Пошлють тобі долю,

З неволі до тебе,

Ой Залізняче впертий пес,

Промов хоч словечка до людей!

Промов хоч словечка до людей!

Промов як за тебе,

Бої посвятились,

Як половяцькі

по кайдані вродились

Ой хто не баче, не чує,

Ой як Москва в Україні панує!

Ой як Москва в Україні панує!

І з ратиш козацьких,

Серпи покували,

А гострії шаблюки,

На коси зміняли,

А дітей наших, всіх на гурт,

У рекрути незабаром заберуть!

У рекрути незабаром заберуть!

Йдуть наші діти,

У світ очі дерти,

Вертайтесь до роду,

Не жить хоч умерти,

Ой із чужої сторони,

Ізходітесь Україну боронить!

Ізходітесь Україну боронить!

Повій буйний вітре,

З лісів та на лози,

Навій добрим людям,

Навій добрий розум,

Ой повій вітре та скажи,

Козаченьку не сподівайсь на чужих!

Козаченьку не сподівайсь на чужих!

Ненадійсь на князів,

сини чоловічі,

Бо долі в неволі,

Не бачили у вічі,

Ой Боже словов з рода в род,

Нема душ сильніших за народ!

Нема душ сильніших за народ!