Die Russen haben Janukowitsch hervorgeholt | Vitaly Portnikov. 01.09.2025.

Vor dem Hintergrund von Putins Reise nach China und seinen Gesprächen mit dem Vorsitzenden der VR China, Xi Jinping, sowie anderen Führern der Länder des globalen Südens, haben die Russen erneut ihre Marionette Wiktor Janukowitsch aus der Schublade hervorgeholt – damit der ehemalige ukrainische Präsident versichert, dass er selbst die Ukraine in die Europäische Union geführt habe, nur eben gegen die euroatlantische Integration unseres Landes gewesen sei.

Nun, wie Janukowitsch die Ukraine in die Europäische Union geführt hat, daran erinnern wir uns alle sehr gut. Geführt, geführt – und nicht hingeführt. Er verweigerte die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit Europa sogar dann, als die Europäer beschlossen hatten, beide Augen vor den Maßstäben der doppelten Justiz in der Ukraine zu verschließen.

Übrigens bin ich bis heute der Meinung, dass die Unterzeichnung eines Assoziierungsabkommens mit der Ukraine unter solchen Bedingungen faktisch eine Legitimierung des autoritären Regimes in unserem Land durch die Europäische Union gewesen wäre. Aber selbst das wusste Janukowitsch nicht zu schätzen – nur weil ihm sein Kreml-Betreuer verboten hatte, seine Unterschrift unter dieses Abkommen zu setzen.

Und was Janukowitschs Ablehnung der euroatlantischen Integration betrifft, so ist auch das eine völlig offensichtliche Tatsache. Er war nicht nur gegen die euroatlantische Integration und für die Erklärung der Ukraine zu einem blockfreien Staat. Übrigens erinnern Sie sich, dass Russland 2013 genau die blockfreie Ukraine überfallen hat, deren Mehrheit der Bürger gegen den NATO-Beitritt unseres Landes war. Er ernannte auch noch Russen zu Verteidigungsministern der Ukraine und verwandelte aktiv das Verteidigungsministerium unseres Landes sowie die Sicherheitsdienste in Filialen der entsprechenden russischen Behörden.

Das Wichtigste aber ist: Mit einem Abstand von 11 Jahren verstehen wir heute sehr gut, dass das Assoziierungsabkommen, dessen Verweigerung eine umfassende politische Krise auslöste, die zum Maidan 2013–2014 wurde und später zum russischen Angriff auf unser Land führte, keineswegs irgendein Schutzmechanismus gegen russischen Einfluss war – wie damals viele dachten. 

Denn die Unterzeichnung dieses Abkommens durch Georgien hindert Russland nicht daran, seinen Einfluss in diesem Land selbst nach dem Krieg von 2008 wiederherzustellen. Und die Unterzeichnung dieses Abkommens in Moldau hat die prorussischen Kräfte in diesem Land nicht beseitigt. Mehr noch: Sie erlaubt Russland, auf deren Rückkehr bei den kommenden Parlamentswahlen in Moldau zu hoffen. Und auch die Mitgliedschaft in der Europäischen Union, wie wir nun im Falle Ungarns unter Viktor Orbán oder der Slowakei unter Robert Fico sehen, ist keineswegs ein Schutzmechanismus gegen russischen Einfluss.

Putin wollte weder die Ukraine Janukowitschs noch eine Ukraine, die von irgendeinem anderen prorussischen Politiker regiert würde. Er wollte, dass die Ukraine überhaupt nicht existiert. Deshalb war Janukowitsch für ihn keine Marionette, sondern der Leiter eines Liquidationsteams, dessen Aufgabe darin bestand, den Boden für die Schaffung zunächst eines Unionsstaates von Russland, der Ukraine und Belarus vorzubereiten – und später für den Anschluss dieser ehemaligen Sowjetrepubliken als Regionen an Russland.

Darum regte Putin das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU so auf – weil es offensichtlich der weiteren Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit nicht dienlich war. Janukowitsch und sein Umfeld machten klar den falschen Schritt, ohne es selbst zu begreifen, weil er meinte, dass „Texas von den Texanern geplündert werden müsse“, dass er treu Putin dienen würde, dass die Ukraine ein Land wie Lukaschenkos Belarus sein würde und dass dies Putin zufriedenstellen müsse. Doch Putin zufriedenstellen konnte nur das Verschwinden der Ukraine von der politischen Weltkarte. Und genau dafür ist der russische Führer bereit, jeden Preis zu zahlen, wie wir uns nun – im vierten Jahr des großen russisch-ukrainischen Krieges – überzeugen können.

Doch die Frage ist nicht, was Janukowitsch einschätzen konnte und was nicht. Denn das Niveau seiner Fähigkeit, die Realität um ihn herum realistisch zu bewerten, ist seit der Zeit bekannt, als dieser Mensch in unserem Land eine „politische Karriere“ machte – wenn man das überhaupt so nennen kann.

Es geht darum, warum die Russen diese Marionette überhaupt wieder hervorgezogen haben. Und das bedeutet, dass sie möglicherweise erkennen, dass es ihnen doch nicht gelingen wird, das gesamte Territorium der Ukraine zu besetzen. Sie bereiten sich auf den Einfluss auf jenem Gebiet vor, das sich zum Zeitpunkt des Kriegsendes und möglicher Wahlen unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befinden wird. Und natürlich haben sie auch nicht die Absicht, dieses Gebiet in Ruhe zu lassen. Und wenn es schon nicht gelingen sollte, es zu besetzen und einzugliedern, dann muss es eben in ein „Janukowitsch- oder Medwedtschuk-Ukraine“ verwandelt werden – oder in die eines anderen, den sie zu einem Janukowitsch oder Medwedtschuk machen.

Dafür muss man denjenigen Teilen der ukrainischen Bevölkerung, die noch immer Illusionen über ein mögliches Nebeneinander mit Russland in getrennten Staaten hegen, in Erinnerung rufen, dass die prorussischen Kräfte ja gar nicht so schlimm gewesen seien – dass sie europäische Integration, Frieden, ein normales Leben wollten, und dass nur diese verfluchten Nationalisten, diese Radikalen alles verdorben hätten.

Es ist kein Zufall, dass Janukowitsch gerade jetzt seine Erklärungen abgibt – in dem Moment, in dem wir uns vom ehemaligen Vorsitzenden der Werchowna Rada der Ukraine, Andrij Parubij, verabschieden. Einer jener Politiker, die die Ukraine zu einem eigenständigen, souveränen, nationalen Staat machen wollten – und nicht zu einer lächerlichen, umbenannten Sowjetrepublik, einem russischen Bantustan.

Und es sei daran erinnert, dass genau ein solches politisches Entwicklungsprogramm für die Ukraine über Jahrzehnte von der überwältigenden Mehrheit der Bürger unseres Landes unterstützt wurde. Und genau deshalb kam der brutale, endlose Krieg auf ukrainischen Boden – weil diese Menschen nicht erkannten, mit welcher Gefahr, mit welchem Feuer sie spielten.

Nun aber, wie wir sehen, hoffen die Russen, dass – selbst wenn sie irgendwann gezwungen werden, den Krieg zu beenden – man die Ukraine dennoch nicht aus Putins blutigen Armen entkommen lassen darf. Dass der Teil der ukrainischen Bevölkerung, der früher immer für prorussische, antiukrainische, populistische Kräfte gestimmt hat, wieder zu seinen politischen Prioritäten zurückkehrt. Dass er ja nicht auf den Gedanken kommen darf, für ukrainische patriotische Parteien zu stimmen. Nein, das würde die Russen nicht zufriedenstellen – dass diese Menschen, trotz Blut, Tod und Bombardierungen, eine würdige politische Alternative bekämen. Neue Janukowitschs, oder vielleicht auch die alten. Neue Medwedtschuks, oder vielleicht auch die alten.

Genau deshalb holen die Russen erneut aus der schmutzigen Schublade eine schmutzige politische Marionette hervor, befleckt mit ukrainischem Blut. Eine Marionette, die sich nicht schämt zu erzählen, was sie angeblich für die Entwicklung des ukrainischen Staates getan habe. Eine Marionette, für deren Wahl damals der Weg in den großen Krieg geöffnet wurde.

Europäer lehnen die Kapitulation der Ukraine ab | Vitaly Portnikov. 28.08.2025.

Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, dass die Europäer zwar für einen schnellen Frieden in der Ukraine eintreten, jedoch nicht um jeden Preis – nicht zum Preis einer Kapitulation der Ukraine. Gerade für einen gerechten Frieden arbeiten sie mit den Vereinigten Staaten und anderen Verbündeten zusammen.

Diese Worte des deutschen Bundeskanzlers können in gewissem Maße als Antwort auf jene amerikanischen Beamten betrachtet werden, die in den letzten Wochen und Tagen von der Notwendigkeit ukrainischer Zugeständnisse an Russland sprechen und sogar die Möglichkeit zulassen, dass dieser Krieg in erster Linie zu russischen Bedingungen beendet wird. Bedingungen, die echte territoriale Zugeständnisse seitens der Ukraine vorsehen. Und zwar nicht nur in Bezug auf Gebiete, die heute bereits vom Aggressor kontrolliert werden, sondern auch auf jene Territorien, die derzeit unter dem Schutz der ukrainischen Verteidigungskräfte stehen, die aber nach Putins Ansicht kampflos an die russischen Besatzer übergeben werden sollen.

Wichtig ist auch der Kontext dieser Erklärung. Friedrich Merz sprach sie im Beisein von drei weiteren Staats- und Regierungschefs aus: des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, des polnischen Ministerpräsidenten Donald Tusk und der moldauischen Präsidentin Maia Sandu. Man kann daher davon ausgehen, dass es sich hierbei um eine gemeinsame Sichtweise europäischer Führer handelt. Denn Merz, Macron und Tusk reisten am Unabhängigkeitstag der Republik Moldau nach Chișinău, um die Bürger dieses Landes in ihrem Wunsch nach einem Beitritt zur Europäischen Union zu unterstützen.

Dieser Besuch findet unmittelbar vor den Parlamentswahlen in Moldau statt. Wie bekannt ist, konzentriert Russland derzeit erhebliche politische, wirtschaftliche und finanzielle Anstrengungen darauf, sich für die Niederlage des prorussischen Kandidaten bei den moldauischen Präsidentschaftswahlen zu rächen. Moldau ist eine parlamentarische Republik. Sollte es den prorussischen Kräften, hinter denen selbstverständlich der Kreml steht, bei den Wahlen zum höchsten Gesetzgebungsorgan des Nachbarlandes gelingen, zu siegen, könnte dies auch im russisch-ukrainischen Krieg zu ernsthaften Problemen führen.

Denn Russland versucht, wie bekannt, die Ukraine mit feindlichen Ländern einzukreisen, die in der Lage wären, sowohl die Hilfe für unser Land als auch die europäische und euroatlantische Integration der Ukraine zu blockieren. Wir sehen das am Beispiel der politischen Positionen der Ministerpräsidenten Ungarns und der Slowakei, Viktor Orbán und Robert Fico. Die Entstehung eines alternativen Machtzentrums in Chișinău, das die Befugnisse von Präsidentin Maia Sandu beschneiden und versuchen würde, die Hilfe für die Ukraine über moldauisches Territorium zu blockieren, wäre für Moskau ein echtes politisches Geschenk.

Gerade deshalb sind Donald Tusk, Emmanuel Macron und Friedrich Merz mit diesem gemeinsamen Besuch nach Chișinău gekommen. Viele können ihn als Unterstützung der proeuropäischen Kräfte in Moldau ansehen – in ihrem Bemühen, nach den Parlamentswahlen die Hebel der Macht zu behalten und Moskau keine Möglichkeit zur politischen Rache zu geben. Aus dieser Perspektive ist auch klar, dass ein gerechtes Ende des russisch-ukrainischen Krieges eine Frage der Souveränität und Unabhängigkeit Moldaus ist.

Wir erinnern uns, dass schon im ersten Monat dieses Krieges ein dreister russischer General betonte, Ziel der Streitkräfte der Russischen Föderation sei es, die Grenzen der Ukraine bis zur selbsternannten Transnistrischen Moldauischen Republik zu erreichen. Dort befindet sich noch immer die russische Armee, und an der Macht sind Agenten des russischen Einflusses mit Moskauer Pässen.

Wir verstehen sehr gut, warum die russische Armee die Grenze der Oblast Odessa zu Transnistrien erreichen wollte. Nicht nur, um den Süden der Ukraine unter Kontrolle zu bringen und unserem Land den Zugang zum Meer zu nehmen – ein Traum, den man im Kreml nach wie vor hegt –, sondern auch, um den Krieg auf das Territorium der Republik Moldau zu tragen. Damit sollte das russische Kontingent in Transnistrien massiv verstärkt werden, das dank der gemeinsamen Haltung der Ukraine und Moldaus derzeit nicht erneuert wird, und außerdem die freie Hälfte des moldauischen Territoriums unter Kontrolle gebracht werden. Das hätte die Möglichkeit eröffnet, die Staatlichkeit nicht nur der Ukraine, sondern auch der Republik Moldau zu zerstören.

Solche Absichten gibt es im Kreml schon seit den 1990er-Jahren. Fast unmittelbar nach dem Sieg der russischen Demokraten im August 1991 unterstützte die neue demokratische Führung Russlands nicht die Regierung der Republik Moldau unter ihrem damaligen Präsidenten Mircea Ion Snegur – einem der wenigen postsowjetischen Führer, die Jelzin in seinem Kampf gegen die Putschisten unterstützten –, sondern die separatistische, pro-kremlische, antidemokratische und korrupte Macht in dem sogenannten Transnistrien unter Igor Smirnov, einem Agenten der sowjetischen und später der russischen Geheimdienste.

Dass Jelzin im Konflikt in Moldau die Verwaltung Smirnovs und nicht diejenige Snegurs unterstützte, hätte für die Führer aller anderen ehemaligen Sowjetrepubliken ein ernstes Signal sein müssen: Sie hätten erkennen sollen, welche wirkliche Haltung die russische politische Führung gegenüber ihrer Staatlichkeit einnimmt. Leider geschah dies nicht.

So erlebten wir schließlich die Machtübernahme durch Putin, der bereit war, Kampfhandlungen bereits auf das Territorium der Ukraine zu verlagern und – im Gegensatz zu Jelzin – in einem viel größeren Maßstab zu handeln, in der Hoffnung, die Unabhängigkeit aller jener ehemaligen Sowjetrepubliken zu vernichten, die der Kreml erreichen kann.

Und in dieser Situation kann die Anwesenheit des französischen Präsidenten, des deutschen Bundeskanzlers und des polnischen Ministerpräsidenten am Unabhängigkeitstag in der Hauptstadt des Nachbarlandes bedeuten, dass Europa diese Herausforderung Russlands annimmt. Zumindest, wenn es um die europäischen Länder des postsowjetischen Raumes geht, ist Europa bereit, für ihre Integration in die EU und ihre Zugehörigkeit zur zivilisierten Welt zu kämpfen – und nicht zu einer Welt, die von kriminellem Moskauer Einfluss beherrscht wird, der die Völker ihres Existenzrechts und die Länder ihres Rechts auf Souveränität und Unabhängigkeit berauben will.

Aus all dem folgt selbstverständlich, dass der russisch-ukrainische Krieg auf keinen Fall mit einer Kapitulation der Ukraine enden darf, sondern für die Russische Föderation selbst beschämend enden muss. Denn wenn die Bürger Russlands nicht alle schändlichen Folgen des Angriffs ihres Landes auf die Ukraine in den Jahren 2014 und später 2022 erkennen, kann ich Ihnen absolut garantieren, dass die Kriege im postsowjetischen Raum und in Mitteleuropa nicht aufhören, sondern mit neuer Kraft weitergehen und das politische Bild des europäischen Kontinents im 21. Jahrhundert prägen werden.

Darum müssen wir diese These vom gerechten Frieden ohne Kapitulation gegenüber einem der kriminellsten Regime des 21. Jahrhunderts – dem Putin-Regime – aufrechterhalten.

Trump hat Orbans Widerstand gebrochen | Vitaly Portnikov. 27.08.2025

Die Zeitung Politico berichtet, dass Donald Trump Viktor Orbán überzeugen konnte, den weiteren Boykott des Verhandlungsprozesses mit der Ukraine über einen Beitritt zur Europäischen Union aufzugeben. Wie bekannt ist, blockiert derzeit gerade das ungarische Veto den Beginn eines solchen Prozesses.

Die Europäische Union befand sich dadurch in einer sehr schwierigen Lage. Das betrifft nicht nur die Ukraine, sondern auch die Republik Moldau. Wie bekannt ist, gehen beide Länder gemeinsam in den Verhandlungsprozess. Wenn man jetzt keine Beitrittsgespräche mit der Ukraine und Moldau aufnimmt, könnte dies die Chancen der Partei der moldauischen Präsidentin Maia Sandu bei den kommenden Parlamentswahlen in ihrem Land beeinträchtigen. 

Wenn man jedoch die Verhandlungen ohne die Ukraine beginnt und damit Kyiv und Chișinău im Integrationsprozess auseinanderreißt, bedeutet das, anzuerkennen, dass die Ukraine gegenüber der Republik Moldau erheblich zurückliegt und unter die sogenannten wenig aussichtsreichen EU-Beitrittskandidaten fällt. Und das, obwohl in Brüssel noch vor Kurzem sogar über einen sogenannten beschleunigten Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union diskutiert wurde.

Viktor Orbán blockierte den Beginn der Verhandlungen vor allem aus politischen Gründen. Man muss verstehen: Verhandlungen bedeuten noch lange nicht die Mitgliedschaft, sondern sind ein sehr langwieriger Konsultationsprozess darüber, wie die Ukraine und die Europäische Union ihre Gesetzgebung harmonisieren und wie die Interessen der EU und der Ukraine auf den Zeitpunkt abgestimmt werden, an dem die Ukraine Mitglied wird. Für viele europäische Staaten, die der Union in den letzten Jahrzehnten beigetreten sind, nahm dieser Prozess eine lange Zeit in Anspruch – insbesondere, wenn es um nationale wirtschaftliche Interessen und Befürchtungen ging, der EU-Beitritt könne ganze Wirtschaftssektoren gefährden.

So war es zum Beispiel bei Polen, das über lange Zeit die Interessen seiner eigenen Landwirte verteidigte, was den EU-Beitritt erheblich verzögerte – am Ende jedoch tatsächlich ermöglichte, dass die polnische Landwirtschaft wettbewerbsfähig blieb.

Übrigens liegt gerade in dieser Wettbewerbsfähigkeit der polnischen Landwirtschaft – durch die Unterstützung der EU – das Geheimnis, warum polnische Bauern so verärgert reagieren, wenn ukrainische Konkurrenten auf dem europäischen Markt auftreten. Seit Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine konnten sie dort nämlich faktisch wie gleichberechtigte Vertreter eines EU-Landes handeln – obwohl die Ukraine bisher noch gar nicht Mitglied ist.

Daher kann man nicht behaupten, dass der Verzicht Viktor Orbáns auf sein Veto gegen Beitrittsgespräche automatisch die Aufnahme der Ukraine in die Europäische Union bedeutet. Das weiß auch Orbán ganz genau. Der Kern seines Vetos liegt vielmehr in seinen innenpolitischen Interessen. Orbán baut den Wahlkampf seiner Partei – die nach vielen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten, erstmals Gefahr läuft, die Parlamentsmehrheit zu verlieren – auf anti-ukrainischer Rhetorik auf. Er erinnert die Wähler daran, dass er ein „Friedenspremier“ sei, während seine Gegner Ungarn in den Krieg führen könnten.

In diesem Kontext passen auch seine Worte, dass die Aufnahme der Ukraine in die EU einen Krieg europäischer Länder – einschließlich Ungarns – mit der Russischen Föderation bedeuten würde, perfekt ins Wahlkampfnarrativ. Obwohl man in Moskau offiziell, wie wir wissen, die europäische Integration der Ukraine nie als Bedrohung der nationalen Sicherheit Russlands darstellte. An erster Stelle steht für den Kreml die NATO. Man sollte sich erinnern: Auch das Assoziierungsabkommen der Ukraine mit der EU im Jahr 2013 rief in Moskau Verärgerung hervor, jedoch ohne militärische Drohungen. Diese entstanden erst nach dem Sturz des Marionettenregimes von Wiktor Janukowytsch.

Die Europäische Union hat jedoch, wie wir sehen, jetzt nicht die Möglichkeit, darauf zu warten, bis Orbán seine Wahlkampagne beendet. Und wie gesagt betrifft dies nicht nur die Ukraine, sondern auch die Republik Moldau – und den Wunsch, die beiden Länder im Integrationsprozess nicht auseinanderzureißen.

Es bleibt nur die Frage: Was ist für Viktor Orbán im Moment wichtiger – ein Wahlkampf mit anti-ukrainischem Beigeschmack oder eine Verschlechterung seiner Beziehungen zu Donald Trump? Denn der amerikanische Präsident betrachtet die europäische Integration der Ukraine als Teil seiner Bemühungen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden – gewissermaßen als Teil eines Systems von „Sicherheitsgarantien“, bei dem jedoch niemand tatsächlich etwas garantiert. 

Wir verstehen ja sehr gut: Ein EU-Beitritt der Ukraine, wenn er nicht mit einer euro-atlantischen Integration des Landes und verlässlichen militärischen Sicherheitsgarantien – vor allem seitens der Vereinigten Staaten und anderer Nuklearstaaten – verbunden ist, bietet keineswegs die Gewissheit, dass Russlands Krieg gegen die Ukraine nicht erneut ausbricht.

Und hier könnte Orbán übrigens recht haben: Denn es wäre der erste große Krieg Russlands auf dem Gebiet eines EU-Mitgliedsstaates – und die übrigen EU-Mitglieder könnten dann nur hilflos die Hände heben und daran erinnern, dass sie ihrem Partner zwar gern helfen würden, die Ukraine aber nun einmal nicht in der NATO ist. Und die EU hat leider keine vergleichbaren Sicherheitsverpflichtungen.

Es ist also klar: Damit der russisch-ukrainische Krieg wirklich beendet wird und nicht die Gefahr besteht, dass erneut Kämpfe ausbrechen – womöglich sogar auf dem Gebiet der Europäischen Union, falls die Ukraine ihr beitritt – braucht es eine umfassende Lösung und vor allem echten Druck auf Russland, nicht bloß verbale Drohungen, die man im Kreml ohnehin völlig ignoriert.

Aber Worte der Drohung können tatsächlich jemanden beeinflussen – nämlich Viktor Orbán, insbesondere wenn sie vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgesprochen werden. Daher dürfen wir hoffen, dass der ungarische Premierminister tatsächlich in den kommenden Wochen auf sein Veto gegen den Beginn von Beitrittsgesprächen der Ukraine und Moldau mit der Europäischen Union verzichtet. Dann könnte dieser Prozess reale Formen annehmen und beiden Ländern in den kommenden Jahren oder Jahrzehnten eine echte Perspektive auf die Zugehörigkeit zu Europa eröffnen.

Europäer machen Druck auf Xi | Vitaly Portnikov. 24.07.2025.

Der Präsident des Europäischen Rates António Costa und die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen haben beim EU-China-Gipfel in Peking den Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, dazu aufgefordert, auf Russland einzuwirken, damit der Kreml seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine beendet und an den Verhandlungstisch zurückkehrt.

Ursula von der Leyen betonte, dass China Einfluss auf Russland habe, während die Europäische Union auf die Ukraine einwirke – gemeinsam, so ihre Hoffnung, könnten China und die EU den Krieg beenden.

Doch die zentrale Frage bleibt: Ist Xi Jinping überhaupt an einem Kriegsende interessiert? Schon im Vorfeld des Gipfels hatte der chinesische Außenminister Wang Yi, ein enger Vertrauter Xi Jinpings, gegenüber der EU-Kommission erklärt, dass China eine Niederlage Russlands im Krieg gegen die Ukraine nicht zulassen werde. Und in jüngster Zeit lässt sich beobachten, dass Chinas Interesse an russischen militärischen Erfolgen wächst – insbesondere im Kontext des sich verschärfenden Handelskonflikts zwischen den USA und China.

Xi Jinping ist entschlossen, Donald Trump zu zeigen, dass er über zusätzliche Druckmittel gegenüber den Vereinigten Staaten verfügt – eines davon: die Stärkung Russlands. Zwar könnten die USA und die EU gemeinsam durchaus ernsthaften Druck auf China ausüben – das Problem beginnt jedoch genau dann, wenn wirtschaftliche Interessen der USA im Widerspruch zu denen der EU stehen. In einer solchen Konstellation wird Europa faktisch dazu gezwungen, eigene wirtschaftliche Kompromisse mit China zu schließen – und echte politische Hebel gegen China bleiben aus.

Gerade jetzt, da Donald Trump erneut mit Zöllen gegen EU-Staaten droht, stellt sich eine einfache Frage: Wie soll Europa wirtschaftlich bestehen, wenn es gleichzeitig neue Sanktionen gegen China einführt? Und wie tragfähig wären solche Sanktionen, angesichts der wirtschaftlichen Probleme, die aus Trumps protektionistischer Handelspolitik bereits resultieren?

China seinerseits will wohl kein massives Zerwürfnis mit der EU – aber zu Beginn des Gipfels machte Xi Jinping seinen Gästen klar, dass nicht China für die wirtschaftlichen Probleme Europas verantwortlich sei. Eine deutliche Anspielung auf die Politik der USA.

Fakt ist: China hat dem Druck der US-Zölle bisher nicht nur standgehalten, sondern den US-Präsidenten gezwungen, auf neue Strafzölle gegen China zu verzichten.

Ob allerdings ein neuer US-Gesetzentwurf durchgesetzt wird, der Strafzölle auf chinesische Produkte vorsieht, falls China weiterhin russisches Öl kauft – das bleibt unklar. Ebenso offen bleibt, ob Donald Trump wirklich 100-Prozent-Zölle gegen Länder verhängen wird, die russisches Öl importieren – und ob China sich dem beugen würde. Die Vergangenheit spricht dagegen.

All das ist zugleich Ausdruck des komplexen Verhältnisses zwischen der EU und China. In Peking wird derzeit auch über Lieferungen chinesischer Rohstoffe (etwa Seltene Erden), die Rückkehr europäischer Firmen auf den chinesischen Markt und Handelsbedingungen diskutiert. Das sind die vorrangigen Themen, die António Costa, Ursula von der Leyen und Xi Jinping verhandeln.

Die Frage nach den chinesisch-russischen Beziehungen ist dagegen ein klar politisches Thema – eines, das die EU-Spitzen ansprechen müssen, weil China seinem strategischen Partner Russland offen Unterstützung bietet im Krieg gegen die Ukraine.

Doch entscheidend ist nicht die Rhetorik, sondern die Frage: Welche realen Druckmittel stehen dem Westen zur Verfügung, um China zur Aufgabe seiner Unterstützung für Russland zu bewegen? Hat die EU überhaupt solche Instrumente? Und vor allem: Können sie funktionieren, wenn die USA und die EU wirtschaftspolitisch unterschiedliche Wege gehen?

Denn genau diese Differenzen zwischen Washington und Brüssel ermöglichen es Xi Jinping, zwischen beiden Akteuren zu manövrieren – und deren Drohungen weitgehend zu ignorieren. Und warum sollte er es nicht tun?

Natürlich ist es wichtig, dass die EU-Führung Chinas Verantwortung im Ukraine-Krieg betont. Es ist notwendig, darauf hinzuweisen, dass China erheblichen Einfluss auf Russland ausüben könnte – auch wenn fraglich ist, wie groß Xis tatsächlicher Einfluss auf Wladimir Putin ist. Ebenso relevant ist die Botschaft, dass Chinas wirtschaftliche Beziehungen zur EU vom chinesischen Interesse an Frieden und am Völkerrecht abhängen.

Dass solche Aussagen öffentlich in Peking gemacht werden, zwingt die chinesische Führung immerhin dazu, über die langfristigen Konsequenzen ihrer pro-russischen Haltung nachzudenken – und darüber, was es wirklich bedeutet, wenn sie erklärt, eine russische Niederlage in diesem Krieg nicht zuzulassen.

Aber die entscheidende Frage bleibt: Welche wirksamen Hebel haben die USA oder die EU überhaupt? Vor Jahren glaubte man noch, westliche Sanktionen würden Russland zur Rückkehr zum Völkerrecht bewegen. Eine Illusion – ebenso wie die Hoffnung, die „Sanktionen aus der Hölle“, die der Westen 2022 verhängte, würden Wladimir Putin zum Rückzug aus der Ukraine zwingen.

Heute ist klar: Der Westen hat kaum noch wirksame Mittel, autoritäre Regime im Globalen Süden oder deren Unterstützer unter Druck zu setzen – erst recht nicht, wenn unter den westlichen Ländern keine wertebasierte Geschlossenheit besteht.

Und genau diese Zerrissenheit ist es, die autoritären Staaten die Macht gibt, Kriege als legitimes Mittel zur Durchsetzung ihrer Interessen zu nutzen – unbehelligt vom Westen.

Notwendigkeit der Beziehungen zum Taiwan. Vitaly Portnikov. 21.07.2025.

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An diesem Donnerstag werden die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen und der Präsident des Europäischen Rates António Costa zum Gipfeltreffen EU-China nach China reisen.

Für die Spitzenpolitiker der Europäischen Union ist dies zweifellos ein wichtiges Ereignis – vor allem wegen der Aussicht auf eine weitere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit China vor dem Hintergrund der Einführung von US-Zöllen sowie wegen der Verschärfung der politischen Probleme im Zusammenhang mit der offensichtlichen Unterstützung Moskaus durch Peking bei dessen Aggression gegen die Ukraine.

Gleichzeitig wird eine repräsentative Delegation von Abgeordneten des Europäischen Parlaments in Taiwan eintreffen. Die Delegationsmitglieder vertreten die Vereinigung „Europäischer Schild der Demokratie“. Sie planen Treffen mit der taiwanesischen Führung und Vertretern der Zivilgesellschaft, um gemeinsame Maßnahmen gegen hybride Bedrohungen, die Fähigkeit zur Bekämpfung von Desinformation durch autoritäre Regime und die Gefahr eines neuen Krieges – diesmal in der Taiwanstraße – zu erörtern. Die abschließende Pressekonferenz wird die Delegation in Taiwan abhalten – am Mittwoch, einen Tag vor der Ankunft der EU-Spitzen in Peking.

Wie wir sehen, hat man in Brüssel keine Angst davor. Auch in den europäischen Hauptstädten hat man keine Angst vor Kontakten mit Taipeh. Nur wir haben Angst. Dabei ist es China, das demonstrativ mit seiner strategischen Partnerschaft mit Russland prahlt und keinen Hehl aus seiner Absicht macht, eine Niederlage Putins im Krieg gegen die Ukraine zu verhindern.

Seit den ersten Tagen des großen Krieges betone ich: Wenn wir überhaupt einen Dialog mit Peking wollen, müssen wir Trümpfe in der Hand haben. Einer davon muss der Dialog mit Taiwan sein. Es sind sowohl parlamentarische Besuche als auch die Eröffnung eines Büros der Taipeh-Kommission erforderlich – solche gibt es bereits seit langem in Warschau, Berlin und sogar in Moskau. Wir müssen gemeinsame Herausforderungen diskutieren und den Austausch von Militärtechnologien aufbauen. Nur so kann Peking dazu gebracht werden, über den Preis der Unterstützung Moskaus im Krieg gegen uns nachzudenken. Denn sowohl in China als auch in Russland werden die Schwachen niedergeschlagen.

Ich muss jedoch feststellen: Ich werde immer noch nicht gehört. In all den Jahren gab es nur wenige einzelne Besuche von Abgeordneten. Und keinen einzigen Versuch, auch nur eine elementare institutionelle Grundlage für einen systematischen Dialog mit Taiwan zu schaffen.

Ich versuche immer noch zu verstehen: Haben wir es mit politischer Kurzsichtigkeit und Inkompetenz zu tun oder doch mit dem Einfluss von Geschäftsinteressen bestimmter Gruppen, die bereit sind, die nationalen Interessen der Ukraine zu opfern, um in China Geld zu verdienen? Aber das haben wir doch schon mit Russland erlebt – und wir wissen sehr gut, wie das ausgegangen ist.

Ukraine und EU Mitgliedschaft, im Schatten der polnischen Politik. 31.05.2025.

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Als der Ukraine im Juni 2022 der Kandidatenstatus für EU zuerkannt wurde, warnte ich davor, dass die Verhandlungen mit den Nachbarländern über Fragen, die nicht direkt mit der Mitgliedschaft selbst zusammenhängen, viel komplizierter sein würden als die klassischen Verhandlungen.

Wie üblich glaubte man mir nicht und versicherte mir, dass die EU genügend Einfluss auf Länder wie Ungarn oder die Slowakei habe, die wirtschaftlich von der Hilfe Brüssels abhängig seien. Ich glaubte und glaube immer noch, dass das Haupthindernis die historische Position Polens sein würde, an der kaum jemand etwas ändern könnte. Ich halte die jüngsten Äußerungen des Präsidenten dieses Landes, Andrzej Duda, nicht für ein Element des Wahlkampfes, sondern für einen Brief aus der Zukunft.

Dabei geht es nicht einmal um die Frage, welche Version der Geschichte mehr der Realität entspricht. Das Problem ist ein anderes: Die Europäer selbst haben einen Präzedenzfall geschaffen, dass historische und nationale Fragen den Prozess der Integration in die NATO und die EU blockieren können. Die Integration Nordmazedoniens ist genau der Fall, der die Ukraine vor unüberwindbare Schwierigkeiten stellen kann. Übrigens habe ich 1991 in einem Artikel über die Unabhängigkeit Mazedoniens dieses Land als die „Ukraine des Balkans“ bezeichnet. Und zwar nicht, weil ich die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit der Integration vorhersah, sondern weil ich verstand, dass die komplexen Identitätsbeziehungen Mazedoniens mit seinen Nachbarn nur mit den Problemen der Ukraine verglichen werden können.

Der Westen war sich einst einig, dass Griechenlands Position zum verfassungsmäßigen Namen Mazedoniens ein Hindernis für den Beitritt des Landes zur NATO und zur EU sein könnte. Um es zynisch auszudrücken: Mazedonien hatte einfach Glück, dass in Griechenland eine große Wirtschaftskrise herrschte, die den Einfluss der traditionellen politischen Parteien vorübergehend schwächte und die Bildung einer Regierung aus Linksradikalen ermöglichte, die nicht so sehr auf die Geschichte fixiert waren und entgegen dem Mainstream handeln konnten.

Keine klassische politische Partei in Griechenland, ob rechts oder links, wäre jemals damit einverstanden gewesen, dass Mazedonien das Wort „Mazedonien“ in seinem Namen behält. Und keine politische Kraft in Mazedonien würde jemals freiwillig auf dieses Wort verzichten. Aber Skopje hat einfach die Gunst der Stunde genutzt, auch wenn die rechtsgerichteten mazedonischen Nationaldemokraten, die derzeit an der Macht sind, diesen Kompromiss noch immer nicht anerkennen. Auf die eine oder andere Weise wurde Nordmazedonien NATO-Mitglied.

Die Probleme endeten damit jedoch nicht: Bulgarien kam ins Spiel, und seine Forderungen an Nordmazedonien gingen viel tiefer als die griechischen, denn sie betrafen nicht den Namen, sondern die Geschichte, die Identität und Fragen der bulgarischen Präsenz – und erforderten Verfassungsänderungen weitreichenderer Art.

Anstatt den Bulgaren zu raten, diese Fragen nach dem Beitritt Nordmazedoniens innerhalb der EU zu lösen, begannen die Europäer, den Mazedoniern zu raten, ihre eigene Gesetzgebung zu ändern, um den Weg für die Aufnahme von Verhandlungen zu ebnen. Es ist wichtig, dies zu bedenken: Bulgarien hat in der Europäischen Union nicht einmal so viel Einfluss wie Ungarn.

Deshalb habe ich wenig Zweifel daran, dass sich der Prozess der europäischen Integration der Ukraine um viele Jahre verzögern könnte. Wenn die Rechtsextremen, die sich selbstbewusst auf dieses Ziel zubewegen, in Polen an die Macht kommen, werden sie den Prozess aus historischen Gründen blockieren. Wenn die Liberalen an der Macht sind, werden sie den Prozess aus wirtschaftlichen Gründen blockieren, auch wenn sie dies mit historischen Fragen begründen werden. Es wird noch möglich sein, eine Verständigung mit den Liberalen zu versuchen, wenn wir uns auf wirtschaftliche Kompromisse einigen können. Aber es wird unmöglich sein, mit der extremen Rechten eine prinzipielle Einigung zu erzielen.

Und wir werden auf unser „Fenster der Gelegenheit“ warten müssen – einen Regierungswechsel in Ungarn oder eine große Wirtschaftskrise in Polen, die die politische Landschaft des Landes radikal verändern wird.

Das Einzige, was unsere Nachbarn wirklich beeinflussen kann, ist nicht die Logik des gesunden Menschenverstandes, sondern die Angst, dass die Ukraine, die hinter den Türen Europas zurückbleibt, früher oder später Teil Russlands wird, das durch die europäische Kurzsichtigkeit nicht schwächer, sondern nur stärker wird.

Leider habe ich immer weniger Hoffnung, dass sich diese Einsicht durchsetzen wird.

Rumänische Mobilisierung für Europa. Vitaly Portnikov. 26.05.2025.

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Die Niederlage des rechtsextremen Politikers Gheorghe Simion bei den rumänischen Präsidentschaftswahlen, der nach der ersten Runde zuversichtlich auf den Sieg zusteuerte und einen fast doppelt so großen Vorsprung wie sein Rivale, der Bukarester Bürgermeister Nicușor Dan, hatte, wird von vielen in Rumänien und im Ausland als ein wahres politisches Wunder empfunden. Aber bei diesem Wunder geht es nicht nur um die rumänische Demokratie im eigenen Land. Es ist eine Mobilisierung für Europa.

Denn es geht nicht nur um eine Wahl zwischen zwei Politikern. Es geht um die Wahl zwischen der Europäischen Union als Werteprojekt und ihrer Negation. Dan steht für die weitere europäische Integration Rumäniens, für Modernisierung und Zusammenarbeit mit der EU. Simion steht für die Wiederherstellung eines „Großrumäniens“, für die Enttäuschung über das europäische Projekt, für revanchistischen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit. Dies ist kein Votum für Reformen, sondern für Ressentiments.

Der demokratische Kandidat hat diese Wahl dank der Gesellschaft – und trotz der politischen Eliten – gewonnen. Dieselben Eliten, die weder aus der abgesagten Vorrunde noch aus dem Erscheinen von Kelin Georgescu gelernt haben, einem weiteren von Moskau und Washington unterstützten Populisten, der sich in einem einzigen Wahlkampf hätte rächen können.

Als Georgescu unerwartet in die zweite Runde einzog, wurde sein Erfolg der Einmischung von außen und populistischen Slogans zugeschrieben. Doch der Grund lag viel tiefer: Müdigkeit gegenüber den traditionellen Parteien, Desillusionierung gegenüber den politischen Klassen, die das Land jahrzehntelang regiert hatten, ohne eine Vision für die Zukunft zu bieten.

Premierminister Marcel Ciolacu, der ebenfalls als Favorit galt, schaffte es nicht in die zweite Runde. Seine Niederlage war ein Schock für die Sozialdemokratische Partei. Die Reaktion darauf war, eine vielversprechende Kandidatin, Jelena Laskoni, nicht zu unterstützen, sondern ihre Teilnahme zu blockieren. Gleichzeitig ignorierte sie ihre eigene Verantwortung für den Aufstieg von Georgescu.

Auch nach Simions Einzug in die zweite Runde gelang es den demokratischen Kräften nicht, sich zu einigen. Der Kandidat der Regierungskoalition, Crin Antonescu, rief die Wähler auf, nach eigenem Gutdünken zu wählen, und Ciolacu trat zurück und zog seine Partei aus der Koalition zurück, was das Land in eine tiefe politische Krise stürzte.

Nur die Zivilgesellschaft – zersplittert, müde und verzweifelt – war in der Lage, sich zu organisieren. Die Bürger wollten das Land nicht einem Mann anvertrauen, der die europäischen Werte ablehnt, von ethnischer Homogenität träumt und die Ukraine offen angreift.

Schließlich ist Dan nicht nur ein europäischer Integrator. Er ist ein Politiker, der sich wiederholt für die Ukraine ausgesprochen hat, sogar als Bürgermeister von Bukarest. Simion hingegen ist ein Gegner der ukrainischen Staatlichkeit, der Solidarität und der Idee der guten Nachbarschaft. Diese Wahl spiegelt nicht nur die innere Krise Rumäniens wider, sondern auch ihre geopolitischen Folgen.

Ein echtes Zeichen der Hoffnung war die Wahl der ethnischen Ungarn, die den Kandidaten Orban nicht unterstützt haben, und der ukrainischen Minderheit in Rumänien. Beide Gemeinschaften, die seit Jahrzehnten für Populismus, prorussische Rhetorik und Desinformation anfällig sind, haben sich diesmal auf Europa gestellt.

Darüber hinaus hat die rumänische Minderheit in der Ukraine, die seit Jahren unter dem Einfluss kremlnaher Kräfte steht – insbesondere in der Region Czernowitz -, mit einer noch nie dagewesenen Wahlbeteiligung ihr Engagement für die Werte der Freiheit und der europäischen Integration unter Beweis gestellt. Dies ist mehr als nur eine Stimme. Es ist ein Signal.

Ein Signal für die Ukraine: Unsere nationalen Minderheiten, die jahrelang in getrennten Informationsräumen untergebracht waren, finden in ihrer Entscheidung für Europa zu einer Einheit. Zum ersten Mal seit Jahrzehnten hat sich diese Entscheidung, trotz aller Komplikationen und Traumata, als wertebasiert erwiesen.

In diesem Sinne hat Rumänien die Pläne des Kremls durchkreuzt. Moskau wollte die Ukraine mit einem Gürtel aus antieuropäischen Regimen umgeben – Orban, Fico und die potenziellen Verbündeten dieser Führer in Polen. Aber Rumänien hat sich als fähig erwiesen, eine andere Wahl zu treffen und trotz der wachsenden Popularität rechtsextremer Populisten deren Aufstieg zu stoppen. 

Vielleicht ist es also Rumänien – natürlich nur, wenn es nach den Präsidentschaftswahlen gelingt, die politische Krise zu überwinden und sie nicht durch weitere Uneinigkeit zwischen den führenden demokratischen politischen Kräften zu vertiefen -, das zu einem Beispiel für den öffentlichen Widerstand gegen den neuen, nun mitteleuropäischen „Marosch auf Rom“ werden wird.

Trump beginnt einen Krieg | Vitaly Portnikov. 02.04.2025.

Es bleiben buchstäblich nur noch wenige Stunden bis zur sensationellen Rede von Präsident Donald Trump der Vereinigten Staaten, die er selbst als Tag der Befreiung für Amerika bezeichnet. Donald Trump soll die höchsten Zölle seit 1800 für diejenigen ankündigen, die Produkte und Waren in die Vereinigten Staaten liefern. Und, wie Ökonomen glauben, wird der Schock durch die Einführung dieser Zölle unvermeidlich und enorm sein.

Bis jetzt sind nicht einmal die Einzelheiten darüber bekannt, über welche Zölle Donald Trump genau zu sprechen gedenkt, wie hoch die Prozentsätze dieser Zölle sein werden und auf welche Länder genau die Maßnahmen des Präsidenten der Vereinigten Staaten abzielen werden. Viele glauben jedoch, dass die Hauptziele des amerikanischen Präsidenten die Länder der Europäischen Union, Mexiko, Kanada, Japan, Südkorea, Vietnam und Indien sein werden.

Und für die Volkswirtschaften dieser Länder wird dies tatsächlich eine ziemlich ernste Herausforderung sein. Die Zölle könnten schon jetzt, buchstäblich wenige Stunden nachdem Donald Trump gesprochen hat, einen sehr starken Einfluss auf den gesamten Welthandel haben. Dabei könnte eine Reihe von Ländern mit einem Rückgang der Exporte in die Vereinigten Staaten von einigen Prozent bis hin zu neunzig bis fünfundneunzig Prozent konfrontiert sein. Und das könnte potenziell zu einer enormen Stagflation, einer Rezession in der Wirtschaft und einer beispiellosen Unsicherheit an den Märkten führen.

Die Risiken, die wir nach dieser Rede von Donald Trump beobachten werden, sind also tatsächlich enorm, und es ist bis jetzt unklar, wie sich diese Entscheidung des amerikanischen Präsidenten auf die Wirtschaft der Vereinigten Staaten selbst auswirken wird, denn es ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten auch Teil der globalen Wirtschaft sind und niemand das Ausmaß der Auswirkungen einer Verlangsamung des Wachstums dieser globalen Wirtschaft auf Amerika vorhersehen kann.

Ökonomen gehen davon aus, dass die größten Probleme vor allem Kanada und die Länder Südostasiens betreffen werden, während China, die Länder der Europäischen Union und Indien trotz aller Verluste, die sie nach der heutigen Rede von Donald Trump erleiden werden, die Probleme bewältigen können, die mit dieser Entscheidung des amerikanischen Präsidenten verbunden sind.

Aber dennoch kennen wir die politischen Folgen der Rede Trumps nicht. Das heißt, inwieweit die Länder, die im Mittelpunkt des Interesses des amerikanischen Präsidenten stehen, bereit sein werden, sich einfach mit seinen Zollentscheidungen abzufinden und nicht versuchen werden, den Schaden, der ihrer Wirtschaft zugefügt wird, durch politische Entscheidungen und nicht nur durch Zollmaßnahmen zu kompensieren.

In diesem Sinne muss man natürlich weniger über die Länder der Europäischen Union und Kanada sprechen und viel mehr über die Volksrepublik China. Es ist klar, dass für die Führung Chinas alle wirtschaftlichen Probleme eine ernste Herausforderung für die Stabilität des Regimes der Kommunistischen Partei darstellen.

In diesem Zusammenhang müssen wir noch verstehen, wie der chinesische Staatspräsident Xi Jinping vorgehen wird, wenn Donald Trump neue Zölle ankündigt. Die chinesische Führung hatte bereits zuvor erklärt, dass sie bereit sei, die Herausforderung des amerikanischen Präsidenten anzunehmen, und es ist unwahrscheinlich, dass Peking sofort Verhandlungen mit Trump führen wird, um eine Zollmilderung zu erreichen.

Aber was dann? Wie bekannt ist, ist das wichtigste Mittel jedes autoritären Regimes, das es ermöglicht, die Bevölkerung von wirtschaftlichen Problemen abzulenken, ein kleiner siegreicher Krieg.

Die Tatsache, dass die Rede von Donald Trump praktisch am letzten Tag umfangreicher Übungen stattfinden wird, bei denen China eine Blockade Taiwans simuliert, könnte uns im Prinzip die Antwort auf die Frage liefern, welche Maßnahmen die Führung der Volksrepublik China als Reaktion auf den Zollkrieg Trumps ergreifen wird.

Und das könnten nicht wirtschaftliche, sondern militärisch-politische Maßnahmen sein, die mit dem Versuch verbunden sind, die Kontrolle über die rebellische Insel zu erlangen. Und dann könnte jeder Fehler sowohl Pekings als auch Washingtons zu einem echten Krieg führen, nicht mehr zu einem Handelskrieg, sondern zu einem heißen Dritten Weltkrieg unter Beteiligung der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten sowie der Volksrepublik China und der Länder, die sich in einer strategischen Partnerschaft mit der VR China befinden, vor allem natürlich der Russischen Föderation.

Derzeit sind solche Perspektiven natürlich ziemlich vage, obwohl man nie vergessen sollte, dass große Handelskriege oft in echte Kriege ausarten. Aber die heutige Rede Trumps könnte nicht nur das Vorspiel zu einem solchen blutigen Krieg sein, sondern auch zu einer Korrektur der Absichten des amerikanischen Präsidenten.

Wir haben schon mehrmals gesehen, wie Donald Trump nach seinen Zollentscheidungen die sofortige Umsetzung der harten Maßnahmen, die ihm vorgeschlagen wurden, abgelehnt hat, als er sah, wie gefährlich die Ergebnisse dieser Maßnahmen für die amerikanische Wirtschaft selbst werden. Es ist nicht ausgeschlossen, dass sich die Dinge auch diesmal nach einem ähnlichen Szenario entwickeln werden. 

Trump wird eine sensationelle Erklärung abgeben, über die nicht nur ein paar Stunden, sondern vielleicht ein paar Wochen oder sogar Monate gesprochen werden wird. Und diese Rede könnte eines der wichtigsten Ereignisse seiner derzeitigen Präsidentschaft werden. Aber im Laufe der Entwicklung der Situation an den amerikanischen Märkten werden die Vereinigten Staaten mit jedem einzelnen Land, gegen das Trump Zölle verhängt hat, Verhandlungen aufnehmen, um die Folgen der Zollpolitik sowohl für dieses Land als auch für die Vereinigten Staaten selbst abzumildern oder die Einführung von Zöllen auf die Dauer der Verhandlungen zu verschieben.

Mit einem Wort, es gibt viele Möglichkeiten, die sich eröffnen, nachdem Donald Trump seine Ansprache zum Tag der Befreiung Amerikas gehalten hat. Denn für den amerikanischen Präsidenten ist es das Wichtigste, seinen Zuhörern ins Bewusstsein zu rufen, dass dieser Tag bereits stattgefunden hat und Amerika befreit ist. Wie die tatsächlichen Zölle in der amerikanischen Wirtschaft einige Monate nach Trumps Rede aussehen werden, ist eine ganz andere Frage, die nicht dem amerikanischen Präsidenten und den Zuhörern seiner Rede, sondern den Experten gestellt werden muss, die die tatsächlichen Folgen der Entscheidung des Präsidenten der Vereinigten Staaten in den unmittelbar folgenden Tagen nach ihrer Umsetzung erörtern werden, und wir werden dann realistischer und konkreter über die Folgen dieser Entscheidung für die Wirtschaft der Vereinigten Staaten und die Wirtschaft der Länder sprechen können, auf die sie in erster Linie abzielt.

Die Liste dieser Länder ist zwar verständlich, kann aber in den nächsten Stunden und Monaten ergänzt, erweitert oder auch reduziert werden.

Orbans anti-ukrainisches Ultimatum | Vitaly Portnikov. 15.03.2025.

Viktor Orbán hat zwölf Bedingungen für die Europäische Union aufgestellt, die den Ansatz seiner Regierung in der Außenpolitik des Landes und die Entwicklung der vereinten Europa widerspiegeln.

Zu diesen Punkten gehören Forderungen Europas nach Gleichheit vor dem Gesetz für alle Mitgliedstaaten, Rückgabe der den Mitgliedstaaten der Europäischen Union entzogenen Befugnisse, nationaler Souveränität und starkem Vetorecht für nationale Regierungen. All dies sind Forderungen, die mit der bereits bekannten Position rechtsextremer Kräfte auf dem europäischen Kontinent verbunden sind,

die die sogenannte Brüsseler Bürokratie kritisieren und für von rechtsextremen Politikern geführte Regierungen die tatsächliche Möglichkeit fordern, die Normen des europäischen Rechts und die gemeinsamen Werte zu umgehen, um die eigenen Befugnisse zu stärken.

Orbán fordert im besten verschwörungstheoretischen Sinne den Ausschluss der sogenannten Soros-Agenten aus der Europäischen Kommission und korrupter Lobbyisten aus dem Europäischen Parlament. Das ist auch eine rhetorische Figur. Wer ein Soros-Agent ist und wer nicht, sollte nach seinem Verständnis Viktor Orbán selbst bestimmen, der zu Beginn seiner politischen Karriere aktiv an der Arbeit der ungarischen Niederlassung der Soros-Stiftung beteiligt war. Und was korrupte Lobbyisten betrifft, so verstehen wir, dass auch nicht Orbán entscheiden sollte, wen er aus dem Europäischen Parlament ausschließen sollte, wenn es um Menschen geht, die Mandate von den Bürgern der Mitgliedstaaten der Europäischen Union erhalten haben. 

Die Zukunft unserer Enkelkinder sollte nicht verschuldet werden. Ein weiterer populistischer Slogan, der damit zusammenhängt, dass die Europäische Union keine Kredite für ihre weitere wirtschaftliche Entwicklung aufnehmen sollte, selbst wenn Ungarn durch einen solchen Mechanismus Gelder für seine eigene Entwicklung erhält.

Orbán fordert, die ungarische Nationalgarde nicht daran zu hindern, die ungarischen Grenzen zu schützen, keine Migranten aufzunehmen und illegale Bewohner aus Ungarn auszuweisen. Im Wesentlichen ist dies eine weitere Forderung, die versucht, die Normen des Schengener Abkommens zu umgehen und für Ungarn Sonderbedingungen in der Europäischen Union zu schaffen. Während das Land selbst offene Grenzen genießen kann, soll es seine Grenzen für alle anderen schließen können.

Korrupte Dollars und Euros dürfen nicht in die Länder der Europäischen Union gelangen. Dies ist eine durchaus logische Forderung zur Bekämpfung der Korruption, die sich jedoch an dem hohen Korruptionsniveau der ungarischen Führung selbst festmacht, die für ihre informellen Beziehungen zur Führung der Russischen Föderation und ihre besondere Abhängigkeit von Energieträgern aus Moskau bekannt ist. Und das kann man auch zumindest als politische Korruption bezeichnen.

Die unnatürliche Umerziehung unserer Kinder verbieten . Ein weiterer rechtsextremer Slogan, der sich in diesem Fall an die Sympathie der in den Vereinigten Staaten von Amerika an die Macht gekommenen Politiker, vor allem Donald Trump, richtet. 

Der Schutz des christlichen Erbes Europas – eine weitere Idee, die sich gegen liberale Parolen und die Verteidigung der sogenannten Werte richten soll, die mit dem Erbe der Vergangenheit verbunden sind, einem Erbe, das für den europäischen Kontinent durchaus natürlich ist, aber häufig nicht nur von Politikern wie Viktor Orbán, sondern auch von Politikern wie Wladimir Putin für Spekulationen genutzt wird. „Wir fordern Frieden in Europa“, sagt Orbán, der sich ständig gegen die Unterstützung der Ukraine ausspricht und der Meinung ist, dass Frieden durch die Kapitulation europäischer Länder vor der russischen Aggression erreicht werden muss. 

Und zum Abschluss all dieser Punkte, besagt der dreizehnte Punkt. Die Notwendigkeit des Bestehens der Europäischen Union ohne die Ukraine, obwohl Ungarn bekanntlich eines der Länder war, die der Ukraine den Status eines Beitrittskandidaten zur Europäischen Union und den Beginn von Verhandlungen mit diesem Land über seinen Beitritt zur Europäischen Union genehmigt haben.

Eine solche Änderung der Position des ungarischen Premierministers könnte damit zusammenhängen, dass er mit einer Stärkung der Positionen der Russischen Föderation aufgrund des Wahlsiegs von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten rechnet und dass die Aufgabe der Ukraine nicht nur von der NATO, sondern auch von der europäischen Integration eine wichtige Voraussetzung für die Beendigung der militärischen Auseinandersetzungen an der russisch-ukrainischen Front sein könnte. Zumindest wenn Orbán den Slogan eines Bundes ohne die Ukraine teilt, rechnet er offensichtlich damit, dass sein Vorschlag sowohl im Weißen Haus als auch im Kreml unterstützt wird.

Und um ehrlich zu sein, genau für diesen dreizehnten Punkt wurden die Forderungen von Viktor Orbán an die Europäische Union gestellt, denn alle anderen Punkte sind bekannt und wurden vom ungarischen Premierminister wiederholt sowohl bei Treffen der Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten der Europäischen Union als auch bei seinen zahlreichen Kundgebungen und Pressekonferenzen bekannt gegeben. Es gibt keine besondere Sensation. 

Aber die Idee, dass das ungarische Volk einen Bund ohne die Beteiligung der Ukraine fordert, beruht weitgehend auf der Hoffnung Orbáns auf eine neue Machtverteilung in Europa, in deren Folge die Russische Föderation ein Vetorecht nicht nur gegen die Erweiterung der NATO, sondern auch gegen die Erweiterung der Europäischen Union haben wird. Und Orbán selbst sieht sich bereits als Einflussagent sowohl von Donald Trump als auch von Wladimir Putin gleichzeitig. 

Aber offensichtlich, dass Orbán die Tendenzen, die sich derzeit in Europa abspielen, und das Verständnis vieler europäischer Staats- und Regierungschefs für die Tatsache, dass das Sicherheitsmodell auf dem europäischen Kontinent wahrscheinlich ohne die Beteiligung der Vereinigten Staaten geschaffen werden muss, deutlich unterschätzt.

Auf diese Weise könnte Washington kein blockierendes Paket für die Europäische Union haben. Und dieses Sicherheitsmodell sollte gegen mögliche russische Aggressionen gegen die Länder der Europäischen Union und der NATO gerichtet sein, worüber viele europäische Politiker bereits mehrfach gesprochen haben.  Zumindest deshalb wird auch Wladimir Putin kein blockierendes Paket für Entscheidungen europäischer Staats- und Regierungschefs haben. 

Und Viktor Orbán wird sich mit all seinen zwölf Bedingungen und vor allem mit der letzten dreizehnten Bedingung, einem europäischen Bund ohne die Ukraine, früher oder später entscheiden müssen. Entweder er stimmt dem zu, dass das Sicherheitsmodell eines großen Europas die Beteiligung der Ukraine an einem solchen Modell erfordert, ebenso wie die Beteiligung von Ländern wie der Türkei, oder er stimmt dem zu, dass Ungarn außerhalb eines solchen Modells landen könnte, was bedeutet, außerhalb der Europäischen Union, möglicherweise in der NATO, aber es stellt sich die Frage, wie wichtig der nordatlantische Bund ohne die Beteiligung der Vereinigten Staaten überhaupt für die Sicherheit des europäischen Kontinents sein wird. 

Und Viktor Orbán selbst muss sich auch selbst die Antwort auf eine recht einfache Frage geben: Wohin soll sich Ungarn dann unter seiner Führung wenden? Soll es sich etwa der Eurasischen Wirtschaftsunion oder der OVKS anschließen? Ein Schritt, der Wladimir Putin vielleicht gefallen wird, aber kaum große Begeisterung bei einem anderen alten Freund von Viktor Orbán, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hervorrufen wird

Putins neue Forderungen | VitalyPortnikov. 24.01.25.

Der stellvertretende Leiter des russischen Außenministeriums, Alexander Gruschko, fordert von der NATO die Aufhebung der Erklärung des Bukarest-Gipfels von 2008, in der der unveränderliche Kurs auf die euroatlantische Integration der Ukraine und Georgiens hervorgehoben wurde. Der mögliche NATO-Beitritt der Ukraine, so der stellvertretende russische Außenminister, mache ein Ende des Krieges in der Ukraine und im weiteren Sinne die Schaffung einer realen Sicherheitsarchitektur unmöglich.

„Wir werden nicht nur eiserne völkerrechtliche Garantien verlangen , die eine Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO in jeder Form unmöglich machen würden, sondern auch darauf bestehen, dass dies zur Politik der NATO selbst wird.“

Ich habe bereits mehrfach gesagt, dass die russische Führung keine wirklichen Bedingungen stellt, die mit dem Ende des Krieges in der Ukraine verbunden wären, dass all diese Bedingungen keine Ursache, sondern ein Vorwand für die Fortsetzung des Krieges sind. Auch jetzt, da erste Anzeichen dafür erscheinen, dass der neue Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, zu Gesprächen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereit ist, verschärfte Moskau die Bedingungen, um sie unerfüllbar zu machen.

Der Präsident der Vereinigten Staaten könnte sich tatsächlich mit dem Präsidenten Russlands darauf einigen, den NATO-Beitritt der Ukraine zu verschieben, wenn er der Ansicht ist, dass diese Frage für die russische politische Führung sensibel ist. Er könnte die Idee der ukrainischen euroatlantischen Integration ganz aufgeben. Dies könnte ebenfalls Teil des Verhandlungsprozesses sein. Aber Russland sichert sich genau für den Fall ab, dass Donald Trump solchen Forderungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin zustimmt. 

Stellen wir uns ein solches Treffen des amerikanischen und des russischen Präsidenten vor, bei dem Donald Trump Wladimir Putin sagt, dass die Vereinigten Staaten die Besorgnis Russlands über den NATO-Beitritt der Ukraine verstehen und bereit sind zu versprechen, dass die Ukraine in den nächsten Jahren oder grundsätzlich ihren neutralen Status beibehält. Und Wladimir Putin stellt sofort eine Gegenforderung. Er schlägt dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vor, die Erklärung des Bukarest-Gipfels von 2008 aufzuheben. Und wie bekannt ist, werden alle Entscheidungen in der NATO einstimmig getroffen.

Die Bukarest-Erklärung war das Ergebnis eines recht schwierigen Konsenses zwischen den Mitgliedsstaaten des Nordatlantik Bündnisses. Einige Länder sagten, sie wollten die Ukraine in der NATO sehen und forderten einen Beitrittsplan, andere zweifelten an einem solchen Vorschlag und wollten ein „Nein“ sagen, das wie ein „Ja“ klang. Daher entstand die Bukarest-Erklärung von 2008. Aber diese Erklärung kann nur durch Konsens aufgehoben werden. Das heißt, wenn alle NATO-Mitgliedsstaaten einem solchen Beschluss zustimmen.

Und nach dem Anfang des russisch-ukrainischen Krieges wird es, wie wir verstehen, nicht so einfach sein, von jedem Staat, der dem Nordatlantikbündnis angehört, die Zustimmung zu einem endgültigen Verzicht auf die euroatlantische Integration der Ukraine und übrigens auch Georgiens zu erhalten.

Es ist klar, dass die Nachbarn der Ukraine eine unversöhnliche Haltung einnehmen und behaupten könnten, dass eine solche Entscheidung nicht nur ein Zugeständnis an die Russische Föderation, sondern ein gefährliches Zugeständnis für ihre eigene Sicherheit sei. Wenn heute die Entscheidung des NATO-Gipfels von Bukarest über die Ukraine aufgehoben wird, könnte Wladimir Putin morgen fordern, und ich möchte hinzufügen, zweifeln Sie nicht daran, er wird es fordern, den Ausschluss Lettlands, Litauens, Estlands und dann Polens, Tschechiens, der Slowakei und Ungarns aus dem Nordatlantikbündnis.

Wir verstehen ja, wie weit die Gelüste der russischen politischen Führung reichen. Und daher würde ich nicht sagen, dass der NATO-Gipfel die Erklärung des Bukarest-Gipfels tatsächlich aufheben könnte. Ich glaube, dass selbst der Präsident der Vereinigten Staaten dazu nicht in der Lage wäre.

Was bedeutet das also? Dass Putin eine Niederlage erleiden wird? Keineswegs. Er strebt nicht danach, dass die NATO-Mitgliedsstaaten die Bukarest-Erklärung ablehnen. Er strebt danach, seine nachfolgenden aggressiven Aktionen an der russisch-ukrainischen Front zu rechtfertigen. „Wir haben uns mit Präsident Trump geeinigt, aber die Vereinigten Staaten konnten die Aufhebung der Bukarest-Erklärung nicht erreichen.

Eine Reihe von NATO-Mitgliedsstaaten verhalten sich weiterhin aggressiv, was ernsthafte Zweifel an der Möglichkeit aufwirft, eine stabile europäische Sicherheitsarchitektur zu schaffen“.

Und dann kommen wir wieder auf dieselbe Idee zurück, die dem Kreml seit 2014 im Kopf herumspukt. Um zu erreichen, dass die Ukraine kein NATO-Mitglied wird, muss der ukrainische Staat selbst liquidiert werden. Keine Ukraine – keine Probleme. 

Übrigens möchte ich noch etwas Wichtiges sagen. Stellen wir uns rein hypothetisch vor, dass der NATO-Gipfel Russland nachgibt, die Entscheidung des Bukarest-Treffens aufhebt und Russland so keine Möglichkeit gibt, sich auf die Erklärung von 2008 zu berufen. 

Glaubt ihr, der Krieg würde beendet werden? Keineswegs. Im Kreml würde man buchstäblich nach 24 Stunden daran erinnern, dass es in der Europäischen Union auch ein gemeinsames System zur Gewährleistung der gegenseitigen Sicherheit gibt, dass sich dieses System weiterentwickelt. Und man würde vom Europäischen Rat den Verzicht auf die Aufnahme ehemaliger Sowjetrepubliken in die Europäische Union fordern, vor allem natürlich der Ukraine, der Republik Moldau und Georgiens, die bereits den Kandidatenstatus für Beitrittsverhandlungen mit der EU erhalten haben.

Und wenn der Europäische Rat sich weigert, würde man vom Europäischen Rat entweder den Verzicht auf das eigene Verteidigungsprogramm fordern oder erklären lassen, warum der russisch-ukrainische Krieg weitergeht. Im Kreml sucht man nicht nach Bedingungen für Vereinbarungen. Im Kreml sucht man ständig nach neuen Bedingungen für die Fortsetzung der militärischen Aktionen gegen die Ukraine. Und der Erste, der damit konfrontiert werden und sich von der Richtigkeit dieser These überzeugen muss, ist Donald Trump. 

Es gibt keinen anderen Weg, als Druck auf Russland auszuüben, die Ukraine intensiv militärisch zu unterstützen,alle möglichen Hebel zu nutzen, um die russischen Möglichkeiten zur Erhöhung des eigenen Militärbudgets und zur Entwicklung des militärisch-industriellen Komplexes Russlands zu zerstören. Denn Russland wird immer versuchen, den Krieg fortzusetzen und von einer Position der Stärke aus zu verhandeln. Das Einzige, was seine Bedingungen für die Friedensfindung ändern könnte, ist eine politische und wirtschaftliche Katastrophe dieses aggressiven Landes. Andere Wege zur Beendigung des Krieges sehe ich nicht.