Hat Trump Fortschritte bei der Beendigung des Krieges gemacht? | Dialoge mit Portnikov. Radio Svoboda. 04.02.2025.

Korrespondentin. Trump erklärte, dass in der Beilegung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, Zitat, „große Fortschritte“ erzielt wurden. Was kann das für uns bedeuten?

Portnikov. Ich denke, im Moment noch nichts. Denn um zu verstehen, was der Sinn dieser Erklärungen des amerikanischen Präsidenten ist, muss man sich mit Fakten befassen und nicht mit demagogischen Äußerungen.

Korrespondentin. Glauben Sie, dass es keine Fakten gibt? Gibt es keine konkreten Aktionen seinerseits in dieser Richtung? Bisher ist nichts zu sehen.

Portnikov. Wir sehen doch nichts, wie können wir etwas kommentieren, was wir nicht sehen? Das ist, ich würde sagen, eine sehr verlockende Sache, sich Fakten auszudenken, wenn es keine gibt. Aber ich denke, wir betreiben Journalismus. Journalismus ist die Arbeit mit Fakten. Wir haben die Tatsache der Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Wir haben keine Tatsache von zumindest russisch-amerikanischen oder ukrainisch-amerikanischen Kontakten, die auf das Erreichen eines gemeinsamen Nenner hindeuten könnten, der es ermöglichen würde, von der Möglichkeit eines Kriegsendes in absehbarer Zukunft zu sprechen.

Korrespondentin. Was denken Sie, warum hat er diese Erklärung dann abgegeben, so ephemer und ohne konkrete Details und Schritte?

Portnikov. Das Versprechen den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden war eines der wichtigen Versprechen von Donald Trump während dieses Wahlkampfes. Und im Großen und Ganzen verstehen wir sehr gut, dass er nicht möchte, dass man ihn als jemanden wahrnimmt, der unbegründete Versprechen abgibt. 

Korrespondentin. Eigentlich sagte er, dass er den Krieg in 24 Stunden beenden wird, dann gab es Erklärungen, dass er dies tun würde, bevor die Amtseinführung stattfindet. Und jetzt sind wir in der Phase, in der er seit ein paar Wochen Präsident ist, und das Einzige, was wir sehen, ist diese Erklärung, soweit ich verstehe.

Portnikov. Es gab viele Erklärungen, die Erklärung, dass er mit Putin sprechen will, dass er dieses Treffen vorbereitet. Es gab die Aussage, dass es Kontakte mit der ukrainischen Führung gibt. Die offiziellen Erklärungen sowohl aus Moskau als auch aus Kyiv widersprechen dem. In Moskau heißt es, dass sie keine Signale aus Washington gesehen haben. In Kyiv heißt es, dass man sich erst auf Kontakte mit der neuen Regierung in dieser Angelegenheit vorbereitet. Wir können die Aussagen des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht mit konkreten Informationen aus offenen Quellen belegen. Was sozusagen hinter den Kulissen geschieht, wissen wir nicht. Es wäre auch seltsam, dies zu kommentieren, da wir kein Verständnis dafür haben, was dort geschieht oder nicht geschieht.

Korrespondentin. Gleichzeitig erklärte Donald Trump sein Interesse am Erwerb ukrainischer seltener Erden im Austausch für US-Hilfe. Handelt es sich um einen Tauschhandel, um die Möglichkeit einer Einstellung der Hilfe, bis es diese Vereinbarung gibt, oder worum geht es überhaupt, was erwartet uns?

Portnikov. Sie versuchen wieder, mich zu zwingen, Erklärungen zu kommentieren. Versuchen wir, dies logisch zu analysieren. Donald Trump könnte sich bewusst sein, vielleicht war er sich dessen schon früher bewusst, dass er keine realen Möglichkeiten hat, sich mit Putin zu einigen. Wenn es keine realen Möglichkeiten gibt, sich mit Putin zu einigen, ist der einzige Weg für die Vereinigten Staaten, nicht als schwacher Staat dazustehen, die Unterstützung der Ukraine fortzusetzen. Das heißt, den Kurs der vorherigen Regierung fortsetzen. Aber Donald Trump versprach gerade, dass er den Krieg beenden werde, viele seiner Mitstreiter stellten die Notwendigkeit in Frage, der Ukraine in diesem Umfang zu helfen, da dieses Geld nicht an die amerikanischen Steuerzahler zurückgeht. Obwohl ich, sagen wir, dieser These entschieden nicht zustimme, weil ich glaube, dass Sicherheit teuer ist, dass die Ukraine für die europäische Sicherheit kämpft und dass die Vereinigten Staaten ohne europäische Sicherheit sich nicht sicher fühlen können, wie die Geschichte der beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert bewiesen hat. Aber die Leute, die die Wahlkampf-Thesen für Donald Trump vorbereitet haben, vielleicht ein großer Teil seines Wählerstamms, sein Umfeld, haben eine andere Position. Für diese Position stimmte die Mehrheit der amerikanischen Wähler. Was tun jetzt? Wie kann man einerseits der Ukraine helfen und andererseits erklären, dass dies den amerikanischen Interessen dient? Nun, hier entsteht eine solche Idee. „Wir helfen ihnen nicht einfach so, wir geben kein Geld für die Luft aus. Nein, wir erhalten dadurch Zugang zu seltenen Erden, die für unsere Wirtschaft und unseren militärisch-industriellen Komplex so wichtig sind.“ Aber das ist, wie Sie verstehen, auch nur eine theoretische Erklärung. Es ist nicht schlecht, dass es sie gibt und sie die Hilfe für die Ukraine erklären wird. Wie wir wissen beachte ukrainischer Präsident Volodymyr Zelensky diese Idee der seltenen Erden als einen Punkt seines Plans vor, den er Joe Biden, Kamala Harris und Donald Trump präsentierte. Dort gab es einen Punkt über seltene Erden. Aber es stellt sich sofort die Frage des Zugangs zu diesen seltenen Erden, da sich der größte Teil dieser seltenen Erden auf dem Gebiet der Regionen Donetsk und Luhansk befindet. In dieser Region gibt es meiner Meinung nach um ein Vielfaches mehr als im gesamten Rest der Ukraine.

Korrespondentin. In Region Lwiw, Luhansk und Donetsk am meisten. 

Portnikov. Donetsk und Luhansk sind nicht vergleichbar mit der Region Lwiw.

Korrespondentin. Aber wenn man die Top 3 in der Ukraine nimmt, dann sind es diese drei Regionen. 

Portnikov. Ich glaube, die Region Schytomyr hat nicht weniger als die Region Lwiw, wenn ich mich nicht irre, hat auch die Region Poltawa einen ähnlichen Zustand. Aber Vorkommen in der Region Lwiw und Donetsk wurde auf Billionen Dollar geschätzt. Und in der Region Lwiw oder Schytomyr auf Milliarden. 

Korrespondentin. Ich habe die Information, dass 70 % der Gesamtsumme auf die Regionen Donezk, Dnipropetrowsk und Luhansk entfallen. 

Portnikov. Das heißt, auf Gebiete, die sich entweder unter russischer Besatzung befinden oder in unmittelbarer Nähe zum Kriegsschauplatz liegen. 

Korrespondentin. Worauf bezieht sich dann dieser Vorschlag von Volodymyr Zelensky? Wieder einmal, um diese Hilfe der USA zu rechtfertigen?

Portnikov, Volodymyr Zelensky oder Donald Trump? 

Korrespondentin. Volodymyr Zelensky, denn er hat dies bereits in seinem Plan des Sieges vorgeschlagen.

Portnikov. Er hat eine Möglichkeit gesucht, Donald Trumps Interesse zu wecken. Und übrigens hat er zumindest ein Schema gefunden, wie man die weitere Hilfe für die Ukraine erklären kann. Denn, wie Sie verstehen, wird der durchschnittliche Wähler von Donald Trump nicht wie wir über Statistiken sitzen und schauen, wo mehr dieser seltenen Erden sind, in Donetsk oder in Lwiw.

Korrespondentin. Das ist also eine These für die amerikanischen Wähler? 

Portnikov. Das ist eine These, die eine gewisse Korrektur des Ansatzes zur Unterstützung der Ukraine rechtfertigen wird. Aber andererseits ist dies eine sehr gefährliche These. Für die Ukraine und für die Welt. Denn sie verlagert den Kampf Russlands gegen die Ukraine vom Kampf um das Völkerrecht, um die Souveränität, um unser Recht, unseren Entwicklungspfad zu wählen, um unser Recht, unsere eigene Sprache zu sprechen, um unser Recht, unsere eigene Geschichte und nicht die russische zu lernen, in einen Kampf um Ressourcen. Das, was die russische Propaganda die ganze Zeit sagt. Sie sagt: „Hört zu, glaubt nicht. Das ist alles nur eine Nebelkerze für den Westen. Ihn interessiert die Ukraine, Russland, Kasachstan absolut nicht, ihn interessiert es absolut nicht, ob sich Ukrainer von Russen unterscheiden. Sie erfinden das alles absichtlich, um einfach unsere Ressourcen an sich zu reißen. Wir könnten ruhig in einem großen Russland von Uschhorod bis Wladiwostok leben, all diese Ressourcen haben. Und der Westen erfindet verschiedene politische Projekte. Wozu? Um Zugang zu den russischen Ressourcen zu haben, um Russland auszurauben, wofür wir kämpfen. Wir haben bereits einen Teil unserer Ressourcen und unserer Menschen in den Regionen Donetsk und Luhansk zurückerobert. Und sie wollen das einnehmen, was wir nicht zurückerobern können, also müssen wir weitermachen.“ Also ein Krieg um Ressourcen. So wird man in Moskau sagen. 

Korrespondentin. Wenn es das Risiko besteht diese Propaganda zu verstärken, sind diese Risiken für eine solche Entscheidung gerechtfertigt?

Portnikov. Erstens gibt es noch keine Entscheidung. Nur Vorschläge, sagen wir so. Zweitens brauchen wir Hilfe, denn wir verstehen, dass die kommenden Kriegsjahre nicht ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten auskommen können.

Korrespondentin. Eindeutig, ja. 

Portnikov. Wie Donald Trump diese Hilfe rechtfertigen wird, ist eine ganz andere Sache. Wir müssen nur nich den Moment verpassen, in dem weltweit der Eindruck entsteht, dass es sich um einen Kampf um Ressourcen handelt. Denn wenn es gelingt, etwas zu beweisen, dass Trump um Ressourcen kämpft und Putin um Ressourcen kämpft, dann befürchte ich, dass all diese Werte, die wir verteidigen, zweitrangig werden. Und so wird die Frage der staatlichen Souveränität der Ukraine von, sozusagen, Ressourcenvereinbarungen abhängen. Und das ist eine sehr gefährliche Situation für die Zukunft. Aber heute ist es eine absolut praktische Situation. Ob es in Zukunft Hilfe geben wird oder nicht. Wie sie diese Hilfe rechtfertigen, oder nicht rechtfertigen. Die vorherige amerikanische Regierung, wie Sie wissen, rechtfertigte diese Hilfe damit, dass sie einem souveränen Land zu kämpfen hilft. Verteidigt die Demokratie vor dem Vormarsch der Diktatur. Nun sehen wir eine gewisse Verschiebung dieses gesamten Diskurses in Abhängigkeit von der amtierenden Regierung. Und im Umfeld von Trump sehen wir auch, dass sein Kandidat für das Amt des Gesundheitsministers, Robert Kennedy Jr., bereits sagt, dass der USAID den Maidan finanziert hätte. Dass das alles mit amerikanischen Geldern geschah, dass eine demokratisch gewählte Regierung gestürzt wurde. Das hören wir im Dialog zwischen Robert Kennedy Jr. und Tucker Carlson. Warum? Weil es diese Verfälschung von Begriffen gibt.

Korrespondentin. Ich wollte noch nach den innländischen Einstellungen der Ukrainer zu dieser Erklärung Trumps über seltene Erden fragen. In den sozialen Netzwerken, in  Facebook und Telegrams, gibt es bereits sehr populäre Meinungen, dass es ein Verrat ist, die Ukraine an Amerika verkauft wird, und eine gegenteilige Meinung, dass Amerikaner diese Ressourcen dort schon benutzen sollen, sie nehmen, kaufen und diese verschiedenen Vereinbarungen abschließen sollen, Hauptsache es gibt Hilfe, damit wir diesen Krieg gewinnen können. Wie denken Sie, wie kann im Allgemeinen eine solche Entscheidung, wenn es eine solche Entscheidung gibt, auf die ukrainischen inneren Einstellungen und die Reaktion des Publikums einwirken?

Portnikov. Ich habe schon oft gesagt, dass mich die ukrainischen inneren Einstellungen überhaupt nicht interessieren, denn wenn es keinen Staat gibt, spielt es keine Rolle, welche ukrainischen inneren Einstellungen es gab. Die russischen inneren Einstellungen werden dann eine Rolle spielen, hier wird Russland sein.

Korrespondentin. Absolut, aber das ist doch die Gesellschaft, das sind Menschen, die mobilisiert werden, Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren, wird das diese Aspekte nicht auch beeinflussen?

Portnikov. Wenn für die Menschen die Frage der Ressourcen, ich würde sagen, ephemerer, wichtiger ist als die Erhaltung des Staates, dann ist das dasselbe, womit wir schon oft konfrontiert waren. Was ist wichtiger? Der Kampf gegen Korruption oder die Erhaltung des Staates? Natürlich ist Korruption ein sehr großes Übel. Und das Korruptionsniveau, das seit Jahrzehnten im ukrainischen Staat herrscht, erlaubt es uns erstens nicht, die Risiken realistisch einzuschätzen, zweitens behindert es uns daran, Ergebnisse auf dem Schlachtfeld zu erzielen. Das wird doch niemand bestreiten. Aber wenn es keinen Staat gibt, wird der Untersuchungsausschuss der Russischen Föderation unter der Leitung von Herrn Bastrykin oder im besten Fall das FBK unter der Leitung von Julia Navalnaja mit der Korruption kämpfen, falls es in Russland einmal Demokratie geben wird. Ich denke, das wünscht sich niemand. Man wünscht sich, dass die Korruption vom ukrainischen Staat bekämpft wird, also muss der ukrainische Staat dafür erhalten bleiben.

Korrespondentin. Aber man kann die Stimmung in der Gesellschaft jetzt nicht völlig ignorieren. Glauben Sie, dass man sie nicht einmal beobachten sollte?

Portnikov. Einstellung der Gesellschaft spielt eine Rolle, wenn von der Gesellschaft etwas abhängt, was die Entscheidungsfindung betrifft. Nehmen wir an, wir produzieren unsere eigenen Waffen, wir haben genügend finanzielle Ressourcen, um unsere eigene Wirtschaft zu stützen. Und dann haben die Einstellungen unserer Gesellschaft eine große Bedeutung dafür, wie wir in den kommenden Jahren mit der Aggression kämpfen werden. Und wenn wir das mit amerikanischen oder europäischen Geldern tun und größtenteils mit amerikanischen und europäischen Waffen kämpfen, spielen die Einstellungen der Gesellschaft keine Rolle, denn sie können die positivsten sein, aber es gibt keine Waffen und kein Geld. Und dann wird die Gesellschaft mit den positivsten Einstellungen einfach von einer ausländischen Macht erobert. Das gab es millionenfach in der Menschheitsgeschichte. Natürlich würde man sich wünschen, dass die Stimmung positiv ist. 

Korrespondentin. Es sollte ein gewisses Gleichgewicht geben, aber es ist klar, dass in der Situation, in der wir uns jetzt befinden…

Portnikov. Man muss sich einfach zwischen positiven Einstellungen und dem Mangel an Geld und Waffen oder negativen Einstellungen , die mit dem Vorhandensein von Geld und Waffen kombiniert wird. entscheiden. Es kann auch eine Situation geben, in der die Einstellungen negativ sind und es kein Geld und keine Waffen gibt. Das kann auch sein. Aber wir wollen ja, dass wir als Staat irgendwie überleben. Deshalb bin ich völlig gleichgültig gegenüber dem, was in den sozialen Netzwerken geschieht. Das ist sicher keine Widerspiegelung der öffentlichen Meinung. 

Korrespondentin. Eines Teils? 

Portnikov. Eines Teils, aber er ist nicht bedeutend, da arbeiten Bots, es gibt eine riesige Anzahl von Menschen, die, ich würde sagen, auf Impulse reagieren oder sich anders zeigen wollen, als sie sind. Das Letzte, was ich tue, ist soziale Netzwerke zu lesen, denn es interessiert mich ehrlich gesagt einfach nicht, was dort geschieht. Die Soziologie zeigt keine Bereitschaft der Ukrainer, die Staatlichkeit aufzugeben. Und es scheint mir wichtiger zu sein als all diese Kommentare. Gespräche über seltene Erden erscheinen mir überhaupt ziemlich seltsam, wenn Leute, die sich überhaupt nicht vorstellen können, was das ist, anfangen, hypothetische Bodenschätze zu verteidigen. Wir bauen diese seltenen Erden nicht ab. Die Vereinigten Staaten bauen ihre seltenen Erden nicht ab. Sie haben viel mehr Reserven an seltenen Erden als wir. Viel mehr. Aber sie arbeiten nicht an ihrer Erschließung, vielleicht weil es keine entsprechenden Technologien gibt, kein entsprechendes Verständnis dafür, was und wie man es macht. Seltene Erden werden derzeit von der Volksrepublik China abgebaut. Man kann sagen, dass dies für sie ein wirklich ernstes Problem ist.

Korrespondentin. Das ist wichtig, denn sie werden für die Elektronik verwendet.

Portnikov. Ja, für Elektronik, für die Produktion der Produkte des militärisch-industriellen Komplexes. Aber wieder einmal, vikleiz können sich die Chinesen das leisten, weil es dort keine solchen Umweltbeschränkungen gibt wie in Amerika. Vielleicht wird es in Amerika bald auch keine Beschränkungen mehr geben, vielleicht wird es sie geben, vielleicht gibt es dort eine andere Art von Gestein, die man abbauen kann, wir sind keine Geologen. Es kann sich herausstellen, dass all diese Zahlen zwar sehr überzeugend aussehen, aber die Technologie, die es ermöglichen könnte, Zugang zu all diesen Gesteinen zu haben, erst entwickelt werden muss. Es kann sich herausstellen, dass wir über Billionen Dollar in den Regionen Donetsk und Luhansk in der Ukraine sprechen, aber wenn diese Gebiete von Russland besetzt bleiben, bedeutet das nicht, dass Russland sie abbauen wird. Denn es kann einfach nicht über die technologischen Möglichkeiten verfügen. Wir wissen nicht, ob die Vereinigten Staaten über die technologischen Möglichkeiten verfügen, diese Ressourcen in der Ukraine zu erschließen. Vielleicht müssen noch Dutzende von Gutachten durchgeführt werden, um zu verstehen, was man erschließen kann und was nicht. Das ist also alles im Moment nur Rauschen, würde ich sagen.

Korrespondentin. Das heißt, Sie glauben, soweit ich Sie verstanden habe, dass das alles mehr für das amerikanische Volk ist, für die Wähler, um die amerikanische Hilfe zu rechtfertigen.

Portnikov. Wenn es sie gibt. Das heißt, wenn Trump sich entschieden hat, dass es sie geben soll, muss er das irgendwie erklären.

Korrespondentin. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, dass es kürzlich einen kleinen Stillstand bei der Hilfe gab, sogar bei den bereits unterzeichneten Hilfspaketen, die Lieferungen wurden einfach für einige Tage eingestellt und so weiter. Und seit Trump Präsident der USA ist, nach der Amtseinführung wurde kein Hilfspaket angekündigt. Kann es sein, dass er einfach seinen Wählerstamm nicht verlieren will, ja, und keine Hilfspakete beschließen wird, bis er diese Rechtfertigung hat, von der Sie sprechen?

Portnikov. Nun, Trump hat keinen Wählerstamm mehr, er ist Präsident der letzten Amtszeit.

Korrespondentin. Sie verstehen, was ich meine, sein Publikum, seine Wähler, die ihn gewählt haben usw., seine Anhänger.

Portnikov. Ich kann nicht sagen, dass das Publikum von Trump so einig ist, dass es der Ukraine nicht helfen soll. Sie würden sich offensichtlich eine solche Hilfe wünschen, ohne dass Geld ausgegeben wird. Wenn es darum geht, warum man hilft, damit die Ukraine ihre Unabhängigkeit verteidigen und Russland besiegen kann. Hier ist die Antwort auf die Frage. „Wir erhalten Zugang zu unglaublichen Ressourcen“. Das ist sozusagen ein normales Gespräch von Trump mit Trump-Anhängern, es ist logisch. Ich kann nichts sagen.

Korrespondentin. Das heißt, es kann sein, dass er vor der Entscheidung noch darauf warten wird, dass er keine Pakete vor dieser Entscheidung beschließen wird.

Portnikov. Ich denke, er wird darauf warten, wie es mit den Russen ausgeht. Schließlich muss diese ganze Geschichte zu einem logischen Ende kommen. Verhandlungen. Oder ein Treffen mit Putin oder ein Telefongespräch mit Putin. Er muss hören, ob das, worauf er hofft, nicht geschieht oder geschieht. Wenn es nicht geschieht, muss er etwas tun. Er wird etwas tun müssen. Glauben Sie, dass er von seinem Treffen mit Putin zurückkommen und sagen wird: „Nun, Putin hat mir alles verweigert“? 

Korrespondentin. Nein, das glaube ich nicht. Ich denke, er wird sich nicht treffen, wenn er keine Voraussetzungen für die Ergebnisse dieses Treffens sieht.

Portnikov. Das kann ich Ihnen nicht garantieren. Die Möglichkeit eines Treffens ohne Ergebnisse ist auch absolut real. So wie es zum Beispiel mit dem nordkoreanischen Führer Kim Jong Un war. Es gab keine Ergebnisse, aber es gab ein Treffen. Es kann vorherige Versprechen der Russen vor dem Treffen geben, die während des Treffens einfach zurückgenommen werden können. Das gibt es auch in der Politik. Aber das lässt sich nicht vorhersehen, denn es gab bisher noch keinen Hinweis auf einen echten Kontakt. Der Kreml verhält sich, ich würde sagen, ziemlich vorhersehbar. Sie wollen, dass die Amerikaner den ersten Schritt machen. Das wäre für sie natürlich von Vorteil. „Amerikaner haben diese Kontakte selbst eingefroren, sie haben sie selbst wieder aufgenommen, und wir werden Ihnen entgegenkommen“. Für das Weiße Haus ist das natürlich nicht sehr angenehm.

Korrespondentin. In einer solchen Situation sind sie offensichtlich nicht in einer starken Position

Portnikov. Ja. Und sie müssen eine Formel finden. Vielleicht gibt es deshalb jetzt Gespräche über Saudi-Arabien, über die Vereinigten Arabischen Emirate, damit niemand den ersten Schritt macht, damit ein Führer Saudi-Arabiens oder der Vereinigten Arabischen Emirate Putin und Trump zu Gesprächen einladen würde.

Korrespondentin. Irgendwo in der Mitte sozusagen.

Portnikov. Ja. Und dann würde das mehr oder weniger akzeptabel aussehen, aber für die amerikanische Seite, nicht für die russische. Für die Russen ist es sehr wichtig, dass das Scheitern der Politik der Isolation der Russischen Föderation demonstriert wird. Dass Putin als Sieger aus diesem diplomatischen Wettkampf hervorgegangen ist.

Korrespondentin. Glauben Sie, dass sie einem Kompromissvorschlag nicht zustimmen werden, wenn es eine dritte Seite gibt, die die beiden anderen Seiten einlädt?

Portnikov. Ich bin mir nicht sicher. Ich sage noch einmal, sie verhalten sich immer wie Sieger im propagandistischen Sinne des Wortes. Sieht es nach einem Sieg aus? Bis zu einem gewissen Grad schon. Sie treffen sich immer noch mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber sie würden natürlich wollen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten der Initiator ist, dass Trump die Fehlerhaftigkeit der Linie Bidens bestätigt, und damit die Fehlerhaftigkeit der Haltung gegenüber Russland als Aggressorland, die Fehlerhaftigkeit dessen, dass die Vereinigten Staaten nicht zu Konsultationen über diese Sicherheitsbedenken Russlands eingegangen sind. Putin braucht es, dass Washington zugibt, dass Russland in allem Recht hatte. Und dass damit seine Aktionen gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 gerechtfertigt wird , dass es auf eine Herausforderung reagierte. 

Korrespondentin. Aber das ist doch unrealistisch. 

Portnikov. Ich halte das für unrealistisch, aber ich bin ja nicht Putin. Sie überzeugen mich so, als wäre ich Putin, aber ich bin nicht Putin. Und Putin könnte so denken. Und er könnte davon ausgehen, er könnte meinen, wenn es einen realen Vorschlag von amerikanischer Seite gibt, kann er das als Anerkennung der Rechtmäßigkeit seiner Taten ausgeben.

Korrespondentin. Glauben Sie, dass er tatsächlich glaubt, dass die USA diesen Schritt unternehmen werden?

Portnikov. Er kann es zumindest versuchen; wenn sie es nicht tun, wird er überlegen, was er als Nächstes tun soll, Zugeständnisse machen oder es erneut auf unbestimmte Zeit verschieben. Putin braucht ein Treffen, um zu gewinnen. Trump braucht ein Treffen, um den Krieg zu beenden. Das sind völlig unterschiedliche Ziele.

Korrespondentin. Das ist auch die Frage: Was ist für Putin ein Sieg?

Portnikov. Sieg im Sinne des Kontakts mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Sieg bedeutet den Durchbruch der diplomatischen Isolation Russlands im Westen. Global gesehen ist Russland nicht isoliert. Und wenn Trump auf eigene Initiative Putin trifft und die Fehlerhaftigkeit der Politik seines Vorgängers anerkennt, ebnet dies aus dem Sicht des Kremls den Weg für Kontakte mit anderen westlichen Führern. Zumindest kann ein westliche Premierminister oder Präsident, der sich mit Putin treffen möchte, immer sagen: „Hören Sie, Präsident Trump hat ihn bereits getroffen. Warum kann ich nicht? Warum sollte ich diese Idee der Isolation Russlands unterstützen? Wenn die Amerikaner mit den Russen sprechen, werden wir auch konstruktiv sprechen, wobei wir unsere Position zum russisch-ukrainischen Krieg im Auge behalten, aber das Fehlen von Kontakten ist der falsche Ansatz.“ Wonach strebt Putin? Rückkehr zu normalen diplomatischen Beziehungen und Politik bei Fortsetzung des Krieges. Dass, sagen wir, ein Raketenangriff auf Kyiv oder Charkiw und ein Treffen mit dem Führer eines führenden westlichen Staates gleichzeitig stattfinden. Denn gibt es nur eine Nachricht, dass Putin sich mit dem Präsidenten dieses oder jenes Landes getroffen hat, sie Verhandlungen geführt haben, eine Vereinbarung über irgendeine Zusammenarbeit unterzeichnet haben. In diesem Moment wird in der Ukraine Luftalarm ausgerufen und fünf Menschen sterben durch einen Schlag eines russischen Drohnen. Aber niemand beachtet das.

Korrespondentin. Das ist die Legitimierung des Krieges durch die ganze westliche Welt.

Portnikov. Legitimierung des Krieges durch die westliche Welt, ja. Absolut richtig. Das ist seine Aufgabe.

Korrespondentin. Wie schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit ein, dass angesichts all dessen, was wir jetzt sehen, aller Nuancen, Erklärungen, aller Meinungen verschiedener Führer, sowohl westlicher als auch von Wladimir Putin und China, im Großen und Ganzen, wenn man sich das vorstellt, Verhandlungen in diesem Jahr stattfinden könnten?

Portnikov. Die Wahrscheinlichkeit, dass Verhandlungen in diesem Jahr stattfinden können, ist sehr hoch.

Korrespondentin. Unter den Bedingungen dieses Kompromisses, wenn es eine dritte Partei gibt? Oder meinen Sie das ganz allgemein?

Portnikov. Im Allgemeinen meine ich, dass ein Treffen zwischen Trump und Putin, ich würde es nicht einmal Verhandlungen nennen, ein Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands in diesem Jahr stattfinden könnte. Mehr noch, es könnte im nächsten Monat stattfinden. Fraglich ist der Effektivität. Dieses Treffen könnte zu nichts führen. Interessant wird sein, was passieren wird, nachdem klar wird, dass dieses Treffen zu nichts geführt hat.

Korrespondentin. Sie sprechen sehr sicher davon, dass es zu nichts führen könnte.

Portnikov. Ich sage, dass es ist eine von mehreren Möglichkeiten ist. Und wenn es zu etwas führt, werden wir die Ergebnisse besprechen, wie akzeptabel sie sind, wie die Ukraine auf diese Ergebnisse reagieren soll, ob es nach dem Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands ein Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten, Russlands und der Ukraine stattfindet, oder ob es eine andere Möglichkeit geben wird, angesichts der Tatsache, dass der Präsident der Russischen Föderation den Präsidenten der Ukraine nicht für einen legitimen Führer hält und sich nicht mit ihm treffen will. Ich versichere Ihnen, dass sich dieser Standpunkt Putins nicht ändern wird und er wird ihn Trump mitteilen. Das heißt, es kann verschiedene Optionen geben, wenn Trump und Putin einen gemeinsamen Nenner in Bezug auf das Ende oder die Aussetzung des Krieges finden. Und das ist ein separates Gespräch. Und ich spreche von der Situation, in der das Treffen zu nichts geführt hat, sie haben sich getroffen, sie haben gesprochen und sind jeder mit seiner eigenen, unterschiedlichen Sicht der Dinge wieder gegangen, wie es auch vor dem Treffen der Fall war. Das Interessanteste an dieser Situation ist, was Donald Trump tun wird, das ist alles. Was Wladimir Putin tun wird, wissen wir.

Korrespondentin. Wo ist die Rolle von Volodymyr Zelensky?

Portnikov. Das ist eine gute Frage.

Korrespondentin. Sie haben ihn in diesem Zusammenhang nicht erwähnt.

Portnikov. Wenn sich die Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands ohne den Präsidenten der Ukraine treffen, wird die Rolle des Präsidenten der Ukraine minimiert. Und dann wird sie in der Zeit nach dem Gipfel wichtig.

Korrespondentin. Aber wie kann man über die Ukraine ohne die Ukraine sprechen? Das ist ein Prinzip, wodran die USA und die Ukraine sich halten.

Portnikov. Ich habe nicht bemerkt, dass die Vereinigten Staaten nach dem Sieg von Donald Trump diesen Grundsatz deklariert hätten. An diesen Grundsatz erinnern die Europäer usw., und Trump sagt die ganze Zeit, dass er sich selbst mit Putin treffen will. Er sagt nicht, dass er einen dreiseitigen Gipfel abhalten will.

Korrespondentin. Das stimmt.

Portnikov. Warum sprechen wir dann über etwas, das nicht existiert? Die Frage ist, ob Donald Trump bereit ist, vor oder nach dem Treffen mit Putin mit Volodymyr Zelensky zu sprechen, wenn dieses Treffen stattfindet. Das ist alles. Und wieder einmal wird die Rolle von Volodymyr Zelensky von den Vereinbarungen zwischen Trump und Putin abhängen. Bei diesem Ansatz ist es wichtig, ob die amerikanischen und russischen Führer eine gemeinsame Sprache finden können. Und dann hängt es vom Präsidenten der Ukraine ab, wie er auf das Erreichen oder Nicht-Erreichen dieser gemeinsamen Sprache reagieren wird, aber so sieht es aus, sonst wird nichts passieren.

Vitaly Portnikov: „Ressourcenfluch“ und die Krim. 05.02.2025.

https://ru.krymr.com/a/portnikov-resursy-krym-proklyatie/33303854.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR2jThYGVF2AeHAh-Kf4jioRvoCBIzECRrYQ6ym9E3LeSbDc4bxvckBHv2Q_aem_TkyjlHhNxiJ_DLmE4YZpYw

US-Präsident Donald Trump hat gesagt, die Ukraine solle seinem Land im Gegenzug für militärische Unterstützung Zugang zu den Vorkommen von Seltenerdmetallen gewähren.

Während der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky dies für völlig fair hält, bezeichnete der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz Trumps Vorschlag als egoistisch und wies darauf hin, dass die Ukraine selbst die Seltenerdmetallvorkommen für den weiteren Wiederaufbau nach dem Ende der Feindseligkeiten benötigen würde.

Wie auch immer Politiker argumentieren, es ist offensichtlich, dass Trumps Vorschlag den Weg für Diskussionen über den so genannten „Ressourcenkrieg“ öffnet. Eigentlich ist es nicht einmal der Staatschef der Vereinigten Staaten selbst, der der Wegbereiter dieser Diskussionen ist. Schließlich stützt er sich auf Zelenskys Vorschläge, die er ihm und anderen amerikanischen Politikern bei seinem letzten Besuch in den Vereinigten Staaten unterbreitet hat.

Und es ist verständlich, dass die russische Propaganda sofort anfängt, darüber zu reden. Es ginge nicht wirklich um die ukrainische Staatlichkeit, nicht um die territoriale Integrität des Landes, nicht um seine Souveränität und seine Bestrebungen nach europäischer und euro-atlantischer Integration. Es ginge nur um die Ressourcen, die von westlichen Unternehmen erschlossen werden sollen. Und zu diesem Zweck hätte der Westen den geopolitischen Kurs der Ukraine von pro-russisch zu pro-westlich geändert.

Doch als die Ukrainer auf den Maidan gingen, hatte noch niemand über Seltene Erden nachgedacht. Erst jetzt, in einer neuen Runde der Entwicklung der Weltwirtschaft, wird dieses Thema immer wichtiger, nicht nur für die Ukraine, sondern auch für andere Länder. Und der Wettbewerb auf dem Markt für Seltenerdmetalle wird sich noch verschärfen, auch im postsowjetischen Raum. Es ist kein Zufall, dass der Westen und China nicht nur auf die Ukraine, sondern auch auf die Länder Zentralasiens ein Auge werfen. Kasachstans Präsident Kasym-Jomart Tokajew nannte die Seltenerdmetalle sogar „das neue Öl“.

Aber um dieses „neue Öl“ zu entdecken, um es zu fördern, brauchen wir Technologie, Investitionssicherheit, kompetente geologische Erkundung. Und das alles ist eine Frage der Zukunft.

Wenn Russland sich so vor Konkurrenz auf dem Rohstoffmarkt sorgt, warum fördert es dann nicht die Metalle der seltenen Erden in den besetzten ukrainischen Gebieten? Schließlich gibt es sowohl auf der Krim als auch im Donbass solche Vorkommen im Wert von Billionen Dollar.

Vielleicht, weil Russland dafür moderne Technologien benötigt, über die es einfach nicht verfügt? Oder vielleicht, weil, wie ich meine, Russlands wichtigste Ressource nicht einmal Öl ist, sondern Krieg und Angst?

Deshalb hat es nach der Besetzung der Krim auch nie einen technologischen Durchbruch gegeben, niemand hat je über die seltenen Erdmetalle gesprochen, die in den Tiefen der Halbinsel Krim und des Schwarzen Meeres lagern.

Aber die russische Führung hat sich bemüht, die Krim in einen unsinkbaren Flugzeugträger der russischen Flotte zu verwandeln. Und wie wir sehen, war es für Russland am wichtigsten, die Handelsverbindungen im Schwarzen Meer zu unterbrechen.

Russland muss nicht einmal für sich selbst Ressourcen erschließen, es muss nur anderen die Ressourcen entziehen. Und dies ist vielleicht sein wichtigster „Ressourcenfluch“.

Warum braucht Trump unsere Bodenschätze | Vitaly Portnikov. 04.02.2025.

Die Erklärung des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, wonach er im Austausch für die Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine Zugang zu ukrainischen Seltenerdmetallen wünscht, hat, wie zu erwarten war, lebhafte Diskussionen in der ukrainischen Gesellschaft ausgelöst. Obwohl es sich daran zu erinnern lohnt, dass diese Idee nicht einmal eine Idee von Donald Trump selbst ist.

Die Frage des Zugangs der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Länder zu ukrainischen Seltenerdmetallen war ein Teil der Vorschläge des Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky, mit denen er kurz vor den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten nach Washington reiste. Und damals war bekannt, dass insbesondere der Punkt Seltenerdmetalle Donald Trump während seines Treffens mit der ukrainischen Delegation interessierte.

Aber es geht nicht einmal um die Vorschläge von Volodymyr Zelensky. Man muss sich bewusst sein, dass die Förderung von Seltenerdmetallen auf dem ukrainischen Boden eine Angelegenheit der ziemlich fernen Zukunft ist. Und sie hängt nicht nur mit dem Ende des russisch-ukrainischen Krieges und zumindest einigen Sicherheitsgarantien für potenzielle Investoren zusammen, sondern auch mit Technologien, die den Zugang zu diesen Bodenschätzen ermöglichen sollen. Ganz zu schweigen davon, dass sich der größte Teil der ukrainischen Seltenerdmetalle auf dem von der Russischen Föderation besetzten Gebiet befindet.

Die Frage der militärischen Hilfe für die Ukraine ist aber eine dringende Frage, von der das Überleben des ukrainischen Staates in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges abhängen wird. Des russisch-ukrainischen Konflikts, wenn Sie wollen, wenn Sie den Gedanken nicht zulassen, dass die kommenden Jahre Jahre einer heißen Kriegsphase zwischen Russland und der Ukraine sein werden. Und um diesen Krieg oder diesen Konflikt zu führen, braucht die Ukraine militärische Hilfe.

Donald Trump, wie auch andere Vertreter seines Teams, haben während des Wahlkampfs immer wieder betont, dass sie kein Geld verschwenden wollen, weil die Ukraine Russland ohnehin nicht besiegen kann. Man müsse mit Russland verhandeln, es kann einfach keinen Sinn ergeben, Milliarden von Dollar für die Hilfe der Ukraine in den Vereinigten Staaten auszugeben.

Nun stellt sich hier eine ziemlich einfache Frage. Wenn Donald Trump sich davon überzeugt, dass der russische Präsident Putin ihm in den Vorschlägen nicht entgegenkommen wird, mit denen die amerikanische Regierung nach der Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA und seiner Amtseinführung hätte auftreten können. Wenn er erkennt, dass Putin bereit ist, den russisch-ukrainischen Krieg über viele Jahre fortzusetzen, und in dieser Situation die Verweigerung der Hilfe für die Ukraine eine offensichtliche politische Niederlage für das Weiße Haus darstellen würde, wie soll er das zumindest den Amerikanern erklären, die für ihn gestimmt und seinen Worten über das verschwendete Geld geglaubt haben, die Fortsetzung und Erhöhung der Hilfe für die Ukraine?

Jetzt verstehen wir, wie. Es kann nicht einmal um die Reaktion des amerikanischen Präsidenten auf die Position des russischen Präsidenten gehen, sondern darum, dass die Amerikaner der Ukraine helfen, um in Zukunft Zugang zu Bodenschätzen zu erhalten, die für die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft strategisch wichtig sind. Obwohl in Wahrheit in den Vereinigten Staaten selbst die Vorkommen von Seltenerdmetallen derzeit auch noch nicht erschlossen werden und die Frage, wie dies im eigenen Land geschehen soll, für die Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten und für das amerikanische Wirtschaftsleben relevant ist.

Die Idee des Austauschs von Zugang zu Bodenschätzen, ich würde sagen, sehr theoretischer Art, gegen militärische Hilfe, die dazu beitragen wird, die ukrainische Staatlichkeit und das ukrainische Volk auf seinem Land zu erhalten, hat nichts Negatives, gegen das man sich aussprechen sollte. Denn wie die Erschließung dieser Vorkommen in den dreißiger, vierziger oder fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts tatsächlich erfolgen wird, das können wir nicht wissen, wir können nicht wissen, wie sich die Technologien verändern werden, wir können nicht wissen, wie wichtig diese Vorkommen in einer neuen Phase des technischen Fortschritts sein werden. Aber jetzt ist das Interesse an diesen Bodenschätzen , d. h. Luft gegen echtes Eisen einzutauschen – das ist eine gute Vereinbarung mit der neuen amerikanischen Regierung, wenn überhaupt eine solche Vereinbarung zustande kommt.

Und dann könnte man sagen, dass dieser Punkt der Vorschläge von Volodymyr Zelensky ein ziemlich guter Versuch war, Donald Trump für diese wirtschaftliche Luft zu interessieren, die gegen militärisches Eisen eingetauscht werden kann.

Und übrigens könnte der amerikanische Präsident, wie auch seine Nachfolger, ein Interesse an der Wiederherstellung der territorialen Integrität der Ukraine haben, um Zugang zu den ephemeren Vorkommen dieser Seltenerdmetalle in den Regionen Donezk und Luhansk zu erhalten. Und das bedeutet, dass ernsthafte politische Probleme in Russland, die früher oder später auftreten werden, gerade dazu genutzt werden könnten, die territoriale Integrität der Ukraine nicht einfach so wiederherzustellen, sondern aus dem Grund, dass hier strategische Bedürfnisse der amerikanischen Wirtschaft gestillt werden.

Gleichzeitig gibt es in dieser Geschichte auch eine gewisse Gefahr, die man ebenfalls ernst nehmen sollte. Dies ist eine Veränderung der Art und Weise, wie die westliche Gesellschaft mit dem Krieg umgeht. Wenn wir uns darauf einigen, dass es ein Krieg um Ressourcen ist, geraten wir so in die echte Falle der russischen Propaganda. Denn im Kreml wird die ganze Zeit gesagt, dass es überhaupt nicht um die ukrainische Souveränität, um die ukrainische Sprache, um das ukrainische Volk geht, weil es kein ukrainisches Volk gibt. Es gibt keine ukrainische Sprache. Die Ukraine ist ein erfundener Staat. Das sind einfach ganz normale Russen auf russischem Boden, und es stellt sich die Frage: Warum sollte der Westen dann überhaupt eine Ukraine erfinden und ihre Existenz in einer Situation unterstützen, in der allen alles klar ist? Wenn das einfach Russland ist, mit der Mutter der russischen Städte Kyiv als Hauptstadt? Selbstverständlich, weil die Vereinigten Staaten die Bodenschätze benötigen.

Und es stellt sich heraus, dass der Westen um Seltenerdmetall-Vorkommen kämpft, während Russland um sein liebes russisches Land kämpft, und die Ukrainer, die ihren Staat verteidigen, sind ganz gewöhnliche Söldner des Westens, die Donald Trump und den amerikanischen Oligarchen helfen, Zugang zu den echten russischen Bodenschätzen zu erhalten. 

Das ist genau das, was die Russen ihren Landsleuten und ihren Anhängern im Westen die ganze Zeit einreden werden, denn wenn man das vom amerikanischen Präsidenten hört, sagt man: „Seht ihr, niemand spricht von Souveränität. Niemand spricht vom Recht der Ukraine, der NATO beizutreten. Niemand spricht über humanitäre Probleme oder die Rechte der ukrainischen Sprache und Kultur. Nein, es geht um die Vorkommen“.

Deshalb müssen wir, wenn wir uns mit dem amerikanischen Präsidenten über den Austausch wirtschaftlicher Vorschläge gegen militärische Hilfe einigen, daran denken, dass unsere Position unverändert bleiben muss. Wir kämpfen für die Souveränität unseres Landes, dafür, dass die Ukrainer zu Hause bleiben und dafür, dass die Ukrainer Ukrainer bleiben. Denn wenn dieser Beweggrund aus dem russisch-ukrainischen Krieg verschwindet, wird früher oder später jemand hinter unserem Rücken über die Bodenschätze auf ukrainischem Gebiet verhandeln. Und dann wird derjenige gewinnen, der den interessierten Parteien das lukrativste Angebot zur Nutzung der Vorkommen auf ukrainischem Boden macht. 

Wo werden sich Trump und Putin treffen | Vitaly Portnikov. 02.02.2025.

Die Agentur Reuters berichtet, dass Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate als Länder in Betracht gezogen werden, in denen das erste Treffen zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation seit 2022 stattfinden könnte.

Wie bekannt, hat der neue Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, wiederholt seinen Wunsch geäußert, sich mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu treffen, und sich nicht mit dem Ansatz seines Vorgängers Joe Biden einverstanden erklärt, der nach dem großen Angriff Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 jegliche Kontakte mit dem russischen Regierungschef abgelehnt hat.

Der Präsident der Russischen Föderation, Putin, sagte ebenfalls, dass er zu einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten bereit sei. Für Putin wäre dies zweifellos ein riesiger diplomatischer Erfolg, der das Scheitern der Isolation der Russischen Föderation durch die Länder der zivilisierten Welt demonstrieren würde.

Der Westen hoffte im Jahr 2022, dass eine solche diplomatische Isolation Putin zwingen würde, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden und in Verhandlungen über die Beendigung des größten Konflikts in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg einzutreten.

Unmittelbar wurde jedoch deutlich, dass die Länder des globalen Südens, vor allem Länder wie die Volksrepublik China, Indien, Südafrika oder Brasilien, die Mitglieder der BRICS-Gruppe sind, jede diplomatische Isolation Russlands ablehnten und die fruchtbaren politischen, wirtschaftlichen und diplomatischen Kontakte mit der russischen Führung fortsetzten, denen die Fortsetzung des Krieges Russlands gegen die Ukraine keinen Abbruch tat.

Nun schließen sich die Vereinigten Staaten unter der Führung von Donald Trump dem Durchbruch der Isolation der Russischen Föderation und der faktischen Akzeptanz der Bemühungen Wladimir Putins an. Es ist offensichtlich, dass ein russisch-amerikanisches Treffen auf höchster Ebene eine schwere Niederlage für die Vereinigten Staaten und ein unbestreitbarer Sieg für Russland darstellen würde, unabhängig vom Ergebnis dieses Treffens, obwohl ehrlich gesagt niemand ernsthafte Ergebnisse erwartet.

Aber Putin braucht ein Treffen, um des Treffens willen, das erstens das Scheitern seiner Isolation demonstrieren und zweitens den Weg nach Moskau für diejenigen westlichen Politiker öffnen würde, die die politischen und wirtschaftlichen Kontakte mit der Russischen Föderation wieder aufnehmen möchten.

Bundeskanzler Olaf Scholz, der offenbar auch hofft, dass Europa eine Stimme haben wird, nachdem Trump und Putin sich getroffen und die Möglichkeiten der Wiederaufnahme des russisch-amerikanischen Verhandlungsprozesses erörtert haben, hat bereits ein Telefongespräch mit Putin geführt.

Es stellt sich natürlich die Frage, wo sich die Präsidenten treffen könnten, falls die Entscheidung über ihr Treffen getroffen wird, sagen wir, nach einem Telefongespräch zwischen Trump und Putin. Es ist offensichtlich, dass Russland Europa bestrafen möchte, weil die europäischen Länder sich würdig verhalten und Sanktionen gegen die Russische Föderation als Reaktion auf deren Einmarsch in die Ukraine verhängt haben. In der Welt, die Putin gestalten möchte, wäre die Bestrafung genau für die moralisch richtige Position, und politische Vorteile würden den Ländern gewährt werden, die genau eine unmoralische Position eingenommen und bereit waren, die Beziehungen zum Aggressor aufrechtzuerhalten, ungeachtet der von Putin in der Ukraine begonnenen und fortgeführten Aktionen, bei denen friedliche Bewohner getötet und Städte angegriffen werden.

Zu den Ländern, die die fruchtbaren Beziehungen zur Russischen Föderation fortsetzten und dem Tod ihrer Bürger keine ernsthafte Aufmerksamkeit schenkten, gehörten natürlich die Länder der Persischen Golfstaaten: Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Hier stellt sich jedoch, wie Reuters betont, die Frage, wie sehr diese Länder vom russischen Regierungschef belohnt werden können, wenn man ihre engen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten betrachtet.

Putin möchte zeigen, dass solche ernsthaften Beziehungen auch nicht zu einem diplomatischen Erfolg in seinem Wertesystem führen können, mit dem er derzeit Kontakte zum neuen amerikanischen Präsidenten aufnehmen will, wobei die alliierten Beziehungen zu den Vereinigten Staaten eher ein Nachteil als ein Vorteil sind.

Daher wird Saudi-Arabien, trotz der guten persönlichen Beziehungen seines faktischen Herrschers, Prinz Mohammed, zu Putin, als zweite Option für ein mögliches Treffen zwischen dem russischen und dem amerikanischen Präsidenten angesehen, gerade wegen der engen alliierten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und diesem Land.

Und vielleicht erscheinen die Emirate als neutrales Gebiet für ein Treffen zwischen Trump und Putin. Es ist jedoch nicht offensichtlich, dass genau diese beiden Länder derzeit als Austragungsort für ein Treffen zwischen Trump und Putin im Weißen Haus in Betracht gezogen werden.

Und hier könnte es eine ganz andere Wendung geben. Putin könnte Trump nicht nur die Bereitschaft aufzwingen wollen, sich als erster an den russischen Führer mit dem Vorschlag zu einem Treffen zu wenden, sondern auch den Ort, an dem ein solches Treffen stattfinden wird.

Das heißt, Putin möchte Trump die diplomatische Initiative entreißen und daran erinnern, wer in der Welt, in der Trump die Vereinigten Staaten führt, die Regeln diktiert. Und das ist natürlich nicht die Situation, die einem ehrgeizigen amerikanischen Präsidenten gefallen könnte, der in derselben Welt niemanden außer sich selbst sieht und überzeugt ist, dass genau sein Druck zu den Ergebnissen führen kann, auf die er hofft.

So ist es derzeit sehr schwer zu sagen, zu welchen Ergebnissen dieser Kampf des Ehrgeizes führen wird, der im Großen und Ganzen die russische Politik in allen Jahrzehnten der Herrschaft Wladimir Putins und die amerikanische Politik bestimmt, solange Donald Trump an der Spitze dieses Staates steht.

Offensichtlich wird Trump nicht in einer Situation mit Putin zusammentreffen wollen, in der seine eigene Schwäche, seine Bereitschaft, den Vorschlägen des Konkurrenten nachzugeben, und seine Bereitschaft, allen Vorschlägen des russischen Führers zuzustimmen, demonstriert wird, denn dann wäre völlig unklar, wie er Putin überzeugen könnte, seinen blutigen und ungerechten Krieg gegen die Ukraine zu beenden oder zumindest zu unterbrechen.

Aber wie kann man aus dieser Situation herauskommen, d. h. sich mit Putin treffen und ihm nicht die Initiative bei der Vorbereitung eines solchen Treffens überlassen? Mir scheint, im Weißen Haus kennt man sich derzeit nicht so gut aus. So könnten wir nicht auf die Suche nach einem Ort für ein Treffen des russischen und des amerikanischen Präsidenten stoßen, sondern auf die Suche nach einem Zeitpunkt für ein solches Treffen, das sich genau bis zu dem Zeitpunkt verschieben kann, an dem seine Durchführung für beide Regierungschefs nicht erniedrigend erscheint.

Die Situation, in der jemand Trump und Putin einlädt, zu kommen und zu sprechen, und sie angeblich die Einladung eines solchen Führers annehmen, könnte jedoch sowohl für das Weiße Haus als auch für den Kreml einen Kompromiss darstellen und die Vorbereitung des russisch-amerikanischen Gipfels auf höchster Ebene beschleunigen.

Erwartungen an den „Trump-Plan“. 02.02.2025.

https://vilni-media.com/2025/02/02/ochikuvannia-planu-trampa/?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR2vz0fmbbjMSA3JVfTB_3a8F6NhNAwMrremD44-OPnKpEsotdcTwJZmSMM_aem_lv7DkMM0Lafhk6KnRTTbDQ

Die ersten Wochen der Präsidentschaft von Donald Trump verbrachten die Ukrainer damit, auf die Einzelheiten des Konzepts des neuen US-Präsidenten zur Beendigung des Krieges zu warten. Während seiner Wahlkampagne sprach Trump sowohl von 24 als auch von 48 Stunden, innerhalb derer er den Krieg nach seiner Rückkehr an die Macht beenden könne – und diese Worte wurden nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in der Ukraine geglaubt. Doch die Wahl wurde abgehalten, die Amtseinführung fand statt, und der neue Präsident sprach von den 100 Tagen, die er sich nehmen möchte, um den Krieg zu beenden. Bisher sprechen wir von 100 Tagen.

Es ist eine positive Entwicklung für die Ukraine, dass Trump, der den russisch-ukrainischen Krieg in seiner Antrittsrede nicht einmal erwähnte, seit seinem Amtsantritt im Oval Office immer wieder auf die ukrainische Frage zurückkommt und bekräftigt, dass er sich um die Beendigung des Krieges bemühen wird. Der Präsident ist sich also bewusst, dass dieses Wahlversprechen immer wieder aufgegriffen werden wird und dass die Fähigkeit, es zu erfüllen, ein Zeichen für die Rückkehr zum „Frieden durch Stärke“ sein wird. Wenn aber nichts erreicht wird, und erst recht, wenn Russland seine Position in dem Konflikt stärkt, könnte dies nicht nur Trumps politischem Ansehen schaden, sondern auch die Vorbereitungen für die in einigen Monaten anstehenden Nachwahlen zum Kongress beeinträchtigen. Und Trump ist sich durchaus bewusst, dass in dem politischen Umfeld, das er derzeit zu schaffen versucht, der Verlust der Kontrolle über den Kongress für ihn einen tatsächlichen Machtverlust bedeuten würde.

Dennoch haben wir in diesen Tagen weder vom US-Präsidenten noch von seinem neuen Außenminister Marco Rubio oder von Trumps Sondergesandtem Keith Kellogg einen echten Plan gehört. Der Präsident und sein Stab beschränken sich weiterhin auf Erklärungen und nicht auf Details des Plans. Sie sagen immer wieder, dass beide Seiten Zugeständnisse machen müssen, um Frieden zu erreichen – aber sie erklären nicht, welche Zugeständnisse und vor allem, wie sie Putin zu Zugeständnissen zwingen können.

Offensichtlich kann ein Verständnis dafür erst nach dem ersten Kontakt zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten entstehen. Trump hat wiederholt betont, dass er zu einem solchen Treffen bereit ist und dass Putin ihn angeblich unbedingt sehen will. Aus dem Kreml war zu hören, dass der russische Präsident in der Tat zu Gesprächen mit seinem amerikanischen Amtskollegen bereit sei, aber auf Signale aus Washington warte, die es nicht gebe. Es ist sehr schwer zu sagen, wie lange dieses diplomatische Pingpong dauern wird. Genauso schwer ist es zu sagen, wie die Ergebnisse des Gipfels zwischen Putin und Trump aussehen werden, falls er überhaupt stattfindet.

Denn es ist klar, dass der amerikanische Präsident in erster Linie auf Ergebnisse aus ist. Der russische Präsident hingegen braucht ein Treffen um des Treffens willen. Denn allein die Tatsache, dass der russische Präsident mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zusammentrifft, drei Jahre nachdem der vorherige Staatschef aus Protest gegen den Einmarsch Russlands in der Ukraine jeglichen Kontakt zu ihm abgebrochen hat, bedeutet das Fiasko der diplomatischen Isolierung des Kremls und einen klaren Sieg für Putin. Und das ist genau die Art von Sieg, die Putin anstrebt. 

Aber wird Trump ihm diese Chance geben, wenn es keine vorläufige Möglichkeit gibt, über ein Ende des Krieges zu verhandeln? Denn wenn der amerikanische Präsident den Gipfel als Friedensstifter verlässt, wird ihm wohl kaum jemand vorwerfen, Putins Isolation durchbrochen zu haben. Biden hat sich nicht getroffen, und der Krieg ging weiter, während Trump sich traf und von Putin „Frieden durch Stärke“ erhielt. Sollte Trump den Gipfel jedoch mit leeren Händen verlassen, wird die Bewertung seines Treffens mit dem russischen Präsidenten ganz anders ausfallen. 

Das wirft die Frage auf, welche Mittel Trump zur Verfügung stehen, um den russischen Präsidenten davon zu überzeugen, den Krieg zu beenden – und zwar mit einem Frieden, der nicht den Zusammenbruch der ukrainischen Staatlichkeit bedeutet und einen neuen russischen Angriff ausschließt? In der Tat gibt es nicht viele solcher Instrumente. Zölle und Abgaben funktionieren in den russisch-amerikanischen Beziehungen nicht. Es ist unwahrscheinlich, dass Trump im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld eine ernsthafte und dauerhafte Senkung der Ölpreise erreichen kann. Was bleibt, ist die Verschärfung der Sanktionen gegen Russland, vor allem gegen seine Energieunternehmen und die „Schatten“-Tankerflotte. Dies ist ein Prozess, der zu einem bedeutenden – wenn auch nicht schnellen – Ergebnis führen kann. 

Gleichzeitig kann aber niemand von uns behaupten, dass wir den tatsächlichen Zustand der russischen Wirtschaft verstehen. Eines ist klar: Wie auch immer die Verhandlungen ausgehen, Putin wird vor Trump bluffen und versuchen, das bestmögliche Ergebnis für sich zu erzielen, auch wenn er zumindest an einem Waffenstillstand interessiert ist. Wird sein amerikanischer Amtskollege also seinen Bluff durchschauen und einsehen, dass kein noch so großer Druck auf die Ukraine, die sicherlich leichter unter Druck zu setzen ist als der Kreml, den Druck des Weißen Hauses auf Russland ersetzen kann?

Die Antwort auf diese Frage ist in dem politischen Chaos der letzten Wochen schwer zu finden. Warten wir den Trump-Plan ab. 

Explosionen in der Rekrutierungsbehörde: Russlands Sabotagekrieg | Vitaly Portnikov. 03.02.2025.

Sabotageakte in ukrainischen Wehrmeldeämtern, Mord am Soldaten. All dies deutet darauf hin, dass der Feind über die Destabilisierung der Ukraine, über die Degradation des ukrainischen Hinterlandes nachdenkt und ernsthafte und systematische Schritte für diese Destabilisierung zu unternehmen beginnt. Und natürlich, wie es immer im Kampf gegen eine feindliche Gesellschaft der Fall ist, werden deren Schwachstellen ausgenutzt.

Es ist ganz offensichtlich, dass die Mobilisierung professioneller und effizienter durchgeführt werden muss. Dieses vom Volk erkannte Bedürfnis nach einer effizienteren und professionelleren Mobilisierung jedoch zu nutzen, um denjenigen für die entstandene Situation im Land verantwortlich zu machen, der nicht angegriffen hat, sondern denjenigen, der sich gegen den Angriff verteidigt, alles zu tun, damit die Bürger die Verantwortung für die Situation, in der sie sich befinden, dem eigenen Staat und nicht dem Staat zuschreiben, der täglich Pläne zur Zerstörung ihrer Staatlichkeit und ihrer eigenen Zerstörung schmiedet, das ist klassische Arbeit zur Destabilisierung der Lage in einem Land, das man erobern will.

Ich musste schon mehrmals erklären, dass Präsident Putin nur unter zwei wichtigen Bedingungen eine Entscheidung über einen Waffenstillstand im russisch-ukrainischen Krieg treffen wird. Die erste dieser Bedingungen ist die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage in Russland und die Notwendigkeit, neue Kräfte für den weiteren Kampf gegen die Ukraine zu sammeln. Die zweite Bedingung ist, dass Putin überzeugt ist, dass nach diesem Waffenstillstand die Möglichkeiten der politischen und sozialen Destabilisierung der Ukraine zunehmen werden.

Das heißt, die Möglichkeit, dass es gelingt, den feindlichen Staat ohne neue militärische Kampagne in die Hände zu bekommen, nur durch die Degradation seiner eigenen Gesellschaft und die Bereitschaft der Ukrainer, vor Moskau zu kapitulieren. Und was derzeit in der Ukraine geschieht, unterstreicht, dass der Kreml eine solche zweite Variante für wahrscheinlich hält.

In Moskau braucht man nichts zu erfinden. Es genügt, die Stimmung der eigenen Gesellschaft auf die ukrainische zu übertragen und solche Stimmungen zu imitieren. Es sei daran erinnert, dass im Jahr 2022, als Putin die Entscheidung zum Angriff auf die Ukraine traf und später die Mobilisierung russischer Bürger begann, in verschiedenen Regionen Russlands Brandstiftungen in Wehrmeldeämtern stattfanden.

Und wir verstehen, dass diese Brandstiftungen niemand organisiert hat, sondern einfach viele Bürger der Russischen Föderation nicht verstanden haben, warum sie in einen aggressiven Krieg mit dem Nachbarstaat ziehen sollten und dieses Schicksal vermeiden wollten. Das ist genau die Frage der Motivation, die Frage der Motivation des Angreifers und die Frage der Motivation dessen, der sein Land vor der möglichen Auslöschung von der politischen Landkarte der Welt und vor der möglichen Vertreibung derjenigen, die in diesem Land leben, in andere Länder verteidigt. Das natürlich, falls es tatsächlich zur Vertreibung und nicht zur physischen Vernichtung kommt.

Aber wenn man über die Destabilisierung der Lage nachdenkt, dann ist man absolut nicht an den wahren Motiven interessiert. Es ist wichtig, den Hass der Bürger des feindlichen Staates gegen ihn selbst zu demonstrieren und diesen Hass durch eigene Sabotageaktionen zu verstärken. Und außerdem die sozialen Medien zu nutzen, um eine Illusion der öffentlichen Meinung zu schaffen.

All dies kann natürlich auch neue Spaltungen in der ukrainischen Gesellschaft schaffen. Spaltungen, die nicht nur heute, sondern auch nach dem Ende der Kampfhandlungen gefährlich sein werden.

Denn dieses Ende kann nur eine Pause vor einem neuen, noch grausameren und verheerenderen Krieg sein.

Und für die russische Führung ist es wichtig, dass der nächster Krieg tatsächlich mit der Einnahme der ukrainischen Hauptstadt in drei Tagen endet, mit der Bildung einer Marionettenregierung in Kyiv, mit der Eingliederung eines Großteils der Regionen im Osten und Süden unseres Staates in Russland und mit der Umwandlung des restlichen Teils der Ukraine in einen Marionettenstaat innerhalb der sogenannten Unionsstaat Russland, Ukraine und Belarus.

All dies sind russische politische Pläne, von denen im Kreml niemand jemals abgegangen ist und in den nächsten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, wenn es die Kräfte zulassen, nicht abgehen wird.

Aber wie kann man sich die Aufgabe erleichtern? Wie kann man der Existenz der Ukraine ein Ende setzen? Die Ukraine muss von den Ukrainern selbst zerstört werden. So lautet derzeit die Parole der russischen politischen Führung, der russischen Propaganda, der Bürger der Russischen Föderation, die überzeugt sind, dass ihr Staat für den Teil des Territoriums kämpft, der zu Recht den Russen gehört.

Und damit die Ukrainer ihren Staat selbst zerstören, ihre Gesellschaft selbst zerstören und den Russen die Aufgabe erleichtern, weitere Schritte zur Schaffung eines Imperiums zu unternehmen, das mit den Vereinigten Staaten von Trump oder der Volksrepublik China unter Xi Jinping konkurrieren kann, müssen sich die Ukrainer gegenseitig hassen. Sabotageakte, interne Streitigkeiten, die Unfähigkeit, die Bedeutung der Bildung einer Regierung der nationalen Einheit zu erkennen, das Fehlen einer effektiven politischen Führung des Staates durch den Willen der überwiegenden Mehrheit der Wähler. All dies trägt dazu bei, dass Moskau das Gefühl hat, dass der Sieg nahe ist und die Ukraine bald nicht mehr auf der politischen Landkarte der Welt existieren wird, und alle, die auf ihrem Territorium unter russischer Herrschaft verbleiben, sich schließlich zu Russen und nicht zu Ukrainern erklären werden.

Und so wird die ukrainische Frage, die die Russen in den letzten Jahrhunderten beschäftigt hat, endlich endgültig und für immer gelöst sein.

Um ein solch schreckliches Ende zu vermeiden, um zu verhindern, dass die Ukraine für Europa zum Lehrstück einer Nation wird, die im eigenen Land gescheitert ist, ist es notwendig, die staatliche und nationale Einheit aufrechtzuerhalten und sich bewusst zu machen, was im ukrainischen Staat tatsächlich geschieht und geschehen wird. Denn die Destabilisierung, die Sabotage, all das wird mit jedem neuen Tag zunehmen. Und wenn ein Waffenstillstand in den Feindseligkeiten ausgerufen wird, wird er sich in einen massiven systematischen Angriff des russischen Staates auf den ukrainischen Staat verwandeln. 

Und wenn die Ukrainer nicht in der Lage sind zu verstehen, was in ihrem Land und in ihren Häusern geschieht, kann ich garantieren, dass wir in einer solchen Situation nicht den Krieg, sondern den Frieden verlieren werden, und der Frieden wird die Ära sein, die der ukrainischen Staatlichkeit ein Ende setzen wird. 

Genau diese gefährliche Entwicklung, die im Kreml bereits geplant ist, gilt es zu verhindern. Dieser Plan von Wladimir Putin und seiner Entourage muss vereitelt werden, so wie Putins sorgfältig geplanter Blitzkrieg 2022 gescheitert ist.

Handelskriege beginnen | Vitaly Portnikov. 02.02.2025.

Wie wir sehen, hat Donald Trump niemanden getäuscht, als er während seines Wahlkampfs versprach, Zölle und Abgaben als effektives politisches Instrument einzusetzen.

Gegen Kanada und Mexiko wird diese Zollwaffe bereits eingesetzt, die Europäische Union steht als nächstes an. Ich gehe davon aus, dass auch die Zölle gegen die Volksrepublik China erhöht werden, die im Vergleich zu Kanada und Mexiko bisher mit einem leichten Schrecken davon gekommen ist. Dies liegt aber möglicherweise daran, dass der Anteil der chinesischen Präsenz auf den amerikanischen Märkten sogar größer erscheinen mag als der Handel mit den Nachbarländern.

Offensichtlich werden die Entscheidungen von Donald Trump ein schwerer Schlag für die Wirtschaft der Nachbarländer sein.

Was auch immer in Kanada und Mexiko gesagt wird, die Gegenzölle, die gegen amerikanische Waren erhoben werden, werden sich nicht so stark auf die amerikanischen Importeure von Waren nach Kanada und Mexiko auswirken, wie sich die Zölle von Donald Trump auf die Möglichkeiten der kanadischen und mexikanischen Wirtschaft auswirken werden. 

Gleichzeitig verstehen wir aber sehr wohl, dass die Wirtschaft der Vereinigten Staaten und vor allem der amerikanische Verbraucher ernsthafte Probleme haben werden. Niemand zweifelt daran, dass die Preise für wichtige Güter in den Vereinigten Staaten steigen werden, dass die Preise für Lebensmittel steigen werden, dass die Preise für Autos steigen werden, dass die Preise für Technologie und viele andere Waren, an die Amerikaner sich gewöhnt haben, steigen werden. 

Natürlich wird auch der politische Preis für die Entscheidungen von Donald Trump steigen, denn die drei Nachbarländer, die einen gemeinsamen Markt in Mittel- und Südamerika bildeten, stehen praktisch kurz vor einem Bruch der wirtschaftlichen Beziehungen. Und gleichzeitig ist es schwer zu behaupten, dass diese Entscheidung von Donald Trump zu den Ergebnissen führen wird, die er erwartet.

Es ist klar, dass es nicht um Drogen geht. Es wurde bereits gesagt, dass der Anteil Kanadas am Auftreten von Drogen auf den Straßen amerikanischer Städte nicht mehr als ein Prozent beträgt. Das wichtigste Instrument wäre hier eine zuverlässigere Kontrolle der Drogenverbreitung und nicht die Frage der Einfuhr aus Nachbarländern.

Es ist klar, dass Donald Trump nicht nur an der Rettung derjenigen denkt, die Drogen konsumieren, sondern auch an die Verlagerung der Produktion aus Ländern wie Kanada, Mexiko und möglicherweise der Volksrepublik China in die Vereinigten Staaten.

Ich glaube, dass auch dies nicht geschehen wird. Amerikaner haben über viele Jahrhunderte für ihre Rechte im Hinblick auf die Möglichkeiten jedes arbeitenden Bürgers gekämpft. Und das war ein ziemlich harter und erfolgreicher Kampf. Genau diese Erfolge haben die Vereinigten Staaten zu dem Land gemacht, das wir kennen und auf das wir stolz sind. Genau dieser Kampf

führte dazu, dass die Arbeitskosten in den Vereinigten Staaten von Amerika unvergleichlich höher sind als die Arbeitskosten nicht nur in Mexiko, sondern sogar in Kanada. Von der Volksrepublik China spreche ich gar nicht erst. Und das ist, so paradox es auch erscheinen mag, ein funktionierendes Wirtschaftsmodell, das seit der Zeit des alten Roms funktioniert. Dort, wo die Bürger am effektivsten für ihre Rechte und Möglichkeiten kämpfen, sind die Arbeitskosten sehr hoch. Wenn diese Hochlohnländer jedoch wirksame Bündnisse mit Ländern eingehen, in denen die Arbeitskosten nicht so hoch sind, können sie billigere Produkte erhalten, und in ihrem eigenen Land können sie aktiver an Erfindungen, Innovationen und all den Aufgaben arbeiten, die im Großen und Ganzen das Gehirn der Weltwirtschaft ausmachen.

Genau damit haben sich die Vereinigten Staaten seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten, beschäftigt. Man muss sich nur die Liste der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften oder Naturwissenschaften ansehen, um dies zu verstehen. Dieses Wirtschaftsmodell ist nicht einmal durch Donald Trump zu ändern. Selbst wenn man annehmen würde, dass der neue amerikanische Präsident die amerikanische Verfassung brechen und noch eine Amtszeit regieren könnte. Selbst wenn man annehmen würde, dass der amtierende amerikanische Präsident die Naturgesetze brechen und ewig leben könnte.

Die Gesetze der Wirtschaft und Politik gehorchen nicht dem Willen eines einzelnen Menschen, selbst nicht eines so exzentrischen und selbstgefälligen wie Donald Trump. Allerdings müssen wir auch verstehen, dass solche Entscheidungen ein ernsthaftes Chaos in der Weltwirtschaft verursachen und zu völlig unvorhersehbaren Folgen in den Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und den Nachbarn führen können, die derzeit versuchen, wirksame Gegenmaßnahmen zu den Entscheidungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu finden. Ebenso können die Folgen in den Beziehungen zu anderen Länder entstehen, deren Führer plötzlich denken könnten, dass Zölle und Abgaben das Blut der neuen Weltwirtschaft sind.

Wie viel auch immer über den Kampf von Donald Trump und seinen Verbündeten gegen die sogenannten Globalisten gesprochen wird, man muss eine sehr einfache Sache verstehen: Die Vergangenheit kann die Zukunft niemals besiegen, selbst wenn die Vergangenheit die Macht übernimmt. Das einzige, was die Vergangenheit tun kann, ist zu beweisen, dass ihre Wahl falsch, tragisch war und dass diejenigen, die für sie gestimmt haben, mit ihrer wirtschaftlichen Lage, den Perspektiven ihrer Kinder und in vielen Fällen sogar mit ihrem Leben dafür bezahlen.

Und vielleicht muss der amerikanische Wähler, der für Donald Trump gestimmt hat, diese entmutigenden und deprimierenden Schlussfolgerungen bereits in den nächsten Jahren ziehen. In diesem Sinne wird die historische Bedeutung des neuen Präsidenten sowohl für die Vereinigten Staaten von Amerika als auch für die ganze Welt wirklich groß sein. Denn nachdem Donald Trump die politische Bühne zusammen mit dem Kurs, den er verkörpert, endgültig und unwiderruflich verlässt, werden die Fragen, warum die Menschen eine globale Wirtschaft und Zusammenarbeit brauchen, von selbst verschwinden, und kein politischer Führer wird jemals wieder Wahlen zum amerikanischen Präsidenten unter dem lächerlichen Slogan des Einsatzes von Zöllen und Abgaben gewinnen. Es ist durchaus möglich, dass Donald Trump der letzte solche Politiker in unserer jüngsten Geschichte ist. 

Zelenskys Interview: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 02.02.2025.

Volodymyr Zelensky sagte in einem Interview mit der Associated Press, dass die Ukrainer dem Frieden näher seien als je zuvor.

Es stellt sich natürlich die Frage, wie glaubwürdig die Informationen sind, auf deren Grundlage der ukrainische Präsident diese Schlussfolgerung zieht. Denn wir sehen, dass der russische Machthaber Putin derzeit keinerlei, nicht einmal das geringste, Verlangen zeigt, die Feindseligkeiten und seinen Kampf gegen die ukrainische Staatlichkeit zu beenden.

Aber wahrscheinlich lässt sich alles logischer erklären. Zelensky spricht von der Nähe zum Frieden, weil sein amerikanischer Kollege Donald Trump dies tut, der wiederholt betont hat, dass er sich mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges befasst. Und in der Trump-Administration wurde bekanntlich versprochen, dass dies nicht in Jahren, sondern in Monaten geschehen würde. So sehen wir weniger eine Prognose und nicht einmal eine Ansprache an die ukrainische Gesellschaft, sondern eher den Wunsch, im Einklang mit den Versprechungen und Erwartungen des neuen amerikanischen Präsidenten zu sprechen.

Meiner Meinung nach muss man sich bewusst machen, dass die Zeiten der öffentlichen Politik, in denen man seine Stimmung durch Interviews mit Nachrichtenagenturen signalisieren konnte, vorbei sind. Genauer gesagt, sie haben nie begonnen. 

Die Ukrainer haben sich natürlich selbst überzeugt, dass die erhebliche Unterstützung des Westens auf den Reden beruhte, die der ukrainische Präsident in den Parlamenten verschiedener Länder der Welt vortrug. Aber tatsächlich beruhte diese Unterstützung, wenn man vom Westen spricht, nur auf einem: Butscha, den Repressionen der russischen Besatzer, ihren Gräueltaten.

Und wie es in der Geschichte westlicher Gesellschaften schon oft der Fall war, als die Erinnerung an diese Gräueltaten nachließ, begann die überwiegende Mehrheit der Menschen, den russisch-ukrainischen Krieg einfach zu vergessen und nicht zu verstehen, warum er nicht beendet werden kann, damit nicht noch mehr Menschen sterben.

Für den Durchschnittsbürger sind Fragen der Grenzen, der Staatlichkeit, der Souveränität zweitrangig im Vergleich zum Leben eines normalen Menschen, seinem Wohlbefinden und seiner Ruhe. Über staatliche Werte, internationales Recht, die Bedeutung der Rolle des einen oder anderen Landes in der Weltpolitik kann man mit Fachleuten sprechen.

Mit Fachleuten spricht man jedoch nicht in Interviews mit Nachrichtenagenturen. Hier ist eine andere, viel ernstere und raffiniertere Arbeit erforderlich, die auch Staaten vor dem Verschwinden von der politischen Landkarte der Welt gerettet hat, die für den Durchschnittsbürger völlig unwichtig waren.

Aber Interview hin oder her. Zelensky sagt, dass es sehr gefährlich ist, dass Verhandlungen über die Zukunft der Ukraine ohne die Ukraine geführt werden. Und er spricht von der Notwendigkeit solcher Verhandlungen mit Beteiligung der Vereinigten Staaten, der Ukraine, der Russischen Föderation und der Europäischen Union. 

Das Problem ist jedoch, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, ein völlig anderes Modell sieht, wenn er sagt, dass Amerikaner und Russen bereits über die Möglichkeit des Friedens in der Ukraine sprechen, ohne jegliche Konsultation mit der ukrainischen Führung.  Über die Ukraine spricht Trump im Kontext dieser Gespräche mit Russland nicht einmal. 

Man muss sich darauf vorbereiten, dass er irgendwann zu dem Schluss kommen wird, dass es den Russen die Verhandlungen mit ihm und seinen Prestige in der internationalen Politik völlig egal sind. Und dann wird man auch über weitere Schritte mit dem neuen amerikanischen Präsidenten sprechen müssen, aber nicht öffentlich, um ihn nicht der ganzen Welt als eine Person darzustellen, die nicht in der Lage ist, ihre Verpflichtungen zu erfüllen und die Geschehnisse in der heutigen Welt nicht realistisch einschätzen kann.

Natürlich ist der Vorschlag Zelenskys zu Verhandlungen über ein Kriegsende, an denen Amerikaner, Ukrainer, Russen und Europäer teilnehmen würden, ein absolut logischer Vorschlag. Nur funktioniert die Logik in den Beziehungen zwischen Trump und Putin, zu meinem großen Bedauern, nicht.

Es funktioniert die Vorstellung, dass die Führer großer Mächte das Schicksal der Welt entscheiden und alle anderen sich mit den Vereinbarungen abfinden müssen, die sie erreichen können.

Zelensky sagt, dass Putin direkte Verhandlungen mit Kyiv fürchtet. Meiner Meinung nach sollte man ein ganz anderes Verb verwenden. Putin hat keine Angst vor direkten Verhandlungen mit Kyiv, aus dem einfachen Grund, dass er die ukrainische Führung verachtet, und das nicht erst seit 2019, ich würde sagen, seit 1991.

Er betrachtet die Ukraine nicht als souveränen Staat, sondern als aufständische Provinz seines Landes, deren Bewohner unterworfen werden und erkennen müssen, wo ihre wahre Hauptstadt und wo ihr wahrer Präsident ist.

Aus Putins Sicht ist er der Präsident des gesamten Territoriums, das früher die Sowjetunion war. Und er ist bereit, mit Raketen, Drohnen, Panzern und Soldaten allen dies zu beweisen, die mit seinem chauvinistischen Wahn nicht einverstanden sind. Es ist also keine Angst, sondern Verachtung und Geringschätzung.

Über die Ukraine, wie über jedes andere Gebiet, das er für sein eigenes hält, ist Putin bereit, mit denen zu sprechen, die er für seinesgleichen hält. Und hier stimmt seine politische Philosophie erstaunlicherweise mit der politischen Philosophie des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten überein. Und hier kann man

mit Volodymyr Zelensky übereinstimmen: es ist eine Gefahr. In seinen Überlegungen zu Sicherheitsgarantien für die Ukraine sagt Zelensky, dass ein Friedenstruppenkontingent allein nicht ausreicht, sondern dass die ukrainische Armee bewaffnet werden muss, dass sie ein neues technisches Niveau erreichen muss, Waffen unter amerikanischen Lizenzen.

Mit all diesen Überlegungen kann man übereinstimmen, obwohl man sich daran erinnern sollte: Die Russische Föderation stimmt nicht zu und wird wahrscheinlich auch nicht mit einem Friedenstruppenkontingent übereinstimmen, das ihr nicht erlaubt, in Zukunft einen neuen, noch zerstörerischeren Angriff auf die Ukraine zu starten.

Die Waffenproduktion ist natürlich ein ziemlich wichtiger Faktor, der die Russische Föderation von einem neuen Angriff auf die Ukraine abhalten kann, aber nur bis zu dem Zeitpunkt, an dem die Russische Föderation selbst über genügend Waffen und Soldaten verfügt, um einen solchen Angriff durchzuführen.

Und ich habe in jedem Fall die Forderungen nach dem Beitritt der Ukraine zum Nordatlantikvertrag nicht aufgegeben, wohl wissend, dass nur dieser Beitritt den Ukrainern zumindest so lange eine friedliche Zukunft garantieren kann, bis Moskau die Entscheidung für einen Krieg mit dem NATO-Bündnis trifft. Aber dann wird es für alle kein leichtes Spiel mehr sein.

Kein Friedenstruppenkontingent, das meiner Meinung nach nicht an der Kontaktlinie zwischen den Armeen zweier verfeindeter Staaten stehen wird, kein militärisch-industrieller Komplex garantiert das Fehlen eines Krieges. Er wird es uns ermöglichen, in einer Welt zu leben, in der es wahrscheinlich lange Friedensperioden und kurze zerstörerische Kriege geben wird, aber ohne Krieg zwischen Russland und der Ukraine wird die weitere Geschichte dieser beiden verfeindeten Länder, wenn eines von ihnen das andere nicht zerstört, nicht ausbleiben.

Und das Wichtigste ist vor allem, dass man sich bewusst machen muss, wie wichtig jetzt nicht die öffentliche, sondern die nicht öffentliche Arbeit mit den amerikanischen Politikern aus dem engsten Umfeld von Donald Trump ist. Wenn wir General Keith Kellogg von der Notwendigkeit sprechen hören, in der Ukraine Wahlen abzuhalten, auch ohne eine Einstellung der Feindseligkeiten, müssen wir verstehen, dass dies nicht das Ergebnis eines Interviews mit Wladimir Putin oder anderen russischen Beamten ist, sondern das Ergebnis bewusster, durchdachter und ernsthafter Lobbyarbeit der Russen in Washington, einer Arbeit, die amerikanische Politiker davon überzeugen soll, dass die derzeitige ukrainische Regierung illegitim und nicht vertrauenswürdig ist. Solche Fallen des Kremls, der genau weiß, wie er mit denjenigen arbeitet, die ihn hören wollen, werden wir immer ernster nehmen müssen. Wenn wir auf diese Fallstricke mit öffentlichem Reden reagieren, stehen uns meiner Meinung nach schwere Zeiten bevor.

Bristol. Vitaly Portnikov. 02.02.2025.

https://zbruc.eu/node/120599?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR0ZgeCLpdpNOVmQJbnaHPuCU5m6d5Rc_IH4ZlAD0jtLEi9BLlV2yMJSRmw_aem_zRj4tbfVa_wEq0iTY3A6mA

In den ersten Tagen des großen Krieges, als alles noch ganz am Anfang stand, fragte mich einer meiner ausländischen Kollegen, ob ich wirklich glaubte, dass die Russen die historischen Zentren von Kyiv, Charkiw, Odesa oder Lviv beschießen würden.

Ich habe nicht vermutet – ich war mir sicher. Ich kenne die Russen gut, mit ihrem Mantra: „Dann sollst du keinem gehören !“ ( ein Spruch aus „Mädchen ohne Mitgift“ von Alexander Ostrowski ). Mir war klar, dass sie alles, was sie erreichen konnten, zu verderben versuchten, und alles, was sie nicht erreichen konnten, zu zerstörten. Ich wusste, dass sie kein Gefühl für die Erinnerung haben, weder an die der anderen noch an die eigene, und dass es für sie ganz normal ist, ein historisches Gebäude abzureißen um an seiner Stelle ein neues, totes Gebäude zu errichten, das aber „besser als das alte“ ist. Mir wurde klar, dass sie weder in Menschen noch in Gebäuden eine Seele spüren. Dass für sie die Bewunderung von Meereslandschaften oder alten Kirchen in erster Linie ein Attribut und kein Bedürfnis ist, ein Versuch, die Anwesenheit einer Seele und Gefühlen zu imitieren. Ich habe Königsberg nicht vergessen, das von den Ruinen seiner alten Gebäude „befreit“ in ein bedeutungsloses Kaliningrad verwandelt wurde. Ich habe auch nicht vergessen, dass in den acht Jahrzehnten seit dem Zweiten Weltkrieg keiner der führenden russischen Schriftsteller an die Tragödie dieser großen Stadt, eines der wichtigsten zivilisatorischen Zentren Europas, erinnert hat. Die einzige Schriftstellerin, die die Wunden Königsbergs berührte, war Galina Pahutyak, und ihr Weinen über die fremde Ruinen wurde zu einer Vorahnung dessen, was Moskau mit den ukrainischen Städten anstellen möchte.

Es würde gerne ihre Seele töten, es würde gerne ihre Atmosphäre zerstören. Denn wenn man eine Stadt tötet, tötet man auch die Hoffnung ihrer Bewohner, dass alles wieder normal wird und sie wieder durch ruhige, friedliche Straßen an vertrauten Gebäuden vorbeigehen werden. Denn wenn es keine Straßen und keine Gebäude gibt, gibt es auch keine Seele!

Nach dem, was fast jeden Tag auf den Straßen von Charkiw passiert, nach den zerstörten Stadthäusern im historischen Zentrum von Lemberg, nach den Anschlägen auf Museen und Theater kann uns natürlich nichts mehr überraschen. Aber Überraschung und Traurigkeit sind unterschiedliche Gefühle. Der Raketenangriff auf Bristol ruft ein Gefühl der Traurigkeit und Verzweiflung hervor: Wie kann man nur so herzlos sein? Über diese Gefühllosigkeit schrieb einst, nach dem Zweiten Weltkrieg, der brillante polnische Essayist Jerzy Stempowski, der in den Ruinen Europas betonte, dass diejenigen, die diese Zerstörungen planten, keinen Sinn für die Kontinuität der Werte hatten, die in den zerstörten Gebäuden weiterlebten, die das Erbe Europas waren, seine Atmosphäre, seine Bescheidenheit und sein Exzess, sein Chic und sein stilles Gebet. Jede tote Kirche und jedes tote Haus hat Europa das genommen, was es nach zwei großen Kriegen nie mehr zurückbekommen konnte.

So geht es mir auch heute, wenn ich an die Versuche denke, die historischen Zentren unserer Städte zu zerstören, an die Barbaren, die nichts vergessen und nichts gelernt haben. Ich denke, dass die Leute, die die Befehle geben und die Raketen abschießen, noch vor einigen Jahren durch die Straßen gehen konnten, die sie heute zerstören, auf der Sommerterrasse eines Cafés in Odesa sitzen und zu ihrem Begleiter, der gerade das Bristol betrachtete, sagen konnten: „Schau, was für ein schönes Haus.“ Hätten sie gedacht, dass sie jemals versuchen würden, dieses Haus zu zerstören? Was mich betrifft, so war es ihnen schon damals egal…

„Das Bristol war schon immer anders als die klassischen europäischen Hotels. Natürlich baute Bernadazzi ein klassisches europäisches Hotel, aber die Inneneinrichtung erinnerte einen daran, dass man nie zu viel Luxus und Raffinesse haben kann. Das europäische Hotel aus der Zeit des Bristol faszinierte durch seine strenge Form und die Bequemlichkeit des Lebens, aber das Bristol selbst gab Ihnen die Möglichkeit, sich in all den Kronleuchtern dieses Odesa-Europas zu zeigen – und daran konnte auch das Hotel Krasnaja nichts ändern! Ja, das Bristol war schon immer ein Exzess. Aber ist es nicht gerade dieser Exzess, diese Gastfreundschaft, diese Fähigkeit, über das eigene Selbstüberschätzung zu lachen, für die wir Odesa lieben? Bristol hatte schon immer all die Exzesse, die Überheblichkeit und die Ironie einer Großstadt am Schwarzen Meer – einer Stadt, die die Russen, wie dieser hässliche Gollum aus Tolkiens Romanen, immer als „ihr Schatz“ betrachtet haben, immer beneidet haben und rasend wurden, das es unseres, nicht ihres ist. Und nun ist wieder einmal eine Rakete im Zentrum dieser Stadt eingeschlagen. Und sie hat das Bristol direkt getroffen.

Ich habe diese Hotels, die in ihrer Zeit stehen geblieben sind, immer geliebt. Hotels, in deren Lobbys man die Anwesenheit von Gästen, die gerade ihre Zimmer vor hundert Jahren verlassen haben, körperlich spüren kann. Ich stellte mir vor, wie Vera Kholodnaya langsam von ihrem Zimmer im Bristol zur Bar hinunterging, und ich sah das Entsetzen in ihren Augen, als sie den Aufprall von etwas Hartes und Unerbittliches direkt neben dem Hotel hörte. Die schwarzen, tiefen Augen von Vera Kholodnaya. Das Champagnerglas, das ihr aus der Hand glitt und in zischende Scherben zerbrach. Die erschrockenen Schreie der Karyatiden des Hotels. Das Echo eines Raketeneinschlags in einer nächtlichen Stadt. Jetzt werde ich mich an all dies zusammen erinnern. Und es wird auch die Atmosphäre sein – die Atmosphäre eines anderen Odesa, das immer noch nicht zerstört werden kann.

Ich dachte, überall auf der Welt herrscht Krieg… Nadia Sukhorukova. 02.02.2025.


Foto von der Seite Mariupol Destruction and Victims

Ich dachte, überall auf der Welt herrscht Krieg…

Es funktioniert nicht so, dass man die Stadt verlässt und scheinbar die Fernbedienung des Fernsehers umlegt.  Es ist ein völlig anderes Bild.  Zwanzig Kilometer entfernt gibt es keinen Krieg.  Im Dorf gibt es Wasser, Strom und einen Brotkiosk in der Nähe.

 Meine Tante Oleksandra und ich haben Brot aus Luft gekauft.  Es war saftig und porös, man konnte gar nicht genug davon bekommen.  Aber alle haben es gegessen.  Sie brachen ein Stück vom Laib ab und schluckten es, ohne zu kauen.

 Die Frau am Kiosk sah überrascht aus.  Ich wusste nicht, ob sie von unserem Unglück wusste oder nicht, also versuchte ich zu erklären: „Wissen Sie, wir kommen gerade aus Mariupol. Wir haben kein Brot, keinen Strom und kein Wasser. Wir haben nichts. Wir werden die ganze Zeit bombardiert.“

Ich fing an zu weinen. Ich wollte das nicht. Die Tränen kamen von allein. Während des schlimmsten Beschusses habe ich nicht geweint, aber hier, vor einem Fremden, habe ich wie eine Dumme geweint.  Ich konnte mich nicht zurückhalten.  Ich sah die Verkäuferin an und schluchzte.  

Die Frau fing an, sich zu bekreuzigen.  Meine Tante Sasha hat mich gerettet. Sie kam hinter mir her und sagte: „Du musst noch fünf Brote kaufen.“ 

„Wozu?“  – fragte ich.

„Was ist, wenn wir weiterfahren und uns das Brot ausgeht? Dann können wir es nirgendwo mehr kaufen.“ Sie glaubte auch nicht, dass der Krieg nicht über die ganze Welt herrscht.

Das Dorf Mangusch mit russischen Kontrollpunkten und langen Schlangen von kaputten Autos und erschöpften Menschen.  Zuerst könnten wir nicht reinfahren.

Wir standen auf der Autobahn, mitten auf einem Feld, und die Besatzer schossen vom Dorf aus auf Mariupol. 

Von Mariupol nach Mangusch sind es 20 Minuten Fahrt.  Wenn man mit dem Auto fährt.  Und eine ganze Ewigkeit, wenn man es mit dem Krieg misst.

Uns wurde gesagt, dass die Straße vermint sei.  Aber wir sind durchgefahren. Und wir sahen Raketen über das Feld in die Stadt fliegen.  Sie haben eine Abkürzung genommen.  Um die bebenden Hochhäuser von Mariupol so schnell wie möglich zu treffen, berechnete der russische Korrektor die richtige Richtung.

Mariupol lag in einer anderen Dimension.  Auf der Seite des Todes. Die Stadt war zertrümmert und lag in Trümmern.  Aber sie wurde weiterhin von Granaten getroffen.

Wir waren verängstigt.  Wir hatten Angst, dass unsere Leute reagieren würden und wir alle sterben würden.  Unsere Seite hat nicht reagiert.  Es war schmerzhaft. Wurden alle in Mariupol getötet, konnte niemand die Stadt verteidigen?

Eine lange Kolonne von Autos und Menschen, die wie Landstreicher, die sich im Wald verirrt hatten, aussahen.  In schmutzigen Jacken, mit mit irgendwelchen verbundenen Wunden und hoffnungslosen Augen.  Später erkannten wir die Einwohner von Mariupol in jeder anderen Stadt der Ukraine an diesen Augen, und das für eine lange Zeit.

Es war eine lange Schlange ins Nirgendwo.  Das gesamte Gebiet um Mariupol war von Raschisten besetzt.

Zwanzig Kilometer von der Stadt entfernt fing eine andere Hölle an.  Die Hölle der Besatzung.

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Я думала, що війна на всій землі…

Так не буває, щоб виїхав із міста і начебто переключили пульт телевізора.  Зовсім інша картинка.  Двадцять кілометрів і немає війни.  У селищі поруч вода, світло та кіоск із хлібом.

 Ми з тіткою Олександрою  купували хліб, зроблений  із повітря.  Пишний та пористий.  Їм неможливо було наїстись.  Але їли всі.  Відщипували  шматок  від буханця і ковтали не пережовуючи.

 Жінка у кіоску дивилася здивовано.  Я не розуміла чи знає вона про нашу біду чи ні, і постаралася пояснити: „Розумієте, ми тільки що з Маріуполя. У нас там немає хліба, світла, води. Нічого немає. Нас увесь час бомблять“

І почала плакати. Я не хотіла. Сльози бігли  самі. 

Я не плакала під час найстрашніших обстрілів, а тут при незнайомій людині розплакалася, як дурниця.  Не могла зупинитись.  Дивилася на продавчиню та схлипувала.  

Жінка почала хреститися.  Врятувала мене тітка Саша. Вона підійшла ззаду і сказала: 

„Треба взяти ще п’ять буханців“ 

„Для чого?“  – Запитала я.

„А раптом ми поїдемо далі і хліб скінчиться? Його знову не можна буде ніде купити“

Вона теж не вірила, що війна не на всій землі.

Селище Мангуш з російськими блок постами та довгими чергами розбитих машин та змучених людей.  Спочатку ми не могли туди в’їхати.

Стояли на шосе серед поля, а окупанти били із селища по Маріуполю. 

Від Маріуполя до Мангуша 20 хвилин їзди.  Якщо машиною.  І ціла вічність, якщо виміряти війною.

Нам казали, що дорога замінована.  Але ми проїхали. І бачили ракети, які через поле летіли на місто.  Вони скорочували шлях.  Щоб швидше вдарити у тремтячі маріупольські  багатоповерхівки, російський коригувальник вираховував  потрібний напрямок.

Маріуполь знаходився в іншому вимірі.  На боці смерті. Місто було розбите вщент і лежало в руїнах.  Але його продовжували бити снарядами.

Нам було страшно.  Боялися, що наші дадуть відповідь і ми всі загинемо.  Наші не відповіли.  Стало боляче. Раптом у Маріуполі всіх знищили та більше ніхто не зможе захистити місто?

Довга колона машин і люди, як бродяги, що загубилися в лісі.  У брудних куртках, з перев’язаними, якимись ганчірками, ранами та безнадійними очима.  Ми потім по цих  очах  довго впізнавали маріупольців у будь-яких містах України.

Це була довга черга в нікуди.  Уся територія навколо Маріуполя була зайнята рашистами.

За двадцять кілометрів від міста було інше пекло.  Пекло окупації.

Фото зі сторінки Mariupol Destruction and Victims   

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