Äthiopischer Stern. Vitaly Portnikov. 29.12.24.

https://zbruc.eu/node/120330?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR2dvhX2rxdYvNA1hY-ll5hljaueZCzBrc_wO5dBgC1-jS7LZL07aIRBNDo_aem__KSKJZ3PmjRHKuAxWgRsgQ

In den letzten Wochen des Jahres 2024 erfuhren die Verwandten von Ras Desta Damtew, dem ehemaligen Oberbefehlshaber der äthiopischen Armee während der italienischen Invasion, dass seine wichtigste Auszeichnung, der goldene kaiserliche Orden des Sterns von Äthiopien, in einer Online-Auktion verkauft werden sollte. Es stellte sich heraus, dass diese Auszeichnung jahrzehntelang von der Familie eines italienischen Soldaten aufbewahrt worden war, der bei der Hinrichtung des Kommandeurs zugegen war. Den Verwandten gelang es, dieses Geschäft zu verhindern. Vielleicht half ihnen auch die Tatsache, dass die UN-Kommission für Kriegsverbrechen 1948 die Teilnehmer an der Hinrichtung von Rasa Damtu als Verbrecher anerkannte. Und ein Verbrecher ist definitiv keine Person, die die fremde Auszeichnungen verkaufen darf.

Die Geschichte des Ordens von Desta Damtew hat einmal mehr die Aufmerksamkeit auf eine Tragödie gelenkt, die sich vor 90 Jahren ereignete und in der Geschichte unserer Zivilisation keinen Platz zu haben scheint. Ras Desta Damtew, der seinen Vater im ersten Krieg mit Italien um die Unabhängigkeit Äthiopiens verloren hatte, war ein typischer äthiopischer Aristokrat und ein Partylöwe – und blieb ein exzentrischer Unruhestifter, auch nachdem er der Schwiegersohn des Kaisers geworden war. Er leistete jedoch erbitterten Widerstand gegen die Italiener, die 1935 erneut in Äthiopien einmarschierten, selbst nachdem Kaiser Haile Selassie I. gezwungen worden war, das Land zu verlassen. Der Kampf endete mit seiner Gefangennahme und Hinrichtung – Ras wurde von äthiopischen Kollaborateuren getötet, die Italiener gaben nur Befehle. Nach dieser Hinrichtung wurde Desta Damtew jedoch, wie oft bei solchen Helden, zu einem äthiopischen Nationalmythos, dessen Wahrnehmung auch durch den Zusammenbruch des kaiserlichen Regimes und die jahrzehntelange brutale pro-moskauische Diktatur nicht beeinträchtigt wurde, damals wie heute gilt Rasa Desta Damtu als Symbol des äthiopischen Widerstands. Daher ist der Versuch, seinen Orden als schönes Schmuckstück zu verkaufen, für Äthiopien eine Erinnerung an die nationale Demütigung und die Wiederherstellung der Staatlichkeit, während er für uns eine seltsame historische Kuriosität darstellt.

Eine Kuriosität, weil wir gewohnt sind, den Beginn des Zweiten Weltkriegs von Ländern in unserer Nähe zu zählen, wenn nicht gleich von Polen, dann von der Tschechoslowakei oder dem österreichischen Anschluss, oder von München… Wir nehmen Äthiopien kaum als gleichbedeutenden Staat wahr, zumal vor dem Hintergrund des kolonialen Afrikas der Kampf eines seiner Länder um Souveränität wie eine Kuriosität erscheinen mag.

Indes war Äthiopien mit seiner tausendjährigen Staatstradition und seinem tausendjährigen jüdischen und christlichen zivilisatorischen Erbe ein Staat, der den Ländern Nordamerikas oder Europas in nichts nachstand, und daran änderte auch der archaische Charakter seines Regimes und seiner Gesellschaft nichts. Der Angriff Nazi-Italiens auf Äthiopien und dessen anschließende Annexion war der erste Versuch, die Weltordnung zu verändern – zu einer Zeit, als Hitler gerade an Stärke gewann. Der Kaiser rief vergeblich um Hilfe aus dem Westen, da er erkannte, dass seine Armee nicht lange allein gegen einen gut bewaffneten und ausgebildeten Angreifer bestehen konnte, der nach dem Scheitern des Blitzkriegs  gegen Äthiopien zum Einsatz chemischer Waffen griff. Haile Selassie nannte sein Land die letzte Festung der kollektiven Sicherheit und warnte: „Wenn sie nicht kommen, werde ich es prophetisch und ohne Bitterkeit sagen: Der Westen wird untergehen.“

Der Kaiser hatte Recht. Zehn Jahre nach dem italienischen Angriff auf Äthiopien war Europa verwüstet. Der Westen ging damals nur deshalb nicht unter, weil Hitler und Mussolini ihre Stärke überschätzten und beschlossen, nicht nur Europa zu erobern, sondern auch die Sowjetunion mit ihrem unerschöpflichen Mobilisierungspotenzial und ihrer absoluten Missachtung des Wertes von Menschenleben zu vernichten. Doch der Westen „bezahlte“ Stalin mit Mitteleuropa, mit der Anerkennung der Gebietserwerbungen der UdSSR, die in Stalins Vorkriegsabkommen mit Hitler festgelegt worden waren, und mit dem Triumph des Kommunismus in China, Vietnam und auf der koreanischen Halbinsel. Und man braucht daran nicht zu erinnern, dass die Folgen dieser Vereinbarung bis heute nicht überwunden worden sind, vielleicht werden sie uns in den nächsten Weltkrieg führen…

Die Tatsache jedoch, dass der Westen in seiner Arroganz Äthiopien faktisch verraten hat, weil er daran glaubte, dass seine Staatlichkeit der der Europäer und Amerikaner nicht gleichwertig sei, waren noch in der Nachkriegszeit zu spüren. Und nicht nur das, sondern sie tut es immer noch! Der Westen hat Russlands Intervention in Syrien geschluckt – mit der massiven Bombardierung von Wohngebieten in Aleppo und dem Einsatz von Chemiewaffen. Der Westen sieht der Zerstörung von Charkiw oder Saporischschja zu, und der neue amerikanische Präsident erklärt seinen Anhängern, dass die zerstörten ukrainischen Städte und Ortschaften auch in einem Jahrhundert nicht wieder aufgebaut sein werden.

Denn in den Köpfen der einfachen und nicht einfachen Bürger der zivilisierten Welt herrscht wie 1935 die unausgesprochene Überzeugung, dass all diese Ereignisse am Rande einer fremden, unverständlichen und doch wilden Welt stattfinden. Dass es bei denen nicht so sein wird.

Es wird, und wie es das wird. Sie hätten damals auf Haile Selassie hören sollen.

Fico erpresst Zelensky | Vitaly Portnikov. 28.12.24.

Der Premierminister der Slowakei, Robert Fico, der kürzlich die russische Hauptstadt besucht und sich mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, getroffen hat, hat heftige Angriffe auf den Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, gerichtet und mit der Ablehnung der Elektrizitätslieferungen der Slowakei an die Ukraine gedroht, falls die Ukraine ab dem 1. Januar 2025 den Transit von russischem Gas durch ihr Territorium nicht sicherstellt.

Die Geschichte mit dem russischen Gas hat bereits einen echten Konflikt zwischen der Ukraine und der Slowakei verursacht, sodass ukrainische Experten sogar Robert Fico vorwerfen, dass er eine zweite Front gegen die Ukraine eröffnen möchte. Doch in Wirklichkeit hat der slowakische Premier keine Möglichkeit, eine zweite Front zu eröffnen, selbst angesichts des erheblichen Anteils an Stromlieferungen aus der Slowakei in die Ukraine in kritischen für das ukrainische Energiesystem Momenten.

Wahrscheinlich wird die Ukraine, falls Robert Fico tatsächlich seine Drohung umsetzt, auf die Energiesysteme anderer Nachbarländer umschalten, und Bratislava wird nicht nur den Teil der Einnahmen verlieren, den sie erzielt hat, indem sie günstigere russische Pipeline-Gase kaufte und andere Lieferungen ablehnte, sondern auch das Geld, das die Ukraine für die slowakische Elektrizität bezahlt. Sie wird nicht als humanitäre Hilfe in das ukrainische Energiesystem geliefert, sondern dafür werden erhebliche Beträge gezahlt. 

Es stellt sich die Frage, warum Robert Fico so hysterisch ist? Wusste er nicht, dass ab dem 1. Januar 2025 die Lieferungen von russischem Gas durch das ukrainische Gastransport-System eingestellt werden? Darüber wird bereits seit mehreren Monaten gesprochen. Darüber hinaus wurde mehrere Monate lang auch darüber gesprochen, dass die Verhandlungen über den Transport von so genanntem aserbaidschanischem Gas durch das ukrainische Erdgastransportsystem, das heißt russischem Gas, das auch als aserbaidschanisch ausgegeben werden könnte, ebenfalls zu keinerlei spürbaren Ergebnissen geführt haben. Somit gibt es für die Slowakei sowie für die anderen Länder der Region keine Möglichkeiten, Gas durch das ukrainische Erdgastransportsystem zu beziehen.

Allerdings hat Robert Fico nur wenige Tage vor dem Neujahr echten diplomatischen Wirbel entfacht, nicht nur mit Drohungen gegen die Ukraine und Anschuldigungen gegen deren Präsidenten, sondern auch mit einer beispiellosen Reise nach Moskau und Gesprächen mit dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, wobei alles, was Putin dem slowakischen Präsidenten sagen konnte, war, dass es für Russland keine Möglichkeiten gibt, auf die ukrainische Entscheidung Einfluss zu nehmen.

Warum hat Robert Fica über einen längeren Zeitraum hinweg keine Entscheidungen getroffen, die die Lieferung des gleichen russischen Gases über alternative Routen in die Slowakei ermöglichen könnten? Sein Kollege und Gleichgesinnter, der Ministerpräsident Ungarns Viktor

Orbán hat sich bereits vor längerer Zeit abgesichert, noch vor Beginn des großen Krieges zwischen Russland und der Ukraine, als das Abkommen zwischen Gazprom und der ungarischen Regierung gerade vorsah, dass Ungarn Gas über eine alternative Pipeline, den türkischen Strom, beziehen wird.

Warum? Weil die russische Führung bereits eine Entscheidung über einen Großangriff auf die Ukraine getroffen hat und ihre Lieferungen nach Ungarn vor möglichen Schäden an der ukrainischen Pipeline sichern wollte. Und mit Bratislava wurde ein solches Abkommen nicht unterzeichnet, genau deshalb, weil zu dieser Zeit in der Slowakei eine demokratische Regierung an der Macht war, und Russland eher daran interessiert war, eine Energiekrise in diesem Land zu provozieren, und nicht daran die Bedingungen für die Lieferung von russischem Gas über alternative Routen zu schaffen. 

Jetzt hat Robert Fico während seiner Amtszeit nicht einmal versucht, die Situation zu ändern, weil er möglicherweise durchaus darauf abzielte, genau zu einem solchen Finale zu gelangen. Mindestens in den letzten Monaten, als offensichtlich wurde, dass die Lieferung von russischem Gas durch die ukrainische Pipeline nicht abzusehen ist. 

Warum war das für Roberto Fitz von Bedeutung? Weil der slowakische Premierminister an dem Plan beteiligt ist, die Verhandlungsunfähigkeit der Ukraine und ihres Präsidenten Volodymyr Zelensky zu demonstrieren, seit dem Moment durchgeführt wird, als der Premierminister von Ungarn, Viktor Orbán, Mar-a-Lago besuchte und sich mit dem gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, traf. 

Donald Trump hat nur eine einzige Möglichkeit, die Unterstützung für die Ukraine abzulehnen, falls er überzeugt ist, dass der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, nicht bereit ist, seinen friedensstiftenden Initiativen zuzustimmen, und gleichzeitig keinen Wunsch hat , große Summen für die militärische und finanzielle Unterstützung der Ukraine auszugeben. Der Schlüssel zur Beendigung der Unterstützung der Ukraine im Falle einer Demonstration der Nichtbereitschaft Russlands, ernsthafte Friedensverhandlungen aufzunehmen, liegt in der Offenlegung der Verhandlungsunfähigkeit nicht nur Moskaus, sondern auch Kyivs.

Erinnern wir uns daran, was Viktor Orbán nach seinem Treffen mit Donald Trump unternommen hat. Er rief sofort den Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, an und soll dabei angeblich ein sogenanntes Weihnachtswaffenstillstandsabkommen mit ihm vereinbart haben, obwohl wir bis heute keine Einzelheiten über dieses Abkommen wissen. Und dann erklärte er, dass die Ukraine diesem Vorschlag des ungarischen Vermittlers zustimmen oder ihn ablehnen müsse. Und in dieser Situation wirkte Volodymyr Zelensky, der erklärt hat, dass er solche Vermittler wie Viktor Orbán nicht benötigt, bereits als nicht verhandlungsfähig, zumindest in den Augen des Publikums aus dem ultrarechten politischen Lager, sowohl in Nordamerika als auch in Europa, auf die Viktor Orbán letztlich auch abzielt.

Und Robert Fico ist ein politischer Partner von Viktor Orbán. Und ihm wird eine gute im Hinblick auf die zukünftigen Beziehungen der Slowakei zu den Vereinigten Staaten Gelegenheit geboten, selbst an der Geschichte der Demonstration der Verhandlungsunfähigkeit der Ukraine teilzunehmen. Er fährt nach Moskau, spricht mit Putin, das heißt, er tut praktisch dasselbe wie Orbán. Er zeigt, dass Putin gerade bestrebt ist, ein gegenseitiges Verständnis für die komplexe Energiesituation zu finden. Und Zelensky strebt nicht danach und beleidigt den Ministerpräsidenten der Slowakei, nachdem er zuvor den Ministerpräsidenten von Ungarn beleidigt hat.

Hier haben wir also die Verhandlungsunfähigkeit. Und das ist der nächste Teil des Plans. Ich glaube, dass dieser Plan durch Personen, die an dieser Demonstration der ukrainischen Verhandlungsunfähigkeit interessiert sind, Punkt für Punkt ausgearbeitet wurde.

Und das ist der zweite Punkt mit Beteiligung des nächsten Premierminister, es könnte dritte, vierte und fünfte folgen. Glücklicherweise gibt es nicht sehr viele europäische Politiker, die bereit sind, so offen nach dieser antiukrainischen Partitur zu spielen. Aber ich zweifle nicht daran, dass wir von Viktor Orbán und Robert Fico noch viele ähnliche Überraschungen sehen werden, zumal Orbán, der jetzt von der Ukraine unabhängig ist und sich schon lange gegen die Gaslieferungen durch die ukrainische Pipeline abgesichert hat, sich ebenfalls ziemlich negativ gegenüber der ukrainischen Position äußerte, und auf die Bedeutung der Erhaltung des ukrainischen Transits hingewiesen hat, der ihm nie notwendig war. Im Gegenteil, vor Februar 2022 kam aus Budapest eine entschiedene Ablehnung, als Kyiv darauf bestand, dass Ungarn weiterhin Gas über das ukrainische Gastransportsystem bezieht. Seien Sie sich also sicher, dass dies eine weitere Spezialoperation ist. Und möglicherweise zum Teil eine russische. 

Eine Zeile aus der Autobiografie/ Рядок з автобіографії.

Meine Ahnen waren nicht arm

An Liedern und geweihten Klingen. 

Dank sei Gott, sie blieben verschont  

Von Diensten hinter dem Sumpfring.  

Von Vater zu Sohn, wie reines Erbe,  

Gaben sie Ehre, so klar wie Licht.  

Meine Ahnen waren stark und schön,

Zum Staunen und Zorn der Feinde gericht’.

Refrain

Nicht mit Ruhm (was soll’s schon, wer braucht’s?) —  

Doch mit Schwur auf den Klingen allein.  

Meine Ahnen besaßen das Land —  

Dieses Land war ihr eigen, ihr Sein.

Wie ein Faden, fest und klar gewebt,

Zog sich ihr Wort durch die Ewigkeit.

Unverwundbar, von Kraft durchlebt,

Atme ich ihre Wahrheit heut’.

Oh, wie robust war diese Sippe,  

Sah Solowki, Magadan, Kolymá…  

Meine Ahnen bildeten ein Volk

Refrain

Nicht mit Ruhm (was soll’s schon, wer braucht’s?) —  

Doch mit Schwur auf den Klingen allein.  

Meine Ahnen besaßen das Land —  

Dieses Land war ihr eigen, ihr Sein.


Мої предки були не вбогі

На пісні та свячені ножі.

з моїх предків, хвалити бога,

За болотом ніхто не служив!

Дарували від батька до сина

Честь у спадок — як білу кість!

Мої предки були красиві —

Ворогам на подив і злість.

Приспів

Хай не славою (бог там з нею!) —

Як присягою на шаблях.

Мої предки владали землею —

їм належала ця земля. 

І цупким, наче нить основи

Крізь віки однієї сім’ї,

Невразливим — пронесли слово

І внизали в легені мої…

Ох і моцна була порода —

Соловки, Магадан, Колима…

Мої предки були народом.

 Приспів.

Хай не славою (бог там з нею!) —

Як присягою на шаблях.

Мої предки владали землею —

їм належала ця земля. 

Das politische Duell zwischen der Ukraine und Russland und der „tödliche Griff“ des Kremls auf dem Gebiet der ehemaligen UdSSR. Vitaly Portnikov. 28.12.24.

https://www.radiosvoboda.org/a/politychnyy-dvobiy-ukrayiny-i-rosiyi/33256162.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR1-Jit29Rz5Xs3VkouVolD0iJ65CKPRXigYJXJfNb5qed-dhZvnXaj-Ho8_aem_EoziWNz8C6thU-fis2eV7A

Vor den Neujahrsfeiertagen versammelte der russische Präsident Wladimir Putin seine Kollegen aus den ehemaligen Sowjetrepubliken zum traditionellen informellen GUS-Gipfel und zur Sitzung des Obersten Rates der Eurasischen Wirtschaftsunion. Das Treffen sollte einmal mehr zeigen, dass der russische Einfluss in der Region nach wie vor stark ist, doch in Wirklichkeit war das Symbol des Treffens der Umkehr des Flugzeugs des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew vor der Landung in Moskau.

Als die Besatzung zur Landung ansetzte, wurde der aserbaidschanische Präsident über den Absturz einer Maschine der Azerbaijan Airlines auf dem kasachischen Flughafen Aktau informiert. Ilham Aliyev ordnete ihre Rückkehr an.

Diese Entscheidung des aserbaidschanischen Präsidenten, der für seine regelmäßigen Kontakte zu Putin bekannt ist, zeigte einmal mehr, wie unberechenbar die Ereignisse im postsowjetischen Raum sind. Der aserbaidschanische Präsident bereitete sich auf ein rituelles Treffen mit seinen Amtskollegen vor, befand sich jedoch in der Zwickmühle zwischen der Notwendigkeit, seinen Landsleuten die Wahrheit über den Absturz des Flugzeugs mitzuteilen, das offenbar von der russischen Luftabwehr über Grosny abgeschossen worden war, und seinem Widerwillen, die Beziehungen zum Kreml zu beeinträchtigen. Das ist keine leichte Aufgabe, selbst für einen so manövriergewohnten Politiker wie Ilham Alijew.

Alijews Nachbar in der Region, der armenische Regierungschef Nikola Paschinjan, nahm ebenfalls nicht am russischen Treffen teil, obwohl in diesem Fall der Grund für seine Abwesenheit ein positiver Test auf das Coronavirus war. Pashinyans Abwesenheit hinderte ihn jedoch nicht daran, nach einem fast amüsanten Schlagabtausch mit dem weißrussischen Diktator Alexander Lukaschenko zur Hauptperson des Gipfels zu werden.

Lukaschenko, dessen Beziehungen zu Armenien faktisch abgebrochen sind, versuchte darauf zu bestehen, dass die armenische Delegation an dem bevorstehenden Gipfel der Eurasischen Wirtschaftsunion in Minsk teilnehmen müsse. Daraufhin machte der armenische Premierminister nur spöttische Bemerkungen, die sich in den sozialen Medien verbreiteten. Dies war eine weitere Erinnerung daran, dass ältere postsowjetische Diktatoren in einer Welt der Kriecherei ihres eigenen Umfelds leben und sich nicht einmal vorstellen können, dass außerhalb dieser erdrückenden Welt mit ihnen in einem ganz anderen Ton gesprochen werden kann.

Andererseits ist Paschinjan aktuell praktisch der einzige potenzielle Gast Putins, dessen Macht auf einer fairen Volksabstimmung beruht und nicht auf staatlichem Zwang, Repression, der Allmacht der Sicherheitsdienste und der Zerstörung der Meinungsfreiheit. Und es sagt auch viel über den tatsächlichen Einfluss Putins im postsowjetischen Raum aus.

Ausnutzung der fremden Demokratie durch Moskau.

Abgesehen von weißrussischen Staatschef, fand sich der russische Machthaber mit zentralasiatischen Führern umgeben wieder, die in den letzten Jahren eher nach Peking als nach Moskau geschaut haben.

Aber das bedeutet natürlich nicht, dass Moskau bereit ist, seine Bemühungen aufzugeben – der Krieg in der Ukraine macht dies deutlich. Und in den ehemaligen Sowjetrepubliken, in denen es einen echten Wahlprozess gibt, ist Russland bereit, die Demokratie der anderen zu nutzen, um seinen eigenen Einfluss zu stärken. Die diesjährigen Wahlen in Moldau und Georgien waren ein Beweis dafür.

In Moldau konnte Präsident Maia Sandu nur dank der Stimmen der moldawischen Diaspora für eine zweite Amtszeit wiedergewählt werden (und die Befürworter der europäischen Integration gewannen ein Referendum über den Beitritt Moldau zur EU).

In Moldau selbst favorisierte die Mehrheit den prorussischen Kandidaten Alexandru Stoianoglo, der von der pro-moskauischen Sozialistischen Partei des verhassten ehemaligen Präsidenten des Landes, Igor Dodon, unterstützt wurde. Gleichzeitig scheute Moskau keine Mühen, um der moldauischen „fünften Kolonne“ zu helfen – bis hin zur Gründung einer prorussischen Partei des flüchtigen Oligarchen Ilan Shor in der russischen Hauptstadt selbst und zur Aufstachelung der Stimmung in der gagausischen Autonomie, die für ihre Sympathie für den Kreml bekannt ist.

Und in Georgien sympathisierte der Kreml eindeutig mit den Bemühungen der dort regierenden Partei Georgischer Traum. Jahrelang hatte Moskau die richtigen wirtschaftlichen und politischen Bedingungen geschaffen, um die Unterwürfigkeit des georgischen Oligarchen Bidzina Iwanischwili und seines Gefolges zu stärken. Und nun ist das Land, dessen frühere Führung unter Micheil Saakaschwili einen schönen, aber realitätsfernen Mythos über die Unvermeidbarkeit georgischer Reformen schuf, vor allem als Beispiel für die Bereitschaft eines großen Teils der Gesellschaft bekannt geworden, mit Moskau zu „koexistieren“ – trotz der Erfahrung von Krieg, ethnischen Säuberungen und Verbrechen der Besatzer.

Unbezahlbare Erfahrung für die Ukraine.

Und alles, was wir im postsowjetischen Raum sehen, ist eine unschätzbare Erfahrung für die Ukraine, die Teil dieses Raums bleibt, auch wenn die meisten ihrer Bürger nicht mehr daran glauben.

Russland hält das Gebiet der ehemaligen UdSSR im Todesgriff und wird sein Vorhaben seine Einflusssphäre wiederherzustellen nicht aufgeben. Und Moskau verfügt über zahlreiche Instrumente: Abkommen mit Diktatoren und autoritären Herrschern, Einflussnahme auf Wahlen, wirtschaftliche Erpressung und Bestechung, Unterstützung für prorussische Kräfte…

Und wenn diese Mittel nicht funktionieren, dann kommt es natürlich zum Krieg, aus dem die Ukraine und die Welt in den kommenden Jahren einen Ausweg suchen werden. Aber wenn der Krieg vorbei ist, werden andere Hebel der Einflussnahme, die wir hier besprochen haben, zum Einsatz kommen. Es lohnt sich, sich heute darauf vorzubereiten, wenn die Ukrainer die politische Schlacht nicht gegen den Kreml verlieren wollen.

General Kellogg’s Tour. Vitaly Portnikov. 27.12.24

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General a.D. Keith Kellogg, den der designierte US-Präsident Donald Trump zum Sonderbeauftragten für die Beilegung des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine ernennen wird, begibt sich demnächst auf eine Erkundungsreise nach Kyiv und in europäische Hauptstädte. Es ist bemerkenswert, dass der Mann, der für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zuständig sein wird, noch nicht einmal weiß, ob er nach Moskau eingeladen wird. Keith Kellogg ist natürlich bereit, Gespräche zu führen, aber die Bereitschaft der russischen Seite bleibt fraglich. Zumindest zeigen dies die jüngsten Äußerungen des russischen Staatschefs. Wladimir Putin genießt buchstäblich den Krieg, den er mit dem einfachen und sorgenfreien Wort „Bewegung“ bezeichnet, oder vorgibt, ihn zu genießen. Wozu braucht er also General Kellogg?

Aber allein die Tatsache, dass der künftige Sondergesandte auf Reisen ist, widerlegt die Verschwörungstheorie, wonach die Teams von Trump und Putin alles im Voraus abgesprochen haben und wir nur bis zur Amtseinführung des neuen amerikanischen Präsidenten warten müssen, um die Ergebnisse dieser Vereinbarungen zu sehen. Die Wahrheit ist vielmehr, dass Donald Trump schon vor den US-Präsidentschaftswahlen eine eigene Vorstellung davon hatte, wie dieser schreckliche Krieg zu beenden sei. Aber diese Vision basiert immer noch auf dem Glauben, dass sowohl Zelensky als auch Putin auf ihn hören werden. Gleichzeitig ist fast jedem klar, welchen Einfluss jeder amerikanische Präsident auf den Präsidenten der Ukraine hat. Aber nur wenige können jetzt erklären, welche neuen Hebel Trump gegenüber dem russischen Präsidenten einsetzen kann. Und die wichtigste Frage ist, ob Donald Trump selbst dies weiß.

Keith Kellogg wird in den Hauptstädten, die er besucht, nicht viel Neues sammeln können. In Kyiv wird man ihm von einem gerechten Frieden erzählen und ihn um neue Waffen bitten. In den europäischen Hauptstädten wird man dem amerikanischen Vertreter sagen, dass man die Entsendung europäischer Truppen in die Ukraine nicht ausschließt, und ihn fragen, wie Präsident Trump dafür sorgen will, dass der Konflikt eingefroren wird. Wenn Kellogg nach Moskau kommt, wird er auch keine Überraschungen erleben. Seine russischen Gesprächspartner werden ihm von ihren eigenen „Sicherheitsproblemen“ erzählen, sich über den Verrat des Westens beklagen und ihn davon überzeugen wollen, dass der ukrainische Staat künstlich ist. In der Tat kann ich Ihnen den gesamten Inhalt von Kelloggs Gesprächen in Kyiv, Moskau, London oder Paris schon jetzt im Detail benennen. Der General muss dafür nirgendwohin hinfahren und keine Informationen sammeln. Es sei denn, er will die Tätigkeit imitieren, die in Trumps Kabinett Zustimmung findet.

Aber die wichtigste Frage ist natürlich nicht, was der Vertreter des neuen US-Präsidenten dort hören wird. Die Frage ist, wie man aus einer Situation herauskommt, in der Russland nicht bereit ist, den Krieg zu beenden und hofft, die Ukraine zu zerstören, und die Ukraine nicht bereit ist, sich zu ergeben? Welche Taktik wird General Kellogg dem Präsidenten Trump vorschlagen? Eine Abkommen zu schließen, das Moskau freie Hand lässt und Washington von der Verantwortung für das weitere Vorgehen entbindet, wie es in Vietnam geschah, wo General Kellogg kämpfte? Oder wird er der Ukraine weiterhin helfen und gemeinsam daran arbeiten, Russland zu erschöpfen, damit Putin keine Gelegenheit hat, in Zukunft den Krieg fortzusetzen?

Von der Antwort auf diese Frage hängt nicht nur die Zukunft der Ukraine, sondern auch die Zukunft der Vereinigten Staaten ab. Das heißt, die Zukunft des Respekts vor den Fähigkeiten der Vereinigten Staaten und ihrer Rolle in der modernen Welt. Solange der neue Präsident uns nicht davon überzeugen kann, dass er in der Lage ist, das Völkerrecht gegen Putin zu verteidigen, und dass er eine Kraft ist, mit der man rechnen muss, ist es unwahrscheinlich, dass seinen Warnungen oder Drohungen in Zukunft viel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Das Jahr des unbekannten. Vitaly Portnikov. 27.12.24.


Foto: Francisco Seco/Associated Press/East News

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Viele sehen das Jahr 2025 als eine Zeit, in der „alles zu Ende gehen muss“ – zumindest der russisch-ukrainische Krieg, dessen Ende der neue US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf emotional versprochen hat. Der Machtwechsel in den Vereinigten Staaten ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs der Veränderungen, die wir beachten sollten.

Niemand kann heute mit Sicherheit sagen, dass der russisch-ukrainische Krieg im Jahr 2025 wirklich beendet sein wird. Schließlich erfordert dies nicht nur Trumps Wunsch oder sogar die Zustimmung des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky. Es setzt voraus, dass Putin ein Ende des Krieges will und dass der neue US-Präsident sicherlich mehr Einfluss auf seinen russischen Amtskollegen hat als die vorherige Regierung. 

Doch niemand weiß heute, wo diese Hebel ansetzen – und schon gar nicht Trump selbst, der kurz vor einer Einigung mit dem russischen Staatschef zu stehen scheint. Oder wird er es nicht tun? Immerhin hat Trumps Stimme in letzter Zeit an Selbstvertrauen eingebüßt, als er über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sprach… Und wir können nur hoffen, dass der neue Besitzer des Oval Office nicht etwas weiß, was andere nicht wissen, sondern dass er in der Lage sein wird, das Ausmaß der Herausforderungen, die der russisch-ukrainische Krieg mit sich bringt, angemessen zu bewerten.

Eine weitere wichtige Herausforderung für die zivilisierte Welt sind die „hybriden Kriege“ von Russland und China. Als 2016 die angebliche Einmischung Moskaus in die US-Präsidentschaftswahlen diskutiert wurde, ging es in erster Linie um „Hackerangriffe“ und Informationslecks. 

Doch heute sind, wie die rumänischen Präsidentschaftswahlen deutlich gezeigt haben, Social-Media-Manager und Messenger-Gründer an die Stelle der Hacker getreten. Und diese neue Technologie zur Verarbeitung potenzieller Wähler bedroht viele Gesellschaften, in denen die Bürger nicht nach ihren eigenen Ansichten, sondern nach ihren Gefühlen abstimmen, was Gaunern, und darunter vielen echten Agenten des Moskauer Einflusses, Tür und Tor öffnet. 

Wenn wir uns übrigens vorstellen, dass 2025 tatsächlich das Jahr sein wird, in dem der russisch-ukrainische Krieg „eingefroren“ und der Weg für Wahlen in der Ukraine geebnet wird, könnte dies auch für die ukrainische Gesellschaft zu einem Problem werden. Zumindest bin ich mir sicher, dass sich die russische Hauptstadt bereits auf eine solche Wendung der Ereignisse vorbereitet. 

Was aber, wenn der russisch-ukrainische Krieg mit der gleichen eskalierenden Kraft weitergeht? Nun, in diesem Fall könnte dies nicht nur zu Problemen in der Ukraine selbst führen, sondern auch zu einer Ausweitung des Konflikts. Ich denke, es muss nicht mehr bewiesen werden, dass Moskau und Peking die Konfrontation in Europa nutzen, um den Einfluss der Vereinigten Staaten zu schwächen, den Westen zu spalten und den Einfluss autoritärer Regime in der Weltpolitik und -wirtschaft zu stärken. Und dieser Trend wird sich nur verstärken, wenn die demokratischen Länder nicht bereit sein werden, sich dieser Herausforderung zu stellen. 

Welche Instrumente nun aber zur Verfügung stehen, hängt von der Position der neuen US-Regierung ab und davon, wie schnell diese Position formuliert wird. Auf jeden Fall werden wir einige Monate warten müssen, um zu verstehen, wie der „echte Donald Trump“ handeln wird – und nicht derjenige, der bei den Wahlveranstaltungen auftritt. In der Zwischenzeit werden Putin und Xi Jinping nicht warten…

Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch „Schwäne“ im politischen Prozess geben kann – schwarz oder weiß -, die in wenigen Tagen alles verändern, wie es zum Beispiel beim demütigenden Zusammenbruch der Diktatur von Bashar al-Assad in Syrien der Fall war. Aber dieser Zusammenbruch sollte auch eine Lehre sein, wie wichtig es ist, sich auf den Erfolg vorzubereiten, um den Zeitpunkt nicht zu verpassen, und wie wichtig es ist, die Unterstützung von Verbündeten zu erhalten, auf die man angewiesen ist. Schließlich haben die Verbündeten der syrischen Rebellen, die praktisch in einer kleinen Provinz Syriens gefangen sind, in den letzten Jahren ihren Einfluss in der Region nur noch vergrößert, während Assads Verbündete – Russland, Iran und die Hisbollah – an Boden verloren haben. 

Für den Erfolg der Ukraine – und unseren gemeinsamen Erfolg – müssen wir also unseren Einfluss und unser Engagement verstärken und die Möglichkeiten autoritärer Regime, die unsere gemeinsame Freiheit und unser gemeinsames Erbe bedrohen, einschränken. Und wir sollten nicht davon ausgehen, dass dies kein schneller Weg zum Erfolg sein kann – die Erfahrung in Syrien zeigt, dass wir unsere Maßnahmen vielleicht nur richtig timen und unsere Ziele zum richtigen Zeitpunkt erreichen müssen. 

Wie der Dritte Weltkrieg beginnt | Vitaly Portnikov. 27.12.24.

Die Grenzstadt Narva in Estland könnte genau der Ort sein, der in Geschichtsbüchern als der Ort, wo der Dritter Weltkrieg begann, bezeichnet wird, sofern Russland sich entscheidet, eine so wichtige Region für die Europäische Union und die NATO zu erobern.

Bereits jetzt berichtet der Generalsekretär der Abteilung für Grenzschutzpolizei Estlands, Eghert Belichev, dass Narva im Zentrum einer Provokation durch die Russen steht. Sie stören die Satellitennavigation, stehlen Grenznavigationsbojen und setzen Aufklärungsdrohnen ein. Und es ist offensichtlich, dass dies erst der Anfang der Provokationen ist. 

In Estland besteht die Sorge, dass Russland die mögliche Pause in den Kampfhandlungen in der Ukraine nutzen könnte, um, wenn nicht einen hybriden Krieg, so doch mindestens ein weit aktiveres Eindringen in die Region zu beginnen.

Dafür gibt es politische Umstände. Bereits im Jahr 2023, nach den Parlamentswahlen in Estland, bezeichnete der Chefredakteur der russischen Ausgabe einer estnischen Zeitung in einem Post von Sergei Kemett die in Narva und der Umgebung stattgefundenen Ereignisse als politische Umwälzungen. Die populärsten Politiker in der Region wurden damals der ehemalige Bürgermeister von Narva, Michail Stalnuhin, der den Nationalsozialismus als die wahre Ideologie Estlands bezeichnete, und Aiva Peterson, ein weiterer umstrittener Politiker, der das besetzte Donezk besuchte und in einer Fernsehsendung des russischen Propagandisten Wladimir Solowjow auftrat.

Beide prorussischen Politiker erhielten aufgrund der Besonderheiten des estnischen Wahlsystems keine Mandate im Parlament, doch die Narvianer zeigten deutlich ihre politischen Sympathien. Die Bürgermeisterin von Narva, Katri Raik, erklärte nach diesen Wahlen, dass, wenn die Wahl des Bürgermeisters der Stadt gleichzeitig mit den Parlamentswahlen stattgefunden hätte, der neue Leiter von Narva genau Michail Stalnuchin geworden wäre.

In Moskau wird bekanntlich mit großer Aufmerksamkeit auf die politischen Stimmungen in wichtigen für Russland und seine Regionen geachtet. Es sei daran erinnert, dass gerade die prorussischen Stimmungen der Bewohner des Ostens und Südens der Ukraine für Wladimir Putin die Grundlage bildeten, Pläne zur Besetzung und weiteren Annexion von Regionen zu entwickeln, deren Wähler einst für prorussische, antiukrainische politische Kräfte gestimmt haben.

Offensichtlich steht auch Estland hier unter genauer Beobachtung, und zwar aus dem Grund, dass das Land Mitglied der NATO und der Europäischen Union ist. Für die russische Führung wird es immer ein ziemlich großes Verlangen geben, zu prüfen, wie die Nordatlantische Allianz reagieren wird, falls die russische Armee offiziell oder unter dem Deckmantel irgendwelcher hybrider grüner Männchen diesmal nicht in die Ukraine einmarschiert, die zum Zeitpunkt der Invasion im Jahr 2014 ein neutraler Staat war und im Jahr 2022 von einem Beitritt zur NATO nur träumen konnte, sondern auf den Gebiet eines Landes, das bereits Mitglied des Nordatlantik-Paktes ist.

Wir verstehen sehr gut, dass im Falle, dass falls ausländische Truppen auf den Gebiet dieses NATO-Mitgliedstaates eindringen, die lokale Bevölkerung in Narva, oder zumindest ein ausreichend großer Teil dieser Bevölkerung, die russischen Panzer freudig empfangen und die Trikolore über dem Narva-Rathaus hissen wird. Wenn die NATO-Mitgliedstaaten währenddessen keine entschlossenen Maßnahmen ergreifen werden, um die Regionen von den russischen Truppen zu befreien, wird in dieser Situation die Existenz der NATO als Verteidigungsbündnis ernsthaft infrage gestellt. 

Und möglicherweise ist genau dies das Ziel, welches man heute in Moskau verfolgt: zu zeigen, dass die NATO niemanden schützt und dass die Mitgliedschaft in der NATO, falls es keine guten Beziehungen zu Moskau gibt und die jeweilige Regierung nicht bereit ist, den Forderungen des Kremls nachzukommen, nichts bedeutet, außer der Unterschrift des Präsidenten oder Ministerpräsidenten jenes Staates unter dem Nordatlantikvertrag. Dies könnte, aus Putins Sicht, das Hauptziel sein, um eine neue Weltordnung zu etablieren. Zu beweisen, dass die Mitgliedschaft in der NATO nichts wert ist. Und damit den ehemaligen Sowjetrepubliken die letzten Hoffnungen auf Schutz zu nehmen.

indem sie sie zur Wiederherstellung des Russischen Imperiums in den Formen einladen, die für die politische Führung in Moskau am günstigsten sind. 

Doch Putin könnte sich auch irren. Darin liegt die Frage. Gerade als Folge seines Angriffs auf Estland könnten die NATO-Mitgliedsstaaten entscheiden, dass, wenn sie nicht reagieren, morgen die Gefahr auch anderen Mitgliedern des Nordatlantikpakts drohen wird. Und nicht nur Narva, sondern auch andere Grenzstädte der NATO-Mitgliedsstaaten Lettland, Litauen, Polen, Norwegen und Finnland könnten unter dem Angriff russischer Truppen stehen. Denn wenn die NATO an einem Ort nicht reagiert, warum sollte sie dann an einem anderen Ort reagieren?

Auf diese Weise kann relativ schnell eine Entscheidung über einen Schlag gegen russische Militärziele getroffen werden, um zu verhindern, dass die russische Armee weiter auf dem Gebiet Estlands agiert und sie dazu zu bringen, sich aus Narva zurückzuziehen und ein für alle Mal die Möglichkeiten einer Konfrontation mit den nordatlantischen Allianzen zu vergessen.

Auch die NATO-Mitgliedsländer bzw. deren Führer könnten ihrerseits die Bereitschaft der russischen politischen Führung unterschätzen, auf solche entschlossenen Aktionen des Verteidigungsbündnisses zu reagieren. Und Russland könnte mit einem Angriff auf westliche militärische Ziele in anderen NATO-Mitgliedsländern reagieren, unabhängig davon, ob Atomwaffen eingesetzt werden oder nicht, wobei die Militäreinrichtung auf dem Gebiet, das von dem russischen Militärobjekt getroffen wird, ins Visier genommen wird. Das offensichtlichste Ziel zu Beginn sind die amerikanischen Militärbasen in europäischen Ländern. 

Und so haben wir jetzt den Mechanismus zur Auslösung des Dritten Weltkriegs gesehen. Sozusagen das Vorspiel zu strategischen nuklearen Schlägen zwischen Moskau und Washington, das Vorspiel zur Zerstörung von Millionen von Menschen und zur Ankunft des besagten nuklearen Winters, über den von Sciencefiction Schriftstellern und Filmemachern seit Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts gesprochen wird. Und wir wet die Möglichkeit haben, nicht in einer Fantasie, sondern in der realen Welt diesen realen nuklearen Winter zu erleben. 

Natürlich möchte man nicht in solch ungünstige Lebensbedingungen versetzt werden, die das Ende der Zivilisation zumindest in Nordamerika und Eurasien bedeuten könnten. Es ist jedoch offensichtlich, dass Moskau mit seinen Versuchen zu überprüfen, wie bereit die NATO ist, seinen aggressiven Plänen zu widerstehen, die roten Linien überschreiten könnte, nach deren Überschreitung es keinen Weg zurück zu einem normalen friedlichen Leben, zu Vereinbarungen und zum Zusammenleben gibt. Und genau in eine solche Entwicklung bewegt sich die Welt unaufhaltsam als Ergebnis der abenteuerlichen Politik von Wladimir Putin und des Unverständnisses der westlichen Führungskräfte über alle Herausforderungen, die ihnen durch die abenteuerliche Politik Russlands gestellt werden.

Putins „Neue Ordnung“ | Vitaly Portnikov @tv.ukrlife. 26.12.24.

Ljudmila. Wir haben schon seit vielen Jahren eine Tradition im Dezember darüber zu sprechen, wie das nächste Jahr aussehen könnte. Und deshalb habe ich heute eine große Frage an Sie. Wie denken Sie, könnte das Jahr 2025 für die Ukraine, für die Welt, für Russland, für die Vereinigten Staaten, für den Krieg, für den Frieden, für die Verhandlungen aussehen? Ich erlaube mir nur präzisierende Fragen, wenn es recht ist. Also, das Jahr 2025. 

Portnikov. Wie Sie wissen, mache ich nie irgendwelche Vorhersagen, die den Erwartungen oder im Gegenteil irgendeinem Misstrauen gegenüber der möglichen Entwicklung von Ereignissen entsprechen. Ich sage immer, dass sich die Politik dadurch kennzeichnet, dass es viele Varianten gibt. Niemand weiß, wie das Jahr 2025 aussehen wird. Wenn irgendeine Person Ihnen sagt, dass sie darüber Bescheid weiß, spricht das bereits für politische Scharlatanerie. Es gibt sehr viele Aspekte, die allerdings die Fragen nicht beantworten. Natürlich ist der Hauptkonflikt mit den Ergebnissen der Präsidentschaftswahlen 2025 in den Vereinigten Staaten verbunden. Und mit der Wahl des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump. Und die Frage ist nicht einmal, dass der neue Präsident der Vereinigten Staaten unvorhersehbar ist, wenn Sie so wollen. Obwohl viele darüber sprechen. Die Hauptfrage des Jahres 2025 ist, wie Donald Trump darauf reagieren wird, dass die reale Welt, mit der er nach seiner Amtsübergabe als Präsident der Vereinigten Staaten konfrontiert wird, erheblich von der Welt abweicht, die in seinem Kopf und im Kopf seiner engsten Berater existiert. Und ich würde sogar anders sagen, wie die Vertreter des Umfelds von Donald Trump darauf reagieren werden, dass ihr fast religiöser Glaube an diesen Geschäftsmann und Politiker nicht der Realität entspricht. Was die neue amerikanische Administration in allen Bereichen tun wird, kann heute praktisch niemand sagen. 

Wir wissen nicht, wie sich Russland und China verhalten werden. Im Vorfeld des 1. Januar 2025 reiste der stellvertretende Vorsitzende des Sicherheitsrates der Russischen Föderation, der ehemalige Präsident Russlands Dmitrij Medwedew, nach Peking und traf sich mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Offensichtlich koordinieren Moskau und Peking ihre Aktivitäten hinsichtlich der weiteren, wenn Sie so wollen, Offensive gegen die Positionen der Vereinigten Staaten. Dennoch, wenn wir von ihren Plänen erfahren, bedeutet es nicht, dass wir verstehen werden, wie sich die Situation entwickeln wird; dies zu denken wäre äußerst unvorsichtig. Sie werden mir bestimmt zustimmen, dass wir über den Plan von Wladimir Putin zur Machtwechsel in der Ukraine Bescheid wussten. Wir hatten klar verstanden, was der russische Präsident im Februar 2022 zu tun beabsichtigte. Alle sprachen darüber. Er möchte einen Großteil der Ukraine besetzen, er möchte die ukrainische Führung austauschen, er möchte die größte demografische Krise in Europa seit Beginn 21. Jahrhunderts schaffen. Er hatte so ehrgeizige Pläne. Und wir haben gesehen, dass seine Truppen in die Ukraine einmarschierten, um diese Pläne auf ukrainischem Boden zu verwirklichen. Nun und? Was? Sind die russischen Truppen in der Ukraine um Kyiv herum erschienen? Ja, sie sind da erschienen. Haben Millionen Menschen die Ukraine verlassen. Ja, das haben sie. Und wo ist der Machtwechsel in der Ukraine? Wir haben bereits bald Jahr 2025, und wir verstehen immer noch nicht, ob in den 20er Jahren 21. Jahrhunderts überhaupt irgendwelche ukrainischen Wahlen stattfinden werden, ganz zu schweigen von einem Wechsel der amtierenden ukrainischen Regierung zu einem Marionettenregime. Wo ist die größte demografische Krise in Europa, die ultrarechten Verbündeten Wladimir Putins helfen sollte, an die Macht in europäischen Ländern zu kommen? Es gibt sie nicht. Tatsächlich, haben Millionen von Menschen die Ukraine verlassen. Die Pläne diesbezüglich wurden umgesetzt, während die Ergebnisse völlig anders waren. 

Warum erinnere ich an all dies? Weil man nicht versuchen sollte zu verstehen, wie das Jahr 2025 sein wird. Es lohnt sich einfach nicht. Wer könnte selbst wenige Wochen vor dem Zusammenbruch von Bashar al-Assad sagen, dass das Jahr 2024 das letzte Jahr für die syrische Diktatur sein wird? Er hielt sich mehr als 10 Jahre im Präsidentenstuhl Syriens, nach einem gewaltigen Volksaufstand, der ihn schon vor vielen Jahren hätte stürzen sollen. Schon vor vielen Jahren, wie Sie sich erinnern werden, erkannten westliche Länder die von der syrischen Opposition gebildete Regierung als legitim an. Er hat 10 oder 12 Jahre lang seine Position gehalten und hat in 12 Tagen alles verloren. Solche Situationen können wieder passieren. Politische Analysten erklären gerade die Gründe, warum das Assad-Regime geschwächt wurde. „Weil Russland schwächer geworden ist, weil die Hisbollah schwächer geworden ist. Die Positionen des Iran im Nahen Osten haben sich verändert“. Aber wenn das Regime Assad an der Macht geblieben wäre, würden sie völlig gegensätzliche Dinge sagen. „Russland war gezwungen, dieses Regime zu stärken, weil es im Ukraine-Konflikt nicht gewinnen kann, und deshalb ist die Base in Tartus für ihm von enormer Bedeutung. Dass der Iran, der Raketenangriffe mit Israel getätigt hat, gezwungen ist, zusätzliche Ressourcen in Syrien aufzuwenden, um zu verhindern, dass israelische Luftkräfte durch Syrien fliegen, um iranische nuclear Anlagen zu bombardieren, dass während die Infrastruktur von Hezbollah im Libanon zerstört wurde, blieb sie in Syrien unbeschädigt, was bedeutet, dass die syrische Opposition keine realen Möglichkeiten hat“. Sie würden die gleichen Umstände auf absolut andere Weise erklärten. 

In dieser Hinsicht, würde ich sagen, liegt die gesamte Besonderheit jeder politischen Prognose darin, dass es sehr einfach ist zu erklären, was geschieht, wenn es geschehen ist, aber praktisch unmöglich, die Situation vorauszusagen, bevor sie eintritt. Man kann die Tendenzen erklären, sie sind im Grunde genommen verständlich. Und ich spreche über die Tendenzen. Ich sage die ganze Zeit, dass davon, wie der Krieg in der Ukraine endet, hängt im Großen und Ganzen ab, wie Europa im 21. Jahrhundert aussehen wird.

Ljudmila. Wird er sich enden oder sich stoppen. Das sind verschiedene Dinge, nicht wahr? 

Portnikov. Ich denke, dass wenn der Krieg sich stoppt, geht er auch zu Ende, in irgendeiner Weise, zu irgendeinem Zeitpunkt. Ich glaube nicht, dass, wenn die russischen Truppen den Angriff stoppen, sie nach zwei oder drei Jahren wieder in den Krieg ziehen werden. Dies wird ein Stop mit bestimmten Regeln sein. Der Krieg stoppt aus dem Grund nicht, weil die Russen uns diese Regeln nicht aufzwingen können. Wir wissen nicht, in welchem Jahr der russisch-ukrainische Krieg enden wird, in 2025, 2026 oder 2027.  Mehr noch, wir wissen nicht, ob er überhaupt enden wird, es kann solange dauern, bis die Ressourcen der Parteien es ihnen ermöglichen, es aufrechtzuerhalten. Ich sage einfach, dass nach dem Ende klar sein wird, wie die politische Landschaft Europas aussehen wird.

Das ist eine Tendenz, denn ich berücksichtige immer solche Dinge wie die Angst vor dem Krieg. Übrigens war diese Angst vor dem Krieg im Jahr 2024 zu beobachten, sie zeigt sich in den Wahlergebnissen. In drei Ländern war das offensichtlich. Das ist Georgien, wo der georgische Traum, trotz seiner offensichtlich anti-europäischen und antiewestlichen Haltung, die sich in der Verabschiedung von Gesetzen manifestiert, die von vielen als vergleichbar mit den Gesetzen angesehen werden, die von der Staatsduma der Russischen Föderation verabschiedet wurden, an der Macht bleibt. Selbst diese Partei die Wahlen nicht gewonnen hat, weil diese Wahlen möglicherweise tatsächlich gefälscht wurden, hat sie zumindest eine erhebliche Anzahl von Stimmen erhalten. Dies ist Moldawien, wo die Präsidentin Maia Sandu die Präsidentschaftswahlen nur dank der Stimmen der Diaspora gewonnen hat, und übrigens gilt das auch für das Referendum über die europäische Integration, während die Mehrheit der Bevölkerung Moldawiens für einen offen pro-russischen Kandidaten gestimmt hat.

Und das ist Rumänien, wo ein prorussischer Kandidat, der überhaupt nicht als möglicher Sieger der Präsidentschaftswahlen angesehen wurde und ein Außenseiter war, unerwartet nach der ersten Runde auf den ersten Platz kam. Ja, die Ergebnisse dieser Wahlen wurden annulliert, aber die Wahlen wurden nicht gefälscht. Es wird einfach angenommen, dass der Kandidat dank der Informationstechnologie und der Einmischung von außen gewonnen hat. Ist dies das erste Mal, dass Wahlen in einem EU-Land aufgehoben wurden? Ja, und ich denke, dass dies Folgen haben kann, weil wir nicht wissen, welcher Kandidat die nächsten Präsidentschaftswahlen gewinnen wird. Es ist offensichtlich, dass für die Menschen, die für Georgescu gestimmt haben, sind all jene Thesen, die er in seiner, seltsamen TikTok-Wahlkampagne verkündet hat, völlig klar geworden. Das bedeutet, die Menschen in Georgien haben Angst vor der Wiederholung des Krieges, und in Rumänien verstehen viele, dass der Krieg ohne jegliche Perspektiven auf ein Ende an den Grenzen dieses Landes läuft. Während unseres Gesprächs hat eine Rakete das Territorium Rumäniens überflogen, um das ukrainische Energienetz zu zerstören, und sie haben Angst. 

Wenn Russland, dank der einer oder anderer Fehler der neuen amerikanischen Administration, seine Fähigkeit demonstriert, im russisch-ukrainischen Krieg zu siegen oder zumindest den Westen unter Druck zu setzen, dann könnte natürlich die überwältigende Mehrheit der europäischen Wähler sich eine solche Macht wünschen, und das ist auch eine Realität, die sich mit Russland arrangieren könnte. Oder mindestens den Krieg vermeiden. Und es entsteht eine ganze Struktur politischer Kräfte, insbesondere der ultrarechten, die im Grunde bereit sind, diese Idee zu unterstützen.

Fast 80 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Generationswechsel, sehen wir eine Wiedergeburt  der neofaschistischen und neonationalsozialistischen Bewegungen in Europa und Nordamerika, in einer abgeschwächten Variante. Und auch in einer etwas veränderten Variante der kommunistischen Ideen. Diese Ideen und ihre Anhänger erscheinen entweder aus der Mitte der traditionellen politischen Kräften oder verbergen sich hinter der Maske traditioneller politischer Kräfte. 

Schauen Sie auf Nordamerika, auf die Vereinigten Staaten. Die Demokratische Partei besteht jetzt faktisch aus zwei Parteien. Es gibt faktisch einen linken radikalen Kreis, der sehr an die linken Sozialisten oder gar an die Trotzkisten vom Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert. Bernie Sanders, seine Anhänger, auch junge Anhänger, Alexandria Ocasio-Cortez. Und es gibt traditionelle Liberale, deren Spiegelbild Joseph Biden, Kamala Harris und andere Politiker dieses traditionell liberalen oder sagen wir mal demokratischen Spektrums sind, wenn wir über die Demokratische Partei sprechen. Und sie sind gezwungen, aufeinander Rücksicht zu nehmen, obwohl ihre politischen Positionen sehr oft diametral unterschiedlich sind. 

Schauen Sie sich die Republikaner an. Bei den Republikanern gibt es die traditionellen Konservativen, die Vertreter davon sind die Konservative aus der Zeiten von Ronald Reagan, George W. Bush, George Bush Senior, Mitch McConnell, Mitt Romney.

Und innerhalb der selber Partei gibt es Kreise, die wir im Prinzip als postfaschistisch, mussolinisch bezeichnen könnten. Sie werden durch des Präsidenten Donald Trump, Elon Musk und ihrer Anhänger vertreten. In Europa der 20er Jahre, in Amerika der 20er Jahre wären dies genau die Personen gewesen, die mit großer Sympathie zu Benito Mussolini und letztendlich zu Adolf Hitler standen. Wie Sie sich erinnern, hatte Ford große Sympathie für Hitler. Der Vater des zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Joseph P. Kennedy, der enormes Geld in Präsidentenkampagne von Franklin Roosevelt investierte, war sogar Demokrat und wurde Botschafter in Großbritannien.

Er war sich sicher, dass Großbritannien den Krieg gegen Deutschland verlieren würde, und er sagte dies in Anwesenheit britischer Politiker. Er riet Präsident Roosevelt, Großbritannien nicht zu helfen, seine Kinder, den zukünftigen amerikanischen Präsidenten nicht ausgenommen, reisten nach Berlin und nach Rom und waren begeistert von dem, was sie dort sahen. Dies ist eine Geschichte, aus der man nichts streichen kann. Natürlich, später, als der Zweite Weltkrieg begann, fiel der älteste Sohn von Joseph Kennedy, Joseph Kennedy Jr., im Krieg. Der zukünftige Präsident John Kennedy wurde schwer verwundet. Sein ganzes Leben lang kämpfte er mit den Folgen dieser Verletzung, wie Sie sich erinnern werden. Aber das ist es, worüber Mitch McConnell spricht, wo die amerikanischen Politiker in den 30er Jahren standen und warum sie die Gefahren des Autoritarismus und Totalitarismus nicht verstanden. So gibt es auch hier zwei Parteien. 

Schauen wir uns jetzt Europa an, dort werden die ultrarechten Parteien zum Mainstream des politischen Geschehens. Außerdem gab es sehr oft die Situation, dass traditionelle Konservative zu den Ultrarechten gewechselt sind, um die Macht und die Unterstützung der Bevölkerung zu erhalten. Viktor Orbán – der beste Freund von Donald Trump. Der Mann, der als Erster mit Donald Trump gesprochen hat, nachdem der Kandidat Trump die Präsidentschaftswahlen gewonnen hat. Die erste Person, mit der er sich entschloss zu sprechen, um die Freude über den Sieg zu teilen. Viktor Orbán hat eine Evolution vom Liberalismus über traditionellen Konservativismus zu einem ultrarechten Politiker durchgemacht. Das ist die gleiche Evolution, die faktisch Donald Trump in Amerika gemacht hat. Denn Donald Trump und Viktor Orbán haben verstanden, dass dies den Stimmungen der Menschen entsprechen kann. So ist es leichter zu gewinnen, weil traditionelle konservative Werte nicht mehr funktionieren. Jetzt schauen Sie sich die gesamte Plattform der ultrarechten Kräfte in Europa genau an und multiplizieren Sie sie mit der möglichen Angst vor dem Krieg. Fidesz in Ungarn.

Ultrarechte Partei in der Slowakei. Dies ist nicht die Partei von Robert Fico. Robert Fico ist ein linkspopulistischer Führer, aber er ist in einer Koalition mit einer ultrarechten Partei, die in ihren ideologischen Ansichten völlig anders ist, viel strenger. Und sie ist bereits in seiner Koalition. Und ich schließe nicht aus, dass Robert Fico selbst zu ultrarechten Positionen wechseln wird, um die Macht zu behalten. Die Konföderation in Polen, die am Einfluss gewinnt, und Recht und Gerechtigkeit in die ultrarechte Position zwingt. Diese Partei hat sich in letzter Zeit ebenfalls von traditionell-konservativen zu ultrarechten Positionen entwickelt. Die Alternative für Deutschland, in Deutschland, die Kandidatin dieser Partei für das Amt der Bundeskanzlerin ist heute die beliebteste Kandidatin.

Ljudmila. Sie liegen in den Umfragen in Deutschland auf dem zweiten Platz. 

Portnikov. In den Umfragen, wenn es um die Kanzlerkandidatur geht, liegt sie jedoch, glaube ich, in einigen Umfragen auf dem ersten Platz. In Frankreich wächst das Ansehen der Partei von Marine Le Pen, persönlich von Herrn Bardella, es ist eine ultrarechte Kraft. Italien führt die Premierministerin der postfaschistischen Partei, Frau Meloni, das ist eine politologische Definition. Sie führt Die Brüder Italiens, aus demselben politischen Teig, wie die faschistische Partei Mussolinis, nur zeitgemäßer. Aber das ist noch nicht die größte Gefahr. Neben Frau Meloni gibt es Politiker wie Matteo Salvini, bekannt für seine Sympathien für Moskau, es ist auch eine ultrarechte Partei, nicht postfaschistische, sondern eine andere, vergleichbar man den Anhänger von Donald Trump oder Viktor Orbán. Und diese Partei kann die erste Partei in Italien werden, wenn Russland den Krieg gewinnt, oder zumindest  Europa seine Stärke zeigt. Pro-russische Kräfte in Rumänien, die Partei von Simion und andere ultrarechte Kräfte, die sich bei den letzten Parlamentswahlen ziemlich gut geschlagen haben, und bereits ihre Möglichkeiten während der Präsidentschaftswahlen gezeigt. Neue pro-russische Kräfte in Bulgarien, ultrarechte, nicht nur einfach orientiert auf Russland, sondern ultrarechte Kräfte, die zunehmend mehr Möglichkeiten bekommen. Solche Beispiele können aus vielen europäischen Ländern angeführt werden. Geert Wilders in den Niederlanden, der bis 2022 ein Anhänger Putins war. Nach 2022 haben sowohl er als auch Marine Le Pen ihre Rhetorik geändert. Aber ich möchte Ihnen sagen, dass, sobald klar wird, dass Putin wieder an Ansehen gewinnt, sie dorthin zurückkehren werden, wo sie waren.

Beachten Sie, wie sich die Welt nach der Wahl von Donald Trump in Bezug auf Gespräche mit Putin verändert hat. Das Auftreten von Trump und sein brennendes Verlangen, mit Putin zu sprechen, haben vielen Politikern bereits gezeigt, dass es nichts Schlechtes an Kontakten mit Putin gibt. Kürzlich fand der historische Besuch von Robert Fico nach Moskau statt. Warum ist er historisch? Bis zu diesem Zeitpunkt betrafen selbst die Kontakte, die bereits nach der Wahl von Trump stattgefunden haben, inklusive dem Telefonat von Scholz mit Putin sowie dem Gespräch von Orbán mit Putin und seine Reise nach Moskau vor der Wahl von Trump, die Regelung des russisch-ukrainischen Konflikts. Diese Leute, die sich mit Putin im Westen unterhielten, sagten alle: „Hört zu, wir wollen mit Putin nicht über die ungarischen oder deutsch-russischen Beziehungen sprechen. Wir möchten Anstrengungen unternehmen, um den Krieg zu beenden. Ihnen mag das gefallen, oder nicht gefallen, aber uns gefällt der Krieg nicht“. Und Robert Fico flog nach Moskau nicht um über den Krieg zu sprechen, sondern um über die slowakisch-russischen Energiebeziehungen zu sprechen. Und das deutet darauf hin, dass, im Prinzip, dank dieser Entscheidung der amerikanischen Wähler, eine weitere rote Linie, genau die Linie dieser politischen Isolation von Wladimir Putin, bereits keine rote Linie mehr ist. Viele Politiker aus verschiedenen Ländern und Diplomaten haben sagen: „Jetzt können wir ruhig mit den Russen sprechen. Die Biden-Administration hat dem nicht wohlwollend gegenübergestanden, wir haben versucht, dies zu vermeiden. Selbst wenn unsere Kontakte stattgefunden haben, waren sie geheim. Wir wollten nicht, dass Amerikaner darüber Bescheid wissen, oder zumindest wollten wir Amerikanern nicht die Möglichkeit geben, uns im öffentlichen Rahmen zu verurteilen. Jetzt hat das für uns überhaupt keinen Stellenwert mehr. Jetzt werden die Amerikaner selbst an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, mit den Russen in Kontakt zu treten. Sind wir schlechter?“ Und dies ist eine Veränderung, die 2024 ziemlich ernst zu nehmen ist und sich 2025 zu einem politischen Tsunami entwickeln könnte.

Ljudmila. Erlauben Sie mir, hier einen Moment innezuhalten und zu den Verhandlungen und Kontakten mit Putin zurückzukehren. Wir erinnern uns, dass es zur Zeiten verschiedener Administrationen bestimmte Verhandler gab, die Gespräche im Bezug auf die Ukraine führten. Hier kommt mir Kurt Volker sofort in den Sinn. Und das, dass Trump eine Position für jemanden, der mit Putin über den Krieg sprechen wird, ins Leben gerufen hat. Was ist daran schlecht? Bis jetzt gibt es keine weiteren Erklärungen bezüglich Gesprächen mit Putin, dass er ihn treffen und sprechen möchte, ich weiß es nicht. Das ist wahrscheinlich auch normal. 

Portnikov. Ich denke, dass das Erscheinen des Sonderbeauftragten einfach eine gewöhnliche politische Dekoration ist. Denn dieser Sonderbeauftragte weiß nicht einmal, ob er in Moskau empfangen wird. Und das ist auch eine solche Position der Schwäche, die viele davon überzeugt, dass man mit Russland sprechen muss. Trump möchte sich mit Putin treffen. Und Putin entscheidet, ob er sich mit Trump treffen soll oder nicht. Der Sondergesandte, General Kellog, ist ein nicht mehr junger Mann mit großer politischer Erfahrung, aber er sagt, dass er bereit ist, nach Kyiv zu fahren, bereit ist, zu den europäischen Hauptstädten zu reisen.

Und natürlich wird er überall empfangen werden. Aber wird er nach Moskau fahren? Nun, wenn er eingeladen wird, dann fährt er. Und wenn nicht… Er sagte, dass er fahren würde. Er sagte, dass er fahren würde. Wenn er eingeladen wird, ist das die Position der Schwäche. Sowohl Präsident Donald Trump, als auch General Kellog und andere Vertreter des neuen Teams stehen vor Wladimir Putin und seinem Umfeld in einer Position der Schwäche. Und das muss klar verstanden werden. Ich kann erläutern, worin der Unterschied zu den vorherigen Bemühungen besteht. Dieser Unterschied ist uns Ukrainern im Grunde bereits bekannt. Er ist bekannt aus der Geschichte der Parlamentarischen Versammlung des Europarats. Erinnern Sie sich? Die Russische Föderation wurde im Jahr 2014 nicht aus der Parlamentarischen Versammlung des Europarats ausgeschlossen, sondern es wurden Sanktionen gegen sie verhängt.

In Anbetracht dessen, dass die Krim von Russland annektiert wurde und es einen Angriff auf den Donbass gab. Und die russische Delegation wurde von der Abstimmung über viele Fragen der Versammlung, einschließlich personalpolitischer Angelegenheiten, ausgeschlossen. Die Sprecher der Staatsduma der Russischen Föderation, zunächst Sergei Naryshkin, dann Wjatscheslaw Wolodin, sagten den Führungskräfte der Parlamentarischen Versammlung des Europarats: „Entschuldigen Sie, wir werden in Ihrer Organisation nicht unter Sanktionen bleiben, entweder heben Sie die Sanktionen auf, oder wir hören auf, an den Sitzungen teilzunehmen und zahlen keine Mitgliederbeiträge mehr an die Parlamentarische Versammlung.“ Statt zu sagen: „in diesem Fall werden wir Sie ausschließen“, haben die Leiter der Parlamentarischen Versammlung des Europarates ganze Zeit an die Türen der Sprecher der Staatsduma der Russischen Föderation geklopft, wollten mit ihnen sprechen, haben sie überredet, sie überzeugt, manchmal wurden sie empfangen, manchmal nicht; es gab sogar einen Sprecher, der von der parlamentarische Delegation Russlands mit nach Syrien mitgenommen wurde. Erinnern Sie sich? Er reiste nach Syrien mit einem russischen Militärflugzeug zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden von Einigen Russland, General Vasiliev. Und das alles endete damit, dass die parlamentarische Versammlung des Europarats, um den Dialog mit Russland fortzusetzen, wie sie sagten, in Wirklichkeit aber, um die Beiträge zu erhalten, die russische Delegation ohne jegliche Sanktionen in ihren Reihen wiederherstellte. Es wurde eine Resolution verabschiedet, dass es keine Sanktionen gegen Delegationen geben kann. Und sie kehrten triumphierend zurück. Und die ukrainische Delegation fragte damals: „wie kann das sein? Sie besetzen doch weiterhin die Krim und den Donbass. Sie wurden sanktioniert und trotzdem nichts unternommen. Warum nehmen Sie sie wieder auf?“ Und was wurde uns dann gesagt? „Ein wichtiger Dialog“,- sagten die Europäer. Und was geschah ein halbes oder ein ganzes Jahr später, nach dieser Entscheidung? Russland hat die Ukraine vollumfänglich angegriffen. Ein großer Krieg hat begonnen. Und Russland wurde aus der Parlamentarischen Versammlung des Europarats ausgeschlossen. War es also notwendig, diese Demütigung über 8 Jahre zu ertragen? Jetzt schauen wir uns die tatsächliche Situation an, wie sich jetzt die amerikanische Position unterscheidet. Präsident der Vereinigten Staaten, es spielt keine Rolle welcher, sprach einige Male mit dem Präsidenten der Russischen Föderation kurz vor dem großangelegten Überfall Russlands auf die Ukraine, als die amerikanischen Geheimdienste von diesem geplanten Überfall erfuhren. Er sprach über die Folgen dieses Angriffs für Russland, über Sanktionen, über ernsthafte wirtschaftliche Probleme, über die Beendigung politischer Kontakte mit der Russischen Föderation, auch auf höchster Ebene. Jetzt will der Präsident der Vereinigten Staaten in einer Situation, in der sich nichts geändert hat, diese Kontakte wiederherstellen, hat dies zum Teil seiner Wahlkampagne gemacht und ist bereit, sich mit Putin zu treffen, der weiterhin die Krim und den Donbass besetzt, neue Territorien erobert, ist bereit, weitere zu erobern, und die Ukraine jeden Tag zu terrorisieren. Darüber hinaus, wenn die Ukraine versucht, ernsthafter darauf zu reagieren, sagt dieser Präsident der Vereinigten Staaten, dass dies ein schwerwiegender Fehler sei und dass man nicht ernsthaft reagieren sollte. Hier liegt die Antwort. Dies ist ein klares Signal an die Russischen Föderation, dass sie handeln kann, wie es ihr gefällt, und dass die neue amerikanische Führung unter Donald Trump in der Position Schwäche, Unsicherheit und Illusion sieht.

Ljudmila. Erlauben Sie mir hier ein kleines Abweichen von Trump. Als Biden zu Beginn an die Macht kam, was machte er? Er führte ein Gespräch mit Putin. Und dieses Treffen dauerte sehr lang, und das Gespräch drehte sich darum, dass es ein halbes Jahr gibt, um Entscheidungen zu treffen. Und dann, nach fast einem halben Jahr, stellte Putin sowohl den USA als auch Europa ein Ultimatum. Und das war ebenfalls ein klares Signal von Putin für eine bestimmte Reaktion der Amerikaner. Das ist die erste Bemerkung und die zweite Bemerkung. Es ist offensichtlich, dass jetzt eine Strategie im Verhältnis zu der Ukraine benötigt wird, denn so kann es einfach nicht weitergehen.

Sie sind besser informiert als ich, Sie haben sehr viele Kontakte im Westen, und unter den Amerikanern, da bin ich mir auch sicher. Und ich habe auch mit vielen Amerikanern gesprochen. Sie sagen, dass es keine Strategie gibt. Und wenn es keine Strategie gibt, dann muss sie entstehen. Sonst ist nicht klar, wer unterstützen wird, wie viel Unterstützung geleistet wird und wer das  durchführen wird. 

Portnikov. Sie wiederholen jetzt die propagandistischen Narrative, womit die Administration von Trump uns später zugunsten ihrer Beziehungen zu Moskau im Stich lassen kann. Denn erstens, was Sie sagen, dass Präsident Biden sich mit Putin getroffen hat. Auch Präsident Trump hat sich mit Putin getroffen. Und zuvor hat Präsident Obama sich mit Putin getroffen, sie haben sich mit Putin getroffen. Die Kontakte zu Putin endeten, als Putin einen großen Krieg in Europa begonnen hat. Bis zu dem Zeitpunkt, als Putin einen großen Krieg in Europa begann, fanden Kontakte zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und den Präsidenten der Russischen Föderation statt. Genau so, wie die Präsidenten der Vereinigten Staaten nach dem Krieg in Afghanistan den Kontakt zu den Generalsekretären des ZK der KPdSU abgebrochen haben. Tatsächlich haben nach Beginn des Krieges in Afghanistan keiner der Präsidenten der Vereinigten Staaten, denn es war ein aggressiver Krieg, weder Präsident Jimmy Carter, der übrigens mit Leonid Breschnew einen Vertrag über die Reduzierung strategischer Angriffswaffen unterzeichnete, noch Präsident Ronald Reagan trafen sich mit den Generalsekretären des ZK der KPdSU. Der erste Besuch des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Ronald Reagan, in Moskau fand zu einem Zeitpunkt statt, als die Sowjetunion von ihrem aggressiven Kurs abgerückt war fie Entscheidung über den Abzug der sowjetischen  Armee aus Afghanistan getroffen hat. Präsident Reagan besuchte die Sowjetunion, ich erinnere mich genau daran, weil ich diesen Besuch beleuchte. Dies war ein historischer Besuch am Ende der zweiten Amtszeit von Präsident Reagan. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Generalsekretär der KPdSU, Leonid Breschnew, Juri Andropow, Konstantin Tschernjaken und Michail Gorbatschow, ausschließlich Erklärungen und Reden mit den Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgetauscht.

Ljudmila. Der Krieg in der Ukraine begann aber im Jahr 2014.

Portnikov. Wir sprechen über den großen Krieg. Als der Krieg im Jahr 2014 stattfand, gab es einen gewissen Friedensprozess. Die Minsker Vereinbarungen waren der Versuch, die Situation zu stabilisieren. Die Vereinigten Staaten akzeptierten all dies und unterstützten die Europäer dabei, Wege zur Stabilisierung der Situation zu finden. Es war kein großer Krieg. Im Jahr 2014 saßen wir nicht stundenlang im Luftschutzbunker, das ukrainische Energiesystem war nicht zusammengebrochen. Millionen von Menschen haben ihre Städte nicht verlassen. Auch zu dieser Zeit hatten wir viele Flüchtlinge, aber die Ausmaße dessen, was geschah, waren anders. Und das Wichtigste ist, dass all dies reguliert wurde, insbesondere wenn es um den Donbass geht, mit den Vereinbarungen, die von dem Sicherheitsrat der Organisation der Vereinten Nationen abgesegnet wurden.

Das heißt, dass Sicherheitsfragen wurden sowohl mit den Vereinigten Staaten als auch mit Russland und der Volksrepublik China, besprochen, und es wurde über die Umsetzung von Maßnahmen abgestimmt. 

Ich wiederhole Ihnen hiermit, dass es so ist als ob die Sowjetunion ihre Politik fortsetzte, die sie unter Breschnew, Andropow und Tschernenko verfolgt hatte, und Präsident Reagan trotzdem mit Gorbatschows zusammentreffen würde. Das Treffen von Präsident Reagan mit Gorbatschow war ein Geschenk der Vereinigten Staaten dafür, dass man begann, sich normal zu verhalten, anfing über die Notwendigkeit des Friedens zu sprechen, anfing die Gefahren aggressiver Kriege zu verstehen. Und unter diesen Umständen war der Präsident der Vereinigten Staaten bereit, sich mit sowjetischen Führer in Reykjavik zu treffen.

Und damit er nach Moskau kommt, müsste man enorme Anstrengungen unternehmen. Und dabei handelte es sich nicht um irgendeine russische Föderation, die Senator McCain als Tankstelle bezeichnete, die den Verstand verloren hat. Es ging um die Sowjetunion, ein Land, das zeitweise den zweiten Platz beim Bruttoinlandsprodukt weltweit einnahm. Ein Land mit einem riesigen atomaren Potenzial, das sich nicht nur auf dem Gebiet des modernen Russlands und Belarus befand, sondern auch auf dem Gebiet der Ukraine, also an den Toren Europas. Und trotzdem verhielten sich die Vereinigten Staaten so. Es gab keine Begeisterung für den Moskauer Führer. Präsident Reagan, und dies unterscheidet ihn von Präsident Trump, befand sich in einer klaren Position bezüglich der Einhaltung von Werten und des Verständnisses seines Gewichts als Präsident der Vereinigten Staaten.

Ich wiederhole noch einmal. Kontakte mit Präsident Putin sind nur dann möglich, wenn Präsident Putin seine Politik ändert. Wenn Präsident Trump sich ohne eine Änderung der Politik des russischen Präsidenten gegenüber der Ukraine und Europa mit Präsident Putin trifft, ist das die Position eines schwachen Führers, eines Loosers, eines klares Verlierers, der einfach den Diktator treffen möchte, dem er nichts entgegensetzen kann. Jetzt zur Strategie. In der Strategie gibt es nichts Kompliziertes. Die Russische Föderation ist fest entschlossen, mit der Ukraine bis zur Zerschlagung des benachbarten Staates zu kämpfen und dessen Territorium in die Russische Föderation einzugliedern, ganz gleich wie viele Jahre und wie viel Anstrengungen die Russische Föderation dafür braucht. Darüber hinaus, nachdem die Unterwerfung der Ukraine abgeschlossen wird, wird es eine vollständige Unterwerfung des gesamten postsowjetischen Raums geben und den Versuch, einen Einflussbereich in Mitteleuropa zu schaffen. Es wird keine Unterbrechung geben, solange Ressourcen vorhanden sind. Glauben Sie, dass wenn Russland im Februar 2022 all seine Pläne hätte durchführen könnte, wären im März die Vertreter der ehemaligen Sowjetrepubliken nicht bereits in Moskau und hätten nichts etwas unterzeichnet? Hätten sie nicht irgendeinen Vertrag über die Gründung der Eurasischen Wirtschaftsunion oder nicht wirtschaftlichen Vertrag über supranationale Organe ganz brav unterzeichnet? Glauben Sie, hätten die ultrarechten Politiker in Europa nicht bereits damals gewonnen haben? Hätten wir jetzt nicht Regierungen, die selbst verlangen würden, die Waffen, die nach 1997 in Zentral Europa gekommen sind, daraus abzuziehen? All dies wäre bereits vor drei Jahre passiert. 

Ljudmila. Ich bin ihrer Meinung.

Portnikov. Also hören Sie nicht auf all diese Wahnsinnigen, die Ihnen von einer Strategie erzählen. Der Westen kann eine Strategie haben, eine Wahl, entweder die Ukraine so viel wie möglich und nötig zu unterstützen, damit sie nicht von der politischen Landkarte der Welt verschwindet, oder sich damit abzufinden, dass die Russische Föderation ein volles Recht auf die Unterwerfung der Ukraine und anderer ehemaliger sowjetischer Staaten und auf die Wiederherstellung ihrer Einflusszone in Mitteleuropa hat. Das ist, worüber Trump mit Putin aus der Perspektive Putins sprechen kann. Einfach nur die Rückkehr zu den Wurzeln. „Sie, Amerikaner, haben uns unseren Eigentum genommen und jetzt, bitte, geben Sie sie zurück“. Das ist, was Putin interessiert. Wenn Trump an einem solchen Gespräch nicht interessiert ist, hat er mit Putin nichts zu besprechen. Jegliches andere Gespräch mit Putin ist eine Simulation von Aktivitäten. Entweder sind die Vereinigten Staaten bereit, die Unterstützung für die Ukraine zu erhöhen, der Ukraine mehr Ausrüstung und modernere Waffen zu geben. Es ist vielleicht möglich so den nuklearen Krieg zu verhindern, aber Niemand kann garantieren, dass es solchen zwischen Amerika und Russland während der Präsidentschaft von Trump nicht geben kann. Und es ist nicht unbedingt nur in Bezug auf die Ukraine. Jetzt werden Russland und der Iran am 20. Januar ein großes Abkommen über strategische Partnerschaft unterzeichnen. Falls die Vereinigten Staaten gegen den Iran vorgehen werden, wissen sie überhaupt nicht, wie Russland das zu beantworten bereit wird. Es kann zum Beispiel amerikanische Objekte in Europa angreifen, von denen aus ein Schlag gegen den Iran erfolgen könnte. Es kann alles Mögliche sein. Es gibt eine Million Optionen. Daher funktioniert die Idee, dass wir sie einfach nicht reizen sollen, nicht mehr. Und all diese Ihre westlichen Gesprächspartner, ich weiß aus welchem Lager die sind. Ich weiß, mit wem Sie hauptsächlich sprechen. Die über die Strategie sprechen… 

Ljudmila. Ich sprach mit Bidens Berater.

Portnikov. Mit wem? 

Ljudmila. Mit Samuel Tcharep. 

Portnikov. Samuel Tscherep ist bekannt für seine prorussischen Sympathien. Das hat St. rin Problem der demokratischen Administration, dass sie solchen Menschen zuhören. , mit diesem Menschen  bringen sie in den ukrainischen Medienraum einen echter Propagandisten russischer Interessen. Alle seine Texte sind faktisch ein Versuch zu überzeugen, dass man mit Russland sprechen und es respektieren muss, sonst wird Amerika vor dem Zusammenbruch stehen. Wenn man alles zusammenfasst, was er sagt. Und er sagte das immer. Noch als ich ihn als jungen Mann kannte, erzählte er diesen Quatsch. Er ist kein Bidens Berater. Er ist ein Mensch aus vielen informellen Kreisen. Er hat keine offizielle Position. Aber ich war nicht überrascht. Genau das sagen Sie. Es handelt sich um eine Person, die will, dass das ukrainische Problem gelöst wird. In ihren Ansichten unterscheidet sie sich nicht von jenen Leuten, die Trump dasselbe raten.

Ljudmila. Lassen Sie uns die Frage dann ein wenig anders formulieren. Verstehst du richtig, dass Sie gegen jegliche Verhandlungen sind, die derzeit aktiv für das nächste Jahr diskutiert werden? 

Portnikov. Ich denke überhaupt nicht, dass es irgendwelche realen Gespräche geben wird. Es wird zu nichts führen. Das muss man klar verstehen. Und die Russen sagen das auch. Gestern hat Valentina Matviyenko das gesagt. „Wir sind bereit zu Kompromissen, aber im Fall Ukraine werden wir auf unseren strengen Bedingungen bestehen“.

Ljudmila. Sollen wir ihnen glauben oder nicht? 

Portnikov. Warum sollten wir ihnen nicht glauben? Sie sagen im Prinzip immer die Wahrheit, wenn es um solche Fragen handelt. Sie sind wirklich bereit zu Kompromissen mit Amerika in Angelegenheiten, die den post-sowjetischen Raum nicht betreffen, denn sie glauben, dass dies ihre Territorien sind. Aber zu besprechen, dass sie keine Raketen an die Houthi liefern werden, oder dass sie sich im Niger vorsichtiger verhalten werden, und den Amerikanern die Möglichkeit geben werden, diese Militärbasis wiederherzustellen, dafür, bin ich überzeugt, sind sie bereit. Ich sage Ihnen noch mehr. Ich denke, dass sie all diese Positionen in Afrika, im Nahen Osten, in Libyen zu besetzen versuchen, um etwas zu haben, womit sie mit den Amerikanern verhandeln können, damit die Amerikaner sich von Europa und von der Ukraine zurückziehen. Das ist ihre bekannte Taktik. 

Ljudmila. Irgendwie klappt es aber nicht, sogar ein gewisser Sudan in Afrika hat ihre militärische Basis abgelehnt. 

Portnikov. Heute abgelehnt, morgen nicht abgelehnt, sie kämpfen dort weiterhin. Die Amerikaner und die Franzosen wurden aus Niger vertrieben. Im Sahel sind keine Amerikaner und Franzosen mehr vorhanden. In Libyen festigen sie ihre Positionen bei General Haftar, und derzeit versuchen die Amerikaner und Europäer Druck auf den General auszuüben, damit er nicht erlaubt, militärische Basen zu errichten, aber sie setzen dies weiterhin fort. Der Führer der syrischen Aufständischen, Al-Scharaa, spricht darüber, dass die Russen wahrscheinlich die Kontrolle über militärische Basen in Syrien behalten werden. Stellen Sie sich vor, dass die Russen nach dem Fall der Regime von Bashar Assad ihre Militärbasis in Tartus erhalten werden. Dies ist eine absolut realistische Möglichkeit wie die Situation sich entwickeln könnte. Wofür dann das ganze? Um das bassystische Regime in Syrien durch ein etwas gemäßigtes Islamisches zu ersetzen? Das ist natürlich sehr wichtig für das syrische Volk. Aber für die russischen Militärbasen wird das nicht viel bedeuten. Wenn sie die Logistik aufrechterhalten, die Kommunikationsmöglichkeiten zwischen Tartus und Homs sowie zwischen Tartus und Afrika. 

Ljudmila. Und wenn sie sie nicht behalten, was dann?

Portnikov. Wenn sie die Basen nicht behalten, wird ihre Logistik gestört, und die werden versuchen sich in Libyen zu verstärken. Und man wird sie auch von dort vertreiben müssen, wissen Sie, wie Kakerlaken, von überall. Aber genau darüber spricht Putin. Das da kann man Interessen verzichten. Irgendwo. Und Trump muss fie Interessen in der Ukraine aufgeben, sagen sie einfach. Wenn er den Russen nicht überall im mittleren Osten oder im asiatisch-pazifischen Raum mit einem Wasserkocher nachlaufen und sie mit kochendem Wasser begießen will. Das ist ihre Logik. Ich sage Ihnen nicht, dass Trump dieser Logik folgen wird. Aber das Wichtigste, was ich bisher nicht verstehe, ist, wo der neue Präsident der Vereinigten Staaten Werkzeuge hat, um Russland zu beeinflussen, wie dieser Frieden durch Stärke entstehen soll? Was Putin dazu bringen wird, sich mit der Trump’schen Vision für die Zukunft einverstanden zu erklären? Wir sehen diese Instrumente nicht und wissen nichts über sie. Und wissen Sie, warum wir sie nicht sehen, warum wir nichts wissen? Weil sie nicht existieren. Man kann keine schwarze Katze in einem dunklen Raum finden, vor allem nicht, wenn sie nicht da ist.

Ljudmila. Verstehe ich richtig, dass Sie Trump im Voraus die Chance auf einen Erfolg in Bezug auf die Ukraine entziehen? 

Portnikov. Ja, ich entziehe Trump im Voraus die Chancen auf irgendeinen Erfolg in Bezug auf die Ukraine. Grundsätzlich halte ich diesen Glauben an die Fähigkeiten einer bestimmten Person für ein Zeichen der Degeneration des menschlichen Denkens. Trump wurde nicht zum Zauberer von Os gewählt. Er wurde zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Dies ist eine Institution. Die gleichen Möglichkeiten, die der vorherige Präsident hatte, hat auch dieser. Es entstehen keine zusätzlichen Möglichkeiten für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, nur weil eine andere Person im Sessel sitzt. Was ist hier unverständlich? 

Ljudmila. Noch eine Frage, so eine Personalisierung der Geopolitik. Ich habe mit Europäern gesprochen, sie fühlen sich zwischen Trump und Putin. So eine Personalisierung. 

Portnikov. Das ist keine Personalisierung. Donald Trump hat andere politische Ansichten als Joseph Biden. Weil Joseph Biden ein Interventionist ist. Donald Trump hingegen ist Imperialist. Das sind unterschiedliche politische Konzepte. Das betrifft nicht nur uns. Das betrifft das Allgemeine. Viele nennen Donald Trump einen Isolationisten. Aus Europa, sogar ein Teil der Mitglieder eigener Partei, wie Mich McConnell. Von Mich McConnell wurden bereits mehrere Artikel über Trumps Isolationismus geschrieben. Aber Trump ist kein Isolationist. Isolationisten waren andere Politiker. Trump ist Imperialist. Wenn er über den Panamakanal spricht. Wenn er über Grönland spricht. Wenn er über Kanada Witze macht. Das ist eine imperialistische Position. Das ist die Position der Zehner-, Zwanzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Vielleicht nach Woodrow Wilson. Und davor, vor Woodrow Wilson. Die Position von Theodore Roosevelt und solchen Präsidenten. Wir haben es einfach vergessen. Die Amerikaner haben sich lange Zeit so nicht verhalten. Das bedeutet, man könnte denken, dass Trump in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückkehrt. Dass die Welt um 100 Jahre zurückgeworfen wird. Eher, eigentlich um 140 Jahre. Als die Amerikaner glaubten, sie könnten über das Schicksal anderer Staaten entscheiden. Weil sie Macht haben. Nun, schauen Sie. Trump spricht absolut ernsthaft über Grönland. Dass er es kaufen möchte. Trump versteht nicht einmal, dass es sich dort um ein selbstverwaltetes Territorium handelt. Dass sie ihre eigene Regierung hat. Dass sie ein vorübergehender Teil des dänischen Staates mit dem Recht auf Austritt ist und sie, übrigens, die Frage ihrer Unabhängigkeit in Betracht ziehen. Die Amerikaner verhielten sich so in imperialistischen Zeiten, als sie, übrigens, die Schaffung eines unabhängigen Staates Panama aus der kolumbianischen Provinz förderten, weil sie den Panamakanal kontrollieren wollten. So war die Welt damals. Präsident Theodore Roosevelt traf sich mit Vertretern der Provinz, die zu Kolumbien gehörte, und stimmte zu, ihre Bemühungen zu unterstützen, diese Provinz in einen unabhängigen Staat umzuwandeln, um den Panamakanal zu kontrollieren. Diese Vorgehensweise zur Welt und zum internationalen Recht wurde längst aufgegeben, nicht zuletzt weil es zwei Weltkriege gegeben hat. Benito Mussolini hat in 1935, wenn ich mich nicht irre, Äthiopien überfallen, obwohl es ein souveräner Staat war. Übrigens, ein feudaler, übrigens, mit unglaublicher Rechtlosigkeit, übrigens, mit Korruption. Das sind all die Mängel, die man jetzt der Ukraine vorwirft, wenn einige westliche Politiker argumentieren, warum der Westen ihr nicht helfen sollte. Äthiopien war ein unabhängiger Staat. Mussolini war das völlig egal, er wollte einfach, dass es Teil der italienischen Krone wird. Er sprach auch über die strategische Wichtigkeit für Italien, da es dort Häfen gab, die wichtig für Italien waren, und Italien glaubte, dass es auf diese Weise seinen Einflussbereich erweitern würde. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts hörten wir von Benito Mussolini, was wir heute von Dondarino Trump hören, anfangs spöttisch, und dann marschierten die italienischen Truppen ein. Wenn wir zu verstehen versuchen, wann der Zweite Weltkrieg begann, vielleicht begann er in Wirklichkeit mit dem Angriff Italiens auf Äthiopien. Vielleicht begann er in Afrika, und wir haben es einfach nicht bemerkt, weil wir Europäer sind und wir erst die Tschechoslowakei und Polen bemerkt haben? Hier ist es dasselbe, verstehen Sie, und deshalb fühlen sich die Europäer zwischen zwei ultrarechten Führern eingeengt, weil Putin auch ein ultrarechter Führer ist. All diese Werte, die er verteidigt, sind imperialistische, ultrarechte Werte. Denn beide dieser Führer haben eine imperialistische Weltsicht und respektieren nicht die Souveränität anderer. Sie haben gesehen, dass Musk, der auserwählte Favorit von Donald Trump, offen über die Souveränität anderer lacht. Und das ist die Person, die jetzt für den Umbau der Regierungsinstitutionen verantwortlich ist. Und das ist katastrophal, ich verstehe die Europäer. 

Ljudmila. Sie haben gesagt: damals war die Welt so, und haben hat die um 140 Jahre zurückgedreht. 

Portnikov. Bedingte 140 Jahre, ich bin mir nicht sicher, dass ich so stark in Datumsangaben bin und ob es wirklich genau 140 Jahre waren. Die gesamte moderne amerikanische Geschichte ist die Geschichte von Theodore Roosevelt und seinen imperialistischen Taten bis zu seinem Neffen Franklin Delano Roosevelt, der den Weg vom Isolationismus zum Internationalismus beschritt. Übrigens, die Antwort auf den Imperialismus Theodore Roosevelts war der Internationalismus von Woodrow Wilson. Aber Amerika nach dem Ersten Weltkrieg lehnte diesen Internationalismus ab und schuf damit die Voraussetzungen für den Zweiten Weltkrieg. Die amerikanische Ablehnung von Woodrow Wilson schuf die Bedingungen für den Zweiten Weltkrieg, sodass Diktatoren sich ungestraft fühlten. Wenn die Vereinigten Staaten jetzt auf den Internationalismus von Joseph Biden verzichten, genau von Joseph Biden, denn Barack Obama war isolationistisch. Er war kein Imperialist wie Donald  Trump. Er war ein klassischer demokratischer Isolationist, wie Roosevelt vor dem Zweiten Weltkrieg. Wenn Amerika den Internationalismus von Joseph Biden zugunsten des Imperialismus von Donald Trump ablehnt, schafft es die Voraussetzungen für den Dritten Weltkrieg, daran besteht kein Zweifel. Und es gibt eine schwindelerregende Anzahl von Menschen, die das nicht verstehen, es geht um Dutzende Millionen von Menschen, die in der atomaren Hölle sterben werden, die uns nicht Donald Trump und nicht Wladimir Putin versprochen hat, sondern Dmitri Kisselew, das Sprachrohr des Imperialismus der russischen Führer. 

Ljudmila. Sie haben gesagt: damals war die Welt so. 

Portnikov. Ich weiß nicht, ob es ein Neujahrswunsch ist oder nicht? 

Ljudmila. Eigentlich nicht, wir finden einen anderen. Damals war die Welt so. Und wie sieht die Welt jetzt aus? Glauben Sie nicht, dass Putin die Bedingungen geschaffen hat, damit viele Länder in der Zeit zurückkehren? 

Portnikov. Natürlich, hat er das getan. Ich sage deshalb, alles hängt von den Vereinigten Staaten ab. Entweder werden die Vereinigten Staaten gegen diese Bedingungen kämpfen, oder sie werden bereit sein, sie zu akzeptieren und sich ihnen zu fügen. Hitler hat ebenfalls solche Bedingungen geschaffen. Mussolini hat solche Bedingungen geschaffen. Sie haben solche Bedingungen geschaffen. Alles hing von den Vereinigten Staaten ab. Und die Vereinigten Staaten wollten sich nicht einmischen. Die Vereinigten Staaten, ich erinnere Sie daran, haben die Tschechoslowakei in den Grenzen geschaffen, in denen sie bis 1938 existierte. Präsident Woodrow Wilson war einer der Führer, der die Schaffung eines solchen Tschechoslowakei und eines solchen Völkerrechts akzeptierte. Und als Hitler 1938 beschloss, die Sudetenland zu annektieren und zu tun, was ihm beliebt, taten die Amerikaner so, als ob es sie nicht beträfe und dass die Europäer sich damit auseinandersetzen sollten, es sei ihr Problem. Das ist, was Trump jetzt sagt. 

Ljudmila. Hat nicht Obama das Gleiche getan? 

Portnikov. Obama hat das Gleiche getan, denn Trump ist politisch ein Erbe Obamas. Trump ist ein Isolationist, der zu einem Imperialisten wurde. Und was? Sie befinden sich die ganze Zeit im Rahmen des Zweiparteienkampfes. Und ich sage Ihnen, dass es seit langer Zeit keine zwei Parteien mehr gibt. Es gibt vier Kräfte: Liberale, linke Sozialisten, Konservative und Postfaschisten. Und in bestimmten Momenten verstehen diese politischen Kräfte einander besser als traditionelle politische Parteien. Trump aus der Sicht des Isolationismus betrachtet ist ein politischer Erbe von Barack Obama, so ist es. Und wir leben in der von Barack Obama geschaffenen Welt. Mit dem Unterschied, dass Trump in dieser Zeit einen Weg vom Isolationisten zum Imperialisten eingeschlagen hat. Die Biden-Administration hat sich von dem Isolationismus von Barack Obama und Donald Trump zum Internationalismus der Kriegszeit zum Internationalismus von Woodrow Wilson während der Kriegszeit des Ersten Weltkriegs bewegt. Und zum Internationalismus der amerikanischen Präsidentschaften nach Roosevelt. Truman und alle amerikanische Präsidenten nach ihm waren Internationalisten. Von Truman bis Bush Junior. Und dann änderte sich die Welt.

Ljudmila. Aber das hat Europa nicht vor dem Großen Krieg bewahrt. 

Portnikov. Sie hören mir nicht zu. 

Ljudmila.Die Handlungen von Biden haben nicht gerettet. 

Portnikov. Was wurde nicht gerettet? Vor welchem großen Krieg? 

Ljudmila. Nun, der, der jetzt in der Ukraine stattfindet. 

Portnikov. Natürlich wurde nicht gerettet, denn Obama und Trump wurden zu Isolationisten. Ich sage Ihnen das doch. Sie hören mich nicht. Woodrow Wilson war ein Internationalist. Die nächsten amerikanischen Präsidenten nach Wilson waren Isolationisten. Und das führte zu einem großen Krieg. Die nächsten amerikanischen Präsidenten nach dem Krieg, vom Präsident Roosevelt bis zum Bush Junior waren Internationalisten. Und so hielten sie die Kriege in der Welt zurück. Obama und Trump wurden Isolationisten. Und sie schufen die Bedingungen für einen großen Krieg. Was wollen Sie von mir hören? Ich habe es wie ein mathematisches Problem zerlegt. 

Ljudmila. Und Sie glauben, dass Biden nichts mehr machen konnte.

Portnikov. Natürlich. Das war bereits eine Tendenz. Roosevelt konnte auch nichts tun. Als Roosevelt an die Macht kam, wollte er etwas verändern. Er war kein überzeugter Isolationist. Aber die amerikanische Gesellschaft war isolationistisch. Als Roosevelt begann, Großbritannien zu helfen, rief dies einen unglaublichen Widerstand von allen, sogar von seinen Gefolgsleuten, hervor. Joseph Kennedy war dagegen, wie ich schon gesagt habe. Eine riesige Anzahl von Kongressabgeordneten, waren dagegen. Als die Japaner Pearl Harbor angriffen, fragten Minister Roosevelt, was sie tun sollten, um nicht Deutschland den Krieg zu erklären. Alle waren überzeugt, dass Amerika sich aus dem europäischen Konflikt heraushalten sollte. Roosevelt sagte den Amerikanern dasselbe, was Biden den Amerikanern sagte. Amerika wird nicht direkt am Konflikt teilnehmen. Aber was ist passiert? Ich habe irgendwo schon einmal gesagt, dass wir in einer Welt der Fehlern von Adolf Hitler leben. Deutschland hat der Vereinigten Staaten den Krieg erklärt. Hätte Deutschland den Vereinigten Staaten keinen Krieg erklärt, wäre alles wie jetzt gewesen. Roosevelt hätte gegen Japan gekämpft, Großbritannien und die Sowjetunion unterstützt, aber sich nicht in den europäischen Konflikt eingemischt, um die amerikanischen Jugendlichen nicht sterben zu lassen. Darüber hat Mitch McConnell sehr lebhaft geschrieben, über den Tag der Landung in der Normandie. Er sagte, dass, wenn die amerikanischen Politiker keine Trottel gewesen wären, wären unsere Jungs nicht an diesen Stränden gestorben, aber sie waren Trottel. Aber Sie wollen mich nicht hören. Natürlich konnte Biden nichts tun, denn es war bereits das Ende. Wie viel Zeit verging von der Wahl Bidens zum Präsidenten bis zum Beginn des großen Krieges? 

Ljudmila. Fast ein Jahr.

Portnikov. Was ist schon ein Jahr unter diesen Umständen? Sie waren bereits bereit. Natürlich kann Donald Trump so oft wie er will erzählen, dass, wenn er Präsident wäre, es nicht so weit gekommen wäre. Und er könnte sogar die Wahrheit sagen. Wisst ihr warum? Weil Russland möglicherweise auf dem politischen Weg erfolgreich wäre. Es wäre ihnen vielleicht gelungen, die Ukraine politisch zu integrieren. Falls die ukrainische Führung absolut überzeugt von der Abwesenheit der Unterstützung der Vereinigten Staaten wäre, so wie die tschechoslowakische Führung in 1938 absolut sicher war, dass keine Unterstützung der Vereinigten Staaten und der Europäischen Ländern gibt. Und möglicherweise gäbe es politische Aberrationen unter Trump im Jahr 2022-2023. 

Ljudmila. Während der ersten Präsidentschaft Trumps gab es so etwas nicht.

Portnikov. Russland war auf einen so großen Angriff noch nicht vorbereitet. Außerdem wie gab es nichts? Unter Trump war das Jahr 2019. Soll ich Sie daran erinnern, was 2019 geschah? Wie die westlichen Botschaften alle gegen Poroschenko arbeiteten, damit ein Kandidat, der ihrer Meinung nach mit Moskau verhandeln könnte, an die Macht kam, um ihr Leben zu erleichtern.

Ljudmila. Wie kam es dazu? Hatte Trump tatsächlich einen so starken Einfluss auf Europa? 

Portnikov. Natürlich hatte er. Bedenken Sie, wie oft Macron zu Trump gereist ist? Ich erinnere mich, dass ich, ich will die Namen an dieser Stelle nicht nennen. Meine enge Freundin, die derzeit eine herausragende Rolle in der europäischen Politik spielt. Wie entzückt war: „Zu unserem Empfang kam die Erste Lady“. Ich sagte: wir werden sehen, was du in ein paar Jahren mit dieser Ersten Dame machen wirst. Und mit all dem. Und mit all Ihren, mit all Ihrem 19. Jahr. Wie lange werden Sie… All das…“. Jetzt hat sie eine völlig andere politische Position. Jetzt kämpft sie. Und ich bin ihr auch dankbar für ihren Beitrag in fie ukrainisch-westliche Beziehungen und ihre Haltung zur Moskau. Aber ich erinnere mich an all diese Dinge. Und es geht um Menschen, die mir nahe stehen. Ich möchte nicht einmal daran denken, über die zu sprechen, mit denen ich nicht sehr vertraut bin. Sie haben Gesprächspartner wie Tcharap. Ich stelle mir das vor. 

Ljudmila. Berater von Sullivan. 

Portnikov. Das ist ein Problem von Sullivan, wenn er solchen Menschen zuhört. Er ist während unseres Gesprächs von Berater Bidens zum Berater Sullivans geworden. Sehen Sie, wie gut ich auf die Menschen einwirke? Ich zwinge sie, in die Realität zurückzukehren. Und nach ein paar Stunden werden Sie verstehen, dass er Sullivan nur zweimal in seinem Leben gesehen hat. 

Ljudmila. Journal von Weißen Haus sagt etwas anderes. 

Portnikov. Ich bin Samuel dennoch dankbar, weil er hat mir immer gesagt, dass ich dem New York die Chance geben sollte, mein Lieblingsplatz zu werden. Dies ist die einzige politische Prognose, die sich während seines gesamten Lebens bewahrheitet hat. 

Ljudmila. Hat er Ihnen so etwas gesagt? Das heißt, Sie lieben New York? 

Portnikov. Ich liebe New York und auch er liebt New York. Das ist das, was uns vereint, alles andere trennt uns. Und ich erkenne seine glänzenden intuitiven Fähigkeiten an, wenn es um New York geht. 

Ljudmila. Ich bitte um einen Neujahrsgruß, sonst ging es um atomarer Staub. Lassen Sie es ein anderen Gruß sein. 

Portnikov. Ich wünsche uns allen, dass wir alle respektieren, dass die 20 Jahre des 21. Jahrhunderts eine Zeit der Rückkehr zum Realismus, zu den Werten und zu einem, wenn man so will, normalen menschlichen Leben werden. Ich denke, dass nur daran die einzige Möglichkeit für uns alle besteht, zu bestehen, die Kriege, die stattfinden, zu beenden, die Kriege, die jetzt auf der Tagesordnung stehen, nicht zuzulassen, und alles Mögliche und Unmögliche zu tun, um sicherzustellen, dass die Ukraine in der Lage ist, aus diesem Krieg irgendwann herauszukommen, und ein demokratisches europäisches, friedliches Land zu werden, das ein gemeinsames Zuhause für alle diejenigen sein wird, die es aufbauen, entwickeln und verteidigen wollen.

Hey, füllt die Becher bis zum Rand/ Гей, наливайте повнії чари.

Hey, füllt die Becher bis zum Rand,  

Damit sie überlaufen.  

Damit uns das Schicksal nicht verlässt, |  

Damit wir besser leben.                | (2)  

Schlagen wir Kummer und Sorgen zu Boden,  

Damit es allen fröhlicher wird!  

Trinken wir auf Glück, trinken wir auf Schicksal, |  

Trinken wir auf alles, was uns lieb ist.        | (2)  

Hey, Jungs, tapfere Kerle,  

Warum seid ihr traurig, so unlustig?  

Hat die Wirtin zu wenig Schnaps,        |  

Ist das Bier oder der Met ausgegangen? | (2)  

Trinken wir, Freunde, trinken wir, Brüder,  

Trinken, solange es noch geht!  

Solange das Unglück uns nicht erwischt, |  

Solange das Leid noch lacht.            | (2)  

Hey, füllt die Becher bis zum Rand,

Damit sie überlaufen.  

Damit uns das Schicksal nicht verlässt, |  

Damit wir besser leben.                | (2)


Гей, наливайте повнії чари,

Щоб через вінця лилося.

Щоб наша доля нас не цуралась,   |

Щоб краще в світі жилося.        | (2)

Вдармо об землю лихом-журбою

Щоб стало всім веселіше!

Вип’єм за щастя, вип’єм за долю, |

Вип’єм за все що миліше.         | (2)

Гей нумо, хлопці, славні молодці,

Чом ви сумні, невеселі?

Чи у шинкарки мало горілки,      |

Пива чи меду не стало?           | (2)

Пиймо, панове, пиймо, братове,

Пиймо, поки іще п’ється!

Поки недоля нас не спіткала,     |

Поки ще лихо сміється.           | (2)

Гей, наливайте повнії чари,

Щоб через вінця лилося.

Щоб наша доля нас не цуралась,   |

Щоб краще в святі жилося.        | (2)

Oh, dort auf dem Berg/ Ой там на горі

Oh, dort auf dem Berg, oh, dort auf dem steilen,  

Oh, dort saß ein Pärchen von Tauben vereint. (zweimal)  

Sie saßen beisammen, sich zärtlich genährt,  

Umarmten sich innig mit grauen Gefiedern. (zweimal)  

Oh, plötzlich kam ein Jäger daher,  

Trennte und zerschlug das Taubenpaar. (zweimal)  

Oh, er schoss den Täuber ab, die Täubin schlag,  

Nahm sie mit sich heim, brachte sie nach Hause. (zweimal)  

(Er schüttete Weizen bis zu den Knien,  

Füllte Wasser bis zum Rand des Krugs hinein.  

Doch die Täubin isst nicht, die Täubin trinkt nicht,  

Steigt den steilen Berg hinauf, um zu klagen.  

Meine Täubin, oh Täubin, warum bist du so?  

Warum bist du so voller Kummer und Schmerz?  

Ich habe sieben Paare Tauben im Haus,  

Schau dich doch um, vielleicht ist dein Täuber dabei?  

Ich bin schon gegangen, habe schon geschaut,  

Doch keinen gefunden wie den, den ich verlor.  

Keiner gurrt wie er, als er zu mir kam,  

Er singt nicht wie der, der mein erster war.  


Ой там на горі, ой там на крутій,
Ой там сиділо пара голубів. (двічі)

Вони сиділи, парувалися,
Сизими крильми обнімалися. (двічі)

Ой десь узявся охотник-стрілець,
Розбив, розлучив пару голубів. (двічі)

Ой що голуба вбив, голубку прибив,
Й узяв під полу, приніс додому. (двічі)

(Насипав пшенця по колінця,
Налив водиці аж по крилиці.

Голубка не їсть, голубка не п’є,
На круту гору все плакати йде.

Голубко моя, ……
Чого ж ти така буркотливая?

А єсть у мене сім пар голубів,
Піди подивись, може там і твій?

Я вже ходила, я вже видила,
Немає такого, як я утеряла.

А не так він гуде, як до мене йде,
А не так він закув, як той перший був.