Trump ist erneut von Zelensky enttäuscht | Vitaly Portnikov. 08.12.2025.

Donald Trump ist erneut vom ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky enttäuscht, der – seinen Worten zufolge – die jüngsten Vorschläge im Zusammenhang mit einer friedlichen Regelung in der Ukraine möglicherweise nicht akzeptieren werde.

Allerdings wirken die Kommentare Donald Trumps, gelinde gesagt, seltsam. Er erklärt, dass die russische Seite dieser Initiative zugestimmt habe. Dabei haben wir aus dem Kreml bislang keinerlei offizielle Bestätigungen dafür gehört, dass die Russische Föderation dem in Moskau von den Sondergesandten Trumps, Steve Witkoff und Jared Kushner, präsentierten Friedensplan zustimmt.

Wie bekannt ist, hat der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow – und er war der einzige Beamte, der die Gespräche zwischen dem russischen Präsidenten Putin und den amerikanischen Vertretern offiziell kommentiert hat – betont, dass es in den Vorschlägen der Vereinigten Staaten Punkte gebe, denen Moskau zuzustimmen bereit sei, und Punkte, die man in der russischen Hauptstadt nicht akzeptiere. Damit gibt es schlicht niemanden, der den Umstand bestätigen könnte, dass Russland dem amerikanischen Friedensvorschlag zugestimmt habe.

Ebenso erstaunlich ist die Behauptung Trumps, dass die amerikanischen Vorschläge von ukrainischen Vertretern angenommen worden seien, die an den Konsultationen mit Witkoff und Kushner teilgenommen hätten. Denn Beamte können keine Entscheidungen anstelle von Staatsoberhäuptern treffen. Was würde Trump selbst sagen, wenn ein Untergebener – etwa der Außenminister oder der Sondergesandte Witkoff – irgendwelchen Vorschlägen zustimmen würde, ohne dass er selbst überhaupt Einsicht in den Inhalt des Dokuments gehabt hätte?

Allerdings kann ich mir durchaus vorstellen, dass so etwas bei Trump tatsächlich passieren könnte, denn es entsteht der Eindruck, dass der amerikanische Präsident Dokumente schlicht nicht bis zum Ende liest. Doch zumindest mit dem wesentlichen Inhalt der Vorschläge muss man ihn vor der endgültigen Entscheidung zwangsläufig vertraut machen. Trump ist verpflichtet zu wissen, was er unterschreibt, selbst wenn er es nicht liest.

Doch darum geht es eigentlich gar nicht. Die entscheidende Frage ist, dass Trump nicht behauptet, Zelensky habe die Vorschläge abgelehnt, weil ihm der Inhalt des amerikanischen Plans nicht gefalle. Seine Vorstellung ist vielmehr, dass Zelensky dieses Dokument gar nicht gelesen habe. Und möglicherweise bezieht er sich dabei auf den Umstand, dass Umerow und Hnatow gerade heute in London den ukrainischen Präsidenten über die Ergebnisse ihrer Gespräche mit Kushner und Witkoff informieren sollen.

Auf diese Weise sind Trumps Aussagen eine Art Druck auf Zelensky, damit dieser den Vorschlägen zustimmt, selbst wenn sie von ukrainischer Seite nicht akzeptiert werden.

Die Aufgabe der ukrainischen Vertreter bestand natürlich nicht darin, den Vorschlägen des Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten und dessen Schwiegersohn zuzustimmen oder sie abzulehnen, sondern darin, sich mit diesen Vorschlägen vertraut zu machen, eigene Vorschläge zu unterbreiten und anschließend selbstverständlich zu speziellen Konsultationen mit dem Präsidenten der Ukraine sowie mit den führenden Politikern der europäischen Staaten zu fliegen. Diese werden sich übrigens gerade heute mit Zelensky treffen und die Situation rund um den Friedensplan besprechen.

In Wirklichkeit ist all dies nichts weiter als das übliche weiße Rauschen, das der Tätigkeit Donald Trumps im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten eigen ist. Denn selbst wenn man sich vorstellen würde, dass sein Druck auf Zelensky Wirkung zeigt und der ukrainische Präsident jenen Vorschlägen der amerikanischen Seite zustimmen würde, die den nationalen Interessen der Ukraine entschieden widersprechen – etwa dem Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Teil des Gebiets der Oblast Donezk, der heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird –, bedeutet das noch lange nicht, dass Trump das Ende des Krieges erreichen würde. Denn wie ich bereits vielfach erklärt habe, gibt es beim Präsidenten Russlands keinerlei Interesse an einem solchen Ende des Krieges zu den Bedingungen, die Trump vorschlägt und die nicht das Verschwinden des ukrainischen Staates von der politischen Landkarte der Welt vorsehen. Und ein solches Interesse wird es bei Putin auch nicht geben, solange sich der russische Präsident nicht vom Fehlen wirtschaftlicher und demografischer Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges überzeugt hat.

Ohne massiven Druck genau auf Putin, ohne den Kampf um die Zerstörung der russischen Wirtschaft – und nicht mit Träumen vom Geldverdienen in der Zusammenarbeit mit Putin – werden Trump und seine Umgebung sich lächerlich machen. Und das wird für die ganze Welt offensichtlich sein. Diese ihre Schande wird noch in die Geschichte eingehen und ihnen nicht einmal einen zusätzlichen Dollar einbringen.

Allerdings muss dafür, dass Trump und jene inkompetenten Menschen, die den selbstverliebten amerikanischen Präsidenten umgeben, dies begreifen, noch etwas Zeit vergehen – meiner Einschätzung nach jedoch nicht allzu viel. Bis dahin wird Trump weiterhin handeln wie ein Elefant im Porzellanladen und versuchen, nicht auf diejenigen Druck auszuüben, auf die man tatsächlich Druck ausüben müsste, um zumindest in absehbarer Zukunft irgendein konkretes Ergebnis zu erzielen, sondern auf diejenigen, die er zwingen kann, seiner wirren Vorstellung zuzustimmen. Einfach deshalb, weil die Ukraine an der Unterstützung der Vereinigten Staaten interessiert ist.

Doch auch hier ist Trump in seinen Handlungen eingeschränkt, gerade weil er sich zusammen mit seinem Team in einer offensichtlichen politischen Minderheit in den Vereinigten Staaten befindet. Die Ukraine wird sowohl von den Wählern der Demokratischen Partei der Vereinigten Staaten unterstützt, die auf einen Sieg bei den Zwischenwahlen bereits im November des kommenden Jahres hoffen – und damit auf den Beginn des Endes der ruhmlosen Ära Trumps –, als auch von den Wählern der Republikanischen Partei der Vereinigten Staaten, von denen die Mehrheit trotz der Position der Ultrakonservativen aus der postfaschistischen MAGA-Bewegung weiterhin versteht, wo Gut und Böse liegen, und dem russischen Präsidenten Putin sowie Russland in seiner neofaschistischen Ausprägung äußerst ablehnend gegenübersteht.

Bereits im Januar dieses Jahres wird Trump, beunruhigt über das, was mit dem Wahlkampf in seinem Land und der Möglichkeit eines neuen Impeachments geschehen könnte, gezwungen sein, den Meinungen seiner Landsleute deutlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken als heute.

Man kann sagen, dass Trump derzeit die Rolle von Aschenputtel auf dem politischen Ball spielt. Bereits am 1. Januar 2026 wird die Kutsche seiner Popularität beginnen, sich in einen Kürbis zu verwandeln, und sein Umfeld in Ratten, die, wenn sie nicht in alle Richtungen auseinanderlaufen, so zumindest über ein Leben nachdenken werden, in dem es nicht nur Donald Trump selbst nicht mehr geben wird, sondern nicht einmal mehr eine Erinnerung an den amtierenden amerikanischen Präsidenten und seine Möglichkeiten. Und in dieser Situation ist die beste – ich würde sagen: instrumentelle – Handlung, um diesem ständigen Druck Trumps nicht nachzugeben, einfach den Moment abzuwarten, in dem er sich diese unangebrachte Dreistigkeit nicht mehr leisten kann.


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Titel des Originals: Трамп знову розчарований Зеленським | Віталій Портников. 08.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Amerikaner erpressen Zelensky | Vitaly Portnikov. 07.12.2025.

Zu den ukrainischen Unterhändlern, die in diesen Tagen in den Vereinigten Staaten Gespräche mit dem Sonderbeauftragten von Präsident Donald Trump, Steve Witkoff, sowie mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner geführt haben, hat sich heute auch Präsident Volodymyr Zelensky dazugeschaltet, der im virtuellen Format mit den amerikanischen Vertretern die wichtigste Frage im Zusammenhang mit dem nebulösen Friedensabkommen erörterte, das dem Krieg Russlands gegen die Ukraine ein Ende setzen soll.

Die Hauptthemen dieser Gespräche waren, wie die Publikation Axios betonte, die in den letzten Wochen nahezu die wichtigste Quelle zu diesem Friedensplan geworden ist, die Fragen der Territorien und der Sicherheitsgarantien.

Bekanntlich hat der russische Präsident Putin bereits mehrfach betont, dass man über irgendeine Waffenruhe und ein Ende der Kampfhandlungen nur dann sprechen könne, wenn die Streitkräfte der Ukraine jenen Teil des Gebiets der Donezker Region verlassen, der bis heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert wird.

Gerade die Diskussion über den Abzug der ukrainischen Truppen aus der Donezker Region erscheint mir in erster Linie als der Versuch Putins, die innenpolitische Situation in der Ukraine zu destabilisieren und Bedingungen für eine Ausweitung der russischen Besatzungszone zu schaffen – keineswegs nur auf dem Gebiet der Donezker Region. Denn sich vorzustellen, dass Putin den Krieg allein um des Erwerbs eines Teils der Donezker Region willen beenden möchte, ist derzeit wenig realistisch.

Doch wie bekannt, haben wir in den letzten Tagen vom russischen Präsidenten auch von der „Befreiung“ der sogenannten Noworossija gehört. Das kann auch auf eine Steigerung der Ansprüche Putins hinweisen, der fordern könnte, dass die ukrainischen Truppen ebenfalls die Gebiete der Saporischschja- und der Cherson-Region verlassen – und sogar auf eine Ausweitung der Ansprüche auf die gesamte linksufrige Ukraine, die ebenfalls ohne große Probleme zur Noworossija erklärt werden könnte. Aus der Sicht der ideologischen Ansätze Putins kann jede ukrainische Region als „bolschewistisches Geschenk“ an die Ukraine deklariert und somit von der Russischen Föderation vereinnahmt werden.

Wie Putin in dieser Richtung weiter handeln wird, wissen wir nicht. Aber wir sehen, dass auch die Amerikaner nicht besonders bereit sind, den Abzug der ukrainischen Truppen aus der Donezker Region einfach als die beste Entwicklungsmöglichkeit anzuerkennen. Und es werden offenbar irgendwelche alternativen Vorschläge vorbereitet, die aus meiner Sicht vom russischen Präsidenten nicht akzeptiert werden dürften.

Ganz zu schweigen davon, dass Putin kaum mit der bloßen faktischen Anerkennung der Kontrolle der Russischen Föderation über die Krim, den Donbas und andere annektierte ukrainische Regionen zufrieden sein wird. Putin wird von Trump und den europäischen Staats- und Regierungschefs verlangen, die Tatsache seiner Besatzung auch juristisch anzuerkennen – was aus Sicht der derzeit in den Vereinigten Staaten geltenden Gesetzgebung kein amerikanischer Präsident tun kann. Und ganz zu schweigen von der mangelnden Bereitschaft europäischer Staats- und Regierungschefs, den Ergebnissen einer Besatzung zuzustimmen, die sie an die entsprechenden Handlungen der Diktatoren Adolf Hitler und Josef Stalin erinnern würden, die zu Beginn des Zweiten Weltkriegs entschlossene Verbündete waren. Man sollte überhaupt nicht glauben, dass die Europäer dem zustimmen könnten.

Doch wie wir sehen, gehen territoriale Verhandlungen weiter. Das heißt, sowohl Witkoff als auch Kushner halten weiterhin daran fest, dass gerade in der Lösung dieser Frage tatsächlich ein Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges liege. Ich sage gleich: Eine solche Lösung, die mit der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges verbunden wäre, existiert nicht.

Eine weitere schwierige Frage, auf die die Amerikaner möglicherweise eine Antwort suchen, diese aber kaum finden werden, ist die Frage der Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Volodymyr Zelensky will reale Garantien. Doch nachdem die neue Sicherheitsstrategie der Vereinigten Staaten veröffentlicht wurde, ist überhaupt nicht mehr klar, ob es diese realen Garantien gibt.

Früher gingen wir davon aus, dass die reale Garantie für die Sicherheit der Ukraine unser Beitritt zur NATO sei und damit die Anwendung von Artikel 5 des Nordatlantikvertrags auf uns, der eine gemeinsame Verteidigung der Partnerstaaten für das Land vorsieht, das angegriffen wird. Doch nun ist offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten alles daransetzen, sich ihrer Verantwortung für die Sicherheit des europäischen Kontinents zu entledigen. Und heute wird niemand in den Vereinigten Staaten selbst klar sagen können, ob Washington tatsächlich bereit wäre, beispielsweise die baltischen Staaten oder Polen zu verteidigen, falls diese Länder von den Streitkräften der Russischen Föderation angegriffen würden.

Und wenn sich herausstellt, dass Artikel 5 nicht mehr als ein so unumstößlicher Beweis für Sicherheit erscheint, wie er es über all die Jahrzehnte des Bestehens des Nordatlantischen Bündnisses war – bis zum letzten Wahlsieg Trumps bei den Präsidentschaftswahlen in den USA –, dann stellt sich die Frage: Wie sollen die Sicherheitsgarantien für die Ukraine aussehen, wenn sich die Vereinigten Staaten entschieden gegen einen Beitritt unseres Landes selbst zur Nordatlantischen Allianz aussprechen? Und können wir tatsächlich auf eine klare Entscheidung hoffen, die impliziert, dass die Vereinigten Staaten im Falle eines neuen Angriffs der Russischen Föderation auf die Ukraine bereit wären, gemeinsam mit der Ukraine unsere Souveränität zu verteidigen?

Ich sage gleich: Wenn es in Washington überhaupt einen solchen Willen gegeben hätte, hätte eine solche Entscheidung bereits 2014 oder 2022 getroffen werden können, als demokratische Präsidenten – Barack Obama oder Joe Biden – an der Spitze der Vereinigten Staaten standen. Doch die letzte Person, die eine solche Entscheidung treffen wird, ist ein republikanischer Präsident und Isolationist nach seinen ideologischen Dogmen – Donald Trump.

Somit gibt es keine realen Garantien, die einen neuen Beginn des russisch-ukrainischen Krieges verhindern könnten – abgesehen vielleicht von der Bewaffnung der Ukraine mit modernen Waffen und der Umwandlung unseres Landes in eine echte Festung, bei deren Angriff der Feind schwere und bereits unvermeidliche Verluste erleiden würde.

Doch es stellt sich die Frage, inwieweit man jetzt auf eine solche Bewaffnung der Ukraine hoffen kann und wie viel Zeit dafür benötigt wird, damit in der Russischen Föderation kein Zeitfenster für einen neuen, noch ernsthafteren und aggressiveren Angriff auf die Ukraine entsteht, falls sich in den 2020er-Jahren dieses Jahrhunderts die Möglichkeit einer Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front ergeben sollte.

Und nun verstehen wir, dass Zelensky mit seinen amerikanischen Gesprächspartnern Fragen erörtert, auf die es in Wirklichkeit keine Antworten gibt. Denn die einzige Frage, die ukrainische und amerikanische Unterhändler eigentlich erörtern müssten, lautet: Wie kann man den Präsidenten der Russischen Föderation, Wladimir Putin, zu einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zwingen, um danach ein Gespräch über die Bedingungen eines Friedensabkommens zwischen Russland und der Ukraine zu beginnen? Und solche Gespräche können 10 oder auch 25 Jahre andauern – wie wir es aus der Erfahrung aller früheren Konflikte kennen.

Da aber gerade ein solcher Ansatz derzeit mit den Amerikanern nicht angewandt wird, verdient alles, was wir heute beobachten, eine klare und verständliche Bezeichnung: weißes Rauschen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Американці шантажують Зеленського | Віталій Портников. 07.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 07.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putins Appetit wächst | Vitaly Portnikov @gvlua. 05.12.2025.

Korrespondent: Fangen wir mit diesem angeblichen Gespräch an, das das deutsche Magazin „Spiegel“ veröffentlicht hat, in dem europäische Staats- und Regierungschefs Präsident Zelensky davor gewarnt haben, dass Amerika in dem Kontext, Territorien aufzugeben, ihn verraten könnte, und überhaupt betont haben, dass es für Präsident Zelensky ziemlich gefährlich sei, mit den jetzigen Unterhändlern über den Krieg von amerikanischer Seite zu sprechen. Das sind nämlich genau die Leute, die jetzt zu Putin gefahren sind und sich dann in Europa nicht mit Präsident Zelensky getroffen haben. Was haben Sie in dieser Botschaft gehört? Dass die Europäer alles verstehen und bereit sind, Seite an Seite mit der Ukraine bis zum Ende zu stehen? Oder könnte das doch der erste Hinweis darauf sein, dass es heißt: „Ohne Amerika wird es für uns alle schwer, und ihr, Ukrainer, werdet euch auf die Bedingungen einigen müssen, die euch die Vereinigten Staaten von Amerika und Putin vorschlagen“?

Portnikov: Ich habe in diesem Gespräch keinen einzigen Hinweis darauf gesehen, dass die Europäer vorschlagen würden, sich unter irgendwelchen Bedingungen zu einigen. Das ist wirklich eine ganz normale Demonstration von Angemessenheit. Für mich gibt es in diesem Gespräch praktisch nichts Sensationelles – aus dem einfachen Grund, dass ich ohnehin schon der Meinung war, dass all diese europäischen Staats- und Regierungschefs hervorragend verstehen, was in den Vereinigten Staaten von Amerika vor sich geht. Und jeder versteht das – das muss man klar verstehen. Ganz und gar nicht nur die Europäer.

Nur wollen die Europäer nicht mit Trump streiten, sie wollen die Lage der euroatlantischen Sicherheit nicht verkomplizieren. Aber dass sie Trumps Wunsch sehen, sich mit Putin zu einigen, scheint mir völlig offensichtlich. Das sieht absolut jeder.

Korrespondent: Gleichzeitig sehen wir schon ein deutlich konkreteres Aufeinandertreffen und Drohungen gegen Europa. Putin hat in der vergangenen Woche gesagt, wenn es einen offenen Konflikt gebe, könne es sein, dass es niemanden mehr gebe, mit dem man verhandeln könne. Und schon sein Handlanger Medwedew hat heute oder vielleicht gestern in seinem Telegram-Kanal geschrieben, dass, wenn die Europäer es wagen sollten, die jetzt bei der Russischen Föderation beschlagnahmten Vermögenswerte wegzunehmen – verhaftet, nicht konfisziert –, Russland möglicherweise versuchen werde, die Rückgabe dieses Geldes bereits auf militärischem Wege zu erzwingen.

Portnikov: Was kauft da eine belgische Bank – wie in irgendeinem guten Zeichentrickfilm. Aber im Ernst: Diese Erklärungen zeugen ausschließlich davon, dass sie diese Vermögenswerte tatsächlich ziemlich ernsthaft beunruhigen, und dass man genau ihre verwundbare Stelle gefunden hat, dass sie sich von diesem Geld nicht verabschieden wollen. Das Einzige ist, dass wir im Moment noch sehr weit davon entfernt sind zu verstehen, wie man dieses Geld nutzen kann. Aber die Art, wie sie reagieren, ist ein aufschlussreicher Moment, der zeigt, dass sie Schwachstellen haben. Und diese eingefrorenen russischen Vermögenswerte sind eine dieser Schwachstellen.

Und alles andere – hören Sie: Putin wäre nicht Putin, wenn er nicht zu Drohungen überginge, sobald man versucht, mit ihm zu verhandeln. Putin ist ein Mensch, der jegliche Versuche, sich zu einigen, als Zeichen der Schwäche des Feindes betrachtet und der meint, dass man den Feind vernichten müsse und nicht mit ihm verhandeln. Denn aus Putins Sicht verhandeln Menschen, die sich in dieser Welt ihrer Sache sicher sind, nicht – sie diktieren.

Und wenn Trump mit ihm über irgendetwas verhandeln will, nicht mehr nur Steve Witkoff zu ihm schickt, sondern auch seinen eigenen Schwiegersohn Jared Kushner, dann heißt das, dass Trump diesen Frieden sehr nötig hat. Den Nobelpreis oder noch etwas anderes. Und folglich kann man Druck ausüben sowohl auf die Amerikaner als auch auf die Europäer, und man kann seinen Appetit vergrößern.

Korrespondent: Was meinen Sie – Sie haben die Zusammensetzung der Delegation nach Moskau erwähnt, und Trumps Schwiegersohn Kushner ist gefahren. Kushner wird doch eher mit so erfolgreichen Phasen von Verhandlungen assoziiert. Und so war es ja im Nahen Osten. Offensichtlich haben die Amerikaner wohl ein besseres Ergebnis erwartet. Welche Folgen könnte das haben? Hat Putin – was, nebenbei, wie mir scheint, oft eine seiner Eigenschaften ist, insbesondere was die Ukraine betrifft – nicht überzogen in seinem Wunsch, seinen Willen durchzusetzen? Wird er, sagen wir so, nicht einen Widerstand bekommen, der größer ist, als er erwartet hat?

Portnikov: Das ist eine gute Frage, weil das nicht einmal eine Eigenschaft Putins ist, sondern überhaupt eine Eigenschaft der russischen politischen Kultur. Ich habe das einmal bei Valerij Schewtschuk gelesen, der ganz klar sagte, wodurch sich das Kyiver Land vom Moskauer unterscheidet: durch die Übermaßhaftigkeit der Wünsche. Du kannst dich niemals beruhigen. Es scheint, als könntest du alles gewinnen, aber sofort willst du so viel, wie du nicht schlucken und verdauen kannst. Und das trifft in vollem Umfang auf die heutige russische politische Führung zu. Wir sehen das. Also werden wir sehen, wie das sein wird.

Ich bin überhaupt nicht sicher, dass die Amerikaner selbst wirklich geglaubt haben, dass sie sich mit Putin über etwas Ernstes einigen könnten. Ich denke, dass Trump gerade die Idee hatte, dass man mit Hilfe dieser Pendeldiplomatie mit der Zeit zu irgendwelchen Entscheidungen kommen könnte, die – sagen wir – für die russische Seite komfortabel wären und zu denen man die ukrainische Seite zwingen könnte. Aber wir verstehen doch mit Ihnen bestens: Trump, der sieht, dass die überwältigende Mehrheit der Amerikaner, darunter auch die republikanischen Wähler, die Ukraine unterstützt und Russland nicht unterstützt, kann nicht einfach so sagen, dass er ein Bündnis mit Putin eingeht, denn in diesem Fall wäre er in seiner eigenen Partei in absoluter Minderheit.

Ja, natürlich gibt es irgendwelche ultrarechten Kräfte, die sich an Russland als verlässlichen Partner orientieren, als Hüter der sogenannten traditionellen Werte. Sagen wir es ehrlich: postfaschistische Kräfte – sowohl unter den Republikanern als auch in der amerikanischen Gesellschaft. Aber diese Kräfte sind keineswegs die Mehrheit in der Republikanischen Partei. Die Republikanische Partei kann man nicht als postfaschistische Partei bezeichnen. Es gibt in ihr einfach Gruppierungen, die eine solche Ideologie offen vertreten – wie übrigens auch in Russland.

Wir können klar sagen, dass Russland ein Land einer postfaschistischen, postnationalsozialistischen Ideologie ist. Alles, was Putin sagt. Sie haben „Noworossija“ erwähnt. Diese Idee von „Noworossija“ wurde zum ersten Mal als solches politisches Manifest in der sogenannten Krim-Rede Putins artikuliert, die auf der Sitzung der Föderalen Versammlung der Russischen Föderation 2014 gehalten wurde, wo Putin wieder von den Fehlern der Bolschewiki sprach, die der Ukraine Territorien geschenkt hätten.

Aber damals sagten viele – und ich habe das gesehen, als ich diese Rede live hörte –, dass diese Rede ein Plagiat, ein Remake der entsprechenden Sudeten-Rede eines anderen Politikers sei, dem Putin sehr nahe steht: des Reichskanzlers Adolf Hitler. Sie war aufgebaut wie eine Rede Hitlers. Sie enthielt Ideen, die Hitlers Ideen sehr ähnlich waren. In ihr wurde sogar der Begriff „Nationalverräter“ verwendet, der direkt aus der nationalsozialistischen Propaganda in die russische Propaganda übergegangen ist.

Wir müssen uns mit Ihnen daran erinnern, dass wir es mit einem Staat zu tun haben, der im Grunde die faschistische Ideologie zum Fundament seiner Existenz gemacht hat. Daran ist nichts Besonderes. Man kann natürlich sagen: „Oh, der große Sieg im Großen Vaterländischen Krieg – wie konnten sie…?“ Ich verrate Ihnen ein kleines Geheimnis: Die Mitarbeiter der sowjetischen Geheimdienste – zuerst des Komitees für Staatssicherheit der Sowjetunion, dann des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation – haben ideologisch immer mehr mit dem Nationalsozialismus sympathisiert als mit dem Kommunismus. Und sie haben einfach die Möglichkeit bekommen – weil diese Ideologien sich sehr ähnlich sind –, diese Sympathien und Wünsche in die Realität umzusetzen.

Korrespondent: Apropos Übermaß, wovon Sie richtig gesprochen haben. Putin zeigte ja gerade mit seinen Aussagen über „Noworossija“ immer, dass – sagen wir grob, in irgendeinem sehr schrecklichen Traum, rein hypothetisch – die Ukraine unter irgendeinem Protektorat fremder Truppen und so weiter irgendeiner Weise dem zustimmen würde, was die Amerikaner vorschlagen: das Territorium jenes Teils der Oblast Donezk zu überlassen, der jetzt unter Kontrolle steht. Das sind große Städte – Slowjansk, Kramatorsk, Družkiwka. Das sind Städte, in denen weiterhin Zehntausende Menschen leben. Aber wir verstehen doch, dass Putin immer mehr wollen wird: „Okay, dann gebt noch Saporischschja, gebt noch Cherson, gebt noch Dnipro, gebt Charkiv, gebt Sumy.“

Portnikov: Wir wissen im Grunde, wie „Noworossija“ auf der russischen politischen Karte aussieht. Und das ist ganz und gar nicht nur die Oblast Donezk, die Oblast Luhansk, die Oblast Cherson und die Oblast Saporischschja. Seien wir ehrlich. Und hier gibt es noch einen sehr wichtigen Moment: All diese Gespräche über den Donbas sind im Grunde nicht darauf gerichtet, dass wir den Russen den Donbas übergeben, sondern auf die Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft.

Ich möchte Sie daran erinnern, dass es unter den Ukrainern viele Menschen gibt, die immer zu einer Verständigung mit Russland zu beliebigen russischen Bedingungen tendiert haben, weil Russland für sie die Metropole ist. Diese Menschen sind 2022 irgendwohin verschwunden, aber das bedeutet nicht, dass sie weg sind. Es ist eine riesige Zahl von Menschen, die insbesondere in den östlichen und südlichen Regionen unseres Landes konzentriert sind, aber nicht nur dort. Und natürlich haben sie vor dem Hintergrund der Ereignisse, die nach Februar 2022 begannen, ihre Meinungen nicht geäußert. Jetzt aber hören wir sie buchstäblich aus jedem Bügeleisen und hören sie auf den Straßen: „Ach, wenn Zelensky doch schneller etwas unterschreiben würde und dieser Horror vorbei wäre.“

Und die Rede ist natürlich vom Donbas. Und sie werden niemals glauben, dass es mit dem Donbas nicht enden wird und dass das ausschließlich dazu dient, sie – sagen wir – von ihrem Wunsch, die Ukraine zu unterstützen, in ihren natürlichen Wunsch zu überführen, Russland zu unterstützen, hier einen Bürgerkonflikt zu provozieren. Sie tun das nicht zum ersten Mal. Ich weiß nicht, ob Sie den Auftritt des ehemaligen Oberkommandierenden der Landstreitkräfte der Russischen Föderation in einem der russischen Informationskanäle gesehen haben, der gerade über Putins Fehler vor dem Angriff auf die Ukraine sprach, über das Versagen der Geheimdienstgemeinschaft. Er sagte, dass sich herausgestellt habe, „dass uns nur 30 % der Bevölkerung unterstützen und 70 % gegen uns sind. Und wir dachten, es sei umgekehrt“.

Und jetzt versuchen wir einmal zu verstehen, woher solche Zahlen stammen. Das ist keine Geheimdienstgemeinschaft – das ist einfach das Unvermögen, politisch richtig zu rechnen. Die 70 % der Menschen, die laut ihren Daten Russland unterstützten, sind genau die Wähler von Volodymyr Zelensky. Die 30 %, die Russland nicht unterstützten, sind die Wähler von Petro Poroschenko – grob gesagt. In Wirklichkeit hätte man aber völlig anders rechnen müssen. Man hätte die Wähler von Zelensky, Tymoschenko und anderen staatstragenden und nationaldemokratischen Kandidaten zum populistischen Elektorat Zelenskys hinzurechnen müssen, und 30 % wären dann für das Elektorat übrig geblieben, das für prorussische Kräfte stimmte – für die OPZZH, den Oppositionsblock. Und dann hätten sie gesehen, dass es keinerlei 70 % gibt, die bereit wären, vor Russland zu kapitulieren. Der Hauptfehler bestand genau darin, dass man in Russland das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in der Ukraine 2019 völlig klar als politischen Revanchismus Moskaus interpretierte, der mit dem politischen Revanchismus 2010 vergleichbar sei, als die putinsche Marionette Viktor Janukowytsch in der Ukraine an die Macht kam.

Und gerade deshalb war das Treffen in Paris zwischen Putin und Zelensky eine kalte Dusche für den russischen Präsidenten. Und gerade deshalb traf Putin damals, buchstäblich im Flugzeug von Paris nach Moskau, die Entscheidung über den Angriff auf die Ukraine und über die Ersetzung Zelenskys, der sich – wie er sagte – vor den nationalistischen Banderowzi erschreckt habe, durch „richtige Führer“, die den Willen der 70 % Wähler umsetzen würden, die bei den Präsidentschaftswahlen für ein Bündnis mit Russland und für die Kapitulation vor ihm gestimmt hätten. Da haben Sie es.

Und jetzt wollen sie erneut diesen Teil des Elektorats finden, die Lage destabilisieren, die Ukraine in einen Bürgerkrieg stürzen und auf diese Weise den größten Teil unseres Territoriums besetzen. Ein einfacher Plan, in dem Putin die Hauptrolle spielt, und Witkoff mit Kushner die Statistenrollen. Nun, so haben sie die Rollen verteilt.

Korrespondent: Und wir drehen uns weiter, sogar mit dem, was Sie jetzt gesagt haben, um diese Definition: die Übermaßhaftigkeit der Politik der Russischen Föderation, die Überschätzung der eigenen Kräfte, die sie irgendwie haben – sie haben wahrscheinlich ein gewisses Elektorat, das sie unterstützt. Und sie geben jetzt auch viel zu und sagen offen, dass sie zu Beginn der großangelegten Invasion ein Kontingent von etwa 250.000 Militärangehörigen eingesetzt haben, und jetzt, schwierig zwar, aber sie rücken vor, sind etwa eine Million russische Militärangehörige im Donbas. Aber das ist ganz sicher kein Vorrücken mit der Perspektive, große ukrainische Städte einzunehmen.

Portnikov: Natürlich nicht, denn der Krieg ist längst nicht mehr nur ein Krieg an der Front. In Moskau verstand man sehr gut, dass man durch einen Krieg an der Front nicht viel erreichen kann. Deshalb ist es ein Krieg zur Erschöpfung des ukrainischen Staates. Ein Krieg, der darauf abzielt, im Laufe der nächsten Jahre des Widerstreits zwischen Moskau und Kyiv das Territorium der Ukraine in eine eisige Wüste ohne Bewohner zu verwandeln. Und wenn Sie wieder fragen: „Wozu braucht Russland, selbst wenn es die Kontrolle über die Ukraine erlangt, als eine Wüste ohne Bewohner?“, dann waren Sie niemals in Russland, sind nicht durch Zentrusrussland gefahren, wo man Dutzende, Hunderte Kilometer durch Leere fährt, wo keine Menschen leben, waren nicht in Sibirien, das seit seiner Eroberung durch Jermak – ich meine den echten Jermak, nicht den Bürojermak – ein völlig leerer Kontinent geblieben ist. Sie haben nicht gesehen, wie heute in den nationalen Republiken Russlands Dörfer und Kleinstädte ohne Menschen zurückbleiben, wo die Mehrheit der Männer längst in diesem Krieg gestorben ist, und früher im Zweiten Weltkrieg gestorben ist.

Deshalb ist eine Ukraine ohne Bevölkerung eine völlig normale Situation für die Russen. Warum? Weil sie jede Situation als Militärbasis betrachten. Ich erinnere mich für immer – ich glaube, ich habe Ihnen diese wunderbare Geschichte meiner Reise in die Oblast Kaliningrad erzählt. Das letzte Mal war ich in der Oblast Kaliningrad, als es bereits Direktflüge Kyiv–Kaliningrad gab. Und ich war mehrmals dort, als ich in Russland arbeitete. Und diesmal arbeitete ich schon in der Ukraine. Ich beschloss, diesen Direktflug zu nutzen, um zu sehen, wie sich die Kurorte der Oblast Kaliningrad entwickeln – die berühmten deutschen Kurorte, an denen die gesamte deutsche und, übrigens, russische Aristokratie bis in die 40er Jahre des 20. Jahrhunderts Urlaub machte.

Und ich fahre mit dem Besitzer der Apartments, die ich gebucht habe, im Auto und frage ihn nach dem Geschäft. Und er sagt zu mir: „Ja, das Geschäft läuft gut, aber es gibt ein großes Problem.“ – „Welches?“ – „Wir haben keine Raketen.“ – „Wozu brauchen Sie Raketen?“, frage ich ihn erstaunt. „Na wie denn, damit man vor uns Angst hat! Welchen Sinn hat es, in der Oblast Kaliningrad zu leben, wenn wir keine Raketen und keine Atomwaffen haben?!“, antwortet er überzeugt. 

Das ist ein ganz normaler Mensch. Das waren noch die Zeiten der sogenannten beinahe Demokratie, der Zusammenarbeit mit dem Westen. Aber ein gewöhnlicher, einfacher Russe träumte schon damals davon, dass er in seinem Hof nicht ein Hotel, sondern einen Raketenstartanlage hätte, von dem aus man Raketen in Richtung Berlin und Warschau abschießen könnte. Das ist der Traum jedes „normalen“ Menschen in der russischen Gesellschaft. Und Putin kennt diese Wünsche. Das ist alles.

Korrespondent: Das heißt, Kaliningrad – oder Königsberg, wie sein deutscher Name lautet – wurde sozusagen zum Vorboten der Krim, kann man sagen?

Portnikov: Natürlich, bis zu einem gewissen Grad. Aber das Wichtigste ist, dass sie mit diesem unglaublich wichtigen Gebiet für sie, das hätte – Sie wissen schon – einfach das Europa Russlands sein können, umgegangen sind. Es liegt ja zwischen Polen und Litauen. Das ist ein riesiges europäisches Erbe, das Grab Kants, das in einem der alten Dome Kaliningrads erhalten geblieben ist. Sie haben das einfach stumpf in eine Militärbasis verwandelt. Genau so, wie sie die Krim in eine Militärbasis verwandeln. Alles, was sie sehen, verwandeln sie entweder in ein Plumpsklo oder in eine Militärbasis. Das sind die zwei Zustände der rätselhaften russischen Seele. Da – Sie wollten ein Rezept, Sie haben es bekommen. Anstatt – sagen wir – einen riesigen Flughafen zu schaffen, der zu einem Drehkreuz für Reisen geworden wäre… Gott sei Dank, dass sie ihn tatsächlich nicht geschaffen haben – für Reisen von Russen in die ganze Welt.

Korrespondent: Und wenn man jetzt auf eine solche geopolitische Weltkarte schaut: Wir verstehen – da ist die Ukraine, die mit der Russischen Föderation kämpft, hinter der Ukraine stehen die europäischen Staats- und Regierungschefs, hinter der Russischen Föderation stehen in unterschiedlichem Maß Nordkorea, Iran, andere Verbündete.

Portnikov: Sie haben China aus irgendeinem Grund nicht erwähnt. Und das ist die Hauptmacht, die hinter Russland steht.

Korrespondent: Oder Russland rückt einfach auf Vorschlag Chinas mal in die eine, mal in die andere Richtung. Ich wollte, wissen Sie, nicht so formulieren, dass China hinter Russland stehen könnte.

Portnikov: China steht zweifellos hinter Russland, aber das ist ein kompliziertes Bündnis, in dem die Chinesen einerseits aufrichtig am Erfolg Russlands interessiert sind und andererseits möchten, dass dieser Erfolg nicht zu einer Stärkung der russischen Positionen in der Region führt, weil sie lieber ein Krieg führendes Russland sehen als ein Russland, das Hegemon wird – im europäischen Raum. Mit einem solchen Russland hatten sie es ja bereits zu tun. Das war die Sowjetunion, mit der sich Mao Zedong so zerstritt, dass es sogar militärische Zusammenstöße an der Grenze zwischen der Sowjetunion und China gab. Insofern ist China an einem Krieg interessiert, nicht an einem Sieg im Frieden. Und aus dieser Sicht erfüllt es seine Aufgaben, würde ich sagen.

Korrespondent: Ich wollte in der vorherigen Frage noch einen anderen Aspekt ansprechen, aber das, was Sie geantwortet haben, ist auch sehr interessant. Wir verstehen: Ukraine–Europa, Russland–China, auf der anderen Seite Nordkorea, Iran, und andere kleinere Länder. Und wo befinden sich in dem jetzigen Koordinatensystem die Vereinigten Staaten von Amerika?

Portnikov: Das müssten Sie Donald Trump fragen, wo sich in diesem heutigen Koordinatensystem die Vereinigten Staaten befinden.

Korrespondent: Ich habe leider keine Karten, um mit Trump zu sprechen. Ich frage Sie.

Portnikov: Um mit Trump zu sprechen, braucht man keine große Schule. Man muss sich nur auf etwas anderes einlassen: dass er dich ein Schwein nennt, und du nichts erwidern wirst, sondern in seine glücklichen Äuglein blicken wirst. Das ist seine bekannte Art, mit der Presse zu kommunizieren. 

Wenn wir ernsthaft reden: Die Vereinigten Staaten verwandeln sich jetzt in ein isolationistisches Land, das versucht, seinen Platz in Lateinamerika zu finden – vor allem mittels Drohungen gegen verschiedene Regime, sowohl autoritäre als auch demokratische. Donald Trump hat mit seinem politischen Konzept, mit seinem Blick auf die Welt die Vereinigten Staaten in die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurückgeworfen. Er hat das bewusst getan.

Ich sage immer, dass es in den Vereinigten Staaten immer einen Kampf zwischen zwei politischen Auffassungen gab. Die eine sah die Vereinigten Staaten als Weltführer. So positionierten dieses Land Präsident Woodrow Wilson, der während des Ersten Weltkriegs Präsident war, und am Ende seiner Tätigkeit Präsident Franklin Roosevelt und Harry Truman und viele andere Präsidenten bis hin zu Ronald Reagan, Bill Clinton, Barack Obama letztlich. Und es gibt Menschen, die immer der Meinung waren, dass sich die Vereinigten Staaten auf dem amerikanischen Kontinent isolieren müssen. „Wir haben einen wunderbaren Ozean. Uns interessiert nicht, was dort passiert. Das alles geht uns nichts an.“ Die Namen dieser Präsidenten erinnern wir uns nicht besonders, weil sie sich in der amerikanischen Geschichte keinen wirklichen Platz gesichert haben. Und Trump, davon bin ich überzeugt, wird das auch nicht tun. Wenn zehn Jahre nach Trump vergangen sind, wird man sich an ihn einfach als alten, gebrechlichen Menschen erinnern, der bei den Sitzungen seiner eigenen Regierung eingeschlafen ist, denn es wird null Errungenschaften geben.

Aber diese Leute waren lange Zeit in Amerika an der Macht. Sie sind jetzt zurückgekehrt. Daran ist nichts Überraschendes. Das war für Amerika immer eine Lektion. Immer, wenn diese Leute zurückkehrten und begannen, Amerika zu regieren, endete das immer mit einem Zusammenbruch, Krieg, menschlichen Opfern, wirtschaftlichen Problemen, einer großen Depression. Jetzt erwartet die Amerikaner dasselbe. Glauben Sie mir: Es wird nichts Gutes aus der Herrschaft Trumps entstehen. Der Wähler Trumps bekommt, was er verdient. Und daran ist ebenfalls nichts falsch, weil die Geschichte nicht diejenigen bestrafen muss, die herrschen, sondern diejenigen, die wählen.

Nur wenn die Geschichte diejenigen, die wählen, klar und hart bestraft und ihr Leben in eine durchgehende Tragödie und einen Albtraum verwandelt, sind die Völker in der Lage, Schlussfolgerungen zu ziehen, die ihnen helfen, zu überleben. Deswegen nehmen wir diese Gerechtigkeit genau als Gerechtigkeit für die sogenannten einfachen Leute wahr. Es reicht nicht aus, sagen wir, Gerechtigkeit für Populisten, für Trump zu haben – es muss so sein, dass derjenige, der für diesen Unsinn gestimmt hat und Aussichtslosigkeit für sich, für seine Familie für lange schwarze Jahrzehnte bekommen hat, mit dieser Gerechtigkeit Auge in Auge ohne irgendwelche Perspektiven aus der Situation herauszukommen, konfrontiert wird. Das ist richtig. Es ist falsch, wenn du „weiß der Teufel für wen“ wählst und dann so lebst, als sei in deinem Leben nichts passiert. Nein, so ist es in der Geschichte niemals gewesen und glauben Sie mir, es wird auch nicht so sein.

Korrespondent: Und wann wird die Geschichte bestrafen? Nun, Putin wurde in der Russischen Föderation nicht gewählt.

Portnikov: Putin wurde nicht gewählt, natürlich.

Korrespondent: Aber wann wird die Geschichte diese KGB-hafte russische Elite bestrafen, die sich seit der Sowjetunion an die Macht klammert und jetzt Zehntausende Menschen tötet und möglicherweise noch wesentlich mehr?

Portnikov: Man muss nicht die Elite bestrafen, sondern das russische Volk, das damit einverstanden ist, in einem solchen Regime zu leben. Die Geschichte muss Völker bestrafen, nicht Regime. Also – die Russen, wie es heißt, haben nie so gut gelebt wie unter Putin. Und leben sie jetzt immer noch gut? Mit jedem Jahr wird sich ihre wirtschaftliche Lage verschlechtern. Mit jedem Jahr werden die Perspektiven für ihre Kinder und Enkel verschwinden. Mit jedem Jahr wird Russland in die Dunkelheit der Aussichtslosigkeit eintauchen. Und das ist normal. Wenn wir darüber sprechen, dürfen wir nicht sagen: „Oh, was für ein Schrecken! Oh, die armen Leute in Uljanowsk oder da irgendwo in Belgorod. Sie sind doch an nichts schuld.“ Die Völker tragen Verantwortung für ihre Herrscher.

Und wenn Sie denken, dass ich kein Mitgefühl mit den Deutschen habe, die 1945 in eine solche Tragödie geraten sind, dass es sogar schwer ist, sich vorzustellen, wie viele menschliche Opfer, Tötungen, Vergewaltigungen, Vertreibungen aus den Heimatorten… Das ist eine riesige humanitäre Katastrophe, eine der größten im 20. Jahrhundert. Habe ich Mitgefühl mit jedem einzelnen Menschen? Ja. Aber ich erinnere mich, dass gerade weil diese Menschen herumgingen und für Hitler gestimmt haben und ihnen Hitler gefallen hat, sechs Millionen meiner Glaubensgenossen niemals mehr an ihr normales Leben werden erinnern können, weil man sie einfach verbrannt und getötet hat. Deswegen kann mein Mitgefühl gegenüber irgendeinem deutschen Mädchen mein Verständnis dafür, dass dieses Mitgefühl auf mein Mitgefühl gegenüber einem im Konzentrationslager getöteten jüdischen Jungen trifft, nicht überlagern. Verstehen Sie?

Also – so funktioniert der Prozess der Bestrafung durch die Geschichte. Wenn wir über die Russen nachdenken, müssen wir uns an die Menschen erinnern, die umgekommen sind, an die ukrainischen Kinder, die im Holodomor aufgegessen wurden. Deren Eltern sie im Holodomor aufgegessen haben. Woran sollen wir denken? An die unglücklichen Russen, die so schlecht in der Sowjetunion gelebt haben, oder an das, was mit dem ukrainischen Volk geschehen ist?

Korrespondent: Hat der Prozess der Bestrafung der russischen Nation durch die Geschichte, wenn man es so nennen kann, schon begonnen?

Portnikov: Das wird ein langer Prozess sein, und nicht nur das russische Volk wird eine Figur in diesem Verlauf der Geschichte sein. Sie werden noch sehen, wie viele Menschen, die nicht verstehen, was sie in diesem Leben tun, in diesem Moloch landen werden.

Korrespondent: Wofür bestraft die Geschichte die Ukraine und das ukrainische Volk mit einem solchen Nachbarn?

Portnikov: Das ist ein eigenes Thema – über die drei Jahrzehnte unserer Unabhängigkeit und über den Unwillen und das Unvermögen eines großen Teils unserer Mitbürger, richtige Schlussfolgerungen über die Bedrohungen für die Existenz unseres Staates zu ziehen, sowie über die Marginalisierung, die bewusste Marginalisierung derjenigen, die vor diesen Bedrohungen gewarnt haben.

Korrespondent: Zum Schluss stelle ich Ihnen noch eine Frage. Ich habe sie Ihnen nicht zum ersten Mal gestellt, und eine Ihrer Prognosen bekomme ich einfach nicht aus dem Kopf. Sie haben schon mehr als einmal in unseren Sendungen gesagt, dass es Anfang des kommenden Jahres dazu kommen könnte – nicht unbedingt im Februar –, dass der Konflikt zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine in eine noch heißere Phase des Krieges mit Kampfhandlungen übergeht, möglicherweise bereits mit Drohnen oder Langstreckenangriffen unter Einbeziehung Europas. Ich erinnere mich, dass Sie vielleicht vom Februar gesprochen haben. Ich habe mir dieses Datum jetzt herausgesucht und wollte Sie fragen, ob das möglicherweise zu einem solchen Ausgangspunkt werden könnte.

Im Jahr 2007 hielt Putin auf der Münchner Sicherheitskonferenz eine Rede, in der er all diese seine menschenfressenden Absichten umriss. Damals hat das niemand besonders wahrgenommen, aber schon damals hat Putin das gesagt. Dann kam Georgien, dann kam die Krim, dann die Situation auf dem Territorium unseres Staates. Am 21. Februar 2022 trat Zelensky auf der Sicherheitskonferenz in München auf, wo er sagte, dass die Ukraine die Atomwaffen zurückholen müsse. Zumindest erinnere ich mich nicht wörtlich an diese Rede. Und am 24. Februar geschah dann der Einmarsch der Russischen Föderation. Einer der Aspekte, warum sie das getan haben, war gerade, dass sie sagten: Zelensky drohe mit Atomwaffen. „Wie können wir einen Feind mit Atomwaffen an unserer Grenze haben?“

Ich möchte nicht in den Pessimismus verfallen, aber was meinen Sie: Kann es in diesem Jahr nach der Münchner Sicherheitskonferenz zu etwas kommen, das den Verlauf der Geschichte verändern wird? Wir können ja auch die letztjährige Münchner Konferenz und die Rede von J.D. Vance in Erinnerung rufen. Das war ja ebenfalls eine gewisse historische Wende.

Portnikov: Wissen Sie, jetzt spricht Putin selbst bereits über die Möglichkeit eines Krieges mit Europa. Früher hat er das nicht getan. Hier gibt es eine einfache Formel, die man nicht einmal mit Politologen besprechen muss, sondern mit Militärs.

Wenn du in einem Konflikt keinen entscheidenden Vorteil erzielen kannst und in eine Sackgasse gerätst, dann musst du den Konflikt ausweiten, um auf einem breiteren Kriegsschauplatz irgendwelche Möglichkeiten zu finden. Möglicherweise mit Hilfe hybrider Aktionen – aber die Ausweitung des Konflikts ist ein offensichtlicher Schritt, eine offensichtliche Reaktion darauf, dass du in diesem Krieg, der bereits vier Jahre andauert, keinen wirklichen Erfolg erzielen kannst.

Und die russische Führung wird schlicht nicht darum herumkommen, zu dem Schluss zu gelangen, dass sie irgendetwas mit Europa machen muss, damit Europa aufhört, der Ukraine zu helfen, Angst bekommt – und damit man den europäischen Ultrarechten helfen kann, in den führenden europäischen Ländern an die Macht zu kommen. So kann das kommen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Апетити Путіна зростають | Віталій Портников ‪@gvlua‬
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 05.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zelensky verhandelt mit Witkoff | Vitaly Portnikov. 01.12.2025.

Unsere heutige Sendung wird einem Thema gewidmet sein, das wir mit Ihnen praktisch in all den letzten Tagen besprechen, indem wir versuchen, diesem Verhandlungsprozess zu folgen, der begann, nachdem im Medium Axios 28 Punkte des sogenannten Friedensplans des amerikanischen Präsidenten Donald Trump veröffentlicht worden waren, die sich in Wirklichkeit als Friedensplan erwiesen, der der amerikanischen Seite von den russischen Beamten Juri Uschakow und Kirill Dmitrijew vorgeschlagen worden war – in dem Versuch, Sanktionen der Vereinigten Staaten gegen Rosneft und Lukoil zu verhindern.

Aber wir verstehen sehr gut, dass der Prozess, der kurz darauf begonnen hat, für die Führung der Ukraine, für die ukrainische Gesellschaft, eine ziemlich ernste Bewährungsprobe geworden ist. Denn einerseits sehen wir keinerlei konkrete, offensichtliche Anzeichen dafür, dass sich die Dinge in Richtung Frieden bewegen. Und andererseits sehen wir auch keinen Willen der Vereinigten Staaten, auf diesen fast totgeborenen Friedensprozess zu verzichten.

Wir sehen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten weiterhin darauf besteht, dass der Frieden schon recht nah sei, und wir sind – wie auch unsere europäischen Partner – gezwungen, dieses Spiel mitzuspielen, vor allem, um uns nicht mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und seinem engsten Umfeld zu überwerfen und um das Verständigungsniveau zu bewahren, das uns heute auf die Fortsetzung der militärischen Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten, des gegenseitigen Verständnisses, der militärischen Hilfe und des Austauschs von nachrichtendienstlichen Informationen hoffen lässt.

Und natürlich – was mir in dieser Situation am wichtigsten zu sein scheint – die Fortsetzung des Drucks auf die Russische Föderation. Denn so oder so hat dieser sogenannte Friedensplan den Sanktionsdruck der Vereinigten Staaten auf Moskau nicht gestoppt. Er hat die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil nicht gestoppt.

Nach den Gesprächen, die gestern zwischen den amerikanischen und den ukrainischen Delegationen stattgefunden haben, stehen immer mehr westliche Medien diesem Friedensprozess eher skeptisch gegenüber und betonen, dass es in den prinzipiellen Fragen nicht gelingt, irgendein reales Einvernehmen zu erzielen.

Ganz einfach gesagt: Die Ukraine ist nicht bereit zu territorialen Zugeständnissen an Russland – oder genauer gesagt: nicht bereit zum Abzug der ukrainischen Truppen aus den Gebieten, die sie gegen die Offensive der Russischen Föderation verteidigen. Und wir wissen, dass die Befürworter eines Abzugs der ukrainischen Truppen von ukrainischem Boden offensichtlich nicht nur der russische Staatschef Putin ist, sondern auch sein amerikanischer Kollege. Und Russland hat überhaupt keinen Wunsch, das Feuer im russisch-ukrainischen Krieg einzustellen.

Diese diplomatischen Manöver, die jetzt stattfinden, sind also eher ein Versuch, dem Druck vonseiten der Vereinigten Staaten, vonseiten Donald Trumps, zuvorzukommen – und vielleicht die Position jener zu stärken, die den sogenannten Friedensprozess zwischen der Ukraine und Russland nüchterner und weniger voreingenommen betrachten.

Ich meine in erster Linie den Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, der – bei all seinem Wunsch, es Trump recht zu machen – versucht, klare politische Rahmen für diesen Prozess zu definieren, die im Erhalt von Souveränität und Unabhängigkeit der Ukraine sowie in einer europäischen und nicht prorussischen Entwicklung unseres Staates und unserer Gesellschaft in den kommenden schwierigen Jahrzehnten bestehen sollen.

Und vor diesem Hintergrund fährt der Präsident der Ukraine nun bereits zum zweiten Mal in den letzten Wochen nach Frankreich, um sich mit Präsident Emmanuel Macron zu treffen. 

Da kann die Frage aufkommen: Warum ist ein Besuch in Paris erforderlich, buchstäblich nur wenige Wochen nachdem die französischen und die ukrainischen Präsidenten bereits ihre Gespräche geführt haben?

Es gibt einen Grund. Denn die internationale Lage hat sich grundlegend verändert, und beide Präsidenten handeln genau im Rahmen dieses Prozesses der Imitation eines Friedensplans, dessen Hauptfigur Trump ist. Und beide Präsidenten müssen vermeiden, sich in einem so schwierigen Moment mit dem selbstverliebten amerikanischen Staatschef zu zerstreiten. Und für Zelensky ist Macron hier ein ziemlich wichtiger Partner.

Als Erstes kann Macron natürlich den direkten Draht zu Donald Trump nutzen und persönlich mit ihm über die Punkte dieses Friedensplans sprechen – also über einen Plan, dessen Unterlagen der amerikanische Präsident, wie man weiß, vermutlich gar nicht liest und deshalb womöglich nicht einmal genau weiß, was dort steht und worüber gerade verhandelt wird.

Und ich würde sagen, dass diese persönlichen Kontakte Macrons mit Trump und seinem Team dem französischen Präsidenten geholfen haben, ein Gespräch von Volodymyr Zelensky mit dem Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, zu organisieren. Man könnte sagen: mit Trumps Ohr. Nun, nicht mit einem so großen Ohr, aber immerhin mit einem Ohr – das, wie bekannt, nach Moskau fährt.

Schon heute soll er – so heißt es – gemeinsam mit Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der jetzt ebenfalls aktiv an diesem Prozess teilnimmt, in Moskau eintreffen oder bereits eingetroffen sein. Und für den 2. Dezember ist ein Gespräch von Präsident Putin mit Witkoff und Kushner geplant. Und viele sind der Ansicht, dass die Haltung der Amerikaner gegenüber dem Friedensplan von diesem Gespräch abhängen wird, weil sie verstehen werden, womit der Präsident der Russischen Föderation in Wirklichkeit bereit ist, sich einverstanden zu erklären.

Obwohl meiner Ansicht nach Putins Rede in der Hauptstadt Kirgistans, Bischkek, über die wir ausführlich gesprochen haben, keinen Zweifel daran lässt, dass der Präsident Russlands geradezu berauscht ist von den Möglichkeiten, diesen grausamen und ungerechten Krieg jahrelang fortzuführen, und buchstäblich von diesem Krieg lebt. 

In den russischen Märchen hatten die Zaren diese verjüngenden Äpfel, die sie ständig fressen wollten, um auf dem Thron zu bleiben. Und Putins verjüngender Apfel ist der Tod der Ukraine. Genau deshalb versucht der russische Staatschef mit solcher Begeisterung und Freude, unser Land zu vernichten. Und deshalb wird er, wenn ihm das nicht gelingt, zusammenschrumpfen wie ein verfaultes Apfel.

Aber dass Macron, Starmer und Zelensky vor seiner Reise in die russische Hauptstadt mit Witkoff gesprochen haben, ist bereits ein positiver Faktor. Denn zumindest wird der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten diese roten Linien kennen, die weder wir noch die Europäer zu überschreiten gedenken und die so oder so in Washington verstanden werden müssen, wenn der Wunsch besteht, zu irgendeinem realen Einvernehmen zu gelangen.

Und noch ein wichtiger Punkt, der mit diesem Besuch verbunden ist: Macron reist am Mittwoch – also schon buchstäblich in zwei Tagen – mit einem Besuch in die Volksrepublik China, um mit dem Staatschef der Volksrepublik China, Xi Jinping, zu verhandeln. Und wir verstehen, dass von Xi Jinping die wirtschaftliche Unterstützung Russlands im Krieg gegen die Ukraine abhängt. 

Er ist ein unbestreitbarer und offensichtlicher Verbündeter Putins und wünscht unserem Land nur das Allerschlechteste. Aber zugleich ist der Wunsch Xi Jinpings, Putin als Sieger oder zumindest nicht als Verlierer in diesem Krieg zu sehen, nichts im Vergleich zu seinem eigenen wirtschaftlichen Interesse.

Und wenn man die komplizierten wirtschaftlichen und politischen Beziehungen bedenkt, die es jetzt zwischen China unter Xi Jinping und Amerika unter Trump gibt – wir müssen doch verstehen, dass der wirtschaftliche Waffenstillstand nur ein Waffenstillstand ist, und der Krieg unausweichlich ist; zumal dieser Krieg in eine heiße Phase übergehen kann, wenn man berücksichtigt, dass Xi Jinping bei seinem letzten Telefongespräch mit dem amerikanischen Präsidenten das Wort Taiwan besonders betont hat. In dieser Situation, genau in dieser, muss man begreifen, dass Xi Jinping gezwungen ist, Europa als Plattform für die Entwicklung seiner Wirtschaft, für den Verkauf chinesischer Waren zu betrachten – zumindest zu privilegierteren und besseren Bedingungen als beim Verkauf chinesischer Produkte in die Vereinigten Staaten von Amerika.

Deshalb ist es für Zelensky wichtig, auch mit Macron jene Position zu besprechen, die der französische Präsident während seiner Verhandlungen mit dem Staatschef der Volksrepublik China einnehmen wird.

Denn Xi Jinping kann natürlich Putin nicht so beeinflussen, dass der russische Präsident von der Idee der Eroberung ukrainischer Gebiete und der Eingliederung dieser Gebiete in die Russische Föderation völlig Abstand nimmt. Aber er kann, sagen wir, ein Befürworter eines Waffenstillstands sein.

Schließlich haben ja die Bemühungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Joseph Biden, der seine Beziehungen zu Xi Jinping nutzte, um gemeinsam Wladimir Putin das Signal über die Unmöglichkeit eines Einsatzes von Atomwaffen im russisch-ukrainischen Krieg zu senden, Wirkung gezeigt. Und die Atomwaffen, über deren Einsatzmöglichkeit damals vielleicht schon in den Kremlkulissen gesprochen wurde, wurden erneut eher zu einem Erpressungsinstrument als zu einer realen Waffe auf dem Schlachtfeld.

Warum also sollten die Kontakte mit dem Staatschef der Volksrepublik China nicht genutzt werden, um zumindest die Möglichkeit eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front in den kommenden Jahren zu erörtern? Auch das wäre ein ganz konkretes, reales Ergebnis für diesen Krieg, wenn wir hoffen, in absehbarer Zukunft sein, wenn schon nicht Ende, so doch irgendwelche realen Voraussetzungen für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu sehen – falls sich in den 20er- und 30er-Jahren keine Bedingungen für seine Beendigung ergeben, dann zumindest eine Unterbrechung für einen überschaubaren Zeitraum.

Und dort, wo es eine Unterbrechung gibt, gibt es auch ein Ende, denn niemand weiß, wie sich die politischen Umstände entwickeln werden, nachdem die Kanonen an der russisch-ukrainischen Front verstummt sind. Insofern hat dieser Besuch Zelenskys bei Macron ohne Zweifel seinen eigenen geopolitischen Sinn.

Aber gleichzeitig muss man klar sagen, dass es in der Situation rund um den russisch-ukrainischen Krieg jetzt konkrete Fragen gibt, die damit verbunden sind, dass wir mit unseren Partnern das besprechen müssen, worüber wir uns bislang nicht geeinigt haben. Und darüber hat Zelensky in Paris ebenfalls gesprochen.

Im Grunde haben wir in Paris von Zelensky über drei Aspekte gehört, die in den ukrainisch-amerikanischen und ukrainisch-europäischen Verhandlungen nach wie vor ungeklärt sind – und das bedeutet, dass man zu keinem echten Einvernehmen mit Russland kommen kann, wenn es kein echtes Einvernehmen unter den Verbündeten gibt.

Also müssen wir zu diesen drei Punkten klar Stellung beziehen.

  • Der erste Punkt sind die territorialen Fragen.

Der Präsident der Russischen Föderation, Putin, besteht darauf, dass selbst die Erörterung eines Endes der Kampfhandlungen nur dann stattfinden kann, wenn die ukrainische Armee das Gebiet der Oblast Donezk verlässt, das sich heute unter unserer Kontrolle befindet. Das wiederholen die Russen schon ziemlich lange.

Für Putin ist diese Frage, würde ich sagen, nahezu existenziell, weil es ihn natürlich kränkt, dass er am 24. Februar 2022 seinen Militärs den Befehl gegeben hat, das gesamte Gebiet der Oblaste Donezk und Luhansk zu besetzen. Bald sind es vier Jahre – und bis zur Besetzung wenigstens der gesamten Oblast Donezk ist die russische Armee noch sehr, sehr weit entfernt. Und Putin hätte diese Gebiete natürlich gerne ohne weitere Opfer.

Aber da stellen sich sofort mehrere Fragen. Wie wird die Situation aus ukrainischer Sicht aussehen, wenn unsere Truppen diese Städte und Dörfer verlassen, die sie nicht im vierten, sondern bereits im elften Jahr gegen den Feind verteidigen?

Ich möchte Sie daran erinnern, dass russische Diversanten, all diese Banditen Strelkows, dieses ganze Gesindel, in Kramatorsk und in Slowjansk waren. Von Slowjansk aus begann überhaupt der Marsch dieser russischen Brut auf ukrainischen Boden. Da gab es diesen „Volksbürgermeister“, da war all dieser Kram, der sich später zu einem vollumfänglichen russisch-ukrainischen Krieg auswuchs – zu einem Krieg ohne Ende.

Damals glaubten die Russen, sie könnten den ukrainischen Staat nur mit Hilfe von Diversanten vernichten. Und dann sahen sie, wie Sie sehen, dass es Infanterie braucht, Panzer, Drohnen, Raketen und ihr gesamtes militärisches Potenzial, das seitdem vollständig auf die Vernichtung des ukrainischen Staates und die Tötung friedlicher Ukrainer gerichtet ist. Auch das ist völlig klar. In dieser Hinsicht ist meiner Meinung nach alles offensichtlich.

Und was ist, wenn Putin ein solches Zugeständnis erhält – wird er dann die Oblaste Saporischschja und Cherson, die ebenfalls in die russische Verfassung hineingeschrieben wurden, garantiert nicht „vergessen“?

Jetzt gibt es in Trumps Plan irgendeine seltsame Idee, dass der Konflikt „eingefroren“ werden soll. Was bedeutet „eingefroren“? Eingefroren heißt ein Konflikt, der jederzeit wieder auftauen kann.

Wer wird Russland glauben, wenn es sagt, dass es bereit sei, seine Gebietsansprüche nur auf friedlichem Weg zu verfolgen, solange es weiterhin ukrainische Gebiete als seine eigenen betrachtet?

Und vor allem: Wie wird die Situation aus Putins Sicht aussehen?

Er wird selbstverständlich mit Witkoff darüber sprechen, falls Witkoff ihm Verpflichtungen Trumps bringt, wonach Trump mit einer Erklärung zur Anerkennung von Krim und Donbass als russisch auftreten würde.

Das widerspricht jedoch der US-Gesetzgebung, kann gesetzlich nicht umgesetzt werden – das bedeutet, jeder neue amerikanische Präsident kann auf diese Worte Trumps einfach pfeifen.

Nebenbei möchte ich Ihnen sagen, dass es einen ähnlichen Präzedenzfall während der ersten Amtszeit Donald Trumps als Präsident der Vereinigten Staaten gab, als Trump die Frage der sogenannten Abraham-Abkommen verhandelte, die auf eine Normalisierung der Beziehungen einer ganzen Reihe arabischer Staaten zu Israel gerichtet waren.

Er kämpfte darum, dass das Königreich Marokko die diplomatischen Beziehungen zu Israel wieder aufnimmt. Und in Rabat sagte man: „Wir machen das, aber die Amerikaner müssen unsere Souveränität über die Westsahara anerkennen.“

Die Westsahara ist nach dem Ende der spanischen Kolonialherrschaft ein umstrittenes Gebiet. Die Frente Polisario, die aus Sicht der Vereinten Nationen die Interessen des Volkes der Westsahara vertritt, rief auf diesem Gebiet die Demokratische Arabische Republik Sahara aus, die von einer ganzen Reihe von Staaten anerkannt wird, Mitglied der Afrikanischen Union ist und zum Beispiel vom Nachbarland Algerien anerkannt wird.

Marokko hingegen betrachtet die Westsahara als sein natürliches Territorium, hat den größten Teil dieses Gebietes annektiert. Aus marokkanischer Sicht ist es eine marokkanische Provinz.

Trump trat mit einer solchen Erklärung auf. Die Amerikaner sagten, sie würden daran arbeiten, eine Autonomie der Westsahara innerhalb Marokkos zu erreichen. Aber als Trump die Macht verlor und die Regierung von Joseph Biden an die Macht kam, verschwand das Interesse an der Anerkennung der Westsahara als Teil Marokkos.

Die neue Administration hat nie betont, dass sie überhaupt irgendetwas anerkennt. Und der Prozess der weiteren Verhandlungen über den Status der Westsahara innerhalb Marokkos wurde erst nach Trumps Rückkehr an die Macht wieder aufgenommen.

Mit Krim und Donbass kann es genau so laufen. Kann Putin eine Situation erreichen, in der Krim und Donbass offiziell als Regionen der Russischen Föderation anerkannt werden – sozusagen auf gesetzlicher Ebene – und in der Amerika die neuen Staatsgrenzen Russlands anerkennt? Nein, solche Instrumente besitzt nicht einmal Donald Trump.

Wenn Putin sich also einfach mit einer Erklärung des amerikanischen Präsidenten zufriedengeben will, die im Jahr 2026 abgegeben wird, während dieser im Jahr 2029 schon kein Präsident mehr sein wird – darauf zu bauen, ist kaum möglich.

Und ihm die Zusicherung zu geben, dass er real die Anerkennung von Krim und Donbass durch die Amerikaner in juristischer Form erlangen kann, wird niemand können. Kein Witkoff. Und vor allem versteht auch Putin das sehr gut.

Insofern bleiben diese territorialen Fragen in diesen Gesprächen eher eine Art phantastische Geschichte.

  • Die zweite Frage lautet: Aus welchen Mitteln soll die Ukraine finanziert werden?

Genau heute sagte Zelensky in Paris, es sei ungerecht, dass dieses Geld in Europa liege – also dass es der Ukraine für den Wiederaufbau nicht zur Verfügung gestellt wird.

Und der belgische Außenminister, Maxime Prévot, bezeichnete die Idee der Enteignung russischer Vermögenswerte als Abenteuer und schlug vor, Kyiv mit Hilfe eines klassischen gesamteuropäischen Kredits zu finanzieren, den die Europäer derzeit nicht vergeben wollen. Das ist ebenfalls völlig offensichtlich.

Und dass die Ukrainer mit den Amerikanern die Frage der eingefrorenen russischen Vermögenswerte diskutieren und sich vielleicht sogar mit den Amerikanern einigen können, hat überhaupt keine Bedeutung, denn die Amerikaner haben diese Vermögenswerte nicht. Und in den heutigen amerikanisch-europäischen Beziehungen haben die Amerikaner keine Instrumente, um Europa so zu beeinflussen, dass es erneut irgendeinem Abenteuer zustimmt, das seinerseits nicht mit amerikanischem Geld untermauert ist.

Außerdem haben die Europäer ernste Befürchtungen, dass die Beschlagnahme von in Belgien liegenden Vermögenswerten durch europäische Länder zu schweren Problemen für das gesamte europäische Finanzsystem führen und zur Flucht von Vermögenswerten aus europäischen Fonds durch eine ganze Reihe von Staaten beitragen könnte, die meinen könnten, dass ihnen im gleichen Fall dasselbe Schicksal wie Russland droht. Also ist das, wie wir verstehen, ebenfalls eine sehr schwierige Lage.

Auch diese Situation wirkt sehr aus. Das ist das zweite Problem, das nicht gelöst zu sein scheint – und die Europäer werden es lösen müssen, weil schon im März–April 2026 geklärt werden muss, aus welchen Mitteln die Ukraine weiter Krieg führen und überhaupt weiter existieren wird.

Denn die Hälfte unseres Haushalts, faktisch das, wovon die Ukraine lebt, sind Gelder von Gebern. Und unser eigenes Geld können wir nicht verdienen, gerade weil unsere Wirtschaft durch den russischen Besatzer praktisch fast zerstört ist. Und die Russen sind bereit, alles zu tun, um sie weiter und weiter zu zerstören.

Natürlich bauen auch wir unsere Möglichkeiten aus, die russische Wirtschaft zu zerstören. Aber nur weil uns die Europäer helfen, können wir es uns leisten, Russland effektiv zu zermürben. Wenn es kein Geld gibt, werden wir ein Land sein, das Russland zermürbt und einfach vernichtet. Und das müssen unsere europäischen Verbündeten begreifen, denn eine zerstörte Ukraine bedeutet ein Näher­rücken Russlands an die europäischen Grenzen. Das ist der zweite Punkt.

  • Der dritte Punkt ist aus Sicht dessen, wie er zu lösen wäre, überhaupt völlig unverständlich: die Sicherheitsgarantien.

Wie sollen Sicherheitsgarantien aussehen, damit Russland sieht, dass wir wirklich unter westlichen Sicherheitsgarantien stehen und dass man uns nicht mehr angreifen kann, weil das ein ernstes Risiko wäre? Darüber hat Zelensky in Paris gesprochen.

Ehrlich gesagt verstehe ich überhaupt nicht, worüber wir hier eigentlich reden. Die Vereinigten Staaten sind fest entschlossen, der Ukraine den Weg in die NATO zu versperren. Das ist die Position von Präsident Trump: eine anti-euroatlantische, voluntaristische, nicht-strategische Position – aber das ist Trump. Einen anderen Trump gibt es nicht.

Wenn die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen werden kann, weil die USA diesen Schritt verhindern würden – und ohne Zustimmung der USA ist ein NATO-Beitritt ohnehin unmöglich – dann bleibt der Weg versperrt. Hinzu kommt: Selbst in der Zeit, als die Biden-Regierung einer Einladung der Ukraine eher positiv gegenüberstand, lehnten viele andere NATO-Partner dieses Vorhaben ab, und die USA konnten sie nicht umstimmen. Auch das ist ein klarer, nicht zu übersehender Fakt.

Die NATO ist immerhin eine Garantie dafür, dass die Mitgliedsstaaten ein anderes Land im Falle einer Aggression verteidigen. Auch das ist bis zu einem gewissen Grad Theorie. Wir wissen nicht, in welchem Maße Trump bereit wäre, europäische Länder gegen eine Aggression – sagen wir, durch die Russische Föderation – zu verteidigen.

Und wenn er in Wirklichkeit nicht verteidigt, stellt sich die Frage: Existiert die NATO überhaupt als Instrument von Garantien – oder existiert sie nur auf dem Papier und in unserer Erinnerung?

Gut, nehmen wir an, die NATO existiert als Instrument von Sicherheitsgarantien. Wir werden uns davon im Fall eines großen Krieges in Europa überzeugen – oder eben nicht –, der schon in den nächsten Jahren stattfinden kann. Wir könnten Zeugen dieses Ereignisses werden, diese Annahmen überprüfen.

Aber in die NATO will Trump uns nicht lassen. Welche Sicherheitsgarantien sollen es also sein?

Erinnern Sie sich, was Trump davon sprach, dass die Präsenz amerikanischer Investoren eine Sicherheitsgarantie sei, und so die Unterzeichnung dieser erstaunlichen Vereinbarung über Mineralien erklärte, an die der amerikanische Präsident sich inzwischen überhaupt nicht mehr erinnert.

Wissen Sie noch, wann Präsident Trump aufgehört hat, an diese Idee zu erinnern?

Als die Russen mit direkter Zielerfassung die amerikanische Fabrik in Mukatschewo bombardierten und damit demonstrierten, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, pardon, niemand ist und nichts zu sagen hat. Na ja – niemand, er heißt Donald Trump, aber im Grunde niemand.

Und danach verstand Trump, dass alle seine Reden darüber, amerikanische Investitionen in die Ukraine seien Sicherheitsgarantien, lächerlich sind. Denn die Russen können jederzeit die Fabrik irgendeines amerikanischen Investors mit einem präzisen Treffer eines „Kalibr“ oder „Kinschal“ zerstören. Und auf Wiedersehen, amerikanisches Fernsehen, Fox News. Also sind Investitionen keine Sicherheitsgarantie.

Was kann eine Garantie sein? General Valery Zaluzhny sagt, dass die Stationierung von Atomwaffen an den Grenzen der Ukraine oder in der Ukraine selbst eine Sicherheitsgarantie sein könnte. Aber Senator Lindsey Graham, der der Grundidee Saluschnyjs sehr positiv gegenüberstand, sagte klar, dass so etwas nicht in Frage kommt.

Wir könnten noch viele Dinge durchgehen, aber ich kann ganz klar sagen: Es gibt in der Realität keine echten Sicherheitsgarantien, die irgendjemandem die Gewissheit geben könnten, dass Russland künftig von Aggression Abstand nimmt.

Außer der NATO – aber auch das muss man erst überprüfen. Die NATO ist nur deshalb eine Sicherheitsgarantie, weil das noch nie überprüft worden ist.

Eine Sicherheitsgarantie könnte eine gesetzliche Festschreibung der Bereitschaft der Vereinigten Staaten sein, im Falle eines neuen russischen Angriffs gemeinsam mit der Ukraine Krieg zu führen.

Aber für die Vereinigten Staaten würde das die Bereitschaft zu einem Atomkrieg mit möglichem Einsatz der strategischen Komponente bedeuten.

Ich glaube nicht, dass irgendein amerikanischer Präsident dieses Risiko eingehen wird. Er ist schließlich Präsident der Amerikaner und nicht der Ukrainer.

Dann werden Sie mich fragen: Worum reden wir hier überhaupt? Wie erreicht man Sicherheitsgarantien? Gar nicht – erfindet nichts.

Auch wenn Sie in irgendeinem internationalen Abkommen niedergeschriebene Sicherheitsgarantien für die Ukraine sehen – wissen Sie, dass sie Sie vor absolut nichts jemals schützen. Der Krieg kann sich mehrfach wiederholen. Machen Sie sich nichts vor

Aber ich kann Ihnen sagen, was eine reale Sicherheitsgarantie sein wird: die Erschöpfung Russlands. So einfach ist das.

Wenn Sie in einem Hof mit einem Schläger wohnen, können Sie natürlich glauben, dass Ihnen nichts droht, wenn Sie jemand bis an Ihre Wohnungstür begleitet.

Aber wenn sich herausstellt, dass Ihr Begleiter erstens gar nicht vorhat, mit dem Schläger zu kämpfen, ihn – bildlich gesagt – zu verprügeln, oder wenn der Schläger, nachdem Ihr Begleiter wieder nach Hause gegangen ist, Ihre Tür eintritt und Sie nach dieser feierlichen Begleitung verprügelt – was ist das dann für eine Sicherheitsgarantie? Es ist nur ein Zeitfenster, bis der Schläger Sie wehrlos antrifft.

Aber wenn Sie den Schläger verprügeln können – oder wenn er nicht die Kraft hat, Sie zu verprügeln? Wenn der Schläger ernsthafte Gesundheitsprobleme hat, wenn er sich Gedanken machen muss, wie er überhaupt selbst überlebt und zum Arzt geht? Wenn der Schläger einfach nicht bis zu Ihrer Haustür hinkommt, weil er gestern viel zu viel getrunken hat und sich nicht auskurieren kann? Genau das ist Ihre Sicherheitsgarantie: die Erschöpfung des Schlägers.

Deshalb muss unser gemeinsames Ziel die Erschöpfung Russlands sein. Es gibt keinerlei andere Garantien dafür, dass sich der Krieg Russlands gegen die Ukraine nicht wiederholt – selbst wenn ein politisches Wunder geschieht und wir in den nächsten Jahren das Ende des russisch-ukrainischen Krieges erleben.

Das bedeutet: Wir müssen für ein Ende des Krieges kämpfen und die Bemühungen zur Erschöpfung Russlands fortsetzen, Stadtverrückte von wirtschaftlichen Geschäften mit Russland abhalten, die dem Raubtier helfen würden, sich zu erholen, Trump und Witkoff an den Händen festhalten – und am besten auch an den Füßen, denn sie können auch mit den Füßen Dollars zählen. Das ist ja eine Kunst.

Das sind die wichtigsten Punkte. Morgen werden wir sehen, wie das Treffen von Putin und Witkoff verläuft. Obwohl es, erneut, bis zu dem Moment, in dem Witkoff nicht über die Ergebnisse seiner Gespräche mit dem russischen Präsidenten und mit Trump berichtet, keine realen Resultate geben wird.

Aber das Wichtigste, woran wir denken müssen: Es gibt keine Deadlines. Putin ist zu Verhandlungen bereit, weil Verhandlungen, die nicht zwingend eine Forderung nach schnellem Waffenstillstand beinhalten, ihm in die Hände spielen.

Bislang läuft alles einerseits nach Putins Drehbuch: Verhandlungen ohne Waffenstillstand, auf der anderen Seite – nach Trumps Drehbuch – Verhandlungen bei gleichzeitig verstärktem wirtschaftlichen Druck auf Russland und weiterer Unterstützung für die Ukraine. Welche dieser beiden Ansätze sich zuerst als wirksam erweist? Das ist eine gute Frage, wie ich meine.

Ich werde jetzt versuchen, auf jene Fragen zu antworten, die während dieser Sendung bereits eingegangen sind.

Frage. Sie sprechen oft von inkompetenten Politikern, einige davon betrachten Sie gar nicht als Politiker. Bitte beleuchten Sie das Thema umfassender, was aus einem politischen Akteur einen Politiker macht und welches die Kriterien für politische Effektivität sind.

Portnikov. Das ist, Freunde, meiner Meinung nach sehr einfach. Politik ist derselbe Beruf wie jede andere normale Arbeit auch.

Wenn Sie Arzt werden wollen, schließen Sie ein Medizinstudium ab. Vielleicht lernt vorher jemand im College als Pfleger. Dann studieren Sie, glaube ich, sieben Jahre an der Hochschule, gehen in den Präpariersaal, schneiden dort etwas herum.

Dann beginnen Sie mit der Praxis. Sie haben Dutzende, Hunderte Patienten, Anamnesen, ein Verständnis der Situation, Fehler – oft tragische –, das Bewusstsein, wie man behandeln muss und wie nicht, Leitlinien, das Verständnis, wie man in untypischen Situationen von Leitlinien abweicht. Sie sammeln Erfahrung.

Wenn Sie Chirurg sind, können Sie nach einer gewissen Zeit, in der Sie erfahreneren Leuten assistieren, Operationen selbst durchführen. Es vergeht Zeit, bis dahin – und Sie machen das jahrelang.

Stellen Sie sich jetzt vor, Sie hätten nicht Medizin, sondern Ingenieurwesen studiert. Man nimmt Sie an die Hand, führt Sie in den Operationssaal und sagt: „Schneid! Wir haben dich zum Chefarzt der Stadt gewählt. Schneid!“

Was werden Sie da herausschneiden, wenn Sie die Nieren mit den Lungen verwechseln? Ich glaube, das ist völlig offensichtlich.

Wie entwickelt sich klassische Politik in westlichen Ländern? Heute nicht mehr überall so, aber im Normalfall?

Ein Mensch hat politische Ansichten. Er ist vielleicht liberal, oder konservativ, oder sozialdemokratisch. Er sieht die Notwendigkeit, Steuern für seine Wähler zu erhöhen oder zu senken. Er versteht, wie man eine Region entwickelt.

Er geht in die Jugendorganisation jener Partei, die seinen Ansichten entspricht. Seinen Ansichten. Denn Politik – das sind Ansichten, nicht das Verteilen von Buchweizen an Leute, die noch nie Buchweizen gesehen haben, offenbar.

Er macht Karriere in dieser Jugendorganisation, wechselt dann zur Arbeit in die Partei, wird in lokale Vertretungskörperschaften gewählt und arbeitet dort. Wird Abgeordneter eines Regional- oder Nationalparlaments, rückt von den hinteren Reihen nach vorne, wird Minister, kandidiert später für neue Ämter. Das ist doch elementar, das ist Erfahrung.

Kann das schnell gehen? Ja. Bei manchen Politikern, die sehr talentiert sind, passiert das schneller, aber sie durchlaufen trotzdem diese Stufen.

Kann man aus einer Fernsehsendung direkt in den Sessel des Staatsoberhaupts gelangen? Kann man. So kam Donald Trump in den Sessel des Staatsoberhaupts. So kam Volodymyr Zelensky in den Sessel des Staatsoberhaupts.

Wird das effektiv sein? Nein. Denn es fehlen die Kriterien von Effektivität, es fehlt das Verständnis, wie politische Prozesse ablaufen, was Checks and Balances sind, was Kompromisse sind, wie Demokratie überhaupt funktioniert.

In der Ukraine hat das in den letzten Jahren praktisch gar nichts mit einem politischen Prozess zu tun. Und es liegt nicht nur daran, dass es einen Präsidenten und eine Partei gibt, die buchstäblich an einem Tag geschaffen wurde und für die dann eine riesige Zahl von Ukrainern stimmte, die keinen einzigen Abgeordneten kannten, für den sie ihre Stimme abgaben.

Das ist Verantwortungslosigkeit und mangelnde gesellschaftliche Reife und die Bereitschaft der Gesellschaft, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln. Und daran ist nichts Beleidigendes für die Menschen, die es schaufeln. Wenn Sie schaufeln wollen – dann schaufeln Sie.

Aber Sie sollten nicht glauben, dass Sie sich ein Schwimmbecken ausheben. Das ist das Problem. Wenn Sie ein Grab ausheben, ist es kein Schwimmbecken. Es wird sich nicht mit Wasser füllen lassen.

Das Fehlen von Erfahrung in der Politik bedeutet das Fehlen von Kriterien für Professionalität. Ich möchte Sie übrigens daran erinnern, dass ich etwas Ähnliches 2019 gesagt habe, als Zelensky zum Präsidenten gewählt wurde. Etwas Ähnliches habe ich auch 2013 gesagt, als Poroschenko zum Präsidenten gewählt wurde.

Ich sagte, dass Poroschenko – ungeachtet dessen, dass er erhebliche politische Erfahrung hat und verschiedene Ämter innehatte usw. – ein Einzelgänger in der Politik ist, der nie an der Spitze einer großen politischen Formation stand.

Er hat keinen großen Kreis von Anhängern in der Politik. Er vertraut vielen Menschen nicht, mit denen er diesen politischen Weg gegangen ist – im Unterschied zu anderen Leuten, die damals in der Post-Maidan-Politik waren, etwa Arsenij Jazenjuk oder Julija Tymoschenko. Das ist einfach die Karriere Poroschenkos: ein Einzelgänger, der gezwungen war, ein Mann-Orchester zu sein.

Aber gerade weil Poroschenko – im Unterschied zu Zelensky – eine ganze Reihe von Positionen in der ukrainischen Staatsführung bekleidet hat, hatte er zumindest ein Kriterium von Professionalität und war bereit, mit politischen Instrumenten zu arbeiten, weil er von deren Existenz wusste. Zelensky ahnt bis heute nichts davon.

Er regiert intuitiv. Und das ist eine Lotterie. Und diese Lotterie kann das Leben einer riesigen Zahl seiner Landsleute kosten, selbst wenn der Präsident das nicht beabsichtigt.

Deshalb ist die Gefahr in Europa, dass heute im politischen Prozess eine große Zahl von Menschen ist, die keine Profis sind, für die die Leute stimmen, nur weil sie Parolen äußern, die ihren Wählern gefallen.

Es entstehen Eintagsfliegen-Parteien, die so schnell verschwinden, wie sie auftauchen, deren Vertreter aber noch schnell in die Regierung kommen.

Es tauchen Scharlatane auf, die von populistischen Parteien zur Steigerung ihrer Popularität unterstützt werden, und dann stellt sich heraus, dass diese Leute überhaupt keine Politiker sind, sondern gewöhnliche Agenten – wie die ehemalige Außenministerin Österreichs, die von der äußersten Rechten benutzt wurde, um zu zeigen, dass Intellektuelle rechtsextreme Kräfte in Österreich unterstützen, dann an der Spitze des Außenministeriums stand, auf ihrer Hochzeit mit Putin tanzte – und heute in Russland lebt. Glauben Sie, sie sei zufällig nach Russland geraten?

Das ist nicht nur unsere Krankheit, die uns die Staatlichkeit kosten kann. Das ist derzeit wirklich eine Krankheit ganz Europas. Wir sind genauso krank wie andere Europäer – mit dem einzigen Unterschied, dass die Frage der Staatlichkeit der europäischen Länder abgeschlossen ist, unsere jedoch nicht. Unser Risikoniveau ist höher. Das ist die gesamte Situation.

Frage. Warum kauft China derzeit in riesigem Umfang Getreide und Soja auf der ganzen Welt?

Portnikov. Natürlich könnte man aus verschwörungstheoretischer Sicht sagen, China bereite sich auf einen großen Krieg vor. Aus realistischer Sicht legt China aber schon immer riesige Getreidevorräte an.

Wenn Sie in irgendeinem Medium lesen, dass es viel aufkauft – nun ja, ein Land mit über einer Milliarde Einwohner kauft immer viel. Und vielleicht ist gerade jetzt ein Moment, in dem die chinesische Landwirtschaft nicht hinterherkommt, sodass zusätzliche Einkäufe nötig sind.

Frage. Warum hat Zelensky keinen ukrainischen Plan zur Beendigung des Krieges vorgelegt?

Portnikov. Erstens hat Präsident Zelensky mehrmals einen Plan zur Beendigung des Krieges vorgelegt. Und Sie erinnern sich sehr gut daran.

Aber unter den derzeitigen Bedingungen, in denen Trumps Plan aufgetaucht ist, war es wichtig, nicht mit einer Alternative zu diesem Plan aufzutreten, um nicht wie Leute auszusehen, die Trump absichtlich Bedingungen schaffen wollen, in denen er den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden kann.

Ich erinnere Sie nochmals daran: Alles, was wir sehen, ist eine bloße Inszenierung der Ereignisse. Unser Hauptziel ist es, uns nicht mit den Vereinigten Staaten zu überwerfen – nicht, irgendeinen Plan zu billigen oder abzulehnen.

Die Europäer haben einen alternativen Plan erstellt, einen sehr guten, angemessenen Plan. Wir haben die meisten seiner Punkte unterstützt. Aber die Europäer können sich solchen Luxus leisten, weil sie Trump vorsichtig widersprechen können. Wir können uns solchen Luxus nicht leisten, weil wir die amerikanische Unterstützung brauchen – und das war’s. Aber das alles ist Theater, keine reale Politik. So sieht es aus.

Frage. Warum wählen die Amerikaner stets Präsidenten, für die eigentlich schon längst Gras hätte über alles wachsen sollen?

Portnikov. Nun, nicht immer. Ich würde sagen, diese Geschichte, dass der Präsident mit jedem Jahr immer älter wird, ist eine Geschichte der letzten Amtszeiten. War Barack Obama eine betagte Person? Nein. Und Bill Clinton? Und George W. Bush? Und Jimmy Carter? Es gab ältere Präsidenten, etwa Ronald Reagan oder George Bush senior, aber sie waren auch nicht in dem Alter, in dem sich heute Biden und Trump befinden.

Irgendetwas ist in den politischen Systemen der Demokraten wie der Republikaner passiert. Es wirkt, als sei das weniger mit der Politik als mit der Medizin verbunden, die Menschen um die 80 und über 80 zwingt, ihre politische Karriere fortzusetzen und ihren Platz nicht Jüngeren zu überlassen.

Ich kann Ihnen nicht sagen, warum das so gekommen ist. Das muss man analysieren. Aber bis zu einem gewissen Grad ist das eine Herausforderung für das politische System, das sich in ein System verwandelt, in dem alle Möglichkeiten zur Erneuerung verstopft sind. Das kann zu unvorhersehbaren Ergebnissen führen.

Ich muss sagen, dass ich einmal darüber nachgedacht habe, als es in Israel einen politischen Wettstreit zwischen Ariel Scharon und Schimon Peres gab – und beide Politiker waren, höflich gesagt, nicht jung. Ich fragte mich damals, was eigentlich passiert, wenn es in Israel keine Verjüngung des politischen Systems gibt? Wohin kann das führen?

Nun wissen wir, wohin. Zu jahrzehntelanger Herrschaft einer Person an der Spitze der Regierung – Benjamin Netanjahu, der ungefähr so an seinem Amt gealtert ist, wie Putin im Präsidentenamt Russlands gealtert ist.

Deshalb ist die Verstopfung des politischen Systems sehr gefährlich für eine Demokratie. In den Vereinigten Staaten ist sie praktisch eingetreten.

Frage. Sie sagten, dass die Wahl von Populisten 2019 ein europäischer Trend sei und dass Sie das freut. Aber warum idealisieren Sie Europa so? Gibt es dort Ihrer Meinung nach etwa keine Mängel?

Portnikov. Natürlich gibt es Mängel. Sage ich etwa, dass die Wahl von Populisten gut ist? Ich halte das auch in Europa nicht für gut. Ich sage nur, dass es ein gesamteuropäischer Trend ist.

Überhaupt gibt es nichts völlig Schwarzes oder völlig Weißes, nichts völlig Gutes oder völlig Schlechtes. Es gibt Tendenzen. Der Wunsch der Ukrainer, das Leben in „Verrat“ und „Sieg“ einzuteilen, ist ein kindlicher Wunsch, der zeigt, dass wir das politische Kindesalter noch nicht verlassen haben.

Und genau die Dominanz der Populisten ist eine Herausforderung. Aber es ist eine europäische Herausforderung. Ich sage nur: Es ist besser, europäische Herausforderungen und Mängel zu haben als russische – nur eben andere.

Frage. Was hindert den Kreml daran, unmittelbar nach einem hypothetischen Rückzug der Ukraine aus dem Donbass sofort zu sagen: „Wir wollen außerdem noch die Oblaste Cherson, Saporischschja, Mykolajiw und Odessa“ – wer oder was sollte ihn daran hindern?

Portnikov. Das ist eben Salamitaktik. „Wir zwingen den Feind zunächst anzuerkennen, dass er das Gebiet der Oblast Donezk verlassen muss. Wenn er das gesagt hat und bereits demoralisiert ist, erinnern wir daran, dass es noch zwei Subjekte der Russischen Föderation gibt, auf deren Gebiet sich aus unerfindlichen Gründen ukrainische Besatzungstruppen befinden. Raus hier! Und dann kann man auch noch Odessa und Mykolajiw erwähnen.“

Das ist eine klassische Salami-Taktik. Erinnern Sie sich, wie Adolf Hitler – man kann sagen, Putins und der Russen geistiger Lehrer – mit der Tschechoslowakei verfahren ist? Er sagte ja nicht: „Tschechoslowakei, ich möchte euch besetzen.“ Er sagte: „Hier sind die Sudeten, hier leben Deutsche.“

Das ist wie mit der Krim: In den Sudeten leben Deutsche, auf der Krim Russen. „Das ist heiliges Land. Gebt sie her!“ Und alle sagten: „Na, gebt sie her.“ So wie Trump heute zur Ukraine sagt: „Na, gebt her.“

 Sie verstehen doch, dass Trump einfach im Geist des Münchner Abkommens handelt. Das ist eine Schande.

„Na, gebt sie her.“ Die Tschechen gaben also die Sudeten her, verloren Verteidigungsanlagen, so wie wir sie im Donbass verlieren könnten. Und danach lud Hitler den tschechoslowakischen Präsidenten Emil Hácha zu sich ein.

Stellen Sie sich vor, wie sich die Tschechoslowakei nach dem Verlust von Territorium fühlt. Sie ist demoralisiert.

 Hitler sagt: „Entweder die Tschechoslowakei wird zum Protektorat Böhmen und Mähren, oder ich bombardiere Prag. Und Sie, Herr Präsident, werden der ‚Protektor‘. Also unterschreiben Sie und machen Sie keine Umstände.“

Genau diese Salami-Taktik wird an uns angewandt. Denn wenn man sofort alles fordert, kann man auf entschlossenen Widerstand stoßen. Aber wenn man Stück für Stück abschneidet, kann das unbemerkt oder weniger schmerzhaft erscheinen.

Und dann kann man sagen: „Das wollten doch die Ukrainer selbst. Wir wollten nur den Donbass, damit sie ihn Putin geben, damit es keinen Krieg gibt. Und die Ukrainer haben ihm dann die halbe Ukraine gegeben. Was haben wir damit zu tun? Darüber hatten wir nicht verhandelt. Das ist der Wille des ukrainischen Volkes.“ Das ist völlig klar und meiner Meinung nach logisch.

Nun, wir werden diese Ereignisse weiter verfolgen. Wie Sie verstehen, sind sie sehr wichtig für uns alle. Wir werden den Verhandlungsprozess weiter beobachten. Morgen trifft Steve Witkoff bereits mit Putin zusammen. Die Phase der Pendeldiplomatie geht also weiter.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський домовляється з Віткоффом | Віталій Портников. 01.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Der Favorit. Vitaly Portnikov. 30.11.2025.

https://zbruc.eu/node/123020?fbclid=IwRlRTSAOZhs1leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEe7dUJDMZmpoA38gBckhXVe_0IcVjGdljB8FzinNd79hmqLU2Tays-bmtXoZo_aem_obVNoEerKOp2WtUwo5erHw

Als der Präsident der Ukraine, Leonid Kutschma, den ersten Leiter seiner Administration, Dmytro Tabatschnyk, entließ, war ich so begeistert von dieser Entscheidung, dass ich ihm sogar den abschließenden Beitrag der Sendung „Fenster zur Welt“ widmete, die ich damals beim Fernsehsender STB moderierte. Der Beitrag war musikalisch: Protokollaufnahmen mit Tabatschnyk wurden von einem Lied der russischen Pop-Diva Alla Pugatschowa begleitet, in dem es um einen „echten Oberst“ geht, der sich als Dieb entpuppt. Denn wie bekannt, war der letzte Tropfen, der Kutschma angeblich dazu brachte, sich seines damaligen Favoriten zu entledigen, Tabatschnyks Entscheidung, sich die Schulterklappen eines Obersts der ukrainischen Armee zu verschaffen.

Es war ein offen provozierender Streich, aber wer sich an die ersten Monate von Kutschmas Präsidentschaft erinnert, versteht mich gut. Die unverhohlene Orientierung auf Moskau mithilfe eines dreisten Favoriten, der – und das hat er nie verborgen – seine Verachtung für alles Ukrainische zur Schau stellte, stellte die Frage, ob die Ukraine nach den Wahlen von 1994 überhaupt zu einem wirklich unabhängigen Staat werden könne oder ob wir uns für immer mit dem Status einer umbenannten Sowjetrepublik mit einem „roten Direktor“ an der Spitze zufriedengeben müssten. 

Die Vertreibung des prorussischen Favoriten verringerte Moskaus politischen Einfluss (wenn auch nicht den wirtschaftlichen) und schuf Bedingungen für die Stärkung staatstragender Kräfte in Kutschmas Umfeld – wie etwa Jewhen Martschuk oder Wolodymyr Horbulin. 

Doch zugleich bestätigte diese Entlassung im Laufe der Jahre eine weitere altbekannte Wahrheit: Ein autoritärer Führer braucht nicht immer einen Favoriten. In den späteren Jahren seiner Präsidentschaft ließ Leonid Kutschma niemals wieder „Tabatschnyks Fehler“ zu und erlaubte niemandem, die eigenen Vollmachten in den Händen zu konzentrieren. Doch auf seinen autoritären Führungsstil und sein fast manisches, direktorales Bedürfnis, alles und jeden zu kontrollieren, wirkte sich das nicht aus. 

Wenn man darüber nachdenkt: In der Ära Kutschma hatten wir zwei Formen des Autoritarismus – einen mit Favoriten und einen ohne – aber aus der Abwesenheit des Favoriten wurde die Autorität keineswegs zur Demokratie. Mehr noch: Mit den Jahren wurde mir klar, dass nicht Tabatschnyks Wunsch, Oberst zu werden, der wahre Grund seines Sturzes war. 

In der ersten Phase seiner Zeit in der Bankowa fühlte sich Kutschma im Präsidentensessel nicht besonders sicher. Zudem konnte Tabatschnyk eine ausgezeichnete Verbindungsperson zwischen dem neuen Präsidenten und seinen russischen Unterstützern sein – wie etwa Konstantin Satulin –, die Kutschma im Wahlkampf halfen und dafür eine großzügige Gegenleistung erwarteten. 

Als Kutschma sich schließlich im Präsidentenkabinett heimisch fühlte und eine persönliche Kommunikationslinie zu Jelzin aufbaute, wurden ihm solche Leute wie Satulin schlicht überflüssig – und damit auch Tabatschnyk. Und Kutschma, ein erfahrener Jäger, der wusste, was es heißt, in einem Hinterhalt auszuharren, nutzte die erstbeste Gelegenheit, um sich seines ehemaligen Favoriten zu entledigen und fortan autokratisch zu regieren.

Die Romanze Volodymyr Zelenskys mit Andrij Jermak zog sich so lange hin, weil Zelensky sich viel langsamer im Präsidentensessel zurechtfand als Kutschma – und physisch einen Favoriten brauchte. Jermaks Vorgänger an der Spitze des Präsidentenbüros, Andrij Bohdan, erfüllte ebenfalls weniger die Funktion eines Leiters der Kanzlei, sondern vielmehr die eines Favoriten des Präsidenten. 

Doch, wie Tabatschnyk versuchte auch er, präsidiale Befugnisse an sich zu ziehen und nicht nur neben dem neuen, auf Popularität und Applaus orientierten Präsidenten zu stehen, sondern ihn sogar zu überstrahlen. Hätte Bohdan länger als ein paar Wochen auf seinem Posten überlebt, wäre mit seinem unausweichlichen Rücktritt vielleicht die Ära der Favoriten im Präsidententum Zelensky für immer beendet gewesen und der Präsident hätte – wie Kutschma – begonnen, autokratisch zu regieren. 

Doch nach nur einem Monat Bohdan konnte Zelensky sich natürlich nicht im Präsidentenkabinett einfinden und begann daher die Suche nicht nach einem Bürochef, sondern nach einem neuen Favoriten. Und Jermak erwies sich in dieser Rolle als so bequem für den Präsidenten, dass Zelensky ihn bis zuletzt unbedingt an seiner Seite halten wollte.

Jetzt aber ist das Interessanteste die Frage, was nach diesem Rücktritt geschehen wird. Fühlt sich Zelensky nun so sicher im Präsidentenamt, dass er keinen neuen Favoriten mehr suchen wird, stattdessen einen langweiligen Bürokraten zum Leiter des Büros ernennt und autokratisch weiterregiert? 

Oder wird er versuchen, einen neuen Favoriten zu finden, um ihm den „technischen“ Teil der Macht zu delegieren und sich von der täglichen, mühevollen Arbeit nicht nur der Entscheidungsfindung, sondern auch des Nachdenkens über diese Entscheidungen und ihrer Folgen abzuschirmen? 

Oder kommt es zum Unerwarteten – und der Präsident versucht, die Ukraine wie einen demokratischen Staat zu führen –, was angesichts der enormen Herausforderungen und der Notwendigkeit echter, nicht nur äußerlicher nationaler Einheit durchaus logisch wäre? Und entschuldigen Sie, ich spreche nicht von Einheit im Allgemeinen, sondern von Einheit mit denen, die diesen Staat tatsächlich brauchen – und ihrer Zahl wird mit jedem Monat des Krieges weniger.

Doch ich setze auf die erste Variante. Auf autokratische Herrschaft ohne Favoriten. Und glauben Sie mir: Von autokratischer Herrschaft mit Favoriten wird sie sich nur dadurch unterscheiden, dass nicht mehr der Leiter des Präsidentenbüros, sondern der Präsident selbst für alle Fehler verantwortlich gemacht werden wird.

Leonid Kutschma kann das Volodymyr Zelensky im Detail erzählen.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Фаворит. Віталій Портников. 30.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Zelensky wird Jermak los | Vitaly Portnikov. 28.11.2025.

Unsere heutige Sendung wird jener sensationellen Nachricht gewidmet sein, die buchstäblich vor ein paar Stunden auf den Meldungsstreifen der Nachrichtenagenturen erschienen ist. Es geht um die Entscheidung von Präsident Volodymyr Zelensky, den langjährigen Leiter seines Präsidialamtes, Andrij Jermak, in den Ruhestand zu schicken.p

Diese Entscheidung des ukrainischen Staatsoberhaupts erfolgte, nachdem am Morgen das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine Durchsuchungen an Jermaks Wohnort und im Regierungsviertel durchgeführt hatte. Wie man verstehen kann, dort, wo der nun schon ehemalige Leiter des Präsidialamts der Ukraine gearbeitet hat.

Natürlich ist das für das politische Leben der Ukraine eine riesige, sensationelle Nachricht. Und jetzt diskutieren alle darüber. Und für mich ist gerade das, was rund um diese Diskussionen geschieht, wenn Sie es genau wissen wollen, die Demonstration dessen, in was sich das ukrainische politische System in den letzten Jahren verwandelt hat.

Zunächst möchte ich Sie daran erinnern, dass das nicht der erste Leiter des Präsidialamtes ist, der seinen Posten verlässt. Der erste war Andrij Bohdan, der später einer der Kritiker jenes Machtregimes wurde, das von Volodymyr Zelensky nach seiner Wahl zum Präsidenten der Ukraine und nach der Entlassung Bohdans vom Posten des Leiters des Präsidialamtes gebildet wurde. 

Aber ich erinnere Sie daran, dass die Vorwürfe gegen Andrij Bohdan – sowohl in Bezug darauf, wie er sich die präsidialen Machtbefugnisse vorstellte, als auch in Bezug auf sein Verhalten gegenüber den Medien und darauf, wie dieser nun schon ehemalige Leiter des Präsidialamtes sich erlaubte, mit Oppositionspolitikern zu sprechen – all dies rief ebenfalls eine offensichtliche Ablehnung in der Öffentlichkeit und in politischen Kreisen hervor. Und Bohdans Schicksal hing überhaupt nicht mit dieser Ablehnung zusammen, sondern damit, dass er es schaffte, durch seine übermäßige Arroganz die Ablehnung des Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, selbst zu provozieren, und durch einen bequemeren und vorsichtigeren Menschen in dieser heute für die ukrainische Macht Schlüsselposition ersetzt wurde: Andrij Jermak.

Nun stellt sich die Frage: Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass der Posten des Leiters des Präsidialamtes zum Schlüsselposten in der ukrainischen Macht wurde? Darauf gibt es eine recht einfache Antwort. Dort, wo Monopolismus herrscht, gibt es Favoritentum. Dort, wo Favoritentum herrscht, gibt es keine Kontrolle. Dort, wo keine Kontrolle herrscht, gibt es Korruptionsrisiken und Ineffizienz. Dort, wo Korruptionsrisiken und Ineffizienz herrschen, gibt es die Möglichkeit einer Niederlage und eines staatlichen Zusammenbruchs. Dort, wo es die Möglichkeit einer staatlichen Niederlage und eines staatlichen Zusammenbruchs gibt, gibt es die Möglichkeit eines nationalen Zusammenbruchs und des Verschwindens des ukrainischen Volkes von der ethnografischen Karte der Welt.

Die politische Karte der Welt, von der aus Sicht unserer Feinde die Ukraine bald verschwinden soll, erinnert daran nicht einmal – denn es gab viele Situationen, in denen die Ukraine verschwand, das ukrainische Volk aber blieb. Aus Sicht der Russen darf sich so etwas nicht noch einmal wiederholen. Deswegen sind die Einsätze jetzt übermäßig hoch, sogar für die jahrhundertelange blutige ukrainische Geschichte.

Und in einer solchen Situation kann sich kein bewusstes Volk und kein verantwortlicher Wähler Ineffizienz bei der Führung des Staates leisten. Aber gerade den verantwortlichen Wähler haben wir, die Ukrainer, im Jahr 2019 nicht gesehen. Die Wahlen des Präsidenten und des Parlaments der Ukraine waren von dem bekannten Zitat des amtierenden Staatsoberhaupts Volodymyr Zelensky geprägt, das an seinen Vorgänger im Amt, Petro Poroschenko, gerichtet war. „Ich bin Ihr Urteil“, sagte Volodymyr Zelensky klar und deutlich, und diese berühmten Worte wurden zum eigentlichen Motto der letzten sechs Jahre. Obwohl der amtierende Staatschef vielleicht etwas ganz anderes im Sinn hatte.

Aber so wie ich nicht die Absicht habe, Jermak irgendetwas vorzuwerfen – nun, Korruptionsdelikte müssen, falls es Beweise gibt, vom Gericht vorgeworfen werden –, so habe ich auch nicht die Absicht, Zelensky irgendetwas vorzuwerfen. Die Möglichkeiten, ein Machtmonopol zu schaffen, hat ihm der ukrainische Bürger, der ukrainische Wähler gegeben – und zwar in einer solchen Menge, dass man nicht einmal von einer Spaltung der Gesellschaft sprechen kann. 73 % der Wähler, die für Volodymyr Zelensky gestimmt haben und später in riesiger Zahl eine Mono-Mehrheit völlig unbekannter anonymer Menschen im ukrainischen Parlament geschaffen haben. Das ist der Wille des Volkes, so regiert zu werden, wie es eben regiert wird.

Und hier ist niemand „schuld“. Volodymyr Zelensky war kein Mensch, der den Anschein erweckte, er sei Politiker. Im Gegenteil, er sagte ständig, dass er mit Politik nichts zu tun habe, dass Politik überhaupt nicht von Politikern betrieben werden müsse, dass man für die Organisation einer effektiven Führung eines Staates, der sich im Krieg befindet und vor der Gefahr des Verschwindens von der politischen Weltkarte steht, vor allem kein Politiker sein und kein Profi sein müsse. Braucht man nicht.

Nun gut, letztlich ist das alles völlig verständlich. Menschen, die für Zelensky gestimmt haben, haben erstens für einen ihnen sehr gut bekannten Menschen gestimmt, der ständig auf den Fernsehbildschirmen und sogar in Werbespots präsent war und obendrein in der beliebten Serie „Diener des Volkes“ mitgespielt hat. Eine enorme Zahl unserer Landsleute wollte, dass im realen Leben alles so ist wie in der Serie. Das konnte ich zumindest als normale emotionale Reaktion nachvollziehen.

Was ich nie habe verstehen können: Wie kann ein erwachsener Mensch für einen Schatten stimmen? Und genau so sah die Situation der Abstimmung zur Werchowna Rada der Ukraine aus. Die Menschen stimmten für Leute, über die sie überhaupt nichts wussten, deren Namen ihnen nichts sagten, die scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht waren, die keinerlei politische Lebenserfahrung hatten und deren einzige „Verdienst“ darin bestand, dass sie von Volodymyr Zelensky empfohlen worden waren – der die überwiegende Mehrheit dieser Leute seinerseits nie gekannt oder gesehen hatte.

So bekamen wir einen Präsidenten aus einem völlig anderen Bereich und ein Parlament der Anonymen, das bis heute nicht in der Lage ist, Verantwortung für die Bewahrung der Nation und des Staates zu übernehmen. Bis heute werden Minister und Premier im Präsidialamt ernannt, nicht im Parlament. Bis heute wollen die Abgeordneten der Werchowna Rada von der Regierungsmehrheit nicht die Verantwortung für die Rettung der Ukrainer übernehmen. Bis heute, während Menschen an der Front für das Vaterland sterben, haben diese Leute nicht einmal eine Ahnung von Verantwortung. Welche Schande, welche Blamage.

Und nun versetzen wir uns einmal in die Lage Zelenskys selbst. Mit Politik hat er sich niemals beschäftigt. Keinen einzigen Tag in seinem Leben. Politiker hat er nur von der Bühne bei Firmenfeiern gesehen. Im Parlament – man weiß nicht, wer und was. Man kann sie nicht beim Namen nennen. Ebenfalls ohne jegliche Erfahrung. Wem kann man in einer solchen Situation vertrauen? Nur Menschen, mit denen er sein ganzes Leben im Showbusiness gearbeitet hat, die dort Juristen waren wie Bohdan, Produzenten wie Jermak, die genau verstehen, wie man die Anweisungen dieses Menschen ausführt und aus seiner Sicht ihn auf keinen Fall im Stich lassen können.

Denn tatsächlich: Wenn man Politikern mit Erfahrung oder Profis mit Erfahrung irgendwelche Posten anbietet, könnten sie den Präsidenten ans Messer liefern, einfach deshalb, weil er sich nicht einmal vorstellen kann, was sie ihm da zur Unterschrift vorlegen – da er mit solchen Dingen nie zu tun hatte. Also kann man nur denen vertrauen, denen man sein ganzes kreatives Leben vertraut hat.

Aber wie sie die wie sie Feuerproben von Macht, Ressourcen und Ruhm bestehen werden, kannst du nicht wissen, weil sie nie jemand waren. Sie waren Mindychs, haben sich – bildlich gesagt – mit irgendwelchen Humorstudios beschäftigt, aber nicht mit Staatsführung, haben irgendwelche Filme produziert, aber keinen Staat regiert unter Bedingungen, in denen es nicht einfach um die Verwaltung irgendeines Staates geht, wo man ein paar Gelder von einem Haushaltsposten in einen anderen verschiebt und sich etwas in die eigene Tasche stecken kann. Nein, es geht darum, ob dieser Staat überhaupt bis 2030 existieren wird oder ob er von den Russen besetzt und einfach in eine Reihe von Regionen der Russischen Föderation verwandelt wird.

Das ist die Herausforderung dieser Größenordnung und, nebenbei bemerkt, ein entsprechendes Niveau an Korruptionsrisiken, denn Krieg vervielfacht Korruptionsrisiken. Und wenn dir dieser Staat völlig egal ist – ob er verschwindet oder nicht, ist nicht dein Problem –, dann hast du die Idee, dass du diese Risiken nutzen musst, um dich fürs ganze Leben „sattzuraffen“. Du weißt vielleicht noch nicht einmal, was du mit diesem Geld machen wirst, weil man dich überall suchen wird. Hier die Russen, dort die Anti-Russen. Aber du denkst nicht darüber nach, weil du im Heute lebst, so wie du immer gelebt hast, als du irgendwelche kleinen Projekte geleitet hast. So entsteht die Gefahr des Korruptionsmechanismus: Monopolismus, Favoritentum, Korruption.

Aber andererseits ist das nicht Belarus, denn dieser Staat kann nur überleben, wenn er enge Beziehungen zu seinen westlichen Verbündeten hat. Und die westlichen Verbündeten haben schon in der Zeit der post-Maidan-Macht, in der Zeit der Präsidentschaft von Petro Poroschenko und der Regierung von Arsenij Jazenjuk, soweit ich mich erinnere, vorgeschlagen, ein solches unabhängiges System von Antikorruptionsbehörden zu schaffen. Sie vertrauten unserem Rechtssystem ungefähr so wenig, wie viele Ukrainer unserem Rechtssystem nicht vertrauen.

Insofern erscheint mir die Situation völlig verständlich, dass die Verbündeten darauf bestanden, dass die Antikorruptionsbehörden nicht in das Machtsystem eingebaut werden. Und jetzt ist ebenso verständlich die Situation, als der Versuch unternommen wurde, sie ins Machtsystem einzubauen – nämlich dann, als die Machthaber begriffen, dass diese Behörden eine Menge Material gegen amtierende Vertreter der Macht selbst besitzen. Dann ist es natürlich besser, wenn sie in der Machtvertikale sind, damit die Vertikale, zu der sie Informationen sammeln, selbst entscheidet, welche Zeugenaussagen umgesetzt werden und welche in der Schublade liegen bleiben. Da haben Sie die ganze Geschichte mit Geografie.

Und natürlich entstand in dieser Situation – wie wir alle sehr gut verstehen – das, was wir heute sehen. Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Mindytch-Bänder, unmittelbar nachdem Mindytch selbst auf mysteriöse Weise aus der Ukraine geflohen war und die Justiz- und Energieminister das Kabinett verlassen mussten, tauchten in der Partei „Diener des Volkes“ Verdachtsmomente auf, dass es als Nächstes ein Problem mit dem Leiter des Präsidialamts geben würde. Und viele ihrer Abgeordneten, wie bekannt, rieten bei einem Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine diesem, den Leiter seines Amtes loszuwerden, noch bevor die Durchsuchungen beginnen.

Obwohl dies wiederum eine völlig schreckliche Situation ist. Die Leute wollen keine Verantwortung für die Bildung der ukrainischen Regierung übernehmen und flehen gleichzeitig den Präsidenten an, den Leiter seiner Kanzlei loszuwerden. Was ist das für ein System der Staatsführung? Warum bitten die Parlamentsabgeordneten überhaupt den Präsidenten den Leiter seiner eigenen Kanzlei zu entlassen, statt selbst eine Regierung zu bilden und für den Premier und jene Minister zu stimmen, die sie selbst vorschlagen?

Vielleicht wäre es gar nicht dazu gekommen, wenn die Abgeordneten selbst der Kanzlei nicht die Möglichkeit gegeben hätten, die Regierung der Ukraine zu formen. Vielleicht gäbe es überhaupt kein Interesse an allem, was mit dem Leiter des Präsidialamts verbunden ist, wenn die Regierung der Ukraine nicht ins Präsidialamt, sondern in die Werchowna Rada ginge, um dort Bericht zu erstatten.

Überhaupt, Freunde, ich muss Ihnen sagen: Wenn wir die Nachnamen der Leiter der Präsidialadministration kennen, ist das immer ein Weg in den Autoritarismus. Bis 1994 wussten wir praktisch nichts darüber, wer Leiter der Präsidialadministration der Ukraine war. Dort gab es ziemlich respektable Politiker, Altersgenossen des ersten Präsidenten Leonid Krawtschuk.

Dann wird Leonid Kutschma zum Präsidenten gewählt. Leonid Kutschma sagte ungefähr dasselbe, was Volodymyr Zelensky 2019 sagte: „Was habe ich denn für ein Team? In meinem Team sind nur junge Leute.“ Nun, ganz so war es nicht. Es gab dort auch erfahrene Profis, etwa den Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Volodymyr Horbulin. Aber Leiter der Präsidialadministration wurde keineswegs er, sondern ein kaum bekannter Fiesling, ein ehemaliger Abgeordneter des Kyiver Stadtrats mit ultrakommunistischen und antiukrainischen Ansichten – der widerwärtige und abstoßende Dmytro Tabatschnyk. Und dieser Ekel versuchte faktisch, sich die Befugnisse des Präsidenten der Ukraine anzueignen, während Kutschma erst beginnt, sich irgendwie an diese Befugnisse zu gewöhnen. Er versucht im Grunde, für Leonid Kutschma ein „warmes Bad“ zu schaffen und dabei seine eigenen Probleme zu lösen, auch politische. Denn er ist zudem noch ein russischer Agent.

Irgendwann begreift Kutschma, dass Tabatschnyks Aufenthalt in der Präsidialadministration seinen Interessen faktisch nicht entspricht, weil er einen Clan-Staat führt, in dem viele Vertreter mächtiger Clans anfangen, ihm zu sagen: „Herr Präsident, wer ist dieser Mensch? Wir wollen es nicht mit ihm zu tun haben, wir wollen es mit Ihnen zu tun haben.“ So endete Tabatschnyks politische Karriere – bis zu jenem Tag, als seine Betreuer vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB ihm Ministerposten in der verräterischen Regierung von Wiktor Janukowytsch verschafften.

Aber dort ist Tabatschnyk nie wieder auf jene Höhen aufgestiegen, auf die er 1994 gelangte, weil er nur noch ein Agent unter Agenten war. Denn die von Wiktor Janukowytsch gebildete Regierung war durchweg russische Agentur, besonders nachdem Janukowytsch Präsident der Ukraine wurde. Und zack – da tauchte wieder ein Mensch mit erheblichem Einfluss in der ukrainischen Politik auf, der versuchte, die institutionellen Aktivitäten des Präsidenten auf sich zu konzentrieren: der Leiter seiner Administration, Serhij Ljowotschkin. Ja, damals existierten auch andere Machtzentren – die „Präsidentenfamilie“ und so weiter. Aber das ist etwas anderes. Ljowotschkin versuchte, den politischen Teil auf sich zu ziehen und hält praktisch seine Hand am Puls der Ereignisse – bis zum Beginn des Maidan 2013, als er erkennte, dass Janukowytschs Karriere zu Ende geht. Er machte den Weg frei für Andrij Kljujew als Administrationsleiter, der zusammen mit seinem Chef in den Wintertagen 2014 seine Zeit in der Ukraine beendete. Damit neigte sich all das praktisch seinem Ende zu.

Aber die Rolle Tabatschnyks – in der Kutschma-Administration sagte man, Kutschma arbeite als Präsident in Tabatschnyks Administration – oder die Rolle Ljowotschkins in der Janukowytsch-Administration ähnelt doch sehr der Rolle, die Bohdan in Zelenskys Administration spielte, und jener, die Jermak bis zum letzten Tag spielte.

Bei Krawtschuk, Juschtschenko und Poroschenko war das allerdings nie so. Ja, es gab Leiter der Administration, die aktive politische Spieler waren. Wer erinnert sich nicht an den Namen Wiktor Baloha? Aber er war nur einer aus einer langen Reihe von Leitern der Administration von Wiktor Juschtschenko.

Also, lassen Sie uns in diesem Fall wieder sagen: Wir müssen die Effizienz der Staatsführung wiederherstellen. Lassen Sie das der Hauptgedanke sein, den wir aus den Ereignissen dieses turbulenten Tages mitnehmen müssen.

Sowohl Oleksandr Sintschenko, als auch Oleh Rybatschuk, als auch Wira Uljantschenko, als auch Wiktor Baloha agierten in einem komplexen System der Gegengewichte, ohne die Möglichkeit, die Macht im Land zu monopolisieren. Sie standen im Wettbewerb, im politischen Prozess und im Schutz des Präsidenten und der Institution des Präsidenten vor den politischen Möglichkeiten anderer Amtsträger und anderer politischer Kräfte.

Nichts dergleichen sahen wir in den Zeiten Janukowytschs und sehen wir in den Zeiten Zelenskys. Ich habe absolut nicht die Absicht, diese Zeiten zu vergleichen. Ich habe absolut nicht die Absicht, diese beiden Personen zu vergleichen, denn das wäre einfach eine Respektlosigkeit gegenüber den Anstrengungen Volodymyr Zelenskys zur Verteidigung der Ukraine in den letzten fast vier Jahren des großen russisch-ukrainischen Kriegs. Während ich Sie daran erinnere, dass Wiktor Janukowytsch im Unterschied zu Volodymyr Zelensky die Aufgabe hatte, unseren Staat auf Anweisung seiner Betreuer aus Moskau zu demontieren und zu zerstören.

Aber ich wiederhole noch einmal: Schon die Idee der Monopolisierung der Macht ist für einen demokratischen Staat absolut ineffektiv. Und ebenso ineffektiv für einen demokratischen Staat ist der Wähler, der zur Monopolisierung der Macht neigt. Dieser Wähler gräbt sich mit seiner eigenen Schaufel das Grab, in das er sich legen wird. Und wenn es um den Staat geht, das Grab für einen sterbenden Staat.

Der Staat – das sind immer Gegengewichte, Beschränkungen, gegenseitige Kontrolle. Eine parlamentarisch-präsidiale Republik ist immer ein Land, in dem das Parlament die Verantwortung übernimmt, weil die Menschen nicht deshalb für Abgeordnete stimmen, damit diese Knöpfe drücken und irgendwelche Zettelchen, irgendwelche SMS ablesen. Das kann auch ein Papagei. Wozu brauchen wir dann Abgeordnete, auch noch auf Gehalt? Sondern damit sie verantwortlich sind. Verantwortlich.

Und das ist es, worüber ich seit 2022 spreche. Die einzig richtige Antwort auf die zivilisatorische Herausforderung, die zum vollständigen Zusammenbruch der Ukraine und des Ukrainertums führen kann, ist die nationale Einheit derjenigen, die sterben könnten. Ich habe an dieser Idee während des Maidan 2013/2014 festgehalten. Ich war bereit, mit Vertretern politischer Kräfte, die mir überhaupt nicht nahe standen, auf die Bühne des Maidan zu gehen, weil ich wusste, dass wir alle eine freie und unabhängige Ukraine wollen. Nicht einmal unbedingt eine freie, unabhängige und demokratische, sondern eine freie und unabhängige, in der wir darum ringen werden, dass sie demokratisch ist – während andere vielleicht eine Diktatur wollen.

Aber um für Demokratie oder Diktatur zu kämpfen, muss es die Ukraine geben. Wenn es keine Ukraine gibt, werden für Demokratie und Diktatur Putin und die russische Opposition kämpfen. Darin liegt das Wesen dessen, was geschieht. Verstehen Sie? Genau darin.

Ich habe sehr gehofft, dass der Präsident der Ukraine, der im Februar 2022 auf seinen Vorgänger zuging, der die Ukraine vor dem russischen Ansturm verteidigt hatte, und zu ihm sagte, man müsse all diese Differenzen vergessen und sich gemeinsam zur Verteidigung der Ukraine zusammenschließen, dass er die enorme zivilisatorische Herausforderung versteht, die vor uns allen steht. Aber leider wurden aus diesem Verständnis keinerlei institutionelle Schlüsse gezogen. Und nun werden viele glauben, dass eben dies die institutionelle Antwort sei.

Nein, der Rücktritt des Leiters des Präsidialamts ist keine institutionelle Antwort. Jetzt kann man auf den Posten des Amtschefs entweder wieder einen starken Kandidaten berufen, der erneut einen Favoriten aus sich machen will, der alles so entscheidet, dass es für den Präsidenten bequem ist, und dadurch die gesamte tatsächliche Macht in diesem Land in seinen Händen konzentriert. Nun gut, es wird dann nicht Jermak sein. Aber wenn eine Person die Instanz zwischen Parlament, Regierung, Gesellschaft und Präsident ist, wie viele Möglichkeiten hat sie dann – und welche Versuchungen entstehen?

Oder es wird ein gewöhnlicher Bürokrat sein, der seine Pflichten so erfüllt, wie ein Leiter des Amtes sie erfüllen sollte. Des Amtes, nicht der Regierung, des Amtes, nicht des Parlaments, des Amtes.

Aber dann stellt sich die Frage: Was ist in den Händen des Präsidenten konzentriert? Inwieweit ist er bereit, Befugnisse an diejenigen zu delegieren, an die er sie aus Sicht der Verfassung delegieren müsste? Denn wir sprechen über einen möglichen Rücktritt der Regierung. Aber die Frage liegt nicht im Rücktritt. Die Frage liegt darin, dass die Kandidatur des Premierministers und der Minister von den Abgeordneten vorgeschlagen werden muss und nicht vom Präsidenten ihnen. 

Es spielt keine Rolle, ob die Regierung zurücktritt oder nicht. Wichtig ist, wer diese Regierung bilden wird und ob in dieser Regierung Politiker sein werden oder irgendwelche Technokraten, die diese Posten nutzen, sich auf die Stimmen der Partei „Diener des Volkes“ stützend, um neue „Schema“ zu finden, im Glauben, dass sie ja ohnehin nur kurz da sind.

Darin liegt die Frage Nummer eins. Denn der Ausweg aus diesem sich ausweitenden Korruptionsskandal – erinnern Sie sich, man sagte: „Ach wissen Sie, der Trump-Plan hat die Mindytch-Bänder und die Epstein-Files praktisch überdeckt“ – das denke ich auch. Aber ich habe die ganze Zeit gesagt: „Keine Sorge, in ein paar Tagen wird klar sein, dass das keine Pläne sind, sondern einfach etwas Unverständliches, dann wird er alle zum Teufel schicken und wir kehren dahin zurück, wo wir waren, und das Ganze wird sich weiter ausweiten.“

Wie Sie sehen, hat es sich ziemlich ernst ausgeweitet, denn ich erinnere Sie an das Zitat von Volodymyr Zelensky, dass „Andrij Jermak mit mir gekommen ist und mit mir gehen wird“. Aber es kam anders, als gedacht. Sehen Sie, auch Zelensky musste zu dieser verantwortlichen Entscheidung greifen, im Bewusstsein, wie der heutige Tag nicht nur dem Ansehen des Präsidenten der Ukraine, sondern des ukrainischen Staates insgesamt schadet – in Hinblick auf das Vertrauen in diesen Staat seitens unserer eigenen Landsleute und unserer Verbündeten. Denn die Verbündeten verstehen alles sehr gut. Man sollte nicht denken, dass sie irgendwelche Idioten sind. Nein.

So sieht diese objektive Realität aus, sie ist nicht einfach. Wir werden sehen, wer das Präsidialamt leiten wird. Ja, ich denke, das wird jetzt die Hauptfrage für alle sein. Aber der Leiter des Präsidialamts kann nicht nur als Blitzableiter fungieren. Und man kann nicht in der Paradigme leben: „Der Zar ist gut, die Bojaren sind schlecht.“ Das ist die sowjetische Paradigme.

Überhaupt ist alles, was wir seit 2019 in Bezug auf die Staatsführung und die Reaktion der Menschen auf die Staatsführung beobachten, „gammeliger Sowjetkram“. Das ist eine Diagnose. Ein kleines sowjetisches Land kann kein großes sowjetisches Land besiegen, um die berühmte Phrase von General Valery Zaluzhny zu paraphrasieren. 

Effektive Führung – das ist, wenn alle zusammen handeln, wenn es Kontrolle gibt. Wenn es nationale Einheit gibt, wenn man der populistischen Ideologie und dem populistischen Ansatz eine Injektion von Professionalität und Staatsverständnis verpasst, eine Impfung. Ohne Impfung gegen die ansteckende Seuche von Monopolisierung und Populismus stirbt der Organismus. Am Ende muss man eine Impfung, eine Injektion vornehmen, um zu überleben – nicht, um irgendetwas Geld untereinander aufzuteilen. Das kann man auch ohne Impfung, ohne Spritze – aber im Sarg gibt es keine Taschen. Das ist völlig offensichtlich.

Also werde ich nicht dabei sitzen und beobachten, wer der Nachfolger sein wird, obwohl wir natürlich nicht umhinkönnen, darüber zu sprechen, das nicht ignorieren können – das ist ein journalistisches Thema. Für mich ist wichtig, welche institutionellen Schlussfolgerungen aus der Situation gezogen werden, die wir jetzt gemeinsam beobachten. Zumal wir wissen, dass bereits nächste Woche amerikanische Gefolgsleute Trumps – in etwa dieselben Blitzableiter, wie es hier Andrij Borysowytsch Jermak war – nach Putin fliegen werden, um ihm das Anerkennen von Donbass und Krim durch Amerika anzubieten.

Darauf muss es eine ernsthafte Reaktion und eine Suche nach Wegen geben, damit zwei Hochstapler im Kreml kein Unheil anrichten. Wir werden sehen, wie das aussehen wird. Aber das ist eine Herausforderung für uns.

Wir werden mit großer Freude auf die Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gekommen sind.

Frage. Hat der Druck der ukrainischen Gesellschaft, aus dem Ausland oder beides zusammen eine entscheidende Rolle beim Rücktritt Jermaks gespielt?

Portnikov. Ich denke, dass beim Rücktritt Jermaks der bloße Umstand, dass bei ihm Hausdurchsuchungen durchgeführt werden, eine entscheidende Rolle gespielt hat – er wird faktisch zu einer Figur in einem Strafverfahren. Wir wissen nicht, wie dieses Verfahren ausgehen wird. Ich beschuldige Menschen niemals, solange es kein Gerichtsurteil gibt und es nicht einmal einen Verdacht gibt. Aber das wirft real einen Schatten auf die Institution des Präsidentenamtes. Natürlich hätte man mit diesem Rücktritt nicht so lange warten müssen, sondern diese Frage schon zu Beginn klären können. Aber wir handeln immer nach einem ähnlichen Drehbuch, wissen Sie.

Frage. Kann der Rücktritt zusätzlich mit der Notwendigkeit verbunden sein, in naher Zukunft schwere Entscheidungen zu treffen?

Portnikov. Es geht nicht um Verhandlungen. Ich erkläre noch einmal: In nächster Zeit werden keine schweren Entscheidungen getroffen werden. Der Trump-Plan ist eine totgeborene Konstruktion, die aus einem einzigen einfachen Grund nicht verwirklicht werden kann. Es gibt keine objektiven Voraussetzungen dafür anzunehmen, dass der russisch-ukrainische Krieg kurz vor dem Ende steht. Und ich habe schon mehrfach erklärt, warum. Weil jedes Kriegsende mit einem Waffenstillstand und anschließenden Friedensverhandlungen verbunden sein muss. So war es in allen Kriegen in der Geschichte der Menschheit. Wenn man anfängt zu sagen, man müsse zuerst ein Friedensabkommen unterzeichnen und dann erst das Feuer einstellen, das geht nicht auf.

Wenn also Putin sagt, man müsse zuerst die Frage der Ursachen des Konflikts klären, ist klar, dass er so lange kämpfen will, wie er Geld und Menschen hat. Wie viele Jahre das noch dauern wird, weiß heute niemand. Ich glaube, dass das wirtschaftliche und demografische Potenzial Russlands schneller erschöpft sein wird als das wirtschaftliche und demografische Potenzial der Ukraine.

Aber das ist Glaube, keine objektive Realität, die ich Ihnen klar versprechen könnte. Ich glaube, dass neue amerikanische Sanktionen die russischen Möglichkeiten, den Krieg fortzusetzen, schon in den 2020er Jahren dieses Jahrhunderts verringern können. Ja, das ist möglich, aber das betrifft keine schweren Entscheidungen in naher Zukunft. Im Gegenteil, selbst wenn irgendwelche schweren Entscheidungen getroffen werden, werden sie den Krieg nicht beenden, sondern lediglich zu einer Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft führen.

Frage. Wie können westliche Demokratien Diktaturen entgegentreten, angesichts der Spaltung innerhalb der demokratischen Länder, die es in Diktaturen nicht gibt?

Portnikov. Ich denke, dass es in demokratischen Ländern weniger eine Spaltung als vielmehr eine Diskussion gibt. Und wie kann man entgegentreten? Man muss energisch gegen die russischen Versuche kämpfen, die politischen Prozesse zu beeinflussen. Ein hervorragendes Beispiel sind die letzten Wahlen in Rumänien und Moldau, wo Russland tatsächlich versucht hat, mit Hilfe neuer Technologien die Oberhand zu gewinnen – und sein Eingreifen wurde in beiden Ländern durch eine ziemlich harte Reaktion des Staates gestoppt. Genau so muss man handeln und darf sich nicht der Illusion hingeben, dass man allein mit einer gewöhnlichen Abstimmung und ohne Kontrolle ein solches Übel besiegen kann. Ich denke, das muss auch jeder verstehen, der die politische Situation im Westen verfolgt.

Frage. Wird Jermak nach seinem Rücktritt seinen Einfluss behalten?

Portnikov. Das ist eine gute Frage. Einer der „schwarzen“ Polittechnologen der Bankowa hat kürzlich eine ganze Sendung damit verbracht, diejenigen zu beschuldigen, die vom Rücktritt Andrij Jermaks sprachen – in dem Sinne, Jermak sei trotzdem der Favorit Zelenskys. Und es spiele keine Rolle, welches Amt er bekleide, denn es könne ein neuer Amtsleiter erscheinen, der einfach niemand ist und nicht beim Namen genannt werden kann, und Jermak bleibe der Favorit und behalte die volle Macht.

Aber das sind sehr hypothetische Dinge. Es ist nicht klar, inwieweit Zelensky selbst jetzt möchte, dass sein Name und seine politischen Perspektiven mit Jermak gleichgesetzt werden, und inwieweit zwischen ihnen irgendwelche Kontakte bestehen bleiben werden, die es Jermak ermöglichen, den politischen Prozess zu beeinflussen. Aber wir werden sehen – Sie haben völlig recht, das muss man mit der Zeit beobachten. Und nebenbei wird das auch stark davon abhängen, wer der neue Leiter des Präsidialamts wird und wie er auf mögliche Versuche seines Vorgängers reagieren wird, seinen Einfluss außerhalb des Amtes zu bewahren.

Frage. Wie wichtig ist es überhaupt, wen Zelensky entlässt und wen er ernennt? Hat das ohne eine Regierung der nationalen Einheit überhaupt eine Bedeutung?

Portnikov. Ich bin der Meinung, dass das ohne eine Regierung der nationalen Einheit keinerlei Bedeutung hat. Ich habe Ihnen das schon gesagt. Ohne eine Regierung der nationalen Einheit hat das alles keine Bedeutung, denn wichtig ist nicht, wer neben dem Präsidenten steht, wie dieser Mensch heißt – Jermak oder jemand anders. Wichtig ist die Institutionalisierung der Staatsführung selbst. Wichtig ist, den Monopolismus loszuwerden. Wichtig ist, zur parlamentarisch-präsidialen Republik zurückzukehren. Wichtig ist, zur Verantwortung der Abgeordneten zurückzukehren. Wichtig ist, dass Minister Politiker sind und nicht unklare Leute mit unklaren Ambitionen. Wenn du ein guter Beamter bist – sei stellvertretender Minister und mach deine Arbeit. Warum willst du Minister werden, wenn du kein Politiker bist? Ein Minister in einem demokratischen Staat ist immer ein politischer Akteur, der Wahlen gewinnen will, und keine graue Maus, die einfach nur das Präsidialamt bedienen will. So funktioniert es nicht. Und außerdem: Unter diesen Mäusen kann sich jederzeit eine korrupte Ratte einnisten.

Frage. Nach Ihrem Gefühl: Wird es weitere Enthüllungen von Korruption gerade im Sicherheitsbereich geben?

Portnikov. Ich denke ja. Wir können das ebenfalls sehen. Die Frage ist, wie laut diese Enthüllungen sein werden und inwieweit die Öffentlichkeit damit vertraut gemacht wird – unter Berücksichtigung der nationalen Sicherheitsinteressen unseres Staates. Möglicherweise wird es ein Einvernehmen zwischen Sicherheitsbehörden und Antikorruptionsbehörden darüber geben, bestimmte brisante Fakten nicht zu veröffentlichen, um dem Feind keine wichtigen Informationen zu liefern, die sich auf die nationale Sicherheit der Ukraine auswirken könnten.

Frage. Kommentieren Sie bitte, welche Folgen es für die Ukraine hätte, wenn Amerika Krim, Donezk und Luhansk als russisch anerkennen würde. Warum nehmen Demokraten keinen Einfluss auf solche wichtigen Entscheidungen?

Portnikov. Zunächst einmal verstehe ich nicht recht, wie die Vereinigten Staaten aus Sicht ihres Rechts Krim, Donezk und Luhansk als russisch anerkennen könnten. Dazu gibt es bereits eine ausreichende gesetzliche Grundlage in den USA, die vom Kongress verabschiedet wurde. Exekutive Dekrete beider Präsidenten, vielleicht sogar dreier – Barack Obama, glaube ich, Donald Trump und Joseph Biden –, die eine solche Anerkennung unmöglich machen. 

Deshalb sagte Putin gestern in Bischkek übrigens, die Amerikaner versprächen ihnen, dies de facto anzuerkennen. De facto? Warum denn de facto und nicht de jure? Nun, Sie verstehen, de facto heißt einfach, dass Trump sagt: „Wir sind der Meinung, dass das russische Gebiete sind“, aber das wird nicht offiziell anerkannt werden, weil er keine solchen Möglichkeiten hat. Und da hat Putin absolut recht. Ein neuer Präsident wird kommen und sagen: „Hören Sie, was für ein Mist? Trump war ein Voluntarist, hat nie ein Gesetz gelesen, hat gesagt, die besetzten Gebiete seien russisch – aber wir, Amerika, erkennen das nicht an. Nein, wir sind der Meinung, dass das die Ukraine ist.“ Und damit wäre der ganze Anerkennungsprozess beendet. 

Die Frage ist also nicht, ob die Demokraten das beeinflussen oder nicht. Die Frage ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten das auf juristischem Wege nicht anerkennen kann. Und was er auf Twitter sagen oder irgendwo auf einer Wiese mit Putin verkünden wird, wenn er sagen sollte: „Wir sind der Ansicht, dass die Krim dir gehört“, wird nichts ändern. Und nebenbei bemerkt werden alle anderen westlichen Länder das niemals akzeptieren.

Frage. Warum sind Sie der Meinung, dass China Russland nicht so finanzieren wird, wie uns der Westen?

Portnikov. Weil China nicht über solche Möglichkeiten verfügt – und, wie ich denke, auch nicht über ein solches Interesse. Der Westen versteht sehr genau, warum er uns finanziert, und China kann man eher sagen, „verdient“ an russischem Öl. Es bekommt russisches Öl mit Rabatten, das es für seine Wirtschaft braucht – eine Wirtschaft, die ohnehin schon beträchtliche Mittel aufwenden muss, um sich in einer einigermaßen stabilen Lage zu halten. In China ist die Situation nicht die beste. Und natürlich ist China bereit, Russland mit solchen Einkäufen zu helfen. Es kann Russland bestimmte Komponenten liefern, die es ermöglichen, russische Waffen zusammenzubauen, aber es kann Russland nicht so helfen, wie uns der Westen, schon allein deshalb, weil es dann unter sekundäre westliche Sanktionen fallen würde. Und das liegt definitiv nicht im Interesse Chinas. Daher wird China immer zwischen Russland und der weiteren Entwicklung der Ereignisse manövrieren. Das muss man klar begreifen. Man muss klar begreifen, wie sich die Ereignisse entwickeln werden, wenn sich herausstellt, dass Russland zu ernsthaften Aktionen gegen die Ukraine nicht mehr in der Lage ist.

Xi Jinping sieht das übrigens ebenfalls ganz klar. Er spricht davon, dass man die Ursachen des Konflikts beseitigen müsse und so weiter. Aber auf der anderen Seite begreift er sehr wohl, dass Russland seit vier Jahren versucht, die Region Donezk zu besetzen, und das nicht kann. In diesem Sinne scheint mir der Fakt keineswegs selbstverständlich, dass man in China ebenfalls verstehen kann, dass Russland mit dem Kopf gegen die Wand rennt – und man möchte, dass dieser Kampf irgendwie endet, so, dass Putin sein Gesicht nicht verliert, aber nicht so, dass er alle russischen Ressourcen verbrennt, indem er versucht, die Ukraine zu erobern.

Da hat Davyd Arachamija nach Jermaks Rücktritt eine Erklärung abgegeben. Der Fraktionsvorsitzende der Partei „Diener des Volkes“ in der Werchowna Rada der Ukraine, dem Medienberichten zufolge ebenfalls eine Anklage wegen Landesverrats zugestellt werden sollte – nicht mehr und nicht weniger –, sagt, das Team des Präsidenten unterstütze seine Entscheidung. „Der Präsident kämpft für unsere Zukunft, für ein würdiges Ende des Krieges. Wir müssen im Inneren des Landes stark sein, um eine starke Position nach außen zu haben. Zelensky hat klar erklärt, dass wir uns durch nichts von der Verteidigung der Ukraine ablenken lassen dürfen. Das ist Priorität Nummer eins für die Regierung, für die Gesellschaft, für jeden Ukrainer. Auch für uns ist wichtig“, – und das ist ein absolut logischer Gedanke des Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei –, „dass niemand irgendwelche Fragen an die Ukraine hat. Volodymyr Zelensky hat gezeigt, dass die Interessen des Landes für ihn an erster Stelle stehen, und er als Führer der Nation, des Staates, wird keine Schwächung der Ukraine weder von außen noch von innen zulassen.“

Wie wir sehen, wissen wir, dass Davyd Arachamija zu jenen Spielern gehört haben könnte, die versucht haben, den Präsidenten von der Notwendigkeit des Rücktritts des Amtschefs zu überzeugen, nachdem all diese Informationen über Alibaba aufgetaucht waren. Nun, und die russischen Propagandisten freuen sich natürlich einfach über das, was geschieht. Und das zeigt ebenfalls, wie wichtig es ist, dass wir gemeinsam handeln, um ihnen keine Anlässe zu liefern.

Hier ist Kyrylo Dmitrijew, dieser Ostap Bender des Putin-Regimes, der sagt, dass „Ali Baba zurückgetreten ist, jetzt bleiben nur noch 40 Räuber“, und der ehemalige russische Präsident Medwedew, der betont, Zelensky könne keine Person sein, die ein Friedensabkommen unterzeichne, der Zusammenbruch des gesamten „korrupten Kyiver Regimes“ sei unausweichlich.

Aber ich kann sagen, dass die Situation, die mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens verbunden ist, für die Russen viel einfacher hätte sein können, wenn sie das Feuer hätten einstellen wollen. Wenn sie einen Waffenstillstand vereinbart hätten, wäre dafür keine Unterschrift Zelenskys nötig gewesen. Es hätte genügt, das auf Ebene der Generalstabschefs zu tun. Und dann hätte es in der Ukraine Wahlen gegeben, und man hätte ein Friedensabkommen mit demjenigen ausgehandelt, den die Ukrainer gewählt hätten. Auch das ist eine völlig offensichtliche Sache und spiegelt ebenfalls wider, inwieweit die Russen selbst den Krieg zwischen Russland und der Ukraine beenden wollen. Ein solches Bestreben sehen wir bei diesen Schurken in keiner Weise, und das ist eine absolut reale Tatsache in Bezug auf die künftige Entwicklung der Ereignisse.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський позбувається Єрмака | Віталій Портников. 28.11.2025.i
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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NABU und SAP kamen zu Jermak | Vitaly Portnikov. 28.11.2025.

Beim Leiter des Präsidialamtes der Ukraine, Andrij Jermak, führen das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft Durchsuchungen durch. Die Durchsuchungen finden sowohl im Regierungsviertel als auch am Wohnort des Beamten statt. Dies wurde sowohl vom NAKU als auch von der SAP und auch von Andrij Jermak selbst bestätigt.

Die Durchsuchungen bei Andrij Jermak könnten mit den lautstarken Korruptionsermittlungen des NABU zusammenhängen, die bereits das engste Umfeld des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelensky erreicht haben und zum Rücktritt mehrerer Minister der erst kürzlich bestätigten Regierung geführt haben.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse dieser Untersuchung tauchten Gerüchte auf, dass unter den Beamten, die auf den sogenannten „Mindych-Bändern“ vorkommen, auch Andrij Jermak sei, dem das Spitzname „Ali Baba“ zugeschrieben wurde. Die Befürchtungen, dass Jermak sich unter jenen wiederfinden könnte, die in den Korruptionsfall verwickelt sind, ja sogar eine Verdachtsmitteilung vom NAKU erhalten könnte – eine Information, die jetzt aktiv in den Medien verbreitet wird – waren so ernst, dass einige Abgeordnete der Partei Diener des Volkes dem Präsidenten sowohl informell als auch während eines Treffens des Staatsoberhauptes mit der Fraktion dieser politischen Gruppierung geraten haben, Andrij Jermak zu entlassen.

Doch Volodymyr Zelensky lehnte eine solche Entscheidung kategorisch ab und ernannte Andrij Jermak später sogar zum Leiter der Delegation, die sich in Genf mit dem US-Außenminister Marco Rubio und anderen amerikanischen Regierungsvertretern traf, um mit den ukrainischen Beamten den sogenannten Trump-Plan zu besprechen.

Nun werden die Durchsuchungen bei Jermak, selbst wenn sie zu keinen erheblichen Konsequenzen führen sollten, nicht nur seinen eigenen Ruf und seine Möglichkeit beeinträchtigen, den – wenn auch nur simulierten – Verhandlungsprozess mit Washington fortzuführen, sondern auch den Ruf des ukrainischen Präsidenten selbst. Denn seit jener Zeit, in der Andrij Jermak das Präsidialamt übernahm, gilt gerade er in der öffentlichen Wahrnehmung als jene Person, die Entscheidungen trifft, angeblich ohne sich auch nur mit dem Staatsoberhaupt zu konsultieren.

Und alle Bemühungen, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass in der Ukraine ein typisches postsowjetisches Machtmodell entstanden sei, in dem die gesamte Verantwortung für Entscheidungen bei einer einzigen Person – dem Präsidenten der Ukraine – liege und alle anderen Beamten lediglich dieser ersten Person dienen oder versuchen, im Voraus ihre Wünsche zu erraten, überzeugen vor allem jene nicht, die 2019 für Volodymyr Zelensky gestimmt haben und nicht begreifen können, welcher Typ und Stil der Macht ihrem gewählten Kandidaten eigentlich entspricht. So kann man sagen, dass Jermak nun mit Zelensky verbunden wird – und jede politische Krise des Leiters des Präsidialamtes wird auch zur politischen Krise des Staatsoberhauptes selbst.

Natürlich wird man jetzt viel darüber reden, dass der Fall Jermak vor allem mit dem amerikanischen Friedensplan zusammenhängen könnte, mit dem Wunsch der Trump-Administration, Druck auf den ukrainischen Präsidenten auszuüben und ihn zu Zugeständnissen zugunsten Russlands zu zwingen. Doch das ist eine verschwörungstheoretische Annahme aus einem einfachen Grund. Der russische Präsident Putin – wie wir aus seiner gestrigen Rede in Bischkek gesehen haben – ist zu keinerlei Friedensvereinbarungen mit der Ukraine bereit und hofft, durch sogenannte Friedensverhandlungen mit den USA oder möglicherweise auch mit unserem Land Zeit zu gewinnen, bis ein möglicher Konflikt mit dem US-Präsidenten Donald Trump entsteht.

Aber die Zerstörung der Ukraine, die Umwandlung unseres Landes in eine russische Provinz, ist für Präsident Putin eine viel wichtigere Priorität als sogar die Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten. Und daher sollte niemand, der versteht, wie sich die politischen Prozesse in der Welt in den stürmischen 2020er und 2030er Jahren des 21. Jahrhunderts entwickeln werden, auf ein umfassendes Friedensabkommen in absehbarer Zeit hoffen. Das bedeutet, dass weder Zelenskys Positionen in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten noch irgendwelche Punkte in einem möglichen Friedensabkommen mit Russland von der Situation um Andrij Jermak beeinflusst werden – denn ein solches Friedensabkommen ist in absehbarer Zukunft nicht vorgesehen, ebenso wenig wie die Möglichkeit, einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen.

Daher muss man nicht analysieren, was nicht geschehen wird, sondern das, was tatsächlich geschehen wird. Das heißt: Wie werden die politischen Positionen Volodymyr Zelenskys im ukrainischen politischen Leben aussehen, wenn selbst seine engsten Verbündeten – und derzeit heißt es, dass es nicht bei Andrij Jermak bleiben wird – von Durchsuchungen des Nationalen Antikorruptionsbüros und der Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft betroffen sind oder sogar Verdachtsmitteilungen dieser Behörden erhalten.

Natürlich war der Ausweg aus dieser Situation immer recht einfach. Und über diesen Ausweg sprachen nicht nur vernünftige Beobachter seit 2022, sondern auch Abgeordnete der eigenen Präsidentenfraktion. Die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, eine Injektion von Professionalität und Staatsdenken in jenen Regierungsstil, der durch den Willen des ukrainischen Volkes nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 entstanden war, der Versuch, die Fehler sowohl jener 2019 gebildeten Regierung als auch des ukrainischen Wählers selbst zu korrigieren, der so infantil und verantwortungslos blieb, dass er bereit war, seinem eigenen Land alle Voraussetzungen für eine riskante und katastrophale Entwicklung nach seiner Stimmabgabe zu schaffen.

All das wäre eine gemeinsame Rettung – sowohl für jene, die die Gefahr des Populismus und seine korrupten Bestandteile erkennen, als auch für jene, die das nicht erkennen können und damit ihr eigenes Leben, ihre Zukunft und das Leben vernünftig denkender Mitbürger aufs Spiel setzen.

Doch ich hege keine große Hoffnung, dass solche Schlussfolgerungen in naher Zukunft gezogen werden. Und daher wird sich die Krisensituation im ukrainischen politischen und gesellschaftlichen Leben weiterentwickeln – vor dem Hintergrund der Krise rund um den sogenannten Verhandlungsprozess und den Krieg Russlands gegen die Ukraine, den der grausame Feind nicht zu beenden gedenkt und in dem er selbstverständlich gern alle Schwächen des ukrainischen politischen und gesellschaftlichen Lebens sowie das mit diesen Schwächen verbundene Korruptionsermittlungsverfahren ausnutzen wird.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: НАБУ і САП прийшли до Єрмака | Віталій Портников. 28.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin über den „Friedensplan“: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 27.11.2025.

Wir treffen uns in dieser Woche praktisch täglich, um jene Ereignisse zu besprechen, die sich unmittelbar nach dem Auftauchen des sogenannten Friedensplans in den US-Medien zu entwickeln begannen, den die einen für einen Plan der amerikanischen Administration halten und die anderen für einen russischen.

Heute sprechen wir über ein weiteres wichtiges Ereignis in der Entwicklung dieser ganzen Geschichte, die – sozusagen – mit diesem Plan verbunden ist. Im Prinzip habe ich schon mehrfach gesagt, dass diese ganze Geschichte nichts mit Frieden in der Ukraine oder mit Friedensbemühungen zu tun hat, dass dies eine Spezialoperation der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation und der russischen Geheimdienste ist, die in erster Linie darauf abzielte, die Sanktionen gegen die wichtigsten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil zu stoppen und die Waffenlieferungen an die Ukraine in der weiteren Phase des russisch-ukrainischen Krieges auszusetzen. Und dass genau deswegen der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, ein erfahrener Diplomat sowjetischer Schule, Juri Uschakow, diesen Pseudo-Plan erfunden hat.

Und der Ostap Bender der russischen Präsidialadministration (Ostap Bender – literarische Figur, ein listiger Hochstapler aus sowjetischen Romanen, Symbol für Betrug und Manipulation), der Sonderbeauftragte des Präsidenten Kirill Dmitriew, übergab ihn einer anderen, ich würde sagen einer sehr ähnlichen Figur in der Administration von Präsident Trump – Steve Witkoff –, der gemeinsam mit Jared Kushner diesen russischen Plan, aus dem Russischen übersetzt, auf den Schreibtisch von Präsident Donald Trump legte, der, wie wir wissen, überhaupt keine Dokumente liest. Und nachdem klar wurde, dass die russische Administration ihr Ziel nicht erreicht hatte und dass Trump im Begriff war, Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil umzusetzen, organisierte Kirill Dmitriew das Durchstechen von Informationen in die US-Medien über 28 Punkte eines angeblichen Trump-Plans.

Und nachdem klar wurde, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, der Ukraine harte Ultimaten zu stellen und dass in Genf die amerikanische und die ukrainische Delegation gemeinsam ein Projekt eines Friedensplans ausarbeiten, der Russland natürlich überhaupt nicht interessiert, tauchte in Moskau ein weiteres Leak auf, jenes Leak, über das wir bereits gesprochen haben: Telefonate zwischen dem Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, dem Autor dieses Friedensplans, und Steve Witkoff. Das ist ein Signal der russischen Präsidialadministration an die amerikanische, dass man, wenn die Amerikaner sich nicht höflich verhalten, wenn sie russische Wünsche nicht berücksichtigen, ziemlich hart reagieren kann.

Doch wie in jedem Laientheaterstück ist heute auf der Bühne der Hauptdarsteller aufgetreten: der Präsident Russlands, Putin. Er nutzte seinen Aufenthalt in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek beim Gipfel der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, um sich mit Journalisten zu treffen. Und 75 % der Zeit dieses Treffens waren nicht der OVKS, nicht den Beziehungen zwischen Russland und Kirgisistan und nicht irgendwelchen anderen internationalen Problemen gewidmet, sondern in erster Linie eben diesem Trump-Friedensplan.

Begonnen hat das alles, wie es immer ist, mit einer „hausgemachten“ Frage des wichtigsten Putin-, ich würde sagen Hof-Reporters Pawel Sarubin, der ihn nach dem Trump-Friedensplan fragte. Und damit ging es weiter, denn praktisch alle russischen Journalisten, die an diesem Pressegespräch teilnahmen, fragten nur nach diesem Plan. Nun, und ich kann gleich sagen, dass die Antworten Putins im Grunde genommen zeigen, wie sich die Ereignisse in den nächsten Wochen und Monaten – und vielleicht sogar Jahren – des russisch-ukrainischen Krieges entwickeln werden.

Natürlich erklärte Putin sofort, es habe keinen konkreten Entwurf eines Friedensvertrags gegeben, sondern einen Katalog von Fragen, die man diskutieren und abschließend formulieren solle. Und wie andere russische Beamte auch, verwies Putin darauf, dass er dies vor seinem Besuch in Alaska mit amerikanischen Unterhändlern besprochen habe und dass nach diesem Besuch eine Liste möglicher 28 Vereinbarungspunkte aufgetaucht sei. Putin betont, dass diese Liste möglicher Vereinbarungen dem Kreml über bestimmte Kanäle übermittelt worden sei, woraufhin in Genf Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der ukrainischen Delegation stattgefunden hätten. Und dort hätten sie untereinander beschlossen, diese 28 Punkte in vier separate Bestandteile aufzuteilen. Und all dies sei Russland übergeben worden.

Und das Interessante ist, dass Russland in der Folge nicht abgelehnt habe, dieses von den amerikanischen und ukrainischen Delegationen abgestimmte Projekt eines Friedensvertrags weiter zu prüfen, doch Putin unterstrich, dass dies die Grundlage künftiger Vereinbarungen bilden könne. Wir sehen also, dass der russische Präsident – wie übrigens auch der ukrainische – keineswegs im Begriff ist, die Vorschläge Trumps von vornherein vom Tisch zu wischen, sondern bereit ist, sie weiter zu diskutieren. 

Und darin liegt die Hauptidee Putins. Denn wenn Trump auf jegliche Deadlines verzichtet, ist das für den Präsidenten der Russischen Föderation absolut ideal. Putin wollte ja gerade, dass Friedensverhandlungen stattfinden – möglichst lange andauernde Verhandlungen. Und währenddessen würde die russische Armee ihre Aktionen auf dem Territorium der Ukraine fortsetzen und russische Raketen die ukrainische Energie- und Infrastruktur als solche zerstören, indem sie den verhassten Staat Ukraine in ein Gebiet verwandeln, das für das Leben ungeeignet ist.

Und nachdem Trump nach Alaska auf die Idee verzichtet hatte, dass es zunächst einen Waffenstillstand und dann ein Friedensabkommen geben müsse, entwickelt sich alles in Richtung dieser politischen Pläne Putins. Das Einzige, was den russischen Präsidenten nicht zufriedenstellt, ist, wenn der amerikanische Präsident irgendwelche Deadlines setzt und verlangt, man müsse dringend ein Abkommen unterzeichnen, das zu einem Waffenstillstand führen soll. Das mag Putin, der auf einen jahrelangen Krieg eingestellt ist, überhaupt nicht. Aber jetzt, wo Trump sagt, es gebe keinerlei Deadlines, läuft alles genau so, wie Putin es braucht.

„Manche Dinge sind von grundlegender Bedeutung“, sagt Putin. „Und im Großen und Ganzen sehen wir, dass die amerikanische Seite unsere Position in mancher Hinsicht berücksichtigt, eine Position, die wir vor Anchorage und nach Alaska besprochen haben. Irgendwo müssen wir uns sicher hinsetzen und bestimmte konkrete Dinge ernsthaft besprechen. Man muss alles in die Sprache der Diplomatie übersetzen, denn es ist eine Sache, im Allgemeinen zu sagen, dass Russland nicht vorhat, Europa anzugreifen. Das klingt für uns lächerlich, nicht wahr? Wir haben es nie vorgehabt.“ Nun, ich würde an Stelle der Europäer schon jetzt nervös werden, denn wenn Putin sagt, er habe nie vorgehabt, jemanden anzugreifen, heißt das, dass sich die russischen Streitkräfte in genau diesem Moment auf einen neuen Krieg, auf einen neuen Angriff vorbereiten. „Aber wenn sie es von uns hören wollen – gut, dann halten wir das eben fest. Kein Problem.“ Und dann folgt – ich werde das nicht einmal zitieren –, ein langer Absatz darüber, wie aggressiv die Europäer seien und wie nicht-aggressiv die Russen. Das spielt überhaupt keine Rolle.

Und all diese Gespräche darüber, dass die Russen bereit seien, Fragen der strategischen Stabilität gemeinsam mit den Amerikanern zu lösen – das ist in Wirklichkeit alles das, was Putin wollte, aber schon Obama hatte sich geweigert, und danach gab es auch keinerlei Bereitschaft dazu. Und nun ist plötzlich wieder der Wunsch aufgetaucht, zu diesen Fragen zurückzukehren, und es könnte vielleicht eine ernsthafte Diskussion geben. Zumal nächste Woche, wie Putin angekündigt hat, eine amerikanische Delegation nach Moskau kommen soll.

Putin sagt sogar, wer von russischer Seite die Hauptunterhändler sein werden. Das ist das Außenministerium, also Lawrow, von Seiten der Präsidialadministration Wladimir Medinski, der bereits die russisch-ukrainischen Verhandlungen in Istanbul geführt hat. Und natürlich der eigentliche Leiter dieser gesamten Richtung, der Assistent des russischen Präsidenten, Juri Uschakow. Das sind die drei wichtigsten Unterhändler. Interessant ist, dass Putin den Namen Lawrow gar nicht nennt. Er sagt nur, dass es das Außenministerium sein werde.

Was das Treffen in Abu Dhabi angeht, betont Putin sofort, dass sich russische und ukrainische Vertreter der Geheimdienste ständig treffen und heikle Fragen lösen. Und hier sei plötzlich ein Vertreter der US-Administration aufgetaucht, der vorgeschlagen habe, die Kontakte sofort, noch in dieser Woche in Moskau zu beginnen. Letztlich wurde jedoch bekannt, dass die amerikanische Administration darauf besteht, dass dieses Treffen – wie zuvor vereinbart – in der nächsten Woche stattfinden soll. Und das ist ebenfalls ein offensichtlicher Moment: Putin hätte nichts dagegen gehabt, wenn es schon in dieser Woche geschehen wäre, aber wenn die Amerikaner nächste Woche wollen – er hat es nicht eilig.

Einer der wichtigsten Punkte, die Putin anspricht, betrifft natürlich seine Ansprüche auf das gesamte Gebiet des Donbas. Und die Frage dazu wurde dem Korrespondenten der Zeitung „Kommersant“, Andrei Kolesnikow, anvertraut, der Putin im Grunde seit dem Jahr 2000, also seit 25 Jahren, betreut und ihm gewöhnlich die wichtigsten Fragen stellt – denn alle Fragen werden in einem Kreml-Kreis verteilt. „Werden Sie darauf bestehen, dass die territoriale Frage, insbesondere was den Donbas angeht, hier, jetzt und für immer gelöst wird, oder wären Sie bereit, sie sozusagen auf bessere Zeiten zu verschieben?“

Putin beantwortet diese Frage, nachdem er gesagt hat, dass er überhaupt nicht in die G7 wolle und dass all das jetzt völlig bedeutungslos sei, diese Vorschläge, Russland dorthin zurückzubringen. Es folgt eine lange Erzählung darüber, wie der Westen ihn angeblich will, er aber den Westen nicht will und wie er schon vor den Ereignissen in der Ukraine aufgehört habe, dorthin zu reisen. Auf die Frage zum Donbas jedoch antwortet er völlig konkret. Worum geht es? „Wenn die ukrainischen Streitkräfte die von ihnen besetzten Gebiete verlassen, dann werden die Kampfhandlungen eingestellt. Wenn sie nicht abziehen, werden wir dieses Ziel mit Waffengewalt erreichen.“ Das ist alles. Und ich denke, meine lieben Freunde, ihr habt sehr gut verstanden, worüber der Präsident der Russischen Föderation spricht.

Russland denkt nicht im Traum daran, auf den ursprünglichen Plan Putins zu verzichten, der bereits am 24. Februar 2022 verkündet wurde: die Kontrolle über das gesamte Gebiet der ukrainischen Oblaste Donezk und Luhansk innerhalb ihrer administrativen Grenzen. Und aus Putins Sicht kann es keinerlei Friedensabkommen geben, solange die ukrainische Armee nicht aus den Regionen abzieht, die sie heute verteidigt.

Warum ist das für Putin so wichtig? Nicht, weil er den Donbas braucht, sondern weil die Russische Föderation in den nächsten Jahren die Zerstörung unseres Staates mit anschließender Angliederung seines Territoriums an Russland und der Umwandlung der künftigen russischen Staatlichkeit in ein Territorium der Sowjetunion mit den Grenzen von 1991 geplant hat. Denn in Moskau ist man überzeugt, dass andere ehemalige Sowjetrepubliken, eingeschüchtert durch die Vernichtung der Ukraine, von selbst dorthin gehen werden, wohin man sie weist. In diesem Sinne hält Putin es für notwendig, um das Territorium des Donbas zu kämpfen – dies soll als Vorwand dienen, den Krieg fortzusetzen. Und wenn die ukrainische Führung dem zustimmt, dass sie das Territorium der Oblast Donezk, in der sich ukrainische Truppen befinden, aufgibt, kann das als Anlass zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine selbst genutzt werden, mit anschließender Eroberung des Territoriums dieses feindlichen Staates.

Ich spreche gar nicht erst davon, dass, selbst wenn man sich vorstellt, dass die Kampfhandlungen ohne eine solche Destabilisierung enden und russische Truppen auf einen neuen Operationsraum vorstoßen, der an andere ukrainische Regionen an die Oblast Donezk grenzt, die verbleibenden ukrainischen Gebiete nicht allzu lange in Frieden existieren würden. Denn nach einigen Monaten oder ein, zwei Jahren würde eine Kampagne zu ihrer Eroberung beginnen.

Dann sprach Putin lange darüber, wie die sogenannte „Spezialmilitäroperation“ verläuft. Ich werde nicht zitieren, was er sagt. Bei ihm erhöht sich natürlich stets das Tempo des Vormarsches der russischen Truppen. Und die Probleme der ukrainischen Truppen beschreibt er im kleinsten Detail. Ich werde das alles im Prinzip nicht kommentieren – eine Geschichte, die im Grunde beweist, dass Putin sich direkt mit dem Krieg beschäftigt. Das ist es, worüber man seit 2014 spricht, und erst recht seit 2022. Er führt die Streitkräfte der Russischen Föderation direkt, verfolgt aufmerksam den Verlauf der Kampfhandlungen und behält eine unglaubliche Menge an Zahlen im Kopf, die mit dem Krieg zu tun haben.

Das heißt, er führt den Krieg persönlich, und es macht ihm ungeheuren Spaß. Er lebt in diesem Krieg. Er ist zur Aufgabe seines Lebens geworden, und er hat keinerlei Wunsch, auf ein so „interessantes“ und intensives Leben zu verzichten, das damit verbunden ist, dass er jeden Tag lebende Menschen töten lassen kann. Diesen Wunsch gibt es bei Putin selbstverständlich überhaupt nicht. Auch das muss man verstehen.

Erstaunlich ist außerdem, dass Putin gefragt wird, was er von den geleakten Telefonaten von Uschakow, Witkoff und Dmitriew und vom Angriff auf Witkoff halte. Putin erklärt zunächst – in den besten Traditionen der Tscheka –, dass Abhören strafrechtlich verfolgt werden müsse. Das ist im Grunde ein unglaublicher Witz für einen Präsidenten eines Landes wie Russland, in dem alle und jeder abgehört werden. Der Kern der Sache ist aber, dass Putin Witkoff in Schutz nimmt – in dem vollen Bewusstsein, dass jedes Wort zu seiner Verteidigung nur das Feuer des Skandals anfachen und den Verdacht verstärken wird, Witkoff sei ein Agent russischen Einflusses.

Meiner Meinung nach – und das habe ich schon mehrfach gesagt –, ist Witkoff keineswegs ein Agent russischen Einflusses, sondern ein Mensch, der eifrig die Weisungen Trumps ausführt, die damit zusammenhängen, dass der amerikanische Präsident nicht einfach nur eine gemeinsame Sprache mit dem russischen Präsidenten finden will, sondern die Situation nutzen möchte, in der er keine neuen Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängen oder die militärische Hilfe für die Ukraine erhöhen muss. Und das Gespräch, das wir zwischen Steve Witkoff und Juri Uschakow gehört haben, war von Seiten des Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten offensichtlich darauf gerichtet, seinem Präsidenten einen Vorwand zu verschaffen, der es ihm erlauben sollte, der Ukraine nicht zu helfen. Und er erklärt Juri Uschakow, was sein Präsident tun müsse, um Trump diese Möglichkeit zu geben.

Aber ihr versteht ja, dass das ziemlich kompliziert ist. Und wenn Putin über Witkoff spricht, sagt er: „Man kann Herrn Witkoff nicht vorwerfen, dass er seinen russischen Kollegen gegenüber höflich eingestellt ist. Wir haben miteinander gesprochen, uns getroffen, und er ist ein intellektueller Mensch. Es wäre natürlich merkwürdig, wenn er in Gesprächen mit Uschakow uns mit unanständigen Worten beschimpft hätte, wenn er etwas äußerst Unangenehmes gesagt hätte und dann hierhergekommen wäre und versucht hätte, mit uns Beziehungen aufzubauen, um die Verhandlungsposition zu verbessern. Das wäre doch Unsinn. Witkoff ist ein gebildeter Mensch, der Bedingungen für zwischenmenschliche Kommunikation schaffen muss. Das ist klar. Und vor allem: Ich kenne Herrn Witkoff seit einigen Monaten. Seine Freundschaft mit Präsident Trump dauert viele, viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte. Er ist amerikanischer Staatsbürger, er verteidigt die Position seines Präsidenten und seines Landes. Ja, unser Dialog ist nicht einfach. Ja, wir führen diesen Dialog ohne Schimpfwörter und ohne uns gegenseitig anzuspucken – wie intellektuelle, gebildete Menschen. Aber jeder verteidigt seine Position. Und Herr Witkoff verteidigt die Position der Vereinigten Staaten und die Interessen der Vereinigten Staaten so, wie er sie sieht und so, wie sie jene Menschen sehen, die ihn mit Verhandlungen mit der Russischen Föderation beauftragen. Diese Menschen sind nicht nur Präsident Trump. Das sind auch Leute aus dem militärisch-diplomatischen Umfeld und dem administrativen System der USA im weiten Sinne dieses Wortes.“

Wie ihr versteht, hat Putin hier im Grunde völlig recht. Witkoff verteidigt amerikanische Interessen so, wie Präsident Trump sie sieht. Und bei Präsident Trump kann das Verständnis amerikanischer Interessen von der Realität abweichen. Aber all das wird natürlich gesagt, um die Kritik an Witkoff im amerikanischen Establishment zu verstärken und eine Destabilisierung des innenpolitischen Lebens in Amerika zu schaffen. Putin ist ein erfahrener Saboteur und weiß genau, was er in einer solchen Situation tut.

Die nächste Frage, die ebenfalls angesprochen wird, ist die Frage der Konfiszierung russischer Vermögenswerte. Offensichtlich missfällt Putin das ungemein. Das werde negative Folgen für das weltweite Finanzsystem haben, da das Vertrauen in die Eurozone dramatisch sinken werde. Und vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Probleme, in denen die Lokomotive der europäischen Wirtschaft – Deutschland – sich bereits im dritten Jahr in der Rezession befindet, wird das natürlich eine sehr schwierige Prüfung. Und die russische Regierung erarbeitet im Auftrag Putins bereits ein Paket von Gegenmaßnahmen für den Fall, dass dies geschieht, denn das sei ein Diebstahl fremden Eigentums. Dann beginnt Putin zu fragen, wer hier eigentlich wen belehrt: die Diebeselite der Ukraine die europäischen Diebe oder lernen die Europäer von der ukrainischen Führung? In jedem Fall sei das eine und das andere Diebstahl. „So stehen wir dazu. Wir bereiten entsprechende Maßnahmen vor. Die Regierung wird sie später bekannt geben.“ Doch ich muss euch sagen, dass diese Antwort bereits ein Zeugnis der ernsten Besorgnis Putins ist. Warum?

Ihr erinnert euch vielleicht: Früher, als Putin nach der Konfiszierung russischer Vermögenswerte gefragt wurde, erklärte der russische Präsident, dass er sich davor überhaupt nicht fürchte, dass er diese Vermögenswerte gar nicht brauche und dass er nur wolle, dass das europäische Finanzsystem zusammenbricht. Wenn der Preis für den Zusammenbruch des europäischen Finanzsystems, dafür, dass alle glücklich ohne das europäische Finanzsystem leben werden, der Verlust russischer Vermögenswerte und deren Nicht-Rückgabe sei, dann solle es so sein. Das sei der Preis für den Niedergang des Westens. Jetzt, wie ihr seht, ist davon keine Rede. Putin sieht darin überhaupt nichts Gutes mehr. Er droht mit Gegenmaßnahmen, obwohl es für ihn sehr schwer sein wird, irgendetwas Gleichwertiges zu tun, wenn man bedenkt, dass praktisch das gesamte westliche Eigentum auf dem Territorium der Russischen Föderation nach 2022 bereits konfisziert wurde und Russland mehrfach deutlich gemacht hat, dass es nicht im Traum daran denkt, irgendetwas zurückzugeben.

Eine weitere Frage, die im Kontext der aktuellen Ereignisse recht wichtig ist, ist die nach den angeblichen Tests von Kernwaffen durch die USA. Putin antwortet, dass er lediglich angewiesen habe, zusätzliche Informationen über die Handlungen der amerikanischen Seite zu sammeln, sie zu analysieren und ihm Vorschläge zu unterbreiten, was Russland in dieser Situation tun solle. Einer der Vorschläge, die an Russland herangetragen wurden, bestehe darin, gemeinsam an diesem Thema zu arbeiten. Und Russland sei bereit, mit der amerikanischen Administration über alle Fragen zu strategischer Stabilität nachzudenken. Das heißt, man kann im Grunde sagen, dass Putin die Drohungen Trumps nicht besonders ernst nimmt. Er versteht, dass die Vereinigten Staaten mit hoher Wahrscheinlichkeit keine realen Atomtests durchführen werden, ist aber bereit, Trump erneut die Hand zu reichen und ihm zu helfen, aus dieser, ich würde sagen, seltsamen Situation herauszukommen, in die der amerikanische Präsident nach solchen Drohungen geraten ist, damit amerikanische und russische Unterhändler in Moskau irgendetwas vereinbaren, das es dem amerikanischen Präsidenten erlauben würde, von der Idee der Atomtests Abstand zu nehmen. Das ist die Position Putins.

Ich sage es euch noch einmal: Ihr könnt sehen, dass – anders als einige meiner Kollegen behaupten und ich rede gar nicht erst von unseriösen Telegram-Kanälen, die nur Zitate und nicht ganze Reden lesen – dieser Auftritt Putins vor der Öffentlichkeit keineswegs darauf abzielt, Trump „abzuschreiben“ oder schlecht über ihn zu sprechen, sondern im Gegenteil, ihm eine neue „Honigfalle“ zu stellen. Wisst ihr, was Honigfallen sind? Der KGB setzte in sowjetischer Zeit Prostituierte ein, wenn reiche Ausländer ankamen, um sie mit solchen Kontakten zu kompromittieren. Viele Verschwörungstheoretiker haben immer behauptet, Donald Trump könnte während seiner Aufenthalte im sowjetischen oder postsowjetischen Moskau in eine solche Honigfalle geraten sein. Aber ich denke, die eigentliche Honigfalle ist das, was wir jetzt sehen. Sie besteht darin, dass Putin bereit ist, Trump politische Dienste zu leisten, im Austausch dafür, dass dieser ihm nicht dabei im Wege steht, die Ukraine über einen ziemlich langen Zeitraum zu zerstören. Das ist die Hauptidee des russischen Staatsoberhaupts. Die Hauptidee der Lubjanka ist, Zeit zu schinden – so lange, wie es nötig ist, um den ukrainischen Staat zu zerstören und den Großteil seiner Bewohner aus der Ukraine zu vertreiben, damit sie Platz für Umsiedler aus der Russischen Föderation machen.

Eine weitere Frage, die man kurz kommentieren kann, ist, dass selbst russische Journalisten bereits anfangen, über Lawrows Ungnade zu sprechen, in die er nach einem missglückten Gespräch mit Marco Rubio geraten sei. Zur Erinnerung: Nachdem der Außenminister der Russischen Föderation mit dem US-Außenminister gesprochen und betont hatte, dass Russland nicht im Traum daran denke, auf seine maximalistischen Bedingungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu verzichten, berichtete der US-Außenminister dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, dass man auf das von Putin gewünschte Treffen in Budapest verzichten sollte. Und Putin sagt: „Das ist doch Unsinn, er ist in keinerlei Ungnade gefallen. Er hat einfach seinen eigenen Arbeitsplan. Er bereitet sich auf das Treffen mit dem amerikanischen Partner vor.“

Wir werden sehen, wie das sein wird – ob Lawrow tatsächlich bei einem solchen Treffen anwesend sein wird, ob er es führen wird. Warum sage ich das? Putin erklärte, dass das Außenministerium für das Treffen mit der amerikanischen Delegation verantwortlich sei, die nächste Woche nach Moskau kommen soll. Er nannte konkrete Beamte seiner eigenen Administration – Medinski und Uschakow –, die für die Kontakte zur Administration von US-Präsident Donald Trump zuständig sein werden, aber den Außenminister, der eigentlich das Gegenüber des US-Außenministers und des Nationalen Sicherheitsberaters Rubio sein müsste, erwähnte er nicht. Und Lawrow kann hier durchaus aus dem Prozess herausgedrängt werden. Genau deshalb, weil Rubio gleichzeitig nationaler Sicherheitsberater ist, und sein Gegenüber in der russischen Administration Juri Uschakow ist. Wenn man Uschakow hat – wozu braucht man dann Lawrow?

„Druck auf Russland“ – das ist auch eine wunderbare Frage. „Es entsteht der Eindruck“, sagt der Korrespondent der Nachrichtenagentur TASS, „dass die westliche Seite, wenn sie schnelle Treffen vorschlägt und auf ihnen besteht, Druck auf Russland und auf Sie persönlich ausübt. Natürlich wollen alle so schnell wie möglich Frieden erreichen, aber solche Fragen dulden keine Hast.“ Natürlich ist es besser, noch zehn Jahre weiterzukämpfen und unser ganzes Land zu zerstören. Das ist der Traum jedes echten russischen Propagandisten. Und Putin antwortet so, dass wir klar verstehen, wie sehr er bereit ist, Zeit in die Länge zu ziehen. Ich lenke eure Aufmerksamkeit bewusst darauf. „Jede der Fragen, die in den Listen aufgeführt sind, die uns übermittelt wurden, ist von großer Bedeutung. Jede von ihnen ist ein Schlüsselt­hema, verstehen Sie? Daher erfordert sie eine ernsthafte Ausarbeitung. Und offenbar wollen einige unserer Partner diese Fragen so schnell wie möglich lösen. Man hat mich hier gefragt, was an der Kontaktlinie passiert. Man hat nach der Position der amerikanischen Unterhändler gefragt.“

Dann beginnt Putin, über die Kontaktlinie zu sprechen, ausführlich über Karten zu berichten. Ich lasse das alles weg, weil es eine riesige Menge an militärischer Desinformation ist. Ich werde hier nicht als Lautsprecher Putins auftreten, der seine Desinformation über die Lage an der Front verbreitet. Aber glaubt mir, er erzählt alles bis ins Detail, für jede Region. Man sieht, wie sehr er mit all dem lebt und wie er sich darüber freut, dass dieser Krieg stattfindet, dass es für ihn so etwas wie das Spiel „Schiff versenken“ ist, irgendein Computerspiel, das ihn fasziniert. Und natürlich erzählt er, dass ein Zusammenbruch der ukrainischen Front bevorstehe. „Darin liegt der Unterschied zu denen im Westen, die so schnell wie möglich Frieden erreichen wollen – sogar um den Preis gegenseitiger Zugeständnisse von ukrainischer Seite, um die Ukraine vor einem Zusammenbruch der Front zu retten. Der Westen will das“. 

Es folgt wieder eine lange Tirade über den angeblichen Frontzusammenbruch. „Diejenigen im Westen, die verstehen, wozu das führen kann, drängen auf eine möglichst schnelle Beendigung der Kampfhandlungen, selbst wenn das vom Kyiver Regime gewisse Zugeständnisse verlangen sollte, weil sie verstehen, dass die Front auf einzelnen Abschnitten sich zusammenzurollen beginnt und dass dann die Streitkräfte der Ukraine ihre Kampffähigkeit völlig verlieren werden. ‚Lasst uns euch helfen, den Kern der Streitkräfte und eure Staatlichkeit zu bewahren.‘ Darum gehe es, sagen die Vertreter dieser Position. Und andere drängen darauf, die Kampfhandlungen bis zum letzten Ukrainer fortzusetzen. Darin liege der Unterschied der Ansätze. Und diejenigen, die Herrn Witkoff angreifen, seien Vertreter der anderen Sichtweise, die gemeinsam mit dem ukrainischen Establishment Geld stehlen und die Kampfhandlungen bis zum letzten Ukrainer fortsetzen wollen. Aber ich habe bereits öffentlich gesagt, dass wir im Prinzip dazu bereit sind.“

Das heißt, Russland ist bereit, die Kampfhandlungen bis zum letzten Ukrainer fortzusetzen, wenn die Vertreter dieser Sichtweise das wollen. Ob Russland bereit ist, die Kampfhandlungen zu beenden, das heißt, sich jenen anzuschließen, die die erste Position vertreten und den Krieg so schnell wie möglich beenden wollen, sagt Putin nicht. Ich möchte, dass ihr das bemerkt.

Aber noch eine Frage zeigt, in welche neue Falle Putin Trump ziehen will: Mit wem sollen Abkommen unterzeichnet werden? Denn wenn ein Abkommen vorbereitet wird – mit wem soll man es unterzeichnen? Dokumente mit der ukrainischen Führung zu unterzeichnen, sei sinnlos, sagt Putin. „Ich denke, dass die ukrainische Führung einen prinzipiellen strategischen Fehler gemacht hat, als sie Angst hatte, Präsidentschaftswahlen abzuhalten, woraufhin der Präsident seinen legitimen Status verloren hat. Russland befindet sich ebenfalls im Zustand eines bewaffneten Konflikts mit derselben Ukraine. Aber wir haben Präsidentschaftswahlen abgehalten, Kommunal- und Regionalwahlen. Wir tun das alles, und sie aus irgendeinem Grund nicht.“

Versteht ihr diese Blasphemie? Als fände der Krieg nicht real auf dem Territorium der Ukraine, sondern auf dem Territorium Russlands statt. „Denn sobald irgendwelche Friedensabkommen irgendeiner Art geschlossen sind, werden die Kampfhandlungen eingestellt. Das Kriegsrecht muss unverzüglich aufgehoben werden. Wenn das Kriegsrecht aufgehoben wird, muss unverzüglich eine Wahl angekündigt werden. Aber unter den heutigen Bedingungen ist es für die derzeitige politische Führung der Ukraine schwer, auf einen Sieg ohne Manipulation zu hoffen. Fast unmöglich. Obwohl, wie Stalin sagte, es nicht wichtig ist, wer wie abstimmt, sondern wer die Stimmen zählt.“

Das heißt, Putin möchte unsere Wahlen, unseren Staat mit Erfahrungen seiner eigenen Wahlen überziehen – stets gefälscht, stets gelogen. Das ist auch nicht verwunderlich.

Doch dann sagt er weiter – und hier hört gut hin –, „man muss ein Referendum über alle territorialen Fragen abhalten. So steht es in der Verfassung, und dann muss das Referendum vom Verfassungsgericht bestätigt werden.“ Ich sage euch gleich, Freunde: Die ukrainische Verfassung lässt keinerlei Referenden über territoriale Fragen zu. Wir sind ein Einheitsstaat. Es kann keinerlei Veränderungen in der Staatsstruktur der Ukraine geben. Kein Referendum kann das Territorium der Ukraine verändern. Das ist eine Lüge. Aber Putin lügt darüber. Wozu? Um zu behaupten, dass es kein Verfassungsgericht gebe, das die Ergebnisse eines solchen Referendums bestätigen könnte. Das ist alles.

Dann erzählt er, dass nur die Werchowna Rada das Recht habe, ihre Vollmachten unter Kriegsrecht zu verlängern. Der Präsident nicht. Folglich könne er als Amtsperson nicht die notwendige Bestätigung des Verfassungsgerichts unterschreiben. Und so weiter. Es folgt eine lange Geschichte über den Vorsitzenden des Verfassungsgerichts, der angeblich ins Ausland geflohen sei, weil er nicht mehr an seinen Arbeitsplatz gelassen worden sei. „Das Verfassungsgericht arbeitet nicht. Der Vorsitzende des Obersten Gerichts sitzt im Gefängnis wegen Korruption. Jene, die sich mit Korruption beschäftigen, die höchsten Korruptionäre, die Vorsitzenden des Obersten Gerichts, hat man wegen Korruption ins Gefängnis gesetzt. Die Vollmachten der Mitglieder des Verfassungsgerichts sind abgelaufen. Man muss neue Mitglieder des Verfassungsgerichts wählen. Das ist ein ganzer Prozess, verstehen Sie?“ Wir verstehen nicht. Der Präsident der Ukraine hat alle Möglichkeiten, Mitglieder des Verfassungsgerichts im Rahmen seiner Quote zu ernennen. Und das von Putin erfundene Referendum hat überhaupt nichts mit der ukrainischen Gesetzgebung zu tun.

Aber warum erzählt er das alles? Wozu? „Wir wollen letztlich mit der Ukraine eine Vereinbarung treffen, aber jetzt ist das praktisch juristisch unmöglich. Wer auch immer von ihnen kann und will, soll verhandeln. Wir brauchen, dass unsere Entscheidungen von den wichtigsten internationalen Akteuren anerkannt werden. Das ist alles. Und das ist wichtig, denn es ist eine Sache, wenn Entscheidungen anerkannt sind und bestimmte Gebiete unter russischer Souveränität stehen – und wenn bei einem Bruch der Vereinbarungen dies ein Angriff auf Russland wäre –, und eine andere Sache, wenn man versucht, Gebiete zurückzugeben, die de jure der Ukraine gehören. Das sind verschiedene Dinge. Und wir brauchen Anerkennung, aber nicht von der Ukraine. In Zukunft können wir uns auch mit der Ukraine einigen. Dort gibt es viele vernünftige Leute, die langfristige historische Beziehungen mit Russland aufbauen wollen.“

Ihr versteht also die Idee. Putin braucht überhaupt keine Einigung mit der Ukraine. Er nimmt die Ukraine nicht als eigenständigen Verhandlungspartner wahr. Er möchte, dass die Vereinigten Staaten, China, die europäischen Länder die von Putin besetzten und annektierten Gebiete als Teil der Russischen Föderation anerkennen. Und die Ukraine soll einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Und auf diese Weise wird sie dank dessen zu einem russischen Protektorat.

Das ist das ganze Wesen dessen, worüber Putin in Bezug auf den Trump-Friedensplan gesprochen hat. Er hat mit der Ukraine nichts zu besprechen. Er will sich mit Trump einigen. Und als ein Korrespondent ihn fragt, dass im Trump-Plan stehe, dass „die USA de facto anerkennen, aber nicht de jure – also nicht rechtlich –, dass die Krim und der Donbas ein Teil Russlands seien“, antwortet Putin: „Das muss Gegenstand unserer Verhandlungen mit der amerikanischen Seite sein. Herzlichen Dank, dass Sie darauf hingewiesen haben.“

Putin wird also von den amerikanischen Unterhändlern verlangen, dass die Vereinigten Staaten Russland in den Grenzen anerkennen, die in der russischen Verfassung festgelegt sind. Dafür ist das alles da. Und der Krieg kann weitergehen, versteht ihr? Nur werden die Vereinigten Staaten dann der Meinung sein, dass die Russen ihr eigenes Territorium von ukrainischen Okkupanten befreien, wenn sie diese Gebiete als Teil Russlands anerkennen. Darin besteht Putins Idee, sein teuflischer Plan.

Und schließlich eine politische Sensation, die mit dem Freitag verbunden sein wird. In Moskau soll der ungarische Premierminister Viktor Orbán eintreffen. Putin bestätigt den Besuch nicht direkt, aber ihr versteht, worum es geht. Es geht darum, dass Orbán mit Putin Fragen besprechen wird, die mit den künftigen Plänen der Europäer zusammenhängen, die Unterstützung für die Ukraine zu verstärken, sowie die Frage der Konfiszierung russischer Vermögenswerte. Und natürlich ist Putin daran interessiert, dass Orbán all dies blockiert. Genau das wird er mit dem ungarischen Premierminister in der russischen Hauptstadt besprechen. Das ist der zentrale Punkt. Versteht ihr, Orbán wird nicht den Trump-Plan mit ihm besprechen.

So, ich habe euch Putins gesamte Rede detailliert nacherzählt. Ich habe dafür anscheinend sogar mehr Zeit gebraucht als Putin selbst. Warum habe ich das so ausführlich getan? Damit ihr die reißerischen Überschriften nicht für Realität haltet – dass Putin Trump „verraten“ habe, dass Trump jetzt beleidigt auf ihn sei. Nein. Wie ihr seht, ist nichts davon in dieser Rede zu finden. Es gibt einen offensichtlichen Wunsch des Präsidenten der Russischen Föderation, mit seinem amerikanischen Kollegen zusammenzuarbeiten. Es gibt den offensichtlichen Wunsch des russischen Präsidenten, mit dem ukrainischen Kollegen nichts zu tun haben zu wollen. Folglich, wie ihr versteht, kann es keinerlei Verhandlungen, keinerlei Treffen zwischen Putin und Zelensky geben. Auch das ist eine völlige Utopie.

Putin könnte sich, wahrscheinlich, mit Zelensky treffen, wenn Zelensky bereit wäre zu kapitulieren und Trump ihn zu dieser Kapitulation zwingen würde. Aber Putin wird verlangen, dass unter einem solchen Abkommen die Unterschriften derjenigen stehen, die er als legitime Macht bezeichnet, sagen wir also, dass dieses Abkommen nicht nur der Präsident der Ukraine, sondern auch der Vorsitzende der Werchowna Rada der Ukraine unterschreibt – oder sogar nur der Vorsitzende der Werchowna Rada. Hier wird es von russischer Seite noch viel Druck geben, falls die Idee eines irgendwie gearteten Friedensprozesses überhaupt entstehen sollte.

Ich sage es erneut: Es gibt keinerlei objektive Voraussetzungen für die Annahme irgendeines Friedensplans, für irgendwelche Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, und sie werden sie auch in absehbarer Zeit nicht geben. Wenn also jemand von euch über solche Möglichkeiten spricht oder ihr von Bekannten hört, dass es jetzt irgendeinen Friedensplan geben werde und alles aufhöre, dann schafft euch bitte keine sinnlosen Illusionen. Ich denke, diese Rede Putins hat erneut gezeigt, dass er in völlig anderen Kategorien denkt.

Wie kann Putin diesen Plan, den niemand anerkennt, nun nutzen? Wieder einmal werden sie jetzt einfach mit den Amerikanern reden und Zeit schinden. Was ist das Problem? Wenn Trump klar gesagt hat, dass er keinerlei Deadlines in dieser Situation hat – warum sollte er dann nicht glauben, dass er Zeit schinden kann? Ich habe bereits im ersten Teil der Sendung darüber gesprochen.

Und ich fahre mit den Antworten auf Fragen fort.

Frage: Wenn man sich für ein Leben in Osteuropa von Finnland bis Polen entscheidet, kann man sicher sein, dass dort keine Kampfhandlungen stattfinden werden?

Portnikov: Wenn Sie ein Leben in Lissabon oder Madrid wählen, müssen Sie auch daran denken, dass russische Raketen dorthin fliegen können – nur ein bisschen länger als nach Warschau oder Helsinki. Sie können sich also nirgends vor einer russischen Rakete sicher sein, wenn es einen Krieg mit Einsatz von Raketenwaffen gibt.

Übrigens: Genau darüber wird jetzt gesprochen. Und genau darüber hat der US-Heeresminister Dan Driscoll bei seinem Treffen in Kyiv mit den Europäern gesprochen – dass man verstehen müsse, dass Russland inzwischen so viele Raketen produziere, dass es für einen Raketenkrieg mit Europa reicht. Deshalb müsse der russisch-ukrainische Krieg so schnell wie möglich beendet werden, damit er sich nicht ausweitet. Ich verstehe also nicht, warum Sie denken, dass es in Finnland gefährlich sein kann, in Portugal aber sicher. Wer hat Ihnen das gesagt? Das ist alles völliger Unsinn.

Und ich möchte Sie davon überzeugen, dass russische Truppen vielleicht gar nicht nach Finnland einmarschieren. Und vielleicht werden auch in Polen keine Panzer stehen. Stattdessen kann einfach die Infrastruktur in ganz Europa – an allen NATO-Stützpunkten – durch Raketenangriffe und Drohnenangriffe zerstört werden.

Wenn Sie in der Ukraine weit weg von einem militärischen Objekt leben, können Sie überleben. Wenn Sie in Deutschland oder Spanien in der Nähe eines militärischen Objekts leben, werden Sie sterben. Wo ist der Unterschied? Es ist unmöglich, ständig vor dem Krieg wegzulaufen. Er wird Sie immer finden, glauben Sie mir. Das Letzte, was ein Mensch mit einem realistischen Blick auf die Welt tun kann, ist zu denken, dass er seinem Schicksal entkommen wird. Das wird er nicht. Deshalb werde ich Ihnen keinerlei Geografie nennen. Wir leben mit Ihnen am Vorabend eines Dritten Weltkriegs. Eine riesige Zahl von Menschen könnte seine Opfer werden. Und im Kreis herumzulaufen ist zwar eine angenehme Beschäftigung, aber nicht für alle.

Also denken Sie einfach darüber nach, wie Ihre Sicherheit und die Sicherheit Ihrer Kinder aussehen wird. Niemand hat gesagt, dass Sie irgendwo in Australien oder Neuseeland Glück haben werden, falls sie zum Schauplatz eines Zusammenstoßes zwischen China und den Vereinigten Staaten werden. Die Welt ist so klein geworden, dass es in absehbarer Zeit einfach keine sicheren Städte geben könnte. Auch das muss man verstehen.

Was die Zukunft betrifft – da kann ich nichts sagen. Ich bin ohnehin kein Futurologe. Hoffen wir einfach, dass der russisch-ukrainische Krieg endet, und nicht, dass irgendwelche Raketenangriffe auf Finnland oder Polen beginnen.

Frage: Sollte die Ukraine nicht einfach die Hilfe der USA vergessen und nach Möglichkeiten anderswo suchen?

Portnikov: Nun, das lässt sich sehr leicht sagen. Aber Sie müssen eine einfache Sache verstehen. Die USA sind nach wie vor die einzige Supermacht neben der Russischen Föderation. In der Welt gibt es zwei große Atommächte. Und die Frage ist nicht nur die militärische Hilfe der USA, sondern auf wessen Seite die USA stehen – das ist das Erste. 

Zweitens: Selbst wenn die USA uns keine umfangreiche militärische Hilfe leisten, sondern ihre Waffen über die Europäer verkaufen, ist das dennoch ein bedeutender Teil unserer Bewaffnung. Das ist das Zweite. 

Drittens hängt ein Großteil unserer Luftverteidigung von den Vereinigten Staaten ab – dieselben Patriots. Wie wollen Sie Infrastruktur schützen, wenn Russland immer mehr Raketen hat, wir aber keine Luftabwehr?

Des Weiteren erfordert eine enorme Menge an Waffen, die aus Europa kommt – etwa die Storm-Shadow-Raketen –, eine amerikanische Zustimmung. Wenn die Amerikaner den Briten verbieten, sie uns zu liefern, wird es keine Raketen geben.

Also glauben Sie bitte nicht, dass wir einfach so den Amerikanern ins Gesicht spucken können. Ich würde das nicht empfehlen. Und genau aus diesem Grund bemühen sich übrigens auch die Europäer, die Vereinigten Staaten in dieser Logik zu halten – weil sie verstehen, was passiert, wenn die USA sich einfach aus der Situation zurückziehen.

Frage: Stimmen Sie zu, dass durchschnittliche, nicht besonders gebildete Menschen immer von extremen politischen Ideologien angezogen werden, während liberale Ansichten nur Sache wirklich denkender Menschen mit Gewissen sind?

Portnikov: Ich stimme nicht zu. Ich denke, dass Gewissen sowohl ein einfacher als auch ein komplexer Mensch haben kann. Ich glaube überhaupt nicht an einfache und komplexe Menschen. Anhänger extremer Ideologien waren Menschen mit unglaublicher kultureller Bildung – der Volkskommissar für Bildung der Sowjetunion Lunatscharski, oder der große deutsche Schriftsteller Jünger, oder der große norwegische Schriftsteller Hamsun, der im Prinzip das Bild der norwegischen Seele und des norwegischen Gewissens geschaffen hat. Er war ein Anhänger Adolf Hitlers. Und ich kann Ihnen unzählige weitere Beispiele nennen. Der große deutsche Dramatiker Hauptmann, der gemeinsam mit Göring aufstand, wenn die Nazi-Hymne gespielt wurde. Ich will erst gar nicht von sowjetischen Schriftstellern, Ideologen und wem auch immer sprechen. Sie wissen das alles selbst sehr gut, also erfinden Sie nichts.

Ja, tatsächlich haben jetzt viele Menschen, die sich früher nie für Politik interessierten, Zugang zu – ich würde sagen – einfachen Antworten auf komplizierte Fragen. Aber auch früher haben praktisch dieselben Menschen gewählt und deutlich verantwortungsvoller und ernster gewählt. Vielleicht liegt das Problem nicht in den Menschen, sondern in den neuen Informationstechnologien.

Frage: Ist es nicht analog dazu, wie Witkoff die Russen instruierte, dass Kellogg Zelensky instruiert hat, wie er sich Trump am besten nähern solle, um den Skandal im Oval Office zu entschärfen?

Portnikov: Im Grunde ja, aber hier stellt sich die Frage: In wessen Interesse handelte wer? Das heißt, Kellogg versuchte, Zelensky zu helfen – oder erhielt er eine Anweisung von Trump, dass man die Beziehungen zur Ukraine verbessern müsse? Haben Sie daran nicht gedacht? Dass man den Grad des Skandals im Oval Office senken müsse, weil er in der amerikanischen Öffentlichkeit und in der Welt nicht gut ankommt? Aber um diese Spannung abzubauen, müsse Zelensky dies und jenes tun, um Trumps Gesicht zu wahren. Und Kellogg erklärte Zelensky, welche Schritte das sein müssten. Denken Sie nicht so?

Und genau dasselbe tut Witkoff, der die Direktiven Trumps ausführt – nur in einer anderen Richtung. Es ist keine Eigeninitiative, das versuche ich Ihnen in beiden Fällen zu erklären.

Frage: Werden die Europäische Union und Europa Putin wirklich abnehmen, dass er nicht vorhat, die EU anzugreifen und den Krieg nach der Eroberung der Oblaste Donezk und Luhansk zu beenden?

Portnikov: Ich denke, die Europäer sind keine Idioten. Sie verstehen alles sehr gut und werden Putin keineswegs glauben. Eine andere Sache ist, dass Europa für seine Aufrüstung Zeit braucht, denn alle Nachkriegsjahrzehnte – auch das muss man verstehen – standen die Russische Föderation beziehungsweise damals die Sowjetunion dem Westen gegenüber, während die Vereinigten Staaten Westeuropa mit ihrem Atomschirm und ihren Stützpunkten auf dem europäischen Kontinent schützten. Die Amerikaner schützten und verlangten von den Europäern, als Bezahlung für diesen Schutz amerikanische Waffen zu kaufen.

Und was haben wir am Ende? Jetzt stellt sich heraus, dass die Amerikaner der Idee der euroatlantischen Solidarität nicht mehr so anhängen. Wir erinnern uns an die skandalöse Münchner Rede des US-Vizepräsidenten J.D. Vance, die politisch in ihrem globalen Kurswechsel nur mit der Münchner Rede des russischen Präsidenten Putin zu vergleichen ist. Die Europäer brauchen einfach Zeit, um aus dieser Situation herauszukommen. Ich denke also, dass das klar ist, wenn wir darüber sprechen.

Frage: Worin besteht Trumps Interesse, eine Zusammenarbeit mit Putin zu fördern, wenn dieser außer Worten keinerlei Bereitschaft zur Kooperation zeigt?

Portnikov: Nun, vielleicht hofft Trump, dass es außer Worten auch noch Geld geben wird – sagen wir, eine gemeinsame Erschließung der Arktis, Zugang zu bestimmten russischen Ressourcen, seltenen Erden. Es fällt mir schwer zu sagen, wie die Zukunft in Trumps Augen aussehen wird. Aber das ist eine sehr gute Frage – also welchen Sinn Trump sieht. Das Wichtigste ist jedoch, dass Trump im Grunde in den Kategorien des Mittelalters denkt, brutaler Gewalt. Da gibt es einen großen Staat, der den kleinen diktieren soll. Trump verhält sich selbst so. Und diese kleinen Staaten müssen die Wünsche des großen Staates berücksichtigen, der über Macht verfügt. Trump pflegt den Kult brutaler Kraft. Er ist im Grunde ein Mensch mit undemokratischen Vorstellungen. Und er versteht Putin sehr gut. 

Das Einzige, was er nicht versteht, ist, warum Putin weiterkämpft, wenn er das alles nicht mit Gewalt erreichen kann. Warum versucht er, die Kuh zu schlachten, anstatt sie mit Trump zu teilen – wenn wir zynisch über die Ukraine sprechen? Und genau das trennt sie. Aber Trump hofft, sich mit ihm zu einigen und diese Kuh so zu teilen, wie er es für richtig hält. Und deshalb ist er bereit, Putin alle Gebiete zu überlassen, die dieser erobert hat. Deshalb ist er bereit, sich mit der Idee des Abzugs der ukrainischen Truppen aus dem Donbas einverstanden zu erklären. Denn für Trump ist das nur der Versuch, die Kuh zu teilen. Und damit ähnelt er sehr Putin und Xi Jinping.

Das ist ja das Schreckliche: Der Führer des größten demokratischen Staates der Gegenwart ähnelt nicht denen, die auf die Vereinigten Staaten hoffen, sondern denen, die versuchen, die Vereinigten Staaten aus der Rolle des Weltführers zu drängen. Darin besteht das Unglück Amerikas – und unser Unglück, das Unglück aller. Aber hoffen wir, dass dieses Unglück zum Glück wird.

Danke, Freunde, dass ihr bei dieser Sendung dabei wart, die dem heutigen Auftritt des russischen Präsidenten Putin in Bischkek gewidmet war und unserem Versuch, zu verstehen, was er dort sagen wollte und welche Signale er nach der mehrstufigen Spezialoperation der russischen Geheimdienste mit dem sogenannten Trump-Plan senden wollte.


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Titel des Originals: Путін про «мирний план»: головне | Віталій Портников. 27.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von
Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Russland lehnt den „Trump-Plan“ ab | Vitaly Portnikov. 26.11.2025.

Wir versuchen mit Ihnen jeden Tag, jene Prozesse zu betrachten, die sich heute im amerikanisch-ukrainischen Dialog abspielen, im Dialog der Vereinigten Staaten mit der Russischen Föderation im Zusammenhang mit dem sogenannten Trump-Plan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Und jeder Tag, muss man sagen, bringt neue und neue Überraschungen mit sich, die mit dem Vorantreiben dieser, milde gesagt, erstaunlichen Geschichte verbunden sind.

Und heute können wir mit Ihnen bereits darüber sprechen, dass das, was ich noch vor einigen Tagen für völlig realistisch hielt – ich meine die Ablehnung dieses sogenannten Plans durch Russland – praktisch schon fast auf offizieller Ebene eingetreten ist.

Der stellvertretende Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Rjabkow, betonte, dass Russland nicht im Geringsten vorhabe, irgendwelche Zugeständnisse in Bezug auf den sogenannten Friedensplan zu machen, bevor sämtliche Ziele der sogenannten SVO erreicht seien. „Von keinerlei Zugeständnissen, von keinerlei Aufgabe unserer Herangehensweisen an jene Schlüsselmomente bei der Lösung der Aufgaben, die während der SVO vor uns stehen, kann überhaupt keine Rede sein“, unterstrich der stellvertretende Außenminister der Russischen Föderation, der übrigens für die Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika zuständig ist.

Und das ist, so scheint mir, eine absolut bezeichnende Geschichte. Rjabkow sagt, dass es während des Trump-Putin-Gipfels in Anchorage bereits Vereinbarungen gegeben habe, die Russland als Kompromisse betrachte. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in Anchorage überhaupt keinerlei Vereinbarungen erzielt wurden. Das ist die gewöhnlichste russische Lüge.

Wir erinnern uns sehr gut daran, wie das Treffen in Anchorage endete. Putin und Trump kamen völlig wütend vor die Öffentlichkeit. Putin hielt einen kurzen historischen Vortrag von fünf Minuten, sprach zwei Minuten lang über gute Beziehungen zu Trump und erwähnte den russisch-ukrainischen Krieg als solchen überhaupt nicht. Der Präsident der Vereinigten Staaten, der so gern ausführlich mit Journalisten redet und mit seiner Größe prahlt, sprach dieses Mal zwei Minuten. Und das wichtigste an seinem Satz war, dass der Deal gescheitert sei.

Das gemeinsame Mittagessen der Delegationen, bei dem die russisch-amerikanische Zusammenarbeit erörtert werden sollte, wurde abgesagt. Im Unterschied zum feierlichen Empfang Trumps und Putins auf dem Flugplatz in Anchorage, bei dem der amerikanische Präsident vor den Augen der gesamten erstaunten zivilisierten Welt dem russischen Diktator applaudierte und damit erneut die Vereinigten Staaten blamierte, gab es keinerlei feierliche Verabschiedung. Der wütende Trump verließ Alaska sofort und flog nach Washington, während Putin in Anchorage blieb und sein Lieblingsprogramm absolvierte – der Öffentlichkeit zu beweisen, dass er die Interessen der „russischen Welt“, verteidigt.

Und das ist übrigens keineswegs ein Scherz, denn nachdem Trump Alaska verlassen hatte, benahm Putin sich dort wie ein Hausherr und traf sich mit einem Priester der Amerikanischen Orthodoxen Kirche, die die Mehrheit der orthodoxen Welt für einen der Unterverbände der Russischen Orthodoxen Kirche hält. Eine bekannte Geschichte, aber die Russen erzählen weiter all diese Märchen über den Alaska-Kompromiss, über den Geist Alaskas. Das hat auch Lawrow schon erzählt.

Das heißt, wir sind faktisch an einem Punkt angelangt, an dem wir verstehen, dass die Russen nicht vorhaben, sich auf irgendeinen Plan zu einigen. Und da stellt sich eine sehr gute Frage: Warum sollte dann der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, überhaupt in die russische Hauptstadt reisen? Und überhaupt – wird Witkoff nach Moskau fahren nach jenem lauten Skandal, in den er hineingeraten ist in Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Textes seines Telefongesprächs mit dem Assistenten des Präsidenten der Russischen Föderation, dem erfahrenen Mastodonten der russischen Diplomatie Juri Uschakow, in der Agentur Bloomberg? Uschakow ist eine weitaus einflussreichere, ernstere Figur in der russischen Politik als der russische Außenminister Sergej Lawrow, der eher propagandistische und dekorative Funktionen erfüllt.

Uschakow spielte während dieses Gesprächs mit Witkoff wie eine Katze mit einer Maus, indem er ihm völlig unrealistische Geschichten erzählte über die ernsthafte Einstellung der Russen zu den Nahost-Friedensbemühungen Witkoffs. Und sogar darüber, dass die Russen angeblich, um den Friedensbemühungen Trumps und Witkoffs im Nahen Osten nicht im Wege zu stehen, den russisch-arabischen Gipfel abgesagt hätten, den sie zuvor vorbereitet hatten.

Ich sage gleich dazu, dass Uschakow, wie es in der russischen Politik überhaupt üblich ist, in Wirklichkeit schlicht log, denn tatsächlich wurde der russisch-arabische Gipfel deshalb abgesagt, weil die überwiegende Mehrheit der Führer der arabischen Welt, mit Ausnahme von zweien, sich geweigert hatte, nach Moskau zu reisen. Was für ein Gipfel kann das sein, wenn die Präsidenten der arabischen Länder vor den Augen Putins auf Washington umschwenken? Nun, und einige orientieren sich übrigens auf Peking und haben nicht die geringste Absicht, mit dem russischen Diktator irgendwelche Geschäfte zu machen.

Doch selbstverständlich hat viele schockiert, dass Witkoff Putin faktisch Ratschläge erteilte, wie er sich richtig gegenüber Trump zu verhalten habe, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Und viele sind der Ansicht, dass dies Trump überraschen und erzürnen müsste, denn Witkoff behandelte ihn hinter seinem Rücken schlicht wie ein kleines Kind, das man mit Komplimenten schmeicheln müsse.

In Wirklichkeit müssen Sie aber eine einfache Sache verstehen. Leute wie Witkoff verstehen sehr genau, wer im Haus der Boss ist. Witkoff hätte in einem Telefongespräch mit dem Assistenten des Präsidenten der Russischen Föderation nichts unternommen, wenn er nicht klare Direktiven, Anweisungen und den ausdrücklichen Wunsch von Donald Trump gehabt hätte. Und gerade deshalb reagierte Trump auf das Leck der Informationen vollkommen gleichgültig. Obwohl solche Handlungen Witkoffs in jenem Amerika, das es vor Trump gab, natürlich zu einem schweren Skandal und zu seiner sofortigen Entlassung aus dem Weißen Haus geführt hätten. Aber hier wird es dazu nicht kommen, einfach weil Trump genau weiß, dass Witkoff genau in seinem Interesse handelt, damit es ihm, Trump, besser geht.

Da stellt sich die Frage: Was heißt „besser“? Eben das, was ich schon mehrfach gesagt habe. Trump möchte, dass Putin ihm Möglichkeiten verschafft, Russland gegenüber loyal zu sein und der Ukraine nicht zu helfen. Trump kann das nicht selbst tun, weil seine Politik damit den Stimmungen seiner eigenen Wählerbasis widersprechen würde – einer Basis, die Trump nicht aus den Händen verlieren darf, besonders vor den Nachwahlen, vor denen er sich fürchten kann wie vor einem direkten Weg zum Impeachment und neuen strafrechtlichen Verfolgungen, was in seinem Alter natürlich katastrophale Folgen haben könnte.

Trump kämpft um seine Macht, seine Freiheit und sein Leben. Und deswegen braucht er, um Russland zu helfen, Putin, der ihm die entsprechenden Möglichkeiten schafft. Und genau das hat Witkoff Uschakow erklärt: wie man das anstellen müsse, damit Trump diese Möglichkeiten nutzen kann. Putin soll Trump anrufen, bevor Zelensky im Weißen Haus eintrifft, soll mit Trump über Friedensliebe reden. Er soll Trump Komplimente machen, die nicht nur Trump gefallen, sondern auch jenen konservativen Wählern, die für Trump stimmen und Mitglieder dieser halbreligiösen Sekte sind. Und Trump wird nach diesem Anruf Putins in der Lage sein, Zelensky eine qualitativ neue militärische Hilfe – genau diese Hilfe mit den Tomahawks – zu verweigern und stattdessen ein neues Treffen mit Putin zu planen, um eine Beendigung des Krieges in der Ukraine auszuhandeln.

Ein einfacher Plan. Und damit dieser Plan zustande kommen konnte, musste Witkoff auf Initiative der Person – also Trumps – sprechen, die den Weg zu Putin sucht, und nicht aus eigener Initiative mit Uschakow telefonieren. Wenn Putin solche Möglichkeiten nicht schafft, ist Trump gezwungen, anders zu handeln, denn nach dem unangekündigten Gespräch Witkoffs mit Uschakow wurde ein Gespräch von Rubio mit Lawrow angekündigt, und zwar in dem Moment, als Trump Rubio beauftragte, mit Lawrow zu sprechen. Denn wenn er sich in Budapest mit Putin trifft, braucht er irgendein Dokument, das er als Beendigung der Kriegshandlungen auf dem Territorium der Ukraine oder als Waffenstillstand in der Ukraine unterzeichnen könnte. Er konnte nicht einfach so nach Budapest fahren. Und er konnte die Zustimmung Putins, ihn vor der Ankunft Zelenskys anzurufen, als Bereitschaft Putins zu einem gewissen Kompromiss werten.

Er irrte sich erneut. Er wird sich bis Januar 2029 auf diese Weise irren, daran sollten Sie nicht den geringsten Zweifel haben. Und deshalb war er gezwungen, vom Zuckerbrot zur Peitsche überzugehen, zu Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil. Einfach deshalb, weil er sonst in den Augen seiner eigenen Mitstreiter wie ein Trottel ausgesehen hätte – nicht in den Augen Witkoffs, sondern etwa solcher Leute wie Marco Rubio, von Senatoren und Kongressabgeordneten. Aber sobald Putin ihm wieder die Möglichkeit geben wird, erneut einen Schwenk in Richtung Russland zu machen, wird er dies mit Freude tun, wie wir sehen.

Und Putin, übrigens – und hier kehren wir zu einem anderen Telefongespräch zurück, zu dem Gespräch Uschakows mit Dmitrijew – wollte ihm tatsächlich schon damals, als die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil bekannt wurden, eine solche Möglichkeit bieten. Worin bestand die Aufgabe, die Putin vor Uschakow und Dmitrijew stellte? Uschakow sollte irgendeinen Friedensplan zusammenzimmern, der Russlands Friedensliebe belegen sollte. Und Dmitrijew sollte diesen Plan Witkoff präsentieren. 

Was beschäftigt Uschakow in seinem Telefonat mit Dmitrijew? Die Sorge, dass Witkoff diesen Plan nicht einfach entgegennehmen, sondern ihn derart verändern könnte, dass er für Russland in den Diskussionen nachteilig würde und dennoch als russischer Friedensplan bezeichnet würde – so nach dem Motto: Das ist es, was Russland angeblich vorschlägt. Und genau das müsse verhindert werden, denn der russische Friedensplan müsse in erster Linie aus maximalistischen Bedingungen Russlands bestehen, die Russland in Zukunft die Zerstörung des ukrainischen Staates erleichtern würden.

Und so kommt es. Dmitrijew präsentiert Witkoff den Friedensplan. Witkoff, der sich nach dem Scheitern des Treffens in Budapest erneut unsicher fühlt – niemand lädt ihn zu einer Reise nach Moskau ein, er sieht, dass auch Trump nicht sonderlich drängt, die Kontakte mit Putin wiederaufzunehmen – erhält dieses Dokument und hält es für seine neue Chance. Er arbeitet mit diesem Dokument, nimmt faktisch mit Hilfe von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner kosmetische Änderungen vor. Und in dieser Situation legt er diesen Friedensplan Trump vor. Doch es wird völlig klar, dass Trump nicht bereit ist, diesen Plan zu veröffentlichen, dass es auch in Trumps Umfeld genügend Leute gibt – etwa Außenminister Marco Rubio –, die sagen, das sei ein völlig unausgereiftes und viel zu prorussisches Dokument. Und so führt das Auftauchen dieses Friedensplans nicht zu dem, weswegen Putin Dmitrijew nach Washington schickt – zur Aufhebung der Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil.

Daraufhin lässt Dmitrijew in seiner Verzweiflung buchstäblich einen Tag vor Inkrafttreten der Sanktionen diesen Plan an das Medium Axios durchsickern, in der Hoffnung, dass der Status dieses Mediums als gut informierte Publikation, die faktisch für die Washingtoner Bürokratie arbeitet, es den meisten amerikanischen Medien und Beobachtern ermöglichen werde, diesen Plan als realen amerikanischen Plan zur Regelung der Lage in der Ukraine aufzufassen – was diesmal sogar Witkoff wütend macht. 

Doch die öffentliche Präsentation des Plans, der innerhalb der Administration tatsächlich weiter kursiert, zwingt Witkoff und Kushner dazu, ihn bereits öffentlich Präsident Zelensky zu präsentieren. Und auf den US-Heeresminister Dan Driscoll, der zu einem Besuch nach Kyiv kommen soll, der mit der militärisch-technischen Zusammenarbeit der USA und der Ukraine verbunden ist, wird zusätzlich die Mission gelegt, Zelensky über diesen Plan bei persönlichen Treffen zu informieren und Druck auf Zelensky auszuüben, damit er diesem Plan zustimmt, damit Trump nicht wie ein Dummkopf dasteht. Die Sanktionen werden dabei jedoch nicht aufgehoben.

Trump beginnt zu überlegen oder überlegt weiter, dass, wenn es einen derart „wunderbaren“ Plan gibt und er Zelensky unter Druck setzen muss, damit der ukrainische Präsident dem Plan zustimmt, während die Sanktionen gleichzeitig Putin zwingen würden, dem Dokument zuzustimmen, das Zelensky akzeptiert…

Die Situation entwickelt sich aber nicht nach diesem Szenario. Die Ukrainer schlagen gemeinsam mit den europäischen Partnern den Amerikanern Verhandlungen über diesen Plan vor. Rubio, der – wie ich bereits sagte – von diesem Plan nicht begeistert ist und den ganzen Dilettantismus und die fehlende Professionalität von Steve Witkoff und Jared Kushner sehr gut versteht, ist bereit, nach Genf zu reisen und mit der ukrainischen Delegation zu sprechen. Während dieser Gespräche erfolgt eine Korrektur des Plans.

Aber noch einmal: Hat das wenigstens irgendeine Bedeutung? Nein. Die Russen hatten von Anfang an nicht die Absicht, den Plan mit 28 Punkten zu akzeptieren, der von Uschakow verfasst und von Dmitrijew in schlechtem Englisch übersetzt wurde, und sie haben ebenso wenig die Absicht, irgendeinen anderen Friedensplan zu akzeptieren. 

Trump sieht, dass in Moskau niemand ernsthaft vorhat, dieses Dokument zu berücksichtigen und das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen, und beginnt, die Deadlines so weit nach hinten zu schieben, dass nach gewisser Zeit, selbst nach dem Besuch seiner beiden Emissäre Witkoff und Driscoll in Moskau und Kyiv, dieser Plan schlicht in Vergessenheit gerät. Wir kehren zu der Situation zurück, die in der Welt bestand, bevor dieser Plan bei Axios veröffentlicht wurde.

Welche Situation erwarten wir? Wird der Druck Trumps auf Putin wirken? Wie viel Geld wird Russland durch die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil verlieren und wie lange wird es mit den Ressourcen, die ihm trotz dieser Sanktionen zur Verfügung stehen, noch weiter Krieg führen können? Und wird Trump nicht schon bald einen neuen Sanktionsprozess entweder gegen die Russische Föderation oder gegen ihre Partner einleiten müssen, um Putin zu einem Waffenstillstand zu zwingen? Denn der einzige reale Schritt zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in irgendeiner realen Zukunft – und damit meine ich die 2020er Jahre des 21. Jahrhunderts – ist die Erschöpfung der demographischen, finanziellen und militärischen Ressourcen Russlands.

Solange der Präsident Russlands Menschen, Geld und Ressourcen hat, wird der Krieg mit all seiner offensichtlichen Grausamkeit weitergehen. Und das muss jeder verstehen, der in der Ukraine lebt. Es gab keinerlei Perspektiven für ein Kriegsende im Zusammenhang mit der Veröffentlichung dieses Plans. Das ist Mythologie, das ist Bluff. 

Aber das ist noch nicht alles. Die Russen sind ungeheuer wütend darüber, dass die amerikanische Administration auf ihr in Anführungszeichen gesetztes „Friedensangebot“ nicht reagiert hat, dass die Präsentation des Friedensplans durch Dmitrijew an Witkoff nicht zur Aufhebung der Sanktionen gegen die russischen Öl-Giganten geführt hat. Und nun wird Putin Milliarden Dollar verlieren. Nicht einmal die Veröffentlichung dieses Plans in den Medien hat Trump dazu gebracht, seine Position zu ändern. So sind die Sanktionen in Kraft getreten, trotz russischer Bemühungen, und niemand hat die Absicht, sie aufzuheben. Verstehen Sie? 

Und was tun die Russen? Genau das, was sie immer tun: Sie lassen über andere Medien die Telefonate Witkoffs mit Uschakow durchsickern. Und um den Verdacht von sich abzulenken, veröffentlichen sie zusätzlich das Gespräch Uschakows mit Dmitrijew, um tatsächlich zu zeigen, dass Witkoff ihren Plan genutzt hat, den er der amerikanischen Öffentlichkeit und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten präsentiert hat. Warum tun sie das? könnten Sie fragen. Das ist ein   sogenanntes kleines Signalchen.

Genau damit beschäftigen sich die russischen Geheimdienste bei jenen, die sie für einflussreiche Personen halten, für Lobbyisten ihrer Interessen, für Agenten, für nützliche Idioten. Wenn Sie Kontakt mit der russischen Führung aufgenommen haben – sei es mit dem FSB oder wem auch immer – und aus deren Sicht nicht die richtigen Funktionen erfüllen, auf die sie gehofft hatten, also nicht ins Büro des Präsidenten der Vereinigten Staaten gehen und ihn nicht davon überzeugen, die Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne aufzuheben, dann „deuten wir Ihnen sanft an, dass wir Ihren Ruf zerstören können. Denn Sie verstehen ja, dass Moskau genügend solcher Telefonate zur Verfügung hat, ebenso wie andere geheime Informationen, die sich auf den Ruf des engsten Umfelds des Präsidenten der Vereinigten Staaten auswirken können, möglicherweise sogar auf den Ruf Trumps selbst.“ Und das ist eine klare Erinnerung: „Verhalten Sie sich ordentlich, sonst wird es schlimmer. Beim ersten Mal haben Sie es nicht verstanden, vielleicht werden Sie es beim zweiten Mal verstehen.“ Das ist ein klarer, verständlicher Tschekisten-Erpressungsversuch gegenüber der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Und ich möchte Sie davon überzeugen, dass sich die Ereignisse jetzt genau entlang dieser Trajektorie entwickeln werden. Der Kreml wird davon ausgehen, dass er Trump erpressen und ihn unter der Drohung dazu zwingen kann, auf jegliche Handlungen zu verzichten, die den staatlichen Interessen der Russischen Föderation und den persönlichen Interessen ihres Präsidenten schaden könnten. Und Trump wird seinerseits, sobald dieser Vorwand mit dem Friedensplan verpufft ist – und das wird in den nächsten Wochen, wenn nicht Tagen geschehen –, versuchen, stärkeren Druck auf die Russische Föderation auszuüben, um Putin zu zwingen, die Erpressung und das Feuer einzustellen. Denn Trump gehört nicht zu den Menschen, die vor solcher Erpressung Angst haben, und er hat schlicht keinen Rückzugsraum.

Noch einmal: In einer Situation, in der man ihn erpresst, er aber gleichzeitig sagt: „Alles wunderbar, Putin very good. Unsere Beziehungen entwickeln sich prächtig. Der Krieg wird bald enden“, riskiert er die Nachwahlen – und bis zu diesen Nachwahlen bleibt nur ein Jahr. Das ist eine sehr kurze Periode im politischen Leben der Vereinigten Staaten. Und jetzt, faktisch, beginnen in wenigen Wochen die Weihnachtsferien, und nach dem 7. Januar 2020, nach dem Ende der christlichen Weihnachts- und Neujahrsfeiertage, wird der Wahlkampfzyklus beginnen, der, wie wir verstehen, vieles verändern kann.

Jetzt wird es natürlich interessant sein zu sehen, welche Folgen diese Telefonate haben werden. Nicht im Hinblick auf die Folgen für Witkoff. Für Witkoff, denke ich, wird es unter Trump keinerlei Konsequenzen geben. Sondern im Hinblick auf die Folgen für die Reisen, die er vorhatte. Also: Wird Witkoff in einem Umfeld nach Moskau reisen, in dem Putin unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er nicht die Absicht hat, irgendeinem Friedensplan zuzustimmen? Wird Driscoll nach Kyiv reisen, und was wird er Präsident Zelensky und anderen ukrainischen Amtsträgern sagen, wenn diese ihn fragen: „Was ist mit Moskau? Warum besprechen wir das alles überhaupt, wenn Russland zu nichts bereit ist?“

Gestern, wie Sie wissen, hat Trump die Trajektorie dieses ganzen Maskerades abrupt geändert, denn bis dahin hatte er ständig gefordert – und das war vollkommen sinnlos, wie das meiste von dem, was wir seit Januar dieses Jahres in Washington sehen –, dass Zelensky nach Washington kommen und mit ihm irgendeinen Friedensvertrag unterzeichnen solle. Als ob die Ukraine mit den Vereinigten Staaten und nicht mit Russland Krieg führen würde. Und erst danach sollte dieser Friedensvertrag Russland präsentiert werden. 

Das sprengt, wie Sie verstehen, jegliche Grenzen. So funktioniert es nicht. Ein Friedensvertrag kann nur zwischen Russland und der Ukraine geschlossen werden, nur zwischen ihnen. Die Vereinigten Staaten können als Vermittler auftreten. Präsident Trump kann zwischen dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, und dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, stehen, wenn sie irgendeine Vereinbarung unterzeichnen, selbst eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand. Der US-Kriegsminister Pete Hegseth kann zwischen den Verteidigungsministern der Ukraine und Russlands, Schmyhal und Beloussow, stehen, falls sie irgendwann einen Beschluss über einen Waffenstillstand unterzeichnen sollten. Aber es kann nicht so sein, dass Amerika etwas mit der Ukraine unterschreibt und das dann Russland präsentiert wird. Das ist irgendein Unsinn.

Und Trump hat das offenbar bereits verstanden und deshalb gesagt, dass seine Vertreter selbstverständlich sowohl mit Putin als auch mit Zelensky arbeiten müssten und dass er sich mit beiden treffen werde, wenn der Friedensplan fertig sei oder wenn er sich in der Endphase befinde. Das heißt, wenn man ihm sagt, dass alles bereits abgestimmt sei und nur noch ein oder zwei Artikel übrig seien, die man klären könne, falls sich die Präsidenten zu dritt treffen oder falls Trump sich vor der Unterzeichnung eines Waffenstillstands oder eines Friedensvertrags getrennt mit Putin und Zelensky trifft.

Das ist die typische, klassische Shuttle-Diplomatie, in der Trump selbstverständlich kein Meister ist, in der es aber Menschen wie Henry Kissinger gab, die wirklich herausragende Meister waren – deren Bemühungen jedoch in der Regel zum völligen Fiasko der Außenpolitik der Vereinigten Staaten führten. Denn wir müssen uns daran erinnern, dass Kissinger, über den man sowohl in den Vereinigten Staaten als auch außerhalb mit, sagen wir, Begeisterung spricht, sich in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten in Wahrheit durch nichts anderes als Niederlagen in Erinnerung gerufen hat. Die Beendigung des Vietnamkrieges durch ein Friedensabkommen, das Washington mit Hanoi unterzeichnete, endete mit der Besetzung des Südvietnams durch Nordvietnam. Und eine solche Art Abkommen, des Vietnam-Typs, hätte Russland übrigens auch gern.

Nur hätte Russland gern, dass es sich nicht um ein Waffenstillstandsabkommen, sondern um ein vollwertiges Friedensabkommen handelt, das die Ukraine in einen Staat ohne klar definierte Grenzen, ohne Armee und ohne Sicherheit verwandeln würde. Ich halte es für möglich, dass ein solches Abkommen für Putin in irgendeiner Zukunft interessant sein könnte, aber nicht jetzt. Solange er sieht, dass seine Truppen weiter vorstoßen und neue Ortschaften in der Ukraine einnehmen, ist er nicht einmal an einem solchen Abkommen interessiert. Und auch das muss jeder klar begreifen – Trump eingeschlossen.

Es wird also interessant sein zu sehen, inwieweit wenigstens dieses Paradigma von Trumps Handlungen sich jetzt herausbilden wird. Wird Witkoff nach der Veröffentlichung dieses Telefonats tatsächlich in die russische Hauptstadt fahren? Wird Driscoll tatsächlich in die ukrainische Hauptstadt fahren? Was werden sie hören, wenn sie dort eintreffen? Von den Führungspersonen beider Länder. Wenn Putin Witkoff klar sagt: „Diesen idiotischen Friedensplan, den ihr euch auch noch erlaubt habt, gemeinsam mit den Ukrainern zu verändern, werden wir nicht nur nicht unterschreiben, wir wollen ihn nicht einmal sehen. Und dich wollen wir bald auch nicht mehr sehen, denn statt zu ‚freundschafteln‘, tust du praktisch nichts, was zur Stärkung unserer Beziehungen beitragen würde. Wozu brauchen wir dich dann, was für ein Freund bist du dann?“ Und was wird Witkoff dann seinem Boss nach der Rückkehr nach Washington erzählen? Dass „Putin ein good boy sei und er ihn sehr respektiere“?

So ist das, Freunde, mit der Politik, wenn sich Dilettanten damit beschäftigen. So ist das, wenn Politik sich in ein riesiges Maklerbüro oder ein Kabarett verwandelt. Es gibt Krieg, es gibt Tod, es gibt Leid, es gibt die Unausweichlichkeit von Folgen, wenn Menschen glauben, dass sie über etwas abstimmen können – und das betrifft bei weitem nicht nur Trump – und dann die Geschichte zurückdrehen könnten. Nein, meine Lieben, das Hackfleisch lässt sich nicht wieder in den Fleischwolf zurückstecken. Das ist das Gesetz der Geschichte und das Gesetz der Gerechtigkeit. Und in diesem Gesetz der Gerechtigkeit leben wir jetzt alle gemeinsam in dieser Welt und werden mit unserem Leben, unserer Gesundheit und unseren Perspektiven genau nach diesem unerbittlichen historischen Gesetz zur Verantwortung gezogen. Wenn du eine bestimmte Wahlentscheidung triffst, kann man sie ebenfalls nicht zurückdrehen. Man kann nur auf einem geraden, klaren, harten Weg auf den Tod und in den Abgrund zugehen.

Und wir sehen das an dem, was rund um den russisch-ukrainischen Krieg nach den amerikanischen Wahlen geschieht. Alle dachten, es würde genau so sein wie unter Biden. Biden war nicht entschlossen. Jetzt ist der unglaublich entschlossene Trump da. Er hat acht Kriege beendet, aber den neunten beendet er schwer. So stellt sich die Situation dar.

Ich beantworte die Fragen, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Wir haben von Marco Rubio über die Unmöglichkeit weiteren Sanktionsdrucks gehört. Gleichzeitig kursiert in den Medien auch die Rede von zusätzlichen Sanktionen. Worum geht es da?

Portnikov. Rubio hat tatsächlich gesagt, dass das Sanktionspotenzial der Vereinigten Staaten gegenüber Russland nahezu ausgeschöpft sei. Aber erstens darf man solche Aussagen niemals als Absolut nehmen. Heute ist es ausgeschöpft, morgen finden wir noch irgendwelche Möglichkeiten für zusätzlichen Sanktionsdruck. Zweitens sprach Rubio, als er das sagte, von der Möglichkeit zusätzlicher Arbeit zur Kontrolle der bereits eingeführten Sanktionen. Seine Antwort bezog sich ebenfalls darauf – dass wir zwar nicht mehr besonders viel Neues einführen können, aber sorgfältig überprüfen können, was bereits verhängt wurde. Und wichtig ist, dass sich auch die Europäer darum kümmern. Das heißt, man muss jene Schlupflöcher schließen, die Russland nutzt, um die westlichen Sanktionen zu umgehen, indem es etwa Öl über Scheinfirmen verkauft, Schattenflotten einsetzt und so weiter. Das ist das, was getan werden kann. Wenn in den Medien von zusätzlichen Sanktionen die Rede ist, stützen sich viele auf jenen Gesetzentwurf, den Lindsey Graham seit mehreren Monaten im amerikanischen Senat betreibt – mal legt er ihn auf den Tisch, wenn Trump es will, dann wieder nicht. Und dieser Gesetzentwurf betrifft nicht Russland, sondern sekundäre Sanktionen gegen jene Länder, die Partner der Russischen Föderation sind, die diesem Terrorstaat helfen, sich über Wasser zu halten.

Und wir haben bereits während dieser Sendung gesagt, dass der einzige Weg zur Beendigung des Krieges die wirtschaftliche und soziale Verarmung Russlands ist. Dass Russland kein Geld für die Armee und für soziale Stabilität hat. Das ist der Zusammenbruch. Der Zusammenbruch Russlands ist die einzige Möglichkeit, den Krieg zu beenden. In diesem Gesetz wird im Prinzip festgelegt, dass diese Sanktionen von Trump selbst eingeführt werden und er über dieses Sanktionsinstrument verfügen wird. Aber auf jeden Fall eröffnet dieses Gesetz weite Möglichkeiten für die Einführung ernsthafter Sanktionen und Zölle gegen jene Länder, die mit Russland zusammenarbeiten. Und auch das ist ein Weg zu weiterem Druck auf Russland.

Frage. Wen sehen Sie als möglichen modernen Führer Europas, der dem Wahnsinn Trumps etwas entgegensetzen könnte?

Portnikov. Die Frage ist nicht die nach den Führern. Die Frage ist die nach den Ressourcen. Heute verfügt die Europäische Union nicht über jene militärisch-technischen Ressourcen, die die Vereinigten Staaten haben – bei weitem nicht. Und kein Führer kann diese Ressourcen „herzaubern“, verstehen Sie? Denn Waffen werden nicht auf Zeichenkarton gezeichnet, sie werden produziert. Und die Europäische Union wird, denke ich, bis zu einem Jahrzehnt brauchen, um ein eigenes militärisch-technisches Potenzial zu schaffen. Auch das muss man völlig klar begreifen, damit keine Illusionen bestehen.

Warum ist es so gekommen? Weil sich in allen Nachkriegsjahren die Entwicklung der zivilisierten Welt auf der Idee der euro-atlantischen Solidarität gründete, die die Vereinigten Staaten eifrig propagierten. Und selbst als die Amerikaner von den Europäern verlangten, ihre Militärbudgets zu erhöhen, war damit völlig nicht gemeint, dass ihr die Militärbudgets erhöht und euren eigenen militärisch-industriellen Komplex ausbaut, sondern dass „ihr eure Armee stärkt: Ihr erhöht eure Budgets, aber die Waffen kauft ihr bei uns, bei den Amerikanern. Und das ist eure Bezahlung für den nuklearen Schirm, den wir über euch halten, und für unsere Bereitschaft, euch zu verteidigen, falls euch beispielsweise die Sowjetunion angreift.“ Nun, und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion galt das überhaupt als unerheblich. So sind Generationen von Europäern nach dem Krieg in diesem Modell der euro-atlantischen Solidarität aufgewachsen, in dem sie dafür bezahlen, amerikanische Waffen zu kaufen, sagen wir, und in dem die Amerikaner Stützpunkte auf ihrem Territorium haben.

Dann kommt Trump und sagt: „Bitte zahlt Geld, erhöht eure Budgets, aber wir wissen gar nicht, ob wir euch verteidigen werden. Wir wissen gar nicht, wozu wir euch brauchen. Unsere Interessen liegen in einer anderen Region. Und wir sind auch nicht besonders daran interessiert, euch Waffen zu verkaufen. Wir brauchen unsere Waffen für uns selbst.“ Natürlich sind die Europäer aus allen Wolken gefallen – besonders, als sie sahen, wie Trump und sein Team während des russisch-ukrainischen Krieges zur Ukraine stehen. Sie sahen, dass die Vereinigten Staaten von Menschen ohne Werte regiert werden können, die schlicht begeistert von Putin und Kim Jong Un sind.

Wer hätte sich vorstellen können, dass an der Spitze der Vereinigten Staaten so eine erstaunliche Truppe stehen könnte, die wie aus einem Spezialheim für besondere Freunde von Diktatoren geflohen wirkt. Niemand hätte sich das noch ein paar Jahre zuvor vorstellen können. Selbst während seiner ersten Amtszeit war Trump nicht so wie jetzt. Und nun versuchen sich die Europäer eilig umzustellen, aber das ist kein Prozess von einem Tag oder einem Jahr. Wenn dieser Prozess vollzogen sein wird – falls er überhaupt vollzogen wird, falls in den europäischen Ländern nicht ultra-rechte oder ultra-linke Regierungen an die Macht kommen, die auf Verständigung mit Moskau ausgerichtet sind –, dann werden wir über einen Führer Europas sprechen können. 

Denn alle Führer Europas, wie Sie wissen, standen immer im Schatten der Vereinigten Staaten. Der einzige Mensch in all diesen Nachkriegsjahrzehnten, der versucht hat, durch institutionelle Veränderungen eine Alternative zu den Vereinigten Staaten zu werden, war Charles de Gaulle, der die französischen Nuklearwaffen aus der Unterstellung der NATO und damit der Vereinigten Staaten herausnahm und Frankreich aus der militärischen Struktur der NATO führte, was es dem Land erlaubte, seine Armee selbst einzusetzen. Viele hielten das für eine Schrulle. Auch ich hielt den alten General für jemanden, der nicht mit der Zeit geht – und es stellte sich heraus, dass de Gaulle recht hatte.

Frage. Also ergibt sich, dass die Welt bereit ist, den Krieg zu beenden, indem sie den Aggressor für seine Verbrechen belohnt. So etwas gab es schon 1945, als man das Monster namens UdSSR in den Club der Sieger aufnahm.

Portnikov. Sie sagen merkwürdige Dinge. Ohne die Sowjetunion hätte es keinen Sieg im Zweiten Weltkrieg gegeben. Die Sowjetunion war und bleibt jene Kraft, dank der es den Demokratien gelang, sich gegen Hitler zu behaupten. Deshalb hat niemand die Sowjetunion in den Club der Sieger aufgenommen. Die Sowjetunion war der Sieger. Unsere Großväter und Urgroßväter starben an den Fronten des Zweiten Weltkriegs Seite an Seite mit Amerikanern und Briten – nur in weitaus größerer Zahl –, um den Nazismus zu besiegen. Deshalb nimmt die Sowjetunion ihren rechtmäßigen Platz im Club der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ein, denn er ist mit unserem Blut bezahlt, mit Millionen Leben, darunter ukrainischer und anderer Menschen, die auf dem Gebiet der Ukraine lebten. Deswegen sagen Sie meiner Meinung nach einen völlig erstaunlichen Satz. Man darf, wenn die Ukraine heute Krieg mit Russland führt, nicht die Geschichte umschreiben. Man muss verstehen, dass die Alliierten völlig gelassen zusahen, wie Stalin die Hitlertruppen mit Leichen sowjetischer Soldaten überschüttete, weil sie das Leben der eigenen Soldaten retten wollten. Das ist die Realität.

Wir hatten als Welt Glück, dass Hitler seine Zeit als Verbündeter Stalins nur kurz war und er dann die Offensive gegen die Sowjetunion eröffnete. Hätte er diesen Fehler nicht gemacht, wäre natürlich alles völlig anders gekommen. Die Demokratien der Welt wären höchstwahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg untergegangen. Vielleicht wären die Vereinigten Staaten geblieben, aber ich glaube nicht, dass sie ein großer demokratischer Staat geblieben wären. Ehrlich gesagt denke ich, dass dort der Trumpismus in den 1940er Jahren ausgebrochen wäre und nicht in unserem Jahrtausend.

Also erstens: Die Welt ist nicht bereit, den Krieg zu beenden, denn der Präsident der Russischen Föderation hat keinerlei Absicht, den Krieg zu beenden. Die Belohnung für den Aggressor wären nicht ein paar ukrainische Regionen, sondern unser gesamter Staat, der von der politischen Landkarte der Welt verschwinden würde. Auf nichts anderes lässt Putin sich ein. Und niemand hat die Absicht, ihn damit zu belohnen. Und was die von Russland besetzten ukrainischen Gebiete betrifft, die unter russischer Kontrolle bleiben könnten – entschuldigen Sie –, das, was die Ukraine nicht mit Gewalt befreien kann, wird unter russischer Kontrolle bleiben. Da darf man sich keinerlei Illusionen machen. Wenn wir nicht die Kraft haben, unser eigenes Territorium zu befreien, während Russland die Kraft besitzt, dieses Territorium zu besetzen, dann wird dieses Territorium unter russischer Kontrolle bleiben. Denn es gibt keinen Staat, der bereit wäre, mit der größten Atommacht der Gegenwart Krieg zu führen, ohne das Risiko nuklearer Schläge auf sein eigenes Territorium, mit dem Tod von Dutzenden Millionen Menschen, einzugehen. Solche Staaten gibt es nicht. Und die Ukraine gehört, was besonders interessant ist, nicht zu diesen Staaten. Das ist also ein Stellungskrieg.

Deshalb müssen wir in der realen Welt leben. In der realen Welt müssen wir die Staatlichkeit bewahren. Die Frage der Bewahrung der ukrainischen Staatlichkeit ist eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Infolge des Krieges mit Russland kann der ukrainische Staat verschwinden, und das ukrainische Volk kann von seinem Territorium vertrieben werden. Das kann das reale Ergebnis dieses Krieges in den nächsten Jahren sein. Und die Verwandlung der Ukraine in eine Wüste, die zum Leben ungeeignet ist, kann ebenfalls ein Ergebnis sein. Man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Das ist es, was wir aufhalten müssen. Nicht die Frage der Besetzung eines Teils des ukrainischen Territoriums – das ist schon vorbei.

Jetzt stellt sich eine andere Frage. Werden die Ukrainer als Volk überhaupt weiterexistieren? Sind wir die letzten, die die Ukrainer auf ukrainischem Boden sehen? Das ist Frage Nummer eins. Nicht einmal die Frage der Staatlichkeit, sondern die Frage des bloßen Ukrainischseins. Deshalb geht es nicht darum, wer wen belohnt. Es geht darum, zu welchen Bedingungen dieser Krieg irgendwann enden wird. Derzeit gibt es objektiv nicht einmal ansatzweise Bedingungen für ein Kriegsende. Und welche Garantien wird es geben? Garantien gegen einen erneuten Angriff Russlands auf die Ukraine in Zukunft. Bis jetzt sehe ich solche Garantien nicht.

Wir hoffen, dass wir früher oder später zu Garantien in Form der NATO zurückkehren. Und das wichtigste ist, dass die Amerikaner bereit sein werden, die europäischen NATO-Mitglieder zu verteidigen. Denn auch hier gibt es derzeit keine klare Antwort. Es kann passieren, dass Russland den östlichen Flügel der NATO angreift, und die Amerikaner sagen: Man müsse mit den Russen reden, sie würden kein Risiko eines strategischen Atomkriegs eingehen wegen irgendeiner Estland oder Finnland. Auch das ist möglich – wir sind jetzt in einer solchen Periode.

Frage. Wird die G7-Gruppe, abgesehen von den USA, überhaupt bereit sein, Russland aufzunehmen? Wie werden sie die blutige Hand schütteln?

Portnikov. Derzeit gibt es in der G7-Gruppe, außer Trump, keinen einzigen Führer, der Putin aufnehmen möchte. Ich halte diese Idee überhaupt für eine reine Trump-Idee, mit der er Putin kaufen wollte, weil Trump aus irgendeinem Grund glaubt, dass Putin in die G8 zurückkehren müsse. Putin braucht das überhaupt nicht. Putin hat sich endgültig auf China ausgerichtet und braucht die G7 überhaupt nicht.

Außerdem ist die G7 eine Gruppe von Führern demokratischer Volkswirtschaften. Sie ist nicht in erster Linie eine Gruppe nach Wirtschaftsumfang. Es sind große Volkswirtschaften, in denen ein demokratisches System herrscht. Deshalb ist China, das wirtschaftlich mit Sicherheit erfolgreicher ist als Russland, nicht in der G7. China müsste dort sein. Indien, das sich weit dynamischer entwickelt als Russland, ist ebenfalls nicht dabei, weil es nicht als gefestigte Demokratie wahrgenommen wird. Wenn Sie so wollen, ist die G7 der demokratische Westen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubten in den 1990er Jahren viele, Russland werde Teil des demokratischen Westens. Das ist nicht eingetreten, und Russland wird niemals Mitglied der G8 sein. Niemals. Denn Russland kehrt in seinen „Heimathafen“ Asien zurück.

Frage. Könnte sich die Ukraine hypothetisch an China wenden, um Hilfe bei der Beendigung des Krieges zu erhalten?

Portnikov. Hypothetisch könnte sie das, aber China ist daran interessiert, dass der Krieg weitergeht oder mit einem Erfolg Russlands endet. Einen Erfolg Russlands kann China einfach anders sehen als Russland. Russland versteht Erfolg als vollständige Eliminierung des ukrainischen Staates von der politischen Weltkarte und Vertreibung der illoyalen Bevölkerung, vielleicht sogar ihre Vernichtung – ich weiß es nicht. Wir werden sehen, wenn es dazu kommt, doch ich hoffe, dass keiner von uns das erlebt und diesen Horror zu sehen bekommt, sondern etwas anderes erleben wird. China ist hingegen bereit, sich damit abzufinden, dass die Ukraine auf irgendeinem Territorium verbleibt, das Russland übriglässt – als eine Art großes Belarus, vielleicht sogar von der Größe von Belarus – und China wird Garant ihrer staatlichen Existenz sein. Aber eine Ukraine, die in die Europäische Union strebt, die Teil Europas sein will, die demokratisch sein will und so weiter, die braucht China hundertmal nicht. Man kann sich also an China wenden – aber wozu?

Frage. Warum sagen Trump und Witkoff, Russland brauche Donezk? Verstehen sie wirklich nicht die Ziele der Russen, oder stellen sie sich nur dumm?

Portnikov. Erstens verstehen sie die Ziele der Russen tatsächlich nicht. Sie sind nicht besonders kluge und nicht besonders kompetente Leute. Zweitens betont Putin die ganze Zeit, dass Voraussetzung für Verhandlungen über einen Waffenstillstand der Abzug der ukrainischen Streitkräfte vom Territorium der sogenannten in Anführungszeichen „Donezker Volksrepublik“ sein müsse. Wie Sie sich erinnern, wurde das Gebiet Donezk der Ukraine unter dieser sonderbaren Bezeichnung in die Russische Föderation aufgenommen. Und darauf stützen sie sich. Wobei – was ist das überhaupt für ein Friedensabkommen, wenn die ukrainischen Streitkräfte das Gebiet der Region Donezk der Ukraine, ihres verfassungsmäßigen Territoriums, verlassen, während Russland die Gebiete in den Regionen Saporischschja und Cherson trotzdem nicht als ukrainisch anerkennt, sondern sagt, der Konflikt werde dort einfach eingefroren. Also: „Bis jetzt können wir dort noch keine vollständige Kontrolle ausüben. Nun, wir werden versuchen, sie politisch zu erlangen.“ Ich verstehe das nicht. Aber dass Witkoff, Trump und Kushner nichts verstehen, das kann ich Ihnen beschwören. Sehen Sie denn nicht selbst, dass sie nichts verstehen? Warum sollten sie überhaupt etwas verstehen? Haben sie in ihrem Leben ein Buch gelesen, vielleicht zwei?

Frage. Glauben Sie, dass Putin, wenn er irgendwann den Krieg beenden will, sich überhaupt an Trump wenden wird, damit der an einem realen Friedensprozess teilnimmt? Oder wird er ihm ein solches Geschenk nicht machen?

Portnikov. Prinzipiell braucht Putin Trump nicht. Aber wenn er glaubt, dass Trumps Teilnahme am Friedensprozess ihm wirtschaftliche Dividenden einbringen wird – letztlich die schnellere Aufhebung der Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, damit Trump mit den Europäern spricht –, dann kann er sich an Trump wenden. Ich sage es noch einmal: Wenn Putin den Krieg beenden will, braucht er Trump im Prinzip nicht, aber Trump ist derjenige, der die Sanktionen aufheben kann. Und vielleicht könnte Trumps Teilnahme am Friedensprozess die Bezahlung für die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation werden.

Frage. Sagen Sie bitte, hätte es diesen Krieg mit Russland in jedem Fall gegeben, selbst wenn jemand anderes und nicht Putin Präsident geworden wäre?

Portnikov. Wenn der Tschekisten-Clan nicht seine vollständige Macht in der Russischen Föderation etabliert hätte, hätte es keinen Krieg gegeben. Das Problem ist nicht die Person Putin, sondern dass sich im Jahr 2000 ideale Bedingungen dafür herausgebildet hatten, dass der Föderale Sicherheitsdienst der Russischen Föderation – der zuvor das Komitee für Staatssicherheit der Sowjetunion gewesen war – die Macht in Russland zurückerobern konnte. Das muss man klar verstehen. 

Und ich möchte Sie daran erinnern, dass die Tschekisten natürlich auch unter Jelzin recht zahlreich in der russischen Macht vertreten waren, aber sie haben nicht die endgültigen Entscheidungen getroffen. Der erste und der zweite Tschetschenienkrieg, die in vielerlei Hinsicht mit Unterstützung, Anstachelung und Verstärkung durch tschekistische Beteiligung und tschekistische Agenten in der Macht geführt wurden, halfen dem KGB, das nun FSB hieß, seine Positionen wiederzuerlangen.

Erinnern Sie sich daran, dass im Jahr 1999, als bereits über die Nachfolge und darüber gesprochen wurde, wer der nächste Präsident Russlands nach Jelzin sein würde, in Wirklichkeit nur wenige Kandidaten als real galten. Neben Putin waren das der ehemalige Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation Jewgenij Primakow und der ehemalige Direktor des Föderalen Dienstes für Gegenaufklärung der Russischen Föderation Sergej Stepaschin, der vor Putin Premierminister Russlands war. Das waren die realen Anwärter auf das Präsidentenamt. 

Putin erschien der Jelzin-Familie einfach loyaler gegenüber ihr selbst als andere Tschekisten. Aber wäre die Jelzin-Familie bei der Absicherung ihrer eigenen Sicherheitsgarantien unterlegen, wäre trotzdem ein anderer Tschekist Präsident Russlands geworden – und dann hätte es auf jeden Fall Krieg gegeben.

Wer hätte gewinnen müssen, damit ein militärisches Eingreifen ausgeschlossen gewesen wäre? Der EnergiekClan hätte gewinnen müssen – jener damals sehr einflussreiche Kreis von Leuten, die das Energieministerium der Sowjetunion in Gazprom verwandelt hatten und dessen Vertreter in der Macht Viktor Tschernomyrdin war. 

Im Jahr 1998, so scheint es, führten die Tschekisten faktisch einen Putsch durch, indem sie Jelzin mit Hilfe von Mitgliedern seiner Familie von der Notwendigkeit überzeugten, Tschernomyrdin zu entlassen, der als der realste Nachfolger Jelzins im Präsidentenamt galt, und zwar von dessen Posten als Premierminister – und statt seiner den jungen und unbekannten Sergej Kirijenko zu ernennen, der heute Erster Stellvertretender Leiter der Präsidialadministration Russlands ist, vielleicht der einflussreichste Mann in Putins Administration, der damals die Rolle eines Liberalen spielte, in Wirklichkeit aber ein gewöhnlicher Agent der Tschekisten war. Seine wichtigste Handlung als Premierminister war, wie heute klar ist, nicht die Ausrufung des Default, sondern die Ernennung Wladimir Putins zum Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation.

Das heißt, gerade Kirijenko begann auf Anregung der Tschekisten, dieses Nachfolgemodell umzusetzen. Wäre der tschekistische Putsch von 1998 nicht gelungen, wäre die Situation anders verlaufen. Präsident Russlands wäre Viktor Tschernomyrdin geworden. Es hätte keinen Krieg gegeben. Es hätte wirtschaftlichen Druck auf die Ukraine gegeben. Es hätte keine Spezialoperation gegen Leonid Kutschma gegeben. Leonid Kutschma hätte seine Amtszeit als Präsident der Ukraine in Ruhe beendet und die Macht nicht an Wiktor Janukowitsch übergeben, denn das wäre damals für niemanden nötig gewesen – und es hätte keinen Medwedtschuk gegeben, keinen tschekistischen Agenten an der Macht, der nach Beziehungen zu den Donezker Kreisen gesucht hätte. Vieles wäre nicht passiert.

Kutschma wäre in den Sessel des Premierministers der Ukraine gewechselt, und Präsident der Ukraine wäre entweder Serhij Tihipko oder Wiktor Juschtschenko geworden – aber ohne Konflikt mit Leonid Kutschma. Ungefähr so hätte sich der Zeitraum der 2000er Jahre entwickelt. 

Viktor Tschernomyrdin hätte zwei Amtszeiten als Präsident Russlands absolviert, nach seinem Tod wäre das oligarchisch-kompradorische System mit guten Beziehungen zum Westen vollständig etabliert gewesen. Und der Nachfolger Tschernomyrdins wäre eine andere Person aus dem Energie- und Wirtschaftssektor geworden, unterstützt von den Oligarchen. Russland hätte entsprechend ausgesehen. Die Ukraine hätte ungefähr so ausgesehen, wie heute etwa Kasachstan aussieht – nicht so wie Belarus. Das ist alles, was gewesen wäre.

Aber die Geschichte hat sich unglaublich beschleunigt, weil das Ziel der Tschekisten nicht das Zusammenleben mit den ehemaligen Kolonien Russlands und nicht der wirtschaftliche und wirtschaftliche Einfluss auf sie war, sondern die Wiederherstellung der Grenzen der Sowjetunion und die Verwandlung dieser Grenzen in die Grenzen der Russischen Föderation. Das ist völliger Unsinn. Aber an die Macht in Russland kamen solche Leute. Und gerade das An-die-Macht-Kommen ihres Clans in Russland machte den Krieg unvermeidlich – nicht die Tatsache, dass jeder Präsident Russlands nach Jelzin den russisch-ukrainischen Krieg begonnen hätte. Nein, Russland trat im Jahr 2000 auf einen schnellen Weg der Verwandlung in eine tschekistische Diktatur.

Hören Sie: Wenn die Geheimpolizei an der Macht ist – und das ist fast der erste Fall in der Geschichte –, nun ja, es gab eine gewisse Zeit, als die Geheimpolizei in Russland einen unglaublichen Einfluss hatte – zur Zeit Iwan des Schrecklichen, als es Maljuta Skuratow gab, oder zur Zeit Stalins, als es Jeschow und Berija gab –, aber selbst dann hatte sie kein Allmachtsmonopol. Das ist der erste Fall, in dem derjenige, der eigentlich schützen soll, herrscht – da können Sie mit allen möglichen Ergebnissen rechnen. Und deshalb glaube ich weiterhin, dass, da die Welt in Russland von solchen bedingungslosen, grausamen Saboteuren und Terroristen regiert wird, die die Schulen von Saboteuren und Terroristen durchlaufen haben, die Möglichkeit nicht nur eines russisch-ukrainischen Krieges, sondern auch eines Dritten Weltkriegs sehr groß ist. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie groß und wie skrupellos diese Leute sind.

Hören Sie: Die Tscheka hat im Laufe der stalinschen Repressionen etwa 20–30 Millionen Menschen in der Sowjetunion vernichtet. Und sie sind bis heute stolz darauf. Was macht es da für diese Leute aus, irgendwo eine „armselige“ Atombombe abzuwerfen, damit noch ein paar Millionen Menschen sterben? Sie zählen die Opfer überhaupt nicht. Das ist einfach eine solche Corporation. Deshalb liegt das Problem nicht in der Person Putin, sondern in der Frage, ob es gelingen wird, den tschekistischen Regime so zu zerstören, wie einst das kommunistische Regime zerstört wurde. Das wird wesentlich schwerer sein, denn es handelt sich um ein Regime von Leuten, die Marktinstrumente benutzen und sich nicht scheuen, ihre Gegner überall dort zu kompromittieren und zu töten, wo sie dies können.

Die Aufgabe, die vor der Menschheit angesichts des Auftauchens des tschekistischen Regimes in Russland im Hinblick auf ihr Überleben steht, ist also sehr groß. Und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, dass die Menschheit mit dieser Aufgabe fertig wird – wenn wir ganz ernsthaft sprechen. Aber wir wollen hoffen. Denn Optimismus ist unser wichtigster Verbündeter.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія відмовляється від «плану Трампа» | Віталій Портников. 26.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 26.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Womit Zelensky zu Trump fliegt | Vitaly Portnikov. 25.11.2025.

Wir sprechen in diesen angespannten Tagen weiter darüber, was rund um den sogenannten Trump-Plan geschieht. Wie weit er sich überhaupt umsetzen lässt, wie sehr wir heute mit einer Entwicklung der Ereignisse rechnen können, die zu einer Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges führen könnte. Und das ist, wie Sie verstehen, ein ziemlich wichtiges Thema unseres täglichen Dialogs. In diesen Tagen versuchen wir alles Mögliche zu tun, um uns in dieser schwierigen Situation zurechtzufinden, die sich rund um diese Vergangenheit entwickelt hat.

Also: Genau heute Abend haben sowohl der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, als auch der Leiter seines Präsidialamtes, Andrij Jermak, der bekanntlich die ukrainische Delegation bei den Verhandlungen mit den Amerikanern anführte, beide gesagt, dass der Präsident der Ukraine bereit ist, in die Vereinigten Staaten zu fliegen und mit Präsident Donald Trump zu sprechen. Dabei sagt Andrij Jermak, Zelensky könne dies bereits in den nächsten Tagen tun, und Volodymyr Zelensky präzisiert, dass er bereit sei, mit Donald Trump heikle Fragen zu besprechen, die mit dem zusammenhängen, was die Delegationen der Vereinigten Staaten und der Ukraine in Genf nicht untereinander abgestimmt haben – die Delegationen, die vom Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, und vom Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, angeführt wurden.

Wie bekannt, ging es um die Frage der Territorien. Wir verstehen, worum es geht, was nicht geregelt ist: dass Donald Trump und seine Berater der Ansicht sind, die Ukraine müsse das gesamte Territorium des Gebietes Donezk räumen, das derzeit von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird. Und Donald Trump ist außerdem der Meinung, der Konflikt müsse entlang der Kontaktlinie in den Gebieten Saporischschja und Cherson eingefroren werden. Die ukrainische Seite ist hingegen der Auffassung, dass die Kontaktlinie entlang der gesamten Linie verlaufen soll, an der die russischen und ukrainischen Truppen heute aufeinandertreffen, und zwar ohne Abzug ukrainischer Truppen von irgendeinem Abschnitt.

Kurz gesagt: Trump ist der Meinung, wir müssten die Truppen aus dem Donbass abziehen. Zelensky ist nicht dieser Meinung. Und Zelensky möchte, dass diese Frage gemeinsam mit den europäischen Partnern diskutiert wird, die mittlerweile – sozusagen – gelernt haben, in Washington seine Unterstützergruppe zu sein, wenn es um solche schwierigen Fragen geht, weil sie daran natürlich auch selbst interessiert sind.

Aber es gibt hier einen Punkt. Bedeutet das, dass Zelensky in den nächsten Tagen tatsächlich in Washington auftauchen und sich mit Trump treffen wird? Trump wird sich in den nächsten Tagen nicht in Washington aufhalten. Der Präsident der Vereinigten Staaten plant, den Feiertag im Mar-a-Lago, seiner Residenz im Bundesstaat Florida, zu verbringen.

Zelensky kann natürlich auch dorthin kommen, aber es liegt absolut auf der Hand, dass unter diesen Umständen ein solches Treffen kaum schnell stattfinden wird, denn Donald Trump braucht weniger ein Gespräch mit Volodymyr Zelensky über irgendwelche nicht geregelten Fragen, als vielmehr die Unterzeichnung seines sogenannten Friedensplans mit Volodymyr Zelensky, damit es ein amerikanisch-ukrainisches Abkommen wird.

Auf jeden Fall können die Konsultationen zwischen der amerikanischen und der ukrainischen Seite darüber weitergehen. Die ukrainische Seite versucht einfach, dem Weißen Haus ihre Konstruktivität zu demonstrieren. Und übrigens tut Andrij Jermak das über dasselbe Medium Axios und über dieselben Journalisten von Axios, die an dem Leak des 28-Punkte-Friedensplans von Trump beteiligt waren – jenes sogenannten Friedensplans, der nach Ansicht vieler von Steve Witkoff und Jared Kushner unter Diktat des russischen Sonderbeauftragten Kirill Dmitrijew geschrieben wurde oder zumindest unter dem Einfluss dieses russischen Beamten, der von Putin in die Vereinigten Staaten geschickt worden war, um die Einführung umfassender Sanktionen gegen die russischen Ölriesen Rosneft und Lukoil zu verhindern.

Das heißt, die Ukraine versucht in diesem Farce, der sich um den faktisch nicht existierenden Friedensplan Trumps abspielt, mit der Russischen Föderation ein Informationsspiel auf dem russischen Informationsfeld zu spielen und sie dort zu übertrumpfen. Niemand kann bestreiten, dass die Ukraine Frieden will. Präsident Zelensky ist bereit, sich mit Trump zu treffen. Er ist bereit, mit ihm heikle Fragen zu besprechen und ist bereit, dies in den nächsten Tagen zu tun. Und Zelensky ist bereit, gemeinsam mit europäischen Partnern zu kommen, weil alle sehr wollen, dass der Trump-Plan umgesetzt wird – zumindest in der Form, in der es den Delegationen gelungen ist, den Großteil der Punkte dieses Plans bei dem Treffen in Genf zu vereinbaren.

Lassen Sie uns nun eine Analyse der möglichen Entwicklung der Ereignisse vornehmen, um zu verstehen, dass wir es nicht mit einem Friedensplan, sondern mit einem Friedens-Farce zu tun haben. Stellen wir uns die Situation vor, dass Zelensky zu Trump kommt. Der Friedensplan, der zwischen den Delegationen von Rubio und Jermak abgestimmt wurde, wird um den Punkt ergänzt, dass die Truppen entlang der Kontaktlinie getrennt werden müssen. Zelensky überzeugt Trump davon. Die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine setzen ihre Unterschriften unter diesen Plan, unter dieses amerikanisch-ukrainische Abkommen. 

Und dann muss man diesen Plan den Russen präsentieren. Und der Kreml sagt: „Entschuldigen Sie, aber dieses Dokument widerspricht dem Geist von Alaska, dem Geist von Anchorage.“ Wie übrigens auch der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, gesagt hat: „Wir werden dem nicht zustimmen, weil es dem Geist von Anchorage widerspricht.“

Stellen wir uns nun eine andere Variante vor, an der Russland stärker interessiert ist. Trump überzeugt Zelensky, setzt ihn unter Druck, droht mit vollständiger Einstellung der militärischen Hilfe, mit vollständiger Einstellung der finanziellen Hilfe. Und Zelensky stimmt dem Abzug der ukrainischen Truppen von den Gebieten des Donezker Oblasts zu, die sich heute unter Kontrolle der legitimen ukrainischen Staatsmacht befinden. Und sie unterzeichnen dieses Dokument in dieser Form. 

Und die Russen müssen es unterzeichnen. Was sagen die Russen? Sie haben es erraten: „Wir werden dieses Dokument nicht unterzeichnen, weil es dem Geist von Anchorage widerspricht. In ihm fehlt dieses, dieses und jenes. Denn bei dem Treffen der amerikanischen und ukrainischen Delegationen in Genf wurden unter dem Druck der Ukraine und ihrer europäischen Partner, die Krieg und keinen Frieden wollen, aus dem Plan für Russland wichtige Punkte gestrichen, die Russland keine Sicherheit garantieren.“

Das heißt, in jeder denkbaren Entwicklung der Ereignisse – und ich möchte, dass Sie das verstehen – gibt es keinerlei Gründe anzunehmen, dass Russland irgendein Projekt eines amerikanisch-ukrainischen Friedensplans unterzeichnen wird, denn das ist ein Farce und kein Plan. Russland hat nicht die Absicht, an irgendwelchen Unterzeichnungen teilzunehmen. Der Präsident der Russischen Föderation ist auf die Fortsetzung eines jahrelangen Krieges eingestellt. Einen Friedensplan Trumps, der auf diese Art umgesetzt werden könnte, hat es nicht gegeben, gibt es nicht und wird es nicht geben.

Was hat es gegeben? Es gab einen Vorschlag von Kirill Dmitrijew, der darauf abzielte, die Einführung von Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil zu verhindern. Wie ich schon mehrfach erklärt habe, versuchte Dmitrijew, diesen Vorschlag in Form eines Entwurfs eines Friedensplans umzusetzen, den er Witkoff präsentierte. Und Witkoff seinerseits legte ihn Jared Kushner, dem Schwiegersohn Trumps, vor. Dmitrijew hoffte, dass Witkoff und Kushner Trump davon überzeugen würden, keine Sanktionen gegen Russland zu verhängen, zumindest so lange nicht, bis dieser Friedensplan geprüft worden sei, der als ein weiterer Beweis für den Friedenswillen Russlands erscheinen sollte.

Aber Trump ist nicht darauf eingegangen. Der Friedensplan gefiel ihm, aber die Sanktionen aufzuheben, hat er nicht begonnen. Damit hat sich Putin lächerlich gemacht, der seinen Ostap Bender nach Washington geschickt hatte (Ostap Bender – literarische Figur, ein listiger Hochstapler aus sowjetischen Romanen, Symbol für Betrug und Manipulation), um die inkompetenten Amerikaner davon zu überzeugen, dass er ein großer Friedensfreund sei. Und Trump hat sich lächerlich gemacht, der beschlossen hat, für einen Friedensplan geradezustehen, der von den Russen niemals akzeptiert werden wird.

Und deshalb betreibt Trump genau dieselbe, ich würde sagen, diplomatische Schaunummer, mit der wir uns jahrelang auch selbst beschäftigt haben, als wir internationale Konferenzen einberiefen, die Beschlüsse fassten – einschließlich des Friedensforums in der Schweiz –, die keinerlei Bezug zur Beendigung des Krieges hatten, weil Russland nicht die Absicht hatte, an diesen Konferenzen teilzunehmen.

Weiter. In der Verwaltung des Präsidenten der Vereinigten Staaten gibt es, wie das immer der Fall ist in Büros, in denen alle darauf ausgerichtet sind, die Launen eines einzigen Menschen zu bedienen, einen Wettstreit darum, wer Trump in dieser Situation am besten bedienen kann. Die einen denken dabei an irgendwelche amerikanischen Interessen, die anderen an ihre eigenen politischen und Geschäftsinteressen. 

Witkoff und Kushner dachten bei der Ausarbeitung dieses Plans offensichtlich daran, dass sie, falls dieser Plan angenommen würde – wir müssen uns wieder sagen, dass es sich um Leute handelt, die weit weg von der Politik sind, die einfach nicht besonders verstehen, womit sie es zu tun haben – schlicht entschieden haben, dass sie damit etwas Geld und die Liebe Trumps verdienen können. Geld von russischen Vermögenswerten. Und die Liebe Trumps dadurch, dass Trump zum großen Friedensstifter wird und am Ende diesen ersehnten Friedensnobelpreis erhält.

Rubio versucht einerseits, die Situation in die Realität zurückzuholen. Andererseits will er das so tun, dass er nicht Trumps Zorn auf sich zieht. 

J. D. Vance versucht zu zeigen, dass er aus Sicht der Lösung solcher Probleme wesentlich effektiver ist als Witkoff, Rubio oder Kushner. Und so versucht er, selbst zum Kurator dieses Prozesses zu werden, und ist der Ansicht, dass die beste Möglichkeit für ihn darin besteht, Druck auf die Ukrainer auszuüben, damit sie die Bedingungen annehmen, die Trump stellt, damit niemand daran zweifelt, dass man Trump nicht widersprechen darf.

Deshalb hat Vance sich in diese Angelegenheit eingemischt und, wie Sie wissen, den Armee-Minister der Vereinigten Staaten, Dan Driscoll, nach Kyiv geschickt. 

Jermak sagt gegenüber Axios, er habe Driscoll erst kennengelernt, aber er habe das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. Das ist eine erstaunliche Sache. Das heißt, es beginnt ein Mensch sich mit dem russisch-ukrainischen Prozess zu befassen, der von all dem nicht die geringste Ahnung hatte und plötzlich die Möglichkeit erhält, zur zentralen Figur zu werden.

Und das ist übrigens noch nicht das Ende, denn Driscoll, der sich noch nie damit befasst hat, der die Spezifik der Frage nicht kennt, trifft sich jetzt mit irgendwelchen russischen Vertretern in Abu Dhabi. Niemand weiß, wer das ist. Das können die nächsten Hochstapler sein, die Putin in die Vereinigten Arabischen Emirate geschickt hat, um dem gutgläubigen Driscoll die Augen zu vernebeln. Und dort befindet sich außerdem eine ukrainische Delegation unter Leitung von General Budanow, die den Armee-Minister der Vereinigten Staaten vielleicht von irgendwelcher Inkompetenz abhalten kann – oder auch nicht. Es ist unbekannt, wie er seine Kontakte mit der ukrainischen Delegation bewerten wird.

Eine weitere Person, die sich in diese Situation eingeklinkt hat, ist der Finanzminister der Vereinigten Staaten, Scott Bessent, der gesagt hat, der Präsident der Vereinigten Staaten habe mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, vereinbart, dass sie gemeinsam für die Erreichung des Friedens in der Ukraine arbeiten würden. Das entspricht ebenfalls nicht der Wirklichkeit. Der Vorsitzende der Volksrepublik China hat dem Präsidenten der Vereinigten Staaten klar gesagt – und es gibt eine offizielle Mitteilung darüber –, dass er hofft, dass so bald wie möglich Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine stattfinden und dass der Konflikt beendet wird, weil die Ursachen, die zu ihm geführt haben, beseitigt würden. Was, wie Sie verstehen, nichts anderes ist als die wörtliche Wiederholung der Position des Präsidenten der Russischen Föderation durch den Vorsitzenden der Volksrepublik China.

Bemerkenswert ist, dass chinesische offizielle Quellen das im Grunde gar nicht besonders erwähnen. Sie konzentrieren sich vor allem darauf, dass Xi Jinping Trump klar gesagt hat, dass es ohne Taiwan nichts geben wird und dass es keine neue Weltordnung geben wird, solange die Volksrepublik China nicht die Kontrolle über die Insel Taiwan erlangt hat, auf der seit dem Zweiten Weltkrieg die demokratische Regierung der Republik China sitzt, die nach der Niederlage der Kuomintang-Partei im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten vom chinesischen Festland vertrieben wurde. Trump wurde klar gemacht, dass, wenn die Vereinigten Staaten nicht von ihrer Unterstützung für Taiwan abrücken, China keine Normalisierung seiner Beziehungen zu den Vereinigten Staaten betreiben wird und ernsthafte Druckmittel gegen die Vereinigten Staaten einsetzen kann, die die Republikaner den Sieg bei den Nachwahlgängen kosten könnten – zum Beispiel, indem es die wirtschaftliche Waffenruhe aufkündigt und aufhört, amerikanische Sojabohnen zu kaufen. Und damit würde die ganze Basis der Unterstützung für Trump und die Republikaner direkt vor unseren Augen zusammenbrechen, weil die Farmer mit ihrer Soja auf die Straße gehen würden.

Warum sagt Bessent das dann? Weil Bessent ein völlig anderes Verständnis von Wirtschaft und Finanzen hat. Er ist ein Mensch, der der Ansicht ist, dass man hart handeln muss, dass man keine besonderen Beziehungen zu autoritären Ländern aufbauen sollte, sondern ihnen einen Wirtschaftskrieg erklären, sie vom Markt verdrängen und ihnen Verluste zufügen muss. Er hat lange auf seine Chance gewartet, um einen Wirtschaftskrieg gegen die Russische Föderation zu beginnen.

Und man muss verstehen, dass für Bessent nicht einmal die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges besonders wichtig ist. Er versucht einfach, den russisch-ukrainischen Krieg für das wirtschaftliche Begräbnis Russlands zu nutzen. Ein solcher Mensch würde die russische Wirtschaft auch ohne jeden Krieg zerstören, aber jetzt hat er die Möglichkeit dazu.

Und Sie haben gesehen, dass Bessent mit Freude an den Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil gearbeitet hat. Ich denke, dass er in den nächsten Monaten, wenn dieser Krieg nicht abflaut, neue Sanktionen vorbereiten wird, die die Russische Föderation und ihre Wirtschaft in den Sarg legen sollen. Er hat Putins Hauptfavoriten Timtschenko, man kann sagen, dessen Hauptgeldbörse nach Abramowitsch, beim Kauf von Aktien der Firma Lukoil in den Vereinigten Staaten abblitzen lassen – gemeint ist die Firma Gunvor, die Timtschenko gehört. Er sprach verächtlich über Ostap Bender, über die russische politische Führung, über Kirill Dmitrijew, und lachte über dessen Kommentar.

Und jetzt will Scott Bessent ganz dieselbe Geschichte mit chinesischen Firmen wiederholen, weil es ihm, wie ich denke, vollkommen egal ist, was aus den Ergebnissen der Nachwahlgänge wird. Er braucht jetzt, dass diejenigen chinesischen Unternehmen bankrottgehen, die eine Bedrohung für die amerikanische Wirtschaft darstellen. Er will einen wirtschaftlichen Schlag gegen China mit Hilfe von Sanktionen, nicht mit Zöllen. Aber dafür muss er Trump beweisen, dass Xi Jinping nicht das tut, was Trump will.

Das heißt, wir sehen, dass Trump wie ein kleines Kind für fremde Interessen genutzt wird. Zelensky will ihm seine Konstruktivität beweisen und ihm die Idee gemeinsamer Verhandlungen mit den Europäern einpflanzen, was Trump offensichtlich nicht besonders will. Jermak demonstriert Trump, dass der Präsident der Ukraine schon buchstäblich morgen bereit ist, nach Mar-a-Lago zu fliegen und mit der Familie Trump Feiertage zu feiern. Vance will Trump beweisen, dass er für ihn unersetzlich ist, damit Trump ihn als seinen Nachfolger ausruft. Witkoff und Kushner zeigen ihm verschiedene Zettelchen, um zu demonstrieren, dass sie den Friedensnobelpreis sehr ernst nehmen und in der Lage sind, einen Plan zu erstellen, der zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führen könnte. 

Rubio will Trump nicht verärgern, damit Trump ihm nicht wegen der völlig aus der Luft gegriffenen Pläne seiner Helfer böse ist, und versucht gleichzeitig, die Situation in irgendeiner professionellen Bahn zu halten, um nicht zuzulassen, dass Punkte verwirklicht werden, die vor den Europäern und sogar vor den Republikanern und Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat wie Kapitulationsbedingungen aussehen. Denn Sie haben gesehen, dass der Plan in den Vereinigten Staaten selbst vernichtender Kritik ausgesetzt war. J. D. Vance musste sich sogar vor amerikanischen Gesetzgebern rechtfertigen und sagen: „Wie kann das sein, dass Sie der russisch-ukrainische Krieg mehr beschäftigt als die innenpolitischen Probleme?“ Auch kein Mensch von großem Verstand. 

Er braucht die Unterstützung all dieser Leute für die kommenden Vorwahlen 2028. Und noch ist unbekannt, ob er tatsächlich Trumps Nachfolger wird, ob Trump ihn nicht verbrennt – und sich selbst – mit seinen genialen Vorstellungen von Wirtschaft, und er hat sich schon mit allen überworfen. Nun und Bessent versucht natürlich, diese Situation zu nutzen, um dann den makellosen Ruf von Xi Jinping in Trumps Augen zu beschmutzen und harte Sanktionen gegen die chinesische Wirtschaft, gegen chinesische Unternehmen zu erreichen. 

Und dann ist da noch Putin, der Trump beweisen will, dass der Trump-Plan genial und wunderbar ist, wie der Geist von Anchorage, der erfunden ist, wie der Geist von Hamlets Vater. Und dass die Ukrainer und Europäer, die keinen Frieden wollen, irgendetwas umschreiben und Trump so daran hindern, den Krieg zu beenden. Was für Schweine.

Nun das Interessanteste: Was wird unser kleiner Junge aus unserem wunderbaren Kindergarten Mar-a-Lago tun, wenn er sieht, dass der nächste „Bumm“ passiert ist? Was meine ich damit? Wen wird er beschuldigen? Wer wird schuld sein? Schauen Sie: Wenn Zelensky dem Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk nicht zustimmt und Russland danach den Trump-Plan ablehnt, wird natürlich Zelensky schuld sein. Und Trump wird sagen: „Dann führt euren Krieg, so lange ihr wollt, aber entschuldigt, warum sollen wir euch helfen? Wir hatten einen großartigen Plan. Wir haben gesagt, dass Putin nur bereit ist, den Krieg zu beenden, wenn ihr ein kleines Gebiet räumt, das ihr sowieso verliert. Und ihr wollt weiterkämpfen? Dann kämpft ohne unsere Aufklärungsdaten, kämpft ohne unsere Waffen. Und wenn Putin dann das ganze Gebiet Donezk einnimmt, kommt ihr wieder. Und dann reden wir noch einmal mit unserem wunderbaren Wladimir aus dem Kreml.“

Aber wenn Zelensky dem Abzug der Truppen aus dem Gebiet Donezk zustimmt, verstehen Sie sehr gut, dass dies zu einer scharfen Destabilisierung der Lage in der Ukraine führen kann, weil es einerseits keine Beendigung des Krieges geben wird – denn Russland wird trotzdem keinem Friedensplan zustimmen, weil Putin nicht die Absicht hat, den Krieg zu beenden. Und andererseits wird es in der ukrainischen Gesellschaft ein klares Gefühl des Verrats geben. Und auch damit wird Russland arbeiten. Es wird versuchen, über seine Leute darauf zu drängen, dass die Zeit gekommen sei, aufzustehen, sich hinzulegen, die Ketten zu sprengen, die verräterische Macht zu stürzen und eine neue zu wählen.

Und Sie verstehen, dass das keine russischen Konserven aus irgendwelchen prorussischen Parteien sein werden. Nein. Das werden speziell geschulte Leute sein, Patrioten aus völlig pro-demokratischen, pro-europäischen Kräften. Sie sehen ja, dass einer von ihnen schon durch alle sozialen Netzwerke rennt und erzählt, wie dringend der Trump-Plan angenommen werden müsse, und nicht einmal erklärt, dass Russland überhaupt nicht vorhat, diesen Plan anzunehmen – im Wortsinne überhaupt nicht. Nun, das ist die eine Variante. Und es gibt eine andere, in der wir sehen, dass Zelensky nicht zugestimmt hat – dann ist er schuld.

Wenn Zelensky zustimmt, ist er nicht schuld. Aber es kommt zu einer Destabilisierung der Lage in der Ukraine. Das heißt, die Weigerung, die Truppen aus dem Gebiet Donezk abzuziehen, ist eine sichere Art, sich Trumps Unmut zuzuziehen, weil er Zelensky beschuldigen wird, seinen wunderbaren Friedensplan torpediert zu haben. Die Zustimmung zum Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk kann Trumps Beleidigung auf Zelensky verhindern, kann aber zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine selbst beitragen.

Putin bleibt in jedem Fall der Gewinner. Dies ist eine brillante Diversions-Spezialoperation des Kremls. Ja, sie sind die Sanktionen nicht losgeworden, aber jetzt sind sie in einer Situation, in der jede Variante ein Gewinn ist. Endlich konnte ich das genau formulieren. Wenn man nachts kaum schläft… Aber ich habe, wie Sie verstehen, einen ernsthaften Grund, für den ich ausgerechnet Putin danken muss – genauso wie für die Spezialoperation. Raketen, Schaheds. Ich möchte übrigens, völlig ohne Ironie, den Angehörigen und Nahestehenden der bei diesem Angriff in Kyiv Getöteten mein aufrichtiges Beileid ausdrücken.

Aber genau das ist die Idee. Wenn Zelensky den Abzug der Truppen ablehnt, ist er schuld, Trump ist auf ihn beleidigt. Man kann daran arbeiten, dass Amerika auf seine weitere militärische Unterstützung der Ukraine verzichtet und auf Ersatzteile für Patriots, auf Komponenten für HIMARS, auf all das. Und wenn Zelensky dem Abzug der Truppen aus dem Gebiet Donezk zustimmt, kann man den Boden für eine Destabilisierung der Lage im feindlichen Land bereiten, das „wir in Moskau vernichten wollen“.

Was müssen wir tun, um nicht in diese Falle zu tappen, die von den Diversanten aus Kreml und Lubjanka gebaut wurde? Die Aufgabe ist schwer. Aber sie lässt sich lösen. Wir müssen unsere Positionen halten. Sozusagen nicht dem Abzug der Truppen aus dem Gebiet Donezk zustimmen, aber gleichzeitig keinen Zorn Trumps auf uns ziehen. Es braucht also Schritte, um dem amerikanischen Präsidenten zu erklären, dass sein russischer Kollege nicht die Eroberung des Gebietes Donezk durch seine Truppen anstrebt, sondern die Destabilisierung der Lage in der Ukraine.

Dass die Ukraine ihre befestigten Festungen im Gebiet Donezk noch lange verteidigen kann und noch eine enorme Zahl russischer Besatzer vernichten kann – und so nach und nach die demografische Situation in Russland ins Negative dreht. Sie verstehen ja, dass das russische Volk dank Putin im Grunde in den Tartarus marschiert. So viele Opfer hat es lange nicht mehr gegeben. Und es sind alles Männer, die niemanden mehr zeugen werden. Wenn Putin zuerst die nationalen Minderheiten Russlands ausgelöscht hat, löscht er jetzt schlicht die Russen aus. Er ist ein Russentöter, weil er sie wie Fleisch dorthin wirft, auch wenn es dafür Geld gibt. Und Sie sehen, dass er Pläne für eine große Mobilisierung ohne Geld hat, um einfach einen Schlusspunkt in der Geschichte des russischen Volkes zu setzen. Bye-bye.

Und dass man, wenn man irgendeine Feuerpause akzeptieren will, dies entlang der Kontaktlinie tun muss. Diese Position muss man verteidigen. Vielleicht braucht Zelensky dafür tatsächlich europäische Partner, aber er darf Trump dabei nicht verärgern. Das ist keine einfache Aufgabe, aber wir erinnern uns, dass wir es mit einem Menschen mit kindlichem Bewusstsein zu tun haben, dem man etwas Goldenes, Wunderschönes vor der Nase hin- und herwedeln muss, ihm etwas versprechen muss – er ist ja gierig wie 150 Witkoffs –, ihm auch etwas versprechen. Man muss in diesem Kindergarten das Stück „Der Besuch des Weihnachtsmanns bei den Kindern“ spielen – „la-la-la, la-la-la. ‚Schtschedryk‘ singen wir, la-la-la, la-la-la. Trump respektieren wir. La-la-la-la-la-la.“ So in etwa kann man zu ihm sagen: „La-la-la-la-la-la. Dort sind alle seltenen Erden bei Kramatorsk, sie sind alle wunderbar. La-la-la, la-la-la. Dort werden die Amerikaner sie fördern. Wir geben sie nicht an Putin. Und alle tanzen. Und Macron, und Zelensky, bam-bam-bam.“ So irgendwie.

Man darf diesen Menschen nicht als adäquaten Menschen wahrnehmen. Die wichtigste Aufgabe im Umgang mit Trump lautet: Um Himmels willen, nehmt ihn nicht als adäquaten Menschen wahr. Der adäquate Trump ist schon lange von uns gegangen und wird nicht zurückkehren, wenn es ihn überhaupt jemals gegeben hat. Ironie hin oder her, aber das ist tatsächlich die Aufgabe, die gelöst werden muss, wenn wir unsere eigenen Positionen halten und eine Destabilisierung der Lage im Land verhindern wollen. Das ist im Grunde Aufgabe Nummer eins für Zelensky und unsere europäischen Verbündeten. Man muss auch als Axiom begreifen:

Russland wird keinem Friedensplan zustimmen, weil Russland an einem jahrelangen Krieg interessiert ist, der am Ende zur Vernichtung der Ukraine führt. Und der einzige Ausweg aus diesem Krieg ist nicht ein Friedensabkommen mit Russland, sondern die Zerstörung seiner Wirtschaft und seiner Demografie, die Vernichtung des Aggressors in einem Ausmaß, dass er von seinen geliebten Knien für mindestens 30 Jahre nicht mehr vom Boden hochbekommt. Danach wird es einfach eine Provinz der Volksrepublik China, mit der wir eine wunderbare Grenze haben werden. Dort eine rote Flagge, bei uns keine rote Flagge.

Kurz gesagt: Das ist Aufgabe Nummer eins. Andere Aufgaben gibt es nicht. Es gibt keine Aufgabe „Beendigung des Krieges“, weil der Krieg ohne Russland nicht beendet werden kann – und Russland hat nicht die Absicht, ihn zu beenden. Sie sehen es ja an all den russischen Verlautbarungen. Und es ist sehr gefährlich, wenn die ukrainische Gesellschaft erneut in der gefährlichen Illusion eines schnellen Kriegsendes lebt. Auf die Ukrainer werden Drohnen und Raketen fliegen, sie werden in den Trümmern ihrer Städte sterben und denken: „Das ist nur, weil Zelensky den Trump-Plan nicht unterschrieben hat. Natürlich müssen wir jemanden finden, der unterschreibt.“ Es gibt keinen Plan, es gibt keine solche Chance, aber es gibt immer eine reale Chance, Russland energetisch und wirtschaftlich ausbluten zu lassen, sodass es ohne Geld dasteht. Je schneller das geschieht, desto schneller endet der Krieg. Das ist es, was ich immer versuche zu erklären.

Und in dieser Situation, während wir darauf warten, wissen wir nicht, wie lange wir Trump als unseren Verbündeten am Kragen halten müssen. Ich habe schon erklärt, wie – alle Liedchen habe ich heute vorgesungen. Danke, Freunde, dass ihr diese Analyse des heutigen Tages angehört habt. Gebt ein „Gefällt mir“, kommentiert, schreibt Gedichte über Trump, die Zelensky ihm in Mar-a-Lago vorlesen kann. In jeder beliebigen Sprache, Trump ist das egal, Hauptsache, das Wort „Trump“ kommt vor. Sucht Reime auf das Wort „Trump“. Schöne.

Und jetzt beantworte ich Fragen, die während dieser Sendung eingegangen sind.

Frage. Kann die Ukraine später ihre Zustimmung zum sogenannten Trump-Plan zurückziehen?

Portnikov. Das ist übrigens eine sehr gute Frage. Stellen wir uns vor, wir haben diesen Plan unterschrieben, und die Russen haben ihn nicht unterschrieben. Ist unsere Unterschrift eine Konstante? Oder sagen wir doch: „Nun, vielleicht müssen wir einen neuen Plan gemeinsam mit Trump ausarbeiten, damit die Russen ihn unterzeichnen. Diesen Plan haben die Russen abgelehnt, also vergessen wir dieses Abkommen.“ Ich muss Ihnen sagen, dass man gar nichts zurückziehen muss. Ich erinnere Sie an das wunderbare Abkommen über seltene Erden. Erinnern Sie sich? Es bedeutet exakt gar nichts – null. Und nicht nur, weil wir nicht wissen, was es in Wirklichkeit in den ukrainischen Bodenschätzen gibt und worum es in diesem Abkommen ging, sondern auch, weil Trump dieses Abkommen längst vergessen hat, obwohl niemand irgendetwas zurückgezogen hat. Er hat es einfach vergessen. Er erwähnt es überhaupt nicht mehr, weil er es nur brauchte, um eine mögliche Hilfe für die Ukraine zu rechtfertigen, die es nicht gibt. Da haben Sie die Antwort.

Frage. Glauben Sie, dass Donald Trump wirklich ehrlich daran glaubt, dass er all diese Kriege beendet hat, oder ist das nur politische Rhetorik zur Schaffung eines Friedensstifter-Images?

Portnikov. Wissen Sie, ich würde Ihnen gern sagen, dass das politische Rhetorik zur Schaffung eines Friedensstifter-Images ist. Aber dann wäre ich ein Mensch, der an die Kraft politischer Analyse glaubt – und ich glaube an die Kraft der Medizin. Und ich möchte Sie davon überzeugen, dass Donald Trump aufrichtig daran glaubt, dass er all diese Kriege beendet hat. Donald Trump ist überhaupt ein Mensch, der aufrichtig an das glaubt, was er im jeweiligen Moment sagt, auch wenn er eine halbe Stunde später das Gegenteil behaupten kann. Und deshalb sollten ihn nicht politische Analytiker analysieren, sondern Menschen mit einer völlig anderen Spezialisierung. Andererseits wirkt dieser aufrichtige Glaube an das, was er im Moment sagt, obwohl er eine halbe Stunde später das Gegenteil sagen kann, sehr überzeugend auf Menschen, die in der Bewusstseinswelt einer religiösen Sekte leben und für die das völlig normal ist. Schauen Sie sich bitte die Zeichentrickserie „South Park“ an, damit Sie verstehen, wie das aussieht. Die Folge, in der die Helden der Serie mit einem Mormonenjungen zur Schule gehen und diesen wunderbaren Mormonenjungen fragen, wie denn der Mann, der diese Religion geschaffen hat, Herr Smith, überprüft hat, dass ihm diese neue Fassung des Wortes Gottes, das Buch Mormon, tatsächlich vom Herrn selbst diktiert wurde. Der Mann, der im Grunde die Mormonenkirche in den Vereinigten Staaten gegründet hat, schrieb dies auf nach den Offenbarungen von Herrn Smith, der behauptete, Gott diktiere es ihm. Und man sagte zu ihm: „Verbrenne dieses Buch, sag ihm, dass es verbrannt wurde, und lass es dir noch einmal diktieren. Dann vergleichen wir die Texte, und wenn sie sich unterscheiden, heißt das, er diktiert aus sich selbst heraus.“ Er ging zu Smith, sagte ihm, dass das Buch vernichtet sei. Smith wurde wütend und sagte, Gott habe sich zornig darüber gezeigt, dass sie eine so wunderbare Offenbarung verbrannt oder verloren hätten, und er werde ihm nun einen völlig neuen Text diktieren. „Und so“, sagte der Mormonenjunge, „erkannten wir, dass es eine göttliche Offenbarung war.“ 

Wenn Sie Präsident in einem Land sind, in dem eine enorme Zahl von Bürgern die Britischen Inseln verlassen hat, gerade weil sie aus unkritischen religiösen Sekten stammten und auf den Inseln keinen Platz hatten, und sich später zu ihnen Verfolgte und Notleidende aus aller Welt gesellten, dann müssen Sie verstehen, dass bei einem großen Teil der Amerikaner von vornherein und durch die familiäre Erziehung das kritische Denken fehlt. Sonst würden sie nicht zu protestantischen, kleinen, man kann sagen abgeschotteten religiösen Gemeinschaften laufen, in denen alles seit Jahrhunderten auf dem Fehlen kritischen Denkens beruht. Das ist ein wunderbarer Nährboden für die Tätigkeit solcher großartigen Menschen wie Trump. Obwohl Trump, wie Sie wissen, nicht sehr religiös wirkt.

Frage. Haben Sie bemerkt, dass vor dem Hintergrund dieser bescheuerten Friedenspläne im Westen niemand mehr die bestialischen Beschüsse Putins kommentiert? Ist das Kriegsmüdigkeit? Oder die Angst, Putin zu verschrecken und dem Zustandekommen des Friedensplans im Wege zu stehen?

Portnikov. Natürlich ist es in erster Linie die Unwilligkeit, Putin irgendwie zu verärgern. Denn wenn man Putin ständig als Kriegsverbrecher bezeichnet, kann er beleidigt sein und nicht mehr mit dem wunderbaren Jungen Donnie befreundet sein, ihm keine kleinen Spielzeuge schenken und ihm keine 100 Milliarden Dollar versprechen, von denen Donnie zusammen mit Witkoff und Kushner wunderbare Profite erhält. Wie kann man so einen wunderbaren Menschen beleidigen? Witkoff hat ja schon gesagt, dass Putin ein großartiger Mensch ist und er ihm glaubt. Was brauchen Sie noch? 

Und natürlich gibt es auch Kriegsmüdigkeit. Wenn Sie sagen, dass man im Westen nicht kommentiert, dann müssen Sie verstehen: Westliche Medien und westliche Politiker sind so eingerichtet, dass sie über das sprechen, was für ihr Publikum wichtig ist. Wenn sie sehen, dass das Publikum auf bestimmte Themen nicht mehr reagiert, sprechen sie weniger darüber. Aber wie Sie sehen, hat der Trump-Plan die Ukraine wieder in die Informationslandschaft der Vereinigten Staaten zurückgeholt, weil nur der Faule sich nicht gegen diesen Plan geäußert hat – sowohl im republikanischen als auch im demokratischen politischen Establishment. Hier muss man zu Trump sagen: „Danke dafür. Danke, danke, Donald, danke, danke.“ Wie oft muss man es sagen? Danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke. Zehn Mal, zehn. Schreiben Sie es auf. Ich habe zwölf Mal gedankt.

Frage. Wie kann Russland einen dritten Weltkrieg beginnen, wenn es nicht mit der Ukraine fertig wird? Die Ressourcen müssten doch um ein Vielfaches größer sein.

Portnikov. Das ist nicht ganz so. Russland kann die Ukraine auf dem Weg eines normalen Krieges nicht besiegen. Aber der Dritte Weltkrieg kann ausgelöst werden, ohne Panzer, Infanterie und Flugzeuge. Erstens mit Hilfe einer Armee von Drohnen, die wir bereits im Luftraum europäischer Länder gesehen haben, und zweitens durch den Einsatz von Atomwaffen, worüber Menschen aus Putins politologischer Umgebung mehrfach gesprochen haben – zum Beispiel der Politologe Sergej Karaganow, der schon mehrmals gesagt hat, man müsse eine Atombombe auf Europa werfen.

Übrigens bin ich der Meinung, dass, wenn Karaganow das sagt, es bedeutet, dass im Kreml und im russischen Generalstab ernsthaft darüber gesprochen wird, als realistische Option. Was ist damit gemeint? Warum will Putin die Ukraine mit Bodentruppen besetzen? Weil er glaubt, dass es sich um russisches Territorium handelt, das dem Besitzer zurückgegeben werden muss. Deshalb geht es hier nicht nur um Drohnen und Raketen, sondern auch um Truppen. Europa wird niemand besetzen. Europa ist in dieser Situation für Putin nicht als besetztes Gebiet interessant. Europa wird eingeschüchtert und zerstört werden. Wenn Sie also sagen, Russland habe nicht genug Ressourcen, nicht genug Menschen, nicht genug Militärs, nicht genug Waffentechnik – aber Atomwaffen, um sie auf Warschau oder Budapest zu werfen – nun, Budapest vielleicht nicht –, sagen wir auf Berlin, davon gibt es genug.

Das ist der Dritte Weltkrieg. Der Dritte Weltkrieg ist nicht das, was Sie im russisch-ukrainischen Krieg sehen. Das ist immer noch ein lokaler Konflikt, verzeihen Sie, wenn man das Territorium und die Tatsache berücksichtigt, dass sich die Frontlinie seit 2023 nicht verschiebt. Aber der Dritte Weltkrieg wird ein Krieg ohne direkten Kontakt der Truppen sein. Das kann ein Schlagabtausch mit taktischen Atomwaffen gegen militärische Ziele des Gegners in Europa sein. Und wenn die Amerikaner entscheiden, dass das zu viel ist, ein Austausch strategischer Atomschläge zwischen den Vereinigten Staaten und Russland mit dem Ziel, Moskau, Washington, New York und Petersburg zu vernichten. Moskau und Petersburg tauchen im Witkoff-Plan auf.

Wo liegt hier das Problem? Warum sollte man das nicht tun können, ich kann es nicht verstehen. Haben Sie etwa nicht bemerkt, dass Atomwaffen aufgehört haben, Abschreckungswaffen zu sein und zu Erpressungswaffen geworden sind? Das ist Ihr Weg in den Dritten Weltkrieg. Welche Ressourcen? Wovon sprechen Sie? Welche Ressourcen braucht man, um zehn Flugzeuge zu starten, die wir alle drei Tage in unserem Himmel sehen, nur dass sie dann mit Nuklearladungen bestückt sind und Europa erreichen, nicht die Ukraine. Das sind alles potenzielle Träger von Atomwaffen. Wo ist das Problem? Was fehlt da? Sie sehen den Dritten Weltkrieg wie den Zweiten, als würde die russische Armee mit breiter Front auf Europa vorrücken. Nein, so wird es heute nicht sein. Europa wird zugrunde gehen, ohne je mit einem russischen Soldaten zusammenzutreffen.

Und nun stellt sich die Frage: Wozu braucht er dann die Ukraine? Erstens, damit ein größeres Territorium von Russland kontrolliert wird, und zweitens, damit diese Raketen aus Uschhorod und nicht aus Brjansk gestartet werden können.

Gerade eben hat der Präsident der Vereinigten Staaten einen Tweet abgesetzt, den ich während dieser Sendung vorlesen möchte und der im Prinzip die Frage beantwortet, wie Trump aus dieser Situation herauszukommen gedenkt:

„In der vergangenen Woche haben mein Team und ich bedeutende Fortschritte bei der Frage der Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine erzielt – eines Krieges, der niemals begonnen hätte, wenn ich Präsident gewesen wäre. Übrigens: Wenn ich Präsident gewesen wäre, hätte auch dieser Krieg niemals begonnen. Ich möchte, dass Sie das wissen. Im vergangenen Monat wurden 25.000 Soldaten getötet. Der ursprüngliche 28-Punkte-Friedensplan, der von den Vereinigten Staaten ausgearbeitet wurde, wurde unter Berücksichtigung zusätzlicher Vorschläge beider Seiten überarbeitet. Und jetzt bleiben nur noch einige wenige Punkte, bei denen es Meinungsverschiedenheiten gibt. Zum Zweck der endgültigen Abstimmung dieses Friedensplans habe ich meinen Sondergesandten Steve Witkoff beauftragt, sich in Moskau mit Präsident Putin zu treffen, und Armee-Minister Dan Driscoll wird sich mit der ukrainischen Seite treffen. Ich, Vizepräsident J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio, Kriegsminister Pete Hegseth und der Leiter der Verwaltung des Weißen Hauses, Suvas, werden über alle Fortschritte informiert. Ich hoffe auf ein baldiges Treffen mit Präsident Zelensky und Präsident Putin, aber nur dann, wenn die Vereinbarung über die Beendigung dieses Krieges endgültig ist oder sich in der Endphase befindet. Danke für Ihre Aufmerksamkeit für diese sehr wichtige Frage und lassen Sie uns alle hoffen, dass der Frieden so schnell wie möglich erreicht wird.“

Sie verstehen, Freunde, dass wir unser Gespräch im Prinzip mit diesem Tweet des Präsidenten Trump hätten beginnen müssen, weil er vieles klärt. Aber er ist genau während unserer Sendung erschienen. Und im Prinzip bin ich sogar zufrieden, dass wir jetzt gemeinsam real einschätzen können, was Trump zu tun gedenkt. Er schickt Witkoff nach Moskau und Driscoll nach Kyiv, um den endgültigen Plan abzustimmen. Das ist im Wesentlichen klassische Shuttle-Diplomatie. Und er beabsichtigt, sich nicht nur mit Zelensky, sondern auch mit Putin zu treffen, wenn alle Punkte des Plans abgestimmt sind und der Plan von beiden Präsidenten unterschrieben ist, also angenommen, und nicht nur von Zelensky. Das ist eine völlige Veränderung des Ansatzes. Und sie ist logisch und richtig, denn man kann den Krieg nur beenden, wenn Zelensky und Putin damit einverstanden sind, nicht Zelensky und Trump. Die einzige Frage, die außerhalb unseres heutigen Analyse-Rahmens bleibt, lautet: Wen wird Trump im Falle des Scheiterns dieses Plans verantwortlich machen – Zelensky oder Putin, oder beide – und welche Entscheidungen wird er treffen, wenn ihm klar wird, dass dieser Plan nicht umgesetzt werden kann.

Aber man muss Trump das Seine lassen: Jetzt geht er in eine sehr entschlossene, sehr riskante und sehr ernsthafte diplomatische Offensive – auch gegenüber Moskau. Und wünschen wir ihm Erfolg bei der Offensive auf Moskau.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: З чим Зеленський летить до Трампа | Віталій Портников. 25.11.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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