Angriff auf Noworossijsk | Vitaly Portnikov. 03.05.2025.

In dieser Nacht wurde Noworossijsk, der wichtigste russische Hafen am Schwarzen Meer, die Basis der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation, nachdem es den Ukrainern gelungen war, die Besatzer von Sewastopol zu vertreiben, und auch der wichtigste Handelshafen für russisches Öl, durch einen Angriff ukrainischer Drohnen geweckt.

Derzeit werden natürlich erst die Ergebnisse dieses Angriffs zusammengefasst. Die Russen melden nichts über die Probleme, die in der Infrastruktur von Noworossijsk und in der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation aufgetreten sind. Sie lenken vor allem die Aufmerksamkeit auf die Situation in den Wohngebieten, aber wir verstehen sehr gut, dass Moskau in der Regel versucht, nicht über die tatsächlichen Ergebnisse fremder Angriffe zu berichten, aber in der Regel seine eigene Ergebnisse übertreibt.

Aber die Tatsache des Ausmaßes des Angriffs auf Noworossijsk wird auch dadurch bestätigt, dass darüber offizielle russische Medien berichten, und nicht nur sogenannte Kriegskorrespondenten, und dass in Noworossijsk nach dem Angriff der Ausnahmezustand verhängt wurde und dass, wie sich herausgestellt hat, für die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation keinen sicheren Platz mehr gibt.

Es gab Zeiten, in denen sich die Seeleute dieser Flotte, die sich in Wirklichkeit als ganz gewöhnliches Besatzungsaufgebot für die Krim herausgestellt hat, in jedem Hafen des Schwarzen Meeres absolut wohl fühlten, sowohl in russischen als auch, übrigens, in ukrainischen. Das alles war so lange der Fall, bis Putin die Krim annektierte und einen großen Krieg gegen die Ukraine begann. Einen Krieg, der für die Schwarzmeerflotte mit sehr unangenehmen Folgen für die russischen Seeleute enden könnte. 

Die Flotte, die viele Jahrzehnte weniger ein operatives militärisches Aufgebot war als ein Symbol der ehemaligen russischen Seemacht, und das auch nur sehr bedingt, könnte einfach aufhören zu existieren.

Aber meiner Meinung nach macht sich der Kreml derzeit weniger Sorgen um die Situation mit der Schwarzmeerflotte, an deren Probleme in der russischen Hauptstadt man sich bereits gewöhnt hat, als um den Transport von russischem Öl. Denn wir verstehen sehr gut, dass die Haushaltseinnahmen der Russischen Föderation von der Ölhandel abhängen.

Die Einnahmen aus dem Öl sichern die Fortsetzung des Krieges Russlands gegen die Ukraine und die Aufrechterhaltung einer relativen sozialen Stabilität in einem Staat, der sich auf einen jahrelangen Abnutzungskrieg gegen ein Nachbarland umorientiert hat. Und nun stellt sich heraus, dass diese Abnutzungssituation auch Russland betreffen und ihm Probleme bereiten kann, mit denen die Russen natürlich nicht rechnen konnten, als sie ihren kriminellen Krieg gegen die Ukraine begannen. 

Und noch ein ziemlich wichtiger Indikator für diesen Angriff ist, dass kein Waffenstillstand am Schwarzen Meer zustande gekommen ist. Alle Gespräche über diesen Waffenstillstand, die zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem Präsidenten Russlands, Putin, geführt wurden, erwiesen sich als Fake, vor allem deshalb, weil die Russische Föderation eine ganze Reihe von Bedingungen geschaffen hat, unter denen eine solche Vereinbarung hätte erzielt werden können.

Und diese Bedingungen wurden übrigens nicht nur an die Vereinigten Staaten, sondern auch an die europäischen Länder gerichtet, zum Beispiel als es um die Anbindung an das SWIFT-System für die Rossselchosbank ging, was die allgemeine Situation in der russischen Wirtschaft natürlich erleichtert und neue Quellen für Deviseneinnahmen für Moskau geschaffen hätte.

Aber nichts davon ist geschehen, schon allein deshalb, weil der Präsident der Vereinigten Staaten während seiner Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation auf unbedingte Entscheidungen zum Waffenstillstand bestanden hat. Nichts davon, wie wir sehen, konnte erreicht werden, und selbst im Weißen Haus beginnt man zu verstehen, dass all diese Gespräche lediglich ein Manöver Putins waren, um die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten in die Länge zu ziehen und sich vor dem Hintergrund dieser Verhandlungen erlauben zu können, die Angriffe auf die Ukraine fortzusetzen.

Aber mangels der Absprachen leiden nicht nur die Wohngebiete ukrainischer Städte, die praktisch täglich von der russischen Luftwaffe angegriffen werden. Nicht nur die Infrastrukturobjekte der Ukraine leiden, die die Russen während dieses grausamen Krieges zerstören wollen. Es gibt, wie wir sehen, auch bei den Russen ernsthafte Probleme. Und zwar in dem Teil der Infrastruktur, der Moskau tatsächlich für die weitere Füllung des Staatshaushaltes und die Bereicherung russischer Beamter und Oligarchen benötigt. 

Ob Moskau daraus Schlüsse ziehen kann, ist eine andere Frage.Bislang hat keiner der ukrainischen Angriffe dazu geführt, dass in Russland überlegt wurde, wenn nicht über die Beendigung des Abnutzungskrieges gegen die Ukraine, dann zumindest über ein Ende der Kämpfe an der russisch-ukrainischen Front, zumindest über Vereinbarungen über einen vollständigen Waffenstillstand am Himmel und auf See, wie es die europäischen Länder und die Ukraine dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgeschlagen hatten, bevor die Amerikaner mit der Idee eines vollständigen und umfassenden Waffenstillstands auftraten. 

Aber vielleicht wird jeder neue Schlag die russische politische Führung zumindest an Gedanken über die Möglichkeit eines Waffenstillstands in der Zukunft heranführen. Zumindest muss Russland erkennen, dass auf Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur eine Antwort folgen wird und dass mit jedem Tag der Entwicklung des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes, mit jedem Tag neuer militärischer Lieferungen an die Ukraine, die Möglichkeit, dass auch die Ukraine einen langjährigen Abnutzungskrieg gegen das benachbarte Russland führen wird, zunehmen wird.

Und so wird der Preis des Abnutzungskrieges gegen die Ukraine, an dem der Präsident der Russischen Föderation derzeit so Gefallen findet und der von den meisten seiner chauvinistisch eingestellten Landsleute als Abenteuer empfunden wird, nicht mehr mit so viel Vergnügen aufgenommen werden. Die Russen erkennen, dass jeder Krieg, insbesondere ein langjähriger Krieg, insbesondere ein Krieg, bei dem man nicht weiß, wie und unter welchen Bedingungen er enden kann, seinen Preis hat. 

Zumindest werden die Bewohner des in dieser Nacht angegriffenen Noworossijsk dies so verstehen, wie es die Bewohner der Region Belgorod oder Kursk zuvor verstanden haben. Und die Zahl der russischen Regionen, deren Bürger Schlussfolgerungen über den Preis dieses grausamen, endlosen Krieges ziehen werden, wird mit jedem Monat und jedem Jahr des russisch-ukrainischen Konflikts nur noch zunehmen.

Die USA könnten sich aus den Verhandlungen zurückziehen | Vitaly Portnikov. 02.05.2025.

Buchstäblich am Tag nach dem sich die Ukraine und die Vereinigten Staaten endlich auf ein bedeutendes Abkommen über fossile Brennstoffe, also über die Schaffung eines Investitionsfonds für die ukrainische Wirtschaft, geeinigt haben, begann man in den Vereinigten Staaten immer lauter über die Möglichkeit eines Ausstiegs dieses Landes aus dem russisch-ukrainischen Verhandlungsprozess zu sprechen. Darüber, dass Russen und Ukrainer selbst über den Frieden verhandeln sollten.

Auf den ersten Blick mag dies seltsam erscheinen, denn es schien, dass die Unterzeichnung des Abkommens über fossile Brennstoffe die Vereinigten Staaten im Verhandlungsprozess proaktiver machen sollte. Nun, erstens ist es verfrüht zu sagen, dass Washington tatsächlich die Entscheidung getroffen hat, sich aus den Verhandlungsbemühungen zurückzuziehen. Eine solche Entscheidung kann nur eine Person treffen. Präsident Donald Trump. 

Vizepräsident J.D. Vance, der sagte, dass Russen und Ukrainer jetzt selbst über den Frieden verhandeln sollten, könnte seine eigene Meinung zum Verhandlungsprozess geäußert haben, an dem er nicht direkt beteiligt ist.

Die Sprecherin des Außenministeriums, auf die man sich als Beamtin bezieht, die angeblich den möglichen Ausstieg der Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen angekündigt hat, zitierte nur frühere Erklärungen ihres Chefs, des Außenministers, jetzt Beraters von Präsident Trump für nationale Sicherheit, Marco Rubio.

Es sei jedoch daran erinnert, dass Herr Rubio diese Erklärungen nach dem Treffen in Paris mit Kollegen aus europäischen Ländern und der Ukraine abgegeben hatte, als er sich davon überzeugt hatte, dass die maximalistischen Forderungen der Vereinigten Staaten an Kyiv und die europäischen Hauptstädte von den Teilnehmern des Treffens nicht unterstützt wurden, die der amerikanischen Delegation ihrerseits ihre eigene Sichtweise auf das Verhalten in den Verhandlungen vorschlugen. Und seitdem war kein neues Wort über die Möglichkeit eines Ausstiegs der Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen von Marco Rubio zu hören, ja mehr noch, der Außenminister spricht jetzt sogar von einem möglichen Durchbruch in den Verhandlungen.

Außerdem, selbst wenn man sich vorstellt, dass Donald Trump tatsächlich die Entscheidung trifft, die Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen ausscheiden zu lassen, wäre dies eine Rückkehr zu der Situation, die bereits vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten bestand. Der Vorgänger von Donald Trump, Joe Biden, führte keine Verhandlungen mit Putin, weil er im Gegensatz zu seinem Nachfolger deren Aussichtslosigkeit sehr wohl erkannte. Stattdessen half er der Ukraine.

Donald Trump hat jetzt auch die Möglichkeit, der Ukraine zu helfen, zumindest durch einen Beitrag zu demselben Investitionsfonds, der gemäß den amerikanisch-ukrainischen Absprachen geschaffen wurde. Und Verhandlungen sind nur dann sinnvoll, wenn die Russische Föderation tatsächlich an einer Waffenruhe interessiert ist. 

Wenn Trump sich davon überzeugt hat, dass Putin dieses Interesse, trotz großzügiger Angebote von Washingtoner Seite, nicht hat. Und ist die Idee der Anerkennung der Krim als russisch nicht die größte Großzügigkeit? Der amerikanische Präsident hat keinen Grund, die Verhandlungen mit dem russischen Führer fortzusetzen, er kann einfach zur Politik Bidens zurückkehren. Kein wirklicher Dialog mit der russischen Seite, aber Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine bei der Eindämmung der russischen Aggression, so dass im Kreml der Wunsch, den Krieg zu beenden entsteht.

Dann verstehen wir die Logik der Argumentation von Jay D. Vance, der sagt, dass Russen und Ukrainer die Frage des Kriegsendes selbst lösen müssen. Nur der Wunsch, dieses Problem zu lösen, muss in erster Linie bei der Seite sein, die diesen ungerechten und grausamen Krieg begonnen hat, nämlich bei der Russischen Föderation, nicht in der Ukraine, die Opfer der Aggression geworden ist und seitdem einfach dem russischen Vorgehen Widerstand leistet.

Es muss auch ein weiterer wichtiger Punkt berücksichtigt werden. Gespräche über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front und darüber, dass diese Waffenruhe durch amerikanische Bemühungen noch nicht erreicht wird, könnten Teil des Kampfes im Umfeld von Trump selbst sein.

Wie wir sehen, wird um den Einfluss auf den amerikanischen Präsidenten, seine Außenpolitik, den außenpolitischen Block in der amerikanischen Politik ein ziemlich harter Kampf geführt, wenn es darum geht, wer den außenpolitischen Kurs von Donald Trump bestimmen wird. Mike Waltz, der jetzt ehemalige Berater für nationale Sicherheit, der nun nur noch Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen sein wird, hat diesen Kampf bereits verloren.

Eine weitere Person, die praktisch das gesamte außenpolitische Umfeld Trumps verärgert, ist Steve Witkoff, der Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, der sowohl Vertreter in den Verhandlungen mit Putin als auch Vertreter in den Verhandlungen mit dem Iran wurde und nirgendwo ein konkretes Ergebnis erzielen kann. 

Möglicherweise beziehen sich die Worte der Sprecherin des US-Außenministeriums, dass die Amerikaner nicht mehr auf Bestellung ans andere Ende der Welt fahren werden, um Probleme von Krieg und Frieden zu lösen, speziell auf Steve Witkoff, der ständig Moskau besucht oder im Nahen Osten auftaucht, um Verhandlungen mit seinen russischen oder iranischen Partnern zu führen.

Der Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Verhandlungsprozess könnte den Einfluss von Witkoff deutlich verringern und dementsprechend den Einfluss von Rubio erhöhen. Und dass diese Leute darum kämpfen, das entscheidende Wort bei der Festlegung der Position von Donald Trump zu haben, sollte man auch nicht vergessen.

Was könnte also passieren, wenn die Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen ausscheiden? Im ukrainischen Interesse wäre es, den Status quo der Biden-Zeit zu bestätigen. Erstens, dass die militärische Hilfe für die Ukraine fortgesetzt wird.

Es gibt jetzt ein Pilotprojekt in Form der Käufe in Höhe von 50 Millionen Dollar, der ersten Käufe während der Präsidentschaft Trumps. Und wir müssen hoffen, dass dieses Pilotprojekt im September dieses Jahres zu umfangreicheren Möglichkeiten für die Ukraine und die europäischen Länder führen wird, Waffen in den Vereinigten Staaten zu kaufen, um weiterhin gegen den russischen Aggressor zu kämpfen und seine Streitkräfte und Ausrüstung zu zerstören.

Neben dem Kaufprozess könnte es den Prozess der Beiträge der Vereinigten Staaten zu dem Investitionsfonds in Form neuer moderner Waffen geben. Natürlich wäre es nicht schlecht, die Erlaubnis zu erhalten, mit diesen Waffen auf das Hoheitsgebiet der Russischen Föderation zu schlagen, um so viele russische strategische Objekte der Ölverarbeitung wie möglich zu zerstören, alles, was Russland das Kämpfen ermöglicht, um Russland diese Möglichkeiten zu berauben.

Der zweite Punkt des Status quo ist die Verschärfung der Sanktionen gegen die Russische Föderation, die Schaffung neuer und immer neuer Probleme für die russische Wirtschaft, die Umwandlung des Nachbarlandes in ein Gebiet der völligen wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit, sowohl für die Führung des Landes als auch natürlich für die einfachen Bürger, die die chauvinistische, imperialistische Politik Putins und seines engsten kriminellen Umfelds unterstützen.

In die russischen Gebäude soll wirtschaftliches Elend einziehen und sich dort für lange, aussichtslose Jahrzehnte niederlassen. Für Präsident Trump bereiten seine Berater bereits jetzt Pläne vor, welche zusätzlichen Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt werden könnten. 

Natürlich hat der amerikanische Präsident in dieser Hinsicht noch keine Entscheidungen getroffen, da er noch auf eine diplomatische Lösung der Probleme hofft. Aber wichtig ist, dass, wenn die Aussichtslosigkeit dieser Hoffnungen offensichtlich wird, der Plan für neue verheerende Sanktionen gegen die Russische Föderation und alle, die mit der Russischen Föderation zusammenarbeiten, bereits auf dem Tisch des amerikanischen Präsidenten liegen sollte, um zu neuen atemberaubenden Ereignissen für die russische Wirtschaft und für die Bürger des Nachbarlandes zu führen.

Natürlich ist dies keine Frage des schnellen Erfolgs, aber im ukrainischen Interesse ist es, dass die russische Wirtschaft nicht auf Jahre, sondern auf Jahrzehnte stagniert, dass Russland im nächsten Jahrzehnt, sowohl unter Putin als auch nach Putin, keine Möglichkeit haben wird, irgendwie über aggressive Aktionen gegen andere Staaten nachzudenken, dass Russland sich ausschließlich mit der Lösung seiner eigenen Probleme befasst und das wichtigste dieser Probleme die Ernährung der eigenen Bevölkerung ist.

Und das wäre natürlich auch eine Rückkehr zu dieser Politik, die die Vereinigten Staaten in der Zeit von Joe Biden betrieben haben, der Politik der Eindämmung der Russischen Föderation, der gleichzeitigen Marginalisierung dieses Staates und seiner Gesellschaft und der Vermeidung eines Atomkonflikts unter Beteiligung der Russen.

Dies wäre der Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges, zur Entwicklung der Ukraine und zur Nichtentwicklung Russlands.

Putin ändert seine Taktik | Vitaly Portnikov. 02.05.2025.

Der Fernsehsender CNN betont unter Berufung auf Informationen des westlichen Geheimdienstes, dass Präsident Putin seine taktischen Ziele im Krieg gegen die Ukraine geändert haben könnte. Wenn er vor kurzem noch hoffte, den Nachbarstaat zu zerstören und sein Territorium an die Russische Föderation anzugliedern, will Putin jetzt vor allem seinen Einfluss und seine Macht in den besetzten Gebieten der Ukraine stärken und sich der Wiederbelebung der russischen Wirtschaft widmen, die stark von den westlichen Sanktionen betroffen ist und unter den Auswirkungen der Fokussierung auf die Bedürfnisse der Armee und der Militärindustrie leidet.

Gleichzeitig ist unklar, wie lange Putin bereit ist, genau diese Taktik einzuhalten. Einerseits bietet die Tatsache, dass er sich jetzt vor allem auf die besetzten Gebiete der Ukraine konzentrieren kann, der Regierung von Donald Trump die Möglichkeit, tatsächlich über einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu verhandeln und darüber hinaus ein Friedensabkommen zu unterzeichnen, das die heutige Frontlage festschreibt.

Aber Putin wird, wie wir verstehen, versuchen, die Situation des Interesses Trumps an einem solchen Friedensabkommen vor allem dazu zu nutzen, weiterhin den Abzug ukrainischer Truppen aus den Gebieten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zu fordern, sowie die rechtliche Anerkennung der Folgen der Besatzung, wenn nicht durch die Ukraine selbst, dann zumindest durch die Vereinigten Staaten.

Die meisten europäischen Beamten, mit denen amerikanische Journalisten gesprochen haben, sind jedoch überzeugt, dass dies noch nicht das Ende von Putins Plänen ist. Der russische Präsident wird seine maximalistischen Ziele kaum ganz aufgeben. Und so ist es nicht ausgeschlossen, dass er nach einer Pause im Krieg erneut versuchen wird, diese Vereinbarungen, die möglicherweise unter Vermittlung der Trump-Administration erzielt werden, zu brechen und die militärischen Aktionen auf ukrainischem Boden wieder aufzunehmen, um möglichst viele Gebiete der Ukraine zu erobern und wahrscheinlich auch den ukrainischen Staat zu zerstören. Genau das war, wie wir verstehen, das Hauptziel des so genannten großen Krieges Putins gegen die Ukraine, der am 24. Februar 2022 begann und nach der Niederlage des Blitzkrieges Putins in einen jahrelangen Abnutzungskrieg überging.

Andererseits ist es offensichtlich, dass auch die Russen bei westlichen Politikern und Geheimdiensten den Eindruck erwecken können, dass sie derzeit nicht bereit sind, die Expansion auf ukrainischem Gebiet fortzusetzen, um so die Illusion schneller Vereinbarungen zu schaffen und die militärische Unterstützung der Ukraine durch die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Länder der Europäischen Union zu verringern.

Deshalb würde ich natürlich jede Information, die auf eine Änderung der Taktik Putins hindeutet, mit Vorsicht betrachten. Die Taktik kann tatsächlich geändert werden, einfach weil der russische Präsident möglicherweise nicht genügend Kräfte hat, um das Vorrücken seiner Armee auf ukrainischem Gebiet fortzusetzen, und die Taktik des Abnutzungskrieges nicht die kurzfristigen Ergebnisse liefert, auf die Putin gehofft hatte, als er sich entschloss, Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung einzusetzen, und die ukrainische Gesellschaft nicht zu einer schnellen Kapitulation vor dem brutalen Aggressor zwingt.

Aber die Strategie, die Strategie hängt, wie wir wissen, nicht nur mit der Ukraine zusammen. Putin ist darauf fixiert, die Folgen des so genannten Fehlers von 1991 zu überwinden, als die Sowjetunion, dieses kommunistische und chauvinistische Imperium der Russen, von der politischen Landkarte der Welt verschwand, als ob es nie auf dieser Karte gewesen wäre.

Für die sowjetischen Tschekisten, die sich bemüht hatten, in einem ganzen Staat an die Macht zu gelangen, indem sie die Kommunistische Partei und die ideologischen Einstellungen der Vergangenheit verboten und später marginalisierten, war die Zerstörung der Sowjetunion eine schmerzhafte und unerwartete Niederlage. Deshalb hängen alle Bemühungen des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und Putins, der die russischen Tschekisten im Kreml vertritt, mit der Notwendigkeit zusammen, die so genannte territoriale Integrität des eigentlichen russischen Staates wiederherzustellen, unter dem man im Lubjanka weiterhin die Sowjetunion versteht. 

Ohne die Ukraine, ohne deren Unterwerfung, ohne den Vormarsch russischer Truppen in die ukrainische Transkarpatien kann von einer Wiederherstellung der früheren Möglichkeiten des sowjetischen Imperiums keine Rede sein. Und deshalb kann Putin kaum auf einen weiteren Krieg gegen die Ukraine verzichten. Aber die Tatsache, dass der russische Präsident bereit ist, eine Pause einzulegen, weil er sich bewusst ist, dass die Fortsetzung der militärischen Aktionen zu einer erneuten Verschlechterung der russisch-amerikanischen Beziehungen und damit zu neuen, sogar unerwarteten Sanktionen der Regierung Donald Trumps gegen die ohnehin schon schwer durch Sanktionen geschädigte russische Wirtschaft führen kann, könnte in den nächsten Monaten und Jahren tatsächlich ein wichtiges Argument sein. 

Die Frage ist nur, wer und wie die Pause nutzt. Wenn die Ukraine nach einem möglichen Waffenstillstand oder sogar einem Friedensabkommen entspannt, wenn in der Gesellschaft die Stimmung zunimmt, dass ein neuer großer Krieg nicht wiederholt werden kann, und nach Wegen des Verständnisses und des Zusammenlebens mit der Russischen Föderation gesucht wird, wird dies natürlich zu einem neuen, noch unerwarteteren und verheerenderen Schlag der Russen gegen die ukrainische Staatlichkeit führen, der blutig und brutal sein und dazu führen kann, dass die Ukraine, wenn nicht die Unabhängigkeit, dann zumindest die Souveränität und die Möglichkeit verliert, Entscheidungen über ihre weitere Entwicklung und ihre geopolitische Wahl zu treffen.

Wenn sich die Ukraine jedoch in ein Festungsland verwandelt und der wichtigste Sinn des Bestehens des ukrainischen Staates in den nächsten Jahrzehnten das Verständnis der Notwendigkeit des Widerstands gegen eine mögliche russische Aggression und die Stärkung der ukrainischen Identität im Land durch die Ausräumung des kolonialen Erbes des Nachbarstaates sein wird, dann hat die Ukraine, wenn auch nicht absolute, so doch reale Überlebenschancen. 

Und zusammen mit dem ukrainischen Staat besteht auch die Chance für das ukrainische Volk zu überleben, das im Falle der Zerstörung des ukrainischen Staates praktisch keine solchen Chancen mehr haben wird.

Donald Trumps erstes Abkommen. Vitaly Portnikov. 01.05.2025.


Donald Trump. Bild: Win McNamee/Getty Images

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Das Bodenschatzabkommen – oder, genauer gesagt, das Abkommen über die gemeinsamen US-ukrainischen Investitionen in neue Sektoren der ukrainischen Wirtschaft – war bereits ein berühmtes Dokument, bevor die Vertreter der USA und der Ukraine es unterzeichneten.  

Es ist das erste große Abkommen in der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump. Und gleichzeitig ist es ein unglaublich skandalöses Abkommen, denn der erste Versuch, es zu unterzeichnen, von einem wahren Handgemenge im Oval Office begleitet wurde. Und wenn wir die Beleidigungen beiseite lassen, möchte ich daran erinnern, warum: Zelensky wollte, dass das Abkommen Sicherheitsgarantien für die Ukraine vorsieht, und Trump glaubte, dass amerikanische Investitionen eine Sicherheitsgarantie genug sind. 

Außerdem begann die Geschichte dieses Abkommens schon bevor Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Damals riet Senator Lindsey Graham, einer von Trumps einflussreichsten Verbündeten und engsten Freunden der Ukraine im Kongress, Volodymyr Zelensky, der im Begriff war, die USA zu besuchen, eine Klausel über die gemeinsame Erschließung von Vorkommen in seinen „Siegesplan“ aufzunehmen, um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten zu interessieren. 

Trump war tatsächlich interessiert. Aber nicht in dem Ausmaß, das Bankova offensichtlich erwartet hatte. Außerdem war dem amerikanischen Präsidenten klar, dass der Mineralien-Deal ihn bei seinen eigenen Wählern als Held erscheinen lassen würde: Er könnte über die Zurückzahlung der Mittel sprechen, die sein Vorgänger der Ukraine kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, und die neue Militärhilfe damit rechtfertigen, dass er nicht wie Biden „Geld zum Fenster hinauswirft“, sondern sie mit amerikanischen Investitionen in die ukrainische Wirtschaft untermauert. 

Übrigens kann Trump auch jetzt noch davon sprechen, obwohl der aktualisierte Text des Abkommens die Möglichkeit einer Entschädigung für die bereits geleistete US-Hilfe nicht erwähnt. Denn allein die Tatsache, dass sich die Vereinigten Staaten an der Erschließung ukrainischer Bodenschätze beteiligen und daraus einen Gewinn erzielen werden, wird wie eine Entschädigung für das bereits ausgegebene Geld aussehen. Und gleichzeitig – als Rechtfertigung für neue Ausgaben. 

Es sollte jedoch bedacht werden, dass es sich nicht um ein reales, sondern um ein virtuelles politisches Dokument handelt. Wie die meisten Dinge, die heute mit Donald Trump in Verbindung gebracht werden.  Solange der Krieg in der Ukraine noch andauert, hat das Abkommen keine wirkliche Bedeutung. Kein amerikanisches Unternehmen wird in einem Land investieren, dessen Territorium jederzeit von einem Nachbarstaat beschlagnahmt oder mit Raketen angegriffen werden kann. Die Vorstellung, dass Trump nach der Unterzeichnung des Abkommens Putin sagen kann, dass er nun an Investitionen in der Ukraine interessiert ist und Putin sich zurückziehen soll, ist realitätsfern. Im Gegenteil, gerade das Einmischen der Amerikaner in die Erschließung der ukrainischen Bodenschätzen, die Putin als Eigentum des „historischen Russlands“ betrachtet, wird ihn nur in dem Glauben bestärken, dass der Westen versucht, ihm „das Seine“ wegzunehmen. Dies könnte Putins Wunsch, den Krieg fortzusetzen, eher stärken als schwächen. 

Außerdem hat der großzügige Putin Trump die gemeinsame Erschließung von Bodenschätzen nicht nur in Russland, sondern auch in den besetzten Gebieten der Ukraine angeboten. Die Tatsache, dass der amerikanische Präsident diese „Großzügigkeit“ nicht zu schätzen wusste, dürfte im Kreml keine Begeisterung auslösen, sondern den Wunsch verstärken, seinen Standpunkt mit Gewalt zu beweisen.  Und da das Abkommen keine wirklichen Sicherheitsgarantien vorsieht und niemand erwartet, dass amerikanische Truppen die Investitionsgebiete schützen, wird jeder westliche Investor nicht nur einen Waffenstillstand, sondern Garantien für einen dauerhaften Frieden abwarten – die es heute nicht gibt. 

Selbst wenn wir uns vorstellen, dass solche Garantien zustande kommen werden – etwa durch den Beitritt der Ukraine zur NATO oder die Umstrukturierung der russischen Regierung selbst – sollten wir uns auch des realen wirtschaftlichen Potenzials der Ukraine bewusst werden. Die geologische Erkundung von Bodenschätzen wurde zu Sowjetzeiten durchgeführt. Es ist nicht bekannt, welche Ergebnisse die neuen Bohrungen tatsächlich bringen werden, wie die Reserven an Mineralien und Seltenerdmetallen bewertet werden, welchen Wert sie auf dem Markt haben werden und vor allem, wie das Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen aussehen wird.  Investitionen in anderen Wirtschaftszweigen kommen heute nicht in Frage. Denn auch sie werden davon abhängen, wie der künftige ukrainische Staat aussehen wird: ob er eine zivilisatorische Sackgasse wird, mit feindlich gesinntem und für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ungeeignetem Russland im Rücken, oder ein Korridor zwischen der Europäischen Union und einem neuen, dialogfähigen Russland. 

Bislang scheint die zweite Perspektive illusorisch zu sein. Daher kann der materielle Wert des Abkommens nur auf den Seiten der Nicht-Science-Fiction diskutiert werden.  War es also nicht wert, dieses Abkommen zu unterzeichnen? Sie war es wert, unterzeichnet zu werden.  Denn Nicht-Science-Fiction ist Donald Trumps Stil. Und wenn wir zustimmen, nach seinen Regeln zu spielen, erhalten wir eine politische Dividende: neue Unterstützung für die Ukraine im Krieg, ein neues Modell des amerikanischen Dialogs mit Moskau und vielleicht mehr Druck auf Putin.  Die Unterzeichnung des Abkommens war genau zu diesem Zweck notwendig – um die Möglichkeit der Unterstützung zu bewahren und Druck ausüben zu können. In jeder anderen Hinsicht macht es keinen wirklichen Sinn und wird es wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren – oder vielleicht Jahrzehnten – nicht tun.

Unsre Expartner / Наші колишні. Ruslan Horovyj

Ich glaubte nie wirklich an mein erstes Grau,
Das leise verdrängt jede andere Farbe.
Ich nahm, was da war – ein Geschenk, ein Moment,
Dankte – oder ließ es verrinnen im Wind.
Ich dachte: Noch liegt alles vor mir.
Die Eltern sind jung, und du bleibst stets ein Kind.
Die Freunde – lebendig, die Liebe – für ewige Zeit,
Dann blinzelst du – und nur Lärm bleibt und Wind.

Unsre Expartner
Werden Helden der Bücher von uns.
Was wir verloren
Lebt in Versen, die tief in uns sind.
Die alten Tage und Wochen
Stehn Wache in unserm Verstand.
Nicht weggeschwommen –
Sie liegen wie Steine im Fluss, unter Sand.

Ich träumte davon, auf den Gipfel zu gehn,
Von oben das Leben als Summen zu sehn.
Glaubte nie, dass das Feuer mal ganz verglüht,
Dass Dunkelheit kommt und die Hoffnung verzieht.
Es fehlte mir einer, der mithielt im Lauf,
Der deckte, wohin ich den Kopf auch gestreckt.
Für Heilung zerfielen Chrysanthemen im Staub,
Die ich einst zum ersten Date mitgebracht.

Unsre Expartner
Werden Helden der Bücher von uns.
Was wir verloren
Lebt in Versen, die tief in uns sind.
Die alten Tage und Wochen
Stehn Wache in unserm Verstand.
Nicht weggeschwommen –
Sie liegen wie Steine im Fluss, unter Sand.

Die Praxis zeigt, was im Leben besteht,
Ob Weisheit sich hält oder mit dem Wind verweht.
Man sagt, nur der Weg zählt – das Ziel sei nur Schein –
Doch weißt du’s erst dann, wenn du stehst ganz oben.
Und irgendwann löst sich ein Knoten von selbst.
Lieder vorm Haus – Herz, das immer noch schlägt.
Versteck deine Narben nicht – zeig, was dich hält,
Denn Leben ist das, was in Spuren noch lebt.

Unsre Expartner
Werden Helden der Bücher von uns.
Was wir verloren
Lebt in Versen, die tief in uns sind.
Die alten Tage und Wochen
Stehn Wache in unserm Verstand.
Nicht weggeschwommen –
Sie liegen wie Steine im Fluss, unter Sand,
Tief unter Wasser,
Sie liegen im Fluss unter Wasser gespannt –
Unsere Exen...

Я якось ніколи не вірив в свою сивину,
Яка поступово зітре інші фарби зі скронь.
Сприймав все навколо як дар або як дивину
І дякував або скидав, як пісок, із долонь
Здавалось, що все ще попереду, все назавжди.
Батьки молоді, і ти завжди для них дітлашня.
Всі друзі живі, а кохання одне й навіки.
А потім моргнеш – і лишається лиш метушня.

Наші колишні
Стають героями наших книжок.
Наше минуле
Застигло римами в наших віршах.
Ті дні і тижні
Стоять на варті наших думок.
Не промайнули,
Лягли камінням під воду в річках.

Я мріяв колись, що зійду на вершину гори
І звідти побачу людей унизу, як мурах.
Не вірив, що ватра колись взагалі догорить,
І темрява впаде на землю, посіявши страх.
Мені бракувало того, хто б витримував темп.
І завжди прикрив, хоч куди б я не всунув свій ніс.
На ліки із часом пішли пелюстки хризантем,
Які я колись на побачення перше приніс.

Наші колишні
Стають героями наших книжок.
Наше минуле
Застигло римами в наших віршах.
Ті дні і тижні
Стоять на варті наших думок.
Не промайнули,
Лягли камінням під воду в річках.

Практика завжди доводить або відміта
Кимось прописані істини або думки.
Кажуть, важливий сам шлях, й аж ніяк не мета.
Але відчуєш, чи так, лиш досягши мети.
І рано чи пізно життя всі вузли розплете.
Пісні під під’їздом – це завжди про серцебиття.
Тож стій, не ховай свої шрами, бо шрами – це те,
Що кожній людині на згадку лишає життя.

Наші колишні
Стають героями наших книжок.
Наше минуле
Застигло римами в наших віршах.
Ті дні і тижні
Стоять на варті наших думок.
Не промайнули,
Лягли камінням під воду в річках,
під воду в річках.
Лягли під воду в річках
Наші колишні...

100 Tage des Chaos | Vitaly Portnikov. 30.04.2025.

In seinem neuen Interview zum 100. Tag seiner Präsidentschaft in den Vereinigten Staaten spricht Donald Trump erneut davon, dass Putin den Krieg beenden wolle und dass Putin ohne ihn, Trump, die gesamte Ukraine hätte erobern können.

Diese Aussage des amerikanischen Präsidenten unterscheidet sich von seinen jüngsten Äußerungen, wonach er zu glauben beginnt, dass der russische Präsident den Krieg mit der Ukraine nicht beenden will.

Andererseits verstehen wir sehr gut, dass das Interview von den Journalisten möglicherweise kurz vor dem 100. Tag von Trump aufgenommen wurde, noch bevor der amerikanische Präsident seine Sichtweise auf Putins Absichten geändert und diese Sichtweise mit den Journalisten geteilt hat, die einfach in der Nähe waren.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir am nächsten Tag oder in der nächsten Woche keine neuen widersprüchlichen Aussagen von Donald Trump hören werden.

Und wenn vor 90 oder 80 Tagen jede Äußerung des amerikanischen Präsidenten von uns als echte politische Sensation wahrgenommen wurde, so wird der größte Teil dessen, was Donald Trump sagt, jetzt nicht einmal von den Vertretern seines engsten Umfelds ernst genommen, die versuchen, sich an Donald Trump anzupassen und, wie Journalisten berichten, seine Anweisungen erst dann ausführen, wenn er sie ein zweites Mal wiederholen kann.

So viele Ideen und Pläne tauchen bei Donald Trump auf, und von so vielen Ideen und Plänen lässt er praktisch sofort nach seinen Äußerungen oder Anordnungen ab. Und das kennzeichnet die gesamten 100 Tage des Präsidenten der Vereinigten Staaten im Amt.

Viele von Trumps Gegnern waren der Ansicht, dass der amerikanische Präsident ins Weiße Haus zurückkehrt, um eine echte Diktatur zu errichten. Aber wenn es schon ein Autoritarismus ist, dann ein amerikanischer Autoritarismus. Eine echte Diktatur des Chaos, der Unvorhersehbarkeit und der wechselnden Absichten.

Und meiner Meinung nach wird Trumps Präsidentschaft in den nächsten 100 Tagen und bis zum letzten Tag seines Aufenthalts im Weißen Haus genau so verlaufen. Mit vielleicht nicht sehr schwerwiegenden Folgen für die amerikanische Demokratie, aber mit sehr schwerwiegenden Folgen für die amerikanische Wirtschaft, das gesellschaftliche Leben und die Stabilität all dessen, was wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika in Verbindung gebracht haben, bis zu dem Tag, an dem Donald Trump in das Oval Office zurückgekehrt ist.

Was die Ergebnisse dieser 100 Tage bezüglich Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges betrifft, so können wir einfach den nächsten Luftalarmsirenen in der Ukraine und der Fortsetzung des Vormarsches der russischen Truppen auf ukrainischem Boden beobachten.

Bis zu einem wirklichen Waffenstillstand ist es noch sehr, sehr weit. Die meiste Zeit haben sich die Vereinigten Staaten mit der Ukraine darüber verhandelt, wie die Bedingungen dieses Waffenstillstands aussehen sollen und wie dies mit dem bedeutenden Abkommen über mineralische Rohstoffe zusammenhängen soll, das nachdem die Idee der ukrainischen Entschädigung für die kostenlose Hilfe an unser Land durch Präsident Joseph Biden gestrichen wurde, jeden politischen und ehrlich gesagt auch wirtschaftlichen Sinn verloren hat.

Aber eine tatsächliche Einigung mit der Russischen Föderation ist der Trump-Administration, wie wir alle erwartet haben, nicht gelungen. Trump bestand all die Tage auf einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front. Zweimal bat er Präsident Putin selbst darum, zweimal erhielt er eine Absage, und schickte weiterhin seinen Sonderbeauftragten Steve Witkoff zu Putin, der versuchte, mit dem russischen Präsidenten nicht nur Fragen des russisch-ukrainischen Krieges, sondern auch Fragen der amerikanischen Abkommen mit dem Iran zu besprechen.

Stattdessen erhielt er von Putin und seinem wichtigsten Entscheidungsträger Kirill Dmitriew ein Panorama möglicher amerikanisch-russischer Beziehungen für den Fall, dass Washington sich auf die russische Sichtweise einlässt, wie der russisch-ukrainische Krieg enden soll. Das Er kehrte nach Washington zurück, erzählte es Trump, traf sich erneut mit Putin. Und jetzt, trotz aller Überzeugung Trumps, dass Putin den russisch-ukrainischen Krieg beenden wolle, beobachten wir nicht einmal die geringste Fortschritte in dieser Richtung.

Es sei denn, wir können dem amerikanischen Präsidenten zustimmen, dass Putin den Krieg unter seinen eigenen Bedingungen, unter den Bedingungen der Kapitulation der Ukraine und des Verschwindens unseres Staates von der politischen Landkarte der Welt, tatsächlich beenden wollte, es ihm aber nicht gelingt. So sehen auch die Ergebnisse von Trumps Tätigkeit in fast allen außenpolitischen Bereichen aus, mit denen sich die Administration des neuen alten amerikanischen Präsidenten befasst.

Mit dem Iran gibt es vorerst auch keine wirklichen Abkommen. Und obwohl derselbe Steve Witkoff, ein Developer, der aus irgendeinem Grund der Meinung ist, dass er unglaubliche diplomatische Fähigkeiten besitzt, und offensichtlich teilt Trump diese Ansicht, die Verhandlungen mit dem Leiter des iranischen Außenministeriums Abbas Arachi fortsetzt, ist klar, dass alle Abkommen mit Teheran nur dann zustande kommen können, wenn die Vereinigten Staaten damit einverstanden sind, dass der Iran sein friedliches Atomprogramm fortsetzen kann. Und genau aus Protest gegen die Tatsache, dass Präsident Barack Obama bei dieser Frage seinerzeit mit dem Iran geeinigt hatte, ist Donald Trump aus diesem Abkommen ausgestiegen, das vorheriger seinem Vorgänger unterzeichnet worden war.

Und jetzt sind die Bedingungen sogar noch günstiger, denn der Iran besteht auf der Beibehaltung des Kernmaterials, das er all die Jahre angesammelt hat, um gegebenenfalls den Weg zur Herstellung von Atomwaffen fortzusetzen. Nur dass dieses Kernmaterial jetzt möglicherweise nicht im Iran selbst gelagert wird, sondern in Russland, falls es eine Vereinbarung gibt, unter der Schirmherrschaft von Präsident Putin, der diese Notwendigkeit für die amerikanische Diplomatie natürlich nutzt, um Washington von der Notwendigkeit zu überzeugen, seinen Bedingungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachzugeben.

Im Nahen Osten haben wir leider immer noch keine Beendigung der Feindseligkeiten und keine Freilassung der israelischen Geiseln gesehen, die am 7. Oktober 2023 während eines beispiellosen Angriffs auf den jüdischen Staat von der Terrororganisation Hamas entführt wurden.

Natürlich wird jetzt darüber gesprochen, dass die Geiseln bereits im Mai freigelassen werden könnten. Und ich hoffe sehr, dass diese Menschen, diejenigen, die das Glück hatten, unter den Lebenden zu bleiben, zu ihren Familien zurückkehren werden. Man sollte jedoch daran erinnern, dass Donald Trump vor 100 Tagen Donald Trump die Terrororganisation Hamas aufforderte, die Geiseln unverzüglich freizulassen, und den Terroristenführern die Hölle in Gaza versprach. Auch dies ist nicht geschehen. Und jetzt hoffen wir einfach, dass die Verhandlungen, die im Nahen Osten unter Beteiligung desselben Steve Witkoff fortgesetzt werden, für die Geiseln und ihre Familien positiv verlaufen werden. Aber das sind Hoffnungen, die mit keiner konkreten politischen Kalkulation verbunden sind.

In dieser Situation kann man sich selbst fragen: Was ist mit den außenpolitischen Erfolgen Donald Trumps in den für die amerikanische Diplomatie kritischen Bereichen? Und ist es der Ausweg, von dem sowohl Trump selbst als auch seine engen Mitarbeiter wie Außenminister Marco Rubio oder Vizepräsident J.D. Vance sprechen, aus den Verhandlungen zu fliehen, um die Ohnmacht des Trumpismus nicht zu demonstrieren?

Denn in den letzten Wochen hören wir nur noch, dass die Vereinigten Staaten sich aus dem Verhandlungsprozess über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zurückziehen. Obwohl Trump, daran sollte man sich erinnern, während seines Wahlkampfs Dutzende Male versicherte, dass er nicht abhauen, sondern den Krieg Russlands gegen die Ukraine innerhalb von 24 oder 48 Stunden beenden könne.

Jetzt bezeichnet Trump dieses absolut konkrete und klare Versprechen als einen Witz, was eine ganz gewöhnliche Lüge ist. Was wirklich mit einer außenpolitischen Wende verbunden sein könnte, können wir an der ernsthaften Verschärfung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren Verbündeten aufgrund der so genannten Tarifpolitik Trumps und seinem offensichtlichen Wunsch sehen, nicht mehr die wichtige Rolle bei der Gewährleistung der Sicherheit des europäischen Kontinents zu spielen, die die Vereinigten Staaten nach dem Zweiten Weltkrieg gespielt haben, gerade weil sie Schlussfolgerungen aus den Ursachen des Ausbruchs der beiden Weltkriege gezogen haben, an denen Amerika beteiligt war.

Und jetzt haben wir einen unglaublichen Effekt. Die Unterstützung für Trump verwandelt die Chancen von Politikern, die sich mit ihm identifizieren, eher in einen Albtraum. Die letzten Parlamentswahlen in Kanada, die gerade in diesen Tagen stattgefunden haben, haben gezeigt, dass die kanadischen Konservativen, die vor einigen Monaten noch als sichere Gewinner dieser Wahlen galten, gerade als Trumps Präsidentschaft begann, nach antikanadischen Äußerungen Donald Trumps und seines Wunsches, die Wirtschaft des Nachbarlandes faktisch zu zerstören, zu Außenseitern bei den Parlamentswahlen wurden, und ihr Führer, der als kanadischer Trump bezeichnet wurde und sich bereits darauf vorbereitete, das Amt des neuen Premierministers des Landes anzutreten, verlor sogar seinen eigenen Sitz im Parlament. So tief ist das Misstrauen der Wähler dieses Landes gegenüber jedem, der sich mit Donald Trump identifiziert und nicht entschieden auf diese Äußerungen des amerikanischen Präsidenten reagiert, die aus absolut unverständlichen Gründen, außer für Trump selbst und sein engstes Umfeld, Nachbarländer herabsetzen.

Und dasselbe geschieht natürlich auch mit den Europäern. Die Europäer tun alles, um ihre Beziehungen zu den Vereinigten Staaten aufrechtzuerhalten. Sie verstehen, dass selbst wenn die Vereinigten Staaten die Sicherheit der Länder Europas nicht mehr gewährleisten, was bedeutet, dass Amerika in diesem Fall einfach ein Verbündeter des Putin-Regimes wird und Moskau die Türen zum europäischen Kontinent öffnet, eine Übergangsphase notwendig ist, die es ermöglichen würde, ein ausreichendes europäisches Potenzial zum Schutz vor möglichen Gefahren zu schaffen. Oder vielleicht muss man einfach diese schwierigen vier Jahre abwarten und hoffen, dass die amerikanische Gesellschaft nach Jahren des schändlichen Trump-Chaos zur Vernunft zurückkehrt.

Ohne diese Notwendigkeit, die Vereinigten Staaten als Garanten der Sicherheit zu erhalten, würden sich die europäischen Länder natürlich viel härter gegenüber Donald Trump verhalten. Und denen, die sagen, dass Europa einfach aufgewacht ist, weil es all die Jahre geschlafen hat, möchte ich in Erinnerung rufen, dass amerikanische Präsidenten, darunter auch Donald Trump, während seiner ersten Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten die Europäer aufforderten, ihre Verteidigungsausgaben zu erhöhen, und gleichzeitig wollten sie, dass die europäischen Länder Produkte des amerikanischen militärisch-industriellen Komplexes kaufen.

Das heißt, dass Amerika mit europäischen Geldern reich werden und so nicht nur seine eigene Sicherheit, sondern auch den Wohlstand der Vereinigten Staaten gewährleisten sollte. Und so war es sowohl während des Zweiten Weltkriegs als auch die ganze Zeit danach. Daher ist es nicht zu verstehen, welche unglaubliche politische Wende in Richtung Vernunftlosigkeit Donald Trump vollzogen hat, wenn man sagt, dass Europa falsche Schlussfolgerungen aus dem gezogen hat, was all die Jahrzehnte lang geschehen ist.

Und es ist absolut nicht verwunderlich, dass nach dem Skandal im Oval Office, einer der aufsehenerregendsten Ereignisse in den 100 Tagen der Präsidentschaft Donald Trumps, vielleicht eines der aufsehenerregendsten Ereignisse in der politischen Geschichte der Vereinigten Staaten, was Volodymyr Zelensky einen Platz in der Geschichte gesichert hat, die europäischen Staats- und Regierungschefs begannen, einen Gipfel nach dem anderen abzuhalten, um nicht nur zu verstehen, wie sie der Ukraine in der nächsten Phase des russisch-ukrainischen Krieges helfen können, sondern auch, wie sie sich selbst helfen können. Wie man ein Sicherheitsmodell für ein großes Europa schafft, das keine amerikanische Schutzmacht mehr benötigt, sondern vielleicht mit dem Atomwaffenpotenzial von Ländern wie Frankreich und Großbritannien und dem Geld auskommt, das die Europäer in diesen schwierigen Zeiten für eine gemeinsame Verteidigung ausgeben wollen.

Das ist natürlich auch ein reales Ergebnis der Trump-Außenpolitik. Ein weiteres Ergebnis, das man offen als antiamerikanisch bezeichnen kann, ist die Zerstörung von Trump und seinem extravaganten Mitstreiter, dem Milliardär Elon Musk, der faktisch auch seine eigenen Unternehmen zerstört, neben der Zerstörung Amerikas selbst, die Zerstörung der amerikanischen Soft Power. Die amerikanische Agentur USAID, die einer der wichtigsten humanitären Akteure in der heutigen Welt war, wurde faktisch von amerikanischen Ultrarechten liquidiert. Und jetzt kommt die Volksrepublik China mit ihrem Geld und ihren Vorschlägen an die Stelle der Vereinigten Staaten. 

Manche sagen sogar, dass die Trump-Administration als chinesischer außenpolitischer Agent arbeitet und den Weg ebnet, wo es den Chinesen selbst nie gelungen wäre, einen so großen Erfolg zu erzielen.

Und es lohnt sich überhaupt nicht, von einer ernsthaften Einsparung amerikanischer Ressourcen zu sprechen, wenn man bedenkt, wie viele Milliarden Dollar die Vereinigten Staaten dann in Kriegen in gefährlichen Regionen ausgeben werden und wie viele amerikanische Bürger bei diesen Kriegen ihr Leben lassen werden. Das verstehen wir alle sehr gut.

Und dieser Kampf gegen die Soft Power, gegen den Einfluss der Vereinigten Staaten, hat sich auch auf die faktische Zerstörung von Organisationen wie Voice of America oder Radio Svoboda und Free Europe ausgewirkt, die von Trumpisten kühn zerstört wurden. Und auch hier kann man sagen, dass die Trumpisten nicht nur Peking, sondern auch Moskau den Weg ebnen, das immer versucht hat, gegen alternative Informationsquellen zu kämpfen.

Übrigens, über Trumps Sympathie für Putin sowohl während seiner ersten Präsidentschaft als auch jetzt hat nur der Faule nichts gesagt. Es scheint, dass jeder andere Politiker, der sich Trumps Vorschlägen mit solcher Verachtung gegenübergestellt hätte, vom amerikanischen Präsidenten eine angemessene Antwort erhalten hätte. Aber nicht Putin. Denn Trump lebt in einer Welt, in der man nur die Schwache angreifen und aggressiv schreien kann. Vor Starken verspürt Trump einen unüberwindlichen Minderwertigkeitskomplex, der ein Kennzeichen dieser 100 Tage seiner Präsidentschaft ist.

Nun, die innenpolitische Lage in den Vereinigten Staaten verschlechtert sich natürlich und wird sich von Tag zu Tag verschlechtern. Es ist nicht verwunderlich, dass die Mitarbeiter des amerikanischen Präsidenten jetzt über die Möglichkeit seines Amtsenthebungsverfahren nachdenken, falls es den Demokraten in zwei Jahren gelingt, die Kontrolle über den Kongress zurückzugewinnen und so das schwierige Verfahren zur Absetzung Donald Trumps vom Amt einzuleiten, wohl wissend, dass sein Nachfolger eine ebenso extravagante und abscheuliche Figur sein wird, das De-facto-Idol der extremen Rechten in der ganzen Welt, Vizepräsidentin J.D. Vance.

Aber die Frage ist natürlich nicht, was nach den Nachwahlen zum Kongress passieren wird, sondern in welcher Form Amerika bis zu diesen Nachwahlen fortbestehen wird. Denn der Kampf der gegenwärtigen Regierung gegen die Justiz ist ein absolut reales Ergebnis von Donald Trumps Tätigkeit, und es bleibt nur noch zu verstehen, inwieweit die amerikanische Regierung bereit sein wird, Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs zu ignorieren, obwohl man auch verstehen muss, dass es keine wirklichen verfassungsmäßigen Beschränkungen für den Präsidenten gibt, solche Entscheidungen zu ignorieren.

Und so werden die Amerikaner vielleicht schon bald sich von der Unvollkommenheit ihres eigenen Rechtssystems überzeugen. Dass dieses Rechtssystem vor Trump wie ein Uhrwerk funktionierte, nur weil die Präsidenten der Vereinigten Staaten die Entscheidungen des Obersten Gerichtshofs der USA alle respektierten. Und wenn im Oval Office eine Person auftaucht, die nur sich selbst respektiert und ihre eigenen Porträts im letzten Stadium eines gefährlichen Narzissmus bewundert, kann es sich herausstellen, dass alle Gerichtsentscheidungen, auch solche, die der Regierung ungünstig sind, von ihr ignoriert werden.

Und das wird auch ein ernsthaftes Problem für das Funktionieren des amerikanischen Verwaltungssystems sein. Denn das Wichtigste, was Trump tut, ist, unter dem Motto des Kampfes gegen die Bürokratie, das jedem verantwortungslosen Populisten ziemlich eigen ist, das Verwaltungssystem der Vereinigten Staaten von Amerika zu zerstören. Und es besteht die große Gefahr, dass die Ruinen dieses Verwaltungssystems bald auf die Köpfe von Millionen von Amerikanern fallen werden, darunter sowohl Anhänger als auch Gegner Donald Trumps. 

Was kann man also wirklich über diese 100 Tage sagen? Es ist das, dass das Chaos, das in Amerika herrscht, jetzt absolut unvorhersehbare Folgen hat. Wir können mit Ihnen aufzählen, was bereits getan wurde und was getan werden könnte. Aber vergessen Sie nicht, dass Trump ein Mensch ist, der bereit ist, seine Entscheidungen jederzeit aufzuheben und sogar zu erklären, warum er dies tut und wie positiv sich die Aufhebung seiner eigenen Entscheidung auf die amerikanische Wirtschaft auswirkt.

Das beste Beispiel ist meiner Meinung nach die Geschichte mit den Zöllen. Erinnern wir uns, wie Trump während seiner Rede im Weißen Haus feierlich absolut unlogische und durch nichts motivierte Zölle auf Produkte von Dutzenden von Ländern der heutigen Welt verkündete. Und was war das Ergebnis? Das Ergebnis war, dass Trump innerhalb weniger Tage von der überwiegenden Mehrheit dieser Zölle zugunsten eines zehnprozentigen Zolls und zugunsten von Verhandlungen mit allen Teilnehmern an diesem Handelsstreit, der für Amerika keinen praktischen Sinn hat, Abstand nahm.

100 Tage, über die wir aus prognostischer Sicht nicht sprechen können, weil wir nicht wissen, auf welche Dinge Donald Trump morgen verzichten wird und welche Entscheidungen er heute treffen wird, welche Entscheidungen er aufheben und welche er beibehalten wird und inwieweit diese bestehenden Entscheidungen überhaupt realisierbar sind. Das ist wirklich ein riesiges Problem.

Und wenn es nur ein riesiges Problem für die Amerikaner selbst wäre, könnte man darüber als große politische Anekdote berichten. Als Studie darüber, was in einem bestimmten Land vor Augen der ganzen Welt geschieht. Als Verständnis dafür, welches Ausmaß der Populismus in der Zeit neuer Informationstechnologien angenommen hat. 

Aber tatsächlich, da Amerika immer ( jetzt nicht mehr) der Führer der gesamten demokratischen Welt gewesen, ist dies eine schmerzliche Prüfung für uns alle. Für diejenigen, die das Schicksal der amerikanischen Demokratie, der amerikanischen Wirtschaft, der amerikanischen Soft Power, all dessen, was die Entwicklung der demokratisch gesinnten Menschheit nach dem Sturm der beiden Weltkriege bestimmte, verfolgen.

Und natürlich gehören die Ukrainer zu den Ersten, die mit großer Aufmerksamkeit verfolgen, was in den Vereinigten Staaten von Amerika geschieht, denn von Donald Trump hängt es ab, ob die Ukraine ein neues Paket militärischer Hilfe erhalten wird, nachdem die Hilfe endet, die wir der Regierung Joe Bidens verdanken. Denn wir wissen nicht, ob wir die Geheimdienstinformationen erhalten werden, die notwendig sind, damit die Ukrainer nicht wie auf einer Schießscheibe von grausamen russischen Führern erschossen werden, denen Trumps Mitarbeiter Hände schütteln. Denn für die Ukrainer ist es wichtig zu verstehen, welche weiteren Anstrengungen der amerikanische Präsident in den nächsten Jahren unternehmen kann, um den Präsidenten der Russischen Föderation zu zwingen, den Krieg gegen die Ukraine und seinen Plan zur weiteren Besetzung ukrainischen Territoriums und Vernichtung der Ukrainer aufzugeben. 

Denn wir sind Teil Europas. Und davon, wie Amerika die Sicherheit des europäischen Kontinents betrachtet, hängt unser Überleben in den offensichtlichen Konflikten mit der autoritären Welt in den kommenden Jahrzehnten des schwierigen einundzwanzigsten Jahrhunderts ab. Denn die größte Herausforderung dieses Jahrhunderts, der Konflikt zwischen Demokratie und Diktatur, ist nirgendwohin verschwunden und wird unser Leben und Sterben in den kommenden Jahren bestimmen. Und hier ist es natürlich am wichtigsten, dass Amerika nicht auf der Seite der abscheulichen autoritären Regime und Diktaturen steht.

Trump stellt sich auf die Seite der Ukraine | Vitaly Portnikov. 29.04.2025.

Donald Trumps Bereitschaft, im Falle, dass Präsident Putin seine Wünsche zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges weiterhin ignoriert, nicht auf der Seite Zelenskys, sondern auf der Seite der Ukraine zu stehen, mag im Interview des amerikanischen Präsidenten mit dem Chefredakteur des Magazins The Atlantic als sensationelle Phrase erscheinen.

Es sollte jedoch daran erinnert werden, dass Trump in diesem Interview keine Tatsache feststellt, sondern die Frage eines amerikanischen Journalisten beantwortet, ob sich eine Situation entwickeln könne, in der er sich auf der Seite der Ukraine befinden würde. Und er beantwortet diese Frage bejahend, dass dies tatsächlich der Fall sein könnte.

Obwohl der Journalist ihn fragt, ob er bereit sei, auf der Seite Zelenskys zu stehen. Hier liegt die Präzisierung seitens des amerikanischen Präsidenten. Auf der Seite der Ukraine, ja, nicht auf der Seite Zelenskys.

Aber auch hier ist es wichtig zu bedenken, dass dieses Treffen von Donald Trump mit dem Chefredakteur der Zeitschrift The Atlantic vor dem Treffen des amerikanischen Präsidenten mit seinem ukrainischen Amtskollegen im Petersdom in Rom während der Beerdigung von Papst Franziskus stattfand. Wenn das Interview nach diesem Treffen, das von vielen als eine Art Versöhnung zwischen Trump und Zelensky gewertet wird, aufgezeichnet worden wäre, wäre die Antwort des amerikanischen Präsidenten möglicherweise nicht so kategorisch gewesen und hätte sich nicht auf den ukrainischen Präsidenten bezogen.

So konzentrierte sich Donald Trump weniger auf die Hilfe für die Ukraine, sondern auf die Details des Treffens im Oval Office. Die Verantwortung für dessen Scheitern kehr er weiterhin in der Verantwortung des ukrainischen Präsidenten.

Gleichzeitig bestand Trump weiterhin darauf, dass er die Ukraine rettet. Wiederum als Antwort auf die Frage, warum er im Gegensatz zu seinen Vorgängern im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, sagen wir, Ronald Reagan, unter dessen Porträt das Gespräch mit den Journalisten stattfand, keine Empathie für kleine Länder empfindet, die von größeren angegriffen werden.

Und Trump betonte wiederum in seiner Antwort auf die Fragen amerikanischer Journalisten, dass er dieses Empathiegefühl habe und dass er die Ukraine bereits vor dem Ausbruch des großen Krieges zwischen Russland und der Ukraine vor der russischen Aggression gerettet habe, wobei er natürlich an die Lieferung von Javelins zur Verteidigung gegen die russische Aggression erinnerte.

Man kann also sagen, dass das Interview von Donald Trump, in dem er die Möglichkeit erwähnt, auf der Seite der Ukraine zu stehen, ein Spiegelbild wichtiger Tendenzen in seiner eigenen Politik in Bezug auf den russisch-ukrainischen Konflikt ist.

Und genau deshalb erlaubt es, gewisse Schlussfolgerungen nicht vor dem Hintergrund dieses Gesprächs, das Trump mit Zelensky geführt hat, sondern noch vor diesem Gespräch zu ziehen.

Es erlaubt zu glauben, dass Trump über Putins Unnachgiebigkeit und darüber verärgert ist, dass der russische Präsident ihn durch seine Angriffe auf ukrainische Städte in eine schwierige Situation bringt, noch bevor die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine nach dem berüchtigten Skandal im Oval Office zum zweiten Mal miteinander sprachen.

So können wir mit Ihnen darüber sprechen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten heute wirklich nicht sehr gut versteht, wie es ihm gelingen wird, den russisch-ukrainischen Krieg in der Zeit zu beenden, die er für ausreichend hielt, um zumindest die Frage des Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front zu lösen.

100 Tage Präsident Trump haben uns gezeigt, dass die Bemühungen des amerikanischen Staatsoberhaupts, gelinde gesagt, unzureichend waren, um den russischen Präsidenten dazu zu bringen, seinem amerikanischen Kollegen entgegenzukommen. Und dass die Hauptaufgabe Putins und seines engsten Kreises darin besteht, Trump und seine Mitarbeiter im Verhandlungsprozess vor dem Hintergrund der andauernden Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front zu halten.

Kämpfe, von denen Putin glaubt, dass sie es ihm ermöglichen werden, in Zukunft weitere Gebiete der Ukraine zu besetzen und immer neue Bedingungen zu stellen, die weniger Bedingungen für einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front sind, sondern Bedingungen für die Kapitulation der Ukraine.

In dieser Situation sollte man natürlich erkennen, dass Trump nicht den Wunsch zeigt, die Person zu werden, die für den Tod ukrainischer Zivilisten verantwortlich ist, die Person, die den Verhandlungsprozess mit Putin vor dem Hintergrund neuer und immer neuer Verbrechen des russischen Präsidenten und seiner Verbrecherarmee fortsetzt.

Und hier wird sich der Präsident der Vereinigten Staaten bald entscheiden müssen. Vielleicht geschieht dies sogar nach dem Jahrestag des Sieges im Zweiten Weltkrieg, den Putin wie üblich in ein Festival abscheulichen Siegesfeierns verwandelt hat.

Trump muss entweder erkennen, dass er tatsächlich so handeln muss, wie er den Journalisten von The Atlantic gesagt hat, der Ukraine mehr helfen. Und übrigens sagte er in seiner Antwort, dass es neben der militärischen Hilfe eine stärkere Sanktionsbelastung für die Russische Föderation geben könnte.

Auch das sollte analysiert werden. Vielleicht denkt Trump nicht an eine Verstärkung der militärischen Hilfe, sondern an eine Verstärkung der Sanktionen gegen Russland und ist sich nicht bewusst oder ist sich allzu bewusst, dass diese Sanktionen nicht zu einer ernsthaften Änderung der Position Putins führen werden.

Oder er muss tatsächlich die Entscheidung treffen, sich aus dem weiteren Verhandlungsprozess zwischen Russland und der Ukraine zurückzuziehen. Was, wenn es mit dem Ausbleiben neuer militärischer Hilfe für die Ukraine verbunden ist, die Chancen der Russischen Föderation erhöhen wird, neue ukrainische Regionen zu besetzen und auch weiterhin die Kapitulation der Ukraine im weiteren Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges zu fordern.

Es ist jedoch offensichtlich, dass eine Desertion aus den Verhandlungen das politische Gewicht des amerikanischen Präsidenten, der um seinen eigenen Ruf besorgt ist und genau weiß, wie die Kommentare zu seinen 100 Tagen im Amt lauten werden, kaum stärken wird, wenn er in keinem seiner außenpolitischen Unternehmungen ein Ergebnis erzielt hat.

Aus den russisch-ukrainischen Verhandlungen auszusteigen bedeutet für Donald Trump, nicht nur seine eigene politische Ohnmacht, die selbst für Anhänger des amerikanischen Führers immer offensichtlicher wird, sondern auch die Ohnmacht der Vereinigten Staaten von Amerika zu zeigen.

Und deshalb glaube ich, dass Trump aus keinen Verhandlungen aussteigen wird. Unsere Aufgabe ist es jedoch, den amerikanischen Präsidenten davon zu überzeugen, dass er in diesen Verhandlungen nicht als Vermittler, sondern als Unterstützer der Ukraine auftreten muss, der dazu beitragen wird, Druck auf die Russische Föderation auszuüben und immer schwierigere Bedingungen für Russland für eine Aussetzung oder Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu schaffen.

Nachtigall/ Соловей

O, ich ging ins Tal hinab,
Wo die rote Kalina stand.
O, ich ging ins Tal hinab,
Pflückte mit der eignen Hand.
Blumen nahm ich mit nach Haus,
Flocht daraus ein Kränzchen draus,
Flocht hinein mit zarter Hand
Rute, Veilchen aus dem Land.
Und da kam mein Wanjuschka,
Eilt herbei – o sieh nur da!
Und da kam mein Wanjuschka:
„Katja, du bist wunderbar!
Meine liebe Katrusja,
Wie ich dich doch innig sah!
Lieb dich still, aus Herzensgrund –
Bis Mama erfährt den Bund!“

Refrain:
Nachtigall, Nachtigall,
Singe nicht so früh im Tal!
Denn mein Herz ist voller Leid,
Heiter ist es nicht zurzeit.
Nachtigall, Nachtigall,
Wie soll ich vergessen?
Hab ihn lieben wohl gewusst,
Doch das Loslassen nicht gekonnt.

Hätt ich das nicht gleich gespürt,
Wär mein Herz nicht so gerührt,
Wär mit dir nicht hingegangen,
Hätt Kalina nicht empfangen.
Lieb dich still, aus Herzensgrund –
Bis Mama erfährt den Bund.
Wenn sie’s weiß, ist's aus –
Dann geht jeder still nach Haus...
Singe nicht so früh im Tal –
Mir ist traurig, ohne Wahl.
Ach, was soll ich machen?

Refrain:
Nachtigall, Nachtigall,
Singe nicht so früh im Tal!
Denn mein Herz ist voller Leid,
Heiter ist es nicht zurzeit.
Nachtigall, Nachtigall,
Wie soll ich vergessen?
Hab ihn lieben wohl gewusst,
Doch das Loslassen nicht gekonnt.

Ой, ходила я в долину
По червоную калину.
Ой, ходила я в долину
По червоную калину.
Назбирала квіточок,
Заплітала в віночок,
Заплітала в віночок
Руту і барвіночок!
А до мене Ванюша
Із-за гаю поспіша,
А до мене Ванюша:
Ти, Катруся, хороша!
Мила моя Катруся,
Я з тобою люблюся!
Я з тобою люблюся,
Поки не зна матуся!

Приспів:
Соловей, соловей,
Не співай раненько.
А мені на серденьку
Знов не веселенько!
Соловей, соловей,
Ой як мені бути?..
Вміла його полюбити,
Не вміла забути!

Якби я того не знала,
То з тобою б не гуляла,
Не ходила в долину,
Не ламала б калину.
Я з тобою люблюся,
Поки не зна матуся,
А як узна матуся,
То розійдемося!
Не співай раненько!..
Щось не веселенько!..
Ой, як мені бути?..

Приспів.

Eine Segenspuppe/ Мотанка. Ruslan Horovyj.

Schicksale sich kreuzen,
Fäden sich verweben,
Knoten auf dem Leinen
Wachsen aus dem Leben.

Kleine Segenspuppe
Trägst du unterm Bande –
Heute will ich Mutter
Sein an deiner Seite.

Kleine Segenspuppe
Liegt in deiner Hand –
Ich werd’ dich nicht lassen,
Führ’ dich aus dem Land.

Führ’ dich aus den Flammen,
Trag’ dich aus dem Keller,
Werde Sturm und Unheil
Stillen immer schneller.

Werd’ die Ohren schließen,
Werd’ die Augen blenden,
Feuer werden lodern
Mitten auf den Feldern.

Dass die Schlangensippe
Sich vor Schmerzen windet,
Und kein böses Auge
Je zu dir sich findet.

Ich bin mehr als Fäden,
Mehr als Spielerei –
In mir schlägt die Stärke
Alter Ahnen frei.

Wer mich einst geschaffen,
Kann mit Worten zwingen,
Und in jedem Fädchen
Wird die Liebe klingen.

Schicksale sich kreuzen,
Spinnen feines Garn.
Ich werd’ dich bewahren,
Lass’ dich nie im Harm.

Схрещуються долі,
Сходяться нитками,
Вузлики на пілці
Сталися руками.

Мотанка маленька
В тебе під бинтами –
Я тобі сьогодні
Буду замість мами.

Мотанка маленька
У твоїй долоні –
Я тебе не кину
Виведу з полонів.

Виведу з пожежі,
Винесу з підвалу,
Зупиню-замовлю
Звірову навалу.

Затулю їм вуха,
Засліплю їм очі,
Запалю заграви
В полі серед ночі

Хай зміїне кодло
Корчиться й німіє,
Бо на тебе й погляд
Звести не посміє.

Я не просто лялька,
В‘язана зі споду:
Сила в мені б‘ється
Від усього роду.

Хто мене намовив –
Знається на слові,
Сила в кожній нитці
Від її любові.

Схрещуються долі
В‘яжуть павутину.
Я тебе врятую.
Я тебе не кину.

Überall blüht weiß die Traubenkirsche fein/ Всюди буйно квiтне черемшина.

Wieder tönt im Wald der Kuckucksruf,
Schwalben bauen unterm Dach ihr Nest zuhauf.
Und der Schäfer treibt die Herde übers Feld,
Hinterm Hain die Nachtigall ihr Lied erzählt.

Überall blüht weiß die Traubenkirsche fein,
Wie zum Hochzeitstag strahlt hell der Schneeball.
In dem stillen Garten, fern von aller Müh’,
Wartet seine Liebste, wartet nur auf ihn.

Abend kommt – die Schafe stehn am kühlen Bach,
Trinken Wasser aus dem klaren Flussgemach.
Und im Garten eilt der Schäfer froh herbei,
Zu dem Mädchen, das ihn liebt so inniglich.

Überall blüht weiß die Traubenkirsche fein,
Wie zum Hochzeitstag strahlt hell der Schneeball.
In dem stillen Garten, fern von aller Müh’,
Wartet seine Liebste, wartet nur auf ihn.


Знов зозулi чути голос в лiсi
Ластівки гнiздечко звили в стрiсi
А вiвчар жене отару плаєм
Тьохнув пісню соловей за гаєм.

Всюди буйно квiтне черемшина
Мов до шлюбу вбралася калина
Вiвчара в садочку, в тихому куточку
Жде дiвчина, жде.

Ось i вечiр – вiвцi бiля броду
З Черемоша п'ють холодну воду
У садочку вiвчара стрiчає
Дiвчинонька, що його кохає.

Всюди буйно квiтне черемшина
Мов до шлюбу вбралася калина
Вiвчара в садочку, в тихому куточку
Жде дiвчина, жде.