Über den nationalen Character der Ukrainer. Abschnitt. Vitaly Portnikov. 02.05.2025.

Kiselev. Einige meine Zuschauer bilden ihr eigenes Weltbild nach Publikationen, die manchmal in der westlichen Presse erscheinen, manchmal in den oppositionellen Medien. Und das sind Publikationen, die auf kurzen Besuchen dieser Leute in der Ukraine basieren. Sie kommen für ein paar Tage nach Kyiv, sprechen mit ihren Kyiver Bekannten, mit Politikern, Abgeordneten, Beamten, Journalisten, Aktivisten, die tatsächlich oft ihre eigene sehr sehr politisch motivierte Agenda haben. Und dann kehren sie zurück und veröffentlichen einen langen Artikel, in dem manchmal so etwas steht, dass man nach dem Lesen gehen und sich aufhängen kann, weil alles schlecht ist, die Ukrainer sind des Krieges müde, niemand will kämpfen, nur Zelensky will kämpfen, die Ukrainer wollen Wahlen, aber die Wahlen werden verschoben und finden nicht statt, ja. Wahlen finden unter verschiedenen vorgeschobenen Gründen nicht statt, die Korruption, es ist eine völlige Katastrophe. Und nach all dem stellt sich mir eine Frage: Warum hält die Front? Warum verliert die Ukraine nicht den Krieg? 

Portnikov. Wahrscheinlich, weil diese Artikel nur einen Teil der Realität widerspiegeln. Und weil die Realität nicht in Küchengesprächen und nicht einmal in Bürogesprächen liegt, sondern in der Situation, die sich genau an der Front ergeben hat. Sie haben völlig Recht. Darüber sprach kürzlich in seinem Bericht der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte, General Walery Zaluzhny, der von einer Pattsituation im Krieg sprach, in der eine Armee nicht angreifen kann, die andere Armee auch nicht angreifen kann. Zwischen ihnen ist diese technische Zone, die nicht überwunden werden kann, weil sich der Krieg qualitativ verändert hat. Und das ist das Wichtigste, was man über das Geschehen wissen muss. Verstehen Sie? Und die Gespräche finden im Hinterland statt oder irgendwelche Journalisten kommen an die Front, das habe ich auch schon oft gesehen und gehört. Sie sagen: Dort sind leere Schützengräben. Sie kennen auch dieses Meme. 

Kiselev. Leere Schützengräben, nein, mir ist das nicht begegnet. 

Portnikov. Das habe ich in solchen Publikationen und Überlegungen gesehen. Aber es geht nicht darum, wie viele Leute in den Schützengräben sind, sondern wie technisch die Unmöglichkeit des Erreichens der Schützengräben durch beide Seiten gewährleistet ist, verstehen Sie? Und wieder sind wir keine militärischen Experten, aber ich beziehe mich auf Zaluzhny. Deshalb kann Russland nicht mehr ukrainisches Gebiet erobern, und jeder Durchbruch kostet es zehntausende Opfer. Denn die Opfer, die Russland im letzten Monat, im vorletzten Monat erlitten hat, das ist ja 46.000 bis 50.000 Soldaten, riesige Opfer. Und das Ergebnis ist der Vormarsch in einen einzigen Ort. Das bedeutet, dass diese Menschen mit ihren Körpern in diese Gräben gelegt werden, Material werden, damit über ihre Körper durch diese durch Drohnen durchgeschossen Schützengräben, andere eine kurze Distanz vorrücken können.

Kiselev. Sie haben die Fotos gesehen, es stehen noch kahle Äste in den Feldgehölzen und sie sind alle wie ein Spinnennetz mit diesen Überresten von Glasfaserkabeln von ferngesteuerten Drohnen von beiden Seiten verflochten. Das Bild ist apokalyptisch.

Portnikov. Ja, natürlich, ich stimme zu. Und das zeigt, dass die Leute über einen Krieg schreiben, der in Vergangenheit geführt wurde, und dazu im Hinterland sprechen. Und Gott sei Dank hat die Ukraine jetzt viel weniger Verluste als Russland in dieser Situation. Tatsächlich hat sich der Krieg grundlegend verändert, und ihre Veröffentlichungen haben sich einfach nicht an die neue Zeit angepasst. Das heißt, sie schreiben so, wie sie immer geschrieben haben. Sie kommen nach Kyiv, sie kommen nach Charkiw, sie sprechen, und es ist klar, dass ein Mensch, der für ein paar Tage in eine solche Atmosphäre kommt, diese Drohnenangriffe, diese Explosionen oder diese Brände sieht, er ist versucht, seinen eigenen Emotionen und seiner Verzweiflung nachzugeben. Er sieht viele Menschen, die sagen: Möge das alles bald vorbei sein. Aber beachten Sie, dass die Soziologie zeigt, dass die Ukrainer, selbst diejenigen, die wollen, dass es bald vorbei ist, überhaupt nicht wollen, dass es mit einer Niederlage ihres Landes endet. Die Frage: möge es so enden wie es wolle, die fehlt in der ukrainischen Gesellschaft. Das ist keine philosophische Frage, das ist die Realität.

Kiselev. Stimmen Sie doch zu, dass es bestimmte, wenn man so will, national-psychologische Besonderheiten des ukrainischen Volkes, der ukrainischen politischen Nation gibt.

Portnikov. Was meinen Sie damit? 

Kiselev. Was meine ich damit? 

Portnikov. Ja, sagen Sie mir, wie ein Russe einem Juden, was meinen Sie damit? Sie wollen über die Besonderheiten der ukrainischen Nation sprechen. Darüber können wir diskutieren. Ich vermute, das ist nicht politisch korrekt, aber bitte.

Kiselev. Nein, ich ich glaube trotzdem, dass jedes Volk, jede politische Nation, ich spreche jetzt nicht im ethnischen Sinne davon, jede politische Nation hat einen nur ihr eigenen Satz von Werten, nur ihr eigenen Satz psychologischer Eigenschaften.

Portnikov. Ukrainer nicht einmal im politischen, sondern gerade im ethnischen Sinne des Wortes sind ein Volk, das unbewusst Gerechtigkeit anstrebt. Es ist ein sehr wichtiger Teil des ethnischen Charakters, über den man sprechen kann. Einfach der Charakter der Menschen, die in diesem Land leben, sagen wir mal so. Er neigt zum zum Vorrang familiärer Werte, so wie die Italiener. Dieser Vorrang familiärer Werte wird durch die Vorstellung von Gerechtigkeit ausgeglichen. Gerechtigkeit in einem solchen gesellschaftlichen Maßstab. Ja, meine Familie ist sehr wichtig, aber ich möchte, dass es allgemein Gerechtigkeit gibt, zu Hause und außerhalb des Hauses. Und die Freiheitsliebe, eine übertriebene Freiheitsliebe ist eine Folge des Strebens nach Gerechtigkeit. Wenn man Gerechtigkeit will, kann es Gerechtigkeit nur bei freien Menschen geben. Das ist das Motiv, dem ich immer begegnet bin, sowohl im politischen als auch im ethnischen Sinne des Wortes. Und außerdem ist den Ukrainern als Volk wieder ein Verständnis des Ziels eigen. Das heißt, die Ukrainer sind sich bewusst, was sie auf die eine oder andere Weise erreichen wollen. Das ist übrigens das, was sie oft von den Russen unterscheidet. Russen handeln sehr oft ohne zu verstehen, was sie als Ergebnis erhalten wollen. 

Kiselev. Und außerdem scheint mir ein Kennzeichen der Ukrainer ihre Eigenständigkeit zu sein.

Portnikov. Eine persönliche Eigenständigkeit. Misstrauen gegenüber dem Staat. 

Kiselev. Nicht nur gegenüber dem Staat, Misstrauen gegenüber der Führung,gegenüber jeder Führung. Portnikov. Misstrauen gegenüber der Führung und gegenüber dem Staat als Folge des Misstrauens gegenüber der Führung. Kiselev. Ich meine, das gibt es manchmal auch in anekdotischen Erscheinungsformen.

Portnikov. Natürlich, jedes nationale Merkmal kann übertrieben sein, das ist klar. Kiselev.Wenn man jemanden bittet, etwas so und so zu tun, und er es nicht so tut, wie man es gebeten hat, sondern so, wie er es für besser hält.

Portnikov. Das wissen wir einfach, weil wir etwas in der Ukraine geleitet haben. Aber die Leute, die nichts in der Ukraine geleitet haben, könnten damit nicht konfrontiert werden, sie sind glückliche Leute. Aber das ist die reine Wahrheit. 

Kiselev. Reine Wahrheit. Stimmen Sie zu, dass es manchmal zur Verzweiflung führte.

Portnikov. Aber manchmal wurde es besser, als wir wollten. 

Kiselev. Ja, manchmal wurde es besser, als wir wollten, und das scheint mir sehr stark jetzt im Krieg zum Ausdruck zu kommen. 

Portnikov. Ja, und das ist übrigens in vielerlei Hinsicht ein Geheimnis dessen, was auf beiden Maidanen geschah. Als die Leute die Initiative selbst in die Hand nahmen. Sehr oft, wenn sich herausstellte, dass die politische Führung gelähmt war oder Angst hatte, einen nächsten Schritt zu tun. Wir haben während des Maidan 2013-2014 immer gedacht, als ein Gleichgewicht oder Stillstand eintrat: Was sollen wir tun, was ist der nächste Schritt, was sollen wir als Nächstes tun? Und dann stellte sich heraus, dass die Menschen bereit sind, die Initiative selbst zu ergreifen, ohne irgendwelche Treffen und Anweisungen von oben. 

Kiselev.Einschließlich im Februar, als die sogenannten Führer der Opposition eine Vereinbarung über den Ausstieg aus der politischen Krise unterzeichneten. Sie erinnern sich, die die Abhaltung vorgezogener Präsidentschaftswahlen Ende 2014 und viele andere Dinge vorsah. 

Portnikov. Der Maidan reagierte nicht begeistert. 

Kiselev. Der Maidan reagierte: Warten Sie, wer sind Sie denn, haben wir Sie ermächtigt, solche Vereinbarungen zu unterzeichnen? Aber wenn wir von der Front sprechen, wie ich verstehe, ich bin kein Militärexperte, ich orientiere mich in all diesen Dingen einfach an den Meinungen, die ich höre und manchmal sogar aufzeichne, um nichts zu verfälschen. Zum Beispiel sagen mir Militärexperten, der grundsätzliche Unterschied in der Art und Weise, wie die Ukraine militärische Operationen führt, liegt darin, dass die Kommandeure, die sich direkt an der Front befinden, selbst Entscheidungen darüber treffen, wie sie am besten vorgehen, wie sie kämpfen, sich zurückziehen, angreifen, in den Schützengräben bleiben, welche Waffenarten sie aus dem vorhandenen Bestand verwenden sollen. 

Portnikov. Wissen Sie, heute ist der Jahrestag der Tschernobyl-Ereignisse. Und als ich die Interviews, die Erinnerungen von Parteifunktionären der Sowjetukraine über das Geschehen las, erfuhr ich mit Erstaunen, dass sie eine Reihe von Entscheidungen humanitärer Natur, z. B. die Evakuierung von Menschen, trafen. Das waren Menschen, die ich gut kannte, ich hielt sie für verkrustete Parteifunktionäre. Sie haben die Entscheidungen trotz oder sogar ohne Rücksprache mit dem Zentralkomitee der KPdSU getroffen. Weil sie dachten, es wäre besser. Und das waren Leute, die man kaum als initiative Leute bezeichnen konnte, die der eigentliche Parteibeton waren. Aber in der ukrainischen politischen Führung zu sein, so seltsam es auch erscheinen mag, brachte sie auch unter dem Gesichtspunkt hervor, dass sie irgendwo Initiative zeigen könnten.

Angriff auf Noworossijsk | Vitaly Portnikov. 03.05.2025.

In dieser Nacht wurde Noworossijsk, der wichtigste russische Hafen am Schwarzen Meer, die Basis der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation, nachdem es den Ukrainern gelungen war, die Besatzer von Sewastopol zu vertreiben, und auch der wichtigste Handelshafen für russisches Öl, durch einen Angriff ukrainischer Drohnen geweckt.

Derzeit werden natürlich erst die Ergebnisse dieses Angriffs zusammengefasst. Die Russen melden nichts über die Probleme, die in der Infrastruktur von Noworossijsk und in der Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation aufgetreten sind. Sie lenken vor allem die Aufmerksamkeit auf die Situation in den Wohngebieten, aber wir verstehen sehr gut, dass Moskau in der Regel versucht, nicht über die tatsächlichen Ergebnisse fremder Angriffe zu berichten, aber in der Regel seine eigene Ergebnisse übertreibt.

Aber die Tatsache des Ausmaßes des Angriffs auf Noworossijsk wird auch dadurch bestätigt, dass darüber offizielle russische Medien berichten, und nicht nur sogenannte Kriegskorrespondenten, und dass in Noworossijsk nach dem Angriff der Ausnahmezustand verhängt wurde und dass, wie sich herausgestellt hat, für die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation keinen sicheren Platz mehr gibt.

Es gab Zeiten, in denen sich die Seeleute dieser Flotte, die sich in Wirklichkeit als ganz gewöhnliches Besatzungsaufgebot für die Krim herausgestellt hat, in jedem Hafen des Schwarzen Meeres absolut wohl fühlten, sowohl in russischen als auch, übrigens, in ukrainischen. Das alles war so lange der Fall, bis Putin die Krim annektierte und einen großen Krieg gegen die Ukraine begann. Einen Krieg, der für die Schwarzmeerflotte mit sehr unangenehmen Folgen für die russischen Seeleute enden könnte. 

Die Flotte, die viele Jahrzehnte weniger ein operatives militärisches Aufgebot war als ein Symbol der ehemaligen russischen Seemacht, und das auch nur sehr bedingt, könnte einfach aufhören zu existieren.

Aber meiner Meinung nach macht sich der Kreml derzeit weniger Sorgen um die Situation mit der Schwarzmeerflotte, an deren Probleme in der russischen Hauptstadt man sich bereits gewöhnt hat, als um den Transport von russischem Öl. Denn wir verstehen sehr gut, dass die Haushaltseinnahmen der Russischen Föderation von der Ölhandel abhängen.

Die Einnahmen aus dem Öl sichern die Fortsetzung des Krieges Russlands gegen die Ukraine und die Aufrechterhaltung einer relativen sozialen Stabilität in einem Staat, der sich auf einen jahrelangen Abnutzungskrieg gegen ein Nachbarland umorientiert hat. Und nun stellt sich heraus, dass diese Abnutzungssituation auch Russland betreffen und ihm Probleme bereiten kann, mit denen die Russen natürlich nicht rechnen konnten, als sie ihren kriminellen Krieg gegen die Ukraine begannen. 

Und noch ein ziemlich wichtiger Indikator für diesen Angriff ist, dass kein Waffenstillstand am Schwarzen Meer zustande gekommen ist. Alle Gespräche über diesen Waffenstillstand, die zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem Präsidenten Russlands, Putin, geführt wurden, erwiesen sich als Fake, vor allem deshalb, weil die Russische Föderation eine ganze Reihe von Bedingungen geschaffen hat, unter denen eine solche Vereinbarung hätte erzielt werden können.

Und diese Bedingungen wurden übrigens nicht nur an die Vereinigten Staaten, sondern auch an die europäischen Länder gerichtet, zum Beispiel als es um die Anbindung an das SWIFT-System für die Rossselchosbank ging, was die allgemeine Situation in der russischen Wirtschaft natürlich erleichtert und neue Quellen für Deviseneinnahmen für Moskau geschaffen hätte.

Aber nichts davon ist geschehen, schon allein deshalb, weil der Präsident der Vereinigten Staaten während seiner Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation auf unbedingte Entscheidungen zum Waffenstillstand bestanden hat. Nichts davon, wie wir sehen, konnte erreicht werden, und selbst im Weißen Haus beginnt man zu verstehen, dass all diese Gespräche lediglich ein Manöver Putins waren, um die Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten in die Länge zu ziehen und sich vor dem Hintergrund dieser Verhandlungen erlauben zu können, die Angriffe auf die Ukraine fortzusetzen.

Aber mangels der Absprachen leiden nicht nur die Wohngebiete ukrainischer Städte, die praktisch täglich von der russischen Luftwaffe angegriffen werden. Nicht nur die Infrastrukturobjekte der Ukraine leiden, die die Russen während dieses grausamen Krieges zerstören wollen. Es gibt, wie wir sehen, auch bei den Russen ernsthafte Probleme. Und zwar in dem Teil der Infrastruktur, der Moskau tatsächlich für die weitere Füllung des Staatshaushaltes und die Bereicherung russischer Beamter und Oligarchen benötigt. 

Ob Moskau daraus Schlüsse ziehen kann, ist eine andere Frage.Bislang hat keiner der ukrainischen Angriffe dazu geführt, dass in Russland überlegt wurde, wenn nicht über die Beendigung des Abnutzungskrieges gegen die Ukraine, dann zumindest über ein Ende der Kämpfe an der russisch-ukrainischen Front, zumindest über Vereinbarungen über einen vollständigen Waffenstillstand am Himmel und auf See, wie es die europäischen Länder und die Ukraine dem Präsidenten der Vereinigten Staaten vorgeschlagen hatten, bevor die Amerikaner mit der Idee eines vollständigen und umfassenden Waffenstillstands auftraten. 

Aber vielleicht wird jeder neue Schlag die russische politische Führung zumindest an Gedanken über die Möglichkeit eines Waffenstillstands in der Zukunft heranführen. Zumindest muss Russland erkennen, dass auf Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur eine Antwort folgen wird und dass mit jedem Tag der Entwicklung des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes, mit jedem Tag neuer militärischer Lieferungen an die Ukraine, die Möglichkeit, dass auch die Ukraine einen langjährigen Abnutzungskrieg gegen das benachbarte Russland führen wird, zunehmen wird.

Und so wird der Preis des Abnutzungskrieges gegen die Ukraine, an dem der Präsident der Russischen Föderation derzeit so Gefallen findet und der von den meisten seiner chauvinistisch eingestellten Landsleute als Abenteuer empfunden wird, nicht mehr mit so viel Vergnügen aufgenommen werden. Die Russen erkennen, dass jeder Krieg, insbesondere ein langjähriger Krieg, insbesondere ein Krieg, bei dem man nicht weiß, wie und unter welchen Bedingungen er enden kann, seinen Preis hat. 

Zumindest werden die Bewohner des in dieser Nacht angegriffenen Noworossijsk dies so verstehen, wie es die Bewohner der Region Belgorod oder Kursk zuvor verstanden haben. Und die Zahl der russischen Regionen, deren Bürger Schlussfolgerungen über den Preis dieses grausamen, endlosen Krieges ziehen werden, wird mit jedem Monat und jedem Jahr des russisch-ukrainischen Konflikts nur noch zunehmen.

Russland griff Aserbaidschan an | Vitaly Portnikov. 03.05.2025.

Der Vorsitzende des Ausschusses zur Bekämpfung hybrider Bedrohungen des aserbaidschanischen Milli Mejlis, Ramid Namazov, erklärte, dass Russland hinter dem Cyberangriff auf Aserbaidschan im Februar 2025 steckt.

Der Abgeordnete erklärte auf einer öffentlichen Anhörung zu Cyberangriffen und Bedrohungen der nationalen Sicherheit Aserbaidschans, dass hinter dem Angriff auf aserbaidschanische Medien am 20. Februar die Cybergruppe ART29 stand, die von Beobachtern mit dem russischen Militärgeheimdienst in Verbindung gebracht wird.

Die Tätigkeit dieser Gruppe, die sich mit Cyberspionage befasst, richtet sich hauptsächlich gegen staatliche Strukturen, ausländische diplomatische Vertretungen sowie die Bereiche Politik, Verteidigung, Energie, Medien und andere kritische Bereiche, bemerkte Namazov und bedauerte die Beteiligung Russlands an dem Cyberangriff.

Er erklärte diesen Schlag durch die Russische Föderation mit der Entscheidung der aserbaidschanischen Führung, das Russische Haus in Baku wegen Verstößen gegen die aserbaidschanische Gesetzgebung durch diese russische Einrichtung, die für ihren destabilisierenden Einfluss auf die Länder bekannt ist, in denen Vertretungen von Rossotrudnitschestwo eröffnet sind, zu schließen. Und außerdem nannte Namazov unter den möglichen Gründen für diesen Angriff auch die Schließung der aserbaidschanischen Niederlassung des russischen Propagandasenders Sputnik.

So wurde in Baku zum ersten Mal anerkannt, dass Russland in der Lage ist, groß angelegte Cyberangriffe gegen Aserbaidschan durchzuführen und dass russische Sicherheitskräfte hinter diesen Angriffen stecken könnten.

Und dieser Angriff selbst, wenn man bedenkt, dass Aserbaidschan die Quelle seines Ursprungs herausfinden konnte, könnte in erster Linie ein Signal Russlands an das Nachbarland gewesen sein, ein Signal, das man nicht einmal zu verbergen oder zu verschleiern versuchte, damit die aserbaidschanische Führung verstehen konnte, wie die weiteren Aktionen des Kremls aussehen könnten, falls Präsident Aserbaidschans, Ilham Alijew, diesen Signalen Wladimir Putins nicht Gehör schenkt.

So lässt sich ganz deutlich erkennen, dass Russland bereit ist, Aserbaidschan gegenüber genauso zu handeln wie gegenüber jeder anderen ehemaligen Sowjetrepublik, dass der Respekt vor der aserbaidschanischen Führung, der mit einer gewissen Gemeinsamkeit der politischen Regime und dem Wunsch verbunden ist, die Lage in der Region zu stabilisieren, nichts weiter als eine Illusion ist, die man sich natürlich einbilden kann, die aber an der Realität des russischen Verhaltens in kritischen Momenten zerbricht. 

Wir erinnern uns gut daran, dass die Geschichte mit der Schließung des Russischen Hauses nach der Katastrophe eines aserbaidschanischen Flugzeugs geschah, das im russischen Luftraum abgeschossen wurde, was Russland übrigens auch zu vertuschen versuchte, indem es das beschädigte Flugzeug in den Luftraum des benachbarten Kasachstan umlenkte. Und danach gab es keine Entschuldigungen von Moskau, keine Erklärungen zur Beteiligung russischer Sicherheitskräfte an der Zerstörung des aserbaidschanischen Flugzeugs. 

Das heißt, Russland verhielt sich auch in diesem Fall wie gewohnt. Dieses Verhalten, das in Aserbaidschan nicht als gewöhnlich, sondern als provokant angesehen wurde, möglicherweise weil es sich direkt gegen die Souveränität dieses Landes und das Selbstwertgefühl seiner Führung richtete, konnte nicht anders als eine gereizte Reaktion von Präsident Ilham Alijew hervorrufen.

Und als nach der Erklärung Alijews, dass Russland sich im Falle dieser Katastrophe anders hätte verhalten können, in Moskau keine Schlussfolgerungen gezogen und keine sinnvolle Reaktion gezeigt wurde, die als echte Entschuldigung der russischen Führung hätte verstanden werden können,

folgten die nächsten Schritte Aserbaidschans. Insbesondere die Schließung der Vertretung von Rossotrudnitschestwo, bekannt als Russisches Haus. Obwohl in Baku bereits vorher klar war, mit welcher Tätigkeit sich diese Vertretung in der aserbaidschanischen Hauptstadt befasst und was der Sinn des Aufenthalts der Mitarbeiter des Russischen Hauses oder der Personen aserbaidschanischer Staatsbürgerschaft ist, die Mitarbeiter solcher Organisationen sind. 

Erst kürzlich wurde, wie wir wissen, eine Mitarbeiterin des Russischen Hauses in Kirgisistan festgenommen, weil sie Bürger dieses Landes für die Teilnahme am Krieg Russlands gegen die Ukraine angeworben hatte. Und das ist nur ein kleiner Teil der destabilisierenden Bemühungen, die unter der Ägide des Russischen Hauses von russischen Geheimdiensten unternommen werden.

Wie wir sehen, zog Moskau sofort Schlüsse aus den Erklärungen von Präsident Alijew und aus der Entscheidung zur Schließung des Russischen Hauses und aus der Entscheidung, den Sender Sputnik zu schließen. Dieser Schluss wurde in Form eines demonstrativen Cyberangriffs gegen Aserbaidschan gefasst. Ich glaube, nicht des letzten solchen Cyberangriffs. 

Weitere destabilisierende Aktionen der Russischen Föderation werden folgen, und keine Anreisen zum Roten Platz am 9. Mai werden diese destabilisierenden Aktionen natürlich überdecken können. Denn Putin möchte, dass sich Präsident Aserbaidschans, Ilham Alijew, und andere aserbaidschanische Führungskräfte als Führungskräfte einer Unionsrepublik fühlen, die den Wünschen Moskaus Folge leisten und auf keinen Fall die übergeordnete Führung kritisieren dürfen. 

Die Sache ist die, dass für den Kreml die Führer der ehemaligen Sowjetrepubliken immer noch die Ersten Sekretäre des Zentralkomitees der republikanischen Kommunistischen Parteien sind, die sich nicht einmal im Traum mit dem Generalsekretär in der russischen Hauptstadt gleichsetzen können. Und jedes Abweichen von dieser Regel muss bestraft werden, wenn nicht mit einem echten Krieg, wie im Fall der Ukraine, die Putin gerade wegen der jahrelangen Bemühungen, die Kontrolle über dieses Land zu übernehmen, und der Niederlagen bei den Versuchen, diese Kontrolle zu errichten, hasst, dann zumindest mit Cyberangriffen, wie es jetzt bei Aserbaidschan geschehen ist.

Und es ist klar, dass man sich hier nicht mit Bedauern davonkommen kann. Der Ausweg liegt ausschließlich in einer souveränen Außenpolitik, die keine Rücksicht auf russische Wünsche und Forderungen nimmt, sondern die Beziehungen zwischen Russland und Aserbaidschan als Beziehungen zwischen zwei souveränen Staaten betrachtet, so unangenehm dies für Putin und viele seiner Landsleute auch klingen mag.

Die USA könnten sich aus den Verhandlungen zurückziehen | Vitaly Portnikov. 02.05.2025.

Buchstäblich am Tag nach dem sich die Ukraine und die Vereinigten Staaten endlich auf ein bedeutendes Abkommen über fossile Brennstoffe, also über die Schaffung eines Investitionsfonds für die ukrainische Wirtschaft, geeinigt haben, begann man in den Vereinigten Staaten immer lauter über die Möglichkeit eines Ausstiegs dieses Landes aus dem russisch-ukrainischen Verhandlungsprozess zu sprechen. Darüber, dass Russen und Ukrainer selbst über den Frieden verhandeln sollten.

Auf den ersten Blick mag dies seltsam erscheinen, denn es schien, dass die Unterzeichnung des Abkommens über fossile Brennstoffe die Vereinigten Staaten im Verhandlungsprozess proaktiver machen sollte. Nun, erstens ist es verfrüht zu sagen, dass Washington tatsächlich die Entscheidung getroffen hat, sich aus den Verhandlungsbemühungen zurückzuziehen. Eine solche Entscheidung kann nur eine Person treffen. Präsident Donald Trump. 

Vizepräsident J.D. Vance, der sagte, dass Russen und Ukrainer jetzt selbst über den Frieden verhandeln sollten, könnte seine eigene Meinung zum Verhandlungsprozess geäußert haben, an dem er nicht direkt beteiligt ist.

Die Sprecherin des Außenministeriums, auf die man sich als Beamtin bezieht, die angeblich den möglichen Ausstieg der Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen angekündigt hat, zitierte nur frühere Erklärungen ihres Chefs, des Außenministers, jetzt Beraters von Präsident Trump für nationale Sicherheit, Marco Rubio.

Es sei jedoch daran erinnert, dass Herr Rubio diese Erklärungen nach dem Treffen in Paris mit Kollegen aus europäischen Ländern und der Ukraine abgegeben hatte, als er sich davon überzeugt hatte, dass die maximalistischen Forderungen der Vereinigten Staaten an Kyiv und die europäischen Hauptstädte von den Teilnehmern des Treffens nicht unterstützt wurden, die der amerikanischen Delegation ihrerseits ihre eigene Sichtweise auf das Verhalten in den Verhandlungen vorschlugen. Und seitdem war kein neues Wort über die Möglichkeit eines Ausstiegs der Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen von Marco Rubio zu hören, ja mehr noch, der Außenminister spricht jetzt sogar von einem möglichen Durchbruch in den Verhandlungen.

Außerdem, selbst wenn man sich vorstellt, dass Donald Trump tatsächlich die Entscheidung trifft, die Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen ausscheiden zu lassen, wäre dies eine Rückkehr zu der Situation, die bereits vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten bestand. Der Vorgänger von Donald Trump, Joe Biden, führte keine Verhandlungen mit Putin, weil er im Gegensatz zu seinem Nachfolger deren Aussichtslosigkeit sehr wohl erkannte. Stattdessen half er der Ukraine.

Donald Trump hat jetzt auch die Möglichkeit, der Ukraine zu helfen, zumindest durch einen Beitrag zu demselben Investitionsfonds, der gemäß den amerikanisch-ukrainischen Absprachen geschaffen wurde. Und Verhandlungen sind nur dann sinnvoll, wenn die Russische Föderation tatsächlich an einer Waffenruhe interessiert ist. 

Wenn Trump sich davon überzeugt hat, dass Putin dieses Interesse, trotz großzügiger Angebote von Washingtoner Seite, nicht hat. Und ist die Idee der Anerkennung der Krim als russisch nicht die größte Großzügigkeit? Der amerikanische Präsident hat keinen Grund, die Verhandlungen mit dem russischen Führer fortzusetzen, er kann einfach zur Politik Bidens zurückkehren. Kein wirklicher Dialog mit der russischen Seite, aber Fortsetzung der Hilfe für die Ukraine bei der Eindämmung der russischen Aggression, so dass im Kreml der Wunsch, den Krieg zu beenden entsteht.

Dann verstehen wir die Logik der Argumentation von Jay D. Vance, der sagt, dass Russen und Ukrainer die Frage des Kriegsendes selbst lösen müssen. Nur der Wunsch, dieses Problem zu lösen, muss in erster Linie bei der Seite sein, die diesen ungerechten und grausamen Krieg begonnen hat, nämlich bei der Russischen Föderation, nicht in der Ukraine, die Opfer der Aggression geworden ist und seitdem einfach dem russischen Vorgehen Widerstand leistet.

Es muss auch ein weiterer wichtiger Punkt berücksichtigt werden. Gespräche über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front und darüber, dass diese Waffenruhe durch amerikanische Bemühungen noch nicht erreicht wird, könnten Teil des Kampfes im Umfeld von Trump selbst sein.

Wie wir sehen, wird um den Einfluss auf den amerikanischen Präsidenten, seine Außenpolitik, den außenpolitischen Block in der amerikanischen Politik ein ziemlich harter Kampf geführt, wenn es darum geht, wer den außenpolitischen Kurs von Donald Trump bestimmen wird. Mike Waltz, der jetzt ehemalige Berater für nationale Sicherheit, der nun nur noch Vertreter der Vereinigten Staaten bei den Vereinten Nationen sein wird, hat diesen Kampf bereits verloren.

Eine weitere Person, die praktisch das gesamte außenpolitische Umfeld Trumps verärgert, ist Steve Witkoff, der Sonderbeauftragte für den Nahen Osten, der sowohl Vertreter in den Verhandlungen mit Putin als auch Vertreter in den Verhandlungen mit dem Iran wurde und nirgendwo ein konkretes Ergebnis erzielen kann. 

Möglicherweise beziehen sich die Worte der Sprecherin des US-Außenministeriums, dass die Amerikaner nicht mehr auf Bestellung ans andere Ende der Welt fahren werden, um Probleme von Krieg und Frieden zu lösen, speziell auf Steve Witkoff, der ständig Moskau besucht oder im Nahen Osten auftaucht, um Verhandlungen mit seinen russischen oder iranischen Partnern zu führen.

Der Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Verhandlungsprozess könnte den Einfluss von Witkoff deutlich verringern und dementsprechend den Einfluss von Rubio erhöhen. Und dass diese Leute darum kämpfen, das entscheidende Wort bei der Festlegung der Position von Donald Trump zu haben, sollte man auch nicht vergessen.

Was könnte also passieren, wenn die Vereinigten Staaten aus den Verhandlungen ausscheiden? Im ukrainischen Interesse wäre es, den Status quo der Biden-Zeit zu bestätigen. Erstens, dass die militärische Hilfe für die Ukraine fortgesetzt wird.

Es gibt jetzt ein Pilotprojekt in Form der Käufe in Höhe von 50 Millionen Dollar, der ersten Käufe während der Präsidentschaft Trumps. Und wir müssen hoffen, dass dieses Pilotprojekt im September dieses Jahres zu umfangreicheren Möglichkeiten für die Ukraine und die europäischen Länder führen wird, Waffen in den Vereinigten Staaten zu kaufen, um weiterhin gegen den russischen Aggressor zu kämpfen und seine Streitkräfte und Ausrüstung zu zerstören.

Neben dem Kaufprozess könnte es den Prozess der Beiträge der Vereinigten Staaten zu dem Investitionsfonds in Form neuer moderner Waffen geben. Natürlich wäre es nicht schlecht, die Erlaubnis zu erhalten, mit diesen Waffen auf das Hoheitsgebiet der Russischen Föderation zu schlagen, um so viele russische strategische Objekte der Ölverarbeitung wie möglich zu zerstören, alles, was Russland das Kämpfen ermöglicht, um Russland diese Möglichkeiten zu berauben.

Der zweite Punkt des Status quo ist die Verschärfung der Sanktionen gegen die Russische Föderation, die Schaffung neuer und immer neuer Probleme für die russische Wirtschaft, die Umwandlung des Nachbarlandes in ein Gebiet der völligen wirtschaftlichen Hoffnungslosigkeit, sowohl für die Führung des Landes als auch natürlich für die einfachen Bürger, die die chauvinistische, imperialistische Politik Putins und seines engsten kriminellen Umfelds unterstützen.

In die russischen Gebäude soll wirtschaftliches Elend einziehen und sich dort für lange, aussichtslose Jahrzehnte niederlassen. Für Präsident Trump bereiten seine Berater bereits jetzt Pläne vor, welche zusätzlichen Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt werden könnten. 

Natürlich hat der amerikanische Präsident in dieser Hinsicht noch keine Entscheidungen getroffen, da er noch auf eine diplomatische Lösung der Probleme hofft. Aber wichtig ist, dass, wenn die Aussichtslosigkeit dieser Hoffnungen offensichtlich wird, der Plan für neue verheerende Sanktionen gegen die Russische Föderation und alle, die mit der Russischen Föderation zusammenarbeiten, bereits auf dem Tisch des amerikanischen Präsidenten liegen sollte, um zu neuen atemberaubenden Ereignissen für die russische Wirtschaft und für die Bürger des Nachbarlandes zu führen.

Natürlich ist dies keine Frage des schnellen Erfolgs, aber im ukrainischen Interesse ist es, dass die russische Wirtschaft nicht auf Jahre, sondern auf Jahrzehnte stagniert, dass Russland im nächsten Jahrzehnt, sowohl unter Putin als auch nach Putin, keine Möglichkeit haben wird, irgendwie über aggressive Aktionen gegen andere Staaten nachzudenken, dass Russland sich ausschließlich mit der Lösung seiner eigenen Probleme befasst und das wichtigste dieser Probleme die Ernährung der eigenen Bevölkerung ist.

Und das wäre natürlich auch eine Rückkehr zu dieser Politik, die die Vereinigten Staaten in der Zeit von Joe Biden betrieben haben, der Politik der Eindämmung der Russischen Föderation, der gleichzeitigen Marginalisierung dieses Staates und seiner Gesellschaft und der Vermeidung eines Atomkonflikts unter Beteiligung der Russen.

Dies wäre der Weg zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges, zur Entwicklung der Ukraine und zur Nichtentwicklung Russlands.

Putin ändert seine Taktik | Vitaly Portnikov. 02.05.2025.

Der Fernsehsender CNN betont unter Berufung auf Informationen des westlichen Geheimdienstes, dass Präsident Putin seine taktischen Ziele im Krieg gegen die Ukraine geändert haben könnte. Wenn er vor kurzem noch hoffte, den Nachbarstaat zu zerstören und sein Territorium an die Russische Föderation anzugliedern, will Putin jetzt vor allem seinen Einfluss und seine Macht in den besetzten Gebieten der Ukraine stärken und sich der Wiederbelebung der russischen Wirtschaft widmen, die stark von den westlichen Sanktionen betroffen ist und unter den Auswirkungen der Fokussierung auf die Bedürfnisse der Armee und der Militärindustrie leidet.

Gleichzeitig ist unklar, wie lange Putin bereit ist, genau diese Taktik einzuhalten. Einerseits bietet die Tatsache, dass er sich jetzt vor allem auf die besetzten Gebiete der Ukraine konzentrieren kann, der Regierung von Donald Trump die Möglichkeit, tatsächlich über einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu verhandeln und darüber hinaus ein Friedensabkommen zu unterzeichnen, das die heutige Frontlage festschreibt.

Aber Putin wird, wie wir verstehen, versuchen, die Situation des Interesses Trumps an einem solchen Friedensabkommen vor allem dazu zu nutzen, weiterhin den Abzug ukrainischer Truppen aus den Gebieten Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zu fordern, sowie die rechtliche Anerkennung der Folgen der Besatzung, wenn nicht durch die Ukraine selbst, dann zumindest durch die Vereinigten Staaten.

Die meisten europäischen Beamten, mit denen amerikanische Journalisten gesprochen haben, sind jedoch überzeugt, dass dies noch nicht das Ende von Putins Plänen ist. Der russische Präsident wird seine maximalistischen Ziele kaum ganz aufgeben. Und so ist es nicht ausgeschlossen, dass er nach einer Pause im Krieg erneut versuchen wird, diese Vereinbarungen, die möglicherweise unter Vermittlung der Trump-Administration erzielt werden, zu brechen und die militärischen Aktionen auf ukrainischem Boden wieder aufzunehmen, um möglichst viele Gebiete der Ukraine zu erobern und wahrscheinlich auch den ukrainischen Staat zu zerstören. Genau das war, wie wir verstehen, das Hauptziel des so genannten großen Krieges Putins gegen die Ukraine, der am 24. Februar 2022 begann und nach der Niederlage des Blitzkrieges Putins in einen jahrelangen Abnutzungskrieg überging.

Andererseits ist es offensichtlich, dass auch die Russen bei westlichen Politikern und Geheimdiensten den Eindruck erwecken können, dass sie derzeit nicht bereit sind, die Expansion auf ukrainischem Gebiet fortzusetzen, um so die Illusion schneller Vereinbarungen zu schaffen und die militärische Unterstützung der Ukraine durch die Vereinigten Staaten, Großbritannien und die Länder der Europäischen Union zu verringern.

Deshalb würde ich natürlich jede Information, die auf eine Änderung der Taktik Putins hindeutet, mit Vorsicht betrachten. Die Taktik kann tatsächlich geändert werden, einfach weil der russische Präsident möglicherweise nicht genügend Kräfte hat, um das Vorrücken seiner Armee auf ukrainischem Gebiet fortzusetzen, und die Taktik des Abnutzungskrieges nicht die kurzfristigen Ergebnisse liefert, auf die Putin gehofft hatte, als er sich entschloss, Terror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung einzusetzen, und die ukrainische Gesellschaft nicht zu einer schnellen Kapitulation vor dem brutalen Aggressor zwingt.

Aber die Strategie, die Strategie hängt, wie wir wissen, nicht nur mit der Ukraine zusammen. Putin ist darauf fixiert, die Folgen des so genannten Fehlers von 1991 zu überwinden, als die Sowjetunion, dieses kommunistische und chauvinistische Imperium der Russen, von der politischen Landkarte der Welt verschwand, als ob es nie auf dieser Karte gewesen wäre.

Für die sowjetischen Tschekisten, die sich bemüht hatten, in einem ganzen Staat an die Macht zu gelangen, indem sie die Kommunistische Partei und die ideologischen Einstellungen der Vergangenheit verboten und später marginalisierten, war die Zerstörung der Sowjetunion eine schmerzhafte und unerwartete Niederlage. Deshalb hängen alle Bemühungen des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation und Putins, der die russischen Tschekisten im Kreml vertritt, mit der Notwendigkeit zusammen, die so genannte territoriale Integrität des eigentlichen russischen Staates wiederherzustellen, unter dem man im Lubjanka weiterhin die Sowjetunion versteht. 

Ohne die Ukraine, ohne deren Unterwerfung, ohne den Vormarsch russischer Truppen in die ukrainische Transkarpatien kann von einer Wiederherstellung der früheren Möglichkeiten des sowjetischen Imperiums keine Rede sein. Und deshalb kann Putin kaum auf einen weiteren Krieg gegen die Ukraine verzichten. Aber die Tatsache, dass der russische Präsident bereit ist, eine Pause einzulegen, weil er sich bewusst ist, dass die Fortsetzung der militärischen Aktionen zu einer erneuten Verschlechterung der russisch-amerikanischen Beziehungen und damit zu neuen, sogar unerwarteten Sanktionen der Regierung Donald Trumps gegen die ohnehin schon schwer durch Sanktionen geschädigte russische Wirtschaft führen kann, könnte in den nächsten Monaten und Jahren tatsächlich ein wichtiges Argument sein. 

Die Frage ist nur, wer und wie die Pause nutzt. Wenn die Ukraine nach einem möglichen Waffenstillstand oder sogar einem Friedensabkommen entspannt, wenn in der Gesellschaft die Stimmung zunimmt, dass ein neuer großer Krieg nicht wiederholt werden kann, und nach Wegen des Verständnisses und des Zusammenlebens mit der Russischen Föderation gesucht wird, wird dies natürlich zu einem neuen, noch unerwarteteren und verheerenderen Schlag der Russen gegen die ukrainische Staatlichkeit führen, der blutig und brutal sein und dazu führen kann, dass die Ukraine, wenn nicht die Unabhängigkeit, dann zumindest die Souveränität und die Möglichkeit verliert, Entscheidungen über ihre weitere Entwicklung und ihre geopolitische Wahl zu treffen.

Wenn sich die Ukraine jedoch in ein Festungsland verwandelt und der wichtigste Sinn des Bestehens des ukrainischen Staates in den nächsten Jahrzehnten das Verständnis der Notwendigkeit des Widerstands gegen eine mögliche russische Aggression und die Stärkung der ukrainischen Identität im Land durch die Ausräumung des kolonialen Erbes des Nachbarstaates sein wird, dann hat die Ukraine, wenn auch nicht absolute, so doch reale Überlebenschancen. 

Und zusammen mit dem ukrainischen Staat besteht auch die Chance für das ukrainische Volk zu überleben, das im Falle der Zerstörung des ukrainischen Staates praktisch keine solchen Chancen mehr haben wird.

Trump schmeißt Waltz raus | Vitaly Portnikov. 01.05.2025.

Präsident Donald Trump entlässt seinen Berater für nationale Sicherheit, Mike Waltz, 100 Tage nach der Bildung der neuen Regierung. Damit ist Mike Waltz der erste hochrangige Vertreter der zweiten Regierung Donald Trumps, der seinen Posten verlassen muss.

Bevor Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde, sagten viele, dass die Leute, die er für Positionen in seiner Regierung ernennen würde, wahrscheinlich nicht die gesamte Amtszeit Donald Trumps im Weißen Haus bleiben würden. Und so teilt Mike Waltz das Schicksal eines anderen ersten Beraters des Präsidenten der Vereinigten Staaten für nationale Sicherheit, nur während der ersten Wahl Trumps, Michael Flynn.

Flynn diente nur wenige Tage in diesem hohen Amt. Trump musste ihn entfernen, nachdem klar wurde, dass Flynn Verbindungen zum Kreml hatte und ein wichtiger Insider der Interessen der russischen Führung in der ersten Trump-Regierung sein könnte.

Trotz Flynns Rücktritt und den folgenden Problemen mit der Justiz begrüßte Trump ihn, nachdem er zum zweiten Mal zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, unter denen, die ihn beglückwünschten.

Mike Waltz war, könnte man sagen, nach dem Vorfall mit der Aufnahme des Chefredakteurs des Atlantic-Magazins in einen geheimen Chat im Messenger Signal, in dem Waltz mit anderen hochrangigen Vertretern der Regierung Donald Trump über die Bombardierung von Stellungen der Ansarullah-Bewegung im Jemen sprach, einem erheblichen Rücktrittsrisiko ausgesetzt.

Es wurde bekannt, dass der ehemalige Berater für nationale Sicherheit eine ganze Reihe solcher geheimer Chats für Diskussionen mit Kollegen eingerichtet hatte.

Was ist das Erstaunlichste? Im Vergleich zu vielen anderen Vertretern der Regierung Präsident Trumps wirkt der ehemalige Kongressabgeordnete Waltz als einer der größten Profis. Er arbeitete im Repräsentantenhaus und im Verteidigungsministerium der Vereinigten Staaten und schien zu verstehen, was Geheimhaltung und Einhaltung von Informationsnormen für Beamte bedeutet, wenn Geheimdienste auf der ganzen Welt nach diesen Informationen suchen.

Doch wie wir sehen, hat keine Erfahrung Waltz Vorsicht gelehrt, vielleicht weil die Trump-Regierung, zumindest ihre seriösesten Vertreter, davon überzeugt ist, dass sie sich alles erlauben können, was ihnen in den Sinn kommt, ohne Konsequenzen.

Und genau das erwies sich als die fehlerhafte Position des Beraters für nationale Sicherheit. Jetzt kann man von einem echten Zusammenbruch dieses wichtigsten Gliedes in der Regierung Donald Trumps sprechen, denn zusammen mit Michael Waltz tritt auch sein Stellvertreter Alex Wong zurück, der in der ersten Regierung Donald Trumps tätig war und Experte für Nordkorea ist, was angesichts des nuklearen Potenzials dieses Landes, das in den letzten Jahren zu einem der wichtigsten Verbündeten der Russischen Föderation geworden ist, ebenfalls ein wichtiges Thema ist.

Waltz missfiel vielen Mitgliedern der Regierung Donald Trump auch deshalb, weil seine Ansichten, obwohl er immer ein Anhänger des amtierenden amerikanischen Präsidenten war, nie zu Trump-Ansichten evolvierten. Seine harte Haltung stimmte ziemlich oft nicht mit Donald Trumps Ansichten darüber überein, wie außenpolitische Probleme gelöst werden sollten. Und deshalb griffen ultrrechte Trump-Anhänger Waltz seit einigen Monaten wegen seiner härteren Weltanschauung als die des amtierenden amerikanischen Präsidenten an. 

Jetzt bleibt natürlich die Frage, wer Waltz als Berater für nationale Sicherheit nachfolgen wird, denn von dieser Person hängt die Gestaltung des gesamten außenpolitischen Kurses der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten ab.

Es wird gesagt, dass einer der realen Kandidaten für diesen Posten der Vertreter von Präsident Trump im Nahen Osten, Stephen Witkoff, ist, der sich in letzter Zeit mit praktisch allen kritischen Fragen der amerikanischen Außenpolitik befasst.

Witkoff führt Gespräche mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, in der Hoffnung, ihn zu einem Trump-Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu bewegen, allerdings ohne Erfolg.

Witkoff trifft sich mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi, um Teheran vom Verzicht auf sein Atomprogramm zu überzeugen, auch bisher ohne Erfolg.

Witkoff führt Verhandlungen zwischen Israel und Hamas, als Vermittler in diesen schwierigen Gesprächen des jüdischen Staates mit Vertretern der Terrororganisation über Vermittler. Allerdings bisher ebenso ohne Erfolg. Wir sprechen jetzt jedoch nicht über den Erfolg, sondern über die Anzahl der Fragen, die Stephen Witkoff in seinen Händen konzentriert hat.

Offensichtlich waren dies Fragen, die sich in einer klassischen Regierung der Berater für nationale Sicherheit hätte kümmern müssen. Daher glauben viele, dass Donald Trump, der bis zuletzt versucht hat, seinen ehemaligen Berater für nationale Sicherheit zu schützen, diese Position der für ihn viel wichtigeren Person Steve Witkow anvertrauen könnte.

Und eine weitere Option, die derzeit in Kreisen in der Nähe des Präsidenten der Vereinigten Staaten diskutiert wird, ist, überraschenderweise, Marco Rubio. Viele, die die Situation verstehen, die mit dem Mangel an Mitarbeitern zusammenhängt, die mit Trump zusammenarbeiten könnten, sagen, dass Marco Rubio jetzt gleichzeitig der Außenminister der Vereinigten Staaten und der Berater des Präsidenten der USA für nationale Sicherheit werden könnte.

Einst bekleidete Henry Kissinger diesen Posten, ein Diplomat, der in einer der wenigen Perioden der amerikanischen Geschichte zwei wichtige Funktionen vereinte. Angesichts der Tatsache, dass Marco Rubio den außenpolitischen Kurs der Vereinigten Staaten, der von Trump und Witkoff bestimmt wird, nicht sehr stark beeinflusst und in erster Linie ein Strohmann im Außenministerium ist, stellt sich die Frage, ob Trump noch diesen Strohmann im Sicherheitsrat braucht.

Ein weiterer Kandidat für den Posten des Beraters für nationale Sicherheit ist Rubios Stellvertreter als Außenminister, Chris Landau, über den in den letzten Wochen auch als eine Person gesprochen wurde, die in der Lage ist, die professionelle Arbeit dieser Institution zu organisieren. Nur ist unklar, ob Trump eine professionelle Arbeit braucht, denn es ist bekannt, dass der amtierende Präsident der Vereinigten Staaten vor allem die Loyalität seiner Mitarbeiter schätzt und sich absolut nicht für ihre beruflichen Qualitäten interessiert.

Viele in den Vereinigten Staaten betonen, dass der Rücktritt von Michael Waltz nur der erste Rücktritt ist und der Zusammenbruch dieser Regierung nicht mehr fern ist. Zu denjenigen, die Trump in den nächsten Monaten möglicherweise entlassen könnte, gehört der nicht weniger skandalöse als Waltz, Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, Peter Hesset, der auch für seine Beteiligung an zahlreichen Lecks geheimer Informationen bekannt ist, sowie der gleiche Außenminister Mark Rubio, an dessen echten Trumpismus Trumps engstes Umfeld, das aus viel weniger professionellen und verantwortungsvollen Personen besteht als der amtierende Außenminister, nicht glaubt.

Wir werden also den Kampf um die Gunst des Staatsoberhaupts im engsten Umfeld von Trump im Einklang mit dem unglaublichen Chaos beobachten, das der Präsident der Vereinigten Staaten um sich herum produziert.

Witkoff bringt Trumps Leute auf die Palme | Vitaly Portnikov. 01.05.2025.

Die konservative Zeitung New York Post, die den Kreisen um Präsident Donald Trump nahesteht, stellt fest, dass der Sonderbeauftragte des Staatsoberhauptes, Steve Witkoff, im Umfeld von Trump immer mehr Ärger hervorruft, aufgrund der Rolle, die er derzeit in der amerikanischen Außen- und Geopolitik spielt und der damit verbundenen Effizienz.

Witkoff, der sich ursprünglich ausschließlich dem Nahost-Bereich widmen sollte und Erfolg hatte, als er ein Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas erreichte, leitet nun Verhandlungen in drei Schlüsselbereichen gleichzeitig. Dies sind der Konflikt um den Gazastreifen, der Krieg Russlands gegen die Ukraine und die Verhandlungen über das iranische Atomprogramm.

Dabei hat Witkoff in zwei Fällen, die nicht in seine direkte Zuständigkeit fallen, diejenigen verdrängt, die sich mit solch wichtigen Verhandlungen hätten befassen sollen. Bekanntlich hatte Donald Trump bereits vor seinem Einzug ins Weiße Haus erklärt, dass sich der General a.D. Keith Kellogg um den russisch-ukrainischen Konflikt kümmern werde.

Derzeit ist jedoch unklar, welche genauen Funktionen Kellogg hat, der als Sonderbeauftragter speziell für die Ukraine gilt. Und inwieweit sein Einfluss mit dem Einfluss Witkoffs konkurrieren kann, der ein enger persönlicher Freund Trumps ist.

Gleichzeitig muss man verstehen, dass die Verhandlungen mit Russland eher in die Zuständigkeit des US-Außenministers Mark Rubio und des nationalen Sicherheitsberaters des amerikanischen Präsidenten Olts fallen, die gewissermaßen im Schatten der Bemühungen des Sonderbeauftragten stehen, was auch für die Verhandlungen mit dem Iran gilt.

Wenn Witkoff in all diesen Verhandlungsprozessen echte Ergebnisse erzielt hätte, wäre die Irritation vielleicht geringer. Nachdem es ihm jedoch gelungen war, ein Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas zu erreichen, konnte der Sonderbeauftragte keine Anstrengungen unternehmen, um dieses Waffenstillstand fortzusetzen und die israelischen Geiseln, die seit dem 7. Oktober 2023 von der Hamas festgehalten werden, freizulassen.

Derzeit wird über die Möglichkeit gesprochen, dass eine solche Einigung bereits im Mai erzielt werden könnte. Dafür müsste der Sonderbeauftragte dem Nahost-Konflikt jedoch mehr Zeit widmen, und ihm fehlt es, einfach gesagt, an Zeit und Ressourcen.

Wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht, können wir feststellen: In den hundert Tagen von Donald Trumps Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten sind wir nicht einmal der Möglichkeit eines langfristigen Waffenstillstands zwischen Moskau und Kyiv näher gekommen, und Präsident Wladimir Putin jongliert mit kurzfristigen Waffenstillständen, um seine Konstruktivität zu demonstrieren und den Forderungen Donald Trumps nicht nachzukommen.

Dabei trifft sich Steve Witkoff mit dem russischen Präsidenten fast wie mit einem besten Freund. Sein letzter Auftritt in Russland, als er Putin vor den Kameras freundlich begrüßte und ohne Begleitung war, während der russische Präsident von Beamten begleitet wurde, erinnerte erneut an die Unerfahrenheit Steve Witkoffs in diplomatischen Angelegenheiten.

Und als der Sonderbeauftragte im Interview mit dem Propaganda-Moderator Tucker Carlson sagte, dass das Hauptproblem im russisch-ukrainischen Krieg die von Moskau besetzten Regionen der Ukraine seien, angeblich weil dort Russisch gesprochen werde, hörten wir nicht so sehr die Stimme Steve Witkoffs, sondern die Stimme Wladimir Putins, der seine aggressiven Bestrebungen ständig damit rechtfertigt, dass in den besetzten Gebieten der Ukraine viele russischsprachige Menschen leben.

Was den Iran betrifft, so sieht die Situation auch hier trostlos aus. Heute ist es schwer zu behaupten, dass es dem Sonderbeauftragten in seinen Verhandlungen mit dem iranischen Außenminister Abbas Araghchi gelungen ist, eine Einigung über die Fragen des Atomprogramms Teherans zu erzielen, und das trotz der Tatsache, dass die Vereinigten Staaten der Islamischen Republik bereits erhebliche Zugeständnisse gemacht haben, insbesondere die Zustimmung zur Weiterführung der Arbeit des Iran an seinem eigenen Atomprogramm, wenn es um dessen friedliche Komponente geht.

Dabei besteht die Möglichkeit, dass die vom Iran nach dem Austritt der Vereinigten Staaten aus dem Abkommen angehäuften Nuklearmaterialien Russland zur Verfügung gestellt werden, unter der Bedingung, dass Wladimir Putin dem Iran diese Nuklearmaterialien zurückgibt, falls die Vereinigten Staaten ihr Abkommen mit der Islamischen Republik erneut kündigen wollen.

Dies macht Wladimir Putin zu einer Schlüsselfigur in möglichen Verhandlungen und stärkt natürlich seine Positionen in Bezug auf die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges.

Und dieser ganze gordische Knoten von Problemen ist nicht von selbst entstanden. Er wurde von Steve Witkoff durch seine Verhandlungsbemühungen geschaffen.

Und wenn eine Person diese Seemannsknoten knüpft und gleichzeitig versucht, sie zu lösen, ist klar, dass es sich nur um ein Fiasko der außenpolitischen Bemühungen handeln kann. Aber nicht von Witkoff , sondern von Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump. Und natürlich wollen Trumps Mitstreiter nicht glauben, dass dieses Fiasko bereits offensichtlich ist und dass der amtierende amerikanische Präsident bald von Anhängern und Gegnern wegen Inkompetenz getadelt werden wird.

Der Ausweg aus der Situation ist natürlich eine klarere Delegation von Befugnissen und das Auftreten von Fachleuten in strategischen Bereichen. Vereinfacht gesagt, sollten die Verhandlungen mit Russland von Personen geführt werden, die mit Putin-Beamten mit Positionen und Autorität in Kontakt treten können. Marco Rubio mit Sergej Lawrow, Waltz mit Juri Uschakow, nicht Witkoff mit einem Mann, dem Putin eigens eine erfundene Position gegeben hat, um einem leichtgläubigen amerikanischen Entscheider zu verwirren. Ich beziehe mich natürlich auf Kirill Dmitriev, von dem niemand wusste, bevor Putin beschloss, Trump durch Witkoff zu täuschen, und den selbst Sergej Lawrow beim ersten Kontakt zwischen amerikanischen und russischen Beamten in Riad nicht an den Verhandlungstisch mit der US-Delegation ließ. 

Eigentlich hätten die Amerikaner daraus den Schluss ziehen müssen, dass der Kreml diplomatisch verhandeln will und nicht mit Trump ein Vertrauensverhältnis eingehen wird. Doch das Weiße Haus entschied sich für das genaue Gegenteil, wahrscheinlich in der Erwartung, dass Putin die Vertraulichkeit zu schätzen weiß. Putin tut es, und durch Witkoff versucht er, Trump in die eine oder andere Falle zu locken. 

An genau den gleichen Putin-Scenario halten sich iranische Führer Ayatollah Khamenei und die Führer der Hamas, die zudem über die Emire der arabischen Staaten, die für ihre Unterstützung dieser terroristischen Organisation bekannt sind, weiterhin indirekt mit Wladimir Putin beraten, wie man sich gegenüber der amerikanischen Regierung klüger verhalten und sie am besten täuschen kann. Und Steve Witkoff scheint mit seinen zahlreichen Verhandlungen und Initiativen der eigentliche Agent dieser Täuschung zu sein.

Ein neuer Krieg in ein paar Stunden oder Tagen | Vitaly Portnikov. 30.04.2025.

Die pakistanische Regierung behauptet, ein Angriff Indiens auf das Land könne in den nächsten Stunden oder Tagen erfolgen, und warnt vor den unvermeidlichen Folgen eines solchen Angriffs.

In Neu-Delhi werden die Informationen aus Islamabad nicht bestätigt. Heute jedoch hielt Premierminister Narendra Modi ein weiteres Treffen mit Vertretern der Regierung und der Sicherheitskräfte ab. Und pakistanischen Fluggesellschaften wurde der Überflug des indischen Luftraums verboten.

Die Spannungen zwischen den beiden Atomstaaten nehmen somit von Tag zu Tag zu, und es ist derzeit unklar, ob es irgendwie gelingen wird, sie von einem nach dem Terroranschlag im indischen Kaschmir nahezu unvermeidlichen militärischen Konflikt abzuhalten.

Etwas positiv ist, dass sich Washington in die Situation einzumischen begann. Noch vor wenigen Tagen behauptete Präsident Donald Trump, Indien und Pakistan müssten den Konflikt selbst lösen. Im US-Außenministerium wurde betont, dass sich die amerikanischen Diplomaten nicht in die Situation einmischen würden.

Heute jedoch führte der US-Außenminister Marco Rubio Gespräche sowohl mit dem pakistanischen Premierminister Schahbas Scharif als auch mit dem Leiter des indischen Außenministeriums Jaishankar. In beiden Gesprächen forderten die Vereinigten Staaten sowohl Indien als auch Pakistan zur Zurückhaltung auf und hofften, dass möglicherweise separate Gespräche, die die Vereinigten Staaten nun führen wollen, sowohl mit der pakistanischen als auch mit der indischen Regierung, dazu beitragen könnten, die Eskalation zwischen den beiden Ländern zu verringern.

Es bleibt aber unklar, ob Washington mit dieser Reaktion zu spät dran ist. Alle anderen Länder, die derzeit gute Beziehungen zu Indien oder Pakistan oder zu beiden Ländern haben, reagieren eher mit besorgten Erklärungen als mit wirklichen friedenserhaltenden Bemühungen. Und es stellt sich die Frage: Wer hat heute tatsächlich Einfluss, vor allem auf Indien, um es von einer Militäroperation gegen Pakistan abzuhalten?

Beobachter in der Region sind der Ansicht, dass die indische Armee jetzt, so scheint es, viel besser auf einen großen Krieg vorbereitet ist als in der jüngeren Vergangenheit, als zwischen den indischen und pakistanischen Streitkräften ein gewisses Gleichgewicht bestand. Und dass Narendra Modi die Situation jetzt nutzen könnte, um Pakistan die Möglichkeiten Indiens im Hinblick auf seinen Einfluss in der Region zu demonstrieren.

Möglicherweise könnte Indien den Terroranschlag im indischen Teil Kaschmirs auch nutzen, um die Kontrolle über das gesamte Gebiet zu übernehmen, das Indien und Pakistan seit der indischen Union, als sich Pakistan von Indien trennte und zwei separate Staaten mit einer überwiegend hinduistischen bzw. muslimischen Bevölkerung geschaffen wurden, nicht teilen können.

Kaschmir führte bereits damals zu einer ernsthaften politischen und später auch militärischen Konfrontation zwischen Indien und Pakistan, zu mehreren Kriegen, die die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten offensichtlich nicht verbessert haben.

Aber diese Kriege fanden in Zeiten politischer und militärischer Parität statt. Zudem waren damals viele Jahre lang vor allem die Vereinigten Staaten auf Seiten Pakistans, während Indien auf die Unterstützung der Sowjetunion hoffte, und in der Situation des Kalten Krieges waren sowohl Moskau als auch Washington daran interessiert, die Konfrontation zu stoppen, als sie noch kein großes Ausmaß erreicht hatte.

Die Situation ist jetzt natürlich völlig anders. Sowohl Indien als auch Pakistan versuchen, eine strategische Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten aufzubauen, und Washington möchte die Beziehungen weder zu Neu-Delhi noch zu Islamabad verschlechtern, daher sind seine Vermittlungsbemühungen, selbst wenn sich Marco Rubio ernsthaft mit diesem Problem befassen und Donald Trump die ganze Komplexität der Situation erklären würde, ziemlich begrenzt.

China unterhält besonders enge Beziehungen zu Pakistan, vor allem in der politischen und militärischen Sphäre, ist aber daran interessiert, die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Indien fortzusetzen.

Es ist immer noch unklar, welche tatsächliche Position die Volksrepublik China einnehmen könnte, falls ein großer Krieg zwischen Indien und Pakistan beginnt. Denn aus Sicht der langfristigen Interessen Chinas könnte ein großer Krieg in der Region der chinesischen Wirtschaft helfen, zumindest dadurch, dass er amerikanische und andere westliche Unternehmen auf dem Territorium Chinas halten würde.

Viele amerikanische Unternehmer sind davon überzeugt, dass die Verlagerung von Unternehmen aus der Volksrepublik China nach Indien es ihnen zumindest ermöglichen wird, bessere Beziehungen zur Regierung von Donald Trump aufzubauen, die China als die größte wirtschaftliche Bedrohung für die Vereinigten Staaten ansieht. Wenn Indien jedoch zum Kriegsgebiet wird, können natürlich alle Pläne zur Verlagerung von Unternehmen zumindest ausgesetzt werden.

Und das gibt Xi Jinping Zeit, die Probleme in der chinesischen Wirtschaft, die bereits begonnen haben und sich vor dem Hintergrund des unvermeidlichen amerikanisch-chinesischen Handelskrieges, der in den ersten hundert Tagen von Donald Trump begonnen hat, nur noch verschärfen werden, zu lösen.

Auf der anderen Seite ist es offensichtlich, dass Pakistan auf die Unterstützung muslimischer Staaten hoffen kann, vor allem sunnitischer, die es Indien kaum erlauben werden, gegenüber Pakistan so zu handeln, dass dies zu einem ernsthaften Problem für die nationale Sicherheit dieses Landes wird.

Der Iran seinerseits könnte Indien unterstützen, um die Positionen sunnitischer Regime in der Region zu schwächen, was wiederum die Möglichkeiten der Islamischen Republik in der schwierigen Situation stärken würde, in der sie sich gerade im Zusammenhang mit dem Verhandlungsprozess zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran befindet, den Teheran in die Länge ziehen möchte.

Im Iran versteht man sehr gut, dass ein großer Krieg zwischen Pakistan und Indien die Regierung Trump zwingen wird, die Prioritäten von Verhandlungen über iranische Atomwaffen auf Bemühungen zu verlagern, einen Atomwaffenaustausch zwischen Neu-Delhi und Islamabad zu verhindern.

Und natürlich bleibt Russland, das auch an einem großen Krieg zwischen Pakistan und Indien interessiert ist, zumindest weil Präsident Putin sicher sein kann, dass ein solcher Krieg ihm neue Möglichkeiten zum Manövrieren im Krieg gegen die Ukraine bietet. Ein solches Manöver wiederum lässt hoffen, dass nicht nur die Verhandlungen mit Donald Trump, sondern auch der Abnutzungskrieg, der nach Putins Ansicht in der nächsten Zeit erfolgreich sein könnte, in die Länge gezogen werden.

Jeder neue Konflikt, wie wir es bereits am Konflikt im Nahen Osten gesehen haben, lenkt die Aufmerksamkeit der Welt vom russisch-ukrainischen Krieg ab, und genau das braucht Putin.

Donald Trumps erstes Abkommen. Vitaly Portnikov. 01.05.2025.


Donald Trump. Bild: Win McNamee/Getty Images

https://slawa.tv/86476259/persha-ugoda-donalda-trampa?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR6tmJYTQplbs8KAFnG-Lhv1P2fkHs5a08m0x_Obe3zxSm45aI7Dr7ONuLCrpg_aem_xEeHZQ98a4rjiox4sIXjQA

Das Bodenschatzabkommen – oder, genauer gesagt, das Abkommen über die gemeinsamen US-ukrainischen Investitionen in neue Sektoren der ukrainischen Wirtschaft – war bereits ein berühmtes Dokument, bevor die Vertreter der USA und der Ukraine es unterzeichneten.  

Es ist das erste große Abkommen in der zweiten Präsidentschaft von Donald Trump. Und gleichzeitig ist es ein unglaublich skandalöses Abkommen, denn der erste Versuch, es zu unterzeichnen, von einem wahren Handgemenge im Oval Office begleitet wurde. Und wenn wir die Beleidigungen beiseite lassen, möchte ich daran erinnern, warum: Zelensky wollte, dass das Abkommen Sicherheitsgarantien für die Ukraine vorsieht, und Trump glaubte, dass amerikanische Investitionen eine Sicherheitsgarantie genug sind. 

Außerdem begann die Geschichte dieses Abkommens schon bevor Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Damals riet Senator Lindsey Graham, einer von Trumps einflussreichsten Verbündeten und engsten Freunden der Ukraine im Kongress, Volodymyr Zelensky, der im Begriff war, die USA zu besuchen, eine Klausel über die gemeinsame Erschließung von Vorkommen in seinen „Siegesplan“ aufzunehmen, um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten zu interessieren. 

Trump war tatsächlich interessiert. Aber nicht in dem Ausmaß, das Bankova offensichtlich erwartet hatte. Außerdem war dem amerikanischen Präsidenten klar, dass der Mineralien-Deal ihn bei seinen eigenen Wählern als Held erscheinen lassen würde: Er könnte über die Zurückzahlung der Mittel sprechen, die sein Vorgänger der Ukraine kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, und die neue Militärhilfe damit rechtfertigen, dass er nicht wie Biden „Geld zum Fenster hinauswirft“, sondern sie mit amerikanischen Investitionen in die ukrainische Wirtschaft untermauert. 

Übrigens kann Trump auch jetzt noch davon sprechen, obwohl der aktualisierte Text des Abkommens die Möglichkeit einer Entschädigung für die bereits geleistete US-Hilfe nicht erwähnt. Denn allein die Tatsache, dass sich die Vereinigten Staaten an der Erschließung ukrainischer Bodenschätze beteiligen und daraus einen Gewinn erzielen werden, wird wie eine Entschädigung für das bereits ausgegebene Geld aussehen. Und gleichzeitig – als Rechtfertigung für neue Ausgaben. 

Es sollte jedoch bedacht werden, dass es sich nicht um ein reales, sondern um ein virtuelles politisches Dokument handelt. Wie die meisten Dinge, die heute mit Donald Trump in Verbindung gebracht werden.  Solange der Krieg in der Ukraine noch andauert, hat das Abkommen keine wirkliche Bedeutung. Kein amerikanisches Unternehmen wird in einem Land investieren, dessen Territorium jederzeit von einem Nachbarstaat beschlagnahmt oder mit Raketen angegriffen werden kann. Die Vorstellung, dass Trump nach der Unterzeichnung des Abkommens Putin sagen kann, dass er nun an Investitionen in der Ukraine interessiert ist und Putin sich zurückziehen soll, ist realitätsfern. Im Gegenteil, gerade das Einmischen der Amerikaner in die Erschließung der ukrainischen Bodenschätzen, die Putin als Eigentum des „historischen Russlands“ betrachtet, wird ihn nur in dem Glauben bestärken, dass der Westen versucht, ihm „das Seine“ wegzunehmen. Dies könnte Putins Wunsch, den Krieg fortzusetzen, eher stärken als schwächen. 

Außerdem hat der großzügige Putin Trump die gemeinsame Erschließung von Bodenschätzen nicht nur in Russland, sondern auch in den besetzten Gebieten der Ukraine angeboten. Die Tatsache, dass der amerikanische Präsident diese „Großzügigkeit“ nicht zu schätzen wusste, dürfte im Kreml keine Begeisterung auslösen, sondern den Wunsch verstärken, seinen Standpunkt mit Gewalt zu beweisen.  Und da das Abkommen keine wirklichen Sicherheitsgarantien vorsieht und niemand erwartet, dass amerikanische Truppen die Investitionsgebiete schützen, wird jeder westliche Investor nicht nur einen Waffenstillstand, sondern Garantien für einen dauerhaften Frieden abwarten – die es heute nicht gibt. 

Selbst wenn wir uns vorstellen, dass solche Garantien zustande kommen werden – etwa durch den Beitritt der Ukraine zur NATO oder die Umstrukturierung der russischen Regierung selbst – sollten wir uns auch des realen wirtschaftlichen Potenzials der Ukraine bewusst werden. Die geologische Erkundung von Bodenschätzen wurde zu Sowjetzeiten durchgeführt. Es ist nicht bekannt, welche Ergebnisse die neuen Bohrungen tatsächlich bringen werden, wie die Reserven an Mineralien und Seltenerdmetallen bewertet werden, welchen Wert sie auf dem Markt haben werden und vor allem, wie das Verhältnis zwischen Kosten und Einnahmen aussehen wird.  Investitionen in anderen Wirtschaftszweigen kommen heute nicht in Frage. Denn auch sie werden davon abhängen, wie der künftige ukrainische Staat aussehen wird: ob er eine zivilisatorische Sackgasse wird, mit feindlich gesinntem und für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit ungeeignetem Russland im Rücken, oder ein Korridor zwischen der Europäischen Union und einem neuen, dialogfähigen Russland. 

Bislang scheint die zweite Perspektive illusorisch zu sein. Daher kann der materielle Wert des Abkommens nur auf den Seiten der Nicht-Science-Fiction diskutiert werden.  War es also nicht wert, dieses Abkommen zu unterzeichnen? Sie war es wert, unterzeichnet zu werden.  Denn Nicht-Science-Fiction ist Donald Trumps Stil. Und wenn wir zustimmen, nach seinen Regeln zu spielen, erhalten wir eine politische Dividende: neue Unterstützung für die Ukraine im Krieg, ein neues Modell des amerikanischen Dialogs mit Moskau und vielleicht mehr Druck auf Putin.  Die Unterzeichnung des Abkommens war genau zu diesem Zweck notwendig – um die Möglichkeit der Unterstützung zu bewahren und Druck ausüben zu können. In jeder anderen Hinsicht macht es keinen wirklichen Sinn und wird es wahrscheinlich auch in den kommenden Jahren – oder vielleicht Jahrzehnten – nicht tun.

Unsre Expartner / Наші колишні. Ruslan Horovyj

Ich glaubte nie wirklich an mein erstes Grau,
Das leise verdrängt jede andere Farbe.
Ich nahm, was da war – ein Geschenk, ein Moment,
Dankte – oder ließ es verrinnen im Wind.
Ich dachte: Noch liegt alles vor mir.
Die Eltern sind jung, und du bleibst stets ein Kind.
Die Freunde – lebendig, die Liebe – für ewige Zeit,
Dann blinzelst du – und nur Lärm bleibt und Wind.

Unsre Expartner
Werden Helden der Bücher von uns.
Was wir verloren
Lebt in Versen, die tief in uns sind.
Die alten Tage und Wochen
Stehn Wache in unserm Verstand.
Nicht weggeschwommen –
Sie liegen wie Steine im Fluss, unter Sand.

Ich träumte davon, auf den Gipfel zu gehn,
Von oben das Leben als Summen zu sehn.
Glaubte nie, dass das Feuer mal ganz verglüht,
Dass Dunkelheit kommt und die Hoffnung verzieht.
Es fehlte mir einer, der mithielt im Lauf,
Der deckte, wohin ich den Kopf auch gestreckt.
Für Heilung zerfielen Chrysanthemen im Staub,
Die ich einst zum ersten Date mitgebracht.

Unsre Expartner
Werden Helden der Bücher von uns.
Was wir verloren
Lebt in Versen, die tief in uns sind.
Die alten Tage und Wochen
Stehn Wache in unserm Verstand.
Nicht weggeschwommen –
Sie liegen wie Steine im Fluss, unter Sand.

Die Praxis zeigt, was im Leben besteht,
Ob Weisheit sich hält oder mit dem Wind verweht.
Man sagt, nur der Weg zählt – das Ziel sei nur Schein –
Doch weißt du’s erst dann, wenn du stehst ganz oben.
Und irgendwann löst sich ein Knoten von selbst.
Lieder vorm Haus – Herz, das immer noch schlägt.
Versteck deine Narben nicht – zeig, was dich hält,
Denn Leben ist das, was in Spuren noch lebt.

Unsre Expartner
Werden Helden der Bücher von uns.
Was wir verloren
Lebt in Versen, die tief in uns sind.
Die alten Tage und Wochen
Stehn Wache in unserm Verstand.
Nicht weggeschwommen –
Sie liegen wie Steine im Fluss, unter Sand,
Tief unter Wasser,
Sie liegen im Fluss unter Wasser gespannt –
Unsere Exen...

Я якось ніколи не вірив в свою сивину,
Яка поступово зітре інші фарби зі скронь.
Сприймав все навколо як дар або як дивину
І дякував або скидав, як пісок, із долонь
Здавалось, що все ще попереду, все назавжди.
Батьки молоді, і ти завжди для них дітлашня.
Всі друзі живі, а кохання одне й навіки.
А потім моргнеш – і лишається лиш метушня.

Наші колишні
Стають героями наших книжок.
Наше минуле
Застигло римами в наших віршах.
Ті дні і тижні
Стоять на варті наших думок.
Не промайнули,
Лягли камінням під воду в річках.

Я мріяв колись, що зійду на вершину гори
І звідти побачу людей унизу, як мурах.
Не вірив, що ватра колись взагалі догорить,
І темрява впаде на землю, посіявши страх.
Мені бракувало того, хто б витримував темп.
І завжди прикрив, хоч куди б я не всунув свій ніс.
На ліки із часом пішли пелюстки хризантем,
Які я колись на побачення перше приніс.

Наші колишні
Стають героями наших книжок.
Наше минуле
Застигло римами в наших віршах.
Ті дні і тижні
Стоять на варті наших думок.
Не промайнули,
Лягли камінням під воду в річках.

Практика завжди доводить або відміта
Кимось прописані істини або думки.
Кажуть, важливий сам шлях, й аж ніяк не мета.
Але відчуєш, чи так, лиш досягши мети.
І рано чи пізно життя всі вузли розплете.
Пісні під під’їздом – це завжди про серцебиття.
Тож стій, не ховай свої шрами, бо шрами – це те,
Що кожній людині на згадку лишає життя.

Наші колишні
Стають героями наших книжок.
Наше минуле
Застигло римами в наших віршах.
Ті дні і тижні
Стоять на варті наших думок.
Не промайнули,
Лягли камінням під воду в річках,
під воду в річках.
Лягли під воду в річках
Наші колишні...