Der Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, sagte heute, dass man sich in Washington, Moskau und Peking auf ein trilaterales Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, dem Präsidenten der Russischen Föderation Putin und dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China Xi Jinping vorbereite. Und obwohl es von chinesischer Seite keinerlei Bestätigung dieser Informationen aus dem Kreml und auch aus dem Weißen Haus gibt – denn ich erinnere daran, dass auch Trump von der Möglichkeit eines solchen Treffens gesprochen hat –, wird das, was bis vor Kurzem noch als politische Fantasie gelten konnte, dennoch tatsächlich zur Realität unseres politischen Lebens. Trump, Putin und Xi Jinping könnten sich zu dritt in Shenzhen während des APEC-Gipfels treffen, um die Wahnvorstellungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten darüber, wie die Welt in naher Zukunft aussehen wird und wie die Länder aussehen sollen, die sich um diese Welt kümmern sollen, anschaulich vorzuführen.
Das heißt, drei starke Führer, die Führer von Atommächten, treffen sich, um über die Stabilität in dieser Welt zu sprechen. Das ist die Logik, von der Donald Trump natürlich geleitet wird. Das ist auch die Logik Putins, der natürlich ebenfalls gerne als gleichberechtigter Teilnehmer an einem solchen Format beteiligt wäre. Und das, obwohl die Wirtschaft der Russischen Föderation, gelinde gesagt, den Volkswirtschaften der Vereinigten Staaten von Amerika und der Volksrepublik China unterlegen ist.
Aber schauen wir uns an, wie realistisch die Hoffnungen sowohl des amerikanischen als auch des russischen Präsidenten überhaupt sein können, dass der Gipfel in Shenzhen, den sie, ich würde sagen, so beharrlich vorbereiten, mit irgendeinem tatsächlichen Ergebnis endet.
Ich möchte Sie davon überzeugen, dass auf dem Gipfel in Shenzhen keinerlei tatsächliche Entscheidungen zu der Frage getroffen werden, die Putin interessieren könnte, nämlich zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu russischen Bedingungen, also zur Kapitulation unseres Staates und seinem allmählichen Verschwinden von der politischen Weltkarte. Solche Entscheidungen wird es auf dem Gipfel in Shenzhen nicht geben, weil Putin von Trump mehr verlangt, als Trump ihm zu geben bereit ist.
Der amerikanische Präsident hat tatsächlich absolut nichts dagegen, selbst während des Krieges mit der Russischen Föderation Handel zu treiben. Er hat absolut nichts dagegen, die Sanktionen gegen die Russische Föderation aufzuheben, obwohl ihm dabei bereits die amerikanische Gesetzgebung im Weg stehen wird. Er hat absolut nichts dagegen, ukrainische Gebiete für die Beendigung des Krieges zu opfern und sogar, wie wir wissen, den russischen Status der besetzten ukrainischen Krim anzuerkennen. Er hat absolut nichts gegen die Neutralität der Ukraine und eine Garantie dafür, dass unser Land ebenso wie die anderen ehemaligen Sowjetrepubliken nicht der NATO beitreten wird. All das ist, wie mir scheint, verständlich. All das ist seit einem Jahrzehnt Teil von Trumps Außenpolitik und nicht erst seit den letzten zehn Monaten.
Womit Trump sich aber einfach nicht einverstanden erklären kann, ist die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit. Das kann er Putin nicht geben.
Xi Jinping ist erstens ebenfalls nicht daran interessiert, sich zur Beseitigung irgendeines Staates zu verpflichten. Genau deshalb ist er ein Garant für die Existenz von Belarus als unabhängigem Staat, der besondere Beziehungen zu Russland unterhält. Und es liegt überhaupt nicht im Interesse Xi Jinpings, als Garant irgendwelcher Vereinbarungen in Europa aufzutreten, denn wenn Russland diese Vereinbarungen verletzt, könnte das für China ernsthafte wirtschaftliche Schwierigkeiten in den Beziehungen zu europäischen Ländern schaffen, falls Peking nicht angemessen auf Putins Verhalten reagiert.
Nun, auch das ist, wie mir scheint, völlig offensichtlich. Und übrigens verstehen sogar die Russen selbst sehr gut, dass man sich von einer Zusammenarbeit mit Trump in der Ukraine-Frage nicht allzu viel erwarten sollte. In eben jener Erklärung, in der es um die trilaterale Zusammenarbeit in Shenzhen ging, begann Uschakow völlig unerwartet über die Europäer und die europäische Position zu sprechen. Ich werde versuchen, das zu zitieren, damit wir genau verstehen, was er sagt: „Früher, nach Anchorage, entstand der Eindruck, dass die amerikanische Regierung etwas diktieren und Kyiv zwingen könnte, es umzusetzen. Aber bislang hat das irgendwie nicht funktioniert, denn es reicht nicht aus, nur mit Kyiv zu sprechen. Man muss mit ganz Europa sprechen, das Kyiv vollständig unterstützt. Und möglicherweise kommt der Position Europas hier eine Schlüsselrolle zu.“
Wir sehen also die Verärgerung und Enttäuschung der russischen Führung. Vor dem Gipfel mit dem amerikanischen Präsidenten in Anchorage glaubte Putin tatsächlich aus Gründen, die ich nicht verstehe – vielleicht deshalb, weil auch er in einer völlig erfundenen Realität lebt –, dass Trump, wenn er sich mit ihm auf etwas einigen würde oder ihm zumindest etwas verspräche, selbst etwas, dem Putin nicht zustimmt, über klare Instrumente verfüge, um die ukrainische Führung dazu zu zwingen, so zu handeln, wie es, wenn schon nicht Putin, dann wenigstens Trump gefällt. Jetzt wird völlig offensichtlich, dass der amerikanische Präsident nicht nur keine wirksamen Druckmittel gegenüber seinem russischen Kollegen besitzt, sondern dank der europäischen Haltung auch keine wirksamen Druckmittel gegenüber der Ukraine.
Deshalb kann Putin von Trump bei dem Treffen in Shenzhen natürlich verlangen, nicht nur Druck auf Kyiv, sondern auch auf Europa auszuüben. Dazu ist Trump selbstverständlich ebenfalls nicht in der Lage. Er verfügt über keine derart wirksamen Instrumente, die die politische Landschaft Europas verändern könnten, solange in den europäischen Ländern nicht Politiker des ultrarechten, antieuropäischen Lagers an die Macht kommen, mit denen natürlich sowohl Trump als auch JD Vance und andere führende Vertreter der amerikanischen ultrarechten Konservativen sympathisieren. Aber auch sie können für diese Politiker keine Wunder vollbringen. Und vor allem beginnen diese Politiker, selbst wenn sie an die Macht kommen, in den Kategorien der nationalen Interessen ihrer eigenen Staaten zu denken und nicht in den Kategorien der Geschäftsinteressen der Familie Trump.
Das beste Beispiel dafür ist, wie mir scheint, Giorgia Meloni, die italienische Ministerpräsidentin. Ich erinnere Sie daran, dass sie die Vorsitzende der Partei Fratelli d’Italia, Brüder Italiens, ist. Das ist eine ultrarechte politische Kraft, die in Italien vor Melonis Wahl zur Ministerpräsidentin als postfaschistisch bezeichnet wurde. Während solche Bezeichnungen für den Rassemblement National der Französin Marine Le Pen eher beleidigend sind, waren sie im Fall der Brüder Italiens schlicht eine Feststellung jener, ich würde sagen, politischen Wurzeln, die diese Formation geprägt haben. Und was geschah? Sie haben gesehen, dass zwischen Trump und Meloni ziemlich schwierige Beziehungen entstanden, sobald sich herausstellte, dass Trump die nationalen Interessen Italiens faktisch nicht berücksichtigt. Und das, obwohl er mit ihr aufrichtig sympathisierte und Meloni eine der wenigen Politikerinnen und Politiker aus anderen Ländern war, die zur nicht öffentlichen Amtseinführung des amerikanischen Präsidenten eingeladen worden waren. Diese fand geradezu in einer Atmosphäre des Triumphs der postfaschistischen Welt statt, denn dort waren ausschließlich ultrarechte Gäste mit einem tadellosen Ruf als Erben gerade der postfaschistischen Ideologie anwesend, beispielsweise der amtierende Präsident Argentiniens Javier Milei und Giorgia Meloni.
Aber zwischen Trump und Milei gibt es angesichts ihrer Ansichten über Lateinamerika wesentlich weniger Meinungsverschiedenheiten als zwischen Trump und Meloni. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass Trump versucht, Putin zu unterstützen, der im Grunde ein Albtraum Europas ist. Und Russland, daran möchte ich Sie erinnern, war während seiner gesamten Existenz auf der Landkarte des europäischen Kontinents ausschließlich ein Albtraum Europas. Etwas anderes war es niemals. Wenn Sie sich alte Archive, alte Artikel und alte politische Karikaturen ansehen, werden Sie immer wieder feststellen, dass auf diesen Karikaturen in europäischen Zeitschriften und Zeitungen russische Zaren, sowjetische Generalsekretäre und Putin stets mit irgendeinem blutigen Dolch in der Hand oder mit Blut an den Händen dargestellt wurden. Putin ist hier, würde ich sagen, ein würdiger Erbe der anderen Henker Europas aus Moskau oder Sankt Petersburg. Es geschieht nichts Besonderes. Nun, vielleicht mit Ausnahme der Zeit des Zweiten Weltkriegs, als die Sowjetunion in dessen letzten vier Jahren gegen das nationalsozialistische Regime kämpfte. Ich erinnere daran, dass Stalin und die Sowjetunion in den ersten beiden Jahren dieses Krieges aktive und wichtige Verbündete und Brüder der Nationalsozialisten waren. Sie veranstalteten gemeinsame Paraden mit ihnen. Auch das ist klar.
Zu behaupten, Putin könne Trump dazu zwingen, Einfluss auf die Europäer auszuüben, und das auch noch gemeinsam mit Xi Jinping, ist also ebenfalls eine ziemlich selbstüberschätzende und merkwürdige Vorstellung. Aber dass die Russen begonnen haben, über die Europäer zu sprechen, bedeutet im Grunde, dass auch sie allmählich begreifen, dass sie mit den europäischen Staats- und Regierungschefs über die Zukunft des Kontinents, über die Unterstützung der Ukraine und darüber sprechen müssen, welche Angriffe die Ukraine gegen Russland führen wird, um die Wirtschaft dieser terroristischen Formation zu zerstören, die sich nur als Staat ausgibt. Und solche Angriffe werden, wie wir sehen, durchgeführt. Experten sagen bereits, dass die Ukraine, obwohl sie derzeit auf Angriffe gegen die Ölraffinerien der Russischen Föderation verzichtet und damit einer Laune des gierigen Trump nachkommt, zugleich Schwachstellen im russischen Energiesektor findet, die im Grunde ebenfalls die Existenz des russischen Ölraffineriekomplexes infrage stellen, ohne die Raffinerien selbst anzugreifen. Denn die jüngsten Angriffe auf Fabriken, die einen wichtigen Teil der für die russische Ölverarbeitung benötigten Produkte herstellen, schaffen für Russland ohnehin Probleme, die sich im Fall der vollständigen Zerstörung dieser Fabriken – es gibt davon insgesamt nur vier, glaube ich, und ich hoffe, dass sie in nächster Zeit einfach in Flammen aufgehen – auf keine Weise mehr lösen lassen, selbst wenn die Ölverarbeitung weiterbesteht.
Das ist eine erfreuliche Nachricht, denn wir verstehen, dass die Verwandlung Russlands in einen Staat ohne Energiewirtschaft und der Zusammenbruch der russischen Wirtschaft der sichere Weg zu einem wirklichen Frieden auf der ganzen Welt sind. Wer die russische Wirtschaft, die Ölraffinerien und die Ölindustrie zerstört und Russland in die Knie zwingt, sodass es 30 Jahre brauchen wird, um wieder aufzustehen, wird sowohl der gesamten Menschheit als auch dem russischen Volk einen großen Dienst erweisen. Denn dieses Volk muss endlich lernen, wirklich zu arbeiten, statt von Energieeinnahmen sowie von Mord, Vergewaltigung und Diebstahl zu leben. Alles so, wie sie es lieben. Aber das liegt in der Zukunft.
Jetzt möchte ich das Thema des Gipfels in Shenzhen fortsetzen. Für Trump ist es auf diesem Gipfel in Wirklichkeit nicht so wichtig, sich mit Putin über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu einigen, wie sich mit Xi Jinping über nukleare Abrüstung zu verständigen. Das ist eine alte Idee Trumps: Er will mit den Chinesen darüber sprechen, dass sie nuklear abrüsten sollen. Was erwartet den amerikanischen Präsidenten auf diesem Weg? Ein vorprogrammiertes Fiasko. Die Chinesen wollen darüber überhaupt nicht sprechen. Sollte die Frage zugespitzt werden, dass dies das Hauptthema des Gipfels sein müsse, wird das trilaterale Treffen überhaupt nicht stattfinden. Xi Jinping wird es boykottieren. China vertritt eine ziemlich einfache Position, die auch jetzt in führenden chinesischen Publikationen zum Ausdruck kommt. Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation verfügen über ein wesentlich größeres Atomwaffenpotenzial als die Volksrepublik China. Allerdings müssen wir ehrlich sein: Wir wissen nicht, wie groß Chinas Atomwaffenpotenzial derzeit ist. Was bedeutet das in der Praxis? In der Praxis sagen die Chinesen, dass sie erst dann bereit sein werden, mit Russland und Amerika über nukleare Abrüstung zu sprechen, wenn Chinas Atomwaffenpotenzial dem russischen und dem amerikanischen entspricht.
Der Ausweg ist also einfach: Entweder rüsten die Chinesen auf die Zahl der Atomraketen auf, über die Amerika und Russland verfügen, oder diese Länder rüsten auf das chinesische Niveau ab, das niemand genau kennt. Die Russen sind, wie Sie verstehen, derzeit nicht bereit abzurüsten. Sie steuern auf eine weitere Eskalation ihrer Beziehungen zum Westen zu, denn sie bereiten sich auf große Kriege vor, um die demokratischen Zivilisationen zu zerstören und Russland die Herrschaft über Europa zu sichern. Das ist die Idee der russischen Tschekisten. Sie leben für diesen Krieg und seine Vorbereitung. Und wir werden möglicherweise in den kommenden, ich würde sagen, schwarzen Jahrzehnten eines Dritten Weltkriegs Zeugen dieses Grauens werden, wenn Putin nicht gestoppt wird. Aber Xi Jinping hat ganz sicher kein Interesse daran, darüber zu sprechen. Zumal wir verstehen, dass Putin Trump ganz sicher nicht unterstützen wird, weil er schlicht nicht über die operativen Möglichkeiten verfügt, Trump in einer solchen Situation zu unterstützen.
Außerdem gibt es noch einen weiteren wichtigen Punkt. Der Gipfel in Shenzhen wird erst nach den Zwischenwahlen zum Kongress stattfinden. Und seine Teilnehmer werden genau wissen, wie Trumps Position im Kongress insgesamt aussieht. Und sie werden sehr gut wissen, dass die Demokraten, wenn sie in beiden Kammern oder auch nur im Repräsentantenhaus die Mehrheit erhalten, die außenpolitische Strategie der Regierung ziemlich stark beeinflussen können. Wir wissen im Grunde bereits, wie. Erstens erinnere ich Sie daran, dass die Demokraten bereits die Initiative zur Verabschiedung eines Gesetzes zur Unterstützung der Ukraine ergriffen haben. Dieses Dokument liegt jetzt im Senat. Wenn sie im Senat die Mehrheit erhalten – auch hier steht alles fünfzig zu fünfzig, aber ihre Chancen sind derzeit größer als jemals zuvor –, werden sie dieses Gesetz im Senat verabschieden. Und wenn Trump versucht, es nicht zu unterzeichnen, werden sie das Veto dieses aufgeblasenen Putin-Anhängers überstimmen. Und Putin versteht sehr gut, dass er bereits im Januar oder Februar mit einer umfangreichen, bedeutenden militärischen Unterstützung der Ukraine und einer Verschärfung der Sanktionen gegen sein terroristisches Konglomerat konfrontiert sein könnte. Worüber sollte er dann mit Trump verhandeln?
Auch für China ist die bevorstehende Veränderung wichtig, denn es ist offensichtlich, dass der Kongress Trumps Operationen gegen den Iran unter seine Kontrolle bringen wird. Um den Krieg gegen den Iran unter Bedingungen fortsetzen zu können, in denen die amerikanische Armee bei früheren Spezialoperationen schwere Verluste erlitten hat, braucht Trump eine erhebliche Aufstockung des Militärhaushalts. Der entsprechende Antrag liegt bereits jetzt im Repräsentantenhaus. Und es bestehen durchaus Chancen, dass die derzeitige Zusammensetzung des Kongresses, in der die Republikaner die Mehrheit haben, nicht dafür stimmen wird. Denn es gibt zahlreiche unzufriedene Republikaner, die nicht mehr von Trump abhängig sind, weil sie nicht erneut kandidiert haben oder die Wahlen am 3. November verlieren werden. Und diese Menschen sagen, dass sie einer solchen Aufstockung des Militärhaushalts nicht zustimmen werden, bevor die Unterstützung für unser Land wieder aufgenommen wird. Wenn der Kongress bereits im Januar von den Demokraten kontrolliert wird, kann Trump sich dieses Geld abschminken.
Für China mit seiner Haltung zur Unterstützung des Iran ist das ein sehr wichtiger Punkt, denn dadurch können die chinesischen Einflüsse im Nahen Osten in wesentlich größerem Umfang wiederhergestellt werden, zumal die Verbündeten der Vereinigten Staaten in der entstandenen Situation mit ernsthaften Problemen konfrontiert sind. Und in dieser Hinsicht können sie, wie wir sehr gut verstehen, aufhören, eine geopolitische Alternative zu den chinesischen, russischen und iranischen Bestrebungen nach Vorherrschaft in der Region zu sein, wenn die Amerikaner nicht über ausreichende Mittel verfügen, um die Konfrontation mit dem iranischen Regime fortzusetzen – mit jener anonymen Junta, die an die Stelle des getöteten Ajatollahs Chamenei getreten ist.
Ein weiterer Punkt, der diese gesamte Politik völlig verändern wird, ist, dass die Demokraten offenbar bereit sind, die Hilfe für Israel erheblich einzuschränken, wenn die kritischen Sicherheitsfragen im Nahen Osten, die heute vor allem mit der Palästinenserfrage zusammenhängen, nicht gelöst werden. Genau das will der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kategorisch nicht tun. Er hofft, am 27. November sein Amt zu behalten und mit Unterstützung der ultrarechten und ultrareligiösen Kräfte des Landes, die in den vergangenen Jahren in den kritischsten Momenten der Existenz des jüdischen Staates seine Verbündeten waren, eine neue israelische Regierung zu bilden.
Man muss aber verstehen, dass sich der jüdische Staat in all diesen kritischen Jahren auf die Unterstützung beider Regierungen verlassen konnte, sowohl der Regierung Joseph Bidens als auch der Regierung Donald Trumps. Und beiden Regierungen gelang es auf die eine oder andere Weise, den Kongress von der Notwendigkeit zu überzeugen, diese Unterstützung fortzusetzen. Erinnern Sie sich daran, dass das letzte Gesetz zur Unterstützung der Ukraine, über das noch unter Joseph Biden abgestimmt wurde, die Unterstützung sowohl der Ukraine als auch Israels und Taiwans umfasste. Damals gab es einen sehr interessanten Moment: Die Mehrheit der Republikaner stimmte nicht für die Unterstützung der Ukraine, im Gegensatz zu praktisch allen Demokraten, die dafür stimmten. Jetzt ist bei dem neuen Gesetz zur Unterstützung der Ukraine praktisch dieselbe Situation eingetreten. Ein großer Teil der Republikaner stimmte paradoxerweise nicht für die Hilfe für Taiwan, während ein großer Teil der Demokraten nicht für die Unterstützung Israels stimmte.
Jetzt wächst diese mangelnde Bereitschaft, Israel zu unterstützen, auch in den Reihen der Republikaner. Wir sehen, wie sich beispielsweise enge Mitstreiter Donald Trumps wie Vizepräsident JD Vance zu dieser Situation äußern. Und auch das ist ein ziemlich wichtiger politischer Punkt, der für Russland und China hinsichtlich ihrer Positionierung von entscheidender Bedeutung ist.
Wenn sich also herausstellt, dass Trumps wichtigste politische Prioritäten – die Ukraine möglichst wenig zu unterstützen, Geld für den Krieg gegen den Iran zu finden und Israel intensiv zu unterstützen – in der neuen Zusammensetzung des Kongresses keine Unterstützung finden werden, worüber sollte man dann in den kommenden zwei Jahren mit dem amerikanischen Präsidenten sprechen? Was kann er in einer solchen Situation überhaupt tun? Das ist doch eine gute Frage, nicht wahr? Wenn wir über die Kongresswahlen sprechen, konzentrieren wir uns ständig darauf, dass sich der Kongress in eine große Untersuchungskommission verwandeln wird, die sich mit Korruptionsmissbrauch beschäftigen wird. Übrigens sind 70 Prozent der Amerikaner unzufrieden mit diesen Korruptionsmachenschaften, die mit dem Namen Donald Trump, den Mitgliedern seiner Familie und dem engsten Umfeld des amerikanischen Präsidenten verbunden sind, mit diesem kollektiven Witkoff und Kushner.
Und je tiefer wir in den Wald vordringen, desto deutlicher sehen wir, wie sehr sich eben dieser Kushner, Trumps Schwiegersohn, in völlig undurchsichtige Geschäfte verstrickt hat, die bereits mehr als ein Land der Welt destabilisieren. Gerade jetzt dauern in Albanien die Massenproteste an, wo er Ferienanlagen bauen wollte. Ich denke, das ist erst der Anfang des Niedergangs dieses Mannes. Genauso wie wir jetzt den Beginn des Niedergangs des berüchtigten Multimilliardärs Elon Musk beobachten können, der versucht, sich in seinem eigenen sozialen Netzwerk, das er gekauft hat, um Trump an die Macht zu bringen, für die Drosselung der Starlink-Geschwindigkeit für die ukrainische Armee zu rechtfertigen.
Aber das ist natürlich noch nicht alles. Denn offensichtlich geht es nicht nur darum, dass irgendwelche Dinge untersucht werden, um ein Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump einzuleiten. Oder vielleicht hoffen die Demokraten, den Präsidenten der Vereinigten Staaten unter der Last von Anschuldigungen, die weniger für ihn selbst als für die Republikanische Partei völlig unerträglich werden könnten, dazu zu zwingen, das Weiße Haus von sich aus zu verlassen. All das können Berechnungen sein, die sich übrigens auch als falsch erweisen können. Denn wissen Sie, zu sagen: „Jetzt wird eine Untersuchung stattfinden, und dann werden wir dies und jenes erfahren, und sie werden dies und jenes herausfinden, das ist sehr gut“ – das sind alles Gespräche ohne konkrete Fakten. Das sind Hoffnungen. Aber es gibt politische Faktoren.
Und diese politischen Faktoren, von denen ich spreche, sind keine Hoffnungen mehr, sondern Dinge, die tatsächlich umgesetzt werden. Das heißt, die Demokraten unterscheiden sich von den Republikanern, ich würde sagen, die Demokraten unterscheiden sich von den Trumpisten durch eine ziemlich, ich würde sagen, unterschiedliche Haltung zu den wichtigsten außenpolitischen Herausforderungen: zur Ukraine, zu Europa, zum Iran, zu Israel. Das bedeutet, wie Sie verstehen, nicht, dass die Demokraten für die Wiederherstellung guter Beziehungen zum Iran eintreten. Nein, sie könnten einfach der Ansicht sein, dass die Konfrontation mit dem Iran angesichts der Tatsache, dass sich irgendein Pete Hegseth darum kümmert, der bereits zum Symbol der Inkompetenz im Verteidigungsministerium geworden ist, schlicht unprofessionell geführt wird und die Besonderheiten dieses Landes, die Besonderheiten und Möglichkeiten seines Regimes und so weiter nicht berücksichtigt. Und dass sie mit vergeblichen Hoffnungen verbunden ist, wie etwa der vergeblichen Hoffnung, dass die Tötung Chameneis und seines engsten Umfelds sowie seiner Familienangehörigen zum Zusammenbruch des Regimes führen würde. Wir verstehen doch inzwischen, dass genau darin Trumps Hauptidee bestand.
Und dieser unglaubliche, ich würde sagen, dem Abenteurertum Putins ähnliche Ansatz, der glaubte, sein Blitzkrieg werde unbedingt erfolgreich enden, er werde in der Ukraine eine Marionettenregierung einsetzen, die ihrerseits die Einverleibung unseres Landes fördern werde, die Durchführung von Referenden in den ukrainischen Regionen über ihre Ausrufung zu unabhängigen Staaten und anschließend über ihren Beitritt zur Russischen Föderation. Das war doch ein so einfacher Plan, geradezu elementar. Er sollte bereits im März 2022 mit einem Triumph des russischen Präsidenten enden. Und man möchte Putin fragen: „Na und? Wie steht es um den Triumph, Herr Oberbefehlshaber einer Armee, die seit viereinhalb Jahren die Grenzen des Donezker Gebiets nicht erreichen kann und gezwungen ist, Donald Trump um Hilfe zu bitten, damit er den Ukrainern sagt, sie sollten diese Gebiete kampflos verlassen? Was ist denn das für eine Berechnung?“
Aber erstaunlich ist, dass Trump, obwohl er von diesem, ich würde sagen, beschämenden Abenteurertum Putins wusste, das sein Land, wie ich hoffe, in einen geopolitischen Zusammenbruch geführt hat, der so oder so eintreten wird, für die Vereinigten Staaten von Amerika genau denselben Weg eingeschlagen hat. Er ist in demselben Schlamm stecken geblieben, und für Trump ist das für immer, in dem jener von Trump erfundene russische General stecken geblieben ist, der von der wunderbaren Autobahn abbog, die eigens für russische Panzer gebaut worden war, damit sie nach Kyiv gelangen konnten. Einfach nur lächerlich.
Um bei unserem heutigen Tag zu bleiben, möchte ich Ihnen sagen, dass ich noch mit Ihnen über die Wahlprozesse sprechen wollte, die buchstäblich vor unseren Augen in für uns wichtigen europäischen Ländern stattfinden. Heute fand in Bulgarien die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt. In Serbien finden Parlamentswahlen statt, bei denen für den ehemaligen Präsidenten des Landes, Aleksandar Vučić, viel auf dem Spiel steht, weil er versucht, durch die Bildung einer Regierung unter seiner eigenen Führung an der Macht zu bleiben. Und in diesen Stunden dauern wegen der Zeitverschiebung zwischen Europa und Amerika auch noch die Präsidentschaftswahlen in Brasilien an.
Es liegen also die Ergebnisse der Wahlen in Bulgarien vor, die anders ausgegangen sind, als die Meinungsforscher vorhergesagt hatten. Bei diesen Wahlen gab es zwei Hauptbewerber. Ilijana Jotowa, die Vizepräsidentin des ehemaligen Präsidenten Rumen Radew, der für seine prorussische Politik bekannt ist und sein Amt als Präsident Bulgariens vorzeitig niedergelegt hatte, um an den Parlamentswahlen teilzunehmen, so wie Aleksandar Vučić in Serbien, und eine neue Regierung des Landes unter seiner Führung zu bilden. All das ist ihm gelungen.
Ilijana Jotowa, die nach Radews Rücktritt die Amtsgeschäfte der Präsidentin des Landes führte, galt als sichere Siegerin bei der Wahl des Staatsoberhaupts. Doch es kam anders als gedacht. Zwischen Ilijana Jotowa und ihrem wichtigsten Konkurrenten, dem proeuropäischen und proukrainischen Kandidaten Andrej Gjurow, besteht nur ein sehr geringer Abstand. Ilijana Jotowa hat derzeit ungefähr 35,7 Prozent der Wählerstimmen, Andrej Gjurow 31,8 Prozent. Das heißt, den gewissermaßen prorussischen und den proeuropäischen Kandidaten trennen faktisch nur wenige Prozentpunkte. Auf dem dritten Platz liegt mit zwölf Prozent allerdings ein offen prorussischer und antiukrainischer Kandidat. Ein Mann, dem sogar die Einreise in die Ukraine verboten ist, ein Mann, der faktisch die Existenz des ukrainischen Volkes selbst leugnet, der Vorsitzende der Partei Wiedergeburt, Kostadinow. Für ihn ist das ein geradezu geniales Ergebnis, denn bei früheren Wahlen hatte er nie mehr als zwei Prozent erhalten. Und natürlich könnte man annehmen, dass Jotowa damit den Sieg praktisch schon in der Tasche hat, weil Kostadinows Wähler ihre Stimmen ganz sicher ihr geben könnten. Aber so einfach ist die Lage dort nicht, würde ich sagen. Es ist eine ziemlich komplizierte Situation, weil die Wahlbeteiligung bei diesen Wahlen sehr, sehr niedrig war.
Man muss verstehen, dass bei den bulgarischen Präsidentschaftswahlen nur 22 Prozent der potenziellen Wähler in die Wahllokale gekommen sind. Das heißt, dieses gesamte Ergebnis und all diese Zahlen beruhen auf einer Wahlbeteiligung von 22 Prozent. Können Sie sich das vorstellen? Deshalb kann man im Grunde nicht mit Sicherheit sagen, dass die zweite Wahlrunde genauso ausgehen wird wie die erste, und zwar aus einem einfachen Grund: Die Wahlbeteiligung kann erheblich steigen. Für Jotowa und Gjurow wird jetzt entscheidend sein, inwieweit es ihnen gelingt, die Beteiligung ihrer eigenen Wähler zu erhöhen. Und das ist ein sehr wichtiger Prozess, der so oder so anders enden könnte, als Rumen Radew es sich erhofft. Zumindest wünschen wir Andrej Gjurow einen erfolgreichen Wahlkampf, zumal sich der Abstand zwischen ihm und Jotowa inzwischen sogar verringert hat. Nach Auszählung von bereits 95 Prozent der Stimmzettel hat Jotowa jetzt 34,9 Prozent der Stimmen und Gjurow 32,1 Prozent. Sie trennen also faktisch drei Prozentpunkte. Und Kostadinow ist tatsächlich bei seinen 12,5 Prozent geblieben. Die Frage ist, ob seine Wähler in der zweiten Runde tatsächlich für Jotowa stimmen werden oder ob sie sich einfach der Wahl enthalten.
Jetzt möchte ich zu den serbischen Wahlen übergehen, falls es dort bereits Ergebnisse gibt. Im Grunde werden sie in 30 Minuten vorliegen, sodass wir nicht mehr rechtzeitig darüber sprechen können. Aber für Vučić ist diese Abstimmung tatsächlich ein ziemlich wichtiger Moment. Nach den letzten Meinungsumfragen erhält die sogenannte Studentenliste, die die Anhänger der monatelangen Studentenproteste in Serbien und die Oppositionsparteien vereint hat, 42,8 Prozent der Stimmen. Das Bündnis Vereinigtes Serbien, das versucht, die prorussische Herrschaft in Serbien zu zementieren, erhält 40,34 Prozent.
So sieht die Verteilung aus. Ungefähr dieselben Ergebnisse gab es auch bei anderen Meinungsforschern. Hier eine weitere Umfrage: 44,5 Prozent für die Studenten, 42,7 Prozent für Vučić. Aber hier wird entscheidend sein, welche anderen Parteien die Sperrklausel überwinden können. Natürlich gibt es auch Umfrageergebnisse, die vom prorussischen Sputnik Serbien veröffentlicht wurden. Dort erhält Vučić 47 Prozent und die Studenten 40 Prozent. Aber ich denke, Sie verstehen, was Sputnik als Datenquelle bedeutet. Wir müssen nur noch eine halbe Stunde auf diese Ergebnisse warten. Dann können wir bereits genauere Prognosen zur Situation in Serbien machen und dazu, inwieweit es Vučić gelingen wird, seine Macht in diesem Land zu bewahren. Vielleicht schaffen wir es sogar noch, darüber zu sprechen. Aber ich bin überhaupt nicht sicher, dass wir diese Ergebnisse noch abwarten können. Wir werden zumindest versuchen, darauf zu warten.
Die Wahlen in Brasilien sind überhaupt einer der wichtigsten Punkte für Trump. Diese Wahlen dauern derzeit noch an, und ich hoffe, dass wir in einigen Stunden ihre vorläufigen Ergebnisse erfahren werden. Es handelt sich um die zweite Wahlrunde, und das ist tatsächlich der wichtigste Moment, den es derzeit in Lateinamerika gibt, denn Brasilien ist, wie Sie wissen, der führende Staat des Kontinents. Und dass an der Spitze Brasiliens ein linker Präsident stand, der, ich würde sagen, bessere Beziehungen zu Putin als zu Trump und zu Xi Jinping als zu Trump unterhielt, war für Trump ein regelrechter, ich würde sagen, Schlag gegen seine Position. In der ersten Runde trat Flávio Bolsonaro, der Sohn des früheren brasilianischen Präsidenten, der im Gefängnis saß und sich inzwischen aus gesundheitlichen Gründen unter Hausarrest befindet, gegen Präsident Lula an, der das Land bereits zum dritten Mal führt. Er wurde für zwei Amtszeiten gewählt, schied dann aus dem Amt aus, saß später wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis und wurde anschließend freigesprochen, weil die Straftaten, die er begangen hatte, nicht in dem Bundesstaat begangen worden waren, dessen Gericht ihn verurteilt hatte, damit Sie das verstehen. Das war der Grund. Und er kehrte in die Politik zurück und besiegte Jair Bolsonaro, der für eine zweite Amtszeit kandidierte. Und Trump unterstützte natürlich die ganze Zeit gerade Jair Bolsonaro und anschließend demonstrativ dessen Sohn Flávio Bolsonaro. Flávio besiegte Lula in der ersten Runde.
Nun, in der Geschichte Brasiliens seit der Wiederaufnahme freier Präsidentschaftswahlen, ich glaube 1988, ich kann mich natürlich irren, aber mir scheint, es war 1988, nach der Zeit der Militärdiktaturen, gab es noch keinen Fall, in dem der Sieger der ersten Runde in der zweiten verloren hätte. Deshalb sind viele Beobachter der Ansicht, dass Flávio Bolsonaro den Sieg bereits in der Tasche hat. Zumal es zwischen der ersten und der zweiten Wahlrunde politische Skandale gab, die eindeutig nicht zu Lulas Gunsten waren. Aber Sie verstehen, dass bei Wahlen, in denen die Kandidaten sehr dicht beieinanderliegen – denn die Umfragen vor der zweiten Runde gaben Flávio Bolsonaro einen Vorsprung von zwei Prozent –, das überhaupt nichts bedeutet. Deshalb kann man nicht so sicher sagen: Der Sieg ist in der Tasche, und morgen früh werden wir sehen, dass Flávio Bolsonaro Präsident Brasiliens ist. Es könnte auch anders kommen. Vieles hängt von der Mobilisierung der Wähler ab, von der Wahlbeteiligung und davon, in welchen Provinzen die Menschen zur Wahl gehen. Wie stark ist Brasilien zwischen rechten und linken Provinzen gespalten? Inwieweit wird es Lula gelingen, diese Wählerschaft zu mobilisieren?
Wenn er verliert, wird das natürlich ein großer Sieg für die Vereinigten Staaten sein, der zeigen wird, dass Lateinamerika nach Trumps Sieg nach rechts rückt und dass die Zeit der linken Staats- und Regierungschefs, die zu einem bestimmten Zeitpunkt, ich würde sagen, zwei Drittel des Kontinents kontrollierten – Brasilien, Argentinien, Chile, Venezuela, alles war im Grunde links oder sogar linksradikal wie Venezuela –, zumindest vorerst zu Ende geht. Und dass Menschen mit solchen, ich würde sagen, rechten Ansichten unter Bedingungen ernsthafter wirtschaftlicher Probleme durchaus die Möglichkeit haben, von den Wählern unterstützt zu werden. Das begann vor allem mit dem triumphalen Wahlsieg Javier Mileis in Argentinien, als er die Peronisten, eine linksradikale Formation unterschiedlicher Art, im Grunde von der Macht im Land verdrängte und ihre völlige Unfähigkeit bewies, sich um die argentinische Wirtschaft zu kümmern. Ich bin kein Anhänger von Mileis Methoden, aber ich kann nicht umhin anzuerkennen, dass die Menschen, die Argentinien vor ihm regierten, echte korrupte Populisten waren. Und das ging viele Jahre hintereinander so. Nun, Sie sehen, dass es derzeit in Lateinamerika viele Präsidenten gibt, die mit dem Trumpismus als Ideologie verbunden sind.
Ich sage Ihnen eines: Der Trumpismus kann in den Vereinigten Staaten enden und in Lateinamerika überleben. Für uns wird ein Führungswechsel in Brasilien nicht besonders viel bedeuten, denn angesichts der wirtschaftlichen Lage des Landes wird Flávio Bolsonaro es sich kaum leisten können, die Beziehungen zu China und Russland aufs Spiel zu setzen und aus den BRICS auszutreten. Er wird seine Politik gegenüber der Ukraine wohl kaum abrupt ändern. Wir wissen, dass Lula weiterhin gute Beziehungen zu Putin unterhielt. Und Bolsonaro wird sich an den amerikanischen Rechtskonservativen, an den Trumpisten orientieren, die, wie Sie wissen, ebenfalls nicht gerade begeistert von unserem Land sind.
Und hier wird Trumps Haltung entscheidend sein. Sie haben doch gesehen, dass Javier Milei, der Zelensky küsste und ihm eine Tora schenkte, als der ukrainische Präsident zu seiner Amtseinführung nach Buenos Aires kam, seine Haltung gegenüber der Ukraine schlagartig änderte, als er sah, dass Trump kein großer Anhänger unseres Landes ist. Das war also keine prinzipielle Haltung, sondern eine Haltung, die sich jederzeit ändern konnte, je nachdem, was die Ultrarechten in Amerika denken. Nun, andererseits braucht Argentinien Geld von Trump. Milei kann angesichts der wirtschaftlichen Lage seines Landes kein Risiko eingehen. Brasilien dagegen braucht Geld aus China und die Zusammenarbeit mit Moskau. Das sind also solche objektiven Faktoren, über die man ebenfalls sprechen muss. Aber in jedem Fall wird das Gewicht der offen prorussischen und prochinesischen Kräfte auf dem Kontinent zugunsten der Vereinigten Staaten verringert werden, ob unter Trump oder ohne Trump, ich würde sagen, zugunsten der amerikanischen Position auf dem Kontinent überhaupt.
Das sind also die drei wichtigen Wahlereignisse, die derzeit stattfinden. Und wir werden natürlich noch darauf zurückkommen.
Ich werde einige Fragen beantworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden.
Frage: Was hat Trump mit seinen Geschäften mit Putin tatsächlich erreicht? Er hat sich selbst ins Bein geschossen, die ohnehin geringen Chancen der Republikaner bei den Wahlen begraben und riskiert obendrein, den Senat zu verlieren.
Portnikov: Nun, ich denke, Trump sieht das ganz anders. Er glaubt, dass er mit seinem Dieselgeschäft mit Putin mehrere für ihn wichtige Dinge erreicht hat. Erstens hat er seine Bereitschaft demonstriert, nach Auswegen aus der Situation zu suchen, um Dieselkraftstoff billiger zu machen. Vergessen Sie nicht, dass es die Realität gibt, dass es Trumps Realität gibt und dass es die Realität der Trump-Anhänger gibt, die einfach wollen, dass er ihnen etwas zeigt, woran sie glauben können. Und diese Basis Trumps, diese traditionellen evangelikalen Gemeinschaften, haben dieses Geschäft mit Freude aufgenommen, als Beleg dafür, dass Trump verschiedene Anstrengungen unternimmt. Zweifeln Sie nicht daran, dass es so ist.
Der zweite Punkt, der für Trump möglicherweise nicht weniger wichtig ist als die Wahlen, besteht darin, dass er unter Berufung auf die nationalen Sicherheitsinteressen der Vereinigten Staaten die Möglichkeiten für Russland, ein halbes Jahr lang Öl zu verkaufen, faktisch und auf legalem Wege wieder freigegeben hat. Damit hat er auch für sich selbst und für ihm nahestehende Personen die Möglichkeit eröffnet, mit Russland Energiegeschäfte zu vereinbaren, während Russland sein Öl verkaufen kann.
Ich sage Ihnen noch einmal, dass Trump nicht nur in Wahlkategorien denkt. Trump denkt auch daran, dass er bereits erkennen könnte, dass er das Repräsentantenhaus verliert und dass er bestimmte Maßnahmen ergreifen muss, die er nicht mehr ergreifen kann, wenn die Demokraten auch nur eine Kammer des Kongresses kontrollieren. Er hat es einfach eilig. Und deshalb hat er das erreicht: Er konnte die Ölsanktionen gegen die Russische Föderation lockern.
Und dabei geht es nicht nur um die Unterstützung Russlands im Krieg. Es geht vor allem um die Beteiligung irgendwelcher amerikanischer oder mit Amerika verbundener Firmen an der Energiezusammenarbeit mit der Russischen Föderation. Das ist, denke ich, das Wichtigste, was man sagen muss, wenn wir über dieses Geschäft sprechen. Es ist ihm ja gelungen.
Ich glaube nicht, dass sich das auf die Senatswahlen in irgendeiner Weise negativ oder positiv auswirkt. Es wirkt sich überhaupt nicht aus. Auf die Senatswahlen wirkt sich der Dieselpreis aus. Und wie Sie verstehen, ändert sich dieser durch die ukrainischen Angriffe auf die Ölraffinerien der Russischen Föderation und durch Trumps Geschäft nicht. Die Möglichkeiten, nach den Wahlen mit Russland Handel zu treiben, bleiben dagegen bestehen. Das heißt, Trump könnte sich gar nicht von dem Versuch leiten lassen, den Preis zu senken oder zu erhöhen, sondern von dem Versuch, Geld zu verdienen oder nicht zu verdienen. Das könnte für ihn in dieser Geschichte wichtiger sein.
Und dann vergessen Sie noch etwas nicht. Das ist ja kein Geschäft mit nur einem Schritt. Der erste Schritt: „Wir befreien Russland faktisch von den Sanktionen und erklären das mit den Bedürfnissen des Weltmarkts, mit den Bedürfnissen der amerikanischen Landwirte. Wir erzählen also diesen ganzen Unsinn, der keinerlei Logik hat.“ Und der zweite Schritt: „Wir zwingen die Ukraine, die Ölraffinerien der Russischen Föderation nicht mehr anzugreifen, damit die Russische Föderation ihren Export von Erdölprodukten und nicht nur von Rohöl wieder aufnehmen kann, vor allem von Dieselkraftstoff, und damit sie mit uns teilen kann, weil wir irgendein Konsortium oder irgendeine solche Konstruktion schaffen werden.“ Auch das ist durchaus möglich. Deshalb würde ich an Ihrer Stelle die Bedeutung dieser Situation nicht unterschätzen.
Frage: Sie sagen oft, dass Russland nicht durch Sanktionen, sondern durch Soldaten gestoppt wird. Ist es realistisch, dauerhaft motivierte Menschen für die ukrainischen Verteidigungskräfte zu mobilisieren, wenn der Personalmangel und die mangelnde Bereitschaft eines erheblichen Teils der mobilisierbaren Bevölkerung, Militärdienst zu leisten, seit Langem offensichtlich sind?
Portnikov: Wenn ich sage, dass Russland durch Soldaten gestoppt wird, meine ich keineswegs nur die Frage der Mobilisierung, obwohl dieses Problem in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges natürlich gelöst werden muss. Und glauben Sie mir, es wird auf die eine oder andere Weise gelöst werden. Jeder kriegführende Staat stößt im vierten oder fünften Kriegsjahr auf Probleme mit unzureichender Mobilisierung und falscher Organisation und findet Methoden, um die gesamte Situation zu verbessern. Selbst wenn diese Methoden einem erheblichen Teil der Gesellschaft nicht gefallen. Damit erfindet niemand das Rad neu.
Aber ich bin eigentlich der Ansicht, dass es in diesem Fall nicht um einen Mangel an Soldaten geht, denn das ist ein Drohnenkrieg. Es geht nicht um die Zahl der Opfer. In der ukrainischen Gesellschaft geht es vor allem um eine, ich würde sagen, schreiende, zynische Ungerechtigkeit, wenn der nicht kämpfende Teil der Gesellschaft meint, der kämpfende Teil müsse für ihn kämpfen. Diese Ungerechtigkeit wird sich, glauben Sie mir, nach dem Krieg bemerkbar machen. Und jener Teil der Gesellschaft, der von seinem vermeintlichen Recht überzeugt ist, wird seine Fehler erst dann erkennen, wenn es bereits zu spät sein wird, sie zu erkennen.
Aber vorerst befinden wir uns dort, wo wir uns befinden. Und es geht nicht um Mobilisierung. Um Drohnen und Raketen gegen Betriebe der Russischen Föderation einzusetzen, braucht man keine umfangreiche Mobilisierung. Man braucht eine gut funktionierende ukrainische Rüstungsindustrie und die Hilfe der Verbündeten. Dieser Krieg wird schon lange nicht mehr allein an der Frontlinie entschieden. Obwohl auch die Frontlinie und die Art, wie die ukrainische Armee sie hält, eine wahre Heldentat sind.
Er wird ausschließlich durch die Zerstörung des wirtschaftlichen Potenzials des Aggressorstaates entschieden. Denn wenn Russland über ausreichendes wirtschaftliches Potenzial verfügt, um die Kampfhandlungen fortzusetzen, wird es ewig Krieg führen. Es gibt überhaupt keine Voraussetzungen für irgendwelche wirklichen Verhandlungen mit Russland, solange es die Kraft hat, Krieg zu führen. Das muss jeder begreifen. Überhaupt keine. Null. Null. Ich würde sogar sagen: minus fünf. Wenn wir dagegen die Ölverarbeitung zerstören, beginnt sich alles der Null zu nähern. Und wenn Russland nicht mehr genug Geld und Ressourcen hat, beginnt sich alles der Eins zu nähern.
Davon spreche ich also. Ich spreche sowohl von dem Soldaten, der die Frontlinie verteidigt, als auch von dem Soldaten, der Raketen und Drohnen startet, die anschließend Brände in den Ölraffineriebetrieben der Russischen Föderation, in diesen Kautschukfabriken und in den Lagern von Wildberries und Ozon auslösen, die ihre Wirtschaft einfach zerstören und sie in ein Land ohne Ressourcen verwandeln. Nur ein Russland ohne Ressourcen kann für eine gewisse Zeit aufhören, die wir brauchen werden, um uns auf einen neuen Angriff vorzubereiten. Das ist alles, was ich damit meine.
Frage: Sie haben gesagt, dass es im ukrainischen Hinterland bald gefährlicher sein wird als an der Front. Erklären Sie, warum. Schließlich haben Sie auch betont, dass die große Fläche des Landes die ukrainische Infrastruktur bei Angriffen schützt.
Portnikov: Natürlich schützt die große Fläche die Infrastruktur. Aber wenn Sie sich zum Ziel setzen, ukrainische Städte unbewohnbar zu machen, greifen Sie nicht die Infrastruktur an, sondern Wohnviertel. Sie machen diese Städte einfach dem Erdboden gleich. Wie das tatsächlich aussieht, wenn es keine Luftverteidigungssysteme gibt und keine Möglichkeit, sich dagegen zu wehren, können Sie begreifen, wenn Sie sich Fotos von Aleppo nach den russischen Bombardierungen ansehen. Was soll man dazu noch sagen? Genau dazu möchte Putin Kyiv, Charkiw, Odessa, Dnipro und andere ukrainische Großstädte machen. Nicht die Infrastruktur zerstören, sondern die Städte selbst einfach vernichten, Sie dazu zwingen, diese Städte zu verlassen, weil sie aufgehört haben, als Städte auf der politischen Landkarte zu existieren. Das ist das Ziel des russischen Präsidenten.
Deshalb müssen wir nicht nur die Infrastruktur schützen, obwohl das sehr wichtig ist, denn im Winter sind Wärme, Strom und Wasser von entscheidender Bedeutung. Aber auch im Sommer: Wenn Sie kein Dach über dem Kopf haben, wo werden Sie dann leben? Wenn Ihr Haus zerbombt ist, Ihr Wohnviertel zerbombt ist? Russland hat bislang einfach nicht die entsprechenden Möglichkeiten. Wir haben die Möglichkeit, uns zu verteidigen. Die Russen können uns nicht mit Flugzeugen bombardieren, wie sie es in Syrien getan haben. Aber was ihre Absichten betrifft und wie sie sich die Ukraine vorstellen, daran können Sie überhaupt nicht zweifeln.
Sie können an Oleschky sehen, wie sie sich die Ukraine vorstellen. Sie verstehen doch, dass ihnen nicht einmal der Gedanke kam, die Kämpfe in Oleschky einzustellen, und dass diese Menschen dort zurückblieben, um in einer von den Russen faktisch mehrfach hintereinander zerstörten Stadt einfach zu verhungern. Als der Damm des Kachowka-Wasserkraftwerks gesprengt wurde … Die Russen hatten überhaupt nicht den Wunsch, aufzuhören. Sie waren bereit, einfach zuzusehen, wie all diese Menschen sterben. Und übrigens müssen Sie eines verstehen: Wir haben uns während dieser Sendung mit diesem Thema nicht näher beschäftigt, obwohl es eine wichtige Bilanz dieser Woche ist.
Warum haben die Russen überhaupt zugestimmt, das Feuer in Oleschky einzustellen? Der Papst rief Putin an und sprach mit ihm über Oleschky. Ein beispielloses Gespräch des Pontifex mit dem Präsidenten der Russischen Föderation. Er konnte überhaupt nichts erreichen. Null. Das Ergebnis des Anrufs des Papstes beim Präsidenten der Russischen Föderation lag bei minus eins. Genauso wie Putin Zelensky völlig egal ist, ist ihm auch der Papst völlig egal. Obwohl man meinen könnte, dass es sich um eine ernsthafte humanitäre Mission handelt und Putin sich als großer Humanist hätte präsentieren können, wie Steve Witkoff bei seinem letzten Besuch in der russischen Hauptstadt über ihn erzählte. Aber Putin will überhaupt nicht als Humanist erscheinen. Er pfeift auf den gesamten Humanismus, und zwar vom Glockenturm der Basilius-Kathedrale herab.
Warum hat er dann zugestimmt? Weil er Donald Trump vor den Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten wenigstens irgendetwas geben muss, das der amerikanische Präsident als seine friedensstiftende Leistung ausgeben kann. Etwas Schönes und Wichtiges, das für Putin aber völlig unbedeutend ist, etwas, das weder die Frontlinie noch die russischen Anstrengungen noch die russischen Berechnungen verändert. Und dann wurde eine Möglichkeit gefunden: „Wir gewähren eine Waffenruhe in Oleschky, nicht ihm, sondern seiner Frau. Und das wird keine Schwäche unsererseits sein, denn es ist klar, dass jede Waffenruhe, die wir verkünden, eine Schwäche ist. Und ein russischer Mensch zeigt keine Schwäche. Aber es wird eine noble Geste gegenüber einer schwachen Frau sein. Sie hat uns darum gebeten, hat dort, sagen wir mal, geweint. Na gut, was soll’s, Putin ist ein guter Mensch, er liebt wie Stirlitz alte Menschen und Kinder über alles.“
Deshalb kam diese Waffenruhe zustande. Wenn sie in keiner Weise mit den Zwischenwahlen zum Kongress verbunden wäre und Putin nicht überlegen würde, was er Donald Trump geben muss, damit es für Trump im Wahlkampf wichtig ist und zugleich Putins gesamte Berechnungen und Pläne in keiner Weise beeinträchtigt, dann hätte Putin, wie Sie verstehen, auch Melania Trump zum Teufel geschickt. Jetzt muss er aber bestimmte Schritte unternehmen, die zeigen, was für ein Humanist er ist und wie sehr er auf Trumps Bitten hört. Zum Glück hoffe ich, dass dies den Menschen in Oleschky das Leben retten wird, wenn diese Waffenruhe tatsächlich zustande kommt. Denn Sie sehen ja, dass er sie auf den 27. verschoben hat.
Genauso wie er vor den Zwischenwahlen zum Kongress keine Verhandlungen führen will, um zu verstehen, welche Position er danach haben wird. Und sie sind wirklich sehr komisch: Sie erklären, dass sie Verhandlungen erst nach dem großen Feiertag, dem Tag der Einheit des Volkes am 4. November, führen wollen. Was für ein großes Ereignis! Heute ist der 25., und man muss bis zum 4. November warten, weil sie ihre Novemberfeiertage haben. Nun, jeder versteht doch, dass dieser Tag der Einheit des Volkes für die Russen überhaupt nichts bedeutet. Im Grunde rein gar nichts. Und dass sie ihn sozusagen nur pro forma begehen. Das ist überhaupt ein Pseudofeiertag. Und sie haben einfach beschlossen, dass sie ja nicht sagen werden: „Wissen Sie, wir wollen die erste Verhandlungsrunde, falls sie überhaupt stattfindet, vielleicht sagen wir sie auch einfach zum Teufel ab, erst nach den Zwischenwahlen zum Kongress durchführen, um zu verstehen, wie schwer Trumps Niederlage ist und ob es sich überhaupt lohnt, in den kommenden zwei Jahren mit ihm zu tun zu haben, oder ob man ihn einfach abschreiben und auf einen neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten warten kann, um gar nicht erst über all diese Geschichten sprechen zu müssen.“ So sieht es eben auch aus.
Aber bis zum 3. November dürfen sie Trump nicht allzu sehr verärgern. Deshalb haben sie Verhandlungen grundsätzlich zugestimmt. Deshalb haben sie dieser Waffenruhe in Oleschky zugestimmt. Deshalb fand übrigens auch ein Gefangenenaustausch statt. Wenn Trump will, kann er auch das für sich nutzen. Sie geben ihm also gewissermaßen Karten in die Hand: „Hier hast du jetzt Karten, mit denen du erzählen kannst, was für ein großer Friedensstifter du bist. Konkretes steckt in diesen Karten nicht, aber es gibt Verhandlungen, es gibt einen Gefangenenaustausch. Gut gemacht, Donald. Du betreibst einfach eine so wunderbare Politik.“ Das ist der ganze Kern dieser Situation.
Frage: Ist China an einer vollständigen Besetzung der Ukraine interessiert? Die Frage steht im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer Besetzung Taiwans.
Portnikov: Aus Sicht des Völkerrechts ist Taiwan ein untrennbarer Teil Chinas. Deshalb können wir nicht von einer Besetzung Taiwans durch die Volksrepublik China sprechen, sondern davon, welche Regierung überhaupt die Souveränität über ganz China ausüben soll. In Peking ist man der Ansicht, dass dies die kommunistische Regierung ist, die nach dem Zweiten Weltkrieg den Bürgerkrieg gewonnen hat. In Taipeh ist man der Ansicht, dass die Regierung der Republik China, die ganz China kontrollieren sollte, in Taipeh sitzt. Aber das ist keine Frage der Besetzung, denn Taiwan ist aus Sicht des Völkerrechts kein unabhängiger Staat, sondern eine alternative Regierung Chinas. Deshalb ist das, was mit der Ukraine geschieht, für China kein Präzedenzfall.
Würde China eine vollständige Besetzung der Ukraine durch Russland wollen? Nein, das würde es nicht. Für China wäre das eine ziemlich erhebliche Stärkung der Position der Russischen Föderation in Europa, die China nicht braucht. China würde wollen, dass sich die Ukraine gewissermaßen in ein großes Belarus verwandelt, also in ein Russland gegenüber loyales Regime, das aber Unterstützung braucht, um seine Unabhängigkeit zu bewahren. Genauso wie Belarus eine solche Unterstützung durch China braucht. Damit Xi Jinping zu Putin sagen kann: „Du kannst natürlich die Beziehungen stärken und all das, das ist euer Recht. Aber wir respektieren die unabhängige Souveränität von Belarus. Es ist eben eine begrenzte Souveränität. Das wissen wir beide. Aber es ist eine Souveränität, wenn auch eine begrenzte. Es ist jedenfalls nicht Russland, kurz gesagt, Putin.“
Dasselbe gilt übrigens auch für Kasachstan. Und der heutige Präsident Kasachstans, Kassym-Schomart Tokajew, versteht das trotz seiner gesamten Zusammenarbeit mit Moskau sehr gut. Deshalb feierte er seinen 70. Geburtstag in Gesellschaft von Xi Jinping. Das ist das Modell. Einfach dieses Modell. Und auch die Ukraine würde China genau in diesem Modell passen.
Denn eine Ukraine, die sich gegen Russland behauptet und ein wirklich unabhängiger, echter Staat wird, braucht China überhaupt nicht. Denn ein solcher Staat wird sein Fortbestehen auf der politischen Weltkarte der westlichen Unterstützung verdanken. Wer werden also die wichtigsten Investoren in die Wirtschaft dieses Landes sein? Die Amerikaner und die Europäer, die überhaupt der Ansicht sein werden, dass ihnen diese Investitionen zustehen. Und was hat China in dieser Zeit getan? Öl von Russland gekauft. „Na dann kauf eben weiter.“ Eine solche Ukraine brauchen die Chinesen ebenfalls überhaupt nicht. Das heißt, sie brauchen genau diese Variante, die sie als Berücksichtigung der Sicherheitsbedenken, der russischen Besorgnis der Russischen Föderation bezeichnen, was, wie Sie verstehen, völliger Unsinn ist. Denn all diese Gespräche über die Sicherheitsbedenken der Russischen Föderation sind einfach Demagogie russischer Chauvinisten, mit der sie den Angriff auf unseren Staat rechtfertigen.
Aber China greift, wie Sie wissen, diese russischen Narrative immer wieder konsequent auf. Und deshalb ist das genau die Vorstellung, von der ich Ihnen bereits erzählt habe. Eine Vorstellung, die damit verbunden ist, dass sie die Ukraine als Staat mit begrenzter Souveränität sehen wollen, als einen Staat, der formal unabhängig ist, gute Beziehungen zur Russischen Föderation unterhält, zugleich aber chinesische Unterstützung braucht, um diese Unabhängigkeit zu bewahren.
Nun, vielleicht können wir jetzt doch noch die vorläufigen Ergebnisse der Wahlen in Serbien erfahren. Bis 20 Uhr Belgrader Zeit haben 71,5 Prozent der Wähler an dieser Abstimmung teilgenommen. Die Menschen stehen noch immer in den Warteschlangen. Das ist also ein sehr wichtiger Moment. Jetzt müssten irgendwelche vorläufigen Ergebnisse erscheinen, aber bislang sehe ich sie noch nicht, denn mit den Umfragen habe ich Sie ja bereits vertraut gemacht. Nun, ich hoffe, dass wir irgendwann zumindest die ersten Ergebnisse der Nachwahlbefragungen sehen werden, die in Belgrad durchgeführt werden.
Der ehemalige Präsident Aleksandar Vučić hat betont, dass er den Sieg seiner Gegner anerkennt. Aber etwas zu sagen heißt noch lange nicht, es auch zu tun. Wir wissen, wie solche Menschen tatsächlich etwas anerkennen. Jetzt sind die Wahlkommissionen bereits geschlossen, aber ich weiß nicht, wie real das alles ist. Und buchstäblich in diesen Minuten werden erste Nachrichten aus den Wahllokalen kommen. Gerade hat es faktisch einen Hackerangriff auf sämtliche Websites demokratischer Organisationen Serbiens gegeben. Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, denn jetzt ist es nicht nur wichtig, abzustimmen, sondern auch die Abstimmungsergebnisse vor möglichen Fälschungen durch Anhänger antidemokratischer prorussischer Kräfte zu schützen.
Die Bewohner Belgrads und anderer serbischer Städte versammeln sich jetzt vor den Wahllokalen, um die Wahlurnen zu schützen. Die Wahllokale haben gerade geschlossen, und die Studentenbewegung sowie andere zivilgesellschaftliche Organisationen haben die Menschen aufgefordert, zu den Wahllokalen zu kommen, um die Sicherung der Wahlurnen zu gewährleisten. Die Teilnehmer dieses Protests teilen sich in mehrere Gruppen auf, um sämtliche Wahllokale in ihren Stadtvierteln zu schützen. An einigen Wahllokalen ist bereits die Polizei eingetroffen. Und Sie verstehen, dass auch das ein sehr dramatischer Moment ist, denn Serbien gehört gerade zu jenen Ländern, in denen nicht nur wichtig ist, wer wie abstimmt, sondern auch, wie ausgezählt wird. In dieser Hinsicht gibt es also einen ziemlich wichtigen Punkt, über den man sprechen muss: Wir wissen nicht, wann wenigstens die vorläufigen Ergebnisse dieser Wahlen veröffentlicht werden.
Bislang hat also kein einziges Meinungsforschungsinstitut solche Ergebnisse in den Medien bekannt gegeben, obwohl ich denke, dass sie buchstäblich in wenigen Minuten auch im Netz erscheinen werden. Aber wir sprechen bereits seit mehr als einer Stunde. Ich hatte aufrichtig gehofft, dass wir über die Ergebnisse dieser serbischen Wahlen sprechen können. Für mich sind sie sehr wichtig im Hinblick darauf, wie die Situation aussehen wird. Aber wir sehen, dass diese Ergebnisse, von denen ich gehofft hatte, dass sie in den nächsten 30 bis 40 Minuten vorliegen würden, leider noch immer nicht da sind.
Als ich Ihnen sagte, dass wir um 22 Uhr, also um 21 Uhr Belgrader Zeit, auf diese Ergebnisse warten würden, habe ich wiederum nicht berücksichtigt, dass es sich um ein Land handelt, in dem die Machthaber erheblichen Druck auf die Wahllokale ausüben können und versuchen werden, so auszuzählen, wie es ihnen gefällt. Auch das ist, denke ich, ein bekannter Umstand, den man immer im Hinterkopf behalten muss. Und genau deshalb könnten sie die vorläufigen Ergebnisse der Nachwahlbefragungen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt zurückhalten, um eine mögliche Wahlfälschung, wenn Sie so wollen, nicht zu behindern.
Deshalb schaue ich jetzt auf die serbischen Informationsquellen, die ich verfolge, und sehe, dass auch sie sich in einer Art, ich würde sagen, Erwartungshaltung befinden und einfach nicht abwarten können, dass endlich etwas geschieht. Sie verstehen doch, was es für jede ernsthafte Zeitung, jedes seriöse Online-Medium bedeutet, als Erstes darüber zu berichten, wie die Wahlen ausgegangen sind, auf deren Ergebnis das ganze Land wartet. Im Moment berichten alle nur, dass die Stimmen ausgezählt werden. Und so wird möglicherweise niemand vorläufige Ergebnisse bekannt geben, von denen ich gehofft hatte, dass sie die gesamte Situation in Europa, auf dem Balkan und das Ausmaß der Unterstützung für Putin erheblich verändern könnten. Ich möchte daran erinnern, dass Serbien praktisch das einzige Land in Europa ist – und dann gibt es noch Bosnien und Herzegowina –, das bis heute als Kandidat für den Beitritt zur Europäischen Union keine Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt hat.
Und einerseits ist der serbische Präsident Vučić in die Ukraine gereist. Sie wissen, dass er sogar an jener Sitzung der Karpaten-Gruppe teilgenommen hat, die vor Kurzem stattfand, anders als beispielsweise der ungarische Ministerpräsident Péter Magyar oder der slowakische Ministerpräsident Robert Fico, der übrigens gerade ebenfalls Kommunalwahlen in seinem Land hinter sich hat, also Lokalwahlen, bei denen er auch nichts Besonderes erreicht hat. Er hatte gehofft, die Kontrolle über die slowakische Hauptstadt Bratislava zu gewinnen, aber dort hat er nichts gewonnen.
Aber auch das war, wie Sie verstehen, ein Element des Wahlkampfs, das damit zusammenhing, zu zeigen, dass Serbien sich in Wirklichkeit von allen distanziert, die auf die eine oder andere Weise tatsächlich Einfluss auf seine außenpolitische Position nehmen könnten. Nun, daraus ist nichts geworden. Das heißt, all meine Absichten sind, wie Sie sehen, angesichts der Situation, die sich derzeit in Serbien entwickelt, ohne Ergebnis geblieben. Wir werden auf das Wahlergebnis in diesem Land warten, das uns, denke ich, schon bald zur Verfügung stehen wird.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп, Путін і Сі: новий порядок | Віталій Портников. 25.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 25.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
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