Einer der letzten Putin-Anhänger in Europa, der ehemalige serbische Präsident Aleksandar Vučić, der versucht hatte, seine Macht zu bewahren, indem er vom Staatsoberhaupt zum Ministerpräsidenten der serbischen Regierung werden wollte, musste seine Niederlage bei den Parlamentswahlen eingestehen.
Sein Bündnis unterlag dem Bündnis „Studentenliste“ mit einem Rückstand von fast zehn Prozentpunkten. Damit kann die Opposition, deren Anhänger und Aktivisten mehrere Monate hintereinander gegen das Regime Vučićs protestiert hatten, eine Regierung bilden und ist nicht auf Koalitionspartner angewiesen. Allerdings schafften es die anderen politischen Parteien Serbiens, mit Ausnahme der Parteien nationaler Minderheiten, denen eine Vertretung in der Skupština garantiert ist, überhaupt nicht ins Parlament.
Es handelte sich um eine erbitterte Auseinandersetzung zwischen dem Studentenbündnis und Vučić. Und Vučić verlor für ihn selbst unerwartet die Macht. Übrigens hatten die Meinungsumfragen vor diesen Wahlen ein solches Ergebnis nicht erwarten lassen. Möglicherweise deshalb, weil unter den Bedingungen eines faktisch autoritären Regimes viele Menschen, die die Fragen der Meinungsforscher beantworteten, einfach Angst hatten, zu sagen, dass sie gegen Aleksandar Vučić und seine Liste stimmen würden.
Die 14-jährige Herrschaft der serbischen chauvinistischen Radikalen geht damit zu Ende. Diese politische Kraft ist ihrem Ursprung nach mit dem diktatorischen Regime von Slobodan Milošević verbunden, dem Organisator der Kriege auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens. Aleksandar Vučić war der wichtigste Propagandist dieses diktatorischen Regimes, erhielt aber im Gegensatz zu Milošević selbst und dessen Mitstreitern die Möglichkeit, seine Karriere auch nach dem Zusammenbruch der Diktatur fortzusetzen, nachdem Slobodan Milošević selbst und der Führer der serbischen Radikalen sowie politische Lehrmeister Vučićs, Vojislav Šešelj, vor dem Haager Tribunal auf der Anklagebank gelandet waren.
Vučić wird häufig mit dem ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán verglichen. Doch selbst im Vergleich zum früheren ungarischen Regierungschef erscheint Vučić als ein wesentlich vorsichtigerer und gefährlicherer Anhänger des Kremls. Anders als Orbán hat Vučić niemals Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängt, obwohl er gleichzeitig den Status Serbiens als EU-Beitrittskandidat bewahrte. Serbien ist der einzige EU-Beitrittskandidat, der sich geweigert hat, solche Sanktionen gegen den Aggressorstaat zu verhängen. Und Vučić ist bis heute stolz auf diese Leistung.
In seiner Rede, in der er die Niederlage eingestand, sagte der ehemalige serbische Präsident, seine Gegner würden schon in wenigen Monaten Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängen. Offensichtlich ist diese für ein EU-Beitrittskandidatenland notwendige Entscheidung in Vučićs Augen ein politisches Verbrechen. Und das, obwohl der überwiegende Teil der Wirtschaftsbeziehungen Serbiens keineswegs mit der Russischen Föderation besteht, sondern gerade mit der Europäischen Union.
Während Vučić die besonderen Beziehungen zu Moskau aufrechterhielt und die Sympathien der serbischen Gesellschaft für eines der abscheulichsten Länder der heutigen Welt pflegte, scheute er sich nicht, die Ukraine dafür zu benutzen, den Europäern zu zeigen, dass er ihre Einwände zur Kenntnis nimmt. Eine seiner letzten Auslandsreisen vor seinem Rücktritt vom Amt des serbischen Präsidenten führte Vučić ausgerechnet in unser Land, als er zu einem Treffen der Karpaten-Gruppe kam, das auf Initiative des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky einberufen worden war.
Wir verstehen, dass das Treffen selbst, wie viele von Kyiv organisierte Veranstaltungen, ausschließlich zeremoniellen Charakter hatte und die Gipfelteilnehmer zu keinerlei tatsächlichen Entscheidungen verpflichtete – abgesehen von der Anreise und der Anwesenheit auf dem offiziellen Gruppenfoto. Für Vučić war dies jedoch eine Gelegenheit, sowohl die europäischen Staats- und Regierungschefs als auch seine eigenen Wähler daran zu erinnern, dass er der Ukraine wohlgesinnt sei und sein Land somit im russisch-ukrainischen Krieg neutral bleibe.
Eine glatte Lüge, wenn man bedenkt, dass die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation eine wesentlich realere und ernsthaftere Entscheidung ist als die Bereitschaft, in die Ukraine zu reisen und an protokollarischen Treffen teilzunehmen, die niemanden zu irgendetwas verpflichten.
Vučić, der seine politische Niederlage nur schwer verkraftet, macht dafür nicht nur diejenigen verantwortlich, die sich gegen sein autoritäres Regime gestellt haben, sondern vor allem die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union und sogar irgendeinen mythischen „tiefen Staat“, der sich in den Vereinigten Staaten gegen den Präsidenten dieses Landes, Donald Trump, stellt. Wie wir sehen, will Vučić selbst in seiner Rolle als serbischer Oppositionsführer weder Trump persönlich noch die amerikanische Regierung beschuldigen.
Doch hier geht es überhaupt nicht darum, wen der nunmehr ehemalige serbische Präsident, der auch nicht mehr Ministerpräsident des Landes werden wird, heute dafür verantwortlich macht, dass sich all seine Hoffnungen auf den Machterhalt als vergeblich erwiesen haben. Vielmehr geht es darum, inwieweit es der Opposition tatsächlich gelingen wird, das autoritäre Regime Vučićs abzubauen, das durch eine enorme Zahl krimineller Wirtschaftsbeziehungen mit Moskau verbunden ist. Und dabei ist es wichtig, nicht einfach nur eine neue Regierung zu bilden und mit der Veränderung des Landes zu beginnen. Hier bedarf es auch ernsthafter Antikorruptionsermittlungen gegen Aleksandar Vučić, seine Mitstreiter und die Mafia, die im vergangenen Jahrzehnt vieles im postkommunistischen Serbien bestimmt hat.
Nur wenn es gelingt nachzuweisen, dass Aleksandar Vučić nicht einfach einen autoritären Staat geschaffen hat, sondern auch ein unermüdlicher Baumeister einer kriminell-korrupten Pyramide war und nicht den Platz eines Oppositionsführers verdient, sondern einen echten Gerichtsprozess, werden wir sagen können, dass die Genesung der serbischen Gesellschaft von der Krankheit der Regime Miloševićs und Vučićs tatsächlich beginnt und Serbien eine Chance hat, in die Familie der europäischen Völker zurückzukehren, aus der seine sogenannten russischen Brüderchen es so hartnäckig herausgezogen haben – offensichtlich die größten Feinde der Entwicklung Serbiens und eines normalen Lebens in diesem Staat während der vergangenen Jahrhunderte.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: ArtikelВучич програв вибори| Віталій Портников. 26.10.2026.
Titel des Originals: Вучич програв вибори| Віталій Портников. 26.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 26.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.