Die USA haben Maduro gefasst. Vitaly Portnikov. 03.01.2026.

Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat nach einer Serie nächtlicher US-Schläge gegen Venezuela soeben die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro bekanntgegeben – und dass die Vereinigten Staaten ihn aus dem Land gebracht haben. Damit kann man von einer Kulmination des monatelangen Drucks der Vereinigten Staaten auf den venezolanischen Präsidenten sprechen, der noch vor wenigen Tagen den Vereinigten Staaten Abkommen über Öl und andere Energieressourcen Venezuelas angeboten hatte – Abkommen, denen Donald Trump nicht zugestimmt hat.

Es lohnt sich übrigens daran zu erinnern, dass bereits zu Zeiten von Hugo Chávez, Maduros Vorgänger im Amt des venezolanischen Präsidenten und Schöpfer des heutigen autoritären Regimes, in diesem Land die venezolanische Ölindustrie im Grunde verstaatlicht wurde – was zu ihrer schrittweisen Degeneration führte. Und wenn jetzt die Wiederherstellung des venezolanischen Ölsektors beginnt und tatsächlich Millionen Barrel Öl aus diesem Land auf dem Weltmarkt erscheinen, wird das für Länder wie die Russische Föderation eine unangenehme Überraschung sein, weil es einen neuen erheblichen Schlag gegen die Preise auf dem Energiemarkt auslösen wird.

Im Moment ist überhaupt nicht ganz klar, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln werden. Wird es weitere amerikanische Schläge gegen Venezuela geben? Wie wird die Macht in diesem Land ausgeübt werden, nachdem Nicolás Maduro tatsächlich aus venezolanischem Gebiet herausgebracht wurde?

Gemäß der Verfassung Venezuelas müsste die Macht an die Vizepräsidentin übergehen. Das ist Delcy Rodríguez. Aber aus dieser Perspektive ist die Lage völlig unklar, weil die Vereinigten Staaten – wie auch viele andere Länder der Welt – die Legitimität Nicolás Maduros nicht anerkannt haben, da sie davon ausgehen, dass er die letzten Präsidentschaftswahlen in diesem Land gefälscht hat.

Die venezolanische Opposition sagt, der rechtmäßige Präsident sei Edmundo González, den sie als Sieger der letzten Wahlen zum Staatsoberhaupt betrachtet. González befindet sich derzeit nicht in Venezuela. Er musste das Staatsgebiet verlassen nach den von Maduro gefälschten Präsidentschaftswahlen.

Ich verstehe sehr gut, dass es jetzt bei vielen – zumindest in der Ukraine – die Versuchung geben wird, die Ereignisse in Venezuela mit Februar 2022 in unserem Land zu vergleichen. Und interessant ist, dass gerade wir das tun werden, weil natürlich in den Vereinigten Staaten die Trump-Administration diese Ereignisse nicht mit den ukrainischen vergleichen wird.

Und in Russland wird die Putin-Administration diese Ereignisse ebenfalls nicht mit den ukrainischen vergleichen – denn wie wir verstehen, ist die Russische Föderation ein wichtiger Verbündeter Venezuelas, ebenso wie die Volksrepublik China, deren Sondervertreter sich buchstäblich einen Tag vor Beginn der amerikanischen Operation mit Maduro getroffen hat. Die venezolanische Operation mit der ukrainischen zu vergleichen, hieße nämlich, den Handlungen Russlands auf dem Gebiet der Ukraine jene Pseudolegitimität zu entziehen, die Präsident Putin so nötig hat.

Deshalb wäre ich sehr vorsichtig mit Parallelen. Erstens muss man sich klar bewusst machen, dass die Russische Föderation ihre Intervention gegen eine legitime, von allen anerkannte Führung der Ukraine durchgeführt hat. Präsident Volodymyr Zelensky, gegen den eine Operation zur Ersetzung seiner Macht durch eine Marionette durchgeführt wurde, wurde von allen Staaten der Welt – ebenso wie von Russland selbst – als legitim gewählter Präsident der Ukraine anerkannt.

All diese Reden über einen Putsch in unserem Land beginnt Putin genau in dem Moment, wenn er neuen Druck auf die Ukraine ausüben und sie zur Kapitulation vor Russland zwingen will. Wie ihr euch erinnert, hat er mehrmals über diesen Putsch gesprochen, aber er hat sich nach 2014, als die Werchowna Rada der Ukraine den flüchtigen Präsidenten Viktor Janukowytsch des Amtes enthob, mehrfach mit den gewählten Präsidenten der Ukraine getroffen und ihre Legitimität anerkannt.

Zweitens muss man klar verstehen, dass das Ziel der Russischen Föderation die Annexion ukrainischen Territoriums ist. Als Russland in das Gebiet der Ukraine einmarschierte, kam es fast sofort zur Annexion der Krim. In den besetzten Gebieten des Donbas wurden Pseudovolksrepubliken ausgerufen, die später von der Russischen Föderation annektiert wurden – zusammen mit den ukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson, deren Teile ebenfalls erst nach dem Angriff von 2022 besetzt wurden. Die Vereinigten Staaten haben – wie ihr versteht – keinerlei Wunsch und keinerlei Erklärungen zur Annexion venezolanischen Territoriums.

Wir können natürlich gesondert die Ansprüche des US-Präsidenten Donald Trump auf Kanada oder Grönland betrachten. Und in diesem Teil seiner Politik kann Donald Trump Putin tatsächlich ähneln, obwohl wir bislang zumindest noch keinen Einmarsch in Kanada und keinen Einmarsch in Grönland sehen. Aber was Venezuela betrifft, ist das eine ziemlich unpassende Parallele.

Der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, ich möchte euch daran erinnern, handelte jedoch genau wie Putin. Er erklärte die ölreiche Provinz des benachbarten Guyana zu venezolanischem Territorium – und das sind übrigens zwei Drittel des Territoriums Guyanas. Er nahm dieses Gebiet in den Bestand Venezuelas auf. Er setzte eine Verwaltung in dieser Provinz ein. Das Einzige, was nicht passiert ist – und ich denke, es hätte sich mit der Zeit ergeben können – war ein Einmarsch der venezolanischen Armee in das Gebiet Guyanas und eine reale physische Annexion des Territoriums.

Und wir verstehen sehr gut, warum es grundsätzlich nicht zu einer venezolanischen Invasion kam. Nicht deshalb, weil Maduro glaubte, er könne dieses Territorium mit friedlichen Mitteln annektieren, sondern weil der venezolanische Diktator den Vereinigten Staaten keinen Vorwand geben wollte, sein eigenes Regime zu stürzen.

Wenn wir also von Analogien sprechen, wäre ich sehr, ich würde sagen: äußerst vorsichtig in unserem ewigen Versuch, uns mit jedem Gebiet gleichzusetzen, in dem Explosionen durch Raketenbeschuss oder Schläge mit Bodentruppen stattfinden.

Denn solche Explosionen und solche Schläge haben wir im Gazastreifen gesehen, wo die israelische Armee die Terrororganisation Hamas zerstörte. Aber das kann man nicht mit der Ukraine vergleichen, obwohl viele immer diese Versuchung hatten. Und ich habe Fotos von Rathäusern in europäischen Städten gesehen, wo die palästinensische Flagge neben der ukrainischen hing.

Aber es ist etwas völlig anderes, wenn ein Staat, der von einer Terrororganisation angegriffen wurde und dessen Bürger als Geiseln genommen wurden, versucht, diese Terrororganisation zu zerstören. Ja, dabei gibt es die Tragödie der Opfer unter der Zivilbevölkerung, hinter der sich Terroristen als lebendem Schutzschild verstecken. Aber das bedeutet nicht, dass man die Terrororganisation nicht zerstören darf – denn wenn sie weiter existiert, bleibt sie eine Bedrohung für jeden zivilisierten Staat.

Wir sahen Explosionen im Iran während des zwölftägigen Krieges. Und das ist ebenfalls eine Tragödie. Aber man sollte daran erinnern, dass gerade das Regime des Iran versucht, die Lage in der Region zu destabilisieren. Gerade die Iraner haben als Erste Israel beschossen. Gerade die Iraner haben ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen. Gerade die Iraner betreiben ein Atomprogramm, das ihnen natürlich erlauben wird, jene Region, die Ziel ihrer Ansprüche ist – den Nahen Osten – mit viel größerer Effektivität zu erpressen.

Und man sollte im Kopf behalten, dass die Ukraine für den Iran ein Testgelände war, bevor er seine destabilisierenden Handlungen im Nahen Osten begann. Iranische Schaheds erschienen nicht einfach so in unserem Himmel, weil Iran sie an Russland lieferte, sondern auch, um zu prüfen, wie effektiv diese Waffe in einem künftigen Krieg wirken würde, den der Iran zu entfesseln plante.

Und wir können ganz sicher davon sprechen, dass es jetzt eine ziemlich wichtige Sache gibt, verbunden mit einem echten Netzwerk des Widerstands gegen die Vereinigten Staaten und die demokratische Welt. Und wie wir sehen, versteckt sich dieses Netzwerk nicht. Dass ein Vertreter Xi Jinpings nach Venezuela kam und sich in Caracas mit Nicolás Maduro traf – buchstäblich 24 oder 48 Stunden bevor Maduro angeblich, zumindest behauptet das Trump, und ich denke, man muss ihm darin vertrauen, aus Venezuela herausgebracht wurde – das sagt ebenfalls viel.

Aber es gibt auch eine wichtige Sache, verbunden damit, dass diese Achse noch auf gegenseitiger Hilfe beruht, verbunden mit dem Zusammenwirken Russlands, Venezuelas und des Iran. Und wenn auch nur eines dieser Glieder schwächer wird – und wenn es tatsächlich gelingt, das diktatorische Regime Maduros zu zerstören, die Demokratie in Venezuela wiederherzustellen und eine normale Energiekooperation Venezuelas mit den Ländern der Welt – dann wird das ein ernsthafter Schlag sowohl gegen Russland als auch gegen den Iran sein.

Übrigens sagen Quellen in der venezolanischen Opposition jetzt, die Operation zur Festnahme Maduros und seiner Ehefrau sei Teil einer Vereinbarung zwischen Maduro und den Vereinigten Staaten gewesen – um zu garantieren, dass er nicht von kubanischen Spezialkräften getötet wird, und damit er Beweise gegen jenen Personenkreis liefern kann, der in Venezuela an der Macht ist, und die Quellen ihrer Finanzierung offenlegt. Aber das ist gewöhnliche Information, die absolut nicht überprüft werden kann.

Die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez verlangt Beweise dafür, dass Maduro am Leben ist und dass die First Lady Cilia Flores am Leben ist. Und das Außenministerium der Russischen Föderation gab eine entsprechende Erklärung ab und spricht von einem Akt bewaffneter Aggression gegen Venezuela, der Verurteilung und Besorgnis seitens der Russischen Föderation auslöse.

Das ist, denke ich, für euch keine Überraschung – denn die Russische Föderation ist immer der Meinung, dass sie die Lage so beeinflussen darf, wie sie will. Und wenn irgendein anderes Land die Lage so beeinflusst, wie es will, dann ist das Aggression, die man zurückweisen muss.

Übrigens achten jetzt viele darauf, dass der 3. Januar ein gewisser Schlüsseldatum für Donald Trump ist. Am 3. Januar 2020 befahl Trump die Tötung des Kommandeurs der Quds-Einheit der Revolutionsgarden, General Qasem Soleimani – was man als Beginn einer langen, ernsten Konfrontation zwischen seiner Administration und der Führung der Islamischen Republik bezeichnen kann, die ihrerseits jetzt ebenfalls unter schweren Problemen leidet im Zusammenhang mit einem Aufstand im Iran selbst. Und am 3. Januar 2026, wie wir sehen, ereignete sich etwas im Zusammenhang mit der möglichen Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.

Im US-Außenministerium heißt es, Maduro werde endlich für seine begangenen Verbrechen vor Gericht gestellt werden – was im Grunde eine Wiederholung jener Situation ist, die die Vereinigten Staaten einst unter dem Slogan des Kampfes gegen Drogenkartelle durchgeführt haben, als in einer ähnlichen Lage der Diktator Panamas, Manuel Noriega, festgenommen wurde, der die Macht genauso usurpiert hatte wie Nicolás Maduro. Auch Noriega erschien vor einem amerikanischen Gericht.

Dort war die Situation im Grunde komplizierter, weil er entmachtet wurde. Im Dezember 1989 versteckte er sich in der Residenz der Vatikanbotschaft in Panama. Und erst danach wurde die Entscheidung über seinen Prozess getroffen und darüber, dass er für den jahrelangen Drogenhandel, den er anführte, verantwortlich sein müsse.

Also werden wir sehen, wie sich die Situation in Venezuela nach dieser Festnahme Maduros entwickeln wird, denn wie ihr versteht: Nachdem Manuel Noriega in Panama festgenommen worden war, öffnete sich dort der Weg zur Demokratisierung des Landes. Viel hängt davon ab, was in Venezuela in Bezug auf die Kontrolle der Macht geschieht. Denn wenn in der venezolanischen Armee der Wunsch bleibt, gegen die Amerikaner zu kämpfen, ist nicht klar, wie sich die Lage in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird.

Der Verteidigungsminister Venezuelas, dessen Tod in den ersten Stunden nach Beginn der Operation gegen Venezuela gemeldet wurde, betonte, dass die venezolanische Armee bereit sei, gegen die Amerikaner zu kämpfen und in Venezuela zu siegen. Außerdem tauchen Meldungen auf, dass die US-Marineinfanterie auf zahlreichen venezolanischen Inseln in der Karibik landet.

Das ist ebenfalls ein offensichtlicher Beleg dafür, würde ich sagen, dass die Operation weitergeht, dass sie nicht beendet ist und dass keine Erklärungen des Außenministeriums der Russischen Föderation jene Handlungen stoppen werden, die Donald Trump geplant hat.

Und jetzt ist natürlich die wichtigste Frage: wie wird sich das weiter entwickeln? Das heißt faktisch: Wird Nicolás Maduro der Öffentlichkeit wirklich gezeigt werden als jemand, der aus Venezuela herausgebracht wurde? Wird er auf die Macht verzichten, und wer wird die Macht in Venezuela kontrollieren? Wird die venezolanische Armee tatsächlich gegen die amerikanische kämpfen – oder beginnt in Wahrheit ein Prozess des Machttransfers in Venezuela durch Übergabe der Macht an den demokratisch gewählten Präsidenten Edmundo González, oder werden wenigstens Bedingungen geschaffen für die ersten Präsidentschaftswahlen in Venezuela seit dem Sieg Hugo Chávez’?

Und wir verstehen, dass Russland und China jetzt alles tun werden, damit die Vereinigten Staaten in Venezuela bis über beide Ohren stecken bleiben. Das brauchen sie aus vielen Gründen. Der erste Grund hängt vor allem mit Öl zusammen. Geopolitisches Spiel bleibt geopolitisches Spiel, wie ihr versteht. Der Wunsch, den Einfluss der Vereinigten Staaten zu schwächen und ihre Hilflosigkeit zu zeigen, ist auch für den Präsidenten der Russischen Föderation und für den Vorsitzenden der Volksrepublik China sehr wichtig. Aber nicht weniger wichtig ist, dass Öl aus Venezuela nicht in kritischen Mengen auf dem Weltmarkt erscheint, weil das die russischen Energiemöglichkeiten buchstäblich in wenigen Monaten – zumindest binnen eines Jahres – zerstören und Putins Russland vor den Vereinigten Staaten auf die Knie zwingen könnte. Das ist eine reale Möglichkeit der weiteren Entwicklung in nächster Zeit. In diesem Sinne brauchen sie das sehr.

Und natürlich: Wenn die US-Operation in Venezuela schnell verläuft – und es gibt dafür alle Voraussetzungen –, wenn wirklich bestätigt wird, dass Nicolás Maduro die Macht verloren hat und sein Regime zerfällt, wird das eine weitere Erinnerung daran sein, dass die Russische Föderation ein Papiertiger ist. Darüber hat Donald Trump Wladimir Putin schon einmal in einem Moment öffentlicher Offenheit gesprochen – denn die Versuche der Russen, die Ukraine zu besetzen, mündeten in einen Krieg, der nun schon vier Jahre dauert und von dem niemand weiß, wann er endet. Und die ganze Zeit stehen russische Truppen bei Pokrowsk. Im Grunde endete der Angriff auf Kyjiw mit einer beschämenden Niederlage der sogenannten zweitstärksten Armee der Welt.

Die Amerikaner gingen nach Caracas hinein, nahmen Maduro fest. Und auch das ist eine absolut offensichtliche Demonstration, würde ich sagen, davon, welcher Staat tatsächlich stark ist – und welcher nicht einmal mit den imperialistischen Zielen fertig wird, die er sich selbst setzt.

Und ich spreche noch gar nicht von anderem. In den ersten Tagen nach dem großen russischen Angriff auf die Ukraine leisteten die Vereinigten Staaten der Ukraine Hilfe, ebenso wie die europäischen Länder, und später wurde ein effektiver Strom militärischer Unterstützung für unser Land aufgebaut.

Und was machen die Russen? Die Russen sprechen von Solidarität mit dem venezolanischen Volk und sagen, in der Situation rund um Venezuela sei es wichtig, eine Eskalation zu verhindern und einen Ausweg durch Dialog zu finden. Und Moskau sei bereit, den Dialog zwischen den Konfliktparteien rund um Venezuela zu unterstützen.

Wie ihr aus dieser Erklärung versteht, wird die Russische Föderation Venezuela keinerlei reale Hilfe leisten. Und das ist ebenfalls ein absolut offensichtlicher Punkt, den man aussprechen muss. Ich denke, auch die Chinesen werden Venezuela keinerlei reale Hilfe leisten, sie werden sich wie immer auf Erklärungen beschränken – und damit wird es im Grunde auch enden.

So, ich schaue mir gerade die Erklärung der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez an. Ich habe sie nur mit einem Ziel angesehen: um sie zu sehen. Ich habe sie nicht gesehen. Es ist eine Audioaufnahme, wie ihr versteht, denn seit Beginn der amerikanischen Operation gegen Venezuela tritt keiner aus Nicolás Maduros Umfeld öffentlich auf – weder die Vizepräsidentin noch der Verteidigungsminister noch andere. Und hier ist eine „wunderbare“ Erklärung der Vizepräsidentin: „Derzeit befindet sich Venezuela in Ruhe und denkt darüber nach, was militärische Aggression dieser Art bedeutet, die unsere Souveränität und den Frieden aller Venezolaner verletzt hat. Das Volk Venezuelas muss in vollkommener nationaler Einheit aktiv werden, um seine natürlichen Ressourcen zu schützen. Und das Heiligste, das ein Vaterland haben kann – ist sein Recht auf Unabhängigkeit und auf Zukunft.“

Wie ihr versteht, unterscheidet sich das etwas von den Erklärungen des venezolanischen Verteidigungsministers, dass die venezolanische Armee den amerikanischen Streitkräften real entgegentreten werde. Übrigens ist interessant, dass der Verteidigungsminister tatsächlich öffentlich aufgetreten ist – im Gegensatz zur Vizepräsidentin. Die venezolanische Armee wurde von Chávez und Maduro zu einer Art, würde ich sagen, „Hauspolizei“ umformatiert. Sie war im Grunde immer eine Armee des Regimes und nicht eine Armee Venezuelas.

Bisher gibt es keine Meldungen über venezolanische Opfer. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Zwar melden venezolanische – selbstverständlich propagandistische – Kanäle, es habe zivile Bevölkerung getroffen, aber es gibt keine klaren Bestätigungen dafür, dass Zivilisten infolge dieses Schlages verletzt wurden.

Also entwickeln sich die Ereignisse bislang erst. Und sehr wichtig wird sein, wie sie sich tatsächlich weiter entwickeln. Zumal ihr versteht, dass all diese Ereignisse auch vor dem Hintergrund des Aufstands im Iran stattfinden, der für das iranische Regime ziemlich gefährlich ist. Und nach dem US-Schlag gegen Venezuela könnten Ajatollah Chamenei und sein Umfeld ebenfalls befürchten, dass Trump seine Drohung umsetzt und im Falle ernsthafter Repressionen gegen die iranische Zivilbevölkerung einen Schlag gegen Teheran, gegen die Residenz Ajatollah Chameneis sowie gegen Präsident Masud Peseschkian und andere Führer führen könnte, die damit in Verbindung stehen.

Auch das ist ein wichtiger Punkt in dieser Situation: Wir verstehen, dass wenn man die iranische Bevölkerung nicht auseinanderjagt, wenn man keine Schläge gegen sie aus Hubschraubern oder mithilfe des banditischen Korps der Wächter der Islamischen Revolution führt, die Macht im Iran ebenfalls unter den Schlägen der eigenen Bevölkerung fallen kann – ohne irgendeine reale Veränderung der Lage.

Maduro wurde im Wesentlichen nur von Putin unterstützt, vom Präsidenten Kolumbiens Gustavo Petro, der ebenfalls ein linker Politiker ist und, wie bekannt, in einem ernsthaften Konflikt mit Donald Trump steht, sowie vom kubanischen Präsidenten Díaz-Canel, der eines der repressivsten kommunistischen Regime der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts anführt.

Und natürlich versteht auch Díaz-Canel, dass eine amerikanische Administration, die in der Lage ist, Maduro herauszubringen, auch der Geschichte des kubanischen Kommunismus ein Ende setzen könnte – weil sie einfach entschlossener handeln kann als ihre Vorgänger gegenüber Kuba.

Gleichzeitig ist klar, dass die Lage jetzt nicht bis zum Ende verständlich ist. Denn Maduro hatte noch vor seinem Abtransport den Ausnahmezustand im gesamten Land ausgerufen und dies mit der militärischen Aggression begründet, die von der Regierung der Vereinigten Staaten ausgeführt worden sei. Und es ist unbekannt, inwieweit diese Anordnungen gelten und ob sie von denen unterstützt werden, die jetzt die Macht in Venezuela ausüben.

Also ist das natürlich erst der Anfang all dieser Ereignisse. Sie können sich entlang einer komplizierten Exponentialkurve entwickeln, denn zumindest muss Maduro selbst vor der Öffentlichkeit erscheinen, damit die Wahrheit von Trumps Worten bestätigt wird.

Unklar ist, wer tatsächlich die Macht in Venezuela ausüben wird und inwieweit Delcy Rodríguez es mit ihren Erklärungen schaffen wird, das Regime zu konsolidieren. Wie ihr seht, versucht die venezolanische Vizepräsidentin in ihren Aussagen deutlich vorsichtiger zu sein als Maduro selbst vor dem amerikanischen Angriff – und als sein Verteidigungsminister –, was ebenfalls bis zu einem gewissen Grad ein Zeichen eines Risses angesichts einer so ernsthaften Gefahr sein kann.

Obwohl natürlich allein die Tatsache, dass Maduro von amerikanischen Spezialkräften festgenommen wurde – man sagt, es seien Kämpfer einer amerikanischen Eliteeinheit – schon die Effektivität amerikanischer Militärpolitik demonstrieren wird. Und eben, wie ihr versteht, die Effektivität amerikanischer Geheimdienste vor all den Grimassen Putins.

Kommentiert, wie ihr glaubt, wie sich die Lage in Venezuela in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird, und wie möglicherweise die Öffnung des venezolanischen Energiemarktes das Schicksal des Verbündeten Maduros, des widerlichen Putin und seines terroristischen Regimes beeinflusst. Bitter ist natürlich, dass das Vorhandensein von Atomwaffen in Russland eine solche Operation in Moskau nicht zulässt. Putin muss genauso vor Gericht stehen wie sein venezolanischer Kumpel. Aber wir verstehen, dass Atomwaffen das sind, was Putin vor jeder Verantwortung für alle verbrecherischen Handlungen schützt, die der russische Präsident bereits begangen hat und die er in den nächsten Jahren seiner ruhmlosen und verbrecherischen Herrschaft noch begehen wird.

Aber jedenfalls ist Maduros Schicksal ein wunderbarer, würde ich sagen, Indikator dafür, was mit Menschen geschehen kann, die die Macht usurpieren. Jetzt erscheint eine Meldung, dass Senator Mike Lee gesagt habe, Maduro werde in die Vereinigten Staaten gebracht, um ihm strafrechtliche Anklagen vorzulegen, und weitere Handlungen der Vereinigten Staaten in Caracas würden nicht erwartet.

Das ist ebenfalls eine gute Meldung, weil sie uns die Möglichkeit gibt, uns vorzustellen, was als Nächstes kommt. Wenn es keine weiteren Handlungen geben wird, entsteht die Chance, dass das Regime, das derzeit in Venezuela existiert, unter einer anderen Führung erhalten bleibt. Aber wir verstehen auch, dass jede Person, die versuchen wird, dieses Regime anzuführen, in den Augen seiner Anhänger nicht jene Legitimität besitzen wird, die Nicolás Maduro hatte – denn Maduro erhielt die Macht aus den Händen des Diktators Hugo Chávez selbst, der diesen Modus in Venezuela geschaffen hat, wie ich schon sagte: ein widerlicher Populist und Verbündeter und Freund Putins und Fidel Castros, der übrigens nach seinem Tod – nach dem Muster all solcher Widerlinge – in ein Mausoleum gelangte. Es gab Meldungen, dass die Vereinigten Staaten einen Schlag gegen dieses Mausoleum geführt hätten. Wir wissen nicht, wie real das ist.

So ist die Lage in Bezug auf die Entwicklung der Ereignisse, die wir – wie ihr versteht – weiter beobachten müssen, denn das sind außergewöhnliche Ereignisse, und möglicherweise wird es noch bis heute Abend weitere Entwicklungen geben. Ihr müsst euch jetzt daran erinnern, dass es in den Vereinigten Staaten noch tiefe Nacht ist – in Miami 4 Uhr morgens –, und für 11 Uhr morgens Miami-Zeit ist eine Pressekonferenz Donald Trumps angesetzt. Und wir werden nach dieser Pressekonferenz mehr erfahren, die ihrerseits ein wichtiges Signal dafür sein wird, was die Vereinigten Staaten als Nächstes in Venezuela zu tun beabsichtigen.

Also beantworte ich ein paar Fragen, die während dieser Sendung bereits aufgetaucht sind.

Frage. Kann eine so aktive harte Politik der Vereinigten Staaten – Bombardierung des Iran, Operation gegen Maduro – eine Warnung an die Volksrepublik China sein, dass die USA ihre Interessen, insbesondere Taiwan, mit Gewalt schützen werden?

Portnikov. Das ist eine sehr treffende Frage, denn die Chinesen beobachten natürlich ziemlich aufmerksam, wie Donald Trump handelt. Und für Donald Trump ist es wichtig, Peking von seiner Unberechenbarkeit zu überzeugen. Das ist, würde ich sagen, Frage Nummer eins. Die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten in der heutigen Welt ist bis zu einem gewissen Grad sein Schutz in den Beziehungen zu Moskau und Peking. Denn Xi Jinping kann dreimal überlegen, was Donald Trump tun wird, wenn die chinesische Armee Taiwan angreift oder aktive Kriegshandlungen in der Taiwanstraße beginnt. Das ist eine gute Frage, natürlich sehr wichtig. Und ich hoffe, dass solche Handlungen der Vereinigten Staaten uns dazu bringen werden, ernsthaft darüber nachzudenken, inwieweit Russland und China zu einer realen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten bereit sind.

Frage. Wie soll die Ukraine reagieren? Die Operation verurteilen und sich potenziell mit Amerika zerstreiten, oder nicht verurteilen und die Aggression einer großen Macht gegen eine kleine als Norm anerkennen?

Portnikov. Wiederum macht ihr einen Fehler, wenn ihr versucht, das, was in der Ukraine passiert ist, mit dem gleichzusetzen, was in Venezuela geschieht. Natürlich dürfen die Vereinigten Staaten von der Ukraine nicht verurteilt werden, weil es ein Schlag gegen ein verbrecherisches usurpatorisches Regime ist. Hat die Ukraine die Schläge gegen den Iran verurteilt? Das hätte man auch als Aggression gegen ein kleines Land bezeichnen können, als die Vereinigten Staaten iranische Atomanlagen trafen. Wenn die Vereinigten Staaten jetzt die Residenz Ajatollah Chameneis treffen und die Führer des iranischen Regimes zerstören, wird das ebenfalls keine Aggression gegen ein kleines Land sein. Man muss klar verstehen, wo Gut ist und wo Böse. Nicolás Maduro ist kein legitimer Präsident Venezuelas. Die Vereinigten Staaten besetzen das Territorium Venezuelas nicht. Das ist alles. Das ist eine absolut reale Sache.

Frage. Wie kann Putin zugleich Anführer des globalen Südens sein und Trump loben?

Portnikov. Bis jetzt gelingt ihm das, aber ihr versteht, dass sie alle so sind. Nicht nur Putin ist so. Viele Menschen glauben, sie hätten gute Beziehungen zum globalen Süden und seien Anführer des globalen Südens. Sowohl Putin als auch Modi, übrigens auch Xi Jinping, äußern sich respektvoll über Trump, damit Trump ihnen selbst nicht schadet. Das ist bis zu einem gewissen Grad ein politisches Spiel. Und sie verstehen sich in diesem politischen Spiel gegenseitig sehr gut. Zumal Putin kein Anführer des globalen Südens ist – entschuldigt. Der globale Süden hat andere Anführer – Xi Jinping.

Frage. Wie legal ist es, einen Venezolaner in den Vereinigten Staaten zu verurteilen, der Verbrechen in Venezuela begangen hat und nicht in den Vereinigten Staaten?

Portnikov. Wenn ein Bürger Venezuelas Verbrechen begangen hat, die die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten bedrohten und Probleme für die Vereinigten Staaten schufen – sagen wir, Drogenlieferungen in die Vereinigten Staaten –, dann ist es aus Sicht der Justiz absolut legal, ihn in den Vereinigten Staaten zu verurteilen, weil das Verbrechen gegen die Vereinigten Staaten sind. Man wird ihn ja nicht wegen der Usurpation der Macht in Venezuela verurteilen. Man wird ihn dafür verurteilen, dass er ein Drogenkartell angeführt hat – wie es bei Manuel Noriega war oder wie es beim früheren Präsidenten Honduras war, den Trump begnadigte. Dort war eine sehr ähnliche Situation. Dieser Präsident Honduras, Juan Orlando Hernández, wurde wegen Drogenhandels verurteilt und ins Gefängnis gebracht. Übrigens: So wie auch Pawlo Lasarenko bei den Vereinigten Staaten vor Gericht stand – unser ehemaliger Ministerpräsident. Ich möchte euch daran erinnern, dass die Ukraine genau in dieser selben Ländergruppe war. Ich hoffe, sie wird es nie wieder sein. In diesem Sinne würde ich nicht sagen, dass die Vereinigten Staaten irgendwie keine Möglichkeit hätten, Nicolás Maduro in ihrer Jurisdiktion zu verurteilen.

Frage. Ihre Prognose zum Öl.

Portnikov. Ich wiederhole: Ich glaube, dass, wenn es den Amerikanern wirklich gelingt, die legitime Lieferung venezolanischen Öls auf die Weltmärkte zu entblockieren – aber das wird wiederum davon abhängen, wer Venezuela in dieser Situation führen wird –, das die Lage ziemlich ernst verändern wird. Russisches Öl wird einfach noch einmal um das Doppelte fallen. Aber es ist unklar, wie schnell das alles geschehen wird.

Frage. Gibt es eine Chance, dass die Zahal oder das US-Militär das Ajatollah-Regime im Iran stürzen? Ich hoffe sehr, dass sie es so schnell wie möglich tun. Ihre Prognose?

Portnikov. Ihr könnt auf meinem Kanal „Portnikov Argumente“ die Live-Sendung ansehen, die ich gestern Abend mit dem Autor des Telegram-Kanals „Revolution im Iran“ Mazir Mian geführt habe, wo wir diese Situation im Detail analysieren und im Grunde zu dem Schluss kommen, der mir absolut logisch erscheint, dass nur das iranische Volk das iranische Regime stürzen kann. Iran ist ein großes Land mit völlig anderer Geografie und Landschaft als der Irak oder erst recht Venezuela. Das wird dort nicht so einfach gehen. Aber wenn die Vereinigten Staaten das iranische Regime wirklich dazu zwingen können, Demonstranten nicht zu töten, dann kann dieses Regime unter dem Druck des Volkszorns und unter dem Druck innerer Widersprüche, die es immer hatte, selbst zusammenbrechen – denn es hält sich gerade deshalb, weil es Iraner aus Hubschraubern und mit Maschinengewehren erschießen kann. Und das könnte Donald Trumps Beitrag zur iranischen Problematik sein. Natürlich wird weder die Zahal noch irgendeine US-Armee das Ajatollah-Regime Khomeinis stürzen. Aber die Menschen im Iran selbst, wie wir sehen, stehen diesem Regime bereits ziemlich hart gegenüber. Auch das ist ein wichtiger Punkt, den wir in dieser Situation betonen können.

Im Chat wird daran erinnert, dass Maduro den russischen Angriff auf die Ukraine unterstützt hat. Ich erinnere noch einmal daran. Im Sinne von: „Oh, das ist ein Angriff auf einen kleinen Staat.“ Ich erinnere euch noch einmal: Maduro ist einer der treuesten Verbündeten des putinschen Regimes, der, wenn er könnte, Russland auch Waffen liefern würde, damit sie mit venezolanischen Waffen Ukrainer töten. Maduro ist im Grunde Putins Modell gefolgt, indem er einen Teil des Territoriums des benachbarten Guyana annektierte. Das ist genau dasselbe, was Maduro tat, was Putin auf der Krim tat. Nur fehlte Maduro die Kraft für eine echte Annexion. Auch das muss man begreifen. Und die Vereinigten Staaten werden – wie ihr versteht – keinerlei venezolanische Provinzen annektieren.

Frage. Wer wird jetzt Präsident Venezuelas sein? Wie loyal wird er gegenüber den Vereinigten Staaten und den amerikanischen Ölgesellschaften sein?

Portnikov. Das wissen wir alles nicht. Aus Sicht der derzeitigen venezolanischen Verfassung muss die Vizepräsidentin Rodríguez, über die ich schon gesprochen habe, Venezuela führen – aber inwieweit ihr das gelingt, ist unklar. Erstens ist unklar, ob die Vereinigten Staaten überhaupt am realen Fortbestand des maduristischen Regimes ohne Maduro interessiert sind. Aber auch ist unklar, inwieweit sie in der Lage sind, dieses Regime zu stürzen. Unklar ist, ob es innere Widersprüche in diesem Regime gibt und ob die venezolanischen Militärs unter Führung von Vladimir Padrino López, dem venezolanischen Verteidigungsminister, der kämpferische Erklärungen gegen die Vereinigten Staaten abgibt, Delcy Rodríguez die Möglichkeit geben werden, tatsächlich Präsidentin Venezuelas zu werden, und wie hoch der Grad ihrer Legitimität sein wird. Venezuela hat einen von anderen Ländern anerkannten demokratisch gewählten Präsidenten, der das Land verlassen musste.

Gerade ist das erste Foto des von den Amerikanern festgenommenen venezolanischen Präsidenten Maduro aufgetaucht, den zwei amerikanische Spezialkräfte abführen. Unklar ist wiederum, inwieweit dieses Foto echt ist. Aber wenn keine weiteren amerikanischen Handlungen geplant sind, bedeutet das, dass dieses Regime in der einen oder anderen Form bestehen bleibt. Auch das ist ein wichtiger Punkt. Die Frage ist wirklich nicht schlecht, inwieweit dieses Regime in der neuen Situation bereit sein wird, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten.

Frage. Der US-Außenminister Mark Rubio, so Senator Mike Lee, sagte, die Militäroperation gegen Venezuela sei nur Tarnung für die Festnahme Maduros gewesen, damit er vor einem amerikanischen Gericht erscheinen kann. Können die Venezolaner faire und echte Wahlen durchführen?

Portnikov. Ich bin nicht sicher, dass dieses Regime, das jetzt in Venezuela ist, in der Lage ist, den Venezolanern faire und echte Wahlen zu garantieren. Ich habe diese Sicherheit ehrlich gesagt nicht. Aber vielleicht wird unter dem Druck der Amerikaner und aus Angst, dass diese militärischen Handlungen fortgesetzt werden, derjenige, der Venezuela nach Maduro führen wird, in der Lage sein, solche Wahlen durchzuführen. Ich habe diese Sicherheit jetzt nicht, weil wir nicht wissen, wie sich die Lage in den nächsten Stunden entwickeln wird.

Also lasst uns die Entwicklung der Lage verfolgen, wie sie sich verändern wird, wie man weiter in den Vereinigten Staaten und in Venezuela reagieren wird, wer am Ende die Macht übernimmt, nachdem wir sehen, dass Nicolás Maduro bereits in den Vereinigten Staaten verhaftet ist und sich offensichtlich bereits dort befindet. Und wir werden dieses Ereignis weiter verfolgen. Ich danke denen sehr, die mit mir in dieser Sendung waren. Bitte kommentiert, was ihr über die weitere Entwicklung denkt. Unterstützt unbedingt die Streitkräfte der Ukraine, denn ich denke, ihr habt heute gesehen, wie sehr sich die Effektivität der Streitkräfte der Ukraine, sagen wir, von der Effektivität der Streitkräfte autoritärer Regime unterscheidet. Denn eine Volksarmee ist eine Volksarmee – und eine Armee, die einen verbrecherischen Herrscher und ein idiotisches Regime schützt, ist immer jene Armee, die wir gesehen haben, sagen wir, als an der Spitze unseres eigenen Staates Widerlinge vom Typ Janukowytsch standen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: США захопили Мадуро Віталій Портников. 03.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 03.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Aufstand im Iran: Folgen | Vitaly Portnikov. 02.01.2026.

Der Aufstand im Iran, der in den letzten Tagen in diesem Land stattfindet, ist offensichtlich nicht der erste und vielleicht auch nicht der letzte Auftritt des Volkes gegen jene Diktatur, die sich im Iran nach dem Sieg der sogenannten Islamischen Revolution von 1979 herausgebildet hat. Aber dieses Mal ist der Aufstand, wie ich sagen würde, viel umfangreicher. Und das Wichtigste: Es gibt bestimmte Hoffnungen, dass dieser Aufstand sich in viel größerem Maße auf internationale Unterstützung stützen kann, als das in allen vorherigen Jahrzehnten der Fall war. Aber ist das so, und wie groß ist das Potenzial des iranischen Aufstands und sein Einfluss auf weltweite Prozesse — darüber sprechen wir mit dem Autor des Kanals „Revolution im Iran“, Mazir Mian.

Portnikov. Ich möchte, dass wir zuerst darüber sprechen, worin die grundlegende Ursache liegt, ich würde sagen, der Unterschied des jetzigen Aufstands, seines Ausmaßes, gegenüber allem, was wir in den letzten Jahren gesehen haben. Denn viele sagten, dass dieser Aufstand vor allem wirtschaftlicher Natur sei, verbunden damit, dass der Einbruch des Wechselkurses des iranischen Rial dazu geführt habe, dass eine riesige Zahl Ihrer Landsleute einfach keinen Zugang zu Dingen des täglichen Bedarfs, zu Lebensmitteln, zu notwendigen Sachen mehr hat. Und das sei der Hauptgrund geworden. Aber wir sehen, dass bereits sehr ernste politische Parolen ertönen. Irgendwie hat sich das alles sehr schnell verändert.

Mazir Mian. Ja, Sie haben das absolut richtig bemerkt. Damit es Ihren Zuschauern verständlich ist, möchte ich frühere Proteste erwähnen, um zu verstehen, worin der Unterschied zwischen ihnen liegt. Solche mehr oder weniger ernsthaften Protestwellen begannen 2009. Die Grüne Bewegung, als die Iraner nach der Fälschung der Wahlen auf die Straßen gingen, zur Unterstützung der sogenannten Reformer. In jenen Jahren setzten die Iraner Hoffnungen auf Veränderungen und Reformen innerhalb des Regimes der Islamischen Republik und vertrauten den sogenannten Reformern, dass sie diese Veränderungen im Rahmen der Islamischen Republik umsetzen würden. 

Viele Jahre später, als die Menschen bereits von ihnen enttäuscht waren und verstanden, dass alles, was sie tun, die Fortsetzung der Ideologie der Islamischen Republik ist, und nachdem die Menschen keine wesentlichen Veränderungen in der Gesellschaft gesehen hatten — in den sozialen Freiheiten der Menschen, in den politischen Freiheiten der Menschen und in der wirtschaftlichen Situation im Land — verloren diese sogenannten Reformern das Vertrauen beim Volk.

Und ungefähr 2017 kam erstmals eine kleine Gruppe von Menschen, etwa einige tausend Menschen, zum Grab des großen iranischen Schahs, des großen Kyros. Und dort ertönten zum ersten Mal in der Geschichte nach der Revolution von 1979 Parolen zur Unterstützung der Monarchie. Das war 2017. Damals war es so eine sehr begrenzte Bewegung. Nach und nach wuchs sie, nahm Jahr für Jahr zu.

Und 2022, als das Mädchen Mahsa Amini wegen eines falsch getragenen Hijabs getötet wurde, gab es ebenfalls eine Protestwelle im Iran, die ein halbes Jahr dauerte. Dort klangen die wichtigsten Parolen der Menschen immer noch wie Forderungen an das Regime. Also: „Frau, Leben, Freiheit.“ Das waren Forderungen der Menschen an das Regime. Also: Wir wollen leben, wir wollen frei leben, und wir wollen, dass die Rechte der Frauen im Land anerkannt werden. Aber gleichzeitig damit ertönten auch andere Parolen. Das war „Tod dem Diktator“, „Tod der Islamischen Republik“, „Tod Khamenei“. Seitdem sind schon einige Jahre vergangen. Und heute liegt der Hauptunterschied dieser Proteste darin, dass die Menschen dem Regime nicht mehr ihre Forderungen verkünden, nicht mehr die Unterstützung der Reformern innerhalb des Regimes verkünden. Die Menschen sagen ganz konkret, was sie wollen. Genau dadurch unterscheiden sich diese Proteste heute, die stattfinden.

Sie begannen tatsächlich tatsächlich auf dem Boden des Anstiegs der Wechselkurse. Als der Wechselkurs an einem einzigen Tag um 7.000 Toman bzw. 70.000 Rial stieg, gingen auf den Teheraner Märkten – zunächst auf zwei Märkten, es waren nur zwei kleine Märkte – die Inhaber kleiner Geschäfte auf die Straße, schlossen ihre Läden und begannen am ersten Tag zu protestieren.

Portnikov. Angefangen haben Verkäufer von Mobiltelefonen. Es ist erstaunlich, ja, dass sich aus so einem Funken alles entzündet hat.

Mazir Mian. Genau so. Dort gibt es einen Markt für Mobiltelefone und noch einen Teheraner Markt. Sie schlossen ihre Geschäfte am ersten Tag. Es wurden dort keine politischen Parolen gerufen. Sie schlossen einfach ihre Geschäfte und gingen auf Protest, aber politische Parolen gab es nicht. Ab dem zweiten Tag schlossen sich andere Teheraner Märkte an. Das sind die größten Teheraner Märkte. Und dort begannen die Menschen eben zu sagen, was sie wollen. Das ist das, was ich erwähnt habe.

Diese Proteste unterscheiden sich von den vorherigen dadurch, dass die Menschen damals nur sagten: „Tod der Islamischen Republik“ oder sagten „Tod Khamenei“. Aber in diesen Protesten sagen sie klar: „Es lebe der Schah.“ Und: „Die letzte Schlacht — Pahlavi wird zurückkehren.“ Diese zwei Parolen wurden zu den Hauptparolen, die heute in mehr als fünfzig Städten wiederholt werden. Die Menschen wiederholen sie. Dort gibt es unterschiedliche Proteste, kleine, große. Diese zwei Parolen wurden die Hauptparolen in dieser Protestwelle.

Portnikov. Ich verstehe, dass der Präsident Irans, Masud Peseschkian, bereits versucht hat, sich irgendwie in diese Proteste einzuschreiten. Er sagte, dass die Menschen, sozusagen, ein wichtiger Indikator für das Handeln der Macht sein sollten. Er erklärte, dass man sich mit den letzten wirtschaftlichen Maßnahmen auseinandersetzen müsse. Man hat den Chef der Nationalbank entlassen, soweit ich verstehe. Und dennoch hatte dieser Versuch Peseschkians — der vermutlich dem Flügel der Reformern in der Islamischen Republik zugerechnet werden kann — keinerlei Wirkung. Und wie üblich ging alles zu Repressionen über.

Mazir Mian. Völlig richtig, denn den Wechselkurs haben die Menschen schon vergessen, weil jener Sprung, der da war, auf 70.000 Rial, ist schon rückgängig gemacht wurde. Jetzt pumpt die Zentralbank viel Fremdwährung aus den Gold- und Devisenreserven Irans in den Markt, um den Kurs zu halten. Und der Kurs ist tatsächlich gefallen. Und die Macht will sehr, dass diese Proteste sich nur auf wirtschaftliche Slogans, auf wirtschaftliche Probleme der Menschen beschränken. Aber wir sehen, dass das alles den Rahmen wirtschaftlicher Proteste gesprengt hat.

Die Menschen skandieren politische Parolen gegen dieses Regime und offen zugunsten des Führers der iranischen Opposition, Prinz Pahlavi. Die Menschen sprechen darüber, und wir sehen in allen Videos, dass er eine sehr große Unterstützung im Iran hat, und die Menschen begannen zu sagen, was sie wollen.

Portnikov. Und sagen Sie: Wie glauben Sie — kann man davon sprechen, dass dies so eine Art aufgeschobenes Ergebnis des zwölftägigen Krieges Irans mit Israel und den Vereinigten Staaten ist? Damals, als ein großer Teil der iranischen Militärführung liquidiert wurde, als iranische Objekte zerstört wurden, die für die Produktion von Atomwaffen oder für Vorbereitungen zu einer solchen Produktion genutzt werden könnten, sagten viele, dass das Geschehen, sozusagen, einen unauslöschlichen Eindruck in der iranischen Gesellschaft hinterlassen habe und ihr zeigen könnte, dass die Macht des Regimes nicht allmächtig ist, wie man denken konnte. Und dass diese Maschine in vieler Hinsicht längst verrottet ist, und im Grunde genommen gibt es kein effektives Luftverteidigungssystem, kein reales Verständnis der Realität seitens Ajatollah Khamenei und seines engsten Umfelds. Sie leben in einer völlig anderen Welt und glauben, dass diese, sozusagen, die Instrumentalisierung des Hasses auf Israel ihnen erlauben könnte, im Iran ungestraft alles zu tun, was sie wollen. Aber damals ist nichts passiert. Und viele sagten: „Es ist nichts passiert, aber es könnte passieren, die Gesellschaft reagiert nicht so schnell.“ Ist das mit dem zwölftägigen Krieg als Hintergrund verbunden?

Mazir Mian. Eindeutig haben diese Proteste einen Zusammenhang mit dem zwölftägigen Krieg. Aber jene Bewegung, jene Parolen, jene Stimmung der Menschen, die heute auf den Straßen Irans sichtbar wird, wurden bereits 2017 geboren, also lange vor dem zwölftägigen Krieg. Sie entwickelten sich. Mit der Zeit wurden mehr Menschen vom Regime enttäuscht und gingen zur Opposition über. Aber meiner Ansicht nach hat der zwölftägige Krieg nicht so sehr die Stimmung der Menschen beeinflusst, wie er vielmehr die Stimmung der Anhänger des Regimes beeinflusst hat — jener, die sich vom Regime abgewandt und sich der Opposition angeschlossen haben. Und davon gibt es sehr viele. 

Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung Kayhan, der Hauptzeitung Irans, ist heute in der Opposition, er unterstützt den Prinzen. Sehr viele — gerade nach dem zwölftägigen Krieg — sehr viele Menschen, die sich im Lager der Republikaner sahen, das heißt, sie lehnten die Rückkehr der Monarchie im Iran ab, sehr viele dieser Menschen gingen zur Opposition gegen das Regime über, auf die Seite des Prinzen. Sie sagen bis heute: „Wir sind Republikaner, aber wir sehen keinen anderen Ausweg aus dieser Situation. Wir müssen einen Führer haben, und wir müssen unsere Handlungen koordinieren.“ Dieser zwölftägige Krieg hat der iranischen Opposition sehr geholfen, um diejenigen an sich zu ziehen, die sich im Körper der Islamischen Republik befanden, damit sie sich davon entfernen und sich der Opposition anschließen.

Portnikov. In Wahrheit ist es immer sehr wichtig zu verstehen, wie groß das Potenzial einer solchen Bewegung ist. Und das Potenzial einer solchen Bewegung hängt in Ländern wie Iran, in Ländern übrigens wie Russland, wie Belarus, sehr stark von der Geschlossenheit der Sicherheitsorgane ab. Denn wir verstehen ja gut: Die Iraner gehen nicht zum ersten Mal auf die Straße. Wenn das das Gewaltpotenzial des Regimes schwächer wäre, das haben wir in der Ukraine gut gesehen, dann hätte es sich schon vor einigen Jahren nicht mehr gehalten, sozusagen. Aber hier gibt es geschlossene Sicherheitsstrukture, die manchmal radikaler sind als die Macht selbst, die sie schützen sollen. Und hier ist es sehr wichtig zu verstehen, wie die Stimmungen im Korps der Wächter der Islamischen Revolution sind. Wie einig sind sie überhaupt, wie bereit sind sie, die Idee der Islamischen Republik selbst zu verteidigen, können sie unter dem Einfluss der Proteste wanken? Denn mir scheint, das ist entscheidend: Es gibt keinen Mangel an Protestierenden, aber gleichzeitig gibt es auch keinen Mangel an denen, die bereit sind, das Feuer auf Menschen zu eröffnen.

Mazir Mian. Sie haben absolut recht. Ich kann Ihnen das anhand der iranischen Erfahrung erklären. Wir werden diese Spaltung am letzten Tag der Existenz der Islamischen Republik sehen. Wir werden diese Spaltung am letzten Tag der Existenz der Islamischen Republik sehen, so wie es 1979 war. Am Morgen gab die Armee eine Erklärung der Neutralität ab. Und am Tag wurde das Schah-Regime gestürzt. Das heißt: In dem Moment, wenn es innerhalb der Sicherheitsapparate zu einer Spaltung kommt, hält sich das Regime nach diesem Moment nicht länger als einen Tag. Ich denke, dass ein solches Potenzial theoretisch vorhanden sein kann, aber wir werden das nicht heute sehen. Wir werden das am Ende fieser Geschichte sehen — wenn wir es sehen.

Portnikov. Ja, wenn es ein Ende dieser Geschichte gibt — das ist sehr wichtig zu verstehen, weil jeder solche Aufstand, hier ist wichtig zu verstehen: stärkt er das Regime oder schwächt er es vielmehr? Kann man sagen, dass all das das Regime dennoch untergräbt?

Mazir Mian. Diese Unzufriedenheiten, unsere Erfahrung zeigt, dass Jahr für Jahr die Unzufriedenheit der Menschen wächst, und die Menschen beginnen zu verstehen, dass, wiederum, wenn wir zu jener Geschichte zurückkehren, als 2009 die Menschen dachten, dass sie durch irgendwelche Reformen innerhalb der Islamischen Republik das Regime ändern könnten, mit der Zeit verstanden sie, dass das nicht funktioniert. Und jetzt wollen sie das Regime stürzen. Mit der Zeit gelang es dem Regime ja, diese Bewegungen auseinanderzutreiben, zu unterdrücken, aber jede Protestbewegung im Iran hinterließ Spuren in der Gesellschaft und brachte irgendein Bewusstsein für die Menschen mit sich. Das heißt: Jedes Mal, wenn es Proteste im Iran gab, begann ein Teil der Gesellschaft zu verstehen, dass das Problem nicht in der Wirtschaft liegt, das Problem nicht in der politischen Freiheit liegt und so weiter — das Problem ist das Regime selbst. Das heißt: All diese Bewegungen zeigten den Menschen mit der Zeit, dass das Problem gerade im Regime selbst liegt. Wenn es dem Regime auch dieses Mal gelingt, diese Proteste zu unterdrücken, wird die Spur in der Gesellschaft bleiben, und noch ein Teil der Menschen wird sich bei den nächsten Protesten denen anschließen, die heute auf den Straßen Irans gegen das Regime kämpfen.

Portnikov. Donald Trump hat heute erklärt, dass er bereit ist, die protestierenden Iraner zu unterstützen, und dass das Erschießen von Menschen durch das Regime eine rote Linie sein wird, und die Vereinigten Staaten werden bereit sein, dem iranischen Volk zu helfen. Das ist tatsächlich eine beispiellose Erklärung. Kein amerikanischer Präsident vor Trump, und Trump selbst übrigens in seiner ersten Amtszeit, hat jemals etwas Ähnliches gesagt. Und da stellt sich die Frage: Glauben Sie überhaupt daran – angesichts von Trumps Charakter und der Tatsache, dass er sehr oft ernsthafte Versprechen macht, die er später nicht einhält –, dass es dieses Mal anders sein wird? Dass, wenn es tatsächlich ernsthafte Schläge gegen Menschen seitens des Korps der Wächter der Islamischen Revolution oder der Polizei erfolgen, wenn es zahlreiche Opfer gibt — denn es gibt ja bereits erste Opfer — die Amerikaner tatsächlich einen Schlag führen werden, zum Beispiel gegen das Hauptquartier von Ajatollah Khamenei oder gegen das Hauptquartier des Korps der Wächter der Islamischen Revolution? Ist überhaupt ein solcher Verlauf möglich? Denn er könnte alles auf der Welt verändern.

Mazir Mian. Tatsächlich haben Sie richtig bemerkt: Das ist eine beispiellose Unterstützung seitens der USA. Sie versuchten immer, dieses Thema — die Innenpolitik der Islamischen Republik — nicht anzufassen. Und dass Trump darüber geschrieben hat, über seine Unterstützung dieser Proteste, das zeigt schon davon, dass auch die Welt beginnt zu verstehen, dass die Zeit der Islamischen Republik zu Ende geht. Glaube ich, dass Trump einen Schlag führen wird? Sehr schwer zu sagen, eher glaube ich es wohl nicht, aber man kann das von einer anderen Seite betrachten.

Ich schlage vor, das erstens als grünes Licht für Israel zu betrachten, um solche Operationen im Iran durchzuführen — sie haben diese Möglichkeit. Sie haben das im zwölftägigen Krieg gezeigt, als innerhalb von 20 Minuten die gesamte Spitze des IRGC liquidiert wurde. Das heißt, sie haben diese Möglichkeit. Die Israelis können das auf ihre Art verstehen und selbstständig handeln, ohne Unterstützung der USA. Das ist erstens.

Zweitens: Trumps Erklärung vergrößert wiederum die Spaltung unter den Eliten der Islamischen Republik. Jemand wird Angst bekommen, jemand bekommt den Wunsch, sich der Opposition anzuschließen. Das heißt: Solche Erklärungen, die Unterstützung solcher Länder wie der USA, wie europäische Länder und so weiter, vergrößern tatsächlich die Spaltung unter Sicherheitskräften, unter den Generälen, unter den Beamten der Islamischen Republik. Und das kann den Protestierenden auf den Straßen Irans ebenfalls helfen.

Und ich empfehle ukrainischen Politikern sehr, genauso zu handeln und diese Proteste zu unterstützen, weil man diese Proteste im Wesentlichen als zukünftige Verbündete betrachten sollte. Im Grunde kämpfen die zukünftigen Verbündeten der Ukraine gerade auf der Straße gegen ein Regime, das Russland unterstützt. Umso mehr skandieren sie den Namen des Prinzen Reza Pahlavi, der am vierten oder fünften Tag des Krieges Russlands gegen die Ukraine einen offenen Brief an Präsident Zelensky zur Unterstützung des ukrainischen Volkes schrieb. Auf dieser Grundlage kann man zukünftige gute freundschaftliche Beziehungen zwischen zwei Ländern aufbauen.

Portnikov. Hier gibt es noch eine politische Besonderheit. Mir scheint, wir sehen eine Achse, die aktuell real funktioniert. Das ist die Achse Russland, Iran, Venezuela, weil das iranische Regime Nicolás Maduro unterstützt, ohne das zu verbergen. Russland unterstützt sowohl Teheran als auch Caracas. Und das ist Austausch von Militärtechnologien, Austausch von Spezialisten. Im Großen und Ganzen wird das alles gemacht, um gezielt den amerikanischen Einfluss zu untergraben. Daher ist die große Frage: Verstehen sie überhaupt in der Welt, dass ein solches Netzwerk schon entstanden ist und dass es eine gemeinsame Bedrohung für die Interessen der demokratischen Welt darstellt? Denn im Grunde sehen wir eine Situation, in der die Amerikaner mit einer globalen Bedrohung umgehen müssen. Vielleicht begreifen sie es selbst nicht, aber das ist schon eine echte globale Bedrohung. Wenn wir noch China hinter all diesen Ländern bemerken, das ihnen freundlich gesinnt ist. Und in Asien, und in Lateinamerika, und in Europa gibt es Länder, die bereit sind, die Vereinigten Staaten herauszufordern und sich untereinander zu solidarisieren, trotz aller amerikanischen Sanktionen.

Mazir Mian. Ja, völlig richtig. Ich stimme Ihnen voll zu. Und ich denke, dass im Fall Irans diese Bedrohung sehr lange existiert. Und solche Leute in Trumps Administration wie Marco Rubio verstehen gut, was für eine Bedrohung das ist. Und Marco Rubio ist noch aus der Zeit, als er im Senat war, sehr gut über die Iran-Frage informiert. Er traf sich viele Male mit Prinz Reza Pahlavi und hat in seiner ganzen Karriere das Volk des Iran unterstützt. Ich bin nicht bereit zu sagen in Bezug auf Russland und China, inwieweit die Amerikaner jetzt bereit sind, zu einer ernsthafteren Konfrontation mit diesen Regimen überzugehen. Aber was Iran betrifft, beobachten wir heute schon, dass diese Bereitschaft von Tag zu Tag zunimmt. Im Grunde sagt Trumps heutige Erklärung, dass sie einen weiteren Schritt nach vorn gemacht haben — in der Unterstützung des iranischen Volkes und gegen das Regime der Islamischen Republik, mindestens auf der Ebene einer Erklärung, aber das ist schon nicht wenig. Das ist ein Schritt nach vorn.

Portnikov. Sagen Sie: Die Führer der Islamischen Republik und der Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates Ali Larijani und der Außenminister Abbas Araghchi — sie machten ziemlich kriegerische, harte Erklärungen in Richtung der Vereinigten Staaten. Sie sagten sogar, dass amerikanische Objekte auf der ganzen Welt nun legitime Ziele für iranische Angriffe sein werden, und solche Warnungen hatte es früher überhaupt nicht gegeben. Warum wurde ein so harter Ton gewählt? Sie könnten doch vorsichtiger reagieren. Wiederum: In Kenntnis Trumps Emotionalität und Unberechenbarkeit könnte man in dieser Situation vorsichtiger sein.

Mazir Mian. Sie können nicht vorsichtiger sein, weil das ist das, wovor sie sich am meisten fürchten. Sie fürchten, die Macht zu verlieren. Israelische und amerikanische Schläge können für sich genommen die Frage der Islamischen Republik nicht lösen. Denn wenn die Islamische Republik Unterstützung vom Volk hätte, könnten sie lange Krieg führen. Also: Mit Luftschlägen kann man ihnen nicht viel anhaben. Aber das Gefährlichste für das islamische Regime ist, wenn es der Opposition gelingt, das Regime zu stürzen. Das ist die größte Bedrohung für sie. Sie können versuchen, irgendwie Krieg zu führen. Wenn ihnen die Macht in den Händen bleibt, haben sie später die Möglichkeit, sich wiederherzustellen und wieder anzugreifen. Aber wenn sie die Macht verlieren, verlieren sie alles. Und das ist das Heiligste. Deshalb reagieren sie so scharf. Sie sagen: „Wir bombardieren eure Basen in der Region“, und die amerikanischen Soldaten sollen vorsichtig sein. So schrieben die meisten von ihnen. Aber genau deshalb: Sie haben Angst, die Macht zu verlieren. Sie haben Angst, dass das Volk ihr Regime stürzen wird.

Portnikov. Hier ist das Andere interessant. Noch vor kurzem ging Trump sehr vorsichtig mit der Frage eines Machtwechsels im Iran um. Während des zwölftägigen Krieges, als im Grunde der Premierminister Israels Benjamin Netanyahu die Idee deklarierte, dass man das islamische Regime wechseln müsse, und dass dies kein Krieg gegen das iranische Volk sei, sondern gerade gegen das antiisraelische Regime der Islamischen Republik, war Trump viel vorsichtiger. Er sagte, man solle das Regime nicht anfassen, man müsse es nur seiner nuklearen Möglichkeiten berauben, und das ist alles. Und jetzt solche viel ernsthafteren Erklärungen. Ist das vielleicht auch das Ergebnis davon, dass Trump gerade Netanyahu getroffen hat? Vielleicht hat Netanyahu ihn überzeugt, dass die ganze Sache im Bestehen des Regimes liegt, dass solange dieses Regime an der Macht ist, nichts Gutes für Amerika passieren wird?

Mazir Mian. Donald Trump ist nicht der konsequenteste Präsident in der Geschichte. Deshalb ändern sich tatsächlich seine Positionen. Aber was Iran betrifft, muss man die Entwicklung der Ereignisse betrachten. Als Trump die Wahlen in den USA gewann, war das Erste, was er dem islamischen Regime angeboten hat, Verhandlungen: „Lasst uns uns einigen.“ Das heißt: Zuerst hat er ihnen angeboten, sich über die Themen der Proxy-Organisationen der Islamischen Republik in der Region, das Raketenprogramm, das Atomprogramm zu einigen. Er bot an, darüber zu sprechen und sich zu einigen. Mir war bekannt, dass daraus kein Ergebnis entstehen wird. Die Islamische Republik lehnte Trump in diesen Verhandlungen ab. Im Grunde trafen sie sich fünf- bis sechsmal, aber auf diesen Gesprächen geschah nichts, deshalb verstand Trump, dass daraus nichts wird. Danach kam der Schlag gegen das Atomprogramm. Nach diesem Schlag bot Trump den Iranern noch einmal an, zu Verhandlungen zurückzukehren und sich über dieselben Punkte zu einigen. Die Islamische Republik lehnte wieder ab, und dieses Mal noch in härterer Form: „man hat uns angegriffen und wir werden keine Verhandlungen führen“. Und Trump kann man verstehen, denn er wollte diese Frage durch Verhandlungen lösen, damit die Islamische Republik alle ihre Trümpfe an Trump abgibt. Ich wiederhole: das Atomprogramm, das Raketenprogramm und die Proxys in der Region. Die Islamische Republik lehnte ab. Trump bleibt nichts anderes übrig als eine ernstere Konfrontation. Auf Trumps Erklärung zu hoffen ist eine sehr schwierige Frage, aber wiederum: Das kann nicht die USA allein machen, das kann Israel sein, und die USA kann zum Schutz Israels auftreten. Das heißt: Sie können nicht an den Angriffen selbst teilnehmen, sondern danach Israel schützen, wenn die Islamische Republik beginnt, auf diese Angriffe zu antworten. Das heißt: Wenn Raketenangriffe kommen, werden die USA Israel schützen.

Portnikov. Einer meiner russischen Kollegen machte heute darauf aufmerksam, dass in Ihrem Land — und für Russland ist das angesichts der Verbote, die dort jeden Tag planmäßig eingeführt werden, besonders aktuell — in Ihrem Land praktisch alle Messenger, sozialen Netzwerke verboten sind, es gibt Einschränkungen für das Internet. Und dennoch wurde das kein einziges Mal zu irgendeiner „Pille“ gegen Proteste. Wie organisieren sich Menschen in Bedingungen, wenn nichts da ist, und es unmöglich ist, sich real zu verbinden?

Mazir Mian. Einschränkungen im Iran existieren, man kann sagen, seit 1979 — für alles. Zuerst waren es Videokassetten. Damals gab es die erste Welle der Emigration aus dem Iran, die nach der Islamischen Revolution ausreiste. Sie lebten in den USA und nahmen Videos auf und schickten das alles in den Iran, und die Menschen sahen es. Und dann wurden im Iran Videokassetten verboten. Man brach in Häuser ein mit Durchsuchungen, nahm Videokassetten weg und so weiter. Und nachdem Satellitenfernsehen kam, gab es denselben Verbot für Satellitenfernsehen, und Sicherheitskräfte drangen in Häuser ein, nahmen all diese Geräte weg und so weiter. Danach kam das Internet. Mit dem Internet kämpften sie genauso, und sie blockierten alle sozialen Netzwerke. Aber die Menschen fanden, genau wie damals mit Videokassetten, und später mit Satellitenfernsehen, einen Ausweg.

Heute gibt es im Iran sehr viele verschiedene VPNs, und die Menschen kaufen sie, und dann öffnet sich ihnen der Zugang zum Internet. Der IRGC, das Korps der Wächter der Islamischen Revolution, beschloss, auch daran zu verdienen. Deshalb sind sehr viele dieser VPNs die Produktion eben des IRGC, sie verkaufen dem Volk diese VPNs, weil laut Statistik 70% der Iraner VPN nutzen. Das ist eine sehr große Zahl, das sind mehrere Dutzenden Millionen Menschen. Deshalb gibt es Nachfrage. Und der IRGC verkauft diese VPNs mit Vergnügen an эти Dutzenden Millionen Menschen.

Portnikov. Das heißt, faktisch umgehen sie die eigenen Verbote.

Mazir Mian. Ja. Aber sie verdienen daran.

Portnikov. Die Entwicklung der Situation — wie sehen Sie sie? Werden die Proteste zunehmen, oder wird es irgendwann abflauen? Sind wir auf dem Höhepunkt oder erst am Anfang?

Mazir Mian. Das ist sehr schwer zu prognostizieren. Wenn wir auf die Erfahrung der vorherigen Proteste schauen: 2017 dauerten sie einige Tage, 2019 dauerten sie einige Wochen, 2022 dauerten sie fast ein halbes Jahr, und heute sehen wir, dass sie sich immer weiter ausweiten. Wenn diese Tendenz bleibt, werden wir sehr umfassende Proteste sehen, die das Potenzial haben, mehrere Monate zu dauern. Selbst wenn es dem Regime gelingt, sie in einer Stadt zu unterdrücken, werden sie in einer anderen Stadt beginnen — vielleicht in einer Woche, vielleicht in zwei Wochen. So sehe ich das.

Alles ist möglich, selbstverständlich: Wenn das Regime anfangen wird, Menschenmengen mit großen Opferzahlen zu erschießen, können diese Proteste früher enden. Mir ist es jetzt schwer zu prognostizieren, was passiert, aber was der Fakt ist: Das sind die ernsthaftesten Proteste in der Geschichte der Islamischen Republik gegen das Regime. Warum so? Aus mehreren Gründen. Erstens: Sie finden im ganzen Land statt. Zweitens: Weil die Parolen gegen die Islamische Republik und für den Führer der Opposition sind, der eine Alternative zur Islamischen Republik werden kann. Und drittens: Diese Proteste dauern heute den sechsten Tag, und von Tag zu Tag erweitert sich die Geografie, und die Zahl der Menschen, die daran teilnehmen, wächst ebenfalls.

Plus: Es gibt internationale Unterstützung, erst nur noch in Worten, aber sie ist da. Und dieser Schritt Donald Trumps ist ein ernster Schritt, eine ernste Erklärung. Plus: Es gibt Israel, das eindeutig daran interessiert ist, dass das Regime der Mullahs aufhört zu existieren. Ich denke, wenn sie vernünftige Menschen sind — und ich halte sie dafür — müssen sie heute in ihre zukünftige Sicherheit investieren, damit sie morgen nicht dasitzen und auf Raketen warten, möglicherweise mit nuklearen Gefechtsköpfen, in Israel.

Portnikov. Aber der Vorwurf der Verbindung zu Israel — beeinflusst er nicht die Chancen der Protestbewegung selbst, dass das alles zionistische Agenten seien?

Mazir Mian. Soll das Regime sagen, was es will. Schauen Sie: Das sind keine emotionalen Proteste, das sind Proteste, die sich über Jahre in jedem einzelnen Menschen angestaut haben, der auf die Straße gegangen ist. Man könnte sagen: Wenn es irgendeine emotionale Bewegung wäre — dem Menschen ging es heute schlecht und er ging raus, um zu schreien — dann ja, solche Vorwürfe könnte er annehmen und darüber nachdenken. Aber wenn diese Unzufriedenheit jahrelang staute und die Islamische Republik die Menschen jahrelang mit solchen Worten zu täuschen versuchte, wirkt das heute nicht mehr auf sie.

Portnikov. Ich habe übrigens bemerkt: Sie sprachen über das Ausmaß der Proteste — Ich sah, dass Menschen die Sicherheitskräfte angegriffen haben – man könnte sagen, dass sie den Sicherheitskräften in Qom Widerstand geleistet haben. Und Qom ist eine heilige Stadt der Iraner. Das ist einer der konservativsten Stützen der Islamischen Republik. Es stellt sich heraus, dass auch in dieser Stadt ein großes Protestpotenzial möglich ist. Für mich war das ehrlich gesagt eine Entdeckung.

Mazir Mian. Für mich war das auch überraschend. Man muss verstehen, was Qom ist. Die Stadt Qom ist eine Stadt, in der sich schiitische religiöse Heiligtümer befinden. Und außerdem gibt es dort eine historische Schule, in der alle Mullahs lernen. Das heißt: Alle diese Ajatollahs, die wir sehen, darunter Khamenei und andere Mullahs, die die höchsten Posten in der Islamischen Republik einnehmen, lernen in der Stadt Qom. Dort gibt es sehr viele Studenten, Mullahs, die dort leben, die aus anderen Städten kommen, sogar aus anderen Ländern — sehr viele Studenten kommen aus dem Irak dorthin. Das heißt: Das war immer eine religiöse Stadt, die immer dieses Regime unterstützte.

Außerdem muss man verstehen, dass 1979 die ernsthaften Proteste gegen den Schah genau in dieser Stadt begannen, als es Proteste in Qom gab. Und wenn ich gestern und heute diese Videos sehe, auf denen Menschen nach 47 Jahren skandieren: „Es lebe der Schah“ in der Stadt Qom — das ist natürlich etwas Interessantes, das man untersuchen muss. Wie konnte es so kommen, dass in der Stadt Qom Menschen auf diese Proteste gingen und auch noch „Es lebe der Schah“ skandieren?

Portnikov. Wie ich verstehe, haben die iranischen Machthaber noch Potenzial, zur Idee der Urananreicherung und überhaupt zur Atomprogramms zurückzukehren?Was ist infolge dieses Krieges überhaupt mit dem nuklearen Potenzial Irans erreicht worden? Falls überhaupt etwas erreicht wurde – das ist eine gute Frage.

Mazir Mian. Hier habe ich keine Insiderinformationen. Ich schaue auf das, was in offenen Quellen steht. Und ich denke, dass es zumindest aktuell gelungen ist, das Atomprogramm zu stoppen. Ich bezweifle, dass diese 400 kg auf 60% angereicherten Urans zerstört wurden. Sie sind irgendwo unter der Erde. Das Atomprogramm der Islamischen Republik wurde beschädigt, aber nicht vollständig zerstört. Und wenn die Islamische Republik eine Möglichkeit findet, vielleicht nachdem Trump den Posten des US-Präsidenten verlassen hat, könnten sie dieses Programm wieder aufnehmen und wiederherstellen. Es gibt diese Gefahr, denn derzeit deuten alle Anzeichen darauf hin, dass dieses Programm auf Pause ist: Es ist nicht vollständig zerstört, aber es ist auf Pause, und die Israelis und die Amerikaner beobachten das.

Portnikov. Soweit ich verstehe, ging es darum im Gespräch Trumps mit Netanyahu. Und vielleicht gerade nach diesem Gespräch entschied Trump, dass man die iranische Gesellschaft energischer unterstützen müsse, weil man mit Bombardierungen allein nichts erreicht.

Mazir Mian. Ja, völlig richtig. Das heißt: mit Krieg im Iran… Der Iran ist ein sehr großes Land, dort ist eine sehr komplexe Geografie. Und das ist nicht der Irak, das ist in jeder Hinsicht ein viel schwierigeres Land. Was die Geografie, und die Menschen, die dort leben, betrifft. Deshalb wird Krieg das Problem der Islamischen Republik nicht lösen. Das Problem der Islamischen Republik kann nur der Sturz des Regimes der Islamischen Republik lösen.

Portnikov. Ich danke Ihnen. Ich erinnere daran, dass wir heute mit dem Gründer und Autor des Kanals „Revolution im Iran“, Mazir Mian, über die letzten Ereignisse gesprochen haben, die in seinem Land stattfinden und einen solchen revolutionären Charakter haben. Wir wünschen Ihren Landsleuten Erfolg im Kampf gegen die Tyrannei, denn der Kampf gegen Tyrannei ist immer eine gemeinsame Sache, wie bekannt. Das heißt: Stürzt eine Tyrannei, wird es für die Menschen leichter, gegen andere autoritäre Regime zu kämpfen, leichter, gegen andere Diktaturen zu kämpfen, die, wie wir sehen, sich erfolgreich vereinen, während die demokratische Welt nicht wirklich versteht, wie sie überhaupt zu echter – und nicht nur deklarativer – Einheit gelangen kann.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: Восстание в Иране: последствия | Виталий Портников. 02.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.01.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die CIA entlarvte Putins Lüge | Vitaly Portnikov. 01.01.2026.

Die Nationale Sicherheitsagentur und die Central Intelligence Agency der Vereinigten Staaten haben laut der Zeitung Wall Street Journal keinerlei Bestätigung für die russischen Behauptungen gefunden, wonach ukrainische Drohnen die Residenz des russischen Präsidenten Putin in Waldai angegriffen hätten. Amerikanische Beamte, die mit den Journalisten dieser Zeitung gesprochen haben, betonten, dass die Ukraine ein anderes Ziel angegriffen habe, das sich Dutzende Kilometer von Putins Residenz entfernt befand, und dass dem russischen Staatschef somit keinerlei Gefahr gedroht habe.

Zuvor hatte der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, in seinem sozialen Netzwerk einen Leitartikel der Zeitung New York Post weiterverbreitet, in dem behauptet wird, dass gerade Putin heute den Weg zur Beendigung des Krieges in der Ukraine versperrt. In einem scharf formulierten Leitartikel betont das Blatt, dass gerade der russische Diktator den amerikanischen Präsidenten Donald Trump daran hindere, Frieden in der Ukraine zu erreichen. Zugleich erinnert es daran, dass die Ukraine ihren Teil der Arbeit getan habe. Die New York Post widerlegt außerdem Putins Behauptungen über einen angeblichen Angriff ukrainischer Drohnen auf seine Residenz und ruft dazu auf, den Krokodilstränen des russischen Staatschefs keinen Glauben zu schenken.

So ist nach der emotionalen Reaktion des amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf die Meldung über einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz – über den Putin selbst Trump in ihrem letzten Telefongespräch informiert hatte – nun der Moment der Wahrheit gekommen. Als Fachleute begannen, die Informationen des russischen Präsidenten zu überprüfen, wurde völlig offensichtlich, dass Putin blufft.

Mehr noch: Der russische Präsident war so wenig daran interessiert, seiner Geschichte Glaubwürdigkeit zu verleihen, dass er nicht einmal den Versuch unternahm, wenigstens einen Angriff eigener Drohnen auf seine Residenz zu inszenieren, um zu zeigen, dass der Vorfall tatsächlich stattgefunden habe. 

Als Adolf Hitler in einer ähnlichen Situation Polen beschuldigte, den deutschen Radiosender Gleiwitz angegriffen zu haben – was den formalen Vorwand für den Beginn des Zweiten Weltkriegs lieferte –, verkleidete er seine eigenen SS-Leute in polnische Uniformen, damit die vom Reich organisierte Provokation glaubwürdig wirkte. Putin, wie man aus vielen seiner Äußerungen schließen kann, hält sich für einen treuen Schüler Hitlers – doch er ist ein Hitler in der Billigversion, der sich nicht einmal die Mühe macht, Provokationen so zu inszenieren, dass sich die von ihm in seinem Telefongespräch mit seinem amerikanischen Kollegen vorgebrachten „Fakten“ irgendwie belegen ließen.

Warum tat Putin das? Meiner Ansicht nach, um Zeit in den Friedensverhandlungen zu gewinnen. Der russische Präsident war extrem verärgert darüber, dass Donald Trump mit Volodymyr Zelensky und den Staats- und Regierungschefs Europas über einen Friedensplan verhandelt und beabsichtigt, diese Vereinbarungen mit dem ukrainischen Präsidenten und den europäischen Spitzenpolitikern als gemeinsame Vorschläge der Vereinigten Staaten, der europäischen Länder und der Ukraine zu präsentieren.

In Putins Vorstellung muss das alles ganz anders laufen, und sein Berater Juri Uschakow macht daraus keinen Hehl. Die Russen wollen ausschließlich mit den Amerikanern verhandeln und mit ihnen darüber entscheiden, wie die Landkarte Europas und das Schicksal der Ukraine aussehen sollen. Der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, soll diese Entscheidungen, die von Trump und Putin getroffen werden, lediglich zur Kenntnis nehmen und ihnen per Definition zustimmen. Die Ukraine soll überhaupt kein Teilnehmer der Diskussion über ihr eigenes Schicksal sein.

Da der amerikanische Präsident einer so dreisten Position der russischen Führung, die Putin hilft, in den Verhandlungen mit Trump zu bluffen, nicht zustimmen kann, fand man im Kreml einen Weg, den Verhandlungsprozess zu verzögern, indem man die Ukraine beschuldigte, Putins Residenz angegriffen zu haben.

Erstens erlaubte es Putin, die Mitteilungen Trumps über seine Vereinbarungen mit Zelensky zu ignorieren und dem amerikanischen Präsidenten klarzumachen, dass nach einem solchen Angriff all diese Absprachen angeblich hinfällig seien und Russland nun eine andere Verhandlungsposition einnehmen könne – deren Inhalt der Kreml nicht offenlegt, weil die Russische Föderation ohnehin nie zu echten Verhandlungen über ein Ende des Krieges geneigt war.

Zweitens erhielt Putin die Möglichkeit, erneut kategorisch zu betonen, dass er nicht mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, in Kontakt treten werde. Möglicherweise fürchtete er, dass bei den Gesprächen zwischen Trump und Zelensky auch eine dreiseitige Begegnung mit dem russischen Präsidenten zur Sprache gekommen sein könnte. Für Putin aber würde ein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine als gleichberechtigtem Verhandlungspartner die Anerkennung der Legitimität des ukrainischen Staates bedeuten – etwas, das nicht zu seinen Plänen der Zerschlagung der ukrainischen Staatlichkeit gehört.

Mit seiner Geschichte über angebliche Angriffe auf seine Residenz versuchte Putin also, Trump von einem anderen Verhandlungsformat zu überzeugen: eines, in dem die Amerikaner ausschließlich mit den Russen sprechen und in dem die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Russland unabhängig davon bestehen, wie viele Jahre der Krieg gegen die Ukraine noch dauern wird. Doch außer der ersten emotionalen Reaktion des amerikanischen Präsidenten erreichte Putin keinerlei wirkliche Erfolge.

Als sich Fachleute der Sache annahmen, stellte sich schnell heraus, dass der russische Präsident erneut gelogen hatte – wie schon so oft in seiner beschämenden und talentlosen politischen Karriere. Die Lüge ist das Fundament der politischen Kultur der russischen Geheimdienste und all jener, die sie in der Russischen Föderation unterstützen – ein wahres Reich der Täuschung.

Nun kann die amerikanische Regierung härter auf die weiteren Schritte Moskaus in Bezug auf den Friedensplan reagieren. Wichtiger ist es jedoch, darüber nachzudenken, wie sich der Druck auf die Russische Föderation in den kommenden Monaten entwickeln wird, wenn endgültig klar wird, wie sehr Putin nicht will, dass auf ukrainischem Boden die Kanonen und Raketen schweigen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: ЦРУ викрило брехню Путіна | Віталій Портников. 01.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 01.01.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Wie Putin Trump reingelegt hat | Vitaly Portnikov. 31.12.2025.

Die letzten Stunden dieses so schwierigen Jahres 2025. Wir sprechen miteinander nur wenige Stunden vor dem Jahr 2026. Und deshalb möchte ich Ihnen natürlich zu Beginn dieses Gesprächs von Herzen wünschen, dass dieses nächste, ebenfalls schwierige Jahr Sie mit Hoffnungen auf Besseres bewahrt, mit dem Glauben, dass das Gute – wie viele Jahre und Anstrengungen es auch kosten mag – in der Geschichte der Menschheit immer über das Böse siegt. Und das ist keine Glaubensfrage, sondern, wie ich sagen würde, eine Frage der rationalen Analyse der Geschichte im Verlauf all dieser Jahrtausende, die nicht weniger schwierig waren als die letzten Jahre.

Doch am letzten Tag dieses alten Jahres, nur wenige Stunden vor dem neuen, diskutieren viele Menschen über jene sensationelle Recherche, die auf den Seiten der amerikanischen Zeitung New York Times erschienen ist und die das Jahr von Donald Trump bei der Suche nach Wegen zur Regelung des russisch-ukrainischen Krieges bilanziert. Denn wir erinnern uns gut daran, wie viele Hoffnungen auf die Versprechen des amerikanischen Präsidenten gesetzt wurden – sowohl unter seinen Anhängern als auch sogar unter vielen, die nicht besonders an Trump geglaubt hatten, und natürlich unter den ukrainischen Bürgern – Ende 2024 und besonders zu Beginn des Jahres 2025, als Donald Trump triumphal ins Oval Office zurückkehrte.

Und nun versuchen die Journalisten der New York Times herauszufinden, was beim amerikanischen Präsidenten schiefgelaufen ist, warum selbst fast ein Jahr nach seiner Amtseinführung und nach Beginn regelmäßiger Kontakte mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, der russisch-ukrainische Verhandlungsprozess, man kann sagen, in einer Art totem Punkt erstarrt ist. Und trotz der Erklärungen sowohl amerikanischer als auch ukrainischer Politiker, dass man sich irgendeiner möglichen Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges angenähert habe, begreift jeder nüchterne, denkende Mensch, dass der Frieden noch sehr, sehr weit entfernt ist.

Und vor allem: Selbst wenn man sich vorstellt, dass die optimistischsten Prognosen Trumps selbst und derjenigen, die mit ihm verkehren, sich bewahrheiten könnten, bleibt eine wichtige Frage. Was ist denn eigentlich in diesem Jahr geschehen? Warum ist es dem amerikanischen Präsidenten nicht gelungen, das Ergebnis zu erreichen, auf das er gerechnet hatte? Natürlich kann es sehr viele verschiedene Erklärungen dafür geben, warum das nicht eingetreten ist. Die New York Times schildert sehr genau – Monat für Monat und Woche für Woche –, was im Umfeld von Donald Trump, Putin und Zelensky passiert ist: nämlich schon ab dem ersten Tag nach Trumps Wahlsieg. Damals drängte Trump darauf, dass seine Leute inoffiziell Kontakt zu Putin aufnehmen, und er wollte dafür sogar die Zustimmung des amtierenden US-Präsidenten Joseph Biden – also noch bevor der Machtwechsel in den USA überhaupt vollzogen war.

Hier eine verständlichere Fassung:

Heute wissen wir, dass Donald Trump diese Erlaubnis von Joseph Biden nicht bekommen hat. Biden vermutete schon damals, dass Trump den Konflikt auf Kosten der Ukraine lösen wollte, und er war nicht bereit, solche Schritte seines zukünftigen Nachfolgers zu unterstützen oder mitzutragen. Denn Biden und Trump haben unterschiedliche staatspolitische Werte, unterschiedliche Vorstellungen von Politik, unterschiedliche Vorstellungen von Ehre.

Man kann diesen Text lange analysieren und über seine Details sprechen, denn es ist eine ernsthafte, große Arbeit – man könnte sagen, eine Art Anlauf zu einem ganzen Buch. Ich denke, nachdem Donald Trump das Oval Office verlassen wird, werden viele solche Bücher geschrieben werden, und die meisten von ihnen werden enthüllend sein.

Wir müssen das Wesentliche verstehen. Das Wesen dessen, was geschieht und in den kommenden Jahren des russisch-ukrainischen Krieges und der Präsidentschaft Donald Trumps im Weißen Haus geschehen wird. Und das Wichtigste, was man hier sagen kann, ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aufrichtig glaubte, er könne sich mit Putin einigen. Und das war keine Pose, sondern schlicht ein völliges Unverständnis der Situation durch Trump, ein völliges Nicht-Begreifen dessen, was Putin tatsächlich will und wie man auf Putin Einfluss nehmen kann.

Hier eine klarere und flüssigere Version:

Trump war überzeugt, dass alles besser laufen würde, sobald er die von Biden abgebrochenen Kontakte zu Putin wieder aufnimmt – obwohl man daran erinnern muss, dass Biden vor der großen Invasion selbst versucht hatte, genau solche Gespräche zu führen, sogar mit Kirill Dmitrijew, der laut diesem Artikel schon damals als Putins wichtigster „Fixer“ im Kreml fungierte.

Trump also meinte, dass gerade die Unterbrechung dieser Kontakte durch Biden, die Unterbrechung dieser Verhandlungen mit dem russischen Präsidenten, der Grund dafür gewesen sei, dass der russisch-ukrainische Konflikt so lange nicht geregelt werden konnte. Und er, Trump, werde diese Kontakte wiederherstellen, Putin das versprechen, was Putin will – und damit werde die Geschichte des russisch-ukrainischen Krieges enden.

Und hier stellt sich eine weitere gute Frage, auf die man Antworten finden muss, und die ebenfalls aus diesem Artikel hervorgeht: Was will Putin aus Trumps Sicht? Territorien. Wir sehen in diesem Text eine Episode, die erzählt, dass in einer bestimmten Phase der amerikanisch-ukrainischen Verhandlungen die Teilnehmer von amerikanischer Seite – darunter der US-Außenminister Marco Rubio und der Verteidigungsminister Pete Hegseth, die man für etwas realitätsnäher hält als zum Beispiel Trumps Sondergesandte Steve Witkoff und Jared Kushner, die ausschließlich in Kategorien des Immobilienverkaufs denken, wie auch Trump selbst – unglaublich begeistert waren, als Vertreter der ukrainischen Delegation auf die Frage: „Was ihr überhaupt braucht, um die ukrainische Eigenstaatlichkeit und die Fähigkeit zu existieren als Staat zu bewahren?“, ihnen eine Linie der Front zeigten, die für die Ukraine akzeptabel sein könnte. Natürlich entlang jener Linie, die heute die Armeen der beiden kriegführenden Länder trennt. Und, erstaunlicherweise, war das für Trumps Umfeld eine unglaubliche Entdeckung. Sie glaubten, die Ukrainer seien bereits in eine Falle getappt. Und nun bleibe ihnen nur noch, den Russen mitzuteilen, zu welch gewaltigen Zugeständnissen die Ukrainer bereit seien, die nicht mehr vorhätten, ihre von der russischen Armee besetzten Gebiete vom Aggressor zu befreien.

Und das ist nicht einfach Inkompetenz, das ist eine unglaubliche Primitivität. Erstens, weil die Frage, dass die ukrainische Armee schnell alle seit 2014 von Russland eroberten Gebiete befreien könnte, mir immer als rein theoretisch erschienen ist. Ja, das konnte in Wünschen oder in Politikerreden verwendet werden. Aber seit dem Beginn des russisch-ukrainischen Konflikts, seit dem Moment, als die Russische Föderation begann, reguläre Truppen gegen unseren Staat einzusetzen – und das begann zur Zeit von Ilowajsk – hatte die Ukraine keinerlei Chancen, ihr gesamtes Territorium mit militärischen Mitteln zu befreien. 

Ja, es gab Momente der Überdehnung der russisch-ukrainischen Front, die uns halfen, die Russen aus dem Norden unseres Landes zu vertreiben und die Besetzung von Kyiv und Tschernihiw zu verhindern. Es gab Überraschungsmomente wie die Befreiung eines Teils der Region Charkiw, die in der ersten Phase der großen Invasion von den Russen besetzt war. Es gab Situationen mit schlechten russischen Positionen, wie bei der Befreiung von Cherson. Aber jede solche Möglichkeit konnte nur einmal genutzt werden, denn solche günstigen Situationen kann man nur einmal nutzen – ein zweites Mal ergeben sie sich in dieser Form nicht mehr.

Dasselbe gilt etwa für den Vorstoß der ukrainischen Truppen in das Gebiet Kursk. Viele meinten ebenfalls, so etwas könne man wiederholen. Aber dieser Vorstoß war nur möglich, weil man in Russland die Möglichkeit eines Durchbruchs ukrainischer Truppen auf das sogenannte souveräne Territorium der Russischen Föderation nicht in Betracht gezogen hatte. Genauso wie man in der Ukraine einst die Beteiligung regulärer russischer Truppen am Krieg gegen die Ukraine im Jahr 2014 nicht für möglich hielt.

Das hat also nichts mit Militärstrategie zu tun, sondern mit Politik und mit politischen Mythen, in denen die Führung in Moskau wie auch in Kyiv lebt. Und die Völker in Moskau wie in Kyiv sind ebenfalls Geiseln der Mythen ihrer Politiker. Jetzt gibt es diese Mythen nicht mehr. Wir wissen, dass die reguläre russische Armee bereit ist, auf dem Territorium der Ukraine so lange zu kämpfen, wie es ihr oberster Befehlshaber, der unheilvolle Putin, will. Und wir wissen, dass die ukrainische Armee über die offiziell anerkannten Staatsgrenzen ihres Landes hinausgehen kann. Das bedeutet, wir kämpfen auf unserem eigenen Territorium. Das bedeutet, dass Russland sein souveränes Territorium heute ganz anders verteidigt als vor Kursk. Und das bedeutet erneut, dass man eine solche Situation kaum noch einmal ausnutzen kann.

Doch erstaunlich war nicht das, nicht dass die Amerikaner von den Ukrainern hörten, diese könnten einer solchen Frontlinie zustimmen. Sondern dass auch Rubio – selbst Rubio, den man bis vor kurzem, bevor er in Trumps Team kam, für kompetent in der Außenpolitik halten konnte – ebenfalls meinte, wenn man den Russen territoriale Zugeständnisse anbiete, würden sie sich beruhigen. Das heißt, niemand in Trumps Umfeld versteht, dass der Präsident der Russischen Föderation, Putin, auf die Liquidierung der ukrainischen Staatlichkeit mit anschließender Angliederung der ehemaligen ukrainischen Gebiete an die Russische Föderation ausgerichtet ist und dass es für den Präsidenten Russlands, für die russische Armee, für das russische Volk keine anderen Wünsche gibt und in absehbarer Zukunft auch keine geben wird, solange dieses Land und diese Nation die Kraft haben werden, auf Gebiete vorzurücken, die jeder Russe als seine eigenen betrachtet.

Wie man sieht, unterscheidet sich die Haltung zur angeblichen „Russischkeit“ der Ukraine kaum zwischen fanatischen russischen Chauvinisten und Mördern einerseits und vielen ihrer Gegner andererseits. Nur glauben viele der Gegner – und das haben wir in diesem Jahr gesehen –, dass man die Ukraine nicht militärisch, sondern mit politisch-ökonomischen Methoden unterwerfen müsse, so wie Russland es in den 1990er-Jahren getan hat. Und die Ukrainer selbst begreifen nicht, dass ihr ganzes zukünftiges Leben, wenn es der Ukraine gelingt, als unabhängiger Staat zu bestehen, in einer erbitterten Konfrontation mit der Russischen Föderation verlaufen wird: wenn nicht militärisch, dann politisch; wenn nicht politisch, dann wirtschaftlich. Ruhe wird es hier niemals geben, bis entweder die Russische Föderation als einheitlicher Staat von der politischen Landkarte der Welt verschwindet – oder die Ukraine als einheitlicher Staat endgültig von der politischen Landkarte verschwindet.

Dieser Bolivar wird zwei slawische Völker, die in der Epoche des Verschwindens der Sowjetunion von der politischen Weltkarte zu erbitterten Feinden geworden sind, nicht tragen können. Und diese Feindschaft wird das Hauptmotiv ihres gesamten Daseins im 21. Jahrhundert sein. Wichtig ist nur, dass diese Feindschaft nicht in den Wunsch nach gegenseitiger Vernichtung umschlägt, so wie es heute dem Wunsch des russischen Präsidenten Putin und jener Russen entspricht, die noch immer mit der Sowjetunion leben und ihren Präsidenten aufrichtig in seinem Bestreben unterstützen, die Ukrainer zu bestrafen und von dem Land zu vertreiben, das sie für russisch halten.

Trump will all das überhaupt nicht verstehen. Und wir sehen das sehr deutlich. Und ein weiteres riesiges Problem Trumps, wie wir ebenfalls aus diesem Artikel erkennen, besteht darin, dass der amerikanische Präsident sich mit Menschen umgeben hat, die entweder ebenso inkompetent und unfähig sind, die Situation zu begreifen, wie er selbst, oder einfach Opportunisten sind, die Trump nichts sagen wollen, was das Bild des Präsidenten der Vereinigten Staaten von der Realität verändern könnte.

Und Trump selbst lebt in einer Irrealität. Er ist ein betagter primitiver Mensch, der überhaupt nicht begreift, wo er sich befindet. Und das sieht man in diesem Text. Und hier taucht in diesem Text unerwartet eine geradezu hamletische Gestalt auf – Trumps Sondergesandter Kellogg, der, wie wir sehen, der Ukraine aufrichtig mitfühlte, begeistert war vom Mut der Ukrainer und von ihrer Bereitschaft, gegen die russische Invasion zu kämpfen, und der Trump das alles ins Gesicht sagte, während alle anderen Mitarbeiter der Administration ihrem inkompetenten, gierigen Präsidenten nur nach dem Mund redeten – und Trump selbst Kellogg einen Idioten nannte, wenn dieser die Ukraine unterstützte.

Hier kann die Frage entstehen: Was ist da eigentlich passiert? Warum erlaubte sich Kellogg ein solches Verhalten? Weil Kellogg ein Überbleibsel der vorherigen Trump-Administration ist, eines der wenigen Überbleibsel. Denn Kellogg diente in Trumps erster Regierung. Und wir müssen verstehen, worin sich diese frühere Trump-Administration von der heutigen unterscheidet. Bei seinem ersten Amtsantritt war Trump eine völlig zufällige Figur in der Politik, ein Mensch, dessen Charisma und Popularität unter dem primitivsten Teil der US-Bevölkerung von der republikanischen Elite genutzt wurden, um die Macht nach der – aus der Sicht vieler Menschen – triumphalen Präsidentschaft Barack Obamas zurückzuerobern. Auch Obama nutzte im Grunde dieselben Mittel des Charismas wie Donald Trump, nur von der anderen Seite. Und im Duell mit Hillary Clinton, die für viele Amerikaner geradezu die Verkörperung der Elitepolitik war, gewann Trump, weil er sozusagen Obama von rechts war. Und die Republikaner verstanden das, als sie gerade auf ihn setzten.

Gleichzeitig konnte Trump die Stimmungen des republikanischen Establishments nicht ignorieren – eines Establishments, das zwar konservativer war als vor dem Trumpismus, aber dennoch institutionell, vorsichtig und, wenn Sie wollen, antirussisch. Deshalb trafen die Vorwürfe, dass der russische Präsident Putin an Trumps Wahlsieg interessiert gewesen sei, das republikanische Establishment hart und zwangen alle um Trump herum, diese Situation auch durch eine reale Abgrenzung von Moskau auszugleichen – selbst dann, wenn Trump selbst, wie wir sehen, aus ehrlicher Neigung zu Diktatoren und Autoritären zu einem Einvernehmen mit Putin tendierte.

In dieser Situation war Trump also gezwungen, vorsichtig zu sein. Und unter denen, die ihm in dieser Zeit dienten, war Kellogg. Praktisch niemand aus dieser früheren Administration gelangte in Trumps Umfeld, nachdem er zum zweiten Mal Präsident der Vereinigten Staaten wurde, weil Trump endgültig beschlossen hatte, erstens auf Menschen mit denselben ultrarechten, radikal rechten Ansichten zu setzen und zweitens auf Menschen, die ihm in nichts widersprechen würden, selbst wenn sie eine andere Meinung haben.

Und Kellogg, der an ein anderes Verhalten in der ersten Trump-Administration gewöhnt war, wurde sofort zum Außenseiter mit völlig unklaren Befugnissen, eher zu einer Figur zur Beruhigung von Kyiv und Europa. Er sagte Trump weiterhin unbequeme Dinge, was schließlich zu seiner Entlassung führte, die in den ersten Tagen des Jahres 2026 stattfinden wird. Aber Kellogg kann sich ein solches Verhalten erlauben, weil er – wie Trump – 80 Jahre alt ist, und weil er auf eine andere Position in der Administration gehofft hatte. Er war ehrgeizig und glaubte, Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten oder Berater für nationale Sicherheit werden zu können. Wie wir wissen, wurden all diese Posten von Menschen ganz anderen Zuschnitts besetzt. Und wir sehen, dass im Grunde niemand in der amerikanischen Administration bereit ist, Trumps Vorstellungen darüber, wie der Konflikt enden soll, wirklich zu widersprechen.

Wir sehen noch eine weitere erstaunliche Sache: wie sehr Trump die Situation nicht mit politischen, sondern, sagen wir, mit persönlichen Kategorien analysiert. Es gibt eine großartige Geschichte. In einem der Verhandlungsmomente spricht Trump mit Zelensky und erwähnt – wie das bei älteren Ausländern so oft der Fall ist –, wie schön die ukrainischen Frauen sind. Und Trump sagt das als jemand, der bekanntlich viel Erfahrung mit der Organisation von Schönheitswettbewerben hat. Übrigens könnten ihn gerade diese Wettbewerbe einst in die Arme der russischen Mafia geführt haben, die an ihrer Organisation beteiligt war. Und damit könnte auch Trumps berühmter Besuch in Moskau zusammenhängen, über den so viele Verschwörungstheorien existieren. Und während des Gesprächs mit Zelensky erwähnt Trump, dass einer seiner Geschäftspartner eine ukrainische Frau geheiratet hat, die Teilnehmerin dieses Schönheitswettbewerbs war. Sie stammt aus Odessa. In Zelenskys Beisein ruft er diesen Geschäftspartner an. Über Lautsprecher spricht er mit dieser Frau, der Schönheitskönigin. Und diese Ukrainerin, die mit Zelensky auf Ukrainisch spricht, erzählt, dass ihre Familie weiterhin in Odessa unter russischem Beschuss lebt und dass ihr Vater die Stadt nicht Putin überlassen will. Und dieses Gespräch verändert Trumps Einstellung zur Situation völlig. Man muss dieser Frau, Oleksandra Nikolajenko, dankbar sein für die Haltung, die sie in diesem Telefon-Briefing mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und dem Präsidenten der Ukraine einnahm. So konnte sie die Atmosphäre im Verhandlungsraum verändern. Aber das ist eine Atmosphäre des Zufalls. Hätte Oleksandra Nikolajenko sich anders verhalten oder hätte man sie nicht erreicht, hätte Trump auf seiner hartnäckigen Position bleiben können, die er vor diesem Anruf hatte.

Und solche Beispiele gibt es im Material der New York Times in großer Zahl. Wir sehen, wie sich ein Mensch vor Trump anbiedert, der eigentlich an die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten und an die Sicherheit seines Landes denken müsste – der Verteidigungsminister Pete Hegseth: wie er Berufsoffiziere aus dem Pentagon hinauswirft und damit die amerikanische Armee schwächt, reale Tendenzen für ihre Niederlage im Falle eines möglichen Zusammenstoßes mit den Chinesen oder den Russen schafft. Er wirft genau jene Leute hinaus, die über die russische Gefahr sprechen, weil er fürchtet, dass Trump sich beleidigt fühlen könnte, wenn er diese Aussagen amerikanischer Generäle hört, die sie im Kongress machen, und Hegseth dann seinen ersehnten Posten verlieren könnte. Und es werden mehrere Episoden beschrieben, in denen Hegseth den Rücktritt von Berufsoffizieren fordert, die völlig logische, realistische Schlussfolgerungen über die russische Gefahr für die Vereinigten Staaten ziehen.

Im Grunde sehen wir also kein sensationelles Dokument. Wir sehen eine Recherche, die einfach das Fiasko dieser Administration auf der russisch-amerikanischen und der amerikanisch-ukrainischen Spur zugleich zusammenfasst. Putin ist es gelungen, Trump hereinzulegen – nicht, weil Putin irgendwelche raffinierten Manöver vollzog, sondern weil Putin sah, dass Trump selbst zu dieser Täuschung bereit war, mehr noch, sie suchte, in der Situation, die sich zwischen Moskau und Washington entwickelt hatte.

Welche Schlussfolgerungen kann man daraus ziehen? Erstens muss man verstehen, dass im Jahr 2026 vieles von Europa und von der Ukraine abhängen wird, von unserer Bereitschaft, Russland zu widerstehen in einer Lage, in der die Vereinigten Staaten weiterhin eine ziemlich seltsame Haltung gegenüber Putin einnehmen werden – für ein Land, das eigentlich Führer der demokratischen Welt sein sollte oder aber in das Lager der autoritären Länder abrutscht, gerade weil sein Führer im Kern ultrarechte Ansichten vertritt. Und deshalb können nicht nur Putins Geld, sondern auch Putins Ansichten und Putins Imperialismus Anziehungskraft haben.

Zweitens muss man begreifen, dass selbst wenn die Demokraten im November 2026 einen gewissen politischen Revanche-Erfolg erzielen – und bis November 2026 muss man in dieser Atmosphäre des endlosen Krieges erst einmal überleben –, das keine ernsthafte Veränderung der außenpolitischen Situation der Vereinigten Staaten bedeuten wird. Wahrscheinlich werden die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus gewinnen, aber bislang ist unklar, ob sie durch Nachwahlen auch die Kontrolle über den Senat erlangen können. Das würde Trumps politische Lage sehr schwierig machen und Bedingungen für ein echtes Amtsenthebungsverfahren gegen den amerikanischen Präsidenten im Jahr 2027 schaffen, später vielleicht auch gegen den Vizepräsidenten J. D. Vance.

Doch solche realen politischen Möglichkeiten gibt es nicht, weil eine einzige Kammer zwar ein Impeachment erklären kann, aber nur symbolisch. Trump hatte bereits zwei solcher symbolischen Amtsenthebungen. Wenn die Republikaner den Senat kontrollieren, werden sie ihren Präsidenten verteidigen, denn ohne ihn sind sie niemand und nichts. Und überhaupt ist unklar, ob sie Amerika ohne Donald Trump an der Spitze regieren könnten. Also wird die Außenpolitik der Vereinigten Staaten ein Hin- und Herschwanken bleiben – mit dem offensichtlichen Wunsch, Putin zu schmeicheln, und der Unmöglichkeit, dies offen zu tun, weil die Mehrheit von Trumps Basis nicht Putin, sondern die Ukraine unterstützt. Das wird sich durch das ganze Jahr 2026 und möglicherweise auch 2027 fortsetzen. Im Grunde plant der russische Präsident, diese Situation bis Januar 2029 auszuhalten, um Donald Trump zu überdauern.

Dann müssen wir noch eine recht einfache Sache verstehen, die schwer eindeutig auszusprechen ist, aber verstanden werden muss. Wir sind keine Ärzte und stellen Donald Trump keine Diagnosen. Das ist die Aufgabe derjenigen, die reale medizinische Untersuchungen dieses nicht mehr jungen Menschen durchführen. Die Frage ist nicht die Diagnose. Die Frage ist unser Verständnis dafür, dass der Präsident der Vereinigten Staaten einer enormen Menge an Stress ausgesetzt ist. Das ist eine Arbeit, die real erschöpft. Selbst wenn man die Hälfte der Zeit Golf spielt, muss man Entscheidungen durchdenken, die wegweisend sind – für einen selbst, für das Land, für die Welt. Bei Donald Trump wird das dadurch verschärft, dass er glauben kann, falsche Entscheidungen könnten ihn seiner eigenen Freiheit berauben: Wenn er die Demokraten wieder an die Macht lässt, werden sie alles tun, um ihn erneut vom Präsidenten der Vereinigten Staaten zum Angeklagten zu machen. Es geht also darum, ob er sein Leben im eigenen Bett oder im Gefängnis beenden wird. Die Einsätze sind für ihn – und für viele in seinem Umfeld – enorm hoch.

Das bedeutet, man muss sich ständig in die Lösung sehr schwieriger Fragen vertiefen. Und in einer solchen Situation, wie wir alle verstehen, kommt es zu einem schnellen Zerfall der Persönlichkeit, zu einem physischen Zerfall. Wenn man 40, 55 oder 60 ist, kann man das viel besser ertragen als mit 80 – selbst wenn man dieses Alter in recht guter körperlicher Verfassung erreicht hat. Wir haben gesehen, was mit älteren Präsidenten der Vereinigten Staaten geschah: was mit Ronald Reagan am Ende seiner zweiten Amtszeit passierte, was mit Joseph Biden am Ende seiner Amtszeit geschah, was ihn zwang, aus dem Wahlkampf auszusteigen. Jetzt haben wir es mit einem Menschen zu tun, der älter ist als Reagan und Biden. Und wir sehen, wie schnell dieser Mensch buchstäblich vor unseren Augen seine Arbeitsfähigkeit verliert, wie er in Kabinettssitzungen einschläft. Darüber sollte man nicht lachen, denn es sind Alter und Stress, die Donald Trump mit unglaublicher Geschwindigkeit zerstören.

Denn wenn er die Präsidentschaftswahlen 2024 verloren hätte, selbst wenn er sich in Gerichtsverfahren hätte verteidigen müssen, hätte er ein viel längeres, viel ruhigeres Leben geführt als das, das er nach seinem Sieg führen wird. Denn jedes Jahr im Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zählt wie fünf – und mit 80 muss man begreifen, was für ein Hammer das ist, der jeden einzelnen Tag auf den Organismus einschlägt.

Deshalb müssen wir uns auf die unerquicklichsten Entscheidungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten vorbereiten, auf die unglaublichsten Fehler des Präsidenten der Vereinigten Staaten – und darauf, dass es neben ihm niemanden geben wird, der fähig ist, ihn auf diese Fehler hinzuweisen, weil er von inkompetenten Menschen oder Opportunisten umgeben ist, die nur auf seinen Zusammenbruch warten, um selbst seinen Platz einzunehmen. Nicht auf einen politischen, sondern auf einen physischen Zusammenbruch.

Und deshalb wird das Jahr 2026 in Bezug auf das Verhalten Donald Trumps schwieriger sein als 2025 – Sie werden es sehen. Und 2027 schwieriger als 2026. Wir gehen in dunkle Dickichte, in denen man sich selbst mit einer Taschenlampe in der Hand verirren kann. Und das ist auch aus dem Text ersichtlich, der heute in der New York Times veröffentlicht wurde. Das bedeutet, wir dürfen uns keine Illusionen über die Möglichkeit eines schnellen Endes des russisch-ukrainischen Krieges in nächster Zeit machen. Auch wenn man darauf hoffen sollte – vielleicht fehlt Russland einfach die Kraft, ihn weiterzuführen. Das werden wir bald sehen.

Wir müssen verstehen, welche Ressourcen es für den ukrainischen und den europäischen Widerstand gegen die russische Expansion gibt, die sich in den 2020er-Jahren des 21. Jahrhunderts nur noch ausweiten wird. Wir müssen verstehen, welches Team heute im Weißen Haus sitzt. Und jede Verallgemeinerung der Handlungen dieses Teams und das Verständnis, dass es einfache Dinge aufrichtig nicht versteht – es stellt sich nicht nur dumm –, ist besonders wichtig. Denn mit Zynikern lässt sich viel leichter verhandeln als mit Menschen, die ehrlich nicht begreifen, worin das Problem besteht. Das ist die Realität, in der wir leben. Und deshalb habe ich mich in dieser letzten Sendung des Jahres 2025 entschieden, Ihre Aufmerksamkeit auf diesen bedeutsamen Text zu lenken, der noch lange zitiert und zu verstehen versucht werden wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Як Путін обманув Трампа | Віталій Портников. 31.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 31.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Der Kreml nutzt die „Attacke auf Walday“ aus | Vitaly Portnikov. 30.12.2025.

Der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, bezeichnete die Aussagen derjenigen als Wahnsinn, die vom Kreml Beweise dafür verlangen, dass ukrainische Drohnen tatsächlich auf die Residenz des Präsidenten Russlands, Putin, in Walday gerichtet gewesen seien.

Peskow weigerte sich außerdem zu sagen, wo sich der Präsident der Russischen Föderation aufhält, und betonte, dass es unter den gegebenen Umständen überhaupt unangebracht sei, solche Fragen zu stellen.

Und in dieser Antwort des Putin-Pressesprechers steckt eine eigene Logik. Denn sollte sich herausstellen, dass Putin sich zum Zeitpunkt des angeblichen Beschusses, den der Kreml verbreitete, weit entfernt von Walday befand, würde sich sofort die Frage stellen, warum die russische Führung dann mit solcher Hysterie über einen möglichen Angriff auf Putins Residenz berichtet hat.

Auch darüber, wie sich der Ansatz Russlands zum sogenannten Verhandlungsprozess über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges ändern werde, sagte Peskow nichts. Und das ist aus der Sicht der Russischen Föderation völlig logisch, denn für Russland gab es nie einen wirklichen Friedensprozess – es gab nur den Wunsch, Zeit zu gewinnen und sich nicht mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu zerstreiten, um neue Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern und die Möglichkeit zur Fortsetzung der Kampfhandlungen zu behalten.

Besonders актуell wurde das nach dem Gipfel zwischen Putin und Trump in Anchorage, als der amerikanische Präsident faktisch auf die Positionen seines russischen Kollegen überging und zustimmte, dass ein Waffenstillstand nicht der Beginn, sondern der Höhepunkt eines Friedensprozesses sein müsse. Seitdem, so kann man sagen, handelt Trump nach dem Drehbuch Putins und erlaubt dem russischen Präsidenten, seinen grausamen und ungerechten Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen.

Übrigens vergaß Peskow auch nicht, den Journalisten mitzuteilen, dass der Dialog mit Trump in einem freundlichen Ton weitergeführt werde, und zeigte damit einmal mehr, dass genau dies das Hauptziel der russischen politischen Führung gewesen ist.

Und aus dieser Perspektive ist offensichtlich, dass die Geschichte von Walday von Vertretern der russischen politischen Führung genau zu dem Zweck erfunden wurde, damit Putin die Möglichkeit hat, Trump keine Antworten auf die Ergebnisse des letzten Treffens des amerikanischen Präsidenten mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky in Mar-a-Lago geben zu müssen.

Einen besseren Vorwand, sich jeder Antwort auf die Fragen zu entziehen, mit welchen in Mar-a-Lago abgestimmten Vorschlägen Putin einverstanden ist, kann man sich kaum vorstellen.

Man sollte sich daran erinnern, dass Putins Berater Juri Uschakow, als er das letzte Telefongespräch zwischen Trump und Putin kommentierte, betonte, die zwischen Trump und Zelensky erzielten Vereinbarungen würden die Lösung der Frage des Endes des russisch-ukrainischen Krieges nicht näherbringen. Und das ist im Grunde alles, was man über die Motive wissen muss, von denen Putin und sein engstes Umfeld geleitet waren, als sie die Provokation von Walday erfanden.

Natürlich ist das nicht mit den Explosionen von Wohnhäusern in Moskau und anderen russischen Städten zu vergleichen, die Putin erlaubten, seine Popularität stark zu steigern und zu Beginn des neuen Jahrtausends in Russland an die Macht zu kommen, aber es ist dennoch eine Provokation, die einen Vergleich mit jenen Aktionen des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation verdient, dessen Vertreter im Kreml Putin war, ist und bleiben wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Provokation ist, dass man in Moskau natürlich überprüfen wollte, wer Putins Worten glaubt und wer zumindest irgendwelche formalen Beweise für die Realität des angeblichen Beschusses der Residenz des Präsidenten der Russischen Föderation durch ukrainische Drohnen abwarten würde.

Und ich denke, am angenehmsten für den Kreml war, dass sich Donald Trump empörte, der zwar keinerlei Beweise von Putin erhielt und während seines Treffens mit Journalisten sogar sagte, dass es einen solchen Beschuss vielleicht gar nicht gegeben habe, dennoch aber keine Worte sparte, als er darüber sprach, wie seine Friedensbemühungen torpediert worden seien und wie gut es sei, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine keine Tomahawk-Raketen geliefert hätten.

Und natürlich sehen wir eine solche Bewertung der Situation nicht nur von Donald Trump allein. Wir sehen, dass auch die Führer der sogenannten Länder des globalen Südens, die faktische Sponsoren des russischen Krieges gegen die Ukraine sind, versuchen, die Situation zu nutzen, um ihre Loyalität gegenüber Putin zu demonstrieren. Mit einem entsprechenden Beitrag in den sozialen Netzwerken meldete sich zum Beispiel der indische Premierminister Narendra Modi zu Wort, der seine tiefe Besorgnis über den Beschuss äußerte, über dessen Realität er, da bin ich sicher, keinerlei Informationen besitzt.

Aber warum sollte uns das überraschen, wenn gerade die Käufe russischen Öls durch Indien es Putin ermöglicht haben, nach den westlichen Sanktionen das wirtschaftliche Gleichgewicht zu bewahren und in den kommenden Jahren die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges zu planen?

Sowohl die Haltung Modis als auch die Position anderer Politiker des globalen Südens sollte nicht überraschen, sondern daran erinnern, dass sich in der Welt faktisch zwei Lager von Staaten gebildet haben. Das eine respektiert das internationale Recht und betrachtet menschliches Leben als Wert, das andere spuckt auf dieses internationale Recht und schert sich überhaupt nicht um den Wert menschlichen Lebens.

Der russisch-ukrainische Krieg hat diese Trennlinie deutlich gezeigt, die mit einer großen, zerstörerischen Kriegskonfrontation im 21. Jahrhundert schwanger geht. Und die wichtigste Frage ist heute nicht einmal, dass sich diese beiden Lager herausgebildet haben und sich auf einen möglichen Zusammenstoß vorbereiten. Die wichtigste Frage ist, auf wessen Seite die Vereinigten Staaten stehen werden und wie lange ihr Präsident noch davor zurückschrecken wird, diese Realität zu erkennen, die inzwischen zur zentralen Tendenz der modernen Welt geworden ist und die die demokratischen Länder dazu drängt, nach einem Ausweg aus dieser schwierigen Situation zu suchen.

Wenn Donald Trump ohne jede kritische Distanz die Meldungen aus Moskau akzeptiert, wenn er auf Pressekonferenzen davon spricht, wie sehr Russland der Ukraine Erfolg wünscht, während es sie buchstäblich vor den Augen des amerikanischen Präsidenten und seiner von Trumps Verhalten überraschten Landsleute zerstört, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten Sympathien für autoritäre Herrscher zeigt und seine Verbündeten in Europa und Nordamerika mit Verachtung behandelt, dann kann der Zusammenstoß der Zivilisationen, dessen Zeugen und Teilnehmer wir bald werden, zu einer weitaus ernsteren und unangenehmeren Prüfung werden, als in einer Situation, in der die größte demokratische Nation der Welt autoritäre Diktaturen von Beginn an von einem großen, zerstörerischen Krieg auf mehreren Kontinenten zugleich abgehalten hätte.

Und solche Geschichten wie die Desinformation über einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz sind ein durchaus brauchbares Lackmuspapier, mit dem man die Positionen aller Beteiligten in dieser Geschichte bewerten kann.sidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, bezeichnete die Aussagen derjenigen als Wahnsinn, die vom Kreml Beweise dafür verlangen, dass ukrainische Drohnen tatsächlich auf die Residenz des Präsidenten Russlands, Putin, in Walday gerichtet gewesen seien.

Peskow weigerte sich außerdem zu sagen, wo sich der Präsident der Russischen Föderation aufhält, und betonte, dass es unter den gegebenen Umständen überhaupt unangebracht sei, solche Fragen zu stellen.

Und in dieser Antwort des Putin-Pressesprechers steckt eine eigene Logik. Denn sollte sich herausstellen, dass Putin sich zum Zeitpunkt des angeblichen Beschusses, den der Kreml verbreitete, weit entfernt von Walday befand, würde sich sofort die Frage stellen, warum die russische Führung dann mit solcher Hysterie über einen möglichen Angriff auf Putins Residenz berichtet hat.

Auch darüber, wie sich der Ansatz Russlands zum sogenannten Verhandlungsprozess über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges ändern werde, sagte Peskow nichts. Und das ist aus der Sicht der Russischen Föderation völlig logisch, denn für Russland gab es nie einen wirklichen Friedensprozess – es gab nur den Wunsch, Zeit zu gewinnen und sich nicht mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump zu zerstreiten, um neue Sanktionen gegen die Russische Föderation zu verhindern und die Möglichkeit zur Fortsetzung der Kampfhandlungen zu behalten.

Besonders aktuell wurde das nach dem Gipfel zwischen Putin und Trump in Anchorage, als der amerikanische Präsident faktisch auf die Positionen seines russischen Kollegen überging und zustimmte, dass ein Waffenstillstand nicht der Beginn, sondern der Höhepunkt eines Friedensprozesses sein müsse. Seitdem, so kann man sagen, handelt Trump nach dem Drehbuch Putins und erlaubt dem russischen Präsidenten, seinen grausamen und ungerechten Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen.

Übrigens vergaß Peskow auch nicht, den Journalisten mitzuteilen, dass der Dialog mit Trump in einem freundlichen Ton weitergeführt werde, und zeigte damit einmal mehr, dass genau dies das Hauptziel der russischen politischen Führung gewesen ist.

Und aus dieser Perspektive ist offensichtlich, dass die Geschichte von Walday von Vertretern der russischen politischen Führung genau zu dem Zweck erfunden wurde, damit Putin die Möglichkeit hat, Trump keine Antworten auf die Ergebnisse des letzten Treffens des amerikanischen Präsidenten mit seinem ukrainischen Amtskollegen Volodymyr Zelensky in Mar-a-Lago geben zu müssen. Einen besseren Vorwand, sich jeder Antwort auf die Fragen zu entziehen, mit welchen in Mar-a-Lago abgestimmten Vorschlägen Putin einverstanden ist, kann man sich kaum vorstellen.

Man sollte sich daran erinnern, dass Putins Berater Juri Uschakow, als er das letzte Telefongespräch zwischen Trump und Putin kommentierte, betonte, die zwischen Trump und Zelensky erzielten Vereinbarungen würden die Lösung der Frage des Endes des russisch-ukrainischen Krieges nicht näherbringen. Und das ist im Grunde alles, was man über die Motive wissen muss, von denen Putin und sein engstes Umfeld geleitet waren, als sie die Provokation von Walday erfanden.

Natürlich ist das nicht mit den Explosionen von Wohnhäusern in Moskau und anderen russischen Städten zu vergleichen, die Putin erlaubten, seine Popularität stark zu steigern und zu Beginn des neuen Jahrtausends in Russland an die Macht zu kommen, aber es ist dennoch eine Provokation, die einen Vergleich mit jenen Aktionen des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation verdient, dessen Vertreter im Kreml Putin war, ist und bleiben wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Provokation ist, dass man in Moskau natürlich überprüfen wollte, wer Putins Worten glaubt und wer zumindest irgendwelche formalen Beweise für die Realität des angeblichen Beschusses der Residenz des Präsidenten der Russischen Föderation durch ukrainische Drohnen abwarten würde.

Und ich denke, am angenehmsten für den Kreml war, dass sich Donald Trump empörte, der zwar keinerlei Beweise von Putin erhielt und während seines Treffens mit Journalisten sogar sagte, dass es einen solchen Beschuss vielleicht gar nicht gegeben habe, dennoch aber keine Worte sparte, als er darüber sprach, wie seine Friedensbemühungen torpediert worden seien und wie gut es sei, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine keine Tomahawk-Raketen geliefert hätten.

Und natürlich sehen wir eine solche Bewertung der Situation nicht nur von Donald Trump allein. Wir sehen, dass auch die Führer der sogenannten Länder des globalen Südens, die faktische Sponsoren des russischen Krieges gegen die Ukraine sind, versuchen, die Situation zu nutzen, um ihre Loyalität gegenüber Putin zu demonstrieren. Mit einem entsprechenden Beitrag in den sozialen Netzwerken meldete sich zum Beispiel der indische Premierminister Narendra Modi zu Wort, der seine tiefe Besorgnis über den Beschuss äußerte, über dessen Realität er, da bin ich sicher, keinerlei Informationen besitzt.

Aber warum sollte uns das überraschen, wenn gerade die Käufe russischen Öls durch Indien es Putin ermöglicht haben, nach den westlichen Sanktionen das wirtschaftliche Gleichgewicht zu bewahren und in den kommenden Jahren die Fortsetzung des russisch-ukrainischen Krieges zu planen?

Sowohl die Haltung Modis als auch die Position anderer Politiker des globalen Südens sollte nicht überraschen, sondern daran erinnern, dass sich in der Welt faktisch zwei Lager von Staaten gebildet haben. Das eine respektiert das internationale Recht und betrachtet menschliches Leben als Wert, das andere spuckt auf dieses internationale Recht und schert sich überhaupt nicht um den Wert menschlichen Lebens.

Der russisch-ukrainische Krieg hat diese Trennlinie deutlich gezeigt, die mit einer großen, zerstörerischen Kriegskonfrontation im 21. Jahrhundert schwanger ist. Und die wichtigste Frage ist heute nicht einmal, dass sich diese beiden Lager herausgebildet haben und sich auf einen möglichen Zusammenstoß vorbereiten. Die wichtigste Frage ist, auf wessen Seite die Vereinigten Staaten stehen werden und wie lange ihr Präsident noch davor zurückschrecken wird, diese Realität zu erkennen, die inzwischen zur zentralen Tendenz der modernen Welt geworden ist und die die demokratischen Länder dazu drängt, nach einem Ausweg aus dieser schwierigen Situation zu suchen.

Wenn Donald Trump ohne jede kritische Distanz die Meldungen aus Moskau akzeptiert, wenn er auf Pressekonferenzen davon spricht, wie sehr Russland der Ukraine Erfolg wünscht, während es sie buchstäblich vor den Augen des amerikanischen Präsidenten und seiner von Trumps Verhalten überraschten Landsleute zerstört, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten Sympathien für autoritäre Herrscher zeigt und seine Verbündeten in Europa und Nordamerika mit Verachtung behandelt, dann kann der Zusammenstoß der Zivilisationen, dessen Zeugen und Teilnehmer wir bald werden, zu einer weitaus ernsteren und unangenehmeren Prüfung werden, als in einer Situation, in der die größte demokratische Nation der Welt autoritäre Diktaturen von Beginn an von einem großen, zerstörerischen Krieg auf mehreren Kontinenten zugleich abgehalten hätte.

Und solche Geschichten wie die Desinformation über einen angeblichen Angriff auf Putins Residenz sind ein durchaus brauchbares Lackmuspapier, mit dem man die Positionen aller Beteiligten in dieser Geschichte bewerten kann.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Кремль експлуатує «атаку на Валдай» | Віталій Портников. 30.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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„Der Angriff auf Waldai“ und der Friedensprozess | Vitaly Portnikov. 29.12.2025.

Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, beschuldigt die Ukraine, die Residenz des Präsidenten Russlands, Putin, in Waldai angegriffen zu haben. Putin selbst erzählt dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump von diesem Angriff. Und Trump sagt, dass er mit diesem Angriff sehr unzufrieden sei. „Jetzt ist definitiv nicht der Zeitpunkt für so einen Angriff.“ Als Journalisten Trump fragen, ob er Putins Informationen glaube – schließlich verfügt der amerikanische Präsident über Geheimdienste, die diese Region ständig beobachten –, sagt Trump: „Nun, wenn Sie sagen, dass es den Angriff vielleicht gar nicht gegeben hat, ist das meiner Meinung nach auch möglich, aber Putin hat mir das heute Morgen gesagt.“

Eine absolut erstaunliche Situation – man könnte sogar sagen, eine anekdotische –, wenn die Russen nicht mit einem neuen massiven Schlag gegen die Ukraine als „Antwort“ auf den Schlag gegen Putins Residenz in Waldai drohen würden. Ein Schlag, den es höchstwahrscheinlich gar nicht gegeben hat. Ein Schlag, den es nicht gab. Und nun entsteht die Frage: Wozu das alles?

Und auf diese Frage gibt es eine ziemlich einfache Antwort. Seit gestern Abend, seit der gestrigen Nacht, als ich die Pressekonferenz von Trump und Volodymyr Zelensky nach ihrem Treffen in Mar-a-Lago gesehen habe, habe ich darüber nachgedacht, wie Putin jetzt handeln wird, um den Verhandlungsprozess zu bremsen.

Ja, offensichtlich haben sich der amerikanische und der ukrainische Präsident in einigen grundsätzlichen Punkten nicht geeinigt, aber sie haben sich nicht zerstritten. Sie haben zugestimmt, die gemeinsame Arbeit fortzusetzen. Sie haben zugestimmt, eine gemeinsame Gruppe zu schaffen, die vor allem die Frage der Sicherheitsgarantien der Vereinigten Staaten für die Ukraine diskutieren wird.

Und es ergab sich eine Situation, in der Putin irgendwie auf die Ergebnisse der amerikanisch-ukrainischen und amerikanisch-ukrainisch-europäischen Konsultationen reagieren muss. Aber seine Aufgabe ist nicht, auf die Ergebnisse dieser Konsultationen zu reagieren, sondern den Krieg fortzusetzen. Denn er hat diesen gesamten Verhandlungsprozess überhaupt nur begonnen, um den Krieg fortzusetzen. Kein Wunsch, ihn zu stoppen, existierte beim russischen Präsidenten, existiert nicht und wird in absehbarer Zukunft auch nicht existieren.

Gleichzeitig darf er sich aber nicht mit Trump streiten. Trump soll ihm nicht vorwerfen, den Verhandlungsprozess zu sabotieren. Was also tun?

Wie Sie sich erinnern, sah das – ich würde sagen – „Protokoll“ der Ereignisse, die gestern der Reihenfolge nach stattfinden sollten, so aus: Zelensky spricht mit europäischen Staats- und Regierungschefs, Trump spricht mit Putin, danach findet das Treffen von Trump und Zelensky in Mar-a-Lago statt. Danach findet ein Gespräch von Trump und Zelensky mit europäischen Führungskräften statt. Und dann, nach Trumps eigenen Worten, sollte noch sein Gespräch mit Putin stattfinden.

Was fehlte gestern in diesem Ablauf? Es gab kein Gespräch zwischen Trump und Putin. Richtig? Denn der russische Präsident wich dem Gespräch mit dem amerikanischen aus. Wie genau das geschah, können wir nicht wissen. Im Prinzip hätte der Kreml einfach mitteilen können, dass es bereits 2 Uhr nachts Moskauer Zeit sei und der Präsident der Russischen Föderation schon schläft. Ein nicht mehr junger Mensch, er müsse ausschlafen. Oder man hätte dem Präsidenten der Vereinigten Staaten einfach antworten können, dass der Präsident der Russischen Föderation im Moment nicht mit ihnen sprechen könne.

Und praktisch die ganze Nacht – glauben Sie mir – hat Putin nicht geschlafen, sondern zusammen mit Mitarbeitern des russischen Präsidenten darüber nachgedacht, wie man das Tempo dieses Prozesses senken und zu dem Punkt zurückkehren kann, an dem sie waren: zur Veröffentlichung der Details jenes „Friedensplans“ im Medium Axios, den Juri Uschakow Kirill Dmitrijew diktiert hatte, um Steve Witkoff und Jared Kushner in die Irre zu führen.

Denn das war eine Spezialoperation. Und Uschakow fragte Dmitrijew Kirill keineswegs zufällig: „Und was passiert, wenn wir irgendeinen Friedensplan schreiben und sie ihn überarbeiten, umformatieren, ihre eigenen Punkte einfügen und dann sagen: Das ist unserer? Wie kommen wir dann aus dieser Situation heraus?“

Nun, so wie sie immer herausgekommen sind. Man muss sagen: Diese Leute, schon weil sie am Andropow-Institut ausgebildet wurden, erfinden nie etwas Neues. Das ist ungefähr dieselbe Situation wie die Hausexplosionen in Moskau und anderen russischen Städten während des Zweiten Tschetschenienkrieges.

Wie rechtfertigt man die flächendeckende Zerstörung Grosnys? Und überhaupt all die barbarischen Handlungen, die die Russen in Tschetschenien begangen haben? Man muss die russische Gesellschaft in einen Zustand der Ohnmacht versetzen. Man muss ihr zeigen, wie gefährlich das weitere Bestehen der tschetschenischen Frage als solcher und eines souveränen Tschetscheniens sein kann.

Hier ist es dasselbe. „Wie erklären wir Donald Trump, dass wir uns mit der Lösung von Fragen nicht beeilen, die im Grunde bereits von ihm und Zelensky gelöst wurden? Warum geben wir auf die Fragen, die vor uns aufgetaucht sind, keine klare Antwort? Und warum wollen wir überhaupt unsere Verhandlungsposition ändern? Aus welchem Grund denn?“

„Dann sagen wir doch, Putins Residenz sei beschossen worden. Zumal wir es mit einem Menschen zu tun haben, der bereit ist zu glauben, was man ihm sagt, aus dem einfachen Grund, dass auch dieser Mensch aus dieser Situation herauswill.“ Denn Trump verhält sich völlig unangemessen. Wenn Sie bemerken: Putin hat ihm im Telefonat etwas erzählt. Trump wurde sehr wütend. Er sagte, es sei gut, dass er keine Tomahawks gegeben habe.

Das zitierte zunächst der Helfer des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow. Später sagte Trump es selbst im Gespräch mit Journalisten. Er sagt: „Das ist eine heikle Phase. Eine Sache ist, anzugreifen, eine andere ist, sein Haus anzugreifen. Ich war sehr wütend.“ Und dann die völlig logische Frage: „Und warum glauben Sie das, Herr Präsident?“ Zumal die Ukraine das bestritten und betont hat, dass es keinen Angriff gab.

Die Russen konnten nicht einmal ihre eigenen Anschuldigungen mit der Mitteilung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation abstimmen. Lawrow nennt eine Zahl von Drohnen, die sich angeblich in der Oblast Nischni Nowgorod befanden, und das russische Verteidigungsministerium nennt eine völlig andere Zahl. Und dann stellt sich die Frage: Wer sagt die Wahrheit – Lawrow oder das Verteidigungsministerium?

Und überhaupt: Warum spricht nicht der Chef des Generalstabs der russischen Streitkräfte oder der Verteidigungsminister Russlands über den Beschuss von Putins Residenz, sondern der Außenminister? Weil es hier gerade um den diplomatischen Dialog mit den Amerikanern geht – und aus dem muss man irgendwie herauskommen.

Und im Grunde ist zwischen Trump und Putin diesbezüglich bereits ein Einverständnis gefunden. Und es stellt sich die Frage: Wird die amerikanische Seite diese Sache überhaupt untersuchen, und wird Trump bereit sein, Putin der Lüge zu bezichtigen? Auch das ist eine gute Frage, auf die es sich lohnt, eine Antwort zu finden.

Zumal Trump heute Abend ohnehin mit einer anderen schwierigen Frage beschäftigt sein wird. Wie ich Ihnen bereits gesagt habe, trifft er sich heute mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Und das ist ebenfalls eine sehr komplizierte Geschichte für Trump, weil der Krieg im Nahen Osten tatsächlich nicht endet und nicht endet. Das ist ebenfalls ein reales Problem. Und genau in diesen Minuten – wie Sie verstehen – findet dieses Treffen mit Netanjahu statt. Und gerade während dieses Treffens spricht Trump über die Geschichte mit dem Gespräch mit Putin.

Wenn wir also vom amerikanischen Präsidenten hören: „Vielleicht ist der Angriff nicht so passiert, aber Putin hat mir gesagt, dass er stattgefunden hat“, dann spiegelt das wider, dass Putin einen ziemlich guten „Klienten“ hat – einen, der einfach bereit ist zu glauben, was Putin ihm erzählt.

Aber es kann auch eine andere Situation geben. Nach dem gestrigen Treffen mit Zelensky könnte Trump verstanden haben, dass er dieses Problem nicht schnell lösen kann. Die Ukraine – und wir haben das in den heutigen Aussagen von Präsident Volodymyr Zelensky gehört – wird nicht die Absicht haben, auf das Gebiet der Oblast Donezk zu verzichten und dieses Gebiet als russisches Gebiet anzuerkennen. Russland wiederum wird sich offensichtlich keineswegs damit begnügen, nur das Gebiet der Oblast Donezk zu erhalten, um einen Waffenstillstand zu erreichen, egal was sie erzählen.

Das heißt: Die Hauptpositionen – obwohl das in Wahrheit nicht die Hauptpositionen sind, denn ich bin sicher, Russland hofft dennoch, die ganze Ukraine zu zerstören – sind in dieser sogenannten Friedensvereinbarung weiterhin nicht abgestimmt. Und es ist völlig unklar, wie sie auf rechtlichem Wege abgestimmt werden sollen, denn ich habe bereits mehrfach erklärt: Jeder Versuch, die Oblast Donezk aus der ukrainischen Verfassung „herauszunehmen“, wird unweigerlich auf das Problem des ukrainischen Verfassungsrechts stoßen.

Und ich wiederhole: Ich denke, Putin wusste das sehr gut, als er die Annexion ukrainischer Territorien begann. Er wollte eine Falle vorbereiten. Für Putin gilt: Wenn er das Opfer nicht vergewaltigen kann – wie für jeden Maniaken –, muss das Opfer sich selbst vergewaltigen. Am besten vor dem Fernsehbildschirm, damit es alle sehen.

Deshalb: Wenn wir davon sprechen, man könne ein Referendum durchführen, und dann würde das Ergebnis dieses Referendums – dass die Ukrainer einem Verzicht auf Territorium zustimmen, obwohl Zelensky ganz klar sagt, dass 85 % der Ukrainer das nicht wollen – von der Werchowna Rada implementiert, und dann würde die Sache dem Verfassungsgericht vorgelegt, das dem eigentlich ein Ende setzen müsste, weil es der Verfassung selbst widerspricht, die eine Änderung des Territoriums selbst per Referendum nicht vorsieht – ich rede noch gar nicht vom Kriegsrecht.

Aber Putin braucht, dass das Verfassungsgericht eine völlig gegenteilige Entscheidung trifft, die nicht der Verfassung entspricht. Das wäre die politische Vergewaltigung der Ukraine, nach der man mit ihr alles machen könnte. Denn wenn Ihr Verfassungsgericht Entscheidungen treffen kann, die der ukrainischen Verfassung widersprechen, warum sollte es dann nicht auch andere Entscheidungen treffen?

Tatsächlich begann die endgültige Verwandlung Russlands in einen totalitären Staat genau in dem Moment, als es Putin gelang, sein eigenes Verfassungsgericht zu vergewaltigen. Und als ihm dabei der Leiter dieses Gerichts, Walerij Sorkin, half, der sich seinerzeit an dem Putschversuch in Russland im Jahr 1993 beteiligt hatte und statt die Krise zwischen dem russischen Parlament und dem Präsidenten zu lösen, diese Krise nur weiter anheizte.

Und das Verfassungsgericht der Russischen Föderation trifft eine verfassungswidrige Entscheidung nach der anderen. Sie verstehen: Schon die „Angliederung“ der Krim, Sewastopols, Donezks, Luhansks, Chersons, Saporischschjas an Russland ist eine Vergewaltigung der russischen Verfassung. Die russische Verfassung sieht keine Möglichkeit vor, Gebiete anderer Staaten ohne deren Zustimmung an Russland anzuschließen.

Dass irgendein Stück dieses anderen Staates sich zum unabhängigen Staat erklärt – das ist natürlich Separatismus. Das kann von der Russischen Föderation absolut nicht akzeptiert werden. Ja, Russland hätte politisch die Unabhängigkeit der Krim anerkennen können oder einfach mit der sogenannten Donezker Volksrepublik spielen können, wie auch mit Transnistrien. Russland hat Instrumente für solchen Druck auf ehemalige Sowjetrepubliken – auf Georgien, Moldau. Aber aus Sicht der russischen Verfassung ist es absolut unmöglich, etwas zu „annektieren“. Als die Verfassungsrichter Russlands diese Entscheidungen billigten, unterschrieben sie im Grunde endgültig, dass es in Russland keine Verfassung gibt, sondern nur den Willen Putins.

Und Sie verstehen: Wenn das ukrainische Verfassungsgericht eine Entscheidung trifft, ukrainisches Territorium aus der Ukraine herauszunehmen, wäre das ebenfalls eine Vergewaltigung der ukrainischen Verfassung. Danach könnte man alles Mögliche aufzwingen. Und so würde im Grunde eine politische Kapitulation der Ukraine stattfinden – vielleicht keine militärische. Und genau das ist es, was Putin in dieser Situation erreichen will.

Wie Sie verstehen, haben wir absolut keine Vorstellung, wie sich die Situation nun weiterentwickeln wird. Denn wenn Putin von einer „Überprüfung“ der Verhandlungspositionen spricht, bedeutet das, dass dieser sogenannte Friedensplan – auf die Schnelle von Uschakow und Dmitrijew hingekritzelt – nun von den Russen selbst „überprüft“ werden kann, indem sie sagen: „Dieser Plan passt uns nicht.“ Zumal Putin in diesem Gespräch mit Trump laut Uschakow gesagt habe, alle Vereinbarungen, die zwischen ihm und Zelensky erreicht worden seien, würden die Suche nach einem Einvernehmen in Wirklichkeit nur bremsen – was auch zu erwarten war.

Das war ebenfalls ein völlig offensichtliches Schema. Und ich habe mich immer an diesem Schema festgehalten: Trump einigt sich mit Zelensky auf etwas. Und wie wollen Sie Putin dazu zwingen, dem zuzustimmen, worauf Sie sich geeinigt haben? Warum einigen wir uns überhaupt mit Amerika, wenn wir mit Russland im Krieg sind? Hat Amerika uns angegriffen?

Der Kern der Situation ist, dass die einzige Person, die den Krieg beenden kann, Putin ist – nicht Trump und nicht Zelensky. Zelensky hat niemanden angegriffen. Und Trump hat hier ebenfalls niemanden angegriffen, zumindest in diesem Zusammenhang.

Aber, wie ich schon mehrfach sagte: Putin muss aus dieser Geschichte so herauskommen, dass Trump ihm nicht böse ist und nicht glaubt, Putin missbillige das, worauf Trump sich bereits geeinigt hat. Putin kann alles „billigen“, manches kann ihm nicht gefallen – aber jetzt wurde seine Residenz beschossen. Und welche Friedensverhandlungen könnten da noch stattfinden?

Denn es stellt sich heraus, dass Putins Residenz ein irgendein sakraler Ort ist. Ich rede nicht einmal davon, dass wir es hier mit völlig offensichtlichem Zynismus zu tun haben. Das heißt: Im Grunde diskutieren wir nicht einmal, ob es diesen Angriff gab oder nicht. Offensichtlich gab es ihn nicht, er existiert nur in der propagandistischen Realität Russlands. Offensichtlich wird nach einiger Zeit bewiesen werden, dass es dort keinen Angriff gab, und Trump wird dem natürlich zustimmen wollen.

Aber es gibt noch eine andere, nicht weniger interessante Frage: Warum darf Russland ständig das ukrainische Regierungsviertel beschießen? Wie Sie wissen, trafen russische Raketen das Gebäude des Ministerkabinetts der Ukraine. Es gab Versuche, die Residenz des Präsidenten der Ukraine zu beschießen. Das heißt: Das ist erlaubt? Worin unterscheiden sich ukrainische Regierungsobjekte von russischen? Worin liegt die „Sakralität“ dieser Residenz und der Situation ihres Beschusses – selbst wenn man sich vorstellt, er hätte stattgefunden?

In Wirklichkeit gibt es darauf keine logische Antwort. Entweder wir akzeptieren Putins Logik, dass die Ukraine ein Staat mit eingeschränkter Souveränität ist. Eine ehemalige Sowjetrepublik, die nie wirklich ein Staat geworden ist. Und deshalb darf er diesen Staat „erziehen“, wie es ihm gefällt. Er sei hier der Souverän. Aber auf die Positionen des Souveräns zu schlagen und seine kostbare Residenz zu gefährden – wir wissen nicht einmal, ob Putin in diesem Moment überhaupt in dieser Residenz war und wann er überhaupt dort war – das darf man nicht.

Und im Grunde teilt Trump, wenn er mit solchem Entsetzen über den Beschuss von Putins Residenz spricht, diese Position vollständig. Es stellt sich heraus: Ja, die Ukraine darf nicht schießen, Russland darf es.

Und noch einmal: Wenn alle von „Vergeltungsschlägen“ sprechen, von Ausstiegen aus dem Verhandlungsprozess – Sie verstehen doch sehr gut, dass Russland sich an niemandem rächt. Sie könnten im Voraus beschlossen haben, an Neujahrstagen einen massiven Raketenangriff auf die Ukraine zu führen. Diese Leute schießen ohnehin gern an Feiertagen. Das ist kein großes Geheimnis. Aber jetzt werden sie sagen: Das ist ein Vergeltungsschlag. Sie werden die Russen darauf vorbereiten, dass man „Rache“ für den Schlag auf Waldai nehmen müsse.

Heute wird es eine spezielle Sondersendung dieses – ich würde sagen – „Ministeriums der Wahrheit“ geben, eine orwell’sche Show mit dem Schurken Wladimir Solowjow. Und dort wird man darüber sprechen, drohen, ein psychologisches Umfeld schaffen und so gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen. Einerseits Trump erklären, warum sie ihre Verhandlungsangebote ändern und warum in diesem Friedensprozess überhaupt nichts passiert. Andererseits erklären, warum es diesen massiven Angriff auf die Ukraine gab.

Eine sehr einfache, sehr verständliche Situation. Und es gab früher bereits Meldungen von Monitoring-Kanälen über einen massiven Angriff auf die Ukraine an Neujahr. Und wenn man Trump sagt: „Hören Sie, Ihre russischen Freunde sind Barbaren, sie schlagen sogar an Feiertagen auf die Ukraine ein.“ – „Nun, was soll man machen? Sie haben doch Putins Residenz beschossen. So etwas darf man nicht tun. Ich war sehr wütend.“

Wenn wir es mit einem absolut unmoralischen Menschen an der Spitze der Vereinigten Staaten zu tun haben – und so ist es –, dann kann ein anderer unmoralischer Mensch an der Spitze der Russischen Föderation sich mehr erlauben, als wenn an der Spitze der größten Demokratie der Welt ein Mensch mit Werten steht. Das ist eine Regel der Politik. Daran muss man nicht zweifeln.

Und was ist mit dem Friedensprozess? Es gab keinen Friedensprozess. Es gab unseren Versuch, uns nicht mit Trump zu zerstreiten – vor dem Hintergrund eines neuen Wahnsinns, unterstützt von seinem engsten Umfeld in dem Wunsch, sich an Russland zu bereichern. Und jetzt wird all das weitergehen, weil wir wieder versuchen werden, uns nicht mit Trump zu zerstreiten. Verstehen Sie?

Wir werden jetzt beweisen, dass wir auf niemanden geschossen haben, dass Putin lügt. Zelensky sagt übrigens völlig logisch, dass ein solches Verhalten Russlands offensichtlich zeige, dass es gelungen sei, bei den gestrigen Gesprächen Zelenskys mit Donald Trump tatsächlich einige не schlechte Ergebnisse zu erreichen.

Ja, dem kann man nur zustimmen: Das kann eine Reaktion sein, um nicht auf Fragen antworten zu müssen, die Trump an Putin gestellt hätte. Sie verstehen doch: Wenn Putin Trump heute nicht von dem angeblichen Beschuss seiner Residenz erzählt hätte, wäre er gezwungen gewesen, mit ihm über eine völlig andere Tagesordnung zu sprechen: wie er auf die Vereinbarungen von Trump und Zelensky reagiert – und diese Vereinbarungen im Grunde zurückzuweisen, also sich mit Trump zu streiten.

Nun aber ist er das arme Opfer eines Beschusses. Deshalb ist es in dieser Situation natürlich ziemlich schwer zu verstehen, wie der weitere Verlauf der Ereignisse aussehen wird, ob es gelingt, diesen Pseudo-Verhandlungsprozess aufrechtzuerhalten.

Aber in jedem Fall sind das keine Verhandlungen. Ich denke, das haben Sie nach dem gestrigen Treffen von Trump und Zelensky sehr gut verstanden. Ein Treffen, das historisch sein sollte, verwandelte sich einfach in einen Austausch von Höflichkeiten.

Übrigens ist schon eine Erklärung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation zur „Attacke“ auf die Residenz in der Oblast Nowgorod erschienen. Nun haben sie diese Geschichte bereits hinzugefügt: dass tatsächlich 91 Kampfdrohnen in Richtung der Residenz geflogen sein solle – wobei sie, so verstehe ich, die Residenz nicht erreichten. Und jetzt wird natürlich alles ausschließlich von der weiteren amerikanischen Reaktion abhängen.

Wie wird Trump reagieren? Wird er diesen „Pass“ von Putin nutzen, um seine Teilnahme am russisch-ukrainischen „Verhandlungsprozess“ zu beenden, oder wird er den Prozess trotz all dieser Putinschen Erklärungen fortsetzen? Wird er bereit sein zu erklären, dass es keinen Beschuss von Putins Residenz durch Drohnen gab? Oder wird er andersrum versuchen zu beweisen, dass die Ukraine mit unverantwortlichen Handlungen den Friedensprozess sabotieren will?

Aber ich wiederhole: Das sind alles Ereignisse in einer virtuellen Welt – in einer virtuellen. In der realen Welt findet ein realer Krieg statt: Die Offensive der russischen Truppen auf ukrainische Positionen geht weiter, ebenso der Versuch der Russen, so viel ukrainisches Land wie möglich zu erobern. Die russischen Schläge gegen die ukrainische Infrastruktur gehen weiter – mit dem Versuch, so viel wie möglich zu zerstören. Die westlichen Sanktionen gegen Russland gehen weiter – mit dem Versuch, so viel wie möglich in der russischen Wirtschaft zu zerstören. Und unsere Schläge gegen Russland gehen weiter – um das Bestehen seiner Raffinerieindustrie zu beenden.

Glauben Sie mir: Das ist für Putin viel wichtiger als Schläge gegen irgendeine seiner Residenzen. Das ist der reale Prozess, der weiterläuft. Bei der russischen Führung gab es kein Verlangen, den Krieg zu beenden, gibt es nicht, und glauben Sie mir: In absehbarer Zukunft wird es auch keines geben. Denn, wie ich schon mehrfach erklärt habe: Wenn sie den Krieg beenden wollten, hätten sie zumindest vorübergehend das Feuer eingestellt – an Feiertagen, zur Durchführung irgendwelchen Wahlen, irgendeines Referendums.

Sie brauchen kein Referendum, wie Sie verstehen, denn ich habe schon gesagt: Putin versteht gut, dass das eine Falle ist, dass ein Referendum zu nichts führt. Ich rede nicht einmal davon, wie er reagieren soll, wenn in der Ukraine ein Referendum über die Aufgabe von Territorium stattfindet und 85 % der Ukrainer dagegen stimmen. Was soll er dann tun? Diese Ukrainer vernichten – alle 85 %? Oder erklären, das Referendum sei gefälscht. Wozu braucht er all das?

Man muss also in der realen Welt leben, in der der reale Krieg weitergeht. Es wird kein Referendum zu territorialen Fragen geben, es wird keine Wahlen geben. Nichts davon wird passieren, weil es auch nicht passieren sollte. Es wird Versuche Trumps geben, Putin irgendwie dazu zu bringen, „komfortablen“ Bedingungen für ein Kriegsende zuzustimmen, damit Trump wie ein Friedensstifter aussieht. Es wird Versuche Putins geben, nichts zu beenden, sich aber auch nicht mit Trump zu streiten, damit die Sanktionen gegen die Russische Föderation nicht verschärft werden. Und es wird Versuche der Ukraine und der Europäer geben, sich nicht mit diesem Team zu zerstreiten, das aktuell im Weißen Haus sitzt und mit jedem Tag dort – wie Sie sehen – immer mehr offensichtliche Unzulänglichkeit zeigt.

Und noch einmal: Sie werden meinen „Diagnose“- oder Prognose-Satz überprüfen können, aber Trumps Unzulänglichkeit wird sich mit jedem Tag nur noch verstärken. Glauben Sie mir: Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika zu sein, ist selbst für einen jungen, gesunden Menschen ein unglaublicher körperlicher Stress. Selbst wenn du nicht den ganzen Tag arbeitest: Die Entscheidungen, die du treffen musst, sind Stress. Ernsthafter Stress. Und wenn du diese Entscheidungen triffst oder nicht triffst, arbeitest, löst – das erschöpft dich, besonders wenn du 80 Jahre alt bist. Wir haben es beim vorherigen Präsidenten der Vereinigten Staaten gesehen, der jünger war.

Bei diesem Präsidenten der Vereinigten Staaten wird das noch schneller und in noch stärker ansteigender geometrischer Progression geschehen. Nicht einmal weil er das „schuld“ ist. Wir diskutieren jetzt nicht über seine politischen Ansichten. Wir diskutieren nicht über sein Weltbild. Manchem kann er gefallen, manchem nicht. Jemand kann in diesem Zynismus einen völligen Horror sehen. Aber es geht nicht darum, sondern darum, ob das in diesem Alter die Persönlichkeit schneller zerstört, als man denkt.

Deshalb, glauben Sie mir, werden Sie solche Feuerwerke der Unzulänglichkeit sehen, dass das, was heute passiert, im Rückblick noch wie das Höchstmaß an Realitätssinn wirken. Und wir müssen in dieser Zeit – in der an der Spitze der Vereinigten Staaten von Amerika weiterhin ein Mensch stehen wird, der so zerfällt, und die Menschen um ihn herum so tun werden, als geschehe nichts – uns mit diesem Staat nicht zerstreiten, versuchen, Möglichkeiten zu finden, den Druck auf Russland zu erhöhen, damit sie uns weiterhin Waffen verkaufen, damit wir in den nächsten Kriegsjahren weiter standhalten können.

Dann haben wir eine Chance, dass es schneller endet, weil der Druck auf die russische Wirtschaft – wie ich gesagt habe – nur die Zerstörung dieser Wirtschaft, nur die Verwandlung Russlands in einen perspektivlosen Ort, wo kein Witkoff etwas verdienen wird, hoffen lässt, dass der russisch-ukrainische Krieg endet. Das ist alles.

Deshalb ist es aus professioneller Sicht sehr unangenehm, diese wahre Parade der Lüge, der Dummheit und der Unzulänglichkeit zu beobachten, die wir sehen. Und wir sollen das auch noch „Friedensprozess“ nennen – so, als würde etwas Reales passieren. 

Das sind, würde ich sagen, die ersten realen Bilanzpunkte dieses heutigen seltsamen Tages. Und wir werden diesen Prozess weiter beobachten, weil er für die Ukraine wichtig ist. Nicht im Sinne eines baldigen Kriegsendes – lassen wir uns keine Illusionen machen –, sondern im Sinne des Überlebens im Krieg. Denn Sie verstehen: Wenn du im Krieg überlebst, kannst du ihn am Ende gewinnen. Wenn du nicht in diese kriechende Kapitulation abrutschst, kannst du im Krieg standhalten.

Ich beantworte einige Fragen, die während dieser Sendung bereits eingegangen sind.

Frage: Warum glaubt Trump Putins Märchen über den Angriff auf Waldai? Wozu braucht Trump das?

Portnikov: Ich habe schon während dieser Sendung versucht zu erklären, wozu Trump das brauchen könnte: um zu rechtfertigen, warum er den russisch-ukrainischen Krieg nicht beenden kann. Er hat sich ja schon angeblich mit allen geeinigt. Mit Zelensky geeinigt, mit Putin geeinigt. Alles war abgestimmt. Es blieben nur 5 %, die man noch abstimmen musste. Und dann – bum – die Ukraine habe versucht, Putins Residenz zu bombardieren. Und Russland habe deshalb die Verhandlungspositionen geändert. Nun müsse man sie wieder davon überzeugen, zum Verhandlungsprozess zurückzukehren. Und der Ukraine müsse man sagen: „Das darf man nicht, das darf man nicht.“ Das ist eine sehr primitive Logik.

Frage: Warum rüttelt Trump an Grönland? Die Arktisregion dort wird vom Westen kontrolliert. Wozu trägt er dort Zwietracht hinein? Fällt das mit Russlands Plänen zur Kontrolle der Arktis zusammen?

Portnikov: Ich denke, mit Russlands Plänen fällt das gerade nicht zusammen, aber Trump sieht in der Grönland-Situation das Wachstum chinesischer Interessen im Pazifik. Das ist ein völlig logischer Ansatz. Aber wenn Trump als Politiker handeln würde und nicht als gieriger Geschäftsmann, würde er mit den Regierungen Dänemarks und Grönlands über eine verstärkte Präsenz amerikanischer Truppen in dieser Region verhandeln, speziell auf der Insel Grönland. Sie wissen, dass es auf Grönland schon eine amerikanische Basis gibt. 

Wenn du dich so sehr vor China und einer stärkeren Rolle Chinas fürchtest, dann kannst du mehrere amerikanische Basen schaffen und die amerikanische Präsenz ausbauen. Zumal Länder wie Dänemark an Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten interessiert sind. Warum macht Trump das nicht? Weil er kostenlosen Zugang zu Grönlands Ressourcen will. Das ist ein völlig primitiver Plan. 

Wenn Grönland ein US-Bundesstaat wird, bekommen Geschäftsleute wie Kushner, wie Witkoff, wie Trump selbst die Möglichkeit, Zugang zu diesen Ressourcen zu bekommen, ohne jede Abstimmung mit der Regierung in Kopenhagen und vielleicht sogar ohne Abstimmung mit der Regierung in Nuuk, weil es dann ein Bundesstaat mit einem Gouverneur wäre. Dort wäre es viel leichter zu agieren, und für die US-Bundesregierung wäre es viel einfacher als jetzt. Und er benutzt faktisch Fragen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten – völlig logische und wahre – um Zugang zu diesen Ressourcen zu bekommen. So ist es oft, wenn statt eines Politikers ein Immobilienmakler mit gierigen Appetiten Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Frage: Warum findet kein Dreiertreffen statt? Das würde erlauben, die Positionen mit Russland sofort abzustimmen. Ohne diese Abstimmung wird Russland alles zurückweisen.

Portnikov: Vielleicht, weil es unmöglich ist, mit Russland Positionen abzustimmen, weil der Präsident der Russischen Föderation an einem Dreiertreffen nicht interessiert ist, weil er mit der Ukraine überhaupt nichts abstimmen will? Für ihn ist die Ukraine nur eine rebellische Provinz, die bestraft und besetzt werden muss. Mit der Macht einer Provinz stimmt niemand irgendetwas ab, wenn du dich für einen Imperator hältst. Werfen Sie diese Illusionen weg. Trump muss nicht mit Putin reden, Putin nicht mit Trump. Und erst recht muss Putin nicht mit den Ukrainern reden und mit ihnen irgendwelche Positionen abstimmen. Übrigens gab es ja mehrere Runden ukrainisch-russischer Gespräche. Und was wurde dort abgestimmt? Dorthin kam einfach Medinski und erzählte irgendeinen Unsinn. Denken Sie sich also nichts aus: Es wird nichts geben. Vergessen Sie den Verhandlungsprozess als Realität. Wenn wir in diesen Wochen ständig über den Verhandlungsprozess sprechen, dann nicht weil ich glaube, dass er bald in irgendeinem Frieden endet. Nein. Sondern weil ich versuche zu verstehen, wie die Position der Ukraine in dieser Situation erhalten bleibt – genauer: wie man die Position der Ukraine in der Konfrontation mit Russland in den nächsten Kriegsjahren erhält.

Frage: Haben unsere Geheimdienste und die politische Führung Möglichkeiten, Trump faktisch gegen Putin aufzuhetzen, sodass Trump selbst das sieht und hört, was er nicht sehen und hören will?

Portnikov: Das haben sie nicht. Weil Trump die Realität ignoriert. Trump lebt in seiner eigenen Realität. Und diese Realität hängt sehr oft mit Putins Plänen zusammen – aus einem einfachen Grund: Trump glaubt offensichtlich, dass er sich mit Putins Hilfe noch bereichern kann, und Trump hat sich mit Menschen umgeben, die entweder ebenfalls mit ihm zusammen reich werden wollen oder ihm nicht widersprechen wollen, weil sie auf ihre politische Zukunft hoffen. 

Schauen Sie realistisch hin: Trump nimmt die Welt völlig unangemessen wahr. Er hat sich mit Leuten umgeben, die an ihre Geschäftsinteressen denken – wie Witkoff und Kushner. Oder mit Politikern, die genauso unangemessen sind wie Trump, sagen wir der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J. D. Vance – einem Denkmal der Unzulänglichkeit. Er blickt ebenfalls völlig unrealistisch auf diese Dinge, wenn er sagt: „Oh, Russen und Ukrainer könnten doch so wunderbar leben und Handel treiben – warum tun sie das nicht?“ Ja wirklich – warum wohl? Oder es gibt Leute, die schlicht gewöhnliche politische Anpasser sind, wie Außenminister Marco Rubio: Sie versuchen, dieses ganze Tohuwabohu einzudämmen, sind aber an ihrer Karriere interessiert. 

Jeder will „Trump nach Trump“ sein, jeder versteht, dass Trumps politisches Leben zu Ende geht. Und wenn es in diesem Tempo weiter geht, wird auch Trumps geistige Belastbarkeit sehr schnell erschöpft sein. Also brauchen die Republikaner einen neuen Trump – einen Trump-Erben. Jeder will das sein. Natürlich: Wenn du amerikanischer Politiker bist, was willst du sein? Präsident der USA.

Frage: Trump sagte, das Treffen finde nur bei abgestimmten Positionen statt. Wie sich zeigte, waren die Positionen nicht abgestimmt. Warum fand das Treffen dann statt? Ist das nicht ein Reputationsverlust für Trump?

Portnikov: Für mich ist das übrigens auch ein Rätsel. Trump hat das wirklich gesagt: Er werde Zelensky und Putin nur treffen, wenn die Positionen abgestimmt sind. Als dieses Treffen angekündigt wurde, dachte ich daher, Trump habe wirklich etwas zu verkünden und dass endgültige Punkte der amerikanisch-ukrainischen Vereinbarungen tatsächlich schon feststünden. Auf der gestrigen Pressekonferenz sahen wir das nicht, stimmt’s? Andererseits könnte Trump gedacht haben, dies sei wirklich das letzte ernsthafte Treffen, bei dem Amerikaner und Ukrainer zumindest einen gemeinsamen Ansatz formulieren können, und er könne Putin über diesen gemeinsamen Ansatz informieren. Es gelang ihm einfach nicht, ihn zu informieren, weil Putin gestern Nacht nicht ans Telefon ging und heute vom angeblichen Beschuss seiner Residenz erzählte. Also könnte Trump logisch gehandelt haben – Putin hat seine Logik einfach sabotiert. Das ist ebenfalls möglich.

Frage: Was ist der Unterschied zwischen Trump in seiner ersten Amtszeit und Trump jetzt?

Portnikov: Trump in der ersten Amtszeit lernte gerade erst, die Vereinigten Staaten zu regieren. Und er war abhängig von der politischen Maschine der Republikanischen Partei, die ziemlich oft seine extravagantesten Handlungen und Absichten stoppte. Trump in der zweiten Amtszeit ist ein Mensch, der gelernt hat zu regieren. Dieses Verständnis, wie man handeln muss, zeigte sich bereits in den letzten Monaten seiner ersten Präsidentschaft; und er hat sich mit einer Gruppe Menschen umgeben, die Trump nicht bremsen können, sondern bereit sind, jede – selbst die exaltierte – Anweisung auszuführen und bereit sind, Trump in der „Blase“ zu halten, in der er selbst lieber sein möchte. 

Über Trumps Umfeld habe ich bereits bei den vorherigen Antworten gesprochen und werde das jetzt nicht wiederholen. Und außerdem gab es seriöse mentale Veränderungen. Schon damals war offensichtlich, dass sie passieren. Es ist keine Frage der Unerfahrenheit, sondern – ich würde sagen – eine Frage einer sehr eigenartigen „intelligenten“ Reaktion auf die Realität. 

Und das Schlimmste: Trumps Basis ist im Grunde eine religiöse Sekte, die diesen Zustand ihres Anführers nicht bemerken will. Gleichzeitig verstehen wir, dass das nicht die Mehrheit der Amerikaner ist. Wenn das so weitergeht, können die Republikaner riskieren, die Macht zu verlieren. Das kann schon im November 2026 bei den Kongresswahlen in den USA passieren.

Frage: Warum schenken Medien, offizielle Vertreter und gewöhnliche Menschen dem Lärm um Trump so viel Aufmerksamkeit und nicht den realen Fakten des russisch-ukrainischen Krieges?

Portnikov: Ich denke, ich habe das schon zu erklären versucht. Weil viel von der Position der Vereinigten Staaten abhängt, weil alle daran interessiert sind, dass Trump nicht endgültig zum Verbündeten Putins wird. Ich denke, Sie verstehen gut, dass er das sehr gern würde. Und wenn nicht die Haltung der Mehrheit der Amerikaner wäre, die unserem Volk, unserem Land, der Ukraine positiv gegenübersteht und Putin und seinem Staat negativ und der Meinung ist, dass man uns weiter helfen muss, dann würde Trump sich ganz anders verhalten. Man könnte sagen, Trump und seine Mitstreiter vertreten überhaupt nicht die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg geht. Sie sind in der Minderheit. Und Trump weiß das, daher ist er vorsichtig. Zumal diese Minderheit ihm im Wahljahr, das in ein paar Tagen beginnt, immer mehr im Weg stehen wird. Deshalb ist es eine wichtige Aufgabe – ein Teil dieses Krieges –, die Unterstützung der USA zu bewahren und Trump keinen Anlass zu geben, ein Anhänger, ein Verbündeter Putins zu werden.

Frage: Sehen Sie die Möglichkeit eines Krieges um Taiwan im Jahr 2026?

Portnikov: Ich sehe sie nicht. Ich denke, Xi Jinping wird sich vorsichtig verhalten, weil er Trumps Reaktion auf solche Ereignisse nicht точно berechnen kann. Daher bin ich nicht sicher, dass die Chinesen 2026 einen so großen Angriff auf Taiwan riskieren. Andererseits sehen Sie, dass sich die technologischen Möglichkeiten der Kriegsführung ändern. Auch das kann ein zusätzlicher Auslöser für Ereignisse in der Taiwanstraße sein.

Frage: Versteht Trump die Logik russischer Handlungen? Mit solchen Analyse-Ressourcen, mit all seinen Diensten – das ist doch offensichtlich. Oder hört er ihnen einfach nicht zu?

Portnikov: Trump ist sehr dafür bekannt, dass er nicht auf seine Geheimdienste hört. Das ist kein großes Geheimnis. Das sind Menschen, die sicher sind, dass sie selbst alles über alles wissen. Und das Wichtigste: Sie wollen keine reale Information hören. Trump und Steve Witkoff sind dafür bekannt, dass sie Briefings der amerikanischen Nachrichtengemeinschaft ablehnen. 

Außerdem müssen Sie sich daran erinnern, dass an die Spitze der amerikanischen Dienste absolut zufällige Leute gesetzt wurden, die diese Dienste im Grunde zerstören und die ausschließlich daran interessiert sind, Trump zu gefallen – und daher Trump keine reale Information vermitteln. 

So ist es in jeder autoritären Gesellschaft. Und Trump hat in Bezug auf seine eigene Person ein autoritäres Regime geschaffen. Sie sehen doch: In den Vereinigten Staaten gibt es faktisch einen Personenkult um Trump in den schlimmsten sowjetischen Formen – wenn man das Kennedy Center nach ihm benennt, wenn Trump Zelensky einen Kuchen mit seinem eigenen Namen serviert, als wäre er Napoleon, wissen Sie. 

Andererseits – gut, ein Kuchen ist eine niedliche Marotte eines alten Milliardärs mit Residenz. Eine Art Träumerei. Aber das Kennedy Center ist kein Witz. Minister wetteifern in Sitzungen darum, wer Trump die größten Komplimente macht. Ausländische Gäste ebenso. Das sieht nicht wie die Vereinigten Staaten von Amerika aus. Das sieht wie ein typisches autoritäres Regime sowjetischen Musters aus – Brežnev-Zeit oder Nordkorea. 

Wie soll jemand in so einer Lage, der ein solches System geschaffen hat, sich selbst verherrlicht und nicht einmal einfachen Selbstironie fähig ist, Informationen noch realistisch wahrnehmen? 

Trump erzählte, Putin habe ihm gesagt: „Donald, du bist so ein Held, du hast an einem Tag den Krieg zwischen Armenien und Aserbaidschan beendet.“ Jeder, der die Geschichte des Konflikts zwischen diesen beiden Ländern kennt, versteht, dass Putin sich einfach über Trump lustig gemacht hat. Aber Trump hat das nicht bemerkt. 

Ich wiederhole: Der heutige Zustand, in dem Donald Trump sich befindet, schließt seine Fähigkeit aus, Informationen realistisch zu verstehen. Außerdem muss man selbst dann, wenn er Informationen kennen würde, eine einfache Sache verstehen: Es ist für ihn günstig, so zu tun, als verstehe er nichts. Er sagte einmal: „Ich hoffe, sie haben den Eindruck, dass ich verrückt bin.“ Putin und Xi Jinping. Es ist für ihn vorteilhaft, dass wir denken, er verstehe nichts, weil es ihm so leichter fällt, seine eigenen Ideen umzusetzen, indem er sich hinter dem Nichtverstehen der Situation versteckt. Hinter dem Nichtverstehen. Entschuldigen Sie: Wenn Sie jemanden für verrückt halten, denken Sie darüber nach, warum dieser „Wahnsinn“ ihm selbst nützt und nicht Ihnen. Das ist kein Wahnsinn, das ist Kalkül.

So sieht dieser heutige Tag aus. Ein Feiertag für russische Propagandisten. Hier die letzte Erklärung aus dem Kreml. Medwedew. Ich werde nicht zitieren, wie er den Präsidenten der Ukraine nennt, aber er wirft ihm vor, er versuche eine Konfliktregelung zu sabotieren, er wolle Krieg, und nun müsse er sich bis ans Ende seines Lebens verstecken. Das ist die Antwort darauf: Sie versuchen jetzt, Zelensky besonders stark wirklich zu beschuldigen, er habe versucht, die Residenz Putins selbst anzugreifen. Deshalb sehe ich nichts „Seltsames“ in dieser Wahl der Russen, wenn sie versuchen, entsprechende Entscheidungen zu erzwingen.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: «Атака на Валдай» і мирний процес | Віталій Портников. 29.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Der Schokoladen-„Trump“. Vitaly Portnikov. 29.12.2025.

https://hromada.us/uk/articles/2025/12/29/chocolate-trump?fbclid=IwZnRzaAPAc2lleHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEevimMIEnk_yo72UQygMhVKO46Ov9dPcIC3j6s43t2dRgr_cwBYAm596N92mk_aem_dQUPgMomSn8L1CeLnCJdEw

Das Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine in der privaten Residenz von Donald Trump endete ohne jede konkrete Vereinbarung — und für mich war das ehrlich gesagt keine Sensation. Eine Sensation wären vielmehr konkrete Abmachungen gewesen, die bereits während dieses Treffens hätten umgesetzt oder zumindest zur Unterzeichnung vorbereitet werden können. So war für mich eher die Existenz einer Schokoladentorte mit dem Namen „Trump“ eine Entdeckung, mit der der amerikanische Präsident die ukrainische Delegation bewirtete — hoffentlich erfahren wir eines Tages noch ihr Rezept.

Aber ernsthaft gesprochen ist ein solches Ergebnis bereits ein gar kein schlechtes Ergebnis. Denn letztlich hängt das Ende des Krieges nicht vom Wunsch Trumps und nicht vom guten Willen Volodymyr Zelenskys ab, sondern von der Bereitschaft Putins. Und genau diese Bereitschaft ist nicht zu erkennen — trotz all der optimistischen Schlussfolgerungen, die Trump aus seinem durchaus erwartbaren Telefongespräch mit dem russischen Machthaber gezogen hat. Putin will den Verhandlungsprozess nur imitieren, um den Krieg fortzusetzen — und bislang gelingt ihm das. Die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten brauchen in dieser Situation vor allem eines: dass die USA den Druck auf Russland nicht verringern, sondern erhöhen.

Denn die Formel dieses Krieges ist klar: Gelingt es Russland, die Ukraine zu erschöpfen, wird es ihr Territorium — oder zumindest einen großen Teil davon — erobern; gelingt es der Ukraine und ihren Verbündeten hingegen, Russland zu erschöpfen, wird der Kreml gezwungen sein, seine Aggression gegen die Ukraine zu beenden und auf neue Eroberungskriege zu verzichten. Die einzige Frage ist, an welchem Punkt dieser Erschöpfung wir uns befinden. In Wirklichkeit aber hat die Ukraine trotz aller Schwierigkeiten mehr Trümpfe in der Hand als Russland, weil der Westen sie weiterhin unterstützt. Und die 90 Milliarden Euro an neuen europäischen Krediten sind ein guter Beweis dafür. China und Indien werden Russland ihr Geld jedenfalls nicht einfach schenken.

Der wichtigste Ertrag dieses Treffens, das eben nicht historisch wurde, besteht daher darin, dass es in freundlicher Atmosphäre stattfand und Trump keinen Anlass hat, Zelensky oder den europäischen Staats- und Regierungschefs böse zu sein. Alle unterstützen den „Trump-Plan“ und sind bereit zu konstruktiver Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Präsidenten, alle diskutieren die wichtigsten Grundsatzfragen und mögliche Kompromisse. Die einzige offene Frage bleibt, ob Putin bereit ist, den Krieg zu beenden.

Was geschieht als Nächstes? Als Nächstes wird die Bürokratie arbeiten. Es werden Arbeitsgruppen eingerichtet — sowohl für die Zusammenarbeit mit den Ukrainern als auch für die mit den Russen. Diese Arbeitsgruppen werden nicht mehr nur aus Trumps Vertrauten wie Steve Witkoff oder Jared Kushner bestehen. Ihnen werden auch Regierungsvertreter angehören: Außenminister Marco Rubio, Verteidigungsminister Pete Hegseth und der Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs Dan Caine. Und diese Leute werden schlicht nicht in der Lage sein, die geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen zu überschreiten — ebenso wenig wie die ukrainischen und russischen Beamten, die mit ihnen zusammenarbeiten. Das bedeutet: Wenn die Russen nicht von Forderungen abrücken, die sich nicht in das ukrainische Rechtssystem integrieren lassen, werden die Verhandlungen zwangsläufig in einer Sackgasse enden — was Putin natürlich braucht, Trump jedoch nicht.

Noch ist es schwer zu sagen, wie der amerikanische Präsident auf ein mögliches Scheitern reagieren würde und ob Putin es sich angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Lage in Russland überhaupt leisten kann, Trump demonstrativ zurückzuweisen. Vor uns liegen also vermutlich noch viele überraschende Wendungen, Treffen, Telefonate und Positionswechsel. Und die Hoffnung, dass dieses ganze Chaos helfen wird, den Krieg bereits 2026 zu beenden — und dass der Schokoladen-„Trump“ beim nächsten Mal schon zur Unterzeichnung eines echten Friedensabkommens gebacken wird.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Шоколадний «Трамп». Віталій Портников. 29.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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EILMELDUNG! PORTNIKOV: „Das ist eine Eskalation“. Lawrow spricht von einem Angriff auf Putin – was ist mit Trump, Russland bereitet einen Schlag vor. 29.12.2025.

Wadim Radionow: Gerade ist eine Meldung erschienen. Sergej Lawrow hat in einem Interview mit der Agentur TASS – oder zumindest zitiert TASS ihn so – erklärt, dass die Ukraine Putins Staatsresidenz in Waldai angegriffen habe und dass Russland einen Vergeltungsschlag vorbereite, die Ziele und Objekte seien bereits festgelegt. Außerdem sagte Lawrow, Russland werde den Verhandlungsprozess nicht verlassen und seine Position nicht revidieren. Er nannte die Zahl 91 Drohnen, die nach seinen Worten von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden seien. Präsident Zelensky, der Präsident der Ukraine, hat diese Information zurückgewiesen. Warum ist diese Information jetzt aufgetaucht? Warum hat Lawrow sie ausgesprochen, und was bedeutet das Ihrer Meinung nach?

Portnikov: Das sind ihre völlig üblichen Handlungen im Zusammenhang mit Eskalation, und sie zeigen damit, dass sie genau zu einer Eskalation bereit sind. In dem Moment, in dem sich – wenn auch nur virtuell – eine Möglichkeit von Vereinbarungen abzeichnet und man sie faktisch bereits dazu zwingt, über Frieden zu sprechen, weil die Vereinigten Staaten und die Ukraine territoriale Fragen diskutieren. Wie genau sie das diskutieren, ist natürlich unklar, und es ist unklar, womit das enden soll – aber trotzdem läuft eine Debatte. Und sie greifen zu ihrer Lieblingsmethode: Eskalation und Erpressung.

Wadim Radionow: Das lässt sich doch leicht überprüfen – auch von Donald Trump, für den, wie ich verstehe, ebenfalls so ein gewisses illusionäres Spiel gespielt wird. Also: Sein Geheimdienst kann diese Information entweder bestätigen oder widerlegen. Und wenn wir annehmen, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Putins Umfeld lügt, dann wird Donald Trump das erfahren. Man kann doch nur dem eigenen Publikum Sand in die Augen streuen, wenn man will.

Portnikov: Vielleicht ist gerade das eigene Publikum wichtig. Vielleicht muss man genau dem eigenen Publikum erklären, warum es mit dem Ende des Krieges nicht klappt, „warum wir weitermachen, warum wir weiter Ukrainer töten, warum wir weiter ihre Städte bombardieren. Genau aus diesem Grund“.

Wadim Radionow: Wozu braucht man dann diesen ganzen Zeremoniell-Rahmen um Donald Trump, der gestern auf der Pressekonferenz sehr viele lobende Worte über Wladimir Putin gesagt hat? Manche Formulierungen waren sogar für Trumps Unterstützer überraschend – im Sinne von: Russland sei am Erfolg in der Ukraine interessiert, Russland sei bereit, beim Wiederaufbau der Ukraine zu helfen und so weiter. Das klang völlig bizarr, wenn man bedenkt, dass Russland die Infrastruktur der Ukraine zerstört und Menschenleben nimmt. Aber er hat das alles ausgesprochen, er hat Honig gegossen, ohne sich zu genieren. Das wirkt doch gerade für Putin wie eine sehr bequeme Position.

Portnikov: Ich sage es noch einmal: Es ist durchaus möglich, dass die Seiten – für uns unbemerkt – zu einer gewissen Konkretisierung von Entscheidungen gekommen sind. Und diese Konkretisierung könnte den Präsidenten der Russischen Föderation nicht interessieren. Er muss irgendeinen Ausweg aus der Situation finden. Er sucht ihn.

Wadim Radionow: Wird es Ihrer Meinung nach einen Schlag geben? Dieses, was sie „Vergeltungsschlag“ nennen – wobei von Vergeltung keine Rede sein kann, denn sie haben diesen Krieg begonnen. Sie sagen, die Ziele seien bestimmt. Was könnte jetzt passieren, wie denken Sie?

Portnikov: Sie können Regierungsobjekte in Kyiv treffen. Sie können, wie man sagt, alles Mögliche treffen. Wir können das Ausmaß ihrer Grausamkeit nicht vorhersehen.

Wadim Radionow: Und der Verhandlungsprozess – wie kann man den überhaupt fortsetzen?

Portnikov: Der Verhandlungsprozess wird weitergehen, wenn die Amerikaner ihn weiterführen wollen. Nach diesen Schlägen, nach deren Ergebnissen, ist es durchaus möglich, dass Donald Trump in dieser Situation der Ukraine sagen wird, man müsse sich schneller einigen, sonst werde es, wie man sagt, noch schlimmer.

Wadim Radionow: Worüber konnte man sich bei dem gestrigen Treffen überhaupt einigen? Was blieb Ihrer Ansicht nach hinter den Kulissen? Wir sahen äußere Signale, auf die man natürlich stärker achtet, weil sie auffällig sind – ich habe ja schon zitiert, was Donald Trump gesagt hat. Was blieb Ihrer Meinung nach hinter den Kulissen? Was ist für Sie die Quintessenz der gestrigen Gespräche? Was war „drinnen“?

Portnikov: Wir dürfen uns nicht selbst belügen. Wir verstehen doch sehr gut, dass diese Gespräche ohne jede Konkretisierung des Prozesses verliefen. Trump musste demonstrieren, dass der Prozess erfolgreich vorangeht. Zelensky ist natürlich bereit, dem zuzustimmen, wie auch Putin bereit ist, dem zuzustimmen. Aber konkret: Wenn wir von 95 % sprechen, dann sind doch gerade die 5 % entscheidend, die nicht abgestimmt werden können, weil Russland von der Ukraine faktisch die Kapitulation mit Abgabe vom Territorium verlangt. Das ist die Hauptfrage.

Wadim Radionow: Und zu dem, womit ich angefangen habe – zu Lawrows Aussage über einen Angriff auf Putin, diesen Pseudoangriff auf Putin. Bis zu diesem Moment dachte ich: In den Verhandlungen hat es nicht geklappt. Es gibt kein Ergebnis. Jetzt beginnt man zu überlegen: Vielleicht sehen wir wirklich etwas nicht, und sie sind an eine Lösung oder an eine Möglichkeit einer Lösung herangekommen, die Putin geradezu zwingt, diese ziemlich starke Eskalation zu starten. Sogar verbal sieht das sehr bedeutend aus.

Portnikov: Möglicherweise erwartet er, dass Trump ihn anruft, noch größere Zugeständnisse macht, ihn bittet, keine entscheidenden Schläge auszuführen – es kann alles Mögliche passieren.

Wadim Radionow: Kann Trump auf diese Manipulation eingehen, wie denken Sie?

Portnikov: Trump kann auf alles Mögliche hereinfallen. Das wissen wir doch sehr gut.

Wadim Radionow: Für die Ukraine: dieser Besuch Zelenskys in Florida. Ich habe gelesen, dass es Berater Zelenskys gab, die von diesem Besuch abrieten – es wäre eine Reise ins Leere, man solle nicht fahren. Wie groß waren die Erwartungen, und kann man das jetzt so betrachten, dass irgendein Nutzen dieses Besuchs schon sichtbar ist?

Portnikov: Der Nutzen besteht darin, dass wir uns mit Donald Trump nicht zerstritten haben. Ich denke, das ist der wichtigste Nutzen.

Wadim Radionow: Man hätte aber auch nicht fahren können und sich nicht zerstreiten. Oder ist es besser, wenn man fährt und sich nicht zerstreitet?

Portnikov: Man konnte nicht nicht fahren und sich nicht zerstreiten, wenn man dich einlädt, über Friedensverhandlungen zu sprechen. Man lädt dich nach Mar-a-Lago ein – nicht zu fahren, geht nicht.

Wadim Radionow: Und die Beziehungen zu Europa: USA, Europa, Europäische Union, Ukraine – dieser „Dreieck“-Formation, formt sich das gerade irgendwie?

Portnikov: Ich würde nicht sagen, dass es ein Dreieck ist. Aber dass sich die Vereinigten Staaten weder mit der Ukraine zerstritten haben noch mit Europa – das ist bereits ein Ergebnis der Reise Zelenskys und der Gespräche, die Zelensky zunächst mit europäischen Führungskräften vor dem Treffen mit Trump geführt hat und dann nach dem Treffen mit Trump, schon in Anwesenheit von Trump. Und Trump äußerte sich ziemlich wohlwollend über die Europäer. Dennoch kann man hier kaum von etwas Ernstem im Sinne eines Vorankommens sprechen. Wir haben ja mehrmals gesagt: Wir haben es eher mit einer Imitation eines Friedensprozesses zu tun als mit einem realen Friedensprozess.

Wadim Radionow: Dass diese Verhandlungen – oder diese Imitation von Verhandlungen – weitergehen, erweckt den Eindruck, dass das vor allem Putin nützt: Die Zeit bis zu einer Entscheidung der Vereinigten Staaten wird hinausgeschoben, und Putin kann weiter Krieg führen. Tomahawks werden nicht geliefert, Sanktionen wurden verhängt, aber insgesamt recht vorsichtig. Wir sehen Folgen, aber nicht so zerstörerisch, wie sie sein könnten. Und jetzt sagt Trump, ein Ultimatum an Russland werde nicht diskutiert. Und übrigens sagte er auch: Ja, wir sind uns mit Wladimir Putin einig, dass man auch keinen Waffenstillstand braucht. Man müsse diesen Krieg irgendwann beenden. Aber das ist genau das, was der Kreml sagt. Folglich erhält der Kreml einen Vorteil aus diesem ganzen Prozess.

Portnikov: Ja, ohne Zweifel. Ich bin der Ansicht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten nach Anchorage in der Wahrnehmung der Positionen fast auf die Seite der Russischen Föderation übergegangen ist. Denn vor Anchorage bestand Trump ständig auf einem Waffenstillstand. Was in Alaska oder nach Alaska geschah, was ihn dazu brachte, seine Position zu ändern, ist eine gute Frage. Andererseits: Ja, Putin hat nicht alles erreicht, weil es tatsächlich Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil gibt. Sie sind vielleicht nicht so zerstörerisch, aber sie verringern die russische Reserve erheblich. Es gibt die Bereitstellung von Geld für die Ukraine – diese 90 Milliarden Euro –, womit Russland nicht rechnen konnte. Und es ist klar, dass es der Ukraine lange Zeit wirtschaftlich gegenüberstehen muss, während die Ukraine in der Lage ist, Haushaltsprobleme zu bewältigen. Deshalb würde ich nicht sagen, Putin habe Erfolg in allem, was er geplant hat. Aber Sie haben absolut recht: Das ist ein Hinauszögern des Krieges, ein bewusstes Hinauszögern des Krieges. Obwohl Trump offensichtlich möchte, dass das alles so schnell wie möglich passiert.

Wadim Radionow: Wo endet denn dieses Wort „fast“? „Fast übergegangen.“ Wann wird „fast“ nicht mehr aktuell sein?

Portnikov: Wenn er aufhört, Putin unter Druck zu setzen. Wenn er auf jeglichen Sanktionsdruck auf Russland verzichtet. Dann.

Wadim Radionow: Aber heute übt er doch Druck aus, nur weich – wenn wir auf die Ebene schauen.

Portnikov: Hier gibt es immer die Frage, die man sich stellen muss: Hat er wirklich ein wirtschaftliches Arsenal, das es erlauben würde, den Krieg schnell zu beenden? Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil sind ernsthafte Sanktionen. Sie beenden den Krieg tatsächlich nicht an einem Tag. Aber hat er irgendein solches Potenzial – das ist eine gute Frage.

Wadim Radionow: Die wirtschaftliche Frage bleibt, aber es ist eben auch die Frage der Waffen. Diese Geschichte mit den Tomahawks wurde als rhetorisches Mittel benutzt. Und Putin hat damals, offenbar, wenn nicht Angst gehabt, so doch Unbehagen gespürt; er begann, Trump anzurufen; sie einigten sich, die Tomahawks verschwanden von der Agenda. Das wirkt also offenbar. Trump könnte irgendwann Tomahawks liefern, und Russland könnte den Vereinigten Staaten vermutlich nichts entgegenstellen – aber er tut es nicht.

Portnikov: Einverstanden, ja. Man sollte Trump nicht so provozieren, dass er die Geduld verliert und völlig ausrastet.

Wadim Radionow: Also: Deshalb soll man Trump nicht so provozieren?

Portnikov: Deshalb soll man Trump nicht provozieren.

Wadim Radionow: Aber er versucht es doch zugleich ziemlich spöttisch. Wir haben mehrfach gesagt: Sobald sich entweder ein Gespräch zwischen Donald Trump und Wladimir Putin anbahnt oder stattfindet, verstärken sich die Angriffe auf die Ukraine, auf zivile Infrastruktur. Einmal kann man sagen: „Okay, Zufall.“ Eine verständlichere Formulierung wäre: „Aber wir sehen, dass das ein klares Muster ist.“ Und heute Morgen, nachdem Donald Trump вчера sagte: „Ich glaube Wladimir Putin, er will den Krieg stoppen“, was macht Putin? Er gibt den Befehl, Saporischschja anzugreifen. Ob es gelingt oder не gelingt, ist eine andere Frage, aber er tut sofort etwas, das dem widerspricht, was Donald Trump sagt. Er spielt mit ihm – und spielt spöttisch. Aber Trump sieht das entweder nicht, oder …

Portnikov: Ja, ich stimme zu. Aber dafür muss Donald Trump selbst das bemerken. Denn es ist absolut offensichtlich: Trump nimmt Putin als jemanden wahr, der aus einer schwierigen Situation heraus will, während Putin Trump als einen inadäquaten Schwächling wahrnimmt. Und jedes Gespräch mit Trump empfindet er ganz natürlich als einen Schlag gegen das Selbstwertgefühl der Amerikaner: Wenn Trump ihn anruft, heißt das, dass er etwas von Putin will – also glaubt Putin, dass er sich jetzt mehr erlauben kann. Trump hat ihn doch gestern selbst angerufen, verstehen Sie? Eben.

Wadim Radionow: Und warum hat er ihn angerufen, übrigens – das wurde ja sogar betont.

Portnikov: Vor dem Treffen mit Zelensky – um die Positionen abzustimmen, um zu wissen, wie Putin die Situation sieht.

Wadim Radionow: Also stellt Trump ihn in diesem Krieg gleich, er legitimiert ihn damit.

Portnikov: Natürlich. Er ist doch Vermittler. Trump positioniert sich – anders als Biden – nicht als Verbündeter der Ukraine. Er positioniert sich als Vermittler. Für Biden war das ein Krieg der demokratischen Welt gegen Autoritarismus. Trump denkt überhaupt nicht in solchen Kategorien.

Wadim Radionow: Trump hat ja Probleme: Das erste Jahr seiner Amtszeit nähert sich, entsprechend kommen bald Zwischenwahlen. Trump muss etwas präsentieren. Und alles sieht, gelinde gesagt, nicht gut aus, weil er mit Putin flirtet. Vielleicht sieht er das nicht, aber seine Berater sehen wahrscheinlich, wie Putin sich gegenüber Trump verhält. Das lässt den amerikanischen Präsidenten nicht so stark und überlegen wirken, wie er selbst gerne erscheinen möchte. Kann das ihn nicht ernüchtern?

Portnikov: Sehen Sie, Sie sprechen von Beratern. Steve Witkoff sieht, scheint es, dasselbe wie Trump – wenn nicht sogar noch schlimmer. Ich habe den Eindruck, Trump versteht die Situation besser als Witkoff.

Wadim Radionow: Da ist Rubio, der dort ist.

Portnikov: Ja, aber die Frage ist, inwieweit ein Mensch wie Trump überhaupt in der Lage ist, auf Rubio zu hören. Sie sehen ja: Witkoff und J. D. Vance – sie sind völlig inadäquat in ihrer Einschätzung der Lage. Sie verstehen grundsätzlich nicht, wo sie sich befinden. Und übrigens kann man im Fall von J. D. Vance von einem Menschen sprechen, der Anspruch auf das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten erhebt und der noch stärker von der Realität abgekoppelt ist als Trump. Und auf Leute wie Rubio hört man vielleicht nicht besonders, und sie halten sich vielleicht zurück, um das Wohlwollen des amerikanischen Präsidenten nicht zu verlieren. Wir haben gesehen, welche politischen Verrenkungen Rubio machen musste, um in der Führung der Republikanischen Partei zu bleiben und einen Posten in der Administration zu bekommen. Er hat faktisch seine politischen Ansichten von konservativen zu ultrarechten gewechselt, die mit der traditionellen Plattform der Republikaner nichts zu tun haben. Und Rubio war immer ein besonders klarer Vertreter dieser traditionellen politischen Linie.  Er war ein Mitstreiter von John McCain. Deshalb stellt sich eine gute Frage: Wie sieht das alles real aus? Wie kann Trump die Situation wirklich wahrnehmen? Und wenn man über die Zwischenwahlen 2026 spricht, gibt es ebenfalls eine gute Frage: Wie prioritär ist die Ukraine-Frage für Donald Trump und für seine Wähler?

Ja, natürlich: Die Mehrheit der Republikaner wie auch der Demokraten sind Verbündete der Ukraine und Gegner Russlands. Aber für mich ist nicht entscheidend, welche Positionen diese Wähler haben, sondern wie sehr diese Frage das Wahlverhalten bestimmt. Das ist eine Haltung, verstehen Sie. Es gibt erstrangige Themen: Für Amerika sind das immer Wohlstand und Wirtschaft. Und es gibt zweitrangige Themen: Außenpolitik. Und wenn der Präsident Ihnen Wohlstand sichert, aber sich in außenpolitischen Fragen nicht so äußert, wie Sie es gern hätten – unterstützen Sie ihn und seine Partei oder unterstützen Sie diejenigen, deren außenpolitische Ansichten Ihnen näher sind, die aber Ihren Wohlstand nicht angemessen im Blick haben?

Was wählen Sie also: den Kühlschrank oder Amerikas globale Rolle? Amerikaner wählen immer den Kühlschrank. Immer. Das ist das Gesetz jeder amerikanischen Wahl. Eine andere Frage ist, dass Donald Trumps Verhältnis zur Wirtschaftspolitik ebenfalls kein Beispiel von Angemessenheit ist, und sein reales Problem könnte sein, dass er das nicht sehen will: dass er weiter ein Befürworter der Zölle ist, dass er weiter eine antimigrantische Politik befürwortet, die sich natürlich negativ auf die amerikanische Wirtschaft auswirken wird, weil sie ganz vorhersehbar einen Arbeitskräftemangel schaffen wird. Und es ist durchaus möglich, dass Amerika bis zu den Zwischenwahlen in einem Zustand sinkender wirtschaftlicher Möglichkeiten ankommt – nicht bei abstrakten Wirtschaftskennzahlen, sondern bei dem, was für den normalen Amerikaner im Alltag zählt. Aber der russisch-ukrainische Krieg wird trotzdem nicht das Prioritätsthema sein, verstehen Sie?

Wadim Radionow: Das ist doch eines der Zeichen von Autoritarismus: Man schafft Bedingungen, unter denen „wir euch Grundbedürfnisse sichern – vielleicht Bedürfnisse etwas über dem Grundniveau – und ihr gebt uns einen Freibrief dafür, was wir in Politik und Institutionen machen“.

Portnikov: Ich bin mir nicht sicher, dass das ein Zeichen von Autoritarismus ist. Ein Zeichen von Autoritarismus ist die Unmöglichkeit, die Macht zu wechseln. In den Vereinigten Staaten hat die Partei, die an die Macht kam, immer bessere wirtschaftliche Bedingungen für die Bevölkerung geschaffen, um diese Macht zu behalten. Wenn es ihr nicht gelang, kam ein anderer Präsident, die Zusammensetzung des Kongresses änderte sich. Das ist kein Zeichen von Autoritarismus. Menschen wählen Politiker, damit Politiker ihnen ein besseres Leben ermöglichen.

Ja, Menschen können dabei politische Prinzipien haben – ich sage es noch einmal: außenpolitische –, aber sie können nicht vordergründig sein. In diesem Sinne unterscheidet sich Amerika von Europa. Das ist kein Zeichen von Autoritarismus, das ist ein Zeichen der Neuen Welt. Wenn Sie Amerika wählen – das ist ja letztlich kein Land der indigenen Bevölkerung. Sie wählen ein besseres Leben. Sie hatten ein schlechteres Leben auf jedem anderen Kontinent: in Europa, in Asien, inzwischen auch in Lateinamerika, obwohl man auch das nicht als Ort der indigenen Bevölkerung bezeichnen kann. Und Sie wählen die Vereinigten Staaten, um besser zu leben. Ja, man kann sagen: Werte helfen auch, besser zu leben. Aber grundsätzlich: Wenn Sie ein normaler Mensch sind, sind Sie dorthin gekommen, um besser zu leben; es hat in Europa historisch nicht geklappt, bei Ihren Eltern nicht, bei Ihren Großeltern nicht. Ja, Sie wollen, dass Amerika selbst demokratisch ist. Aber zur Frage seiner weltweiten Rolle können Sie verschieden reagieren. Vielleicht stimmen Sie dieser Rolle zu, aber wie wichtig ist sie für Ihr Alltagsleben? Verstehen Sie?

Wadim Radionow: Ich meinte das Abschalten bestimmter Institutionen – im Tausch dafür, dass „wir eure Grundbedürfnisse sichern, und wir schalten nach und nach einige Institutionen ab“

Portnikov: Das ist schon eine andere Frage. Da können Menschen diese Institutionen ganz konkret als Sicherung ihrer Rechte wahrnehmen. Sie können das mit ihrem Leben in Amerika verknüpfen. Sie können diese Institutionen als Garantien eines normalen Lebens in Amerika verstehen. Das wird nicht so bei irgendeinem USAID sein, aber bei den anderen Institutionen: der Gerichtsbarkeit und so weiter. Das kann ein zentraler Bestandteil des Wahlprozesses sein, weil der Amerikaner ein normales, komfortables Leben in Amerika will.

Wadim Radionow: Fragen von unseren Zuschauern: „Gibt es in diesem Krieg noch irgendwelche roten Linien? Warum löst Lawrows Aussage, dass neue Ziele bestimmt seien und dass man auf Regierungsviertel schlagen könne, Überraschung aus? Gibt es noch etwas, das Russland aus irgendwelchen Gründen nicht tut oder einfach nicht tun kann?“

Portnikov: Ich habe keinerlei Vorstellung von roten Linien. Die einzige rote Linie, die aktuell existiert, ist sicherlich die Linie eines nuklearen Schlages. Alle anderen roten Linien hat Russland längst überschritten. Ich sehe übrigens keine roten Linien in Schlägen gegen das Regierungsviertel, gegen Gebäude des Generalstabs der Streitkräfte der Ukraine, gegen das Verteidigungsministerium – denn solche Schläge wurden schon geführt. Sie konnten das Ziel verfehlen, aber Versuche, stabartige Ziele zu treffen, wurden von Russland immer unternommen.

Wadim Radionow: Ja, das hat nur deshalb so eine Reaktion ausgelöst – ich sehe diese Reaktion erst nur in sozialen Netzwerken –, weil sich das Thema verbreitet: Russland könne jetzt einen Schlag gegen das Regierungsviertel der Ukraine führen, so als hätte es das nie gegeben oder als hätte man das nie in Betracht gezogen. Nur: Russland kann nicht immer tun, was es will.

Portnikov: Vergessen Sie nicht: All diese Lawrow-Erklärungen passieren vor dem Hintergrund eines weiteres Gesprächs Trumps mit Putin, soweit ich es verstehe.

Wadim Radionow: Also als Element des Feilschens, wie wir es betrachten können.

Portnikov: Ja, das kann ebenfalls ein Element des Feilschens sein. Trump spricht mit Putin, Zelensky spricht mit Witkoff. Das ist alles.

Wadim Radionow: Hier schreiben sie, Trump habe ein positives Gespräch mit Putin geführt, meldet der Pressedienst des Weißen Hauses.

Portnikov: Also noch ein Gespräch mit Putin. Und vor dem Hintergrund dieses positiven Gesprächs mit Putin denkt Putin über einen neuen Schlag gegen die Ukraine nach.

Wadim Radionow: Das ist wie eine verkehrte Welt oder eine gekippte Welt, wie bei Priest in seinem Roman, wenn Menschen durch eine verzerrte Ebene auf die Situation schauen und nicht verstehen, dass es eine Verzerrung ist. Als Mensch sage ich: Einerseits scheint alles sichtbar, aber vielleicht scheint es vielen nicht so. Man kann die Realität einfach umdrehen und einen krummen Spiegel als echten Spiegel ausgeben – und wir beginnen so zu schauen. So funktioniert diese Welt insgesamt.

Portnikov: Ich halte es durchaus für möglich, dass all diese Gespräche über Schläge auch ein Element des Drucks auf Zelensky sind, damit Zelensky beispielsweise territorialen Zugeständnissen zustimmt. Kann das sein?

Wadim Radionow: Aber Zelensky kann doch nicht – ich wage zu vermuten – territorialen Zugeständnissen zustimmen, weil erstens die Gesellschaft das nicht akzeptiert. Das ist sowohl für ihn selbst als auch für die Gesellschaft ein großes Problem.. Er hat hier keinen Spielraum. Ganz gleich, wenn er wollte oder nicht.

Portnikov: Einerseits haben Sie recht, andererseits müssen wir verstehen, was die Form territorialer Zugeständnisse ist. Die Ukraine kann selbstverständlich nicht auf die Oblaste Donezk, Luhansk, Cherson, Saporischschja, auf die Krim, Sewastopol verzichten. Das ist, ehrlich gesagt, aus verfassungsrechtlicher Sicht nicht umsetzbar – selbst wenn man annimmt, dass die Mehrheit der ukrainischen Bürger in einem Referendum dafür stimmen würde. Danach stoßen wir auf eine verfassungsrechtliche Sackgasse, glauben Sie mir. Aber wenn es etwa um eine Freie Wirtschaftszone geht, ist es möglich, dass wir eine völlig andere Situation sehen. Eine Freie Wirtschaftszone bedeutet ja nicht, dass dieses Gebiet als russisch anerkannt wird. Die Frage ist natürlich der Status dieser Zone, welche Kräfte dort anwesend sein werden. Juri Uschakow sagt, dort könne die Rosgwardija stehen. Nun – und wenn nicht Rosgwardija, wenn eine lokale Miliz? Erinnern Sie sich: So war es in den Minsker Vereinbarungen.

Wadim Radionow: „DNR“, „LNR“.

Portnikov: Dort war die Präsenz einer „lokalen Miliz“ aus örtlichen Bewohnern vorgesehen – wenn es ein demilitarisiertes Gebiet ohne russische Truppen, aber auch ohne ukrainische ist. Das könnten nächste amerikanische Vorschläge sein. Ich sage nicht, dass es so wird, aber es könnten nächste amerikanische Vorschläge sein. Ich verstehe nicht, warum man dann ein Referendum durchführen müsste und so weiter, wenn all das formal als Teil des ukrainischen Staatsgebiets geregelt wäre.

Wadim Radionow: Ist ein Referendum überhaupt möglich?

Portnikov: Nach dem Referendumsgesetz kann man ein Referendum durchführen und die Frage der territorialen Integrität darauf setzen. Aber dann muss diese Frage der Werchowna Rada vorgelegt werden. Sie muss entsprechende Verfassungsänderungen in zwei getrennten Sitzungsperioden einbringen. Dann braucht es ein Urteil des Verfassungsgerichts. Sehr wahrscheinlich kann das Urteil des Verfassungsgerichts nur negativ sein, weil die Verfassung der Ukraine direkt Entscheidungen verbietet, die mit der territorialen Integrität des Landes zusammenhängen.

Kann das Verfassungsgericht die Verfassung anders interpretieren? Das könnte das sein, was Putin erreichen will: das ukrainische Recht zu brechen, von den Ukrainern zu verlangen, ihre eigene Verfassung entgegen ihrem Inhalt zu interpretieren. Das ist möglich. Aber man muss erst das Kriegsrecht aufheben, denn das Referendumsgesetz und die Verfassung verbieten, soweit ich mich erinnere, unmittelbar jegliche Verfassungsänderungen während des Kriegsrechts. In jedem Fall kann das nicht passieren. Selbst eine falsche Interpretation, verstehen Sie, kann nicht passieren, solange Kriegsrecht gilt und der Krieg läuft. Das kann man alles nur unter Friedensbedingungen machen.

Wadim Radionow: Und was die mögliche „Zerbrechung“ des Systems betrifft – wie könnte das umgesetzt werden? Wir sehen ja, wie Russland mit seiner eigenen Verfassung umgeht: Das ist kein Dokument, das zwingend befolgt werden müsste.

Portnikov: Natürlich: Das Verfassungsgericht der Russischen Föderation ist nur ein Instrument in Putins Händen. Und dieses Instrument ist aus Sicht des Schutzes des Verfassungsrechts völlig funktionslos. Und übrigens ist die langjährige Präsenz von Walerij Sorkin, der seine Karriere faktisch damit begann, Krisen zu erzeugen – wenn Sie sich erinnern, 1993 –, in vieler Hinsicht eine Illustration dessen, dass das Verfassungsgericht nur derselbe Teil der Machtvertikale ist, wie zum Beispiel die Russische Orthodoxe Kirche. Und darin liegt die Tragödie Russlands: Sowohl der Vorsitzende des Verfassungsgerichts, der Garant der Gesetzlichkeit sein sollte, als auch der Patriarch, der Garant der Moral sein sollte, sind in Wirklichkeit Garanten der Gesetzlosigkeit und Unmoral des russischen Staates. Das ist furchtbar.

Wadim Radionow: Übrigens: 1993 – diese Doppelherrschaft, die Entscheidung anzugreifen, Panzer, Schüsse, viele Tote. Später wurden die Zahlen lange kleingeredet. Ist das nicht der Punkt, an dem Russland hätte „nicht abbiegen“ können? Genau 1993. Ich denke immer häufiger darüber nach.

Portnikov: Wie hätte Russland nicht abbiegen können, wenn im Grunde schon 1993 ein Konsens entstanden war, der die Machtübernahme durch antidemokratische Kräfte vorsah? Das war faktisch eine Einbahnstraße in entgegengesetzte Richtungen – ein völlig unvermeidlicher Zusammenstoß. Es ist völlig klar: Wenn der damalige Präsident Boris Jelzin dem Kongress der Volksdeputierten Russlands nachgegeben hätte, wären völlig andere Kräfte an die Macht gekommen. Der Putinismus hätte dann nicht 2000 begonnen, sondern 1993 – und man weiß nicht, in welcher Form. Vergessen Sie nicht: Das war gerade das Parlament, das noch lange vor Putin einen Beschluss über den „russischen Status“ Sewastopols gefasst hat. Und vergessen Sie nicht: Auf Seiten dieses Parlaments stand der Vorsitzende des Verfassungsgerichts. Verstehen Sie? Das waren Menschen, die 1993 Teilnehmer dieses, ich würde sagen, politischen Revanches waren. Sie haben eine Evolution durchgemacht und entschieden, dass ihnen ihr sowjetischer Autoritarismus lieber ist als jede demokratische Entwicklung.

Sie kennen die Geschichte von Ruslan Chasbulatow, der Seite an Seite mit Boris Jelzin vor dem Weißen Haus stand – 1991. Er war einer der Helden des August 1991. Ich kann Ihnen die Geschichte von Walerij Sorkin erzählen: Walerij Sorkin kandidierte für das Amt eines Volksdeputierten Russlands und verlor die Wahl. Und meine Freunde, Kollegen sagten damals: Es gibt einen äußerst talentierten Juristen, einen klugen Mann, einen Demokraten und Liberalen. Und weil ich damals schon als Parlamentskorrespondent auf dem Kongress der Volksdeputierten der UdSSR gearbeitet habe, hatte ich gewisse Erfahrung, ein Verständnis dafür, was Parlamentarismus ist. Sie baten mich, mich mit diesem Mann zu treffen und ihm zu erklären, wie die Arbeit eines Volksdeputierten unter neuen Bedingungen aufgebaut sein sollte, wie ein Wahlkampf aussehen sollte. Ich führte eine Reihe von Treffen mit Walerij Sorkin. Vor den Wahlen der Volksdeputierten der Russischen Föderation sah ich einen ehrlichen, anständigen Juristen, der von Veränderungen träumte. Ich war begeistert. Und wenn ich heute auf das Monster schaue, das jetzt das Verfassungsgericht der Russischen Föderation leitet, das diese Verfassung dadurch mit Füßen getreten hat, dass es die Gebiete eines anderen Staates Russland einverleibt hat – wie, glauben Sie, fühle ich mich?

Wadim Radionow: Bis zu welchem Moment hielt diese Begeisterung an? Wann haben Sie gespürt, dass etwas nicht stimmt?

Portnikov: 1993 habe ich es gespürt: Ich hoffte, dass Sorkins Eingreifen in die Verfassungskrise zu ihrer Lösung führen würde, aber in Wirklichkeit hat er sie angeheizt. Das ist alles. Als Sorkin die Wahlen verlor, tat es mir leid, dass er kein neuer Volksdeputierter wird. Dann wurde er ins Verfassungsgericht gewählt – ich hielt das für einen sehr würdigen Platz für ihn. Dann wurde er zum Vorsitzenden des Verfassungsgerichts gewählt. Ich dachte: Wie viel Glück Russland hat. Ein Richter, Jurist, Reformator – der mir so viel von seinen Reformplänen erzählt hat, davon, dass es eine gerechte Justiz geben müsse, der die Justiz der demokratischen Welt bewunderte. Ich kann aus diesen Gesprächen ein Buch schreiben, verstehen Sie? Und plötzlich sah ich einen völlig anderen Menschen. Ich verstand, dass dieser Mensch mich belogen hat. Er sagte mir einfach das, was ich hören wollte – vielleicht, damit ich ihn mit größerem Enthusiasmus auf die Wahlen vorbereite.

Wadim Radionow: Ist das eine Transformation des Menschen im System? Ich habe eine Sichtweise gehört – wenn ich mich nicht irre, äußerte das Vitaly Mansky: „Wen man auch immer in das russische Machtsystem hineinsetzt – am Ende wird er zu einem bedingten Putin.“ Also: Das System ist stärker als der Mensch.

Portnikov: Ein enger Freund von mir, der ziemlich lange in den höchsten Etagen der russischen Macht war, sagte mir einmal – noch in den 1990er Jahren, ich würde sagen, auf dem Höhepunkt seiner Karriere –, dass anständige Menschen in der russischen Macht keinen Platz haben. Danach sprachen wir lange nicht. Dann trafen wir zufällig an einem Flughafen aufeinander. Wir waren nicht mehr eng befreundet; wir standen nebeneinander, und er fragte mich, ob ich mich an seine Worte erinnere. Ich sagte: Ja, erinnere ich. Für mich waren seine Worte in gewissem Maße ein politisches Urteil über das System, das sich in Russland in den 1990ern zu formen begann. Und er sagte mir: „Ich möchte zwei Worte hinzufügen. In der russischen Macht braucht man jetzt nicht nur keine anständigen, sondern auch keine professionellen Menschen.“ In Anbetracht des Niveaus der Befugnisse und Möglichkeiten, die dieser Mensch hatte, erschrak ich noch mehr als in den 1990ern.

Wadim Radionow: Es kommen Meldungen, dass Russland einen kombinierten Schlag gegen die Ukraine vorbereitet, die Bedrohung ist erhöht. Und man schreibt auch: Zelensky sagte, jetzt müssten alle aufmerksam sein – absolut alle –, es könne ein Schlag gegen die Hauptstadt erfolgen. Und russische Kanäle treiben das Thema eines Schlages gegen Regierungsobjekte und staatliche Einrichtungen der Ukraine hoch. Das sind Nachrichten, die jetzt eine nach der anderen eintreffen. Der Präsident der Ukraine sagte, die Russen versuchten so, den Verhandlungsprozess mit den Vereinigten Staaten zu sabotieren.

Portnikov: Wunderbare Nachrichten – ganz im Sinne von Putins Vorstellung von Gut und Böse.

Wadim Radionow: Und Trump ist zufrieden. Trump hat ein positives Telefonat mit Putin zur Ukraine beendet. Diese Nachricht kam parallel zu dem Thema, das ich Ihnen vorgelesen habe, aus dem Weißen Haus, und Karoline Leavitt veröffentlichte sie in ihrem sozialen Netzwerk. Ich lese das: Das eine widerspricht dem anderen, oder? Jeder Zuschauer, der jetzt zusieht, wird sagen: „So kann das nicht positiv sein.“

Portnikov: „So kann das nicht sein. Ihr seid verrückt. Was besprecht ihr da?“

Wadim Radionow: Wir besprechen das, wir verstehen das, alle sehen das, die ganze Welt sieht das – diejenigen, die die Lage verfolgen. Aber da ist noch etwas: Gestern sagte Ursula von der Leyen, wir seien näher an Fortschritten. Alle wahren irgendeinen diplomatischen Anstand, sagen Dinge, die Trump nicht kränken. Und all das passiert innerhalb eines Rahmens. Ich habe keine Antwort darauf. Das ist nur eine Bemerkung. Nicht einmal eine Frage.

Portnikov: Ja, ich verstehe.

Wadim Radionow: Wir konstatieren einfach einen gewissen Absurdität, die gerade in der Weltpolitik passiert. Das ist wahrscheinlich ein Bruch der Diplomatie, der Politik, irgendeines politischen Dialogs. So etwas gab es nicht.

Portnikov: Natürlich – weil Putin zuerst die Welt der Regeln zerbrochen hat, und dann sich Trump ihm angeschlossen hat. Sie werden doch nicht bestreiten, dass wir seit Trumps Einzug ins Weiße Haus in einer Welt absoluten Chaos und einer Welt ohne Regeln leben, wo alles vom Stimmungszustand und vom Situationsverständnis eines einzigen Menschen abhängt, der weit von der Realität entfernt ist.

Wadim Radionow: Und dass Lawrow sagte: Wenn China Taiwan angreift, dann wird Russland China unterstützen. Und überhaupt, Lawrow …

Portnikov: „Unterstützen“ heißt nicht, gemeinsam zu kämpfen – das heißt unterstützen. Ich würde das auch nicht übertreiben.

Wadim Radionow: Wie bei der OVKS, ja?

Portnikov: Ja, wahrscheinlich. Und ich glaube nicht, dass China in diesem Fall russische Dienste braucht. Aber dennoch: Sie sagen klar, wessen Verbündete sie sind. Das ist, scheint mir, auch eine kleine Neuigkeit für Trump.

Wadim Radionow: Und dass sie Lawrow nach vorne schicken: Lawrow ist formal eine Person mit Amt, der Außenminister. Das soll den Effekt verstärken. Eine Sache ist, wenn ein Vizeminister oder Rjabkow spricht – der spricht oft.

Portnikov: Ja, oder Medwedew. In diesem Fall wollen sie zu institutionalisierten Drohungen übergehen.

Wadim Radionow: Genau dieser Punkt: Nicht Lawrow spricht – eine Institution spricht.

Portnikov: Ja, ja, völlig richtig. Die russische Macht …

Wadim Radionow: Soll Europa sich jetzt bereit machen?

Portnikov: Ich denke nicht, dass Europa sich jetzt sofort bereit machen muss, aber an Europas Stelle würde ich mich generell auf eine weitere Portion Unzurechnungsfähigkeit vorbereiten – man weiß nur nicht, wann sie kommt.

Wadim Radionow: Zum Abschluss unseres heutigen Gesprächs frage ich nach 2026. Man sehnt sich so sehr nach etwas Hellem, Gutem, Dauerhaftem und Positivem. Aber wir sehen: Putin und Trump hatten ein positives Telefonat. Wenn man aber auf 2026 schaut – ich verstehe, Prognosen sind undankbar. Wenn man die Zukunft für 2026 modelliert …

Portnikov: Wenn man die Zukunft modelliert, dann befinden wir uns in einem Flugzeug, das in eine Turbulenzzone geraten ist. Diese Turbulenz wird 2026 anhalten – wichtig ist, das Flugzeug zu erhalten.

Wadim Radionow: Turbulenz gilt nicht als der gefährlichste Zustand. Sie ist nur ziemlich beängstigend.

Portnikov: Ja – wenn du danach landen kannst.

Wadim Radionow: Ich bin einmal mit einem Flugzeug gelandet, bei dem das Fahrwerk gebrochen war.

Portnikov: Viele von uns haben unterschiedliche Landeerfahrungen, aber wichtig ist, den großen Flieger zu landen, wie Sie verstehen.

Wadim Radionow: Ja, ich erinnere mich: Damals bekreuzigte sich der Pilot, aber wir sind gut gelandet. Ich schrieb sogar eine große Reportage darüber. Gott gebe, dass es so sein wird. Möge dieses Jahr zumindest nicht schlimmer sein als das Vorherige. Natürlich wünschen wir allen Frieden – zu gerechten Bedingungen für die Ukraine. 


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Interview
Titel des Originals: СРОЧНО! ПОРТНИКОВ: „Это эскалация“. Лавров заявил об атаке на Путина, что с Трампом, РФ готовит удар. 29.12.2025.
Autor: Wadim Radionow, Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 29.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump – Zelensky: Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 28.12.2025.

Wie wir es vereinbart hatten, werden wir über die Ergebnisse des Treffens sprechen, das heute in Mar-a-Lago stattgefunden hat. Ein Treffen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump und dem Präsidenten der Ukraine Volodymyr Zelensky. Ein ziemlich wichtiges Treffen – im Hinblick darauf, was in den Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine geschieht. Ziemlich wichtig auch im Hinblick auf die Logik dieses Friedensprozesses, der erst vor Kurzem angestoßen wurde. Ziemlich wichtig ebenso im Hinblick auf all jene Veränderungen, die im eigentlichen Prozess der westlichen Unterstützung für die Ukraine eintreten könnten.

Und wenn wir kurz die Erklärungen analysieren, mit denen die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine nach diesem Mittagessen in Mar-a-Lago und nach ihrem Telefonat mit den europäischen Staats- und Regierungschefs aufgetreten sind – und das alles war ein sehr langer Prozess: Das Gespräch zwischen Zelensky und Trump dauerte etwa 2,5 Stunden, was für einen amerikanischen Präsidenten ziemlich ungewöhnlich ist, der normalerweise all diese Verhandlungsfragen schneller löst. Und danach dauerte das Gespräch mit den Regierungschefs der europäischen Länder, dem Generalsekretär der NATO und der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen praktisch noch eine Stunde.

Nun, in all diesen Gesprächen sehen wir bislang keinerlei Konkretes. Als der Präsident der Ukraine in Mar-a-Lago eintraf, hieß es, dass zu 90 % jene Vereinbarungen abgestimmt seien, die zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten bestehen. Als Trump und Zelensky vor die Öffentlichkeit traten, stellte sich heraus, dass von 95 % die Rede ist. Nun, 95 % ist natürlich besser als 90, aber es ist eindeutig nicht 100 %. Und soweit wir es verstehen, bleiben diese zwei Punkte, die gewissermaßen nicht abgestimmt sind, die schwierigsten – weil sie noch nicht mit Moskau abgestimmt wurden.

Das heißt, es geht um territoriale Fragen; es geht darum, dass die Russische Föderation im Kern als Hauptbedingung darauf besteht, dass ukrainische Truppen aus dem Gebiet des Donbas abgezogen werden, und die Vereinigten Staaten – ohne diese Idee direkt zu fordern – unterstützen im Grunde die Position Moskaus. Denn Trump sagte heute, die Ukraine müsse das schneller entscheiden, weil Russland sonst noch mehr Territorium nehmen könne.

Was ist noch zu sagen, damit wir die amerikanische Position grundsätzlich verstehen? Sicherheitsgarantien seien angeblich vollständig abgestimmt – und zugleich eben nicht, denn Trump hat keinerlei Konkretes zu diesen Sicherheitsgarantien genannt. Trump sagte, die Hauptlast für die Sicherheit der Ukraine werde bei den europäischen Ländern liegen.

Aber ich habe immer die Frage: Was bedeutet „die Last der Sicherheit bei europäischen Ländern“, wenn die größte nukleare Supermacht der Gegenwart – die Russische Föderation – die Ukraine angegriffen hat? Ein Staat, der in Bezug auf das nukleare Arsenal der Nachfolger der Sowjetunion ist. Ein Staat, der die Menschheit in wenigen kurzen Stunden vernichten kann. Und die einzige reale sicherheitspolitische Alternative zu dieser Supermacht ist eine andere Supermacht – die Vereinigten Staaten von Amerika. Andere Supermächte außer den Vereinigten Staaten und Russland gibt es heute nicht. Selbst die Volksrepublik China hat sich in ihrem nuklearen Potenzial bislang diesen beiden Ländern nicht angenähert. Deshalb sind Worte darüber, dass europäische Länder die wichtigsten Garanten der ukrainischen Sicherheit sein sollen, eher beruhigende Worte als reale Handlungen.

Dann verstehen wir natürlich nicht besonders gut, wie die Frage dieser territorialen Integrität gelöst werden soll. Zelensky hat das bis zum Ende ebenfalls nicht gesagt. Er sprach davon, dass man vielleicht ein Referendum abhalten könne, vielleicht könne man auch kein Referendum abhalten; vielleicht könne es im Parlament gebilligt werden. Wir verstehen überhaupt nicht genau, worum es geht: um eine entmilitarisierte Zone, um eine Freihandels- oder Sonderwirtschaftszone? Wie soll der Status dieser Zone festgelegt werden – braucht man dafür tatsächlich ein Referendum, braucht man tatsächlich ein Gesetz, das das Parlament verabschiedet? Worum geht es grundsätzlich?

Wir wissen es nicht, weil in den Aussagen beider Präsidenten zu lesen ist, dass es aus einem ganz einfachen Grund keinerlei echte Konkretheit gibt. Das entscheiden nicht sie – das entscheidet der Präsident Russlands. Wenn sie sich nicht mit ihm verständigen können und er weiter darauf beharrt, dass die Ukraine einfach die Truppen aus der Oblast Donezk abzieht, weil das ein Subjekt der Russischen Föderation sei, die „Donezker Volksrepublik“, was können dann beide Präsidenten tun – außer auf dieser Pressekonferenz aufzutreten?

Trump sprach übrigens von der Möglichkeit eines dreiseitigen Treffens, bei dem er anwesend wäre und bei dem Putin und Zelensky dabei wären. Er sagte sogar, Putin sei mit der Durchführung eines solchen Treffens einverstanden. Wir wissen jedoch, dass von russischer Seite so etwas nicht zu hören war. Ich halte den historischsten Satz Trumps auf dieser Pressekonferenz für das Verständnis der Angemessenheit des Prozesses sly bezeichnend, die Worte, Russland wolle die Ukraine erfolgreich sehen. Putin wolle die Ukraine erfolgreich sehen. Das kann man jetzt in Mar-a-Lago irgendwo in goldenen Buchstaben auslegen. Trump liebt ja goldene Buchstaben.

Und am interessantesten: Im Energiesektor will Putin die Ukraine erfolgreich sehen. Wir sind Menschen, die unter ständigen Stromabschaltungen leben. Viele haben außerdem keine Wärme oder kein Wasser. Wir sehen den Wunsch des russischen Präsidenten, die Ukraine erfolgreich zu machen. Das ist einfach eine unglaubliche Einschätzung, die noch einmal zeigt, wie sehr Trump in seinen widersprüchlichen und negativen Beziehungen zu Putin durcheinandergeraten ist.

Für ihn sind diese Beziehungen ein echter Komplex. Während dieser Pressekonferenz sagte er mehrmals, Russland sei von der korrupten Hillary dämonisiert worden. Was meinte er damit? Die Vorwürfe gegen den amerikanischen Präsidenten wegen seiner Verbindungen nach Moskau, die während seiner ersten Präsidentschaft im Raum standen – als es die Untersuchung gab, wie Sie wissen, ob die Russische Föderation in die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten eingegriffen habe. Für Trump war das ein unglaublicher politischer Komplex, mit dem er lebte.

Dann wurde dieser Komplex von seiner Niederlage bei den nächsten Präsidentschaftswahlen verdrängt, die er bis heute nicht anerkannt hat. Und jetzt kehrt er zu dieser Geschichte zurück. Ich würde sagen: zu beiden Geschichten. Er sprach auch darüber, dass es schlecht gewesen sei, dass es dieses Russland-Thema gab. Er erinnerte erneut daran, dass Biden für den Krieg – ich weiß schon nicht mehr, welche Zahl er nannte – 350 Milliarden Dollar oder so ausgegeben habe, und nichts erreicht hat.

Aber er selbst sagte nicht, dass er das erreichen kann. Er sagte, er hoffe, dass es gelingen werde, aber er nennt keine Fristen. Vielleicht klappt es, vielleicht auch nicht. Wenn nichts klappt, wird man weiterkämpfen müssen. Es werden wieder Menschen sterben.

Also: Wo ist die Konkretheit? Das ist für mich eine ziemlich wichtige Frage. Und das ist natürlich nicht einmal eine Frage an Zelensky. Zelensky kann man in so einer Situation nur bedauern – denn im Grunde versucht Trump bislang, bei einem Spiel, das offensichtlich noch nicht beendet ist, ein gutes Gesicht zu machen. Konkretheit gibt es im Prinzip auf institutioneller Ebene. Worin besteht diese institutionelle Konkretheit? Darin, dass Arbeitsgruppen geschaffen werden.

Dieses Thema klang zweimal an. Es klang nach dem Telefonat der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation; es klang vom Berater des Präsidenten Russlands Juri Uschakow. Und nach diesem Gespräch zwischen Putin und Trump sprach eben Uschakow von diesen Arbeitsgruppen. Auf der Pressekonferenz von Trump und Zelensky klang das Thema der Arbeitsgruppen ebenfalls an.

Dabei kann man dieses Mal sagen, dass Trump diese Arbeitsgruppen institutionalisiert hat. Und das ist sehr gut, weil die Institutionalisierung von Arbeitsgruppen zumindest nicht zulassen wird, dass Steve Witkoff oder Jared Kushner sich mit irgendwelchen Projekten und Hirngespinsten beruhigen.

In der Arbeitsgruppe wird tatsächlich Steve Witkoff sein, der Sonderbeauftragte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der, wie Sie wissen, diesen Verhandlungsprozess betreut und sich wiederholt mit Präsident Putin getroffen hat. Es wird Trumps Schwiegersohn Jared Kushner dabei sein, der sich in den letzten Wochen ebenfalls in diesen Prozess eingeschaltet hat. Aber dort werden auch der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio und der Kriegsminister Pete Hegseth sein.

Warum ist das wichtig? Weil sowohl Rubio als auch Hegseth vor eine Sitzung des Kongresses geladen werden können. Sie müssen vor Senatoren und vor Mitgliedern des Repräsentantenhauses über ihr Handeln Rechenschaft ablegen. Das heißt, sie werden keine Entscheidungen treffen können, die geheim gehalten oder informell wären.

Witkoff und Kushner können aufgrund ihrer Möglichkeiten in jedem Fall nur bestimmte staatliche Entscheidungen vorbereiten – und damit ist es im Grunde getan. Rubio und Hegseth aber müssen Entscheidungen treffen, die tatsächlich von Trump unterschrieben werden können – als Dokument, für das er verantwortlich sein wird. Das ist also ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt.

Trump beharrt weiterhin darauf, dass man all diese Probleme in den nächsten Wochen lösen könne. Nun, auch das ist ein wichtiges Versprechen – aber er hat nicht anerkannt, dass es zwingend so sein wird; er sagt: Wir werden es versuchen, und wir können es schaffen.

Das heißt: Es war ein Treffen ohne jede Konkretheit. Und ich verstehe es so, dass man in Moskau mehr Konkretes erwartet hat als wir. Man erwartete, dass Trump herauskommt und sagt, die Ukraine zieht die Truppen aus dem Donbas ab, dass die ukrainischen Streitkräfte von dort abgezogen werden und dass die Ukraine dort Wahlen durchführt.

Ich verstehe übrigens bis heute überhaupt nicht, warum Amerikaner und Russen auf unseren Wahlen bestehen – so, als ginge sie das etwas an. Ich erinnere noch einmal: Wahlen sind eine innere Angelegenheit der Ukraine. Wenn das Gesetz über das Kriegsrecht Wahlen verbietet, dann verbietet es sie eben. Wahlen finden dann statt, wenn sie nicht mehr durch Gesetz verboten sind. Ich denke, die überwältigende Mehrheit der ukrainischen Bürger unterstützt mich in dieser offensichtlichen These. Es kann keine illegitimen Wahlen unter Umgehung der Gesetze geben. Es kann keine Wahlen in „Diia“ geben. Das ist alles, verstehen Sie, völliger Unsinn. Wir dürfen keine Wahlen durchführen, nur weil die Russen das wollen. Zumal die Russen keinerlei Wahlen in „Diia“ anerkennen und einfach weiter ihre Märchen über die Illegitimität von Zelensky erzählen werden.

Wenn wir Zelensky als legitim anerkennen – warum sollten wir dann überhaupt Schritte unternehmen, die unsere Anerkennung seiner Legitimität untergraben könnten – ohne dass wir damit bei unseren Gegnern einen Vorteil verschaffen? Was soll das? Das ist sozusagen eine Randbemerkung, wie Sie verstehen. Aber Sie müssen klar im Kopf behalten: Egal was Putin, Trump, Propagandisten – hier oder dort – erzählen: In der Ukraine gibt es einen legitimen Präsidenten und ein legitimes Parlament.

Nach der Gesetzgebung werden Wahlen dann stattfinden, wenn der Krieg beendet ist, das Kriegsrecht aufgehoben ist und entsprechende Bedingungen für eine ehrliche und konkurrenzfähige Abstimmung geschaffen sind: für Bürger der Ukraine, die in der Ukraine selbst leben, für ukrainische Soldaten und für Bürger der Ukraine, die sich außerhalb der Grenzen unseres Landes befinden. Diese drei Komponenten müssen bei jeder Wahl berücksichtigt werden. Und diese Wahlen können erst in Jahren stattfinden – nicht in Wochen.

Und Wahlen, die in Wochen stattfinden, glauben Sie mir, wären ohnehin Übergangswahlen. Und die Macht, die aus solchen Wahlen hervorginge, wäre zwangsläufig gezwungen, Neuwahlen nach realer Gesetzgebung durchzuführen – falls solche Wahlen überhaupt stattfinden. Das ist, wie Sie verstehen, schlicht nicht fassbar. In diesem Sinne gibt es also ziemlich wichtige Punkte, über die man ebenfalls nachdenken muss.

Das sind die ersten Ergebnisse dieser Gespräche – und das wichtigste Ergebnis ist, wie Sie verstehen, das Fehlen konkreter Thesen, mit denen die Präsidenten Trump und Zelensky hätten auftreten können.

Man muss sagen: Das ist nicht so schlecht. Einerseits sehen wir, dass der ukrainische Präsident nicht auf irgendeinen Druck von amerikanischer Seite eingeht. Wir müssen uns bewusst sein, dass dieser Druck existiert – sonst würde Trump Putin nicht anrufen und nicht all diese sinnlosen Gespräche mit ihm führen.

Aber auch Trump zeigt keine besondere Gereiztheit. Denn Sie wissen ja: Die größte Gefahr in Beziehungen mit Trump ist, zu dieser Geschichte im Oval Office zu gelangen – zu dem Skandal, der während des ersten Treffens von Zelensky mit Trump passierte, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus zurückgekehrt war.

Das gibt es jetzt nicht. Und Trump fragte gut gelaunt, wie Zelensky das Mittagessen gefallen habe, das sie dort gegessen haben – bei dem übrigens Torten mit dem Namen Trump serviert wurden. Man sollte keinen Moment daran zweifeln, dass das so sein musste. Das ist ein Moment eher alltäglicher Natur, aber er erlaubt zu hoffen, dass der Präsident der Vereinigten Staaten weiterhin in normalen Beziehungen zum Präsidenten der Ukraine steht und nicht vorhat, sich an der Ukraine dafür zu rächen, dass die Verhandlungen nicht so enden, wie er es sich wünschen würde.

Auch die europäischen Führungskräfte traten nach diesem Gespräch mit Trump im Prinzip mit optimistischen Erklärungen auf; sie sprachen davon, dass es ein gutes konstruktives Gespräch gewesen sei. So sprach der Präsident Finnlands Alexander Stubb. So sprach der Präsident Polens Karol Nawrocki, der ebenfalls Teilnehmer dieses Gesprächs war; er sprach über die Bedeutung des Hubs in Rzeszów, am Flughafen Rzeszów-Jasionka. Und das war ebenfalls ein wichtiges Gespräch zwischen Präsident Trump und den europäischen Staats- und Regierungschefs, an dem sich der Generalsekretär der NATO beteiligte und an dem sich die Präsidentin der Europäischen Kommission beteiligte.

Das zeigt im Prinzip, dass die Amerikaner die Europäer in der Situation im Zusammenhang mit dem russisch-ukrainischen Krieg real nicht ignorieren können oder nicht ignorieren wollen. Und wenn Trump sagt, auf die Europäer werde tatsächlich Druck ausgeübt, verbunden damit, dass die Amerikaner ihnen ihre Sicherheitsgarantien entziehen würden, dann sehen wir: Auch das geschieht nicht. Von einem solchen Druck auf die Europäer in der ersten Zeit von Trumps Amtsführung sind sie zumindest zu einer Art positiver Zusammenarbeit mit europäischen Staaten und zu positiven Vereinbarungen in Bezug auf die Ukraine übergegangen. Und ich wiederhole: Auch das ist ein wichtiges Ergebnis dieses Treffens – trotz des Fehlens von Konkretheit.

Also: Schauen wir, ob man bei fehlender Konkretheit überhaupt von Ergebnissen sprechen kann. Dass der amerikanische Druck auf die Ukraine nachlässt, ist ein real positives Ergebnis. Dass die Präsidenten auf der Pressekonferenz freundlich miteinander sprechen, nicht streiten, und zugleich beide keine konkreten Vorschläge machen können – das ist ein reales Ergebnis. Dass Trump mit den Europäern hinsichtlich der Ansätze zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zusammenarbeitet, ist ein positives Ergebnis. Dass es Putin nicht gelingt, Trump so zu beeinflussen, dass dieser uns genau Putins Bedingungen für die Beendigung des Krieges aufdrängt – das ist ebenfalls ein positives Ergebnis.

Aber hier gibt es eine andere Frage, die mich immer beunruhigt, wenn wir über diese positiven Ergebnisse sprechen: Und was ist mit der Beendigung des Krieges selbst? Sie verstehen sehr gut, dass die Beendigung des Krieges – egal was Trump sagt – heute nicht absehbar ist, weil ich es Ihnen noch einmal wiederhole: Das Ende des Krieges hängt nicht vom Präsidenten der Vereinigten Staaten ab und nicht vom Präsidenten der Ukraine.

Es gibt eine Person, eine einzige: den Präsidenten der Russischen Föderation Putin. Er kann entweder den Krieg beenden, weil er der Aggressor ist, oder ihn fortsetzen. So viele Jahre, wie Russland über soziale, finanzielle, wirtschaftliche und demografische Ressourcen verfügt, kann der Krieg weitergehen. Und unsere gemeinsame Aufgabe mit den Amerikanern ist es – egal was Trump darüber sagt, dass es ihm peinlich sei, dass Amerika nicht mit Russland handelt –, einen solchen Druck auf die Russische Föderation auszuüben, dass sie nicht mit den Vereinigten Staaten handeln kann, dass sie nichts zum Handeln hat, dass ihre Wirtschaft zusammenbricht.

Jetzt ist noch nicht die Zeit dafür. Aber wenn Zelensky konstruktiv mit Trump zusammenarbeitet und Trump ihm nicht vorwerfen kann, die Ukraine wolle keinen Frieden, wird er früher oder später zu einer neuen Runde von Sanktionen gegen die Russische Föderation übergehen müssen. Denn Putin, wie Sie verstehen, will keinen Frieden – und dann muss man real davon sprechen, dass man stärker auf ihn drücken muss.

Wir wissen jedoch, dass ein weiteres Gespräch geplant ist. Dieses Gespräch kann im Prinzip schon jetzt stattfinden: ein weiteres Gespräch zwischen Trump und Putin, als Ergebnis seines Gesprächs mit Zelensky. Und wichtig ist, wie Putin auf dieses Gespräch mit Trump reagieren wird. Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Moment. Wenn wir miteinander um 00:36 Kyiv-Zeit sprechen und in Amerika noch heller Tag ist, dann ist es bei Putin schon 01:36 Uhr nachts. Die Frage ist, ob er so spät mit Trump sprechen wird, oder ob dieses Gespräch erst morgen stattfindet. Das ist eine gute Frage – und sie wird ebenfalls zeigen, wie sehr Putin an einem Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten interessiert ist und inwieweit er dieses Gespräch in dieser Situation ignorieren kann.

Die Ministerpräsidentin Italiens Giorgia Meloni betonte, dass die Verhandlungen über die Ukraine vorangekommen seien, aber offene Fragen blieben. Das ist im Prinzip, so scheint mir, jedem klar, der diese Verhandlungen verfolgt.

Aber es gibt die erste, sehr vorsichtige russische Reaktion. Es ist die Reaktion dessen, dem aufgetragen ist, Trump, Witkoff und Kushner sowie dieser ganzen Gesellschaft die Illusion schneller Gewinne zu bauen: Kirill Dmitriev, Sonderbeauftragter des Präsidenten Russlands, der dafür zuständig ist, amerikanische Investoren in die Irre zu führen.

„Die ganze Welt schätzt die Bemühungen Trumps und seines Teams zur Herstellung des Friedens“, sagt Dmitriev. Eine wunderbare Aussage. Es bleibt nur zu verstehen, wie diese Bemühungen vom Präsidenten der Russischen Föderation aufgenommen werden. Wie bereit wird der Präsident der Russischen Föderation sein, Trump entgegenzukommen? Und was genau muss er Konkretes tun – das würde ich gern wissen –, damit wirklich alle sehen, wie sehr er der Ukraine Erfolg wünscht? Ich glaube, dass mir dieser Satz von Trump nachts im Traum erscheinen wird.

Übrigens wurden diese Formulierungen auch als Antwort auf eine Frage zum Kernkraftwerk Saporischschja gesagt. Man fragte Trump, was mit dem Kernkraftwerk Saporischschja passieren werde. Er sagte, Putin träume geradezu davon, dieses Atomkraftwerk wieder in Betrieb zu nehmen, um Energie zu teilen – so verstehe ich es. Und er zeige das. Er beschieße es jetzt nicht. Aber Trump vergaß, eine wichtige Sache zu sagen. Vielleicht beschießt Putin das Kernkraftwerk Saporischschja derzeit nicht – aber er besetzt es. Gerade die russische Besetzung eines Teils des Gebiets der Oblast Saporischschja und die anschließende Annexion dieses Gebiets haben dazu geführt, dass das Kernkraftwerk Saporischschja nicht im Betrieb ist.

Und wenn Putin wirklich wollte, dass es arbeitet, müsste er seine wilde Horde aus Saporischschja abziehen. Aber wie Sie sehen, tut er das genaue Gegenteil. Russische Truppen stürmen Huljajpole. Offensichtlich ist es für Putin jetzt wichtig, zumindest die ukrainischen Truppen aus den Gebieten jener ukrainischen Oblaste zu vertreiben, die er aus völlig unverständlichen Gründen zu Subjekten der Russischen Föderation erklärt hat. Deshalb können wir Trumps Worte, Putin arbeite mit der Ukraine zusammen, um das Kernkraftwerk Saporischschja zu öffnen, nicht ernst nehmen.

Denken Sie darüber nach: Putin zerstört Umspannwerke unserer Atomkraftwerke, damit sie weniger arbeiten, damit sie nicht die ganze Energie für uns und für die ukrainische Industrie liefern können. Genau deshalb gibt es diesen Winter die Energiekrise, wie Sie verstehen – weil Putin die Umspannwerke ukrainischer Atomkraftwerke zerstört. Und wenn ukrainische Städte auf eigene Energieversorgung umstellen, versucht er, deren Heizkraftwerke zu zerstören. Und den Kyivern bleibt bei Beschüssen nur, wissen Sie, wie in einem Computerspiel zu raten, wohin diese Banditen gehen werden: zum Heizkraftwerk TETs-5, zum Heizkraftwerk TETs-6. Und zugleich träumt er angeblich davon, das Kernkraftwerk Saporischschja wieder zu starten. Wozu?

Denn wir verstehen, dass Putins Aufgabe für die nächsten Jahre des russisch-ukrainischen Krieges die Fragmentierung des ukrainischen Energiesystems ist: das linke Ufer des Dnipro vom rechten abzuschneiden, Inseln zu schaffen, auf denen es überhaupt keine Energie gibt. Wir haben gesehen, wie das in Poltawa, in Tschernihiw wochenlang so war. Wie das in Odesa jetzt passiert. Wie das am linken Ufer von Kyiv jetzt passiert. Und wir sollen Trump glauben, der sagt, Putin träume einfach davon, das Kernkraftwerk Saporischschja zu öffnen?

Und außerdem: Russland werde bereit sein, beim Wiederaufbau der Ukraine zu helfen. Russland träumt so sehr davon, beim Wiederaufbau der Ukraine zu helfen, dass es vor unseren Augen gerade die ukrainische Wirtschaft zerstört. Und es wolle Strom zu sehr niedrigen Preisen liefern – so, als bräuchten wir russischen Strom. Bevor man uns angriff, war das Letzte, was wir brauchten, russische Elektrizität.

Ich denke, das zeigt auch, dass Trump nicht besonders versteht, womit er sich beschäftigt – aber das ist ebenfalls eine völlig sinnlose Geschichte, über die man einfach hinweggehen kann. Und im Grunde könnte man hier einen Punkt setzen.

Aber andererseits versuchen wir, diese Pressekonferenz real mit der Pressekonferenz nach Anchorage zu vergleichen – als Trump klar anerkannte, dass er sich mit Putin gar nicht einigen könnte, und über dieses Treffen äußerst verärgert war.

Und jetzt, wenn Trump sagt: „Das ist einfach ein wunderbares Treffen, wir sind in der Frage der Beendigung des Krieges deutlich vorangekommen. In den nächsten zwei Wochen plane ich neue Kontakte mit Zelensky. Besser, den Deal jetzt abzuschließen – sonst können neue Gebiete erobert werden.“ Das ist, wie Sie verstehen, auch nicht das schlechteste Ergebnis.

Er hat nicht das Gefühl, dass alles verloren ist. Er versucht nicht, Zelensky zu beschuldigen. Das ist bereits ein ziemlich gutes Ergebnis dessen, was wir beobachten, wenn wir über diesen Prozess sprechen. Und das ist im Prinzip ebenfalls ein nicht schlechtes Ergebnis dessen, was wir diskutieren können, wenn es um den russisch-ukrainischen Krieg und um die Ergebnisse dieses Treffens geht.

Ich beantworte ein paar Fragen, die in dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage: Wird Trump den Druck auf die russische Wirtschaft erhöhen? Was sieht man in den Ergebnissen von Umfragen unter Wählern der kommenden Kongresswahlen?

Portnikov: Ich sage Ihnen sofort: Die Kongresswahlen hängen kaum vom russisch-ukrainischen Krieg ab. Für Amerikaner sind außenpolitische Fragen im Hinblick auf Wahlen zweitrangig, und vorrangig sind wirtschaftliche Fragen. Deshalb denke ich nicht, dass Trump dem russisch-ukrainischen Krieg im Zusammenhang mit Wahlen so große Aufmerksamkeit schenken wird.

Aber dass er nicht möchte, dass man ihm vorwirft, er könne diese Geschichte nicht bewältigen – das ist ebenfalls ein Fakt, den man nennen muss. Und mit diesem Fakt muss man leben. Deshalb sage ich Ihnen sofort: Ich denke, das hängt von etwas anderem ab.

Wenn Putin Trump zeigt, dass er sich zu dessen Vorschlag absolut un-konstruktiv verhält, ist offensichtlich eine Verschärfung neuer Sanktionen gegen die Russische Föderation möglich. Vielleicht sogar Sanktionen gegen wirtschaftliche Sponsoren Russlands.

Frage: Wird China Russland helfen, falls der Ölpreis sinkt, und wie würde es das tun?

Portnikov: Ich denke nicht, dass China russisches Öl teurer kaufen wird, wenn es billiger wird. Das ist nicht ein solches Land. Es kann größere Mengen kaufen – aber wiederum ist die Frage, ob China diese größeren Mengen braucht. Es kann Komponenten für russische Drohnen, für russische Militärtechnik liefern. Das alles kann sein. Aber glauben Sie mir: China wird Russland nicht einfach so Geld geben, damit es den Krieg fortsetzt, und wird sich nicht amerikanischen Sanktionen aussetzen, weil das für Xi Jinping absolut unvorteilhaft ist. Auch hier hat China also begrenzte Möglichkeiten.

Frage: Wenn die Ukraine die Truppen aus dem Donbas abzieht und Putin dennoch keinem Waffenstillstand zustimmt oder zustimmt und ihn später bricht – wie wird Trump in dieser Geschichte aussehen und was wird er tun?

Portnikov: Und wie sieht Trump in der Geschichte mit dem Nahen Osten aus, oder mit der Fortsetzung des Krieges in Afrika, oder mit der Fortsetzung des Konflikts zwischen Thailand und Kambodscha? Sie meinen: Er sieht schlecht aus? Er sagt, er habe acht Kriege beendet. So wird es auch hier aussehen. Aber wiederum denke ich, dass es nicht die Situation geben wird: Ukraine zieht die Truppen aus dem Donbas ab, und Putin stimmt keinem Waffenstillstand zu. Es wird dort einen Mechanismus geben, der im Wesentlichen garantiert, dass das synchron geschieht – falls das überhaupt geschieht.

Denn ich sage es wieder: Ich glaube nicht, dass Putin die Beendigung des Krieges durch den Abzug ukrainischer Truppen aus dem Donbas will. Ich bestehe darauf, dass die Idee des Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Donbas für Putin nur ein Instrument zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine ist, um die Eroberung der an den Donbas angrenzenden ukrainischen Regionen zu erleichtern – der Oblast Dnipropetrowsk, der Oblast Charkiw und so weiter.

Machen Sie sich keine Illusionen. Putin wird dem Donbas nur in einer Variante zustimmen: wenn seine Wirtschaft komplett am Boden liegt. In welchem Jahr des 21. Jahrhunderts das passieren wird, wissen wir nicht. Man wünschte, im nächsten – obwohl viele sich wünschten, noch in diesem. Und jedes Jahr hören wir diese Prognosen zur russischen Wirtschaft.

Natürlich ist offensichtlich, dass es der Wirtschaft 2026 schlechter gehen wird als 2025. Aber ich bin absolut nicht bereit zu sagen, dass das eine zwingende Bedingung für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in absehbarer Zeit sein wird. Ich hoffe nur darauf.

Deshalb wird es wiederum keinen Waffenstillstand geben. Wenn Sie mich nicht hören wollen, hören Sie Trump. Trump sagt sofort: „Wir brauchen keinen Waffenstillstand. Es wird keinen Waffenstillstand geben. Wir müssen so handeln, dass wir den Krieg ohne Waffenstillstand beenden.“ Deshalb müssen Mechanismen her, die Russland nicht erlauben, den Krieg erneut zu beginnen, falls er stoppt. Genau diese Mechanismen müssen diskutiert werden. Genau diese Garantien, die ebenfalls nicht ausgearbeitet sind.

Frage: Worin liegt für Putin derzeit der Sinn, den Krieg fortzusetzen und Ressourcen zu verbrennen, wenn allen klar ist, dass das zu nichts führt? Umso mehr vor dem Hintergrund der Bereitschaft des Westens, uns zu unterstützen.

Portnikov: Sie glauben, dass es zu nichts führt. Putin glaubt, dass einige Jahre Krieg, die endgültige Zerstörung der ukrainischen Infrastruktur, wenn die Ukrainer noch einen weiteren Winter mit einer noch größeren Energiekatastrophe als jetzt erleben, die Vernichtung ukrainischer Soldaten, eine demografische Katastrophe – all das früher oder später zur Kapitulation der Ukraine führen wird. Putin kann glauben, dass die Zeit sein Verbündeter ist. Wenn vier Jahre nicht reichen, dann acht. Das ist eine Manie.

Und noch ein Moment: Putin muss das nicht so glauben. Er muss der Ukraine gegenüber nicht unbedingt wie ein Besessener handeln – aber er kann etwas anderes glauben. Je länger er kämpft, je mehr Territorium er erobert, desto mehr macht er die Ukraine zu einem – wenn man so will: einem Gebiet des Scheiterns. Auch das ist für ihn ein sehr wichtiger Punkt: Wenn ein Land gegen ihn gekämpft hat, standgehalten hat und sich erfolgreich neu aufbaut und normal lebt, ist das für ihn eine ernste Niederlage.

Er braucht, dass am Ende des Krieges das Gebiet der Ukraine ein Symbol für Misserfolg und Degeneration wird, damit er allen sagen kann: „Seht ihr, sie haben es gewagt, gegen mich zu kämpfen – und trotzdem endete es für sie in einer Katastrophe – und mit euch wird es auch passieren. Hört lieber auf mich.“ Auch hier kann also die Idee stehen: Je länger er kämpft, desto mehr kann er hier zerstören. Trump sagt schon, er wolle die Ukraine erfolgreich sehen. Das ist, wenn Sie wollen, meine Antithese dazu.

Frage: Trump entscheidet ständig entweder, Druck auf die Ukraine auszuüben, oder zu sagen, dass beide Frieden wollen. Und wenn er versuchen würde, Druck auf Russland auszuüben, wäre das Ergebnis vielleicht etwas anderes. Kommt ihm das nicht in den Sinn?

Portnikov: Erstens sind Sie Trump gegenüber nicht ganz fair. Trump übt Druck auf Russland aus, wenn er Sanktionen gegen Russland verhängt. Das wissen Sie sehr gut. Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil sind ziemlich ernsthafte Sanktionen. Wenn bei Rosneft bereits am Vorabend dieser Sanktionen von einem Verlust von 70 % des Gewinns die Rede war, dann stellen Sie sich vor, was jetzt mit diesem größten Ölunternehmen Russlands passiert. Und das sind Einnahmen für den Staatshaushalt. Das müssen Sie sich bewusst machen. Und in dieser Situation muss man auch klar verstehen: Wenn Putin Trump ignoriert, kann es neue Sanktionen geben.

Also: Druck auf Russland gibt es. Er kann natürlich unzureichend sein, aber Trump will sehr gern als Vermittler erscheinen – nicht als Verbündeter der Ukraine. Obwohl die Amerikaner zugleich weiterhin Waffen für europäisches Geld verkaufen. Auch das geschieht. Davor sollte man nicht die Augen verschließen.

Und außerdem ist offensichtlich, dass er ein solcher Vermittler sein will, um mit Russland Handel zu treiben. Er sagt ja, es sei beschämend, dass die Vereinigten Staaten nicht mit Russland handeln, weigert sich aber zugleich, wirtschaftliche Fragen zu prüfen, solange der Krieg nicht beendet ist. Er sprach in dem heutigen Gespräch mit Putin darüber, dass es eine wunderbare wirtschaftliche Zusammenarbeit Russlands mit den Vereinigten Staaten geben werde – aber nach dem Krieg.

Der stellvertretende Außenminister der Russischen Föderation Sergej Rjabkow räumte ein, dass die Vereinigten Staaten sich weigern, die Wiederaufnahme direkter Flugverbindungen zu erörtern, und sich im Grunde weigern, die Arbeit der russischen Botschaft in Washington wiederherzustellen. All das wird an den Krieg geknüpft. Man kann also nicht sagen, Trump fördere einfach Russland.

Nein, Druck gibt es – obwohl er größer sein müsste. Aber wir sprechen darüber die ganze Zeit. Wir sprachen darüber nicht nur während der Trump-Regierung. Wir sprachen darüber auch während der Biden-Regierung. Und hier gibt es immer eine Frage, die sich die Amerikaner stellen können: Was passiert, wenn sie ihr ganzes Druckpotenzial ausschöpfen und Russland trotzdem weiterkämpft? Deshalb müssen sie unbedingt einen Teil des Drucks zurückhalten, um vielleicht die Illusion zu schaffen, dass Russland gestoppt hätte, wenn sie endgültig durchgedrückt hätten. Das Gefährlichste für jeden Präsidenten der Vereinigten Staaten ist nämlich, wie Sie verstehen, der reale Verdacht, dass die Vereinigten Staaten ein solches Problem nicht bewältigen können – nicht weil sie nicht wollen, sondern weil ihnen die Kräfte nicht reichen.

Das sind die ersten Ergebnisse dieses Treffens. Ich kann nicht sagen, dass sie für mich unerwartet wären. Genau solche unkonstruktiven, unkonkreten Ergebnisse habe ich erwartet zu sehen. Und ich sage Ihnen sofort: Es wäre für mich eine Überraschung, eine Sensation gewesen, wenn die Präsidenten Trump und Zelensky mit irgendwelchen konkreten Erklärungen herausgekommen wären. In der Politik gibt es gewisse Gesetze, die man nicht umgehen kann. Und dieser Abend – Abend in der Ukraine, Tag in Florida – hat mir erneut gezeigt, dass diese Formeln in der Politik tatsächlich weiter funktionieren und niemand, selbst der Präsident der Vereinigten Staaten, diese Formeln brechen kann.

Deshalb hoffen wir einfach, dass diese Arbeitsgruppen, die arbeiten werden, zu konkreteren Ergebnissen gelangen können, dass eine realere Möglichkeit für diesen Friedensvertrag auftaucht.

Aber zugleich ist die Chance, dass der russisch-ukrainische Krieg ohne irgendwelche realen Vereinbarungen 2026 weitergehen wird, ebenfalls ziemlich groß. Das verstehen Sie schon anhand dieses Treffens sehr gut. Und für uns ist es sehr wichtig, in diesem neuen Kriegsjahr – das bereits das fünfte sein wird – die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu bewahren, den Druck auf Russland zu verstärken und wirklich alles zu tun, damit diese unheilvolle Kraft vor unseren Augen ihre Möglichkeiten verliert und der Krieg schließlich nicht deshalb endet, weil Trump und Zelensky im Weißen Haus etwas vereinbart haben, nicht einmal deshalb, weil Trump Putin angerufen hat, sondern weil den Russen einfach die Kräfte für weiteren Wahnsinn und weitere Verbrechen ausgehen. Auch das wäre kein schlechtes Ergebnis der Beendigung dieses Krieges für die Ukraine.

Danke, Freunde, dass ihr in dieser nächtlichen Sendung bei mir wart, die wir dringend sofort nach der Pressekonferenz der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine in Mar-a-Lago durchgeführt haben – nach dem Treffen, das vielen historisch erschien, aber im Grunde zu einem weiteren gewöhnlichen Treffen ohne Konkretheit hinsichtlich Donald Trumps Friedensplan geworden ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп – Зеленський: результати | Віталій Портников. 28.12.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.12.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump – Zelensky: Das Treffen hat begonnen | Vitaly Portnikov. 28.12.2025.

Gerade eben hat in Mar-a-Lago, in der Residenz des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump, sein Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, begonnen. Viele halten dieses Treffen für historisch und meinen, dass gerade während dieses Treffens klar werden wird, wie die Konturen eines Friedensabkommens aussehen könnten, das zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine unterzeichnet werden kann.

Offensichtlich ist das so. Und natürlich haben viele den Beginn dieses Treffens erwartet, aber ein interessanter Punkt ist, dass Putin und Trump vor dem Treffen mit Zelensky miteinander gesprochen haben. Und interessant war auch, dass Trump vor diesem Treffen praktisch nicht dieses, wie ich sagen würde, bereits bekannte Vorgespräch mit Journalisten geführt hat.

Und wir werden jetzt verfolgen, wie die Verhandlungen verlaufen und wie die Situation aussehen wird, nachdem Trump und Zelensky miteinander gesprochen haben. Das sind die wichtigsten Punkte, die mit dem Treffen zwischen Zelensky und Trump verbunden sind.

Man kann sagen, dass Trump in seinen ersten Aussagen sehr vorsichtig war. Er sagte erneut, dass das entweder schnell enden wird oder noch sehr lange weitergehen wird – mit einer deutlich höheren Zahl an Opfern. Gleichzeitig betonte er, dass die Situation davon abhängen werde, wie diese Verhandlungen verlaufen. Und es war auch völlig offensichtlich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten mit dem Präsidenten der Ukraine Sicherheitsgarantien für die Ukraine besprechen will.

Und vor diesem Treffen wurde bekannt, dass Trump beabsichtigt, diese Sicherheitsgarantien dem Kongress der Vereinigten Staaten zur Prüfung vorzulegen. Es wurde betont, dass dies die stärksten Sicherheitsgarantien sein könnten, die die Ukrainer je gesehen haben – aber Konkretes wissen wir nicht. Deshalb kann man jetzt im Grunde abwarten, wie die Lage nach diesem Treffen aussehen wird.

Aber wie ich bereits zu Beginn unseres Gesprächs sagte, war es ein ziemlich wichtiger Umstand, dass Trump selbst Putin vor den Verhandlungen mit Zelensky anrief. Mehr noch: Nach den Gesprächen zwischen Trump und Zelensky wird es ein gemeinsames Gespräch mit europäischen Führungspersönlichkeiten geben. Und danach wird Trump Putin erneut anrufen. Also ein derart intensiver Verhandlungsabend.

Und interessant ist: Wir wissen nichts über den Inhalt des Gesprächs zwischen Trump und Putin aus dem Weißen Haus. Es wurden keinerlei offiziellen Dokumente im Zusammenhang mit diesem Gespräch veröffentlicht. Trump informierte lediglich in einem Beitrag in den sozialen Netzwerken über sein Gespräch mit Putin.

Der Assistent des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, berichtete dagegen recht ausführlich in einer vierminütigen Erklärung über Sinn und Inhalt der Arbeit der Präsidenten der Vereinigten Staaten und Russlands. Demnach stimmte Putin dem Vorschlag Trumps zu, die Arbeit zur Regelung im Rahmen speziell geschaffener Arbeitsgruppen fortzusetzen. Eine davon soll gerade der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges gewidmet sein. Und die zweite – das muss Trump einfach verstehen – der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Russland und der Ukraine.

Und natürlich können wir in dieser Situation zwischen Russland und den Vereinigten Staaten sagen, dass das ebenfalls ein Instrument zur Verzögerung der Verhandlungen sein kann. Denn seien wir ehrlich: Solche Arbeitsgruppen können mehrere Monate hintereinander arbeiten. Und hier stellt sich eine gute Frage: Werden diese Arbeitsgruppen daran arbeiten, eine Vereinbarung auszuarbeiten, oder werden sie erst arbeiten, nachdem eine Vereinbarung bereits ausgearbeitet ist?

Trump sagte sofort, man müsse den Krieg so schnell wie möglich beenden. Aber nach Uschakows Worten vertreten Putin und Trump insgesamt ähnliche Ansichten dahingehend, dass ein vorübergehender Waffenstillstand nur zu einer Verschleppung des Krieges führen werde.

Und genau das ist interessant: Trump ist fast vollständig auf Putins Position übergegangen. Denn früher hatte Trump gerade auf einen solchen Waffenstillstand gedrängt, damit er die Möglichkeit bietet, sich auf ein Friedensabkommen zur Beendigung des Krieges zu einigen. Ich habe wiederholt gesagt, dass meiner Meinung nach eine kriegsbezogene Situation in erster Linie durch einen Waffenstillstand gelöst wird und erst danach die Punkte eines Friedensabkommens geregelt werden. Und jetzt machen wir hier alles genau umgekehrt.

Trump sagte Putin wieder einmal, der ukrainische Konflikt habe sich für ihn als der schwierigste erwiesen. Dabei verstehen wir, dass das Mythologie ist, denn all diese angeblich von Trump „geregelten“ Konflikte sind schlicht reine Fiktion.

Der Konflikt in Afrika, den Trump angeblich geregelt hat, geht weiter. Die Präsidenten der Konfliktländer kamen zwar zu ihm, aber ein Kriegsende gibt es nicht.

Der Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha geht ebenfalls weiter. Und er ging weiter, nachdem die Führer beider Länder bei Trump gewesen waren. Und jetzt musste sie ein Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas und Außenminister dieses Landes, Wang Yi, wieder versöhnen. Sollte man ihm jetzt den Friedensnobelpreis geben? Und wir wissen nicht, ob es ihm gelungen ist, Bangkok und Phnom Penh endgültig zu versöhnen.

Und ich würde sagen: Auch die Frage der Beendigung des Krieges im Nahen Osten wirkt sehr bedingt. Übrigens kommt bereits morgen, unmittelbar nachdem Trump mit Zelensky gesprochen hat, der Premierminister Israels Benjamin Netanyahu zu ihm nach Mar-a-Lago. Und es ist offensichtlich, dass Trump mit Netanyahu über die Umsetzung der sogenannten zweiten Phase seines Friedensplans für Gaza sprechen wird. Während israelische Minister über die Möglichkeit sprechen, die Kontrolle über dieses Gebiet des Gazastreifens zu übernehmen – was offensichtlich nicht Teil dieses Plans ist und, wie ich sagen würde, den Absichten arabischer Staaten widersprechen würde. Also kann Trump auch dort ernsthafte Probleme bekommen. Morgen werden wir sehen, wie das aussehen wird.

Und noch etwas sehr Wichtiges: Putin sagte Trump, man müsse sich an dem Verständnis orientieren, das in Anchorage erreicht worden sei. Wir verstehen bis heute nicht, welches Verständnis das war, weil wir wissen, dass das Treffen zwischen Trump und Putin mit einem vollständigen, öffentlich eingestandenen Fiasko endete. Trump sagte nach diesem Treffen, es gebe keinerlei Vereinbarungen. Und dann haben sie sich irgendeinen „Geist von Anchorage“ ausgedacht, der meiner Meinung nach gerade aus der Idee besteht, dass man zuerst einen Friedensvertrag schließen müsse und erst danach einen Waffenstillstand vereinbaren solle.

Trump sagte Putin etwas über unglaubliche Perspektiven wirtschaftlicher Zusammenarbeit der USA mit Russland, falls der Konflikt mit der Ukraine beendet wird. Das ist im Grunde das Zuckerbrot, das er Putin ständig anbietet: „Wir werden mit dir produktiv zusammenarbeiten. Man wird alle Sanktionen aufheben, du bekommst deine Vermögenswerte zurück.“

Aber es ist völlig unklar, inwieweit das für Putin eine Priorität ist – gemessen an seinem Wunsch, unser Land zu zerstören. Und vor allem sagte Uschakow, dass die Kampfhandlungen nur dann enden könnten, wenn die Ukraine den Donbas verlasse. Und dass für ein endgültiges Ende der Kampfhandlungen von der Ukraine eine „verantwortliche Entscheidung“ nötig sei.

Wie wir verstehen, ist das genau das, was der Präsident der Russischen Föderation will. Er hat das wiederholt gesagt. Ich denke, er hat es auch Trump gesagt. Er möchte den Donbas kampflos bekommen. Er überzeugt den Präsidenten der Vereinigten Staaten die ganze Zeit davon, dass seine Armee ohnehin die Kontrolle über den Donbas herstellen werde. Die Frage ist natürlich wann und wie – aber solche Aussagen gibt es.

Gleichzeitig gibt es Meldungen, dass zwischen der ukrainischen und der amerikanischen Delegation eine vorläufige Einigung über das Timing der Beendigung des Krieges entlang der heutigen Frontlinie sowie über die Demilitarisierung eines Teils des Donbas im März 2026 und über die Durchführung von Wahlen – offensichtlich Präsidentschaftswahlen in der Ukraine, ich weiß nicht, wie es mit Parlamentswahlen wäre – im Mai 2026 erreicht worden sei.

Das heißt: Es wird gesagt, dass der Waffenstillstand tatsächlich entlang der derzeitigen Frontlinie erfolgen würde. Und die Frage des Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Teil des Gebiets der Oblast Donezk, den wir kontrollieren, würde sich – bedingt gesprochen – über einige Monate hinziehen. Aber das würde dennoch bedeuten: Einerseits verliert die Ukraine die Kontrolle über den Donbas, andererseits hätte sie eine gewisse Zeit, um sich auf neuen Verteidigungslinien vorzubereiten.

Und dann noch eine wichtige Frage: Werden russische Truppen in dieses demilitarisierte Gebiet einrücken? Wenn sie nicht in diese Zone von befestigten Stellungen einrücken, hätte die Ukraine möglicherweise eine Chance, eine neue Verteidigungslinie dort aufzubauen, wo sich die ukrainischen Truppen festsetzen. Aber ich glaube nicht, dass man das schnell machen kann. Und das ist, wie Sie verstehen, eine ziemlich komplizierte Situation.

Aber natürlich wird jetzt vieles davon abhängen, was Putin Trump tatsächlich gesagt hat, denn wir können uns nicht vollständig an Uschakows Aussagen orientieren. Wir verstehen, dass Uschakow – wie jeder russische Beamte – lügt und sagt, was dem Kreml nützt. Und wir können uns auch nicht daran orientieren, was sie in Trumps eigenen Worten ausblenden oder verdecken. Es ist wichtig zu wissen, was Trump Putin wirklich gesagt hat. Das wissen wir überhaupt nicht. Wir können uns nicht an der Wiedergabe von Trumps Worten durch Uschakow orientieren. Das bleibt völlig unbekannt.

Im Büro des Präsidenten der Ukraine hat man übrigens Trumps Gespräche mit Putin bereits kommentiert. Es wurde betont, dass insgesamt klar gewesen sei, dass Kontakte mit Putin stattfinden würden, und dass eine der Schlüsselaufgaben in dieser Phase darin bestehe, vollständig zu klären, wozu die russische Seite bereit ist und ob sie nicht alles zerstören wird, was im Rahmen der Diplomatie erarbeitet wurde.

Ich denke nicht, dass Putin die Aufgabe hat, alles zu zerstören, was im Rahmen der Diplomatie erarbeitet wurde. Mit seiner Taktik, den Krieg so lange hinauszuziehen, bis die ukrainische Staatlichkeit zerstört werden kann, muss er gerade in Arbeitsgruppen arbeiten. Warum sollte er etwas zerstören? Er muss arbeiten. Arbeitsgruppen können noch ein Jahr arbeiten.

Das Einzige, was wir sehen, ist, dass Trump darauf nicht eingestellt ist. Und in dieser Situation ist natürlich eine große Frage, wie lange Putin Trumps Geduld auf die Probe stellen kann, denn während dieses Treffens mit Zelensky sagte Trump, dass sowohl Zelensky als auch Putin ernsthaft auf eine Einigung ausgerichtet seien, dass sich bereits Konturen eines möglichen Abkommens zur Ukraine abzeichnen, und dass nach einer Regelung Europas Länder eine Schlüsselrolle bei der Unterstützung von Frieden und Stabilität in der Region spielen werden.

Er lobte übrigens die europäischen Länder. Und es ist ziemlich erstaunlich, dass er derartige Komplimente an europäische Führungspersönlichkeiten richtete. Er sagte, sie seien sehr ernsthaft an diesem Abkommen interessiert, das seiner Meinung nach der Ukraine großen wirtschaftlichen Nutzen bringen werde.

Journalisten fragten Trump übrigens, ob er glaube, dass Putin die Verhandlungen nicht ernst nehme, und ob die jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine – gemeint sind offensichtlich diese ständigen Bombardierungen von Kyiv, Odesa und anderen ukrainischen Städten – nicht ein Beleg dafür seien, dass Putin den Frieden nicht ernst meine. „Nein, ich denke, Putin nimmt das sehr ernst. Ich denke, auch die Ukraine hat starke Schläge ausgeführt. Und ich bewerte das nicht negativ“, sagte Trump. „Ich denke, sie brauchten das so. In letzter Zeit gab es in Russland laute Explosionen. Und das kam ganz offensichtlich nicht aus den Vereinigten Staaten und nicht aus dem Kongo, sondern aus der Ukraine“, sagte Trump sarkastisch.

Jetzt erscheinen bereits die ersten Videoaufnahmen von diesem Treffen, das in Mar-a-Lago stattfindet. Auf amerikanischer Seite sind sowohl der Außenminister der Vereinigten Staaten Marco Rubio anwesend als auch der Sonderbeauftragte Trumps Steve Witkoff, außerdem der Schwiegersohn des Präsidenten der Vereinigten Staaten Jared Kushner und der Kriegsminister Pete Hegseth.

Das heißt, man kann sagen: Wir sehen hier eine Mischung aus Menschen, die zu Trumps informellem Umfeld gehören und seine informellen diplomatischen Aufträge ausführen, und Menschen wie Rubio, die – wie wir verstehen – als staatliche Beamte die Aufträge des Präsidenten ausführen.

Und wir verstehen, dass ohne den Außenminister, ohne den Kriegsminister keine Vereinbarungen umgesetzt werden können. Deshalb gilt: Solange Rubio und Hegseth verhandeln, sind das staatliche Verhandlungen mit Umsetzungsperspektive; wenn Witkoff und Kushner verhandeln, verpflichtet das im Grunde niemanden zu irgendetwas. Und das ist ebenfalls eine völlig offensichtliche Sache, die mir für jeden verständlich erscheint, der diese Verhandlungen verfolgt.

Aber ich erinnere Sie erneut an Trumps Vorsicht: Er sagt, er habe keine Fristen. Er sagt, er wisse nicht, was in einem Sicherheitsabkommen stehen werde, verspricht aber, dass es ein starkes Abkommen sein werde und dass es auf jeden Fall zustande kommt. In diesem Sinne ist völlig klar: All diese vorsichtigen Aussagen Trumps zeigen zugleich seine Hoffnung, realen Fortschritt zu erzielen. Denn wenn er nicht an echten, ernsthaften Fortschritt glauben würde, würde er Zelensky kaum in den Weihnachtstagen treffen und in den Weihnachtstagen kaum diesen ganzen Marathon mit Telefonaten an Putin und Gesprächen mit europäischen Führungspersönlichkeiten organisieren.

Ich muss sagen: Für Trump ist das tatsächlich eine echte Arbeitssituation, eine arbeitsreiche Feiertagswoche, weil er beiden großen Konflikten, die er zu lösen versucht, einen Impuls geben will. Er hat Zelensky und Netanyahu nicht zufällig auf zwei Tage seines Aufenthalts in der Residenz in Florida gelegt, die er normalerweise nicht für Arbeitstreffen nutzt, sondern in erster Linie zur Erholung – für private Treffen mit Menschen, mit denen er politische Fragen besprechen kann, aber das sind seine persönlichen Freunde.

Man kann natürlich sagen, Netanyahu sei jemand, der im Prinzip als ein enger Freund gelten könnte. Aber Zelensky hat nie eine Einladung nach Mar-a-Lago erhalten. Und das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt, weil aus Sicht von Trumps Umfeld, Trumps Leuten, es eine besondere Ehre ist, sich gerade dort zu treffen – nicht im Oval Office. Denn Menschen, die auf Trump ausgerichtet sind, betrachten als Zentrum des Landes natürlich die Präsidentenresidenz in Mar-a-Lago und nicht das Oval Office.

So seltsam es klingt: Im russischen Telegram-Kanal „Pool Nummer Drei“ – Sie wissen, dieser Kanal ist mit der Administration des Präsidenten Russlands verbunden – steht, dass theoretisch, wenn Trump Zelensky „durchdrücken“ könne, der Konflikt in der Ukraine heute Nacht enden könnte. Aber wie Sie verstehen: Für die Russen bedeutet „Zelensky durchdrücken“, ihn zur Kapitulation vor Russland zu zwingen. Und dann würde der Konflikt heute Nacht enden.

Wie Sie verstehen, ist es absolut unrealistisch, dass die ukrainische Delegation gerade russischen und nicht amerikanischen Forderungen zustimmt. Deshalb ist völlig klar, dass man in Mar-a-Lago jetzt nicht über ein Ende des Konflikts „heute Nacht“ sprechen wird, sondern über die Möglichkeit, den Konflikt als solchen zu beenden. Aber ich schließe absolut nicht aus, dass uns Überraschungen erwarten können.

Und die ersten Bilder, die Nachrichtenagenturen jetzt ausstrahlen, bestätigen genau das, was ich sage: Auch Zelensky versteht, wie wichtig dieses Treffen in Mar-a-Lago ist. Er sagte Trump, dass er zum ersten Mal in dessen Residenz sei, und Trump antwortete ihm, dass der Raum, in dem sie sich befinden, sehr gut für das Abschließen von Geschäften geeignet sei. Das ist ebenfalls so eine Aussage Trumps.

Jetzt ist auch eine weitere Aussage des amerikanischen Präsidenten erschienen: Das Schicksal der eingefrorenen Vermögenswerte der Russischen Föderation sei noch nicht entschieden. Es ist also klar, dass Trump auch hier eine Pause einlegen wird und Putin erklärt, dass er keines seiner Gelder erhält, wenn er den Krieg gegen die Ukraine nicht beendet. Es wird also dieses Spiel von Zuckerbrot und Peitsche geben, das sich ständig fortsetzen wird.

Und ich sage noch einmal: Man sollte sich nicht von Aussagen täuschen lassen, wonach 90 % dieses sogenannten Friedensplans bereits entschieden seien. Denn Sie verstehen sehr gut, dass das Wesentliche jedes Friedensplans gerade die 10 % sind, die nicht entschieden sind. Das ist, wie mir scheint, völlig klar. Und jetzt werden wir verfolgen, was genau mit diesen 10 % geschieht, die die Sicherheitsgarantien betreffen, die die Territorien betreffen, und vor allem den Wiederaufbau der Ukraine.

Das sind die zentralen Punkte. Wir werden zu dem Gespräch nach der Pressekonferenz von Trump und Zelensky zurückkehren, die nach dem Ende ihrer Verhandlungen stattfinden wird. Vielleicht wird bis dahin auch das Telefonat zwischen Trump und Putin sowie das Gespräch mit europäischen Führungspersönlichkeiten stattgefunden haben. Wir werden sehen, wir werden die Entwicklung dieser Ereignisse verfolgen. Im Moment ist es schwer zu sagen.

Ich beantworte die Fragen, die während dieser Sendung bereits eingegangen sind.

Frage: Wie lange können sich diese Verhandlungsprozesse hinziehen? Können sie das ganze Jahr 2026 dauern oder werden sie in wenigen Wochen schnell enden? Kann das einfach eine Inszenierung für Trump sein?

Portnikov: Es kann eine Inszenierung für Trump sein – aus einem einfachen Grund: Wenn Putin die Möglichkeit hat, Zeit zu schinden, dann werden Zelensky und Trump sich auf etwas einigen. Danach ruft Trump Putin an, Putin sagt ihm: Das gefällt mir, das gefällt mir, das gefällt mir – und das gefällt mir nicht, das gefällt mir nicht. Das müsse in Arbeitsgruppen besprochen werden. Die Arbeitsgruppen treffen sich im Januar, besprechen das alles und finden natürlich Möglichkeiten, einige Punkte zu vereinbaren und andere nicht zu vereinbaren. Und so, wie Sie sagen, kann es das ganze Jahr 2026 dauern – obwohl es offensichtlich ist, dass Trump das nicht will, Putin aber will es.

Es stellt sich eine andere Frage: Inwieweit hat Putin überhaupt die Möglichkeit, das ganze Jahr 2026 zu verzögern, ohne neue Sanktionen zu riskieren. Wir müssen daran denken: Putins Instrument zur Verschleppung des Krieges ist nicht nur sein Wunsch, den Krieg selbst irgendwie in die Länge zu ziehen, sondern auch sein Wunsch, keine neuen amerikanischen Sanktionen zu provozieren. Der ganze Friedensplan war dazu gedacht, keine neuen amerikanischen Sanktionen zu bekommen. Nichts davon hat funktioniert, wie Sie verstehen, denn in dieser Situation hat Trump Sanktionen gegen Rosneft verhängt, was zu ziemlich ernsten Verlusten für den Haushalt der Russischen Föderation und für den Ural-Preis geführt hat. Also werden wir sehen – im Moment ist das sehr schwer zu sagen.

Frage: Was will Trump eigentlich erreichen? Einerseits macht er in kurzer Zeit viele Schritte, um einen Vertrag zu erreichen. Andererseits gibt er Putins Argumenten nach, die diesen Krieg in die Länge ziehen.

Portnikov: Erstens müssen wir verstehen: Man kann den Krieg ohne Putin nicht beenden. Nicht Trump beendet den Krieg. Die Ukraine kämpft gegen Russland. Die einzige Person, die den Krieg beenden kann, ist der Präsident der Russischen Föderation und nicht der Präsident der Vereinigten Staaten. Der Präsident der Vereinigten Staaten kann nur entweder Druck auf den Präsidenten der Russischen Föderation ausüben oder mit dem Präsidenten der Russischen Föderation verhandeln – mit jemandem, der entweder die Zerstörung der Ukraine während der 2020er und 2030er Jahre dieses Jahrhunderts fortsetzen kann, oder den der Präsident der Vereinigten Staaten zwingen kann, diese Zerstörung zu beenden. Aber hier ist die Frage, inwieweit Trump aus seiner eigenen Sicht starke Zwangsinstrumente hat. Oder ob er die Möglichkeit sieht, zu verhandeln – und dann macht er Putin gewisse Zugeständnisse. Das muss man ebenfalls verstehen: wie das in seinem Kopf funktioniert.

Frage: Wenn Zelensky eine Regierung der nationalen Einheit umgesetzt hätte – wie hätte das diese Ereignisse beeinflusst? Vielleicht hätte es die ukrainische Verhandlungsposition, die ukrainische Delegation gestärkt?

Portnikov: Schwer zu sagen. Wir befinden uns ja nich bei den Verhandlungen. In jedem Fall – ob es heute eine Regierung der Einheit gibt oder nicht – müssen wir dem Präsidenten und den ukrainischen Verhandlern Glück wünschen. Sie vertreten in diesen Verhandlungen alle Ukrainer.

Frage: Viele sagten, die massiven Angriffe auf die Ukraine seien der echte Beweis dafür, dass Putin den Krieg nicht beenden will. Aber solche Bombardierungen gab es im Winterkrieg zum Beispiel bis zur letzten Sekunde.

Portnikov: Unbedingt. Aber auch im Winterkrieg wollte Stalin den Krieg absolut nicht beenden. Er war einfach gezwungen, dem Ende des Krieges zuzustimmen – aus dem einfachen Grund, dass die Finnen der sowjetischen Armee ziemlich ernste Probleme bereiteten. Natürlich hatte sie noch Möglichkeiten, weiter vorzurücken. Es hieß, sie könne sogar Helsinki einnehmen, aber die Tatsache, dass sie damals so schwere Verluste hatte, zwang Stalin bereits, über Frieden mit Finnland nachzudenken.

Das ist zweifellos eine ähnliche Situation, weil Finnland damals ebenfalls faktisch Teile seines Territoriums für einen vorübergehenden Frieden opferte. Denn Sie verstehen: Wenn es den Zweiten Weltkrieg und eine völlig neue Konstellation nicht gegeben hätte, hätte die Sowjetunion nach einiger Zeit in jedem Fall einen neuen Krieg gegen Finnland begonnen und dieses Land höchstwahrscheinlich besetzt. Aber die Finnen verschafften sich so die Möglichkeit, sich zumindest auf eine neue Invasion und neue Wendungen der Geschichte vorzubereiten – und überlebten deshalb.

Mit der Sowjetunion, genauso wie mit Putins Russischer Föderation, war es sehr schwer, einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Man konnte sich mit ihr nur so einigen, wie Putin es jetzt vorschlägt: über einen Friedensvertrag. Worin unterscheidet sich hier Putins Position von Stalins Position?

Ich sage Ihnen: Ein klassischer Krieg endet mit dem Wunsch, sich auf einen Waffenstillstand zu einigen. Der Winterkrieg ist ebenfalls kein solcher klassischer Krieg, denn wenn du Krieg gegen die Sowjetunion führst, dann erschöpfst du sie entweder – was die Finnen geschafft haben – und zwingst sie zu einer Vereinbarung, oder sie beschießt dich bis zum letzten Tag.

Frage: Im Gegensatz zu früheren Treffen veranstaltet Trump dieses Mal keine Show, sondern organisiert das Treffen wie ein Politiker. Ist das ein positives Signal für uns?

Portnikov: Ja, das ist ein positiveres Signal für uns. Sehr gut, dass Sie das bemerkt haben, denn in einer Situation, in der Trump wirklich ernsthafte Vereinbarungen erreichen will, veranstaltet er keine Show. Er veranstaltete keine Show in Anchorage beim Treffen mit Präsident Putin. Er veranstaltete keine Show mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping. Und er veranstaltete jetzt auch keine Show, als er Zelensky traf. Obwohl sie, wie Sie verstehen, eine halbe Stunde lang Fragen von Journalisten hätten beantworten könnten. Trump hätte Zelensky kritisieren können, Zelensky hätte gezwungen sein können, Antworten auf schwierige Fragen zu suchen. Aber Trump entschied sich, das nicht zu tun.

Frage: Glauben Sie, dass es im Westen Kräfte gibt, die an der Entfernung Zelenskys interessiert wären, falls er die ihm angebotene Kapitulation nicht unterschreibt?

Portnikov: Ich glaube erstens nicht, dass Trump Zelensky vorschlagen wird, eine Kapitulation zu unterschreiben. Zweitens denke ich, dass die Frage des Präsidenten der Ukraine keine Frage irgendwelcher Ziele im Westen oder im Osten ist. Das ist eine Frage des ukrainischen Volkes und dessen, wie die Ukrainer bei Wahlen abstimmen. Dass es irgendwelche Kräfte im Westen geben kann, die wollen, dass die Ukraine von einem kollaborierenden Präsidenten geführt wird – irgendeinem Medwedtschuk –, nun pja, natürlich gibt es solche Kräfte, sowohl im Osten als auch im Westen. Ich verstehe nicht, warum Sie daran überhaupt zweifeln.

Frage: Könnte Trump vielleicht öffentlich Hände im Unschuld waschen und aus dem Spiel aussteigen? Was würde ihm das bringen?

Portnikov: Nichts Gutes würde es ihm bringen, weil er versprochen hat, diesen Krieg zu beenden. Die Vereinigten Staaten treten im Januar 2026 in die Vorwahlphase ein. Übrigens hängt das nicht nur damit zusammen, dass Trump Präsident Zelensky trifft, sondern auch damit, dass er den Premierminister Israels, Benjamin Netanyahu, trifft. Natürlich sind außenpolitische Fragen nicht das wichtigste Thema, wenn es um Wahlen in den Vereinigten Staaten geht. Das muss man ebenfalls verstehen. Aber es sind wichtige Fragen. Und man wird Trump vorwerfen, dass er versprochen hat, den russisch-ukrainischen Krieg in zwei Wochen oder wie lange auch immer – einfach mit einem einzigen Telefonanruf bei Putin – zu beenden, und am Ende nach einem Jahr nichts geschafft hat. Ich denke, das würde Trump nichts Gutes bringen, und er versteht das sehr gut. Wenn ihn bei jedem Treffen mit Journalisten nach der Ukraine gefragt wird, wenn dieses Thema in den amerikanischen Medien ständig diskutiert wird, gerade im Zusammenhang mit Trumps Beziehungen zu Putin, Trumps Unfähigkeit, Putin zu beeinflussen und so weiter, dann verstehen Sie sehr gut, dass es praktisch keine realen Möglichkeiten gibt, einfach auszusteigen.

Zum Schluss berichtet der Fernsehsender CNN, dass Trump in Mar-a-Lago versucht, die Rolle eines Gastgebers einzunehmen. Er fragte Journalisten, ob sie zu Mittag essen möchten, und sagte, er schlage vor, sie sollten während der Verhandlungen mit Zelensky, die hinter verschlossenen Türen stattfinden, zum Mittagessen gehen. Und CNN sagt auch, dass Trump Verhandlungen in Mar-a-Lago in der Regel für eher informelle Treffen nutzte – mit Xi Jinping, mit dem früheren Premierminister Japans Shinzo Abe und mit dem Präsidenten Finnlands Alexander Stubb. In seiner zweiten Amtszeit spielte er dort immer Golf, es gab Mittagessen, Gespräche – aber mit Zelensky waren die Beziehungen, wie Sie verstehen, immer anders. Und dass Trump zu Zelensky sagte, als dieser in Mar-a-Lago ankam, dieser Mann habe sehr viel gearbeitet, er sei sehr mutig, und das ukrainische Volk sei sehr mutig, und das, was sie durchgemacht haben, sei etwas, womit kaum ein Land – nur sehr selten – konfrontiert worden sei: Das ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, den man erwähnen muss.

Wir werden, Freunde, selbstverständlich zu diesem Gespräch zurückkehren, sobald die ersten Details darüber bekannt werden, ob es eine Einigung oder keine Einigung zwischen der amerikanischen und der ukrainischen Delegation gab. Wir werden gemeinsam aufmerksam die Pressekonferenz von Trump und Zelensky anhören. Wir werden unsere Schlussfolgerungen ziehen. Wir werden Schlussfolgerungen ziehen aus den Gesprächen, die Trump und Zelensky mit europäischen Führungspersönlichkeiten führen werden, und aus Trumps Gespräch mit dem Präsidenten Russlands. Wir werden uns heute unbedingt noch einmal in einer neuen Live-Sendung treffen. Und wir werden darüber sprechen, womit dieses für uns sehr wichtige Treffen der Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine in der Residenz Donald Trumps geendet hat.


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Titel des Originals: Трамп – Зеленський: зустріч почалася | Віталій Портников. 28.12.2025.
Autor : Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.12.2025.
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