Die Ebenen des Krieges | Vitaly Portnikov. 23.02.2026.

https://hromada.us/uk/articles/2026/02/23/floors-of-war?fbclid=IwZnRzaAQL2w5leHRuA2FlbQIxMQBzcnRjBmFwcF9pZAo2NjI4NTY4Mzc5AAEeKCZmrQeaD_07EVsb4zGlODHizStiyNCsO7MctyheoIOIz9T-t9MU_12XkA4_aem_kQ9lJRlF1ieT4Jy_tU9r8g

Wenige Tage vor dem vierten Jahrestag des Beginns des großen russischen Angriffs auf die Ukraine erschütterte eine Explosion im Zentrum von Lwiw die Stadt, die von den Strafverfolgungsbehörden als Terroranschlag eingestuft wurde.

Das Geschehene erinnerte erneut an die Vielschichtigkeit des russisch-ukrainischen Krieges, daran, dass er nicht ausschließlich auf ein Aufeinandertreffen von Armeen reduziert werden kann. Schließlich wird der Krieg gegen die Ukraine von einem Staat geführt, in dem die Macht von den Geheimdiensten monopolisiert ist – den Nachfolgern des ehemaligen Komitees für Staatssicherheit der UdSSR, das unter den neuen historischen Bedingungen unter den Bezeichnungen Föderaler Sicherheitsdienst und Auslandsgeheimdienst Russlands existiert. Doch die wichtigste Institution, die der KGB erlangt hat, ist das Amt des Präsidenten Russlands. Das wichtigste Büro des Landes, von dem die Tschekisten immer geträumt haben: Welcher Wachmann möchte nicht einmal auf dem Stuhl seines eigenen „Objekts“ sitzen!

Man muss verstehen, dass sich der Krieg der Tschekisten vom Krieg der Generäle unterscheidet. Ja, im Kreml würde man sich natürlich wünschen, dass die Armee einfach das gesamte Territorium der Ukraine einnimmt und dem FSB ermöglicht, zu den Verfahren der „Filtration“ und „Feinderkennung“ überzugehen. Doch wenn es dem Militär, das für Putin nur eines der Instrumente zur Erreichung seines Ziels ist, nicht gelingt, heißt das nicht, dass sich der FSB beruhigt und auf das Ergebnis der militärischen Handlungen wartet.

Die Destabilisierung eines feindlichen Landes durch Terror ist ein wichtiger Faktor zur Unterstützung der Armee, denn sie erlaubt es, die Bevölkerung eines solchen Landes in ständiger Anspannung zu halten, unerwünschte Politiker und Aktivisten auszuschalten und neue Spaltungslinien zu schaffen. Übrigens: Wenn ich von einem feindlichen Land spreche, möchte ich daran erinnern, dass für die Spitze des FSB zeitweise auch Russland selbst ein solches Land war – damals, als es in der russischen Gesellschaft noch Stimmungen gab, die mit dem Wunsch nach einem normalen menschlichen Leben verbunden waren. Die Armee führte Krieg in Tschetschenien, während die Tschekisten Terror organisierten, Wohnhäuser in Moskau und anderen russischen Städten sprengten, oppositionelle Politiker und Journalisten ermordeten – also „arbeiteten“.

Ein weiterer wichtiger Faktor bei dem Versuch, die Ukraine zu erobern, ist politische Propaganda. Bis 2014 wurde sie – gemeinsam mit den der ukrainischen Macht und den Oligarchen nahestehenden Fernsehsendern wie „Inter“ oder „1+1“ – vom russischen Fernsehen betrieben, das für viele Ukrainer die wichtigste Informationsquelle blieb. Gerade dieses Fernsehen trug zum Sieg von Leonid Kutschma bei den Präsidentschaftswahlen 1994 und von Viktor Janukowytsch 2010 bei und half damit real bei der Degeneration der ukrainischen Gesellschaft und dabei, die Ukraine in der „Grauzone“ des russischen Einflusses zu halten. Nach 2014 wurde das russische Fernsehen durch die Sender Medwedtschuks ersetzt, und nach 2022 begannen anonyme Telegram-Kanäle eine ebenso wichtige Rolle bei der „Verdummung“ der Ukrainer zu spielen. Und jetzt sehe ich eine neue Tendenz: Die Russen werden mit Hilfe Rechtsradikaler aus dem Westen auf den ukrainischen Markt zurückkehren. Formal werden wir die Eröffnung irgendwelcher amerikanischer oder europäischer Medien sehen, faktisch wird es derselbe FSB sein.

Ein weiterer wichtiger Einflussfaktor ist wirtschaftlicher Druck – verbunden mit der Bestechung nicht nur von Machthabern und Oligarchen, sondern auch der Bevölkerung selbst, die das alte Sprichwort von der Mausefalle und dem kostenlosen Käse allzu gern vergisst – oder besser gesagt: vom billigen Gas. Mit Hilfe von Gas versuchte man bereits zu Zeiten Boris Jelzins, die Ukraine festzuhalten und ihre Hinwendung zum Westen zu verhindern. Putin war bereits zu offenem Erpressen bereit, das sich nach dem Maidan 2004 und dem Sieg von Viktor Juschtschenko bei den Präsidentschaftswahlen noch verstärkte. Und niemand hat gesagt, dass Russland künftig keine wirtschaftlichen Instrumente einsetzen wird – mehr noch: Selbst wenn man sich die derzeit unrealistische Situation eines baldigen Endes der Kampfhandlungen vorstellen würde, wird der Kreml versuchen, Instrumente wirtschaftlicher Erpressung in jedes Friedensabkommen einzubauen. Natürlich mit Unterstützung der amerikanischen Administration, in der selbst auf der Ebene von Vizepräsident J. D. Vance von der Bedeutung des Handels zwischen Russland und der Ukraine gesprochen wurde. Wie könnte man eine solche Sichtweise nicht ausnutzen?

Die Aufzählung all dieser Instrumente überzeugt davon, dass es auf die Frage „Wann wird der russisch-ukrainische Krieg enden?“ nur eine richtige Antwort gibt – niemals. Solange die Russen glauben, dass die ukrainische Staatlichkeit liquidiert und das ukrainische Volk ausgelöscht werden muss, wird der Konflikt gleichzeitig auf mehreren Ebenen der Eskalation weitergehen, selbst wenn Moskau nicht genug Kräfte für intensive militärische Aktionen hat. Auf genau eine solche Entwicklung sollten sich sowohl die Bürger der Ukraine vorbereiten, die zu Hause leben, als auch jene, die sich im Ausland befinden.

Denn die Bewahrung des Staates und des ukrainischen Volkes unter den Bedingungen eines langen Krieges, von Terror, Propaganda und wirtschaftlichem Druck wird unsere wichtigste Aufgabe bleiben. Und die Jahre des russisch-ukrainischen Konflikts – selbst wenn man seinen Beginn auf den Maidan 2013–2014 und den russischen Einmarsch auf der Krim und im Donbas datiert – haben gezeigt, dass man einer solchen Aufgabe selbst in den schwersten Momenten gewachsen sein kann, vorausgesetzt, man bewahrt Einheit, gesunden Menschenverstand und ein realistisches Verständnis der Lage.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: Поверхи війни. Віталій Портников. 23.02.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.02.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Trump verlangt Grönland | Vitaly Portnikov. 23.12.2025.

Donald Trump hat Grönland wieder ins Spiel gebracht – dessen Anschluss er, wie bekannt, schon in den ersten Wochen seiner Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten thematisiert hatte. Danach schien er das Thema Grönland vergessen zu haben. Wie wir uns jedoch gut erinnern, besuchten damals sowohl der Sohn des amerikanischen Präsidenten, Donald Trump Jr., als auch Vizepräsident J. D. Vance die Insel.

Nun spricht Trump erneut von der Notwendigkeit, Grönland den Vereinigten Staaten anzugliedern, und ernennt den Gouverneur von Louisiana, Jeff Landry, zu seinem ständigen Vertreter in dieser Frage. Landry erklärt, es sei ihm eine Ehre, Grönland den Vereinigten Staaten von Amerika anzuschließen.

Dabei gibt es in Trumps Aussagen und Handlungen in Wirklichkeit keinerlei logische Grundlage. Er begründet die Notwendigkeit der Angliederung Grönlands mit Fragen der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten. Doch Amerika unterhält Militärbasen auf dem Territorium zahlreicher Länder, von deren Angliederung keine Rede ist.

Grönland ist eine autonome Einheit des dänischen Königreichs, das ein NATO-Verbündeter der USA ist. Und eigentlich wäre der logischste Schritt Verhandlungen über eine Ausweitung der amerikanischen Militärpräsenz in der Region. Das würde tatsächlich sowohl den nationalen Interessen der Vereinigten Staaten als auch den nationalen Interessen der europäischen Länder, Dänemarks und der Grönländer selbst entsprechen, da es sie zuverlässig vor möglichen Ansprüchen der Volksrepublik China oder der Russischen Föderation schützen würde.

Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass es hier weniger um die nationalen Interessen der Vereinigten Staaten geht als vielmehr um die Ausnutzung dieser Interessen durch Trumps engstes Umfeld und den amerikanischen Präsidenten selbst, um Zugang zu den natürlichen Reichtümern Grönlands zu erhalten.

Bemerkenswert ist, dass Trump in diesem Zusammenhang nicht einmal versucht, sich auf das Völkerrecht zu berufen. Die Vereinigten Staaten haben keinerlei rechtliche Möglichkeiten, Grönland zu annektieren. Grönland ist ein integraler und autonomer Teil Dänemarks. Sein Volk hat das Recht auf Unabhängigkeit. Und erst wenn die Mehrheit der Einwohner Grönlands sich tatsächlich für diese Unabhängigkeit ausspricht, könnten die Vereinigten Staaten Verhandlungen mit dem Volk und der Regierung Grönlands über einen Anschluss dieses Landes an die Vereinigten Staaten führen.

Derzeit sehen wir jedoch eine Politik nach putinschem Muster. Zudem wird diese Politik von Donald Trump ungefähr so begründet, wie Putin die Besetzung und Annexion der Krim mit historischen Ansprüchen rechtfertigte – mit Verweisen auf eine ferne Vergangenheit und mit der Behauptung, dass, wenn vor 300 Jahren dänische Schiffe in Grönland gewesen seien, dort auch amerikanische hätten sein können.

Dabei werden die Rechte der indigenen Bevölkerung Grönlands, also der Mehrheit der Inselbewohner, mit derselben demonstrativen Gleichgültigkeit ignoriert, mit der Wladimir Putin die Rechte der indigenen Völker der Krim oder der Bewohner jener ukrainischen Regionen missachtet, die heute von der Russischen Föderation besetzt und annektiert sind.

Gerade deshalb ist Trumps Position aus mehreren Gründen gefährlich. Der erste Grund besteht darin, dass die Handlungen des amerikanischen Präsidenten die Politik des russischen Präsidenten legitimieren. Wenn Donald Trump Anspruch auf Territorien anderer Staaten erheben kann, die keinerlei Bezug zu den Vereinigten Staaten haben, und dies mit Fragen der nationalen Sicherheit Amerikas begründet, warum sollten dann die Russische Föderation oder die Volksrepublik China nicht mit ähnlichen politischen Programmen auftreten? Und warum sollte man Russland dann noch für die Besetzung und Annexion der Krim oder anderer ukrainischer Regionen verurteilen?

Erinnern wir uns zudem daran, dass Donald Trump Russland ohnehin kaum verurteilt und sogar von der Möglichkeit gesprochen hat, den russischen Status der Krim durch die Vereinigten Staaten anzuerkennen – was natürlich ein weiterer Schlag des amerikanischen Präsidenten gegen das Völkerrecht wäre. Möglicherweise will Donald Trump diesen Schlag bewusst führen, um den Weg für seine eigenen imperialistischen Ambitionen freizumachen und die Vereinigten Staaten in ein schlechtes Remake der Russischen Föderation zu verwandeln.

Eine weitere, nicht minder ernste Gefahr ist die Zerstörung der Bündnisbeziehungen mit Europa. Als Putin die Krim besetzte und annektierte, handelte er zumindest nicht gegen einen formellen Verbündeten Russlands. Die Ukraine war ein blockfreier Staat. Sie gehörte weder zur Eurasischen Wirtschaftsunion noch zur OVKS. Und wenn Russland ihr gegenüber irgendwelche Verpflichtungen hatte, dann etwa in dem Maße wie die Vereinigten Staaten gegenüber der Ukraine im Budapester Memorandum.

Dänemark hingegen ist ein realer Verbündeter der Vereinigten Staaten in der NATO, und sein Schutz ist Teil des Konzepts der euro-atlantischen Sicherheit. Nach gesundem Menschenverstand – der offenbar die Flure des Weißen Hauses verlassen hat – müssten die Vereinigten Staaten Dänemark vor Versuchen schützen, Teile seines Territoriums zu besetzen oder Ansprüche darauf zu erheben, egal durch welchen durchgeknallten imperialistischen Wahnsinnigen.

Doch wir erleben das genaue Gegenteil. Donald Trump selbst erhebt weiterhin Anspruch auf das Territorium eines anderen Staates und wirft Dänemark vor, nicht ausreichend für die Sicherheit Grönlands zu sorgen.

Ich wiederhole: Nach meiner Ansicht ist Sicherheit hier nur ein Vorwand zur Befriedigung neuer wirtschaftlicher Bedürfnisse der Menschen in Trumps Umfeld und möglicherweise auch des amerikanischen Präsidenten selbst.

Das ist derselbe politische Vektor, den wir auch bei den Bemühungen um eine Regelung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine beobachten. Auch dort scheint Trumps engstes Umfeld nicht darüber nachzudenken, wie der Krieg wirklich beendet und der Aggressor gezwungen werden kann, von Versuchen abzusehen, einen Nachbarstaat zu erdrosseln, sondern darüber, welche beeindruckenden wirtschaftlichen Perspektiven sich für einzelne Vertreter der US-Regierung und für Mitglieder der Präsidentenfamilie eröffnen könnten, wenn es gelingt, sich mit Russland zu einigen – und wenn Putin all jene großzügigen Versprechen erfüllt, die er ohne Zweifel selbst oder über seinen Sondergesandten Kirill Dmitrijew als verlässliche Köder anbietet.

Es ist offensichtlich: Wenn die Vereinigten Staaten und die Russische Föderation gemeinsam das Völkerrecht zerstören, wird es keinen Ort geben, an dem man sich vor der heraufziehenden globalen Krise verstecken kann.

Man sollte nicht glauben, dass Amerikaner, Russen und Chinesen bei ihren Versuchen, das Völkerrecht zu zerstören, gemeinsam handeln werden. Wenn es keine Regeln mehr gibt, werden die Imperialisten unweigerlich aneinandergeraten. Und da diese Imperialisten über riesige Bestände an Atomwaffen verfügen, kann man sich vorstellen, wie viele Dutzende Millionen Menschen wegen des Unverständnisses – vor allem der Führer der demokratischen Welt – für die Bedeutung des Lebens nach Regeln sterben werden. Und dabei geht es scheinbar nur um eine eisige Insel im Atlantik.


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Titel des Originals: Трамп требует Гренландию | Виталий Портников. 23.12.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 23.12.2025.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Angriff auf die Krim | Vitaly Portnikov. 26.08.2025.

Die Streitkräfte der Ukraine haben Schläge gegen die besetzte und annektierte Krim bestätigt – in erster Linie gegen die Eisenbahn- und Logistikinfrastruktur der annektierten Halbinsel, die den Streitkräften der Russischen Föderation weitere Angriffe auf ukrainisches Territorium ermöglicht und von ihnen für den Krieg im Osten und Süden unseres Landes genutzt wird.

Auch Krimer Telegram-Kanäle bestätigen die Angriffe auf diese Infrastruktur. Es wird über Probleme berichtet, die nach diesem ukrainischen Angriff auf der Halbinsel entstanden sind.

Das bestätigt erneut die Tatsache, dass die Russen zu Überlegungen über eine Beendigung oder zumindest ein Aussetzen des russisch-ukrainischen Krieges nur durch Schläge gegen ihre eigene Infrastruktur oder gegen Infrastruktur gezwungen werden können, die sie auf den besetzten ukrainischen Gebieten nutzen – mit dem Ziel, weitere ukrainische Ländereien zu erobern und die ukrainische Staatlichkeit zu vernichten.

Die Krim wurde 2014 von den Russen keineswegs wegen ihrer sogenannten „Sakralität“ besetzt. Und schon gar nicht, weil sie – wie russische Politiker und Propagandisten behaupten – zu Sowjetzeiten angeblich „ungerecht“ von Sowjetrussland an die Sowjetukraine übergeben worden sei. Sondern weil die russische Führung die Krim als Brückenkopf für den Angriff auf die Ukraine nutzen wollte.

Krim und Brückenkopf – das sind im russischen Denken überhaupt Synonyme. Als in den 1990er Jahren der erste Präsident des unabhängigen Russlands, Boris Jelzin, darauf bestand, dass die Schwarzmeerflotte auf der Krim verbleibt, betrachtete man in Moskau die Krim in erster Linie als Brückenkopf für mögliche russische Operationen im Schwarzmeerraum, als Demonstration, dass Russland seine Einflussmöglichkeiten auf die ehemaligen Sowjetrepubliken und ehemaligen sozialistischen Staaten an den Ufern des Schwarzen Meeres bewahrt.

Man muss sofort sagen: Putin ist es trotz Besetzung und Annexion der Krim nicht gelungen, diesen Status Russlands zu bestätigen, sondern im Gegenteil zu beweisen, dass die Krim für Russland keine Quelle des Einflusses ist, sondern eine Quelle geopolitischer Niederlagen. Heute ist die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation, die sich in den Jahrzehnten auf Basen im unabhängigen Staat Ukraine in ein echtes Besatzungskontingent verwandelt hatte, gezwungen, sich in den Buchten von Noworossijsk zu verstecken – und sie wird sogar auf dem sogenannten souveränen Territorium der Russischen Föderation getroffen.

Aber wir sprechen hier nicht vom Ergebnis, sondern vom Ziel, von der russischen Vorstellung von der Krim als Brückenkopf, der es ihnen ermöglicht, Georgien, Rumänien, Bulgarien und natürlich auch die Türkei zu bedrohen – und zugleich ein Instrument für die weitere Eroberung der Ukraine zu sein, die nach Ansicht des Kremls überhaupt nicht als unabhängiger Staat existieren sollte.

Insofern ist die Zerstörung der Infrastruktur der russischen Streitkräfte auf der Krim – und auch jener Infrastruktur, die von dieser kriminellen Organisation in Uniform genutzt werden könnte – ein wirklicher Schritt zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges.

Denn der russisch-ukrainische Krieg kann genau dann enden, wenn Russlands Infrastruktur nicht mehr in der Lage ist, seine Verbrecherarmee zu versorgen. Und dann wird die politische Führung der Russischen Föderation gezwungen sein, zwischen totaler Destabilisierung und Krieg zu wählen. Bis dahin aber, wie wir alle logisch verstehen, wird der Krieg weitergehen.

Ebenso darf man die russischen Angriffe auf die Infrastruktur der Ukraine selbst nicht unbeantwortet lassen – Angriffe, von denen wir ebenfalls wissen, dass sie andauern werden, gerade weil die Russen von ihrer Straflosigkeit überzeugt sind. Wenn sie die Ukrainer ohne Licht und Wärme lassen wollen, glauben sie, dass ihren Bürgern, ihrer Armee, ihrer politischen Führung überhaupt nichts droht.

Wenn aber selbst Drohnenangriffe die Infrastruktur auf der Krim, in anderen besetzten Gebieten der Ukraine oder auf dem souveränen Territorium Russlands treffen, überzeugt das die Russen davon, dass ihre Verbrechen nirgendwo ungestraft bleiben werden. Nicht einmal in der russischen Hauptstadt Moskau, nicht einmal in der Heimatstadt Putins, Sankt Petersburg – dieser ehemaligen imperialen Festung Moskaus.

In dieser Situation verstehen wir also sehr gut, welche große Bedeutung der nächste Angriff auf die Krim mit der Zerstörung wichtiger logistischer Objekte für die russischen Streitkräfte hat – sowohl im Hinblick auf die Verringerung der Funktionsfähigkeit der Verbrecherarmee als auch im Hinblick auf den psychologischen Effekt. Wir sehen ja, wie sich die Lage nach der gelungenen Operation „Spinnennetz“ gegen die russischen strategischen Bomber verändert hat. 

Und auch psychologisch: wenn der Verbrecher erkennt, dass er für seine systematischen Verbrechen gegen die ukrainische Zivilbevölkerung, gegen Frauen und Kinder, gegen die ukrainische Infrastruktur und gegen die ukrainische Erde bestraft wird. All das, was die Russen zu einem endlosen Krieg gegen unseren Staat inspiriert – und zu Plänen, diesen Krieg auf neue Regionen und Kontinente auszuweiten, falls sie aus dem russisch-ukrainischen Krieg siegreich und unbestraft hervorgingen.

Natürlich erinnert eine solche Situation auch an die Verringerung der russischen Möglichkeiten, neue ukrainische Gebiete zu besetzen. Gerade deshalb würden die Russen diese Gebiete gerne kampflos einnehmen. Deshalb ist in den Medien und in manchen politischen Erklärungen zu lesen, dass die einzige „realistische“ Bedingung für einen Waffenstillstand – nicht für ein Ende des Krieges, sondern für einen Waffenstillstand an der Front – der kampflose Rückzug der ukrainischen Streitkräfte aus jenen Teilen der Oblaste Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sein müsse, die heute von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert werden.

Und natürlich: je weniger Möglichkeiten die russische Armee hat, neue Ortschaften auf ukrainischem Boden zu besetzen, je mehr die Russen erkennen, dass die Situation für sie nicht statisch ist, desto realistischer wird die Variante eines Waffenstillstandes entlang der Frontlinie. Und desto unmöglicher wird die völkerrechtliche Anerkennung einer Enteignung durch Russland im besten bolschewistischen Geist – nachdem in diesem Staat wieder einmal Verbrecher an die Macht gekommen sind. Verbrecher, deren Philosophie und Ansätze sowohl Putin als auch die überwältigende Mehrheit seiner Landsleute teilen, die am Syndrom von Chauvinismus und Bolschewismus erkrankt sind.

Angriffe auf die Krim-Brücke | Vitaly Portnikov. 03.05.2025.

Der ukrainische Sicherheitsdienst führte heute eine Reihe einzigartiger Spezialoperationen durch und griff zum dritten Mal seit Beginn des großen Krieges Russlands gegen die Ukraine die Krim-Brücke an. Eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Russischen Föderation, das vom Kreml genutzt wird, um die Aggression gegen die Ukraine, insbesondere gegen die südlichen Regionen des Nachbarstaates, fortzusetzen.

Russische Propaganda-Medien berichten derzeit über eine schwierige Situation im Bereich der Krim-Brücke, wo der Verkehr eingestellt werden musste. Sie verstehen selbst nicht genau, was passiert ist. Geht es darum, dass die Pfeiler der Krim-Brücke durch Sprengstoff, der zuvor dort platziert wurde, gesprengt wurden? Geht es um einen Angriff von unbemannten Marine-Booten der ukrainischen Marine? Gibt es unbekannte Taucher, von denen wir auch annehmen können, dass sie an der Befestigung des Sprengstoffs beteiligt waren oder sogar dessen Sprengung aus der Ferne steuern?

Der Tag ist noch nicht vorbei und die Krim-Brücke erwartet möglicherweise neue unangenehme Prüfungen, die im Idealfall der Existenz dieses Infrastrukturprojekts ein Ende setzen sollen. Übrigens sei daran erinnert, dass heute auch der Verkehr in der Sewastopoler Bucht eingestellt wurde.

Sewastopol ist schon lange eine Stadt russischer Schande geworden. Die russische Schwarzmeerflotte erlitt in der Krim praktisch die ganze Zeit ihrer Geschichte Niederlagen und ging mit einem riesigen Mal der Schande im russisch-ukrainischen Krieg in die Weltgeschichte ein.

Die Flotte hielt ihren Ruf aufrecht, als sie gezwungen war, von den Buchten des ukrainischen Sewastopols in die Buchten des russischen Noworossijsk umzuziehen, wo sie ein wichtiger Faktor für die Destabilisierung der Lage im Schwarzen Meer bleibt.  Aber solche Möglichkeiten, die die Buchten der ukrainischen Krim bieten, haben die russischen Kriminellen in Marineuniformen natürlich nicht.

Die Krim-Brücke bleibt ein legitimes Ziel für die Zerstörung durch die ukrainischen Streitkräfte. Erstens, weil dieses Infrastrukturprojekt ohne Zustimmung der Ukraine in ukrainischen Hoheitsgewässern errichtet wurde, nachdem die Russische Föderation unter der Führung des kriminellen Putin Akte der Besatzung und Annexion dieser ukrainischen Region durchgeführt hatte. Entgegen allen Normen des Völkerrechts und der Verfassung der Russischen Föderation selbst, die Putin mit Unterstützung seiner chauvinistisch-kranken Bevölkerung freudig verletzt hat.

Zweitens, weil die Brücke für den Transport von Gütern verwendet wird, die für eine andere kriminelle terroristische Organisation bestimmt sind, den sogenannten Streitkräften der Russischen Föderation, die von Putin und seinem Umfeld nicht zur Verteidigung der Russischen Föderation, sondern dazu verwendet werden, fremde Länder zu erobern und die Bevölkerung der Krim zu terrorisieren, deren Bewohner seit Beginn der russischen Aggression Geiseln sind, nicht erst seit 2014, sondern seit der Zeit, als die russische Marinestützpunkt auf der Krim belassen wurde, der all diese Jahrzehnte bestand.

Eine echtes Zentrum des Terrorismus und der Destabilisierung, nicht nur für die Krim, sondern für das gesamte Schwarze Meerbecken. Deshalb ist es so wichtig, die Schwarzmeerflotte der Russischen Föderation in Zukunft zu liquidieren, zumindest in den Hoheitsgewässern der Ukraine.

Und natürlich kann die Krim-Brücke nicht von Russland zur Unterstützung seiner eigenen Streitkräfte genutzt werden, denn es ist offensichtlich, dass Moskau weiterhin auf eine Expansion in der südlichen Ukraine hofft. Sie beabsichtigt nicht, sich auf die Besetzung dieses Teils der Region Cherson zu beschränken, der weiterhin unter der Kontrolle der aggressiven Kräfte der Russischen Föderation steht.

Offensichtlich sind die Ambitionen Moskaus viel größer, ganz zu schweigen davon, dass die Aufrechterhaltung der Lebensfähigkeit der Besatzungstruppen und des kollaborativen Regierungsapparats auf der Krim, die durch die Infrastruktur der Krim-Brücke erfolgt, ebenfalls effektiv und zuverlässig gestoppt werden muss. Um zu demonstrieren, dass die Russische Föderation sowohl aktuell als auch in Zukunft keine reale Kontrolle über das Geschehen in den besetzten ukrainischen Gebieten haben kann. 

Und wie wir verstehen, ist es einfacher, die Krim infrastrukturell von Russland zu trennen, als dasselbe mit anderen von Russland besetzten Regionen der Ukraine: Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zu machen, um die Russland weiter kämpft, auch mit Hilfe der Wege, die über diese abscheuliche Brücke führen.

Natürlich erinnert diese neue Operation Russen erneut an eine weitere ihrer Schande, die sie in ihrem eigenen Informationsraum zu beschönigen versuchen. Die Zerstörung von Flugzeugen der Russischen Föderation auf Flugplätzen, die für die ständige Bombardierung von Städten und Dörfern in der Ukraine, für die Ermordung von Frauen und Kindern, für andere Verbrechen verwendet werden, die das Wesen und den Sinn der Existenz der Streitkräfte der Russischen Föderation und, so scheint es, des russischen Staates darstellen, der, wie wir uns in den letzten drei Jahren alle überzeugt haben, einfach eine terroristische Organisation ist. Die nur eine staatliche Formation zu sein vorgibt, um nicht die Verantwortung für all diese Verbrechen zu tragen, die russische Staatsbürger in Uniform und ohne Uniform mit so viel Vergnügen und Freude begehen.

So können wir im Prinzip, wenn wir die russische politische Sprache verwenden, von einer Stärkung der ukrainischen Verhandlungsposition sprechen, falls überhaupt in ferner Zukunft echte Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über eine Waffenruhe an der russisch-ukrainischen Front stattfinden, und sogar über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, an dem Putin weiterhin Vergnügen findet.  Dieses Vergnügen wird jedoch für den russischen Präsidenten bitter, der überzeugt ist, dass das Töten von Menschen ihm das Leben verlängert und ihm die Gewissheit gibt, dass sein Regime, das von den Russen immer in den aggressivsten Zeiten unterstützt wird, den weiteren Verlauf der Geschichte nicht allzu sehr fürchten muss.

Wenn der russische Präsident ein Zeuge der Zerstörung seiner Flugzeuge oder Infrastrukturprojekte wird, die ein Symbol seiner aggressiven Möglichkeiten für diejenigen sind, die in der Nähe solcher Herrscher befinden, oder sogar für die Bürgern selbst, die voller Hass und Aggression sind, stellt sich die Frage, ob ein solcher Zar wirklich der Richtige ist, und ob man nicht einen grausameren und wilderen Führer des russischen Staates finden sollte, der es nicht zulässt, dass strategische Objekte, Brücken und Flugzeuge angegriffen werden.

Denn wie wir wissen, sind es genau diese Dinge, für die die durchschnittlichen Russen bereit sind, in Armut und Perspektivlosigkeit zu leben. Und Putin versteht sehr wohl, dass es, um nicht noch weitere wichtige Objekte zu verlieren, die Symbole der russischen Aggressivität sind, vielleicht besser ist, die Angriffe auf die Ukraine nicht fortzusetzen, sondern über dieselbe Waffenruhe nachzudenken, zu der der amerikanische Präsident Donald Trump ihn bereits seit einigen Monaten ohne wirkliche Ergebnisse auffordert.

Qirim. Vitaly Portnikov. 18.05.2025.

https://zbruc.eu/node/121440?fbclid=IwQ0xDSwKWxSpleHRuA2FlbQIxMQABHmkloFbVxabF-rnN1TO2sH-pkE5x5WIh0RsejppMxsdUnbQlbWms2lmlE1jT_aem_10WG_WEWRZfCAqxmTPUIKg

Einige Tage vor dem Konzert von Jamala in Kyiv, bei dem die Sängerin ihr berühmtes Album Qirim vorstellte, das zu einem echten Phänomen in der ukrainischen und krimtatarischen Musik wurde und mit dem Schewtschenko-Preis ausgezeichnet wurde, spazierte ich durch das Anwesen von Mykhailo Kotsiubynskyi in Winnyzja. Und ich dachte, dass dieser zutiefst ukrainische Schriftsteller, der in der Lage ist, Folklore in ein Epos zu verwandeln, wie er das in „Schatten der vergessenen Vorfahren“ getan hat, in seinen Krimgeschichten die Seele des krimtatarischen Volkes so lebendig und bedeutungsvoll gespürt hat.

Und das, obwohl Kotsiubynskyi die Krim nicht für sich beanspruchte – die Halbinsel war für ihn eine eigene unglaubliche Welt, die er auf seinen Reisen genoss. Aber gleichzeitig versuchte er, die Menschen zu verstehen, denen er auf diesem Land begegnete. Denn er verstand, wie nahe das Schicksal, die Erfahrungen und die Wanderungen dieses Volkes dem Volk waren, für das er schrieb und Wörter in Musik verwandelte.

Aber die russischen Schriftsteller, die die Krim als „unser“ Land, als „die Vollendung Russlands“ betrachteten, schienen die Krimtataren nicht wahrzunehmen. Für sie war die Krim nicht nur ein von Russland erobertes, sondern auch ein gerettetes Gebiet, das nur im Kontext der russischen Kultur, ihres Landes, diskutiert werden konnte. Denn sie sahen die Geschichte und Kultur der Krim – zumindest die krimtatarische Kultur – als eine zivilisatorische Katastrophe an.

Überlegen wir einmal: Das große Sklavenhalterreich, das die Leibeigenschaft erst Mitte des 19. Jahrhunderts abschaffte und danach kein Land mit den befreiten Bauern teilen wollte, stellte die Krim als großes „Sklavenreservat“ dar. Und das, obwohl zu der Zeit, als die Krim Teil der osmanischen Welt war, die meisten Staaten dieser Zeit solche „Sklavenreserven“ waren. Und Russland selbst blieb eine „Sklavenreserve“, selbst als die Leibeigenschaft in Europa fast vergessen war.

Aber es geht nicht einmal um historische Darstellungen – die Eroberungsmacht beschreibt das Land, das sie erobern will, immer als die Personifizierung des Bösen. Und genau das ist es, was Putins Russland heute mit uns machen will. Es geht vor allem um Gleichgültigkeit. Russische Schriftsteller interessierten sich für die Krim als Sommerresidenz und Militärstützpunkt, und die Krimtataren verhinderten allein schon durch ihre Existenz, dass die Halbinsel als Urlaubsort wahrgenommen wurde.

Das Maximum, was die russische Kultur in ihrer Wahrnehmung der krimtatarischen Welt zu tun wagte, war, über ihre Exotik zu sprechen, die nur herablassend behandelt werden konnte. Der Versuch, die Krim als eine andere Zivilisation zu betrachten, widersprach der russischen Staats- und Kulturphilosophie. Und deshalb wollen die Russen auch heute noch keine andere Zivilisation in den eigentlichen Völkern Russlands sehen, und mehr noch, sie versuchen, diese Zivilisation auszulöschen.

Für ein russisches Publikum, das sich sicher ist, alles über die Krim zu wissen, weil es in Jalta Kaffee getrunken oder den Ai-Petri bestiegen hat, wäre Jamalas Konzert daher etwas absolut Exotisches und Unglaubliches – etwas, das es ihrer Meinung nach nicht geben sollte. Ist es möglich, dass solche Musik auf der Krim lebt? Ein solcher Flug der Seele und Tradition? Nein, das ist etwas, das erfunden wurde, um den Russen ihr „natürliches“ Recht auf ein fremdes Land zu nehmen.

Und für mich konnte das Qurim-Album nicht exotisch sein, denn es war Teil meiner eigenen Welt. Und ich fühlte mich bei Jamalas Konzert nicht nur deshalb zu Hause, weil ich mich auf meinen Reisen auf die noch freie Krim für Zivilisation und nicht für Ferienhäuser interessierte.

Sondern auch, weil ich Kotsiubynskyi gelesen habe.

Trump ist wütend auf Zelensky | Vitaly Portnikov. 23.04.2025.

Donald Trump hat erneut den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky mit Anschuldigungen wegen dessen Haltung zum Anerkennen der okkupierten und annektierten Krim als russisches Gebiet angegriffen.

Trump, der verärgert war, dass Zelenskys Worte auf den Titelseiten amerikanischer Medien, insbesondere der Wall Street Journal, erschienen waren, sagte, niemand verlange von Zelensky die Anerkennung der Krim als russisch, doch die Ukraine selbst habe angeblich vor 11 Jahren nicht um die Krim gekämpft. Und das, ganz nebenbei, von der Person, die Zelensky ständig beschuldigt, angeblich den Krieg mit Russland begonnen zu haben, und sagt, dass ein kleines Land nicht so gegenüber einem Land handeln sollte, das viel größer ist als es selbst.

Es geht hier natürlich nicht um die unlogischen Passagen, die man immer in jedem Beitrag des amerikanischen Präsidenten in sozialen Netzwerken finden kann. Die Frage ist hier vielmehr, dass Trump die Erwähnung der Krim verärgert hat. Bekanntlich berichtete die Publikation Semafor am 17. März, dass die Verwaltung die Administration des der Vereinigten Staaten mit der russischen Führung die Möglichkeit der Anerkennung des Status der Krim diskutiert.

Und dann wurde im Weißen Haus betont, dass sie die Details der Verhandlungen, die der Sonderbeauftragte Trumps, Steve Witkoff, mit dem russischen Präsidenten Putin führt, nicht kommentieren würden. Jetzt, insbesondere nach dem jüngsten Treffen in Paris der Leiter der diplomatischen Dienste und Berater für nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten, Großbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und der Ukraine, tauchte die Frage der Anerkennung der Krim als russisches Gebiet auch von Seiten der Vereinigten Staaten erneut auf den Titelseiten der Weltmedien auf, die viel bekannter sind als die Publikation Semafor, mit der Feststellung, dass die Idee der Anerkennung des Status der Krim Teil dieses Friedensabkommens werden könnte, das zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine unterzeichnet werden und den russisch-ukrainischen Krieg beenden soll. Und es ging vor allem darum, dass die Amerikaner über den russischen Status der besetzten Krim sprechen würden, dass die Vereinigten Staaten diesen Status anerkennen würden.

Ziemlich unverständlich ist die Frage, warum die Anerkennung des russischen Status der Krim durch die Vereinigten Staaten die Situation im russisch-ukrainischen Krieg verändern könnte, außer natürlich der Demütigung Trumps selbst. Offensichtlich erkennen weder die Länder der Europäischen Union, wie von den Führern dieser Länder und den Führern der Europäischen Kommission bereits betont, noch die Ukraine die Tatsache an, dass die annektierte Krim als Subjekt dieses Landes in die Verfassung der Russischen Föderation aufgenommen wurde. Natürlich erkennt auch die Türkei die Annexion der Krim und ihren russischen Status nicht an. 

Daher könnte die Entscheidung der Vereinigten Staaten, den russischen Status der Krim anzuerkennen, eher ein Moment der episodischen Befriedigung für Putin sein, der zudem keine rechtlichen Folgen hat, denn die Entscheidung über die Anerkennung von Gebieten als Teile bestimmter Staaten trifft nicht der amerikanische Präsident, sondern der Kongress der Vereinigten Staaten. 

Und die Geschichte mit der Anerkennung des Status der Westsahara als Teil Marokkos, eine politische Erklärung von Donald Trump, die nie im Kongress verabschiedet wurde, ist ein gutes Beispiel dafür, dass selbst auf Präsidentsebene der USA solche Entscheidungen nichts an der Sichtweise des Völkerrechts und der Haltung der Vereinigten Staaten selbst zur Annexion dieses oder jenes Gebiets ändern. Ohne den Kongress kann hier nichts entschieden werden. 

Aber ich habe den Eindruck, dass die Geschichte mit der Krim gerade von der russischen Führung vorgeschlagen wird, um vor allem die Vereinigten Staaten und die Ukraine zu demütigen, um von Donald Trump ein erwünschtes Memorandum zu erhalten, das dann vor allem den Bürgern der Russischen Föderation als Tatsache vorgelegt werden kann, dass die Vereinigten Staaten gezwungen waren, anzuerkennen, was jeder Russe sowieso versteht, „die Krim ist unsere“, und dass die Ukraine bald entsprechende Änderungen an ihrer Verfassung vornehmen und die Ansprüche auf die russische Krim aufgeben muss, und danach werden dies alle anderen Staaten tun. 

Und so kann der Status des russischen Präsidenten Putin als Landbesammler zumindest auf der Ebene der Propaganda nicht nur durch die Präsenz russischer Truppen auf den besetzten ukrainischen und übrigens nicht nur ukrainischen Gebieten bestätigt werden, sondern auch dadurch, dass diese Ansprüche Putins und der Russen auf fremde Gebiete vom Präsidenten der Vereinigten Staaten anerkannt werden können.

Kann dies dazu beitragen, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden? Meiner Meinung nach schürt dies nur die russischen Begehrlichkeiten. Bereits der Pressesprecher des russischen Präsidenten Peskow betont, dass die Kampfhandlungen erst enden können, wenn die ukrainischen Truppen die Gebiete der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja verlassen haben, die bekanntlich auch von der Russischen Föderation annektiert und in die Verfassung Russlands aufgenommen wurden. Dabei wurden sie nicht in den Gebieten annektiert, über denen der Besatzer im Laufe der Kampfhandlungen in der Zeit von 2014 bis 2022 die Kontrolle erlangt hat, sondern in den administrativen Grenzen der Regionen als Teil des ukrainischen Staates. 

Und es ist offensichtlich, dass jedes Mal, wenn Trump oder jemand anderes aus den Beamten dieser erstaunlichen Administration der Idee des russischen Status der Krim zustimmt, in Moskau die absolut logische Frage aufkommen wird. „Wenn wir die Amerikaner in der Krim-Frage unter Druck gesetzt haben, warum können wir sie dann nicht in der Frage der Gebiete anderer Regionen unter Druck setzen, die von Moskau annektiert wurden. Und warum können wir nicht noch einen Teil des ukrainischen Territoriums in anderen ukrainischen Regionen besetzen, um später von den Ukrainern zu verlangen, dass sie ihre Truppen von diesen Gebieten zurückziehen, um so auch Anspruch auf

die kampflose Eroberung großer Teile der Ukraine zu erheben“. Die berühmte Salami-Taktik, die von Aggressoren oft angewendet wurde, wenn sie nicht genug Kräfte für einen Blitzkrieg hatten, derselbe Blitzkrieg, der für Putin und seine Militärs seit Februar 2022 unerreichbar bleibt.

Daher können wir nicht nur feststellen, dass Donald Trump das Erscheinen von Volodymyr Zelensky auf den Titelseiten amerikanischer Publikationen ärgert, dass diese amerikanischen Publikationen gerade der Position des ukrainischen und nicht des amerikanischen Präsidenten zustimmen, denn diese Position des ukrainischen Präsidenten entspricht der Logik des gesunden Menschenverstandes, und die Position des amerikanischen Präsidenten widerspricht ihr völlig. Und dass es sich nur um einen Fehler handelt, der uns dem Ende des Krieges nicht näher bringt, sondern die aggressiven Begehrlichkeiten derer verstärkt, die diesen Krieg fortsetzen wollen.

Trump will Krim anerkennen | Vitaly Portnikov. 21.04.2025.

Die Wall Street Journal behauptet, dass die Regierung von Donald Trump während der Verhandlungen in Paris der ukrainischen Delegation und Vertretern europäischer Länder Vorschläge zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges unterbreitet und auf der nächsten Treffen zwischen amerikanischen, ukrainischen und europäischen Vertretern, die diese Woche in London stattfinden wird, eine Antwort auf diese Vorschläge erwartet.  Nach diesem Treffen soll der Sonderbeauftragte von Donald Trump, Steve Witkoff , angeblich erneut die russische Hauptstadt besuchen, um mit Putin zu verhandeln.

Die Vorschläge selbst sehen so aus, dass weder die ukrainische noch die russische Seite ihnen zustimmen würde, und Donald Trump hätte die Möglichkeit, den Verhandlungsprozess zu verlassen und sowohl Kyiv als auch Moskau der Unkonstruktiativität zu beschuldigen. 

So wird der Ukraine vorgeschlagen, sich damit abzufinden, dass die Vereinigten Staaten Krim potenziell als russisches Territorium anerkennen könnten. Tatsächlich wird auch vorgeschlagen, sich mit der russischen Kontrolle über die besetzten ukrainischen Gebiete einverstanden zu erklären, aber ihren Status nicht anzuerkennen. Gleichzeitig sprechen sich die Vereinigten Staaten nicht gegen eine weitere Bewaffnung der Ukraine und militärische Hilfe für unser Land aus. Es wird auch vorgeschlagen, dass das Gebiet des Kernkraftwerks Saporischschja unter Kontrolle der Vereinigten Staaten als neutral erklärt wird.

Wir verstehen sehr wohl, dass Vorschläge zur Anerkennung des russischen Status der Krim von keiner ukrainischen Führung gebilligt werden und im Grunde genommen das Wesen des Völkerrechts verletzen, da sie eine echte Büchse der Pandora öffnen, wenn jedes Land in Europa oder auf einem anderen Kontinent einen Teil eines Nachbarstaates erobern, diesen Teil zu seinem eigenen Territorium erklären und dann die Anerkennung dieses Schrittes durch andere Länder erwarten kann. Ganz zu schweigen davon, dass, nachdem die Vereinigten Staaten die Krim als russisch anerkannt haben, Washington nichts daran hindert, auch den russischen Status anderer besetzter ukrainischer Gebiete anzuerkennen. 

Darüber hinaus bin ich mir nicht sicher, ob eine solche Option für die Russische Föderation wichtig ist. Es sei daran erinnert, dass die Anerkennung eines Gebietes als russisch durch die Vereinigten Staaten nicht dessen allgemeine Anerkennung bedeuten wird. Ungefähr dasselbe haben die Vereinigten Staaten einst mit der Westsahara gemacht, die Marokko beansprucht und tatsächlich kontrolliert. Die Vereinigten Staaten haben im Rahmen der Abraham-Abkommen die Westsahara im Austausch für die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Marokko und Israel als marokkanisches Territorium anerkannt. Kein anderes Land, das die Sahara als unabhängigen Staat betrachtet, ist diesem Weg jedoch gefolgt und besteht weiterhin darauf, dass auf dem von Marokko kontrollierten Gebiet die Saharaui Arabische Demokratische Republik existieren sollte. Die Entscheidung Washingtons ist also noch keine grundlegende Änderung des Völkerrechts für alle.

Andererseits passt die Idee eines neutralen Status des Kernkraftwerks Saporischschja den Russen offensichtlich nicht, denn aus Putins Sicht ist das Gebiet der Oblast Saporischschja jetzt ein Subjekt Russlands, und es wäre erstaunlich, die Kontrolle über das Kernkraftwerk auf dem Gebiet dieses Subjekts an die Vereinigten Staaten von Amerika zu übergeben.

Auch die weitere Bewaffnung der ukrainischen Armee gehört sicherlich nicht zu Putins Plänen, da der russische Präsident weiterhin auf die Einstellung der Hilfe für die Ukraine und die Einstellung der Mobilisierung in die Reihen der ukrainischen Streitkräfte besteht, selbst als Bedingung für einen Waffenstillstand. Man sollte nicht annehmen, dass Putin der Idee einer weiteren militärischen Hilfe für die Ukraine im Austausch für einen dauerhaften Frieden zustimmen wird, denn für ihn ist ein dauerhafter Frieden eine hilflose Ukraine bedeutet, die der Russischen Föderation keinen Widerstand leisten kann und für Moskau eine leichte Beute in zukünftigen Kriegen und Konflikten sein wird. 

Daher können all diese Vorschläge von Donald Trump entweder als eine weitere Illusion charakterisiert werden, die von Menschen gemacht wird, die sich der politischen Realität, in der sie sich befinden, nicht sehr bewusst sind. Und die derzeitige amerikanische Regierung hat bereits mehrfach einen vollständigen Realitätsverlust und den Wunsch gezeigt, die Welt nicht so zu sehen, wie sie tatsächlich ist, sondern so, wie sie im Kopf von Donald Trump und seinen Anhängern existiert. Oder es geht um eine viel realistischere und kühlblütigere Berechnung.

Die Berechnung hängt damit zusammen, dass Donald Trump das begriffen hat, was er schon vor seiner Wahl zum Präsidenten der Vereinigten Staaten hätte begreifen müssen, nämlich dass es für den russisch-ukrainischen Krieg keine einfachen Lösungen gibt, dass zur Lösung des Konflikts erhebliche, langfristige Anstrengungen erforderlich sind, die seine gesamte Amtszeit als Präsident der Vereinigten Staaten umfassen können, und dass dazu eine langfristige und ernsthafte Hilfe für die Ukraine erforderlich ist.

Und wenn Donald Trump selbst nicht mit dieser Entwicklung einverstanden ist, muss er Moskau und Kyiv Vorschläge unterbreiten, die für sie inakzeptabel sind. Und sich dann dieser Last entledigen, aus dem Verhandlungsprozess aussteigen und die Verantwortung für die weiteren Verhandlungen über die Beendigung des Krieges auf die europäischen Länder übertragen. „Wenn Moskau und Kyiv sich nicht einigen können, sollen die Europäer sie überzeugen. Dies ist kein amerikanischer Konflikt, er findet auf dem europäischen Kontinent statt.“ Wir kennen alle diese Erklärungen von Trump sehr gut und müssen sie jetzt nicht einmal wiederholen.

Also zeigt Trump nach außen hin Optimismus. Wir wissen, dass er in den sozialen Medien geschrieben hat, dass Moskau und Kyiv diese Woche zu einer Einigung kommen und fruchtbar mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten könnten. Das heißt, es stellt sich heraus, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Amerika sowohl für die Russische Föderation als auch für die Ukraine das Wichtigste ist, weshalb sie bereit sind, allen amerikanischen Bedingungen zuzustimmen, und dann kann nach diesen optimistischen Erwartungen des positiv eingestellten amerikanischen Präsidenten eine Enttäuschung eintreten, aber nicht aus seiner Schuld, sondern aus der Schuld derer, die den Wert dieser wichtigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten und den in den russisch-ukrainischen Krieg verwickelten Ländern nicht verstehen.

Und dann kann Donald Trump nächste Woche mit leichtem, wie er glaubt, Herzen sagen, dass er sich nicht mehr an der Beilegung des russisch-ukrainischen Krieges beteiligen wird und dass er getan hat, was er konnte, um die Parteien aus dem Konflikt herauszubringen. Und das könnte übrigens der Kern all der Vorschläge sein, die derzeit über amerikanische Medien veröffentlicht werden.

Trump denkt über die Anerkennung der Krim nach | Vitaly Portnikov. 17.03.2025.

Das Nachrichtennetzwerk Semafor behauptet, die Regierung Donald Trumps erwäge, die Krim als russisch anzuerkennen, um den Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu beenden. Dass diese Informationen von einem Semafor-Korrespondenten im Weißen Haus veröffentlicht wurden, deutet zumindest auf Kontakte zu realen Regierungsbeamten der amerikanischen Präsidentschaft hin. 

Zu behaupten, Donald Trump werde diese Entscheidung mit Sicherheit treffen, wäre jedoch, gelinde gesagt, voreilig. Denn die Zustimmung der Vereinigten Staaten dazu, dass die Krim zu Russland gehört, würde das Völkerrecht untergraben. Zuvor hatte kein einziges Land der Welt die Krim als russisches Gebiet anerkannt oder zugestimmt, dass sich auf dem Gebiet dieser ukrainischen Autonomie diplomatische Vertretungen befinden dürfen.

Sollte die Vereinigten Staaten die Krim als russisches Gebiet anerkennen, könnte dies einen Dominoeffekt hinsichtlich territorialer Probleme nicht nur in Europa, sondern auch in vielen anderen Regionen haben. 

Ich werde nicht behaupten, dass Donald Trump aufgrund der Prioritäten der diplomatischen Konfliktlösung grundsätzlich zu solchen Entscheidungen nicht fähig ist. Es sei daran erinnert, dass der amerikanische Präsident während seiner vorherigen Amtszeit im Weißen Haus das sogenannte Abraham-Abkommen vorantrieb und die Annexion der Westsahara durch das Königreich Marokko anerkannte.

Aber hier waren die Vereinigten Staaten nicht die Ersten. Die Frage der Westsahara ist, nachdem dieses Gebiet keine spanische Kolonie mehr ist, eine ziemlich komplizierte Frage des Völkerrechts. Die indigene Bevölkerung besteht auf ihrer eigenen Souveränität und der Existenz der Saharaui-Demokratischen Arabischen Republik, die von vielen Ländern der Welt als souveräner Staat anerkannt wird. Es gibt jedoch auch viele Staaten, die der Ansicht sind, dass die Westsahara tatsächlich ein integraler Bestandteil des Königreichs Marokko ist, das den Kolonialherren zuvor entrissen wurde. Und es gab keine besondere Explosion wegen der Geschichte der Westsahara. 

Mit der Krim wird es natürlich nicht so sein. Aber wie wir sehen, besteht bei Donald Trump die Bereitschaft zu ungewöhnlichen Schritten, die das Völkerrecht untergraben, und sie kann bei jeder Gelegenheit angewendet werden. Ja, was soll man sagen, warum kann ein Mann, der von der Möglichkeit spricht, Kanada als 51. US-Bundesstaat aufzunehmen oder behauptet, die Vereinigten Staaten müssten Grönland kontrollieren, Putins Logik bei der Annexion der Krim nicht verstehen? Er kann es sehr wohl.

Es ist jedoch durchaus möglich, dass die gegenwärtigen Gespräche über eine mögliche Anerkennung der Krim als russisch den Versuch darstellen, zwei Ziele gleichzeitig zu erreichen. Erstens: ein Zuckerbrot für Russland. Wenn Sie ein Waffenstillstand eingehen, kann die amerikanische Nachgiebigkeit gegenüber Ihren Interessen so weit gehen, dass Sie es sich gar nicht vorstellen können. „Das Wichtigste ist, beenden Sie das Feuer an der russisch-ukrainischen Front und sehen Sie, welche glänzenden Perspektiven sich Ihnen, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch, während der Amtszeit von Donald Trump im Weißen Haus eröffnen, der in der Lage ist, das zu tun, was kein anderer amerikanischer Präsident jemals für Sie getan hätte.“

Ein zweiter Effekt ist natürlich die Warnung an die Ukraine. „Einigen Sie sich schnell auf ein Waffenstillstandsabkommen, selbst wenn Ihnen einige Bedingungen nicht gefallen, denn wenn Sie warten, werden Sie nicht nur die von der Russischen Föderation besetzten Gebiete nicht zurückerobern, sondern auch erleben, dass ein auf Sie verärgerter Donald Trump diese Gebiete überhaupt als russisch anerkennt und so das Kapitel der territorialen Ansprüche Russlands an die Ukraine durch die Anerkennung dieser territorialen Ansprüche schließt.“

In diesem Fall könnte es sich um ein bewusstes Informationsleck handeln, zudem nicht über die angesehensten Medien in den Vereinigten Staaten. Es sei jedoch daran erinnert, dass Donald Trump einmal sagte, er könne darüber nachdenken, die Krim anzuerkennen oder nicht. Und das war wiederum in der Zeit, als er sich in seiner ersten Amtszeit im Weißen Haus aufhielt.

Auf jeden Fall sollte man die „unorthodoxe“ politische Denkweise des derzeitigen amerikanischen Präsidenten und seine direkte Verachtung für das Völkerrecht als solches nicht außer Acht lassen.

Donald Trump scheint überzeugt zu sein, dass das Recht des Stärkeren, zumindest in der Zeit, in der er im Weißen Haus ist, das Völkerrecht durchaus ersetzen kann, denn in der Interpretation von Trump und seines Umfelds ist das Recht des Stärkeren vor allem das Recht von Good guys, die besser wissen, was den Vereinigten Staaten und der Menschheit im Allgemeinen guttut.

Das Problem ist nur, dass Donald Trump als „Good guys “ nicht diejenigen meinen kann, die wirklich ein normales Verhältnis zwischen den Staaten anstreben, sondern diejenigen, die nicht mit Komplimenten an seine eigene Adresse sparen und glauben, dass dies der erfolgreichste Ansatz im Umgang mit den Vereinigten Staaten ist, wo heute tatsächlich nur eine Person alle Entscheidungen trifft. 

Und Wladimir Putin hat als erfahrener Geheimdienstmann bereits verstanden, wie er mit dem Kollegen zusammenarbeiten kann, ohne seine eigenen politischen Ziele aufzugeben und gleichzeitig keine harte Reaktion aus Washington hervorzurufen. Seit der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten macht Putin ihm immer wieder vorsichtig, aber wohlüberlegt Komplimente und spricht über den Mut des neuen US-Präsidenten und die Privilegien, die er genießt, wenn er sagt, was ihm in den Sinn kommt.

Ja, diejenigen, die Putins Äußerungen auf Russisch hören, können die versteckte Ironie nicht übersehen, mit der der russische Präsident über seinen amerikanischen Kollegen spricht und genau versteht, was Putin Trump eigentlich sagen würde, wenn er nicht von den russisch-amerikanischen Beziehungen und dem Wunsch abhinge, Trumps Aufenthalt im Weißen Haus zu nutzen, um den politischen und wirtschaftlichen Einfluss der Russischen Föderation und die mögliche Besetzung der Ukraine zu stärken.

Aber Trump hört Putin höchstwahrscheinlich nicht auf Russisch zu, sondern liest in der Übersetzung all die Komplimente, die Putin ihm auf Pressekonferenzen und in Interviews mit Hofjournalisten zukommen lässt, und wenn man den Psychotyp von Donald Trump kennt, kann man nicht zweifeln, dass diese Komplimente beim amerikanischen Präsidenten eine unverstellte Begeisterung hervorrufen.

Und wo Begeisterung ist, da gibt es auch Überlegungen, ob man den politischen Ansprüchen eines so entgegenkommenden und freundlichen Kollegen nicht zustimmen sollte. Zum Beispiel, ob man der Anerkennung der Krim, die für Wladimir Putin so wichtig ist, als untrennbarer Bestandteil der Russischen Föderation nicht zustimmen sollte. 

Vitaly Portnikov: Wie der Iran die Krim nicht als russisch anerkannte. 22.01.25.

https://ru.krymr.com/a/portnikov-iran-krym-priznanie/33284600.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR3oN0iEDZhtLE7ypN6zyTDxFX4zFlCHRRg0jIsX8ZkrQ0fpuWMdLYgLvdk_aem_QlZmidNzuUODyjPx-zm4-A

Das Abkommen über strategische Partnerschaft zwischen Russland und Iran, das die Präsidenten Wladimir Putin und Massoud Pezeshkian kurz vor dem Amtsantritt des neuen amerikanischen Präsidenten Donald Trump unterzeichneten, wurde in der Welt als echte Herausforderung für die Vereinigten Staaten und andere westliche Länder wahrgenommen.

Doch als der Vertragstext veröffentlicht wurde, stellte sich heraus, dass die wichtigste Klausel fehlte – die Möglichkeit der gegenseitigen militärischen Unterstützung.

Das macht das Abkommen natürlich nicht so „vielversprechend“ wie das Abkommen zwischen Russland und Nordkorea. Dank der Klausel über die gegenseitige militärische Unterstützung kämpfen Soldaten aus der DVRK jetzt gegen die ukrainische Armee in der Region Kursk.

Übrigens erkennt Kim Jong-un auch die „territoriale Integrität Russlands“ zusammen mit den besetzten ukrainischen Gebieten an. Und der Iran tut das nicht. Und das ist eine weitere Überraschung bei den Vereinbarungen zwischen Russland und Iran. Teheran will die Krim nicht als russisch anerkennen.

Dies erinnert erneut daran, dass ein Land, das auf der Bühne der großen Politik mitspielen will, wenn auch mit einem autoritären Regime unter Sanktionen und mit einer strategischen Partnerschaft mit Moskau, weiterhin seine eigenen roten Linien einhalten muss.

Kim Jong-un oder Syriens ehemaliger autoritärer Machthaber Baschar al-Assad hatten im Großen und Ganzen nichts zu verlieren.

Die Regime in Pjöngjang nach dem Koreakrieg oder in Damaskus nach dem Arabischen Frühling hatten nur begrenzte internationale Aktivitäten, so dass beide Diktatoren mehr daran interessiert waren, Putins Launen zu befriedigen, als ihr Gesicht zu wahren und ihr Engagement für das Völkerrecht zu demonstrieren. Und der Iran rechnet meiner Meinung nach mit seinem eigenen Spiel mit dem Westen, ohne russische Beteiligung.

Ein wichtiger Grund für Irans Zögern, die Krim und andere besetzte ukrainische Gebiete als russisch anzuerkennen, ist offenbar der Grenzstreit im Persischen Golf.

Der Iran betrachtet die drei Inseln im Golf als integralen Bestandteil seines Territoriums, Teheran steht den Ansprüchen der Vereinigten Arabischen Emirate auf diese Gebiete äußerst ablehnend gegenüber.

Es handelt sich um einen sehr verworrenen Territorialstreit, der bis in die koloniale Vergangenheit zurückreicht, und während im Fall der Insel Abu Musa, die zum Emirat Sharjah gehörte, immerhin eine lange Besitzgeschichte des Iran besteht, kann man im Fall der Inseln Großer Tomb und Kleiner Tomb, die zum Emirat Ras al-Khaimah gehörten, von einer klassischen iranischen Besetzung sprechen.

Der Iran wird die Kontrolle über diese strategisch wichtigen Inseln nicht aufgeben. Und die VAE werden ihre Ansprüche nicht aufgeben.

Teheran mag glauben, dass die Anerkennung der Krim als russische Insel einen unerwünschten Präzedenzfall für Iran schaffen könnte. Heute die Krim – und morgen die VAE, die die Inseln des Golfs besetzen, von ihrer Souveränität sprechen und von anderen Ländern genauso anerkannt werden, wie der Iran die russische Kontrolle über die besetzte Halbinsel anerkannt hat. Es ist also besser, den Status quo beizubehalten. Und das wird natürlich in jedem Land so sein, das auch nur den Schatten eines territorialen Problems hat.

Dies scheint eine Tatsache zu sein, die der Kreml nicht berücksichtigt hat, als er dachte, die Welt würde die russische Besetzung ohne weiteres akzeptieren. Infolgedessen fliehen sogar Moskaus Verbündete vor der „russischen Krim“ wie vor der Pest.

Vitaly Portnikov: Warum Putin über die Krim „berät“. 15.01.24.


Der russische Präsident Wladimir Putin (L) trifft sich mit dem russischen Oberhaupt der Krim Sergej Aksjonow auf der Krim, 19. März 2020. Archivbild

https://ua.krymr.com/a/vitaliy-portnykov-navischo-putin-radytsia-pro-krym/33276795.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR2m4TsjQnPl7mzZv0oDSEnn2Ks0TypFVh3a9UWstwZlPnWfSL0FuymDA7I_aem_QN03HWuzyk4a-kL6KqYQtw

Der russische Präsident Wladimir Putin hielt eine Sitzung über die Entwicklung der Krim und Sewastopols ab. Man könnte meinen, dass es sich dabei um eine routinemäßige protokollarische Veranstaltung handelte – Putin scheint, wie jeder sowjetische oder postsowjetische Bürokrat, alle Arten von Treffen mit seinen über Fernsehsendung Wremja ausgestrahlten Reden zu lieben.

Betrachtet man jedoch die für die Krim-Veranstaltung gewählte Zeit, so wird deutlich, dass Putin sich nicht um die Ölpest vor der Krimküste oder die Turnhallen mit Spielplätzen kümmert, über die der russische „Krim-Chef“ Sergej Aksjonow dem Präsidenten zu berichten pflegte.

Dieses Treffen ist vor allem ein Signal an die neue US-Regierung, an Donald Trump: Die Krim und Sewastopol sind jetzt „einfache“ Regionen Russlands. Und genau so sollten sie auch behandelt werden.

Man wird mir vielleicht sagen, dass Washington nicht die Absicht hatte, die Krim-Frage mit Putin zu diskutieren, dass die Hauptaufgabe der neuen Regierung, wie Donald Trump selbst und sein Team wiederholt gesagt haben, darin besteht, einen Waffenstillstand zu erreichen. Aber es ist gut möglich, dass dieser Ansatz dem Kreml nicht passt. Zumindest haben Putin selbst, der russische Außenminister Sergej Lawrow und andere russische Beamte wiederholt erklärt, dass sie einen „umfassenden Frieden“ brauchen.

Was bedeutet dann ein „umfassender Frieden“? Vielleicht wäre für Putin der erste Schritt, um zu zeigen, dass er bei den Verhandlungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges allmählich die Oberhand gewinnt, die Anerkennung des russischen Status der besetzten Gebiete – in erster Linie natürlich der Krim und Sewastopol.

Putin selbst hat argumentiert, dass die Anerkennung des russischen Status der annektierten Gebiete fast eine Vorbedingung für die Aufnahme von Friedensgesprächen sei. Warum also nicht noch einmal an die Krim erinnern, warum nicht von den „Errungenschaften“ der annektierten Region sprechen, als hätte es keine 11 Jahre Konflikt und drei Jahre großen Krieg gegeben – einen Krieg, der auf die Krim kam. Trotz Putins Beteuerungen im Jahr 2014, dass er die Halbinsel Krim vor einem Krieg bewahren würde.

Wie viele andere Behauptungen des russischen Präsidenten haben sich auch diese als falsch erwiesen. Russland hat der Krim nicht nur regelmäßige Repressionen gebracht, sondern auch einen echten Krieg und eine Umweltkatastrophe großen Ausmaßes. Und jetzt tut es sein Bestes, um diese Verbrechen zu legitimieren und ihnen einen rechtlichen Status zu verleihen.

Ich bin sicher, dass dies die Ergebnisse der Annexion sind, über die man auf dem Treffen mit Putin diskutieren soll. Und nicht über Spielplätze und Turnhallen.