Der Raffineriekomplex von Rjasan brennt | Vitaly Portnikov. 15.11.2025.

Den ukrainischen Verteidigungskräften ist es gelungen, die Ölraffinerie von Rjasan zu treffen – eines der größten derartigen Unternehmen im europäischen Teil der Russischen Föderation. Es konnten Explosionen und Brände auf dem Gelände dieses großen Betriebs bestätigt werden. Und wir können nur hoffen, dass dieser Schlag zumindest für eine gewisse Zeit die Kapazitäten der Raffinerie einschränkt, die sowohl der Finanzierung des Haushalts der Russischen Föderation als auch den russischen Streitkräften dient, die weiterhin an der Front in der Ukraine kämpfen.

Man kann also sagen, dass die ukrainischen Angriffe auf die russische Raffinerieindustrie eine echte Ergänzung zu den neuen Energiesanktionen der Vereinigten Staaten gegen die Russische Föderation darstellen. Der amerikanische Präsident Donald Trump hat erneut betont, dass er genau auf diese Sanktionen seine Hoffnung setzt, dass Russland gezwungen sein wird, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden – einen Krieg, den der US-Präsident weiterhin als blutiges Schlachten bezeichnet. Doch wir verstehen, dass Präsident Putin ohne eine wirkliche Erschöpfung der Ressourcen der Russischen Föderation kaum in absehbarer Zeit Verhandlungen über einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zustimmen wird.

Damit im Kreml die Notwendigkeit solcher Verhandlungen zumindest in absehbarer Zeit erkannt wird, muss Russland nicht nur unter westlichen Sanktionen leiden, sondern auch seine eigenen Energiekapazitäten verlieren. Man kann sagen, dass die ukrainischen Angriffe auf die russische Ölverarbeitung bereits spürbare Ergebnisse hervorgerufen haben. In vielen Regionen der Russischen Föderation herrscht Benzinknappheit. Die russischen Behörden versuchen – wie dies in der Geschichte zuerst der Sowjetunion und dann des heutigen putinschen Russlands immer der Fall war – vor allem, die Stabilität in Moskau aufrechtzuerhalten und die Hauptstadt ohne jegliche Einschränkungen oder Unterbrechungen mit Erdölprodukten zu versorgen.

Doch natürlich deutet die Tatsache, dass in der russischen Provinz solche Einschränkungen bereits eingeführt werden, auf eine nicht gerade günstige Lage in der Ölverarbeitung hin und zeigt, dass die Probleme in diesem Bereich weiter wachsen werden. Die eingeschränkten Möglichkeiten für die Arbeit der Ölraffinerien der Russischen Föderation zwingen Russland dazu, Ölprodukte in anderen Ländern zu kaufen – was, wie wir verstehen, die Möglichkeiten des russischen Haushalts erheblich belastet, denn es geht um Devisenkäufe, und die Devisenreserven der Russischen Föderation bleiben begrenzt.

Gleichzeitig wird eine enorme Menge Rohöl frei, das irgendjemand kaufen muss. Doch nach der Einführung neuer US-Sanktionen lehnen Raffinerien in Indien, der Türkei und sogar in der Volksrepublik China den Kauf russischen Öls ab, und so wird es für die Russen immer schwieriger, zusätzliche Mengen ihres Öls irgendwo unterzubringen. Das bedeutet, dass die größten Ölunternehmen der Russischen Föderation gezwungen sein werden, die Förderung zu reduzieren, weil es niemanden gibt, der das Öl kauft, und es keine Möglichkeit gibt, dieses Öl in den eigenen Raffinerien zu verarbeiten.

Dies ist eine Art Energie-Falle, die einerseits durch die Bemühungen der Administration Donald Trumps und andererseits durch die Schläge der ukrainischen Verteidigungskräfte gegen den Energiesektor der Terrorföderation geschaffen wird – eine Falle, die zur Degradierung der russischen Wirtschaft beitragen und Bedingungen für eine soziale Explosion in Russland schaffen soll, mit anschließenden Zerfallsprozessen in der Russischen Föderation in den kommenden, schwierigen Jahrzehnten.

Und natürlich erlaubt uns dies erneut, an die Situation mit der Lieferung von Langstreckenraketen für die Ukraine zu erinnern. Wenn unsere Partner zugestimmt hätten, dass solche Raketen den ukrainischen Verteidigungskräften zur Verfügung stehen und dass mit ihnen wichtige Infrastrukturobjekte auf dem Territorium der Russischen Föderation getroffen werden dürfen, dann hätte man die russische Ölverarbeitung und ihre Ölunternehmen in viel kürzerer Zeit ausschalten können, als es der Zeitraum erfordert, der für die Wirkung von Sanktionen gegen die Russische Föderation nötig ist.

Denn wir verstehen, dass Drohnenangriffe den Russen erlauben, die Reparaturarbeiten in ihren Ölverarbeitungsbetrieben fortzusetzen und ihnen nach einer gewissen Zeit zumindest einen Teil der Kapazitäten zurückzugeben, die durch die Angriffe zerstört wurden. Und das ist gewissermaßen eine Verfolgung eines Ziels, das sich ständig bewegt. Zum Beispiel beobachten wir die russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur: ein Schlag, eine Reparatur, wieder ein Schlag, und erneut eine Wiederherstellung der Kapazitäten. Eine solche Situation kann sich – wie wir sehen – sowohl im Fall der ukrainischen Energie als auch im Fall der russischen Ölverarbeitung nicht nur über Monate, sondern über Jahre hinziehen. Und all diese Zeit wird der russisch-ukrainische Krieg, wie wir verstehen, weitergehen.

Was muss also getan werden, damit dieser Krieg so schnell wie möglich endet? Erstens muss Russland ernsthafte Probleme mit seiner Ölverarbeitung und seiner Erdölindustrie bekommen — und dafür braucht es Schläge mit Langstreckenraketen auf die Ölindustrieanlagen der Russischen Föderation. Und dafür braucht es die Lieferung dieser Raketen an die Ukraine und die Erlaubnis, Ziele auf dem Territorium der Russischen Föderation anzugreifen. Es ist notwendig, dass die Vereinigten Staaten und die Länder der Europäischen Union viel sorgfältiger die Einhaltung der bereits verhängten Sanktionen gegen Russland überwachen. Dies ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, den man nicht vergessen darf, denn allein die Existenz der sogenannten Schattenflotte und der Verkauf russischen Öls über Zwischenfirmen schafft Möglichkeiten, dass Russland selbst unter den härtesten westlichen Sanktionen weiterhin Öl liefern und seinen Haushalt auffüllen kann – einen Haushalt, der nicht nur auf den Krieg gegen die Ukraine, sondern, wie wir sehen, auch auf die Vorbereitung eines möglichen hybriden Kriegs gegen NATO-Mitgliedstaaten ausgerichtet ist. Und nachdem russische Drohnen im Luftraum von NATO-Mitgliedstaaten aufgetaucht sind, ist dies keine Theorie mehr, sondern gelebte Praxis, derer sich – wie wir sehen – die Führer des russischen politischen Spektrums und die russische Militärführung bereitwillig bedienen.

Somit gibt es ein Rezept dafür, wie man das Ende des Krieges beschleunigen kann. Und die ukrainischen Verteidigungskräfte unterstreichen mit ihren Angriffen auf die russische Ölverarbeitung nur die Wirksamkeit dieses Rezepts, sofern eine Zustimmung zu seiner Umsetzung besteht und die Handlungen der ukrainischen Verteidigungskräfte und unserer westlichen Verbündeten synchron verlaufen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Палає Рязанський НПЗ | Віталій Портников. 15.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 15.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Ungarn lassen Rosneft fallen | Vitaly Portnikov. 07.11.2025.

Kurz vor der Reise des ungarischen Premierministers Viktor Orbán in die Vereinigten Staaten und seinem Treffen mit US-Präsident Donald Trump erklärte das einzige ungarische Erdölverarbeitungsunternehmen MOL, dass es bereit sei, auf 80 % der russischen Öllieferungen über die Pipeline Druschba zu verzichten. Es teilte außerdem mit, dass die Lieferungen über die kroatische Adria-Pipeline – trotz aller logistischen Schwierigkeiten und Risiken dieser für Ungarn neuen Route – die Mengen an russischem Öl ausgleichen könnten, auf die das ungarische Unternehmen verzichten wolle. Diese Entscheidung betrifft übrigens nicht nur Ungarn, sondern auch das benachbarte Slowakei, die von denselben Lieferungen abhängt.

Bislang hatten Vertreter des Unternehmens die Position Viktor Orbáns vertreten, der entgegen den tatsächlichen Fakten erklärte, Ungarn könne die Öllieferungen über die „Druschba“ nicht stoppen, da dies die einzige mögliche Route sei und das Land sonst ohne Erdölprodukte dastünde.

Was ist also geschehen? Warum verkündet das ungarische Erdölunternehmen unmittelbar vor Orbáns Treffen mit Donald Trump eine völlig andere Haltung?

Möglicherweise liegt das vor allem daran, dass die Interessen des privaten Unternehmens und die des Premierministers nach der drohenden Einführung amerikanischer Sanktionen gegen die russischen Firmen Rosneft und Lukoil – gelinde gesagt – auseinandergehen.

Was sind die Ziele des ungarischen Ölkonzerns? Das Geschäft fortsetzen, nicht unter US-Sanktionen fallen, keine gesperrten Konten riskieren. Und was sind die Ziele des Premierministers Viktor Orbán? Die kommenden Parlamentswahlen gewinnen, an der Macht bleiben, nicht Ziel von Korruptionsermittlungen werden – was praktisch unvermeidlich wäre, sollte seine Partei Fidesz im ungarischen Parlament die Mehrheit verlieren.

Viktor Orbán weiß, dass die Lieferungen über die Adria-Pipeline teurer sein werden als über die Druschba-Pipeline. Dadurch würden steigende Preise und ein sinkender Lebensstandard der Ungarn kurz vor den Wahlen den Rückhalt für die Opposition deutlich stärken. Und keine Erklärungen Orbáns, dass es lediglich um den Ersatz russischen Öls durch Öl anderer Herkunft gehe, würden helfen. Zumal es für Orbán schwer sein wird, solche Erklärungen zu geben – denn sie kämen Faktisch einem Vorwurf an Donald Trump gleich.

So will also die eine Seite ihr Geschäft retten, die andere ihre Macht. Und wie oft in Staaten, in denen eine politische Kraft seit Jahren monopolartig herrscht, decken sich die Interessen der Wirtschaft und der Machtelite nicht.

Es stellt sich zudem die Frage: Was will Viktor Orbán in Washington eigentlich erreichen? Wie will er Donald Trump überzeugen, eine Ausnahme für Ungarn zu machen, damit sein Land weiterhin russisches Öl kaufen kann, wenn selbst das ungarische Ölunternehmen bereit ist, diese Lieferungen durch Importe über Kroatien zu ersetzen? Orbán wird es zweifellos schwer haben – zumal Trump nach seinen jüngsten Äußerungen jede Umgehung seiner Sanktionen gegen den russischen Ölsektor als persönliche Beleidigung wahrnimmt.

Doch Orbán braucht Trump, weil der Premierminister versteht, dass ein Besuch des US-Präsidenten in Budapest kurz vor den Parlamentswahlen seine persönlichen Beziehungen zu Trump betonen und die Bedeutung der Fidesz-Partei als Garant dieser guten Beziehungen – und damit möglicher amerikanischer Investitionen in die ungarische Wirtschaft – unterstreichen würde.

Derzeit führt der einzige direkte Weg, der Trump nach Budapest bringen könnte, über dessen fast abgesagtes Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Orbán hofft weiter auf dieses Treffen – weil er es braucht. Doch hier entsteht ein neues Problem: Orbán muss nicht so sehr Trump, der immer zu Gesprächen bereit ist, überzeugen, sondern seinen alten Bekannten Wladimir Putin, der kein Interesse an einem Ende des Krieges hat.

Und es ist völlig unklar, wie der ungarische Premierminister den russischen Präsidenten dazu überreden könnte, den Krieg zu beenden – einen Krieg, der für Putin zur Lebensaufgabe und zur Frage seines politischen Überlebens als Chef eines kriminellen Geheimdienstclans geworden ist.

Viktor Orbán ist also in einer sehr misslichen Lage. Selbst wenn es ihm gelingen sollte, von Trump vorübergehende Ausnahmen für russische Öllieferungen zu erhalten, wird sein eigenes Wirtschaftsestablishment alles daransetzen, sich von diesen Lieferungen zu lösen und sich von der Abhängigkeit von russischen Ölkonzernen zu befreien.

Zumal viele Manager in diesem Sektor bereits mit einer möglichen Wahlniederlage Orbáns rechnen und daher verstehen, dass sie im Falle eines Machtwechsels ohnehin schnell auf russisches Öl verzichten müssten – denn jeder oppositionelle Premierminister nach Orbán könnte auf gute Beziehungen zu Trump hoffen, aber wohl kaum auf gute Beziehungen zu Wladimir Putin.

Man kann sagen, dass gerade die widernatürlichen Beziehungen zum Kreml, auf die Viktor Orbán und sein mit dem russischen „Orden der Freundschaft“ ausgezeichneter Außenminister Péter Szijjártó so stolz sind, eine persönliche politische Entscheidung Orbáns darstellen – eine Entscheidung, die den Verzicht auf politische Werte und sogar auf das nationale Gedächtnis des ungarischen Volkes bedeutete. 

All das wurde dem Machterhalt Orbáns und seines inneren Zirkels geopfert. Und es ist klar, dass niemand außer Orbán selbst zu solch demütigenden Opfern für den ungarischen Staat und das ungarische Volk fähig wäre.


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Art der Quelle: Artikel / Kommentar
Titel des Originals: Die Ungarn lassen Rosneft fallen
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlicht: 2025-11-08
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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