Neue Äußerungen Lawrows: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 27.09.2026.

Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, trat nach Abschluss der hochrangigen Woche der Sitzung der UN-Generalversammlung vor die Journalisten und erinnerte an die außenpolitischen Positionen der Russischen Föderation, die keinen Zweifel daran lassen, dass der Kreml nicht nur seine harte Haltung gegenüber der Ukraine nicht ändert, sondern auch nach Möglichkeiten sucht, sich mit Washington darauf zu verständigen, dass gerade die Ukraine-Frage aus dem Kontext der russisch-amerikanischen Beziehungen herausgenommen wird, weil sie deren Entwicklung behindert.

Genau darüber sprach Lawrow auf seiner Pressekonferenz. Genau davon versuchen offenbar sowohl russische Beamte als auch Präsident Putin selbst Donald Trumps Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner zu überzeugen. Und nun wissen wir, dass diese These – die These, dass Putin und Trump einfach aufhören sollten, über die Ukraine zu sprechen – aus Sicht des Kremls zu einer zentralen Richtung in den Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten wird.

Gleichzeitig betont Lawrow, dass Moskau bereit sei, zu dem zurückzukehren, was man in Russland als die Vereinbarungen von Anchorage bezeichnet. Obwohl in Wirklichkeit alle wissen, dass beim Treffen von Donald Trump und Putin in Alaska keinerlei konkrete Vereinbarungen erzielt wurden. Obwohl gerade Außenminister Marco Rubio vom Fehlen solcher Vereinbarungen gesprochen hat. Obwohl amerikanische Vertreter wiederholt betont haben, dass selbst die Suche nach einer Verständigung, die in Alaska unternommen wurde, inzwischen nicht mehr aktuell sei, weil sie nicht den Vorstellungen der Ukraine entspreche.

Lawrow und andere russische Beamte berufen sich ständig auf das, was sie früher als den „Geist von Anchorage“ bezeichneten und nun als die „Vereinbarungen von Anchorage“ bezeichnen, obwohl niemand weder das eine noch das andere finden kann. Und so können wir von einer weiteren bewussten Verzögerung bei der Suche nach Wegen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine mit dem Ziel einer Beendigung des Krieges sprechen.

Und gerade die mangelnde Bereitschaft, nach solchen Möglichkeiten zu suchen, zeigt sich darin, dass Lawrow nicht einmal auf die Warnungen eingeht, die ausländische Partner Moskaus etwa hinsichtlich der faktischen Zerstörung der Möglichkeiten zur Lieferung ukrainischer Agrarprodukte in die Länder des Globalen Südens aussprechen.

Wenn Lawrow darauf hingewiesen wird, dass eine solche Blockade ukrainischen Getreides zu Hunger in der Welt führen werde, antwortet er lediglich, für die entstandene Situation im Schwarzen Meer seien die sogenannten ukrainischen Terroristen verantwortlich. Das heißt, wie wir verstehen, beabsichtigt Russland keinerlei Anstrengungen zu unternehmen, um Bedingungen für die Freigabe der Seewege durch das Schwarze Meer zu schaffen. Und die Position seiner Partner aus den Ländern des Globalen Südens sowie die Katastrophe, die im kommenden Jahr in diesen Ländern beginnen könnte, interessieren Putin und Lawrow überhaupt nicht.

Ein weiteres wichtiges Thema sind die Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und den europäischen Ländern. Ein Thema, das auch vor dem Hintergrund des ersten Treffens der Außenminister Russlands und Deutschlands seit vier Jahren, das am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung stattfand, wieder aktuell geworden ist.

Wir haben keinerlei positive Reaktion des russischen Ministers darauf gesehen, dass es Moskau erneut gelungen ist, jene internationale Isolation zu durchbrechen, in die Russland infolge seines Angriffs auf die Ukraine geraten ist. Vielleicht gerade deshalb, weil Russland mit seiner heutigen Neuausrichtung der Außenpolitik nach Osten, auf China und Indien, diese Isolation im Westen nicht sonderlich kümmert. Zu einer Verständigung zwischen dem russischen und dem deutschen Minister kam es nicht, was Lawrow auf seiner Pressekonferenz ausdrücklich hervorhob. Er sagte, man hätte einfach mit ihm telefonieren und auf diese Weise vermeiden können, seine kostbare Zeit zu verschwenden.

Am beunruhigendsten ist jedoch Lawrows These, dass die Vorbereitungen europäischer Länder auf einen möglichen Angriff der Russischen Föderation zu einer Prophezeiung werden könnten, die sich selbst erfüllt. Genau so charakterisierte Lawrow die Befürchtungen der europäischen Nachbarn der Russischen Föderation, Putins aggressives Land könnte einen Krieg gegen sie beginnen.

Und das ist natürlich bereits eine offene und eindeutige Drohung, wenn im selben Zusammenhang einerseits versichert wird, Russland beabsichtige nicht, europäische Länder anzugreifen, und andererseits erklärt wird, ihre Befürchtungen vor einem Krieg mit Russland könnten zu einer Prophezeiung werden, die sich von selbst erfüllt. Man muss nicht erklären, worauf sich der Kreml in seinen Beziehungen zu den Ländern der Europäischen Union tatsächlich vorbereitet.

Das ist eine sehr wichtige Äußerung des russischen Außenministers, die ich an der Stelle unserer europäischen Nachbarn sehr ernst nehmen würde, denn wir verstehen sehr gut, dass der Leiter des russischen Außenministeriums solche Aussagen nicht einfach so macht und dass die These, die Europäer bereiteten sich auf einen Krieg vor, der gerade deshalb stattfinden könnte, weil sie versuchen, sich zu schützen, sehr stark an Russlands Vorbereitung auf den Krieg gegen die Ukraine erinnert. Damals wurde auch uns vorgeworfen, dass wir versuchten, uns vor einer möglichen russischen Aggression zu schützen – nach der Annexion der Krim und dem Beginn des nicht erklärten Krieges Russlands gegen die Ukraine im Donbas.

Und natürlich ist hier noch die Tatsache von Bedeutung, dass Lawrow den europäischen Ländern weiterhin vorwirft, der Ukraine zu helfen. Er betont, dass sie der Ukraine keine Waffen übergeben sollten, die sie in vielen Ländern der Welt kaufen, betont, dass Europa Russland gegenüber immer feindseliger eingestellt sei und dass europäische Politiker die Friedensbemühungen der Administration von Präsident Donald Trump im russisch-ukrainischen Krieg behinderten.

Das heißt, ein weiterer Versuch, Europäer und Amerikaner wieder auseinanderzubringen und gegeneinander aufzubringen, Donald Trump und seine Vertreter davon zu überzeugen, dass gerade die europäische Unterstützung der Ukraine einen Friedensschluss verhindere. Und auch das ist ein sehr wichtiger Teil der russischen Taktik, die darauf abzielt, der Ukraine diese für unseren Widerstand gegen die russische Aggression so dringend benötigte Hilfe zu entziehen.

Die Pressekonferenz des Leiters des russischen Außenministeriums am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung würde ich daher nicht einfach als eine Ansammlung propagandistischer Klischees bezeichnen. Wir haben uns davon überzeugen können, dass wir es mit einer zunehmend aggressiveren Haltung zu tun haben – nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber den Ländern des europäischen Kontinents.

Und dabei kann es natürlich nicht nur um den Wunsch gehen, Washington und die europäischen Staats- und Regierungschefs gegeneinander aufzubringen, nicht nur um den Versuch, weitere Hilfe für die Ukraine zu verhindern, sondern auch um den Versuch, vor neuen Wahlzyklen in europäischen Ländern jene politischen Kräfte in Europa zu unterstützen, die auf eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation setzen.

Das könnte zu einer durchaus aktuellen Aufgabe für den Kreml werden. Und Lawrow beginnt bei seinem Treffen mit den Journalisten bereits, sich an all diesen künftigen europäischen Wahlkämpfen zu beteiligen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові заяви Лаврова: головне | Віталій
Портников. 27.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.09.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin fürchtet die Antikriegspartei | Vitaly Portnikov. 10.08.2026.

Die russische Partei Jabloko, die einzige, die sich für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges ausgesprochen hatte, wurde vom Obersten Gerichtshof der Russischen Föderation nicht zu den Wahlen zur Staatsduma Russlands zugelassen, nachdem die Partei bereits offiziell registriert worden war.

Interessant ist, dass sich unter denen, die dafür eintraten, Jabloko von den Wahlzetteln zu streichen, auch die Zentrale Wahlkommission der Russischen Föderation befand, zu deren Aufgaben es gehört, faire und wettbewerbliche Wahlen in einem Land zu gewährleisten, in dem es solche fairen und wettbewerblichen Wahlen seit drei Jahrzehnten in Folge nicht mehr gegeben hat.

Für uns hat diese Geschichte um den Ausschluss Jablokos eine recht symbolische politische Bedeutung. Es könnte scheinen: Welche Rolle spielt es, welche der politischen Parteien Russlands zu den Wahlen zur Staatsduma zugelassen oder nicht zugelassen wird, wenn ohnehin alle russischen politischen Kräfte gezwungen sind, im Fahrwasser von Putins Politik zu agieren. 

Doch mit Jabloko ergab sich eine ziemlich interessante Geschichte. Von den politischen Kräften, die theoretisch an den Wahlen hätten teilnehmen können, war nur die Partei von Grigori Jawlinski bereit, die Notwendigkeit eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges zu betonen, obwohl sie nicht einmal das Putin-Regime selbst der brutalen Aggression gegen das Nachbarland beschuldigte.

Für die russische politische Führung war die Präsenz Jablokos auf dem Wahlzettel ein wichtiger Punkt, um zu demonstrieren, dass es in Russland praktisch keine Gegner von Putins Krieg gibt, dass die gesamte russische Gesellschaft bereit ist, die Fortsetzung der aggressiven Handlungen ihres durchgedrehten Machthabers gegen die Ukraine zu unterstützen, bereit ist, Bombardierungen, Tötungen und die Zerstörung von Städten zu unterstützen.

Doch seit der Entscheidung, die Partei Jabloko zu den Wahlen zuzulassen, haben sich im Leben der russischen Gesellschaft selbst recht wichtige Ereignisse ereignet, Ereignisse, die mit den Anstrengungen der ukrainischen Verteidigungskräfte zusammenhängen. Russische Ölraffinerien und Marktplätze begannen zu brennen. Trümmer von Drohnen und Raketen tauchten in Wohnvierteln russischer Städte auf. Der Krieg kam auf das Territorium Russlands und zeigte Millionen Russen, wie ihr wirkliches Leben aussehen wird, wenn der Präsident der Russischen Föderation nicht auf die Aggression gegen unser Land verzichtet.

Und die Russen nehmen einen Krieg auf ihrem eigenen Territorium ganz anders wahr als einen Krieg, der auf fremdem Territorium stattfindet. Das ist aus allen Jahrhunderten der russischen Nationalgeschichte bekannt. Ein Krieg, der nach Russland kommt, gefällt den Russen nicht und kann für jene Herrscher zur Katastrophe werden, die Angriffskriege beginnen.

Vor diesem Hintergrund nahm die Unterstützung für Jabloko zu. Soziologische Umfragen der letzten Tage zeigten, dass Jabloko zumindest in der Hauptstadtregion auf ernsthafte Unterstützung durch eine enorme Zahl von Wählern hoffen kann, während Putins Banditenpartei Einiges Russland, die der im Gefängnis verstorbene, genauer gesagt in der Strafkolonie getötete Alexej Nawalny nicht umsonst die Partei der Diebe nannte, Jabloko bei der Popularität deutlich unterlegen ist.

Und so wurde offensichtlich, dass eine Stimmabgabe für diese politische Kraft, trotz der mangelnden Bereitschaft ihrer Führer, die Dinge beim Namen zu nennen, zu einem Spiegel des Antikriegsprotests werden kann und dass zumindest die nicht öffentliche Demoskopie dem Präsidenten der Russischen Föderation zeigen würde, wie viele Menschen seinen Krieg gegen die Ukraine ablehnen, wie viele Menschen wünschen würden, dass dieser Krieg beendet wird.

Und dann wurde die nächste autoritäre russische Entscheidung getroffen, Jabloko nicht zur Teilnahme an den Wahlen zuzulassen. Damit Putin nicht sieht, wie viele Menschen mit seinem Wunsch, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen, nicht einverstanden sind. Genau darin liegt der wahre Grund dafür, dass Jabloko, nachdem die Partei bereits für die Teilnahme an den Wahlen zur Staatsduma zugelassen worden war, wieder von dieser Teilnahme ausgeschlossen wurde.

Und nun werden an den Wahlen zur unteren Kammer des russischen Parlaments nur noch Kriegsparteien teilnehmen, deren Führer, gewöhnliche Marionetten der Kremlverwaltung, miteinander darum konkurrieren werden, Vorschläge zu machen, wie man den Krieg noch verbrecherischer, noch brutaler, noch niederträchtiger machen kann, in der Hoffnung, dass ihre Bemühungen von den Kuratoren dieser politischen Kräfte im Kreml angemessen gewürdigt werden.

Wie wir also sehen, kann selbst eine Partei, die bereit ist, wie wir es im Fall Jablokos wiederholt gesehen haben, nach den Regeln des Kremls zu spielen, die politische Rhetorik des Kremls gegenüber diesem Krieg zu verwenden, den Putin in der Ukraine begonnen hat, den Aggressor nicht Aggressor zu nennen und die Ursachen des Krieges auch in ukrainischen Handlungen zu suchen, selbst eine solche Partei kann nicht an den Wahlen teilnehmen, damit sie nicht zum Symbol einer Antikriegsbewegung in der Russischen Föderation selbst wird.

Wir müssen uns klar darüber im Klaren sein, dass sich Putins Russland vor dem Hintergrund seines schändlichen Krieges gegen unser Land in einen echten orwellschen Staat verwandelt hat, in dem Frieden Krieg ist und die gesamte Existenz der Bürger der Bereitschaft untergeordnet sein muss, Putins aggressive Bestrebungen und die Folgen dieser Bestrebungen für die Russen selbst als gegeben hinzunehmen und sich damit abzufinden, dass der Krieg fortgesetzt wird, auch auf dem Territorium Russlands selbst. Und nun werden bereits alle politischen Parteien, die an den sogenannten Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation teilnehmen werden, genau diese orwellsche Idee von der Fortsetzung des Krieges vertreten.

Eine wirkliche Wahl haben die Russen, selbst wenn es unter ihnen Menschen gibt, die sich für ein Ende des Angriffskrieges gegen den Nachbarstaat aussprechen möchten, nicht einmal mehr theoretisch. Die einzige Wahl besteht darin, wegen Beiträgen in sozialen Netzwerken, in denen ein Ende des Krieges gefordert wird, ins Gefängnis oder in eine Strafkolonie zu kommen – oder sogar wegen Likes unter Beiträgen jener, die noch immer bereit sind, über die Notwendigkeit eines Endes des russischen Krieges gegen die Ukraine zu sprechen. Das ist die wirkliche politische Realität in dem Land, das gegen uns Krieg führt.


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Titel des Originals: Путін злякався антивоєнної партії | Віталій Портников. 10.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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