Putin ruft die Russen auf, für den Krieg zu stimmen | Vitaly Portnikov. 16.09.2026.

Zwei Tage vor den sogenannten Parlamentswahlen in der Russischen Föderation wandte sich Putin mit einer Ansprache an seine Landsleute, in der er diese bevorstehende Abstimmung unmittelbar mit Russlands Krieg gegen die Ukraine verknüpfte.

Putin betonte, dass die Teilnahme an der bevorstehenden Abstimmung Verantwortung und ein Beitrag zur Stärkung des Landes sei und dass diese Stärkung mit dem Sieg auf dem Schlachtfeld verbunden sei. Und davon spricht der Präsident der Russischen Föderation auch in dieser seiner Ansprache, wenn er seine Landsleute dazu aufruft zu demonstrieren, dass hinter den Kämpfern, die jetzt ukrainische Häuser zerstören und unsere friedlichen Bewohner töten, Millionen von Menschen stehen. Und dass die russische Gesellschaft in ihrer Unterstützung des Krieges geeint bleibt.

Somit kann man klar erkennen und verstehen, womit der Präsident der Russischen Föderation diese sogenannte Abstimmung verbindet. Er versucht, sie in ein Referendum über die Unterstützung für die Fortsetzung des Krieges Russlands gegen die Ukraine zu verwandeln – und wird sie auch in ein solches verwandeln.

Es sei daran erinnert, dass praktisch alle politischen Parteien, die zu den Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation zugelassen sind, Putins Krieg unterstützen. Einige, wie die LDPR, Gerechtes Russland und die Kommunistische Partei der Russischen Föderation, sind in ihrer Haltung zum Krieg sogar radikaler als Putins Einiges Russland.

Die einzige Partei, die sich für die Durchführung von Friedensverhandlungen ausgesprochen hat, ohne dabei auch nur die eigene Führung für den Beginn des Angriffskrieges gegen die Ukraine verantwortlich zu machen, die Partei Jabloko, wurde von den Wahlen ausgeschlossen, und gegen ihre Aktivisten und Anhänger beginnen, wie es in der heutigen politischen Situation in der Russischen Föderation immer der Fall ist, systematische Repressionen. Und das trotz der Tatsache, dass eine Woche vor Beginn der Abstimmung nicht weniger als 25 Prozent der Wähler bereit waren, für Jabloko mit seiner Antikriegsposition zu stimmen, während 31 Prozent bereit waren, für Putins Einiges Russland zu stimmen.

Und das spricht im Grunde dafür, dass es in der Russischen Föderation keine wirkliche Mehrheit für den Krieg gibt. Und auch Putins Partei verfügt nicht über eine Autorität, die es dem russischen Staatschef erlauben würde, tatsächlich davon auszugehen, dass die Gesellschaft seine Pläne für einen jahrelangen Krieg gegen die Ukraine und möglicherweise auch für den Beginn neuer Kriege sowohl im postsowjetischen Raum als auch in Mitteleuropa unterstützen wird.

Aber Putin braucht weniger die Unterstützung der Gesellschaft als vielmehr Zahlen, die entsprechend zurechtgemacht werden sollen, um die Unterstützung für Einiges Russland und andere kriegsbefürwortende Parteien in der Russischen Föderation zu demonstrieren. Gerade deshalb wendet sich der Präsident an seine Landsleute mit der Aufforderung, wählen zu gehen, um damit die Einheit zu bestätigen. Eine hohe Wahlbeteiligung wird die Möglichkeit schaffen, die Ergebnisse dieser Wahlen massiv zugunsten von Einiges Russland und anderen putintreuen Parteien zu fälschen – entsprechend einem Szenario, das bereits in den Büros der Beamten der russischen Präsidialverwaltung ausgearbeitet wurde.

Und vor diesem Hintergrund wirkt natürlich die Vorstellung ziemlich seltsam, Putin werde nach den Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation bereit sein, den Verhandlungsprozess über ein Ende des Krieges gegen die Ukraine fortzusetzen. Wie bekannt ist, waren es gerade die amerikanischen Vermittler bei den Verhandlungen mit dem Kreml, Steve Witkoff und Jared Kushner, die solche Vorstellungen äußerten und mitteilten, dass der Verhandlungsprozess gerade nach den Wahlen zur Staatsduma fortgesetzt werden könnte.

Aber wir sehen, dass es bei diesen Wahlen in Wirklichkeit um etwas völlig anderes geht. Bei diesen Wahlen geht es um den Krieg, darum, dass die russische Staatsführung aus Putins Sicht bei diesen Wahlen ein Mandat nicht für Verhandlungen, sondern für die Fortsetzung der Kampfhandlungen erhalten soll, dass Putin darauf hofft, tatsächlich ein Mandat für diese Fortsetzung zu bekommen, und dass er die Stimmen für Einiges Russland, Gerechtes Russland, die Kommunisten und die Banditen von der LDPR damit erklären wird, dass sich die Bürger um die sogenannten Teilnehmer der „militärischen Spezialoperation“ und um deren Sieg über die Ukraine scharen.

Deshalb hat die Frage der Verhandlungen überhaupt nichts mit den Parlamentswahlen in der Russischen Föderation zu tun.

  • Erstens, weil dies keine Wahlen sind.
  • Zweitens, weil gerade die Anhänger von Putins Krieg zu den Teilnehmern dieser Wahlen werden.

Man kann sich nur darüber wundern, dass dies weder Trumps Vermittler noch die russischen Oppositionspolitiker verstehen, von denen einige aus für mich unverständlichen Gründen dazu aufrufen, für irgendeine an den Wahlen teilnehmende Partei zu stimmen, nur nicht für Einiges Russland – und damit für die Parteien anderer Blutsauger.

Der wichtigste Schlüssel zu Verhandlungen, die zu einer Unterbrechung des russisch-ukrainischen Krieges führen sollen, sind Schläge gegen die Ressourcen der Russischen Föderation. Nicht der Stimmzettel wird Putins Bereitschaft bestimmen, die Kampfhandlungen zu beenden. Im Gegenteil, dieser Stimmzettel soll dem russischen Präsidenten lediglich dabei helfen, diese Kampfhandlungen fortzusetzen. Sondern die Streitkräfte der Ukraine mit ihren Angriffen auf die Energieanlagen der Russischen Föderation, auf Ölraffinerien, auf Ölhäfen, auf Bohrstellen, an denen Erdöl gefördert wird, auf den militärisch-industriellen Komplex der Russischen Föderation, auf all das, was es der russischen Wirtschaft ermöglicht, zu leben und zu funktionieren, und den Bürgern Russlands ermöglicht, die militaristische Stimmung ihrer eigenen verbrecherischen Führung zu unterstützen.

  • Wenn Putin kein Geld hat, wird er diesen Krieg beenden. 
  • Wenn Putin Geld hat, wird er ihn fortsetzen, ganz gleich, welche Initiativen westliche Politiker ergreifen und welche Hoffnungen sie in Putins Vernunft setzen.

Ins russische Parlament ziehen Menschen ein, die bereit sind, Putin in seinem Krieg zu unterstützen. Unter ihnen befinden sich nicht wenige Kriegsverbrecher, die nun diese Abgeordnetenmandate als Belohnung für ihre Morde und Verbrechen auf ukrainischem Boden erhalten. Und man sollte auch nicht vergessen, dass sich die russische Elite nun gerade durch solche Verbrecher erneuert, für die der Krieg gegen die Ukraine ein Sprungbrett in die Politik und ein Beleg für persönlichen Erfolg ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін закликає росіян голосувати за війну | Віталій Портников. 16.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin fürchtet die Antikriegspartei | Vitaly Portnikov. 10.08.2026.

Die russische Partei Jabloko, die einzige, die sich für ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges ausgesprochen hatte, wurde vom Obersten Gerichtshof der Russischen Föderation nicht zu den Wahlen zur Staatsduma Russlands zugelassen, nachdem die Partei bereits offiziell registriert worden war.

Interessant ist, dass sich unter denen, die dafür eintraten, Jabloko von den Wahlzetteln zu streichen, auch die Zentrale Wahlkommission der Russischen Föderation befand, zu deren Aufgaben es gehört, faire und wettbewerbliche Wahlen in einem Land zu gewährleisten, in dem es solche fairen und wettbewerblichen Wahlen seit drei Jahrzehnten in Folge nicht mehr gegeben hat.

Für uns hat diese Geschichte um den Ausschluss Jablokos eine recht symbolische politische Bedeutung. Es könnte scheinen: Welche Rolle spielt es, welche der politischen Parteien Russlands zu den Wahlen zur Staatsduma zugelassen oder nicht zugelassen wird, wenn ohnehin alle russischen politischen Kräfte gezwungen sind, im Fahrwasser von Putins Politik zu agieren. 

Doch mit Jabloko ergab sich eine ziemlich interessante Geschichte. Von den politischen Kräften, die theoretisch an den Wahlen hätten teilnehmen können, war nur die Partei von Grigori Jawlinski bereit, die Notwendigkeit eines Endes des russisch-ukrainischen Krieges zu betonen, obwohl sie nicht einmal das Putin-Regime selbst der brutalen Aggression gegen das Nachbarland beschuldigte.

Für die russische politische Führung war die Präsenz Jablokos auf dem Wahlzettel ein wichtiger Punkt, um zu demonstrieren, dass es in Russland praktisch keine Gegner von Putins Krieg gibt, dass die gesamte russische Gesellschaft bereit ist, die Fortsetzung der aggressiven Handlungen ihres durchgedrehten Machthabers gegen die Ukraine zu unterstützen, bereit ist, Bombardierungen, Tötungen und die Zerstörung von Städten zu unterstützen.

Doch seit der Entscheidung, die Partei Jabloko zu den Wahlen zuzulassen, haben sich im Leben der russischen Gesellschaft selbst recht wichtige Ereignisse ereignet, Ereignisse, die mit den Anstrengungen der ukrainischen Verteidigungskräfte zusammenhängen. Russische Ölraffinerien und Marktplätze begannen zu brennen. Trümmer von Drohnen und Raketen tauchten in Wohnvierteln russischer Städte auf. Der Krieg kam auf das Territorium Russlands und zeigte Millionen Russen, wie ihr wirkliches Leben aussehen wird, wenn der Präsident der Russischen Föderation nicht auf die Aggression gegen unser Land verzichtet.

Und die Russen nehmen einen Krieg auf ihrem eigenen Territorium ganz anders wahr als einen Krieg, der auf fremdem Territorium stattfindet. Das ist aus allen Jahrhunderten der russischen Nationalgeschichte bekannt. Ein Krieg, der nach Russland kommt, gefällt den Russen nicht und kann für jene Herrscher zur Katastrophe werden, die Angriffskriege beginnen.

Vor diesem Hintergrund nahm die Unterstützung für Jabloko zu. Soziologische Umfragen der letzten Tage zeigten, dass Jabloko zumindest in der Hauptstadtregion auf ernsthafte Unterstützung durch eine enorme Zahl von Wählern hoffen kann, während Putins Banditenpartei Einiges Russland, die der im Gefängnis verstorbene, genauer gesagt in der Strafkolonie getötete Alexej Nawalny nicht umsonst die Partei der Diebe nannte, Jabloko bei der Popularität deutlich unterlegen ist.

Und so wurde offensichtlich, dass eine Stimmabgabe für diese politische Kraft, trotz der mangelnden Bereitschaft ihrer Führer, die Dinge beim Namen zu nennen, zu einem Spiegel des Antikriegsprotests werden kann und dass zumindest die nicht öffentliche Demoskopie dem Präsidenten der Russischen Föderation zeigen würde, wie viele Menschen seinen Krieg gegen die Ukraine ablehnen, wie viele Menschen wünschen würden, dass dieser Krieg beendet wird.

Und dann wurde die nächste autoritäre russische Entscheidung getroffen, Jabloko nicht zur Teilnahme an den Wahlen zuzulassen. Damit Putin nicht sieht, wie viele Menschen mit seinem Wunsch, den Krieg gegen die Ukraine fortzusetzen, nicht einverstanden sind. Genau darin liegt der wahre Grund dafür, dass Jabloko, nachdem die Partei bereits für die Teilnahme an den Wahlen zur Staatsduma zugelassen worden war, wieder von dieser Teilnahme ausgeschlossen wurde.

Und nun werden an den Wahlen zur unteren Kammer des russischen Parlaments nur noch Kriegsparteien teilnehmen, deren Führer, gewöhnliche Marionetten der Kremlverwaltung, miteinander darum konkurrieren werden, Vorschläge zu machen, wie man den Krieg noch verbrecherischer, noch brutaler, noch niederträchtiger machen kann, in der Hoffnung, dass ihre Bemühungen von den Kuratoren dieser politischen Kräfte im Kreml angemessen gewürdigt werden.

Wie wir also sehen, kann selbst eine Partei, die bereit ist, wie wir es im Fall Jablokos wiederholt gesehen haben, nach den Regeln des Kremls zu spielen, die politische Rhetorik des Kremls gegenüber diesem Krieg zu verwenden, den Putin in der Ukraine begonnen hat, den Aggressor nicht Aggressor zu nennen und die Ursachen des Krieges auch in ukrainischen Handlungen zu suchen, selbst eine solche Partei kann nicht an den Wahlen teilnehmen, damit sie nicht zum Symbol einer Antikriegsbewegung in der Russischen Föderation selbst wird.

Wir müssen uns klar darüber im Klaren sein, dass sich Putins Russland vor dem Hintergrund seines schändlichen Krieges gegen unser Land in einen echten orwellschen Staat verwandelt hat, in dem Frieden Krieg ist und die gesamte Existenz der Bürger der Bereitschaft untergeordnet sein muss, Putins aggressive Bestrebungen und die Folgen dieser Bestrebungen für die Russen selbst als gegeben hinzunehmen und sich damit abzufinden, dass der Krieg fortgesetzt wird, auch auf dem Territorium Russlands selbst. Und nun werden bereits alle politischen Parteien, die an den sogenannten Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation teilnehmen werden, genau diese orwellsche Idee von der Fortsetzung des Krieges vertreten.

Eine wirkliche Wahl haben die Russen, selbst wenn es unter ihnen Menschen gibt, die sich für ein Ende des Angriffskrieges gegen den Nachbarstaat aussprechen möchten, nicht einmal mehr theoretisch. Die einzige Wahl besteht darin, wegen Beiträgen in sozialen Netzwerken, in denen ein Ende des Krieges gefordert wird, ins Gefängnis oder in eine Strafkolonie zu kommen – oder sogar wegen Likes unter Beiträgen jener, die noch immer bereit sind, über die Notwendigkeit eines Endes des russischen Krieges gegen die Ukraine zu sprechen. Das ist die wirkliche politische Realität in dem Land, das gegen uns Krieg führt.


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Titel des Originals: Путін злякався антивоєнної партії | Віталій Портников. 10.08.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 10.08.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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