Der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, trat nach Abschluss der hochrangigen Woche der Sitzung der UN-Generalversammlung vor die Journalisten und erinnerte an die außenpolitischen Positionen der Russischen Föderation, die keinen Zweifel daran lassen, dass der Kreml nicht nur seine harte Haltung gegenüber der Ukraine nicht ändert, sondern auch nach Möglichkeiten sucht, sich mit Washington darauf zu verständigen, dass gerade die Ukraine-Frage aus dem Kontext der russisch-amerikanischen Beziehungen herausgenommen wird, weil sie deren Entwicklung behindert.
Genau darüber sprach Lawrow auf seiner Pressekonferenz. Genau davon versuchen offenbar sowohl russische Beamte als auch Präsident Putin selbst Donald Trumps Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner zu überzeugen. Und nun wissen wir, dass diese These – die These, dass Putin und Trump einfach aufhören sollten, über die Ukraine zu sprechen – aus Sicht des Kremls zu einer zentralen Richtung in den Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten wird.
Gleichzeitig betont Lawrow, dass Moskau bereit sei, zu dem zurückzukehren, was man in Russland als die Vereinbarungen von Anchorage bezeichnet. Obwohl in Wirklichkeit alle wissen, dass beim Treffen von Donald Trump und Putin in Alaska keinerlei konkrete Vereinbarungen erzielt wurden. Obwohl gerade Außenminister Marco Rubio vom Fehlen solcher Vereinbarungen gesprochen hat. Obwohl amerikanische Vertreter wiederholt betont haben, dass selbst die Suche nach einer Verständigung, die in Alaska unternommen wurde, inzwischen nicht mehr aktuell sei, weil sie nicht den Vorstellungen der Ukraine entspreche.
Lawrow und andere russische Beamte berufen sich ständig auf das, was sie früher als den „Geist von Anchorage“ bezeichneten und nun als die „Vereinbarungen von Anchorage“ bezeichnen, obwohl niemand weder das eine noch das andere finden kann. Und so können wir von einer weiteren bewussten Verzögerung bei der Suche nach Wegen zur Wiederaufnahme der Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine mit dem Ziel einer Beendigung des Krieges sprechen.
Und gerade die mangelnde Bereitschaft, nach solchen Möglichkeiten zu suchen, zeigt sich darin, dass Lawrow nicht einmal auf die Warnungen eingeht, die ausländische Partner Moskaus etwa hinsichtlich der faktischen Zerstörung der Möglichkeiten zur Lieferung ukrainischer Agrarprodukte in die Länder des Globalen Südens aussprechen.
Wenn Lawrow darauf hingewiesen wird, dass eine solche Blockade ukrainischen Getreides zu Hunger in der Welt führen werde, antwortet er lediglich, für die entstandene Situation im Schwarzen Meer seien die sogenannten ukrainischen Terroristen verantwortlich. Das heißt, wie wir verstehen, beabsichtigt Russland keinerlei Anstrengungen zu unternehmen, um Bedingungen für die Freigabe der Seewege durch das Schwarze Meer zu schaffen. Und die Position seiner Partner aus den Ländern des Globalen Südens sowie die Katastrophe, die im kommenden Jahr in diesen Ländern beginnen könnte, interessieren Putin und Lawrow überhaupt nicht.
Ein weiteres wichtiges Thema sind die Beziehungen zwischen der Russischen Föderation und den europäischen Ländern. Ein Thema, das auch vor dem Hintergrund des ersten Treffens der Außenminister Russlands und Deutschlands seit vier Jahren, das am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung stattfand, wieder aktuell geworden ist.
Wir haben keinerlei positive Reaktion des russischen Ministers darauf gesehen, dass es Moskau erneut gelungen ist, jene internationale Isolation zu durchbrechen, in die Russland infolge seines Angriffs auf die Ukraine geraten ist. Vielleicht gerade deshalb, weil Russland mit seiner heutigen Neuausrichtung der Außenpolitik nach Osten, auf China und Indien, diese Isolation im Westen nicht sonderlich kümmert. Zu einer Verständigung zwischen dem russischen und dem deutschen Minister kam es nicht, was Lawrow auf seiner Pressekonferenz ausdrücklich hervorhob. Er sagte, man hätte einfach mit ihm telefonieren und auf diese Weise vermeiden können, seine kostbare Zeit zu verschwenden.
Am beunruhigendsten ist jedoch Lawrows These, dass die Vorbereitungen europäischer Länder auf einen möglichen Angriff der Russischen Föderation zu einer Prophezeiung werden könnten, die sich selbst erfüllt. Genau so charakterisierte Lawrow die Befürchtungen der europäischen Nachbarn der Russischen Föderation, Putins aggressives Land könnte einen Krieg gegen sie beginnen.
Und das ist natürlich bereits eine offene und eindeutige Drohung, wenn im selben Zusammenhang einerseits versichert wird, Russland beabsichtige nicht, europäische Länder anzugreifen, und andererseits erklärt wird, ihre Befürchtungen vor einem Krieg mit Russland könnten zu einer Prophezeiung werden, die sich von selbst erfüllt. Man muss nicht erklären, worauf sich der Kreml in seinen Beziehungen zu den Ländern der Europäischen Union tatsächlich vorbereitet.
Das ist eine sehr wichtige Äußerung des russischen Außenministers, die ich an der Stelle unserer europäischen Nachbarn sehr ernst nehmen würde, denn wir verstehen sehr gut, dass der Leiter des russischen Außenministeriums solche Aussagen nicht einfach so macht und dass die These, die Europäer bereiteten sich auf einen Krieg vor, der gerade deshalb stattfinden könnte, weil sie versuchen, sich zu schützen, sehr stark an Russlands Vorbereitung auf den Krieg gegen die Ukraine erinnert. Damals wurde auch uns vorgeworfen, dass wir versuchten, uns vor einer möglichen russischen Aggression zu schützen – nach der Annexion der Krim und dem Beginn des nicht erklärten Krieges Russlands gegen die Ukraine im Donbas.
Und natürlich ist hier noch die Tatsache von Bedeutung, dass Lawrow den europäischen Ländern weiterhin vorwirft, der Ukraine zu helfen. Er betont, dass sie der Ukraine keine Waffen übergeben sollten, die sie in vielen Ländern der Welt kaufen, betont, dass Europa Russland gegenüber immer feindseliger eingestellt sei und dass europäische Politiker die Friedensbemühungen der Administration von Präsident Donald Trump im russisch-ukrainischen Krieg behinderten.
Das heißt, ein weiterer Versuch, Europäer und Amerikaner wieder auseinanderzubringen und gegeneinander aufzubringen, Donald Trump und seine Vertreter davon zu überzeugen, dass gerade die europäische Unterstützung der Ukraine einen Friedensschluss verhindere. Und auch das ist ein sehr wichtiger Teil der russischen Taktik, die darauf abzielt, der Ukraine diese für unseren Widerstand gegen die russische Aggression so dringend benötigte Hilfe zu entziehen.
Die Pressekonferenz des Leiters des russischen Außenministeriums am Rande der Sitzung der UN-Generalversammlung würde ich daher nicht einfach als eine Ansammlung propagandistischer Klischees bezeichnen. Wir haben uns davon überzeugen können, dass wir es mit einer zunehmend aggressiveren Haltung zu tun haben – nicht nur gegenüber der Ukraine, sondern auch gegenüber den Ländern des europäischen Kontinents.
Und dabei kann es natürlich nicht nur um den Wunsch gehen, Washington und die europäischen Staats- und Regierungschefs gegeneinander aufzubringen, nicht nur um den Versuch, weitere Hilfe für die Ukraine zu verhindern, sondern auch um den Versuch, vor neuen Wahlzyklen in europäischen Ländern jene politischen Kräfte in Europa zu unterstützen, die auf eine Wiederaufnahme der Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation setzen.
Das könnte zu einer durchaus aktuellen Aufgabe für den Kreml werden. Und Lawrow beginnt bei seinem Treffen mit den Journalisten bereits, sich an all diesen künftigen europäischen Wahlkämpfen zu beteiligen.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Нові заяви Лаврова: головне | Віталій
Портников. 27.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.