Litauen hat seine Evakuierungspläne für den Fall eines möglichen Angriffs der Russischen Föderation auf dieses baltische Land aktualisiert. Polnische Medien berichten, dass ein Teil der Einwohner der Republik Litauen noch bevor eine unmittelbare Gefahr für ihre Sicherheit entsteht über Polen evakuiert werden könnte. Polen selbst bereitet solche Evakuierungsrouten für die Einwohner des Nachbarlandes vor.
Derzeit führt Litauen die größten Evakuierungsübungen seiner Geschichte durch. Sie sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit die Infrastruktur des Staates auf die Herausforderungen reagieren kann, die mit einem Angriff und der Notwendigkeit verbunden sind, Hunderttausende, wenn nicht Millionen Menschen aus einem Gebiet zu evakuieren, das einem solchen Angriff ausgesetzt ist.
Noch vor Kurzem betonte der litauische Ministerpräsident Mindaugas Sinkevičius, dass Litauen über Evakuierungspläne für den Fall einer möglichen Aggression seiner Nachbarn verfüge. Nun sehen wir jedoch, dass es sich um ziemlich detaillierte und laufend aktualisierte Pläne und Vorhaben handelt, die zudem mit dem benachbarten Polen abgestimmt werden.
Ein möglicher Angriff der Russischen Föderation auf die baltischen Staaten wird also inzwischen weitaus ernster genommen als noch vor einigen Jahren, als es schien, die Mitgliedschaft Lettlands, Litauens und Estlands in der NATO würde ihnen Schutz selbst vor hypothetischen Absichten Russlands bieten, gegenüber den baltischen Staaten aggressiv aufzutreten – nicht nur mit Taten, sondern sogar mit Äußerungen.
Jetzt ändert sich alles. Der Präsident der Russischen Föderation, Wladimir Putin, erinnert erneut an die Probleme der sogenannten russischsprachigen Bevölkerung in den baltischen Staaten. Bereits in den 1990er-Jahren waren Spekulationen über diese Probleme ein fester Bestandteil der russischen Außenpolitik. Als jedoch immer deutlicher wurde, dass die russischsprachigen Einwohner Lettlands, Litauens und Estlands keineswegs vorhatten, für Moskau zur fünften Kolonne und zu einem Instrument zur Rechtfertigung russischer Aggression zu werden, trat die Instrumentalisierung des Themas der russischsprachigen Bevölkerung in der Moskauer Propaganda in den Hintergrund. Möglicherweise auch deshalb, weil die Ukraine zum Hauptthema der russischen Propaganda und der Äußerungen russischer Funktionäre wurde.
Nun kehrt man, wie wir sehen, zu dem von Putin und seinen Vorgängern im Kreml so geliebten Narrativ von der Unterdrückung der russischsprachigen Bevölkerung im Baltikum zurück. Nicht zufällig sagt der russische Außenminister Sergej Lawrow auf seiner Pressekonferenz in New York, dass die Vorbereitung europäischer Länder auf einen Krieg mit Russland zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung werden könne. Eine deutlichere und offensichtlichere Drohung Moskaus gegenüber seinen Nachbarstaaten kann man sich kaum vorstellen.
Wenn Russland der Ansicht ist, dass Maßnahmen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit seiner Nachbarländer zu einem Krieg dieser Länder mit der Russischen Föderation führen werden, dann bedeutet das, dass es sich auf diesen Krieg vorbereitet und fürchtet, nicht mehr rechtzeitig zuschlagen zu können, bevor die europäischen Länder über genügend eigene Waffen verfügen, um im Falle eines russischen Angriffs ohne mögliche amerikanische Hilfe auszukommen und Russland selbst einen schweren Schlag zu versetzen.
Putin hat sich mit dem ukrainischen Blitzkrieg einmal die Finger verbrannt und ist in einen jahrelangen Krieg im Nachbarland hineingeraten. Und offensichtlich darf sich aus Sicht des russischen Herrschers so etwas mit ihm nicht noch einmal wiederholen. Genau deshalb sagt Lawrow, dass ein Krieg in Europa, sollte es dazu kommen, sehr kurz sein werde.
Im Grunde dachte man in Russland über den russisch-ukrainischen Krieg ungefähr dasselbe und plante, innerhalb buchstäblich weniger Tage die Regierung in Kyiv durch Marionettenpolitiker zu ersetzen, die bereit wären, russischen Interessen zu dienen. Es ist erstaunlich, dass man sich mit einem kurzen Krieg einmal verkalkuliert hat und man in der russischen Hauptstadt dennoch erneut glaubt, einen weiteren Blitzkrieg durchführen zu können.
Doch was aus Sicht einer Analyse der Logik Putins, Lawrows und anderer russischer Funktionäre und Machthaber wie Wahnsinn aussieht, kann für die Zivilbevölkerung der baltischen Staaten, die unter einen Angriff Moskaus gerät, zu einer Tragödie werden. Selbst wenn dies zunächst nicht mit dem Einmarsch russischer Truppen auf litauisches Territorium beginnt, sondern mit der Bombardierung von Infrastruktureinrichtungen, Angriffen auf Wohnviertel und all dem, womit die Einwohner der Ukraine bereits konfrontiert wurden, als Putins sogenannter großer Krieg gegen unser Land begann.
Und ich möchte Sie übrigens daran erinnern, dass sich zu Beginn dieses Angriffs, noch wenige Tage zuvor, die überwältigende Mehrheit der Einwohner der Ukraine nicht einmal vorstellen konnte, dass russische Truppen die Wohnviertel von Charkiw, Dnipro, Odesa und inzwischen auch Kyiv in Trümmer verwandeln würden. Dass sie große Städte zu Frontstädten machen und gezielt Jagd auf Zivilisten machen würden, wie es beispielsweise in Cherson geschieht, wo Menschen mithilfe russischer Drohnen getötet werden.
Damals verfügten wir noch nicht über eine solche, ich würde sagen, strategische Erfahrung mit russischer Grausamkeit und über das Verständnis, dass Russlands Vorgehen vor allem darauf ausgerichtet ist, die Zivilbevölkerung einzuschüchtern, zu vernichten und zu vertreiben, um sie anschließend zu ersetzen – durch Bürger der Russischen Föderation, wie es in den besetzten Gebieten der Ukraine geschieht und, nebenbei gesagt, wie es in den baltischen Staaten in den Jahren 1940 bis 1991 geschah.
Denn die hysterischen Klagen über die Probleme der russischsprachigen Bevölkerung hängen in vielerlei Hinsicht auch damit zusammen, dass diese Bevölkerung dazu bestimmt war, das demografische Gleichgewicht in den von Stalin besetzten Ländern zu verändern, zu verhindern, dass dort die Erinnerung an die zerstörte Staatlichkeit bewahrt wird, und auf diese Weise die Grundlagen dafür zu schaffen, andere Länder in ein gewöhnliches Russland zu verwandeln, in dem nicht nur die russischsprachige, sondern die ethnisch russische Bevölkerung überwiegt.
Was seit 1940 im Baltikum geschah, begann in der Ukraine bereits in unserer Zeit, seit 2014, zu geschehen. Und das Verständnis dafür, dass sich die Methoden des Kremls nicht verändert haben, ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt, damit die Politiker der baltischen Staaten und die Gesellschaften dieser Länder begreifen, welches Ausmaß die Gefahr hat, die ihnen droht, falls Putin nun auch im Baltikum von der Leine gelassen wird.
Das ist keine Geschichte von Einschüchterung oder hybrider Kriegsführung. Es ist das Bestreben des Kremls und jenes, wie wir verstehen, beträchtlichen Teils der Russen, der Putins chauvinistischen Kurs unterstützt, alles, was sich in der Nachbarschaft befindet, in Russland zu verwandeln – indem die Bevölkerung der dem Kreml feindlich gesinnten Länder vertrieben, das demografische Gleichgewicht in diesen Ländern verändert und diese Länder in russische Provinzen verwandelt werden, in denen nichts mehr an ihre frühere Staatlichkeit erinnern soll: an die lettische, litauische, estnische oder ukrainische.
Was mit der belarussischen Staatlichkeit geschieht, sehen wir bereits. Belarus verliert vor unseren Augen die Merkmale nationaler Staatlichkeit. Dort ist es schlicht gelungen, einen russischen Kollaborateur ins Präsidentenamt zu bringen.
Deshalb ist ein möglicher Krieg Russlands gegen die baltischen Staaten so gefährlich. Und deshalb muss man sich natürlich nicht nur auf die Evakuierung und die Rettung der Zivilbevölkerung vor russischen Gräueltaten vorbereiten, sondern auch sondern auch darauf, das wirtschaftliche, politische und militärische Potenzial der Russischen Föderation erheblich zu schwächen, um eine Gefahr für die Existenz ihrer Nachbarstaaten zu verhindern und Russland zu einem Raum seiner eigenen Probleme zu machen – statt zu einem Land, das mit seiner Aggressivität praktisch allen entlang seiner Grenzen Probleme bereitet.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Литва и Польша готовятся к эвакуации | Виталий Портников. 27.09.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 27.09.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.