Der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Peskow, betont, dass ein neues Treffen der ukrainischen, russischen und amerikanischen Delegationen über die Beendigung des Krieges, den Russland gegen die Ukraine fortsetzt, bereits in der ersten Novemberhälfte in Abu Dhabi stattfinden könnte. Peskow hält sogar die Teilnahme eines Vertreters der Europäischen Union an diesem Treffen für möglich, betont jedoch, dass dies von der Haltung Brüssels abhängen werde.
Aber die wichtigste Frage lautet: Was soll bei dieser erneuten Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses zwischen Moskau, Kyiv und Washington vor dem Hintergrund der anhaltenden Kampfhandlungen und der brutalen russischen Angriffe auf die Ukraine eigentlich besprochen werden? Die Zeitschrift The Economist berichtet unter Berufung auf ukrainische Quellen, dass die amerikanischen Unterhändler keine großen neuen Ideen hätten. Sie bestehen weiterhin darauf, dass die Ukraine auf einen NATO-Beitritt verzichten müsse, zugleich aber die Möglichkeit erhalten solle, der Europäischen Union beizutreten. Im Gegenzug für die Beendigung der Kampfhandlungen könnte die Russische Föderation Zugang zum Energiemarkt der Europäischen Union erhalten. Außerdem könnten die Sanktionen aufgehoben werden, die nach Beginn der russischen Aggression gegen die Ukraine verhängt wurden.
Schon aus den ersten Einzelheiten dieses neuen alten Plans wird deutlich, dass man in der Regierung des amerikanischen Präsidenten weniger über die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachdenkt als vielmehr über lukrative Geschäfte mit Putin. Wir verstehen inzwischen sogar, welche beiden Projekte für Witkoff und Kushner und damit auch für Trump am wichtigsten sind. Das erste ist der Kauf der Auslandsvermögenswerte des russischen Konzerns Lukoil. Und offenbar ist es genau das, worüber Witkoff während seines Aufenthalts in Russland stundenlang mit Putin und Dmitrijew spricht.
Und dann gibt es noch ein weiteres Projekt, das Projekt von Trumps Schwiegersohn Kushner. Es sieht die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa vor, sowohl über das ukrainische Gastransportsystem als auch über Pipelines wie Nord Stream 1 oder Nord Stream 2. Die Vereinigten Staaten sollen dabei als Garant für die Sicherheit dieser Lieferungen auftreten. Und es ist klar, dass es für die derzeitige amerikanische Regierung wichtig ist, dass der russisch-ukrainische Krieg möglichst schnell endet, damit diese Projekte verwirklicht werden können. Zumindest solange Trump noch im Weißen Haus sitzt und Putin die Interessen seines engsten Umfelds berücksichtigen kann.
Genau deshalb übt das Weiße Haus einen so intensiven Druck auf die Ukraine aus, damit der ukrainische Präsident Zugeständnisse macht und den wichtigsten russischen Forderungen für die Beendigung des Krieges zustimmt. Dazu gehören die Kontrolle über das gesamte Territorium der Gebiete Donezk und Luhansk sowie die Wiederherstellung des politischen und zivilisatorischen Einflusses Russlands auf die Ukraine.
Aber die wichtigste Frage ist hier nicht einmal, ob Zelensky bereit ist, solchen Bedingungen für die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zuzustimmen. Die entscheidende Frage lautet, ob Putin bereit ist, diese Bedingungen zu akzeptieren. Und meiner Meinung nach könnte den Präsidenten der Vereinigten Staaten und seine engsten Vertrauten hier eine weitere Enttäuschung erwarten. Denn für den Präsidenten der Russischen Föderation, für sein engstes Umfeld und für alle chauvinistisch eingestellten Russen wäre allein die Tatsache, dass die Ukraine auf der politischen Weltkarte bestehen bleibt, noch dazu mit Sicherheitsgarantien des Westens, seien sie auch nur bedingt wirksam, und obendrein mit einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union, die größte staatliche Niederlage der Russischen Föderation und die größte nationale Niederlage des russischen Volkes seit dem Auftauchen des Fürstentums Moskau auf der politischen Weltkarte. Und Putin möchte wohl kaum als Anführer eines Staates in die Geschichte eingehen, der aus seiner Sicht eine derart eklatante zivilisatorische Niederlage erleidet.
Denn womit Russland derzeit beschäftigt ist, ist die Wiederherstellung seiner imperialen Macht und die Rückgewinnung seiner sogenannten historischen russischen Gebiete, zu denen selbstverständlich auch das Territorium der heutigen Ukraine gehört. Und in dieser Situation würde eine Zustimmung zu den Vorschlägen der Trump-Regierung natürlich bedeuten, all jene Anstrengungen zunichtezumachen, die die Russische Föderation in den vergangenen Jahren unternommen hat, um ihre geopolitischen Möglichkeiten auszubauen und den Prozess der sogenannten Sammlung russischer Länder einzuleiten, der 2014 mit der Annexion der ukrainischen Krim begann.
Warum sollte Putin dann überhaupt Verhandlungen in Abu Dhabi zustimmen und sogar Vertreter der Europäischen Union zu diesen Verhandlungen einladen? Die Antwort darauf ist sehr einfach und logisch. Der Präsident der Russischen Föderation arbeitet als erfahrener Geheimdienstmann mit dem Verhandlungsprozess wie mit einer Karotte, die er einem Esel direkt vor die Nase hält. Der Esel soll glauben, dass diese Karotte früher oder später zu einer wichtigen Belohnung für seine diplomatischen Bemühungen wird. Dabei weiß der Präsident der Russischen Föderation ganz genau, wann die Möglichkeiten des Esels, dem er diese Karotte vor die Nase hält, erschöpft sein werden.
Das wird Anfang 2029 geschehen, wenn Donald Trump das Oval Office verlässt und mit ihm auch seine Verwandten und Freunde ihren Einfluss verlieren. Und für Putin ist es von größter Bedeutung, diese Karotte dem amerikanischen Präsidenten und seinem engsten Umfeld so lange vor Augen zu halten, um sich vor neuen ernsthaften Sanktionen der Vereinigten Staaten zu schützen und eine Krise in den Beziehungen zwischen Amerikanern, Ukrainern und den europäischen Verbündeten Amerikas herbeizuführen.
Und jetzt sehen wir bereits die ersten Ergebnisse dieses Erfolgs von Putin. Trump versucht nicht einmal mehr, den Anschein zu erwecken, dass er daran interessiert wäre, Sanktionen gegen Russland und seine Unterstützer im Energiesektor zu verhängen. Diese Sanktionen sind im Graham-Gesetz vorgesehen, das er selbst unterzeichnet hat. Stattdessen schickt er Witkoff nach Sankt Petersburg, um nach neuen Möglichkeiten für neue Energiegeschäfte mit dem russischen Präsidenten zu suchen.
Aus dieser Sicht erscheint Putins Taktik also durchaus gerechtfertigt und logisch, wenn man berücksichtigt, wie gut er die Psychologie und die Taktik versteht, an die sich Trump selbst hält. Das Einzige, was den russischen Präsidenten bei seinem nicht besonders komplizierten, ich würde sagen, kindischen Spiel mit dem amerikanischen Staatschef aufhalten könnte, ist die Bereitschaft der Ukraine und Europas, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation zu schwächen und Donald Trump damit die Kontrolle über das Fell des noch nicht erlegten russischen Bären zu entziehen, von dessen Geld man in Washington weiterhin träumt.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Переговори в Абу-Дабі: на що чекати |
Віталій Портников. 23.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 23.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.