Die Wahrheit über das Leben unter russischer Besatzung. Gavrylko Nick. 20.10.2026.

https://www.facebook.com/share/19vWDa9cK3/?mibextid=wwXIfr

Ein langjähriger Freund von mir befand sich auf besetztem Gebiet, als die „Volksmiliz“ und die moskowitischen „Freiwilligen“ kamen. Fragen Sie nicht, wo und wann. Es gibt gewichtige Gründe, diese Informationen nicht preiszugeben.

Das Erste, was sie taten: Die Teilnehmer der Antiterroroperation (ATO), Aktivisten, Mitglieder proukrainischer Parteien und Freiwillige, die damals nicht rechtzeitig daran gedacht hatten, das Gebiet zu verlassen, wurden aufgrund von Denunziationen durch die sogenannten „Wartenden“– derjenigen, die auf die Russen gewartet hatten – zusammengetrieben und aus dem Ort gebracht. Danach hat sie niemand mehr gesehen.

Es wurden Führungspersonen aus der örtlichen Bevölkerung eingesetzt, ukrainische Bücher in den Bibliotheken und ukrainische Schulbücher in den Schulen verbrannt. Es wurde eine „Filtration“ durchgeführt. Das heißt, ein Teil der Einwohner, der seine Loyalität nicht nachweisen konnte oder einfach nur ein „bereinigtes“ Handy hatte, landete in einem Kellergefängnis. Einige von ihnen wurden später ebenfalls weggebracht, und auch sie hat danach niemand mehr gesehen oder etwas von ihnen gehört.

Lehrer aus Moskowien wurden hergebracht. Sie übernahmen die Leitung mehrerer Schulen und Kindergärten des Ortes. Viele einheimische Lehrer stellten auf den von den Moskowitern mitgebrachten „aktualisierten Lehrplan“ um.

Von Zeit zu Zeit kam es zu Vergewaltigungen und Plünderungen. Von Zeit zu Zeit betranken sich die „Befreier“ hemmungslos und schossen in die Luft, auf Katzen, Hunde und Hühner. Zwei- oder dreimal veranstalteten sie Schießereien und Spritztouren mit beschlagnahmten Autos.

Der Ort ist noch immer besetzt. Mein Freund ist schon vor langer Zeit, noch vor Beginn der groß angelegten Invasion, weggegangen und hat dabei alles verloren, was er besaß. Jetzt dient er in den Streitkräften der Ukraine, ebenso wie einige weitere Angehörige seiner Familie.

Warum erzähle ich das alles? Damals hatten die Moskowiter noch nicht so viele Verluste erlitten. Damals wurden ihre Städte, Ölraffinerien, Handelsketten und Rechenzentren noch nicht angegriffen. Damals gab es unter ihnen noch nicht so viele, die Angehörige im Krieg verloren hatten, die uns abgrundtief hassen und ihre Kinder – sowohl die eigenen als auch die Kinder in den besetzten Gebieten – in diesem Hass erziehen. Wenn sich jemand einen Frieden durch Zugeständnisse vorstellt, muss ich ihn enttäuschen: Einen solchen Frieden werden sie uns nicht gewähren. Und bitten Sie nicht darum, hoffen Sie nicht darauf, glauben Sie nicht daran. So etwas gibt es schlichtweg nicht.

Unser Staat ist korrupt, stellenweise durch und durch verrottet, stellenweise dumm, ungerecht und unehrlich. Aber er ist das einzige Hindernis zwischen uns und diesem tollwütigen, giftigen Dreck. Ja, ja, genau der Staat, zu dem die ukrainischen Verteidigungskräfte gehören, einschließlich der Streitkräfte der Ukraine. Und wir müssen diesen Staat gerade als Hindernis retten und bewahren: als Mauer, als Schutzwall und als Wassergraben voller Krokodile, der uns vor der Vernichtung schützt.

Wenn der Staat standhält, werden wir die Chance haben, ihn zu heilen. Wenn nicht, wird es uns nicht mehr geben. Höchstens noch in der Diaspora, über die ganze Welt verstreut – diejenigen, die es rechtzeitig schaffen.

Das Fazit: Niemand bietet uns Frieden an, nicht einmal eine Kapitulation. Was uns angeboten wird, ist, uns selbst, unsere Familien und unsere Nation der Willkür skrupelloser Schlächter auszuliefern, denen das Blut das Gehirn zerschmolzen hat. Oder eben zu kämpfen und/oder für die Verteidigung dieses beschissenen Staates zu arbeiten. Finden Sie heraus, wo Ihr Platz in dieser Situation ist. Denn diese Situation wird noch lange andauern.

Kommentare

  1. Genau so ist es. Ein Mann, mit dem ich noch vor meiner Verletzung in unserem Schwarzmeerhafen zusammengearbeitet habe, zog später in die Region Cherson. 2022 geriet er unter russische Besatzung. Anfang 2024 konnte er ausreisen. Wir haben uns getroffen, und er erzählte mir, was dort geschehen war. Er ist anders als ich, der ich mein ganzes Leben lang einen tiefen Hass auf die russischen Sumpfbewohner in mir trage. Er ist ein ganz gewöhnlicher Mensch, dem wegen seiner Ansichten eigentlich nichts drohte. Aber er hat trotzdem einiges abbekommen. Er konnte sich nur knapp retten.
  2. Den Katsapen ist das egal. Sie mögen nicht einmal Russischsprachige, nennen sie Verräter. Was soll man da erst über Soldaten, Patrioten und die Familien von Militärangehörigen sagen?
  3. Mit wie vielen Menschen habe ich schon über dieses Thema gesprochen – von fanatischen Rentnern, die auf die Russen warten, bis hin zu den Ehefrauen von Wehrdienstverweigerern. Russland wird euch nicht verschonen, träumt nicht einmal davon. Sie werden euch wegen eines Huhns oder eines Äpfelchens erschießen, wenn sie in eure Stadt kommen. Euer Mann wird als Kanonenfutter an die Front geschickt, und euch werden die Zähne ausgeschlagen und die Nieren kaputtgeschlagen, wenn ihr es wagt, mit den Russen über seine Einberufung zu streiten. Übrigens frage ich solche Leute oft, wie es damals war, „NATO raus!“ zu schreien.
  4. Ich habe eine Cousine zweiten Grades, die in Bachmut geblieben ist. Sie wollte nicht wegfahren. Am Ende wurde sie von Wagner-Söldnern vergewaltigt. Als sie zur russischen Kommandantur kam und anfing, „Gerechtigkeit“ zu verlangen – denn, man stelle sich vor, ihre Eltern waren russische Staatsbürger, also war auch sie Russin, und trotzdem hatte man sie vergewaltigt –, wurde sie deswegen in ein Filtrationslager bei Mariupol gesteckt. Man machte sie zur Alkoholikerin und psychisch Kranken, steckte sie in eine Zwangsbehandlung und brachte sie irgendwohin nach Sibirien, angeblich in die Oblast Tomsk. Sie hat in Russland eine leibliche ältere Schwester. Vor zwei Jahren konnte ich noch Kontakt zu ihr aufnehmen. Sie antwortete mir: „Was kann ich denn machen, wenn Lena (diese Schwester aus Bachmut) säuft und solche schrecklichen Sachen erzählt? Sie ist doch völlig unzurechnungsfähig.“ Als ich sie fragte: „Du willst also deiner eigenen leiblichen Schwester NICHT glauben, sondern glaubst einem Kerl vom FSB und der russischen Propaganda? Worüber reden wir dann überhaupt noch? Lebt dort eben mit dem Wissen, dass deine Schwester vergewaltigt und psychisch zugrunde gerichtet wurde. Aber HAUPTSACHE, du glaubst Putin!“ Danach habe ich keinen Kontakt mehr aufgenommen. Deshalb weiß ich NICHT, was aus Lena geworden ist und ob sie noch lebt. Aber ich hatte sie GEBETEN, Bachmut zu verlassen. Ich wollte hinfahren und sie zu mir holen. Sie lehnte damals kategorisch ab. Ihr Argument war ausgerechnet: „In der DVR leben doch auch Menschen. Warum sollte ich also aus Papas Haus fliehen?“ Und so ist sie nicht geflohen!
  5. Hier ist eine dieser Geschichten aus unserem Rajon Polohy. Serhij Foschtschan. Russische Sicherheitskräfte verschleppten ihn in den ersten Tagen der groß angelegten Invasion aus dem Dorf Fedoriwka im Rajon Polohy. Danach verließ Serhijs Familie Fedoriwka und zog nach Saporischschja, wo sie begann, für seine Rückkehr nach Hause zu kämpfen. Serhij gilt seit mehr als vier Jahren als vermisst und weiß nicht, dass er keine nächsten Angehörigen mehr hat. Seine Frau Natalija, seine 16-jährige Tochter Polina und seine Schwiegermutter Wira Sihajowa wurden am 10. Oktober 2026 von den Russen bei Angriffen mit gelenkten Fliegerbomben auf Saporischschja getötet.“
  6. Und im Nachbardorf Kinski Rosdory verschwand ebenfalls spurlos ein einheimischer Landwirt (leider erinnere ich mich nicht mehr an seinen Namen), bei dem wir zu Beginn der Besatzung Weizen kauften, um ihn zu mahlen und daraus etwas zu backen. Denn es gab kein Brot mehr – die Besatzer hatten die Geschäfte geplündert.
  7. Ebenfalls im Mai 2022 folterten die russischen Dreckskerle den Eisenbahner Roman Semenenko zu Tode, der am Bahnhof Polohy als Diesellokomotivführer arbeitete. Sein Großvater und seine Großmutter, Hryhorij Juchymowytsch und Marija Juchymiwna Semenenko, waren in meiner Kindheit unsere Nachbarn. Roman hatte gemeinsam mit einer Gruppe von Einwohnern versucht, den Besatzern Widerstand zu leisten. Gut, dass der Großvater und die Großmutter diese Ereignisse nicht mehr erleben mussten, bei Gott. Sie hatten am Zweiten Weltkrieg teilgenommen. Hryhorij Juchymowytsch kam am 9. Mai in unsere Schule und hielt vor den Schülern Reden. Nicht einmal in ihren schlimmsten Albträumen hätten sie sich vorstellen können, dass ihr Enkel von den Besatzern unserer Zeit getötet werden würde.

🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Social Media

Autor: Gavrylko Nick
Veröffentlichung: 20.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Kommentar verfassen