Rubio lehnt Verhandlungen ab | Vitaly Portnikov. 08.10.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat auf Äußerungen des US-Außenministers Marco Rubio reagiert, der in einem Interview mit der griechischen Zeitung „Kathimerini“ betonte, dass sich die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges derzeit in einer Sackgasse befänden.

Nach Ansicht von Zelensky, der sich in Pryluky zu den Äußerungen des amerikanischen Diplomaten äußerte – in jener Stadt, in der man sich derzeit von Zivilisten verabschiedet, die Opfer des russischen Terrors geworden sind –, ist es unmöglich, gleichzeitig mit den Russen über Geschäfte zu verhandeln und festzustellen, dass sich die Verhandlungen über ein Ende des Krieges in einer Sackgasse befinden.

Wenn wir jedoch die Äußerungen von Marco Rubio aufmerksam analysieren, werden wir feststellen, dass darin in Wirklichkeit keinerlei Widerspruch liegt. Im Gegenteil: Die Regierung von Präsident Donald Trump verfolgt eine konsequente Linie.

Der Präsident der Vereinigten Staaten wandte sich bekanntlich bereits in den ersten Wochen seiner Amtszeit im Oval Office an seinen russischen Amtskollegen mit dem Vorschlag, die Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front einzustellen und Verhandlungen über einen dauerhaften Frieden aufzunehmen. Putin lehnte diese Vorschläge Trumps kategorisch ab. Infolgedessen einigten sich die Seiten auf Putins Variante: Verhandlungen zu führen, während die Kampfhandlungen weitergehen.

Dieser Prozess wird mal intensiviert, mal eingefroren, hat aber keinerlei wirklichen Bezug zu den Aussichten auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges. Er hilft dem Kreml lediglich, Zeit zu gewinnen und die Kontakte zu Washington aufrechtzuerhalten – genau das, was der russische Machthaber erreichen wollte.

Und nun gelangt die Regierung von Donald Trump, wie wir verstehen, zu einer neuen Variante, ihren Dialog mit Putins Regierung fortzusetzen: zur Möglichkeit wirtschaftlicher Vereinbarungen über Geschäfte, die mit Trumps Familie und seinem Umfeld verbunden sein könnten, ohne dass die aktive Phase der Kampfhandlungen an der russisch-ukrainischen Front beendet wird. Die beiden Seiten führten Verhandlungen über den Verkauf von Lukoil-Aktien an Unternehmen aus Trumps Umfeld.

Und wie man verstehen kann, war genau dies das eigentliche Hauptziel des Besuchs von Steve Witkoff und Jared Kushner in der russischen Hauptstadt – und keineswegs irgendwelche ernsthaften Friedensverhandlungen zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten. Aus dieser Sicht diente der Besuch in Kyiv lediglich dazu, die wahren Absichten der Trump-Regierung zu verschleiern.

Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Bemühungen, die Wiederinbetriebnahme von Nord Stream voranzutreiben, also jener Gaspipeline, die eine Alternative zum ukrainischen Gastransportsystem darstellt. Darum kümmert sich Trumps Schwiegersohn Jared Kushner persönlich.

Und obwohl meiner Ansicht nach aus der möglichen Wiederinbetriebnahme von Nord Stream nichts werden wird – einfach deshalb, weil der Strang, der leider noch betriebsfähig ist, in Deutschland nicht zertifiziert wurde und es keinerlei realistische Aussicht darauf gibt, dass diese Zertifizierung erfolgen wird, selbst wenn Trump persönlich dies wünschen sollte –, ist die Situation bei den Lukoil-Aktien weitaus komplizierter. Und man kann verstehen, dass man sich im Weißen Haus allein an der Aussicht auf dieses Geld und die möglichen Gewinne derart berauscht hat, dass man überhaupt nicht mehr über irgendwelche Bemühungen um ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges nachdenken will.

Genau davon spricht Marco Rubio: „Das ist eine Sackgasse, weil die Russen schlicht nicht verhandeln wollen.“ Es ist aber auch deshalb eine Sackgasse, weil die Amerikaner keinen Druck auf den Kreml ausüben wollen, um nur ja Putin nicht zu verschrecken und eine für das Umfeld des US-Präsidenten so lukrative Vereinbarung über das Geld von Lukoil nicht zu gefährden.

Und im Grunde hat Marco Rubio, der bekanntlich zu jenem Teil der Regierung gehört, der gelegentlich nicht nur an Geld, sondern auch an Politik und die eigenen Zukunftsaussichten denkt, dies in seinem Interview mit der Zeitung „Kathimerini“ ganz offen ausgesprochen und Zelensky damit im Grunde signalisiert, was im Weißen Haus tatsächlich vor sich geht.

Zelensky hat dieses Signal verstanden. Entscheidend ist nicht einmal, was er dem Außenminister der Vereinigten Staaten sagt, sondern dass er eine Delegation nach Washington entsendet, die neue Verhandlungen mit Vertretern der Regierung führen soll, um den Friedensverhandlungsprozess zwischen der Russischen Föderation, der Ukraine und den Vereinigten Staaten wieder in Gang zu bringen.

Es handelt sich um eine hochrangig besetzte Delegation, der sowohl der Vorsitzende der Fraktion der Partei „Diener des Volkes“ in der Werchowna Rada, Dawyd Arachamija, angehören wird, der ständig am Verhandlungsprozess beteiligt ist, als auch der Leiter des Präsidentenbüros, General Budanow, dessen erster Stellvertreter Serhij Kyslyzja und der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates der Ukraine, Rustem Umjerow.

Doch schon jetzt lässt sich voraussagen, dass diese Delegation an der Haltung der US-Regierung zur Situation nichts Wesentliches ändern können wird. Ihr Besuch wird vor allem protokollarischen Charakter haben, einfach deshalb, weil Trump und sein Umfeld bis zum Abschluss der Vereinbarungen über die Lukoil-Aktien versuchen werden, keinerlei Schritte zu unternehmen, die diese Vereinbarungen gefährden könnten. Und diese Vereinbarungen könnten bereits im Oktober zustande kommen.

Jeder trilaterale Prozess, bei dem die Amerikaner schlicht gezwungen wären, die Ukrainer zu unterstützen, birgt die Gefahr, dass ihnen die Kohle durch die Lappen geht. Und damit könnte der Besuch der ukrainischen Delegation die Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten nur daran hindern, das zu erreichen, was sie tatsächlich will: eine Vereinbarung über die Lukoil-Aktien.

Das Einzige, was die ukrainischen Beamten, die Washington besuchen werden, somit tun können, ist, vor dem Hintergrund dieses beschämenden Vorgangs zumindest irgendein Maß an finanzieller oder militärischer Unterstützung für die Ukraine auszuhandeln, irgendwelche neuen Waffen oder Genehmigungen für Angriffe auf russische Objekte, die bislang nicht stattgefunden haben. Vielleicht entscheidet Trump, dass solche Angriffe Putin dazu bewegen könnten, die Frage des Verkaufs der Aktien des russischen Ölunternehmens rasch zu klären, solange diese noch nicht an Wert verloren haben.

Aber wir verstehen sehr gut, dass dieser Besuch den tatsächlichen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine über ein Ende des Krieges unter Vermittlung der Vereinigten Staaten keinerlei neuen Impuls geben kann, einfach weil Moskau und Washington derzeit völlig andere Prioritäten und Ziele haben.

Und in diesen Prioritäten und Zielen verstehen sich die beiden, Trump und Putin, ausgezeichnet. Putin hat begriffen, dass Trump Geld braucht, und Trump hofft, dass Putin ihm das Gewünschte verkaufen wird – zumindest jenen Menschen, denen er dabei gerne behilflich sein möchte.

Und das ist alles, was man über den Verhandlungsprozess wissen muss und darüber, warum der Außenminister der Vereinigten Staaten diesen Prozess als festgefahren bezeichnet. An seiner Stelle würde jeder Mensch, der bei der Analyse auch nur über die geringsten Ansätze gesunden Menschenverstands verfügt, zu derselben Einschätzung gelangen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Рубіо відкидає перемовини | Віталій Портников. 08.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 08.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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