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Disclaimer: Hier steht ganz groß SARKASMUS.
Ein bisschen off-topic natürlich, aber andererseits – wer weiß. Lesen Sie es vorsichtshalber lieber nicht, verschwenden Sie nicht Ihre Zeit.
Ich glaube, ich habe jetzt ein bisschen verstanden, warum wir den Informationskrieg verlieren. Natürlich nicht so schmachvoll, haushoch und hoffnungslos wie Israel, aber wir haben ja noch alles vor uns. Die Israelis sind Veteranen dieser Verliererbewegung, während wir hier bislang nur junge Padawane sind. Also: Wir verlieren, weil uns der Ehrgeiz fehlt. Ich meine den Ehrgeiz, die Informationsagenda zu bestimmen.
Was ist denn unser wichtigstes Motto? „Lasst uns verdammt noch mal in Ruhe.“ Was soll das denn?! Das ist eine ausgesprochen schwache, zahnlose, rein reaktive Haltung. Wir wollen also einfach nur, dass man uns in Ruhe lässt, dass alles wieder so wird wie früher, Grenzen gemäß den Regeln und das ganze Zeug. Wir laufen herum und erzählen immer wieder auf langweilige Weise, dass wir angegriffen wurden, zeigen diese inzwischen alten Karten, widerlegen Fakes und so weiter. Das ist einfach ein epischer Fail. Wir haben keine eigene Agenda – weil wir friedliebend, rational und zivilisiert sind. In der Informationsgesellschaft ist das der Weg in die Bedeutungslosigkeit, denn das bringt null Clickbait.
Wir brauchen ein ehrgeiziges Ziel, absurd genug und groß genug, um Aufmerksamkeit zu erregen.
- Moskau erobern! Wir wollen allen Widrigkeiten zum Trotz eine Parade auf dem Roten Platz veranstalten!
- Die ukrainische Kolonisierung Russlands – das ist unser Motto und unser Plan für die nächsten hundert Jahre.
- Ein kriegerischer Intermarium-Bund.
- Oder so: Im Rahmen des Kampfes gegen transnationale Konzerne errichten wir den ersten anarchistischen Staat der Welt mit der Hauptstadt Huljajpole und null Steuern auf alles, immer und überall.
Helfen Sie mir, mir fehlt die Fantasie – aber irgendetwas in dieser Größenordnung muss es sein, nicht weniger.
Das würde funktionieren. Das ist etwas, dem die Leute zuhören würden, etwas, das ihnen gefallen würde.
Natürlich müsste jemand dafür bezahlen – dafür, diesen ganzen Unsinn überall zu verbreiten. Aber im Großen und Ganzen ist Geld nicht das Wichtigste, das Geld wird sich schon finden. Hauptsache, es gibt eine Idee – verrückt genug und einfach genug, um verstanden zu werden, und sie muss bei irgendeinem tatsächlichen Bedürfnis der westlichen Gesellschaft, einem wichtigen Ziel, auf Resonanz stoßen.
Aber in der heutigen Welt gibt es jede Menge Probleme, da wird sich schon ein entsprechendes Bedürfnis finden. Wohnraum in Europa ist zum Beispiel teuer, und da würde Huljajpole einschlagen wie eine Bombe. Man könnte noch ein bisschen länger darüber nachdenken und etwas noch Spektakuläreres finden. Aber jetzt bloß nicht kichern, das macht alles kaputt. Hier werden wirklich wichtige Dinge besprochen. Schade, dass das nicht alle verstehen.
Also: Ein reaktives Motto verliert immer. Einfach nur in Frieden und Ruhe leben und von den Nachbarn in Ruhe gelassen werden wollen nur Loser und Skufs. Damit die Menschen dich mögen und dir helfen wollen, brauchst du irgendeine proaktive Agenda – dann werden sich die Menschen zu dir hingezogen fühlen. Natürlich wirst du dann nicht mehr ganz du selbst sein, sondern jemand anderes, und zwar jemand ziemlich Verrücktes – dafür aber lebendig, aktiv und von Liebe und Unterstützung umgeben.
Update: Ich sehe, dass hier nicht alle verstehen, worum es geht. Ihnen fehlt die Erfahrung mit solchen Botschaften. Es geht nicht um eine tatsächliche Strategie der Ukraine, es spielt nicht einmal eine Rolle, ob es eine solche Strategie gibt oder nicht. Es geht um einen allgemeinen Deutungsrahmen für die Welt, um eine Außendarstellung, die keineswegs realistisch sein muss, aber unbedingt attraktiv sein sollte.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Social Media
Autor: Zoya Zvynyatskivska
Veröffentlichung 06.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Facebook
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.