Warum J. D. Vance zu Paschinjan geflogen ist | Vitaly Portnikov. 09.02.2026.

Der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, besucht Jerewan und führt Gespräche mit dem armenischen Premierminister Nikol Paschinjan. Nach Armenien wird der Vizepräsident der Vereinigten Staaten nach Baku weiterreisen, um Gespräche mit dem Präsidenten Aserbaidschans, Ilham Alijew, zu führen. Dies ist die Fortsetzung jener Rolle der Vereinigten Staaten bei der Regulierung der Lage im Südkaukasus und bei der Öffnung von Handelsrouten zwischen den Nachbarstaaten, die die USA in den letzten Jahren gespielt haben und die sich nach dem Treffen von Nikol Paschinjan und Ilham Alijew mit Präsident Donald Trump noch verstärkt hat.

Damit demonstriert Washington, dass dieses Treffen kein einmaliges protokollarisches Ereignis war, sondern dass Washington tatsächlich an der Öffnung der Grenzen zwischen den ehemaligen Sowjetrepubliken, an der Beendigung der Feindseligkeiten und an einer für beide Seiten vorteilhaften wirtschaftlichen Zusammenarbeit interessiert ist.

Nach Georgien ist J. D. Vance nicht gereist. Allerdings ist der Umstand bemerkenswert, dass der Vizepräsident der Vereinigten Staaten unmittelbar vor seinem Besuch in Armenien und Aserbaidschan gemeinsam mit Außenminister Marco Rubio in Italien mit dem georgischen Präsidenten Micheil Kawelaschwili zusammentraf, wo die Politiker an der Eröffnung der Olympischen Spiele 2026 teilnahmen. Bei diesem Gespräch könnte es um die Wiederaufnahme der amerikanisch-georgischen Zusammenarbeit gegangen sein, die unterbrochen worden war, nachdem die derzeitigen georgischen Machthaber nicht nur einen Kurs zur Unterdrückung der Opposition eingeschlagen, sondern auch ihre Bereitschaft zu einem Einvernehmen mit Moskau signalisiert hatten.

Offenkundig wird die Wiederaufnahme der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten kaum mit einem Fortbestehen des Interesses an einer russisch-georgischen Zusammenarbeit in irgendeiner, auch nur verdeckten Form einhergehen. Damit machen die Vereinigten Staaten dem Kreml unmissverständlich klar, dass der Südkaukasus aufhört, eine sogenannte russische Einflusssphäre zu sein.

Zugleich verfügt Moskau derzeit nicht einmal über die Ressourcen, um den Vereinigten Staaten mit irgendwelchen konkreten realen Maßnahmen zu antworten. Es bleibt ihm lediglich, laute Erklärungen abzugeben und den USA vorzuwerfen, sie würden versuchen, jene Vereinbarungen zu verletzen, die zuvor zwischen den Präsidenten Donald Trump und Wladimir Putin getroffen worden seien.

Mit einer solchen Erklärung trat unter anderem der russische Außenminister Sergej Lawrow auf. Doch ebenso offensichtlich ist, dass Russland, das nahezu alle seine Ressourcen auf den russisch-ukrainischen Krieg konzentriert hat, nicht mehr in der Lage ist, den außenpolitischen Kurs der ehemaligen Sowjetrepubliken real zu beeinflussen. Diese hören vor unseren Augen auf, „post­sowjetisch“ zu sein, und werden zu normalen Staaten, die die russische Einflusssphäre verlassen, sich nicht länger an Zurufen aus Moskau orientieren und eigene Sicherheitsmodelle entwickeln, indem sie Gespräche mit Staaten führen, die noch vor Kurzem das russische Mitspracherecht in den Angelegenheiten des Südkaukasus und anderer Regionen auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion berücksichtigt hatten.

J. D. Vance ist einer der ranghöchsten amerikanischen Amtsträger, die die Region besuchen. Vor ihm war in der Funktion des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten zuletzt Dick Cheney, der Vizepräsident von George W. Bush, in der Region.

Die frühere Sprecherin des Repräsentantenhauses des US-Kongresses, Nancy Pelosi, besuchte ebenfalls den Südkaukasus, allerdings ausschließlich Armenien. Dass der Vizepräsident der Vereinigten Staaten sowohl Armenien als auch Aserbaidschan besuchen kann, zeigt, wie sehr sich die Lage in der Region verändert hat und wie stark der russische Einfluss zurückgegangen ist. Ich würde sogar sagen, dass dieser Besuch eine direkte Folge dieses schwindenden russischen Einflusses und der Unfähigkeit Russlands ist, die Lage im Südkaukasus weiterhin zu destabilisieren.

Schon vom ersten Tag nach dem Zerfall der Sowjetunion an war offensichtlich, dass sich die Situation grundlegend ändern würde, sobald es Moskau nicht mehr gelänge, sowohl in Aserbaidschan als auch in Armenien Einfluss zu bewahren und Konflikte zwischen den beiden Nachbarstaaten anzuheizen. Der wichtigste Faktor der Instabilität im Südkaukasus war dabei – bei aller real existierenden Feindschaft zwischen Armeniern und Aserbaidschanern – nicht diese Gegnerschaft selbst, sondern vor allem die Bemühungen russischer Politiker, Geheimdienste und Propagandisten, diese Feindschaft zu schüren und eine Lage zu schaffen, in der die Region marginal blieb: mit geschlossenen Grenzen, verfeindeten Völkern und Menschen, die einander nicht ertragen konnten. In dieser Situation fühlte sich die russische Führung überaus wohl.

Doch Putin hat – wie so oft in den 26 Jahren seiner autoritären und unbegabten Herrschaft – den Ast abgesägt, auf dem er saß. Mit der Verstrickung in einen blutigen und grausamen Krieg gegen die Ukraine verlor der russische Machthaber die Fähigkeit, auf alle postsowjetischen Herausforderungen zu reagieren. Genau das sehen wir heute: Russland ist nicht mehr in der Lage, die Vereinigten Staaten daran zu hindern, zum wichtigsten Garanten der Sicherheit in der Region zu werden, wie es über viele Jahrzehnte hinweg der Fall war.

Und Putin ist, den Worten desselben Donald Trump zufolge, gezwungen, sich beim amerikanischen Präsidenten anzubiedern und ihm zu sagen, wie toll es ihm gelungen sei, jene Meinungsverschiedenheiten zwischen Aserbaidschan und Armenien zu lösen, die Putin über Jahrzehnte hinweg nicht habe lösen können – als ob Putin diese Differenzen habe lösen wollen und nicht vielmehr daran interessiert gewesen wäre, sie zu vertiefen und zu verschärfen.

Es ist daher verständlich, dass Moskau den Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten, selbst wenn er zu keinerlei konkreten Vereinbarungen führen sollte, mit schlecht verhehltem – oder vielleicht sogar offenem – Ärger verfolgen wird; dafür reichen schon irgendwelche Erklärungen von Maria Sacharowa. Dieser Ärger wird jedoch nichts an der einfachen Tatsache ändern können, dass die Zeit imperialer Ambitionen und Möglichkeiten der Russischen Föderation zu Ende geht – unter dem Donner russischer Bomben und Raketen in friedlichen ukrainischen Städten und unter dem Spott russischer Kriegsverbrecher über die Zivilbevölkerung der Ukraine.

Es hat sich gezeigt, dass das heutige Russland, Putins Russland, schlicht nicht mehr die Kraft besitzt, überall zu terrorisieren und überall Verbrechen zu begehen – auch wenn es dieses sadistische Verlangen vermutlich weiterhin hat.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зачем Вэнс прилетел к Пашиняну | Виталий Портников. 09.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 09.02.2026.
Originalsprache: ru
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Zaluzhny lehnte Vance ab | Vitaly Portnikov. 25.08.2025.

Die britische Zeitung The Guardian berichtet, dass der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine und nunmehrige Botschafter unseres Landes im Vereinigten Königreich, Valery Zaluzhny, mögliche Kontakte mit dem Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J. D. Vance, nach dem berüchtigten Skandal im Oval Office des Weißen Hauses abgelehnt habe.

Damals, vor dem Hintergrund des scharfen Konflikts zwischen dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump – wobei, wie bekannt, Vizepräsident J. D. Vance eine der zentralen Rollen in diesem Skandal spielte – begann das Team des Vizepräsidenten nach einer Alternative zu Zelensky zu suchen und versuchte, mit dem populären ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine Kontakt aufzunehmen.

Doch laut Guardian habe Zaluzhny nach Rücksprache mit dem Leiter des ukrainischen Präsidialamtes auf einen solchen Kontakt verzichtet.

Diese Information, die Teil eines ausführlichen politischen Porträts Zaluzhnys ist, das in der Zeitung erschien, zeigt erneut, dass nicht nur ukrainische, sondern auch westliche Politiker weiterhin in illusorischen Kategorien eines politischen Prozesses denken, der mit einem trügerischen Ende des russisch-ukrainischen Krieges verbunden wird.

Schaut man objektiv auf die Situation, gibt es keinerlei Gründe anzunehmen, dass der Präsident der Russischen Föderation, Putin, und sein engstes Umfeld daran interessiert wären, den Krieg auch nur für die Zeitspanne zu beenden, die nötig wäre, um in der Ukraine Präsidentschafts- und Parlamentswahlen abzuhalten.

Mehr noch: Offensichtlich zieht der russische Präsident die Zeit mit Hilfe seines amerikanischen Kollegen in die Länge und tut alles, um den Luftterror gegen die ukrainische Zivilbevölkerung fortzusetzen und neue ukrainische Gebiete zu erobern.

Dabei ist Putins Ziel, wie wir verstehen, nicht nur die Annexion neuer ukrainischer Gebiete, sondern auch die Zerstörung der ukrainischen Staatlichkeit insgesamt – was keinerlei neue Wahlen in der Ukraine vorsieht.

Aus Sicht des Kremls sollen Wahlen nur als Gouverneurswahlen in zu Russland „angeschlossenen“ Regionen stattfinden – so, wie es in den russischen Regionen schon vor 2014 geschah. Und genauso, wie es geschah, nachdem bereits ukrainische Regionen wie die Oblaste Donezk oder Luhansk oder die Krim unter russische Kontrolle geraten waren.

Aber gesamtstaatliche Wahlen sehen die Russen dort, wo sie die Lage kontrollieren, wie wir wissen, nicht vor. Sie können keine nationalen Wahlen in Georgien abhalten, sorgen aber für sogenannte „Wahlen“ in Abchasien oder Südossetien. Sie können keine Wahlen in der Ukraine abhalten, setzen aber sogenannte „Chefs“ in Donezk, Luhansk, Cherson, Saporischschja und auf der Krim ein.

Diese Liste des russischen „Wahlwillens“ überall dort, wo ein russischer Panzer und ein russischer Soldat steht, muss man wohl nicht weiter fortsetzen. Doch wie wir sehen, begreifen viele im Westen die wahren Ziele des russischen Präsidenten und seine Bereitschaft zu einem endlosen Krieg nicht.

Darum erleben wir immer wieder dieselbe Situation: Westliche und ukrainische Politiker diskutieren über irgendwelche Wahlperspektiven, ohne überhaupt zu erkennen, wann in Wirklichkeit die Bedingungen für neue Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in der Ukraine reifen könnten und was nötig wäre, damit der Präsident der Russischen Föderation auch nur daran dächte, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden oder wenigstens auszusetzen – vor dem Hintergrund der offensichtlichen Unwilligkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seine Beziehungen zu Moskau zu verschärfen und ernsthaften Druck auf die Kremlführung auszuüben.

Und hier meine ich nicht neue Sanktionsdrohungen, die Putin, wie wir sehen, ziemlich lange ignorieren kann, sondern die Bereitschaft zu intensiver militärischer Unterstützung der Ukraine und zu eigener Beteiligung am Konflikt. Genau das aber missfällt Donald Trump, J. D. Vance und auch vielen westlichen Politikern, die zwar Anhänger der Ukraine sind, aber aus irgendeinem Grund glauben, dass die Ukraine die russische Aggression allein stoppen könne.

Und wie wir verstehen, wenn es um Versuche des Teams des US-Vizepräsidenten geht, mit Personen zu sprechen, die ein Treffen von J. D. Vance mit Valery Zaluzhny hätten arrangieren können, dann stoßen wir auf einen weiteren Mechanismus: den Versuch, Wege für einen freiwilligen Rücktritt Volodymyr Zelenskys zu suchen, damit die Werchowna Rada einen neuen amtierenden Präsidenten wählt.

Und das könnte nicht so sehr den Interessen des Weißen Hauses entsprechen, sondern den Interessen des Kremls. Erstens, weil damit demonstriert würde, dass Putins Ansatz zur „Illegitimität“ Zelenskys auch im Weißen Haus Unterstützung findet. 

Zweitens, weil jeder amtierende Präsident, der vom ukrainischen Parlament gewählt würde – wobei die Mehrheit in diesem Parlament weiterhin von der Partei „Diener des Volkes“ kontrolliert wird und deshalb keine qualitativen Veränderungen zu erwarten sind –, kein gesamtgesellschaftliches Vertrauen genießen könnte, da die Menschen ihn nie direkt gewählt hätten.

Und er würde sein Amt nicht infolge außerordentlicher politischer Umwälzungen im Land übernehmen, wie 2014, als Präsident Wiktor Janukowytsch nach Russland floh, sondern weil der amtierende Präsident zum Rücktritt gezwungen wäre – nicht durch Druck der Ukrainer, sondern durch Druck unserer westlichen Partner.

Welches Vertrauen könnte dann eine solche Person genießen, die ohnehin nur begrenzte Vollmachten hätte und offensichtlich dieselbe Weltanschauung wie der derzeitige Präsident verträte, aus demselben politischen Lager käme? 

Und wenn man sich vorstellt, dass dem ukrainischen Parlament die Kandidatur einer Person vorgeschlagen würde, die nicht diesem Lager angehört, und die Abgeordneten gar noch unter Druck gesetzt würden, für sie zu stimmen – dann stellt sich die einfache Frage: Welche Beziehungen hätte ein solcher amtierender Präsident später zum Parlament, und wie würde er Mehrheiten für die Verabschiedung seiner unpopulären Entscheidungen finden?

Der Krieg, erinnere ich, besteht gerade aus einer Kette unpopulärer Entscheidungen. Denn wenn du im Krieg nur populäre Entscheidungen triffst, führst du dein Land in die absolute Niederlage – sowohl an der Front als auch beim Wiederaufbau der vom Feind zerstörten Infrastruktur. Das muss man, denke ich, niemandem erklären.

Deshalb ist die Tatsache, dass Valery Saluschnyj dem Team von J. D. Vance unter solchen schwierigen Umständen jegliche Kontakte mit dem US-Vizepräsidenten verweigerte, eher ein Beweis politischer Weisheit. Aber ob es dem ehemaligen Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine gelingen wird, diese Weisheit auch bei Wahlen unter Beweis zu stellen? Das weiß heute niemand.

Erstens, weil niemand weiß, wann und unter welchen Umständen der russisch-ukrainische Krieg enden wird, wie die nächsten Wahlen des Staatsoberhauptes aussehen werden und ob nicht zufällig eine Person zum Triumphator dieser Wahlen wird, deren Namen heute niemand erahnt – selbst wenn diese Person bereits aktiv am politischen Prozess teilnimmt. Schließlich konnte sich Anfang 2014 niemand vorstellen, wer Nachfolger von Wiktor Janukowytsch als Präsident der Ukraine werden würde. 

Und gesucht wurde damals unter den Führern der Oppositionsparteien im Parlament, die auf der Bühne des Maidan standen.Doch die Präsidentschaftswahlen verliefen, wie wir wissen, nach einem völlig anderen Szenario – weil jede ernsthafte Veränderung der Lage auch eine ernsthafte Veränderung der bekannten politischen Spieler mit sich bringt.

Trump wird Putin auf die Probe stellen | Vitaly Portnikov. 10.08.2025. 

Der NATO-Generalsekretär Mark Rutte ist der Ansicht, dass US-Präsident Donald Trump beim Gipfel in Alaska am kommenden Freitag den russischen Präsidenten Putin auf die Ernsthaftigkeit seiner Absichten, den Krieg in der Ukraine zu beenden, prüfen wird. Ein wirkliches Friedensabkommen werde an diesem Tag jedoch nicht unterzeichnet.

Dass Donald Trump selbst nicht sicher ist, ob seine Bemühungen zu einem greifbaren Ergebnis führen werden, betont auch der US-Vizepräsident J.D. Vance, der darüber mit Trump gesprochen hat. Zur Erinnerung: J.D. Vance war der Vertreter der USA beim Gipfel der nationalen Sicherheitsberater der Vereinigten Staaten, der Ukraine und der europäischen Länder – nach dem die europäischen Staats- und Regierungschefs ein öffentliches Schreiben an Präsident Trump richteten.

Vance unterstreicht jedoch, dass es aus Trumps Sicht selbst dann sinnvoll sei, diese Bemühungen zu unternehmen, wenn sie nicht das gewünschte Ergebnis brächten – einfach, um den Krieg zu beenden. Ohne die Führung Donald Trumps, so Vance, seien Russland und die Ukraine kaum in der Lage, sich auf ein Ende des jahrelangen Krieges zu einigen.

Gleichzeitig räumt der US-Vizepräsident ein, dass es derzeit schwer sei zu sagen, wie der Krieg enden werde, und erklärt, die Vereinigten Staaten stünden weiterhin in Kontakt mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky. Doch ein Friedenskompromiss werde nach seiner Einschätzung weder die Ukrainer noch die Russen zufriedenstellen.

Vance betont zudem, dass die USA seiner Ansicht nach vor allem ein Kriegsende entlang der aktuellen Frontlinie diskutieren sollten. Damit kehrt man zu dem Vorschlag zurück, den Trump Putin buchstäblich seit ihrem ersten Telefonat unterbreitet hat. Bis heute hat der russische Präsident diesem Vorschlag nicht zugestimmt und fordert stattdessen den Abzug der ukrainischen Truppen aus den von Russland annektierten Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, die in Moskau inzwischen als Subjekte der Russischen Föderation gelten.

Warum sich Putins Position überhaupt geändert haben sollte und er nun bereit wäre, auf Trumps Idee eines Waffenstillstands entlang der Kontaktlinie einzugehen, ist völlig unklar. Möglicherweise werden die USA versuchen, Putin zu einem solchen Waffenstillstand zu bewegen. Es gibt jedoch keinerlei Anzeichen, dass der russische Staatschef einem solchen Ansatz zustimmen könnte – höchstens vielleicht für eine kurze Feuerpause, eine Art „Putin-Geschenk“ an Trump, das dann in einen noch blutigeren und heftigeren Krieg münden würde. Die Frage ist nur: Wann? Während Trump noch im Amt ist oder erst, wenn seine Amtszeit endet und er das Oval Office verlässt?

Aber wird Putin überhaupt so lange warten, um seine Pläne zur Wiederherstellung der russischen imperialen Staatlichkeit in den Grenzen von 1991 zu verwirklichen? Ist der russische Präsident bereit, Trump einfach „auszusitzen“, so wie er es bereits mit dessen Vorgänger Joe Biden getan hat? Darauf hat derzeit praktisch niemand eine klare Antwort.

Genau deshalb spricht Mark Rutte von einer „Prüfung“, die Trump Putin angeblich unterziehen will. Die Frage ist allerdings auch, warum Trump bereit ist, so sehr mit seiner eigenen Reputation zu spielen, falls das Treffen mit dem russischen Präsidenten ohne konkrete Ergebnisse endet.

Denn egal, was J.D. Vance dazu sagt – wenn der Gipfel in Alaska ohne echte Beschlüsse endet, die tatsächlich zum Ende des Krieges führen, wird dies den Eindruck erwecken, dass Trump keinen Einfluss auf den russischen Präsidenten hat. Es würde daran erinnern, dass die geopolitische Rolle der Vereinigten Staaten unter Trump nicht einmal annähernd mit der von vor 10 oder 15 Jahren vergleichbar ist, als Trump erst im Begriff war, seine erstaunliche politische Karriere zu starten.

Hier könnte die logische Erklärung liegen: Vielleicht trifft sich Trump mit Putin gar nicht in erster Linie, um den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. So wie er etwa Zölle gegen Indien nicht deshalb eingeführt hat, weil Indien Öl aus Russland kauft, sondern weil er dies als Vorwand nutzte, um wirtschaftlichen Druck auf Neu-Delhi auszuüben.

Ebenso könnte das Thema „Kriegsende“ für Trump nur ein Vorwand sein, um sich offiziell mit dem russischen Präsidenten zu treffen und dabei eigentlich Themen zu besprechen, die ihn persönlich mehr interessieren – ja, genau: mögliche Geschäftsdeals zwischen amerikanischen und russischen Eliten, zwischen US-Milliardären und russischen Oligarchen.

Man darf nicht vergessen: Trump war stets auf „Deals“ fixiert, nicht auf realistische politische Lösungen für die Probleme der heutigen Welt. In diesem Fall könnte das Gespräch über das Kriegsende nur ein Randthema sein – ein Hintergrund für ein Treffen, bei dem in Wahrheit ganz andere, für beide Präsidenten viel wichtigere gemeinsame Interessen im Vordergrund stehen.

In diesem Szenario wäre die Ankündigung, dass es in der Frage des Kriegsendes keinen Durchbruch gebe, die Gespräche darüber aber fortgesetzt würden, für Trump das ideale Deckblatt für ein Treffen, das in Wirklichkeit – möglicherweise in Anknüpfung an frühere Absprachen zwischen Putin und Steve Witkoff – seine eigentliche Bedeutung aus ganz anderen Gründen hätte.

Und dann ist klar, dass in Putins Gefolge auf Alaska nicht so sehr klassische Beamte wie der russische Außenminister Sergej Lawrow im Mittelpunkt stünden, sondern vielmehr jemand wie Kirill Dmitrijew, dem Putin die Aufgabe übertragen hat, das wirtschaftliche Umfeld zu schaffen, das Trumps Interesse weckt und am Leben erhält.

Protest gegen Trump | Vitaly Portnikov. 15.06.2025.

Am Geburtstag von Präsident Donald Trump, als dieser selbst eine für die Vereinigten Staaten ziemlich ungewöhnliche Militärparade abhielt, gingen Millionen Menschen in praktisch allen Städten Amerikas auf die Straße, um gegen autoritäre Tendenzen in der Politik des amerikanischen Präsidenten sowie gegen viele seiner Entscheidungen zu protestieren, die von den Demonstranten abgelehnt werden.

Beobachter sprechen bereits jetzt von einem absolut außergewöhnlichen Mobilisierungsgrad derjenigen, die gegen Trumps Politik protestieren. Und davon, dass dieser Mobilisierungsgrad kaum mit Protesten in der Vergangenheit zu vergleichen ist. So ist sowohl die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft als auch die Bereitschaft der Trump-Gegner zur politischen Eigenaktivität offensichtlich.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich also aus dieser Parade ziehen? Erstens ist es vor allem ein friedlicher Protest. Es wurden praktisch keine ernsthaften Zwischenfälle registriert. Und das zeigt, dass die Amerikaner weiterhin an ihr eigenes politisches System glauben. Sie mögen Trumps Politik zwar für inakzeptabel halten, hoffen aber, dass die weitere Entwicklung des politischen Prozesses, um schon von den Nachwahlen zu sprechen, die bald stattfinden werden, zu einer grundlegenden Änderung dieser Politik führen kann.

Und tatsächlich eröffnet dieser Prozess der Demokratischen Partei unglaubliche Perspektiven im Hinblick auf einen Sieg über die Republikaner bei den Nachwahlen im nächsten Jahr. Wenn wir sehen, dass die Demokratische Partei tatsächlich die Kontrolle über beide Kammern des amerikanischen Kongresses erlangt, wird dies den Weg zum Impeachment von Donald Trump frei machen. Und darauf können sich natürlich die Teilnehmer der Proteste verlassen.

Eine völlig andere Situation kann sich natürlich in der amerikanischen Gesellschaft ergeben, wenn das Jahr 2026 nur den politischen Vorsprung der Republikaner festhält.

Die zweite ziemlich wichtige Schlussfolgerung aus diesen Protesten sind die ukrainischen Flaggen, die wir in den Händen der Demonstranten sehen konnten. Dies erinnert noch einmal daran, dass das Ausmaß der Unterstützung der Ukraine in ihrem Kampf gegen die russische Aggression in der amerikanischen Gesellschaft weiterhin erheblich ist. Und es geht hier übrigens nicht nur um diejenigen, die gegen die Politik von Donald Trump protestieren. Es geht auch um die Anhänger des amtierenden amerikanischen Präsidenten.

Die überwiegende Mehrheit der Republikaner unterstützt die Ukraine weiterhin in ihrem Krieg gegen die Russische Föderation. Die Tatsache, dass die Mehrheit im Senat, sowohl Republikaner als auch Demokraten, gemeinsam an einem Gesetz über neue Sanktionen gegen die Russische Föderation arbeitet. Die Tatsache, dass im Kongress sogar über die Möglichkeit neuer militärischer Hilfe für die Ukraine gesprochen wird, während Donald Trump selbst diese Hilfe ablehnt, spricht dies für ein hohes Maß an gesellschaftlicher Unterstützung. 

Und vergessen wir nicht, dass all diese Menschen auch dem russischen Präsidenten Putin nicht wohlgesonnen sind, selbst unter denen, die die Ukraine nicht unterstützen. Es gibt viele Menschen, die Putin für einen Diktator halten, mit dem ihr Präsident keine persönlichen Beziehungen pflegen sollte. Und es gibt viele solcher Menschen sowohl unter den Gegnern als auch unter den Anhängern von Donald Trump.

Offensichtlich ist die Außenpolitik nicht gerade eine Priorität für die amerikanische Gesellschaft. Angesichts der Tatsache, wie ernst die Mehrheit der Amerikaner auf die Unterstützung der Ukraine und gegen die aggressive Politik Russlands eingestellt ist, besteht die Aufgabe der Ukraine jedoch darin, außenpolitische Fragen für die amtierende Regierung zu priorisieren.

Donald Trump klarzumachen, dass die fehlende Unterstützung der Ukraine und seine Bereitschaft zu persönlichen Beziehungen mit einem Kriegsverbrecher nur den Ruf des amerikanischen Präsidenten in den Augen seiner eigenen Wähler untergräbt.

Ein dritter sehr wichtiger Punkt betrifft die realen Möglichkeiten einer Diktatur in den Vereinigten Staaten selbst. Und ich sage gleich dazu: dieser Protest zeigt, dass eine Diktatur noch sehr, sehr weit entfernt ist, denn die Sicherheitskräfte gehen vorsichtig mit den Demonstranten um. Selbst bestimmte Vorfälle, die wir beobachtet haben, sind eher die Ausnahme, die die Regel bestätigt. 

Und hier liegt das Problem nicht nur im amerikanischen Recht, nicht nur darin, dass Donald Trump offensichtlich seine letzte Amtszeit im Weißen Haus absitzt. Und das wird, glauben Sie mir, eine unrühmliche Amtszeit sein. 

Die Probleme liegen auch im physischen Alter des amerikanischen Präsidenten. Wäre Donald Trump jünger, könnte man davon ausgehen, dass die Menschen, die mit ihm zusammenarbeiten oder sich an ihn orientieren, mit langer Straflosigkeit rechnen könnten. Welche Entscheidungen sie auch immer auf die Forderungen des amerikanischen Präsidenten hin treffen würden. Sie könnten denken, dass Trump die Verfassung nach seinen Wünschen umschreiben, Präsident für viele Jahre, wenn nicht für Jahrzehnte, bleiben würde. Und diese Jahre wären die Garantie für seine absolute Macht und ihre absolute Straflosigkeit.

Aber Donald Trump ist 79 Jahre alt geworden. Selbst wenn man sich ein Experiment mit Änderungen in der amerikanischen Verfassung vorstellen würde, würde das physische Alter von Donald Trump es ihm nicht erlauben, eine langjährige Diktatur zu errichten. 

Dies ist eine allgemeine Regel jedes Autoritarismus, die heute im Fall von Donald Trump nicht funktioniert. Ein Diktator muss jung sein. Er muss seinem Umfeld Jahrzehnte absoluter Straflosigkeit und sicherer Herrschaft versprechen.

Ein Beispiel für einen solchen Diktator ist beispielsweise der Präsident der Russischen Föderation, Putin. Als er das Amt des russischen Präsidenten antrat, erschien ein satirischer Plakat, auf dem Putin selbst und die engsten Vertreter seines Umfelds als grauhaarige Alte dargestellt waren, um daran zu erinnern, wie das Politbüro des ZK der KPdSU in den letzten Jahren der Existenz der Sowjetunion aussah.

Dieses Plakat sieht jetzt schon wie absolute Realität aus. So sehen Putin und seine engsten Mitstreiter jetzt aus. Aber es sind 25 Jahre vergangen und es können noch viele Jahre vergehen, in denen die Menschen, die Putin vom ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident Russlands umgeben, über ihre eigene Sicherheit im Zusammenhang mit dem physischen Tod des amtierenden Präsidenten Russlands nachdenken könnten. Und Putin ist noch kein so alter Mann. 

Mit Trump ist natürlich alles anders. Eine reale Gefahr für die amerikanische Demokratie kann nur dann entstehen, wenn die Vorstellung von einem Kurs in der amerikanischen Gesellschaft, der sich in diesem Teil an den Republikanern orientiert, bestehen bleibt und eine junge Person, die zu einem autoritären Führungsstil bereit ist, neuer Präsident der Vereinigten Staaten wird.

Sagen wir, der amtierende Vizepräsident der Vereinigten Staaten, JD Vance. Dann können wir tatsächlich sagen, dass die Vereinigten Staaten die letzten Jahre ihrer Demokratie erleben werden, wenn die Demonstranten des anderen Lagers nicht in der Lage sind, diejenigen, die zum Autoritarismus neigen, zu zwingen, ihren Blick auf die Vereinigten Staaten zu ändern. Aber das alles liegt in der Zukunft.

Papst aus einer anderen Welt | Vitaly Portnikov. 21.04.2025.

Unsere heutige Begegnung wird dem Tod des römischen Pontifex Franziskus gewidmet sein. Das ist derzeit eines der, ich würde sagen, wichtigsten Themen in den Weltmedien.

Immer wenn der Papst stirbt, gibt es, ich würde sagen, eine ziemlich ernsthafte gesellschaftliche Reaktion. Reaktion der weltweiten Medien, der Politiker. Viele beobachten, was im Zusammenhang mit diesem Tod, im Zusammenhang mit den Veränderungen im Vatikan, die wir jetzt mit Ihnen beobachten werden, tatsächlich geschehen kann. Und natürlich die Auswirkung der Persönlichkeit von Papst Franziskus selbst ist ein ziemlich ernsthaftes, großes Ereignis für die katholische Welt als solche, für all diejenigen, die jetzt die Veränderung wahrnehmen, die wir im Vatikan sehen, als eine der wichtigsten Veränderungen in der Geschichte der Kirche, als das, was wir uns bewusst sind, als Entwicklung von Prozessen, die mit der Zukunft der Kirche verbunden sind, und worüber wir in unserem heutigen Gespräch miteinander sprechen.

Und wir müssen uns natürlich bewusst sein, dass jetzt über den Beitrag von Papst Franziskus, über das, was um ihn herum geschieht, alle, die den Papst als einen der wichtigsten Politiker, einen der wichtigsten Vertreter des modernen politischen Mainstreams der Welt ansehen, mit großer Aufmerksamkeit sprechen werden.

Und natürlich werden wir jetzt über das sprechen, was wir jetzt im Verständnis der Persönlichkeit von Papst Franziskus und im Verständnis dessen, was in der Welt im Zusammenhang mit dem Wechsel des römischen Pontifex geschieht, wahrnehmen werden. Natürlich sind wir die Zeugen der Ereignisse, die wir heute im Vatikan als die wichtigsten Veränderungen in der Geschichte der Kirche wahrnehmen, als das, was wir uns bewusst sind, als Entwicklung von Prozessen, die mit der Zukunft der Kirche verbunden sind, und worüber wir miteinander sprechen müssen. Und ich sage Ihnen gleich, dass wir meiner Meinung nach jetzt darüber sprechen können, dass der Papst ein Spiegelbild der Ereignisse ist, die in der Welt als solcher stattfinden. Und die römische Kirche ist stärker mit den Tendenzen des weltweiten politischen und gesellschaftlichen Lebens verbunden als jede andere reale Institution, die heute in der Welt, insbesondere im Westen, existiert. 

Wir sprechen jetzt gerade über die wichtigen Folgen dieses Todes nicht deshalb, weil sich die Politik des Vatikans ändern könnte, sondern weil wir verstehen, dass diese Politik ein Spiegelbild einer eigentümlichen, wenn Sie so wollen, Intuition der Kirche, Intuition des Vatikans ist. Und jedes Mal, wenn wir über Päpste sprechen, sind bestimmte Epochen und eine bestimmte Wahrnehmung der Realität mit ihnen verbunden. Und Franziskus ist hier nicht die Ausnahme, er bestätigt dieses Prinzip gerade brillant, klar und deutlich, die Tatsache, dass der Vatikan eine der Institutionen ist, die auf die Bedürfnisse der Gesellschaft und das eigene Überleben in dieser Gesellschaft reagieren.

Lassen Sie uns sofort einigen, dass dies kein theologisches Gespräch ist. Und das ist kein Gespräch über den Glauben. Es ist wirklich ein Gespräch über den Vatikan, über die katholische Kirche als politische und gesellschaftliche Institution. In der modernen Welt, die sich in den letzten 100-150 Jahren ziemlich verändert hat.

Erstens wird das Verständnis des Glaubens selbst in Frage gestellt. Ob ein Mensch an Gott glauben kann. Bei vielen führt dies zu unglaublichen Zweifeln. 

Und zweitens wird der Glaube an Gott, wenn er bei einem Menschen existiert, mit besonderen Tugenden und Eigenschaften verbunden, die Menschen nicht haben können, die keiner religiösen Gemeinschaft angehören. Aber ich möchte Sie daran erinnern, dass wir höchstens 100-150 Jahre in einer Welt leben, in der die Menschen glauben oder nicht glauben können. Und Jahrtausende lang lebten die Menschen in einer Welt, in der buchstäblich alle glaubten. Es gab keine Menschen, die nicht glaubten. Heilige und Diebe glaubten, Helden und Schurken glaubten, diejenigen, die alle Regeln brachen, und diejenigen, die sie heilig befolgten. Glaube war eine Kategorie, die von niemandem in Frage gestellt wurde, weder von gebildeten Menschen noch von Menschen, die weit von jeglicher Bildung entfernt waren.

Der Glaube selbst ist also nicht der Schlüssel zum Verständnis der Persönlichkeit, ebenso wenig wie die Abwesenheit des Glaubens. Der Schlüssel zum Verständnis der Persönlichkeit sind eher die Regeln, nach denen ein Mensch lebt. Und ein Mensch, der gläubig ist, unterscheidet sich von einem nichtgläubigen Menschen dadurch, dass er nach diesen Regeln lebt, weil er nach seinem physischen Tod gerettet werden will, während ein Mensch, der nicht glaubt, sich diese Möglichkeit der Rettung nicht vorstellen kann.

Doch diese Menschen können entweder nach diesen gemeinsamen Regeln leben oder sie brechen. Erinnern Sie sich, der vorherige Papst Benedikt sagte, dass er in einer Welt lebt, in der sich Gläubige sehr oft so verhalten, als ob sie nicht an Gott glauben würden, während Menschen, die nicht an Gott glauben, sich sehr oft so verhalten, als ob sie Gläubige wären. Und in dieser Kategorie liegt die Essenz unserer heutigen Zivilisation. 

Deshalb diskutiere ich nicht die Frage des Glaubens von Papst Franziskus. Ich betrachte ihn, wie ich jeden Kirchenmann betrachte, als Politiker, als einen Menschen, der einen der größten, mächtigsten und einflussreichsten religiösen Gemeinschaften der modernen Welt beeinflusst hat. Und als einen Menschen, der in der Lage war, die Bedeutung seiner Präsenz im allgemeinen politischen Leben zu erkennen.

Das Erscheinen des polnischen Papstes Johannes Paul II. auf dem Thron zeigte ganz deutlich, wie gut die Kirche damals verstand, dass sich ein großer Teil der Herde hinter dem Eisernen Vorhang, in den Ländern Mittel- und Osteuropas, in Ländern befand, in denen der Glaube jahrzehntelang unterdrückt und zu einer Art Randerscheinung wurde. 

Die Vertreter der katholischen Kirche waren oft ein Symbol der Freiheit und der Wahrung der Ehre der Völker, wie es beispielsweise mit der polnischen Kirche der Fall war, deren Vertreter Karol Wojtyła war, derselbe Karol Wojtyła, der Papst Johannes Paul II. wurde. Und in dieser Situation müssen wir uns dessen natürlich bewusst sein. Die Wahl eines polnischen Papstes war auch eine Vorahnung sehr ernster sozialer und politischer Prozesse, die sich damals in Mitteleuropa ereigneten.

Die unabhängige Gewerkschaft Solidarność, der berühmte Besuch des Papstes in Polen, schließlich, wie Sie sich alle gut erinnern, der Zusammenbruch des sogenannten sozialistischen Lagers, der Sowjetunion, des Kommunismus, all diese wunderbaren Ereignisse, deren Zeugen wir waren, waren mit dem Namen von Karol Wojtyła, Johannes Paul II. verbunden, der in der Kirche selbst eher konservativ und zurückhaltend war, aber als politische Figur die Fähigkeiten des Vatikans demonstrierte, die weit über den kleinen Staat im Zentrum Roms hinausgingen. Karol Wajtyla scheint die Frage von Joseph Stalin beantwortet zu haben, der einmal fragte, wie viele Divisionen der Papst habe. Der Papst hatte nur wenige Divisionen, aber die Sowjetunion war besiegt und von der politischen Landkarte verschwunden.

Aber die Tatsache, dass der Nachfolger von Johannes Paul II. sein langjähriger Mitarbeiter, Kardinal Ratzinger, Papst Benedikt, war, zeigte, dass die Kirche diese Seite der Geschichte bereits abgeschlossen hatte.  Zentraleuropa war befreit, der Kommunismus war besiegt. Und ich würde sagen, die Normalisierung der Rolle der Kirche in der modernen Welt, als sie aufhörte, den politischen Systemen die Stirn zu bieten, und ein Teil des Organismus wurde, der sich dank der politischen Veränderungen bildete, die nach dem Sieg der zivilisierten Welt über den Kommunismus im Kalten Krieg stattfanden.

Und gleichzeitig gab diese Veränderung keine Antwort auf die wichtigste Frage für den Vatikan. Wie hält man all die Menschen, die befreit wurden, als Herde der Kirche, und wo befindet sich diese Herde überhaupt jetzt? Wo findet man Möglichkeiten für das weitere Überleben und die Entwicklung der katholischen Kirche? 

Und tatsächlich gab die Wahl von Kardinal Bergoglio, dem ersten Kardinal aus der Neuen Welt, dem ersten Argentinier an der Spitze der katholischen Kirche, die Antwort auf diese Frage. Die Kirche verlagert sich von Europa in den globalen Süden, nach Amerika und Afrika. Dort glauben die Menschen so, wie sie vor einem Jahrhundert in Europa glaubten. Das ist der vorherrschende Moment der Zivilisation. 

Und deshalb kann dieser Papst viel stärker als seine Vorgänger mit den politischen Tendenzen assoziiert werden, die sich derzeit auf allen Kontinenten abspielen. 

Wir haben viel darüber gesprochen, was für ein einfacher und aufrichtiger Mensch er ist. Aber die Frage ist nicht, in welchem Haus der römische Pontifex wohnt, wie er sich kleidet, welche Zeremonien er fortzusetzen bereit ist und welche er ablehnt. Die Frage ist, wie dies von den Menschen wahrgenommen wird. Und natürlich mögen die Menschen den so genannten Volkspapst sehr, so wie die Menschen immer Volkspräsidenten mögen. Wir sehen, dass die Menschen jetzt eine Vorliebe für Volkspräsidenten haben. Und Kardinal Franziskus hat im Prinzip nicht so sehr gezeigt, wie man sich verhält, denn die Frage des Verhaltens ist genau das, was für einen Priester wichtig ist, der zeigt, dass er sich von der kardinalsmäßigen Arroganz wegbewegen kann, und womit er in Verbindung gebracht werden muss.

Wenn ein Kardinal der Papst des Volkes sein kann, kann ein Milliardär der Präsident des Volkes sein. Wir verstehen sehr gut, dass die Menschen, die für Donald Trump stimmen, obwohl dieser Mann sein ganzes Leben lang in Geld schwimmt, ihn als einen Präsidenten des Volkes wahrnehmen, als eine Person, die gegen die Nomenklatur, die Bürokratie kämpft und den Sumpf in Washington trockenlegen will, wie man sagt. Wir erinnern uns: Als die Menschen für den Millionär Volodymyr Zelensky stimmten, hielten sie ihn auch für einen einfachen Mann, einen von ihnen. Und das hat zu seinem Wahlerfolg beigetragen. Das ist eine Tendenz, die der Papst in seinem gesamten Lebensweg glänzend demonstriert hat.

Und es ist absolut verständlich und nachvollziehbar, dass er den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten J.D. Vance zu seinem letzten Gesprächspartner gemacht hat. Ja, für viele Ukrainer kann der Papst sicherlich als eine Person wahrgenommen werden, die linksgerichtete politische Ansichten vertritt. Aber seine wirkliche politische Biografie ist nicht die Biografie eines Menschen aus einer linken Welt. Ich würde es anders ausdrücken: Papst Franziskus ist jemand, der heute als eine Person wahrgenommen werden kann, die in der Lage ist, all diese Ideen und Ansichten zu unterstützen, die von Vertretern rechtspopulistischer politischer Kräfte auf der ganzen Welt so entschieden verteidigt werden. 

Denn wenn sie über den Kampf gegen Abtreibungen, über den Kampf gegen die Kontrazeption, solche einfachen alltäglichen Dinge sprechen, können sie immer Verständnis in der Kirche finden. Wenn sie klare Grenzen in ihrer Haltung zu verschiedenen Welten im Zusammenhang mit sexueller Toleranz ziehen.

Er zeigte allen Respekt, setzte aber gleichzeitig ganz klar Grenzen, wo dieser Respekt endet, weil er nicht Gottes Plan entspricht. Und das war nicht nur im Vatikan so. So war es in Argentinien, wo der Papst einerseits kein Gegner der rechten Kräfte war, die dieses Land während seines Priesterdienstes und seiner Kardinalszeit regierten, aber immer bereit war, gegen die linken Populisten zu kämpfen, die während des größten Teils seines Aufenthalts an der Spitze der Diözese in diesem Land Argentinien leiteten. Das ist ein ziemlich wichtiger Punkt.

Und hier kommen wir zu einem weiterem interessantestem Punkt. Die Haltung des Papstes zum russisch-ukrainischen Krieg. Unserer Meinung nach eine absolut erstaunliche Sache. In den letzten Jahren hat der Papst viele Länder der Welt besucht, die mit ernsthaften Konflikten verbunden waren. Er besuchte sie bereits als alternder, gebrechlicher Mensch, der im Rollstuhl transportiert werden musste. Einer der letzten Besuche war im Südsudan, wo ein langer Bürgerkrieg andauerte und immer noch nicht beendet ist. Nicht der Gesundheitszustand erlaubte es ihm nicht, in das Land zu kommen, in dem er eine beträchtliche Gemeinde hatte, sondern die Weigerung, während des Krieges hier anwesend zu sein. Ein sehr seltsames Unbehagen für einen Geistlichen, der immer seine leidenschaftliche Haltung gegenüber den Schwachen, den Opfern und dem Krieg als Gefahr zum Ausdruck gebracht hat.

Der Papst sagte, dass er als erstes mit Putin über den Krieg sprechen wolle. Das bedeutet, dass das erste Land, das er besuchen sollte, Russland gewesen sein sollte. Auch das ist ein sehr merkwürdiger Ansatz, wenn man bedenkt, dass es auf russischem Gebiet faktisch keinen Krieg gibt. Und das russische Volk nicht wirklich unter dem Krieg leidet. Mit Ausnahme derjenigen, die gegen viel Geld Ukrainer töten.

Aber unterscheidet sich die Position von Papst Franziskus stark von der Position von Papa Donald? Denn auch Donald Trump glaubt, dass er mit Putin über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges sprechen muss. Und er sieht keinen großen Unterschied zwischen Aggressor und Opfer.

Die Vereinigten Staaten unter Trump verurteilen Russland nicht als Aggressor. Trump spricht über den Tod schöner junger Menschen aus Russland und der Ukraine, ohne sich daran zu erinnern, dass die schönen jungen Leute aus Russland, über die er im Oval Office so trauert, als Henker und Mörder und nicht als Opfer hierher gekommen sind. Im Wesentlichen entspricht die Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten, seine Ansichten über den russisch-ukrainischen Krieg, der Position des Papstes. Und es ist nicht verwunderlich, dass Donald Trump, der für seine arrogante Haltung gegenüber dem weltpolitischen Leben bekannt ist, mit Respekt zum Tod des Papstes verhält. Es ist nicht nur ein politisches Lager, es ist eine Weltanschauung, die mit der Wahrnehmung des modernen Russland als Festung traditioneller Werte verbunden ist, die diese Leute verteidigen. Und die ihrem Bild der Welt von der Vergangenheit entsprechen, in der sie leben wollen.

Denn sowohl Donald Trump als auch Kardinal Bergoglio, der Papst Franziskus wurde, sind Menschen aus einer fernen, fernen archaischen Vergangenheit. Und es geht hier nicht um den Glauben an Gott oder dessen Fehlen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Papst Franziskus an Gott geglaubt hat.

Und ich bin sicher, dass Donald Trump nichts damit zu tun hat. Aber das ist nicht wichtig.Es geht darum, dass Präsident Putin und die russische Gesellschaft es schaffen, sich als letzten Verteidiger der Vergangenheit zu präsentieren. 

Und Franziskus hat das immer so gesehen, nicht nur weil er Dostojewski gelesen hat. Wir haben alle Dostojewski gelesen und wissen, wie Dostojewski die weltphilosophische Denkweise beeinflusst hat. Es geht um dieses Bild, um diese Illusion, die das Bild Russlands als eines der letzten wirklich kirchlichen Länder der Moderne kreieren möchte, auf das nicht einmal die kommunistische Ideologie Einfluss hatte.

Die Menschen im Westen können sich gar nicht vorstellen, dass die Verbindung des russischen Volkes mit der russischen Kirche bereits während der Reformen des Patriarchen Nikon für immer unterbrochen wurde, als diejenigen, die wirklich gerettet werden wollten, bereit waren, zu den Altgläubigen zu gehen, die verbrannt und vernichtet wurden. Das war wirklich ein bedeutendes Ereignis für die gesamte russische Zivilisation. Das stimmt. Danach war die Kirche eine offizielle Institution, unter jeder Regierung, unter der zaristischen, der bolschewistischen, der putinischen.

Die russisch-orthodoxe Kirche wird nur deshalb Kirche genannt, weil dort Ikonen aufgehängt werden. Im Prinzip ist sie eine genauso weit vom Glauben und dem Wunsch nach Rettung entfernte Institution wie das Verteidigungsministerium oder der Föderale Sicherheitsdienst. Aber im Westen will man das entschieden nicht wahrhaben. Und Papst Franziskus, ein Papst aus dem globalen Süden, hat das keinen Tag in seinem Leben verstanden.

Es ist nicht verwunderlich, dass er der Pontifex war, der das erste historische Treffen mit Patriarch Kyrill in Havanna, der Hauptstadt des kommunistischen Kubas, abhielt. Wohin der Papst übrigens reiste, als die Vereinigten Staaten versuchten, die Beziehungen zu Kuba zu normalisieren zur Kommunikation mit dem kommunistischen Diktator, der natürlich an niemanden außer an seine blutige Macht glaubte. Auch das ist eine sehr interessante Geschichte, eine sehr interessante Geschichte darüber, was tatsächlich um solche Dinge herum geschieht.

Und deshalb ist für Papst Franziskus, wie für Trump, das Wichtigste, dass dieser Krieg tatsächlich ohne reale Konsequenzen für diese russische Spiritualität endet, die trotz aller Handlungen der russischen Regierung weiterbesteht. Und das ist viel wichtiger als die Interessen der Gemeinde von Papst Franziskus. Zumal er sehr wohl wusste, dass sich der größte Teil dieser Gemeinde dich da befindet, wo man dieser russischen Spiritualität, der Bereitschaft Russlands dem geistlosen Westen die Stirn zu bieten, sympathisiert, im globalen Süden.

Und was ist die ukrainische Gemeinde? Das ist eine sehr kleine Gemeinde, gemessen an der Zahl der Gläubigen im globalen Süden, die zudem größtenteils griechisch-katholisch ist, und die östlichen Kirchen wurden im Vatikan immer mit einer gewissen Vorsicht behandelt. Und das muss man auch ganz klar wissen, wenn wir über den politischen Aspekt dieser Geschichte sprechen. So etwas Unglaubliches gibt es also.

Ich glaube, wir müssen uns auch darüber im Klaren sein, dass der Name Papst Franziskus, der Name, den Kardinal Bergoglio gewählt hat, auch eine absolute Antwort auf den Zeitgeist war. Es war der erste Franziskus in der Geschichte des Papsttums. Kardinal Bergoglio gehörte bekanntlich dem Jesuitenorden an, hatte aber ein ziemlich kompliziertes Verhältnis zu diesem Orden. Und wie wir wissen, Ignatius von Loyola, der Gründer des Jesuitenordens und der heilige Franziskus – das sind zwei ganz unterschiedliche Bilder in der Geschichte der katholischen Kirche. 

Kardinal Loyola ist eine Person, die im Wesentlichen die intellektuelle Gemeinschaft der katholischen Kirche selbst geschaffen hat, die ihre Fähigkeit zum Verständnis der Realität stärken sollte. Sehr ernsthaft, gebildet, unscheinbar. Man könnte sagen, der Jesuitenorden ist ein erster früher Versuch, einen Sonderdienst oder so etwas Ähnliches in der katholischen Kirche selbst zu schaffen, als Rückgrat ihres weiteren Bestehens.

Die Franziskaner hingegen waren Menschen, die versuchten, die Gläubigen durch ihre demonstrative Einfachheit anzuziehen. Und jeder, der zum Beispiel in Assisi war, ich denke, dass unter denen, die diese Sendung sehen, Menschen gibt, die in Assisi waren, dem Ort des heiligen Franziskus. Oder wer in der Provinz Guipúzcoa war, wo Ignatius von Loyola geboren wurde. Der kann den Unterschied deutlich erkennen. Ich bin extra dahin gefahren, um zu verstehen, wie sich die Weltsicht der Anhänger Loyolas unterscheidet, und wie der Glaube und die Lebensweise im Glauben der Anhänger des heiligen Franziskus aussieht.

Kardinal Bergoglio war sich dessen bewusst. Was das Verhaltensmodell und die Namenswahl betrifft. Und jetzt ist es natürlich sehr wichtig, inwieweit sein Nachfolger sich in Zukunft entsprechend verhalten wird oder ob er einen neuen Trend erkennen wird, denn ich wiederhole, dass, als Papst Franziskus auftauchte, lagen die Zeiten des Triumphes des Populismus noch weit fern, das war vor 12 Jahren. Stellen Sie sich vor, wir standen erst am Anfang dieser unglaublichen Ereignisse, die später eintreten sollten. Papst Franziskus wurde am 13. März 2013 Papst. Der eigentliche Triumph des Populismus fand jedoch schon nach kurzer Zeit statt. Am 20. Januar 2017 wurde Donald Trump Präsident der Vereinigten Staaten. Zwischen Bergoglio und Trump lagen drei Jahre, nur drei Jahre, aber der Vatikan war bereits auf eine solche Wendung der Ereignisse vorbereitet.

Und nach der Wahl eines neuen Papstes werden wir auch verstehen, auf welche Wendung der Ereignisse der Vatikan vorbereitet sein wird. Denn in den Entscheidungen des Kardinalskonklaves kann man die Geschichte nicht der Gegenwart, sondern der Zukunft lesen. Auch wenn diese Zukunft sich zum Ziel setzt, in die Vergangenheit zurückzukehren.

Also was die Haltung von Papst Franziskus zum russisch-ukrainischen Krieg betrifft, neben dem für einen gläubigen Menschen offensichtlichen Mitgefühl mit den Opfern, gibt es auch das für einen römischen Pontifex offensichtliche Verständnis Russlands als solch eines zerbrechliches orthodoxes Kristallschlosses, was ganz logisch für den gesamten politischen und gesellschaftlichen Organismus ist, den wir derzeit im Westen beobachten. Und der übrigens weiter triumphiert, wenn ein neuer Pontifex ein ungarischer Papst wird, dann ist das einfach eine wunderbare Geschichte, über die man auch sprechen kann, und übrigens sollte man sich daran erinnern, dass ein ungarischer Kardinal einer der realen Kandidaten für dieses Amt ist. 

Das ist Kardinal Péter Erdő, der sich großer Achtung des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán erfreut. Und Kardinal Erdő ist natürlich ein rechterer Kardinal als Kardinal Bergoglio, denn Kardinal Bergoglio, als Vertreter der neuen Welt, bestritt das, was ich als einen sehr wichtigen Eckpfeiler der Politik der Ultrarechten in der heutigen Welt bezeichnen würde. Er war für ein reales Verständnis der Probleme der Migranten.

Und Kardinal Erdő, wie Sie verstehen, ist kein sehr großer Anhänger dieser Geschichte, denn er handelt in Übereinstimmung mit dem, wie es in der zukünftigen Welt aussehen wird, die Orbán gerne im Einklang mit seinen Ambitionen sähe.

Wir könnten übrigens darüber sprechen, wer derzeit für das Papstamt kandidiert.

Einer der offensichtlichsten Kandidaten ist Kardinal Pietro Parolin. Eigentlich der Regierungschef des Vatikans, eine Person, die unter Papst Franziskus, in der gleichen Rolle war wie Papst Benedikt unter Johannes Paul II. Eine Person, die ein sehr, ich würde sagen, flexibler Politiker ist. Kardinal Parolin war die treibende Kraft der bedeutenden Vereinbarung mit der chinesischen Regierung über die Ernennung von Bischöfen im Einvernehmen mit der Führung der Volksrepublik China. Ein unglaubliches Geschenk an den kommunistischen Regim, das die Unabhängigkeit der katholischen Kirche in der Volksrepublik China in Frage stellte. So wie die Möglichkeit, dass die katholische Kirche im Modus des Zusammenlebens und der Konsultationen mit dem kommunistischen Regime existieren kann.

Der philippinische Kardinal Luis Antonio Tagle, ehemaliger Erzbischof von Manila, ein liberalerer Kandidat.

Kardinal Peter Turkson aus Ghana, der der erste schwarze Papst sein könnte. 

Der bereits von mir erwähnte Kardinal Erdő, der von den Weltmedien genannt wird.

Kardinal Matteo Zuppi, bekannt dafür, der wichtigste Vermittler des Vatikans für die Freilassung von Gefangenen im russisch-ukrainischen Konflikt gewesen zu sein. Er traf sich mit Zelensky und Putin. Ist auch eine ziemlich wichtige Persönlichkeit, aber er ist einer der Führer des progressiven Flügels der Kirche und dürfte kaum Aussichten auf dem Konklave haben.

Der portugiesische Kandidat José Tolentino Calaça de Mendonça, Kardinal aus Portugal. Aber das ist ein sehr junger Mann, ist er 59 Jahre alt, und wenn er gewählt wird, könnte dies ein Papsttum für Jahrzehnte sein, und es ist nicht bekannt, wie bereit das Kardinalskollegium überhaupt ist, einen Papst für so eine lange Zeit zu wählen.

Kardinal Mario Grech von Malta, ebenfalls ein bekannter Konservative, der nach der Wahl von Papst Franziskus liberaler wurde.

Kardinal Pierbattista Pizzaballa aus Jerusalem, der lateinische Kardinal von Jerusalem.

Und Kardinal Robert Sarah aus Guinea, einer der konservativsten Kardinäle, der auch der erste dunkelhäutige Papst in der Geschichte des Vatikans werden könnte.

Man kann also sagen, dass diese Gruppe von Personen aus Sicht der Möglichkeiten der Wahl eines neuen Papstes auf dem Konklave als die realistischste gilt, wenn dieses Konklave stattfinden wird, wie es aussehen wird, ist nicht bekannt.

Wie Sie sehen, wenn ein neuer Papst aus der Neuen Welt gewählt wird, ist dies eine Fortsetzung der gleichen Politik, die triumphiert hat, nachdem Franziskus zum Papst gewählt wurde, eine Anerkennung der Tatsache, dass die Neue Welt derzeit das wichtigste Gewicht in der zukünftigen Entwicklung der katholischen Kirche hat.

Und wieder einmal wird dies alles mit den politischen Trends in der Welt verbunden sein, die die Kirche umgeben. Denn wir verstehen sehr wohl, dass die Situation in der Kirche immer mit der Situation in der Welt verbunden ist. Die Kirche muss ihre Gemeinde schützen, und je mehr sie ihre Gemeinde schützt, desto größer ist ihr reales Gewicht in der heutigen Welt.

Deshalb bin ich sehr vorsichtig, wenn ich das Erbe von Papst Franziskus betrachte. Bei allem, ich würde sagen, so offensichtlichen Unverständnis dafür, warum er sich so widersprüchlich zum russisch-ukrainischen Krieg verhalten hat. So wollte er nicht den Aggressor als Aggressor sehen. Das entsprach nicht seinen erklärten menschlichen Eigenschaften. Wir müssen uns dennoch bewusst sein, dass er immer in gewissem Maße Verantwortung für die Struktur der katholischen Kirche selbst empfunden hat, und seine eigenen Illusionen und Ansichten in Bezug auf die Bedeutung traditioneller Regierungen in der Welt hatte.

Und diese Haltung gegenüber traditionellen Ansichten hat dem Vatikan immer einen schlechten Dienst erwiesen. Aber andererseits ermöglichte diese Haltung gegenüber traditionellen Ansichten der römischen Kirche, zumindest die deklarierte Staatlichkeit wiederzuerlangen. Denn wir wissen, dass nach der Vereinigung Italiens und der Liquidierung des Kirchenstaates der Papst im Prinzip nur der Leiter der kirchlichen Gemeinde war. Und der Vatikan in seinem heutigen Status eines souveränen Staates, der von allen anderen Ländern der Welt anerkannt wird, entstand zu Zeiten Benito Mussolinis. Der Vaters des modernen Vatikanstaates war ein faschistischer Diktator, hier lässt sich nicht viel beschönigen. Und das ist auch ein Teil der Fähigkeit, Beziehungen zu traditionellen Regierungen aufzubauen.

Deshalb versuchen wir jetzt, Jahrzehnte nach diesem Mussolini-Experiment, dieses Verhältnis von Kirchenoberhaupt und Staatsoberhaupt zu verstehen, das es sozusagen nicht auf der politischen Landkarte gibt, das aber existiert, gerade weil es Millionen, Dutzende Millionen Menschen weltweit beeinflusst.

Und deshalb halte ich das Treffen mit JD. Vance für ein gewissermaßen erstaunliches Finale dieses Papsttums. Ein bekehrter Katholik, der konservative politische Ansichten vertritt, sieht in diesen kollektiven konservativen politischen Ansichten eine Dimension der Spiritualität. Er trifft den römischen Pontifex buchstäblich wenige Stunden vor dessen Tod. Dieser bekehrte Katholik, eine treibende Kraft der populistischen Kräfte in den Vereinigten Staaten. Seine Bekehrung half Donald Trump die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten zu gewinnen, auch weil die Person, die sich zu diesem Zeitpunkt im Oval Office befand und seine Konkurrentin unterstützte, ebenfalls ein praktizierender Katholik ist. Aber im Hinblick auf seine liberalen politischen Ansichten ist er viel weiter entfernt von Papst Franziskus als J.D. Vance. Und das ist natürlich ein sehr wichtiger Moment, in dem wir uns befinden. Ein solcher Wendepunkt, bei dem ein solcher letzter Kontakt eine Brücke in die Zukunft bildet, wie auch immer diese Zukunft aussehen mag.

Eine Allianz der katholischen Kirche mit rechtspopulistischen Kräften und mit populistischen Kräften oder ihr Versuch, die Menschenwürde in einer Situation zu verteidigen, in der diese Menschenwürde durch diese rechtspopulistischen Kräfte und später auch durch linkspopulistische Kräfte, denke ich, einfach zerstört und ins Nichts verwandelt wird.

Derselbe J.D. Vance sprach, wie Sie sich erinnern werden, mit einem Lächeln über Moral als etwas absolut unbedeutendes in der modernen Welt. Und ich weiß nicht, ob Papst Franziskus in seiner letzten Audienz mit ihm darüber gesprochen hat. Offensichtlich war er nicht mehr in der Lage, ihm eine Lektion zu erteilen. Aber natürlich wäre es wichtig gewesen, darüber zu sprechen, denn Moral bleibt eine ziemlich wichtige Kategorie der modernen Politik. Und selbst der Versuch populistischer Politiker, diese Kategorie aufzugeben, bedeutet nicht, dass man sie so einfach vergessen kann, als ob es sie nie gegeben hätte.

Der Papst hat als Pastor immer versucht, ein Beispiel für eine solche Moral zu sein. Und er hat wirklich viel getan, um zu zeigen, wie sich ein einfacher Priester verhalten sollte. Wenn er zu Gefangenen kam, wenn er sich an die Ärmsten wandte, wenn er als einfacher Mensch durch die Straßen Roms ging. Und das alles sind auch unglaubliche, erstaunliche Veränderungen in der Tradition einer Kirche wie der katholischen Kirche.

Aber als Staatsoberhaupt war Franziskus natürlich nicht auf der Höhe dieser Moral, als er offensichtliche Tatsachen des Leides im russisch-ukrainischen Krieg nicht bemerkte und versuchte, sich sozusagen über diese größte Tragödie in Europa während seines Pontifikats zu erheben. Und dieser Widerspruch wird immer Teil des Bildes sein, an das wir uns erinnern werden.

Natürlich wird es für die Ukrainer immer eine härtere und verständlichere Tradition des Gedenkens sein als für andere, die nicht direkt im russisch-ukrainischen Krieg und in diesem großen russisch-ukrainischen Konflikt, dessen Teil dieser Krieg ist, involviert waren. Natürlich werden die Ukrainer, als nicht-katholisches Land, den Papst immer vor allem durch diese politische Brille wahrnehmen, während die Katholiken ihn eben als Pastor wahrnehmen werden. Aber dieser Widerspruch wird als wichtiger Teil des Bildes dieser absolut außergewöhnlichen, zweifellos außergewöhnlichen Person auf dem Papstthron bleiben. Ein Mensch, der offensichtlich die Kirche verändern wollte, aber wie es im oder im berühmten Roman Der Leopard von Lampedusa heißt, um nichts zu ändern, muss sich alles ändern. Und ich denke, das könnte ein Epigraph für dieses Papsttum sein.

Zelensky bei Starmer: Details | Vitaly Portnikov. 01.03.2025.

Der britische Premierminister Keir Starmer umarmte den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky herzlich in der Downing Street, dem Amtssitz der britischen Premierminister. Journalisten in London betonten, dass Keir Starmer keine sogenannte taktile Person ist und Umarmungen definitiv nicht zu seinem politischen Stil gehören.

Er wollte jedoch auf diese Weise seine Unterstützung für den ukrainischen Präsidenten erneut demonstrieren, nach dem aufsehenerregenden Streit mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump und seinem Vizepräsidenten JD Vance im Oval Office des Weißen Hauses.

Keir Starmer betonte, dass Großbritannien so lange an der Seite der Ukraine stehen werde, wie nötig, und demonstrierte damit die britische politische Kultur und das allgemeine Verständnis der Prioritäten für die britische politische Elite und die Gesellschaft bei einem Regierungswechsel.

Denn bekanntlich waren die Premierminister, die die Ukraine von den ersten Tagen des großen Krieges Wladimir Putins gegen unseren Staat an unterstützten, Konservative, während Starmer ein Labour-Politiker ist. Dies änderte jedoch nichts am politischen Kurs des Landes, ja mehr noch, praktisch alle Vertreter der Oppositionsparteien und der Führer der Konservativen und der Führer der Reform Partei, der gleiche Nigel Farage, der sich besonderer Sympathie Donald Trumps erfreut, sprachen sich für die Unterstützung der Ukraine und für realistische Sicherheitsgarantien für unser Land aus.

Und in der Downing Street versammelte sich die Menschenmenge, die den Präsidenten der Ukraine bejubelte. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass die Unterstützung der Europäer offensichtlich ist und ihre Sympathien ganz und gar nicht auf Seiten Donald Trumps liegen. Aber wir verstehen sehr wohl, dass nicht nur Erklärungen, sondern auch Taten wichtig sind.

Von diesem Standpunkt aus ist es wichtig, dass morgen in London in Anwesenheit des ukrainischen Präsidenten europäische Staats- und Regierungschefs darüber beraten werden, wie sie auf die Herausforderungen reagieren sollen, die sich im Zusammenhang mit dem offensichtlichen Wunsch der neuen amerikanischen Regierung ergeben haben, die Unterstützung der Ukraine zu vermeiden und nach Wegen zum Einvernehmen mit Wladimir Putin zu suchen, wobei nicht das russische Regime, sondern die ukrainische Führung der Unfähigkeit beschuldigt wird.

So kann man sagen, dass Großbritannien das Land sein könnte, in dem historische Entscheidungen getroffen werden. Bereits während des Besuchs Zelenskys wurde bekannt, dass London der Ukraine einen Kredit in Höhe von 2,26 Milliarden Pfund zur Unterstützung der ukrainischen Verteidigungsfähigkeit gewährt. Diese Mittel werden durch eingefrorene russische Vermögenswerte gesichert. Andere europäische Politiker sagen, dass mehr getan werden muss, so forderte die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock eigenes Land auf, weitere drei Milliarden Euro für die Hilfe für die Ukraine bereitzustellen, denn eine neue Ära des Bösen habe begonnen und auf diese Weise müssten sich die demokratischen Länder und die demokratischen Kräfte diesem dreisten Angriff entgegenstellen.

Natürlich hängt davon nicht nur die Sicherheit der Ukraine selbst, sondern auch die Sicherheit Europas ab. Viele europäische Politiker hoffen in dieser Situation natürlich auf eine Wiederaufnahme der Kontakte zwischen dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump.

Umso mehr, als sowohl in der Verwaltung des Präsidenten der Vereinigten Staaten Erklärungen zu hören sind, dass die Vereinigten Staaten die Ukraine nicht mehr unterstützen und sogar die militärische Hilfe aussetzen werden, als auch Erklärungen, die vorschlagen, in den Dialog zurückzukehren, wenn Volodymyr Zelensky dazu bereit ist. Man muss sich bewusst sein, dass die Vereinigten Staaten die militärische Hilfe für die Ukraine natürlich einstellen können.

In dieser Situation würde Donald Trump jedoch das vielleicht einzige wirkliche Druckmittel gegen die Russische Föderation verlieren, denn es gibt einfach keine schnellen wirtschaftlichen Instrumente, die es ihm ermöglichen würden, die Position von Präsident Putin zu ändern.

Und die militärische Hilfe für die Ukraine überzeugt den russischen Führer davon, dass der Krieg viel länger dauern wird, als Russland sich in der gegenwärtigen wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Lage leisten kann. Wenn Trump also wirklich als Friedensstifter auftreten will, muss er über solche Druckmittel nachdenken.

Denn die Amerikaner beginnen langsam, die Position ihrer Regierung und die wahre Haltung Donald Trumps gegenüber dem russischen Präsidenten Putin zu verstehen. Andernfalls würden die Fragen nach der Annäherung Trumps an Putin und der Zweckmäßigkeit dieser Annäherung sowie die Gründe für diese Annäherung nicht bei jedem Treffen des amerikanischen Präsidenten mit Journalisten im Oval Office zur Sprache kommen.

Und JD Vance, dem Trump die Rolle des wichtigsten politischen Provokateurs in seiner Regierung zugewiesen hat, diese Provokation sahen wir während der viel beachteten Rede des Vizepräsidenten auf der Münchner Konferenz, während des Treffens Donald Trumps mit dem britischen Premierminister Keir Starmer und natürlich während der Verhandlungen mit Volodymyr Zelensky, muss sich an die Demonstranten treffen, die mit ukrainischen Fahnen vor seinem Konvoi stehen und den Vizepräsidenten auffordern, seine dreiste politische Haltung zu ändern und die Bedeutung der Unterstützung der Ukraine für die Vereinigten Staaten zu erkennen.

Dies geschah buchstäblich gerade jetzt, als sich die Familie des amerikanischen Vizepräsidenten auf den Besuch eines Skigebiets im Bundesstaat Vermont vorbereitete. Und als JD Vance und seine Familienmitglieder die Demonstranten sowohl auf dem Weg zum Resort als auch im Resort selbst sahen, verschwand das Auto des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten in unbekannte Richtung. Ich schließe nicht aus, dass auch andere Vertreter der amerikanischen politischen Führung mit solchen Problemen konfrontiert werden, denn das Protestpotenzial in den Vereinigten Staaten wird mit jeder neuen unüberlegten Entscheidung Donald Trumps und seiner Regierung zunehmen.

Denn die ersten hundert Tage jeder Regierung verlaufen in der Regel ruhig, aber hier ist offensichtlich von Anfang an keine Ruhe und kein Vertrauen zu beobachten. 

Außerordentlicher Gipfel in Paris | Vitaly Portnikov. 16.02.2025.

Der Präsident der Französischen Republik, Emmanuel Macron, beruft für Montag einen europäischen Krisengipfel ein, auf dem die Teilnehmer erörtern sollen, wie sie die Ukraine angesichts der Äußerungen des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, über ein mögliches Ende des russisch-ukrainischen Krieges unterstützen werden. Welche Position werden die europäischen Länder in Bezug auf die Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO einnehmen und welche Sicherheitsgarantien sollen der Ukraine gewährt werden, entweder im Hinblick auf ihre euroatlantische Integration oder für den Fall, dass dieser Weg der euroatlantischen Integration von den Vereinigten Staaten blockiert wird.

Unter den führenden Persönlichkeiten, die sich morgen im Élysée-Palast treffen sollen, werden der Bundeskanzler Deutschlands, Olaf Scholz, die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, der polnische Ministerpräsident Donald Tusk, der britische Ministerpräsident Keir Starmer und der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sein.

Man kann also sagen, dass dieser Gipfel über eine Begegnung von Staats- und Regierungschefs hinausgeht, da der NATO-Generalsekretär anwesend sein wird, und über die Grenzen der Europäischen Union hinausgeht, da Emmanuel Macron den britischen Premierminister, der übrigens nächste Woche in Washington mit Präsident Donald Trump zusammentreffen und ihm die Sichtweise der Teilnehmer dieses Gipfels darlegen wird, eigens zu diesem Treffen eingeladen hat.

Die Einberufung des Treffens allein ist ziemlich beispiellos und zeigt, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs sowohl von dem Ablauf des ersten Telefonats zwischen Donald Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin als auch von der Geschwindigkeit, mit der die Kontakte zwischen der Trump- und der Putin-Administration aufgenommen wurden, schockiert sind, wie auch darüber, dass beide Staats- und Regierungschefs bei diesen Kontakten sowohl die Interessen der Europäischen Union als auch die ukrainische Sichtweise auf die Entwicklung des Friedensprozesses an der russisch-ukrainischen Front ignorieren. Und dass Donald Trump offensichtlich glaubt, sich mit Putin auf die Parameter eines Abkommens einigen zu können, das absolut nicht mit Kyiv und den europäischen Hauptstädten abgestimmt werden muss. Natürlich sagt sein ständiger Vertreter für die Beilegung der russisch-ukrainischen Krise, General Kellogg, ganz andere Dinge und spricht von der Notwendigkeit, die ukrainischen Interessen zu berücksichtigen, und davon, dass die Vereinigten Staaten bereit sind, den europäischen Ansichten zuzuhören.

Es scheint jedoch, dass Trump selbst den Ratschlägen seines Sonderbeauftragten, der eher die Rolle eines Sprechers spielt, um sowohl die ukrainische Führung als auch die europäischen Staats- und Regierungschefs zu beruhigen, nicht sehr zuhört. Und nach der skandalösen Rede des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, J.D. Vance, auf der Münchner Konferenz wurden diese Funktion von Keith Kellogg und die allgemeine Stimmung in der neuen amerikanischen Regierung allen europäischen Staats- und Regierungschefs deutlich.

Es wurde auch deutlich, dass die neue Regierung die Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt ganz anders sieht als ihre Vorgänger, sogar anders als während der ersten Präsidentschaft von Donald Trump, die nicht mit einem so offensichtlichen Rechtsaußen-Angriff auf die Werte und Traditionen verbunden war, die die euroatlantische Solidarität nach dem Zweiten Weltkrieg kennzeichneten, und einen entschiedenen Bruch des Westens mit den rechtsextremen und nationalistischen Tendenzen bedeuteten, die im Europa der 1930er Jahre bekannt waren. Tendenzen, die den Kontinent in den verheerenden Zweiten Weltkrieg führten. 

Genau diese Angst und die Notwendigkeit, eine gemeinsame Strategie zu entwickeln, die nicht mehr ausschließlich auf die Hoffnung auf gesunden Menschenverstand in der Regierung des Präsidenten der Vereinigten Staaten ausgerichtet ist, wird auch der außerordentliche Gipfel der Staats- und Regierungschefs der europäischen Länder und des NATO-Generalsekretärs im Élysée-Palast zum Thema haben.

Und übrigens, genau nach diesem Gipfel werden wir verstehen, was Europa kann und welche Entscheidungen es treffen kann, wenn es nicht gemeinsam mit den Vereinigten Staaten handeln muss, sondern eher entgegen dem Wunsch von Donald Trump, besondere Beziehungen zu Wladimir Putin und anderen Führern autoritärer Regime der heutigen Welt aufzubauen.

Wenn die Vereinigten Staaten, wenn sie nicht komplett auf der anderen Seite der Barrikaden stehen, zumindest diejenigen mit fast unverhohlener Sympathie beobachten, die auf dieser anderen Seite stehen.

Sympathie, die übrigens einigen europäischen Politikern nicht fremd ist, die all die Jahre versucht haben, Beziehungen zu Wladimir Putin zu pflegen und gleichzeitig mit Donald Trump zu verhandeln. Ich meine damit den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, der kurz vor diesem außerordentlichen europäischen Gipfel den Prozess der europäischen Integration der Ukraine blockiert hat.

Und wieder muss man sich bewusst sein, dass Orbán ohne den Wahlsieg von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten und den Triumph rechtsextremer Tendenzen in der amerikanischen Gesellschaft kaum eine so bewusste Konfrontation mit der Europäischen Union gewagt hätte. Er ist sich bewusst, wer ihn unterstützt, wenn nicht auf der anderen Seite der Barrikaden, dann zumindest unter denen, die mit Sympathie die Führer auf dieser Seite beobachten. Und hier müssen sich die Europäer auch bewusst werden, wie sie mit Ländern umgehen sollen, die sich gleichzeitig in Agenten des Einflusses von Trump und Putin verwandeln und bereit sind, die Entwicklung der Europäischen Union und der NATO zu blockieren, so dass dies gleichzeitig den Interessen des amerikanischen Präsidenten und seines russischen Verhandlungspartners entspricht, denn wenn die Europäer keine wirksamen Instrumente für diejenigen in ihren eigenen Reihen finden, die bereit sind, gegen die euroatlantische und gegen die europäische Solidarität zu handeln,

könnte dies zu atemberaubenden Veränderungen im Schicksal der Europäischen Union selbst führen, zu einer Krise des europäischen Projekts selbst, dazu, dass die Europäer tatsächlich Geiseln von Absprachen zwischen Putin, Trump und Xi Jinping werden, und die europäischen Führer selbst und die demokratische Welt von rechtsextremen und autoritären Politikern des 21. Jahrhunderts nicht nach irgendetwas gefragt werden.

Daher ist der wirksame Widerstand gegen sowohl den Autoritarismus als auch die bedrückenden rechtsextremen Tendenzen, die heute die Vereinigten Staaten beherrschen, die Aufgabe Nummer eins für Europa. Wenn die europäischen Staats- und Regierungschefs diese Aufgabe nicht bewältigen können, kann man davon sprechen, dass in Kürze von Elon Musk, J.D. Vance und anderen rechtsextremen Politikern der Vereinigten Staaten unterstützte postfaschistische politische Kräfte an die Macht in den europäischen Staaten kommen und der Kontinent schnell in sein Schicksal vor hundert Jahren zurückfallen wird, als in den 1930er Jahren des 20. Jahrhunderts sein Schicksal von Adolf Hitler, Benito Mussolini und anderen rechtsextremen politischen Persönlichkeiten bestimmt wurde, die sich in einer ernsthaften Konfrontation mit den ultralinken Ländern und Bewegungen befanden,mit denen sie, wie wir wissen, irgendwann auch eine gemeinsame Sprache fanden.

Münchner Rede. Vitaly Portnikov. 16.02.2025.

https://zbruc.eu/node/120703?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR0q__VqD7AzDWDDlZqAAM1WjHm8Q4by99tHKjH6yxNTpG_jAIf6xYc17hg_aem_8qfRgkt7egtzd4sUq8qj6w

Am 10. Februar 2007 stand ein kleiner, glatzköpfiger Mann in einer riesigen, überdimensionierten Jacke auf dem Podium der Münchner Sicherheitskonferenz, schaute die Teilnehmer mit seinen kleinen, farblosen Augen an und wackelte mit seinen kleinen Beinen in seiner langen Hose. Die Teilnehmer bemerkten jedoch nicht die üblichen Mängel in seiner Erscheinung, denn sie blickten auf das Oberhaupt einer der größten Atommächte der heutigen Welt, den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Es wird heute allgemein gesagt, dass diese Rede eine Art Rubikon war, weil sich nach dieser Rede die Verwandlung Russlands in ein totalitäres Monster verstärkte, der Bruch mit dem Westen formalisiert wurde und die Methoden der Kontrolle über den postsowjetischen Raum schließlich von wirtschaftlichen und politischen zu gewaltsamen Methoden wechselten. Schaut man sich jedoch den Text dieser Rede an, so stellt man fest, dass Putin in erster Linie über die Demokratie sprach und darüber, wie sie im Westen deformiert wird und wie die wahren Werte durch eine Diktatur ersetzt werden. Als Putin gegen die unipolare Welt protestierte, ging es ihm um demokratische Werte.

„Was ist eine unipolare Welt? Ganz gleich, wie dieser Begriff beschönigt wird, in der Praxis bedeutet er letztlich nur eines: ein Machtzentrum, ein Kraftzentrum, ein Zentrum der Entscheidungsfindung. Es ist eine Welt mit einem Herrn, einem Souverän. Und das ist letztlich nicht nur für alle in diesem System katastrophal, sondern auch für den Souverän selbst, weil es ihn von innen heraus zerstört. Und das hat natürlich nichts mit Demokratie zu tun. Denn Demokratie ist, wie Sie wissen, die Macht der Mehrheit unter Berücksichtigung der Interessen und Meinungen der Minderheit. Übrigens, über Russland, man lehrt uns ständig Demokratie. Aber diejenigen, die uns das beibringen, wollen es aus irgendeinem Grund nicht wirklich lernen.“

Und so weiter – die ganze Rede hindurch! Als Putin die Frage beantwortete, wie totalitäre und autoritäre Regime zu bekämpfen seien, rief er ebenfalls zur Demokratie auf – und zwar ohne jegliche Anwendung von roher Gewalt. „Hat unser Land nicht einen friedlichen Übergang zur Demokratie gemacht? Immerhin gab es eine friedliche Umwandlung des Sowjetregimes – eine friedliche Umwandlung! Und was für ein Regime! Mit so vielen Waffen, einschließlich Atomwaffen! Warum ist es jetzt notwendig, bei jeder Gelegenheit zu bombardieren und zu schießen? Fehlt es uns wirklich an politischer Kultur, an Respekt für die Werte der Demokratie und des Rechts, wenn wir nicht mit gegenseitiger Zerstörung drohen?“

Und als er die Erweiterung der NATO, den Beitritt der mittel- und südeuropäischen Länder zum Bündnis erwähnte? „Die Steine und Betonblöcke der Berliner Mauer werden seit langem als Souvenirs verkauft. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass ihr Fall auch durch eine historische Entscheidung ermöglicht wurde, auch durch die Entscheidung unseres Volkes – des russischen Volkes – für Demokratie und Freiheit, Offenheit und aufrichtige Partnerschaft mit allen Mitgliedern der großen europäischen Familie.“

Heute wird diese Rede zur Verteidigung der Demokratie und einer unabhängigen Außenpolitik als der erste Schritt zur Hölle wahrgenommen – obwohl es scheint, dass es nicht der erste Schritt ist: Es gab bereits einen Krieg in Tschetschenien, die Journalistin Anna Politkowskaja wurde bereits ermordet, und Putin wurde nach seiner Rede auch dazu befragt. Und es gab bereits Druck auf die Ukraine. Der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko saß Putin auf jener Münchner Konferenz gegenüber, und der russische Staatschef erinnerte ausdrücklich daran, wie er mit seinem ukrainischen Amtskollegen eine Einigung in Energiefragen erzielen konnte, und forderte Juschtschenko auf, ihm für die Energiesicherheit Europas zu danken.

Ein Jahr nach dieser Rede griff Russland Georgien an, und sieben Jahre später die Ukraine. Und am 24. Februar 2022 wird der große russisch-ukrainische Krieg beginnen.

Drei Jahre nach Beginn dieses Krieges und 18 Jahre nach Putins Rede, am 14. Februar 2025, wird ein anderer Mann, der dem russischen Präsidenten überhaupt nicht ähnelt, auf der Münchner Konferenz das Podium betreten – ein großer, stämmiger Mann mit Bart, ein Liebling der amerikanischen extremen Rechten und sogar ihre Hoffnung, den Trumpismus ohne den schnell alternden Trump zu erhalten – der Vizepräsident der Vereinigten Staaten J.D. Vance.

Wie Putin im Jahr 2007 sprach er nicht über reale Bedrohungen. So erwähnte er den russisch-ukrainischen Krieg nur beiläufig und in zwei Sätzen, als er betonte, die neue Regierung hoffe auf eine „vernünftige Einigung“ zwischen Russland und der Ukraine (ohne das Wort Krieg), und als er beklagte, dass „alles, von unserer Politik gegenüber der Ukraine bis zur digitalen Zensur, jetzt als Verteidigung der Demokratie ausgegeben wird“.

Wie Putin im Jahr 2007 sprach auch der US-Vizepräsident von der Verteidigung der Demokratie – nicht in Russland, nicht in China, sondern in Europa und dem Westen insgesamt. „Wenn wir sehen, dass europäische Gerichte einige Wahlen annullieren und hochrangige Beamte damit drohen, andere zu annullieren, müssen wir uns fragen, ob wir uns an einen ausreichend hohen Standard halten. Und ich sage „wir“, weil ich grundsätzlich davon überzeugt bin, dass wir im selben Team sind. Wir müssen mehr tun, als nur über demokratische Werte zu reden. Wir müssen sie leben.“

Und so zog sich das Thema – das Leben im Rahmen demokratischer Werte – durch die lange Rede, in der natürlich auch Russland seinen Platz hatte. „Sie denken vielleicht, dass es falsch ist, wenn Russland Anzeigen in den sozialen Medien kauft, um Ihre Wahlen zu beeinflussen. Dem stimmen wir natürlich zu. Man kann es sogar international verurteilen. Aber wenn Ihre Demokratie durch digitale Werbung für ein paar hunderttausend Dollar aus einem anderen Land zerstört werden kann, dann war sie von Anfang an nicht sehr stark.“

Nun, ja, die Demokratie in Ländern, die jahrzehntelang unter sowjetischem Einfluss und kommunistischer Diktatur existierten (sie existierten so genau deshalb, weil Washington mit diesem Weltmodell einverstanden war, nicht weil die Menschen in diesen Ländern es gewählt haben), kann nicht sehr stark sein. Und ja, diese Demokratie kann für ein paar hunderttausend oder Millionen Dollar zerstört werden. Und ja, Russland hat die neueste Technologie eingesetzt, um sich nicht nur in europäische, sondern auch in amerikanische Wahlen einzumischen (auch wenn JD Vance das gerne vergessen würde). Aber Worte zur Verteidigung von Desinformation und Lügen, selbst wenn sie vom Vizepräsidenten des einflussreichsten Staates in der demokratischen Welt in der jüngsten Vergangenheit geäußert werden, machen Desinformation nicht zu Informationen und Lügen nicht zur Wahrheit.

Ich könnte noch viele weitere hervorragende Zitate aus den Reden von Putin und Vance anführen – sie wurden von Meistern ihres Fachs verfasst, die genau wissen, dass politische Ziele, die auf die Erlangung eines Monopols und die Verteidigung von Freizügigkeit abzielen, immer als Verteidigung der Demokratie gegen diejenigen formuliert werden müssen, die versuchen, sie zu zerstören, die die Stimme der „einfachen Bürger“ ignorieren oder die Souveränität anderer missachten wollen.

Aber, so wie wir es verstehen, geht es heute nicht um die Zitate. Heute geht es darum, ob wir in 10-15 Jahren die Rede von J.D. Vance als dasselbe historische Ereignis, als denselben Rubikon betrachten werden wie die Rede von Putin, oder ob die amerikanische Rede ein episodischer fieberhafter Ausbruch von Emotionen der jüngsten Gewinner bleiben wird und die Vereinigten Staaten und Europa es schaffen werden, bei der Verteidigung der Ideale der zivilisierten Welt und der Verteidigung der Demokratie zusammenzuhalten.

Eine wirklich verantwortungsvolle und ehrliche Demokratie. Nicht die „Demokratie“ von Präsident Putin. Und auch nicht die Demokratie von Vizepräsident Vance.

Der Haupttag in München | Vitaly Portnikov. 14.02.2025.

Dieses Treffen heute widmet sich vor allem den Ergebnissen der Münchner Konferenz. Ich würde sogar sagen, vor allem den Ergebnissen der Treffen, die auf der Münchner Konferenz mit Beteiligung des Präsidenten der Ukraine, der ukrainischen Delegation, des Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten und der amerikanischen Delegation stattfanden. Ich sage gleich, dass ich zu den Menschen gehöre, die grundsätzlich nicht glauben, dass auf internationalen Konferenzen wirklich etwas entschieden wird. Ich bin kein Anhänger von Verschwörungstheorien in der Politik, ich glaube, dass kein Politiker der Realität und den Prozessen, die in der Gesellschaft ablaufen, und den historischen Tendenzen, die diese gesellschaftlichen Prozesse auf irgendeine Weise zum jetzigen Zeitpunkt widerspiegeln, widerstehen kann. Aber gleichzeitig ist es völlig offensichtlich, dass Ereignisse wie die Münchner Konferenz ein Anlass für ein Treffen der Eliten sind, wie zum Beispiel das Weltwirtschaftsforum in Davos und andere ähnliche wichtige Veranstaltungen. Und die Münchner Sicherheitskonferenz war für uns vor allem deshalb interessant, weil dort die ersten offiziellen Kontakte zwischen hochrangigen Vertretern der Ukraine und hochrangigen Vertretern der Vereinigten Staaten von Amerika stattfanden.

Donald Trump selbst sah auf dieser Konferenz seine Vertreter als Menschen, die die Entwicklung des Prozesses friedlicher Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten, Russland und der Ukraine verfolgen würden. Wir wissen, dass diese Konferenz wenige Tage nachdem Präsident Trump der Russischen Föderation, Wladimir Putin, telefoniert hatte, stattfand. Wie erwartet, gelang es ihm nicht, den russischen Präsidenten von der Notwendigkeit eines Waffenstillstands an der russisch-ukrainischen Front zu überzeugen. Es gelang jedoch, die Einrichtung von Verhandlungsgruppen zu vereinbaren, die die Konsultationen fortsetzen werden, sozusagen, sie einigten sich darauf, sich zu einigen, wie man in solchen Fällen immer sagt. Und es ist offensichtlich, dass die Kontakte zwischen der Führung der Vereinigten Staaten und der Führung der Ukraine ein wichtiger Bestandteil dieses Prozesses sind, damit die Parteien zumindest die Positionen des anderen verstehen.

Man kann sagen, dass dieses Treffen respektvoll verlief. Und man kann sagen, dass Vizepräsident JD Vance, der die amerikanische Delegation bei diesem Treffen leitete, im Großen und Ganzen formell, weil Außenminister Marco Rubio, der ebenfalls an den Verhandlungen teilnahm, mehr Möglichkeiten und Befugnisse im Bereich der Außenpolitik hat als der Vizepräsident. Andererseits, warum sage ich das, die Trump-Administration ist so strukturiert, dass niemand versteht, wer mehr Befugnisse und Möglichkeiten hat. Die Vizepräsidentin sprach davon, dass Amerika einen dauerhaften Frieden zwischen Russland und der Ukraine anstrebt, ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges, wenn man all diese, ich würde sagen, traditionellen Komplimente von JD Vance und anderen amerikanischen Beamten an die Adresse von Donald Trump auslässt, die wir mit unserer sowjetischen Lebenserfahrung ganz ruhig überhören können, denn in den Vereinigten Staaten herrscht jetzt eine Atmosphäre wie in der Sowjetunion unter Leonid Iljitsch Breschnew, als man, wie Sie sich erinnern, jede öffentliche Rede, jede Dissertation und jeden Zeitungsartikel unbedingt mit einem Zitat des teuren Leonid Iljitsch schmücken musste, ohne über den Sinn dessen nachzudenken, was dort zitiert wurde oder über die Notwendigkeit der Anwesenheit von Leonid Iljitsch in diesem Dokument. Ja, in allen Schlussfolgerungen amerikanischer Beamter und in allen ihren Kommentaren zum russisch-ukrainischen Krieg ist die Figur Donald Trumps vorhanden, vor allem, weil Donald Trump diesen Personenkult mag, aber das hat keine wirkliche Bedeutung. Das Einzige, was immer noch unverständlich ist und unverständlich bleibt, ist, wie die Vereinigten Staaten diesen dauerhaften Frieden erreichen wollen. Abgesehen von Zusicherungen religiöser Art, dass Donald Trump ein Meister der Vereinbarungen wäre, die wir in den letzten Monaten sowohl vom amerikanischen Präsidenten selbst als auch von seinen Mitstreitern hören, haben wir bisher kein konkretes Ergebnis gesehen, das diese unglaublichen Fähigkeiten von Donald Trump demonstrieren würde, wie wir sie auch nicht gesehen haben, als es um Grundsatzfragen während der ersten Präsidentschaft Trumps ging. Denn einerseits verstehen wir, wie man mit den von den Vereinigten Staaten abhängigen arabischen Ländern über die Anerkennung Israels verhandelt, oft unter Bedingungen, ich würde sagen, unzulässiger diplomatischer Entscheidungen, wie der Anerkennung der Annexion der Westsahara durch Marokko. Aber eine ganz andere Geschichte war es mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un über die Einstellung seines Atomprogramms zu verhandeln. Hier erlitt Donald Trump, wie wir wissen, ein Fiasko. Und wir sind nicht an einem Fiasko von Donald Trump interessiert, denn wir brauchen wirklich, dass er den russisch-ukrainischen Krieg beendet, zumindest während seiner Zeit im Weißen Haus, und dass er einen dauerhaften Frieden erreicht.

Es gibt keine Rezepte für diesen dauerhaften Frieden. Aber was wir verstanden haben, ist, dass der Präsident der Ukraine sich nicht mit irgendwelchen russischen Vertretern treffen wird, außer mit Präsident Putin. Das bedeutet vor allem, dass er den Erlass, mit dem Zelensky die Kontakte zum Präsidenten der Russischen Föderation verboten hat, nicht für sich selbst als gültig betrachtet. Aber gleichzeitig bedeutet dies, dass Zelensky mit Putin selbst polemisiert, der, wie bekannt ist, nicht mit ihm sprechen will, weil er ihn für einen illegitimen Führer des ukrainischen Staates hält und betont hat, dass er für ein Gespräch mit Zelensky, der an den Verhandlungen teilnehmen kann, aber kein Recht hat, ein Dokument zu unterzeichnen, irgendwelche, wie er sich ausdrückte, Leute schicken wird. Und wie wir verstehen, werden bei einer solchen Haltung gegenüber der Situation keine Kontakte zwischen den Präsidenten Russlands und der Ukraine stattfinden, aber tatsächlich sind diese Kontakte, wenn es um einen Waffenstillstand oder andere Vereinbarungen geht, auch nicht sehr notwendig. Wann diese Kontakte zwischen Vertretern Russlands und der Ukraine stattfinden werden, wissen wir auch nicht, wir wissen nicht einmal, ob sie in nächster Zeit überhaupt stattfinden werden. Präsident Trump sagte aus mir bisher unverständlichen Gründen, dass die Kontakte zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten, Russlands und der Ukraine bereits auf der Münchner Konferenz stattfinden würden, und dies ist eine der erstaunlichsten Erklärungen des amerikanischen Präsidenten, weil er den Eindruck erweckte, nicht darüber informiert zu sein, dass auf der Münchner Konferenz keine Vertreter der Russischen Föderation anwesend sind. Die Führung der Russischen Föderation boykottiert die Münchner Konferenz seit 2022. Und die Teilnehmer der Münchner Konferenz sind nach dem großen Angriff Russlands auf die Ukraine absolut nicht an der Anwesenheit von Vertretern Russlands interessiert. Daher konnten Kontakte zwischen Russland, der Ukraine und den Vereinigten Staaten in München a priori nicht stattfinden, und die Erklärung von Donald Trump spricht für eine gewisse, ich würde sagen, Nichtbeteiligung des amerikanischen Präsidenten an den realen politischen Prozessen, die wir in den letzten Wochen seiner politischen Tätigkeit ebenfalls verfolgen konnten. Realistischer erscheinen die Kontakte der Delegation der Vereinigten Staaten, Russlands und der Ukraine in Saudi-Arabien, über die Donald Trump sprach. Aber auch solche Kontakte müssen vorbereitet werden. Wie das geschehen wird, wissen wir noch nicht, wann das geschehen wird, wissen wir noch nicht, denn im Großen und Ganzen müssen für das Zustandekommen solcher Kontakte die Verhandlungspositionen der Parteien geformt werden. Und wir müssen verstehen, wie sich diese Verhandlungspositionen auf die weitere Entwicklung des Verhandlungsprozesses auswirken werden und ob sie den Verhandlungsprozess ermöglichen können.

Die Position der Russischen Föderation, ich würde sagen, ihre Bedingungen für Verhandlungen, kennen wir. Das ist die Anerkennung der Kontrolle der Russischen Föderation über die Gebiete Donetsk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie über die Autonome Republik Krim durch die Ukraine. Das ist der Abzug ukrainischer Truppen aus den Gebieten Donetsk, Luhansk, Cherson und Saporischschja, die derzeit von der legitimen ukrainischen Regierung kontrolliert werden, was eine faktische Anerkennung der Tatsache durch die Ukraine bedeuten würde, dass diese Regionen endgültig Regionen sind, die von der Russischen Föderation kontrolliert werden. Das ist einmal. Die Demilitarisierung der Ukraine mit der Möglichkeit der Kontrolle durch die Russische Föderation über die ukrainische Armee, die Denazifizierung der Ukraine mit Änderungen in der ukrainischen Verfassung, bei denen die Gebiete Donetsk, Luhansk, Cherson, Saporischschja, die Autonome Republik Krim und Sewastopol aus der ukrainischen Verfassung gestrichen werden sollen, wobei der Artikel über die euroatlantische Integration der Ukraine gestrichen und durch einen Artikel über die dauerhafte Neutralität der Ukraine ersetzt werden soll. Es sollen auch Artikel aufgenommen werden, die die besonderen Rechte der russischen Sprache und der russisch-orthodoxen Kirche als staatstragende Kirche in der Ukraine garantieren. Das sind die ersten Forderungen des Kremls, von denen alle Friedensverhandlungen ausgehen müssen. Ich schließe nicht aus, dass die russische politische Führung verlangen wird, dass diese Entscheidungen bereits vor Beginn der Friedensverhandlungen getroffen werden. Ja, das sind absolut unrealistische Positionen, aber das sind die Positionen, von denen aus das Gespräch über die Beendigung des Krieges beginnen kann. Wir kennen die Position der Ukraine. Die Position der Ukraine besteht darin, dass die Ukraine die russische Kontrolle über die Gebiete Donetsk, Luhansk, Cherson, Saporischschja, die Autonome Republik Krim und Sewastopol nicht anerkennen wird.

Natürlich kann nicht die Rede davon sein, dass ukrainische Truppen aus den Städten und Dörfern der Ukraine abziehen, die sich auf dem Gebiet dieser Regionen befinden und sich derzeit unter der Kontrolle der legitimen ukrainischen Regierung befinden, denn sonst müsste man Truppen aus Saporischschja und Cherson, aus Kramatorsk und Slowjansk, aus anderen Städten und Dörfern der Ukraine abziehen, in die grausame Okkupanten einmarschieren werden, die sofort Repressalien gegen die dort verbliebene Bevölkerung verüben werden. Das muss man verstehen, das ist der humanitäre Aspekt. Das ist der nächste Punkt. Die Ukraine wird nicht mit der Zerstörung ihrer Armee einverstanden sein, wohl wissend, dass die feindlichen Russen in einigen Monaten zur blutigen Ernte zurückkehren werden, die in einer solchen Situation für sie erfolgreich sein wird. Die Ukraine wird Sicherheitsgarantien fordern. Wenn nicht die  von NATO, dann die Bewaffnung einer starken Armee, Präsident Zelensky spricht von 1,5 Millionen, die in der Lage sein wird, eine riesige Anzahl von Russen zu vernichten und Russland bei einem neuen Angriff auf die Ukraine vor der Gefahr eines realen demografischen Zusammenbruchs zu stellen. Das heißt, die Russen werden wissen, dass durch eine solche Armee Hunderttausende von Russen in den ersten Wochen eines neuen Krieges von der ukrainischen Armee vernichtet werden.

Russland hat in dieser Situation die Aussicht, sich in ein menschenleeres Gebiet zu verwandeln, was natürlich nicht im Interesse von Präsident Putin und seiner Führung ist, dem russischen Volk, wie wir wissen, ist es egal. Die Russen zählen ihre Opfer nicht, aber Putin braucht jemanden, der im militärisch-industriellen Komplex, in der Wirtschaft arbeitet, und riesige Opfer braucht er auch nicht, er bereitet sich auf große Kriege vor, er braucht Soldaten, zumindest für den Krieg in Europa und so weiter und so fort. So ist eine große ukrainische Armee ein Abschreckungsfaktor für den russischen Diktator und seine wahnsinnige Bevölkerung. Dies ist eine Situation, die für die Russische Föderation niemals akzeptabel sein wird. Natürlich will die Ukraine absolut nicht von ihrem Kurs auf die euroatlantische Integration abweichen und die russisch-orthodoxe Kirche nicht wieder auf das Podest des Einflusses zurückbringen, um die ukrainische Gesellschaft weiter ideologisch zu verderben.

Sie werden fragen, wo sind hier die Grundlagen für Verhandlungen? Sie gibt es nicht, sie gab es nie und wird es nie geben. Es sind keine realen Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine möglich, die einen dauerhaften Frieden sichern könnten, und man muss die Möglichkeit einer solchen Entwicklung der Ereignisse ausschließen. 

Aber es gibt noch eine dritte Position, über die wir sprechen müssen, die eigentlich alles entscheidet, nämlich die Position der Vereinigten Staaten von Amerika. Denn von der Position der Vereinigten Staaten hängt es ab, welche Ergebnisse die an den Verhandlungen beteiligten Parteien tatsächlich erzielen können. Denn die Vereinigten Staaten von Amerika als größte Macht der Welt und Atommacht, die noch mit der Russischen Föderation und der Volksrepublik China um Einfluss konkurrieren kann, können die Waagschalen auf die eine oder andere Seite kippen. Die geformten Positionen der Vereinigten Staaten von Amerika kennen wir nicht, das ist der Faktor, mit dem man rechnen muss. Vertreter der amerikanischen Regierung sagen aber absolut widersprüchliche Dinge, die wieder einmal die völlige Abwesenheit einer einheitlichen Linie zeigen. Präsident Trump spricht mit Präsident Putin in schmeichelndem Ton, ohne die aggressive Natur der Russischen Föderation zu erwähnen, spricht über die Geschichte des Zweiten Weltkriegs, so als ob er sie in der sowjetischen Schule gelernt hätte, ohne Präsident Putin irgendwelche Vorwürfe für diese blutigen, kriminellen Handlungen zu machen, die Russland in der Ukraine begangen hat, besteht darauf, Russland in die Gruppe der entwickelten demokratischen Volkswirtschaften der Welt zurückzuführen und ignoriert das kriminelle Wesen des Putin-Regimes. Auf die direkte Frage, ob Donald Trump die 4,5 Milliarden Dollar verwenden will, die auf dem Konto seiner Regierung verblieben sind, nachdem die Regierung von Joe Biden zurückgetreten war, der es schließlich geschafft hatte, dieses Geld, wie Sie sich erinnern, nach verzweifeltem Widerstand von Trump und Johnson vom Kongress zu erhalten. Erinnern Sie sich daran? Erinnern Sie sich, warum wir eine solche Situation an der Front haben? Wem genau verdanken wir persönlich alle Probleme an der Front? Donald Trump! Sechs Monate Verzögerung bei der Hilfe, die von den Republikanern auf direkten Befehl dieser Person organisiert wurde, das erscheint mir jetzt offensichtlich. Aber das ist so, das ist passiert. 4 Milliarden Dollar sind da. Donald Trump sagt nicht, dass er sie für den Kauf von Waffen seines eigenen militärisch-industriellen Komplexes verwenden wird, d.h. Donald Trump ist bereit, seine Unterstützer ohne Geld zu lassen, nur um der Ukraine in einer solchen Situation nicht zu helfen. Aber er sagt auch nichts. Gleichzeitig bestreiten sowohl Vance als auch Pete Hegseth, der Verteidigungsminister der Vereinigten Staaten, die Möglichkeit einer euroatlantischen Integration der Ukraine und legen so den Grundstein für einen neuen, noch größeren Krieg in Europa, der bereits Millionen von Opfern nicht nur in der Ukraine, sondern auch in den Ländern Mitteleuropas fordern könnte und Mittel- und Osteuropa für Jahrzehnte in eine unbewohnbare Wüste verwandeln könnte.

Nun, ich beschreibe die Situation genau im Style von Donald Trump, endlich habe ich es gelernt. Sie sprechen davon, dass sich sogar amerikanische Truppen in der Ukraine einmarschieren könnten. Sie sagen, dass strengere Sanktionen gegen das Putin-Regime verhängt werden könnten, dass all dies auf dem Tisch liegt. Das sagte JD Vance in einem Interview mit dem Wall Street Journal kurz vor dieser Münchner Konferenz. Gleichzeitig sagte Keith Kellogg, der Vertreter von Präsident Trump im russisch-ukrainischen Konflikt, der im Moment eine für niemanden verständliche Rolle spielt, denn er ist einerseits Vertreter, trifft sich mit Andrij Jermak, andererseits wird er von Donald Trump nicht als Person erwähnt, die an den Verhandlungen mit den Russen teilnehmen wird. Er sagt, dass eine besondere Vereinbarung unterzeichnet werden muss, die die Tatsache der Kontrolle der Russischen Föderation über die von ihr besetzten Gebiete anerkennt, aber die Ukraine muss dies nicht unbedingt anerkennen. Das heißt, lassen Sie uns die Realität anerkennen, die aus dem heutigen Treffen auf der Münchner Konferenz hervorgeht. In den Köpfen der Vertreter der amerikanischen Regierung herrscht absolutes Chaos, sie wissen nicht, was sie tun sollen. Das bedeutet nicht, dass sie niemals zugeben werden, dass ihr ursprünglicher Plan gescheitert ist.

Übrigens hatten wir 2019 auch einen solchen Plan, erinnern Sie sich? Der Plan bestand darin, sich mit Putin zu einigen, ihn zu zwingen oder ihn von der Notwendigkeit eines Waffenstillstands zu überzeugen. Und nachdem Putin das Feuer eingestellt hat, werden die Menschen zu sterben aufhören, was die Hauptidee Trumps war. Sie hören auf zu sterben, denn an der Kontaktlinie wird das Feuer eingestellt und es wird ein Friedenstruppenkontingent einrücken, das dafür sorgt, dass es kein Feuer mehr gibt.

Und in dieser Zeit werden die Amerikaner mit den Russen langweilige Verhandlungen führen, sie mit der Aufhebung der Sanktionen verführen, Putin wird nach Washington kommen, Trump wird nach Moskau kommen. Sie werden sich vorher in Saudi-Arabien treffen, und es wird kein Feuer mehr geben. Dieser Plan ist kläglich gescheitert, denn es ist ein sehr naiver Plan. Und die Russen sagten schon früher, das Team Trump dachte natürlich, dass der Onkel Putin scherzte, dass es keinen Waffenstillstand geben würde, bevor Vereinbarungen über einen dauerhaften Frieden erzielt würden, denn die Russen verstanden, dass Trump Putin in eine Falle locken wollte, und Putin wollte nicht in diese Falle gehen. Er versteht, dass die Fortsetzung des Krieges mit dem Töten von Menschen sein Trumpf gegenüber Trump ist.

Denn genau das will Trump aufhalten. Und damit Trump das aufhält, muss er Zugeständnisse machen, also das tun, was Putin will. Und nicht jahrelang sinnlose Verhandlungen mit Putin während seiner Präsidentschaft führen, um dann den Präsidentenpalast zu verlassen,ohne eine klare Entscheidung, und dann kommt der nächste Präsident und sagt: „Entschuldigen Sie, Herr Putin, wir nehmen die Ukraine in die NATO auf. Wir bewaffnen sie so, dass sie Moskau mit Raketen bombardieren und den Kreml in Schutt und Asche legen können. Wir brauchen diese aggressive Politik nicht, wir unterstützen den Kurs unseres Vorgängers nicht, der in Sie einfach unnatürlich verliebt war“. Und was braucht Putin? Er versteht doch, dass Trump nur vier Jahre hat. Was ist das für eine Zeit? Und jetzt hat Trump riesige Probleme. Er wird sich mit Wladimir Putin treffen, und Putin wird Kyiv, Odesa, Charkiw und Dnipro mit Iskanders bombardieren, Menschen werden sterben, Häuser werden brennen, und Trump wird Putin küssen. Damit beschmutzt er seine sauberen Hände mit Blut. Er wird am 9. Mai 2025 nach Moskau fahren, und Putin wird einen riesigen Beschuss der Ukraine veranstalten. Absichtlicher Beschuss. Erinnern Sie sich, wie er den Beschuss von Kyiv veranstaltete, und wie eine Rakete absichtlich in unser berühmtes Kinderkrankenhaus Ohmatdyt traf? Während des Aufenthalts des indischen Premierministers Narendra Modi in Moskau. Denn Putin wollte Narendra Modi mit Blut beschmutzen, was ihm gelang. Und er wird Trump beschmutzen, wenn er sich auf den Weg macht, um sich mit Putin zu treffen. Oder es wird eine noch größere Katastrophe geben. Sie sehen doch etwas. Der Treffer einer Drohne auf den Sarkophag des Tschernobyl-AKW am Tag der Münchner Konferenz ist kein Zufall. Das ist eine klare Kalkulation, um Trump, Vance, alle von ihnen mit einer möglichen Atomkatastrophe einzuschüchtern, wenn sie nicht beeilen. Sie müssen sich ergeben. 

Trump glaubt immer noch, dass Putin Frieden will, aber Putin will Trump zum Scheitern bringen. Er sieht, wie Trump vor dem Verhandlungswillen zittert. Und er glaubt, dass man ihn einfach in die richtige Richtung schubsen muss, ihn endgültig einschüchtern muss, damit Trump einfach den Bedingungen zustimmt, die ich dargelegt habe, die russischen Bedingungen. Das bedeutet nicht, dass der Krieg zu Ende ist. Das bedeutet, dass die reale Möglichkeit der Eroberung der Ukraine durch Russland in den nächsten Monaten nach solchen Vereinbarungen vorbereitet wird. Denn wie Sie verstehen, destabilisiert die Zustimmung zu solchen Vereinbarungen die Ukraine, die ukrainische Gesellschaft, sie zerstört die ukrainische Armee. Und es gibt Putins Plan zur Destabilisierung der Situation. Aber wieder stellt sich die Frage,wie interessant dieser Plan für die amerikanische Regierung ist. Wir sehen ja, dass er nicht sehr interessant ist. Wenn Vizepräsident Vance von einem dauerhaften Frieden spricht, sieht er diesen Frieden nicht unter Putins Bedingungen. Und wenn niemand um Trump herum Frieden unter Putins Bedingungen sieht, dann wird es für Trump sehr schwer sein zu sagen, dass die Kapitulation vor Putin sein großer Sieg ist.

In diesem Sinne, wie wir mit Ihnen wissen, bleibt diese Situation völliger Ungewissheit auch nach dem Treffen von Zelensky mit Vance und anderen bestehen. Aber Ungewissheit ist noch nicht das schlimmste Szenario. Das schlimmste Szenario wäre, wenn die Amerikaner den russischen Plan zum Kriegsende unterstützen würden. Das geschieht nicht.

Das Interessanteste beginnt, wenn die Regierung sich überzeugen wird, dass Putin sie einfach ausnutzen will, und zwar mehrmals. Wie wird sie sich in dieser Situation verhalten? Wird sie so tun, als ob sie trotzdem gewinnt und Putin alle fürchtet? Oder wird Trump einfach versuchen, die Ukraine zu vergessen, was ihm, Spoiler, nicht gelingen wird? Oder wird Trump im Gegenteil härtere Maßnahmen ergreifen, um Russland wirtschaftlich zu schwächen?

Oder ist Russland übrigens schon in einem solchen Zustand, dass es nicht lange kämpfen kann, und Putin wird das verstehen. Das sind alles Fragen, auf die wir bald eine Antwort bekommen. Glauben Sie mir, Sie müssen kein Jahr warten. In ein paar Monaten werden wir verstehen, in welche Richtung sich das alles entwickelt. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt. Und das, ich würde sagen, ist genau das, was passiert, dieses Treffen einer hochrangigen amerikanischen Delegation mit einer hochrangigen ukrainischen Delegation zeigt zumindest, dass es der neuen Regierung nicht gelingt die Ukraine zu ignorieren. Und wie Sie alle sehr gut wissen, würde sie das gerne tun. Zumindest gibt es dort einen erheblichen Teil der Menschen, die das gerne tun würden und gezwungen sind, ihre Rhetorik zu ändern. Erinnern Sie sich, wie anti-ukrainisch die Rhetorik von JD Vance war, bevor er Vizepräsident der Vereinigten Staaten wurde? Erinnern Sie sich an die beleidigenden Tweets von Donald Trump Jr., der der Liebling seines Vaters ist? Erinnern Sie sich an die beleidigenden Tweets des Milliardärs Elon Musk, der eine oligarchische Herrschaft in seinem Ministerium eingerichtet hat und jetzt versucht, so viel Geld wie möglich aus seiner besonderen Situation zu ziehen, wie wir jetzt wissen? In dieser Hinsicht ist die Tatsache, dass die Ukraine nicht ignoriert werden kann, bereits eine gute Nachricht.

Die Tatsache, dass die Europäer beginnen zu verstehen, dass die Unterstützung der Ukraine und eines gerechten Friedens ihr wichtiger Trumpf im Verhältnis zur neuen Regierung in den USA ist, ein Trumpf gegen Trumpf. Das ist auch eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht ist, dass das heutige Amerika unter Trump und Europa sich voneinander entfernen, wie zwei Eisberge im Ozean. Die heutige Rede von JD Vance auf der Konferenz in Münchenhat dies mit aller Deutlichkeit gezeigt, ebenso wie die Reaktion auf diese Rede.  Die Rede von Vizepräsident Vance war erstaunlich anti-europäisch. Ich würde sogar sagen, dass es die anti-europäischste Rede während der Münchner Konferenz war,wenn man von der Rede absieht, die Präsident Wladimir Putin der Russischen Föderation seinerzeit auf dieser Konferenz gehalten hat. Ich kann Ihnen sagen, dass Putins Rede den Beginn ernsthafter Veränderungen in der Außen- und Innenpolitik der Russischen Föderation, die endgültige Umwandlung Russlands in eine Tscheka-Diktatur, die endgültige Entscheidung von Wladimir Putin und der höchsten politischen Führung der Russischen Föderation über die Notwendigkeit des Bruchs mit dem Westen und die Rückkehr zur Idee der Wiederherstellung des russischen Staates in den Grenzen der Sowjetunion von 1991 einleitete. Wir sind jetzt mit Ihnen bei Akt eins dieses blutigen Dramas dabei, das zweifellos in den 20er und 30er Jahren des 21. Jahrhunderts fortgesetzt wird und immer mehr Gebiete und Menschen in den Strudel riesiger Raubkriege stürzt. Natürlich hat JD Vance eine andere Geschichte. Aber gleichzeitig ist es wichtig zu sagen, dass die Idee, weswegen er die Europäer kritisierte, schrecklich aussieht. Vance sprach nicht über die wichtigsten Herausforderungen unserer Zeit. Er sprach nicht über die Notwendigkeit des Kampfes der Demokratien gegen die Diktaturen, was in Wirklichkeit die größte Herausforderung für die Vereinigten Staaten ist und die sichere Existenz dieses Staates grundsätzlich bedroht und ihn in die Perspektive eines nuklearen Winters in naher Zukunft stürzt.

Aber der Vizepräsident der Vereinigten Staaten kritisierte die Europäer dafür, dass sie sich für die Kontrolle von Informationen in sozialen Medien einsetzen und sich so vor unkontrollierten, unverantwortlichen Informationen schützen wollen. Ich glaube, dass dies ein weiterer Versuch des Vizepräsidenten war, sich als loyaler Partner von Elon Musk zu präsentieren. Ich glaube im Allgemeinen, dass Vances Rede auf der Münchner Konferenz ausschließlich an Musk gerichtet war und absolut nicht an die Anwesenden, dass Vance sich selbst als zukünftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten aus einer mächtigen Koalition von Trumpisten und Ultrarechten sieht. Und er hofft, dass Musk ihm großzügig Geld für den Erhalt seines Einflusses geben wird, nachdem Donald Trump aus der Politik ausscheidet. Aber auf jeden Fall, selbst wenn man annimmt, dass Vance auf dieser Konferenz ausschließlich aus opportunistischen Gründen aufgetreten ist, sind seine Thesen sehr gefährlich. Als er die Europäer dafür kritisierte, dass sie in der angesehenen politischen Gesellschaft keine Ultrarechten und Ultralinken Politikern und politischen Kräften das Wort erteilen wollen, schien er zu vergessen, dass er auf einem Kontinent spricht, der Nazismus, Faschismus und Kommunismus erlebt hat, dass er in einer Stadt spricht, die ein Zentrum nationalsozialistischer Einstellungen, nationalsozialistischer Märsche, Putsche und Pogrome war, dass diese Stadt 1945 in Trümmern lag und sich nach einem verheerenden, aber nicht letzten solchen verheerenden Krieg auf dem europäischen Kontinent aus den Trümmern erhob. Zukünftige verheerende Kriege, die Europa wieder in eine Wüste verwandeln werden, könnten noch kommen, wenn die amerikanische Haltung so bleibt. Und sie werden noch blutiger sein, denn Atomwaffen werden ihr großes Wort im Untergang derer sprechen, die nicht nach oben schauen wollen. Zweifeln Sie nicht daran. Wenn eine Waffe auf der Bühne hängt und Sie nicht verstehen, wie man sie entfernt, und Sie ständig versuchen, etwas damit zu machen, wird sie Ihnen unbedingt ins Gesicht schießen. Das könnte man als Motto von JD Vances Rede auf dieser Konferenz bezeichnen. Ganz zu schweigen davon, dass ultrarechte und ultralinke Politiker nicht an angesehenen politischen Versammlungen teilnehmen, das ist auch bis zu einem gewissen Grad eine Lüge, denn diejenigen von ihnen, die die Möglichkeit haben, sich in demokratische Institutionen einzubringen, treten ruhig auf, diskutieren mit, man kann viele Namen bekannter ultrarechter und ultralinker Politiker nennen, die Regierungschefs ihrer Länder waren und überall präsent sind, wie Giorgia Meloni in Italien von den Ultrarechten oder Alexis Tsipras aus Griechenland von den Ultralinken. Aber ich verstehe, dass es für JD Vance, wie auch für Elon Musk, auf den er sich zu orientieren versucht, sehr wichtig ist, den Aufstieg der rechtsextremen Partei „Alternative für Deutschland“ zu unterstützen, die bis vor kurzem eine Partei war, die sogar aus allen rechtsextremen Fraktionen des Europäischen Parlaments ausgeschlossen wurde, die nach den neuen Wahlen zum Europäischen Parlament weder von Giorgia Meloni noch von Viktor Orbán, diesen beiden verfeindeten Politikern im rechtsextremen Lager, aufgenommen wurden. Und erst am 12. Februar lud Viktor Orbán, der jetzt versucht, Trump und Musk zu gefallen, die Kanzlerkandidatin der Alternative für Deutschland, Alice Weidel, nach Budapest ein, um vor allem seine Bereitschaft zu demonstrieren, mit dieser Partei zu sprechen und amerikanischen Machthabern zu gefallen. Und das zeigt auch im Großen und Ganzen, wie sehr die neue US-Regierung die historischen Lehren nicht berücksichtigt, die zur Zerstörung Europas geführt haben. Und das ist schlecht. Die Europäer reagierten natürlich auf Vances Rede, sie reagierten ziemlich hart. Eine hervorragende Antwort gab der deutsche Verteidigungsminister Boris Pistorius, der von dieser erstaunlichen Konzeption des amerikanischen Vizepräsidenten keinen Stein auf dem anderen ließ. Aber welche Bedeutung hat die Polemik in einer Situation, in der wir die tatsächliche Zerstörung der Werte sehen, auf denen die euroatlantische Solidarität in der Nachkriegszeit aufgebaut wurde. Vor unseren Augen stirbt, verwandelt sich in Nichts die Wertewelt, die die Menschheit vor der Zerstörung schützen sollte, also die Menschheit wirdSchlussfolgerungen ziehen müssen, oder verschwinden. 

Frage. Wie meinen Sie, wie lange müsste die Ukraine bei Beibehaltung der bisherigen Linie Bidens, der Isolation Russlands, der Sanktionen, der Waffenlieferungen an uns usw. kämpfen, bis Russland erschöpft ist?

Portnikov. Erstens verstehe ich nicht, warum Sie in Vergangenheit sprechen. Diese Linie wird beibehalten und kann in den nächsten Jahren beibehalten werden. Wer hat Ihnen gesagt, dass etwas anderes passieren wird? Bidens Linie könnte sich, wie so oft, als der einzige mögliche reale Kurs in diesem Krieg erweisen. Wer hat Ihnen gesagt, dass Putin überhaupt Frieden schließen will? Vielleicht denkt der russische Führer nicht einmal daran. Bisher gibt es kein Anzeichen dafür, dass wir Putins Verhandlungswillen sehen können. Ich sage Ihnen noch einmal, Putin hat den Wunsch, Verhandlungen mit gleichzeitiger Durchführung von Kampfhandlungen zu führen, um Trump in eine diplomatische Falle zu locken. Trump muss Putin an den Verhandlungstisch zwingen, wo er hofft, sich mit ihm zu einigen. Das alles haben wir bereits 2019 gesehen, nur in der Ausführung eines anderen Akteurs, ich würde sagen, eines meisterhafteren Akteurs aus der Sicht des Fernsehens, als Donald Trump, des Präsidenten der Ukraine Zelensky. Woher nehmen Sie, dass etwas anderes als Bidens Linie möglich ist? Nun, es kann keine Isolation Russlands geben, aber die Sanktionen werden verschärft, und die Waffenlieferungen an die Ukraine werden fortgesetzt. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie viele Jahre der russisch-ukrainische Krieg noch dauern wird. Ich spreche immer von den 20er und 30er Jahren des 21. Jahrhunderts als reale Perspektive. Aber alles hängt vom wirtschaftlichen Potenzial Russlands ab. Das nimmt übrigens vor unseren Augen ab. Es gibt Probleme mit der Ölversorgung, es gibt Probleme mit der Ölraffination, es gibt Probleme mit dem staatlichen Reservefonds, dem letzten Reservefonds der Russischen Föderation. Vielleicht wird das wirtschaftliche Potenzial Russlands im Jahr 2026 oder 2027 erschöpft sein. Vielleicht versteht Putin das und wird jetzt separate Vereinbarungen mit Trump treffen, um Möglichkeiten zur Umstrukturierung seiner Armee zu finden, um den Krieg zum Beispiel im Jahr 2025 ohne jegliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine zu beenden, um später mit neuer Kraft zuzuschlagen. Alles ist möglich. Aber Bidens Linie ist die einzige mögliche in dieser Situation. Wenn die Verbündeten uns nicht in der NATO sehen wollen, wenn es keine realen Sicherheitsgarantien gibt, Spoiler, es wird sie auch nicht geben. Die einzige Möglichkeit für die Ukraine zu überleben, ist die Erschöpfung Russlands. Niemand wird sich etwas anderes ausdenken. Es gibt keine Wunder, so wird es sein. Stellen Sie sich also nicht auf ein schnelles Kriegsende ein, am Horizont zeichnen sich eher lange dunkle Jahre seiner Fortsetzung ab. Aber wenn Putin jetzt nicht genug Geld hat, um ihn noch ein paar Jahre weiterzuführen, könnte er die Situation jetzt nutzen, es wird jetzt einen Waffenstillstand unter bestimmten Bedingungen geben, die für die Ukraine demütigend sind, wenn wir dem zustimmen. Dann werden Sie selbst Schlussfolgerungen ziehen.

Frage. Wann kann gegen Trump ein Impeachmentverfahren eingeleitet werden? 

Portnikov. Es gibt keine Grundlage dafür, Trump ein Impeachmentverfahren einzuleiten, wenn die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus des Kongresses haben. Die Republikaner bestätigen sogar Trumps umstrittene Kandidaten für Ämter in der Regierung. In dieser Hinsicht kann man das also schon vergessen. Übrigens, ich möchte sagen, dass der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, Vance, bereits die Aussage in seinem Interview mit dem Wall Street Journal widerlegt hat, in der es heißt, dass die Option, Truppen zu entsenden,weiterhin auf der Tagesordnung steht. Aus Fragmenten der Transkription seines Interviews geht deutlich hervor, dass er dies eindeutig nicht widerlegt. Aber jetzt sagt er, dass die Zeitung seine Worte irgendwie verzerrt hat. „Wie wir immer gesagt haben, dürfen amerikanische Truppen niemals in Gefahr geraten, wenn dies nicht den amerikanischen Interessen und der Sicherheit dient. Dieser Krieg findet zwischen Russland und der Ukraine statt. Und das Wall Street Journal hat sich viele Jahre lang dafür eingesetzt, dass so vieleamerikanische Kinder wie möglich in Militäruniformen gesteckt und ohne Notwendigkeit ins Ausland geschickt werden.“ Das heißt, der Journalist ist der Schuldige. Das Wall Street Journal ist schuld, obwohl auf der Transkription des Interviews mit Vance eindeutig deutlich wird, dass er das gesagt hat. Das nur zum Verständnis des Chaos, das passiert. Jemand hat Vance nach diesem Interview den Kopf gewaschen. Und ich weiß sogar wer, und das ist nicht Donald Trump. 

Frage. Glauben Sie, dass die große Anzahl öffentlicher Interviews von Präsident Zelensky in letzter Zeit die richtige Methode ist, um die Botschaften an die amerikanischen Politiker zu vermitteln? 

Portnikov. Ich glaube überhaupt nicht, dass amerikanische Politiker die Interviews von Präsident Zelensky lesen. Aber ich denke, dass die amerikanische Öffentlichkeit über die Position der Ukraine in diesem Krieg informiert werden muss. Warum sollte der Präsident das nicht tun? Ich glaube, das könnten viele tun. Dass unsere gesamte Informationspolitik seit drei Jahren um eine Person herum konzentriert ist, ist natürlich bis zu einem gewissen Grad eine Informations-Katastrophe. Aber gut, dass zumindest das passiert. Ich sehe keine Notwendigkeit zu glauben, dass Präsident Zelensky seine Meinung nicht der Öffentlichkeit der demokratischen Länder mitteilen sollte, wo der Wähler letztendlich alles entscheidet und nicht die Menschen, die Ämter bekleiden. Sie entscheiden natürlich auch vieles, aber es sind Wahldemokratien, in denen die Menschen auf die öffentliche Meinung hören müssen, auf die Position ihrer potenziellen Wähler.

Ich wusste nicht, dass er sich ständig für das interessiert, was auf meiner Tasse abgebildet ist. Es sind Schmetterlinge, die man hier nicht sieht. Schmetterlinge. Wunderschöne Schmetterlinge, die in die Luft aufsteigen. Und ich wünsche Ihnen auch heute, am 14. Februar, so viele Schmetterlinge wie möglich zu spüren, zumindest innerlich.

Frage. Kann man das heutige Treffen in München für die Ukraine als sinnlos betrachten, ohne wirksame Vorschläge zur weiteren Sicherheit der Ukraine und zum tatsächlichen Druck auf Putin? 

Portnikov. Man kann es. Aber die Tatsache eines solchen Treffens ist positiv, denn wenn es keine solchen Kontakte gäbe, würde die Situation nur so gelöst, dass Trump nur mit den Russen über das Schicksal der Ukraine und darüber nachdenken will, wie der Krieg beendet werden kann, was eine Legitimierung des Aggressors darstellt.

Frage.Sehen Sie bei Zelensky und seinem Team genügend Ressourcen, Erfahrung und Weisheit, um erfolgreich für das Land aus diesem gegenwärtigen stürmischen Ozean herauszukommen? 

Portnikov. Ich habe nie gesagt, dass ich das sehe. Ich habe seit 2019 immer vor den Folgen dessen gewarnt, was das Ergebnis der Wahlentscheidung der Ukrainer sein wird. Und das ist noch nicht das Ende der Geschichte. Das ist erst der Anfang, alles fängt gerade erst an. Und nach 2022, all diese drei Jahre spreche ich über die Notwendigkeit, eine Regierung der nationalen Sicherheit, eine Regierung der nationalen Rettung zu bilden, über die Rückkehr zu einer effektiven, professionellen Politik. Wenn ich das sage, warum sollte ich das sagen, wenn ich den Potenzial und die Möglichkeiten sähe?

Frage. Wie will Trump Amerika wieder großartig machen, indem er das Vertrauen der Verbündeten verliert und Konflikte mit Ländern des globalen Südens schafft? Wird dies nicht zu einer Verringerung des internationalen Einflusses führen?

Portnikov. Bisher zeigt dieser Monat der Präsidentschaft von Donald Trump deutlich, dass er im Interesse der Volksrepublik China arbeitet. Das ist es. Und das ist eine sehr offensichtliche Sache, über die man auch sprechen muss, wenn wir darüber nachdenken, wie sich die geopolitische Lage in der Zukunft entwickeln wird. Das Verhalten von Donald Trump gegenüber Verbündeten und Nicht-Verbündeten stärkt offensichtlich die Position Chinas. Die Folgen davon können völlig unvorhersehbar und schockierend sein.

Frage. Reicht die europäische militärische Unterstützung allein zur Verteidigung der Ukraine ohne die Vereinigten Staaten aus? 

Portnikov. Es ist unmöglich, die militärische Hilfe für die Ukraine so zu gewährleisten. Aber es gibt andere Möglichkeiten, dass die Europäer das alles erkennen und verstehen werden. Und sie werden mehr Geld ausgeben, nicht nur für die Unterstützung der ukrainischen Wirtschaft, sondern auch für den Kauf von Waffen amerikanischer Rüstungsunternehmen. Verstehen Sie, Amerika produziert Waffen, produziert viel. Europa produziert nicht so viele Waffen. Aber diese Waffen können mit Geld gekauft werden. Wenn der amerikanische Staatshaushalt auf die Unterstützung von Putin und Xi Jinping ausgerichtet ist und nicht auf die Unterstützung von uns, bedeutet das nicht, dass man für das Geld, das ist Marktwirtschaft, nicht die Waffe bei amerikanischen Rüstungsunternehmen kaufen kann. Da haben Sie die Antwort auf die Frage. 

Frage. Wie kann sich die Situation ändern? Wie wird sich Ihrer Meinung nach die politische Lage in Europa im Lichte der jüngsten Ereignisse ändern?

Portnikov. Wissen Sie, die politische Lage in Europa hängt nicht von der Rhetorik von J.D. Vance und nicht von den Sprüngen von Elon Musk ab, sondern davon, wie der Krieg in der Ukraine enden wird. Wenn es gelingt, die Unabhängigkeit und Souveränität der Ukraine zu erhalten, wenn Russland seinen Plan nicht verwirklichen kann, wird dies gleichzeitig eine vernichtende Niederlage der russischen Klientel in Europa bedeuten. Und das ist die gleiche Klientel wie bei Trump. Verstehen Sie, dass diese rechtsextremen Kräfte in der Regel gleichzeitig auf Trump und auf Putin ausgerichtet sind. Vor kurzem gab es eine Art pro-Trump-Party in Madrid. Aber da war Orbán, der zu Putin fährt. Da war Marine Le Pen, die vor kurzem noch Geld von Putin bekommen hat. Da war Salvini, der vor kurzem Geld von Putin bekommen hat. Da war Babiš, der bis zu einem gewissen Punkt versucht hat, gute Beziehungen zu Putin zu pflegen. Und sie alle sagen, dass sie Trumpisten sind. Aber bis 2022 waren sie alle Putinisten. Wenn Putin also verliert, gewinnt das demokratisch-liberale Europa. Wenn Putin gewinnt, werden die Möglichkeiten rechtsextremer und rechtsextremer prorussischer Kräfte, die von Musk und Putin mit Geld aufgeblasen werden, zunehmen, Europa wird braun werden. Und wenn Trump und Putin endgültig die Krüge zerschlagen und ein Krieg zwischen ihnen beginnt, ist nicht bekannt, wo Europa sein wird, und auf wessen Seite es stehen wird.

Frage. Ist es möglich, gibt es solche Ideen, eine Organisation zusammen mit den Ländern Europas zu schaffen, einen Analog zur NATO, wenn man nicht mehr auf die USA hoffen kann? Wird uns das im Kampf gegen Russland helfen?

Portnikov. Politische Ereignisse können sich sehr unterschiedlich entwickeln. Wir müssen jedoch bedenken, dass es auf der Welt nur zwei große Atomgroßmächte gibt: die Vereinigten Staaten von Amerika und die Russische Föderation. Diese beiden Länder können die Menschheit einfach zum Spaß vernichten. Wie kann man einem Land ohne das andere entgegenwirken? Diese Formel hat noch niemand geschaffen. Oder man muss darüber nachdenken, dass Europa mit der Entwicklung seines eigenen Atomwaffenpotenzials beginnen muss, das Amerika und Russland nicht nachsteht. Das ist vielleicht auch ein Ausweg aus der Situation, vielleicht in der Zukunft. Wer weiß? Trump spricht jetzt davon, dass er mit Putin und Xi Jinping über Abrüstung verhandeln will. Wenn diese Abrüstung jedoch auf Kosten der Demokratie, auf Kosten Europas geschieht, dann könnte es sein, dass, wenn die einen abrüsten, die anderen aufrüsten. Und das hängt wiederum vom Ende des russisch-ukrainischen Krieges ab. Wenn die Ukraine, die gezwungen wurde, ihre Atomwaffen im Austausch für nicht existierende Sicherheitsgarantien aufzugeben, ihre Souveränität und Unabhängigkeit verliert, wird dies dazu führen, dass jeder Staat sein eigenes Atomwaffenpotenzial haben will. Und Großmächte wie China und Indien werden es erhöhen, damit ihr Atomwaffenpotenzial dem von Russland und den Vereinigten Staaten nahekommt, und dann wird es *peng* machen.

Frage. Wer von den amerikanischen Politikern prägt Ihrer Meinung nach am meisten den politischen Weltanschauung Trumps?

Portnikov. Früher war es Steve Bannon, jetzt Elon Musk, aber ich glaube, die wichtigste Person, die die politische Weltanschauung von Donald Trump prägt, ist Donald Trump selbst.

Frage. Warum hat Zelensky keinen Vertrag mit den Amerikanern über Landressourcen unterzeichnet? Dann hätte Amerika ein Interesse an der Ukraine und würde seine Interessen schützen.

Portnikov. Ehrlich gesagt habe ich die Nachricht nicht gesehen, dass er diesen Vertrag nicht unterzeichnet hat. Dieser Vertrag kann noch unterzeichnet werden, da er der ukrainischen Seite zur Kenntnisnahme vorgelegt wurde. Das Problem ist, dass dieser Vertrag, wie Sie verstehen, eigentlich nur als eine Art Nebelkerze Sinn macht, wenn Trump der Ukraine militärisch helfen will, um zu zeigen, dass er es nicht wie Biden tut. Denn das muss man wirklich klar verstehen. Die Ukraine bleibt weiter hinterher unter den Ländern, die große wettbewerbsfähige Vorkommen von seltenen Erden haben. Der Hauptteil der seltenen Erden der Welt konzentriert sich in den BRICS-Staaten, vor allem in China. Etwa die Hälfte der weltweiten Reserven an seltenen Erden konzentriert sich in diesem Land. Es gibt andere Länder, denen die Vereinigten Staaten jetzt ihre volle Aufmerksamkeit schenken. Und wir fragen uns manchmal: Ist es vielleicht eine Frage der Sicherheit, ist es vielleicht eine Frage der Wirtschaft, aber diese Länder verfügen über riesige Vorkommen an seltenen Erden. Nicht im Vergleich zu den BRICS-Staaten, aber außerhalb dieser Zone, in der demokratischen Welt. Das sind, was für ein Wunder, Kanada und Grönland. In der Ukraine gibt es auch solche Reserven, aber man kann sie nicht als groß bezeichnen. Es gibt Reserven an Metallen, die die Vereinigten Staaten brauchen, aber das ist eine ganz andere Situation, in der wir über das Interesse Amerikas sprechen müssen. Wenn Trump wirklich seine Waffenlieferungen an die Ukraine rechtfertigen will, wird er eine solche Möglichkeit finden.

Frage. Wäre es für die Ukrainer sicherer, in einem rechtsextremen Europa oder in einem rechtsextremen Amerika zu leben?

Portnikov. Erstens können wir nicht in Amerika leben, wir sind ein europäisches Land. Ich habe nicht ganz verstanden, worüber ich gesprochen habe. Aber wenn Sie interessiert sind, wird es mit keinem rechtsextremen System der Welt eine Ukraine geben. Denn ein rechtsextremes System der Welt setzt ein Einvernehmen mit der Russischen Föderation und eine Übereinstimmung mit den politischen Zielen voraus, die sich die politische Führung Russlands setzt. In einer braunen Welt wird es keine Ukraine geben, verstehen Sie, so wie es sie in einer rot-braunen Welt nicht gab. Die Ukraine kann nur in einer demokratischen Welt existieren, die die Unabhängigkeit und Souveränität respektiert. In jeder anderen Welt ist die Ukraine ein Teil Russlands. Und das muss man klar verstehen. Und wo wäre es für die Ukrainer sicherer? Die Ukrainer, wenn es keine Ukraine gibt, werden größtenteils assimiliert und vergessen, dass sie Ukrainer sind, schon in der zweiten oder dritten Generation. In einer solchen Situation, in der es keine Staatlichkeit gibt, wird sie scheitern. Keine Illusionen bitte.

Frage. Wie sehen Sie die Idee eines militärischen Bündnisses des Zwischenmeeres, eines militärischen Bündnisses der Ukraine, Polens, der baltischen Staaten und Schwedens? 

Portnikov. Ich glaube, dass diese Idee nicht außerhalb des Rahmens der NATO verwirklicht werden kann, wenn alle diese Länder außer der Ukraine Mitglieder der NATO sind und gegenseitige Verpflichtungen untereinander haben, die sie gegenüber der Ukraine nicht haben. Aber andererseits entwickelt sich die Welt ziemlich schnell, wir sehen, wie sich verschiedene Bündnisse verändern. Und das alles wird natürlich auch sehr stark davon abhängen, wie der Krieg in der Ukraine endet, wie Sie verstehen. All diese lokalen Bündnisse werden sich auf die Ergebnisse dieses Krieges stützen. Ich sage die ganze Zeit, dass wir die Wichtigkeit und die Ergebnisse des russisch-ukrainischen Konflikts unterschätzen. Wie Europa aussehen wird, wie die Welt aussehen wird, das ist kein lokaler Konflikt. JD. Vance, der sagt: Das ist ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine, er versteht das einfach nicht, weil er ein provinzieller Mensch ist, der nur durch Opportunismus in die Politik gekommen ist. Putin versteht das sehr gut. Putin muss die Ukraine brechen und zerstören, nicht nur der Ukraine selbst wegen. Ich sage die ganze Zeit: Putin muss Europa einschüchtern und Russland in einen Hegemon Europas verwandeln. Wenn die Russen in Uzhhorod stehen, halten sie Europa am Hals.Das ist es.

Frage.Mit welchem Gedanken wachen Sie morgens auf?

Portnikov. Ich wache mit dem Gedanken auf, wie interessant, wichtig und ereignisreich der heutige Tag sein wird. Und was ich tun muss, um diesen Tag zu verstehen und sich an diesem Tag und am nächsten Tag zu entwickeln. Denn ich glaube, dass das wirkliche Leben eines jeden Menschen seine tägliche Entwicklung ist. Dass jeder Sonnenstrahl uns diese Möglichkeit bietet. Ich möchte nicht, dass Sie denken, dass die Kriegszeit nur eine Zeit des Überlebens ist. Ich sage immer, dass das Überleben im Krieg eine riesige Aufgabe für den Soldaten ist, für den, der im Hinterland ist. Und eine schwierige Aufgabe. Aber auch das Überleben hängt von Ihrer menschlichen Entwicklung ab. Davon, wie Sie sich jeden Tag entwickeln werden, wird abhängen, wie Sie den Krieg erleben, wie Sie irgendwann den Frieden begrüßen und wie Sie im Frieden leben werden. Wenn Sie mit dem Gedanken aufwachen, wie intensiv und wichtig ich den heutigen Tag leben werde, so denke ich mein ganzes Leben lang. Dann haben Sie viel mehr Möglichkeiten, diese schwierige Zeit zu überstehen, in die wir aufgrund der aggressiven und unmenschlichen Handlungen unseres Nachbarn geraten sind. Und das ist, glaube ich, klar, wenn wir darüber sprechen, was in den nächsten Monaten und Jahren mit uns geschehen wird. Die Fähigkeit, sich zu entwickeln, ist ein Werkzeug zum Überleben und Leben.

Danke, dass Sie in dieser Sendung waren. Ich freue mich sehr, wenn Sie diesen Kanal abonnieren, wer ihn noch nicht abonniert hat, das wäre ein sehr angenehmes Zeichen der Unterstützung der unabhängigen ukrainischen Journalistik in einer Zeit, in der, wie wir sehen, nicht nur von Moskau, sondern auch von Kyiv aus alles getan wird, um die Journalistik in eine Armee gehorsamer Soldaten zu verwandeln. Sie verstehen doch, dass all diese Sanktionen, die gegen Petro Poroshenko, gegen Konstantin Zhivago verhängt werden, der Versuch, das mit den Oligarchen in einem Paket zu vermischen, alles Versuche sind, die unabhängige Journalistik zu zerstören. Von Ihnen hängt es ab, wie weit sie überhaupt gehen wird, von Ihnen hängt es ab, ob Sie nicht eines schönen Tages in einem Land, wie Lukaschenkos Belarus. Das ist absolut realistisch.

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Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend, eine ruhige Nacht und bis zum nächsten Mal. Sieg und Frieden für Sie. Viel Glück.

Zelensky in München: Ergebnisse | Vitaly Portnikov. 15.02.2025.

Volodymyr Zelensky sprach heute auf der Münchner Sicherheitskonferenz, nachdem er gestern ein Treffen mit einer amerikanischen Delegation unter der Leitung von Vizepräsident JD Vance hatte.

Diese Rede zeigte, dass bei den ersten hochrangigen ukrainisch-amerikanischen Gesprächen nach dem Wahlsieg von Donald Trump in den Vereinigten Staaten nichts Konkretes erzielt werden konnte.

Zelensky sagte den Teilnehmern der Plenarsitzung, dass die Ukraine niemals Abkommen akzeptieren werde, die hinter ihrem Rücken geschlossen wurden. Und er betonte, dass die Ukraine einer Ablehnung der NATO-Mitgliedschaft nicht zustimmen werde. Der ukrainische Präsident nannte sarkastisch den russischen Staatschef Wladimir Putin einflussreichstes Mitglied  der NATO.

Im Großen und Ganzen sind diese Worte Zelenskys eine Antwort an den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, der es sich mehrfach erlaubt hat, sich zu einer Ablehnung der ukrainischen euroatlantischen Integration zu äußern und sagte, dass ihn eine solche Ablehnung zufriedenstelle. Trump betonte wiederholt, dass er die Besorgnis Russlands über die NATO-Mitgliedschaft der Ukraine verstehe und vertauschte damit Ursache und Anlass für den Beginn des großen russisch-ukrainischen Krieges.

Und dieses offensichtliche Unverständnis der Situation seitens des amerikanischen Präsidenten und seiner glühendsten Anhänger wird der Präsident Russlands, Wladimir Putin, sicherlich ausnutzen. Zelensky scheint also nicht einmal gescherzt zu haben, als er betonte, dass Putin das einflussreichste Mitglied der NATO sei.

Wenn der russische Präsident dem amerikanischen Präsidenten diktiert, wann und wohin er anrufen soll und mit welchen Vorschlägen zur Erweiterung des Bündnisses, in dem die Vereinigten Staaten die Hauptrolle spielen, er sich auseinandersetzen soll, dann ist der heutige Führer der zivilisierten Welt offensichtlich jeder, nur nicht Donald Trump.

Zelenskys Ideen zur Schaffung einer europäischen Armee, die derzeit in den Schlagzeilen der Weltnachrichten stehen, könnten gestern noch utopisch erscheinen. Doch jetzt, da die europäischen Führer von der undemokratischen und aggressiven Politik und der Rede von Trumps Vizepräsident JD Vance überzeugt sind, einer Rede, die Donald Trump freudig begrüßt hat, mi der der Vizepräsident sein Ziel erreicht hat, Trump und seinem Hauptliebling Elon Musk zu gefallen, der heute viel mehr wie ein Vizepräsident der Vereinigten Staaten von Amerika aussieht als JD Vance. Nach dieser Rede haben die Europäer tatsächlich ernsthaft über ihre Sicherheit ohne die Trumps-Vereinigten Staaten von Amerika nachgedacht. Und natürlich über die Unterstützung der Ukraine ohne die Trumps-Vereinigten Staaten von Amerika.

Es wurde deutlich, dass Amerika während der Amtszeit von Donald Trump kaum in der Lage sein wird, die Rolle des Führers der freien Welt zu spielen. Daher müssen die europäischen Länder diese Amtszeit und den gesamten schädlichen Trumpismus zumindest überstehen, um zur euroatlantischen Solidarität unter dem nächsten Präsidenten der Vereinigten Staaten, oder unter dem Präsidenten, der mit der Abwertung der Trump-Werte in den Köpfen der Amerikaner und in der amerikanischen Innen- und Außenpolitik beginnt, zurückzukehren.

Doch bis dahin liegen noch Jahre des Kampfes zwischen Demokratien und Diktaturen vor uns, und niemand weiß heute, ob der bis vor kurzem angesehenster demokratischer Staat der modernen Welt, die Vereinigten Staaten von Amerika, die in eine völlig andere Richtung der Geschichte abdriften, auf der Seite der Demokratie steht wird.

Daher versuchten auf der heutigen Plenarsitzung der Münchner Sicherheitskonferenz praktisch alle europäischen Führer, auf die aggressive Rede des amerikanischen Vizepräsidenten zu antworten. Und man kann jetzt von einem gewissen Grad an europäischer Solidarität sprechen, selbst von Politikern aus Parteien, die die Hauptkonkurrenten bei den Bundestagswahlen in Deutschland sein werden. Bundeskanzler Olaf Scholz, der Chef der Sozialdemokraten, und Friedrich Merz, der fast schon sichere Sieger dieser Wahlen und fast schon sichere zukünftige Bundeskanzler Deutschlands, verurteilten die Rede von JD Vance und betonten, dass der amerikanische Vizepräsident Europa keine demokratischen Normen diktieren dürfe. Denn derzeit wird viel darüber gesprochen, dass Donald Trump dem Vorschlag Putins zum Abzug amerikanischer Truppen aus den Ländern Mitteleuropas zustimmen könnte. Über diese Möglichkeit sprechen unter anderem Vertreter der derzeitigen amerikanischen Regierung. Und dann würde zumindest dieser Teil des Kontinents, der einst vom stalinistischen Sowjetreich besetzt war, allein mit den möglichen aggressiven Plänen der Russischen Föderation dastehen, die sich auf einen neuen großen und umfassenden Krieg vorbereitet.

Deshalb betonte der tschechische Präsident Petr Pavel, dass die Verbündeten sowohl mit als auch ohne die Vereinigten Staaten viel erreichen könnten, wenn es um die weitere Unterstützung der Ukraine geht. Und man muss sich nur auf Solidarität und gemeinsame Maßnahmen konzentrieren, um diese weitere Unterstützung zu gewährleisten.

Man kann also sagen, dass der Vizepräsident der Vereinigten Staaten mit seiner Rede nicht das ausgelöst hat, was man im Weißen Haus erwartet hatte, als man mit JD Vance abgestimmt hatte, was er den europäischen Führern auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagen sollte. Nach dem persönlichen Beispiel von Trump, der für seine aggressiven Äußerungen und Handlungen gegenüber den wahren Verbündeten der Vereinigten Staaten und seine feige Haltung gegenüber den amerikanischen Feinden bekannt ist, sollte Vance Europa einschüchtern, aber er löste stattdessen Abscheu und den Wunsch aus, sich vor einer neuen rechtsextremen Gefahr zu vereinen, die nun nicht nur von Russland, nicht nur von den eigenen rechtsextremen politischen Parteien des europäischen Kontinents, sondern auch von der neuen Führung der Vereinigten Staaten von Amerika ausgeht, die buchstäblich mit Trägern rechtsextremer Ansichten überfüllt ist, die an die dreißiger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts in Europa und Nordamerika erinnern. Wir erinnern daran, dass es auch damals in den Vereinigten Staaten viele Anhänger radikaler extremistischer Ideologien gab.

Und besonders hervorzuheben ist der Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz von Wang Yi, dem Außenminister Chinas, dem Chef der chinesischen Parteidiplomatie, einem der engsten Vertrauten des Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, der diesen unerwarteten Streit zwischen ehemaligen Verbündeten fern blieb Ich denke, Sie brauchen keine Erklärung dafür, dass China von diesem Prozess, der jetzt von Donald Trump und seinen Anhängern in der neuen amerikanischen Regierung aktiviert wurde, so stark profitiert, dass man manchmal den Eindruck hat, Donald Trump sei nicht zum Präsidenten der USA, sondern zum Vorsitzenden der VR China gewählt worden.

Wang Yi betonte, dass die Rolle Europas bei den zukünftigen russisch-ukrainischen Verhandlungen über das Ende des Konflikts sehr wichtig sei, dass an solchen Verhandlungen alle beteiligten Parteien teilnehmen sollten, die ein Ende des Krieges wünschen, und dass die Volksrepublik China alle Bemühungen zur Friedenssicherung positiv bewertet, einschließlich jedes Konsenses, der zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Russland über Friedensverhandlungen erzielt werden kann.

Da der Krieg jedoch auf europäischem Boden stattfindet, muss Europa umso mehr seine Rolle für den Frieden spielen, die Hauptursachen der Krise gemeinsam lösen, eine ausgewogene, effektive und stabile Sicherheitsstruktur finden und ein langfristiges Ziel erreichen, Frieden und Stabilität auf dem Kontinent. Und natürlich, wie Sie verstehen, wenn man diese Position der Volksrepublik China, die so ausgewogen und so pro-europäisch erscheint, mit der faktischen Ignoranz der europäischen Position durch die Vereinigten Staaten vergleicht, verstehen wir, wer gewinnt. 

Erinnern Sie sich, dass der Sonderbeauftragte der Vereinigten Staaten für die Beilegung des russisch-ukrainischen Konflikts, Keith Kellogg , erst vor wenigen Tagen betonte, dass ein Plan von Trump zur Beilegung der Situation erst nach Konsultationen amerikanischer Beamter mit Europäern erscheinen werde und Washington ihre Vorschläge anhören müsse. Davon ist im Prinzip nichts geschehen. Und jetzt muss Keith Kellogg auf der Münchner Sicherheitskonferenz sagen, dass die Regierung Donald Trumps in dreißig Tagen mehr zur Beilegung des russisch-ukrainischen Konflikts erreicht hat als die Regierung Biden in drei Jahren.

Was hat sie erreicht, außer dem Anruf von Donald Trump bei Wladimir Putin mit schmeichlerischen Erklärungen an den Diktator und der völligen Ignoranz der Tatsache der russischen Aggression gegen die Ukraine? Niemand kann es erklären. 4,5 Milliarden Dollar, die von der Regierung Joe Bidens übrig geblieben sind, die der Ukraine tatsächlich wirklich geholfen hat, sogar entgegen dem Widerstand der Republikaner, bleiben auf dem Konto der Trump-Regierung, und diese hat noch nicht entschieden, ob sie der Ukraine weiterhin helfen soll. Und anstatt die euroatlantische Einheit angesichts neuer Herausforderungen für die zivilisierte Welt zu stärken, zerstört die Trump-Regierung diese Einheit, auch dank der Äußerungen Trumps selbst an Verbündete wie Kanada oder Dänemark, und dank der Rede von Vizepräsidenten JD Vance, die sorgfältig so abgestimmt wurde, dass sie als ein aggressiver und unmotivierter Angriff auf die europäischen Führer erscheint. Das sind die Leistungen in dreißig Tagen, die jeder, der nicht um seinen Posten um den neuen amerikanischen Präsidenten herum bewerben will, als schändlich betrachten würde.