Die Sonne hinterm Berg verborgen ( Volkslied)/ Сховалось сонце за горою.

Die Sonne hinterm Berg verborgen,  

Ein Nebelschleier deckt das Land,  

Der Wind flüstert mit Schilf am Morgen,  

Der grüne Hain wird dunkel, stand.

Von fern ertönen Lieder leise,  

Ein Stern am Himmel glimmt ganz sacht,  

Die Herden kehren von der Reise,  

Im kühlen Schatten ruht die Nacht.

Das blaue Himmelszelt umschlinget  

Die Pflanzenwelt und Menschen all,  

Das Dorf im Gartengrün versinket,  

Ein Lied des Nachtigallschalls schwallt.

Mein Ukrainchen, bist mein Eden,  

Du Zauberwesen, wundervoll!  

Ich lieb dich endlos, ohne Fehlen,  

Und will dich lieben noch viel mehr!


Сховалось сонце за горою,
Туман легенький землю вкрив,
Шепоче вітер з осокою,
І гай зелений потемнів.

Далеко співи десь лунають,
На небі зірка миготить,
Отари з поля поспішають
У холодочок відпочить.

Блакитне небо огорнуло
Усю рослину, всіх людей,
Село в садочках потонуло,
Затьохкав пісню соловей…

Моя Вкраїно, ти мій раю,
Ти чарівниченько моя!
Я без кінця тебе кохаю,
Ще більш кохати хочу я!

Vitaly Portnikov: Pjöngjangs Frankenstein. 16.10.24.


Die Staatsoberhäupter von Nordkorea und Russland, Kim Jong-il und Wladimir Putin (rechts), bei ihrem Treffen in Wladiwostok, 25. April 2019

https://ua.krymr.com/a/portnykov-pkhenian-frankenstein/33161033.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR3Moji_0d0vmNsxVfT-J0uPE9bZ5WKAo1l6kTDVcNa_5sCpfOQ8nDPBVW4_aem_bmDv9G9MKAtNKMCC9dY8Qg

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat erklärt, dass Nordkorea sich bereits an der Seite Russlands am Krieg gegen die Ukraine beteiligt.

Die wichtigste Frage, die von Politikern und Journalisten diskutiert wird, ist nun, ob der nordkoreanische Diktator Kim Jong-un sein Militär wirklich an die Front schicken wird, um der russischen Armee zu helfen. Und viele fragen sich, warum Pjöngjang Moskau in diesem Krieg so enthusiastisch unterstützt.

Ich denke, die Erklärung ist ganz einfach und sollte in der Natur des nordkoreanischen Regimes selbst gesucht werden. Denn wenn wir die Geschichte Nordkoreas realistisch betrachten, werden wir feststellen, dass sich die DVRK im Wesentlichen nicht von der DVR oder der LPR (terroristische prorussische Gruppen, die Teile der Regionen Donezk und Luhansk in der Ukraine kontrollieren) unterscheidet. Dieser „Staat“ wurde von dem sowjetischen Diktator Joseph Stalin auf dem von der Roten Armee besetzten Teil der koreanischen Halbinsel gegründet.

Stalin übertrug sogar die Führung der DVRK den Führern der koreanischen Kommunisten. Ihr Anführer Kim Doo-bong wurde einer der Untergebenen des sowjetischen Offiziers Kim Il-sung, der zum Führer der Partei und des Landes wurde.

Auch die Söhne des neuen Führers wurden nicht wie andere koreanische Jungen benannt – Jura und Schura. Schura ertrank im Sommer 1947, und Yura wurde im Sommer 1994 der Führer Nordkoreas, natürlich unter dem koreanischen Namen Kim Jong Il. Und ja, das ist der Vater des jetzigen Diktators, geboren im Gebiet Chabarowsk der RSFSR. Sagen Sie mir dann bitte, wem Kim Jong-un helfen soll, wenn er der „Enkel“ von Aksjonow und der „Sohn“ von Puschilin ist?

In den ersten Jahrzehnten des Bestehens der DVRK – insbesondere nachdem es Pjöngjang nicht gelungen war, die Kontrolle über die gesamte koreanische Halbinsel zu erlangen – wurde die Kim-Dynastie mit betonter Ironie, ja sogar mit Verachtung behandelt. Nicht nur westliche Politiker betrachteten die DVRK als Schurkenstaat. Ich möchte Sie daran erinnern, dass Donald Trump der erste amtierende amerikanische Präsident ist, der sich mit dem nordkoreanischen Führer getroffen hat.

Selbst die Sowjetunion hat die DVRK nicht ernst genommen. In den Nachkriegsjahrzehnten hatte kein Führer der KPdSU jemals Pjöngjang besucht. Wladimir Putin ist der erste Gast aus Moskau, der die nordkoreanische Hauptstadt besuchte.

Aber die Besuche in anderen Ländern des so genannten sozialistischen Lagers sind zahllos. Stalin benutzte das Volk der DVRK als „Kanonenfutter“ in seiner Konfrontation mit den Vereinigten Staaten. Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow vernachteten Nordkorea ganz offen.

Aktuell kauft Putin aber jetzt Raketen von Kim, und Kim selbst droht den Nachbarländern mit einem Atombombenangriff.

All dies erinnert uns einmal mehr daran, wie gefährlich es ist, die Quasi-Staaten zu unterschätzen, die von totalitären Staaten geschaffen werden, um die Lage zu destabilisieren. Wie ein Frankenstein verselbständigt sich die politische Fiktion und schafft neue Konflikte.

Dies war der Fall bei der Unabhängigkeit der DVRK und dann bei der Fakeunabhängigkeit der annektierten Krim und des Donbass. Und natürlich führte jedes Mal die Unterschätzung des Fake zu neuen Provokationen, neuen Konflikten und neuen Kriegen.

Wenn der Krieg seinen Donner einstellt/ Як відгримить війна.

Wieder, zum x-ten Mal:

Die Kirschen sind reif im Garten,

Die Sonne im Augusthonig,

Ich bin wieder zu Hause…

Die Nacht bedeckt uns sorglos,

Muttis Töchter und Söhne,

Mit Flügeln aus mondbeschienenen Träumen,

Mit einer Decke der Müdigkeit.

Irgendwo, Irgendwo da

wartest du auf mich, Mama!

Refrain:

Wenn der Krieg seinen Donner einstellt

Und die Echos des Krieges

Das Herz wird zur Besinnung kommen,

Wir werden wieder zu unserer Mama zurückkehren!

Im einem leeren Fensterrahmen 

Wartet sie nicht umsonst auf uns!

Mama, weine nicht!

Mama, wir sind auf dem Weg!

Ein Vogel fliegt am Himmel wie eine Drohne

Er sucht wieder nach dem Wind

Das Fenster leuchtet im Nebel,

Die Stille ist gespenstisch…

Die Phrasen fließen in kurzen Zeilen

Unhörbar in die Dunkelheit,

Das Herz brennt vor Hoffnung,

dass alles nicht umsonst ist!

Irgendwo… Irgendwo da

Wartest du auf mich, Mama!

Refrain.


Знов, вже в котре наснилося:

Вишні достигли в саду,

Сонце в серпневім меду,

Знову я вдома…

Нічь без турботно накрила нас,

Маманих донь і синів,

Крилами місячних снів,

Ковдрою втоми..

Десь… Десь там

Ти мене ждеш, Мамо!..

Приспів:

Як відгримить війна,

І відлуна луна,

Серце прийде до тями,

Вернемось знов до мам!

В рамі пустій вікна

Жде вона недарма!..

Мамо, не лийте сльози!

Мамо, ми вже в дорозі!..

Птах в небесах безпілотником

Вітру шукає і знов

Світить в тумані вікно,

Тиша примарна…

Фрази рядками короткими,

В безвість нечутно течуть,

Серце надії печуть,

Що все немарно!..

Десь… Десь там

Ти мене ждеш, Мамо!..

Приспів.

Treue zum Land und zur Tradition! / Вірність землі і преданіям!

Mein Großvater pflügte die Felder mit dem Schwert, 

rodete die Steppe mit dem Speer,

Und schrieb sein Testament mit Blut, Schweiß und Tränen.

Sein Säbel war seine Philosophietraktat, 

Blut der Feinde war seine Tinte.

Und um Recht von Unrecht zu trennen, 

Vererbte er sein Schwert an Nachkommen.

Ich nahm den geschwungenen Schwert in die Hände, 

und folgte seinen Mustern wie den heiligen Schriften. 

und ich verstand das Gebot meines Großvaters: 

Treue zum Land und zur Tradition!

Mein Großvater hat keine Schätze erworben. 

Vielleicht wurden diese Schätze auch 

gestohlen worden?

Seine Sehnsucht nach Freiheit hat er in ein Lied 

wie in Tafeln des Ewigen Bundes gefasst.

Er säte die Knochen auf den Feldern aus 

und legte das Fundament für den Tempel.

Würde und Ehre sind sein Heiligtum, 

heiliger Wille ist sein höchstes Firmament.

Die heilige Ehrfurcht übermannte mich 

und mit kühner Anstrengung,

Wie ein Schlüssel zum Tempel, sprach ich die Worte: 

Treue zum Land und zur Tradition!

Freiheit und Würde sind wie zwei Flügel, die dich

auf einmal beflügelt.

Selbst einen gemeinen stummen Sklaven kann man so im Handumdrehen das Fliegen beibringen.

Und wenn man einen von ihnen abschneiden will, 

Uns die Ehre, die Freiheit nehmen,

wird die Kosakenmutter zu ihren Söhnen sagen, 

sie sollen bewaffnet für die Freiheit einstehen.

Egal, welcher Feind auf uns herumtrampelte, uns zum Schlachtbank führte

Wir wachsen mit unseren Säbel aus den Gräsern, 

Treue zum Land und zur Tradition!

Unser roksolanisches edles Volk ist fähig zu Krieg und Wissenschaft

Wir sind Nachkommen von Kij, dem Geschlecht Japheths, 

Rusy, Enkeln von Dazhboh.

In der Ukraine wurden wir von Gott aufgestellt, 

um der Wahrheit mit Taten zu dienen,

Um die Menschlichkeit in der Welt und in uns selbst, 

um Recht und Freiheit mit Säbeln zu verteidigen!

Wir treten in die Fußstapfen unserer Urgroßväter 

und nehmen uns ein Beispiel an ihnen,

Lasst uns den Ruhm unserer Vorväter einläuten, 

Treue zum Land und zur Tradition!


Дід мій мечем перелоги орав, степ скородив

списами,

І заповіти свої записав кровію, потом й сльозами.

Шабля йому за каламу була, вража руда – за атрамент

І на відділення правди від зла, меч залишив в

тестамент.

Взяв я до рук ту січ замашну внемля карбам як писаніям

втямивши заповідь діда одну: Вірність землі і преданіям!

Ані скарбів мій дід не надбав.

Може скарби ті украли?

Тугу за волею в пісню уклав в вічнозавітній скрижалі.

Густо засіявши кости в полях,

храму заклав фундамент.

Гідність і честь в нім-сакрамент, свята воля – найвищий фірмамент.

Трепет священний мене обійняв із дерзновенним старанієм,

Мов ключ до храму слова промовляв: Вірність землі і преданіям!

Вільність і гідність, мов два крила, що роблять враз крилатим

Підлого, навіть німого раба хутко навчать літати.

Хоч як одного підрізати нам, честь взять, свободу втяти,

Мати козацька каже синам збройно за волю стати.

І хай який нас враг не топтав, гвалтом не вів на закланіє

Ми проростаєм шаблями між трав, Вірні землі і преданіям!

Наш роксолянський шляхетний нарід вдатний до війн і науки

Кия нащадки, яфетів рід, руси, дажбожі внуки.

На Україні поставив нас Біг правді служити ділами

Людяність в світі відстоять й в собі, право і вольність – шаблями!

Идучи слідами великих дідів, взявши їх чин в подражаніє,

Дзвонимо в славу своїх праотців Вірні землі і преданіям!

Das Europa der schwierigen Entscheidungen und die Ukraine. Wie kann die europäische Integration beschleunigt werden? Vitaly Portnikov. 12.10.24.


Präsident Volodymyr Zelensky (Mitte) mit den Staatsoberhäuptern der am dritten Ukraine-Südosteuropa-Gipfel teilnehmenden Staaten. Dubrovnik, Kroatien, 9. Oktober 2024

https://www.radiosvoboda.org/a/viyna-i-yevrointehratsiya-ukrayiny/33156225.html?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR16Bni2vNG-A7jbMF5l2bdLEZeURsTlR6DvYHKcI_S5FgSd8Fdb9cY9m-o_aem_nJICE3Ou2MCSiw7t07nVGA

Während der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky in den Hauptstädten der wichtigsten europäischen Länder Treffen durchgeführt, ist das erste Ziel seiner Reise, Dubrovnik in Kroatien, bereits vergessen. Und das zu Unrecht. Denn in dieser antiken Stadt trafen sich Vertreter genau der Länder, die wir in Zukunft gerne in der Europäischen Union sehen würden: die Ukraine, Moldau, die westlichen Balkanländer und die Türkei.

Um das Bild zu vervollständigen, fehlte nur noch ein weiteres Land – Georgien – aber in den letzten Jahren war die Politik seiner Führung trotz erklärter Bekenntnisse zur europäischen Integration eher in die andere Richtung gerichtet. Und die Türkei wird seit langem eher symbolisch als Kandidat für die EU-Mitgliedschaft betrachtet. Vor kurzem hat sie sogar ihre Bereitschaft bekundet, den BRICS beizutreten, wobei sie den Wunsch, ein Partner des kommunistischen China und des Putinschen Russlands zu werden, als Grund dafür angibt, dass sie zu lange von der EU „ausgeschlossen“ war.

Andere Länder scheinen jedoch auf einen schnelleren Abschluss des Verhandlungsprozesses zu setzen. Hier stellt sich vor allem die Frage, ob diese optimistischen Erwartungen mit der Realität übereinstimmen.

Ein Krieg im großen Stil und ein Akt der Solidarität

Vor Beginn des großen Krieges zwischen Russland und der Ukraine hatte ich wiederholt erklärt, dass die europäische Integration der Ukraine in erster Linie vom Tempo der europäischen Integration der westlichen Balkanländer abhängt und dass es sehr schwierig ist, auf schnelle Fortschritte zu hoffen. Die Ukraine hätte also nicht einmal mit einem Kandidatenstatus, geschweige denn mit einer Mitgliedschaft rechnen dürfen. Der derzeitige große Krieg hat jedoch die politische Landschaft in Europa erheblich verändert.

Der Kandidatenstatus für die Ukraine und die Republik Moldau und später für Georgien wurde für die EU zu einem Akt der Solidarität mit den Ländern, deren Freiheit und territoriale Integrität von Russland bedroht wird. Darüber hinaus ermöglichte dieser Akt der Solidarität, dass dem einzigen allgemein anerkannten Balkanland, das noch keinen Kandidatenstatus erhalten hatte, Bosnien und Herzegowina, dieser gewährt wurde, so dass die einzigen europäischen Länder, die nicht in den Integrationsprozess einbezogen wurden, die teilweise anerkannte Republik Kosovo und Lukaschenkas Belarus waren. Die europäische Integration der westlichen Balkanländer ist für die Ukraine kein Problem mehr. Jetzt kann man es anders sagen: Die Integration des westlichen Balkans und die Ukraine und Moldau sind zu gegenseitigen Abschreckungen für alle Teilnehmer an diesem Prozess geworden.

Lobbyisten und Grundsatzfragen

Jedes der Kandidatenländer hat seine eigenen Lobbyisten, die jeden Schritt, was die andere Kandidaten betrifft, von Kompromissentscheidungen abhängig machen. Österreich zum Beispiel verteidigte den Kandidatenstatus von Bosnien und Herzegowina und setzte sich gerade dann durch, als es die Aufnahme von Verhandlungen mit der Ukraine ankündigte. Ungarn ist, wie aus der Grundsatzrede von Viktor Orban im Europäischen Parlament hervorging, besorgt über die europäischen Aussichten Serbiens und ist nicht allzu besorgt über das Tempo der Verhandlungen mit der Ukraine.

Dafür gibt es viele weitere Beispiele. Das Wichtigste ist jedoch, dass Brüssel immer noch keine Antworten auf grundlegende Fragen hat, die nicht direkt mit den Verhandlungen mit den Beitrittskandidaten zu tun haben, sich aber irgendwann stellen werden, zumindest in der Phase des Abschlusses der Verhandlungen.

Kann beispielsweise der Prozess der europäischen Integration der Ukraine vor dem politischen Ende des russisch-ukrainischen Konflikts abgeschlossen werden – und zwar nicht einmal in der heißen Phase des Krieges, sondern dann, wenn es keine Einigung gibt und die militärischen Operationen weitergehen? Und wenn die Feindseligkeiten enden und die territoriale Integrität nicht wiederhergestellt wird, wird die EU dann bereit sein, die Demarkationslinie als vorläufige Grenze eines vereinten Europas zu betrachten?

Dies gilt übrigens auch für die Republik Moldau und Georgien, da diese Länder noch weit von der Wiederherstellung ihrer territorialen Integrität entfernt sind. Die Präsidentin der Republik Moldau, Maia Sandu, hat die Idee einer schrittweisen europäischen Integration vorgeschlagen, so dass die Aufnahme des von der rechtmäßigen Regierung kontrollierten Teils der Republik Moldau in die EU einen Anreiz für Transnistrien darstellen würde.

Die EU hat auf diesen Vorschlag jedoch nicht reagiert, einfach weil die europäischen Politiker nicht wissen, wie sie mit all dem umgehen sollen. Und die Hoffnung, dass das Problem zum Zeitpunkt der Integration von selbst verschwindet, ist vergeblich; vielmehr wird das Fehlen von Ansätzen zu einer Bremse für die Vollendung des Prozesses.

Große Probleme

Auch auf dem Balkan gibt es Probleme, die schwer zu lösen sind. Beginnen wir mit den Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo, die sich nicht normalisiert haben, und auch Orban kann Belgrad hier nicht helfen.

Der ungarische Premierminister hat versucht, zwischen Bulgarien und Nordmazedonien zu vermitteln, da Sofia die Integrationsgespräche mit dem Nachbarland immer wieder verzögert, wurde aber von der bulgarischen Führung abgewiesen.

Ganz zu schweigen von den komplexen internen Problemen Bosniens, das nach wie vor am Rande des Zusammenbruchs steht und an der internationalen Aufsicht über seine Regierungsinstitutionen festhält.

Nein, es handelt sich nicht um eine Integrationskatastrophe, aber es sind große Probleme. Und das Gefährlichste ist, dass die lange Wartezeit die öffentliche Unterstützung für die europäische Integration schwächt und Russland und China die Tür öffnet.

Das Gipfeltreffen in Dubrovnik war noch ein Gipfel der Hoffnung und der Solidarität, obwohl der serbische Präsident Aleksandar Vucic in die kroatische Stadt gekommen war, nicht zuletzt, um die Formulierungen hinsichtlich der Verurteilung Russlands und der Sanktionspolitik gegen den Aggressor abzumildern.

Wenn die EU jedoch in den kommenden Jahren keine Antworten auf schwierige Fragen findet, werden die nächsten Treffen zwischen den Staats- und Regierungschefs Südosteuropas und der Ukraine zu Gipfeltreffen der Enttäuschung werden.

Freie Menschen. Vitaly Portnikov. 13.10.24.

https://zbruc.eu/node/119663?fbclid=IwZXh0bgNhZW0CMTEAAR1rNGTMiam–D13moIxtJ57cCz9WmOtqGZnf0dpkcRsQS7Tphb-xaqq6Kg_aem_CzT2p85pWxSge97LLDHEnQ

Die Verleihung des Literaturnobelpreises an die südkoreanische Schriftstellerin Han Kang gibt uns die Gelegenheit, an einen ihrer wichtigsten Romane, Human Deeds, zu erinnern. Dieses Buch, das vor zehn Jahren erschien, begründete den Ruf der Schriftstellerin als „Gewissen der südkoreanischen Literatur“ und machte sie zu einer der angesehensten Autorinnen im westlichen Kulturkreis. Denn um einen solchen Roman zu schreiben, brauchte es mehr als nur das Talent, das Han Kang in vielen anderen Büchern, die vor Human Deeds veröffentlicht wurden, bewiesen hatte. Es erforderte auch Mut.

Han Kang wurde 1970 in Gwangju geboren. Als sie fast 10 Jahre alt war, fand in dieser Stadt der größte und blutigste Aufstand in der Geschichte Südkoreas statt. Der Aufstand war eine Reaktion auf die De-facto-Machtübernahme durch General Jeong Doo-hwan, der die Proteste natürlich als „kommunistischen Aufstand“ bezeichnete. Und erst nach dem endgültigen Zusammenbruch der autoritären Regime und der Etablierung der Demokratie konnten die südkoreanischen Künstler das Thema Gwangju wieder aufgreifen. So ist Han Kangs Roman über den Aufstand und den Tod in ihrer Heimatstadt natürlich nicht das erste Werk über Gwangju. Aber es ist das erste Werk, das diesem Schmerz eine epische Qualität verleiht und den Aufstand zu einem der Themen der Weltliteratur macht. Es ist eine Geschichte über freie Menschen, die bereit sind, die Diktatur herauszufordern und zu sterben – wie es in der ukrainischen Geschichte schon oft geschehen ist.

Die Bedeutung eines solchen Ansatzes spiegelt sich natürlich in der Entscheidung des Nobelkomitees wider, den Preis an den ersten koreanischen Schriftsteller zu vergeben, dessen Prosa sich mit einem historischen Trauma auseinandersetzt.

Aber das historische Trauma ist nicht nur ein kreatives Verdikt gegen das Böse, das die Freiheitswilligen vernichtet. Es ist auch eine ehrliche Antwort auf die Frage: Kann das Böse seine Taten rechtfertigen, indem es das Land vor einem noch größeren Übel bewahrt?

Jeong Doo-hwan hat, wie andere südkoreanische Generäle, die das Land jahrzehntelang geführt haben, seine Landsleute nicht belogen. Es gab tatsächlich ein nordkoreanisches Regime gegenüber Südkorea. Dessen Führer machten aus ihren aggressiven Absichten nie einen Hehl. Seine Truppen drangen fast unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg in den Süden ein und besetzten fast das gesamte Gebiet der koreanischen Halbinsel. Selbst nach seiner Niederlage im Koreakrieg träumte Kim Il Sung weiter von der „Wiedervereinigung des Vaterlandes“, d. h. von seinem eigenen Thron in Seoul. Gleichzeitig zögerte das Regime in Pjöngjang, das selbst im sozialistischen Lager zu den brutalsten und dümmsten gehört, nicht, die Befürworter der Demokratie in Südkorea zu unterstützen. So konnten die Diktatoren erzählen, dass sie den Kommunismus wirksam bekämpften, und den Koreanern Angst machen, dass eine Schwächung ihrer Macht zu einem Sieg der Kims führen würde. Die brutale Niederschlagung des Gwangju-Aufstandes passte natürlich perfekt in dieses Bild.

Aber die Diktatur brach zusammen. Südkorea ist seit vielen Jahren ein demokratischer Staat, in dem ein harter politischer Kampf und Wettbewerb herrscht. Hat dies die Effektivität des Landes beim Widerstand gegen die Expansion aus dem Norden geschwächt? Ganz im Gegenteil. Ein erfolgreicher demokratischer Staat, der von einem brutalen totalitären Regime bedroht wird, ist nicht dasselbe wie eine Konfrontation zwischen den Diktatoren, nicht wahr? Und genau das ist es, was viele Menschen in der Welt heute als die Bedeutung der Konfrontation zwischen der Ukraine und Russland sehen. Es handelt sich nicht nur um einen Kampf zwischen zwei Ländern, sondern um einen Kampf zwischen Freiheit und Unfreiheit.

Ein Krieg führt jedoch oft zum Abbau von Freiheit und Gesellschaft, zur Stärkung von Regierung und Armee und zur Festigung autoritärer Tendenzen. Unsere Aufgabe besteht also nicht nur darin, zu überleben, sondern auch darin, nicht zum Südkorea der Zeit von General Chung Doo-hwan zu werden, einem Land, in dem jede Dummheit, Inkompetenz und Willkür mit der Notwendigkeit erklärt wird, der russischen Aggression zu begegnen. Ganz zu schweigen von der Tatsache, dass eine kleine Diktatur niemals gegen einer großen Diktatur gewinnen kann.

Nur freie Menschen können gewinnen.

Die sowjetische Ukraine: eine gefälschte Unabhängigkeit | Vitaliy Portnikov. „Die gestohlene Welt“. Teil 4. 13.10.24.

Wir befinden uns im Projekt „Die gestohlene Welt“. Was war die sowjetische Ukraine, deren Werchowna Rada am 24. August 1991 die Unabhängigkeit unseres Landes proklamierte? War sie ein Staat oder nur eine Nachahmung von Staatlichkeit? 

Schauen wir uns die Fakten an, um zu verstehen, wie die russischen Bolschewiken diese spezielle Operation durchführten, um die echte ukrainische Staatlichkeit durch eine falsche zu ersetzen. Eine, die ihren Interessen dienen sollte. 

Die ukrainische Staatlichkeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand als Ergebnis der Reaktion des ukrainischen Volkes auf den Untergang des Russischen Reiches. Dieser Untergang fand im Februar 1917 vor dem Hintergrund des Ersten Weltkriegs statt. Unmittelbar danach rief die Zentrale Rada in Kyiv, ein gewähltes Gremium, das die Interessen der gesamten Bevölkerung der damaligen Ukraine vertrat, die Ukrainische Volksrepublik aus, zunächst als eine autonome Republik innerhalb eines künftigen demokratischen Russlands. Es wurde jedoch bald klar, dass die russische Bevölkerung selbst nicht zu echten Verhandlungen mit Kyiv bereit war. Und dass die Macht in Petrograd an radikale Kräfte überging, die kaum bereit waren, die nationalen Bestrebungen des ukrainischen Volkes zu respektieren. 

Nach dem Oktoberputsch in der damaligen Hauptstadt des Russischen Reiches verkündete die Zentrale Rada die Unabhängigkeit der UPR, was den Bolschewiki erwartungsgemäß nicht gefiel. Und sie griffen zu ihren klassischen Methoden. Sie verlangten, dass die bolschewistische Minderheit in der Zentralen Rada Kyiv verlässt, nach Charkiw umzieht, einer Stadt an der Grenze zu den russischen Provinzen, die bereits von den Bolschewiki kontrolliert wurden, und sich dort zur Ersatzregierung der Ukrainischen Volksrepublik erklärt.

Die Bolschewiki behaupteten wie immer, dass sie die Interessen der Arbeiter und Bauern vertraten, und die Leute in Kyiv, die die Mehrheit in der Rada stellten, konnten diese Interessen unmöglich vertreten. Die Bolschewiki mussten dieses Experiment jedoch schnell wieder aufgeben, und zwar aus dem einfachen Grund, dass sie mit Deutschland Frieden schließen mussten, um die Macht in Petrograd zu behalten. Und eine der Bedingungen für diesen Frieden war, dass das bolschewistische Russland die Unabhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik anerkannte. Damit hatte die Existenz einer alternativen Regierung dieser Republik keinen Sinn mehr. 

Aber die Geschichte der Ukrainischen Volksrepublik selbst sowie die Geschichte des ukrainischen Staates von Hetman Skoropadskyi und auch die Geschichte Deutschlands, das damals die Idee der ukrainischen Souveränität in seinem Kampf gegen das bolschewistische Russland unterstützte, waren nicht sehr einfach. Und nach der Revolution in Deutschland beschlossen die Bolschewiki, dass es nun an der Zeit sei, die ukrainische Staatlichkeit zu ersetzen. Aber wie konnten sie das tun? Immerhin hatten sie bereits die Unabhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik anerkannt und waren später zu diplomatischen Gesprächen mit dem ukrainischen Staat von Hetman Skoropadsky bereit. Eine Delegation aus Petrograd unter der Leitung eines bekannten Bolschewiken aus Bulgarien und Rumänien, Christian Rakovsky, der nach dem Oktoberputsch in Sowjetrussland zu arbeiten begann, besuchte sogar Kyiv. 

Und die Bolschewiki beschlioßen, den bereits eingeschlagenen Weg fortzusetzen und eine alternative Regierung der Ukrainischen Volksrepublik zu bilden, wenn auch auf russischem Territorium, da es zu diesem Zeitpunkt einfach keine bolschewistischen Truppen in der Ukraine gab. Also wurde die bolschewistische Regierung in Kursk ausgerufen. Doch selbst die Bolschewiki erkannten, dass eine ukrainische Regierung in einer russischen Stadt darauf hindeutete, dass es sich um eine Marionettenregierung handelte. Die bolschewistische Kommunistische Partei der Ukraine selbst wurde in Moskau gegründet, aber es handelte sich um eine Partei, nicht um eine Regierung, was sich irgendwie noch erklären lässt. Und die bolschewistische Führung beschloß: Lasst die Kommissare, die sich als ukrainische Minister ausgeben werden, in die Stadt Sudzha in der Provinz Kursk ziehen, die damals gemäß einem Abkommen zwischen Sowjetrussland und dem ukrainischen Staat als Stadt auf neutralem, entmilitarisiertem Gebiet galt. Die Bolschewiki beschlossen sofort, dass Sudscha und das Gebiet um die Stadt herum Teil der Ukraine werden sollten. Als ob die bolschewistische Regierung auf ukrainischem Territorium zu agieren beginnen würde, später wurde sie gezwungen, nach Belgorod und bald darauf nach Charkiw umzuziehen, das von bolschewistischen Truppen erobert wurde. 

Und so begann die Geschichte einer anderen Ukraine, der Sowjetukraine. Derselbe Christian Rakovsky, der einige Monate zuvor die russische Delegation bei den Verhandlungen mit den Ministern der Regierung von Hetman Skoropadsky geleitet hatte, wurde zum Regierungschef der Sowjetukraine und zum Außenminister dieser Regierung ernannt. 

Wir sehen also, dass die Idee einer alternativen Regierung dieses Mal einfach mit Gewalt funktioniert. Den bolschewistischen Truppen, die aus dem Gebiet Sowjetrusslands kamen, gelang es, das gesamte Gebiet zu besetzen, das zu einem unabhängigen ukrainischen Staat hätte werden können. Sie benannten die Ukrainische Volksrepublik, zu deren Regierung sie sich in der Region Kursk zu ausriefen, in Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik um. So begann die Geschichte dieses quasi unabhängigen Staates, der später an die Sowjetunion angegliedert werden sollte. 

Auch die Geschichte der Sowjetunion ist recht interessant. Es sei nämlich daran erinnert, dass Josef Stalin, der Generalsekretär des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei und gleichzeitig Volkskommissar für Nationalitäten in der bolschewistischen Regierung, überhaupt keine Sowjetunion oder Unionsrepubliken haben wollte. Er schlug Wladimir Lenin vor, ein Sowjetrussland zu schaffen, das alle von den Bolschewiki eroberten Sowjetrepubliken als autonome Staaten umfassen sollte. Ukraine, Weißrussland, Georgien, Armenien und Aserbaidschan. Lenin war von Stalins Vorschlag nicht sonderlich angetan, wurde sich von Christian Rakovski umgestimmt. Der Vorsitzende des sowjetischen Ministerrats der Sowjetukraine wollte seine Position als Führer eines angeblich unabhängigen Landes nicht verlieren. Er wollte ein Land führen und nicht irgendeine russische Provinz. Er versuchte, Lenin davon zu überzeugen, dass die Ukraine wie andere von den Bolschewiki besetzte Länder ein formell unabhängiger Staat in der neuen Union neben Sowjetrussland bleiben soll. Und Lenin stimmte Rakovskis Vorschlag zu. „Es mag mehrere Republiken geben, aber es wird eine bolschewistische Partei geben, und das Zentralkomitee dieser Partei wird die gesamte Macht im Lande haben. Eigentlich der Generalsekretär dieser Partei. Und dann wird es keine Rolle spielen, ob diese Republiken Unionsrepubliken oder autonome Republiken heißen, denn alle grundlegenden Entscheidungen werden in Moskau im Zentralkomitee getroffen.“ So entstand die Sowjetunion, mit Wladimir Lenin als erstem Regierungschef. 

Aber Stalin war nie damit einverstanden, dass die so genannten Unionsrepubliken irgendwelche Befugnisse haben sollten. Als Lenin starb, beschlioß er, dass die Sowjetunion anders aussehen soll. Schließlich hatte die Sowjetunion nur wenige Gründerstaaten. Sowjetrussland, Sowjetukraine, Sowjetweißrussland und die Transkaukasische Föderation, zu der Aserbaidschan, Armenien und Georgien gehörten. Vor diesem Hintergrund schien es, dass jeder der Gründer ein Mitspracherecht in dieser Sowjetunion haben sollte. Stalin führte eine breit angelegte Kampagne, um mehrere ehemalige Autonomien aus dem Gebiet Sowjetrusslands zu entfernen. Auf diese Weise entstanden die zentralasiatischen Unionsrepubliken. Heute sind das die Staaten Zentralasiens. Es gab immer mehr Republiken. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gab es bereits 16 davon. Und damit verschwand die Rolle der Sowjetukraine oder des sowjetischen Weißrusslands als Gründer der Sowjetunion einfach von der politischen Tagesordnung. Stalin betrieb eine echte Marginalisierung der Sowjetrepubliken. In dieser marginalisierten Form haben sie während der gesamten Zeit Stalins, Chruschtschows und Bereschnews existiert. 

Man kann sagen, dass der Status der Unionsrepubliken fast dem der russischen Regionen entsprach. Sie hatten keine wirklichen politischen Rechte. Dies ist eine Imitation der Staatlichkeit. Nach dem Zweiten Weltkrieg beschloss Stalin sogar, dass die Ukrainische SSR und die Weißrussische SSR, die während des Krieges am meisten gelitten hatten, neben der Sowjetunion Mitglied der Vereinten Nationen werden sollten. Doch selbst Stalins westliche Verbündete, die diesem Vorschlag zustimmten, erkannten, dass es sich dabei um ein abgekartetes Spiel handelte, dass die ständigen Vertreter der Ukrainischen SSR und der Weißrussischen SSR bei den Vereinten Nationen alle Anweisungen des Außenministeriums der Sowjetunion befolgten und dass der Außenminister der Sowjetunion Mitglied des Zentralkomitees der Partei war und ohne die Anweisungen des Generalsekretärs des Zentralkomitees keine Entscheidungen treffen konnte. 

So wurde die Ukraine innerhalb weniger Jahre nach der bolschewistischen Okkupation der Ukraine, einige Jahre nach der Bildung der bolschewistischen Alternativregierung, zu einer Dekoration. Über die tatsächlichen Funktionen dieses Staates  braucht man nicht zu sprechen. Der Punkt ist, dass die Zuständigkeit dieses Staates bestimmte Möglichkeiten nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch kultureller Art umfasste. Einfach ausgedrückt: während die Behörden Sowjetrusslands alle ukrainischen Schulen im Kuban oder auf der Krim an einem Tag beseitigen könnten und niemand an diese Behörden appellieren könnte um eigenen kulturellen Interessen zu schützen, war es viel schwieriger, alles Ukrainische in der Ukraine selbst zu zerstören. Deshalb folgte in der Geschichte der sowjetischen Ukraine auf die Welle der Ukrainisierung eine Welle der Russifizierung. Auf die Welle der Russifizierung folgte ein neuer Versuch der Ukrainisierung. Und so ging es durch alle Jahrzehnte des Bestehens der Sowjetukraine. Es war ein Kampf zwischen denjenigen, die diesem Quasi-Staat zumindest einige nationale Funktionen erhalten wollten, und den Chauvinisten, denen es lieber wäre, wenn es diesen Staat nie gegeben hätte, und die sich damit abfinden müssten, dass er in der Sowjetunion die gleiche, ich würde sagen, folkloristisch demonstrative Funktion hatte, wie Belarus, Usbekistan oder Estland. 

So oder so hat sich herausgestellt, dass die Existenz der Unionsrepubliken, die das Recht hatten, sich frei von der Sowjetunion abzuspalten, ein großer Fehler von Wladimir Lenin war. Wenn Putin Lenin diesen Fehler vorwirft, meint er genau das. Hätten die russischen Bolschewiki den Weg der Stalinschen Autonomie beschritten, wäre es für sie aus Sicht der heutigen russischen Chauvinisten viel einfacher gewesen, die Randgebiete des russischen Reiches zu russifizieren und die Völker der Ukraine, Weißrusslands, der baltischen Staaten, Zentralasiens und des Kaukasus sogar der Idee einer echten Unabhängigkeit zu berauben.Doch es kam anders als erwartet. Als die große Krise in der Sowjetunion während Gorbatschows Perestroika und Glasnost begann, stellte sich heraus, dass die Institutionen der Unionsrepubliken recht wirksam für die Wiederherstellung der Unabhängigkeit der Länder arbeiten konnten, die zu verschiedenen Zeiten von den russischen Bolschewiken besetzt worden waren. 

Den Anfang machten die baltischen Staaten, die 1940 nach einer Vereinbarung zwischen Hitlers Außenminister Ribinthrop und Stalins Außenminister Molotow von der Sowjetunion besetzt und annektiert wurden. Die Völker der baltischen Staaten beanspruchten ihre Staatlichkeit zurück. Sie erkannten die Legitimität der Institutionen nicht an, die seit dem schwarzen Jahr 1940 auf ihrem Boden bestanden. Damals überquerten russische bolschewistische Truppen ihre Grenzen und zerstörten die rechtmäßigen Behörden in Riga, Kaunas und Talin. 

In der Folgezeit übernahmen andere Republiken der Sowjetunion die gleiche Idee der Souveränität, aber für sie war es schwieriger als für Lettland, Litauen und Estland, weil sie ihre Staatlichkeit nicht mit der gleichen, ich würde sagen, rechtlichen Unmittelbarkeit wiederherstellen konnten wie die baltischen Nationen. 

Die Ukrainische Volksrepublik existierte nur wenige Jahre und wurde von den Entente-Ländern nicht anerkannt. Sie wurde nur von Deutschland anerkannt. Sich also auf das Völkerrecht zu berufen, um die Unabhängigkeit der Ukrainischen Volksrepublik wiederherzustellen, war es nicht so einfach, wie die Ukraine, die am 24. August 1991 existierte, zu einem unabhängigen Staat zu erklären. Dies in der Hoffnung zu verkünden, dass Russland es verstehen wird. Die Entwicklung der Sowjetunion selbst war so komplex und widersprüchlich, dass die Anerkennung der Souveränität der Unionsrepubliken und der Unverletzlichkeit der Grenzen dieser Unionsrepubliken der beste Weg war, um Krieg und Konflikte zwischen den ehemaligen sowjetischen Nachbarn zu verhindern. Und mit diesen Vorschlägen kamen die ukrainische Regierung und das Parlament nach der Erklärung der ukrainischen Unabhängigkeit und nachdem die Ukrainer den Akt der staatlichen Unabhängigkeit ihres Landes am 1. Dezember 1991 bestätigt hatten. 

Die Russen haben jedoch, wie wir sehen können, eine völlig andere Sicht der Dinge. Sie betrachteten die Ukraine nicht als echten Staat, als Sowjetrussland in der UdSSR an sie angrenzte, und sie tun dies auch nach der Zerstörung des sowjetischen Projekts und der Gründung der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten nicht, in der die ehemaligen Sowjetrepubliken nun gleichberechtigte Teilnehmer ohne ein Unionszentrum sind. Die Russen hegen weiterhin revanchistische Hoffnungen. Sie glauben, dass die Souveränität der ehemaligen Sowjetrepubliken eine vorübergehende Erscheinung ist, weil Russland einfach nicht die Kraft hat, seine ehemaligen Kolonien zu zähmen und ihnen sein eigenes Modell von Staatlichkeit und Bündnisbeziehungen aufzuzwingen. Und die Hauptaufgabe der Russischen Föderation bestand darin, die Kraft zu finden, ihr wirtschaftliches und vor allem militärisches Potenzial wiederherzustellen. Und als der Kreml zu dem Schluss kam, dass er genug Kraft hatte, und die Ukraine sich weiter als unabhängiger Staat weiterentwickeln und sogar der Europäischen Union und der NATO beitreten wollte, beschloss der russische Präsident Wladimir Putin, zum Modell der ukrainischen Quasi-Staatlichkeit zurückzukehren, demselben Modell, das sein Vorgänger im Kreml, Joseph Stalin, gepflegt hatte. 

Und am 24. Februar 2022 begann ein neuer blutiger großer russisch-ukrainischer Krieg. Der Krieg, in dem Russland das Ziel verfolgt, die Ukraine in den Status eines untergeordneten Territoriums zurückzuversetzen, d. h. das zu tun, was die russischen Bolschewiken vor 100 Jahren, in den 20er Jahren des turbulenten 20. Jahrhunderts geschafft haben.

„Kultur zweiter Klasse“: Wie Russland die ukrainische Kultur ausgrenzte. „Die gestohlene Welt“. Teil 3.| Vitaly Portnikov. 12.10.24.

Menschen, die der Sowjetunion nostalgisch nachtrauern oder sich als Anhänger der so genannten Zivilisation der russischen Welt betrachten, werden Ihnen immer sagen, dass die ukrainische Kultur sich in der Sowjetunion gleichberechtigt mit den Kulturen der anderen Völker der UdSSR entwickelt hat. Es wurden Bücher in ukrainischer Sprache veröffentlicht, man konnte ukrainische Lieder hören, ukrainische Sprache und Literatur wurden in Schulen und Universitäten gelehrt, und mehr noch, es gab ukrainische Schulen, in denen Tausende von Kindern lernten. 

Warum also erheben diejenigen, die die Sowjetunion und die russische Welt nicht akzeptieren, solche Vorwürfe gegen diejenigen, die aufrichtig das Beste für die ukrainische Kultur wollten und sogar in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts eine Kampagne zur Ukrainisierung der Sowjetukraine betrieben? 

Und es ist nicht schwer, diese Frage zu beantworten, denn im Russischen Reich und in der Sowjetunion gab es immer eine Hauptkultur, die russische, und alle anderen Kulturen, einschließlich der ukrainischen, wurden eher als folkloristische oder ethnografische Erscheinung wahrgenommen. 

Es lohnt sich, den berühmten russischen Literaturkritiker Vissarion Bilinsky zu zitieren, der Schewtschenkos Kobzar rezensierte. Bilinskys Hauptvorwurf an Schewtschenko war, dass der große ukrainische Dichter auf einem Dialekt schrieb. So nahm Bilinsky die ukrainische Sprache wahr. Und wenn er auf Russisch geschrieben hätte, dann hätte Schewtschenko aus Bilinskys Sicht einen echten literarischen Erfolg gehabt. Und das war übrigens nicht nur in der Literatur der Fall. Das galt auch für die Kultur als solche im Russischen Reich und dann in der Sowjetunion. Man hat immer versucht zu erklären, dass die russische Kultur eine Kultur der Entwicklung ist. Sie ist die Kultur einer großen, entwickelten Stadt, während die ukrainische oder jede andere Kultur die Kultur des ländlichen Raums ist. Daran ist nichts auszusetzen, denn auch in ländlichen Gebieten können die Menschen Musik machen, Gedichte schreiben und Folkloregruppen bilden. Aber wenn es um die Entwicklung der so genannten Hochkultur geht, dann sollte dies natürlich alles in russischer Sprache geschehen. 

Selbst als die Sowjetunion beschloss, dass auch nationale Sprachen Beispiele der Hochkultur schaffen können, zum Beispiel Opern, wurde noch betont, dass die Autoren dieser Opern in erster Linie von russischen Komponisten lernen sollten. Die Tatsache, dass andere Völker des Russischen Reiches ihre eigenen kulturellen und wissenschaftlichen Errungenschaften haben konnten, wurde schlichtweg ignoriert. Ein gutes Beispiel dafür ist der große ukrainische Komponist Mykola Lysenko, dessen Denkmal sich neben dem Kyiver Opernhaus befindet. Schließlich stand der Komponist, der seinen russischen Zeitgenossen in nichts nachstand, im Vergleich zu den Meistern der russischen Musik immer etwas im Hintergrund. Das liegt daran, dass die Libretti seiner Opern in der Regel immer auf Ukrainisch geschrieben waren. Das bedeutet, dass sie auf den großen Bühnen des Reiches in St. Petersburg und Moskau nicht aufgeführt werden könnten. Natürlich konnte ukrainisches Theater auf Tournee in den beiden Reichshauptstädten auftreten, wie es das Kropyvnytskyi-Theater tat. Und dieses Theater hätte von den maßgeblichen Theaterkritikern der Zeit beklatscht und beschrieben werden können. Aber es war auch ein ungewöhnliches ethnografisches Theater, in dem die Menschen eine so seltsame Sprache sprechen. 

In der Sowjetunion könnte man sagen, dass dieser Versuch, andere Kulturen auszugrenzen, seinen Höhepunkt erreicht hat. Menschen, die aus ländlichen Gebieten oder Kleinstädten in ukrainische Millionenstädte wie Kyiv, Charkiw, Donezk oder Odesa kamen, versuchten zunächst zum Russischen zu wechseln. Sie schämten sich ihrer eigenen Muttersprache, der Sprache ihrer Eltern, und wurden später in den Städten, in denen sie lebten, zu den eifrigsten Russifizierern. Sie waren der festen Überzeugung, dass ihre ukrainische Sprache sie zu Bürgern zweiter Klasse in ihrem eigenen Land machte. Und das war natürlich nicht nur in der Ukraine so, sondern auch in anderen ehemaligen Sowjetrepubliken. Wenn man die großen Städte Kasachstans besuchte, stellte man fest, dass die überwiegende Mehrheit der ethnischen Kasachen ihre Muttersprache nicht beherrschte, und mehr noch, sie schämten sich für diejenigen, die sie beherrschten. Die Kenntnis der kasachischen Sprache war bereits ein Zeichen für die Herkunft vom Land, ein Beweis dafür, dass ein Mensch nicht fähig ist, sich in einem städtischen Umfeld ausreichend entwickeln zu können. Auf diese Weise sind die Sprachen vieler Völker der ehemaligen Sowjetunion verschwunden. Und die Ergebnisse können wir zumindest im benachbarten Brlarus sehen, wo das Regime von Alexander Lukaschenko nach der Unabhängigkeitserklärung alles Mögliche und Unmögliche tat, um die weißrussische Sprache zur Sprache der Bauern zu machen. So begannen die Menschen sogar auf dem belarussischen Land Russisch zu sprechen, wenn auch auf eine fehlerhafte Art und Weise. Übrigens findet dieser Prozess auch jetzt in den nationalen Republiken Russlands statt. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus bekamen die russischen Chauvinisten die Gelegenheit, so zu handeln, wie sie es immer für richtig gehalten hatten: Sie schafften das obligatorische Studium der Sprachen der Völker der Russischen Föderation in den Schulen der nationalen Republiken Russlands ab. Und immer weniger Menschen in den nationalen Republiken der Russischen Föderation kennen ihre Muttersprache. Immer weniger Kinder können die Werke ihrer eigenen Schriftsteller lesen, Musik in ihrer eigenen Sprache hören und verstehen, was ihre Eltern oder Großeltern gesungen haben. Dies ist, wenn man so will, das nationale Programm von Wladimir Putin. Und ich denke, dass dies genau das Schicksal ist, das die ukrainische Sprache und die ukrainische Kultur erwartet hätte, wenn die Werchowna Rada der Ukraine am 24. August 1991 nicht das Gesetz über die staatliche Unabhängigkeit verabschiedet hätte. Dies war übrigens auch ein Akt der Unabhängigkeit der ukrainischen Sprache vom russischen kulturellen und zivilisatorischen Einfluss. Auch wenn 1991 die große Mehrheit der Menschen in der Ukraine nicht wusste, dass nach der Unabhängigkeitserklärung das Programm der zivilisatorischen und kulturellen Unabhängigkeit der Ukraine irgendwie beginnen würde, wenn auch nicht sehr schnell. Dass die ukrainischen Millionenstädte beginnen würden, Ukrainisch zu sprechen und nicht die Sprache eines anderen Staates, der sie seit Jahrhunderten russifiziert hatte. Wir können sagen, dass dies eine der wichtigsten Errungenschaften der ukrainischen Unabhängigkeit ist. Die Tatsache, dass sich die Ukrainer nicht mehr als Bürger zweiter Klasse fühlen. 

Schließlich ist es ganz offensichtlich, wenn man die Sprache einer anderen Nation spricht. Wenn Ihr gesamtes kulturelles Gepäck aus den Werken von Menschen besteht, die auf dem Territorium eines anderen Landes geschrieben wurden. Wenn die eigenen Landsleute nur dann auf echten Erfolg hoffen können, wenn sie nach St. Petersburg oder Moskau ziehen. Und derjenige, der in der Ukraine bleibt, um als Schriftsteller, Komponist, Filmregisseur, Künstler oder was auch immer zu arbeiten, bleibt ein Mensch, der es nicht geschafft hat, wirklich erfolgreich zu sein. Was kann in einer solchen Situation mit der eigenen Sicht auf die Zukunft des Landes, die Zukunft der Sprache, die Zukunft der Zivilisation passieren? 

Ich erinnere mich, wie ich während der Perestroika von Gorbatschow von den kulturellen Entscheidungen des berühmten ukrainischen Dichters Vitaliy Korotych wirklich überrascht war. Der Mann, der den größten Teil seines Lebens der ukrainischen Poesie und dem Journalismus gewidmet hatte, nahm das Angebot an, die Zeitschrift „Oganjok“ in Moskau zu leiten, die zu einem der Symbole der ersten Jahre von Gorbatschows Perestroika und Glasnost wurde. Gleichzeitig wandelte der ukrainische Dichter sich jedoch in einen russischen Redakteur um. Und in dieser Rolle sollte Witalij Korotytsch sein ganzes Leben verbringen und natürlich zu einem Verteidiger der Maßnahmen der Behörden des bereits unabhängigen Russlands gegenüber einer unabhängigen Ukraine werden. Dies zeigt einmal mehr, dass ein Mensch sogar ukrainischsprachige Werke schaffen und Teil der ukrainischen Kultur werden kann. Dieser Komplex der imperialen Unterlegenheit wird jedoch weiterhin ausschlaggebend dafür sein, wie sich diese oder jene Person ihre eigenen Lebenspläne und ihr eigenes Erfolgsmodell vorstellen wird. 

Was nach der Erklärung der ukrainischen Unabhängigkeit wirklich passiert ist, ist, dass klar wurde, dass das Erfolgsmodell auch mit der ukrainischen Kultur, mit der Ukraine, einfach gesagt, verbunden werden kann. Natürlich geschah dies nicht sofort. Als ich von Moskau nach Kyiv kam, sah ich lange Zeit, dass die ukrainischen Fernsehsender oder Radiosender so aussahen, als wäre ich in Kursk, oder entschuldigen Sie mich, in der Region Bryansk angekommen. Es war russischsprachig, es war unprofessionell, es entsprach nicht den russischen Standards, und gleichzeitig war es nicht ukrainisch. Aber wie wir sehen, gaben uns die politischen Ereignisse, die sich im 21. Jahrhundert in der Ukraine abspielten, die Möglichkeit, dieses Problem der Ähnlichkeit mit einer russischen Provinzregion, die nicht in der Lage ist, eigene kulturelle Leistungen zu erbringen, zu überwinden. 

Quoten für ukrainische Produkte im Fernsehen und im Radio, das Gesetz über die ukrainische Sprache, die Entstehung einer kanonischen, unabhängigen ukrainischen Kirche – all das ermöglichte es, die Möglichkeit einer Marginalisierung der ukrainischen Sprache und Kultur in weite Ferne zu rücken. Und wir haben gesehen, wie schnell sich das alles entwickeln kann. Wenn die Ukrainer das Radio oder YouTube einschalten, hören sie ukrainische Lieder und nicht diese ganze sekundäre russischsprachige Produktion, die immer als die größten kulturellen Errungenschaften der Welt dargestellt wurde. Die Ukrainer sehen sich Filme ihrer eigenen Filmemacher an, nicht die Werke russischer Regisseure. Vor allem aber gibt es nicht nur um die Einsicht, dass die Ukraine in der Lage ist, eine unabhängige kulturelle Plattform in der modernen Welt zu sein. 

Es geht nicht nur darum. Es gibt eine klare Erkenntnis, dass die Kultur, die das Imperium immer als die größte Errungenschaft unserer Zeit dargestellt hat, in Wirklichkeit eine sekundäre Kultur ist, die lediglich versucht, das zu wiederholen, was in Nordamerika oder Europa im Laufe der Zeit bereits geschaffen wurde. Tatsächlich besteht die ganze Stärke dieser Kultur darin, dass ihre Konsumenten einfach nicht wissen, was in der Welt um sie herum geschieht. Es ist ganz einfach, und so war es auch zu Zeiten des russischen Reiches und der Sowjetunion, die von der Welt um sie herum isoliert war. Und dann kann jeder kluge Künstler die Erfindung eines Fahrrads als eine wirklich unglaubliche Leistung seines kulturellen Genies ausgeben. Aber wenn man sich sozusagen in die weite Welt begibt, wenn man sich von diesem Einfluss der Nebensächlichkeit befreit, der die Kultur des Russischen Reiches, der Sowjetunion und erst recht der Russischen Föderation unter Putin immer begleitet hat, dann wird einem klar, dass die Welt viel größer ist als die russische Welt. Dass das Wesen der russischen Welt gerade in ihren unglaublichen, kulturellen, zivilisatorischen und ideologischen Begrenzheit liegt. Dass selbst die besten Vertreter der russischen Kultur, die Werke schufen, die für die Welt wirklich wichtig waren, in ihrem eigenen Land isoliert waren. Für den Rest meines Lebens erinnere ich mich an das Grab des russischen Klassikers Lev Tolstoj in Jasnaja Poljana. Tolstoj ist auf eine Weise begraben, wie kein anderes Land der Welt sein literarisches Genie begraben würde. Aber für die Russen war Tolstoj, der ihre imperialen Ideen und ihre Vorstellungen vom Leben kritisierte, immer eine Person, die außerhalb Russlands als kulturelle Marke durchgehen konnte und in Russland selbst offen und selbstbewusst verachtet wurde. Und dafür gibt es viele Beispiele in der russischen Kulturgeschichte, denn der Schwerpunkt dieser russischen Welt liegt darin, dass sie nicht nur Künstler aus Nachbarländern und Nachbarvölkern tötete und zerstörte, sondern auch mit ihrer eigenen Kultur so umging und versuchte sie zu einem bequemen Werkzeug für das herrschende Regime zu machen. Und wenn die Russen jetzt stolz auf diese oder jene kulturelle Persönlichkeit aus ihrem eigenen Volk sind, sollten wir das nicht vergessen. Erinnern wir uns daran, dass viele dieser Menschen gedemütigt, aus der Kultur ausgeschlossen wurden und in den Gefängnissen des Russischen Reiches und in den Lagern des Sowjetregimes einfach gestorben sind.

Und vor allem müssen wir uns daran erinnern, dass all diese Versuche, die ukrainische Kultur noch seit der Zeit von Schewtschenko zu marginalisieren, mit der Niederlage derer endeten, die die Instrumente dieser Marginalisierung waren. Die Welt, die Russland erschaffen hat und als das offensichtlichste Modell kultureller Existenz auszugeben versuchte, erwies sich als eine falsche Welt, die russische Welt, eine Welt des Raketenbeschusses und der Gewalt. Und dies ist auch ein wichtiger Beweis dafür, dass eine unabhängige kulturelle und zivilisatorische Entwicklung in unserer schwierigen Welt zum Überleben gehört. Ich bin aufrichtig davon überzeugt, dass die Ukraine, die diesen schrecklichen Krieg mit Russland überleben wird, in erster Linie ein Land der ukrainischen Kultur sein wird. Natürlich wird sie auch ein Teil der europäischen Kulturwelt sein. Und deshalb werden die Europäer, für die die ukrainische Kultur lange Zeit entweder eine terra incognita oder paradoxerweise ein Teil der russischen Kultur geblieben ist, um unsere kulturellen Fähigkeiten in der Vergangenheit und in der Zukunft wissen. Jetzt hat die Welt aufgehört, uns durch die russische Kulturbrille zu betrachten. Und dies ist auch eine der wichtigsten Errungenschaften der ukrainischen Unabhängigkeit und eine der wichtigsten Schlussfolgerungen aus dem Krieg, den Russland gegen die Ukraine geführt hat, um uns in seine russische Welt zurückzubringen. 

Alarm/ Тривога

Du bist wieder wach, 

Waffen gezogen… 

Blut… Schlaf… Zorn, Ton… 

Ich komme wieder raus!

Refrain:

Luftangriffsalarm!

Irgendwo brennen drei Panzer, 

und links schießen meine Brüder 

auf die Jungs.

Du wirst niemals verzeihen, 

niemals vergeben!

Und die blau-gelbe Fahne

Liegt in dem Rucksack!

Und dieser Feuerhagel 

soll endlich vom Himmel verschwinden!

Warum seid ihr gekommen, 

warum habt ihr Fahnen aufgehängt?

Die Fahne ist vor Blut

rot und schwarz geworden.

Kugeln fliegen in unsere Augen, 

doch wir stehen zusammen!

Wir stehen zusammen!

Tag… Nacht… 

Jemand ruft… 

Wieder von Angesicht zu Angesicht…

Feuer… Wasser… 

Wach auf! Verzeih.

Ich werde wiederkommen

Refrain:

Luftangriffsalarm!

Irgendwo brennen drei Panzer, 

und links schießen meine Brüder 

auf die Jungs.

Du wirst niemals verzeihen, 

niemals vergeben!

Und die blau-gelbe Fahne

Liegt in dem Rucksack!

Und dieser Feuerhagel 

soll endlich vom Himmel verschwinden!

Warum seid ihr gekommen, 

warum habt ihr Fahnen aufgehängt?

Die Fahne ist vor Blut

rot und schwarz geworden.

Kugeln fliegen in unsere Augen, 

doch wir stehen zusammen!

Wir stehen zusammen!

Denn wir stehen zusammen!

Tag für Tag stehen wir!

Wir stehen!


Ти знов не спиш,
Зброя навскіс…
Кров… Сон… Злість, тон…
Вийду знов!..

Приспів:
Повітряна тривога!..
Десь танки три горять,
А зліва побратими
Відстрілюють рєбят.

Ніколи не пробачиш,
Ніколи не простиш!
І прапор синьо-жовтий
В рюкзаку лежить!

І хай цей град з вогню
Нарешті зникне з неба!
Нащо ви прийшли,
Поставили знамена?..

Прапор у крові став
Червоно-чорним…
Кулі нам летять у очі,
Та ми разом стоїмо!..
Та ми разом стоїмо!..

День… Ніч…
Чийсь клич…
Знову віч-на-віч…
Вогонь… Вода…
Не спи!.. Прости!..
Я повернусь!..

Приспів:
Повітряна тривога!..
Десь танки три горять,
А зліва побратими
Відстрілюють рєбят.

Ніколи не пробачиш,
Ніколи не простиш!
І прапор синьо-жовтий
В рюкзаку лежить!

І хай цей град з вогню
Нарешті зникне з неба!
Нащо ви прийшли,
Поставили знамена?..

Прапор у крові став
Червоно-чорним…
Кулі нам летять у очі,
Та ми разом стоїмо!..
Та ми разом стоїмо!..

Бо ми разом стоїмо!
День у день стоїмо!
Стоїмо!..

Asow. Victoria Amelina

Eine verwirrte Frau an der Küste eines fremden Meeres,

Haare zerzaust, Turnschuhe abgetragen.

Sie flüstert den Namen mit verwitterten Lippen.

Die Einheimischen denken: Eine Frau hat ihren Mann verloren,

aber ich höre den Namen, den sie sagt.

Es ist kein Männername, es ist kein Kindername

Sie steht über dem Meer und ruft das Meer

Und auch das Meer denkt: Sie hat ihren Mann verloren.

Es antwortet nicht auf diesen unbekannten und seltsamen Namen.

Es spült nur Muscheln und scharfe Steine aus

Und flüstert auf seine eigene, meeresartige Art:

Frau, er wird zu dir zurückkommen, dein Asow.


жінка розгублена біля чужого моря

волосся розтріпане, кеди стоптані 

шепоче ім’я обвітреними губами

тутешні думають: жінка втратила чоловіка

але я чула ім’я, яке вона вимовляє 

це не ім’я чоловіка, це не ім’я дитини 

вона стоїть над морем і кличе море 

та море теж думає: втратила чоловіка

не озивається на ім’я незнайоме й дивне

тільки виносить мушлі й каміння гостре 

тільки шепоче по-своєму, по-морському:

жінко, він ще до тебе повернеться, 

твій Азов