Zaluzhny: Wie der Krieg in der Ukraine enden wird | Vitaly Portnikov. 30.11.2025.

Der ehemalige Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine, General Valery Zaluzhny, ist mit einem großen Artikel aufgetreten, in dem er vor allem versucht, die Ziele und Ergebnisse des russisch-ukrainischen Krieges zu reflektieren sowie das, was in den kommenden Jahren damit geschehen wird. Der General spricht über das, woran ich selbst die ganzen Jahre dieses zermürbenden Kampfes zu erinnern versuche.

Erstens ist das Wichtigste für jeden Staat die Festlegung der politischen Ziele dieses Krieges und das Verständnis dessen, was dieser Staat im Krieg erreichen möchte. Und zweitens – dass wir uns nun seit Jahren in einer völlig neuen Art von Krieg befinden: einem Erschöpfungskrieg. Und aus diesem Blickwinkel ist das Bestreben der Russischen Föderation, das Leben der Ukrainer unerträglich zu machen und sie dazu zu zwingen, in den Ruinen ihrer eigenen Städte zu leben, für Russland nicht weniger wichtig – vielleicht sogar wichtiger – als das Vorgehen der russischen Angriffsarmeen an der Front und die Eroberung neuer ukrainischer Gebiete.

So bestimmt Valery Zaluzhny als politisches Ziel des Krieges für die Ukraine die Bewahrung der ukrainischen Staatlichkeit und sagt klar, dass das Ziel Russlands in diesem Krieg die Vernichtung der Ukraine sei, keineswegs nur die Besetzung eines Teils ukrainischer Territorien. Ebenso bezeichnet er für die Ukraine als Kriegsziel den Zerfall des Russischen Imperiums und betont, dass beide Ziele für beide verfeindeten Staaten unerreichbar sind: Die Ukraine kann den Zerfall des Russischen Imperiums nicht erreichen, und Russland kann das Verschwinden der ukrainischen Staatlichkeit von der politischen Weltkarte nicht erreichen – der Krieg wird also weitergehen.

Ich füge hinzu, dass dies natürlich in unterschiedlichen Formen geschehen kann, denn man kann sich in absehbarer Zukunft eine Einstellung des Feuers an der russisch-ukrainischen Front vorstellen. Doch selbst dann könnte der Erschöpfungskrieg, den Russland gegen die Ukraine führt, nicht enden, sondern lediglich neue aggressive Formen annehmen, die mit dem Wunsch verbunden sind, den Boden für die endgültige Vernichtung der ukrainischen Staatlichkeit zu bereiten.

Zu diesen Überlegungen des ehemaligen ukrainischen Oberbefehlshabers möchte ich hinzufügen, dass wir uns politisch auch darüber klar werden müssen, was eigentlich das Russische Imperium ist.

Für viele Ukrainer, die nicht wissen, wie sich die administrativ-territorialen Prozesse im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion entwickelten, ist die Russische Föderation das Russische Imperium. Dabei ist die Russische Föderation in Wirklichkeit ein typischer Nationalstaat mit wenigen Minderheiten, die die Dominanz des russischen Volkes keineswegs beeinflussen können. Einen solchen russischen Staat gab es weder in Zeiten des Russischen Imperiums noch in Zeiten der Sowjetunion, wo ethnische Russen im Vergleich zu den vielen von Moskau unterdrückten Völkern eine Minderheit waren.

Natürlich kann man sich vorstellen, dass sich auch von der Russischen Föderation in einer Phase ernsthafter Schwächung einzelne nationale Einheiten abspalten könnten, was zu Krisenphänomenen, vielleicht zu Konflikten auf dem Gebiet der Föderation führen oder zur physischen Vernichtung jener Völker, die versuchen würden, die Territorien ihrer national-administrativen Einheiten von Russland zu lösen.

Wie das aussehen kann, wissen wir aus den Erfahrungen des ersten und zweiten Tschetschenienkriegs, die mit Teppichbombardierungen von Grosny endeten. Und das, obwohl die Tschetschenen zahlenmäßig selbstverständlich nicht annähernd mit den Ukrainern vergleichbar sind. Doch wie man sieht, war das den Russen völlig egal.

Und der russisch-ukrainische Krieg hat ihnen eine gewaltige Chance gegeben, die Völker auf dem Gebiet der Russischen Föderation weiter zu verringern, damit diese endgültig selbst die theoretische Fähigkeit verlieren, mit den Russen darum zu konkurrieren, wie das Territorium der Russischen Föderation in Zukunft aussehen soll.

Aber das Russische Imperium – das ist keineswegs die Russische Föderation, sondern tatsächlich die ehemalige Sowjetunion in den Grenzen von 1991. Genau deshalb ging Russland zur Schaffung der sogenannten Gemeinschaft Unabhängiger Staaten über, die für Russland zu einem Instrument der Kontrolle über den gesamten postsowjetischen Raum wurde. Und man kann sagen, dass Russland den größten Teil dieses Raumes bis heute kontrolliert. Und einige Staaten, die versucht haben, sich dieser Kontrolle zu entziehen, wie etwa Georgien, kehren nun wieder in die russische Einflusszone zurück.

Genau dafür führt Putin heute seinen Kampf – neben dem Erschöpfungskrieg und dem Krieg um ukrainische Territorien. Wenn die Ukraine nicht erobert werden kann, wird man sie in naher Zukunft – wie kürzlich Georgien – in die russische Einflusssphäre zurückbringen können, selbst wenn die Ukraine keine diplomatischen Beziehungen zur Russischen Föderation wiederaufnimmt. Und so wird zwar nicht das Russische Imperium selbst wiederhergestellt, aber die russische Einflusszone über ihre ehemaligen Kolonien bewahrt. Das heißt, die Möglichkeit einer vollständigen Wiederherstellung des Russischen Imperiums in Zukunft bleibt erhalten.

Und wie könnte das Russische Imperium zerfallen? Das wird das eigentliche Ergebnis des russisch-ukrainischen Krieges sein, falls die Ukraine nicht nur ihre Staatlichkeit bewahrt, sondern auch aus der russischen Einflusszone heraustritt und Teil des Westens wird.

Und genau das wünschen weder Russland noch seine Verbündeten auf der ganzen Welt. Ja, der ungarische Premierminister Viktor Orbán sagt klar, dass die Ukraine ein Pufferstaat bleiben müsse.

Die Russische „Reichssphäre“ von Uschhorod bis Wladiwostok soll also in Form der Einflusszone der Russischen Föderation bewahrt bleiben. Wenn es der Ukraine gelingt, in diesem zermürbenden Krieg nicht nur als Staat zu überleben, sondern als eigenständiger Staat, der seinen Weg Richtung Westen fortsetzt, dann wird das bedeuten, dass das Russische Imperium zerstört wurde – und die Russen, die in diesem Fall offensichtlich auch die Kontrolle über alle anderen ehemaligen Sowjetrepubliken verlieren werden, werden sich mit etwas beschäftigen müssen, womit sie sich in ihrer gesamten nationalen Geschichte praktisch nie befasst haben: dem Aufbau eines Nationalstaats und der Suche nach einem Einvernehmen mit den nationalen Minderheiten auf dem Gebiet der Russischen Föderation selbst.

Und genau das könnte der Weg in eine schwere Krise und große Probleme in Russland selbst sein und letztlich auch zu krisenhaften Entwicklungen in den ehemaligen Sowjetrepubliken führen, die zu einer Art „Hotels“ für russische Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten werden und ebenfalls jahrelang in permanenten Krisen stecken könnten. Die Ukraine und Kasachstan sind die ersten Kandidaten für eine solche Entwicklung.

Damit aber auch das uns nicht widerfährt, muss die Ukraine Mitglied der Europäischen Union und der NATO werden und zusammen mit anderen Ländern eine gemeinsame Migrationspolitik aufbauen. Auch das wird uns vor zukünftigen Problemen im Nachbarstaat schützen.

All dies ist natürlich noch weit entfernt, aber man muss sich darüber klar werden, dass die kommenden Jahrzehnte in der Geschichte des ukrainischen Volkes nicht weniger schwer sein werden als die bisherigen. Auf neue Herausforderungen muss man sich vorbereiten.

Der Erschöpfungskrieg kann entweder zur Rückkehr der Ukraine in die russische Einflusssphäre führen oder zu unserem realen Sieg – zum Übergang der Ukraine auf die westliche Seite – und zu einer dauerhaften Krise in der Russischen Föderation, die uns neue krisenhafte Prüfungen auferlegen wird. Und all das wird uns noch bevorstehen, selbst dann, wenn wir den letzten Schuss aus russischen Kanonen und die letzte Salve russischer Raketen hören.

Das 21. Jahrhundert, so lässt sich aus dem Artikel von General Valery Zaluzhny verstehen, wird eines der turbulentesten, zermürbendsten und schwierigsten auf ukrainischem Boden sein. Und vielleicht werden die Ururenkel der heutigen Ukrainer eine Welt sehen, die ihre Urgroßväter zu sehen hofften – die Welt des Endes oder Beginns des 22. Jahrhunderts, eine Welt, in der die Ukraine frei aufatmen wird.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Залужний: чим закінчиться війна в
Україні | Віталій Портников. 30.11.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 30.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Politik und Krieg. Realität gegen Erwartungen. Kolumne von Valery Zaluzhny. 29.11.2025.

https://www.liga.net/ua/politics/opinion/polityka-i-viyna-realnist-proty-ochikuvannia

Der Gedanke an diesen Artikel kam mir Ende des Jahres 2023, als wir gemeinsam mit dem Stab versuchten, eine Bilanz dieses stürmischen Jahres 2023 zu ziehen und vor allem – zu versuchen, unsere Strategie für das kommende Jahr 2024 zu entwickeln.

Es war ein schweres Jahr. Wir verstanden noch nicht, warum es mit jedem Tag immer schwerer und schwerer wurde, trotz völlig anderer Ausgangspositionen im Vergleich zu 2022. Irgendetwas stimmte nicht. Irgendetwas musste man sehen und für die Zukunft vorhersehen. Etwas, das alles verändern oder zumindest irgendwie eine Situation erhalten konnte, in der noch alles möglich war.

Der Krieg hatte sich im Jahr 2023 grundlegend verändert. Und wenn uns seine physische Natur vollkommen klar war, was es uns sogar ermöglichte, auf seine weitere Entwicklung Einfluss zu nehmen – etwa durch einen umfassenden Ansatz beim Einsatz von UAVs, durch Weltraumaufklärung –, so war es doch vorerst unmöglich, eine vollständige Strategie für unser zukünftiges Verhalten zu formulieren.

Noch offensichtlicher wurde die Abhängigkeit von und der Einsatz wirtschaftlicher Möglichkeiten sowie deren immer stärkere Einbindung in den Kriegsverlauf insgesamt.

Wir verstanden auch, dass es unmöglich war, ständig von der Lieferung von Waffen durch westliche Partner abhängig zu sein. Und zwar nicht einmal deshalb, weil diese Waffen früher oder später bei ihnen ausgehen würden, sondern vor allem deshalb, weil sich die Waffen selbst mit der Zeit verändern würden und unsere Partner sie dann einfach nicht mehr hätten. Etwas Fundamentales fehlte im Ansatz zur Entwicklung einer schlüssigen Strategie.

Schließlich, nachdem die Folgen der getroffenen Entscheidungen im Bereich der Mobilisierung unverhältnismäßigen Schaden zu verursachen begannen, fügte sich alles zu einem Gesamtbild.

Sofort fielen mir die akademischen Lehrsätze wieder ein. Denn nach Clausewitz, der vom Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln spricht, ist gemeint, dass eine Strategie keine rationale Grundlage haben kann, solange nicht klar die Ziele bestimmt sind, die erreicht werden müssen.

Über das politische Ziel des Krieges.

Das politische Ziel des Krieges – das ist es, was Antworten auf alle Fragen gibt. Genau dieser Begriff ermöglicht es, nicht nur zu sehen, was der Gegner tut, sondern auch, wie wir selbst weiter vorgehen müssen. Und wenn nach demselben Clausewitz der Krieg eine „Dreifaltigkeit“ ist: Bevölkerung, Streitkräfte und Staatsführung, diese Aspekte umfassen drei verschiedene Rechtsordnungen, und unter diesen Seiten ist die Bevölkerung die empfindlichste, was die Unterstützung des Krieges angeht.

Ohne Unterstützung durch die Gesellschaft ist es unmöglich, einen Krieg erfolgreich zu führen. Ist dann nicht die wichtigste Form einer solchen gesellschaftlichen Unterstützung die Einstellung der Gesellschaft, vor allem zur Mobilisierung, die rapide zu stocken begann?

Clausewitz betonte: Um die Unterstützung der Bevölkerung zu haben, ist es wichtig, dass die Öffentlichkeit gut informiert ist, unterscheiden kann zwischen „richtig“ und „falsch“, „eigen“ und „fremd“. Es ist nur natürlich, dass die Unterstützung der Bevölkerung für das „Eigene” und „Richtige”, also das Nationale, am stärksten und spürbarsten ist – in der Praxis wird sie bedingungslos, wenn die Bevölkerung direkt Gefahr ausgesetzt ist. Gefahr kann jede Bedrohung sein, die als unmittelbare Bedrohung der Unabhängigkeit des Staates wahrgenommen wird.

Es ist also offensichtlich, dass ganz gleich, wie sehr sich die militärische Führung bemühen mag, eine Militärstrategie für einen bestimmten Zeitraum zu formulieren – all das wird keinerlei Ergebnis haben ohne politischen Willen, der sich genau durch das politische Ziel formt.

Zurückkehrend zu Clausewitz, liegt seiner Theorie zugrunde, dass Kriege in der Regel mit politischen, nicht mit militärischen Zielen geführt werden und nicht so sehr durch physische, sondern vielmehr durch ideologische Kräfte in Gang gesetzt werden.

Eines Abends gab ich den Befehl, alle Richtlinien und Weisungsdokumente hervorzuholen, die beim Generalstab der Streitkräfte der Ukraine eingegangen waren, um festzustellen, welches politische Ziel des Krieges überhaupt definiert worden war. Oder ob wir möglicherweise etwas übersehen hatten. Denn nur mit der Festlegung eines politischen Ziels werden alle Akteure des Staates versuchen, die am Horizont abzeichnete Linie zu erreichen. Die dann schon Anspruch auf den Sieg erheben kann. Leider hatten wir damals nichts übersehen …

Ich hatte damals versucht, das politische Ziel für unseren Krieg zu formulieren, um die notwendige Strategie für seine Erreichung zu skizzieren. Ich bereitete einen umfangreichen Artikel vor, der in der oberen Schublade meines Schreibtisches liegen blieb. Er trug den Titel „Über das politische Kriegsziel für die Ukraine Ende 2023“.

Richtig ist eines der wichtigsten Postulate von Clausewitz. Es besteht darin, dass sich der Krieg verändert und diese Veränderungen entsprechend den Veränderungen der Politik stattfinden. Denn die Veränderungen, die im Krieg stattfinden, erfordern ihrerseits Veränderungen an der politischen und wirtschaftlichen Front.

Aber die politische Lage war damals so angespannt, dass ich mich nicht dazu durchringen konnte, diesen Artikel zu veröffentlichen. Die innenpolitische Lage war zu fragil. Doch einzelne seiner Thesen bildeten dennoch die Grundlage des Konzepts unserer Handlungen für 2024. Das leider auf dem Papier blieb. Später erarbeitete ein anderes Team sein eigenes Konzept und setzte es in die Tat um…

Heute, Ende 2025, dauert der Krieg in der Ukraine bereits zwölf Jahre an. Und mit absoluter Sicherheit lässt sich sagen, dass er immer mehr Züge eines Weltkriegs annimmt. Ja, nach der Zahl der Opfer hat er das Ausmaß eines Weltkriegs noch nicht erreicht, doch nach dem Grad seines globalen Einflusses und seiner Folgen ist er bereits kurz davor, seine gefährliche Bilanz zu eröffnen.

Ein Beispiel dafür ist eine Episode aus unserer Geschichte, als scheinbar starke Persönlichkeiten der heutigen Welt mögliche schnelle Lösungen und den lang ersehnten Frieden versprachen.

Ein Frieden, der bis heute nicht eingetreten ist.

Ziel Nummer eins für Russland.

Die Ukraine befindet sich in einer äußerst schwierigen Lage, in der hinter einem schnellen Frieden mit Sicherheit nur eine vernichtende Niederlage und der Verlust der Unabhängigkeit stehen würden. Doch wie die Zeit gezeigt hat, konnte nicht einmal das erreicht werden.

Heute stellt sich die interessante Frage, ob dies nicht eine Folge der übergroßen Appetit – Russlands ist, die über die Grenzen der Ukraine hinausreichen könnten? Offensichtlich ja. Das alles ergibt sich aus dem mangelnden Verständnis des politischen Ziels Russlands und aus dem Fehlen einer eigenen politischen Vision, die sich vermutlich auf mögliche politische Ziele globaler Akteure stützte. Aber selbst wenn ein solches Verständnis käme, dann gilt gemäß derselben Kriegstheorie: Jedes verzögern im Krieg schadet demjenigen, der angreift. Die Russen können sich das nicht leisten – dann wäre ein so erwarteter Frieden in der Ukraine ohne den Aufbau einer neuen Sicherheitsarchitektur zumindest in Osteuropa schlicht unmöglich.

Hier kann ich es mir gegenüber den Europäern nicht verkneifen, Benjamin Franklin zu zitieren: „Diejenigen, die Freiheit aufgeben, um eine vorübergehende Sicherheit zu gewinnen, verdienen weder Freiheit noch Sicherheit.“ In etwa so bilden die USA heute ihre Politik in Europa.

Während westliche Politiker in den Fesseln eigener Illusionen gefangen waren, rosarote Szenarien zeichneten und sich gegenseitig zuarbeiteten, über den Wiederaufbau der Ukraine nachdachten, und ihre Experten im Einklang mit ukrainischen Kollegen zukünftige Wahlen in der Ukraine entwarfen, bewegte sich die Frontlinie stetig in Richtung Dnipro, und heute – in Richtung Saporischschja und Charkiw. Kaum jemand schenkt dem ausreichend Beachtung. Manchmal scheint es, als würde man selbst an der Front – wie vor hundert Jahren – nicht mehr auf einen Sieg, sondern auf den lang erwarteten Frieden warten.

Gleichzeitig war der russische Theoretiker der Kriegskunst Swetschin schon vor hundert Jahren anderer Meinung. Dahinter verbirgt sich etwas Komplexeres.

Seine eigene Geschichte ist ebenfalls interessant. Als zaristischer General und in der Hoffnung, dem kommunistischen Regime nützlich zu sein, veröffentlichte er 1927 das Buch „Strategie“, in dem er seine Sicht auf das System der Vorbereitung und Führung des Krieges durch den Staat darlegte. Seine Geschichte kann in unseren schweren Zeiten lehrreich sein. Alexander Swetschin wurde 1938 von denselben Kommunisten verhaftet und erschossen, denen er hatte dienen wollen. Aber es geht jetzt nicht um ihn, sondern um die Strategie selbst und um ihren Zusammenhang mit der Politik.

Bei dem oben genannten Autor finden wir eine sehr interessante Definition: „Jeder Kampf um eigene Interessen kann nur bewusst und planmäßig geführt werden, wenn man seine Ziele versteht.“ Hier ist der erste Schritt zum Verständnis des Wesens der Handlungen Russlands. Die weitere Schilderung der Ereignisse bestätigt, dass die russische Führung, indem sie vor allem die Schwäche des kollektiven Westens und der internationalen Institutionen ausnutzt, ein Ziel formuliert hat, das nicht nur für die militärische Führung verständlich ist – ein Ziel, das sich nicht auf die Lösung einzelner Territorialansprüche oder den ‚Schutz russischsprachiger‘ Bürger der Ukraine beschränkt. Russland interessiert sich nicht für die Donezker oder Luhansker Gebiete, es sei denn für deren Mobilisierungspotenzial. Tausende „Swetschins“ haben bereits die Reihen der Kämpfer für die „russische Welt“ aufgefüllt und haben sich gewissermaßen zu ihm selbst gesellt.

Ziel Nummer eins für Russland ist die Ukraine. Genau die Ukraine mit ihrer Subjektivität, ihrer Unabhängigkeit und all ihren Potenzialen, die zum Tor nach Europa werden soll. Ist vielleicht gerade deshalb heute so schwer, sich auf ein Ende des Krieges zu verständigen? Der Logik desselben Autors folgend, werden solche Ziele nicht öffentlich erklärt oder grundsätzlich verzerrt, um möglichst viele Anhänger anzuziehen.

In welcher Form der Entzug der ukrainischen Souveränität und die Wiederherstellung imperialer Ambitionen vorgesehen waren, werden Historiker später herausfinden können. Aber der Charakter der Ereignisse seit Herbst 2021, im Laufe des Jahres 2022 und bis heute – insbesondere die Verbreitung von Misstrauen gegenüber den Streitkräften der Ukraine, die aufgedeckten Korruptionsverbindungen einzelner Mitglieder des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats sowie die Rhetorik und das Verhalten der russischen Führung – lassen keinen Zweifel am Ziel Russlands: Die Ukraine soll aufhören, als unabhängiger Staat zu existieren.

Diese Schlussfolgerung müssen vor allem wir Ukrainer uns merken. Ihr Verständnis muss die Grundlage für die Entwicklung unserer eigenen Strategie zur Erhaltung des Staates bilden. Und sie muss auf einem politischen Ziel aufgebaut werden, das von der höchsten militärisch-politischen Führung des Staates bestimmt wird.

Es stellt sich die logische Frage: Was genau ist ein politisches Ziel? Und warum reicht nicht nur eine Militärstrategie, die ohnehin die Wirtschaft betrifft?

Alles liegt in den Grundlagen der Kriegswissenschaft. Und diese sagt: „Die Aufgabe der höchsten militärischen Führung ist es, die Kampfkraft des Feindes zu vernichten. Ziel des Krieges ist es, einen Frieden zu erringen, der den Bedingungen der Politik entspricht, die der Staat verfolgt.“ Der Krieg ist also kein Selbstzweck, der nur von Militärs geführt wird, sondern er wird geführt, um einen Frieden zu schließen – zu bestimmten vorteilhaften Bedingungen.

Ein Politiker, der das politische Ziel des Krieges bestimmt, muss die Lage an der militärischen, der sozialen und der wirtschaftlichen Front berücksichtigen, deren Beherrschung günstige Voraussetzungen für Friedensverhandlungen schafft. Folglich ist nicht nur die Verteidigung an all diesen Fronten wichtig, sondern auch zielgerichtete Angriffe auf jeden dieser Segmente des Gegners müssen Erfolg haben, insbesondere in einem Abnutzungskrieg. Das muss man sich merken.

Auf diese Weise bedeutet die Bestimmung des politischen Kriegsziels faktisch, die Aufgaben zu definieren und die Führung an der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Front zu vereinen.

Die Vorbereitung auf die Invasion

Was tat Russland? Bereits mit einem klar formulierten Kriegsziel, unter Berücksichtigung eigener Möglichkeiten und des Zustands unseres Staates, begann es unter den Parolen über ein Ende des 2014 begonnenen Krieges, unter grober Verletzung des Völkerrechts, ab Mitte 2019 mit einer beispiellosen Vorbereitung auf eine Invasion in die Ukraine, indem es entlang unserer Grenzen Truppen zusammenzog.

Strategie ist die Kunst, die Vorbereitung auf den Krieg und die Führung von Operationen zu verbinden, um sein Ziel zu erreichen. Die Strategie löst Fragen über den Einsatz sowohl der Streitkräfte als auch aller Ressourcen des Landes zur Erreichung des Endziels.

Hier liegt der erste Stein, an dem sich die Verteidigung der Ukraine stößt. Die Strategie muss alle notwendigen Ressourcen nutzen. Aber kann sie in vollem Umfang über sie verfügen?

Nach der Logik desselben Swetschin gibt es zur Erreichung eines politischen Ziels nur zwei Arten von Strategien: Vernichtung und Abnutzung. Nichts anderes hat die Menschheit erfunden. Wozu müssen wir uns an den in der Ukraine längst vergessenen russischen Theoretiker erinnern? Gerade anhand dieser beiden Strategien lässt sich der Verlauf unseres Krieges betrachten und vor allem – die einzige Strategie unserer Handlungen finden, die auf einem richtig definierten politischen Ziel aufbaut.

Im August 2021, als ich Oberbefehlshaber der Streitkräfte der Ukraine wurde, dauerte der Krieg Russlands gegen die Ukraine bereits siebten Jahre lang an. Die Streitkräfte der Ukraine befanden sich zwar in einem Transformationsprozess, sammelten Kampferfahrung, hatten aber immer noch eine große Anzahl von Problemen in verschiedenen Bereichen. Die russische Armee hingegen baute ihre Kräfte und ihr Gerät in intensiven Schritten aus. Die Analyseplattform Global Firepower Index veröffentlichte im Herbst 2021 ein Ranking, laut dem die Streitkräfte der Russischen Föderation den zweiten Platz unter den stärksten Armeen der Welt nach den USA einnahmen, während die Streitkräfte der Ukraine auf Platz 25 standen.

Russland erhöhte von Jahr zu Jahr den Militärhaushalt, investierte in den Verteidigungsindustriekomplex, kaufte immer mehr Waffen und Technik. Sie waren uns sowohl zahlenmäßig als auch in der Ausrüstung deutlich überlegen. Ab 2019 und in den folgenden drei Jahren stiegen die Militärausgaben der Russischen Föderation weiter.

Gleichzeitig geschah in der Ukraine das Gegenteil: 2021 wurden der Armee sogar weniger Mittel zugewiesen als im Vorjahr. Und obwohl die Politiker laut verkündeten, dass über 5 % des BIP für den Sicherheits- und Verteidigungssektor bereitgestellt wurden – das betrifft nicht nur die Streitkräfte, sondern auch Polizei, SBU, Nationalgarde, Grenzschutz.

Von 260 Mrd. Hrywnja entfiel auf das Verteidigungsministerium weniger als die Hälfte. Die Finanzierung der Entwicklung und Beschaffung von Waffen und Technik wurde nicht erhöht, der Großteil der Mittel floss traditionell in die Besoldung der Militärangehörigen. Dadurch befanden sich die Streitkräfte in einem Zustand der Stagnation: Es fehlten Mittel für Entwicklung und Steigerung der Gefechtsbereitschaft, es gab ein Problem mit der Abwanderung von Personal und der Unterbesetzung von Einheiten.

Der Haushalt für 2022 wurde vom Parlament bereits unter Bedingungen der Eskalation und des Aufmarsches russischer Truppen an den ukrainischen Grenzen verabschiedet. Infolgedessen stieg er nur um 10 % und erreichte 133 Mrd. Hrywnja.

Doch das war nichts im Vergleich zu den Herausforderungen, die die Ukraine und die Streitkräfte angesichts der großangelegten Aggression Russlands erwarteten. Die Zukunft sollte zeigen, dass die anhaltende Unterfinanzierung der Armee zur Ansammlung einer ganzen Reihe von Problemen führte.

Die Streitkräfte der Ukraine trafen die großangelegte Invasion Russlands mit einem riesigen Defizit an allem – von Menschen bis zu Waffen.

Ende 2021 überstieg die Zahl der russischen Armee die der ukrainischen um das Fünffache, die Zahl der Panzer und gepanzerten Kampffahrzeuge war viermal höher, die Artillerie um das 3,4-Fache, und die Angriffshelikopter um das 4,5-Fache. Noch trauriger war die Situation bei der ukrainischen Marine – wir hatten keine Flugzeugträger, Zerstörer, Korvetten oder U-Boote.

Stand August 2021 zählten die Streitkräfte der Ukraine 250.000 Menschen, davon rund 204.000 Militärangehörige. Die Zahl der russischen Armee stieg von Jahr zu Jahr und betrug damals bereits über eine Million Soldaten.

Kampfbrigaden im Bestand der Streitkräfte gab es zum Zeitpunkt meiner Ernennung nur 24. Das sind die allgemeinmilitärischen Brigaden der Landstreitkräfte, der Luftsturmtruppen und der Marineinfanterie, die die Grundlage der Gruppierungen für Bodenoperationen bilden. Von ihnen erfüllten im August 2021 bereits 12 Brigaden Kampfaufgaben im Osten und Süden der Ukraine. Das heißt, uns blieben nur 12 Kampfbrigaden, die sich auf Übungsplätzen oder in ständiger Dislozierung befanden und die man im Falle einer großangelegten Aggression in den Kampf schicken konnte.

All das gab Russland alle Möglichkeiten, genau die Strategie der Vernichtung einzusetzen, um das formulierte politische Ziel zu erreichen. Deshalb begann Russland 2021, die Zahl der Truppen entlang der Grenze zur Ukraine erheblich zu erhöhen. Bereits im August zeichnete sich die Konfiguration wahrscheinlicher Angriffsrichtungen ab. Nach Einschätzung des Nachrichtendienstes erlaubte die vorhandene Zahl russischer Truppen in Grenznähe, bis zu sechs operative Gruppierungen zu bilden, die in eine Invasion einbezogen werden konnten. Darüber hinaus wurden auch auf der zeitweise besetzten Krim Truppen für eine Offensive in Richtung Taurien und Asowmeer zusammengezogen.

Insgesamt wurde die Angriffsgruppierung der Russen zu Beginn der Invasion auf mindestens 102 Bataillons-taktische Gruppen geschätzt – das sind bis zu 135.000 Soldaten, 48 OTRK, knapp 2.000 Panzer, 5.319 gepanzerte Fahrzeuge, 2.000 Artilleriesysteme und knapp 700 Mehrfachraketenwerfer.

Russland hatte eine absolute Überlegenheit bei Luftangriffsmitteln und Luftverteidigung, hatte vor dem Krieg den Kampfbestand seiner Luftwaffe erneuert und auf modernere Technik umgerüstet. Nach Einschätzung des Nachrichtendienstes konnte der Gegner für die Invasion insgesamt bis zu 342 Flugzeuge der operativ-taktischen Luftfahrt und bis zu 187 Helikopter einsetzen. Außerdem bildeten die Russen Schiffsgruppierungen für Operationen im Schwarzen und Asowschen Meer.

So sah die Situation Ende 2021 aus. Wir waren dem Gegner deutlich unterlegen in der Zahl an Waffen und Gerät, Munition, Personal. Im Gegensatz zu Russland hatten wir nur sehr wenige moderne Waffensysteme.

Anfang 2022 führte der Generalstab Berechnungen durch, die zeigten, dass der Gesamtbedarf an Mitteln zur Abwehr der Aggression, insbesondere zur Wiederherstellung und Auffüllung der Bestände an Raketen und Munition, sich auf hunderte Milliarden Hrywnja belief. Die die Streitkräfte nicht hatten. Es ist schwer zu sagen, welchem politischen Ziel ein solcher Zustand der wichtigsten Institution des Staates entsprach.

Daher sah die russische Vernichtungsstrategie klare und abschließende militärische Handlungen vor, die genug Potenzial hatten, um das politische Ziel sowohl durch einen schnellen Schlag gegen die Hauptstadt als auch in anderen Richtungen zu erreichen. Ein charakteristisches Merkmal einer solchen Strategie, neben einem hohen, aber begrenzten Potenzial, ist das Fehlen strategischer Reserven beim Gegner, die in der Vernichtungsstrategie zu schaffen und einzusetzen nicht vorgesehen wird.

Die für Militärs typischen operativen Reserven gehören zum Bestand der Gruppierungen und bleiben als separater Potenzialanteil erhalten. Die Erreichung des politischen Ziels erfolgte somit überwiegend durch militärische Methoden in Kombination mit klassischen Informations- und psychologischen Aktionen, der Tätigkeit von Agenten und einer „fünften Kolonne“.

Doch die Situation entwickelte sich anders.

Wechsel von der Vernichtungsstrategie zur Strategie der Abnutzung

Die Ukraine, die unter den Schlag eines Gegners geraten war, der ihr in Größe, Wirtschaft, Bevölkerungszahl, Militärbudget und Armee um ein Vielfaches überlegen war, hielt stand. Vor allem dank des Heldentums der Ukrainer, Innovationen und der durch die Unterstützung der Verbündeten erreichten Parität.

Natürlich hätte eine solche Reaktion Teil des politischen Ziels sein müssen. Denn gerade das beispiellose Heldentum der Bürger der Ukraine wurde zum Garant des Sieges und hätte Ergebnis einer festen Position an der politischen Front sein müssen.

Dem Gegner nicht zu erlauben, seine Strategie zur Erreichung des politischen Ziels umzusetzen, ist ein absoluter Sieg. Ein Sieg, der die Ukraine zwar das Leben ihrer besten Bürger und einen Teil ihres Territoriums kostete, aber den Staat bewahrte und das Wichtigste gab – eine Chance auf Kampf und auf Frieden zu eigenen Bedingungen. Eine Chance, die wir bis heute nutzen.

Von diesem Moment an muss man sich wieder der Kriegswissenschaft zuwenden. Und sie erinnert erneut daran, dass zur Erreichung desselben politischen Ziels, wenn die Rechnung auf die Vernichtungsstrategie nicht aufgeht, die Strategie auf Abnutzung umgestellt wird.

Wie sich später herausstellte, schmälert das in keiner Weise die Entschlossenheit der Endziele. Heute ist sich dessen bereits die ganze Welt sicher, nicht nur wir.

Ab dem 17. April 2022, während Agenten und die „fünfte Kolonne“ in der Ukraine den Boden für die neue Strategie vorbereiteten, konzentrierten die russischen Truppen ihre Anstrengungen auf militärische Aktionen im Nordosten, Osten und Süden, wo sie Bedingungen für die Vorbereitung auf Aufgaben im Rahmen der Abnutzungsstrategie schaffen sollten.

Aus militärischer Sicht schien alles klar. Die russischen Truppen versuchten, mit den Resten ihres Potenzials durch immer konzentriertere Schläge die Initiative nicht zu verlieren, und gingen an einigen Abschnitten, etwa am rechten Ufer des Dnipro und im Süden, in die Defensive über, um Bedingungen für einen langen Krieg zu schaffen. Einen Abnutzungskrieg. Bis Ende 2022 fanden solche Handlungen praktisch entlang der gesamten Frontlinie statt, ohne bedeutende operative Erfolge außer der Befreiung der Region Charkiw und des rechten Dnipro-Ufers.

Überwiegend waren diese Handlungen das Ergebnis unserer Nutzung der Restbestände unserer operativen Reserven und der dosiert eingehenden Unterstützung durch unsere Partner sowie des teilweisen Einsatzes begrenzter strategischer Reserven durch Russland. Dies führte zum Verlust des größten Teils der Region Luhansk sowie des linken Ufers der Regionen Saporischschja und Cherson. Objektiv hatte sich die Vernichtungsstrategie durch den Mangel an Kräften, Mitteln und strategischen Reserven auf beiden Seiten erschöpft. Das ist übrigens ein weiterer Grund für den Eintritt des Krieges in eine Stellungskriegphase. Wenn es an materiellen Vorräten mangelt und die Vorbereitung auf beiden Seiten unzureichend ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ein Krieg zum Stellungskrieg wird. Unter dem Einfluss weiterer Faktoren kam es später genau so.

Wahrscheinlich muss man beim Studium dieser beiden Theorien den Schluss ziehen, dass die Abnutzungsstrategie eingesetzt werden kann, um Bedingungen für eine Vernichtungsstrategie zu schaffen. Deswegen versuchte die Ukraine seit Herbst 2022, Bedingungen für die Umsetzung der Vernichtungsstrategie im folgenden Jahr 2023 zu schaffen.

Doch aufgrund des Fehlens eines politischen Ziels beschränkten sich die Vorbereitungen nur auf die militärische Schiene und betrafen lediglich die strategische Aufstellung und das Formieren von Potenzial für die Aufgabenlösung im Jahr 2023. Unsere Reserven waren durch westliche Hilfe begrenzt, die Wirtschaft deckte die Bedürfnisse der Front nicht, die Gesellschaft war auf einen schnellen Sieg schon 2023 ausgerichtet und voller überhöhter Erwartungen und Hoffnungen.

Es verwundert daher heute nicht, dass Russland sich 2023 bemühte, sich auf den Aufbau einer starken Verteidigung zu konzentrieren, die einerseits logisch schien und der Abwehr unserer möglichen Offensive dienen sollte, andererseits aber unsere Aufmerksamkeit vom Wesentlichen ablenkte – vom Aufbau des nötigen materiellen Potenzials für den Abnutzungs­krieg. Während wir uns auf den Kaffee auf der Krim, das Ende des Krieges im Jahr 2023 vorbereiteten und zusahen, wie Russland versuchte, Bachmut einzunehmen, stellte Russland seine Wirtschaft auf Kriegswirtschaft um, startete Propaganda, änderte Gesetze, formte strategische Reserven und zog uns in einen Krieg hinein, auf den wir – wie schon 2022 – nicht vorbereitet waren. In einen Abnutzungskrieg.

Genau im September 2022, als die ersten „Shaheds“ in die Ukraine flogen und prorussische Einflussgruppen eine Diskreditierungskampagne gegen die militärische Führung der Ukraine starteten, begann eine neue Ära der Kriege in der Geschichte der Menschheit. Die Ära der Abnutzungskriege. Bis Ende 2023 war diese Strategie vollständig ausgereift und zur Perfektion gebracht. Die Ereignisse des Jahres 2024 und besonders des Jahres 2025 weisen trotz kleiner Erfolge an der Front auf die absolute Wirksamkeit dieser Strategie für Russland bei dem Versuch hin, sein politisches Ziel zu erreichen.

Was ist das also für eine Abnutzungsstrategie? Die Definitionen, die die Theoretiker der Kriegskunst geben, sind sehr komplex. Um sie zu verstehen, muss man historische Analogien heranziehen. Denn die Instrumente und Formen der Umsetzung haben sich geändert, ihr Wesen jedoch nicht.

„Einen schwachen … Gegner kann man besiegen, indem man seine Streitkräfte vernichtet. Aber der Weg des geringsten Widerstands zum Sieg kann darin bestehen, den Krieg in die Länge zu ziehen, was zum politischen Zerfall des Gegners führen kann. Einen starken und bedeutenden Staat kann man wohl kaum mit Vernichtungsmethoden ohne Abnutzung zu Fall bringen“, sagen die militärischen Klassiker.

Und sie fügen hinzu: „Ein Vernichtungskrieg wird vor allem dank Reserven geführt, die in Friedenszeiten angesammelt wurden; ausländische Bestellungen zur eiligen Auffüllung kurz vor dem Krieg können äußerst willkommen sein. Ein großer Staat kann einen Abnutzungskrieg ausschließlich auf der Arbeit seiner Industrie während des Krieges organisieren. Die Rüstungsindustrie kann sich ausschließlich auf Kosten militärischer Aufträge entwickeln.“

„Die Vorbereitung auf einen Abnutzungskrieg muss sich hauptsächlich auf die allgemeine, proportionale Entwicklung und Verbesserung der Wirtschaft des Staates konzentrieren, da eine schwache Wirtschaft die harten Prüfungen der Abnutzung natürlich nicht übersteht.“

Diese Zitate aus dem Jahr 1927 zu verstehen, ohne eine Analogie zu heute zu ziehen, ist praktisch unmöglich. Doch sie sind absolut zutreffend. Ein zu teurer und verheerender Krieg muss schnell beendet werden. Das ist übrigens der wichtigste Postulat der NATO-Doktrin: Es hat keinen Sinn, einen langen Krieg zu führen, wenn du über mehr Ressourcen und Möglichkeiten verfügst, dem Gegner Schaden zuzufügen.

Doch die Geschichte unseres Krieges bestätigt, dass der schwierige Weg der Abnutzungsstrategie, der zu wesentlich größeren Ausgaben führt als ein kurzer vernichtender Schlag, meist dann gewählt wird, wenn es unmöglich ist, den Krieg auf eine derartige einfache Weise zu beenden.

Man muss sich das Wichtigste merken: Operationen im Rahmen der Abnutzungsstrategie sind nicht so sehr direkte Etappen zur Erreichung des militärischen Endziels, als vielmehr Etappen des Aufbaus materieller Überlegenheit, die dem Gegner letztlich die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Widerstand entziehen wird.

Hier ist auch die Antwort auf die Frage, wie viel die Vernichtung von 9.000 Luftzielen kosten wird, die die Ukraine jeden Monat bekämpfen muss. Das ist die Umsetzung der Abnutzungsstrategie.

Doch der Abnutzungskrieg wird auch an der politischen Front geführt. Wo, wie ich bereits sagte, das ukrainische Volk und seine Fähigkeit zum Widerstand durch Mobilisierung die Hauptrolle spielen. Und damit wird der Weg zum politischen Zerfall immer offenkundiger.

Der entscheidende Schlag, den Russland vorbereiten könnte

Was die militärischen Handlungen in der Abnutzungsstrategie betrifft, so spielen diese immer noch eine wichtige Rolle bei der Erreichung des politischen Ziels, sind aber nicht mehr die Haupt- und Endphase.

Das bedeutet, dass zum Beispiel selbst dann, wenn Russland die Region Donezk oder andere Regionen vollständig besetzt, der Krieg sowohl an der politischen als auch an der wirtschaftlichen Front weitergehen wird, da das politische Ziel nicht erreicht wäre.

Oder stellen wir uns den Vormarsch der Streitkräfte der Ukraine auf die Grenzen von 1991 vor. Würde das das Ende des Krieges bedeuten? Ja, es würde die Konfiguration der Frontlinie verändern, die dann entlang der Staatsgrenze verlaufen würde. Doch würde der Krieg enden, wenn Wirtschaft und Bevölkerung Russlands weiterhin bereit sind, ihn fortzusetzen?

Umgekehrt – bei gesunder Wirtschaft und richtiger Innen- und Außenpolitik wäre es möglich, auch die Konfiguration der Front zu verändern, indem man natürlich auf die Wirtschaft und Bevölkerung Russlands einwirkt. Das heißt, Ziel militärischer Handlungen in der Abnutzungsstrategie ist es, Bedingungen zu schaffen, unter denen ein entscheidender Schlag möglich ist, der auf den Zerfall des Landes an der wirtschaftlichen und politischen Front gleichzeitig abzielt.

Einfacher gesagt, versucht der Gegner mit militärischen Handlungen heute soziale Spannungen zu erzeugen, Verluste an Menschenleben zu verursachen und eine untragbare Belastung der Finanzressourcen zu erreichen. In einem solchen Fall ist der Kampf um symbolische geografische und kulturelle Objekte, nicht um bestimmte Geländestücke, am vorteilhaftesten. Die Verwandlung solcher Objekte in Festungen bestätigt und unterstützt nur die gegnerische Strategie.

Vielleicht das Letzte, was zur Abnutzungsstrategie hinzuzufügen ist. Tatsächlich sind im Rahmen dieser Strategie alle Operationen dadurch gekennzeichnet, dass sie begrenzte Ziele haben. Der Krieg ist kein entscheidender Schlag, sondern ein Kampf um Positionen an der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Front, von denen aus man letztlich diesen Schlag führen könnte.

In der Abnutzungsstrategie gibt es ihren eigenen entscheidenden Schlag. Und wenn er für den Gegner darin besteht, das Land durch militärische Handlungen, politische und wirtschaftliche Situation bis zum Zerfall zu treiben – was ist dann der entscheidende Schlag in dieser Situation?

Wenn wir einen Blick in die Geschichte werfen, ist die Antwort offensichtlich. Es ist der Bürgerkrieg.

Ja, genau das ist der entscheidende Schlag, den Russland systematisch durch die Umsetzung der Abnutzungsstrategie anstrebt. Dieser Krieg kann übrigens, bei fehlender einheitlicher Vision einer neuen Sicherheitsarchitektur zumindest auf dem europäischen Kontinent, nicht nur infolge der Erreichung des politischen Ziels entstehen, sondern auch, wie paradox es klingt, durch einen „gerechten Frieden“, der ohne Sicherheitsgarantien und reale Finanzprogramme den Krieg mit Russland zwangsläufig in die nächste Phase führen würde – in einen Bürgerkrieg.

Daher sagen gerade die zukünftigen Bedrohungen und Risiken, dass die Bestimmung eines klaren politischen Ziels nicht nur eine Aufgabe für die Streitkräfte ist, sondern auch eine Richtlinie für die politische Vorbereitung des Krieges, die Fragen der Wirtschaft, der Innen- und Außenpolitik umfassend einbezieht. Die Bewertung der Perspektiven des Krieges muss ein einheitliches Ziel formen, das die militärische, politische und wirtschaftliche Front vereint.

Wenn man etwa die Haupte­tappen der Entwicklung der militärisch-politischen und militärstrategischen Lage rund um die Ukraine betrachtet, könnte man folgende Varianten politischer Ziele sehen:

1. Zeitraum von Februar 2015 bis Februar 2022. Phase der Vermeidung und Prävention des Krieges. Das politische Ziel dieser Periode hätte sein müssen: Vermeidung des Krieges durch Vorbereitung der eigenen Streitkräfte, der Bevölkerung und der Wirtschaft, außenpolitische Maßnahmen zur Begrenzung der militärischen Möglichkeiten Russlands.

Zu den wichtigsten praktischen Maßnahmen hätte die Vorbereitung des Landes auf den Krieg in allen Bereichen gehören müssen. Die abschließende praktische Phase hätte die Einführung des Kriegsrechts und die frühzeitige Aufstellung der Streitkräfte in den bedrohten Richtungen sein können.

2. Zeitraum vom 24. Februar 2022 bis Dezember 2023. Phase der Nutzung der Vernichtungsstrategie. Das politische Ziel hätte sein können: Sicherung eines dauerhaften Friedens und Verhinderung der Ausweitung des Krieges auf die übrigen Gebiete der Ukraine. Im Falle der Unmöglichkeit – Vorbereitung auf einen Abnutzungskrieg.

3. Zeitraum von Februar 2024 bis Januar 2025. Strategische Verteidigung und Bildung von Allianzen für aktive Handlungen im Rahmen der Abnutzungsstrategie, um einen gerechten Frieden zu finden.

4. Zeitraum von Januar 2025 bis August 2025. Strategische Verteidigung mit der Aufgabe, Russland daran zu hindern, seine militärischen Erfolge bei der Gestaltung von Friedensverhandlungen auszunutzen.

5. Ab August 2025. Erhaltung des Staates durch die Sicherung der militärischen, politischen und wirtschaftlichen Front. Bildung von Allianzen und Koalitionen zur Beraubung Russlands seiner Möglichkeiten, Krieg zu führen.

Wie könnte das Ende des Krieges aussehen

Es ist eine sehr merkwürdige Situation, wenn die Frage nach dem Ende des Krieges unter dem Druck neuer Informationsanlässe zum Thema für neue „Propheten“ in der Ukraine wird.

Zur Definition des Begriffs „Kriegsende“ reichen Informationsanlässe eindeutig nicht aus. Das Ende oder die Beendigung des Krieges, insbesondere eines Abnutzungskrieges, wird von der Gesamtheit der Erfolge oder Verluste an der militärischen, wirtschaftlichen und politischen Front abhängen. Natürlich kann ein Zusammenbruch an einer dieser Fronten nur die Voraussetzungen für sein Ende schaffen.

Doch die Stabilität der gesamten Konstruktion hängt von der Stabilität und dem Potenzial der übrigen Fronten ab. Ein zum Beispiel schnell prognostizierter Frieden in der Ukraine würde in Russland sehr harte Fragen zur Zahl der menschlichen Verluste aufwerfen – das wäre genauso schwer zu erklären wie heute die Korruption in der Ukraine. Und es ist logisch, dass gerade die Lage an der politischen Front in Russland dies nicht zulassen wird – es sei denn, es gibt erhebliche Zugeständnisse oder eine völlige Niederlage unsererseits.

Heute ist es schwer zu sagen, ob die Vermittler, die versuchen, Szenarien für die Ukraine zu entwerfen, das verstehen. Aber die Tatsache, dass die Bedingungen jedes Mal nicht besser für die Ukraine werden, ist offensichtlich.

Bei der Formulierung des politischen Kriegsziels ist es wichtig zu bedenken, dass ein Krieg nicht immer mit dem Sieg der einen und der Niederlage der anderen Seite endet. So war es im Zweiten Weltkrieg, aber das ist eine seltene Ausnahme, denn fast nie war es in der Menschheitsgeschichte so. Die überwiegende Mehrheit der Kriege endet mit einer gegenseitigen Niederlage, oder jede Seite ist überzeugt, gewonnen zu haben, oder mit anderen Varianten.

Wenn wir also von Sieg sprechen, müssen wir ehrlich sagen: Sieg – das ist der Zerfall des Russischen Imperiums, Niederlage – die vollständige Besetzung der Ukraine infolge ihres Zerfalls. Alles andere ist einfach die Fortsetzung des Krieges.

Wir, Ukrainer, streben natürlich nach einem vollständigen Sieg – dem Zerfall des Russischen Imperiums. Aber wir können auch die Möglichkeit eines langfristigen (auf Jahre hinaus) Kriegsstopps nicht ausschließen, denn genau das ist in der Geschichte eine sehr verbreitete Art Kriege  zu beenden. Gleichzeitig bietet der Frieden, selbst in Erwartung eines nächsten Krieges, eine Chance auf politische Veränderungen, auf tiefgreifende Reformen, auf vollständigen Wiederaufbau, wirtschaftliches Wachstum und die Rückkehr der Bürger.

Man kann sogar vom Beginn der Formierung eines sicheren, maximal geschützten Staates dank Innovationen und Technologien sprechen. Vom Aufbau und der Stärkung der Grundlagen eines gerechten Staates durch den Kampf gegen Korruption und die Schaffung einer unabhängigen und fairen Justiz. Von der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, insbesondere auf der Grundlage internationaler wirtschaftlicher Wiederaufbauprogramme.

Über Sicherheitsgarantien

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Formulierung des politischen Ziels heute sind Sicherheitsgarantien.

Der Begriff der Beendigung des Krieges ist heute nicht nur offensichtlich, sondern auch aus bestimmten Gründen dringend erforderlich. Diese Gründe haben sowohl regionalen als auch globalen Charakter. Der Weg zu ihrer Umsetzung ist heute leider wenig wahrscheinlich.

Zuallererst fehlen die Voraussetzungen dafür. Vielleicht der wichtigste Grund sind aktive Kampfhandlungen hoher Intensität und Angriffe auf die Wirtschaft auf beiden Seiten, die weiterhin anhalten. Genau deshalb führt die Verlagerung des Schwerpunkts von den Waffenstillstandsverhandlungen hin zum Abschluss eines endgültigen Friedensabkommens dazu, dass diese aufgrund der für uns inakzeptablen Bedingungen in der Ukraine überhaupt nicht akzeptiert werden können. Denn wir haben bereits einen zu hohen Preis gezahlt.

Zweitens ist unter Bedingungen, in denen es kein internationales Recht und kein System zu dessen Unterstützung mehr gibt, der Abschluss solcher Abkommen ohne die Schaffung von Garantien für langfristige Sicherheit absolut unmöglich.

Solche Sicherheitsgarantien könnten sein: der Beitritt der Ukraine zur NATO, die Stationierung von Atomwaffen auf dem Territorium der Ukraine oder die Stationierung eines großen militärischen Kontingents, das in der Lage wäre, Russland entgegenzutreten. Doch heute ist davon keine Rede. Und angesichts der technologischen und doktrinären Unvorbereitetheit jeder anderen Nation außer Russland, der Ukraine und China kann diese Frage grundsätzlich nicht betrachtet werden. Somit ist es wahrscheinlich, dass der Krieg weitergehen wird – nicht nur in der militärischen, sondern auch in der politischen und wirtschaftlichen Sphäre.

Ein weiterer Aspekt ist die allmähliche Verbilligung des Krieges durch die Entwicklung von Technologien einerseits und die Erhöhung der kumulativen Schlagkraft andererseits. Das könnte letztlich zu einer Situation führen, in der Russland mit der Zeit ähnliche Sicherheitsgarantien benötigen wird. So paradox das auch klingen mag. Dann müssten wahrscheinlich Kapitalströme zur Grundlage der Sicherheitsgarantien werden, die sich gegenseitig ihren Erhalt garantieren. Sie wiederum würden keinen Kollaps in den Nachkriegsjahren weder in der Ukraine noch in Russland zulassen. Denn solche wirtschaftlichen Verluste würden natürlich politische Folgen nach sich ziehen. Das hatten wir bereits Anfang des 20. Jahrhunderts.

Die Formulierung des politischen Kriegsziels ist daher die schwierigste Prüfung für das Denken eines Politikers. Hier sind die größten Irrtümer möglich. Der Krieg ist ein Katalog grober Fehler, sagte Winston Churchill.

Vielleicht ist das wichtigste politische Ziel für die Ukraine heute, Russland die Möglichkeit zu nehmen, in absehbarer Zeit Akte der Aggression gegen die Ukraine zu begehen.

Dabei muss berücksichtigt werden, dass Russland solche Absichten verwirklichen kann, indem es eine der beiden Strategien wählt. In jedem Fall wird ein solcher Aggressionsakt sowohl an der militärischen als auch an der politischen und wirtschaftlichen Front stattfinden. Die Instrumente und Formen dieser Aggression ändern sich, doch all das wird demselben politischen Ziel dienen.

Wenn es schwer ist, sich den Charakter eines zukünftigen Krieges vorzustellen, so ist doch vollkommen klar, wie der Frieden aussehen sollte, in dem unsere Kinder leben. Letztendlich, wie Olena Teliha sagte:

„Staaten stehen nicht auf Dynastien, sondern auf innerer Einheit und der Stärke des Volkes.“


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Політика і війна. Реальність проти очікування. Колонка Валерія Залужного. 29.11.2025.

Autor: Valery Zaluzhny
Veröffentlichung / Entstehung: 29.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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He, ihr Schützen von der Sitsche/ Гей, ви, стрільці січовії.

He, ihr Schützen von der Sitsche,
Eins, zwei, drei,
unsre Mädchen schwärmen für euch,
Eins, zwei, drei.
Geht voraus und weicht nicht weiter,
schaut nicht rückwärts, bleibt stetst heiter,
Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei.

Vorn’ der Hauptmann reitet stramm da,
Eins, zwei, drei,
selbst zur Hölle zieht er mit uns,
Eins, zwei, drei.
Wackrer Bursche, stark und ehrlich,
unter ihm ein Ross – so feurig,
Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei.

Herr Hauptmann, was ist denn los nun?
Eins, zwei, drei,
dass wir kaum noch Geld im Beutel?
Eins, zwei, drei.
Drei Tage lang kein Brot gegessen,
nur kaltes Wasser stattdessen,
Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei.

Sagt uns nicht einmal ins Auge,
Eins, zwei, drei,
dass ihr unser Geld nicht nahmt doch,
Eins, zwei, drei.
Sagt uns lieber, was geschehen,
dass wir ohne Geld da stehen,
Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei.

Herr Hauptmann, habt ihr’s gehört dort,
Eins, zwei, drei,
wie die Musik klang im Wirtshaus?
Eins, zwei, drei.
Wessen Geld habt ihr vertrunken
und mit Zigeunerinnen funken?
Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei.

Denkt daran, ihr Kommandeure,
Eins, zwei, drei,
dass ihr eure Ehr’ bewahret,
Eins, zwei, drei.
Denn die Schützen alles wissen,
doch euch wenig hoch noch schätzen,
Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei.

He, ihr Schützen von der Sitsche,
Eins, zwei, drei,
unsre Mädchen schwärmen für euch,
Eins, zwei, drei.
Geht voraus und weicht nicht weiter,
schaut nicht rückwärts, bleibt stetst heiter,
Eins, zwei, eins, zwei, eins, zwei, drei.

Гей, ви, стрільці січовії,
Раз, два, три,
В наших дівчат серце мліє,
Раз два, три.
Ви вперед все поступайтесь,
Ні на що не оглядайтесь,
Раз, два, раз, два, раз, два, три.

Попереду сотник їде,
Раз, два, три.
Він до пекла з нами піде.
Раз, два, три.
Сам із себе хлопець бравий.
Під ним коник дуже жвавий,
Раз, два, раз, два, раз, два, три.

Пане сотник, що то стало,
Раз, два, три,
Що в нас грошей дуже мало?
Раз, два, три.
Три дні хліба ми не їли,
Лиш холодну воду пили,
Раз, два, раз, два, раз, два, три.

Не кажіть же нам у очі,
Раз, два, три,
Що не брали наших грошей,
Раз, два, три.
Скажіть, скажіть, що то стало,
Що в нас грошей дуже мало,
Раз, два, раз, два, раз, два, три.

Пане сотник, чи ви чули,
Раз, два, три.
Як музики в корчмі гули,
Раз, два, три.
За чиї ж ви гроші пили
І циганочок любили?
Раз, два, раз, два, раз, два, три.

Пам'ятайте, командири,
Раз, два, три,
Щоб не злетіли ковніри,
Раз, два, три.
Бо стрільці всі тайни знають,
Але вас не поважають,
Раз, два, раз, два, раз, два, три.

Гей, ви, стрільці січовії,
Раз, два, три,
В наших дівчат серце мліє,
Раз два, три.
Ви вперед все поступайтесь,
Ні на що не оглядайтесь,
Раз, два, раз, два, раз, два, три.

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Art der Quelle: Lied
Titel des Originals: Гей, ви, стрільці січовії.
Veröffentlichung / Entstehung: Anfang XX Jahrhundert
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von KI und Viktoriya Limbach,
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Zelensky wird Jermak los | Vitaly Portnikov. 28.11.2025.

Unsere heutige Sendung wird jener sensationellen Nachricht gewidmet sein, die buchstäblich vor ein paar Stunden auf den Meldungsstreifen der Nachrichtenagenturen erschienen ist. Es geht um die Entscheidung von Präsident Volodymyr Zelensky, den langjährigen Leiter seines Präsidialamtes, Andrij Jermak, in den Ruhestand zu schicken.p

Diese Entscheidung des ukrainischen Staatsoberhaupts erfolgte, nachdem am Morgen das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine Durchsuchungen an Jermaks Wohnort und im Regierungsviertel durchgeführt hatte. Wie man verstehen kann, dort, wo der nun schon ehemalige Leiter des Präsidialamts der Ukraine gearbeitet hat.

Natürlich ist das für das politische Leben der Ukraine eine riesige, sensationelle Nachricht. Und jetzt diskutieren alle darüber. Und für mich ist gerade das, was rund um diese Diskussionen geschieht, wenn Sie es genau wissen wollen, die Demonstration dessen, in was sich das ukrainische politische System in den letzten Jahren verwandelt hat.

Zunächst möchte ich Sie daran erinnern, dass das nicht der erste Leiter des Präsidialamtes ist, der seinen Posten verlässt. Der erste war Andrij Bohdan, der später einer der Kritiker jenes Machtregimes wurde, das von Volodymyr Zelensky nach seiner Wahl zum Präsidenten der Ukraine und nach der Entlassung Bohdans vom Posten des Leiters des Präsidialamtes gebildet wurde. 

Aber ich erinnere Sie daran, dass die Vorwürfe gegen Andrij Bohdan – sowohl in Bezug darauf, wie er sich die präsidialen Machtbefugnisse vorstellte, als auch in Bezug auf sein Verhalten gegenüber den Medien und darauf, wie dieser nun schon ehemalige Leiter des Präsidialamtes sich erlaubte, mit Oppositionspolitikern zu sprechen – all dies rief ebenfalls eine offensichtliche Ablehnung in der Öffentlichkeit und in politischen Kreisen hervor. Und Bohdans Schicksal hing überhaupt nicht mit dieser Ablehnung zusammen, sondern damit, dass er es schaffte, durch seine übermäßige Arroganz die Ablehnung des Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, selbst zu provozieren, und durch einen bequemeren und vorsichtigeren Menschen in dieser heute für die ukrainische Macht Schlüsselposition ersetzt wurde: Andrij Jermak.

Nun stellt sich die Frage: Wie ist es überhaupt dazu gekommen, dass der Posten des Leiters des Präsidialamtes zum Schlüsselposten in der ukrainischen Macht wurde? Darauf gibt es eine recht einfache Antwort. Dort, wo Monopolismus herrscht, gibt es Favoritentum. Dort, wo Favoritentum herrscht, gibt es keine Kontrolle. Dort, wo keine Kontrolle herrscht, gibt es Korruptionsrisiken und Ineffizienz. Dort, wo Korruptionsrisiken und Ineffizienz herrschen, gibt es die Möglichkeit einer Niederlage und eines staatlichen Zusammenbruchs. Dort, wo es die Möglichkeit einer staatlichen Niederlage und eines staatlichen Zusammenbruchs gibt, gibt es die Möglichkeit eines nationalen Zusammenbruchs und des Verschwindens des ukrainischen Volkes von der ethnografischen Karte der Welt.

Die politische Karte der Welt, von der aus Sicht unserer Feinde die Ukraine bald verschwinden soll, erinnert daran nicht einmal – denn es gab viele Situationen, in denen die Ukraine verschwand, das ukrainische Volk aber blieb. Aus Sicht der Russen darf sich so etwas nicht noch einmal wiederholen. Deswegen sind die Einsätze jetzt übermäßig hoch, sogar für die jahrhundertelange blutige ukrainische Geschichte.

Und in einer solchen Situation kann sich kein bewusstes Volk und kein verantwortlicher Wähler Ineffizienz bei der Führung des Staates leisten. Aber gerade den verantwortlichen Wähler haben wir, die Ukrainer, im Jahr 2019 nicht gesehen. Die Wahlen des Präsidenten und des Parlaments der Ukraine waren von dem bekannten Zitat des amtierenden Staatsoberhaupts Volodymyr Zelensky geprägt, das an seinen Vorgänger im Amt, Petro Poroschenko, gerichtet war. „Ich bin Ihr Urteil“, sagte Volodymyr Zelensky klar und deutlich, und diese berühmten Worte wurden zum eigentlichen Motto der letzten sechs Jahre. Obwohl der amtierende Staatschef vielleicht etwas ganz anderes im Sinn hatte.

Aber so wie ich nicht die Absicht habe, Jermak irgendetwas vorzuwerfen – nun, Korruptionsdelikte müssen, falls es Beweise gibt, vom Gericht vorgeworfen werden –, so habe ich auch nicht die Absicht, Zelensky irgendetwas vorzuwerfen. Die Möglichkeiten, ein Machtmonopol zu schaffen, hat ihm der ukrainische Bürger, der ukrainische Wähler gegeben – und zwar in einer solchen Menge, dass man nicht einmal von einer Spaltung der Gesellschaft sprechen kann. 73 % der Wähler, die für Volodymyr Zelensky gestimmt haben und später in riesiger Zahl eine Mono-Mehrheit völlig unbekannter anonymer Menschen im ukrainischen Parlament geschaffen haben. Das ist der Wille des Volkes, so regiert zu werden, wie es eben regiert wird.

Und hier ist niemand „schuld“. Volodymyr Zelensky war kein Mensch, der den Anschein erweckte, er sei Politiker. Im Gegenteil, er sagte ständig, dass er mit Politik nichts zu tun habe, dass Politik überhaupt nicht von Politikern betrieben werden müsse, dass man für die Organisation einer effektiven Führung eines Staates, der sich im Krieg befindet und vor der Gefahr des Verschwindens von der politischen Weltkarte steht, vor allem kein Politiker sein und kein Profi sein müsse. Braucht man nicht.

Nun gut, letztlich ist das alles völlig verständlich. Menschen, die für Zelensky gestimmt haben, haben erstens für einen ihnen sehr gut bekannten Menschen gestimmt, der ständig auf den Fernsehbildschirmen und sogar in Werbespots präsent war und obendrein in der beliebten Serie „Diener des Volkes“ mitgespielt hat. Eine enorme Zahl unserer Landsleute wollte, dass im realen Leben alles so ist wie in der Serie. Das konnte ich zumindest als normale emotionale Reaktion nachvollziehen.

Was ich nie habe verstehen können: Wie kann ein erwachsener Mensch für einen Schatten stimmen? Und genau so sah die Situation der Abstimmung zur Werchowna Rada der Ukraine aus. Die Menschen stimmten für Leute, über die sie überhaupt nichts wussten, deren Namen ihnen nichts sagten, die scheinbar aus dem Nichts aufgetaucht waren, die keinerlei politische Lebenserfahrung hatten und deren einzige „Verdienst“ darin bestand, dass sie von Volodymyr Zelensky empfohlen worden waren – der die überwiegende Mehrheit dieser Leute seinerseits nie gekannt oder gesehen hatte.

So bekamen wir einen Präsidenten aus einem völlig anderen Bereich und ein Parlament der Anonymen, das bis heute nicht in der Lage ist, Verantwortung für die Bewahrung der Nation und des Staates zu übernehmen. Bis heute werden Minister und Premier im Präsidialamt ernannt, nicht im Parlament. Bis heute wollen die Abgeordneten der Werchowna Rada von der Regierungsmehrheit nicht die Verantwortung für die Rettung der Ukrainer übernehmen. Bis heute, während Menschen an der Front für das Vaterland sterben, haben diese Leute nicht einmal eine Ahnung von Verantwortung. Welche Schande, welche Blamage.

Und nun versetzen wir uns einmal in die Lage Zelenskys selbst. Mit Politik hat er sich niemals beschäftigt. Keinen einzigen Tag in seinem Leben. Politiker hat er nur von der Bühne bei Firmenfeiern gesehen. Im Parlament – man weiß nicht, wer und was. Man kann sie nicht beim Namen nennen. Ebenfalls ohne jegliche Erfahrung. Wem kann man in einer solchen Situation vertrauen? Nur Menschen, mit denen er sein ganzes Leben im Showbusiness gearbeitet hat, die dort Juristen waren wie Bohdan, Produzenten wie Jermak, die genau verstehen, wie man die Anweisungen dieses Menschen ausführt und aus seiner Sicht ihn auf keinen Fall im Stich lassen können.

Denn tatsächlich: Wenn man Politikern mit Erfahrung oder Profis mit Erfahrung irgendwelche Posten anbietet, könnten sie den Präsidenten ans Messer liefern, einfach deshalb, weil er sich nicht einmal vorstellen kann, was sie ihm da zur Unterschrift vorlegen – da er mit solchen Dingen nie zu tun hatte. Also kann man nur denen vertrauen, denen man sein ganzes kreatives Leben vertraut hat.

Aber wie sie die wie sie Feuerproben von Macht, Ressourcen und Ruhm bestehen werden, kannst du nicht wissen, weil sie nie jemand waren. Sie waren Mindychs, haben sich – bildlich gesagt – mit irgendwelchen Humorstudios beschäftigt, aber nicht mit Staatsführung, haben irgendwelche Filme produziert, aber keinen Staat regiert unter Bedingungen, in denen es nicht einfach um die Verwaltung irgendeines Staates geht, wo man ein paar Gelder von einem Haushaltsposten in einen anderen verschiebt und sich etwas in die eigene Tasche stecken kann. Nein, es geht darum, ob dieser Staat überhaupt bis 2030 existieren wird oder ob er von den Russen besetzt und einfach in eine Reihe von Regionen der Russischen Föderation verwandelt wird.

Das ist die Herausforderung dieser Größenordnung und, nebenbei bemerkt, ein entsprechendes Niveau an Korruptionsrisiken, denn Krieg vervielfacht Korruptionsrisiken. Und wenn dir dieser Staat völlig egal ist – ob er verschwindet oder nicht, ist nicht dein Problem –, dann hast du die Idee, dass du diese Risiken nutzen musst, um dich fürs ganze Leben „sattzuraffen“. Du weißt vielleicht noch nicht einmal, was du mit diesem Geld machen wirst, weil man dich überall suchen wird. Hier die Russen, dort die Anti-Russen. Aber du denkst nicht darüber nach, weil du im Heute lebst, so wie du immer gelebt hast, als du irgendwelche kleinen Projekte geleitet hast. So entsteht die Gefahr des Korruptionsmechanismus: Monopolismus, Favoritentum, Korruption.

Aber andererseits ist das nicht Belarus, denn dieser Staat kann nur überleben, wenn er enge Beziehungen zu seinen westlichen Verbündeten hat. Und die westlichen Verbündeten haben schon in der Zeit der post-Maidan-Macht, in der Zeit der Präsidentschaft von Petro Poroschenko und der Regierung von Arsenij Jazenjuk, soweit ich mich erinnere, vorgeschlagen, ein solches unabhängiges System von Antikorruptionsbehörden zu schaffen. Sie vertrauten unserem Rechtssystem ungefähr so wenig, wie viele Ukrainer unserem Rechtssystem nicht vertrauen.

Insofern erscheint mir die Situation völlig verständlich, dass die Verbündeten darauf bestanden, dass die Antikorruptionsbehörden nicht in das Machtsystem eingebaut werden. Und jetzt ist ebenso verständlich die Situation, als der Versuch unternommen wurde, sie ins Machtsystem einzubauen – nämlich dann, als die Machthaber begriffen, dass diese Behörden eine Menge Material gegen amtierende Vertreter der Macht selbst besitzen. Dann ist es natürlich besser, wenn sie in der Machtvertikale sind, damit die Vertikale, zu der sie Informationen sammeln, selbst entscheidet, welche Zeugenaussagen umgesetzt werden und welche in der Schublade liegen bleiben. Da haben Sie die ganze Geschichte mit Geografie.

Und natürlich entstand in dieser Situation – wie wir alle sehr gut verstehen – das, was wir heute sehen. Unmittelbar nach der Veröffentlichung der Mindytch-Bänder, unmittelbar nachdem Mindytch selbst auf mysteriöse Weise aus der Ukraine geflohen war und die Justiz- und Energieminister das Kabinett verlassen mussten, tauchten in der Partei „Diener des Volkes“ Verdachtsmomente auf, dass es als Nächstes ein Problem mit dem Leiter des Präsidialamts geben würde. Und viele ihrer Abgeordneten, wie bekannt, rieten bei einem Treffen mit dem Präsidenten der Ukraine diesem, den Leiter seines Amtes loszuwerden, noch bevor die Durchsuchungen beginnen.

Obwohl dies wiederum eine völlig schreckliche Situation ist. Die Leute wollen keine Verantwortung für die Bildung der ukrainischen Regierung übernehmen und flehen gleichzeitig den Präsidenten an, den Leiter seiner Kanzlei loszuwerden. Was ist das für ein System der Staatsführung? Warum bitten die Parlamentsabgeordneten überhaupt den Präsidenten den Leiter seiner eigenen Kanzlei zu entlassen, statt selbst eine Regierung zu bilden und für den Premier und jene Minister zu stimmen, die sie selbst vorschlagen?

Vielleicht wäre es gar nicht dazu gekommen, wenn die Abgeordneten selbst der Kanzlei nicht die Möglichkeit gegeben hätten, die Regierung der Ukraine zu formen. Vielleicht gäbe es überhaupt kein Interesse an allem, was mit dem Leiter des Präsidialamts verbunden ist, wenn die Regierung der Ukraine nicht ins Präsidialamt, sondern in die Werchowna Rada ginge, um dort Bericht zu erstatten.

Überhaupt, Freunde, ich muss Ihnen sagen: Wenn wir die Nachnamen der Leiter der Präsidialadministration kennen, ist das immer ein Weg in den Autoritarismus. Bis 1994 wussten wir praktisch nichts darüber, wer Leiter der Präsidialadministration der Ukraine war. Dort gab es ziemlich respektable Politiker, Altersgenossen des ersten Präsidenten Leonid Krawtschuk.

Dann wird Leonid Kutschma zum Präsidenten gewählt. Leonid Kutschma sagte ungefähr dasselbe, was Volodymyr Zelensky 2019 sagte: „Was habe ich denn für ein Team? In meinem Team sind nur junge Leute.“ Nun, ganz so war es nicht. Es gab dort auch erfahrene Profis, etwa den Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrats, Volodymyr Horbulin. Aber Leiter der Präsidialadministration wurde keineswegs er, sondern ein kaum bekannter Fiesling, ein ehemaliger Abgeordneter des Kyiver Stadtrats mit ultrakommunistischen und antiukrainischen Ansichten – der widerwärtige und abstoßende Dmytro Tabatschnyk. Und dieser Ekel versuchte faktisch, sich die Befugnisse des Präsidenten der Ukraine anzueignen, während Kutschma erst beginnt, sich irgendwie an diese Befugnisse zu gewöhnen. Er versucht im Grunde, für Leonid Kutschma ein „warmes Bad“ zu schaffen und dabei seine eigenen Probleme zu lösen, auch politische. Denn er ist zudem noch ein russischer Agent.

Irgendwann begreift Kutschma, dass Tabatschnyks Aufenthalt in der Präsidialadministration seinen Interessen faktisch nicht entspricht, weil er einen Clan-Staat führt, in dem viele Vertreter mächtiger Clans anfangen, ihm zu sagen: „Herr Präsident, wer ist dieser Mensch? Wir wollen es nicht mit ihm zu tun haben, wir wollen es mit Ihnen zu tun haben.“ So endete Tabatschnyks politische Karriere – bis zu jenem Tag, als seine Betreuer vom russischen Inlandsgeheimdienst FSB ihm Ministerposten in der verräterischen Regierung von Wiktor Janukowytsch verschafften.

Aber dort ist Tabatschnyk nie wieder auf jene Höhen aufgestiegen, auf die er 1994 gelangte, weil er nur noch ein Agent unter Agenten war. Denn die von Wiktor Janukowytsch gebildete Regierung war durchweg russische Agentur, besonders nachdem Janukowytsch Präsident der Ukraine wurde. Und zack – da tauchte wieder ein Mensch mit erheblichem Einfluss in der ukrainischen Politik auf, der versuchte, die institutionellen Aktivitäten des Präsidenten auf sich zu konzentrieren: der Leiter seiner Administration, Serhij Ljowotschkin. Ja, damals existierten auch andere Machtzentren – die „Präsidentenfamilie“ und so weiter. Aber das ist etwas anderes. Ljowotschkin versuchte, den politischen Teil auf sich zu ziehen und hält praktisch seine Hand am Puls der Ereignisse – bis zum Beginn des Maidan 2013, als er erkennte, dass Janukowytschs Karriere zu Ende geht. Er machte den Weg frei für Andrij Kljujew als Administrationsleiter, der zusammen mit seinem Chef in den Wintertagen 2014 seine Zeit in der Ukraine beendete. Damit neigte sich all das praktisch seinem Ende zu.

Aber die Rolle Tabatschnyks – in der Kutschma-Administration sagte man, Kutschma arbeite als Präsident in Tabatschnyks Administration – oder die Rolle Ljowotschkins in der Janukowytsch-Administration ähnelt doch sehr der Rolle, die Bohdan in Zelenskys Administration spielte, und jener, die Jermak bis zum letzten Tag spielte.

Bei Krawtschuk, Juschtschenko und Poroschenko war das allerdings nie so. Ja, es gab Leiter der Administration, die aktive politische Spieler waren. Wer erinnert sich nicht an den Namen Wiktor Baloha? Aber er war nur einer aus einer langen Reihe von Leitern der Administration von Wiktor Juschtschenko.

Also, lassen Sie uns in diesem Fall wieder sagen: Wir müssen die Effizienz der Staatsführung wiederherstellen. Lassen Sie das der Hauptgedanke sein, den wir aus den Ereignissen dieses turbulenten Tages mitnehmen müssen.

Sowohl Oleksandr Sintschenko, als auch Oleh Rybatschuk, als auch Wira Uljantschenko, als auch Wiktor Baloha agierten in einem komplexen System der Gegengewichte, ohne die Möglichkeit, die Macht im Land zu monopolisieren. Sie standen im Wettbewerb, im politischen Prozess und im Schutz des Präsidenten und der Institution des Präsidenten vor den politischen Möglichkeiten anderer Amtsträger und anderer politischer Kräfte.

Nichts dergleichen sahen wir in den Zeiten Janukowytschs und sehen wir in den Zeiten Zelenskys. Ich habe absolut nicht die Absicht, diese Zeiten zu vergleichen. Ich habe absolut nicht die Absicht, diese beiden Personen zu vergleichen, denn das wäre einfach eine Respektlosigkeit gegenüber den Anstrengungen Volodymyr Zelenskys zur Verteidigung der Ukraine in den letzten fast vier Jahren des großen russisch-ukrainischen Kriegs. Während ich Sie daran erinnere, dass Wiktor Janukowytsch im Unterschied zu Volodymyr Zelensky die Aufgabe hatte, unseren Staat auf Anweisung seiner Betreuer aus Moskau zu demontieren und zu zerstören.

Aber ich wiederhole noch einmal: Schon die Idee der Monopolisierung der Macht ist für einen demokratischen Staat absolut ineffektiv. Und ebenso ineffektiv für einen demokratischen Staat ist der Wähler, der zur Monopolisierung der Macht neigt. Dieser Wähler gräbt sich mit seiner eigenen Schaufel das Grab, in das er sich legen wird. Und wenn es um den Staat geht, das Grab für einen sterbenden Staat.

Der Staat – das sind immer Gegengewichte, Beschränkungen, gegenseitige Kontrolle. Eine parlamentarisch-präsidiale Republik ist immer ein Land, in dem das Parlament die Verantwortung übernimmt, weil die Menschen nicht deshalb für Abgeordnete stimmen, damit diese Knöpfe drücken und irgendwelche Zettelchen, irgendwelche SMS ablesen. Das kann auch ein Papagei. Wozu brauchen wir dann Abgeordnete, auch noch auf Gehalt? Sondern damit sie verantwortlich sind. Verantwortlich.

Und das ist es, worüber ich seit 2022 spreche. Die einzig richtige Antwort auf die zivilisatorische Herausforderung, die zum vollständigen Zusammenbruch der Ukraine und des Ukrainertums führen kann, ist die nationale Einheit derjenigen, die sterben könnten. Ich habe an dieser Idee während des Maidan 2013/2014 festgehalten. Ich war bereit, mit Vertretern politischer Kräfte, die mir überhaupt nicht nahe standen, auf die Bühne des Maidan zu gehen, weil ich wusste, dass wir alle eine freie und unabhängige Ukraine wollen. Nicht einmal unbedingt eine freie, unabhängige und demokratische, sondern eine freie und unabhängige, in der wir darum ringen werden, dass sie demokratisch ist – während andere vielleicht eine Diktatur wollen.

Aber um für Demokratie oder Diktatur zu kämpfen, muss es die Ukraine geben. Wenn es keine Ukraine gibt, werden für Demokratie und Diktatur Putin und die russische Opposition kämpfen. Darin liegt das Wesen dessen, was geschieht. Verstehen Sie? Genau darin.

Ich habe sehr gehofft, dass der Präsident der Ukraine, der im Februar 2022 auf seinen Vorgänger zuging, der die Ukraine vor dem russischen Ansturm verteidigt hatte, und zu ihm sagte, man müsse all diese Differenzen vergessen und sich gemeinsam zur Verteidigung der Ukraine zusammenschließen, dass er die enorme zivilisatorische Herausforderung versteht, die vor uns allen steht. Aber leider wurden aus diesem Verständnis keinerlei institutionelle Schlüsse gezogen. Und nun werden viele glauben, dass eben dies die institutionelle Antwort sei.

Nein, der Rücktritt des Leiters des Präsidialamts ist keine institutionelle Antwort. Jetzt kann man auf den Posten des Amtschefs entweder wieder einen starken Kandidaten berufen, der erneut einen Favoriten aus sich machen will, der alles so entscheidet, dass es für den Präsidenten bequem ist, und dadurch die gesamte tatsächliche Macht in diesem Land in seinen Händen konzentriert. Nun gut, es wird dann nicht Jermak sein. Aber wenn eine Person die Instanz zwischen Parlament, Regierung, Gesellschaft und Präsident ist, wie viele Möglichkeiten hat sie dann – und welche Versuchungen entstehen?

Oder es wird ein gewöhnlicher Bürokrat sein, der seine Pflichten so erfüllt, wie ein Leiter des Amtes sie erfüllen sollte. Des Amtes, nicht der Regierung, des Amtes, nicht des Parlaments, des Amtes.

Aber dann stellt sich die Frage: Was ist in den Händen des Präsidenten konzentriert? Inwieweit ist er bereit, Befugnisse an diejenigen zu delegieren, an die er sie aus Sicht der Verfassung delegieren müsste? Denn wir sprechen über einen möglichen Rücktritt der Regierung. Aber die Frage liegt nicht im Rücktritt. Die Frage liegt darin, dass die Kandidatur des Premierministers und der Minister von den Abgeordneten vorgeschlagen werden muss und nicht vom Präsidenten ihnen. 

Es spielt keine Rolle, ob die Regierung zurücktritt oder nicht. Wichtig ist, wer diese Regierung bilden wird und ob in dieser Regierung Politiker sein werden oder irgendwelche Technokraten, die diese Posten nutzen, sich auf die Stimmen der Partei „Diener des Volkes“ stützend, um neue „Schema“ zu finden, im Glauben, dass sie ja ohnehin nur kurz da sind.

Darin liegt die Frage Nummer eins. Denn der Ausweg aus diesem sich ausweitenden Korruptionsskandal – erinnern Sie sich, man sagte: „Ach wissen Sie, der Trump-Plan hat die Mindytch-Bänder und die Epstein-Files praktisch überdeckt“ – das denke ich auch. Aber ich habe die ganze Zeit gesagt: „Keine Sorge, in ein paar Tagen wird klar sein, dass das keine Pläne sind, sondern einfach etwas Unverständliches, dann wird er alle zum Teufel schicken und wir kehren dahin zurück, wo wir waren, und das Ganze wird sich weiter ausweiten.“

Wie Sie sehen, hat es sich ziemlich ernst ausgeweitet, denn ich erinnere Sie an das Zitat von Volodymyr Zelensky, dass „Andrij Jermak mit mir gekommen ist und mit mir gehen wird“. Aber es kam anders, als gedacht. Sehen Sie, auch Zelensky musste zu dieser verantwortlichen Entscheidung greifen, im Bewusstsein, wie der heutige Tag nicht nur dem Ansehen des Präsidenten der Ukraine, sondern des ukrainischen Staates insgesamt schadet – in Hinblick auf das Vertrauen in diesen Staat seitens unserer eigenen Landsleute und unserer Verbündeten. Denn die Verbündeten verstehen alles sehr gut. Man sollte nicht denken, dass sie irgendwelche Idioten sind. Nein.

So sieht diese objektive Realität aus, sie ist nicht einfach. Wir werden sehen, wer das Präsidialamt leiten wird. Ja, ich denke, das wird jetzt die Hauptfrage für alle sein. Aber der Leiter des Präsidialamts kann nicht nur als Blitzableiter fungieren. Und man kann nicht in der Paradigme leben: „Der Zar ist gut, die Bojaren sind schlecht.“ Das ist die sowjetische Paradigme.

Überhaupt ist alles, was wir seit 2019 in Bezug auf die Staatsführung und die Reaktion der Menschen auf die Staatsführung beobachten, „gammeliger Sowjetkram“. Das ist eine Diagnose. Ein kleines sowjetisches Land kann kein großes sowjetisches Land besiegen, um die berühmte Phrase von General Valery Zaluzhny zu paraphrasieren. 

Effektive Führung – das ist, wenn alle zusammen handeln, wenn es Kontrolle gibt. Wenn es nationale Einheit gibt, wenn man der populistischen Ideologie und dem populistischen Ansatz eine Injektion von Professionalität und Staatsverständnis verpasst, eine Impfung. Ohne Impfung gegen die ansteckende Seuche von Monopolisierung und Populismus stirbt der Organismus. Am Ende muss man eine Impfung, eine Injektion vornehmen, um zu überleben – nicht, um irgendetwas Geld untereinander aufzuteilen. Das kann man auch ohne Impfung, ohne Spritze – aber im Sarg gibt es keine Taschen. Das ist völlig offensichtlich.

Also werde ich nicht dabei sitzen und beobachten, wer der Nachfolger sein wird, obwohl wir natürlich nicht umhinkönnen, darüber zu sprechen, das nicht ignorieren können – das ist ein journalistisches Thema. Für mich ist wichtig, welche institutionellen Schlussfolgerungen aus der Situation gezogen werden, die wir jetzt gemeinsam beobachten. Zumal wir wissen, dass bereits nächste Woche amerikanische Gefolgsleute Trumps – in etwa dieselben Blitzableiter, wie es hier Andrij Borysowytsch Jermak war – nach Putin fliegen werden, um ihm das Anerkennen von Donbass und Krim durch Amerika anzubieten.

Darauf muss es eine ernsthafte Reaktion und eine Suche nach Wegen geben, damit zwei Hochstapler im Kreml kein Unheil anrichten. Wir werden sehen, wie das aussehen wird. Aber das ist eine Herausforderung für uns.

Wir werden mit großer Freude auf die Fragen antworten, die während dieser Sendung bereits gekommen sind.

Frage. Hat der Druck der ukrainischen Gesellschaft, aus dem Ausland oder beides zusammen eine entscheidende Rolle beim Rücktritt Jermaks gespielt?

Portnikov. Ich denke, dass beim Rücktritt Jermaks der bloße Umstand, dass bei ihm Hausdurchsuchungen durchgeführt werden, eine entscheidende Rolle gespielt hat – er wird faktisch zu einer Figur in einem Strafverfahren. Wir wissen nicht, wie dieses Verfahren ausgehen wird. Ich beschuldige Menschen niemals, solange es kein Gerichtsurteil gibt und es nicht einmal einen Verdacht gibt. Aber das wirft real einen Schatten auf die Institution des Präsidentenamtes. Natürlich hätte man mit diesem Rücktritt nicht so lange warten müssen, sondern diese Frage schon zu Beginn klären können. Aber wir handeln immer nach einem ähnlichen Drehbuch, wissen Sie.

Frage. Kann der Rücktritt zusätzlich mit der Notwendigkeit verbunden sein, in naher Zukunft schwere Entscheidungen zu treffen?

Portnikov. Es geht nicht um Verhandlungen. Ich erkläre noch einmal: In nächster Zeit werden keine schweren Entscheidungen getroffen werden. Der Trump-Plan ist eine totgeborene Konstruktion, die aus einem einzigen einfachen Grund nicht verwirklicht werden kann. Es gibt keine objektiven Voraussetzungen dafür anzunehmen, dass der russisch-ukrainische Krieg kurz vor dem Ende steht. Und ich habe schon mehrfach erklärt, warum. Weil jedes Kriegsende mit einem Waffenstillstand und anschließenden Friedensverhandlungen verbunden sein muss. So war es in allen Kriegen in der Geschichte der Menschheit. Wenn man anfängt zu sagen, man müsse zuerst ein Friedensabkommen unterzeichnen und dann erst das Feuer einstellen, das geht nicht auf.

Wenn also Putin sagt, man müsse zuerst die Frage der Ursachen des Konflikts klären, ist klar, dass er so lange kämpfen will, wie er Geld und Menschen hat. Wie viele Jahre das noch dauern wird, weiß heute niemand. Ich glaube, dass das wirtschaftliche und demografische Potenzial Russlands schneller erschöpft sein wird als das wirtschaftliche und demografische Potenzial der Ukraine.

Aber das ist Glaube, keine objektive Realität, die ich Ihnen klar versprechen könnte. Ich glaube, dass neue amerikanische Sanktionen die russischen Möglichkeiten, den Krieg fortzusetzen, schon in den 2020er Jahren dieses Jahrhunderts verringern können. Ja, das ist möglich, aber das betrifft keine schweren Entscheidungen in naher Zukunft. Im Gegenteil, selbst wenn irgendwelche schweren Entscheidungen getroffen werden, werden sie den Krieg nicht beenden, sondern lediglich zu einer Destabilisierung der ukrainischen Gesellschaft führen.

Frage. Wie können westliche Demokratien Diktaturen entgegentreten, angesichts der Spaltung innerhalb der demokratischen Länder, die es in Diktaturen nicht gibt?

Portnikov. Ich denke, dass es in demokratischen Ländern weniger eine Spaltung als vielmehr eine Diskussion gibt. Und wie kann man entgegentreten? Man muss energisch gegen die russischen Versuche kämpfen, die politischen Prozesse zu beeinflussen. Ein hervorragendes Beispiel sind die letzten Wahlen in Rumänien und Moldau, wo Russland tatsächlich versucht hat, mit Hilfe neuer Technologien die Oberhand zu gewinnen – und sein Eingreifen wurde in beiden Ländern durch eine ziemlich harte Reaktion des Staates gestoppt. Genau so muss man handeln und darf sich nicht der Illusion hingeben, dass man allein mit einer gewöhnlichen Abstimmung und ohne Kontrolle ein solches Übel besiegen kann. Ich denke, das muss auch jeder verstehen, der die politische Situation im Westen verfolgt.

Frage. Wird Jermak nach seinem Rücktritt seinen Einfluss behalten?

Portnikov. Das ist eine gute Frage. Einer der „schwarzen“ Polittechnologen der Bankowa hat kürzlich eine ganze Sendung damit verbracht, diejenigen zu beschuldigen, die vom Rücktritt Andrij Jermaks sprachen – in dem Sinne, Jermak sei trotzdem der Favorit Zelenskys. Und es spiele keine Rolle, welches Amt er bekleide, denn es könne ein neuer Amtsleiter erscheinen, der einfach niemand ist und nicht beim Namen genannt werden kann, und Jermak bleibe der Favorit und behalte die volle Macht.

Aber das sind sehr hypothetische Dinge. Es ist nicht klar, inwieweit Zelensky selbst jetzt möchte, dass sein Name und seine politischen Perspektiven mit Jermak gleichgesetzt werden, und inwieweit zwischen ihnen irgendwelche Kontakte bestehen bleiben werden, die es Jermak ermöglichen, den politischen Prozess zu beeinflussen. Aber wir werden sehen – Sie haben völlig recht, das muss man mit der Zeit beobachten. Und nebenbei wird das auch stark davon abhängen, wer der neue Leiter des Präsidialamts wird und wie er auf mögliche Versuche seines Vorgängers reagieren wird, seinen Einfluss außerhalb des Amtes zu bewahren.

Frage. Wie wichtig ist es überhaupt, wen Zelensky entlässt und wen er ernennt? Hat das ohne eine Regierung der nationalen Einheit überhaupt eine Bedeutung?

Portnikov. Ich bin der Meinung, dass das ohne eine Regierung der nationalen Einheit keinerlei Bedeutung hat. Ich habe Ihnen das schon gesagt. Ohne eine Regierung der nationalen Einheit hat das alles keine Bedeutung, denn wichtig ist nicht, wer neben dem Präsidenten steht, wie dieser Mensch heißt – Jermak oder jemand anders. Wichtig ist die Institutionalisierung der Staatsführung selbst. Wichtig ist, den Monopolismus loszuwerden. Wichtig ist, zur parlamentarisch-präsidialen Republik zurückzukehren. Wichtig ist, zur Verantwortung der Abgeordneten zurückzukehren. Wichtig ist, dass Minister Politiker sind und nicht unklare Leute mit unklaren Ambitionen. Wenn du ein guter Beamter bist – sei stellvertretender Minister und mach deine Arbeit. Warum willst du Minister werden, wenn du kein Politiker bist? Ein Minister in einem demokratischen Staat ist immer ein politischer Akteur, der Wahlen gewinnen will, und keine graue Maus, die einfach nur das Präsidialamt bedienen will. So funktioniert es nicht. Und außerdem: Unter diesen Mäusen kann sich jederzeit eine korrupte Ratte einnisten.

Frage. Nach Ihrem Gefühl: Wird es weitere Enthüllungen von Korruption gerade im Sicherheitsbereich geben?

Portnikov. Ich denke ja. Wir können das ebenfalls sehen. Die Frage ist, wie laut diese Enthüllungen sein werden und inwieweit die Öffentlichkeit damit vertraut gemacht wird – unter Berücksichtigung der nationalen Sicherheitsinteressen unseres Staates. Möglicherweise wird es ein Einvernehmen zwischen Sicherheitsbehörden und Antikorruptionsbehörden darüber geben, bestimmte brisante Fakten nicht zu veröffentlichen, um dem Feind keine wichtigen Informationen zu liefern, die sich auf die nationale Sicherheit der Ukraine auswirken könnten.

Frage. Kommentieren Sie bitte, welche Folgen es für die Ukraine hätte, wenn Amerika Krim, Donezk und Luhansk als russisch anerkennen würde. Warum nehmen Demokraten keinen Einfluss auf solche wichtigen Entscheidungen?

Portnikov. Zunächst einmal verstehe ich nicht recht, wie die Vereinigten Staaten aus Sicht ihres Rechts Krim, Donezk und Luhansk als russisch anerkennen könnten. Dazu gibt es bereits eine ausreichende gesetzliche Grundlage in den USA, die vom Kongress verabschiedet wurde. Exekutive Dekrete beider Präsidenten, vielleicht sogar dreier – Barack Obama, glaube ich, Donald Trump und Joseph Biden –, die eine solche Anerkennung unmöglich machen. 

Deshalb sagte Putin gestern in Bischkek übrigens, die Amerikaner versprächen ihnen, dies de facto anzuerkennen. De facto? Warum denn de facto und nicht de jure? Nun, Sie verstehen, de facto heißt einfach, dass Trump sagt: „Wir sind der Meinung, dass das russische Gebiete sind“, aber das wird nicht offiziell anerkannt werden, weil er keine solchen Möglichkeiten hat. Und da hat Putin absolut recht. Ein neuer Präsident wird kommen und sagen: „Hören Sie, was für ein Mist? Trump war ein Voluntarist, hat nie ein Gesetz gelesen, hat gesagt, die besetzten Gebiete seien russisch – aber wir, Amerika, erkennen das nicht an. Nein, wir sind der Meinung, dass das die Ukraine ist.“ Und damit wäre der ganze Anerkennungsprozess beendet. 

Die Frage ist also nicht, ob die Demokraten das beeinflussen oder nicht. Die Frage ist, dass der Präsident der Vereinigten Staaten das auf juristischem Wege nicht anerkennen kann. Und was er auf Twitter sagen oder irgendwo auf einer Wiese mit Putin verkünden wird, wenn er sagen sollte: „Wir sind der Ansicht, dass die Krim dir gehört“, wird nichts ändern. Und nebenbei bemerkt werden alle anderen westlichen Länder das niemals akzeptieren.

Frage. Warum sind Sie der Meinung, dass China Russland nicht so finanzieren wird, wie uns der Westen?

Portnikov. Weil China nicht über solche Möglichkeiten verfügt – und, wie ich denke, auch nicht über ein solches Interesse. Der Westen versteht sehr genau, warum er uns finanziert, und China kann man eher sagen, „verdient“ an russischem Öl. Es bekommt russisches Öl mit Rabatten, das es für seine Wirtschaft braucht – eine Wirtschaft, die ohnehin schon beträchtliche Mittel aufwenden muss, um sich in einer einigermaßen stabilen Lage zu halten. In China ist die Situation nicht die beste. Und natürlich ist China bereit, Russland mit solchen Einkäufen zu helfen. Es kann Russland bestimmte Komponenten liefern, die es ermöglichen, russische Waffen zusammenzubauen, aber es kann Russland nicht so helfen, wie uns der Westen, schon allein deshalb, weil es dann unter sekundäre westliche Sanktionen fallen würde. Und das liegt definitiv nicht im Interesse Chinas. Daher wird China immer zwischen Russland und der weiteren Entwicklung der Ereignisse manövrieren. Das muss man klar begreifen. Man muss klar begreifen, wie sich die Ereignisse entwickeln werden, wenn sich herausstellt, dass Russland zu ernsthaften Aktionen gegen die Ukraine nicht mehr in der Lage ist.

Xi Jinping sieht das übrigens ebenfalls ganz klar. Er spricht davon, dass man die Ursachen des Konflikts beseitigen müsse und so weiter. Aber auf der anderen Seite begreift er sehr wohl, dass Russland seit vier Jahren versucht, die Region Donezk zu besetzen, und das nicht kann. In diesem Sinne scheint mir der Fakt keineswegs selbstverständlich, dass man in China ebenfalls verstehen kann, dass Russland mit dem Kopf gegen die Wand rennt – und man möchte, dass dieser Kampf irgendwie endet, so, dass Putin sein Gesicht nicht verliert, aber nicht so, dass er alle russischen Ressourcen verbrennt, indem er versucht, die Ukraine zu erobern.

Da hat Davyd Arachamija nach Jermaks Rücktritt eine Erklärung abgegeben. Der Fraktionsvorsitzende der Partei „Diener des Volkes“ in der Werchowna Rada der Ukraine, dem Medienberichten zufolge ebenfalls eine Anklage wegen Landesverrats zugestellt werden sollte – nicht mehr und nicht weniger –, sagt, das Team des Präsidenten unterstütze seine Entscheidung. „Der Präsident kämpft für unsere Zukunft, für ein würdiges Ende des Krieges. Wir müssen im Inneren des Landes stark sein, um eine starke Position nach außen zu haben. Zelensky hat klar erklärt, dass wir uns durch nichts von der Verteidigung der Ukraine ablenken lassen dürfen. Das ist Priorität Nummer eins für die Regierung, für die Gesellschaft, für jeden Ukrainer. Auch für uns ist wichtig“, – und das ist ein absolut logischer Gedanke des Fraktionsvorsitzenden der Regierungspartei –, „dass niemand irgendwelche Fragen an die Ukraine hat. Volodymyr Zelensky hat gezeigt, dass die Interessen des Landes für ihn an erster Stelle stehen, und er als Führer der Nation, des Staates, wird keine Schwächung der Ukraine weder von außen noch von innen zulassen.“

Wie wir sehen, wissen wir, dass Davyd Arachamija zu jenen Spielern gehört haben könnte, die versucht haben, den Präsidenten von der Notwendigkeit des Rücktritts des Amtschefs zu überzeugen, nachdem all diese Informationen über Alibaba aufgetaucht waren. Nun, und die russischen Propagandisten freuen sich natürlich einfach über das, was geschieht. Und das zeigt ebenfalls, wie wichtig es ist, dass wir gemeinsam handeln, um ihnen keine Anlässe zu liefern.

Hier ist Kyrylo Dmitrijew, dieser Ostap Bender des Putin-Regimes, der sagt, dass „Ali Baba zurückgetreten ist, jetzt bleiben nur noch 40 Räuber“, und der ehemalige russische Präsident Medwedew, der betont, Zelensky könne keine Person sein, die ein Friedensabkommen unterzeichne, der Zusammenbruch des gesamten „korrupten Kyiver Regimes“ sei unausweichlich.

Aber ich kann sagen, dass die Situation, die mit der Unterzeichnung eines Friedensabkommens verbunden ist, für die Russen viel einfacher hätte sein können, wenn sie das Feuer hätten einstellen wollen. Wenn sie einen Waffenstillstand vereinbart hätten, wäre dafür keine Unterschrift Zelenskys nötig gewesen. Es hätte genügt, das auf Ebene der Generalstabschefs zu tun. Und dann hätte es in der Ukraine Wahlen gegeben, und man hätte ein Friedensabkommen mit demjenigen ausgehandelt, den die Ukrainer gewählt hätten. Auch das ist eine völlig offensichtliche Sache und spiegelt ebenfalls wider, inwieweit die Russen selbst den Krieg zwischen Russland und der Ukraine beenden wollen. Ein solches Bestreben sehen wir bei diesen Schurken in keiner Weise, und das ist eine absolut reale Tatsache in Bezug auf die künftige Entwicklung der Ereignisse.


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Titel des Originals: Зеленський позбувається Єрмака | Віталій Портников. 28.11.2025.i
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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NABU und SAP kamen zu Jermak | Vitaly Portnikov. 28.11.2025.

Beim Leiter des Präsidialamtes der Ukraine, Andrij Jermak, führen das Nationale Antikorruptionsbüro der Ukraine und die Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft Durchsuchungen durch. Die Durchsuchungen finden sowohl im Regierungsviertel als auch am Wohnort des Beamten statt. Dies wurde sowohl vom NAKU als auch von der SAP und auch von Andrij Jermak selbst bestätigt.

Die Durchsuchungen bei Andrij Jermak könnten mit den lautstarken Korruptionsermittlungen des NABU zusammenhängen, die bereits das engste Umfeld des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelensky erreicht haben und zum Rücktritt mehrerer Minister der erst kürzlich bestätigten Regierung geführt haben.

Unmittelbar nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse dieser Untersuchung tauchten Gerüchte auf, dass unter den Beamten, die auf den sogenannten „Mindych-Bändern“ vorkommen, auch Andrij Jermak sei, dem das Spitzname „Ali Baba“ zugeschrieben wurde. Die Befürchtungen, dass Jermak sich unter jenen wiederfinden könnte, die in den Korruptionsfall verwickelt sind, ja sogar eine Verdachtsmitteilung vom NAKU erhalten könnte – eine Information, die jetzt aktiv in den Medien verbreitet wird – waren so ernst, dass einige Abgeordnete der Partei Diener des Volkes dem Präsidenten sowohl informell als auch während eines Treffens des Staatsoberhauptes mit der Fraktion dieser politischen Gruppierung geraten haben, Andrij Jermak zu entlassen.

Doch Volodymyr Zelensky lehnte eine solche Entscheidung kategorisch ab und ernannte Andrij Jermak später sogar zum Leiter der Delegation, die sich in Genf mit dem US-Außenminister Marco Rubio und anderen amerikanischen Regierungsvertretern traf, um mit den ukrainischen Beamten den sogenannten Trump-Plan zu besprechen.

Nun werden die Durchsuchungen bei Jermak, selbst wenn sie zu keinen erheblichen Konsequenzen führen sollten, nicht nur seinen eigenen Ruf und seine Möglichkeit beeinträchtigen, den – wenn auch nur simulierten – Verhandlungsprozess mit Washington fortzuführen, sondern auch den Ruf des ukrainischen Präsidenten selbst. Denn seit jener Zeit, in der Andrij Jermak das Präsidialamt übernahm, gilt gerade er in der öffentlichen Wahrnehmung als jene Person, die Entscheidungen trifft, angeblich ohne sich auch nur mit dem Staatsoberhaupt zu konsultieren.

Und alle Bemühungen, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass in der Ukraine ein typisches postsowjetisches Machtmodell entstanden sei, in dem die gesamte Verantwortung für Entscheidungen bei einer einzigen Person – dem Präsidenten der Ukraine – liege und alle anderen Beamten lediglich dieser ersten Person dienen oder versuchen, im Voraus ihre Wünsche zu erraten, überzeugen vor allem jene nicht, die 2019 für Volodymyr Zelensky gestimmt haben und nicht begreifen können, welcher Typ und Stil der Macht ihrem gewählten Kandidaten eigentlich entspricht. So kann man sagen, dass Jermak nun mit Zelensky verbunden wird – und jede politische Krise des Leiters des Präsidialamtes wird auch zur politischen Krise des Staatsoberhauptes selbst.

Natürlich wird man jetzt viel darüber reden, dass der Fall Jermak vor allem mit dem amerikanischen Friedensplan zusammenhängen könnte, mit dem Wunsch der Trump-Administration, Druck auf den ukrainischen Präsidenten auszuüben und ihn zu Zugeständnissen zugunsten Russlands zu zwingen. Doch das ist eine verschwörungstheoretische Annahme aus einem einfachen Grund. Der russische Präsident Putin – wie wir aus seiner gestrigen Rede in Bischkek gesehen haben – ist zu keinerlei Friedensvereinbarungen mit der Ukraine bereit und hofft, durch sogenannte Friedensverhandlungen mit den USA oder möglicherweise auch mit unserem Land Zeit zu gewinnen, bis ein möglicher Konflikt mit dem US-Präsidenten Donald Trump entsteht.

Aber die Zerstörung der Ukraine, die Umwandlung unseres Landes in eine russische Provinz, ist für Präsident Putin eine viel wichtigere Priorität als sogar die Beziehungen zum amerikanischen Präsidenten. Und daher sollte niemand, der versteht, wie sich die politischen Prozesse in der Welt in den stürmischen 2020er und 2030er Jahren des 21. Jahrhunderts entwickeln werden, auf ein umfassendes Friedensabkommen in absehbarer Zeit hoffen. Das bedeutet, dass weder Zelenskys Positionen in den Beziehungen zu den Vereinigten Staaten noch irgendwelche Punkte in einem möglichen Friedensabkommen mit Russland von der Situation um Andrij Jermak beeinflusst werden – denn ein solches Friedensabkommen ist in absehbarer Zukunft nicht vorgesehen, ebenso wenig wie die Möglichkeit, einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front zu erreichen.

Daher muss man nicht analysieren, was nicht geschehen wird, sondern das, was tatsächlich geschehen wird. Das heißt: Wie werden die politischen Positionen Volodymyr Zelenskys im ukrainischen politischen Leben aussehen, wenn selbst seine engsten Verbündeten – und derzeit heißt es, dass es nicht bei Andrij Jermak bleiben wird – von Durchsuchungen des Nationalen Antikorruptionsbüros und der Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft betroffen sind oder sogar Verdachtsmitteilungen dieser Behörden erhalten.

Natürlich war der Ausweg aus dieser Situation immer recht einfach. Und über diesen Ausweg sprachen nicht nur vernünftige Beobachter seit 2022, sondern auch Abgeordnete der eigenen Präsidentenfraktion. Die Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, eine Injektion von Professionalität und Staatsdenken in jenen Regierungsstil, der durch den Willen des ukrainischen Volkes nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen 2019 entstanden war, der Versuch, die Fehler sowohl jener 2019 gebildeten Regierung als auch des ukrainischen Wählers selbst zu korrigieren, der so infantil und verantwortungslos blieb, dass er bereit war, seinem eigenen Land alle Voraussetzungen für eine riskante und katastrophale Entwicklung nach seiner Stimmabgabe zu schaffen.

All das wäre eine gemeinsame Rettung – sowohl für jene, die die Gefahr des Populismus und seine korrupten Bestandteile erkennen, als auch für jene, die das nicht erkennen können und damit ihr eigenes Leben, ihre Zukunft und das Leben vernünftig denkender Mitbürger aufs Spiel setzen.

Doch ich hege keine große Hoffnung, dass solche Schlussfolgerungen in naher Zukunft gezogen werden. Und daher wird sich die Krisensituation im ukrainischen politischen und gesellschaftlichen Leben weiterentwickeln – vor dem Hintergrund der Krise rund um den sogenannten Verhandlungsprozess und den Krieg Russlands gegen die Ukraine, den der grausame Feind nicht zu beenden gedenkt und in dem er selbstverständlich gern alle Schwächen des ukrainischen politischen und gesellschaftlichen Lebens sowie das mit diesen Schwächen verbundene Korruptionsermittlungsverfahren ausnutzen wird.


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Titel des Originals: НАБУ і САП прийшли до Єрмака | Віталій Портников. 28.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Putin über den „Friedensplan“: das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 27.11.2025.

Wir treffen uns in dieser Woche praktisch täglich, um jene Ereignisse zu besprechen, die sich unmittelbar nach dem Auftauchen des sogenannten Friedensplans in den US-Medien zu entwickeln begannen, den die einen für einen Plan der amerikanischen Administration halten und die anderen für einen russischen.

Heute sprechen wir über ein weiteres wichtiges Ereignis in der Entwicklung dieser ganzen Geschichte, die – sozusagen – mit diesem Plan verbunden ist. Im Prinzip habe ich schon mehrfach gesagt, dass diese ganze Geschichte nichts mit Frieden in der Ukraine oder mit Friedensbemühungen zu tun hat, dass dies eine Spezialoperation der Administration des Präsidenten der Russischen Föderation und der russischen Geheimdienste ist, die in erster Linie darauf abzielte, die Sanktionen gegen die wichtigsten russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil zu stoppen und die Waffenlieferungen an die Ukraine in der weiteren Phase des russisch-ukrainischen Krieges auszusetzen. Und dass genau deswegen der außenpolitische Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, ein erfahrener Diplomat sowjetischer Schule, Juri Uschakow, diesen Pseudo-Plan erfunden hat.

Und der Ostap Bender der russischen Präsidialadministration (Ostap Bender – literarische Figur, ein listiger Hochstapler aus sowjetischen Romanen, Symbol für Betrug und Manipulation), der Sonderbeauftragte des Präsidenten Kirill Dmitriew, übergab ihn einer anderen, ich würde sagen einer sehr ähnlichen Figur in der Administration von Präsident Trump – Steve Witkoff –, der gemeinsam mit Jared Kushner diesen russischen Plan, aus dem Russischen übersetzt, auf den Schreibtisch von Präsident Donald Trump legte, der, wie wir wissen, überhaupt keine Dokumente liest. Und nachdem klar wurde, dass die russische Administration ihr Ziel nicht erreicht hatte und dass Trump im Begriff war, Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil umzusetzen, organisierte Kirill Dmitriew das Durchstechen von Informationen in die US-Medien über 28 Punkte eines angeblichen Trump-Plans.

Und nachdem klar wurde, dass die Vereinigten Staaten nicht bereit sind, der Ukraine harte Ultimaten zu stellen und dass in Genf die amerikanische und die ukrainische Delegation gemeinsam ein Projekt eines Friedensplans ausarbeiten, der Russland natürlich überhaupt nicht interessiert, tauchte in Moskau ein weiteres Leak auf, jenes Leak, über das wir bereits gesprochen haben: Telefonate zwischen dem Berater des Präsidenten der Russischen Föderation, Juri Uschakow, dem Autor dieses Friedensplans, und Steve Witkoff. Das ist ein Signal der russischen Präsidialadministration an die amerikanische, dass man, wenn die Amerikaner sich nicht höflich verhalten, wenn sie russische Wünsche nicht berücksichtigen, ziemlich hart reagieren kann.

Doch wie in jedem Laientheaterstück ist heute auf der Bühne der Hauptdarsteller aufgetreten: der Präsident Russlands, Putin. Er nutzte seinen Aufenthalt in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek beim Gipfel der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, um sich mit Journalisten zu treffen. Und 75 % der Zeit dieses Treffens waren nicht der OVKS, nicht den Beziehungen zwischen Russland und Kirgisistan und nicht irgendwelchen anderen internationalen Problemen gewidmet, sondern in erster Linie eben diesem Trump-Friedensplan.

Begonnen hat das alles, wie es immer ist, mit einer „hausgemachten“ Frage des wichtigsten Putin-, ich würde sagen Hof-Reporters Pawel Sarubin, der ihn nach dem Trump-Friedensplan fragte. Und damit ging es weiter, denn praktisch alle russischen Journalisten, die an diesem Pressegespräch teilnahmen, fragten nur nach diesem Plan. Nun, und ich kann gleich sagen, dass die Antworten Putins im Grunde genommen zeigen, wie sich die Ereignisse in den nächsten Wochen und Monaten – und vielleicht sogar Jahren – des russisch-ukrainischen Krieges entwickeln werden.

Natürlich erklärte Putin sofort, es habe keinen konkreten Entwurf eines Friedensvertrags gegeben, sondern einen Katalog von Fragen, die man diskutieren und abschließend formulieren solle. Und wie andere russische Beamte auch, verwies Putin darauf, dass er dies vor seinem Besuch in Alaska mit amerikanischen Unterhändlern besprochen habe und dass nach diesem Besuch eine Liste möglicher 28 Vereinbarungspunkte aufgetaucht sei. Putin betont, dass diese Liste möglicher Vereinbarungen dem Kreml über bestimmte Kanäle übermittelt worden sei, woraufhin in Genf Verhandlungen zwischen der amerikanischen und der ukrainischen Delegation stattgefunden hätten. Und dort hätten sie untereinander beschlossen, diese 28 Punkte in vier separate Bestandteile aufzuteilen. Und all dies sei Russland übergeben worden.

Und das Interessante ist, dass Russland in der Folge nicht abgelehnt habe, dieses von den amerikanischen und ukrainischen Delegationen abgestimmte Projekt eines Friedensvertrags weiter zu prüfen, doch Putin unterstrich, dass dies die Grundlage künftiger Vereinbarungen bilden könne. Wir sehen also, dass der russische Präsident – wie übrigens auch der ukrainische – keineswegs im Begriff ist, die Vorschläge Trumps von vornherein vom Tisch zu wischen, sondern bereit ist, sie weiter zu diskutieren. 

Und darin liegt die Hauptidee Putins. Denn wenn Trump auf jegliche Deadlines verzichtet, ist das für den Präsidenten der Russischen Föderation absolut ideal. Putin wollte ja gerade, dass Friedensverhandlungen stattfinden – möglichst lange andauernde Verhandlungen. Und währenddessen würde die russische Armee ihre Aktionen auf dem Territorium der Ukraine fortsetzen und russische Raketen die ukrainische Energie- und Infrastruktur als solche zerstören, indem sie den verhassten Staat Ukraine in ein Gebiet verwandeln, das für das Leben ungeeignet ist.

Und nachdem Trump nach Alaska auf die Idee verzichtet hatte, dass es zunächst einen Waffenstillstand und dann ein Friedensabkommen geben müsse, entwickelt sich alles in Richtung dieser politischen Pläne Putins. Das Einzige, was den russischen Präsidenten nicht zufriedenstellt, ist, wenn der amerikanische Präsident irgendwelche Deadlines setzt und verlangt, man müsse dringend ein Abkommen unterzeichnen, das zu einem Waffenstillstand führen soll. Das mag Putin, der auf einen jahrelangen Krieg eingestellt ist, überhaupt nicht. Aber jetzt, wo Trump sagt, es gebe keinerlei Deadlines, läuft alles genau so, wie Putin es braucht.

„Manche Dinge sind von grundlegender Bedeutung“, sagt Putin. „Und im Großen und Ganzen sehen wir, dass die amerikanische Seite unsere Position in mancher Hinsicht berücksichtigt, eine Position, die wir vor Anchorage und nach Alaska besprochen haben. Irgendwo müssen wir uns sicher hinsetzen und bestimmte konkrete Dinge ernsthaft besprechen. Man muss alles in die Sprache der Diplomatie übersetzen, denn es ist eine Sache, im Allgemeinen zu sagen, dass Russland nicht vorhat, Europa anzugreifen. Das klingt für uns lächerlich, nicht wahr? Wir haben es nie vorgehabt.“ Nun, ich würde an Stelle der Europäer schon jetzt nervös werden, denn wenn Putin sagt, er habe nie vorgehabt, jemanden anzugreifen, heißt das, dass sich die russischen Streitkräfte in genau diesem Moment auf einen neuen Krieg, auf einen neuen Angriff vorbereiten. „Aber wenn sie es von uns hören wollen – gut, dann halten wir das eben fest. Kein Problem.“ Und dann folgt – ich werde das nicht einmal zitieren –, ein langer Absatz darüber, wie aggressiv die Europäer seien und wie nicht-aggressiv die Russen. Das spielt überhaupt keine Rolle.

Und all diese Gespräche darüber, dass die Russen bereit seien, Fragen der strategischen Stabilität gemeinsam mit den Amerikanern zu lösen – das ist in Wirklichkeit alles das, was Putin wollte, aber schon Obama hatte sich geweigert, und danach gab es auch keinerlei Bereitschaft dazu. Und nun ist plötzlich wieder der Wunsch aufgetaucht, zu diesen Fragen zurückzukehren, und es könnte vielleicht eine ernsthafte Diskussion geben. Zumal nächste Woche, wie Putin angekündigt hat, eine amerikanische Delegation nach Moskau kommen soll.

Putin sagt sogar, wer von russischer Seite die Hauptunterhändler sein werden. Das ist das Außenministerium, also Lawrow, von Seiten der Präsidialadministration Wladimir Medinski, der bereits die russisch-ukrainischen Verhandlungen in Istanbul geführt hat. Und natürlich der eigentliche Leiter dieser gesamten Richtung, der Assistent des russischen Präsidenten, Juri Uschakow. Das sind die drei wichtigsten Unterhändler. Interessant ist, dass Putin den Namen Lawrow gar nicht nennt. Er sagt nur, dass es das Außenministerium sein werde.

Was das Treffen in Abu Dhabi angeht, betont Putin sofort, dass sich russische und ukrainische Vertreter der Geheimdienste ständig treffen und heikle Fragen lösen. Und hier sei plötzlich ein Vertreter der US-Administration aufgetaucht, der vorgeschlagen habe, die Kontakte sofort, noch in dieser Woche in Moskau zu beginnen. Letztlich wurde jedoch bekannt, dass die amerikanische Administration darauf besteht, dass dieses Treffen – wie zuvor vereinbart – in der nächsten Woche stattfinden soll. Und das ist ebenfalls ein offensichtlicher Moment: Putin hätte nichts dagegen gehabt, wenn es schon in dieser Woche geschehen wäre, aber wenn die Amerikaner nächste Woche wollen – er hat es nicht eilig.

Einer der wichtigsten Punkte, die Putin anspricht, betrifft natürlich seine Ansprüche auf das gesamte Gebiet des Donbas. Und die Frage dazu wurde dem Korrespondenten der Zeitung „Kommersant“, Andrei Kolesnikow, anvertraut, der Putin im Grunde seit dem Jahr 2000, also seit 25 Jahren, betreut und ihm gewöhnlich die wichtigsten Fragen stellt – denn alle Fragen werden in einem Kreml-Kreis verteilt. „Werden Sie darauf bestehen, dass die territoriale Frage, insbesondere was den Donbas angeht, hier, jetzt und für immer gelöst wird, oder wären Sie bereit, sie sozusagen auf bessere Zeiten zu verschieben?“

Putin beantwortet diese Frage, nachdem er gesagt hat, dass er überhaupt nicht in die G7 wolle und dass all das jetzt völlig bedeutungslos sei, diese Vorschläge, Russland dorthin zurückzubringen. Es folgt eine lange Erzählung darüber, wie der Westen ihn angeblich will, er aber den Westen nicht will und wie er schon vor den Ereignissen in der Ukraine aufgehört habe, dorthin zu reisen. Auf die Frage zum Donbas jedoch antwortet er völlig konkret. Worum geht es? „Wenn die ukrainischen Streitkräfte die von ihnen besetzten Gebiete verlassen, dann werden die Kampfhandlungen eingestellt. Wenn sie nicht abziehen, werden wir dieses Ziel mit Waffengewalt erreichen.“ Das ist alles. Und ich denke, meine lieben Freunde, ihr habt sehr gut verstanden, worüber der Präsident der Russischen Föderation spricht.

Russland denkt nicht im Traum daran, auf den ursprünglichen Plan Putins zu verzichten, der bereits am 24. Februar 2022 verkündet wurde: die Kontrolle über das gesamte Gebiet der ukrainischen Oblaste Donezk und Luhansk innerhalb ihrer administrativen Grenzen. Und aus Putins Sicht kann es keinerlei Friedensabkommen geben, solange die ukrainische Armee nicht aus den Regionen abzieht, die sie heute verteidigt.

Warum ist das für Putin so wichtig? Nicht, weil er den Donbas braucht, sondern weil die Russische Föderation in den nächsten Jahren die Zerstörung unseres Staates mit anschließender Angliederung seines Territoriums an Russland und der Umwandlung der künftigen russischen Staatlichkeit in ein Territorium der Sowjetunion mit den Grenzen von 1991 geplant hat. Denn in Moskau ist man überzeugt, dass andere ehemalige Sowjetrepubliken, eingeschüchtert durch die Vernichtung der Ukraine, von selbst dorthin gehen werden, wohin man sie weist. In diesem Sinne hält Putin es für notwendig, um das Territorium des Donbas zu kämpfen – dies soll als Vorwand dienen, den Krieg fortzusetzen. Und wenn die ukrainische Führung dem zustimmt, dass sie das Territorium der Oblast Donezk, in der sich ukrainische Truppen befinden, aufgibt, kann das als Anlass zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine selbst genutzt werden, mit anschließender Eroberung des Territoriums dieses feindlichen Staates.

Ich spreche gar nicht erst davon, dass, selbst wenn man sich vorstellt, dass die Kampfhandlungen ohne eine solche Destabilisierung enden und russische Truppen auf einen neuen Operationsraum vorstoßen, der an andere ukrainische Regionen an die Oblast Donezk grenzt, die verbleibenden ukrainischen Gebiete nicht allzu lange in Frieden existieren würden. Denn nach einigen Monaten oder ein, zwei Jahren würde eine Kampagne zu ihrer Eroberung beginnen.

Dann sprach Putin lange darüber, wie die sogenannte „Spezialmilitäroperation“ verläuft. Ich werde nicht zitieren, was er sagt. Bei ihm erhöht sich natürlich stets das Tempo des Vormarsches der russischen Truppen. Und die Probleme der ukrainischen Truppen beschreibt er im kleinsten Detail. Ich werde das alles im Prinzip nicht kommentieren – eine Geschichte, die im Grunde beweist, dass Putin sich direkt mit dem Krieg beschäftigt. Das ist es, worüber man seit 2014 spricht, und erst recht seit 2022. Er führt die Streitkräfte der Russischen Föderation direkt, verfolgt aufmerksam den Verlauf der Kampfhandlungen und behält eine unglaubliche Menge an Zahlen im Kopf, die mit dem Krieg zu tun haben.

Das heißt, er führt den Krieg persönlich, und es macht ihm ungeheuren Spaß. Er lebt in diesem Krieg. Er ist zur Aufgabe seines Lebens geworden, und er hat keinerlei Wunsch, auf ein so „interessantes“ und intensives Leben zu verzichten, das damit verbunden ist, dass er jeden Tag lebende Menschen töten lassen kann. Diesen Wunsch gibt es bei Putin selbstverständlich überhaupt nicht. Auch das muss man verstehen.

Erstaunlich ist außerdem, dass Putin gefragt wird, was er von den geleakten Telefonaten von Uschakow, Witkoff und Dmitriew und vom Angriff auf Witkoff halte. Putin erklärt zunächst – in den besten Traditionen der Tscheka –, dass Abhören strafrechtlich verfolgt werden müsse. Das ist im Grunde ein unglaublicher Witz für einen Präsidenten eines Landes wie Russland, in dem alle und jeder abgehört werden. Der Kern der Sache ist aber, dass Putin Witkoff in Schutz nimmt – in dem vollen Bewusstsein, dass jedes Wort zu seiner Verteidigung nur das Feuer des Skandals anfachen und den Verdacht verstärken wird, Witkoff sei ein Agent russischen Einflusses.

Meiner Meinung nach – und das habe ich schon mehrfach gesagt –, ist Witkoff keineswegs ein Agent russischen Einflusses, sondern ein Mensch, der eifrig die Weisungen Trumps ausführt, die damit zusammenhängen, dass der amerikanische Präsident nicht einfach nur eine gemeinsame Sprache mit dem russischen Präsidenten finden will, sondern die Situation nutzen möchte, in der er keine neuen Sanktionen gegen die Russische Föderation verhängen oder die militärische Hilfe für die Ukraine erhöhen muss. Und das Gespräch, das wir zwischen Steve Witkoff und Juri Uschakow gehört haben, war von Seiten des Sonderbeauftragten des Präsidenten der Vereinigten Staaten offensichtlich darauf gerichtet, seinem Präsidenten einen Vorwand zu verschaffen, der es ihm erlauben sollte, der Ukraine nicht zu helfen. Und er erklärt Juri Uschakow, was sein Präsident tun müsse, um Trump diese Möglichkeit zu geben.

Aber ihr versteht ja, dass das ziemlich kompliziert ist. Und wenn Putin über Witkoff spricht, sagt er: „Man kann Herrn Witkoff nicht vorwerfen, dass er seinen russischen Kollegen gegenüber höflich eingestellt ist. Wir haben miteinander gesprochen, uns getroffen, und er ist ein intellektueller Mensch. Es wäre natürlich merkwürdig, wenn er in Gesprächen mit Uschakow uns mit unanständigen Worten beschimpft hätte, wenn er etwas äußerst Unangenehmes gesagt hätte und dann hierhergekommen wäre und versucht hätte, mit uns Beziehungen aufzubauen, um die Verhandlungsposition zu verbessern. Das wäre doch Unsinn. Witkoff ist ein gebildeter Mensch, der Bedingungen für zwischenmenschliche Kommunikation schaffen muss. Das ist klar. Und vor allem: Ich kenne Herrn Witkoff seit einigen Monaten. Seine Freundschaft mit Präsident Trump dauert viele, viele Jahre, vielleicht Jahrzehnte. Er ist amerikanischer Staatsbürger, er verteidigt die Position seines Präsidenten und seines Landes. Ja, unser Dialog ist nicht einfach. Ja, wir führen diesen Dialog ohne Schimpfwörter und ohne uns gegenseitig anzuspucken – wie intellektuelle, gebildete Menschen. Aber jeder verteidigt seine Position. Und Herr Witkoff verteidigt die Position der Vereinigten Staaten und die Interessen der Vereinigten Staaten so, wie er sie sieht und so, wie sie jene Menschen sehen, die ihn mit Verhandlungen mit der Russischen Föderation beauftragen. Diese Menschen sind nicht nur Präsident Trump. Das sind auch Leute aus dem militärisch-diplomatischen Umfeld und dem administrativen System der USA im weiten Sinne dieses Wortes.“

Wie ihr versteht, hat Putin hier im Grunde völlig recht. Witkoff verteidigt amerikanische Interessen so, wie Präsident Trump sie sieht. Und bei Präsident Trump kann das Verständnis amerikanischer Interessen von der Realität abweichen. Aber all das wird natürlich gesagt, um die Kritik an Witkoff im amerikanischen Establishment zu verstärken und eine Destabilisierung des innenpolitischen Lebens in Amerika zu schaffen. Putin ist ein erfahrener Saboteur und weiß genau, was er in einer solchen Situation tut.

Die nächste Frage, die ebenfalls angesprochen wird, ist die Frage der Konfiszierung russischer Vermögenswerte. Offensichtlich missfällt Putin das ungemein. Das werde negative Folgen für das weltweite Finanzsystem haben, da das Vertrauen in die Eurozone dramatisch sinken werde. Und vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Probleme, in denen die Lokomotive der europäischen Wirtschaft – Deutschland – sich bereits im dritten Jahr in der Rezession befindet, wird das natürlich eine sehr schwierige Prüfung. Und die russische Regierung erarbeitet im Auftrag Putins bereits ein Paket von Gegenmaßnahmen für den Fall, dass dies geschieht, denn das sei ein Diebstahl fremden Eigentums. Dann beginnt Putin zu fragen, wer hier eigentlich wen belehrt: die Diebeselite der Ukraine die europäischen Diebe oder lernen die Europäer von der ukrainischen Führung? In jedem Fall sei das eine und das andere Diebstahl. „So stehen wir dazu. Wir bereiten entsprechende Maßnahmen vor. Die Regierung wird sie später bekannt geben.“ Doch ich muss euch sagen, dass diese Antwort bereits ein Zeugnis der ernsten Besorgnis Putins ist. Warum?

Ihr erinnert euch vielleicht: Früher, als Putin nach der Konfiszierung russischer Vermögenswerte gefragt wurde, erklärte der russische Präsident, dass er sich davor überhaupt nicht fürchte, dass er diese Vermögenswerte gar nicht brauche und dass er nur wolle, dass das europäische Finanzsystem zusammenbricht. Wenn der Preis für den Zusammenbruch des europäischen Finanzsystems, dafür, dass alle glücklich ohne das europäische Finanzsystem leben werden, der Verlust russischer Vermögenswerte und deren Nicht-Rückgabe sei, dann solle es so sein. Das sei der Preis für den Niedergang des Westens. Jetzt, wie ihr seht, ist davon keine Rede. Putin sieht darin überhaupt nichts Gutes mehr. Er droht mit Gegenmaßnahmen, obwohl es für ihn sehr schwer sein wird, irgendetwas Gleichwertiges zu tun, wenn man bedenkt, dass praktisch das gesamte westliche Eigentum auf dem Territorium der Russischen Föderation nach 2022 bereits konfisziert wurde und Russland mehrfach deutlich gemacht hat, dass es nicht im Traum daran denkt, irgendetwas zurückzugeben.

Eine weitere Frage, die im Kontext der aktuellen Ereignisse recht wichtig ist, ist die nach den angeblichen Tests von Kernwaffen durch die USA. Putin antwortet, dass er lediglich angewiesen habe, zusätzliche Informationen über die Handlungen der amerikanischen Seite zu sammeln, sie zu analysieren und ihm Vorschläge zu unterbreiten, was Russland in dieser Situation tun solle. Einer der Vorschläge, die an Russland herangetragen wurden, bestehe darin, gemeinsam an diesem Thema zu arbeiten. Und Russland sei bereit, mit der amerikanischen Administration über alle Fragen zu strategischer Stabilität nachzudenken. Das heißt, man kann im Grunde sagen, dass Putin die Drohungen Trumps nicht besonders ernst nimmt. Er versteht, dass die Vereinigten Staaten mit hoher Wahrscheinlichkeit keine realen Atomtests durchführen werden, ist aber bereit, Trump erneut die Hand zu reichen und ihm zu helfen, aus dieser, ich würde sagen, seltsamen Situation herauszukommen, in die der amerikanische Präsident nach solchen Drohungen geraten ist, damit amerikanische und russische Unterhändler in Moskau irgendetwas vereinbaren, das es dem amerikanischen Präsidenten erlauben würde, von der Idee der Atomtests Abstand zu nehmen. Das ist die Position Putins.

Ich sage es euch noch einmal: Ihr könnt sehen, dass – anders als einige meiner Kollegen behaupten und ich rede gar nicht erst von unseriösen Telegram-Kanälen, die nur Zitate und nicht ganze Reden lesen – dieser Auftritt Putins vor der Öffentlichkeit keineswegs darauf abzielt, Trump „abzuschreiben“ oder schlecht über ihn zu sprechen, sondern im Gegenteil, ihm eine neue „Honigfalle“ zu stellen. Wisst ihr, was Honigfallen sind? Der KGB setzte in sowjetischer Zeit Prostituierte ein, wenn reiche Ausländer ankamen, um sie mit solchen Kontakten zu kompromittieren. Viele Verschwörungstheoretiker haben immer behauptet, Donald Trump könnte während seiner Aufenthalte im sowjetischen oder postsowjetischen Moskau in eine solche Honigfalle geraten sein. Aber ich denke, die eigentliche Honigfalle ist das, was wir jetzt sehen. Sie besteht darin, dass Putin bereit ist, Trump politische Dienste zu leisten, im Austausch dafür, dass dieser ihm nicht dabei im Wege steht, die Ukraine über einen ziemlich langen Zeitraum zu zerstören. Das ist die Hauptidee des russischen Staatsoberhaupts. Die Hauptidee der Lubjanka ist, Zeit zu schinden – so lange, wie es nötig ist, um den ukrainischen Staat zu zerstören und den Großteil seiner Bewohner aus der Ukraine zu vertreiben, damit sie Platz für Umsiedler aus der Russischen Föderation machen.

Eine weitere Frage, die man kurz kommentieren kann, ist, dass selbst russische Journalisten bereits anfangen, über Lawrows Ungnade zu sprechen, in die er nach einem missglückten Gespräch mit Marco Rubio geraten sei. Zur Erinnerung: Nachdem der Außenminister der Russischen Föderation mit dem US-Außenminister gesprochen und betont hatte, dass Russland nicht im Traum daran denke, auf seine maximalistischen Bedingungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu verzichten, berichtete der US-Außenminister dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, dass man auf das von Putin gewünschte Treffen in Budapest verzichten sollte. Und Putin sagt: „Das ist doch Unsinn, er ist in keinerlei Ungnade gefallen. Er hat einfach seinen eigenen Arbeitsplan. Er bereitet sich auf das Treffen mit dem amerikanischen Partner vor.“

Wir werden sehen, wie das sein wird – ob Lawrow tatsächlich bei einem solchen Treffen anwesend sein wird, ob er es führen wird. Warum sage ich das? Putin erklärte, dass das Außenministerium für das Treffen mit der amerikanischen Delegation verantwortlich sei, die nächste Woche nach Moskau kommen soll. Er nannte konkrete Beamte seiner eigenen Administration – Medinski und Uschakow –, die für die Kontakte zur Administration von US-Präsident Donald Trump zuständig sein werden, aber den Außenminister, der eigentlich das Gegenüber des US-Außenministers und des Nationalen Sicherheitsberaters Rubio sein müsste, erwähnte er nicht. Und Lawrow kann hier durchaus aus dem Prozess herausgedrängt werden. Genau deshalb, weil Rubio gleichzeitig nationaler Sicherheitsberater ist, und sein Gegenüber in der russischen Administration Juri Uschakow ist. Wenn man Uschakow hat – wozu braucht man dann Lawrow?

„Druck auf Russland“ – das ist auch eine wunderbare Frage. „Es entsteht der Eindruck“, sagt der Korrespondent der Nachrichtenagentur TASS, „dass die westliche Seite, wenn sie schnelle Treffen vorschlägt und auf ihnen besteht, Druck auf Russland und auf Sie persönlich ausübt. Natürlich wollen alle so schnell wie möglich Frieden erreichen, aber solche Fragen dulden keine Hast.“ Natürlich ist es besser, noch zehn Jahre weiterzukämpfen und unser ganzes Land zu zerstören. Das ist der Traum jedes echten russischen Propagandisten. Und Putin antwortet so, dass wir klar verstehen, wie sehr er bereit ist, Zeit in die Länge zu ziehen. Ich lenke eure Aufmerksamkeit bewusst darauf. „Jede der Fragen, die in den Listen aufgeführt sind, die uns übermittelt wurden, ist von großer Bedeutung. Jede von ihnen ist ein Schlüsselt­hema, verstehen Sie? Daher erfordert sie eine ernsthafte Ausarbeitung. Und offenbar wollen einige unserer Partner diese Fragen so schnell wie möglich lösen. Man hat mich hier gefragt, was an der Kontaktlinie passiert. Man hat nach der Position der amerikanischen Unterhändler gefragt.“

Dann beginnt Putin, über die Kontaktlinie zu sprechen, ausführlich über Karten zu berichten. Ich lasse das alles weg, weil es eine riesige Menge an militärischer Desinformation ist. Ich werde hier nicht als Lautsprecher Putins auftreten, der seine Desinformation über die Lage an der Front verbreitet. Aber glaubt mir, er erzählt alles bis ins Detail, für jede Region. Man sieht, wie sehr er mit all dem lebt und wie er sich darüber freut, dass dieser Krieg stattfindet, dass es für ihn so etwas wie das Spiel „Schiff versenken“ ist, irgendein Computerspiel, das ihn fasziniert. Und natürlich erzählt er, dass ein Zusammenbruch der ukrainischen Front bevorstehe. „Darin liegt der Unterschied zu denen im Westen, die so schnell wie möglich Frieden erreichen wollen – sogar um den Preis gegenseitiger Zugeständnisse von ukrainischer Seite, um die Ukraine vor einem Zusammenbruch der Front zu retten. Der Westen will das“. 

Es folgt wieder eine lange Tirade über den angeblichen Frontzusammenbruch. „Diejenigen im Westen, die verstehen, wozu das führen kann, drängen auf eine möglichst schnelle Beendigung der Kampfhandlungen, selbst wenn das vom Kyiver Regime gewisse Zugeständnisse verlangen sollte, weil sie verstehen, dass die Front auf einzelnen Abschnitten sich zusammenzurollen beginnt und dass dann die Streitkräfte der Ukraine ihre Kampffähigkeit völlig verlieren werden. ‚Lasst uns euch helfen, den Kern der Streitkräfte und eure Staatlichkeit zu bewahren.‘ Darum gehe es, sagen die Vertreter dieser Position. Und andere drängen darauf, die Kampfhandlungen bis zum letzten Ukrainer fortzusetzen. Darin liege der Unterschied der Ansätze. Und diejenigen, die Herrn Witkoff angreifen, seien Vertreter der anderen Sichtweise, die gemeinsam mit dem ukrainischen Establishment Geld stehlen und die Kampfhandlungen bis zum letzten Ukrainer fortsetzen wollen. Aber ich habe bereits öffentlich gesagt, dass wir im Prinzip dazu bereit sind.“

Das heißt, Russland ist bereit, die Kampfhandlungen bis zum letzten Ukrainer fortzusetzen, wenn die Vertreter dieser Sichtweise das wollen. Ob Russland bereit ist, die Kampfhandlungen zu beenden, das heißt, sich jenen anzuschließen, die die erste Position vertreten und den Krieg so schnell wie möglich beenden wollen, sagt Putin nicht. Ich möchte, dass ihr das bemerkt.

Aber noch eine Frage zeigt, in welche neue Falle Putin Trump ziehen will: Mit wem sollen Abkommen unterzeichnet werden? Denn wenn ein Abkommen vorbereitet wird – mit wem soll man es unterzeichnen? Dokumente mit der ukrainischen Führung zu unterzeichnen, sei sinnlos, sagt Putin. „Ich denke, dass die ukrainische Führung einen prinzipiellen strategischen Fehler gemacht hat, als sie Angst hatte, Präsidentschaftswahlen abzuhalten, woraufhin der Präsident seinen legitimen Status verloren hat. Russland befindet sich ebenfalls im Zustand eines bewaffneten Konflikts mit derselben Ukraine. Aber wir haben Präsidentschaftswahlen abgehalten, Kommunal- und Regionalwahlen. Wir tun das alles, und sie aus irgendeinem Grund nicht.“

Versteht ihr diese Blasphemie? Als fände der Krieg nicht real auf dem Territorium der Ukraine, sondern auf dem Territorium Russlands statt. „Denn sobald irgendwelche Friedensabkommen irgendeiner Art geschlossen sind, werden die Kampfhandlungen eingestellt. Das Kriegsrecht muss unverzüglich aufgehoben werden. Wenn das Kriegsrecht aufgehoben wird, muss unverzüglich eine Wahl angekündigt werden. Aber unter den heutigen Bedingungen ist es für die derzeitige politische Führung der Ukraine schwer, auf einen Sieg ohne Manipulation zu hoffen. Fast unmöglich. Obwohl, wie Stalin sagte, es nicht wichtig ist, wer wie abstimmt, sondern wer die Stimmen zählt.“

Das heißt, Putin möchte unsere Wahlen, unseren Staat mit Erfahrungen seiner eigenen Wahlen überziehen – stets gefälscht, stets gelogen. Das ist auch nicht verwunderlich.

Doch dann sagt er weiter – und hier hört gut hin –, „man muss ein Referendum über alle territorialen Fragen abhalten. So steht es in der Verfassung, und dann muss das Referendum vom Verfassungsgericht bestätigt werden.“ Ich sage euch gleich, Freunde: Die ukrainische Verfassung lässt keinerlei Referenden über territoriale Fragen zu. Wir sind ein Einheitsstaat. Es kann keinerlei Veränderungen in der Staatsstruktur der Ukraine geben. Kein Referendum kann das Territorium der Ukraine verändern. Das ist eine Lüge. Aber Putin lügt darüber. Wozu? Um zu behaupten, dass es kein Verfassungsgericht gebe, das die Ergebnisse eines solchen Referendums bestätigen könnte. Das ist alles.

Dann erzählt er, dass nur die Werchowna Rada das Recht habe, ihre Vollmachten unter Kriegsrecht zu verlängern. Der Präsident nicht. Folglich könne er als Amtsperson nicht die notwendige Bestätigung des Verfassungsgerichts unterschreiben. Und so weiter. Es folgt eine lange Geschichte über den Vorsitzenden des Verfassungsgerichts, der angeblich ins Ausland geflohen sei, weil er nicht mehr an seinen Arbeitsplatz gelassen worden sei. „Das Verfassungsgericht arbeitet nicht. Der Vorsitzende des Obersten Gerichts sitzt im Gefängnis wegen Korruption. Jene, die sich mit Korruption beschäftigen, die höchsten Korruptionäre, die Vorsitzenden des Obersten Gerichts, hat man wegen Korruption ins Gefängnis gesetzt. Die Vollmachten der Mitglieder des Verfassungsgerichts sind abgelaufen. Man muss neue Mitglieder des Verfassungsgerichts wählen. Das ist ein ganzer Prozess, verstehen Sie?“ Wir verstehen nicht. Der Präsident der Ukraine hat alle Möglichkeiten, Mitglieder des Verfassungsgerichts im Rahmen seiner Quote zu ernennen. Und das von Putin erfundene Referendum hat überhaupt nichts mit der ukrainischen Gesetzgebung zu tun.

Aber warum erzählt er das alles? Wozu? „Wir wollen letztlich mit der Ukraine eine Vereinbarung treffen, aber jetzt ist das praktisch juristisch unmöglich. Wer auch immer von ihnen kann und will, soll verhandeln. Wir brauchen, dass unsere Entscheidungen von den wichtigsten internationalen Akteuren anerkannt werden. Das ist alles. Und das ist wichtig, denn es ist eine Sache, wenn Entscheidungen anerkannt sind und bestimmte Gebiete unter russischer Souveränität stehen – und wenn bei einem Bruch der Vereinbarungen dies ein Angriff auf Russland wäre –, und eine andere Sache, wenn man versucht, Gebiete zurückzugeben, die de jure der Ukraine gehören. Das sind verschiedene Dinge. Und wir brauchen Anerkennung, aber nicht von der Ukraine. In Zukunft können wir uns auch mit der Ukraine einigen. Dort gibt es viele vernünftige Leute, die langfristige historische Beziehungen mit Russland aufbauen wollen.“

Ihr versteht also die Idee. Putin braucht überhaupt keine Einigung mit der Ukraine. Er nimmt die Ukraine nicht als eigenständigen Verhandlungspartner wahr. Er möchte, dass die Vereinigten Staaten, China, die europäischen Länder die von Putin besetzten und annektierten Gebiete als Teil der Russischen Föderation anerkennen. Und die Ukraine soll einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Und auf diese Weise wird sie dank dessen zu einem russischen Protektorat.

Das ist das ganze Wesen dessen, worüber Putin in Bezug auf den Trump-Friedensplan gesprochen hat. Er hat mit der Ukraine nichts zu besprechen. Er will sich mit Trump einigen. Und als ein Korrespondent ihn fragt, dass im Trump-Plan stehe, dass „die USA de facto anerkennen, aber nicht de jure – also nicht rechtlich –, dass die Krim und der Donbas ein Teil Russlands seien“, antwortet Putin: „Das muss Gegenstand unserer Verhandlungen mit der amerikanischen Seite sein. Herzlichen Dank, dass Sie darauf hingewiesen haben.“

Putin wird also von den amerikanischen Unterhändlern verlangen, dass die Vereinigten Staaten Russland in den Grenzen anerkennen, die in der russischen Verfassung festgelegt sind. Dafür ist das alles da. Und der Krieg kann weitergehen, versteht ihr? Nur werden die Vereinigten Staaten dann der Meinung sein, dass die Russen ihr eigenes Territorium von ukrainischen Okkupanten befreien, wenn sie diese Gebiete als Teil Russlands anerkennen. Darin besteht Putins Idee, sein teuflischer Plan.

Und schließlich eine politische Sensation, die mit dem Freitag verbunden sein wird. In Moskau soll der ungarische Premierminister Viktor Orbán eintreffen. Putin bestätigt den Besuch nicht direkt, aber ihr versteht, worum es geht. Es geht darum, dass Orbán mit Putin Fragen besprechen wird, die mit den künftigen Plänen der Europäer zusammenhängen, die Unterstützung für die Ukraine zu verstärken, sowie die Frage der Konfiszierung russischer Vermögenswerte. Und natürlich ist Putin daran interessiert, dass Orbán all dies blockiert. Genau das wird er mit dem ungarischen Premierminister in der russischen Hauptstadt besprechen. Das ist der zentrale Punkt. Versteht ihr, Orbán wird nicht den Trump-Plan mit ihm besprechen.

So, ich habe euch Putins gesamte Rede detailliert nacherzählt. Ich habe dafür anscheinend sogar mehr Zeit gebraucht als Putin selbst. Warum habe ich das so ausführlich getan? Damit ihr die reißerischen Überschriften nicht für Realität haltet – dass Putin Trump „verraten“ habe, dass Trump jetzt beleidigt auf ihn sei. Nein. Wie ihr seht, ist nichts davon in dieser Rede zu finden. Es gibt einen offensichtlichen Wunsch des Präsidenten der Russischen Föderation, mit seinem amerikanischen Kollegen zusammenzuarbeiten. Es gibt den offensichtlichen Wunsch des russischen Präsidenten, mit dem ukrainischen Kollegen nichts zu tun haben zu wollen. Folglich, wie ihr versteht, kann es keinerlei Verhandlungen, keinerlei Treffen zwischen Putin und Zelensky geben. Auch das ist eine völlige Utopie.

Putin könnte sich, wahrscheinlich, mit Zelensky treffen, wenn Zelensky bereit wäre zu kapitulieren und Trump ihn zu dieser Kapitulation zwingen würde. Aber Putin wird verlangen, dass unter einem solchen Abkommen die Unterschriften derjenigen stehen, die er als legitime Macht bezeichnet, sagen wir also, dass dieses Abkommen nicht nur der Präsident der Ukraine, sondern auch der Vorsitzende der Werchowna Rada der Ukraine unterschreibt – oder sogar nur der Vorsitzende der Werchowna Rada. Hier wird es von russischer Seite noch viel Druck geben, falls die Idee eines irgendwie gearteten Friedensprozesses überhaupt entstehen sollte.

Ich sage es erneut: Es gibt keinerlei objektive Voraussetzungen für die Annahme irgendeines Friedensplans, für irgendwelche Friedensverhandlungen zwischen Russland und der Ukraine, und sie werden sie auch in absehbarer Zeit nicht geben. Wenn also jemand von euch über solche Möglichkeiten spricht oder ihr von Bekannten hört, dass es jetzt irgendeinen Friedensplan geben werde und alles aufhöre, dann schafft euch bitte keine sinnlosen Illusionen. Ich denke, diese Rede Putins hat erneut gezeigt, dass er in völlig anderen Kategorien denkt.

Wie kann Putin diesen Plan, den niemand anerkennt, nun nutzen? Wieder einmal werden sie jetzt einfach mit den Amerikanern reden und Zeit schinden. Was ist das Problem? Wenn Trump klar gesagt hat, dass er keinerlei Deadlines in dieser Situation hat – warum sollte er dann nicht glauben, dass er Zeit schinden kann? Ich habe bereits im ersten Teil der Sendung darüber gesprochen.

Und ich fahre mit den Antworten auf Fragen fort.

Frage: Wenn man sich für ein Leben in Osteuropa von Finnland bis Polen entscheidet, kann man sicher sein, dass dort keine Kampfhandlungen stattfinden werden?

Portnikov: Wenn Sie ein Leben in Lissabon oder Madrid wählen, müssen Sie auch daran denken, dass russische Raketen dorthin fliegen können – nur ein bisschen länger als nach Warschau oder Helsinki. Sie können sich also nirgends vor einer russischen Rakete sicher sein, wenn es einen Krieg mit Einsatz von Raketenwaffen gibt.

Übrigens: Genau darüber wird jetzt gesprochen. Und genau darüber hat der US-Heeresminister Dan Driscoll bei seinem Treffen in Kyiv mit den Europäern gesprochen – dass man verstehen müsse, dass Russland inzwischen so viele Raketen produziere, dass es für einen Raketenkrieg mit Europa reicht. Deshalb müsse der russisch-ukrainische Krieg so schnell wie möglich beendet werden, damit er sich nicht ausweitet. Ich verstehe also nicht, warum Sie denken, dass es in Finnland gefährlich sein kann, in Portugal aber sicher. Wer hat Ihnen das gesagt? Das ist alles völliger Unsinn.

Und ich möchte Sie davon überzeugen, dass russische Truppen vielleicht gar nicht nach Finnland einmarschieren. Und vielleicht werden auch in Polen keine Panzer stehen. Stattdessen kann einfach die Infrastruktur in ganz Europa – an allen NATO-Stützpunkten – durch Raketenangriffe und Drohnenangriffe zerstört werden.

Wenn Sie in der Ukraine weit weg von einem militärischen Objekt leben, können Sie überleben. Wenn Sie in Deutschland oder Spanien in der Nähe eines militärischen Objekts leben, werden Sie sterben. Wo ist der Unterschied? Es ist unmöglich, ständig vor dem Krieg wegzulaufen. Er wird Sie immer finden, glauben Sie mir. Das Letzte, was ein Mensch mit einem realistischen Blick auf die Welt tun kann, ist zu denken, dass er seinem Schicksal entkommen wird. Das wird er nicht. Deshalb werde ich Ihnen keinerlei Geografie nennen. Wir leben mit Ihnen am Vorabend eines Dritten Weltkriegs. Eine riesige Zahl von Menschen könnte seine Opfer werden. Und im Kreis herumzulaufen ist zwar eine angenehme Beschäftigung, aber nicht für alle.

Also denken Sie einfach darüber nach, wie Ihre Sicherheit und die Sicherheit Ihrer Kinder aussehen wird. Niemand hat gesagt, dass Sie irgendwo in Australien oder Neuseeland Glück haben werden, falls sie zum Schauplatz eines Zusammenstoßes zwischen China und den Vereinigten Staaten werden. Die Welt ist so klein geworden, dass es in absehbarer Zeit einfach keine sicheren Städte geben könnte. Auch das muss man verstehen.

Was die Zukunft betrifft – da kann ich nichts sagen. Ich bin ohnehin kein Futurologe. Hoffen wir einfach, dass der russisch-ukrainische Krieg endet, und nicht, dass irgendwelche Raketenangriffe auf Finnland oder Polen beginnen.

Frage: Sollte die Ukraine nicht einfach die Hilfe der USA vergessen und nach Möglichkeiten anderswo suchen?

Portnikov: Nun, das lässt sich sehr leicht sagen. Aber Sie müssen eine einfache Sache verstehen. Die USA sind nach wie vor die einzige Supermacht neben der Russischen Föderation. In der Welt gibt es zwei große Atommächte. Und die Frage ist nicht nur die militärische Hilfe der USA, sondern auf wessen Seite die USA stehen – das ist das Erste. 

Zweitens: Selbst wenn die USA uns keine umfangreiche militärische Hilfe leisten, sondern ihre Waffen über die Europäer verkaufen, ist das dennoch ein bedeutender Teil unserer Bewaffnung. Das ist das Zweite. 

Drittens hängt ein Großteil unserer Luftverteidigung von den Vereinigten Staaten ab – dieselben Patriots. Wie wollen Sie Infrastruktur schützen, wenn Russland immer mehr Raketen hat, wir aber keine Luftabwehr?

Des Weiteren erfordert eine enorme Menge an Waffen, die aus Europa kommt – etwa die Storm-Shadow-Raketen –, eine amerikanische Zustimmung. Wenn die Amerikaner den Briten verbieten, sie uns zu liefern, wird es keine Raketen geben.

Also glauben Sie bitte nicht, dass wir einfach so den Amerikanern ins Gesicht spucken können. Ich würde das nicht empfehlen. Und genau aus diesem Grund bemühen sich übrigens auch die Europäer, die Vereinigten Staaten in dieser Logik zu halten – weil sie verstehen, was passiert, wenn die USA sich einfach aus der Situation zurückziehen.

Frage: Stimmen Sie zu, dass durchschnittliche, nicht besonders gebildete Menschen immer von extremen politischen Ideologien angezogen werden, während liberale Ansichten nur Sache wirklich denkender Menschen mit Gewissen sind?

Portnikov: Ich stimme nicht zu. Ich denke, dass Gewissen sowohl ein einfacher als auch ein komplexer Mensch haben kann. Ich glaube überhaupt nicht an einfache und komplexe Menschen. Anhänger extremer Ideologien waren Menschen mit unglaublicher kultureller Bildung – der Volkskommissar für Bildung der Sowjetunion Lunatscharski, oder der große deutsche Schriftsteller Jünger, oder der große norwegische Schriftsteller Hamsun, der im Prinzip das Bild der norwegischen Seele und des norwegischen Gewissens geschaffen hat. Er war ein Anhänger Adolf Hitlers. Und ich kann Ihnen unzählige weitere Beispiele nennen. Der große deutsche Dramatiker Hauptmann, der gemeinsam mit Göring aufstand, wenn die Nazi-Hymne gespielt wurde. Ich will erst gar nicht von sowjetischen Schriftstellern, Ideologen und wem auch immer sprechen. Sie wissen das alles selbst sehr gut, also erfinden Sie nichts.

Ja, tatsächlich haben jetzt viele Menschen, die sich früher nie für Politik interessierten, Zugang zu – ich würde sagen – einfachen Antworten auf komplizierte Fragen. Aber auch früher haben praktisch dieselben Menschen gewählt und deutlich verantwortungsvoller und ernster gewählt. Vielleicht liegt das Problem nicht in den Menschen, sondern in den neuen Informationstechnologien.

Frage: Ist es nicht analog dazu, wie Witkoff die Russen instruierte, dass Kellogg Zelensky instruiert hat, wie er sich Trump am besten nähern solle, um den Skandal im Oval Office zu entschärfen?

Portnikov: Im Grunde ja, aber hier stellt sich die Frage: In wessen Interesse handelte wer? Das heißt, Kellogg versuchte, Zelensky zu helfen – oder erhielt er eine Anweisung von Trump, dass man die Beziehungen zur Ukraine verbessern müsse? Haben Sie daran nicht gedacht? Dass man den Grad des Skandals im Oval Office senken müsse, weil er in der amerikanischen Öffentlichkeit und in der Welt nicht gut ankommt? Aber um diese Spannung abzubauen, müsse Zelensky dies und jenes tun, um Trumps Gesicht zu wahren. Und Kellogg erklärte Zelensky, welche Schritte das sein müssten. Denken Sie nicht so?

Und genau dasselbe tut Witkoff, der die Direktiven Trumps ausführt – nur in einer anderen Richtung. Es ist keine Eigeninitiative, das versuche ich Ihnen in beiden Fällen zu erklären.

Frage: Werden die Europäische Union und Europa Putin wirklich abnehmen, dass er nicht vorhat, die EU anzugreifen und den Krieg nach der Eroberung der Oblaste Donezk und Luhansk zu beenden?

Portnikov: Ich denke, die Europäer sind keine Idioten. Sie verstehen alles sehr gut und werden Putin keineswegs glauben. Eine andere Sache ist, dass Europa für seine Aufrüstung Zeit braucht, denn alle Nachkriegsjahrzehnte – auch das muss man verstehen – standen die Russische Föderation beziehungsweise damals die Sowjetunion dem Westen gegenüber, während die Vereinigten Staaten Westeuropa mit ihrem Atomschirm und ihren Stützpunkten auf dem europäischen Kontinent schützten. Die Amerikaner schützten und verlangten von den Europäern, als Bezahlung für diesen Schutz amerikanische Waffen zu kaufen.

Und was haben wir am Ende? Jetzt stellt sich heraus, dass die Amerikaner der Idee der euroatlantischen Solidarität nicht mehr so anhängen. Wir erinnern uns an die skandalöse Münchner Rede des US-Vizepräsidenten J.D. Vance, die politisch in ihrem globalen Kurswechsel nur mit der Münchner Rede des russischen Präsidenten Putin zu vergleichen ist. Die Europäer brauchen einfach Zeit, um aus dieser Situation herauszukommen. Ich denke also, dass das klar ist, wenn wir darüber sprechen.

Frage: Worin besteht Trumps Interesse, eine Zusammenarbeit mit Putin zu fördern, wenn dieser außer Worten keinerlei Bereitschaft zur Kooperation zeigt?

Portnikov: Nun, vielleicht hofft Trump, dass es außer Worten auch noch Geld geben wird – sagen wir, eine gemeinsame Erschließung der Arktis, Zugang zu bestimmten russischen Ressourcen, seltenen Erden. Es fällt mir schwer zu sagen, wie die Zukunft in Trumps Augen aussehen wird. Aber das ist eine sehr gute Frage – also welchen Sinn Trump sieht. Das Wichtigste ist jedoch, dass Trump im Grunde in den Kategorien des Mittelalters denkt, brutaler Gewalt. Da gibt es einen großen Staat, der den kleinen diktieren soll. Trump verhält sich selbst so. Und diese kleinen Staaten müssen die Wünsche des großen Staates berücksichtigen, der über Macht verfügt. Trump pflegt den Kult brutaler Kraft. Er ist im Grunde ein Mensch mit undemokratischen Vorstellungen. Und er versteht Putin sehr gut. 

Das Einzige, was er nicht versteht, ist, warum Putin weiterkämpft, wenn er das alles nicht mit Gewalt erreichen kann. Warum versucht er, die Kuh zu schlachten, anstatt sie mit Trump zu teilen – wenn wir zynisch über die Ukraine sprechen? Und genau das trennt sie. Aber Trump hofft, sich mit ihm zu einigen und diese Kuh so zu teilen, wie er es für richtig hält. Und deshalb ist er bereit, Putin alle Gebiete zu überlassen, die dieser erobert hat. Deshalb ist er bereit, sich mit der Idee des Abzugs der ukrainischen Truppen aus dem Donbas einverstanden zu erklären. Denn für Trump ist das nur der Versuch, die Kuh zu teilen. Und damit ähnelt er sehr Putin und Xi Jinping.

Das ist ja das Schreckliche: Der Führer des größten demokratischen Staates der Gegenwart ähnelt nicht denen, die auf die Vereinigten Staaten hoffen, sondern denen, die versuchen, die Vereinigten Staaten aus der Rolle des Weltführers zu drängen. Darin besteht das Unglück Amerikas – und unser Unglück, das Unglück aller. Aber hoffen wir, dass dieses Unglück zum Glück wird.

Danke, Freunde, dass ihr bei dieser Sendung dabei wart, die dem heutigen Auftritt des russischen Präsidenten Putin in Bischkek gewidmet war und unserem Versuch, zu verstehen, was er dort sagen wollte und welche Signale er nach der mehrstufigen Spezialoperation der russischen Geheimdienste mit dem sogenannten Trump-Plan senden wollte.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Путін про «мирний план»: головне | Віталій Портников. 27.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

Original ansehen

Deutsche Übersetzung von
Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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Die Amerikaner erpressen Europa | Vitaly Portnikov. 27.11.2025.

Während seines Aufenthalts in der ukrainischen Hauptstadt und der Gespräche mit Diplomaten der NATO-Mitgliedstaaten erschreckte der US-Heeresminister Dan Driscoll, der sich in den letzten Wochen im Zusammenhang mit der Suche nach Wegen zur Umsetzung des im Weißen Haus ausgearbeiteten Friedensplans zum Hauptunterhändler in der Ukraine-Frage entwickelt hat, seine europäischen Gesprächspartner mit der russischen Raketenbedrohung. Er betonte, dass Russland die Produktion von Langstreckenraketen in einem solchen Tempo aufgebaut habe, dass die ukrainischen Luftverteidigungssysteme dem Druck bald nicht mehr standhalten könnten. Und später könnten sich auch andere europäische Länder unter russischen Raketenangriffen wiederfinden.

Die europäischen Gesprächspartner des amerikanischen Beamten waren vor allem darüber erstaunt, dass das Argument der zunehmenden russischen Raketenbewaffnung eines der wichtigsten sei, um die Ukraine und ihre europäischen Verbündeten dazu zu bewegen, den ursprünglichen kapitulantenhaften Bedingungen des sogenannten „Trump-Plans“ zuzustimmen, der nach Informationen aus zahlreichen Quellen dem Weißen Haus vom russischen Sondergesandten Kirill Dmitrijew vorgeschlagen und vom außenpolitischen Berater des russischen Präsidenten, Juri Uschakow, verfasst wurde.

Früher hätten die Amerikaner vor allem Russland für das Tempo der Raketenproduktion verurteilt und Wege gesucht, um diese Produktion zu verringern – unter anderem durch die Möglichkeit, der Ukraine Waffen zu liefern, mit denen russische Rüstungsfabriken angegriffen werden könnten. Doch nun wird ausgerechnet die russische Raketenproduktion zum Argument dafür, dass die Ukraine keine Zeit verlieren solle, um Bedingungen zu akzeptieren, die in der US-Regierungsadministration ihren Souveränitätsanspruch und die Möglichkeit des weiteren Überlebens als unabhängiger Staat infrage stellen.

Selbst wenn man der Logik von Dan Driscoll folgt – und viele Verteidigungsexperten sprechen tatsächlich davon, dass Russland die Raketenproduktion erheblich steigert und seine Bestände in Waffenlagern auffüllen kann – stellt sich die Frage, wie eine Grundlage für ein Friedensabkommen überhaupt geschaffen werden kann, wenn man die Gefahr für den europäischen Kontinent durch die Aufrüstung der Russischen Föderation berücksichtigt.

Erstens gibt es keinerlei Anzeichen dafür, dass der russische Präsident Putin und seine Beamten den sogenannten Friedensplan ernst nehmen. Wir haben gesehen, dass dieser Plan in erster Linie ein Instrument des Kremls sein sollte, um die US-Sanktionen gegen die russischen Ölriesen Lukoil und Rosneft aufzuschieben – Unternehmen, die ein wichtiges Instrument zur Auffüllung des russischen Militärbudgets und auch der persönlichen Geldbeutel Putins darstellen.

Zweitens ist offensichtlich, dass Putin niemals dem sogenannten Kompromissplan zustimmen wird, der zwischen den amerikanischen und ukrainischen Delegationen in Genf und dem Sondergesandten des US-Präsidenten, Steve Witkoff, abgestimmt worden war. Selbst wenn dieser mit einer Friedensmission in die russische Hauptstadt reisen würde, wäre sein Scheitern vorprogrammiert.

Doch es stellt sich noch eine weitere Frage: Wenn der Krieg Russlands gegen die Ukraine endet – wie wollen die Vereinigten Staaten dann die Produktion russischer Raketen eindämmen? Wird es sich nicht herausstellen, dass Russland – dem in diesem Friedensabkommen niemand eine Abrüstung, eine Verkleinerung der Streitkräfte, eine Reduktion der Militärproduktion usw. vorschlägt – sich in kurzer Zeit in einen Staat verwandelt, der Europa mit seinem Raketenpotenzial erpressen kann, um neue politische Zugeständnisse unter der Drohung möglicher Raketenangriffe auf europäische Hauptstädte zu erzwingen?

Denn es ist offensichtlich: Wenn der Kreml sieht, dass der bloße Fakt der russischen Aufrüstung und der großen Zahl russischer Raketen, die europäische Städte trotz Luftverteidigungssystemen zerstören könnten, von westlichen Politikern tatsächlich berücksichtigt wird – warum sollte Moskau dann nicht den Westen erpressen und neue politische Zugeständnisse verlangen, praktisch eine Aufgabe der Souveränität nicht nur der Ukraine, sondern auch westlicher Staaten?

Hier lohnt ein Blick zurück in eine Zeit, in der Dan Driscoll sich noch nicht für große Politik interessierte. Im Jahr 2021, unmittelbar vor dem Großangriff auf die Ukraine, wandte sich das russische Außenministerium an das US-Außenministerium und an die Außenministerien der NATO-Mitgliedstaaten mit der Forderung, das Statut der NATO so zu ändern, dass klar festgeschrieben wird, dass ehemalige Sowjetrepubliken – einschließlich der Ukraine und Georgiens – nicht in das Bündnis aufgenommen werden. Es ging darum, dass die NATO die Souveränität ihrer eigenen Mitglieder einschränken und festlegen sollte, dass es Länder gibt, die nicht beitreten dürfen, nicht weil sie es selbst nicht wünschen, sondern weil dies der politische Wille der russischen Führung unter dem dreisten Putin sei.

Der damalige US-Präsident Joe Biden betonte in Gesprächen mit Putin über europäische Sicherheit, dass Russland den NATO-Mitgliedstaaten nicht diktieren könne, welche Entscheidungen sie zu treffen hätten. Aber wie wir sehen, nahm man in Moskau diese Hinweise nicht ernst. Und zwar nicht nur deshalb, weil Putin im Februar 2022 einen Krieg gegen das Nachbarland begann, sondern auch deshalb, weil die Forderungen, dass die NATO durch Statutsänderungen den Beitritt ehemaliger Sowjetrepubliken unmöglich machen solle, weiterhin auf dem Verhandlungstisch liegen.

Sowohl Präsident Putin als auch Außenminister Lawrow und andere russische Beamte bestehen darauf, dass es ohne solche Änderungen kein Ende des Krieges gegen die Ukraine geben könne. Somit bleibt die Einschränkung nicht der ukrainischen, sondern der westlichen Souveränität ein ambitioniertes Ziel der russischen Außenpolitik – und begünstigt somit das Aufkommen von Politikern an der Spitze der NATO-Staaten, die bereit wären, sich angesichts der Drohung eines großen Raketenkriegs auf die Bedingungen Moskaus einzulassen.

Denn jenes Argument, das Dan Driscoll in seinen privaten Gesprächen mit europäischen Beamten benutzte, könnten morgen schon Politiker in öffentlichen Statements oder Wahlkampfkundgebungen verwenden, die nach Macht streben – indem sie ihre eigenen Bürger einschüchtern und versprechen, sich auf Putins Bedingungen mit Russland zu arrangieren, um angeblich keine Gefährdung durch die Raketenbedrohung für Europa heraufzubeschwören.

Und genau das könnte sich als ein viel ernsteres Problem für die Zukunft erweisen als die heutigen Verhandlungen über den nicht existierenden Plan von Donald Trump.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Американці шантажують Європу | Віталій Портников. 27.11.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 27.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Russland lehnt den „Trump-Plan“ ab | Vitaly Portnikov. 26.11.2025.

Wir versuchen mit Ihnen jeden Tag, jene Prozesse zu betrachten, die sich heute im amerikanisch-ukrainischen Dialog abspielen, im Dialog der Vereinigten Staaten mit der Russischen Föderation im Zusammenhang mit dem sogenannten Trump-Plan zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges. Und jeder Tag, muss man sagen, bringt neue und neue Überraschungen mit sich, die mit dem Vorantreiben dieser, milde gesagt, erstaunlichen Geschichte verbunden sind.

Und heute können wir mit Ihnen bereits darüber sprechen, dass das, was ich noch vor einigen Tagen für völlig realistisch hielt – ich meine die Ablehnung dieses sogenannten Plans durch Russland – praktisch schon fast auf offizieller Ebene eingetreten ist.

Der stellvertretende Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Rjabkow, betonte, dass Russland nicht im Geringsten vorhabe, irgendwelche Zugeständnisse in Bezug auf den sogenannten Friedensplan zu machen, bevor sämtliche Ziele der sogenannten SVO erreicht seien. „Von keinerlei Zugeständnissen, von keinerlei Aufgabe unserer Herangehensweisen an jene Schlüsselmomente bei der Lösung der Aufgaben, die während der SVO vor uns stehen, kann überhaupt keine Rede sein“, unterstrich der stellvertretende Außenminister der Russischen Föderation, der übrigens für die Beziehungen zwischen Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika zuständig ist.

Und das ist, so scheint mir, eine absolut bezeichnende Geschichte. Rjabkow sagt, dass es während des Trump-Putin-Gipfels in Anchorage bereits Vereinbarungen gegeben habe, die Russland als Kompromisse betrachte. Ich möchte Sie daran erinnern, dass in Anchorage überhaupt keinerlei Vereinbarungen erzielt wurden. Das ist die gewöhnlichste russische Lüge.

Wir erinnern uns sehr gut daran, wie das Treffen in Anchorage endete. Putin und Trump kamen völlig wütend vor die Öffentlichkeit. Putin hielt einen kurzen historischen Vortrag von fünf Minuten, sprach zwei Minuten lang über gute Beziehungen zu Trump und erwähnte den russisch-ukrainischen Krieg als solchen überhaupt nicht. Der Präsident der Vereinigten Staaten, der so gern ausführlich mit Journalisten redet und mit seiner Größe prahlt, sprach dieses Mal zwei Minuten. Und das wichtigste an seinem Satz war, dass der Deal gescheitert sei.

Das gemeinsame Mittagessen der Delegationen, bei dem die russisch-amerikanische Zusammenarbeit erörtert werden sollte, wurde abgesagt. Im Unterschied zum feierlichen Empfang Trumps und Putins auf dem Flugplatz in Anchorage, bei dem der amerikanische Präsident vor den Augen der gesamten erstaunten zivilisierten Welt dem russischen Diktator applaudierte und damit erneut die Vereinigten Staaten blamierte, gab es keinerlei feierliche Verabschiedung. Der wütende Trump verließ Alaska sofort und flog nach Washington, während Putin in Anchorage blieb und sein Lieblingsprogramm absolvierte – der Öffentlichkeit zu beweisen, dass er die Interessen der „russischen Welt“, verteidigt.

Und das ist übrigens keineswegs ein Scherz, denn nachdem Trump Alaska verlassen hatte, benahm Putin sich dort wie ein Hausherr und traf sich mit einem Priester der Amerikanischen Orthodoxen Kirche, die die Mehrheit der orthodoxen Welt für einen der Unterverbände der Russischen Orthodoxen Kirche hält. Eine bekannte Geschichte, aber die Russen erzählen weiter all diese Märchen über den Alaska-Kompromiss, über den Geist Alaskas. Das hat auch Lawrow schon erzählt.

Das heißt, wir sind faktisch an einem Punkt angelangt, an dem wir verstehen, dass die Russen nicht vorhaben, sich auf irgendeinen Plan zu einigen. Und da stellt sich eine sehr gute Frage: Warum sollte dann der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, überhaupt in die russische Hauptstadt reisen? Und überhaupt – wird Witkoff nach Moskau fahren nach jenem lauten Skandal, in den er hineingeraten ist in Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Textes seines Telefongesprächs mit dem Assistenten des Präsidenten der Russischen Föderation, dem erfahrenen Mastodonten der russischen Diplomatie Juri Uschakow, in der Agentur Bloomberg? Uschakow ist eine weitaus einflussreichere, ernstere Figur in der russischen Politik als der russische Außenminister Sergej Lawrow, der eher propagandistische und dekorative Funktionen erfüllt.

Uschakow spielte während dieses Gesprächs mit Witkoff wie eine Katze mit einer Maus, indem er ihm völlig unrealistische Geschichten erzählte über die ernsthafte Einstellung der Russen zu den Nahost-Friedensbemühungen Witkoffs. Und sogar darüber, dass die Russen angeblich, um den Friedensbemühungen Trumps und Witkoffs im Nahen Osten nicht im Wege zu stehen, den russisch-arabischen Gipfel abgesagt hätten, den sie zuvor vorbereitet hatten.

Ich sage gleich dazu, dass Uschakow, wie es in der russischen Politik überhaupt üblich ist, in Wirklichkeit schlicht log, denn tatsächlich wurde der russisch-arabische Gipfel deshalb abgesagt, weil die überwiegende Mehrheit der Führer der arabischen Welt, mit Ausnahme von zweien, sich geweigert hatte, nach Moskau zu reisen. Was für ein Gipfel kann das sein, wenn die Präsidenten der arabischen Länder vor den Augen Putins auf Washington umschwenken? Nun, und einige orientieren sich übrigens auf Peking und haben nicht die geringste Absicht, mit dem russischen Diktator irgendwelche Geschäfte zu machen.

Doch selbstverständlich hat viele schockiert, dass Witkoff Putin faktisch Ratschläge erteilte, wie er sich richtig gegenüber Trump zu verhalten habe, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Und viele sind der Ansicht, dass dies Trump überraschen und erzürnen müsste, denn Witkoff behandelte ihn hinter seinem Rücken schlicht wie ein kleines Kind, das man mit Komplimenten schmeicheln müsse.

In Wirklichkeit müssen Sie aber eine einfache Sache verstehen. Leute wie Witkoff verstehen sehr genau, wer im Haus der Boss ist. Witkoff hätte in einem Telefongespräch mit dem Assistenten des Präsidenten der Russischen Föderation nichts unternommen, wenn er nicht klare Direktiven, Anweisungen und den ausdrücklichen Wunsch von Donald Trump gehabt hätte. Und gerade deshalb reagierte Trump auf das Leck der Informationen vollkommen gleichgültig. Obwohl solche Handlungen Witkoffs in jenem Amerika, das es vor Trump gab, natürlich zu einem schweren Skandal und zu seiner sofortigen Entlassung aus dem Weißen Haus geführt hätten. Aber hier wird es dazu nicht kommen, einfach weil Trump genau weiß, dass Witkoff genau in seinem Interesse handelt, damit es ihm, Trump, besser geht.

Da stellt sich die Frage: Was heißt „besser“? Eben das, was ich schon mehrfach gesagt habe. Trump möchte, dass Putin ihm Möglichkeiten verschafft, Russland gegenüber loyal zu sein und der Ukraine nicht zu helfen. Trump kann das nicht selbst tun, weil seine Politik damit den Stimmungen seiner eigenen Wählerbasis widersprechen würde – einer Basis, die Trump nicht aus den Händen verlieren darf, besonders vor den Nachwahlen, vor denen er sich fürchten kann wie vor einem direkten Weg zum Impeachment und neuen strafrechtlichen Verfolgungen, was in seinem Alter natürlich katastrophale Folgen haben könnte.

Trump kämpft um seine Macht, seine Freiheit und sein Leben. Und deswegen braucht er, um Russland zu helfen, Putin, der ihm die entsprechenden Möglichkeiten schafft. Und genau das hat Witkoff Uschakow erklärt: wie man das anstellen müsse, damit Trump diese Möglichkeiten nutzen kann. Putin soll Trump anrufen, bevor Zelensky im Weißen Haus eintrifft, soll mit Trump über Friedensliebe reden. Er soll Trump Komplimente machen, die nicht nur Trump gefallen, sondern auch jenen konservativen Wählern, die für Trump stimmen und Mitglieder dieser halbreligiösen Sekte sind. Und Trump wird nach diesem Anruf Putins in der Lage sein, Zelensky eine qualitativ neue militärische Hilfe – genau diese Hilfe mit den Tomahawks – zu verweigern und stattdessen ein neues Treffen mit Putin zu planen, um eine Beendigung des Krieges in der Ukraine auszuhandeln.

Ein einfacher Plan. Und damit dieser Plan zustande kommen konnte, musste Witkoff auf Initiative der Person – also Trumps – sprechen, die den Weg zu Putin sucht, und nicht aus eigener Initiative mit Uschakow telefonieren. Wenn Putin solche Möglichkeiten nicht schafft, ist Trump gezwungen, anders zu handeln, denn nach dem unangekündigten Gespräch Witkoffs mit Uschakow wurde ein Gespräch von Rubio mit Lawrow angekündigt, und zwar in dem Moment, als Trump Rubio beauftragte, mit Lawrow zu sprechen. Denn wenn er sich in Budapest mit Putin trifft, braucht er irgendein Dokument, das er als Beendigung der Kriegshandlungen auf dem Territorium der Ukraine oder als Waffenstillstand in der Ukraine unterzeichnen könnte. Er konnte nicht einfach so nach Budapest fahren. Und er konnte die Zustimmung Putins, ihn vor der Ankunft Zelenskys anzurufen, als Bereitschaft Putins zu einem gewissen Kompromiss werten.

Er irrte sich erneut. Er wird sich bis Januar 2029 auf diese Weise irren, daran sollten Sie nicht den geringsten Zweifel haben. Und deshalb war er gezwungen, vom Zuckerbrot zur Peitsche überzugehen, zu Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil. Einfach deshalb, weil er sonst in den Augen seiner eigenen Mitstreiter wie ein Trottel ausgesehen hätte – nicht in den Augen Witkoffs, sondern etwa solcher Leute wie Marco Rubio, von Senatoren und Kongressabgeordneten. Aber sobald Putin ihm wieder die Möglichkeit geben wird, erneut einen Schwenk in Richtung Russland zu machen, wird er dies mit Freude tun, wie wir sehen.

Und Putin, übrigens – und hier kehren wir zu einem anderen Telefongespräch zurück, zu dem Gespräch Uschakows mit Dmitrijew – wollte ihm tatsächlich schon damals, als die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil bekannt wurden, eine solche Möglichkeit bieten. Worin bestand die Aufgabe, die Putin vor Uschakow und Dmitrijew stellte? Uschakow sollte irgendeinen Friedensplan zusammenzimmern, der Russlands Friedensliebe belegen sollte. Und Dmitrijew sollte diesen Plan Witkoff präsentieren. 

Was beschäftigt Uschakow in seinem Telefonat mit Dmitrijew? Die Sorge, dass Witkoff diesen Plan nicht einfach entgegennehmen, sondern ihn derart verändern könnte, dass er für Russland in den Diskussionen nachteilig würde und dennoch als russischer Friedensplan bezeichnet würde – so nach dem Motto: Das ist es, was Russland angeblich vorschlägt. Und genau das müsse verhindert werden, denn der russische Friedensplan müsse in erster Linie aus maximalistischen Bedingungen Russlands bestehen, die Russland in Zukunft die Zerstörung des ukrainischen Staates erleichtern würden.

Und so kommt es. Dmitrijew präsentiert Witkoff den Friedensplan. Witkoff, der sich nach dem Scheitern des Treffens in Budapest erneut unsicher fühlt – niemand lädt ihn zu einer Reise nach Moskau ein, er sieht, dass auch Trump nicht sonderlich drängt, die Kontakte mit Putin wiederaufzunehmen – erhält dieses Dokument und hält es für seine neue Chance. Er arbeitet mit diesem Dokument, nimmt faktisch mit Hilfe von Trumps Schwiegersohn Jared Kushner kosmetische Änderungen vor. Und in dieser Situation legt er diesen Friedensplan Trump vor. Doch es wird völlig klar, dass Trump nicht bereit ist, diesen Plan zu veröffentlichen, dass es auch in Trumps Umfeld genügend Leute gibt – etwa Außenminister Marco Rubio –, die sagen, das sei ein völlig unausgereiftes und viel zu prorussisches Dokument. Und so führt das Auftauchen dieses Friedensplans nicht zu dem, weswegen Putin Dmitrijew nach Washington schickt – zur Aufhebung der Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil.

Daraufhin lässt Dmitrijew in seiner Verzweiflung buchstäblich einen Tag vor Inkrafttreten der Sanktionen diesen Plan an das Medium Axios durchsickern, in der Hoffnung, dass der Status dieses Mediums als gut informierte Publikation, die faktisch für die Washingtoner Bürokratie arbeitet, es den meisten amerikanischen Medien und Beobachtern ermöglichen werde, diesen Plan als realen amerikanischen Plan zur Regelung der Lage in der Ukraine aufzufassen – was diesmal sogar Witkoff wütend macht. 

Doch die öffentliche Präsentation des Plans, der innerhalb der Administration tatsächlich weiter kursiert, zwingt Witkoff und Kushner dazu, ihn bereits öffentlich Präsident Zelensky zu präsentieren. Und auf den US-Heeresminister Dan Driscoll, der zu einem Besuch nach Kyiv kommen soll, der mit der militärisch-technischen Zusammenarbeit der USA und der Ukraine verbunden ist, wird zusätzlich die Mission gelegt, Zelensky über diesen Plan bei persönlichen Treffen zu informieren und Druck auf Zelensky auszuüben, damit er diesem Plan zustimmt, damit Trump nicht wie ein Dummkopf dasteht. Die Sanktionen werden dabei jedoch nicht aufgehoben.

Trump beginnt zu überlegen oder überlegt weiter, dass, wenn es einen derart „wunderbaren“ Plan gibt und er Zelensky unter Druck setzen muss, damit der ukrainische Präsident dem Plan zustimmt, während die Sanktionen gleichzeitig Putin zwingen würden, dem Dokument zuzustimmen, das Zelensky akzeptiert…

Die Situation entwickelt sich aber nicht nach diesem Szenario. Die Ukrainer schlagen gemeinsam mit den europäischen Partnern den Amerikanern Verhandlungen über diesen Plan vor. Rubio, der – wie ich bereits sagte – von diesem Plan nicht begeistert ist und den ganzen Dilettantismus und die fehlende Professionalität von Steve Witkoff und Jared Kushner sehr gut versteht, ist bereit, nach Genf zu reisen und mit der ukrainischen Delegation zu sprechen. Während dieser Gespräche erfolgt eine Korrektur des Plans.

Aber noch einmal: Hat das wenigstens irgendeine Bedeutung? Nein. Die Russen hatten von Anfang an nicht die Absicht, den Plan mit 28 Punkten zu akzeptieren, der von Uschakow verfasst und von Dmitrijew in schlechtem Englisch übersetzt wurde, und sie haben ebenso wenig die Absicht, irgendeinen anderen Friedensplan zu akzeptieren. 

Trump sieht, dass in Moskau niemand ernsthaft vorhat, dieses Dokument zu berücksichtigen und das Feuer an der russisch-ukrainischen Front einzustellen, und beginnt, die Deadlines so weit nach hinten zu schieben, dass nach gewisser Zeit, selbst nach dem Besuch seiner beiden Emissäre Witkoff und Driscoll in Moskau und Kyiv, dieser Plan schlicht in Vergessenheit gerät. Wir kehren zu der Situation zurück, die in der Welt bestand, bevor dieser Plan bei Axios veröffentlicht wurde.

Welche Situation erwarten wir? Wird der Druck Trumps auf Putin wirken? Wie viel Geld wird Russland durch die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil verlieren und wie lange wird es mit den Ressourcen, die ihm trotz dieser Sanktionen zur Verfügung stehen, noch weiter Krieg führen können? Und wird Trump nicht schon bald einen neuen Sanktionsprozess entweder gegen die Russische Föderation oder gegen ihre Partner einleiten müssen, um Putin zu einem Waffenstillstand zu zwingen? Denn der einzige reale Schritt zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in irgendeiner realen Zukunft – und damit meine ich die 2020er Jahre des 21. Jahrhunderts – ist die Erschöpfung der demographischen, finanziellen und militärischen Ressourcen Russlands.

Solange der Präsident Russlands Menschen, Geld und Ressourcen hat, wird der Krieg mit all seiner offensichtlichen Grausamkeit weitergehen. Und das muss jeder verstehen, der in der Ukraine lebt. Es gab keinerlei Perspektiven für ein Kriegsende im Zusammenhang mit der Veröffentlichung dieses Plans. Das ist Mythologie, das ist Bluff. 

Aber das ist noch nicht alles. Die Russen sind ungeheuer wütend darüber, dass die amerikanische Administration auf ihr in Anführungszeichen gesetztes „Friedensangebot“ nicht reagiert hat, dass die Präsentation des Friedensplans durch Dmitrijew an Witkoff nicht zur Aufhebung der Sanktionen gegen die russischen Öl-Giganten geführt hat. Und nun wird Putin Milliarden Dollar verlieren. Nicht einmal die Veröffentlichung dieses Plans in den Medien hat Trump dazu gebracht, seine Position zu ändern. So sind die Sanktionen in Kraft getreten, trotz russischer Bemühungen, und niemand hat die Absicht, sie aufzuheben. Verstehen Sie? 

Und was tun die Russen? Genau das, was sie immer tun: Sie lassen über andere Medien die Telefonate Witkoffs mit Uschakow durchsickern. Und um den Verdacht von sich abzulenken, veröffentlichen sie zusätzlich das Gespräch Uschakows mit Dmitrijew, um tatsächlich zu zeigen, dass Witkoff ihren Plan genutzt hat, den er der amerikanischen Öffentlichkeit und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten präsentiert hat. Warum tun sie das? könnten Sie fragen. Das ist ein   sogenanntes kleines Signalchen.

Genau damit beschäftigen sich die russischen Geheimdienste bei jenen, die sie für einflussreiche Personen halten, für Lobbyisten ihrer Interessen, für Agenten, für nützliche Idioten. Wenn Sie Kontakt mit der russischen Führung aufgenommen haben – sei es mit dem FSB oder wem auch immer – und aus deren Sicht nicht die richtigen Funktionen erfüllen, auf die sie gehofft hatten, also nicht ins Büro des Präsidenten der Vereinigten Staaten gehen und ihn nicht davon überzeugen, die Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne aufzuheben, dann „deuten wir Ihnen sanft an, dass wir Ihren Ruf zerstören können. Denn Sie verstehen ja, dass Moskau genügend solcher Telefonate zur Verfügung hat, ebenso wie andere geheime Informationen, die sich auf den Ruf des engsten Umfelds des Präsidenten der Vereinigten Staaten auswirken können, möglicherweise sogar auf den Ruf Trumps selbst.“ Und das ist eine klare Erinnerung: „Verhalten Sie sich ordentlich, sonst wird es schlimmer. Beim ersten Mal haben Sie es nicht verstanden, vielleicht werden Sie es beim zweiten Mal verstehen.“ Das ist ein klarer, verständlicher Tschekisten-Erpressungsversuch gegenüber der Administration des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Und ich möchte Sie davon überzeugen, dass sich die Ereignisse jetzt genau entlang dieser Trajektorie entwickeln werden. Der Kreml wird davon ausgehen, dass er Trump erpressen und ihn unter der Drohung dazu zwingen kann, auf jegliche Handlungen zu verzichten, die den staatlichen Interessen der Russischen Föderation und den persönlichen Interessen ihres Präsidenten schaden könnten. Und Trump wird seinerseits, sobald dieser Vorwand mit dem Friedensplan verpufft ist – und das wird in den nächsten Wochen, wenn nicht Tagen geschehen –, versuchen, stärkeren Druck auf die Russische Föderation auszuüben, um Putin zu zwingen, die Erpressung und das Feuer einzustellen. Denn Trump gehört nicht zu den Menschen, die vor solcher Erpressung Angst haben, und er hat schlicht keinen Rückzugsraum.

Noch einmal: In einer Situation, in der man ihn erpresst, er aber gleichzeitig sagt: „Alles wunderbar, Putin very good. Unsere Beziehungen entwickeln sich prächtig. Der Krieg wird bald enden“, riskiert er die Nachwahlen – und bis zu diesen Nachwahlen bleibt nur ein Jahr. Das ist eine sehr kurze Periode im politischen Leben der Vereinigten Staaten. Und jetzt, faktisch, beginnen in wenigen Wochen die Weihnachtsferien, und nach dem 7. Januar 2020, nach dem Ende der christlichen Weihnachts- und Neujahrsfeiertage, wird der Wahlkampfzyklus beginnen, der, wie wir verstehen, vieles verändern kann.

Jetzt wird es natürlich interessant sein zu sehen, welche Folgen diese Telefonate haben werden. Nicht im Hinblick auf die Folgen für Witkoff. Für Witkoff, denke ich, wird es unter Trump keinerlei Konsequenzen geben. Sondern im Hinblick auf die Folgen für die Reisen, die er vorhatte. Also: Wird Witkoff in einem Umfeld nach Moskau reisen, in dem Putin unmissverständlich zu verstehen gibt, dass er nicht die Absicht hat, irgendeinem Friedensplan zuzustimmen? Wird Driscoll nach Kyiv reisen, und was wird er Präsident Zelensky und anderen ukrainischen Amtsträgern sagen, wenn diese ihn fragen: „Was ist mit Moskau? Warum besprechen wir das alles überhaupt, wenn Russland zu nichts bereit ist?“

Gestern, wie Sie wissen, hat Trump die Trajektorie dieses ganzen Maskerades abrupt geändert, denn bis dahin hatte er ständig gefordert – und das war vollkommen sinnlos, wie das meiste von dem, was wir seit Januar dieses Jahres in Washington sehen –, dass Zelensky nach Washington kommen und mit ihm irgendeinen Friedensvertrag unterzeichnen solle. Als ob die Ukraine mit den Vereinigten Staaten und nicht mit Russland Krieg führen würde. Und erst danach sollte dieser Friedensvertrag Russland präsentiert werden. 

Das sprengt, wie Sie verstehen, jegliche Grenzen. So funktioniert es nicht. Ein Friedensvertrag kann nur zwischen Russland und der Ukraine geschlossen werden, nur zwischen ihnen. Die Vereinigten Staaten können als Vermittler auftreten. Präsident Trump kann zwischen dem Präsidenten Russlands, Wladimir Putin, und dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, stehen, wenn sie irgendeine Vereinbarung unterzeichnen, selbst eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand. Der US-Kriegsminister Pete Hegseth kann zwischen den Verteidigungsministern der Ukraine und Russlands, Schmyhal und Beloussow, stehen, falls sie irgendwann einen Beschluss über einen Waffenstillstand unterzeichnen sollten. Aber es kann nicht so sein, dass Amerika etwas mit der Ukraine unterschreibt und das dann Russland präsentiert wird. Das ist irgendein Unsinn.

Und Trump hat das offenbar bereits verstanden und deshalb gesagt, dass seine Vertreter selbstverständlich sowohl mit Putin als auch mit Zelensky arbeiten müssten und dass er sich mit beiden treffen werde, wenn der Friedensplan fertig sei oder wenn er sich in der Endphase befinde. Das heißt, wenn man ihm sagt, dass alles bereits abgestimmt sei und nur noch ein oder zwei Artikel übrig seien, die man klären könne, falls sich die Präsidenten zu dritt treffen oder falls Trump sich vor der Unterzeichnung eines Waffenstillstands oder eines Friedensvertrags getrennt mit Putin und Zelensky trifft.

Das ist die typische, klassische Shuttle-Diplomatie, in der Trump selbstverständlich kein Meister ist, in der es aber Menschen wie Henry Kissinger gab, die wirklich herausragende Meister waren – deren Bemühungen jedoch in der Regel zum völligen Fiasko der Außenpolitik der Vereinigten Staaten führten. Denn wir müssen uns daran erinnern, dass Kissinger, über den man sowohl in den Vereinigten Staaten als auch außerhalb mit, sagen wir, Begeisterung spricht, sich in der Außenpolitik der Vereinigten Staaten in Wahrheit durch nichts anderes als Niederlagen in Erinnerung gerufen hat. Die Beendigung des Vietnamkrieges durch ein Friedensabkommen, das Washington mit Hanoi unterzeichnete, endete mit der Besetzung des Südvietnams durch Nordvietnam. Und eine solche Art Abkommen, des Vietnam-Typs, hätte Russland übrigens auch gern.

Nur hätte Russland gern, dass es sich nicht um ein Waffenstillstandsabkommen, sondern um ein vollwertiges Friedensabkommen handelt, das die Ukraine in einen Staat ohne klar definierte Grenzen, ohne Armee und ohne Sicherheit verwandeln würde. Ich halte es für möglich, dass ein solches Abkommen für Putin in irgendeiner Zukunft interessant sein könnte, aber nicht jetzt. Solange er sieht, dass seine Truppen weiter vorstoßen und neue Ortschaften in der Ukraine einnehmen, ist er nicht einmal an einem solchen Abkommen interessiert. Und auch das muss jeder klar begreifen – Trump eingeschlossen.

Es wird also interessant sein zu sehen, inwieweit wenigstens dieses Paradigma von Trumps Handlungen sich jetzt herausbilden wird. Wird Witkoff nach der Veröffentlichung dieses Telefonats tatsächlich in die russische Hauptstadt fahren? Wird Driscoll tatsächlich in die ukrainische Hauptstadt fahren? Was werden sie hören, wenn sie dort eintreffen? Von den Führungspersonen beider Länder. Wenn Putin Witkoff klar sagt: „Diesen idiotischen Friedensplan, den ihr euch auch noch erlaubt habt, gemeinsam mit den Ukrainern zu verändern, werden wir nicht nur nicht unterschreiben, wir wollen ihn nicht einmal sehen. Und dich wollen wir bald auch nicht mehr sehen, denn statt zu ‚freundschafteln‘, tust du praktisch nichts, was zur Stärkung unserer Beziehungen beitragen würde. Wozu brauchen wir dich dann, was für ein Freund bist du dann?“ Und was wird Witkoff dann seinem Boss nach der Rückkehr nach Washington erzählen? Dass „Putin ein good boy sei und er ihn sehr respektiere“?

So ist das, Freunde, mit der Politik, wenn sich Dilettanten damit beschäftigen. So ist das, wenn Politik sich in ein riesiges Maklerbüro oder ein Kabarett verwandelt. Es gibt Krieg, es gibt Tod, es gibt Leid, es gibt die Unausweichlichkeit von Folgen, wenn Menschen glauben, dass sie über etwas abstimmen können – und das betrifft bei weitem nicht nur Trump – und dann die Geschichte zurückdrehen könnten. Nein, meine Lieben, das Hackfleisch lässt sich nicht wieder in den Fleischwolf zurückstecken. Das ist das Gesetz der Geschichte und das Gesetz der Gerechtigkeit. Und in diesem Gesetz der Gerechtigkeit leben wir jetzt alle gemeinsam in dieser Welt und werden mit unserem Leben, unserer Gesundheit und unseren Perspektiven genau nach diesem unerbittlichen historischen Gesetz zur Verantwortung gezogen. Wenn du eine bestimmte Wahlentscheidung triffst, kann man sie ebenfalls nicht zurückdrehen. Man kann nur auf einem geraden, klaren, harten Weg auf den Tod und in den Abgrund zugehen.

Und wir sehen das an dem, was rund um den russisch-ukrainischen Krieg nach den amerikanischen Wahlen geschieht. Alle dachten, es würde genau so sein wie unter Biden. Biden war nicht entschlossen. Jetzt ist der unglaublich entschlossene Trump da. Er hat acht Kriege beendet, aber den neunten beendet er schwer. So stellt sich die Situation dar.

Ich beantworte die Fragen, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Wir haben von Marco Rubio über die Unmöglichkeit weiteren Sanktionsdrucks gehört. Gleichzeitig kursiert in den Medien auch die Rede von zusätzlichen Sanktionen. Worum geht es da?

Portnikov. Rubio hat tatsächlich gesagt, dass das Sanktionspotenzial der Vereinigten Staaten gegenüber Russland nahezu ausgeschöpft sei. Aber erstens darf man solche Aussagen niemals als Absolut nehmen. Heute ist es ausgeschöpft, morgen finden wir noch irgendwelche Möglichkeiten für zusätzlichen Sanktionsdruck. Zweitens sprach Rubio, als er das sagte, von der Möglichkeit zusätzlicher Arbeit zur Kontrolle der bereits eingeführten Sanktionen. Seine Antwort bezog sich ebenfalls darauf – dass wir zwar nicht mehr besonders viel Neues einführen können, aber sorgfältig überprüfen können, was bereits verhängt wurde. Und wichtig ist, dass sich auch die Europäer darum kümmern. Das heißt, man muss jene Schlupflöcher schließen, die Russland nutzt, um die westlichen Sanktionen zu umgehen, indem es etwa Öl über Scheinfirmen verkauft, Schattenflotten einsetzt und so weiter. Das ist das, was getan werden kann. Wenn in den Medien von zusätzlichen Sanktionen die Rede ist, stützen sich viele auf jenen Gesetzentwurf, den Lindsey Graham seit mehreren Monaten im amerikanischen Senat betreibt – mal legt er ihn auf den Tisch, wenn Trump es will, dann wieder nicht. Und dieser Gesetzentwurf betrifft nicht Russland, sondern sekundäre Sanktionen gegen jene Länder, die Partner der Russischen Föderation sind, die diesem Terrorstaat helfen, sich über Wasser zu halten.

Und wir haben bereits während dieser Sendung gesagt, dass der einzige Weg zur Beendigung des Krieges die wirtschaftliche und soziale Verarmung Russlands ist. Dass Russland kein Geld für die Armee und für soziale Stabilität hat. Das ist der Zusammenbruch. Der Zusammenbruch Russlands ist die einzige Möglichkeit, den Krieg zu beenden. In diesem Gesetz wird im Prinzip festgelegt, dass diese Sanktionen von Trump selbst eingeführt werden und er über dieses Sanktionsinstrument verfügen wird. Aber auf jeden Fall eröffnet dieses Gesetz weite Möglichkeiten für die Einführung ernsthafter Sanktionen und Zölle gegen jene Länder, die mit Russland zusammenarbeiten. Und auch das ist ein Weg zu weiterem Druck auf Russland.

Frage. Wen sehen Sie als möglichen modernen Führer Europas, der dem Wahnsinn Trumps etwas entgegensetzen könnte?

Portnikov. Die Frage ist nicht die nach den Führern. Die Frage ist die nach den Ressourcen. Heute verfügt die Europäische Union nicht über jene militärisch-technischen Ressourcen, die die Vereinigten Staaten haben – bei weitem nicht. Und kein Führer kann diese Ressourcen „herzaubern“, verstehen Sie? Denn Waffen werden nicht auf Zeichenkarton gezeichnet, sie werden produziert. Und die Europäische Union wird, denke ich, bis zu einem Jahrzehnt brauchen, um ein eigenes militärisch-technisches Potenzial zu schaffen. Auch das muss man völlig klar begreifen, damit keine Illusionen bestehen.

Warum ist es so gekommen? Weil sich in allen Nachkriegsjahren die Entwicklung der zivilisierten Welt auf der Idee der euro-atlantischen Solidarität gründete, die die Vereinigten Staaten eifrig propagierten. Und selbst als die Amerikaner von den Europäern verlangten, ihre Militärbudgets zu erhöhen, war damit völlig nicht gemeint, dass ihr die Militärbudgets erhöht und euren eigenen militärisch-industriellen Komplex ausbaut, sondern dass „ihr eure Armee stärkt: Ihr erhöht eure Budgets, aber die Waffen kauft ihr bei uns, bei den Amerikanern. Und das ist eure Bezahlung für den nuklearen Schirm, den wir über euch halten, und für unsere Bereitschaft, euch zu verteidigen, falls euch beispielsweise die Sowjetunion angreift.“ Nun, und nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion galt das überhaupt als unerheblich. So sind Generationen von Europäern nach dem Krieg in diesem Modell der euro-atlantischen Solidarität aufgewachsen, in dem sie dafür bezahlen, amerikanische Waffen zu kaufen, sagen wir, und in dem die Amerikaner Stützpunkte auf ihrem Territorium haben.

Dann kommt Trump und sagt: „Bitte zahlt Geld, erhöht eure Budgets, aber wir wissen gar nicht, ob wir euch verteidigen werden. Wir wissen gar nicht, wozu wir euch brauchen. Unsere Interessen liegen in einer anderen Region. Und wir sind auch nicht besonders daran interessiert, euch Waffen zu verkaufen. Wir brauchen unsere Waffen für uns selbst.“ Natürlich sind die Europäer aus allen Wolken gefallen – besonders, als sie sahen, wie Trump und sein Team während des russisch-ukrainischen Krieges zur Ukraine stehen. Sie sahen, dass die Vereinigten Staaten von Menschen ohne Werte regiert werden können, die schlicht begeistert von Putin und Kim Jong Un sind.

Wer hätte sich vorstellen können, dass an der Spitze der Vereinigten Staaten so eine erstaunliche Truppe stehen könnte, die wie aus einem Spezialheim für besondere Freunde von Diktatoren geflohen wirkt. Niemand hätte sich das noch ein paar Jahre zuvor vorstellen können. Selbst während seiner ersten Amtszeit war Trump nicht so wie jetzt. Und nun versuchen sich die Europäer eilig umzustellen, aber das ist kein Prozess von einem Tag oder einem Jahr. Wenn dieser Prozess vollzogen sein wird – falls er überhaupt vollzogen wird, falls in den europäischen Ländern nicht ultra-rechte oder ultra-linke Regierungen an die Macht kommen, die auf Verständigung mit Moskau ausgerichtet sind –, dann werden wir über einen Führer Europas sprechen können. 

Denn alle Führer Europas, wie Sie wissen, standen immer im Schatten der Vereinigten Staaten. Der einzige Mensch in all diesen Nachkriegsjahrzehnten, der versucht hat, durch institutionelle Veränderungen eine Alternative zu den Vereinigten Staaten zu werden, war Charles de Gaulle, der die französischen Nuklearwaffen aus der Unterstellung der NATO und damit der Vereinigten Staaten herausnahm und Frankreich aus der militärischen Struktur der NATO führte, was es dem Land erlaubte, seine Armee selbst einzusetzen. Viele hielten das für eine Schrulle. Auch ich hielt den alten General für jemanden, der nicht mit der Zeit geht – und es stellte sich heraus, dass de Gaulle recht hatte.

Frage. Also ergibt sich, dass die Welt bereit ist, den Krieg zu beenden, indem sie den Aggressor für seine Verbrechen belohnt. So etwas gab es schon 1945, als man das Monster namens UdSSR in den Club der Sieger aufnahm.

Portnikov. Sie sagen merkwürdige Dinge. Ohne die Sowjetunion hätte es keinen Sieg im Zweiten Weltkrieg gegeben. Die Sowjetunion war und bleibt jene Kraft, dank der es den Demokratien gelang, sich gegen Hitler zu behaupten. Deshalb hat niemand die Sowjetunion in den Club der Sieger aufgenommen. Die Sowjetunion war der Sieger. Unsere Großväter und Urgroßväter starben an den Fronten des Zweiten Weltkriegs Seite an Seite mit Amerikanern und Briten – nur in weitaus größerer Zahl –, um den Nazismus zu besiegen. Deshalb nimmt die Sowjetunion ihren rechtmäßigen Platz im Club der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs ein, denn er ist mit unserem Blut bezahlt, mit Millionen Leben, darunter ukrainischer und anderer Menschen, die auf dem Gebiet der Ukraine lebten. Deswegen sagen Sie meiner Meinung nach einen völlig erstaunlichen Satz. Man darf, wenn die Ukraine heute Krieg mit Russland führt, nicht die Geschichte umschreiben. Man muss verstehen, dass die Alliierten völlig gelassen zusahen, wie Stalin die Hitlertruppen mit Leichen sowjetischer Soldaten überschüttete, weil sie das Leben der eigenen Soldaten retten wollten. Das ist die Realität.

Wir hatten als Welt Glück, dass Hitler seine Zeit als Verbündeter Stalins nur kurz war und er dann die Offensive gegen die Sowjetunion eröffnete. Hätte er diesen Fehler nicht gemacht, wäre natürlich alles völlig anders gekommen. Die Demokratien der Welt wären höchstwahrscheinlich im Zweiten Weltkrieg untergegangen. Vielleicht wären die Vereinigten Staaten geblieben, aber ich glaube nicht, dass sie ein großer demokratischer Staat geblieben wären. Ehrlich gesagt denke ich, dass dort der Trumpismus in den 1940er Jahren ausgebrochen wäre und nicht in unserem Jahrtausend.

Also erstens: Die Welt ist nicht bereit, den Krieg zu beenden, denn der Präsident der Russischen Föderation hat keinerlei Absicht, den Krieg zu beenden. Die Belohnung für den Aggressor wären nicht ein paar ukrainische Regionen, sondern unser gesamter Staat, der von der politischen Landkarte der Welt verschwinden würde. Auf nichts anderes lässt Putin sich ein. Und niemand hat die Absicht, ihn damit zu belohnen. Und was die von Russland besetzten ukrainischen Gebiete betrifft, die unter russischer Kontrolle bleiben könnten – entschuldigen Sie –, das, was die Ukraine nicht mit Gewalt befreien kann, wird unter russischer Kontrolle bleiben. Da darf man sich keinerlei Illusionen machen. Wenn wir nicht die Kraft haben, unser eigenes Territorium zu befreien, während Russland die Kraft besitzt, dieses Territorium zu besetzen, dann wird dieses Territorium unter russischer Kontrolle bleiben. Denn es gibt keinen Staat, der bereit wäre, mit der größten Atommacht der Gegenwart Krieg zu führen, ohne das Risiko nuklearer Schläge auf sein eigenes Territorium, mit dem Tod von Dutzenden Millionen Menschen, einzugehen. Solche Staaten gibt es nicht. Und die Ukraine gehört, was besonders interessant ist, nicht zu diesen Staaten. Das ist also ein Stellungskrieg.

Deshalb müssen wir in der realen Welt leben. In der realen Welt müssen wir die Staatlichkeit bewahren. Die Frage der Bewahrung der ukrainischen Staatlichkeit ist eine Frage, auf die es keine Antwort gibt. Infolge des Krieges mit Russland kann der ukrainische Staat verschwinden, und das ukrainische Volk kann von seinem Territorium vertrieben werden. Das kann das reale Ergebnis dieses Krieges in den nächsten Jahren sein. Und die Verwandlung der Ukraine in eine Wüste, die zum Leben ungeeignet ist, kann ebenfalls ein Ergebnis sein. Man muss der Wahrheit ins Gesicht sehen. Das ist es, was wir aufhalten müssen. Nicht die Frage der Besetzung eines Teils des ukrainischen Territoriums – das ist schon vorbei.

Jetzt stellt sich eine andere Frage. Werden die Ukrainer als Volk überhaupt weiterexistieren? Sind wir die letzten, die die Ukrainer auf ukrainischem Boden sehen? Das ist Frage Nummer eins. Nicht einmal die Frage der Staatlichkeit, sondern die Frage des bloßen Ukrainischseins. Deshalb geht es nicht darum, wer wen belohnt. Es geht darum, zu welchen Bedingungen dieser Krieg irgendwann enden wird. Derzeit gibt es objektiv nicht einmal ansatzweise Bedingungen für ein Kriegsende. Und welche Garantien wird es geben? Garantien gegen einen erneuten Angriff Russlands auf die Ukraine in Zukunft. Bis jetzt sehe ich solche Garantien nicht.

Wir hoffen, dass wir früher oder später zu Garantien in Form der NATO zurückkehren. Und das wichtigste ist, dass die Amerikaner bereit sein werden, die europäischen NATO-Mitglieder zu verteidigen. Denn auch hier gibt es derzeit keine klare Antwort. Es kann passieren, dass Russland den östlichen Flügel der NATO angreift, und die Amerikaner sagen: Man müsse mit den Russen reden, sie würden kein Risiko eines strategischen Atomkriegs eingehen wegen irgendeiner Estland oder Finnland. Auch das ist möglich – wir sind jetzt in einer solchen Periode.

Frage. Wird die G7-Gruppe, abgesehen von den USA, überhaupt bereit sein, Russland aufzunehmen? Wie werden sie die blutige Hand schütteln?

Portnikov. Derzeit gibt es in der G7-Gruppe, außer Trump, keinen einzigen Führer, der Putin aufnehmen möchte. Ich halte diese Idee überhaupt für eine reine Trump-Idee, mit der er Putin kaufen wollte, weil Trump aus irgendeinem Grund glaubt, dass Putin in die G8 zurückkehren müsse. Putin braucht das überhaupt nicht. Putin hat sich endgültig auf China ausgerichtet und braucht die G7 überhaupt nicht.

Außerdem ist die G7 eine Gruppe von Führern demokratischer Volkswirtschaften. Sie ist nicht in erster Linie eine Gruppe nach Wirtschaftsumfang. Es sind große Volkswirtschaften, in denen ein demokratisches System herrscht. Deshalb ist China, das wirtschaftlich mit Sicherheit erfolgreicher ist als Russland, nicht in der G7. China müsste dort sein. Indien, das sich weit dynamischer entwickelt als Russland, ist ebenfalls nicht dabei, weil es nicht als gefestigte Demokratie wahrgenommen wird. Wenn Sie so wollen, ist die G7 der demokratische Westen. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion glaubten in den 1990er Jahren viele, Russland werde Teil des demokratischen Westens. Das ist nicht eingetreten, und Russland wird niemals Mitglied der G8 sein. Niemals. Denn Russland kehrt in seinen „Heimathafen“ Asien zurück.

Frage. Könnte sich die Ukraine hypothetisch an China wenden, um Hilfe bei der Beendigung des Krieges zu erhalten?

Portnikov. Hypothetisch könnte sie das, aber China ist daran interessiert, dass der Krieg weitergeht oder mit einem Erfolg Russlands endet. Einen Erfolg Russlands kann China einfach anders sehen als Russland. Russland versteht Erfolg als vollständige Eliminierung des ukrainischen Staates von der politischen Weltkarte und Vertreibung der illoyalen Bevölkerung, vielleicht sogar ihre Vernichtung – ich weiß es nicht. Wir werden sehen, wenn es dazu kommt, doch ich hoffe, dass keiner von uns das erlebt und diesen Horror zu sehen bekommt, sondern etwas anderes erleben wird. China ist hingegen bereit, sich damit abzufinden, dass die Ukraine auf irgendeinem Territorium verbleibt, das Russland übriglässt – als eine Art großes Belarus, vielleicht sogar von der Größe von Belarus – und China wird Garant ihrer staatlichen Existenz sein. Aber eine Ukraine, die in die Europäische Union strebt, die Teil Europas sein will, die demokratisch sein will und so weiter, die braucht China hundertmal nicht. Man kann sich also an China wenden – aber wozu?

Frage. Warum sagen Trump und Witkoff, Russland brauche Donezk? Verstehen sie wirklich nicht die Ziele der Russen, oder stellen sie sich nur dumm?

Portnikov. Erstens verstehen sie die Ziele der Russen tatsächlich nicht. Sie sind nicht besonders kluge und nicht besonders kompetente Leute. Zweitens betont Putin die ganze Zeit, dass Voraussetzung für Verhandlungen über einen Waffenstillstand der Abzug der ukrainischen Streitkräfte vom Territorium der sogenannten in Anführungszeichen „Donezker Volksrepublik“ sein müsse. Wie Sie sich erinnern, wurde das Gebiet Donezk der Ukraine unter dieser sonderbaren Bezeichnung in die Russische Föderation aufgenommen. Und darauf stützen sie sich. Wobei – was ist das überhaupt für ein Friedensabkommen, wenn die ukrainischen Streitkräfte das Gebiet der Region Donezk der Ukraine, ihres verfassungsmäßigen Territoriums, verlassen, während Russland die Gebiete in den Regionen Saporischschja und Cherson trotzdem nicht als ukrainisch anerkennt, sondern sagt, der Konflikt werde dort einfach eingefroren. Also: „Bis jetzt können wir dort noch keine vollständige Kontrolle ausüben. Nun, wir werden versuchen, sie politisch zu erlangen.“ Ich verstehe das nicht. Aber dass Witkoff, Trump und Kushner nichts verstehen, das kann ich Ihnen beschwören. Sehen Sie denn nicht selbst, dass sie nichts verstehen? Warum sollten sie überhaupt etwas verstehen? Haben sie in ihrem Leben ein Buch gelesen, vielleicht zwei?

Frage. Glauben Sie, dass Putin, wenn er irgendwann den Krieg beenden will, sich überhaupt an Trump wenden wird, damit der an einem realen Friedensprozess teilnimmt? Oder wird er ihm ein solches Geschenk nicht machen?

Portnikov. Prinzipiell braucht Putin Trump nicht. Aber wenn er glaubt, dass Trumps Teilnahme am Friedensprozess ihm wirtschaftliche Dividenden einbringen wird – letztlich die schnellere Aufhebung der Sanktionen, die Freigabe eingefrorener Vermögenswerte, damit Trump mit den Europäern spricht –, dann kann er sich an Trump wenden. Ich sage es noch einmal: Wenn Putin den Krieg beenden will, braucht er Trump im Prinzip nicht, aber Trump ist derjenige, der die Sanktionen aufheben kann. Und vielleicht könnte Trumps Teilnahme am Friedensprozess die Bezahlung für die Aufhebung der Sanktionen gegen die Russische Föderation werden.

Frage. Sagen Sie bitte, hätte es diesen Krieg mit Russland in jedem Fall gegeben, selbst wenn jemand anderes und nicht Putin Präsident geworden wäre?

Portnikov. Wenn der Tschekisten-Clan nicht seine vollständige Macht in der Russischen Föderation etabliert hätte, hätte es keinen Krieg gegeben. Das Problem ist nicht die Person Putin, sondern dass sich im Jahr 2000 ideale Bedingungen dafür herausgebildet hatten, dass der Föderale Sicherheitsdienst der Russischen Föderation – der zuvor das Komitee für Staatssicherheit der Sowjetunion gewesen war – die Macht in Russland zurückerobern konnte. Das muss man klar verstehen. 

Und ich möchte Sie daran erinnern, dass die Tschekisten natürlich auch unter Jelzin recht zahlreich in der russischen Macht vertreten waren, aber sie haben nicht die endgültigen Entscheidungen getroffen. Der erste und der zweite Tschetschenienkrieg, die in vielerlei Hinsicht mit Unterstützung, Anstachelung und Verstärkung durch tschekistische Beteiligung und tschekistische Agenten in der Macht geführt wurden, halfen dem KGB, das nun FSB hieß, seine Positionen wiederzuerlangen.

Erinnern Sie sich daran, dass im Jahr 1999, als bereits über die Nachfolge und darüber gesprochen wurde, wer der nächste Präsident Russlands nach Jelzin sein würde, in Wirklichkeit nur wenige Kandidaten als real galten. Neben Putin waren das der ehemalige Direktor des Auslandsgeheimdienstes der Russischen Föderation Jewgenij Primakow und der ehemalige Direktor des Föderalen Dienstes für Gegenaufklärung der Russischen Föderation Sergej Stepaschin, der vor Putin Premierminister Russlands war. Das waren die realen Anwärter auf das Präsidentenamt. 

Putin erschien der Jelzin-Familie einfach loyaler gegenüber ihr selbst als andere Tschekisten. Aber wäre die Jelzin-Familie bei der Absicherung ihrer eigenen Sicherheitsgarantien unterlegen, wäre trotzdem ein anderer Tschekist Präsident Russlands geworden – und dann hätte es auf jeden Fall Krieg gegeben.

Wer hätte gewinnen müssen, damit ein militärisches Eingreifen ausgeschlossen gewesen wäre? Der EnergiekClan hätte gewinnen müssen – jener damals sehr einflussreiche Kreis von Leuten, die das Energieministerium der Sowjetunion in Gazprom verwandelt hatten und dessen Vertreter in der Macht Viktor Tschernomyrdin war. 

Im Jahr 1998, so scheint es, führten die Tschekisten faktisch einen Putsch durch, indem sie Jelzin mit Hilfe von Mitgliedern seiner Familie von der Notwendigkeit überzeugten, Tschernomyrdin zu entlassen, der als der realste Nachfolger Jelzins im Präsidentenamt galt, und zwar von dessen Posten als Premierminister – und statt seiner den jungen und unbekannten Sergej Kirijenko zu ernennen, der heute Erster Stellvertretender Leiter der Präsidialadministration Russlands ist, vielleicht der einflussreichste Mann in Putins Administration, der damals die Rolle eines Liberalen spielte, in Wirklichkeit aber ein gewöhnlicher Agent der Tschekisten war. Seine wichtigste Handlung als Premierminister war, wie heute klar ist, nicht die Ausrufung des Default, sondern die Ernennung Wladimir Putins zum Direktor des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation.

Das heißt, gerade Kirijenko begann auf Anregung der Tschekisten, dieses Nachfolgemodell umzusetzen. Wäre der tschekistische Putsch von 1998 nicht gelungen, wäre die Situation anders verlaufen. Präsident Russlands wäre Viktor Tschernomyrdin geworden. Es hätte keinen Krieg gegeben. Es hätte wirtschaftlichen Druck auf die Ukraine gegeben. Es hätte keine Spezialoperation gegen Leonid Kutschma gegeben. Leonid Kutschma hätte seine Amtszeit als Präsident der Ukraine in Ruhe beendet und die Macht nicht an Wiktor Janukowitsch übergeben, denn das wäre damals für niemanden nötig gewesen – und es hätte keinen Medwedtschuk gegeben, keinen tschekistischen Agenten an der Macht, der nach Beziehungen zu den Donezker Kreisen gesucht hätte. Vieles wäre nicht passiert.

Kutschma wäre in den Sessel des Premierministers der Ukraine gewechselt, und Präsident der Ukraine wäre entweder Serhij Tihipko oder Wiktor Juschtschenko geworden – aber ohne Konflikt mit Leonid Kutschma. Ungefähr so hätte sich der Zeitraum der 2000er Jahre entwickelt. 

Viktor Tschernomyrdin hätte zwei Amtszeiten als Präsident Russlands absolviert, nach seinem Tod wäre das oligarchisch-kompradorische System mit guten Beziehungen zum Westen vollständig etabliert gewesen. Und der Nachfolger Tschernomyrdins wäre eine andere Person aus dem Energie- und Wirtschaftssektor geworden, unterstützt von den Oligarchen. Russland hätte entsprechend ausgesehen. Die Ukraine hätte ungefähr so ausgesehen, wie heute etwa Kasachstan aussieht – nicht so wie Belarus. Das ist alles, was gewesen wäre.

Aber die Geschichte hat sich unglaublich beschleunigt, weil das Ziel der Tschekisten nicht das Zusammenleben mit den ehemaligen Kolonien Russlands und nicht der wirtschaftliche und wirtschaftliche Einfluss auf sie war, sondern die Wiederherstellung der Grenzen der Sowjetunion und die Verwandlung dieser Grenzen in die Grenzen der Russischen Föderation. Das ist völliger Unsinn. Aber an die Macht in Russland kamen solche Leute. Und gerade das An-die-Macht-Kommen ihres Clans in Russland machte den Krieg unvermeidlich – nicht die Tatsache, dass jeder Präsident Russlands nach Jelzin den russisch-ukrainischen Krieg begonnen hätte. Nein, Russland trat im Jahr 2000 auf einen schnellen Weg der Verwandlung in eine tschekistische Diktatur.

Hören Sie: Wenn die Geheimpolizei an der Macht ist – und das ist fast der erste Fall in der Geschichte –, nun ja, es gab eine gewisse Zeit, als die Geheimpolizei in Russland einen unglaublichen Einfluss hatte – zur Zeit Iwan des Schrecklichen, als es Maljuta Skuratow gab, oder zur Zeit Stalins, als es Jeschow und Berija gab –, aber selbst dann hatte sie kein Allmachtsmonopol. Das ist der erste Fall, in dem derjenige, der eigentlich schützen soll, herrscht – da können Sie mit allen möglichen Ergebnissen rechnen. Und deshalb glaube ich weiterhin, dass, da die Welt in Russland von solchen bedingungslosen, grausamen Saboteuren und Terroristen regiert wird, die die Schulen von Saboteuren und Terroristen durchlaufen haben, die Möglichkeit nicht nur eines russisch-ukrainischen Krieges, sondern auch eines Dritten Weltkriegs sehr groß ist. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie groß und wie skrupellos diese Leute sind.

Hören Sie: Die Tscheka hat im Laufe der stalinschen Repressionen etwa 20–30 Millionen Menschen in der Sowjetunion vernichtet. Und sie sind bis heute stolz darauf. Was macht es da für diese Leute aus, irgendwo eine „armselige“ Atombombe abzuwerfen, damit noch ein paar Millionen Menschen sterben? Sie zählen die Opfer überhaupt nicht. Das ist einfach eine solche Corporation. Deshalb liegt das Problem nicht in der Person Putin, sondern in der Frage, ob es gelingen wird, den tschekistischen Regime so zu zerstören, wie einst das kommunistische Regime zerstört wurde. Das wird wesentlich schwerer sein, denn es handelt sich um ein Regime von Leuten, die Marktinstrumente benutzen und sich nicht scheuen, ihre Gegner überall dort zu kompromittieren und zu töten, wo sie dies können.

Die Aufgabe, die vor der Menschheit angesichts des Auftauchens des tschekistischen Regimes in Russland im Hinblick auf ihr Überleben steht, ist also sehr groß. Und ehrlich gesagt bin ich mir nicht sicher, dass die Menschheit mit dieser Aufgabe fertig wird – wenn wir ganz ernsthaft sprechen. Aber wir wollen hoffen. Denn Optimismus ist unser wichtigster Verbündeter.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Росія відмовляється від «плану Трампа» | Віталій Портников. 26.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 26.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Witkoffs Tonaufnahmen: Details | Vitaly Portnikov. 26.11.2025.

Die Veröffentlichung der Telefonmitschnitte, in denen Jurij Uschakow, der Assistent des Präsidenten der Russischen Föderation, Gespräche mit dem Sondergesandten des US-Präsidenten Steve Witkoff und dem Sondergesandten des Präsidenten der Russischen Föderation Kirill Dmitrijew führte, mag auf den ersten Blick wie eine Sensation erscheinen. Doch zumindest aus dem Grund, dass diese Gespräche lediglich das bestätigen, was auch ohne Einsicht in die vertrauliche Kommunikation zwischen russischen Beamten und dem Sondergesandten des amerikanischen Präsidenten klar war, verliert der Vorfall schnell seinen sensationellen Charakter.

Sobald der sogenannte amerikanische Friedensplan für die Ukraine auftauchte, betonten viele Beobachter, dass es sich höchstwahrscheinlich um einen russischen Text handelte, der der amerikanischen Seite übermittelt und nur bruchstückhaft angepasst worden war. Journalisten der Publikation Parddio führten sogar eine linguistische Analyse des Textes durch, die zeigte, dass viele Sätze eindeutig auf einer Übersetzung aus dem Russischen ins Englische basierten und niemals so ausgesehen hätten, wenn sie ursprünglich in englischer Sprache verfasst worden wären.

Die Nähe des Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, zum russischen Regime und zu Präsident Putin ist ebenfalls allgemein bekannt. Und er hat diese Sympathie nie verborgen, wenn er Journalisten sagte, dass er Putin respektiere und dass ihm der russische Kriegsverbrecher gefalle.

Offensichtlich geht es dabei nicht einmal primär um irgendwelche geschäftlichen Interessen Witkoffs, sondern darum, dass der langjährige Freund des US-Präsidenten Donald Trump sehr wohl versteht, dass Putin auch Trump selbst gefällt. Und im engsten Umfeld Trumps tut man alles, um mit dem amtierenden US-Präsidenten auf einer Wellenlänge zu bleiben.

So sehen wir nun eine Bestätigung dessen, was man bereits wusste. Der sogenannte amerikanische Friedensplan ist eine russische Erfindung, speziell von Dmitrijew und Uschakow ausgearbeitet, um die Verhängung von Sanktionen gegen die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil zu verhindern. Und Witkoff führt nicht nur Gespräche mit der russischen Seite, sondern lobbyiert deren Interessen aktiv – unter anderem indem er Uschakow erklärt, wie man am besten den Besuch des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky in den Vereinigten Staaten sabotieren könne und wie man Trumps Einstellung gegenüber den Vorschlägen des russischen Präsidenten Putin verbessern könne.

Alles wirkt wie ein schlechter Witz, der zeigt, was selbst mit großen demokratischen Staaten geschehen kann, wenn dort Dilettanten an die Macht kommen, die rasch zu Spielzeugen in den Händen geschickter und erfahrener Geheimdienstler und Diplomaten werden, die diesen Geheimdienstlern dienen.

Denn in den Telefonaten wirkt allein Uschakow als Profi , der beispielsweise ohne Probleme Witkoff erzählt, Russland habe – um Trump zu gefallen und seine Friedensbemühungen zu würdigen – sogar auf die Durchführung des russisch-arabischen Gipfels verzichtet. Und das ist eine Lüge, denn es waren die arabischen Staatschefs, die sich weigerten, nach Moskau zu reisen, weil sie sich in erster Linie an Trump orientierten und erst ganz zuletzt an Putin. Doch Uschakow verkauft diese Niederlage der russischen Diplomatie völlig gelassen dem unerfahrenen Wtkoff als Geste des guten Willens seitens des Kremls. Und solche Episoden gibt es in diesen Gesprächen viele.

Doch es stellt sich die Frage, welche Folgen diese Veröffentlichung haben könnte. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, schenkte dem skandalösen Leak schlicht keine Aufmerksamkeit. Und als Journalisten ihn fragten, ob er Steve Witkoff nicht für zu moskaufreundlich halte, antwortete er lediglich, dass dies ein normales Verhalten eines Menschen sei, der Russland von etwas überzeugen müsse.

Das heißt, Trump – der nach eigenen Worten mit dem Leak nicht vertraut gewesen sei; glauben Sie mir, das hat nichts mit der Realität zu tun, aber Trump wird seinen alten Freund verteidigen, einfach weil er tatsächlich nichts Gefährliches in den engen Kontakten zwischen seinem Sondergesandten und dem Assistenten des russischen Präsidenten sieht.

Und auch ich neige nicht zu der Annahme, dass Witkoff aus eigenem Antrieb versucht, der russischen Seite zu helfen. Das ist in einer Regierung wie der von Donald Trump unmöglich. Witkoff handelt mit einem klaren Verständnis dafür, dass Trump an einer Verbesserung der Beziehungen zum russischen Präsidenten Putin interessiert ist. Dass der russisch-ukrainische Krieg ein Hindernis für diese guten Beziehungen und wirtschaftlichen Verflechtungen darstellt – und zwar nicht zwischen den Vereinigten Staaten und Russland, sondern zwischen dem Umfeld Donald Trumps und dem Kreml. Nicht zufällig war auch Trumps Schwiegersohn Jared Kushner an der amerikanischen Fragmentbearbeitung dieses Friedensplans beteiligt. 

Und um diese Verbesserung und mögliche geschäftliche Zusammenarbeit zu ermöglichen, müsse man natürlich den Russen helfen, den richtigen Ton im Umgang mit dem amerikanischen Präsidenten zu finden. Und selbstverständlich müsse man verhindern, dass die Ukraine größere Möglichkeiten erhält, das militärische Potenzial der Russischen Föderation und die wirtschaftlichen Reserven dieses Terrorstaates mithilfe eben jener Tomahawks zu zerstören.

Wir sehen also, dass es im Weißen Haus ein ziemlich mächtiges Lobby gibt, das nicht einfach nur den russisch-ukrainischen Krieg beenden möchte, sondern beim Zustandekommen dieses Endes auch russische Interessen fördern will. Beobachter sprechen derzeit von einem Wettstreit zweier Gruppen in der US-Präsidialadministration: einer, die Russland bei der Gestaltung des Kriegsendes unterstützt und die Ukraine als ernstes Hindernis dafür betrachtet; und einer anderen, die Russland als Aggressor sieht, der für seine aggressiven Handlungen zur Verantwortung gezogen werden muss, und die daher die Ukraine unterstützt.

Nur vergessen jene, die von diesem Konflikt der zwei Gruppen sprechen, uns auf etwas Entscheidendes hinzuweisen, das meiner Ansicht nach offensichtlich ist: Die prorussische Gruppe in der eigenen Administration wird vom amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, selbst angeführt – und keineswegs von Steve Witkoff, der in seinem Handeln lediglich ein Werkzeug in den Händen des Hausherrn des Oval Office ist. Das nicht zu sehen bedeutet meiner Meinung nach, sich selbst über die wirklichen Sympathien und Prioritäten des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu täuschen.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Плівки Віткоффа: подробиці | Віталій Портников. 26.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 26.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
.


Womit Zelensky zu Trump fliegt | Vitaly Portnikov. 25.11.2025.

Wir sprechen in diesen angespannten Tagen weiter darüber, was rund um den sogenannten Trump-Plan geschieht. Wie weit er sich überhaupt umsetzen lässt, wie sehr wir heute mit einer Entwicklung der Ereignisse rechnen können, die zu einer Aussetzung des russisch-ukrainischen Krieges führen könnte. Und das ist, wie Sie verstehen, ein ziemlich wichtiges Thema unseres täglichen Dialogs. In diesen Tagen versuchen wir alles Mögliche zu tun, um uns in dieser schwierigen Situation zurechtzufinden, die sich rund um diese Vergangenheit entwickelt hat.

Also: Genau heute Abend haben sowohl der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, als auch der Leiter seines Präsidialamtes, Andrij Jermak, der bekanntlich die ukrainische Delegation bei den Verhandlungen mit den Amerikanern anführte, beide gesagt, dass der Präsident der Ukraine bereit ist, in die Vereinigten Staaten zu fliegen und mit Präsident Donald Trump zu sprechen. Dabei sagt Andrij Jermak, Zelensky könne dies bereits in den nächsten Tagen tun, und Volodymyr Zelensky präzisiert, dass er bereit sei, mit Donald Trump heikle Fragen zu besprechen, die mit dem zusammenhängen, was die Delegationen der Vereinigten Staaten und der Ukraine in Genf nicht untereinander abgestimmt haben – die Delegationen, die vom Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, und vom Leiter des Präsidialamtes, Andrij Jermak, angeführt wurden.

Wie bekannt, ging es um die Frage der Territorien. Wir verstehen, worum es geht, was nicht geregelt ist: dass Donald Trump und seine Berater der Ansicht sind, die Ukraine müsse das gesamte Territorium des Gebietes Donezk räumen, das derzeit von den ukrainischen Streitkräften kontrolliert wird. Und Donald Trump ist außerdem der Meinung, der Konflikt müsse entlang der Kontaktlinie in den Gebieten Saporischschja und Cherson eingefroren werden. Die ukrainische Seite ist hingegen der Auffassung, dass die Kontaktlinie entlang der gesamten Linie verlaufen soll, an der die russischen und ukrainischen Truppen heute aufeinandertreffen, und zwar ohne Abzug ukrainischer Truppen von irgendeinem Abschnitt.

Kurz gesagt: Trump ist der Meinung, wir müssten die Truppen aus dem Donbass abziehen. Zelensky ist nicht dieser Meinung. Und Zelensky möchte, dass diese Frage gemeinsam mit den europäischen Partnern diskutiert wird, die mittlerweile – sozusagen – gelernt haben, in Washington seine Unterstützergruppe zu sein, wenn es um solche schwierigen Fragen geht, weil sie daran natürlich auch selbst interessiert sind.

Aber es gibt hier einen Punkt. Bedeutet das, dass Zelensky in den nächsten Tagen tatsächlich in Washington auftauchen und sich mit Trump treffen wird? Trump wird sich in den nächsten Tagen nicht in Washington aufhalten. Der Präsident der Vereinigten Staaten plant, den Feiertag im Mar-a-Lago, seiner Residenz im Bundesstaat Florida, zu verbringen.

Zelensky kann natürlich auch dorthin kommen, aber es liegt absolut auf der Hand, dass unter diesen Umständen ein solches Treffen kaum schnell stattfinden wird, denn Donald Trump braucht weniger ein Gespräch mit Volodymyr Zelensky über irgendwelche nicht geregelten Fragen, als vielmehr die Unterzeichnung seines sogenannten Friedensplans mit Volodymyr Zelensky, damit es ein amerikanisch-ukrainisches Abkommen wird.

Auf jeden Fall können die Konsultationen zwischen der amerikanischen und der ukrainischen Seite darüber weitergehen. Die ukrainische Seite versucht einfach, dem Weißen Haus ihre Konstruktivität zu demonstrieren. Und übrigens tut Andrij Jermak das über dasselbe Medium Axios und über dieselben Journalisten von Axios, die an dem Leak des 28-Punkte-Friedensplans von Trump beteiligt waren – jenes sogenannten Friedensplans, der nach Ansicht vieler von Steve Witkoff und Jared Kushner unter Diktat des russischen Sonderbeauftragten Kirill Dmitrijew geschrieben wurde oder zumindest unter dem Einfluss dieses russischen Beamten, der von Putin in die Vereinigten Staaten geschickt worden war, um die Einführung umfassender Sanktionen gegen die russischen Ölriesen Rosneft und Lukoil zu verhindern.

Das heißt, die Ukraine versucht in diesem Farce, der sich um den faktisch nicht existierenden Friedensplan Trumps abspielt, mit der Russischen Föderation ein Informationsspiel auf dem russischen Informationsfeld zu spielen und sie dort zu übertrumpfen. Niemand kann bestreiten, dass die Ukraine Frieden will. Präsident Zelensky ist bereit, sich mit Trump zu treffen. Er ist bereit, mit ihm heikle Fragen zu besprechen und ist bereit, dies in den nächsten Tagen zu tun. Und Zelensky ist bereit, gemeinsam mit europäischen Partnern zu kommen, weil alle sehr wollen, dass der Trump-Plan umgesetzt wird – zumindest in der Form, in der es den Delegationen gelungen ist, den Großteil der Punkte dieses Plans bei dem Treffen in Genf zu vereinbaren.

Lassen Sie uns nun eine Analyse der möglichen Entwicklung der Ereignisse vornehmen, um zu verstehen, dass wir es nicht mit einem Friedensplan, sondern mit einem Friedens-Farce zu tun haben. Stellen wir uns die Situation vor, dass Zelensky zu Trump kommt. Der Friedensplan, der zwischen den Delegationen von Rubio und Jermak abgestimmt wurde, wird um den Punkt ergänzt, dass die Truppen entlang der Kontaktlinie getrennt werden müssen. Zelensky überzeugt Trump davon. Die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine setzen ihre Unterschriften unter diesen Plan, unter dieses amerikanisch-ukrainische Abkommen. 

Und dann muss man diesen Plan den Russen präsentieren. Und der Kreml sagt: „Entschuldigen Sie, aber dieses Dokument widerspricht dem Geist von Alaska, dem Geist von Anchorage.“ Wie übrigens auch der Leiter des russischen Außenministeriums, Sergej Lawrow, gesagt hat: „Wir werden dem nicht zustimmen, weil es dem Geist von Anchorage widerspricht.“

Stellen wir uns nun eine andere Variante vor, an der Russland stärker interessiert ist. Trump überzeugt Zelensky, setzt ihn unter Druck, droht mit vollständiger Einstellung der militärischen Hilfe, mit vollständiger Einstellung der finanziellen Hilfe. Und Zelensky stimmt dem Abzug der ukrainischen Truppen von den Gebieten des Donezker Oblasts zu, die sich heute unter Kontrolle der legitimen ukrainischen Staatsmacht befinden. Und sie unterzeichnen dieses Dokument in dieser Form. 

Und die Russen müssen es unterzeichnen. Was sagen die Russen? Sie haben es erraten: „Wir werden dieses Dokument nicht unterzeichnen, weil es dem Geist von Anchorage widerspricht. In ihm fehlt dieses, dieses und jenes. Denn bei dem Treffen der amerikanischen und ukrainischen Delegationen in Genf wurden unter dem Druck der Ukraine und ihrer europäischen Partner, die Krieg und keinen Frieden wollen, aus dem Plan für Russland wichtige Punkte gestrichen, die Russland keine Sicherheit garantieren.“

Das heißt, in jeder denkbaren Entwicklung der Ereignisse – und ich möchte, dass Sie das verstehen – gibt es keinerlei Gründe anzunehmen, dass Russland irgendein Projekt eines amerikanisch-ukrainischen Friedensplans unterzeichnen wird, denn das ist ein Farce und kein Plan. Russland hat nicht die Absicht, an irgendwelchen Unterzeichnungen teilzunehmen. Der Präsident der Russischen Föderation ist auf die Fortsetzung eines jahrelangen Krieges eingestellt. Einen Friedensplan Trumps, der auf diese Art umgesetzt werden könnte, hat es nicht gegeben, gibt es nicht und wird es nicht geben.

Was hat es gegeben? Es gab einen Vorschlag von Kirill Dmitrijew, der darauf abzielte, die Einführung von Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil zu verhindern. Wie ich schon mehrfach erklärt habe, versuchte Dmitrijew, diesen Vorschlag in Form eines Entwurfs eines Friedensplans umzusetzen, den er Witkoff präsentierte. Und Witkoff seinerseits legte ihn Jared Kushner, dem Schwiegersohn Trumps, vor. Dmitrijew hoffte, dass Witkoff und Kushner Trump davon überzeugen würden, keine Sanktionen gegen Russland zu verhängen, zumindest so lange nicht, bis dieser Friedensplan geprüft worden sei, der als ein weiterer Beweis für den Friedenswillen Russlands erscheinen sollte.

Aber Trump ist nicht darauf eingegangen. Der Friedensplan gefiel ihm, aber die Sanktionen aufzuheben, hat er nicht begonnen. Damit hat sich Putin lächerlich gemacht, der seinen Ostap Bender nach Washington geschickt hatte (Ostap Bender – literarische Figur, ein listiger Hochstapler aus sowjetischen Romanen, Symbol für Betrug und Manipulation), um die inkompetenten Amerikaner davon zu überzeugen, dass er ein großer Friedensfreund sei. Und Trump hat sich lächerlich gemacht, der beschlossen hat, für einen Friedensplan geradezustehen, der von den Russen niemals akzeptiert werden wird.

Und deshalb betreibt Trump genau dieselbe, ich würde sagen, diplomatische Schaunummer, mit der wir uns jahrelang auch selbst beschäftigt haben, als wir internationale Konferenzen einberiefen, die Beschlüsse fassten – einschließlich des Friedensforums in der Schweiz –, die keinerlei Bezug zur Beendigung des Krieges hatten, weil Russland nicht die Absicht hatte, an diesen Konferenzen teilzunehmen.

Weiter. In der Verwaltung des Präsidenten der Vereinigten Staaten gibt es, wie das immer der Fall ist in Büros, in denen alle darauf ausgerichtet sind, die Launen eines einzigen Menschen zu bedienen, einen Wettstreit darum, wer Trump in dieser Situation am besten bedienen kann. Die einen denken dabei an irgendwelche amerikanischen Interessen, die anderen an ihre eigenen politischen und Geschäftsinteressen. 

Witkoff und Kushner dachten bei der Ausarbeitung dieses Plans offensichtlich daran, dass sie, falls dieser Plan angenommen würde – wir müssen uns wieder sagen, dass es sich um Leute handelt, die weit weg von der Politik sind, die einfach nicht besonders verstehen, womit sie es zu tun haben – schlicht entschieden haben, dass sie damit etwas Geld und die Liebe Trumps verdienen können. Geld von russischen Vermögenswerten. Und die Liebe Trumps dadurch, dass Trump zum großen Friedensstifter wird und am Ende diesen ersehnten Friedensnobelpreis erhält.

Rubio versucht einerseits, die Situation in die Realität zurückzuholen. Andererseits will er das so tun, dass er nicht Trumps Zorn auf sich zieht. 

J. D. Vance versucht zu zeigen, dass er aus Sicht der Lösung solcher Probleme wesentlich effektiver ist als Witkoff, Rubio oder Kushner. Und so versucht er, selbst zum Kurator dieses Prozesses zu werden, und ist der Ansicht, dass die beste Möglichkeit für ihn darin besteht, Druck auf die Ukrainer auszuüben, damit sie die Bedingungen annehmen, die Trump stellt, damit niemand daran zweifelt, dass man Trump nicht widersprechen darf.

Deshalb hat Vance sich in diese Angelegenheit eingemischt und, wie Sie wissen, den Armee-Minister der Vereinigten Staaten, Dan Driscoll, nach Kyiv geschickt. 

Jermak sagt gegenüber Axios, er habe Driscoll erst kennengelernt, aber er habe das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. Das ist eine erstaunliche Sache. Das heißt, es beginnt ein Mensch sich mit dem russisch-ukrainischen Prozess zu befassen, der von all dem nicht die geringste Ahnung hatte und plötzlich die Möglichkeit erhält, zur zentralen Figur zu werden.

Und das ist übrigens noch nicht das Ende, denn Driscoll, der sich noch nie damit befasst hat, der die Spezifik der Frage nicht kennt, trifft sich jetzt mit irgendwelchen russischen Vertretern in Abu Dhabi. Niemand weiß, wer das ist. Das können die nächsten Hochstapler sein, die Putin in die Vereinigten Arabischen Emirate geschickt hat, um dem gutgläubigen Driscoll die Augen zu vernebeln. Und dort befindet sich außerdem eine ukrainische Delegation unter Leitung von General Budanow, die den Armee-Minister der Vereinigten Staaten vielleicht von irgendwelcher Inkompetenz abhalten kann – oder auch nicht. Es ist unbekannt, wie er seine Kontakte mit der ukrainischen Delegation bewerten wird.

Eine weitere Person, die sich in diese Situation eingeklinkt hat, ist der Finanzminister der Vereinigten Staaten, Scott Bessent, der gesagt hat, der Präsident der Vereinigten Staaten habe mit dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, vereinbart, dass sie gemeinsam für die Erreichung des Friedens in der Ukraine arbeiten würden. Das entspricht ebenfalls nicht der Wirklichkeit. Der Vorsitzende der Volksrepublik China hat dem Präsidenten der Vereinigten Staaten klar gesagt – und es gibt eine offizielle Mitteilung darüber –, dass er hofft, dass so bald wie möglich Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine stattfinden und dass der Konflikt beendet wird, weil die Ursachen, die zu ihm geführt haben, beseitigt würden. Was, wie Sie verstehen, nichts anderes ist als die wörtliche Wiederholung der Position des Präsidenten der Russischen Föderation durch den Vorsitzenden der Volksrepublik China.

Bemerkenswert ist, dass chinesische offizielle Quellen das im Grunde gar nicht besonders erwähnen. Sie konzentrieren sich vor allem darauf, dass Xi Jinping Trump klar gesagt hat, dass es ohne Taiwan nichts geben wird und dass es keine neue Weltordnung geben wird, solange die Volksrepublik China nicht die Kontrolle über die Insel Taiwan erlangt hat, auf der seit dem Zweiten Weltkrieg die demokratische Regierung der Republik China sitzt, die nach der Niederlage der Kuomintang-Partei im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten vom chinesischen Festland vertrieben wurde. Trump wurde klar gemacht, dass, wenn die Vereinigten Staaten nicht von ihrer Unterstützung für Taiwan abrücken, China keine Normalisierung seiner Beziehungen zu den Vereinigten Staaten betreiben wird und ernsthafte Druckmittel gegen die Vereinigten Staaten einsetzen kann, die die Republikaner den Sieg bei den Nachwahlgängen kosten könnten – zum Beispiel, indem es die wirtschaftliche Waffenruhe aufkündigt und aufhört, amerikanische Sojabohnen zu kaufen. Und damit würde die ganze Basis der Unterstützung für Trump und die Republikaner direkt vor unseren Augen zusammenbrechen, weil die Farmer mit ihrer Soja auf die Straße gehen würden.

Warum sagt Bessent das dann? Weil Bessent ein völlig anderes Verständnis von Wirtschaft und Finanzen hat. Er ist ein Mensch, der der Ansicht ist, dass man hart handeln muss, dass man keine besonderen Beziehungen zu autoritären Ländern aufbauen sollte, sondern ihnen einen Wirtschaftskrieg erklären, sie vom Markt verdrängen und ihnen Verluste zufügen muss. Er hat lange auf seine Chance gewartet, um einen Wirtschaftskrieg gegen die Russische Föderation zu beginnen.

Und man muss verstehen, dass für Bessent nicht einmal die Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges besonders wichtig ist. Er versucht einfach, den russisch-ukrainischen Krieg für das wirtschaftliche Begräbnis Russlands zu nutzen. Ein solcher Mensch würde die russische Wirtschaft auch ohne jeden Krieg zerstören, aber jetzt hat er die Möglichkeit dazu.

Und Sie haben gesehen, dass Bessent mit Freude an den Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil gearbeitet hat. Ich denke, dass er in den nächsten Monaten, wenn dieser Krieg nicht abflaut, neue Sanktionen vorbereiten wird, die die Russische Föderation und ihre Wirtschaft in den Sarg legen sollen. Er hat Putins Hauptfavoriten Timtschenko, man kann sagen, dessen Hauptgeldbörse nach Abramowitsch, beim Kauf von Aktien der Firma Lukoil in den Vereinigten Staaten abblitzen lassen – gemeint ist die Firma Gunvor, die Timtschenko gehört. Er sprach verächtlich über Ostap Bender, über die russische politische Führung, über Kirill Dmitrijew, und lachte über dessen Kommentar.

Und jetzt will Scott Bessent ganz dieselbe Geschichte mit chinesischen Firmen wiederholen, weil es ihm, wie ich denke, vollkommen egal ist, was aus den Ergebnissen der Nachwahlgänge wird. Er braucht jetzt, dass diejenigen chinesischen Unternehmen bankrottgehen, die eine Bedrohung für die amerikanische Wirtschaft darstellen. Er will einen wirtschaftlichen Schlag gegen China mit Hilfe von Sanktionen, nicht mit Zöllen. Aber dafür muss er Trump beweisen, dass Xi Jinping nicht das tut, was Trump will.

Das heißt, wir sehen, dass Trump wie ein kleines Kind für fremde Interessen genutzt wird. Zelensky will ihm seine Konstruktivität beweisen und ihm die Idee gemeinsamer Verhandlungen mit den Europäern einpflanzen, was Trump offensichtlich nicht besonders will. Jermak demonstriert Trump, dass der Präsident der Ukraine schon buchstäblich morgen bereit ist, nach Mar-a-Lago zu fliegen und mit der Familie Trump Feiertage zu feiern. Vance will Trump beweisen, dass er für ihn unersetzlich ist, damit Trump ihn als seinen Nachfolger ausruft. Witkoff und Kushner zeigen ihm verschiedene Zettelchen, um zu demonstrieren, dass sie den Friedensnobelpreis sehr ernst nehmen und in der Lage sind, einen Plan zu erstellen, der zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges führen könnte. 

Rubio will Trump nicht verärgern, damit Trump ihm nicht wegen der völlig aus der Luft gegriffenen Pläne seiner Helfer böse ist, und versucht gleichzeitig, die Situation in irgendeiner professionellen Bahn zu halten, um nicht zuzulassen, dass Punkte verwirklicht werden, die vor den Europäern und sogar vor den Republikanern und Demokraten im Repräsentantenhaus und im Senat wie Kapitulationsbedingungen aussehen. Denn Sie haben gesehen, dass der Plan in den Vereinigten Staaten selbst vernichtender Kritik ausgesetzt war. J. D. Vance musste sich sogar vor amerikanischen Gesetzgebern rechtfertigen und sagen: „Wie kann das sein, dass Sie der russisch-ukrainische Krieg mehr beschäftigt als die innenpolitischen Probleme?“ Auch kein Mensch von großem Verstand. 

Er braucht die Unterstützung all dieser Leute für die kommenden Vorwahlen 2028. Und noch ist unbekannt, ob er tatsächlich Trumps Nachfolger wird, ob Trump ihn nicht verbrennt – und sich selbst – mit seinen genialen Vorstellungen von Wirtschaft, und er hat sich schon mit allen überworfen. Nun und Bessent versucht natürlich, diese Situation zu nutzen, um dann den makellosen Ruf von Xi Jinping in Trumps Augen zu beschmutzen und harte Sanktionen gegen die chinesische Wirtschaft, gegen chinesische Unternehmen zu erreichen. 

Und dann ist da noch Putin, der Trump beweisen will, dass der Trump-Plan genial und wunderbar ist, wie der Geist von Anchorage, der erfunden ist, wie der Geist von Hamlets Vater. Und dass die Ukrainer und Europäer, die keinen Frieden wollen, irgendetwas umschreiben und Trump so daran hindern, den Krieg zu beenden. Was für Schweine.

Nun das Interessanteste: Was wird unser kleiner Junge aus unserem wunderbaren Kindergarten Mar-a-Lago tun, wenn er sieht, dass der nächste „Bumm“ passiert ist? Was meine ich damit? Wen wird er beschuldigen? Wer wird schuld sein? Schauen Sie: Wenn Zelensky dem Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk nicht zustimmt und Russland danach den Trump-Plan ablehnt, wird natürlich Zelensky schuld sein. Und Trump wird sagen: „Dann führt euren Krieg, so lange ihr wollt, aber entschuldigt, warum sollen wir euch helfen? Wir hatten einen großartigen Plan. Wir haben gesagt, dass Putin nur bereit ist, den Krieg zu beenden, wenn ihr ein kleines Gebiet räumt, das ihr sowieso verliert. Und ihr wollt weiterkämpfen? Dann kämpft ohne unsere Aufklärungsdaten, kämpft ohne unsere Waffen. Und wenn Putin dann das ganze Gebiet Donezk einnimmt, kommt ihr wieder. Und dann reden wir noch einmal mit unserem wunderbaren Wladimir aus dem Kreml.“

Aber wenn Zelensky dem Abzug der Truppen aus dem Gebiet Donezk zustimmt, verstehen Sie sehr gut, dass dies zu einer scharfen Destabilisierung der Lage in der Ukraine führen kann, weil es einerseits keine Beendigung des Krieges geben wird – denn Russland wird trotzdem keinem Friedensplan zustimmen, weil Putin nicht die Absicht hat, den Krieg zu beenden. Und andererseits wird es in der ukrainischen Gesellschaft ein klares Gefühl des Verrats geben. Und auch damit wird Russland arbeiten. Es wird versuchen, über seine Leute darauf zu drängen, dass die Zeit gekommen sei, aufzustehen, sich hinzulegen, die Ketten zu sprengen, die verräterische Macht zu stürzen und eine neue zu wählen.

Und Sie verstehen, dass das keine russischen Konserven aus irgendwelchen prorussischen Parteien sein werden. Nein. Das werden speziell geschulte Leute sein, Patrioten aus völlig pro-demokratischen, pro-europäischen Kräften. Sie sehen ja, dass einer von ihnen schon durch alle sozialen Netzwerke rennt und erzählt, wie dringend der Trump-Plan angenommen werden müsse, und nicht einmal erklärt, dass Russland überhaupt nicht vorhat, diesen Plan anzunehmen – im Wortsinne überhaupt nicht. Nun, das ist die eine Variante. Und es gibt eine andere, in der wir sehen, dass Zelensky nicht zugestimmt hat – dann ist er schuld.

Wenn Zelensky zustimmt, ist er nicht schuld. Aber es kommt zu einer Destabilisierung der Lage in der Ukraine. Das heißt, die Weigerung, die Truppen aus dem Gebiet Donezk abzuziehen, ist eine sichere Art, sich Trumps Unmut zuzuziehen, weil er Zelensky beschuldigen wird, seinen wunderbaren Friedensplan torpediert zu haben. Die Zustimmung zum Abzug der ukrainischen Truppen aus dem Gebiet Donezk kann Trumps Beleidigung auf Zelensky verhindern, kann aber zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine selbst beitragen.

Putin bleibt in jedem Fall der Gewinner. Dies ist eine brillante Diversions-Spezialoperation des Kremls. Ja, sie sind die Sanktionen nicht losgeworden, aber jetzt sind sie in einer Situation, in der jede Variante ein Gewinn ist. Endlich konnte ich das genau formulieren. Wenn man nachts kaum schläft… Aber ich habe, wie Sie verstehen, einen ernsthaften Grund, für den ich ausgerechnet Putin danken muss – genauso wie für die Spezialoperation. Raketen, Schaheds. Ich möchte übrigens, völlig ohne Ironie, den Angehörigen und Nahestehenden der bei diesem Angriff in Kyiv Getöteten mein aufrichtiges Beileid ausdrücken.

Aber genau das ist die Idee. Wenn Zelensky den Abzug der Truppen ablehnt, ist er schuld, Trump ist auf ihn beleidigt. Man kann daran arbeiten, dass Amerika auf seine weitere militärische Unterstützung der Ukraine verzichtet und auf Ersatzteile für Patriots, auf Komponenten für HIMARS, auf all das. Und wenn Zelensky dem Abzug der Truppen aus dem Gebiet Donezk zustimmt, kann man den Boden für eine Destabilisierung der Lage im feindlichen Land bereiten, das „wir in Moskau vernichten wollen“.

Was müssen wir tun, um nicht in diese Falle zu tappen, die von den Diversanten aus Kreml und Lubjanka gebaut wurde? Die Aufgabe ist schwer. Aber sie lässt sich lösen. Wir müssen unsere Positionen halten. Sozusagen nicht dem Abzug der Truppen aus dem Gebiet Donezk zustimmen, aber gleichzeitig keinen Zorn Trumps auf uns ziehen. Es braucht also Schritte, um dem amerikanischen Präsidenten zu erklären, dass sein russischer Kollege nicht die Eroberung des Gebietes Donezk durch seine Truppen anstrebt, sondern die Destabilisierung der Lage in der Ukraine.

Dass die Ukraine ihre befestigten Festungen im Gebiet Donezk noch lange verteidigen kann und noch eine enorme Zahl russischer Besatzer vernichten kann – und so nach und nach die demografische Situation in Russland ins Negative dreht. Sie verstehen ja, dass das russische Volk dank Putin im Grunde in den Tartarus marschiert. So viele Opfer hat es lange nicht mehr gegeben. Und es sind alles Männer, die niemanden mehr zeugen werden. Wenn Putin zuerst die nationalen Minderheiten Russlands ausgelöscht hat, löscht er jetzt schlicht die Russen aus. Er ist ein Russentöter, weil er sie wie Fleisch dorthin wirft, auch wenn es dafür Geld gibt. Und Sie sehen, dass er Pläne für eine große Mobilisierung ohne Geld hat, um einfach einen Schlusspunkt in der Geschichte des russischen Volkes zu setzen. Bye-bye.

Und dass man, wenn man irgendeine Feuerpause akzeptieren will, dies entlang der Kontaktlinie tun muss. Diese Position muss man verteidigen. Vielleicht braucht Zelensky dafür tatsächlich europäische Partner, aber er darf Trump dabei nicht verärgern. Das ist keine einfache Aufgabe, aber wir erinnern uns, dass wir es mit einem Menschen mit kindlichem Bewusstsein zu tun haben, dem man etwas Goldenes, Wunderschönes vor der Nase hin- und herwedeln muss, ihm etwas versprechen muss – er ist ja gierig wie 150 Witkoffs –, ihm auch etwas versprechen. Man muss in diesem Kindergarten das Stück „Der Besuch des Weihnachtsmanns bei den Kindern“ spielen – „la-la-la, la-la-la. ‚Schtschedryk‘ singen wir, la-la-la, la-la-la. Trump respektieren wir. La-la-la-la-la-la.“ So in etwa kann man zu ihm sagen: „La-la-la-la-la-la. Dort sind alle seltenen Erden bei Kramatorsk, sie sind alle wunderbar. La-la-la, la-la-la. Dort werden die Amerikaner sie fördern. Wir geben sie nicht an Putin. Und alle tanzen. Und Macron, und Zelensky, bam-bam-bam.“ So irgendwie.

Man darf diesen Menschen nicht als adäquaten Menschen wahrnehmen. Die wichtigste Aufgabe im Umgang mit Trump lautet: Um Himmels willen, nehmt ihn nicht als adäquaten Menschen wahr. Der adäquate Trump ist schon lange von uns gegangen und wird nicht zurückkehren, wenn es ihn überhaupt jemals gegeben hat. Ironie hin oder her, aber das ist tatsächlich die Aufgabe, die gelöst werden muss, wenn wir unsere eigenen Positionen halten und eine Destabilisierung der Lage im Land verhindern wollen. Das ist im Grunde Aufgabe Nummer eins für Zelensky und unsere europäischen Verbündeten. Man muss auch als Axiom begreifen:

Russland wird keinem Friedensplan zustimmen, weil Russland an einem jahrelangen Krieg interessiert ist, der am Ende zur Vernichtung der Ukraine führt. Und der einzige Ausweg aus diesem Krieg ist nicht ein Friedensabkommen mit Russland, sondern die Zerstörung seiner Wirtschaft und seiner Demografie, die Vernichtung des Aggressors in einem Ausmaß, dass er von seinen geliebten Knien für mindestens 30 Jahre nicht mehr vom Boden hochbekommt. Danach wird es einfach eine Provinz der Volksrepublik China, mit der wir eine wunderbare Grenze haben werden. Dort eine rote Flagge, bei uns keine rote Flagge.

Kurz gesagt: Das ist Aufgabe Nummer eins. Andere Aufgaben gibt es nicht. Es gibt keine Aufgabe „Beendigung des Krieges“, weil der Krieg ohne Russland nicht beendet werden kann – und Russland hat nicht die Absicht, ihn zu beenden. Sie sehen es ja an all den russischen Verlautbarungen. Und es ist sehr gefährlich, wenn die ukrainische Gesellschaft erneut in der gefährlichen Illusion eines schnellen Kriegsendes lebt. Auf die Ukrainer werden Drohnen und Raketen fliegen, sie werden in den Trümmern ihrer Städte sterben und denken: „Das ist nur, weil Zelensky den Trump-Plan nicht unterschrieben hat. Natürlich müssen wir jemanden finden, der unterschreibt.“ Es gibt keinen Plan, es gibt keine solche Chance, aber es gibt immer eine reale Chance, Russland energetisch und wirtschaftlich ausbluten zu lassen, sodass es ohne Geld dasteht. Je schneller das geschieht, desto schneller endet der Krieg. Das ist es, was ich immer versuche zu erklären.

Und in dieser Situation, während wir darauf warten, wissen wir nicht, wie lange wir Trump als unseren Verbündeten am Kragen halten müssen. Ich habe schon erklärt, wie – alle Liedchen habe ich heute vorgesungen. Danke, Freunde, dass ihr diese Analyse des heutigen Tages angehört habt. Gebt ein „Gefällt mir“, kommentiert, schreibt Gedichte über Trump, die Zelensky ihm in Mar-a-Lago vorlesen kann. In jeder beliebigen Sprache, Trump ist das egal, Hauptsache, das Wort „Trump“ kommt vor. Sucht Reime auf das Wort „Trump“. Schöne.

Und jetzt beantworte ich Fragen, die während dieser Sendung eingegangen sind.

Frage. Kann die Ukraine später ihre Zustimmung zum sogenannten Trump-Plan zurückziehen?

Portnikov. Das ist übrigens eine sehr gute Frage. Stellen wir uns vor, wir haben diesen Plan unterschrieben, und die Russen haben ihn nicht unterschrieben. Ist unsere Unterschrift eine Konstante? Oder sagen wir doch: „Nun, vielleicht müssen wir einen neuen Plan gemeinsam mit Trump ausarbeiten, damit die Russen ihn unterzeichnen. Diesen Plan haben die Russen abgelehnt, also vergessen wir dieses Abkommen.“ Ich muss Ihnen sagen, dass man gar nichts zurückziehen muss. Ich erinnere Sie an das wunderbare Abkommen über seltene Erden. Erinnern Sie sich? Es bedeutet exakt gar nichts – null. Und nicht nur, weil wir nicht wissen, was es in Wirklichkeit in den ukrainischen Bodenschätzen gibt und worum es in diesem Abkommen ging, sondern auch, weil Trump dieses Abkommen längst vergessen hat, obwohl niemand irgendetwas zurückgezogen hat. Er hat es einfach vergessen. Er erwähnt es überhaupt nicht mehr, weil er es nur brauchte, um eine mögliche Hilfe für die Ukraine zu rechtfertigen, die es nicht gibt. Da haben Sie die Antwort.

Frage. Glauben Sie, dass Donald Trump wirklich ehrlich daran glaubt, dass er all diese Kriege beendet hat, oder ist das nur politische Rhetorik zur Schaffung eines Friedensstifter-Images?

Portnikov. Wissen Sie, ich würde Ihnen gern sagen, dass das politische Rhetorik zur Schaffung eines Friedensstifter-Images ist. Aber dann wäre ich ein Mensch, der an die Kraft politischer Analyse glaubt – und ich glaube an die Kraft der Medizin. Und ich möchte Sie davon überzeugen, dass Donald Trump aufrichtig daran glaubt, dass er all diese Kriege beendet hat. Donald Trump ist überhaupt ein Mensch, der aufrichtig an das glaubt, was er im jeweiligen Moment sagt, auch wenn er eine halbe Stunde später das Gegenteil behaupten kann. Und deshalb sollten ihn nicht politische Analytiker analysieren, sondern Menschen mit einer völlig anderen Spezialisierung. Andererseits wirkt dieser aufrichtige Glaube an das, was er im Moment sagt, obwohl er eine halbe Stunde später das Gegenteil sagen kann, sehr überzeugend auf Menschen, die in der Bewusstseinswelt einer religiösen Sekte leben und für die das völlig normal ist. Schauen Sie sich bitte die Zeichentrickserie „South Park“ an, damit Sie verstehen, wie das aussieht. Die Folge, in der die Helden der Serie mit einem Mormonenjungen zur Schule gehen und diesen wunderbaren Mormonenjungen fragen, wie denn der Mann, der diese Religion geschaffen hat, Herr Smith, überprüft hat, dass ihm diese neue Fassung des Wortes Gottes, das Buch Mormon, tatsächlich vom Herrn selbst diktiert wurde. Der Mann, der im Grunde die Mormonenkirche in den Vereinigten Staaten gegründet hat, schrieb dies auf nach den Offenbarungen von Herrn Smith, der behauptete, Gott diktiere es ihm. Und man sagte zu ihm: „Verbrenne dieses Buch, sag ihm, dass es verbrannt wurde, und lass es dir noch einmal diktieren. Dann vergleichen wir die Texte, und wenn sie sich unterscheiden, heißt das, er diktiert aus sich selbst heraus.“ Er ging zu Smith, sagte ihm, dass das Buch vernichtet sei. Smith wurde wütend und sagte, Gott habe sich zornig darüber gezeigt, dass sie eine so wunderbare Offenbarung verbrannt oder verloren hätten, und er werde ihm nun einen völlig neuen Text diktieren. „Und so“, sagte der Mormonenjunge, „erkannten wir, dass es eine göttliche Offenbarung war.“ 

Wenn Sie Präsident in einem Land sind, in dem eine enorme Zahl von Bürgern die Britischen Inseln verlassen hat, gerade weil sie aus unkritischen religiösen Sekten stammten und auf den Inseln keinen Platz hatten, und sich später zu ihnen Verfolgte und Notleidende aus aller Welt gesellten, dann müssen Sie verstehen, dass bei einem großen Teil der Amerikaner von vornherein und durch die familiäre Erziehung das kritische Denken fehlt. Sonst würden sie nicht zu protestantischen, kleinen, man kann sagen abgeschotteten religiösen Gemeinschaften laufen, in denen alles seit Jahrhunderten auf dem Fehlen kritischen Denkens beruht. Das ist ein wunderbarer Nährboden für die Tätigkeit solcher großartigen Menschen wie Trump. Obwohl Trump, wie Sie wissen, nicht sehr religiös wirkt.

Frage. Haben Sie bemerkt, dass vor dem Hintergrund dieser bescheuerten Friedenspläne im Westen niemand mehr die bestialischen Beschüsse Putins kommentiert? Ist das Kriegsmüdigkeit? Oder die Angst, Putin zu verschrecken und dem Zustandekommen des Friedensplans im Wege zu stehen?

Portnikov. Natürlich ist es in erster Linie die Unwilligkeit, Putin irgendwie zu verärgern. Denn wenn man Putin ständig als Kriegsverbrecher bezeichnet, kann er beleidigt sein und nicht mehr mit dem wunderbaren Jungen Donnie befreundet sein, ihm keine kleinen Spielzeuge schenken und ihm keine 100 Milliarden Dollar versprechen, von denen Donnie zusammen mit Witkoff und Kushner wunderbare Profite erhält. Wie kann man so einen wunderbaren Menschen beleidigen? Witkoff hat ja schon gesagt, dass Putin ein großartiger Mensch ist und er ihm glaubt. Was brauchen Sie noch? 

Und natürlich gibt es auch Kriegsmüdigkeit. Wenn Sie sagen, dass man im Westen nicht kommentiert, dann müssen Sie verstehen: Westliche Medien und westliche Politiker sind so eingerichtet, dass sie über das sprechen, was für ihr Publikum wichtig ist. Wenn sie sehen, dass das Publikum auf bestimmte Themen nicht mehr reagiert, sprechen sie weniger darüber. Aber wie Sie sehen, hat der Trump-Plan die Ukraine wieder in die Informationslandschaft der Vereinigten Staaten zurückgeholt, weil nur der Faule sich nicht gegen diesen Plan geäußert hat – sowohl im republikanischen als auch im demokratischen politischen Establishment. Hier muss man zu Trump sagen: „Danke dafür. Danke, danke, Donald, danke, danke.“ Wie oft muss man es sagen? Danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke, danke. Zehn Mal, zehn. Schreiben Sie es auf. Ich habe zwölf Mal gedankt.

Frage. Wie kann Russland einen dritten Weltkrieg beginnen, wenn es nicht mit der Ukraine fertig wird? Die Ressourcen müssten doch um ein Vielfaches größer sein.

Portnikov. Das ist nicht ganz so. Russland kann die Ukraine auf dem Weg eines normalen Krieges nicht besiegen. Aber der Dritte Weltkrieg kann ausgelöst werden, ohne Panzer, Infanterie und Flugzeuge. Erstens mit Hilfe einer Armee von Drohnen, die wir bereits im Luftraum europäischer Länder gesehen haben, und zweitens durch den Einsatz von Atomwaffen, worüber Menschen aus Putins politologischer Umgebung mehrfach gesprochen haben – zum Beispiel der Politologe Sergej Karaganow, der schon mehrmals gesagt hat, man müsse eine Atombombe auf Europa werfen.

Übrigens bin ich der Meinung, dass, wenn Karaganow das sagt, es bedeutet, dass im Kreml und im russischen Generalstab ernsthaft darüber gesprochen wird, als realistische Option. Was ist damit gemeint? Warum will Putin die Ukraine mit Bodentruppen besetzen? Weil er glaubt, dass es sich um russisches Territorium handelt, das dem Besitzer zurückgegeben werden muss. Deshalb geht es hier nicht nur um Drohnen und Raketen, sondern auch um Truppen. Europa wird niemand besetzen. Europa ist in dieser Situation für Putin nicht als besetztes Gebiet interessant. Europa wird eingeschüchtert und zerstört werden. Wenn Sie also sagen, Russland habe nicht genug Ressourcen, nicht genug Menschen, nicht genug Militärs, nicht genug Waffentechnik – aber Atomwaffen, um sie auf Warschau oder Budapest zu werfen – nun, Budapest vielleicht nicht –, sagen wir auf Berlin, davon gibt es genug.

Das ist der Dritte Weltkrieg. Der Dritte Weltkrieg ist nicht das, was Sie im russisch-ukrainischen Krieg sehen. Das ist immer noch ein lokaler Konflikt, verzeihen Sie, wenn man das Territorium und die Tatsache berücksichtigt, dass sich die Frontlinie seit 2023 nicht verschiebt. Aber der Dritte Weltkrieg wird ein Krieg ohne direkten Kontakt der Truppen sein. Das kann ein Schlagabtausch mit taktischen Atomwaffen gegen militärische Ziele des Gegners in Europa sein. Und wenn die Amerikaner entscheiden, dass das zu viel ist, ein Austausch strategischer Atomschläge zwischen den Vereinigten Staaten und Russland mit dem Ziel, Moskau, Washington, New York und Petersburg zu vernichten. Moskau und Petersburg tauchen im Witkoff-Plan auf.

Wo liegt hier das Problem? Warum sollte man das nicht tun können, ich kann es nicht verstehen. Haben Sie etwa nicht bemerkt, dass Atomwaffen aufgehört haben, Abschreckungswaffen zu sein und zu Erpressungswaffen geworden sind? Das ist Ihr Weg in den Dritten Weltkrieg. Welche Ressourcen? Wovon sprechen Sie? Welche Ressourcen braucht man, um zehn Flugzeuge zu starten, die wir alle drei Tage in unserem Himmel sehen, nur dass sie dann mit Nuklearladungen bestückt sind und Europa erreichen, nicht die Ukraine. Das sind alles potenzielle Träger von Atomwaffen. Wo ist das Problem? Was fehlt da? Sie sehen den Dritten Weltkrieg wie den Zweiten, als würde die russische Armee mit breiter Front auf Europa vorrücken. Nein, so wird es heute nicht sein. Europa wird zugrunde gehen, ohne je mit einem russischen Soldaten zusammenzutreffen.

Und nun stellt sich die Frage: Wozu braucht er dann die Ukraine? Erstens, damit ein größeres Territorium von Russland kontrolliert wird, und zweitens, damit diese Raketen aus Uschhorod und nicht aus Brjansk gestartet werden können.

Gerade eben hat der Präsident der Vereinigten Staaten einen Tweet abgesetzt, den ich während dieser Sendung vorlesen möchte und der im Prinzip die Frage beantwortet, wie Trump aus dieser Situation herauszukommen gedenkt:

„In der vergangenen Woche haben mein Team und ich bedeutende Fortschritte bei der Frage der Beendigung des Krieges zwischen Russland und der Ukraine erzielt – eines Krieges, der niemals begonnen hätte, wenn ich Präsident gewesen wäre. Übrigens: Wenn ich Präsident gewesen wäre, hätte auch dieser Krieg niemals begonnen. Ich möchte, dass Sie das wissen. Im vergangenen Monat wurden 25.000 Soldaten getötet. Der ursprüngliche 28-Punkte-Friedensplan, der von den Vereinigten Staaten ausgearbeitet wurde, wurde unter Berücksichtigung zusätzlicher Vorschläge beider Seiten überarbeitet. Und jetzt bleiben nur noch einige wenige Punkte, bei denen es Meinungsverschiedenheiten gibt. Zum Zweck der endgültigen Abstimmung dieses Friedensplans habe ich meinen Sondergesandten Steve Witkoff beauftragt, sich in Moskau mit Präsident Putin zu treffen, und Armee-Minister Dan Driscoll wird sich mit der ukrainischen Seite treffen. Ich, Vizepräsident J. D. Vance, Außenminister Marco Rubio, Kriegsminister Pete Hegseth und der Leiter der Verwaltung des Weißen Hauses, Suvas, werden über alle Fortschritte informiert. Ich hoffe auf ein baldiges Treffen mit Präsident Zelensky und Präsident Putin, aber nur dann, wenn die Vereinbarung über die Beendigung dieses Krieges endgültig ist oder sich in der Endphase befindet. Danke für Ihre Aufmerksamkeit für diese sehr wichtige Frage und lassen Sie uns alle hoffen, dass der Frieden so schnell wie möglich erreicht wird.“

Sie verstehen, Freunde, dass wir unser Gespräch im Prinzip mit diesem Tweet des Präsidenten Trump hätten beginnen müssen, weil er vieles klärt. Aber er ist genau während unserer Sendung erschienen. Und im Prinzip bin ich sogar zufrieden, dass wir jetzt gemeinsam real einschätzen können, was Trump zu tun gedenkt. Er schickt Witkoff nach Moskau und Driscoll nach Kyiv, um den endgültigen Plan abzustimmen. Das ist im Wesentlichen klassische Shuttle-Diplomatie. Und er beabsichtigt, sich nicht nur mit Zelensky, sondern auch mit Putin zu treffen, wenn alle Punkte des Plans abgestimmt sind und der Plan von beiden Präsidenten unterschrieben ist, also angenommen, und nicht nur von Zelensky. Das ist eine völlige Veränderung des Ansatzes. Und sie ist logisch und richtig, denn man kann den Krieg nur beenden, wenn Zelensky und Putin damit einverstanden sind, nicht Zelensky und Trump. Die einzige Frage, die außerhalb unseres heutigen Analyse-Rahmens bleibt, lautet: Wen wird Trump im Falle des Scheiterns dieses Plans verantwortlich machen – Zelensky oder Putin, oder beide – und welche Entscheidungen wird er treffen, wenn ihm klar wird, dass dieser Plan nicht umgesetzt werden kann.

Aber man muss Trump das Seine lassen: Jetzt geht er in eine sehr entschlossene, sehr riskante und sehr ernsthafte diplomatische Offensive – auch gegenüber Moskau. Und wünschen wir ihm Erfolg bei der Offensive auf Moskau.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: З чим Зеленський летить до Трампа | Віталій Портников. 25.11.2025.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 25.11.2025.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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