Heute fanden in Oslo Verhandlungen statt, bei denen der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky gemeinsam mit dem norwegischen Ministerpräsidenten Jonas Gahr Støre und dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, sprach. Trumps Schwiegersohn Jared Kushner, der einigen Berichten zufolge derzeit an Grippe erkrankt ist, nahm telefonisch an diesem Gespräch teil.
Morgen wird Steve Witkoff in Sankt Petersburg mit dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, zusammentreffen, um ihm die abgestimmte Position der Vereinigten Staaten, der Ukraine und der europäischen Länder hinsichtlich eines möglichen Friedens in der Ukraine zu übermitteln.
Nach den Verhandlungen mit Witkoff trat Zelensky auf einer Pressekonferenz auf, auf der er sagte, dass die Versorgung der Ukraine mit Geheimdienstinformationen sowie die Geschwindigkeit von Starlink bereits wiederhergestellt seien. Er dankte der amerikanischen Seite dafür. Er betonte, dass Witkoff und, wie wir annehmen können, auch Kushner der Ukraine während der Verhandlungen in Oslo Sicherheitsgarantien angeboten hätten, die in ihrer Wirksamkeit mit Artikel 5 des NATO-Vertrags vergleichbar seien. Mir war das nie verständlich, weil ich nicht verstanden habe, warum Putin, der einem NATO-Beitritt der Ukraine gerade deshalb nicht zustimmt, damit Artikel 5 nicht zur Anwendung kommt, einer gesonderten Anwendung ähnlicher Garantien für die Ukraine zustimmen sollte. Aber das ist ein anderes Thema.
Wie dem auch sei, diese Konsultationen zwischen dem ukrainischen Präsidenten und dem amerikanischen Vermittler haben stattgefunden. Und wie man verstehen kann, soll Witkoff dem russischen Präsidenten dieselben Vorschläge unterbreiten, wenn sie sich morgen in Sankt Petersburg treffen.
Trump gibt unterdessen keine Ruhe. Als ich unser heutiges Gespräch plante, wollte ich gerade über diese Ergebnisse der Verhandlungen sprechen und darüber, dass sich die Situation, die sich nach dem bekannten Telefongespräch zwischen dem amerikanischen und dem russischen Präsidenten und dem sogenannten Dieselgeschäft zwischen Donald Trump und Putin zugespitzt hatte, jetzt etwas verbessert hat. Aber wir sehen, dass Trump gerade im Oval Office spricht, und diese Rede wiederholt ihrem Inhalt nach im Grunde genau das, was er 2025 gesagt hat, als er versuchte, den ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky davon zu überzeugen, den von Präsident Putin gestellten Kapitulationsbedingungen zuzustimmen. Genau dasselbe.
„Die Russen bewegten sich auf einer betonierten Autobahn mit 1.000 Panzern. Sie wären innerhalb von vier Stunden in der Ukraine gewesen, wenn sie mit der Höchstgeschwindigkeit der Panzer gefahren wären. Nichts hätte sie aufhalten können. Der Krieg wäre an einem einzigen Tag beendet gewesen. Aber dieser dumme General beschloss, nach rechts auf landwirtschaftliche Flächen abzubiegen und dann nach links in Richtung Kyiv zu fahren. Statt auf der Autobahn zu bleiben.“ Wer hat sich das für ihn ausgedacht? Warum erfindet er das ständig?
„Wir haben der Ukraine sehr viel Hilfe geleistet und dafür nichts bekommen außer Leid, Tod und kolossalen finanziellen Ausgaben. Die Ukraine sollte eine Vereinbarung anstreben, denn die USA haben dafür ein Vermögen ausgegeben, Europa hat ein Vermögen ausgegeben, Europa ist dessen bereits müde. Wenn sie keine Vereinbarung schließen, wird die Situation meiner Meinung nach letztlich viel schlimmer werden.“
Trump rechtfertigt Putin offen. „Einige Menschen leiden in einer Stadt, die von einem russischen Angriff getroffen wurde, oder so etwas, aber größtenteils sterben Soldaten.“ Im Grunde sehen wir, dass sich Trumps prorussische und völlig unrealistische Rhetorik nicht verändert. Aber Trump glaubt wahrscheinlich, dass er auf diese Weise Druck auf Zelensky ausübt, damit Zelensky gerade die russischen Friedensbedingungen akzeptiert, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt.
Und es entsteht der Eindruck, dass selbst in der Trump-Regierung bereits erkannt wird, wie gefährlich das für die Republikaner ist und wie sehr es ihre Positionen untergräbt. Deshalb sprach der amerikanische Außenminister Marco Rubio heute mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky und gab anschließend ein Interview, in dem er betonte: „Alles, was das Verteidigungsministerium in Bezug auf die Ukraine getan hat, hat sich nicht verändert, es bleibt unverändert. PURL, das Programm, bei dem Waffen an die Europäer verkauft werden und diese sie an die Ukraine weitergeben, bleibt unverändert. Der Austausch von Geheimdienstinformationen bleibt bestehen. Trump hat eindeutig erklärt, dass er keinerlei Anordnungen erteilt hat, diese Hilfe einzustellen. Nichts hat sich verändert, überhaupt nichts. Ich sehe Berichte über Veränderungen, aber das entspricht nicht der Wirklichkeit, das ist nicht wahr.“
Da haben Sie es. Eine ziemlich einfache Geschichte. „Der Ukraine wird nichts absichtlich vorenthalten. Wenn es um Patriots geht, handelt es sich einfach um eine Abwägung zwischen den Verpflichtungen gegenüber unseren Partnern und, offen gesagt, unseren eigenen Standards und Anforderungen an die Bestände.“ Und all das sagt Rubio. Während Trump erneut betont, wie es seiner Meinung nach sein sollte.
Was geschieht tatsächlich aus der Sicht der ukrainischen Position? Im Grunde befindet sich Trump in einer politischen Umklammerung. Er nähert sich den Zwischenwahlen. Und mit jedem neuen Tag sinken die Umfragewerte der Republikaner, während die der Demokraten steigen. Dabei geht es bereits nicht mehr nur um das Repräsentantenhaus, sondern auch um den Senat. Trump versteht sehr gut, dass Untersuchungen seiner Tätigkeit für ihn, seine Familienmitglieder und sein engstes Umfeld katastrophal sein könnten. Gerade deshalb können Menschen wie Rubio oder Vance, die wissen, dass sie davon nicht betroffen sein werden, es sich leisten, von Trumps Linie abzuweichen und den amerikanischen Präsidenten schon heute beinahe in seinem eigenen Schmutz zu ertränken. Stellen wir uns vor, wie sie sich morgen verhalten werden.
Trump muss etwas unternehmen. Sie könnten fragen: Was? Das ist eine gute Frage. Nun, er würde gerne die Kraftstoffpreise senken und demonstrieren, dass er ein Friedensstifter ist.
Im Nahen Osten wird das alles nicht gelingen. Dort lohnt es sich derzeit überhaupt nicht, über irgendetwas nachzudenken, zumal auch in Israel selbst jetzt, würde ich sagen, richtungsweisende Parlamentswahlen anstehen. Und Trump könnte noch befürchten, dass er Benjamin Netanjahu als Partner verliert und der nächste israelische Ministerpräsident bestimmte Bedrohungen völlig anders beurteilen könnte.
Also muss zumindest der Krieg gegen die Ukraine beendet werden. Das würde wiederum ermöglichen, die Sanktionen gegen die Russische Föderation aufzuheben, ihr Öl und ihre Erdölprodukte auf den legalen Markt zu bringen und damit die Belastung zu verringern, unter der dieser Markt aufgrund der faktischen Kontrolle Irans über die Straße von Hormus steht. Und dabei wird es sich, wie Sie verstehen, nicht mehr um die 300.000 Tonnen Kraftstoff handeln, über die Putin sich kürzlich mit Trump geeinigt hat.
Auf wen kann Donald Trump in dieser Situation Druck ausüben? Wirkliche Möglichkeiten, Druck auf Russland auszuüben, die Russland zur Beendigung des Krieges zwingen würden, hat der Präsident der Vereinigten Staaten nicht besonders viele, wie ich seit den Wahlen von 2024 immer wieder gesagt habe. Wenn wir die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation sowie ihre Energie- und militärisch-industrielle Infrastruktur zerstören, üben wir auf Russland tatsächlich einen viel größeren Einfluss aus als alle amerikanischen Sanktionen zusammengenommen. Denn Russland pfeift auf diese Sanktionen, solange es sein Öl und Gas nach China und Indien verkaufen kann. Wenn wir aber ihre Häfen bombardieren und sie kein Öl mehr exportieren können, wenn sie ihre Bohrlöcher stilllegen müssen, wenn sie ihre Ölraffinerien lange reparieren müssen, dann ist das tatsächlich ein Problem.
Wer bleibt also in dieser Situation übrig, auf den Trump Druck ausüben kann? Die Ukraine. Trumps gesamte Rhetorik richtet sich an uns. „Los, kapituliert.“ Aber hier müsste man eine andere Frage stellen: Wie sehr brauchen der Präsident der Russischen Föderation, der russische Staat, die russische Armee und auch das russische Volk unsere Kapitulation? Ich werde nicht müde, immer wieder daran zu erinnern, dass wir nicht zwischen Widerstand und Kapitulation wählen, sondern zwischen Widerstand und Vernichtung. Vernichtung ist keine Kapitulation. Sie bedeutet Vertreibung und Tod. Mögen die Scharen russischer Bots und ukrainischer nützlicher Idioten, von denen es auf ukrainischem Boden schon immer reichlich gab, versuchen, Sie von etwas anderem zu überzeugen. Aber Sie müssen sich das für Ihr ganzes Leben merken.
Die Situation ist also die, dass Trump zur Kapitulation der Ukraine bereit ist, nicht aber zu ihrer Vernichtung, denn diese würde ihm keinerlei Vorteile bringen. Was bedeutet die Kapitulation der Ukraine aus Trumps Sicht? Die Übergabe der Kontrolle über die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja sowie die Krim an Russland und die Anerkennung dieser Kontrolle. Die Anerkennung der russischen Souveränität über die Krim durch die Vereinigten Staaten. Trump scheut sich nicht, das zu sagen. Er sagt: „Putin wird dort einen gewissen Teil des Eigentums bekommen, das er erobert hat.“
Dazu gehört ein neutraler Status der Ukraine. Sowohl Trump als auch sein Vizepräsident JD Vance, der sich anscheinend bereits darauf vorbereitet, Trumps Platz sogar ohne Wahlen einzunehmen, sagen, dass sie nicht sicher seien, ob die Ukraine NATO-Mitglied sein sollte. Obwohl wiederum aus Sicht der formalen Logik völlig unverständlich ist, von welchen Garantien auf dem Niveau von Artikel 5 hier überhaupt noch die Rede sein kann.
Es geht um Neutralität, um die russische Sprache und die russische Kirche und um russischen Einfluss in der Ukraine. Selbst trotz dieses grausamen Krieges glaubt Trump, Zelensky müsse eine solche Kapitulation akzeptieren und die Ukrainer müssten ihr zustimmen, unter der Drohung, dass die amerikanische Unterstützung endgültig eingestellt wird.
Wir können darüber sprechen, dass ein solcher Zustand für die Ukrainer unangemessen und inakzeptabel wäre. Aber jetzt geht es nicht um die Ukrainer, die für Trump in dieser Geschichte keine eigenständigen Akteure sind. Es geht um den Menschen, den er als Akteur betrachtet. Das ist Putin. Und nun stellt sich die Frage: Braucht Putin die ukrainische Kapitulation? Nein. Putin braucht die Vernichtung der Ukraine.
Denn diese langjährigen Bemühungen dauern, wie ich Sie erinnern möchte, nicht einmal nur viereinhalb Jahre, sondern zwölf Jahre. Und nicht einmal zwölf Jahre, sondern 26 Jahre von Putins Herrschaft. Denn Putin begann buchstäblich vom ersten Tag seiner Amtszeit als Präsident der Russischen Föderation an, sich mit der Vernichtung der Ukraine zu beschäftigen.
Erinnern Sie sich: Koltschuga, Tusla, der Maidan von 2004 und der Versuch, Janukowytsch auf den Präsidentensessel zu setzen. Die Revanche von 2010. Das Jahr 2013. Die Absage an die europäische Assoziierung. Die Annexion der Krim 2014. Der Krieg im Donbas. Die Diskreditierung der Regierung nach dem Maidan und die direkte Beteiligung Putins und Russlands am politischen Prozess von 2019, als sie alles Mögliche unternahmen, um eine Revanche zu erreichen, und verloren. Das alles war Putin während dieser 26 Jahre.
Die Umgehungsgaspipelines, deren Bau Putin Alexej Miller buchstäblich vom ersten Tag an auftrug, als dieser Vorstandsvorsitzender von Gazprom wurde. Nord Stream 1, Turkish Stream, Nord Stream 2 – das alles diente der Eroberung der Ukraine. Denn diese Gaspipelines sollten Russland niemals Gewinne bringen. Sie wurden gerade dafür gebraucht, um sich später rücksichtslos in ukrainische Angelegenheiten einzumischen und der Ukraine den Verzicht auf ihre Staatlichkeit zu diktieren.
Und nun sagt man Putin nach 26 Jahren solcher Bemühungen und Niederlagen, sowohl 2004 als auch 2014 und im Grunde auch 2019: „Gut. Nimm dir die Gebiete Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zusammen mit der Krim und verschwinde wieder in deine Höhle.“
Nun, das ist eine Beleidigung, das ist einfach eine Verhöhnung durch einen alten Mann aus Washington. Der obendrein bereits seinen Einfluss verliert und in zwei Jahren nicht mehr Präsident der Vereinigten Staaten sein wird. Auf wen hören wir da? Was will er überhaupt?
Deshalb glaube ich, dass Zelensky all diesem Unsinn gegenüber Respekt gezeigt hat. Er hörte Witkoff zu. Er sagte, dass die Ukraine bereit sei, ihre Angriffe auf die Energieinfrastruktur der Russischen Föderation einzustellen, falls Russland aufhöre, die Energieinfrastruktur der Ukraine anzugreifen. Kommt Ihnen das nicht bekannt vor?
Morgen wird Witkoff zu Putin reisen, sich mit ihm in Sankt Petersburg treffen, und Putin wird diesen Plänen der amerikanischen Regierung erneut nicht zustimmen. Was wird dann tatsächlich geschehen? Wie wird Trump sich verhalten? Wie werden sich die Vereinigten Staaten verhalten? Nun, das ist eine gute Frage.
Mir scheint, die wichtigste Frage ist nicht, ob es Witkoff gelingen wird, mit Putin Frieden zu vereinbaren. Ich glaube, diese Idee muss man sich als Hirngespinst aus dem Kopf schlagen, denn Putin will keinen Frieden. Mir scheint, man sollte auch nicht darüber diskutieren, ob Witkoff mit Putin über die Kapitulation der Ukraine sprechen kann. Auch diese Idee muss man als Hirngespinst verwerfen. Nicht einmal deshalb, weil wir heute eine solche Kapitulation nicht wollen, sondern weil der Präsident der Russischen Föderation, sein Volk und seine Armee sie nicht brauchen.
Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, zu verstehen, wie Trump handeln wird, wenn Putin ihn erneut zum Teufel schickt. Das ist das Interessanteste. Und Trump hat sich mit seinem Druck auf die Ukraine bereits richtig in Fahrt gebracht. Wird er diesen Druck einstellen? Wird er aufhören, all den erstaunlichen Unsinn zu erzählen, den er erzählt? Oder wird er weitermachen? Das ist das Interessanteste, was man in dieser Situation verstehen muss.
Denn Witkoff trifft sich mit Putin, und Putin sagt: „Nein, das ist für uns inakzeptabel.“ Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, hat bereits gesagt, dass Russland keinerlei Zugeständnisse machen werde. Keine. Sie sind absolut davon überzeugt, dass sie die Vernichtung der Ukraine erreichen und unser Territorium in ein Gebiet verwandeln werden, das für unser Leben ungeeignet, aber für das Leben russischer Siedler geeignet ist, die bereits ihre Koffer packen.
Das ist die Frage: Was geschieht danach? Denn wenn Zelensky Trump zustimmt, dass es Friedensbedingungen gibt, dass die Amerikaner diese vorschlagen und wir sie akzeptieren, dass wir zu diesem, jenem und noch anderem bereit sind, während die Russen zu überhaupt nichts bereit sind – was macht Trump dann?
Wenn er sieht, dass Putin ihn vor dem 3. November erneut durch den Dreck gezogen hat. Ihn gründlich durch den Dreck gezogen hat. Wird er dann einsehen, dass er der Ukraine doch die Patriots geben muss, die Pete Hegseth derzeit vor uns zurückhält? Natürlich nicht aus eigenem Antrieb. Wir verstehen, dass Hegseth in seinem Leben keinerlei selbstständige Entscheidungen trifft, dass das alles Trump ist.
Oder werden wir vielleicht Tomahawks bekommen? Oder wird man uns vielleicht dabei helfen, die russische Energiewirtschaft und Wirtschaft so gründlich zu zerstören, dass von ihr nichts mehr übrig bleibt, wenn Putin Trump schon auslacht? Oder wird Trump weiter auf Putin hoffen? Welchen Sinn hätte es noch, auf ihn zu hoffen?
Man muss verstehen, dass Trump nach dem 3. November, selbst bevor der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, nicht mehr viel Zeit dafür haben wird, Putin zu helfen. Selbst der dann noch amtierende Kongress, der sogenannte Lame-Duck-Kongress, in der Zeit von November 2026 bis Januar 2027, könnte sich bereits gegen Trump stellen.
Denn dort werden Republikaner sitzen, die verstehen, dass er ihnen nur Probleme bereitet, und die nicht wieder in den Kongress gewählt wurden. Wenn sie den Kongress verlassen müssen, werden sie wissen, dass sie nicht mehr von Trump abhängig sind. Sie können Gesetzentwürfe verabschieden, die im Grunde allen Absichten des amerikanischen Präsidenten widersprechen, auch denen im Zusammenhang mit den russisch-amerikanischen Beziehungen.
Einige Republikaner im Repräsentantenhaus verbergen ihre kämpferische Haltung nicht. Das ist, wie Sie verstehen, der interessanteste Punkt. Was wird geschehen, nachdem Putin erneut sämtliche Vorschläge Trumps zurückgewiesen hat? Das interessiert mich mehr.
Aus logischer Sicht müsste Putin Trump zumindest für eine gewisse Zeit etwas geben, das Trump als seinen Erfolg präsentieren könnte. Nun, beispielsweise könnte es um einen Energiewaffenstillstand gehen. Was verliert Putin im Grunde durch einen Energiewaffenstillstand? Eigentlich verliert er nichts, wenn man es genau betrachtet.
Nun, dann greift er drei oder vier Wochen lang die ukrainische Energieinfrastruktur nicht an. Aber auch die Ukraine wird seine Energieanlagen nicht angreifen und ihm dadurch ermöglichen, die Reparaturen zu beschleunigen und die Menge des exportierten Kraftstoffs zu erhöhen, der für die Fortsetzung des Krieges auch in den kommenden Jahren gebraucht wird. Und Trump wird als Friedensstifter dastehen.
Nach dem 3. November, nach dem 10., gut, kann man das alles wieder aufnehmen und die Ukraine beschuldigen, den Energiewaffenstillstand gebrochen zu haben. Putin beherrscht das alles.
Die Frage ist, wie weit er zu all dem bereit sein wird. Denn es gibt die Logik der Politik, und es gibt die Logik von Putins Verhalten. Er könnte der Ansicht sein, dass er Trump bereits einmal ausgenutzt hat und ihn nicht mehr braucht. Und deshalb könnte er die Gefühle seines amerikanischen Kollegen völlig ignorieren.
Und er wird nichts tun, was zeigen würde, dass Trump in dieser Angelegenheit wenigstens irgendeinen Erfolg erzielen konnte. Er wird weder als Friedensstifter dastehen, noch werden die Kraftstoffpreise sinken. Und es wird ihm schwerfallen, Zelensky die Schuld zu geben, der allen amerikanischen Vorschlägen zustimmen wird, statt Putin, der keinem dieser amerikanischen Vorschläge zustimmen wird.
Nun, im Grunde muss man sagen, dass die Teilnehmer dieser Pressekonferenz mit Zelensky, wie Sie verstehen, sehr vorsichtig waren. Der finnische Präsident sagte: „Nun ja, wir haben bestimmte Rahmenbedingungen für einen Frieden besprochen, wir werden sehr vorsichtig sein.“
Und dass Witkoff, genau das ist es, wovon ich spreche, „Putin einen Plan für einen teilweisen Waffenstillstand vorschlagen wird, der den Schutz der Energie- und Nahrungsmittelinfrastruktur vorsieht“. Also etwas, dem Putin bereits mehrfach nicht zugestimmt hat.
Ich erinnere Sie daran, dass er die Idee eines Energiewaffenstillstands als absurd bezeichnet hat. Nun stellt sich auch die Frage, inwieweit ihm diese Idee jetzt nicht mehr absurd erscheinen wird. Das ist doch die wichtigste Frage.
Jedenfalls sagt der finnische Präsident, dass die Verhandlungen zwischen Zelensky und Trumps Gesandten gut und konstruktiv gewesen seien. Niemand will sich also mit dem amerikanischen Präsidenten streiten. Alle sprechen von Fortschritten.
Übrigens könnte gerade jetzt noch ein weiteres Treffen stattfinden. Ein Treffen von Vertretern der Ukraine, Norwegens und Finnlands mit den nationalen Sicherheitsberatern der Europäischen Union, der NATO, Großbritanniens, Deutschlands und Italiens.
Das heißt, auf unserer Ebene, sagen wir, auf der Ebene der Ukraine und des Westens, gibt es Fortschritte. Auf russischer Ebene bleibt alles beim Alten. „Wir sind bereit, Ihnen zuzuhören, aber wir haben nicht die Absicht, politische Zugeständnisse zu machen“, sagt Lawrow.
Wie soll ein solcher Verhandlungsprozess überhaupt funktionieren? Nun, im Grunde müssen wir nicht lange warten. Man kann alles Mögliche tun, um Russland in der Ukraine zu entlarven, um zu zeigen, dass Putin nichts will, um Trump dazu zu bringen, unsere Unterstützung zu verstärken, weil es keine andere Alternative gibt.
Und dann kann man durch Druck auf Russland, auch durch militärischen Druck, Putin zum Abschluss eines wirklichen Friedens zwingen. Das ist die Logik der Situation, die mir am wichtigsten erscheint.
Und man sollte nicht glauben, dass in Russland alles so wunderbar läuft. Eine Nachricht, die buchstäblich in den letzten Minuten erschienen ist und auf die ich an Ihrer Stelle, liebe Freunde, aufmerksam achten würde: Russland hat angesichts des wachsenden staatlichen Haushaltsdefizits die größte Verkaufsaktion von Gold aus den staatlichen Reserven seit 1998 durchgeführt. Das sind Informationen der Zentralbank der Russischen Föderation. Im September verringerte sich der russische Goldbestand um weitere sechs Tonnen. Seit Dezember 2025 hat Russland etwa 62 Tonnen Gold verkauft. Der Gesamtumfang der Reserven sank auf den niedrigsten Stand seit Ende 2019. Die Verkäufe hängen mit der Verwendung von Mitteln des Nationalen Wohlstandsfonds zur Deckung des Haushaltsdefizits zusammen, das 2026 7,3 Billionen russische Rubel erreichen wird.
Wenn wir also sagen, Putin würde diesen Krieg gerne möglichst schnell beenden, dann sind wir der Wahrheit sehr nahe. Er könnte diesen Krieg tatsächlich gerne schneller beenden wollen. Nur besteht seine Vorstellung von einem Kriegsende darin, dass es ihm gelingt, die Ukraine schnell zu vernichten und uns schnell dazu zu zwingen, ihm unser eigenes Territorium, unser eigenes Zuhause, unser eigenes Land zu überlassen. Ihm und seinen Anhängern aus Russland.
Das ist die ganze Situation, die sich jetzt rund um dieses Treffen entwickelt. Noch einmal: Diese Situation ist nicht abgeschlossen, denn morgen werden wir über die Ergebnisse von Witkoffs Aufenthalt in Russland sprechen können. Obwohl, wie wir wissen, in der Regel keinerlei wirkliche Ergebnisse veröffentlicht werden, nachdem Witkoff sich mit Putin getroffen hat. Zumindest ist das bisher kein einziges Mal geschehen.
Und es ist klar, dass wir bis zum 3. November weiter in einer Welt unsinniger Äußerungen Trumps leben werden. Hier ist wieder eine Erklärung, die er abgegeben hat: „Ich glaube nicht, dass Zelenskys Volk das noch länger hinnehmen wird. Er muss eine Vereinbarung schließen. Zelensky hätte bereits im März 2025 eine vorteilhafte Vereinbarung schließen können. Damals hätte er viel bessere Bedingungen aushandeln können als diejenigen, mit denen er heute rechnen kann.“
„Sie erinnern sich doch, dass im März 2025 überhaupt alle Voraussetzungen für den Abschluss einer russisch-ukrainischen Vereinbarung bestanden und Putin damit einverstanden war“. Das ist reine Mythologie, aber Trump hält an dieser Mythologie fest.
Und dass er sagt, Zelenskys Volk werde das nicht hinnehmen, ist genau dieselbe russische Propaganda, die sich derzeit in den sozialen Netzwerken ausbreitet. Es sind genau dieselben berühmten Yandex-Bots und ukrainischen nützlichen Idioten, die sagen: „Man muss den Krieg unter allen Bedingungen beenden. Aber die ukrainische Regierung will ihn nicht beenden.“
Das heißt, die Geschichte mit der russischen Propaganda von 2019 wiederholt sich. Sie geben nicht einmal Geld für irgendwelche anderen Narrative aus. Sie haben lediglich gelernt, sich mithilfe künstlicher Intelligenz auf Ukrainisch auszudrücken. Und das ist im Grunde alles.
Das Einzige, was noch geschehen könnte, ist, dass Witkoff den Amerikaner Hubbard aus Moskau mitbringt, den russische Soldaten gefangen genommen haben, einen Amerikaner, der auf der Seite der Ukraine gekämpft hat. Vielleicht könnte das zu einem wirklichen Ergebnis werden. Es handelt sich um einen sehr alten Menschen, er ist 72 Jahre alt. Und natürlich ist die Freilassung jedes Amerikaners, der auf der Seite der Ukraine gekämpft hat oder sich überhaupt in einem russischen Gefängnis befindet, für Trump vor den Wahlen ein wichtiger Punkt.
Das ist eine erste Skizze dieses erneuten, würde ich sagen, Verhandlungsprozesses zwischen den Vereinigten Staaten und der Ukraine, nicht zwischen der Ukraine, Russland und den Vereinigten Staaten.
Ich werde auf einige der Fragen antworten, die bereits während dieser Sendung gestellt wurden, natürlich nur auf einige davon.
Frage: Warum ist Witkoff Ihrer Meinung nach nicht gemeinsam mit den Staats- und Regierungschefs der Ukraine, Norwegens und Finnlands zur Pressekonferenz erschienen?
Portnikov: Nun, offensichtlich, weil er nach Sankt Petersburg geflogen ist. Vielleicht hat er einen solchen Zeitplan. Und außerdem glaube ich, dass Witkoff unangenehme Fragen vermeiden wollte. Er könnte aus jener Pressekonferenz, an der er in Kyiv teilgenommen hat, seine Schlüsse gezogen haben, als ihm und Kushner sehr unangenehme Fragen gestellt wurden. Nach einer solchen kalten Dusche möchte man diesen Journalisten nicht noch einmal begegnen. Er ist schließlich nicht Trump, der auf jede Frage reagiert.
Frage: Erklären Sie, welchen Sinn all diese Verhandlungen haben, wenn doch offensichtlich ist, auf wessen Seite Trump steht. Er hat seine Maske fallen lassen, das haben Sie selbst gesagt. Was diskutieren wir hier überhaupt, worauf hoffen wir?
Portnikov: Nun, ich versuche doch schon seit 30 Minuten, das zu erklären. Erstens unterstützen die Vereinigten Staaten die Ukraine weiterhin mit Geheimdienstinformationen und Starlink, und wir sprechen weiterhin über Patriots.
Welche ideologischen Bewertungen wir auch immer über die Tätigkeit des Präsidenten der Vereinigten Staaten abgeben, er muss trotzdem die amerikanische öffentliche Meinung berücksichtigen.
Donald Trump steht seit dem ersten Tag seiner politischen Karriere auf Putins Seite. Aus der Sicht von Verschwörungstheorien, dass er dort angeworben worden sei, oder aus der Sicht dessen, worüber ich kürzlich gesprochen habe, dass er einfach ideologische Gemeinsamkeiten mit dem Präsidenten der Russischen Föderation hat.
Dass wir eine Welt erleben, in der ultrarechte Politiker bald mit ultralinken konkurrieren werden, eine Welt Adolf Hitlers und Josef Stalins, gewissermaßen ins 21. Jahrhundert übertragen.
Aber das bedeutet nicht, dass wir außer Acht lassen dürfen, dass die Vereinigten Staaten uns weiterhin wichtige Unterstützung leisten, die wir nicht zurückweisen sollten. Deshalb führen wir Verhandlungen mit Witkoff, um Trump keinen Anlass zu geben, uns die Unterstützung zu verweigern.
Wir können ganz ruhig über alles Mögliche sprechen, in dem Wissen, dass die Russische Föderation in den nächsten schweren Jahren nicht einmal daran denken wird, den russisch-ukrainischen Krieg zu beenden. Eine solche Perspektive existiert nicht.
Es sei denn, es gelingt uns, die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Russischen Föderation durch die Bombardierung ihres terroristischen Territoriums – oh, das klingt gut – so weit zu verringern, dass sie zum Frieden bereit sein wird.
Aber glauben Sie mir, wenn die Russen zum Frieden bereit sind, brauchen sie weder irgendwelche Trumps noch irgendwelche Witkoffs.
Frage: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die USA genug Verstand aufbringen, um Trump nicht zu erlauben, einen Bürgerkrieg zu entfachen?
Portnikov: Ich glaube, dass die Stärke der amerikanischen Institutionen derzeit realer ist als die Popularität Donald Trumps. Deshalb glaube ich nicht, dass es einfach so in einem Bürgerkrieg enden würde, wenn Trump beschließen sollte, die Ergebnisse der Kongresswahlen nicht anzuerkennen. Und ich glaube auch nicht, dass er überhaupt so weit gehen wird. Absichten mag es geben, Möglichkeiten gibt es nicht.
Frage: Was die Vereinigten Staaten betrifft: Warum stellen die Demokraten Ihrer Meinung nach bei Wahlen extrem linke Kandidaten auf, und das auch noch in roten Bundesstaaten, wo sie wahrscheinlich nicht gewinnen werden?
Portnikov: Nun, vielleicht stellen sie sie gerade deshalb in roten Bundesstaaten auf, wo sie nicht auf einen Sieg hoffen. Aus dem einfachen Grund, dass sie, ich würde sagen, eine Alternative zu den Alternativen zeigen wollen.
Und auch innerhalb der Demokratischen Partei verstärken sich linksradikale Stimmungen. Das ist ein völlig normales Ergebnis der Reaktion auf die Verstärkung rechtsradikaler Stimmungen in der Republikanischen Partei.
Den linksradikalen Strömungen gehört in den Vereinigten Staaten überhaupt die politische Zukunft. Denn Menschen, die bereit sind, für Rechtsradikale zu stimmen, können jederzeit für Linksradikale stimmen. So ist die menschliche Psychologie nun einmal beschaffen.
Ein roter Bundesstaat wird gerade dann blau werden, wenn ein Wähler eines rechtsradikalen Senators oder Kongressabgeordneten eine linksradikale Alternative sieht.
Ich möchte Sie daran erinnern, dass Tucker Carlson einen linksradikalen demokratischen Kandidaten im Bundesstaat Michigan unterstützt. Und er sagt, dessen Programm sei der wahre Trump, während der heutige Trump nicht der wahre Trump sei.
Nun, da haben Sie die Antwort auf Ihre Frage. Wer bereit ist, für einen Ultrarechten zu stimmen, wird irgendwann zwangsläufig auch für einen Ultralinken stimmen. Das wird aus wahlstrategischer Sicht völlig richtig gemacht.
Frage: Wie viele zusätzliche Jahre hat Trump Russland durch seine Ideen ermöglicht, den Krieg fortzusetzen?
Portnikov: Ich glaube, gar keine. Denn alles hängt von der Menge der russischen Ressourcen ab. Trump hat keine der Sanktionen gegen die Russische Föderation aufgehoben, die sein Vorgänger eingeführt hatte. Das derzeitige Graham-Gesetz erlaubt es nicht, diese Sanktionen aufzuheben.
Wir haben von den Vereinigten Staaten Militärhilfe erhalten. Natürlich könnte man annehmen, dass unser Widerstand gegen die russische Offensive wirksamer gewesen wäre, wenn wir mehr Militärhilfe bekommen hätten. Aber wie Sie sehen, konzentriert sich Putin nicht besonders auf die Offensive seiner Armee. Er konzentriert sich auf die Vernichtung des Hinterlands.
Und hier verstehen wir sehr gut, dass alles davon abhängt, wie viel Geld Putin hat, um das ukrainische Territorium aus seiner Sicht bald in ein unbewohnbares Gebiet zu verwandeln.
Und dafür ist nicht Trump entscheidend, sondern China. Trump kann aber den Wirtschaftskrieg gegen China nicht gewinnen, wie wir aufgrund der kritischen Abhängigkeit der amerikanischen Wirtschaft von eben jenen chinesischen Seltenen Erden und so weiter gesehen haben.
Deshalb würde ich das alles nicht auf diese Weise in Jahren messen. Auch hier müssen wir realistisch sein.
Frage: Werden wir in den nächsten etwa 50 Jahren einen Sieg der Demokratie und der Menschen guten Willens in der westlichen Welt über die ultrarechten und ultralinken Feinde eben dieser Demokratie erleben?
Portnikov: Ich bin mir nicht sicher. Ich halte es für möglich, dass 50 Jahre sehr viele unterschiedliche Ereignisse umfassen können. Große Kriege, einen Sieg ultralinker Kräfte, was absolut realistisch ist, wenn ultrarechte Kräfte stärker werden, und neue Krisen.
Aber die menschliche Zivilisation sieht nicht vor, dass irgendjemand dauerhaft über irgendjemanden siegt. Die menschliche Zivilisation selbst ist Vielfalt. Vielfalt bedeutet, dass der Radikalismus der Mäßigung weicht, die Mäßigung dem Radikalismus weicht und der Frieden dem Krieg weicht. So wird die Menschheit in den nächsten Jahrhunderten leben.
Denn jetzt befinden wir uns gerade in der Zeit vor einem großen Krieg und danach vor einer Phase der Ruhe nach diesem großen Krieg. Wir sind einfach in eine solche unglaubliche Epoche geraten.
Das ist normal, das geschieht in der Geschichte der Menschheit alle 80 bis 90 Jahre auf verschiedenen Kontinenten. Wenn Sie also nicht wollen, dass eines Tages auf der Erde nur noch künstliche Intelligenz existiert und keine Menschen mehr, müssen Sie akzeptieren, dass die Zivilisation komplexer ist, als wir sie uns vorstellen möchten. Daran lässt sich nichts ändern. Das ist die Logik der Geschichte.
Frage: Glauben Sie, dass Trump nach den Wahlen in den Vereinigten Staaten seine Rhetorik gegenüber der Ukraine mäßigen wird?
Portnikov: Ich glaube, dass er sie mäßigen wird. Denn dann wird er sie nicht mehr besonders brauchen. Und außerdem glaube ich generell, dass Trump nach den Wahlen, besonders wenn der neue Kongress seine Arbeit aufnimmt, weder für die Ukraine noch für den Nahen Osten Zeit haben wird.
Er wird eine Million innenpolitischer Probleme lösen müssen, die mit Russland, mit Untersuchungen und mit irgendwelchen Dingen zusammenhängen, die ans Licht kommen werden, irgendwelchen Sensationen. Wir wissen nicht einmal, was. Wir können uns nicht einmal vorstellen, wovon wir erfahren könnten.
Trump spricht jetzt so energisch über die Ukraine, weil er sich erlaubt hat zu glauben, dass er bis zum 3. November ein Ergebnis erzielen wird oder zumindest bis zu dem trilateralen Treffen in Shenzhen, das möglicherweise gar nicht stattfindet.
Aber Sie haben doch gesehen, dass er schon lange nicht mehr mit einer solchen Rhetorik aufgetreten ist. Er ist wieder in den Zustand zurückgekehrt, in dem er sich 2025 befand. Deshalb bin ich nicht sicher, dass er das fortsetzen wird.
Aber ich sage noch einmal: Ich rate Ihnen, sich daran zu erinnern, dass wir uns aufgrund dieser amerikanischen Zwischenwahlen in einer Welt völliger Turbulenzen befinden.
Dass Trump angesichts ihrer möglichen Ergebnisse einfach entsetzt ist, dass er geradezu außer sich vor Wut ist, das sehen wir. Er ähnelt nicht mehr jenem selbstsicheren Trump, den wir früher gesehen haben, denn er beantwortet Fragen zur Ukraine nicht besonders sicher, er verheddert sich. Das heißt, er hat Probleme. Und das alles ist verständlich.
Frage: Welche Ereignisse werden Ende 2029 stattfinden, und warum könnte der Krieg in der Ukraine dann enden?
Portnikov: Ich verstehe nicht, warum Sie glauben, dass der Krieg in der Ukraine Ende 2029 enden müsse.
Ich sage immer wieder etwas Wichtiges. Vor den Wahlen in den Vereinigten Staaten 2028 und nach den Wahlen, wenn er den Sieger kennt, kann Präsident Putin entscheiden, was er mit dem russisch-ukrainischen Krieg weiter tun soll, falls dieser Krieg bis dahin nicht beendet ist.
Er wird den Namen des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten kennen. Er wird wissen, wie dieser Präsident zu Russland und zum russisch-ukrainischen Krieg steht. Er kann darüber nachdenken, ob es, wenn man diesen Krieg grundsätzlich aussetzen will, sinnvoller ist, ihn mit Trump auszusetzen, der offensichtlich sein Sympathisant ist, oder ob er sich ein solches Geschenk für den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten aufheben sollte.
Oder ob er davon ausgehen sollte, dass auch der neue Präsident der Vereinigten Staaten nichts ändern wird und man deshalb auch ihn überdauern kann, so wie „wir hier im Kreml schon viele amerikanische Präsidenten überdauert haben“. Denn „wir sind hier für immer, wir sind schließlich Putin, und sie sind nur für vier Jahre da“.
Ich habe lediglich gesagt, dass 2028 eine neue Phase der Überlegungen darüber beginnen könnte, wie der russisch-ukrainische Krieg fortgesetzt werden soll. Bis 2028 weiß Putin aber bereits, wie er sich verhalten soll. Für ihn gibt es nichts Unbekanntes. Er kann ganz ruhig bis 2028 Krieg führen, ohne auch nur seine Herangehensweise an das Geschehen zu korrigieren.
Wenn wir wollen, dass das früher endet, haben wir nur ein einziges Instrument, um die Situation in den kommenden Kriegsjahren zu beeinflussen: die Zerstörung des russischen Energie- und Wirtschaftspotenzials.
Niemand hat jemals ohne Geld Krieg geführt. Wenn Russland kein Geld mehr hat, wenn es kein Öl mehr verkaufen kann, wenn es keine Waffen mehr produzieren kann, könnte beim Präsidenten der Russischen Föderation der Wunsch entstehen, den Krieg früher auszusetzen, ohne auf irgendwelche amerikanischen Wahlen zu warten. Das ist eine völlig logische Sache.
Frage: Könnte Putin Trump nicht versprochen haben, den Republikanern zu helfen und sich in die Wahlen in Amerika einzumischen?
Portnikov: Ich glaube nicht, dass die Russische Föderation, zumal gerade jetzt, sich so in die Wahlen in Amerika einmischen kann, dass sie deren Ergebnis beeinflussen könnte.
Natürlich könnte Putin Trump alles Mögliche versprochen haben. Aber das Ausmaß der Einmischung …
Übrigens wurde bei dem jüngsten Referendum in der kanadischen Provinz Alberta die Frage gestellt, ob ihre Bewohner bereit wären, der Durchführung eines Referendums über die Unabhängigkeit Albertas zuzustimmen.
Und wie Sie wissen, haben die Befürworter der Unabhängigkeit gegen diejenigen, die wollen, dass Alberta zu Kanada gehört, eine vernichtende Niederlage erlitten. Die Menschen wollen nicht einmal ein Referendum darüber abhalten. Nun, nach unseren Angriffen auf die Rechenzentren von Yandex ging die Zahl der Bots, die für die Unabhängigkeit Albertas eintraten, um ein Vielfaches zurück.
Das heißt, es stellte sich heraus, dass die Russen Botfarmen nicht nur in der Ukraine unterhalten, wo Sie sehen, welches Ausmaß ihre Tätigkeit hat, und nicht nur im Nahen Osten, wo der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, dass die Aktivität antiisraelischer Bots in den weltweiten sozialen Netzwerken nach den Angriffen auf Yandex um 60 Prozent zurückgegangen sei. Sie tun das auch in Nordamerika. Und stellen Sie sich vor: Wenn sie Bots unterstützen, die für den Zusammenbruch der kanadischen Staatlichkeit und die Abspaltung Albertas eintreten, dann stellen Sie sich ihre tatsächliche mögliche Rolle in den Wahlkämpfen der Vereinigten Staaten vor.
Sie tun das ohnehin bereits. Aber ihre Aufgabe besteht nicht darin, Trump und den Republikanern zu helfen. Ihre Aufgabe, und daran müssen wir uns immer erinnern, besteht darin, die Vereinigten Staaten zu destabilisieren. Putin ist kein Verbündeter Donald Trumps. Putin ist ein Mensch, der den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, als Instrument benutzt, als eine Art Werkzeug, um die Stabilität der Welt aufzubrechen.
Und Trump zu helfen, interessiert ihn überhaupt nicht. Ihn interessiert gerade, dass Trump sich in seinen Beziehungen zum Kongress verheddert, dass er sich festfährt, dass er überhaupt nichts mehr unternehmen kann, was die Möglichkeiten und Handlungen der Russischen Föderation irgendwie beeinflussen könnte.
Genau das nutzt er aus. Nicht zum ersten Mal. Wie Sie sich erinnern, war Putins Haltung gegenüber Trump während dessen erster Amtszeit genau dieselbe. Was könnte sich jetzt verändert haben? Nun, praktisch nichts. Außer dass Putin außerdem will, dass man ihm im Krieg gegen die Ukraine freie Hand lässt.
Das hat übrigens sein Außenminister Sergej Lawrow während seines Auftritts bei der Generalversammlung der Vereinten Nationen und auf seiner anschließenden Pressekonferenz in New York ganz klar gesagt, als er erklärte: „Wenn wir gute nachbarschaftliche Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika wollen und darüber Vereinbarungen treffen wollen, müssen wir die Ukraine aus unseren bilateralen Beziehungen ausklammern.“
Und ich glaube, dass Putin Steve Witkoff morgen in Sankt Petersburg genau das erneut sagen wird, wenn das Treffen zwischen dem Präsidenten der Russischen Föderation und dem amerikanischen Vermittler stattfindet. Und ich glaube, dass wir morgen natürlich unbedingt über dieses Treffen, seine Ergebnisse und überhaupt über seine Hintergründe in unserer nächsten Sendung auf diesem Kanal sprechen werden.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Перемовини в Осло: підсумки | Віталій Портников. 20.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.