Zelenskys Auftritt in Brüssel: Das Wichtigste | Vitaly Portnikov. 16.10.2026.

Zelensky ist heute in Brüssel aufgetreten, hat auf einer Pressekonferenz Fragen von Journalisten beantwortet und dabei eine ganze Reihe wichtiger Aussagen gemacht, auf die es sich näher einzugehen lohnt.

Die erste dieser Aussagen betrifft die Ziele des russischen Machthabers Putin im Krieg gegen die Ukraine. Zelensky erklärt, dass Putin sich nicht mit dem Donbas zufriedengeben werde, sondern versuche, die Ukraine als solche zu vernichten. Und sollte er dieses Ziel erreichen, wäre ganz Europa unmittelbar bedroht, denn der Appetit des Aggressors würde natürlich weiter wachsen. Genau deshalb wendet sich Zelensky an die europäischen Partner mit der Bitte, die Lieferungen von Luftabwehrsystemen zu erhöhen, um die russischen Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur zu stoppen.

Zugleich beziffert er die Kosten des Krieges für das kommende Jahr 2027 auf 155 Milliarden Euro und schlägt vor, der Ukraine 70 Milliarden Euro aus dieser Gesamtsumme zur Verfügung zu stellen. Er betont, dass der Druck auf Russland dadurch wesentlich größer würde. So könnte beispielsweise die Produktion von Drohnen gesteigert werden, die die wirtschaftliche Infrastruktur der Russischen Föderation zerstören, ihre Ölraffinerien und andere für Putin wichtige Einrichtungen der russischen Wirtschaft angreifen könnten. Und das ist tatsächlich der einzige Weg zum Frieden. Denn eine diplomatische Lösung des russisch-ukrainischen Krieges hat es angesichts der tatsächlichen Ziele des russischen Präsidenten, der russischen Armee und des russischen Volkes nie gegeben, es gibt sie nicht, und es wird sie auch in absehbarer Zukunft nicht geben, solange das russische Volk seine Haltung gegenüber der bloßen Existenz der Ukraine und des ukrainischen Staates nicht ändert.

Gleichzeitig zeigt Zelensky auch seine Bereitschaft zu Kompromissen. So erklärte er, dass er bereit sei, die Angriffe auf die Ölraffinerie-Infrastruktur der Russischen Föderation einzustellen, über die der amerikanische Präsident Donald Trump ständig spricht – vorausgesetzt, die Ukraine erhält eine ausreichende Zahl von Abfangraketen für das Patriot-Luftabwehrsystem, um sich gegen die menschenvernichtenden russischen Angriffe zu schützen.

Meiner Meinung nach werden die Vereinigten Staaten auf einen solchen Kompromiss kaum eingehen, und zwar aus einem einfachen Grund. Trump ist sich bewusst, dass die ukrainischen Angriffe auf den russischen Öl- und Gaskomplex keinerlei Einfluss auf die Öl- oder Gaspreise auf dem Weltmarkt haben. Denn diese Preise hängen mit dem Fiasko des amerikanischen Präsidenten im Krieg gegen den Iran und mit der faktischen Kontrolle Teherans über die Straße von Hormus zusammen. Daher ist es für Trump höchstwahrscheinlich wichtig, Zelensky als Sündenbock zu haben. Übrigens wurde diese Frage auch auf der Pressekonferenz des ukrainischen Präsidenten gestellt. Zelensky verzichtete jedoch darauf, sie mit Worten zu beantworten, und beschränkte sich auf ein Lächeln, das den Journalisten deutlich machte, was er tatsächlich von den Bemerkungen seines amerikanischen Amtskollegen hält.

Was Trumps Bemerkungen betrifft, so versuchte Zelensky übrigens, nicht persönlich darauf zu reagieren. Er sagte in Brüssel, dass es für ihn wesentlich leichter sei, mit Trump zu verhandeln als mit Putin. Damit reagierte er auf die Worte des amerikanischen Präsidenten, der inzwischen behauptet, es falle ihm wesentlich leichter, mit Putin zu verhandeln als mit Zelensky. Gleichzeitig versäumte es der ukrainische Präsident nicht, zu betonen, dass die Lage auf dem weltweiten Dieselmarkt nicht von den ukrainischen Angriffen abhänge, was dem amerikanischen Präsidenten kaum gefallen dürfte. Außerdem wandte er sich direkt an das amerikanische Volk und sprach über jene Werte, die die Vereinigten Staaten und die Bürger dieses großen Landes seit Jahrhunderten prägen.

„Das amerikanische Volk wird noch sein Wort sprechen“, betonte Volodymyr Zelensky. Und man kann sich vorstellen, wie Trump und andere ultrarechte und prorussisch eingestellte Politiker und Geschäftsleute der Vereinigten Staaten auf diese berechtigten Worte reagieren könnten. Denn sie können als Signal verstanden werden, dass die Herrschaft über die Gedanken einer riesigen Zahl amerikanischer Wähler, die Trump und seine Mitstreiter dazu gebracht haben, sich von den traditionellen Idealen und Werten der Vereinigten Staaten abzuwenden, mit einem Fiasko für diejenigen enden könnte, die sich an diesen Werten der freien Welt vergriffen haben.

Der ukrainische Präsident sprach auch darüber, wie sich die Lage im russisch-ukrainischen Krieg und im russisch-amerikanischen Dialog weiterentwickeln dürfte. Er erinnerte daran, dass Putin auf sämtliche Vorschläge im Zusammenhang mit Verhandlungen lediglich mit einer Intensivierung seiner Angriffe auf die Ukraine reagiere. Und er erinnerte daran, dass an einem einzigen Tag Tausende Drohnen am ukrainischen Himmel aufgetaucht seien. Auch das ist ein unübersehbarer Hinweis auf die tatsächlichen Absichten des russischen Präsidenten, selbst wenn man diese wahren Absichten in Washington nicht zur Kenntnis nehmen will.

Einerseits kann man also durchaus davon ausgehen, dass der ukrainische Präsident versuchte, eine offene Konfrontation mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu vermeiden. Andererseits äußerte er sich in einer Weise, die Trump und seinem engsten Umfeld kaum gefallen dürfte. Allerdings gibt es inzwischen auch innerhalb dieses Umfelds Meinungsverschiedenheiten darüber, wie man künftig auf die Entwicklungen im russisch-ukrainischen Krieg reagieren soll.

Wir verstehen allerdings sehr gut, dass Trump seine Entscheidungen nicht davon abhängig macht, ob sich jemand wohlwollend oder mit wenig Sympathie über ihn geäußert hat, sondern ausschließlich davon, was er im jeweiligen Moment für seine eigenen Interessen hält. Und wenn man in Trumps engstem Umfeld der Ansicht ist, dass die Angelegenheit um die Aktien des Unternehmens Lukoil für diesen inneren Kreis und den amerikanischen Präsidenten selbst Vorrang hat, dann müssen wir uns natürlich darüber im Klaren sein, dass Donald Trump der russisch-ukrainische Krieg und die gegenwärtige Lage in der Ukraine völlig gleichgültig sind. Denn all das bedeutet ihm nichts im Vergleich zu seinem Traum von dem Geld, das er verdienen könnte, wenn er weiterhin mit dem russischen Machthaber Putin über verschiedene Energieverträge verhandelt.

Und Putin hat bereits erkannt, dass er Trump mit seinen Energieversprechen am Haken halten und den amerikanischen Präsidenten so einsetzen kann, wie es die russischen Geheimdienste für ihre Zwecke brauchen. Diese haben aus dieser Perspektive bereits eine regelrechte mentale Kontrolle über das Weiße Haus erlangt – allein mithilfe von Geldversprechen.

Stellen wir uns vor, dass es Trump oder Witkoff tatsächlich gelingt, durch die Zusammenarbeit mit dem Kreml beträchtliche Vermögen anzuhäufen. Doch die ukrainischen Angriffe könnten das Interesse der amerikanischen Führung an solchen Gewinnen bis zu einem gewissen Grad verringern. Und meiner Meinung nach hat sich heute, ausgerechnet am Tag von Volodymyr Zelenskys Auftritt in Brüssel, ein historisches Ereignis zugetragen: Ukrainische Drohnen sind bereits bis nach Surgut vorgedrungen und haben eine der wichtigsten Industrieanlagen dieser Stadt getroffen, die sich bekanntlich im Zentrum der russischen Erdölförderindustrie befindet.

Der Gouverneur des Autonomen Kreises, Ruslan Kucharuk, der gerade seine Hochzeit mit der Tochter des berüchtigten Filmregisseurs und Propagandisten Nikita Michalkow feiert und auf diese Weise versucht, Zugang zu den höchsten Kreisen der Elite der Russischen Föderation zu finden, musste einräumen, dass in der Anlage ein Brand ausgebrochen ist. Diese trägt ironischerweise den Namen des ehemaligen russischen Ministerpräsidenten und früheren russischen Botschafters in der Ukraine, Viktor Tschernomyrdin. Und wir wollen hoffen, dass auch dieses Werk in die Liste jener russischen Betriebe aufgenommen werden kann, die infolge ukrainischer Angriffe ihren Betrieb einstellen.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der vollständige Zusammenbruch der Erdöl- und Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation, verbunden mit der Unmöglichkeit, diese Industrie in absehbarer Zukunft wiederaufzubauen, das mit Abstand wirksamste Mittel wäre, um sowohl auf Trump als auch auf Putin Einfluss zu nehmen. Diese blutige Tankstelle muss für immer geschlossen werden.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Виступ Зеленського у Брюсселі: головне | Віталій Портников. 16.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 16.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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