Krieg mit Iran: Bedrohungen für die Ukraine | Vitaly Portnikov. 19.03.2026.

Heute ist der 20. Tag des Krieges im Nahen Osten. Und oft sprechen wir darüber, warum wir diesen Krieg vor dem Hintergrund dessen, was in der Ukraine weiter geschieht, so ernst nehmen, vor dem Hintergrund der Raketenangriffe auf ukrainisches Territorium, vor dem Hintergrund der ständigen Drohnenangriffe, vor dem Hintergrund des offensichtlichen Wunsches Russlands, diesen Krieg fortzusetzen. Eben deshalb, weil dieser Krieg, wie jeder globale Konflikt – und Konflikte im Nahen Osten sind immer globale Konflikte –, in direktem Zusammenhang mit unserem Krieg und unserer Sicherheit steht.

Und interessant ist, dass bei den Anhörungen im Kongress, die gerade mit dem Krieg der Vereinigten Staaten und Israels gegen Iran zusammenhingen, das Thema Ukraine eines der wichtigsten war, genau aus diesem Grund. Und Vertreter der amerikanischen Nachrichtendienste im Kongress haben bei diesen Anhörungen eingeräumt, dass ein langer Konflikt mit Iran die amerikanischen militärischen Ressourcen belasten könnte, die für die Unterstützung der Ukraine notwendig sind. Es geht also nicht einmal darum, ob wir auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump oder auf den US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hören, die ständig sagen: „Wir haben der Ukraine geholfen, und die Europäer helfen uns nicht. Wie kann das sein? Wie kann sich diese Situation ändern? Wir könnten aufhören, der Ukraine zu helfen.“ 

In dieser Situation kann man also sagen: Gut, dann werden sie eben auf die Europäer beleidigt sein und uns nicht mehr helfen. Verstehen Sie, mit jeder Beleidigung kann man umgehen. Zumal inzwischen, wie Sie wissen, bereits sechs Länder – fünf europäische Länder und Japan, nämlich Frankreich, Deutschland, Italien, die Niederlande, Großbritannien und Japan – die iranischen Angriffe auf zivile Energieinfrastruktur in den Staaten des Persischen Golfs verurteilt und ihre Bereitschaft betont haben, einen Beitrag zur Sicherheit der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu leisten.

Das heißt, hier kann es noch verschiedene Vereinbarungen mit den Amerikanern geben. Und hier kann sich, wie immer in solchen Situationen, noch vieles ändern. Das muss man sich einfach klarmachen. Wenn die Amerikaner aber keine Waffen haben, dann können sie der Ukraine etwas versprechen oder auch nicht – wenn es kein Material gibt, spielt es keine Rolle, ob sie uns mögen oder nicht mögen. Schließlich sind wir nicht an ihrer Liebe interessiert, sondern an ihren Waffen und ihren Aufklärungsinformationen. Wenn es keine Waffen gibt, dann wird ein Teil dieser Liebe, würde ich sagen, geringer werden und nicht mehr so wichtig sein. Und darüber haben viele Vertreter der Sicherheitsstrukturen gesprochen. Die Direktorin der nationalen Nachrichtendienste, Tulsi Gabbard, sagte, dass der Druck auf die Munitionsbestände zunehme. Sie sagte, die Vereinigten Staaten seien in der Lage, mit beiden Herausforderungen fertigzuwerden, aber das sei ein sehr, sehr großes Problem.

Das sind also reale Herausforderungen für die Ukraine als solche. Und sie hängen unmittelbar mit Iran und seinen Möglichkeiten zusammen. Nicht zufällig betonte der Oberbefehlshaber der NATO-Streitkräfte in Europa, General Alexus Grinkevich, dass die Zusammenarbeit zwischen Russland, Nordkorea, Iran und China die Risiken auf mehreren Kriegsschauplätzen zugleich erhöhe.

Und dass in Europa nordkoreanische Truppen, iranische Drohnentechnologien und wirtschaftliche Unterstützung aus China Russland helfen, würde ich sagen: Russland ermöglichen, diesen Krieg fortzusetzen – das ist, wie mir scheint, eine völlig offensichtliche Tatsache, die man nicht ignorieren und so tun kann, als gäbe es sie nicht. Und damit, wie Sie verstehen, werden alle Probleme, die mit dem zusammenhängen, was im ukrainischen Krieg geschieht, direkt davon abhängen, was mit dem Krieg im Persischen Golf geschieht.

Ganz zu schweigen davon, dass der Präsident der Ukraine jetzt sagt, dass am Samstag das erste Treffen der Unterhändler seit Beginn dieses großen Krieges im Nahen Osten stattfinden werde. Und hier stellt sich eine gute Frage: Wie wird sich die russische Verhandlungsgruppe tatsächlich zu Verhandlungen verhalten, wenn in dieser Situation die Überlegenheit Russlands und die Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von russischen Öllieferungen an die Länder des globalen Südens spürbar werden?

Denn Sie sehen doch, dass die Vereinigten Staaten buchstäblich nicht wissen, was sie mit den steigenden Ölpreisen anfangen sollen. Gestern versuchten sie noch, das Problem mit russischem Öl zu lösen, hoben Sanktionen gegen russisches Öl auf und erlaubten, wie Sie wissen, dieses Öl von den Schiffen zu verkaufen, die sich auf See befinden. Und das ist eine völlig offensichtliche Entwicklung, die es den Russen heute ermöglicht, ihre Probleme im Umgang mit diesen Risiken zu lösen.

Jetzt gibt es eine neue wunderbare Geschichte: Man will die Sanktionen gegen iranisches Öl aufheben, nicht nur gegen russisches. Auch iranisches Öl befindet sich auf See. Das ist ebenfalls ein ernstes Problem. Und auch von diesem Öl will das US-Finanzministerium die Sanktionen aufheben. Finanzminister Bessent geht davon aus, dass das den Ölpreis senken wird.

Nun, den Ölpreis mag das vielleicht senken, aber die Einnahmen für den iranischen Haushalt braucht Iran, um den Vereinigten Staaten und Israel entgegenzutreten. Und man kann sich natürlich selbst sagen: „Nein, sie produzieren keine Drohnen mehr, sie produzieren keine Raketen mehr.“ Schön, wenn man das im Fernsehen sagt, aber in Wirklichkeit produzieren sie doch weiter; sie können amerikanische Soldaten töten, sie können die Infrastruktur des Persischen Golfs zerstören – mit genau dem Geld, das man ihnen faktisch gibt, damit der Ölpreis nicht steigt.

Wenn Zelensky also von Bedrohungen spricht, dann meint er Gefahren für die Verhandlungen. Mich interessieren Bedrohungen für die Verhandlungen ehrlich gesagt nicht besonders, und zwar aus einem einfachen Grund: Ich gehe von dem Axiom aus, dass es in Wahrheit überhaupt keinen Verhandlungsprozess gibt. Wie ich schon mehrfach gesagt habe, wäre ein Verhandlungsprozess nur dann real, wenn es eine Waffenruhe im russisch-ukrainischen Krieg gäbe. Derzeit beobachten wir keine Waffenruhe.

Das bedeutet, dass diese Verhandlungen eine widerliche Show für Donald Trump sind. Wir sind leider gezwungen, an dieser Show teilzunehmen, solange die Amerikaner uns helfen, damit diese Hilfe fortgesetzt wird. Aber wir verstehen sehr gut, dass an diesem Verhandlungstisch keine Vereinbarungen erzielt werden können, weil die Russen nicht vorhaben, den Krieg zu beenden. Und ganz gleich, wie sehr wir die Russen davon überzeugen, dass sie in diesem Krieg keinen überzeugenden Erfolg erzielen können – das wird sie überhaupt nicht interessieren, bis Putin selbst entscheidet, dass der Krieg beendet werden muss. Und er hat dafür überhaupt keinen Wunsch. Keinen einzigen. Und hatte ihn nie.

Nun dazu, warum Putin an diesen Verhandlungen teilnehmen muss. Das ist, würde ich sagen, Teil seiner Kontakte mit Trump. Und dank dieser Imitation eines Verhandlungsprozesses und dieser Kontakte hat er bereits viel erreicht. Erinnern wir uns nur daran, dass die russischen Vermögenswerte erhalten geblieben sind. Denn die Europäer waren bereits bereit, diese Vermögenswerte zu unseren Gunsten zu konfiszieren, weil dafür eine einfache Mehrheit der Stimmen in der Europäischen Union erforderlich gewesen wäre. Dafür hätte eine einfache Mehrheit genügt – Ungarn und die Slowakei hätten die Entscheidung also nicht per Veto blockieren können. Und Russland wäre dieses Geld los gewesen, das ihm jetzt ganz eindeutig weiterhin zur Verfügung steht. Und das geschah nur dank der amerikanischen Administration und dieses Unsinns in Trumps Kopf, wonach eine Konfiskation russischer Gelder den nicht existierenden Verhandlungsprozess zerstören würde.

Und jetzt sagt Trump, wenn man Tomahawks liefern würde, würde das den nicht existierenden Verhandlungsprozess zerstören. Warum sollte Putin also seine Medinskys nicht zu Verhandlungen schicken, wenn das Teil von Trumps Unterstützung seines Krieges ist? Deshalb ist es wichtig, nicht über Verhandlungen zu sprechen, denn ich bin der Meinung, dass jedes zusätzliche Gespräch über Verhandlungen bei den Ukrainern völlig unnötige Illusionen über die Möglichkeit hervorruft, den Krieg durch Verhandlungen zu beenden.

Und eine solche Möglichkeit gibt es nicht. Null. Die Möglichkeit, den Krieg zu beenden, ist nur im theoretischen Fall einer Erschöpfung der Russischen Föderation wichtig – militärisch, wirtschaftlich, energetisch, demografisch und politisch. Wenn diese fünf Faktoren nicht zusammenfallen, wird der Krieg weitergehen. Das gilt übrigens genauso für Iran. Jetzt steckt Trump auf lange Sicht in diesem Krieg fest, aus dem einfachen Grund, dass Iran diesen Krieg unter schweren Verlusten weiterführen wird, um den ‚Großen Satan‘ zu besiegen. Ja, das ist Wahnsinn, ideologischer Wahnsinn. Aber wenn jemand an einem solchen ideologischen Wahnsinn festhält – was Putin gegenüber der Ukraine tut, ist doch auch Wahnsinn: „Wir stellen das Imperium wieder her, wir kämpfen gegen Nazis, der Westen bedroht uns“ –, dann kann so jemand endlos Krieg führen. Es gibt überhaupt kein Motiv, das ihn zwingen würde, mit dem Krieg aufzuhören.

Also, ich fahre mit diesen Faktoren fort. Zelenskys Bemerkungen passen absolut zu unserem Gespräch. Die Russen beobachten den aktiven Einsatz von Flugabwehrraketen im Nahen Osten und in der Golfregion. Sie können sich vorstellen, dass die Ukraine zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einem Mangel an solcher Munition konfrontiert sein wird. Natürlich ist die Möglichkeit, dass der Ukraine zu irgendeinem Zeitpunkt die Abfangraketen ausgehen, absolut real. Und genau deshalb müssen wir mit unseren Verbündeten darüber sprechen, dass wir nicht so sehr Abfangraketen brauchen, von denen es bald weltweit zu wenige geben wird – denn nach diesem Krieg wird es noch einen weiteren Krieg geben, den dritten –, sondern Raketen, die es uns zumindest erlauben würden, das russische Raketenpotenzial und das Potenzial der Drohnen zu reduzieren. Einen anderen Ausweg gibt es nicht.

Und das ist ein direkter Einfluss des Iran-Krieges und der absoluten Inkompetenz, mit der er geführt wird. Ich denke, Sie haben das auch bemerkt. Die amerikanischen Militärs gaben uns Ratschläge, Und jetzt wirken sie, als kämen sie vom Mond – genau dorthin, wohin Elon Musk sie geschickt hat. Das 20. Sanktionspaket der EU gegen Russland steckt in einer Sackgasse. Zelensky sagt, es könnte den Druck auf Russland fortsetzen und Russland zu echtem Frieden bewegen. Ich bin der Meinung, dass keine Sanktionen das Verhalten Russlands verändern, aber in jedem Fall würde Russland stärker erschöpft. Und tatsächlich können sich Orbán und Fico jetzt erlauben, dieses Sanktionspaket zu blockieren. Die USA haben einzelne Sanktionen gegen Russland gelockert. Darüber haben wir heute bereits gesprochen. Eben deshalb, weil die amerikanische Administration überhaupt nicht versteht, was sie mit den steigenden Öl- und Gaspreisen anfangen soll.

Sie sehen doch, dass nach den gegenseitigen Bombardierungen Israels und Irans auf benachbarte Gasfelder und die Raffinerie in Katar das alles weitergehen wird. Die Preise werden mit unglaublicher Geschwindigkeit steigen und die Welt faktisch immer näher an einen energie- und wirtschaftspolitischen Abgrund bringen. Und Russland wird in der Zwischenzeit seinen Kriegshaushalt auffüllen, Leuten Geld als Söldner zahlen, neue Raketen produzieren, neue Drohnen produzieren, und Putin wird sich die Hände reiben und Trump und seiner Inkompetenz danken.

Und es funktioniert auch diese finanzielle Garantie Europas nicht, das Hilfspaket von 90 Milliarden. Für die Ukraine ist das kritisch wichtiges Geld, denn obwohl die Europäer jeden Monat Ressourcen finden, um die Situation, die durch das ungarische Veto entstanden ist, irgendwie auszugleichen, geschieht nichts. Auch das ist völlig offensichtlich. Seltsam ist dabei auch, dass die Europäische Kommission mit europäischem Geld die Druschba-Pipeline reparieren will, damit durch diese Pipeline russisches Öl nach Ungarn fließt und Russland dadurch zusätzliche Mittel für die Fortsetzung des Krieges erhält, dessentwegen gerade dieses 20. Sanktionspaket eingeführt wird. Das ist einfach absoluter politischer Wahnsinn. Aber wir leben in diesem Wahnsinn. Und auch das muss man absolut klar begreifen. Deshalb weiß ich nicht, ob man sich in einer Situation wie der Fortsetzung dieses Konflikts überhaupt noch über irgendetwas wundern kann.

Gerade eben ist übrigens Israels Premierminister Benjamin Netanyahu mit Kommentaren zu diesem Krieg aufgetreten und hat betont, dass er so lange dauern werde, wie es nötig sei. Das ist alles. Zumal Iran aus Sicht des israelischen Premierministers bereits die Möglichkeit verloren habe, Uran anzureichern oder ballistische Raketen zu produzieren. Sehr zu wünschen wäre, dass das wahr ist, denn wir müssen hoffen, dass Iran, wenn es dieses Potenzial nicht mehr hat, auch nicht weiterkämpfen wird. Netanyahu sagt, dieser Krieg werde viel schneller enden, als die Menschen denken, spricht aber zugleich von der Möglichkeit alternativer Routen anstelle der Straße von Hormus, also von Öl- und Gaspipelines, die westwärts über die arabische Halbinsel bis zu den Häfen in Israel führen. Und das ist ein sehr wichtiger Punkt. Wie Sie verstehen, werden die Staaten des Persischen Golfs ihre Abhängigkeit von Iran kaum gegen eine Abhängigkeit von israelischen Häfen eintauschen, Aber vielleicht versucht der israelische Premierminister jetzt, den Eindruck zu erwecken, dass dem nicht so ist.

Deshalb verstehen wir heute, dass es keinen Sinn hat, über das Ende des Krieges oder über irgendwelche Fristen für das Ende des Krieges zu sprechen, einfach deshalb, weil der israelische Premierminister selbst nicht weiß, wann er enden wird. Er sagt, bald, aber er werde so lange weitergehen, wie nötig. Wir wissen, dass man so immer dann spricht, wenn man sich die reale Situation beim Ende von Kriegen nicht vorstellen kann. Und gerade heute, Sie wissen es, hat das US-Verteidigungsministerium den Kongress um zusätzliche 200 Milliarden Dollar gebeten. Vergleichen Sie diese Summe mit den Summen, die die Vereinigten Staaten der Ukraine im Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges bereitgestellt haben, damit Sie das einfach einordnen können. Und Journalisten fragten Trump bei seinem heutigen Treffen mit der japanischen Premierministerin völlig logisch genau dies: Warum will das Pentagon dieses Geld verlangen, wenn man doch angeblich sagen kann, dass sich der Krieg seinem Ende nähert? Und Trump sagte, das sei aus vielen Gründen wichtig, die nicht einmal mit dem zusammenhingen, worüber in Bezug auf Iran gesprochen werde, und dies sei eine sehr instabile Welt und so weiter.

In dieser Situation ist also völlig unklar, inwieweit sich die Vereinigten Staaten jetzt auf ein Ende des Krieges vorbereiten, inwieweit sie sich überhaupt vorstellen, wie der Krieg weitergehen wird. Übrigens sprach Trump auf dieser Pressekonferenz auch davon, dass er Israel gebeten habe, keine Schläge gegen die Öl- und Gasanlagen Irans zu führen. Und genau jetzt sagte der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu, Israel habe eigenständig Angriffe auf iranische Gasanlagen geführt, werde sich aber auf Bitten Trumps vorerst von ähnlichen Angriffen absehen. Das heißt, Netanyahu hat, wie Sie sehen, die Verantwortung für das übernommen, was mit den Öl- und Gasanlagen Irans geschehen ist. Interessant ist aber, dass danach eine iranische Rakete tatsächlich ein Kraftwerk und eine Raffinerie in Haifa getroffen hat. Das ist der wichtigste Wirtschaftshafen Israels. Israels Energieminister Eli Cohen sagt, dass es keine ernsthaften Schäden gebe, aber wir wissen natürlich nicht, wie schwerwiegend dieser Raketenschlag für die Raffinerie tatsächlich ist. Wir haben gesehen, dass russische Raffinerien selbst nach Treffern durch ukrainische Drohnen für lange Zeit außer Betrieb gesetzt wurden. Und Drohnen sind, wie Sie verstehen, eine völlig andere Geschichte als eine Rakete. Interessant ist, dass diese Rakete, mit der die Revolutionsgarden auf Haifa schossen, „Nasrallah“ heißt, nach dem von den Israelis getöteten Anführer der libanesischen Terrororganisation Hisbollah, dem langjährigen Führer und, kann man sagen, Vater des libanesischen Terrors Hassan Nasrallah. Wie Sie also sehen, zeigt Iran ganz offen, dass es seine Schläge gegen Israel mit Rache für die Tötung einer ganzen Reihe terroristischer Führer verbindet, die bekanntlich alles Mögliche für die Eskalation der Lage im Nahen Osten getan haben. Und auch das ist ein ziemlich großes Problem, dass diese Menschen eine Atmosphäre geschaffen haben, in der die iranischen Ajatollahs jetzt, könnte man sagen, in Blut baden.

Die Trump-Administration hat heute beschlossen, den Verbündeten im Persischen Golf ohne den Kongress Hilfe zu leisten, um ihnen irgendwie dabei zu helfen, Iran entgegenzutreten. Und das ist ebenfalls sehr wichtig, denn es geht um 8 Milliarden Dollar für die Vereinigten Arabischen Emirate – um AMRAAM-Raketen, Munition für F-16 und für Luftverteidigungssysteme. Genau jene Systeme, die wir nicht bekommen werden. 8 Milliarden für Kuwait – das sind Radarsysteme zur Raketenabwehr. 70 Millionen für Jordanien – das ist Unterstützung für Luftfahrt und Munition. Und dies ist eine Vereinbarung im Rahmen einer Notlage, die es erlaubt, das Verfahren der Zustimmung durch den Kongress zu umgehen. Nun, Sie wissen, dass das nicht das erste Mal ist; nicht das erste Mal seit der Entscheidung der Vereinigten Staaten, diesen Krieg zu beginnen, dass sie den Kongress umgehen. Aber das sind erhebliche finanzielle Summen und erhebliche Mengen an Bewaffnung, die sich ebenfalls darauf auswirken können, was die Vereinigten Staaten der Ukraine in nächster Zeit für europäisches Geld verkaufen werden – falls sie überhaupt verkaufen.

Und die letzte Entwicklung beim Öl: Es ist von 119 auf 105 Dollar gefallen. Möglicherweise hängt das gerade damit zusammen, dass die Lieferungen iranischen Öls freigegeben werden könnten. Aber das ist keine so bedeutende Schwankung, dass man von einer Normalisierung der Lage sprechen könnte. Was wirklich bedeutsam sein könnte, wäre die mögliche Beschädigung eines amerikanischen F-35-Kampfflugzeugs, dem es glücklicherweise gelang, auf einem amerikanischen Stützpunkt notzulandenEs heißt, der Pilot habe den Einsatz über Iran überlebt. Und das ist die erste Situation, in der es Iran gelungen ist, ein solches amerikanisches Flugzeug zu treffen. Und natürlich wäre es ein ernstes Problem für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten, wenn dies kein Einzelfall bliebe, sondern zur Regel würde.

  • Erstens gibt es von diesen Flugzeugen gar nicht so viele.
  • Zweitens kosten sie Millionen von Dollar.
  • Drittens würde sich dann auch noch herausstellen, dass sie für jene Waffen verwundbar sind, über die Iran verfügt, um amerikanische Kriegsanstrengungen zu blockieren.

Und auch das ist ein wichtiger Punkt, über den man sprechen muss, wenn es um das geht, was im amerikanisch-iranischen Krieg weiter geschehen könnte. Zumal, wie Sie sehen, nach Ansicht des Generaldirektors der IAEO Rafael Grossi trotz der Bombardierungen ein erheblicher Teil des iranischen Atomprogramms erhalten geblieben ist, was offensichtlich weder den politischen Plänen Präsident Trumps noch, erst recht nicht, den politischen Plänen des israelischen Premierministers Netanyahu entspricht. Denn es stellt sich die Frage: Wenn das iranische Regime erhalten bleibt und das iranische Atomprogramm ebenfalls, was dann? Die Bedrohung für Israel wird nur größer werden. Und die Iraner werden noch stärker vom Gefühl der Rache erfüllt sein – für Khamenei, für all ihre Führer, für die Bombardierungen. Die Arbeit an der Atombombe könnte sich mit energischer Hilfe aus Moskau und Peking beschleunigen.

Damit stellt sich die Frage, ob Donald Trump zu einer Bodenoperation mit der Landung zumindest begrenzter Teile der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Iran bereit wäre, um diese nuklearen Materialien in Besitz zu nehmen. Und ob diese Operation nicht blutig und für die Vereinigten Staaten schrecklich in ihren Folgen sein würde. Auch das ist eine Frage, die man sich schon heute beantworten sollte. Insofern gibt es eine reale Möglichkeit und reale Chancen, dass jetzt irgendwelche ernsthaften Entscheidungen über die weiteren Schritte getroffen werden. Zumal gerade jetzt, während wir hier miteinander sprechen, der israelische Premierminister Benjamin Netanyahu eingeräumt hat, dass das iranische Regime überleben könnte. Und das unterscheidet sich tatsächlich etwas von den Erklärungen, die die Führer der Vereinigten Staaten und Israels zu Beginn dieser Operation vor 20 Tagen abgaben, als sie überzeugt waren, dass die ersten Schläge gegen Iran, die Tötung Khomeinis und anderer iranischer Führer das iranische Regime faktisch schwächen, die Spannungen in der Welt verringern und den iranischen Protestierenden reale Möglichkeiten zur Machtergreifung in Iran eröffnen könnten.

Nun, übrigens dachten nicht nur sie allein so. Erinnern Sie sich an all diese Gespräche, wonach, wenn Trump den iranischen Protestierenden, die damals auf die Straße gingen und gegen dieses schreckliche und repressive Regime protestierten, rechtzeitig mit seinen Bombardierungen und Schlägen geholfen hätte, dieses Regime gefallen wäre. Nun, wie Sie sehen: Man sollte sich keinen besonderen Illusionen hingeben. Ich habe schon mehrfach gesagt, dass Regime nicht durch Bombardierungen stürzen. Sie stürzen aus mehreren Gründen, einer davon kann eine Volksrevolution sein, die stärker sein muss als der Machtapparat des Regimes. Das ist eine eindeutige Sache. Nicht weniger eindeutig ist, dass eine weitere reale Möglichkeit, ein Regime zu stürzen, eine Bodeninvasion mit Besetzung des Landes ist. Aber dafür braucht es keine punktuellen Operationen, sondern die Landung der amerikanischen Armee in Iran, so wie es im Irak war, und die Bereitschaft, enorme Opfer unter den Amerikanern infolge dieses Krieges in Kauf zu nehmen.

Schließlich kann ein weiterer wichtiger Teil des ganzen Spiels ein Militärputsch sein, sodass die Armee die Macht in die eigenen Hände nimmt. Aber es entsteht der Eindruck, dass die iranische Armee zusammen mit den Revolutionsgarden diese Macht bereits ausübt und von der Notwendigkeit des Kampfes gegen die Amerikaner überzeugt ist – denn so ist diese Armee in den Jahren nach der Islamischen Revolution in Iran geworden. Und schließlich gibt es noch innerelitäre Absprachen im Zusammenhang mit einer Kursmilderung. Aber das ist im Kern eine fanatische, revolutionäre Elite, in der – sowohl unter den gemäßigten als auch unter den radikalen Führern – ein absoluter Konsens über die Notwendigkeit des Erhalts des Regimes herrscht, wie in jeder anderen revolutionären Elite auch. Es gibt also keinerlei Grund zu der Annahme, dass das iranische Regime am Rand des Zusammenbruchs und Zerfalls steht, wie US-Finanzminister Bessent es sagte.

Aber es besteht die Möglichkeit, dass es tatsächlich, wie er sagte, von selbst zerfällt und dieses Regime dann nicht mehr das gesamte Territorium des Landes kontrollieren wird. Und nukleare Vorräte sowie Raketenprogramme könnten in die Hände verschiedener Gruppierungen geraten, die sie nach ihrer eigenen Vorstellung davon einsetzen, was gut und was böse ist. Und das könnte eine weitere gewaltige Gefahr für die Region werden, zusätzlich eine enorme demografische Krise auslösen, die die Staaten des Persischen Golfs unter sich begraben und möglicherweise auch die Hoffnungen der Europäer auf die Fortsetzung der Demokratie auf ihrem Kontinent zerstören oder die Macht in die Hände rechtspopulistischer Kräfte legen würde, jener gleichen rechtspopulistischen Kräfte, die Donald Trump so sehr liebt, genau jener Kräfte, die heute, wie Sie wissen, in Ungarn und der Slowakei regieren und die Hilfe für die Ukraine blockieren. Es sind genau solche Kräfte, keine anderen. So ist es.

In dieser Situation kann man natürlich nicht davon sprechen, dass wir sicher wären, dass das alles so einfach enden wird. Gerade jetzt, während wir sprechen, heulen im Nahen Osten wieder die Luftalarm-Sirenen. Interessant ist dabei, dass sie gerade wegen eines Alarms aus dem Libanon heulen. Das heißt, die terroristische Gruppierung Hisbollah greift Israel weiterhin an, von der der israelische Premierminister übrigens überhaupt nicht gesprochen hat, auch nicht darüber, dass er über diese Gefahr nachdenkt. Die Hauptgefahr ging für ihn von Iran aus. Und hier bin ich natürlich der Meinung, dass Netanyahu recht hat, denn wenn die Hisbollah in dieser Situation die Finanzierung aus Iran verliert, dann könnte sie natürlich zumindest von der militärischen Bühne verschwinden, so wie auch das Regime der Ajatollahs verschwinden könnte. Aber dafür müsste das Regime zusammenbrechen. Und Netanyahu sagt, dass das Regime standhalten kann. Wenn es standhalten kann, dann wird es natürlich versuchen, all diese verbliebenen Proxy-Kräfte weiter zu unterstützen, also vor allem Hamas und Hisbollah. Was soll man da sagen? Das sind also die Momente in diesem Krieg, die für uns sehr wichtig sind.

Ich werde nun die Fragen beantworten, die es während der Episode bereits gab.

Frage. Warum erzählen Sie ständig, dass Trump die Macht verlieren wird, wenn die Demokraten die Wahlen gewinnen? Für ein Impeachment braucht man 67 Stimmen im Senat. Das ist unmöglich, selbst wenn alle republikanischen Kandidaten aus den Wahlen aussteigen würden.

Portnikov. Sie hören mir nicht aufmerksam zu. Ich sage ständig, dass Trump die Macht nicht verlieren wird, weil man für ein Impeachment 67 Stimmen im Senat braucht. Und das ist unmöglich, selbst wenn alle republikanischen Kandidaten aus den Wahlen aussteigen würden. Ich sage das die ganze Zeit, also verwechseln Sie mich mit jemand anderem. Es gibt eine enorme Zahl von Menschen, die die ganze Zeit erzählen, dass es ein Impeachment geben werde, dass Trump die Macht verlieren werde, wenn er die Wahl verliere, dass man ihn impeachen und er das Oval Office verlassen werde. Ich sage, dass das unmöglich ist, dass es derzeit keine Möglichkeit gibt, dass demokratische und republikanische Senatoren für ein Impeachment Trumps stimmen. Ich spreche von etwas ganz anderem: Wenn Trump die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses verliert und eine von ihnen ein Impeachment gegen ihn einleitet, wird es für ihn sehr schwer sein, seine Politik durchzusetzen; beide Kammern werden Untersuchungen gegen Trump selbst und seine Verbündeten einleiten, sie ständig zu irgendwelchen Anhörungen vorladen, Gesetzesvorhaben blockieren, mit irgendwelchen Initiativen auftreten. Und die letzten Jahre von Donald Trumps Zeit im Oval Office werden für ihn ein einziger Albtraum sein. Dass es unmöglich ist, ihn per Impeachment aus dem Amt zu entfernen, ist für mich eine völlig offensichtliche Sache – es sei denn, wir würden irgendwelche so schrecklichen Vorwürfe sehen, denen sogar die Republikaner zustimmen müssten, um ihre Partei nicht zu verlieren. Aber bisher sehe ich keinerlei Voraussetzungen dafür, dass das geschieht. Es sei denn, wir sehen in irgendwelchen neuen Epstein-Akten etwas derartiges, dass selbst der republikanischste aller Republikaner sich nur noch an den Kopf fassen könnte.

Frage. Halten Sie einen Atomschlag gegen Iran für möglich?

Portnikov. Ich sehe derzeit keine Voraussetzungen für eine Situation, die eine reale Möglichkeit dafür schaffen würde, dass irgendein Atomstaat als erster Atomwaffen einsetzt. Ich halte das ebenfalls für reine Verschwörungstheorie.

Frage. Ist das Hauptmotiv dieser Operation im Iran nicht ein offener Versuch Trumps, Putin zu helfen, weil Russland zum Hauptprofiteur geworden ist?

Portnikov. Natürlich würden wir gern glauben, dass sich die ganze Welt um die Ukraine und auch um Russland dreht und dass, wenn irgendjemand irgendetwas tut, er ausschließlich an Putin denkt, aufwacht und als Erstes an Putin denkt. Aber ich glaube, dass Russland zum Hauptprofiteur dieser Situation einfach wegen Trumps Inkompetenz geworden ist und wegen seiner Unfähigkeit, die Folgen dessen zu kalkulieren, was er tut, und vor allem die Folgen dessen, was seine Gegner tun werden. Ich möchte Sie übrigens daran erinnern, dass in den ersten Tagen dieser Operation alle ukrainischen Kommentatoren, sowohl diejenigen im Fernsehen als auch in den sozialen Netzwerken, stolz sagten: „Seht ihr, Iran hat zu Recht einen Schlag abbekommen. Natürlich zu Recht, die Führer dieses Landes haben ukrainisches Blut an den Händen. Und Russland hat sein geopolitisches Gewicht verloren, konnte Iran nicht helfen. Wie wunderbar“. Und jetzt ist plötzlich das Hauptproblem, dass Russland zum Hauptprofiteur geworden ist. Nun, das ist doch wirklich eine seltsame Situation. Man sollte sich irgendwie entscheiden, so oder so. Deshalb würde ich Trumps Wunsch, Putin zum Hauptprofiteur zu machen, nicht überschätzen. Als die Ölpreise zu steigen begannen, wusste er einfach nicht, was er tun sollte. Er ist von inkompetenten Menschen umgeben, die nicht besonders gut verstehen, was in den Situationen zu tun ist, in die sie geraten. Nichts Neues. Wenn man sich mit Leuten umgibt, die einem nur schmeicheln, ist das ein riesiges Problem. Sie verstehen doch, dass das ein enormes Problem ist im Hinblick darauf, was dann mit deiner Kompetenz, deiner Fähigkeit zu handeln, geschieht. Also all das sind gewaltige Schwierigkeiten für die weitere Entwicklung der Ereignisse.

Im Grunde sprechen wir jetzt darüber, wie sich der Krieg gegen Iran weiterentwickeln wird. Gerade in einer Situation, in der offensichtlich kein klarer Plan für die weitere Entwicklung besteht, liegt das eigentliche Problem. Und das ist ein sehr reales Problem im Hinblick auf das, was uns noch bevorsteht. Mehr lässt sich dazu im Moment kaum sagen. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns das bewusst machen – gerade angesichts der Lage, in der wir uns heute befinden – und es stets im Hinterkopf behalten. Wenn wir darüber sprechen, dass Russland etwas gewinnt oder nicht gewinnt, dann zeigt das letztlich nur, wie eine solche Situation unter inkompetenter Führung funktioniert. Ich denke, dass die Ukrainer das auch ohne mich sehr gut verstehen.

Frage. Eine weitere Zuspitzung der Lage in Iran – wozu könnte sie Trump bewegen? Zu einer endgültigen Hinwendung zu Putin oder zu einer Rückkehr zur Zusammenarbeit mit den Verbündeten? Was wird die Oberhand gewinnen: Sympathie oder Umstände?

Portnikov. Ich glaube, die Umstände werden die Oberhand gewinnen. Auch das muss man im Zusammenhang mit dem verstehen, was im Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Iran geschieht. Sympathien sind schön und gut. Aber es stellt sich die Frage: Wie kann Trump ein Bündnis mit Russland schließen, das Iran hilft, Israel zu zerstören? Das widerspricht doch seinen Zielen, nicht wahr? Oder mit China, das ebenfalls überhaupt kein Bündnis mit Amerika will? Auch das ist ein sehr wichtiger Punkt, den wir ansprechen müssen.

Frage. Und wer soll der Ukraine diese Raketen geben, um das russische Produktionspotenzial zu zerstören? Etwa die Trump-Administration? Es ist doch offensichtlich, wie sehr Trump die Ukraine hasst. Oder Großbritannien? Oder Frankreich?

Portnikov. Nun, ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich halte es für möglich, dass Großbritannien oder Frankreich das tun können, weil sich die Welt sehr verändert. Bis vor Kurzem waren die Europäer der Meinung, sie müssten alles erst in zweiter Linie liefern, jedenfalls erst nachdem die Vereinigten Staaten zugestimmt hätten. Heute gibt es das nicht mehr, und es wird es auch nicht mehr geben. Deshalb ja: Ich bin der Meinung, dass ernsthafte Verhandlungen zwischen den Verbündeten notwendig sind. Und wir müssen nicht so sehr mit den Russen und den Amerikanern sprechen, sondern mit den Europäern, denn wir brauchen in dieser Situation weitreichende Waffen.

Frage. Glauben Sie nicht, dass die Wiederaufnahme des sogenannten Verhandlungsprozesses das Ziel hat, Druck auf die Ukraine auszuüben, damit sie auf Angriffe gegen russische Raffinerien verzichtet? Ein weiterer Gefallen für den Besatzer, Trumps Verbündeten.

Portnikov. Die Ukraine könnte auf Angriffe gegen den Raffineriekomplex Russlands verzichten im Austausch für einen Verzicht Russlands auf Angriffe gegen die ukrainische Infrastruktur. Beides liegt heute nicht im Interesse Moskaus und Kyivs. Deshalb glaube ich nicht, dass die Ukraine auf Angriffe gegen die Raffinerieindustrie der Russischen Föderation verzichten kann, solange die Russische Föderation Infrastrukturangriffe gegen die Ukraine fortsetzt. Und Russland versteht sehr gut, dass es, wenn es nicht gegen unsere Infrastruktur schlägt, keine besonderen Trümpfe mehr hat, um uns zur Kapitulation zu zwingen. Deshalb glaube ich nicht, dass darüber bei Verhandlungen ernsthaft gesprochen wird.

Frage. Wenn Laridschani tot ist und Modschtaba in Russland, wer ist jetzt der tatsächliche Führer Irans und trifft die wichtigsten Entscheidungen?

Portnikov. Erstens wissen wir nicht, wo Modschtaba ist. Das ist alles Verschwörungstheorie. Zweitens kann auch jemand, der dich in Russland befindet, Entscheidungen treffen, wenn er den realen Machtapparat in der Hand hat. Drittens wird Iran von den Revolutionsgarden geführt. Und ganz real treffen die Führer dieses Korps alle konkreten Entscheidungen über Angriffe, etwa gegen die Infrastruktur der Staaten des Persischen Golfs, gegen Israel und so weiter. Es gibt einen Oberbefehlshaber der iranischen Armee; man kann ihn töten, dann erscheint ein neuer Oberbefehlshaber. Viertens gibt es den Sprecher des iranischen Parlaments Ghalibaf, dessen politische Rolle wächst, je mehr andere iranische Führer ausgeschaltet werden. Wenn man ihn tötet, wird irgendein anderer auftauchen. Das ist doch ein System. Und die Existenz eines symbolischen Obersten Führers schafft sozusagen die formale Vollendung dieses Systems. Wenn Modschtaba Khamenei getötet wird – nun, dann wird man einen neuen Obersten Führer wählen, ich sehe darin überhaupt kein ernstes Problem.

Frage. Die Strategie Irans, den Krieg mit denselben menschenfresserischen Methoden zu führen, die wir schon seit vier Jahren beobachten – es wirkt, als komme das direkt aus der Lubjanka. Und ist das normal für solche Regime?

Portnikov. Das ist überhaupt normal für alle autoritären Regime. Ich sehe darin überhaupt kein Problem. Das ist die ganze Geschichte der Menschheit hindurch so gewesen – diese menschenfresserischen Methoden, die autoritäre Regime und Diktaturen vor allem anwenden, um die Bevölkerung einer ungehorsamen Region, eines ungehorsamen Landes einzuschüchtern. Ich sehe im russisch-ukrainischen Krieg oder in dem Krieg, den Iran führt, überhaupt nichts Neues. Wenn etwas Neues dabei wäre, dann wäre das aus historischer Sicht wirklich wichtig. So aber ist das völlig normal.

Frage. Warum sprechen wir nur über negative Aspekte und negative Einflüsse des Krieges gegen Iran auf die Ukraine? Gibt es denn gar keine positiven Auswirkungen?

Portnikov. Einen positiven Einfluss gibt es in gewissem Maße schon. Wenn Iran Russland mit Technologien und Drohnen geholfen hat, dann kann es das jetzt nicht mehr tun. Aber wir wissen nicht sicher, ob Iran weiterhin die Drohnen produzierte, mit denen auf uns geschossen wurde, oder ob die Produktion dieser Drohnen bereits in der Russischen Föderation selbst lokalisiert ist. Und ob man jetzt wirklich sagen kann, dass diese Produktion für die Russische Föderation wichtig ist. Oder schickt nicht vielleicht inzwischen die Russische Föderation selbst Drohnen in den Iran? Wir wissen das nicht, weil wir nicht einmal wissen, wer tatsächlich jene einzige Drohne mit der russischen Aufschrift „Geran-2“ hergestellt hat, die in den Staaten des Persischen Golfs gefunden wurde. War es eine russische Drohne im Besitz Irans, oder bauen die Iraner umgekehrt einfach Drohnen und versehen sie mit russischer Schrift, um ihre Beteiligung am Krieg zu verschleiern? Besondere positive Folgen dieses Krieges für die Ukraine gibt es bislang nicht. Vielleicht wäre es ein positives Ergebnis, wenn er mit dem Zusammenbruch des iranischen Regimes enden würde, mit seiner endgültigen völligen Niederlage. Aber zusätzliche Waffen werden auch dann nicht vom Himmel fallen, und dieser Prozess würde lange dauern. Nun, ich verstehe, dass man gern positive Momente in diesem Prozess finden möchte, aber er ist eher negativ als positiv. Und zwar nicht nur für uns, wie Sie verstehen.

Frage. Halten Sie es für richtig, dass die Europäische Union sich bislang zurückhält, den Vereinigten Staaten zu helfen? Die USA unter Trump haben doch gezeigt, dass sie völlig unzuverlässige Partner sind – gegenüber der Ukraine, gegenüber den Kurden.

Portnikov. Nun, ich denke, auch das ist bis zu einem gewissen Grad ein Problem, und wir können sagen, dass das reale Schwierigkeiten in dem sind, was in den Beziehungen zwischen Europäern und Amerikanern geschieht. Diese amerikanische Unzuverlässigkeit hat übrigens gerade dazu geführt, dass kurdische Formationen sich geweigert haben, an dieser Geschichte teilzunehmen. Das ist tatsächlich so, denn ich bin sicher, dass sie darauf reagiert haben, wie die Amerikaner sich gegenüber den syrischen Kurden verhalten haben, die sie viele Jahre lang unterstützt und unter Trump dann verraten haben, in der Hoffnung, besondere Beziehungen zur neuen syrischen Führung aufzubauen. Ich sagte damals schon, dass das ein riesiger Fehler sei. Aber wen haben die Vereinigten Staaten in Trumps Zeit im Weißen Haus eigentlich nicht verraten? Das war doch ein Jahr der Verrate. Hat man die venezolanische Opposition verraten? Hat man. Die Kurden verraten? Hat man. Die Ukraine verraten? Hat man. Noch bevor Trump Präsident der Vereinigten Staaten wurde, begann dieser Führer der amerikanischen Ultrarechten uns zu verraten, indem er die Hilfe für uns blockierte. Infolgedessen haben wir Awdijiwka verloren. Nun, als er Präsident wurde, konnte er dann seine Politik in vollem Umfang entfalten. Natürlich ist dieses Gefühl des Verrats da. Ganz zu schweigen davon, dass, wenn man gute Beziehungen zu den Europäern haben will, aber zugleich davon redet, Grönland zu übernehmen, welches reale Bedürfnis sollten die Europäer haben, dir zu helfen, wenn du bereit bist, die territoriale Integrität eines EU-Mitgliedstaates zu verletzen? So wie du dich gegenüber Kanada oder anderen Ländern verhältst, ist das ein enormes Problem. Jedenfalls sehen wir jetzt, dass sich die Situation langsam korrigiert. Ich habe Ihnen ja schon erzählt, was im Zusammenhang mit der europäischen Reaktion geschieht. Und vielleicht finden Europäer und Amerikaner ja doch noch irgendein gegenseitiges Verständnis. Ich verstehe nur nicht ganz, wie man die Straße von Hormus öffnen soll und ob es dafür reale Möglichkeiten gibt. Aber all das werden wir, denke ich, bald sehen.

Das sind also die Hauptpunkte dieses Krieges und seiner Folgen für uns. Hoffen wir auf das Beste.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Війна з Іраном: загрози для України | Віталій Портников. 19.03.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 19.03.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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