Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, könnte die Möglichkeit eines Angriffs auf die Führung der Islamischen Republik Iran und auf den obersten Führer der Sicherheitsstrukturen dieses Staates in Betracht ziehen. Nach Ansicht vieler Beobachter hängt genau mit dieser Absicht des amerikanischen Präsidenten die Konzentration der US-Streitkräfte rund um Iran sowie die ständigen Drohungen Donald Trumps gegen die iranische Führung zusammen, der er rät, möglichst bald einen Deal abzuschließen.
Offensichtlich ist jedoch auch, dass all diese Drohungen vor dem Hintergrund der faktischen Niederschlagung der Proteste im Iran durch das Regime erfolgen. Als iranische Demonstranten darauf hofften, dass Donald Trump tatsächlich Schläge gegen die Stäbe der Islamischen Republik führen würde, und Trump selbst die Protestierenden dazu aufrief, Regierungsgebäude zu stürmen, geschah am Ende praktisch nichts. Trump erklärte Journalisten, dass er sich selbst umgestimmt habe. Nun werden erneut Truppen in Richtung Iran verlegt, und Trump könnte wieder die Möglichkeit von Schlägen gegen die Führung der Islamischen Republik in Betracht ziehen – diesmal jedoch in einer Situation, in der es praktisch keine Massenproteste mehr gibt.
Ja, ich halte es für möglich, dass der Präsident der Vereinigten Staaten darauf setzt, dass im Falle solcher Angriffe auf die oberste Führung der Islamischen Republik die Proteste erneut aufflammen könnten. Allerdings haben auch jene recht, die betonen, dass man ein feindliches Regime nicht allein durch Raketenangriffe zerstören kann. Trump könnte im Grunde nicht einmal die Zerstörung des Regimes der Islamischen Republik anstreben, sondern vielmehr die Wiederholung dessen, was ihm seiner Ansicht nach bereits in Venezuela gelungen ist, als nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, der sich nun vor der amerikanischen Justiz verantworten soll, dessen Mitstreiter zur Zusammenarbeit mit Washington bereit waren und zu einer energiepolitischen Kooperation übergingen.
Möglicherweise glaubt Trump, dass sich etwas Ähnliches im Iran ereignen könnte: dass nach Schlägen der US-Armee, bei denen die obersten Führer der Islamischen Republik ums Leben kämen, die Verbliebenen einsehen würden, dass es notwendig sei, ein Abkommen zu schließen, das dem iranischen Atomprogramm ein Ende setzt und die Reichweite der ballistischen Raketen der iranischen Armee reduziert – was die Region tatsächlich etwas beruhigen und die Sicherheit Israels gewährleisten soll.
Allerdings wissen wir erstens nicht einmal, wie die tatsächlichen Ergebnisse der Maßnahmen des Präsidenten der Vereinigten Staaten in Venezuela aussehen. Die nach Maduro verbliebene chavistische Führung ist zwar tatsächlich nicht an einer Eskalation der Beziehungen zu den Vereinigten Staaten interessiert. Doch zu behaupten, dass sich institutionell in Venezuela etwas grundlegend geändert habe und dass Russland und China künftig keinen Einfluss mehr auf dieses Land hätten, ist bislang äußerst schwierig.
Der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, räumte ein, dass der Übergang Venezuelas zur Demokratie ein langfristiger Prozess sei, erklärte jedoch erneut nicht, auf welche Weise die Administration von Präsident Trump das venezolanische Führungspersonal zu ehrlichen Wahlen bewegen wolle, die tatsächlich jene an die Macht bringen könnten, die vom venezolanischen Volk unterstützt werden. Zumal auch Trump selbst bekanntlich Zweifel an der Autorität des Führers der venezolanischen Opposition geäußert hatte – bis es ihm gelang, eine fremde Nobelmedaille zu erlangen.
Mit der Islamischen Republik könnte es noch deutlich komplizierter werden. Iran genießt eine weitaus größere Unterstützung – oder besser gesagt: ein größeres Interesse – aus Moskau und Peking als Venezuela. Die Machtstrukturen Irans sind wesentlich solider ausgebildet als jene Venezuelas und verfügen über eine deutlich ausgeprägtere ideologische Komponente.
Denn in Ländern wie Venezuela waren linksradikale Ansichten häufig lediglich ein Deckmantel für die Machtusurpation, die bereits Hugo Chávez vollzogen hatte. Im Iran hingegen handelt es sich um eine echte Theokratie, die nicht durch Wahlen an die Macht kam, wie es in Venezuela zur Etablierung einer linksradikalen Republik führte, sondern durch die Revolution von 1979.
Die Menschen, die heute den Iran regieren, waren bereit, für ihre Macht und ihre Vorstellung davon, wie Iran aussehen soll, Massenproteste und Opfer in Kauf zu nehmen. Zu behaupten, ein solches Regime lasse sich allein durch Raketenbombardements zerstören und würde nur deshalb einem Abkommen mit den Vereinigten Staaten zustimmen, weil eine Gruppe seiner Führer getötet wird, bedeutet, das Wesen solcher Regime nicht zu verstehen.
Und genau darauf könnten Trump unterschiedlichste Akteure hinweisen: sowohl der Präsident der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, als auch der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowie die Monarchen des Persischen Golfs, die begreifen, welches Maß an Destabilisierung die Region erleben könnte, falls die Vereinigten Staaten die Führung Irans angreifen. Und vor allem: falls die iranische Führung beschließen sollte, auf einen solchen Schlag zu reagieren – was keineswegs ausgeschlossen ist.
Dabei stellt sich die Frage, wie diese Reaktion aussehen würde. Wäre es ein erneuter Raketenangriff auf Israel sowie auf israelische Militärstützpunkte und Städte? Oder würde das Regime der Ajatollahs diesmal versuchen, amerikanische Militärziele im Nahen Osten anzugreifen, was seinerseits zu einer noch größeren Destabilisierung führen würde?
Doch das Wichtigste ist das, was wir sowohl aus dem Beispiel Venezuela als auch aus dem Iran verstehen: Präsident Trump ist in seinem Bestreben, sich in Regionen durchzusetzen, in denen offen antiamerikanische Regime an der Macht sind, nicht bereit, die Streitkräfte in vollem Umfang einzusetzen. Er fürchtet, dass Verluste unter amerikanischen Soldaten – die im Falle eines Regimewechsels in einem feindlichen Staat unvermeidlich wären – zu Empörung in seiner Wählerbasis führen könnten.
Und das ausgerechnet im Vorfeld der Zwischenwahlen im November dieses Jahres, die zu einem Triumph der Demokraten führen könnten – wenn nicht in beiden, so doch in einer der beiden Kammern des Kongresses. Und falls in beiden, dann verstehen wir sehr gut, dass Donald Trump einem Amtsenthebungsverfahren kaum entgehen würde und seine politische Karriere deutlich früher enden könnte, als wir es uns heute vorstellen. Trump ist sich dessen sehr bewusst. Nach seiner ersten Amtszeit musste er bereits Gerichtsverfahren durchstehen. Er möchte mit 80 Jahren keinesfalls erneut auf der Anklagebank sitzen.
Deshalb will der Präsident der Vereinigten Staaten bei aller Bereitschaft zu drohen kein echtes Risiko eingehen. Das bedeutet, dass all seine außenpolitischen Kalkulationen zumindest im Jahr 2026, wenn nicht zum Scheitern verurteilt, so doch zu einer erheblichen Korrektur gezwungen sind. Und das Wichtigste: In Moskau, in Peking, in Teheran und sogar in Caracas versteht man das sehr gut.
Man weiß genau, wo die roten Linien verlaufen, die Trump nicht zu überschreiten vermag – angesichts der Zwischenwahlen und seines Bestrebens, die republikanische Mehrheit im Kongress zu bewahren und damit die Stimmen jener amerikanischen Wähler nicht zu verlieren, die Trump gerade deshalb gewählt haben, weil sie davon ausgingen, dass die Vereinigten Staaten sich künftig nicht mehr in große internationale Konflikte einmischen würden und dass amerikanische Soldaten nirgendwo sonst eingesetzt werden sollten als auf dem eigenen Territorium.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Трамп хочет ударить по Хаменеи | Виталий Портников. 29.01.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:29.01.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Donald Trump sagte auf die Frage von Journalisten, dass er nicht vorhabe, den russischen Präsidenten Putin festnehmen zu lassen.
Offensichtlich wurde diese Frage nach der amerikanischen Spezialoperation gegen den venezolanischen Diktator Nicolás Maduro gestellt. Ebenso offensichtlich ist, dass Trump nicht bereit ist, den russischen Präsidenten festzunehmen.
Doch schon die Tatsache, dass solche Fragen im Weißen Haus gestellt werden, ist natürlich keine gute Nachricht für den russischen Herrscher. Genau deshalb gerieten seine Propagandisten in Aufregung und drohen den Vereinigten Staaten nun mit dem Dritten Weltkrieg und Vernichtung.
Aber das Wichtigste ist, dass Putin in den Augen der amerikanischen Medien praktisch auf einer Stufe mit kleinen Diktatoren steht, die es sich erlauben, die Vereinigten Staaten zu verhöhnen. Das Entscheidende ist, dass amerikanische Journalisten annehmen, der russische Präsident könne das Schicksal seiner Verbündeten teilen: Baschar al-Assad, der sich nach dem Zusammenbruch seines repressiven Regimes in der russischen Hauptstadt verstecken muss, oder Nicolás Maduro, der nicht rechtzeitig nach Rostow geflohen ist und nun gezwungen ist, vor einem amerikanischen Gericht auszusagen. Und übrigens ist es keineswegs ausgeschlossen, dass diese Liste von Putins Verbündeten, die Zuflucht in Russland suchen oder vor Gericht erscheinen müssen, nicht noch durch die Führer der Islamischen Republik Iran ergänzt wird, die derzeit ihre Macht in einem blutigen Konflikt mit ihrem eigenen Volk verteidigen.
Wie wir sehen, kann Putin nicht derjenigen helfen, die auf ihn gesetzt haben. Denn es ist eine Sache, friedliche Bewohner von Aleppo oder Charkiw zu bombardieren, und eine ganz andere, sich realen geopolitischen Kräften entgegenzustellen, die den russischen Präsidenten nicht als ebenbürtigen Gegner betrachten. Man sucht zwar Möglichkeiten, mit ihm zu verhandeln und gemeinsam Geld zu verdienen, scheut sich aber nicht, ein Schiff festzusetzen, das von der russischen Führung demonstrativ als eigener Tanker unter eigener Flagge bezeichnet wird.
Und vielleicht gerade diese Tatsache, dass amerikanische Spezialkräfte sich nicht gescheut haben, einen von Russland als seinen eigenen erklärten Tanker zu beschlagnahmen, bringt die Medien in den Vereinigten Staaten dazu, über die Frage nachzudenken, ob Trump Putin festnehmen könnte. Und bei allen möglichen Sympathien, die der amerikanische Präsident für den russischen Herrscher haben mag, gefallen ihm solche Fragen natürlich, weil sie ihn daran erinnern, dass er und nur er der alternativelose politische Führer der heutigen Welt ist. Warum sollte er sich also vor Fragen über eine mögliche Festnahme des russischen Präsidenten scheuen?
Offensichtlich ist für Putin derzeit nicht die Hauptfrage, ob amerikanische Spezialkräfte in seine Residenz in Waldai eindringen oder ob diese Residenz von ukrainischen Drohnen angegriffen wird. Für Putin ist entscheidend, das finanzielle Potenzial seines Staates für den Krieg gegen die Ukraine unter weiterem Druck der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Staaten zu erhalten.
Natürlich wissen wir, dass der russische Präsident seine Wirtschaft ignorieren kann, ohne zu begreifen, dass er für die Fortsetzung dieses grausamen Krieges gegen die Ukraine nicht nur Menschen braucht, die bereit sind, für Geld zu töten, sondern auch dieses Geld selbst. Und dass jede neue Runde von Sanktionen der zivilisierten Welt gegen einen der brutalsten Staaten der Gegenwart seine Fähigkeit, den Krieg fortzusetzen, verringert.
Doch darin liegt auch eine Falle für den russischen Herrscher. Denn wir verstehen sehr gut, dass die Logik jeder Diktatur darin besteht, die Bevölkerung wenigstens auf einem Niveau zu halten – wenn schon nicht des Wohlstands, so doch des bloßen Überlebens. Auf diesem Überlebensniveau stellt man natürlich keine Fragen an die oberste Macht, die Eroberungskriege führt. Zumal in Russland, dessen Bevölkerung immer in den Traditionen solcher aggressiven, grausamen und ungerechten Kriege erzogen wurde.
Doch wenn es nicht mehr möglich ist, die Bevölkerung zu versorgen, wenn es keine reale Perspektive mehr gibt, ihr auch nur ein Mindestmaß an Überleben in dieser Kriegszeit zu sichern, dann beginnt das Unverständnis – sowohl bei den sogenannten einfachen Leuten, die glauben, sie seien „außerhalb der Politik“ und könnten der Macht jede noch so abscheuliche Tat erlauben, als auch bei den Eliten, die bis zu einem bestimmten Moment den Zorn des Diktators fürchten und dann begreifen, dass sein Verbleib an der Macht für ihr eigenes Überleben und ihre Bereicherung weitaus gefährlicher ist als das Risiko, sich einem Mann entgegenzustellen, der den Bezug zur Realität verloren hat.
Dass Putin diesen Bezug zur Realität längst verloren hat, daran, so scheint mir, hat in Russland niemand Zweifel. Doch er hat jene rote Linie noch nicht überschritten, ab der der rasche Absturz der russischen Staatlichkeit in Perspektivlosigkeit und Unfähigkeit zur Erholung beginnt.
Wenn westliche Sanktionen wirksam arbeiten, wenn Trump nicht davor zurückschreckt, Zölle gegen die Energiesponsoren Russlands zu verhängen und sie so zwingt, den Kauf russischen Öls einzustellen, um den Bankrott russischer Ölkonzerne und den faktischen Zusammenbruch der Öl- und Raffinerieindustrie der Russischen Föderation herbeizuführen; wenn die ukrainischen Streitkräfte die nötigen Zielkoordinaten erhalten, um russische Raffinerien und die Tanker der russischen Schattenflotte zu zerstören, und die Amerikaner sich nicht scheuen, diese weiterhin festzusetzen – dann könnten für das russische Regime tatsächlich ernste und unvermeidliche Probleme entstehen. Und in diesen ernsten und unvermeidlichen Problemen könnte Putin eine weit realere Bedrohung erleben als eine mögliche Festnahme durch Donald Trumps Spezialkräfte.
Denn wir wissen: In Russland ändert sich jahrzehntelang nichts – und dann bricht ein russischer Aufstand aus, voller Gewalt und Leid, ohne klares Ziel oder Nutzen. Und die erste Person des Staates wird zur ersten Opfer dieses Aufstands. Dann muss man sich nicht mehr vor den Amerikanern fürchten, sondern vor den Russen selbst, deren Grausamkeit alle Vorstellungen übertreffen kann, die heute im Kopf ihres jeweiligen Herrschers existieren. Deshalb wird Putin bei seinen weiteren Spielen mit Donald Trump sehr vorsichtig sein müssen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Чи захопить Трамп Путіна | Віталій Портников. 10.01.2026.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:10.01.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro fordert die Regierung von Donald Trump von der amtierenden Staatschefin Venezuelas, Delcy Rodríguez, die Ausweisung kubanischer, iranischer und anderer Agenten von Staaten, die den Vereinigten Staaten feindlich gegenüberstehen, sowie die Beendigung des Verkaufs venezolanischen Öls an Gegner Amerikas.
Für die Volksrepublik China, die der wichtigste Abnehmer venezolanischen Öls ist, dürfte diese Forderung Washingtons kaum eine ernsthafte Belastung darstellen. Venezolanisches Öl macht nur einen unbedeutenden Teil der gesamten Ölimporte der Volksrepublik China aus. Ich würde die Käufe venezolanischen Öls durch China eher als eine Geste der Unterstützung des Regimes von Nicolás Maduro durch die Volksrepublik China betrachten – natürlich im Austausch gegen politische Loyalität, die sich ein neues venezolanisches Regime, falls es nach dem Zusammenbruch des Chavismus gebildet würde, kaum leisten könnte.
Ganz anders ist die Lage für die Russische Föderation, deren Führung plante, die Einnahmen aus dem venezolanischen Öl auch weiterhin mit der Führung dieses Landes zu teilen. Hier geht es nicht mehr um Unterstützung an sich, sondern um gegenseitigen Nutzen. Denn der russische Staatskonzern Rosneft, der vom engsten Vertrauten Wladimir Putins, Igor Setschin, geleitet wird, hat in die Erschließung venezolanischer Ölfelder investiert und rechnete daher mit Gewinnen aus der Förderung venezolanischen Öls. In einer Situation, in der Rosneft selbst unter Sanktionen der Vereinigten Staaten steht und gezwungen ist, Wege zu suchen, diese zu umgehen, könnten Einnahmen aus venezolanischem Öl – selbstverständlich ebenfalls illegal – zu einer wichtigen Stütze für das Imperium Igor Setschins werden.
Doch nun wird das offenbar nicht geschehen. Die Trump-Regierung wird von der venezolanischen Führung verlangen, die Ölvermögenswerte an amerikanische Unternehmen zurückzugeben, die ihre Positionen auf dem venezolanischen Markt nach der Machtübernahme der Regime von Hugo Chávez und Nicolás Maduro verloren haben.
Überhaupt ist es recht interessant zu sehen, dass der gesamte russische staatliche Ölkapitalismus auf Diebstahl beruht. Das Unternehmen Rosneft entstand, nachdem Wladimir Putin zusammen mit seinen Vertrauten dem Unternehmen Jukos von Michail Chodorkowski weggenommen hatte. Danach wurden die Kapazitäten dieses Privatunternehmens zwischen dem Staat und den dem Putin-Regime loyalen Oligarchen aufgeteilt. Und Igor Setschin, der viele Jahre für Wladimir Putin gearbeitet hatte, wurde plötzlich zu einem der mächtigsten und reichsten Manager des Staates. Obwohl weder Setschin noch seine Vertrauten, die an die Spitze von Rosneft gelangten, irgendwelche realen Anstrengungen zum Aufbau der Ölindustrie in der Russischen Föderation unternommen hatten.
In der Folge führte der Kreml ein ganz ähnliches Experiment auch in Venezuela durch. Denn wir verstehen sehr gut, dass Rosneft gerade in jene Ölindustrie investierte, die vom linkspopulistischen Regime Chávez’ und Maduros den amerikanischen Ölkonzernen weggenommen worden war – und die übrigens auch heruntergewirtschaftet wurde. Genauso wie übrigens in der Russischen Föderation selbst von einer intensiven Entwicklung der Ölindustrie keine Rede sein kann.
Um zu verstehen, wie man diese Branche wirklich entwickelt, braucht man sowohl Kompetenz – die, wie wir wissen, Igor Setschin und dem Apparat des Staatskonzerns fehlt – als auch das Fehlen westlicher Sanktionen, die an sich schon die Entwicklung der Ölindustrie bremsen. Die Sanktionen gegen Rosneft und Lukoil wiederum zwingen diese russischen Unternehmen dazu, auf eine Ausweitung der Ölproduktion zu verzichten und sogar bereits bestehende Förderstätten zu schließen. Eine völlig vorhersehbare Lektion für jene, die glaubten, man könne Milliarden Dollar verdienen, indem man fremdes Eigentum stiehlt.
Für Russland geht es hier also nicht nur um eine geopolitische Niederlage, nicht nur um eine Demonstration der Trump-Regierung, dass Moskaus Verbündete nicht auf die politischen Möglichkeiten Wladimir Putins zählen können – denn der Hausherr des Kremls hat solche Möglichkeiten schlicht nicht. Genau deshalb unterscheidet sich das Schicksal von Nicolás Maduro, der in seiner eigenen Residenz in Caracas entführt wurde, kaum vom Schicksal des ehemaligen syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, der angesichts des raschen Zerfalls seines menschenfeindlichen repressiven Regimes nach Moskau fliehen musste.
Es gibt für Russland noch eine viel ernstere wirtschaftliche Dimension – auch wenn sie für Putin, der sich in wirtschaftlichen Realitäten wenig auskennt, vielleicht nicht so wichtig erscheint. Für den russischen Haushalt jedoch wird sie wichtig sein, ebenso wie für das Bewusstsein, dass Russland bald überhaupt keine zusätzlichen Möglichkeiten mehr haben wird, mit fremdem, gestohlenem Öl Geld zu verdienen.
Denn ein weiteres wichtiges Land für russische Investitionen – und übrigens ein weiteres Land, dem China durch Ölankäufe hilft – ist der Iran. Man kann von einer Art Achse der „Tankstellen“ sprechen, die die Volksrepublik China versorgen: Russland, Iran, Venezuela. Doch auch im Iran, wie wir sehen, finden Massenaufstände von Bürgern statt, die gegen die Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen und die tyrannische Politik des Ajatollah-Regimes protestieren. Und es ist durchaus möglich, dass selbst wenn es Teheran gelingen sollte, die Kontrolle über das Land zu behalten, dies der Entwicklung der iranischen Öl- und Raffinerieindustrie keineswegs helfen wird.
Russland bleibt also nur die Hoffnung auf die eigenen Ölkonzerne, deren Einnahmen schon vor der Einführung der jüngsten Trump-Sanktionen um etwa 70 Prozent gefallen sind. Und dieser Rückgang wird sich fortsetzen, je länger die Konfrontation des Putin-Regimes mit der zivilisierten Welt und der russische Krieg gegen die Ukraine andauern. Allerdings habe ich ernste Zweifel daran, dass Wladimir Putin in seinem gegenwärtigen politischen Zustand überhaupt in der Lage ist, aus dem Geschehen angemessene Schlussfolgerungen zu ziehen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Путин теряет Венесуэлу | Виталий Портников. 06.01.2025. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:06.01.2025. Originalsprache:ru Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Schwer bewaffnete amerikanische Soldaten fahren den Präsidenten Venezuelas, Nicolás Maduro, durch die Straßen von New York. Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, droht der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die nun die Funktionen des Staatsoberhaupts ausübt, und betont, dass sie, falls sie nicht mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten sollte, ein Schicksal erwarte, das schlimmer sei als das von Maduro. Mit denselben Drohungen tritt auch der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, auf, der als einer der wichtigsten Initiatoren der Operation gilt, die die Amerikaner in diesen Tagen in Venezuela durchgeführt haben.
Unterdessen zeigt die neue Präsidentin Venezuelas überhaupt keine Bereitschaft, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten. Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López erklärt im Namen der Armee Protest gegen das, was er die Entführung des venezolanischen Präsidenten nennt. Auf den Straßen Venezuelas sieht man keine Demonstranten, die die Entführung Nicolás Maduros unterstützen oder ihre Solidarität mit der Opposition bekunden würden, die – wie bekannt – erst kürzlich, im Jahr 2024, die Präsidentschaftswahlen des Landes tatsächlich gewonnen hatte.
Damit lässt sich feststellen, dass das von Maduros Vorgänger Hugo Chávez geschaffene Regime weiterhin die Lage in Venezuela kontrolliert und damit auch die Erdölindustrie dieses lateinamerikanischen Landes.
So wird es mit jeder Stunde nach der amerikanischen Spezialoperation immer unklarer, was Donald Trump tatsächlich erreichen wollte. Wenn es ausschließlich um eine gezielte Spezialoperation zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten ging, der nicht bereit war, mit Donald Trump zu verhandeln, dann kann man von einem Erfolg dieser Operation sprechen – davon, dass ihr propagandistischer Effekt erreicht wurde und sich weiterhin so entfaltet, wie es Donald Trump gefällt.
Wenn man jedoch von realen geopolitischen Ergebnissen spricht, sehen wir bislang nichts, was darauf hindeutet, dass sich in Venezuela die Machtverhältnisse ändern oder dass das Regime, das das Land zu Chávez’ Zeiten regierte und unter Maduro weiterregierte und auch jetzt noch an der Macht ist, seine Politik ändern oder mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten will.
Kann man reale Möglichkeiten für eine solche Zusammenarbeit schaffen? Natürlich kann man das. Aber dafür wäre eine ernsthafte Bodenoperation erforderlich – nicht durch Spezialkräfte, sondern durch reguläre amerikanische Truppen.
Wie bekannt, widerspricht ein solcher Ansatz der politischen Philosophie Donald Trumps. Er ist bereit zu drohen und bereit, konkrete, kurze Spezialoperationen durchzuführen – etwa Schläge gegen iranische Nuklearanlagen oder den Angriff auf die Residenz Nicolás Maduros. Aber bislang wirkt der amerikanische Präsident nicht wie jemand, der bereit ist, einen großen Krieg mit einer großen Zahl amerikanischer Gefallener zu beginnen. Und sollte es dazu kommen, könnte man sagen, dass dies bereits ein ganz anderer Trump wäre, der – meiner Ansicht nach – sehr weit von seinem traditionellen Wählerklientel entfernt wäre.
Denn man muss daran erinnern, dass die Anhänger jener konservativen, isolationistischen Amerika-Vorstellung, die Donald Trump gewählt haben, vor allem darauf hofften, dass die Beteiligung der Vereinigten Staaten an weltweiten Konflikten minimiert würde. Und Donald Trump, der der Ukraine faktisch finanzielle und militärische Unterstützung verweigert, brüstet sich vor seinen Wählern damit, dass Amerika nun keinen einzigen Dollar mehr für die Unterstützung des Opfers der russischen Aggression ausgebe.
Im Fall eines Krieges mit Venezuela zur Ablösung des dortigen Regimes ginge es jedoch nicht nur um Dollar – von denen ebenfalls sehr viele ausgegeben werden müssten –, sondern auch um den Tod amerikanischer Soldaten. Das würde natürlich einen schweren Konflikt zwischen Donald Trump und seiner politischen Basis hervorrufen.
Vielleicht hatte der amerikanische Präsident gehofft, dass die venezolanischen Führer einfach Angst bekommen würden angesichts der meisterhaften Art und Weise, mit der amerikanische Spezialkräfte das Staatsoberhaupt eines Landes entführen können. Doch man sollte nicht vergessen, dass wir es hier mit einem ideologischen Regime zu tun haben – mit Menschen, die mit links-populistischen Parolen an die Macht kamen und ihr Land gerade deshalb in einen der größten Verlierer Lateinamerikas verwandelt haben.
Für solche Menschen bedeutet eine Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten vor allem den Zusammenbruch ihrer ideologischen Grundlage und den Verlust der Unterstützung durch jene, die noch Anhänger des Chavismus sind. Für diese Leute würde ein Überlaufen auf die Seite der Interessen der Vereinigten Staaten und ein Verrat an ihren Gönnern in Moskau und Peking bedeuten, ihre Macht viel früher zu verlieren, als wenn die venezolanische Führung weiterhin ihre sogenannte antiimperialistische Rhetorik pflegt.
So steht Donald Trump nun vor einer schwierigen Wahl. Entweder er erkennt an, dass die Vereinigten Staaten keine reale Kontrolle über Venezuela herstellen können und dass dafür ein echter Krieg mit ungewissem Ausgang nötig wäre – denn das wäre dann keine kurze Spezialoperation, sondern ein langer Kampf gegen die venezolanische Armee mit anschließendem Chaos im Land. Schließlich war es niemand anderes als Donald Trump selbst, der einen solchen Verlauf der Ereignisse im Irak kritisiert hat.
Oder wird die Festnahme von Nicolás Maduro bei gleichzeitiger Beibehaltung der Macht seiner Gefolgsleute mit der Zeit als eine weitere propagandistische Kampagne Donald Trumps ohne reale Ergebnisse gelten. Das würde die Vereinigten Staaten in Lateinamerika keineswegs stärken, sondern zeigen, dass Donald Trump dort keine neuen geopolitischen Erfolge erzielen kann – schlicht, weil er den echten Krieg gegen autoritäre Regime fürchtet, das wirkliche Kräftemessen mit Putins Russland, dessen Führer Trump mit seinem nuklearen Potenzial erfolgreich erpresst und zugleich mit finanziellen Möglichkeiten lockt, den Konflikt mit der Volksrepublik China fürchtet und deshalb gezwungen ist, die hohen Zölle auf chinesische Waren wieder aufzuheben. Und vielleicht fürchtet er sogar einen echten Krieg mit Venezuela – damit seine Anhänger ihn nicht an die große Zahl amerikanischer Soldaten erinnern, die in einem solchen Krieg aus diesem lateinamerikanischen Land niemals zurückkehren würden.
Und die Ungewissheit, die nun nach der amerikanischen Spezialoperation die Welt beherrscht, spiegelt genau dieses Dilemma wider, vor dem Donald Trump jedes Mal stehen wird, wenn er zwischen Krieg und dem propagandistischen Effekt einer amerikanischen Spezialoperation wählen muss.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Новий виклик Трампу | Віталій Портников. 04.01.2026.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:04.01.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Wir werden versuchen, gemeinsam mit Ihnen die ersten Schlussfolgerungen aus dem Schlag der Vereinigten Staaten gegen Venezuela zu ziehen. Wir haben heute Morgen bereits darüber gesprochen, was infolge dieser Schläge geschehen ist, wir sprachen über die Situation, die mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse zusammenhängt, aber damals gab es weder eine Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten Donald Trump noch eine Reaktion der Welt noch eine Reaktion der Führung Venezuelas selbst.
Wie seltsam es auch ist: In Venezuela ist eine Führung geblieben, die im Grunde von den Mitstreitern Nicolás Maduros gebildet wird. Und das ist natürlich eine ziemlich seltsame Situation, die zumindest einer ersten Analyse dessen bedarf, was geschehen ist.
Erstens haben wir es bislang mit einer ziemlich kurzen, kurzfristigen Operation zu tun. Das, was nachts als Krieg begann, dauerte im Prinzip nur 30 Minuten. Und in diesen 30 Minuten wurde das Wichtigste vollbracht, ich würde sagen: das Allerwichtigste für Trump – die Festnahme des Präsidenten Venezuelas Nicolás Maduro und seine Überführung in die Vereinigten Staaten von Amerika. Mehr ist bisher zum jetzigen Zeitpunkt nicht passiert. Das heißt, es war eine Spezialoperation zur Ergreifung von Nicolás Maduro.
Was wird weiter passieren? Das ist eine 100 Milliarden Dollar Frage, weil von ihr in der Zukunft, vielleicht in Jahren, vielleicht in Jahrzehnten, das Schicksal des weltweiten Ölmarktes abhängen könnte – angesichts der venezolanischen Ölreserven. Also sagte Trump, der mit einer großen Rede vor Journalisten auftrat, dass die Amerikaner in der Übergangszeit die Verwaltung Venezuelas übernehmen würden, dass es eine lange Verwaltung dieses Landes sein werde.
Und in dieser Situation, wie wir verstehen, hat Trump beschlossen, mit den amtierenden Führern Venezuelas zusammenzuarbeiten. Wie seltsam es auch ist: Er hat praktisch den Dialog mit der venezolanischen Opposition aufgegeben, mit der Anführerin dieser Opposition, der Nobelpreisträgerin María Machado, die gerade Kontakte mit den Vereinigten Staaten wollte.
Und wir müssen eine ziemlich einfache Sache verstehen. Die venezolanische Opposition hat in Wirklichkeit die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2024 gewonnen. Wie mir scheint, gewann sie auch bei den vorherigen Wahlen, die von Maduro und den Chavisten gefälscht wurden. Gerade die venezolanische Opposition wird von der Mehrheit des venezolanischen Volkes unterstützt. Und genau mit dieser Position will Trump keinerlei Kontakte haben.
Aber er teilte mit, dass der Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, Kontakt mit Delcy Rodríguez gehabt habe, der Vizepräsidentin Venezuelas. Und sie habe versprochen, mit den Vereinigten Staaten zusammenzuarbeiten.
Delcy Rodríguez selbst sagt absolut entgegengesetzte Dinge. Sie ist soeben als Präsidentin Venezuelas vereidigt worden. Sie verlangt die sofortige Freilassung von Präsident Nicolás Maduro und seiner Ehefrau Cilia Flores. Sie nennt Nicolás Maduro den einzigen legitimen Präsidenten Venezuelas. Sie betont, dass Venezuela niemals irgendeine Kolonie sein werde. Und somit sehen vorerst die Aussagen der Präsidentin Venezuelas völlig anders aus als jene Aussagen, mit denen Donald Trump auftritt.
Nun stellt sich die Frage, was die Amerikaner als Nächstes tun werden. Das heißt: Faktisch ist das Regime, das in Venezuela von Hugo Chávez geschaffen wurde, an der Macht geblieben, es hat all seine Positionen bewahrt. Und das Einzige, was dem amerikanischen Spezialkommando gelungen ist, ist, dieses Regime seines Anführers zu berauben – eines Anführers, der absolut kein alleiniger Herrscher dieses Landes war. Und der Verteidigungsminister und der Innenminister, Menschen, die tatsächlich die Sicherheitsstrukturen im Land kontrollieren, haben nicht nur ihr Leben behalten, sie haben auch die volle Kontrolle über diese Sicherheitsstrukturen behalten – und die Amerikaner wollen mit ihnen zusammenarbeiten.
Es stellt sich natürlich die Frage über den Sinn dessen, was da geschieht. Und es stellt sich die Frage, wie Trump Venezuela regieren will bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein sicherer Übergangszeitraum gewährleistet sein wird.
Um Venezuela tatsächlich zu regieren, muss man eine Bodenoperation amerikanischer Truppen beginnen. Nicht einfach Bombardierungen des Territoriums – das ist übrigens aus dem Nahen Osten bekannt –, sondern eine reale Präsenz amerikanischer Truppen, reale Kämpfe in Caracas, reale Todesfälle amerikanischer Soldaten, und zwar in großer Zahl, oder das Verständnis, dass Venezuela so bleiben wird, wie es unter Nicolás Maduro und vor Nicolás Maduro war.
Denn man muss begreifen, dass Nicolás Maduro ausschließlich der Erbe von Chávez ist. Das ist ein Mensch, der von Chávez im Grunde nahezu allein auf das Amt des Präsidenten Venezuelas ausgewählt wurde, überhaupt nicht weil er die schillerndste Figur in Chávez’ engstem Umfeld war, sondern weil dieser ehemalige Busfahrer wie ein Volksführer aussah, mehr einem Vertreter einfacher Venezolaner ähnelte als all diese Militärs und Generäle, die tatsächlich Vertreter jener Elite sind, die Venezuela auch schon vor Chávez regierte – denn dort waren die Positionen der Militärs immer sehr stark –, und die offensichtlich beabsichtigt, Venezuela auch nach seiner Herrschaft zu regieren.
„Neben mir steht die höchste Führung des venezolanischen Staates, das höchste militärische Kommando, die höchsten Organe der Staatsmacht, die Führung des Rates der Vizepräsidentin, alle politischen Zentren der nationalen Macht Venezuelas sind vereint. Auf den Straßen des Landes steht das Volk“, sagte die Vizepräsidentin Venezuelas Delcy Rodríguez, die nach der Ausfuhr Nicolás Maduros aus dem Land zur neuen Präsidentin Venezuelas wurde.
Und ich erinnere daran, dass einer der ersten Gesprächspartner von Delcy Rodríguez, nachdem bekannt wurde, dass Nicolás Maduro außer Landes gebracht worden war, der Außenminister der Russischen Föderation Sergej Lawrow war, der der neuen Präsidentin die Unterstützung des Präsidenten Russlands Putin zusicherte.
Ja, natürlich konnte Putin Maduro vor Trumps Zorn nicht schützen – und er beabsichtigte es auch nicht –, aber er wird jetzt versuchen die neue venezolanische Führung zu unterstützen, die offensichtlich immer bereit war, mit Moskau und mit Peking zusammenzuarbeiten.
Und das ist der interessanteste Moment in dieser ganzen Geschichte. Das, was wie eine groß angelegte Operation zur Stürzung eines totalitären Regimes in Venezuela aussah, scheint einfach nur eine weitere persönliche Rache Trumps an einem Menschen zu sein, den er aus diesen oder jenen Gründen hasste und verachtete – bei gleichzeitiger Bewahrung jener autoritären Diktatur, die in Venezuela zur Zeit von Hugo Chávez errichtet wurde, und natürlich auch noch eine Aufführung, die die Selbstbeweihräucherung des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika demonstrieren soll.
Denn in dieser Situation sieht jetzt alles absolut anders aus als am Morgen. Am Morgen konnte man denken, dass das Regime Venezuelas vor unseren Augen unter dem Druck amerikanischer Militärs zusammenbricht. Wir verstehen gut, dass der Effekt der Entführung Maduros das Ergebnis von Absprachen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und jenen selben räuberischen venezolanischen Clans sein kann, die Trump irgendwann später Einnahmen aus venezolanischem Öl versprechen können. Denn ich sage es noch einmal: Es gibt eine große reale Gefahr, dass Trump im Austausch gegen Öl in Venezuela diese populistische Militärdiktatur bewahren wird.
Wobei unbekannt ist, wann dieses Öl tatsächlich auf den Markt kommen wird. Wenn man von den unglaublichen Ölreserven Venezuelas spricht, möchte ich daran erinnern, dass Venezuela heute nur 1% des weltweiten Ölmarktes produziert. Ja, es hat enorme Reserven, sehr große, aber für die Erschließung dieser Reserven werden Jahre nötig sein. Manche sprechen von Jahrzehnten, weil das Regime von Hugo Chávez faktisch die ölproduzierende Industrie Venezuelas zerstört hat. Selbst wenn amerikanische Unternehmen auf den venezolanischen Markt zurückkehren, werden sie Jahrzehnte brauchen, um ihre Positionen wiederherzustellen.
Vielleicht sehe ich das pessimistisch, aber das sind definitiv nicht ein, nicht zwei und nicht drei Jahre. Und definitiv nicht die Zeit, in der Donald Trump noch im Oval Office sitzen wird. Trump selbst wird keine Einnahmen aus venezolanischem Öl sehen.
Also: Was müsste in dieser Situation jetzt in Venezuela geschehen? Delcy Rodríguez kann nicht die ganze Amtszeit von Nicolás Maduro Präsidentin Venezuelas sein. Eine Amtszeit, die gerade erst begonnen hat. Ich erinnere daran, dass diese Wahlen, von Maduro gefälscht, erst im Jahr 2024 durchgeführt wurden. Sie muss innerhalb von 90 Tagen Präsidentschaftswahlen ansetzen, und falls diese Frist nicht ausreichen sollte, dann nach weiteren 90 Tagen.
Und es stellt sich die Frage, ob an diesen Wahlen venezolanische Oppositionelle teilnehmen werden, denen man den Sieg gestohlen hat. Ich erinnere daran, dass María Corina Machado praktisch nicht an den Wahlen teilnehmen konnte. Ihr Verbündeter Edmundo González nahm teil, und müsste ebenfalls das Land verlassen hat, der diese Wahlen gewann.
Trump sagt nichts dergleichen über Kontakte mit der venezolanischen Opposition. Er sagt, sie habe keine Autorität. Somit kann er völlig gelassen den Umstand ignorieren, dass die Oppositionellen erneut faktisch von der Macht weggedrängt werden – von denen, die heute tatsächlich Venezuela regieren: der Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, der praktisch nichts unternommen hat, um Maduro zu schützen, und eine andere starke Figur in Venezuela, der Innenminister Diosdado Cabello.
Übrigens: Wenn die Amerikaner für Maduro Kopfgeld von 50 Millionen Dollar versprachen, versprechen sie für den Kopf von Diosdado Cabello 25 Millionen. Dennoch hat ihn niemand entführt; er geht ruhig weiter durch die Straßen von Caracas und ruft die Venezolaner zum Widerstand gegen die amerikanische Aggression auf.
In dieser Situation ändert sich nichts. López und Cabello bleiben jene starken Figuren in Venezuela, die jederzeit ihren Sicherheitsstrukturen befehlen können, auf das Volk zu schießen. Und Trump ist bereit, mit ihnen zu sprechen, weil er sagt, in Venezuela gebe es niemanden, der die Verantwortung dafür übernehmen könnte, was in Venezuela geschieht.
Auch das ist ein ziemlich wichtiger Punkt. Und das zu verstehen ist absolut unlogisch, weil die Amerikaner sagen, dass Maduro kein legitimer Präsident Venezuelas war. Sie erkennen ihn nicht an. Gleichzeitig wollen sie mit den Vertretern der Opposition, die die Wahlen gewonnen haben, nicht sprechen, und sagen, die Macht müsse eben diesen räuberischen venezolanischen Clans gehören. Während der Präsident Frankreichs Emmanuel Macron dazu aufruft, den Übergangszeitraum gerade mit Präsident Edmundo González zu sichern, der 2024 gewählt wurde.
Aber wer wird Edmundo González nach Venezuela hineinlassen, wenn Trump mit venezolanischen Generälen sprechen will? Auch das ist ein ziemlich wichtiger Punkt, der aktuell der wichtigste Punkt ist, der in Zukunft geklärt werden müsste. Also: zum Zeit sieht die ganze Situation absolut unbestimmt aus.
Es kann sein, dass Trump einfach bestimmte Informationen von seinen Beratern erhalten hat über das, was weiter passieren wird. Es kann sein, dass Trumps Hauptidee gerade die Kontrolle über venezolanisches Öl ist und dass er den Preis dieser Frage nicht begreift.
Und das erinnert mich sehr an die Geschichte mit dem Abkommen über ukrainische Mineralien, das erst ein Abkommen über ukrainische seltene Erden war und dann zu einem Abkommen über Mineralien wurde. Und niemand weiß real, welche ukrainischen Mineralien dort wirklich gibt und was die Vereinigten Staaten als Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Ukraine bekommen können. Aber wir wissen aus der letzten Recherche der New York Times, dass, als Senator Lindsey Graham Trump die Geschichte über ukrainische Mineralvorkommen erzählte, dieser ihm sagte: „Ich will 50%.“
Vielleicht ist es mit dem venezolanischen Öl genau dasselbe. Und im Prinzip hat niemand Trump erklärt, dass dies ein ziemlich langer Prozess sein kann, der ihn kaum zu einem realen Eigentümer venezolanischen Öls machen wird.
Andererseits können dies strategische Pläne sein, die tatsächlich nicht ausschließlich mit Trumps Amtszeit zusammenhängen. Einfach die Kontrolle amerikanischer Ölunternehmen über die aussichtsreichsten Ölfelder der Welt zu etablieren – über die venezolanischen Felder. Ja, soll es irgendwo in 15 Jahren funktionieren, aber nicht zugunsten Chinas oder Russlands. Übrigens kann später auch die Frage iranischer Felder auftauchen, ebenfalls eine völlig verständliche Geschichte. Und deshalb ist Trump vielleicht jetzt absolut egal, wer in Venezuela an der Macht ist, solange diese Leute den Amerikanern Zugang zu den Lagerstätten des venezolanischen Öls geben.
Aber das alles ist vielleicht nicht so einfach, weil es für die Vereinigten Staaten sehr schwer sein wird, mit einem Regime zusammenzuarbeiten, das zur Machterhaltung seine eigenen Mitbürger töten wird. Und wenn legitime Wahlen stattfinden, wenn ein Präsident Venezuelas außerhalb der Chavisten, außerhalb der venezolanischen Generäle gewählt wird, dann ist auch die Frage, wie er zur Idee stehen wird, den amerikanischen Ölunternehmen die vollständige Kontrolle über die venezolanischen Ölfelder zu überlassen.
Hier entsteht eine Aufgabe, ich würde sagen, ziemlich schwierig. Und im Prinzip kann man sagen, dass Trump in dieser Situation einfach nicht die ganze Herausforderung begreifen könnte, die jetzt mit der weiteren Entwicklung der Ereignisse in Venezuela verbunden sein kann.
Aber damit erlaubt dieser Triumph, den wir gesehen haben, dass Trump ziemlich hart auch über Putin spricht – und dass er nicht begeistert ist von Putin, der zu viele Menschen tötet. Trump sagte auf dieser Pressekonferenz, die Venezuela gewidmet war, dass der russisch-ukrainische Krieg einfach ein Meer aus Blut verursacht hat und dass er alles Wichtige tun werde, um diese Situation zu regeln.
Und übrigens: Das Auftauchen des ukrainischen Themas auf Trumps Pressekonferenz, die seinem venezolanischen Triumph gewidmet war, sollte erneut dem amerikanischen Präsidenten zeigen, dass er alles tun kann, was er will, aber gleichzeitig wird das ukrainische Thema trotzdem auf jeder seiner Pressekonferenzen auftauchen. Und jedes Mal werden Journalisten sagen: „Nun ja, natürlich, du konntest dich mit irgendeinem Maduro fertig werden, der erzählte, ihm erscheine der Geist Chávez’ in Gestalt eines Vogels. Aber versuch mal, das Problem mit Putin zu lösen. Was bedeutet dir Maduro, wenn Putin dich ignoriert und deinen Friedensinitiativen keinerlei Beachtung schenkt? Du hast vor einem Jahr versprochen, dass du den russisch-ukrainischen Krieg beenden wirst, und er geht und geht weiter.“
Das ist, denke ich, das Problem, das für Trump in der zukünftigen Entwicklung der Ereignisse ziemlich ernst sein kann, verbunden mit dem Verlauf der Ereignisse an der russisch-ukrainischen Front. Ganz zu schweigen davon, dass wir sehen, dass Trump auch die Opposition gegen seine Entscheidung verfolgen kann, und zwar sowohl in Lateinamerika als auch in den Vereinigten Staaten selbst.
Was interessant ist: Im Jahr 2024 beschuldigten die Führer Brasiliens, Mexikos und Kolumbiens Nicolás Maduro der Usurpation der Macht und meinten, die Opposition habe gewonnen. Und jetzt meinen all diese Führer, Amerika habe die Souveränität Venezuelas verletzt. Dasselbe auch der Bürgermeister von New York, Zohran Mamdani, der betonte, dass „ein einseitiger Angriff auf einen souveränen Staat ein Kriegsakt und ein Verstoß gegen Bundes- und internationales Recht ist. Dieses offene Streben nach einem Regimewechsel beeinflusst nicht nur Ereignisse im Ausland. Es betrifft direkt die Bewohner New Yorks, darunter Zehntausende Venezolaner, die diese Stadt ihr Zuhause nennen.“ Und der Bürgermeister von New York rief Trump persönlich an, um seine Ablehnung seiner Entscheidung auszudrücken.
Aber wiederum habe ich den Eindruck, dass von keinem Regimewechsel in Venezuela die Rede ist, dass Trump einfach Beziehungen zu eben diesem Regime herstellen will, das dort existiert, um Zugang zu den Ölfeldern Venezuelas zu bekommen. Und dieses Regime setzt die Rhetorik fort, entsprechend jener Rhetorik, mit der Präsident Nicolás Maduro auftrat. Zumindest spricht die Vizepräsidentin Venezuelas im Prinzip dieselben Dinge, die Maduro vor seiner Festnahme durch amerikanische Spezialkräfte gesagt hat. Und das ist wiederum ein Widerspruch zu dem, was Trump auf seiner Pressekonferenz erzählte.
Also, was soll man jetzt tun? Möglichkeiten suchen, die Vizepräsidentin von der Macht zu entfernen? Versuchen die auch in die Vereinigten Staaten zu bringen? Aber jeder neue Vertreter der Chavisten, der in Caracas an die Macht kommen wird, wird dieselben Dinge sagen, weil das ideologische Menschen sind. Und ich wiederhole es noch einmal: Entweder wird Trump sich zu einer realen militärischen Operation in Venezuela entschließen – zu „Boots on the ground“, zu Todesfällen amerikanischer Soldaten in den Kämpfen um Venezuela –, denn bislang ist es eine glänzende Operation, bei der niemand ums Leben gekommen ist. Aber wenn jene Hinterzimmerabsprachen, die möglicherweise zwischen den Amerikanern und den venezolanischen Clans getroffen wurden, gebrochen werden, werden diese Clans sich ganz anders verteidigen – nämlich durch das Töten von Amerikanern.
Wir haben es mit einem Menschen zu tun, der in dieser Situation nie kämpfen wollte und den man immer dafür beschuldigte, dass er sich nicht in irgendwelche Angelegenheiten einmischen wolle. Und er sagte: „Ja, ich bin ein Präsident des Friedens, ich bin kein Präsident des Krieges.“ In dieser Situation ist absolut unklar, wie weit Trump zu realer Teilnahme bereit ist. Nicht zu einem Spezialkräfte-Raid, nicht zu Bombardierungen. Auf diesem Weg werden Regime nicht geändert. Regime werden nur geändert, когда eine reguläre Armee das Gebiet dieses oder jenes Staates betritt und bereit ist, Tausende Leben für einen Regimewechsel in einem fremden Land zu opfern. Anders geht es nicht.
Und Donald Trump wird entweder zustimmen müssen, dass er amerikanische Soldaten in den Krieg schicken wird – in einen realen Krieg, in einen echten Krieg –, oder er wird mit den Regimen leben müssen, die ihn, gelinde gesagt, ohne großen Respekt behandeln werden. Ja, jemanden von diesen Regimen kann er aus dem eigenen Bett stehlen, aber nicht mehr als das.
Das sind die ersten solchen Ergebnisse dieser Aussagen Trumps – ziemlich, ich würde sagen, merkwürdigen, wie für mich – angesichts des morgendlichen Aufruhrs und der Antworten auf diese Aussagen der neuen Präsidentin Venezuelas.
Ein paar Fragen, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.
Frage. Wird Amerika in die Situation im Iran und in Mexiko eingreifen?
Portnikov. Das ist eine ganz andere Situation, weil im Iran, wie Sie verstehen, сейчас ein Volksaufstand есть und er wächst von Tag zu Tag. Aber das Regime der iranischen Ajatollahs hat довольно starke Sicherheitskräfte, die in der Lage sind, diesen Aufstand zu bewältigen. Trumps jüngste Aussagen, dass wenn die iranischen Ajatollahs friedliche Demonstranten töten, dies eine rote Linie sei und Trump den Iranern helfen werde. Aber es stellt sich die Frage: Wie soll man allein durch die Bombardierung einiger iranischer Militäreinrichtungen das Regime ändern? Und Sie verstehen, dass für ein so großes Land wie Iran selbst die amerikanische Armee angesichts der dortigen Geografie und so weiter nicht ausreichen wird. Vielleicht könnten Angriffe auf offizielle Residenzen oder auf Stützpunkte der Revolutionsgarden durchgeführt werden, wenn die Repressionen des Regimes bereits irgendeinen bestialischen Charakter annehmen. Aber wir werden sehen, wie das real aussehen wird und zu welchen Ergebnissen – und das Wichtigste – es führen wird.
Frage. Sie sagten vor kurzem, dass wenn ein demokratisches Land ein totalitäres angreift, der Aggressor zerstört werden müsse. Was hat sich jetzt für Sie geändert?
Portnikov. Nichts hat sich geändert. Ich halte das nicht für einen Angriff auf ein totalitäres Land. Ich halte das für eine reale Spezialoperation mit dem Ziel, eine Person zur Verantwortung zu ziehen, die die Macht in ihrem Land usurpiert hat. Die Vereinigten Staaten erheben keinen Anspruch auf das Gebiet Venezuelas – im Gegensatz zu Russland, das der Ukraine faktisch den Krieg erklärt hat mit dem Ziel, unseren Staat zu zerstören. Dass es Menschen gibt, die diesen Unterschied nicht verstehen, zeigt erneut, wie viele Menschen in der sowjetischen Vergangenheit geblieben sind. Das ist nicht die erste solche Operation der Amerikaner gegen Menschen, die in ihrem Land die Macht usurpieren. Es gab eine Operation gegen Manuel Noriega, den panamaischen Diktator, der auch in die Vereinigten Staaten ausgeflogen wurde. Ich muss Ihnen übrigens sagen, dass die Amerikaner dort tatsächlich für eine Übergangszeit und den Übergang Panamas zur Demokratie gesorgt haben. Ich sehe daran nichts Schlechtes.
Die Frage sind immer die Ziele. Wenn ein Angriff mit dem Ziel der Aggression und des Kampfes gegen die Souveränität dieses oder jenes Staates erfolgt, ist das eine Sache. Wenn ein Angriff mit dem Ziel erfolgt, den Staat von der Diktatur zu befreien und die Souveränität wiederherzustellen, ist das eine absolut andere Geschichte. Mir scheint, das ist absolut verständlich, und für mich hat sich nichts geändert. Mein Ansatz ist sehr einfach: Wenn ein demokratisches Land seine militärische Kraft gegen eine Diktatur richtet und die Vertreter dieser Diktatur zerstören kann, dann kann man das nur begrüßen. Ich wäre sehr froh, wenn demokratische Länder die Sowjetunion angegriffen und ihre Führung zerstört hätten. Was wäre daran schlecht gewesen, wenn man zum Beispiel in den 20er Jahren Lenin aus Moskau in ein Gefängnis irgendwo in den Vereinigten Staaten gebracht hätte, und Stalin und seine Leute auf dem Roten Platz erschossen hätte? Das sind doch Menschen, die in Russland die Macht usurpiert haben. Was wollen Sie? Ich verstehe das überhaupt nicht.
Frage. Wie sollen die Ereignisse in Caracas Putin beeinflussen, seine Politik gegenüber der Ukraine und den USA?
Portnikov. Ich denke, kaum. Das Einzige ist, dass Putin glauben könnte, dass er damit seine Handlungen gegen die Ukraine legitimiert. Hier ist in der Ukraine derselbe Regime wie in Caracas, und wenn man Maduro stürzen kann, warum kann man dann Zelensky nicht stürzen? Das klingt bei russischen Propagandisten so: „Die Amerikaner können Maduro ausfliegen. Dann lasst uns Zelensky ausfliegen.“ Aber mir scheint, dass es hier nichts Neues gibt.
Wie Sie verstehen, wird Putin nicht mit Trump streiten, weil er versteht, dass Trump irgendwelche unterschiedlichen Sanktionen gegen ihn einführen kann. Diese Sanktionen braucht er nicht. Er muss Zeit gewinnen, um unser Land weiter zu zerstören – ohne neue amerikanische Sanktionen. Also beeinflussen die Ereignisse in Venezuela keineswegs Putins Wunsch, die Kontrolle über den postsowjetischen Raum herzustellen.
Frage. Können solche gewaltsamen Methoden zu einem Instrument im Kampf der Demokratie gegen autoritäre Regime werden?
Portnikov. Ich wiederhole noch einmal: Daran ist nichts Neues. So war es immer. Das einzige Problem dessen, was aktuell passiert, ist, dass es kein Kampf der Demokratie gegen autoritäre Regime ist, sondern ein Kampf Donald Trumps um Öl, weil er das venezolanische Regime nicht zerstört. Das venezolanische chavistische Regime, die links-populistische Diktatur, existiert weiter, wie sie existierte. Und wir werden sehen, was morgen oder übermorgen passiert, ob es Trump ohne Anwendung realer Gewalt – nicht einer 30-minütigen Spezialoperation mit Beteiligung von Spezialkräften – gelingt, die venezolanischen Führer zu einem realen Übergangszeitraum zu bewegen. Bisher sieht es nicht so aus. Und bisher sieht es nicht nach einer realen Möglichkeit zur Änderung der Situation in Venezuela aus.
Aber alles kann sich, wie Sie verstehen, schnell und stürmisch entwickeln. Vielleicht wird auch Trump sein Verständnis dessen, was passiert, nach einiger Zeit ändern, wenn sich jemand mit ihm trifft, ihm vom realen Unterstützungsgrad der venezolanischen Opposition erzählt, wenn er die Aussagen der venezolanischen Präsidentin sieht, die im Prinzip absolut dem widerspricht, was er heute auf seiner Pressekonferenz gesagt hat. Und im Prinzip müssen sie in dieser Situation entweder der Aussage der venezolanischen Präsidentin zustimmen, dass es hier eine absolut konkrete Regierung gibt, dass bereits der Verteidigungsrat Venezuelas zu arbeiten begonnen hat, dass Venezuela einen einzigen Führer hat – Nicolás Maduro.
Oder Trump wird zustimmen müssen, dass man in eine langfristige militärische Operation eintreten muss – tatsächlich mit dem Ziel eines realen Übergangszeitraums –, oder aber in ein paar Tagen wird man diese ganze Operation zur Festnahme Nicolás Maduros vergessen, und man wird alle Möglichkeiten einer amerikanischen Kontrolle über Venezuela vergessen und sich damit abfinden, dass dies eine „Monroe-Doktrin light“ ist, die eher auf Mythen beruht als auf realen Möglichkeiten, irgendeine Ordnung auf dem lateinamerikanischen Kontinent herzustellen – eine Ordnung, in der die Vereinigten Staaten ihre globale Rolle aus der Vergangenheit spielen würden.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Удар по Венесуелі: наслідки | Віталій Портников. 03.01.2026.
Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:03.01.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Nur wenige Stunden nach der amerikanischen Spezialoperation in Venezuela, die zur Festnahme des Präsidenten dieses Landes, Nicolás Maduro, führte, gibt es keinerlei Klarheit darüber, wie es weitergehen wird – weder in Venezuela selbst noch in der Region.
Der US-Außenminister Marco Rubio sagt, dass die Vereinigten Staaten keine weiteren Schritte unternehmen werden, und lässt damit erkennen, dass das Hauptziel der USA gerade die Festnahme des venezolanischen Staatschefs gewesen sei.
Dabei ist jedem, der sich mit lateinamerikanischer Politik beschäftigt, seit Langem bekannt – und übrigens weiß Rubio das besser als jeder andere –, dass Nicolás Maduro eher ein Aushängeschild des chavistischen Regimes ist. Dieses Regime wurde von Maduros Vorgänger Hugo Chávez geschaffen, der mithilfe der venezolanischen Sicherheitskräfte eine linkspopulistische Diktatur errichtete, die tatsächlich die Drogenkartelle begünstigte. Doch es ist offensichtlich, dass keineswegs Nicolás Maduro während seiner gesamten Herrschaft die Hauptfigur im Drogenhandel war. Die Hauptakteure im Drogenhandel waren die engsten Gefolgsleute Hugo Chávez’, die weiterhin ihre Ämter und ihre Machtpositionen innehaben.
Der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, der, wie bekannt, in den ersten Minuten nach Beginn der Spezialoperation als getötet galt, lebt, ist gesund und wendet sich an die Venezolaner mit einem Aufruf zur Ruhe. Und übrigens hat die venezolanische Armee den amerikanischen Soldaten, die den Präsidenten des Landes festnahmen, keinerlei Widerstand geleistet – so, als habe sie im Voraus gewusst, dass sich alles auf die Festnahme Maduros beschränken würde. Ein anderer prominenter venezolanischer Politiker aus dem engen Umfeld Hugo Chávez’, der Innenminister Diosdado Cabello, der die venezolanischen Geheimdienste vollständig kontrolliert, wurde ebenfalls auf den Straßen von Caracas gesehen und tritt ebenfalls mit kämpferischen Erklärungen auf.
Das bedeutet, dass der Chavismus, das chavistische Regime, sich schlicht auf einen Austausch des Aushängeschilds vorbereitet. Wenn die Vereinigten Staaten tatsächlich keine realen Schritte zur Veränderung dieses Regimes unternehmen, wird es angesichts seiner Machtmittel weiterhin Venezuela kontrollieren. Und selbstverständlich wird sich dann auch nichts an dem Strom von Drogen ändern, der aus diesem Land in die Vereinigten Staaten fließt.
Wozu also brauchte Donald Trump diese Spezialoperation? Um die Stärke und Entschlossenheit der Vereinigten Staaten zu demonstrieren, damit der amerikanische Präsident von seinem Land als dem einzigen Staat sprechen kann, der eine derart spektakuläre Spezialoperation durchführen kann – und um sich generell in seiner Wichtigkeit zu sonnen. Wir haben bereits bemerkt, dass für Donald Trump vor allem der Medieneffekt zählt, nicht irgendein realer politischer Erfolg.
Und genau dieser Medieneffekt wurde durch die Festnahme einer Person erreicht, die während ihrer gesamten Amtszeit kaum als führende Figur im chavistischen Regime gelten konnte. Wenn die Vereinigten Staaten keine weiteren Schritte unternehmen, können die venezolanischen Oppositionellen nur davon träumen, an die Macht zurückzukehren.
Mehr noch: Wir sehen bereits, wie Venezuela Unterstützung in ganz Lateinamerika erhält. Es sei daran erinnert, dass 2024 weder in Brasilien noch in Mexiko noch in Kolumbien – den führenden Ländern der Region – die Legitimität Nicolás Maduros anerkannt wurde. Die Führungen dieser Länder sprachen offen über Wahlfälschungen durch den amtierenden Präsidenten Venezuelas und seine Gefolgsleute.
Jetzt jedoch verurteilen sowohl Brasilien als auch Mexiko und Kolumbien die amerikanische Intervention und sprechen von einer Verletzung der Souveränität Venezuelas. Dieselbe Meinung wird von einer Reihe weiterer Staaten geteilt, die als Verbündete der Vereinigten Staaten gelten können. Ähnliche Erklärungen kamen beispielsweise aus Paris.
So hat das chavistische Regime, das längst die Macht usurpiert und die Ergebnisse von Präsidentschafts- und Parlamentswahlen fälscht, dank der Handlungen Donald Trumps und seiner Gefolgsleute zusätzliche Legitimität erhalten. Und natürlich kann man dasselbe über die Reaktionen der Russischen Föderation und der Volksrepublik China sagen.
Man könnte zwar sagen, dass Moskau und Peking ihren Verbündeten nicht verteidigt und erneut gezeigt haben, dass sie den Vereinigten Staaten praktisch nichts entgegensetzen können. Aber wenn an der Spitze Venezuelas weiterhin ein Russland und China freundlich gesinntes Regime stehen wird, wozu sollten Wladimir Putin und Xi Jinping dann zusätzliche Anstrengungen unternehmen, um Nicolás Maduro zu retten?
Sie werden sich problemlos mit dem nächsten venezolanischen Präsidenten verständigen, der von eben diesen Padrino López und Cabello ernannt wird. Für sie wird das Wichtigste sein, den Zufluss venezolanischen Öls auf den Weltmarkt zu bremsen, denn das könnte tatsächlich ein Todesurteil für die russische Wirtschaft bedeuten.
Eine andere Frage ist, dass die Chavisten durch die Festnahme Maduros erschreckt sein könnten und glauben, die beste Option für sie sei ein Tausch von Freiheit gegen Öl. Und hier stellt sich eine durchaus berechtigte Frage: Wird Donald Trump zu einem Deal mit dem chavistischen Regime bereit sein, sodass amerikanische Ölgesellschaften wieder Zugang zu ihren Vermögenswerten erhalten, während die Menschen, die in den letzten Jahrzehnten in Venezuela die Macht usurpiert haben, an der Macht bleiben, weiterhin die Finanzströme kontrollieren und weiterhin den Drogenhandel in die Vereinigten Staaten steuern? Und inwieweit wird Donald Trump in diesem Fall dieser Drogenhandel interessieren?
Die jüngste Begnadigung des ehemaligen Präsidenten von Honduras, der bekanntlich eine Haftstrafe verbüßte, weil er wegen Beteiligung am Drogenhandel verurteilt worden war, zeigt grundsätzlich, dass Donald Trump durchaus zu Flexibilität fähig ist, wenn es um amerikanische Interessen geht.
Schließlich sind die Anklagen, die gegen den ehemaligen Präsidenten von Honduras, Juan Orlando Hernández, erhoben wurden, den Vorwürfen sehr ähnlich, die gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro erhoben werden könnten. Dennoch entschied sich Trump, der den Sieg eines ultrarechten Kandidaten bei den Präsidentschaftswahlen in Honduras sichern wollte, für eine Begnadigung, um der Person zu helfen, die er an der Spitze dieses lateinamerikanischen Landes sehen wollte.
In Venezuela könnte es dieselbe Situation geben. Und ein Deal mit dem chavistischen Regime könnte zur Kulmination der heutigen Spezialoperation der amerikanischen Armee werden: eine spektakuläre Festnahme Maduros bei gleichzeitiger Bewahrung der Diktatur – unter der Voraussetzung, dass diese neue Diktatur den Interessen Donald Trumps weitaus loyaler gegenübersteht als der bisherige venezolanische Präsident.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:Удар по Венесуэле: последствия | Виталий Портников. 03.01.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:03.01.2026. Originalsprache:ru Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat nach einer Serie nächtlicher US-Schläge gegen Venezuela soeben die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro bekanntgegeben – und dass die Vereinigten Staaten ihn aus dem Land gebracht haben. Damit kann man von einer Kulmination des monatelangen Drucks der Vereinigten Staaten auf den venezolanischen Präsidenten sprechen, der noch vor wenigen Tagen den Vereinigten Staaten Abkommen über Öl und andere Energieressourcen Venezuelas angeboten hatte – Abkommen, denen Donald Trump nicht zugestimmt hat.
Es lohnt sich übrigens daran zu erinnern, dass bereits zu Zeiten von Hugo Chávez, Maduros Vorgänger im Amt des venezolanischen Präsidenten und Schöpfer des heutigen autoritären Regimes, in diesem Land die venezolanische Ölindustrie im Grunde verstaatlicht wurde – was zu ihrer schrittweisen Degeneration führte. Und wenn jetzt die Wiederherstellung des venezolanischen Ölsektors beginnt und tatsächlich Millionen Barrel Öl aus diesem Land auf dem Weltmarkt erscheinen, wird das für Länder wie die Russische Föderation eine unangenehme Überraschung sein, weil es einen neuen erheblichen Schlag gegen die Preise auf dem Energiemarkt auslösen wird.
Im Moment ist überhaupt nicht ganz klar, wie sich die Ereignisse weiter entwickeln werden. Wird es weitere amerikanische Schläge gegen Venezuela geben? Wie wird die Macht in diesem Land ausgeübt werden, nachdem Nicolás Maduro tatsächlich aus venezolanischem Gebiet herausgebracht wurde?
Gemäß der Verfassung Venezuelas müsste die Macht an die Vizepräsidentin übergehen. Das ist Delcy Rodríguez. Aber aus dieser Perspektive ist die Lage völlig unklar, weil die Vereinigten Staaten – wie auch viele andere Länder der Welt – die Legitimität Nicolás Maduros nicht anerkannt haben, da sie davon ausgehen, dass er die letzten Präsidentschaftswahlen in diesem Land gefälscht hat.
Die venezolanische Opposition sagt, der rechtmäßige Präsident sei Edmundo González, den sie als Sieger der letzten Wahlen zum Staatsoberhaupt betrachtet. González befindet sich derzeit nicht in Venezuela. Er musste das Staatsgebiet verlassen nach den von Maduro gefälschten Präsidentschaftswahlen.
Ich verstehe sehr gut, dass es jetzt bei vielen – zumindest in der Ukraine – die Versuchung geben wird, die Ereignisse in Venezuela mit Februar 2022 in unserem Land zu vergleichen. Und interessant ist, dass gerade wir das tun werden, weil natürlich in den Vereinigten Staaten die Trump-Administration diese Ereignisse nicht mit den ukrainischen vergleichen wird.
Und in Russland wird die Putin-Administration diese Ereignisse ebenfalls nicht mit den ukrainischen vergleichen – denn wie wir verstehen, ist die Russische Föderation ein wichtiger Verbündeter Venezuelas, ebenso wie die Volksrepublik China, deren Sondervertreter sich buchstäblich einen Tag vor Beginn der amerikanischen Operation mit Maduro getroffen hat. Die venezolanische Operation mit der ukrainischen zu vergleichen, hieße nämlich, den Handlungen Russlands auf dem Gebiet der Ukraine jene Pseudolegitimität zu entziehen, die Präsident Putin so nötig hat.
Deshalb wäre ich sehr vorsichtig mit Parallelen. Erstens muss man sich klar bewusst machen, dass die Russische Föderation ihre Intervention gegen eine legitime, von allen anerkannte Führung der Ukraine durchgeführt hat. Präsident Volodymyr Zelensky, gegen den eine Operation zur Ersetzung seiner Macht durch eine Marionette durchgeführt wurde, wurde von allen Staaten der Welt – ebenso wie von Russland selbst – als legitim gewählter Präsident der Ukraine anerkannt.
All diese Reden über einen Putsch in unserem Land beginnt Putin genau in dem Moment, wenn er neuen Druck auf die Ukraine ausüben und sie zur Kapitulation vor Russland zwingen will. Wie ihr euch erinnert, hat er mehrmals über diesen Putsch gesprochen, aber er hat sich nach 2014, als die Werchowna Rada der Ukraine den flüchtigen Präsidenten Viktor Janukowytsch des Amtes enthob, mehrfach mit den gewählten Präsidenten der Ukraine getroffen und ihre Legitimität anerkannt.
Zweitens muss man klar verstehen, dass das Ziel der Russischen Föderation die Annexion ukrainischen Territoriums ist. Als Russland in das Gebiet der Ukraine einmarschierte, kam es fast sofort zur Annexion der Krim. In den besetzten Gebieten des Donbas wurden Pseudovolksrepubliken ausgerufen, die später von der Russischen Föderation annektiert wurden – zusammen mit den ukrainischen Regionen Saporischschja und Cherson, deren Teile ebenfalls erst nach dem Angriff von 2022 besetzt wurden. Die Vereinigten Staaten haben – wie ihr versteht – keinerlei Wunsch und keinerlei Erklärungen zur Annexion venezolanischen Territoriums.
Wir können natürlich gesondert die Ansprüche des US-Präsidenten Donald Trump auf Kanada oder Grönland betrachten. Und in diesem Teil seiner Politik kann Donald Trump Putin tatsächlich ähneln, obwohl wir bislang zumindest noch keinen Einmarsch in Kanada und keinen Einmarsch in Grönland sehen. Aber was Venezuela betrifft, ist das eine ziemlich unpassende Parallele.
Der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, ich möchte euch daran erinnern, handelte jedoch genau wie Putin. Er erklärte die ölreiche Provinz des benachbarten Guyana zu venezolanischem Territorium – und das sind übrigens zwei Drittel des Territoriums Guyanas. Er nahm dieses Gebiet in den Bestand Venezuelas auf. Er setzte eine Verwaltung in dieser Provinz ein. Das Einzige, was nicht passiert ist – und ich denke, es hätte sich mit der Zeit ergeben können – war ein Einmarsch der venezolanischen Armee in das Gebiet Guyanas und eine reale physische Annexion des Territoriums.
Und wir verstehen sehr gut, warum es grundsätzlich nicht zu einer venezolanischen Invasion kam. Nicht deshalb, weil Maduro glaubte, er könne dieses Territorium mit friedlichen Mitteln annektieren, sondern weil der venezolanische Diktator den Vereinigten Staaten keinen Vorwand geben wollte, sein eigenes Regime zu stürzen.
Wenn wir also von Analogien sprechen, wäre ich sehr, ich würde sagen: äußerst vorsichtig in unserem ewigen Versuch, uns mit jedem Gebiet gleichzusetzen, in dem Explosionen durch Raketenbeschuss oder Schläge mit Bodentruppen stattfinden.
Denn solche Explosionen und solche Schläge haben wir im Gazastreifen gesehen, wo die israelische Armee die Terrororganisation Hamas zerstörte. Aber das kann man nicht mit der Ukraine vergleichen, obwohl viele immer diese Versuchung hatten. Und ich habe Fotos von Rathäusern in europäischen Städten gesehen, wo die palästinensische Flagge neben der ukrainischen hing.
Aber es ist etwas völlig anderes, wenn ein Staat, der von einer Terrororganisation angegriffen wurde und dessen Bürger als Geiseln genommen wurden, versucht, diese Terrororganisation zu zerstören. Ja, dabei gibt es die Tragödie der Opfer unter der Zivilbevölkerung, hinter der sich Terroristen als lebendem Schutzschild verstecken. Aber das bedeutet nicht, dass man die Terrororganisation nicht zerstören darf – denn wenn sie weiter existiert, bleibt sie eine Bedrohung für jeden zivilisierten Staat.
Wir sahen Explosionen im Iran während des zwölftägigen Krieges. Und das ist ebenfalls eine Tragödie. Aber man sollte daran erinnern, dass gerade das Regime des Iran versucht, die Lage in der Region zu destabilisieren. Gerade die Iraner haben als Erste Israel beschossen. Gerade die Iraner haben ein ukrainisches Flugzeug abgeschossen. Gerade die Iraner betreiben ein Atomprogramm, das ihnen natürlich erlauben wird, jene Region, die Ziel ihrer Ansprüche ist – den Nahen Osten – mit viel größerer Effektivität zu erpressen.
Und man sollte im Kopf behalten, dass die Ukraine für den Iran ein Testgelände war, bevor er seine destabilisierenden Handlungen im Nahen Osten begann. Iranische Schaheds erschienen nicht einfach so in unserem Himmel, weil Iran sie an Russland lieferte, sondern auch, um zu prüfen, wie effektiv diese Waffe in einem künftigen Krieg wirken würde, den der Iran zu entfesseln plante.
Und wir können ganz sicher davon sprechen, dass es jetzt eine ziemlich wichtige Sache gibt, verbunden mit einem echten Netzwerk des Widerstands gegen die Vereinigten Staaten und die demokratische Welt. Und wie wir sehen, versteckt sich dieses Netzwerk nicht. Dass ein Vertreter Xi Jinpings nach Venezuela kam und sich in Caracas mit Nicolás Maduro traf – buchstäblich 24 oder 48 Stunden bevor Maduro angeblich, zumindest behauptet das Trump, und ich denke, man muss ihm darin vertrauen, aus Venezuela herausgebracht wurde – das sagt ebenfalls viel.
Aber es gibt auch eine wichtige Sache, verbunden damit, dass diese Achse noch auf gegenseitiger Hilfe beruht, verbunden mit dem Zusammenwirken Russlands, Venezuelas und des Iran. Und wenn auch nur eines dieser Glieder schwächer wird – und wenn es tatsächlich gelingt, das diktatorische Regime Maduros zu zerstören, die Demokratie in Venezuela wiederherzustellen und eine normale Energiekooperation Venezuelas mit den Ländern der Welt – dann wird das ein ernsthafter Schlag sowohl gegen Russland als auch gegen den Iran sein.
Übrigens sagen Quellen in der venezolanischen Opposition jetzt, die Operation zur Festnahme Maduros und seiner Ehefrau sei Teil einer Vereinbarung zwischen Maduro und den Vereinigten Staaten gewesen – um zu garantieren, dass er nicht von kubanischen Spezialkräften getötet wird, und damit er Beweise gegen jenen Personenkreis liefern kann, der in Venezuela an der Macht ist, und die Quellen ihrer Finanzierung offenlegt. Aber das ist gewöhnliche Information, die absolut nicht überprüft werden kann.
Die venezolanische Vizepräsidentin Delcy Rodríguez verlangt Beweise dafür, dass Maduro am Leben ist und dass die First Lady Cilia Flores am Leben ist. Und das Außenministerium der Russischen Föderation gab eine entsprechende Erklärung ab und spricht von einem Akt bewaffneter Aggression gegen Venezuela, der Verurteilung und Besorgnis seitens der Russischen Föderation auslöse.
Das ist, denke ich, für euch keine Überraschung – denn die Russische Föderation ist immer der Meinung, dass sie die Lage so beeinflussen darf, wie sie will. Und wenn irgendein anderes Land die Lage so beeinflusst, wie es will, dann ist das Aggression, die man zurückweisen muss.
Übrigens achten jetzt viele darauf, dass der 3. Januar ein gewisser Schlüsseldatum für Donald Trump ist. Am 3. Januar 2020 befahl Trump die Tötung des Kommandeurs der Quds-Einheit der Revolutionsgarden, General Qasem Soleimani – was man als Beginn einer langen, ernsten Konfrontation zwischen seiner Administration und der Führung der Islamischen Republik bezeichnen kann, die ihrerseits jetzt ebenfalls unter schweren Problemen leidet im Zusammenhang mit einem Aufstand im Iran selbst. Und am 3. Januar 2026, wie wir sehen, ereignete sich etwas im Zusammenhang mit der möglichen Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro.
Im US-Außenministerium heißt es, Maduro werde endlich für seine begangenen Verbrechen vor Gericht gestellt werden – was im Grunde eine Wiederholung jener Situation ist, die die Vereinigten Staaten einst unter dem Slogan des Kampfes gegen Drogenkartelle durchgeführt haben, als in einer ähnlichen Lage der Diktator Panamas, Manuel Noriega, festgenommen wurde, der die Macht genauso usurpiert hatte wie Nicolás Maduro. Auch Noriega erschien vor einem amerikanischen Gericht.
Dort war die Situation im Grunde komplizierter, weil er entmachtet wurde. Im Dezember 1989 versteckte er sich in der Residenz der Vatikanbotschaft in Panama. Und erst danach wurde die Entscheidung über seinen Prozess getroffen und darüber, dass er für den jahrelangen Drogenhandel, den er anführte, verantwortlich sein müsse.
Also werden wir sehen, wie sich die Situation in Venezuela nach dieser Festnahme Maduros entwickeln wird, denn wie ihr versteht: Nachdem Manuel Noriega in Panama festgenommen worden war, öffnete sich dort der Weg zur Demokratisierung des Landes. Viel hängt davon ab, was in Venezuela in Bezug auf die Kontrolle der Macht geschieht. Denn wenn in der venezolanischen Armee der Wunsch bleibt, gegen die Amerikaner zu kämpfen, ist nicht klar, wie sich die Lage in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird.
Der Verteidigungsminister Venezuelas, dessen Tod in den ersten Stunden nach Beginn der Operation gegen Venezuela gemeldet wurde, betonte, dass die venezolanische Armee bereit sei, gegen die Amerikaner zu kämpfen und in Venezuela zu siegen. Außerdem tauchen Meldungen auf, dass die US-Marineinfanterie auf zahlreichen venezolanischen Inseln in der Karibik landet.
Das ist ebenfalls ein offensichtlicher Beleg dafür, würde ich sagen, dass die Operation weitergeht, dass sie nicht beendet ist und dass keine Erklärungen des Außenministeriums der Russischen Föderation jene Handlungen stoppen werden, die Donald Trump geplant hat.
Und jetzt ist natürlich die wichtigste Frage: wie wird sich das weiter entwickeln? Das heißt faktisch: Wird Nicolás Maduro der Öffentlichkeit wirklich gezeigt werden als jemand, der aus Venezuela herausgebracht wurde? Wird er auf die Macht verzichten, und wer wird die Macht in Venezuela kontrollieren? Wird die venezolanische Armee tatsächlich gegen die amerikanische kämpfen – oder beginnt in Wahrheit ein Prozess des Machttransfers in Venezuela durch Übergabe der Macht an den demokratisch gewählten Präsidenten Edmundo González, oder werden wenigstens Bedingungen geschaffen für die ersten Präsidentschaftswahlen in Venezuela seit dem Sieg Hugo Chávez’?
Und wir verstehen, dass Russland und China jetzt alles tun werden, damit die Vereinigten Staaten in Venezuela bis über beide Ohren stecken bleiben. Das brauchen sie aus vielen Gründen. Der erste Grund hängt vor allem mit Öl zusammen. Geopolitisches Spiel bleibt geopolitisches Spiel, wie ihr versteht. Der Wunsch, den Einfluss der Vereinigten Staaten zu schwächen und ihre Hilflosigkeit zu zeigen, ist auch für den Präsidenten der Russischen Föderation und für den Vorsitzenden der Volksrepublik China sehr wichtig. Aber nicht weniger wichtig ist, dass Öl aus Venezuela nicht in kritischen Mengen auf dem Weltmarkt erscheint, weil das die russischen Energiemöglichkeiten buchstäblich in wenigen Monaten – zumindest binnen eines Jahres – zerstören und Putins Russland vor den Vereinigten Staaten auf die Knie zwingen könnte. Das ist eine reale Möglichkeit der weiteren Entwicklung in nächster Zeit. In diesem Sinne brauchen sie das sehr.
Und natürlich: Wenn die US-Operation in Venezuela schnell verläuft – und es gibt dafür alle Voraussetzungen –, wenn wirklich bestätigt wird, dass Nicolás Maduro die Macht verloren hat und sein Regime zerfällt, wird das eine weitere Erinnerung daran sein, dass die Russische Föderation ein Papiertiger ist. Darüber hat Donald Trump Wladimir Putin schon einmal in einem Moment öffentlicher Offenheit gesprochen – denn die Versuche der Russen, die Ukraine zu besetzen, mündeten in einen Krieg, der nun schon vier Jahre dauert und von dem niemand weiß, wann er endet. Und die ganze Zeit stehen russische Truppen bei Pokrowsk. Im Grunde endete der Angriff auf Kyjiw mit einer beschämenden Niederlage der sogenannten zweitstärksten Armee der Welt.
Die Amerikaner gingen nach Caracas hinein, nahmen Maduro fest. Und auch das ist eine absolut offensichtliche Demonstration, würde ich sagen, davon, welcher Staat tatsächlich stark ist – und welcher nicht einmal mit den imperialistischen Zielen fertig wird, die er sich selbst setzt.
Und ich spreche noch gar nicht von anderem. In den ersten Tagen nach dem großen russischen Angriff auf die Ukraine leisteten die Vereinigten Staaten der Ukraine Hilfe, ebenso wie die europäischen Länder, und später wurde ein effektiver Strom militärischer Unterstützung für unser Land aufgebaut.
Und was machen die Russen? Die Russen sprechen von Solidarität mit dem venezolanischen Volk und sagen, in der Situation rund um Venezuela sei es wichtig, eine Eskalation zu verhindern und einen Ausweg durch Dialog zu finden. Und Moskau sei bereit, den Dialog zwischen den Konfliktparteien rund um Venezuela zu unterstützen.
Wie ihr aus dieser Erklärung versteht, wird die Russische Föderation Venezuela keinerlei reale Hilfe leisten. Und das ist ebenfalls ein absolut offensichtlicher Punkt, den man aussprechen muss. Ich denke, auch die Chinesen werden Venezuela keinerlei reale Hilfe leisten, sie werden sich wie immer auf Erklärungen beschränken – und damit wird es im Grunde auch enden.
So, ich schaue mir gerade die Erklärung der venezolanischen Vizepräsidentin Delcy Rodríguez an. Ich habe sie nur mit einem Ziel angesehen: um sie zu sehen. Ich habe sie nicht gesehen. Es ist eine Audioaufnahme, wie ihr versteht, denn seit Beginn der amerikanischen Operation gegen Venezuela tritt keiner aus Nicolás Maduros Umfeld öffentlich auf – weder die Vizepräsidentin noch der Verteidigungsminister noch andere. Und hier ist eine „wunderbare“ Erklärung der Vizepräsidentin: „Derzeit befindet sich Venezuela in Ruhe und denkt darüber nach, was militärische Aggression dieser Art bedeutet, die unsere Souveränität und den Frieden aller Venezolaner verletzt hat. Das Volk Venezuelas muss in vollkommener nationaler Einheit aktiv werden, um seine natürlichen Ressourcen zu schützen. Und das Heiligste, das ein Vaterland haben kann – ist sein Recht auf Unabhängigkeit und auf Zukunft.“
Wie ihr versteht, unterscheidet sich das etwas von den Erklärungen des venezolanischen Verteidigungsministers, dass die venezolanische Armee den amerikanischen Streitkräften real entgegentreten werde. Übrigens ist interessant, dass der Verteidigungsminister tatsächlich öffentlich aufgetreten ist – im Gegensatz zur Vizepräsidentin. Die venezolanische Armee wurde von Chávez und Maduro zu einer Art, würde ich sagen, „Hauspolizei“ umformatiert. Sie war im Grunde immer eine Armee des Regimes und nicht eine Armee Venezuelas.
Bisher gibt es keine Meldungen über venezolanische Opfer. Das ist ebenfalls ein wichtiger Punkt. Zwar melden venezolanische – selbstverständlich propagandistische – Kanäle, es habe zivile Bevölkerung getroffen, aber es gibt keine klaren Bestätigungen dafür, dass Zivilisten infolge dieses Schlages verletzt wurden.
Also entwickeln sich die Ereignisse bislang erst. Und sehr wichtig wird sein, wie sie sich tatsächlich weiter entwickeln. Zumal ihr versteht, dass all diese Ereignisse auch vor dem Hintergrund des Aufstands im Iran stattfinden, der für das iranische Regime ziemlich gefährlich ist. Und nach dem US-Schlag gegen Venezuela könnten Ajatollah Chamenei und sein Umfeld ebenfalls befürchten, dass Trump seine Drohung umsetzt und im Falle ernsthafter Repressionen gegen die iranische Zivilbevölkerung einen Schlag gegen Teheran, gegen die Residenz Ajatollah Chameneis sowie gegen Präsident Masud Peseschkian und andere Führer führen könnte, die damit in Verbindung stehen.
Auch das ist ein wichtiger Punkt in dieser Situation: Wir verstehen, dass wenn man die iranische Bevölkerung nicht auseinanderjagt, wenn man keine Schläge gegen sie aus Hubschraubern oder mithilfe des banditischen Korps der Wächter der Islamischen Revolution führt, die Macht im Iran ebenfalls unter den Schlägen der eigenen Bevölkerung fallen kann – ohne irgendeine reale Veränderung der Lage.
Maduro wurde im Wesentlichen nur von Putin unterstützt, vom Präsidenten Kolumbiens Gustavo Petro, der ebenfalls ein linker Politiker ist und, wie bekannt, in einem ernsthaften Konflikt mit Donald Trump steht, sowie vom kubanischen Präsidenten Díaz-Canel, der eines der repressivsten kommunistischen Regime der Geschichte des 20. und 21. Jahrhunderts anführt.
Und natürlich versteht auch Díaz-Canel, dass eine amerikanische Administration, die in der Lage ist, Maduro herauszubringen, auch der Geschichte des kubanischen Kommunismus ein Ende setzen könnte – weil sie einfach entschlossener handeln kann als ihre Vorgänger gegenüber Kuba.
Gleichzeitig ist klar, dass die Lage jetzt nicht bis zum Ende verständlich ist. Denn Maduro hatte noch vor seinem Abtransport den Ausnahmezustand im gesamten Land ausgerufen und dies mit der militärischen Aggression begründet, die von der Regierung der Vereinigten Staaten ausgeführt worden sei. Und es ist unbekannt, inwieweit diese Anordnungen gelten und ob sie von denen unterstützt werden, die jetzt die Macht in Venezuela ausüben.
Also ist das natürlich erst der Anfang all dieser Ereignisse. Sie können sich entlang einer komplizierten Exponentialkurve entwickeln, denn zumindest muss Maduro selbst vor der Öffentlichkeit erscheinen, damit die Wahrheit von Trumps Worten bestätigt wird.
Unklar ist, wer tatsächlich die Macht in Venezuela ausüben wird und inwieweit Delcy Rodríguez es mit ihren Erklärungen schaffen wird, das Regime zu konsolidieren. Wie ihr seht, versucht die venezolanische Vizepräsidentin in ihren Aussagen deutlich vorsichtiger zu sein als Maduro selbst vor dem amerikanischen Angriff – und als sein Verteidigungsminister –, was ebenfalls bis zu einem gewissen Grad ein Zeichen eines Risses angesichts einer so ernsthaften Gefahr sein kann.
Obwohl natürlich allein die Tatsache, dass Maduro von amerikanischen Spezialkräften festgenommen wurde – man sagt, es seien Kämpfer einer amerikanischen Eliteeinheit – schon die Effektivität amerikanischer Militärpolitik demonstrieren wird. Und eben, wie ihr versteht, die Effektivität amerikanischer Geheimdienste vor all den Grimassen Putins.
Kommentiert, wie ihr glaubt, wie sich die Lage in Venezuela in den nächsten Stunden und Tagen entwickeln wird, und wie möglicherweise die Öffnung des venezolanischen Energiemarktes das Schicksal des Verbündeten Maduros, des widerlichen Putin und seines terroristischen Regimes beeinflusst. Bitter ist natürlich, dass das Vorhandensein von Atomwaffen in Russland eine solche Operation in Moskau nicht zulässt. Putin muss genauso vor Gericht stehen wie sein venezolanischer Kumpel. Aber wir verstehen, dass Atomwaffen das sind, was Putin vor jeder Verantwortung für alle verbrecherischen Handlungen schützt, die der russische Präsident bereits begangen hat und die er in den nächsten Jahren seiner ruhmlosen und verbrecherischen Herrschaft noch begehen wird.
Aber jedenfalls ist Maduros Schicksal ein wunderbarer, würde ich sagen, Indikator dafür, was mit Menschen geschehen kann, die die Macht usurpieren. Jetzt erscheint eine Meldung, dass Senator Mike Lee gesagt habe, Maduro werde in die Vereinigten Staaten gebracht, um ihm strafrechtliche Anklagen vorzulegen, und weitere Handlungen der Vereinigten Staaten in Caracas würden nicht erwartet.
Das ist ebenfalls eine gute Meldung, weil sie uns die Möglichkeit gibt, uns vorzustellen, was als Nächstes kommt. Wenn es keine weiteren Handlungen geben wird, entsteht die Chance, dass das Regime, das derzeit in Venezuela existiert, unter einer anderen Führung erhalten bleibt. Aber wir verstehen auch, dass jede Person, die versuchen wird, dieses Regime anzuführen, in den Augen seiner Anhänger nicht jene Legitimität besitzen wird, die Nicolás Maduro hatte – denn Maduro erhielt die Macht aus den Händen des Diktators Hugo Chávez selbst, der diesen Modus in Venezuela geschaffen hat, wie ich schon sagte: ein widerlicher Populist und Verbündeter und Freund Putins und Fidel Castros, der übrigens nach seinem Tod – nach dem Muster all solcher Widerlinge – in ein Mausoleum gelangte. Es gab Meldungen, dass die Vereinigten Staaten einen Schlag gegen dieses Mausoleum geführt hätten. Wir wissen nicht, wie real das ist.
So ist die Lage in Bezug auf die Entwicklung der Ereignisse, die wir – wie ihr versteht – weiter beobachten müssen, denn das sind außergewöhnliche Ereignisse, und möglicherweise wird es noch bis heute Abend weitere Entwicklungen geben. Ihr müsst euch jetzt daran erinnern, dass es in den Vereinigten Staaten noch tiefe Nacht ist – in Miami 4 Uhr morgens –, und für 11 Uhr morgens Miami-Zeit ist eine Pressekonferenz Donald Trumps angesetzt. Und wir werden nach dieser Pressekonferenz mehr erfahren, die ihrerseits ein wichtiges Signal dafür sein wird, was die Vereinigten Staaten als Nächstes in Venezuela zu tun beabsichtigen.
Also beantworte ich ein paar Fragen, die während dieser Sendung bereits aufgetaucht sind.
Frage. Kann eine so aktive harte Politik der Vereinigten Staaten – Bombardierung des Iran, Operation gegen Maduro – eine Warnung an die Volksrepublik China sein, dass die USA ihre Interessen, insbesondere Taiwan, mit Gewalt schützen werden?
Portnikov. Das ist eine sehr treffende Frage, denn die Chinesen beobachten natürlich ziemlich aufmerksam, wie Donald Trump handelt. Und für Donald Trump ist es wichtig, Peking von seiner Unberechenbarkeit zu überzeugen. Das ist, würde ich sagen, Frage Nummer eins. Die Unberechenbarkeit des amerikanischen Präsidenten in der heutigen Welt ist bis zu einem gewissen Grad sein Schutz in den Beziehungen zu Moskau und Peking. Denn Xi Jinping kann dreimal überlegen, was Donald Trump tun wird, wenn die chinesische Armee Taiwan angreift oder aktive Kriegshandlungen in der Taiwanstraße beginnt. Das ist eine gute Frage, natürlich sehr wichtig. Und ich hoffe, dass solche Handlungen der Vereinigten Staaten uns dazu bringen werden, ernsthaft darüber nachzudenken, inwieweit Russland und China zu einer realen Konfrontation mit den Vereinigten Staaten bereit sind.
Frage. Wie soll die Ukraine reagieren? Die Operation verurteilen und sich potenziell mit Amerika zerstreiten, oder nicht verurteilen und die Aggression einer großen Macht gegen eine kleine als Norm anerkennen?
Portnikov. Wiederum macht ihr einen Fehler, wenn ihr versucht, das, was in der Ukraine passiert ist, mit dem gleichzusetzen, was in Venezuela geschieht. Natürlich dürfen die Vereinigten Staaten von der Ukraine nicht verurteilt werden, weil es ein Schlag gegen ein verbrecherisches usurpatorisches Regime ist. Hat die Ukraine die Schläge gegen den Iran verurteilt? Das hätte man auch als Aggression gegen ein kleines Land bezeichnen können, als die Vereinigten Staaten iranische Atomanlagen trafen. Wenn die Vereinigten Staaten jetzt die Residenz Ajatollah Chameneis treffen und die Führer des iranischen Regimes zerstören, wird das ebenfalls keine Aggression gegen ein kleines Land sein. Man muss klar verstehen, wo Gut ist und wo Böse. Nicolás Maduro ist kein legitimer Präsident Venezuelas. Die Vereinigten Staaten besetzen das Territorium Venezuelas nicht. Das ist alles. Das ist eine absolut reale Sache.
Frage. Wie kann Putin zugleich Anführer des globalen Südens sein und Trump loben?
Portnikov. Bis jetzt gelingt ihm das, aber ihr versteht, dass sie alle so sind. Nicht nur Putin ist so. Viele Menschen glauben, sie hätten gute Beziehungen zum globalen Süden und seien Anführer des globalen Südens. Sowohl Putin als auch Modi, übrigens auch Xi Jinping, äußern sich respektvoll über Trump, damit Trump ihnen selbst nicht schadet. Das ist bis zu einem gewissen Grad ein politisches Spiel. Und sie verstehen sich in diesem politischen Spiel gegenseitig sehr gut. Zumal Putin kein Anführer des globalen Südens ist – entschuldigt. Der globale Süden hat andere Anführer – Xi Jinping.
Frage. Wie legal ist es, einen Venezolaner in den Vereinigten Staaten zu verurteilen, der Verbrechen in Venezuela begangen hat und nicht in den Vereinigten Staaten?
Portnikov. Wenn ein Bürger Venezuelas Verbrechen begangen hat, die die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten bedrohten und Probleme für die Vereinigten Staaten schufen – sagen wir, Drogenlieferungen in die Vereinigten Staaten –, dann ist es aus Sicht der Justiz absolut legal, ihn in den Vereinigten Staaten zu verurteilen, weil das Verbrechen gegen die Vereinigten Staaten sind. Man wird ihn ja nicht wegen der Usurpation der Macht in Venezuela verurteilen. Man wird ihn dafür verurteilen, dass er ein Drogenkartell angeführt hat – wie es bei Manuel Noriega war oder wie es beim früheren Präsidenten Honduras war, den Trump begnadigte. Dort war eine sehr ähnliche Situation. Dieser Präsident Honduras, Juan Orlando Hernández, wurde wegen Drogenhandels verurteilt und ins Gefängnis gebracht. Übrigens: So wie auch Pawlo Lasarenko bei den Vereinigten Staaten vor Gericht stand – unser ehemaliger Ministerpräsident. Ich möchte euch daran erinnern, dass die Ukraine genau in dieser selben Ländergruppe war. Ich hoffe, sie wird es nie wieder sein. In diesem Sinne würde ich nicht sagen, dass die Vereinigten Staaten irgendwie keine Möglichkeit hätten, Nicolás Maduro in ihrer Jurisdiktion zu verurteilen.
Frage. Ihre Prognose zum Öl.
Portnikov. Ich wiederhole: Ich glaube, dass, wenn es den Amerikanern wirklich gelingt, die legitime Lieferung venezolanischen Öls auf die Weltmärkte zu entblockieren – aber das wird wiederum davon abhängen, wer Venezuela in dieser Situation führen wird –, das die Lage ziemlich ernst verändern wird. Russisches Öl wird einfach noch einmal um das Doppelte fallen. Aber es ist unklar, wie schnell das alles geschehen wird.
Frage. Gibt es eine Chance, dass die Zahal oder das US-Militär das Ajatollah-Regime im Iran stürzen? Ich hoffe sehr, dass sie es so schnell wie möglich tun. Ihre Prognose?
Portnikov. Ihr könnt auf meinem Kanal „Portnikov Argumente“ die Live-Sendung ansehen, die ich gestern Abend mit dem Autor des Telegram-Kanals „Revolution im Iran“ Mazir Mian geführt habe, wo wir diese Situation im Detail analysieren und im Grunde zu dem Schluss kommen, der mir absolut logisch erscheint, dass nur das iranische Volk das iranische Regime stürzen kann. Iran ist ein großes Land mit völlig anderer Geografie und Landschaft als der Irak oder erst recht Venezuela. Das wird dort nicht so einfach gehen. Aber wenn die Vereinigten Staaten das iranische Regime wirklich dazu zwingen können, Demonstranten nicht zu töten, dann kann dieses Regime unter dem Druck des Volkszorns und unter dem Druck innerer Widersprüche, die es immer hatte, selbst zusammenbrechen – denn es hält sich gerade deshalb, weil es Iraner aus Hubschraubern und mit Maschinengewehren erschießen kann. Und das könnte Donald Trumps Beitrag zur iranischen Problematik sein. Natürlich wird weder die Zahal noch irgendeine US-Armee das Ajatollah-Regime Khomeinis stürzen. Aber die Menschen im Iran selbst, wie wir sehen, stehen diesem Regime bereits ziemlich hart gegenüber. Auch das ist ein wichtiger Punkt, den wir in dieser Situation betonen können.
Im Chat wird daran erinnert, dass Maduro den russischen Angriff auf die Ukraine unterstützt hat. Ich erinnere noch einmal daran. Im Sinne von: „Oh, das ist ein Angriff auf einen kleinen Staat.“ Ich erinnere euch noch einmal: Maduro ist einer der treuesten Verbündeten des putinschen Regimes, der, wenn er könnte, Russland auch Waffen liefern würde, damit sie mit venezolanischen Waffen Ukrainer töten. Maduro ist im Grunde Putins Modell gefolgt, indem er einen Teil des Territoriums des benachbarten Guyana annektierte. Das ist genau dasselbe, was Maduro tat, was Putin auf der Krim tat. Nur fehlte Maduro die Kraft für eine echte Annexion. Auch das muss man begreifen. Und die Vereinigten Staaten werden – wie ihr versteht – keinerlei venezolanische Provinzen annektieren.
Frage. Wer wird jetzt Präsident Venezuelas sein? Wie loyal wird er gegenüber den Vereinigten Staaten und den amerikanischen Ölgesellschaften sein?
Portnikov. Das wissen wir alles nicht. Aus Sicht der derzeitigen venezolanischen Verfassung muss die Vizepräsidentin Rodríguez, über die ich schon gesprochen habe, Venezuela führen – aber inwieweit ihr das gelingt, ist unklar. Erstens ist unklar, ob die Vereinigten Staaten überhaupt am realen Fortbestand des maduristischen Regimes ohne Maduro interessiert sind. Aber auch ist unklar, inwieweit sie in der Lage sind, dieses Regime zu stürzen. Unklar ist, ob es innere Widersprüche in diesem Regime gibt und ob die venezolanischen Militärs unter Führung von Vladimir Padrino López, dem venezolanischen Verteidigungsminister, der kämpferische Erklärungen gegen die Vereinigten Staaten abgibt, Delcy Rodríguez die Möglichkeit geben werden, tatsächlich Präsidentin Venezuelas zu werden, und wie hoch der Grad ihrer Legitimität sein wird. Venezuela hat einen von anderen Ländern anerkannten demokratisch gewählten Präsidenten, der das Land verlassen musste.
Gerade ist das erste Foto des von den Amerikanern festgenommenen venezolanischen Präsidenten Maduro aufgetaucht, den zwei amerikanische Spezialkräfte abführen. Unklar ist wiederum, inwieweit dieses Foto echt ist. Aber wenn keine weiteren amerikanischen Handlungen geplant sind, bedeutet das, dass dieses Regime in der einen oder anderen Form bestehen bleibt. Auch das ist ein wichtiger Punkt. Die Frage ist wirklich nicht schlecht, inwieweit dieses Regime in der neuen Situation bereit sein wird, mit den Amerikanern zusammenzuarbeiten.
Frage. Der US-Außenminister Mark Rubio, so Senator Mike Lee, sagte, die Militäroperation gegen Venezuela sei nur Tarnung für die Festnahme Maduros gewesen, damit er vor einem amerikanischen Gericht erscheinen kann. Können die Venezolaner faire und echte Wahlen durchführen?
Portnikov. Ich bin nicht sicher, dass dieses Regime, das jetzt in Venezuela ist, in der Lage ist, den Venezolanern faire und echte Wahlen zu garantieren. Ich habe diese Sicherheit ehrlich gesagt nicht. Aber vielleicht wird unter dem Druck der Amerikaner und aus Angst, dass diese militärischen Handlungen fortgesetzt werden, derjenige, der Venezuela nach Maduro führen wird, in der Lage sein, solche Wahlen durchzuführen. Ich habe diese Sicherheit jetzt nicht, weil wir nicht wissen, wie sich die Lage in den nächsten Stunden entwickeln wird.
Also lasst uns die Entwicklung der Lage verfolgen, wie sie sich verändern wird, wie man weiter in den Vereinigten Staaten und in Venezuela reagieren wird, wer am Ende die Macht übernimmt, nachdem wir sehen, dass Nicolás Maduro bereits in den Vereinigten Staaten verhaftet ist und sich offensichtlich bereits dort befindet. Und wir werden dieses Ereignis weiter verfolgen. Ich danke denen sehr, die mit mir in dieser Sendung waren. Bitte kommentiert, was ihr über die weitere Entwicklung denkt. Unterstützt unbedingt die Streitkräfte der Ukraine, denn ich denke, ihr habt heute gesehen, wie sehr sich die Effektivität der Streitkräfte der Ukraine, sagen wir, von der Effektivität der Streitkräfte autoritärer Regime unterscheidet. Denn eine Volksarmee ist eine Volksarmee – und eine Armee, die einen verbrecherischen Herrscher und ein idiotisches Regime schützt, ist immer jene Armee, die wir gesehen haben, sagen wir, als an der Spitze unseres eigenen Staates Widerlinge vom Typ Janukowytsch standen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle:Artikel Titel des Originals:США захопили Мадуро Віталій Портников. 03.01.2026. Autor:Vitaly Portnikov Veröffentlichung / Entstehung:03.01.2026. Originalsprache:uk Plattform / Quelle:YouTube Link zum Originaltext:
Original ansehen
Donald Trump hofft weiterhin, dass er den russisch-ukrainischen Krieg innerhalb weniger Monate beenden kann, da er davon ausgeht, dass sein russischer Amtskollege Putin an Handelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten interessiert ist.
Im Gespräch mit Journalisten betonte Trump, dass es für ihn keinen „letzten Tropfen“ gebe, der ihn davon überzeugen würde, dass Putin kein Interesse an einem Ende des Krieges gegen die Ukraine habe. In früheren Fällen, in denen Kriege beendet worden seien, habe wirtschaftlicher Druck eine entscheidende Rolle gespielt und die am Konflikt beteiligten Länder zur Beendigung der Kämpfe veranlasst.
Gleichzeitig unterstrich der amerikanische Präsident, dass die Möglichkeiten, Russland mit Zöllen unter Druck zu setzen, gar nicht so zahlreich seien, da dieses Land keine aktive wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten pflege. Doch Trump bleibt überzeugt, dass der russische Präsident Putin an einer solchen Zusammenarbeit interessiert ist. Jetzt müsse man Russland und der Ukraine einfach noch etwas Zeit lassen, weiterzukämpfen, damit beide Seiten die Sinnlosigkeit des Geschehens erkennen.
Diese Worte des amerikanischen Präsidenten zeigen, dass Trump aus seinem Umgang mit Putin und aus dem Verlauf des russisch-ukrainischen Krieges schlicht keine realistischen Schlussfolgerungen ziehen kann. Das liegt daran, dass er weniger Politiker als vielmehr Immobilienmakler ist, der sich im Oval Office befindet und bis heute nicht begreifen kann, dass andere Menschen sich nicht nur von Geld und wirtschaftlichen Interessen leiten lassen, sondern auch von ideologischen Dogmen und dem Wunsch nach territorialer Expansion – wie es etwa beim russischen Präsidenten Putin oder dem Vorsitzenden der Volksrepublik China, Xi Jinping, der Fall ist.
Beide Konkurrenten Trumps denken weniger an wirtschaftlichen Nutzen als an die Ausweitung des Einflusses ihrer Staaten in Europa und in der asiatisch-pazifischen Region. Währenddessen konzentriert sich der Präsident der Vereinigten Staaten ausschließlich auf Geld und ist fest davon überzeugt, dass die ganze Welt um ihn herum ebenfalls nur auf Geld fixiert ist. Wir wissen jedoch, dass gerade eine solche Haltung in der Regel die Führer der mächtigsten Staaten der Welt zu erniedrigenden und erschütternden Niederlagen geführt hat.
Trump lässt sich nicht überzeugen, verteidigt jedoch weiterhin seine Position und seine Bereitschaft, Druck auf jene Partner auszuüben, die seiner Sichtweise nicht zustimmen. Zu unserem Glück steht heute Russland unter Druck – nicht die Ukraine. Denn Putin hat bislang keinen Weg gefunden, Trump davon zu überzeugen, dass er mit dem russischen Präsidenten eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front treffen kann – ein Ziel, das Trump seit seiner Rückkehr ins Oval Office verfolgt, das aber, wie wir sehen, noch nicht verwirklicht ist.
Zugleich bezeichnet Trump Putin und Xi Jinping als harte Führer, mit denen man nicht spielen könne. Was der amerikanische Präsident damit meint, ist derzeit schwer zu erklären, da er gleichzeitig auf der Wiederaufnahme von Atomtests durch die Vereinigten Staaten besteht und behauptet, dass andere Atommächte – offensichtlich Russland, die Volksrepublik China und Nordkorea – solche Tests heimlich durchführen.
Wie geheime Atomtests aussehen könnten und ob die Wiederaufnahme solcher Tests in einer Situation, in der Moskau und Peking keine durchführen, nicht vielmehr ein Spiel mit Putin und Xi Jinping darstellen würde, hat Trump nicht erklärt. Beamte seiner Administration bemühen sich jedoch bereits jetzt, logische Erklärungen dafür zu liefern, was tatsächlich geschehen könnte, falls Trump den Befehl zur Wiederaufnahme von Atomtests gibt. Trump selbst betont, dass die Vereinigten Staaten dies nur tun würden, wenn auch andere Länder solche Tests durchführen. Möglich ist allerdings, dass Putins Raketenversuche, bei denen potenzielle Trägersysteme für Atomwaffen getestet werden, von Washington als Teil eines Komplexes nuklearer Tests interpretiert werden könnten, die die Russische Föderation durchführt.
Ebenso optimistisch äußert sich Trump über seine Beziehungen zu Peking und betont, dass China derzeit keine militärischen Aktionen gegen Taiwan plane – dort, wie bekannt, der parallele chinesische Regierungssitz existiert. Aus Trumps Sicht sei sich Xi Jinping bewusst, dass Peking keine Handlungen gegen Taiwan plane, solange Trump an der Spitze der Vereinigten Staaten stehe. Doch, wie wir verstehen, handelt es sich dabei ausschließlich um eine persönliche Überzeugung des amerikanischen Präsidenten, die auf keinerlei konkreten Fakten beruht.
Auch Trumps Einschätzung, dass der Präsident Venezuelas, Nicolás Maduro, seine letzten Tage erlebe, könnte für eine weitere Destabilisierung der Weltlage während seiner Amtszeit bedeutsam werden. Zugleich sagte Trump jedoch nicht, ob die Vereinigten Staaten zu einer Intervention in Venezuela bereit seien, sondern betonte, dass sie auch zu anderen Maßnahmen greifen könnten.
Eine weitere wichtige und potenziell destabilisierende Entwicklung könnte Trumps Drohung sein, in Niger Gewalt anzuwenden – einem Land, in dem derzeit ein angespannter interner Konflikt herrscht, den Trump als Kampf der muslimischen Bevölkerung gegen die Christen dieses afrikanischen Staates beschreibt.
Beide Warnungen des amerikanischen Präsidenten bergen die Möglichkeit eines militärischen Eingreifens der Vereinigten Staaten – sowohl in Lateinamerika als auch in Afrika – und bedeuten eine Bewegung der USA unter Trump in Richtung neuer lokaler Konflikte, die bei unvorsichtigem Umgang des amerikanischen Präsidenten und seiner Administration mit der Lage zu weiteren Schritten in Richtung globaler Eskalation führen könnten. Und infolgedessen – zum Dritten Weltkrieg.
Doch offenbar ist Trump fest davon überzeugt, dass er ein Mensch sei, der keine neuen Konflikte erzeugt, sondern Kriege beendet. Obwohl er bislang während seiner Amtszeit im Oval Office tatsächlich nur den Krieg im Nahen Osten beenden konnte. Und selbst dieser Konflikt scheint auf lange Sicht nicht stabilisiert zu sein.
In Caracas ist ein russisches Militärtransportflugzeug eingetroffen, das der Kreml in der Regel zum Transport von Söldnern und militärisch-technischer Ausrüstung nutzt, die für mit Moskau befreundete Regime bestimmt ist. Die Ankunft des Flugzeugs in Venezuela fiel mit Berichten zusammen, wonach der venezolanische Präsident Nicolás Maduro die Führungen Russlands, der Volksrepublik China und des Iran um militärische Unterstützung im Zusammenhang mit einem möglichen Konflikt mit den Vereinigten Staaten gebeten habe.
Zuvor war bereits berichtet worden, dass das Weiße Haus die Entscheidung getroffen habe, das Maduro-Regime zu stürzen, das mehrfach die Präsidentschaftswahlen gefälscht hat, um an der Macht zu bleiben. Doch zumindest Präsident Donald Trump und US-Außenminister Marco Rubio wiesen diese Berichte der amerikanischen Medien zurück. Dennoch ist Maduro natürlich durch eine mögliche US-Intervention und den Zusammenbruch seines Regimes verängstigt. Und in Moskau wäre man erfreut, wenn eine solche amerikanische Intervention tatsächlich stattfände.
Denn wenn Donald Trump gezwungen wäre, sich mit einem kleinen Krieg in Venezuela zu beschäftigen – einem Konflikt, der sich über Wochen oder gar Monate hinziehen könnte, mit direkten Kämpfen zwischen der US-amerikanischen und der venezolanischen Armee –, dann, natürlich, falls die venezolanische Armee wirksame Waffen aus Russland, China und dem Iran erhält, hätte der US-Präsident keine Zeit für den russisch-ukrainischen Krieg oder für wirtschaftliche Sanktionen gegen Moskau und Peking.
Zudem hätten die beiden Verbündeten eine neue Gelegenheit, die Schwäche der Vereinigten Staaten in jener Region zu demonstrieren, die für die nordamerikanischen Staaten lebenswichtig ist. Denn von der Zusammenarbeit mit Venezuela hängen sowohl die Energiestabilität der Region als auch die Möglichkeit ab, zumindest in Zukunft eine Alternative zu den Ölimporten aus der Russischen Föderation und den Ländern des Persischen Golfs zu schaffen. Obwohl man ehrlich sagen muss, dass nach dem, was die Regime von Hugo Chávez und Nicolás Maduro mit der venezolanischen Ölindustrie angerichtet haben, zu ihrer tatsächlichen und wirksamen Wiederherstellung Jahre, wenn nicht Jahrzehnte ernsthafter Anstrengungen erforderlich sein werden.
Doch im Moment geht es nicht um Öl, sondern vor allem um einen neuen möglichen Krieg in Lateinamerika, auf den sich sowohl Nicolás Maduro selbst als auch seine Beschützer in Moskau und Peking eifrig vorbereiten. Und wie man sieht, hat Russland beschlossen, sich nicht nur mit Protesten über das Vorgehen der Vereinigten Staaten vor den venezolanischen Küsten zu begnügen. So hat die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bereits die US-Regierung beschuldigt, unter dem Vorwand des Kampfes gegen Drogenkartelle das Völkerrecht zu verletzen – und Russland will Maduro nun auch mit realer Militärtechnik unterstützen und möglicherweise nach Caracas Kämpfer sogenannter privater Militärunternehmen entsenden, die gemeinsam mit ihren venezolanischen Kollegen gegen die US-Truppen kämpfen sollen.
Und hier können wir natürlich erneut sagen, dass die Eskalation zwischen den beiden größten Atommächten der heutigen Welt zunimmt und neue Formen annimmt. Während die Vereinigten Staaten versuchen, sich einer direkten Beteiligung am russisch-ukrainischen Krieg zu enthalten und alles tun, um nicht einer solchen direkten Beteiligung beschuldigt zu werden – so war es unter der Administration Barack Obamas, so war es unter Joseph Biden, und so geschieht es nun auch während der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus –, hat Putin völlig andere Ziele. Er will seine Präsenz gerade dort betonen, wo offensichtliche amerikanische Interessen bestehen, und zeigen, dass diese Interessen ignoriert oder umgangen werden können.
Dass das Militärtransportflugzeug, das zudem unter westlichen Sanktionen steht, demonstrativ auf dem Flughafen der venezolanischen Hauptstadt erschien – und das genau zu einem Zeitpunkt, als die Beziehungen zwischen Washington und Caracas auf einem absoluten Tiefpunkt angelangt sind, und amerikanische Beamte Nicolás Maduro der Diktatur und der faktischen Unterstützung des Drogenschmuggels in die Vereinigten Staaten beschuldigen –, ist eine Machtdemonstration Putins. Er sieht sich als geopolitischen Akteur, der in der Lage ist, Donald Trump herauszufordern und in dieser Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Präsidenten zu gewinnen.
Denn Putins Ziel, ebenso wie das von Xi Jinping, besteht darin, der ganzen Welt zu zeigen, dass Amerika unter Trump schwach geworden und zu ernsthaften Reaktionen nicht fähig ist. Und dass Länder, die versuchen, ihre eigenen Interessen zu verteidigen, nicht auf die Unterstützung und den Schutz Amerikas zählen sollten, sondern darüber nachdenken müssen, wie sie sich mit Russland und China arrangieren können.
Und wenn es Moskau gelingt, das Regime von Nicolás Maduro zu schützen und die Vereinigten Staaten gleichzeitig von ernsthaften Maßnahmen gegen den venezolanischen Präsidenten absehen – vor dem Hintergrund eines möglichen Konflikts mit Russland und China –, wird dies ein weiterer Beweis dafür sein, wie vorsichtig die Vereinigten Staaten in der Ära Donald Trumps geworden sind. Doch man darf nicht vergessen, dass dieser amerikanische Präsident zu impulsiven militärischen Aktionen bereit ist, sobald er das Gefühl hat, dass das Geschehen seine persönliche Reputation gefährdet.
Erinnern wir uns etwa an die amerikanischen Angriffe auf iranische Atomanlagen, die – auch wenn sie die Möglichkeit Irans, Atomwaffen zu erlangen, vielleicht nicht beseitigt haben – den Prozess der Umwandlung der islamistischen Diktatur in einen Atomstaat zumindest verzögert haben. Wenn nicht um Jahre, dann doch wenigstens um Monate.
Erinnern wir uns auch daran, dass Donald Trump nun über die Möglichkeit spricht, die Vereinigten Staaten könnten selbst wieder Atomtests aufnehmen – was die Eskalation zwischen den Atommächten der Welt auf ein Niveau heben würde, das in den letzten Jahrzehnten beispiellos ist.
Und daher könnte Trump die Herausforderung Putins und Xi Jinpings in Venezuela annehmen – einem Land, das zu einer weiteren Arena erbitterter Auseinandersetzungen und Kriege zwischen Staaten werden kann, die heute versuchen, ihre geopolitische Bedeutung zu beweisen. Und wir verstehen sehr wohl, dass, wenn die Vereinigten Staaten diesen erbitterten Kampf, der zu einem Krieg von Megaausmaßen anwachsen könnte, nicht gewinnen, dann die Diktatoren die Herren dieser Welt sein werden.
Drei US-Zerstörer sind heute vor die Küsten Venezuelas gefahren. Damit befindet sich nun vor diesen Küsten eine beachtliche amerikanische Militärgruppe: Zerstörer, amphibische Schiffe, 4.500 Marinesoldaten, 2.200 Soldaten des Expeditionskorps der Marineinfanterie, lenkbare Raketen, Langstreckenraketen, Raketenabwehrsysteme, Torpedos zur U-Boot-Bekämpfung und anderes modernes Kriegsgerät.
Selbstverständlich versuchen Experten nun zu verstehen, wie diese von Donald Trump entsandte Streitmacht gegen die lateinamerikanischen Drogenkartelle eingesetzt werden soll.
Der venezolanische Präsident Nicolás Maduro, auf dessen Kopf die Vereinigten Staaten ein millionenschweres Kopfgeld ausgesetzt haben – zuletzt sogar verdoppelt –, hat bereits die Generalmobilmachung in Venezuela verkündet. Offenbar bereitet sich die venezolanische Armee auf mögliche Konfrontationen mit der US-Armee vor.
Beobachter erinnern dabei an die Panama-Operation eines anderen US-Präsidenten, George Bush senior, bei der mit Hilfe des amerikanischen Expeditionskorps der panamaische Diktator Manuel Noriega, einer der größten Drogenhändler der Region, gefangen genommen wurde.
Doch zugleich muss man die Unterschiede zwischen Panama und Venezuela – und zwischen Bush senior und Trump – verstehen. Panama war ein relativ kleiner Staat, dessen Armee dem amerikanischen Expeditionskorps keinen nennenswerten Widerstand leisten konnte. Die venezolanische Armee ist um ein Vielfaches stärker, und ihr Ausbau war stets eine Priorität für den venezolanischen Staat.
Man kann sagen: Die Streitkräfte Venezuelas nehmen eine privilegierte Stellung im Staat ein. Diese Stellung wurde nur noch gefestigt durch die Errichtung der Diktatur Hugo Chávez’ und seines Nachfolgers Nicolás Maduro.
George Bush senior vertrat stets die Ansicht, dass Amerika das Recht habe, Gewalt einzusetzen, wenn Diktatoren auf politische Mahnungen und wirtschaftlichen Druck nicht reagierten. Donald Trump hingegen glaubt bekanntlich, dass wirtschaftlicher Druck und Drohungen die entscheidende Wirkung auf eine Situation haben können.
Bislang war der einzige Fall, in dem er tatsächlich Gewalt einsetzte, der gegen den Iran im Rahmen des israelisch-iranischen Zwölftagekriegs. Noch heute ist unklar, wie wirksam die amerikanischen Schläge waren. Haben sie das iranische Atomprogramm tatsächlich ernsthaft beeinträchtigt – oder nur, wie selbst die US-Militärgeheimdienste behaupteten (deren Chef jüngst gerade wegen solcher Einschätzungen entlassen wurde), die Entwicklung der Nuklearpläne der Islamischen Republik um einige Monate verzögert?
Wenn letzteres zutrifft, muss man eingestehen: Selbst diese US-Schläge waren eher politisches Schauspiel als realer militärischer Schlag gegen den Gegner.
Daher zu sagen, dass ein Krieg vor Venezuelas Küsten oder auf venezolanischem Boden tatsächlich unmittelbar bevorsteht, wäre momentan noch eine Übertreibung.
Doch Fehler beider Seiten, die Unterschätzung des Potenzials der venezolanischen Armee durch Donald Trump und die Überzeugung Nicolás Maduros, dass jede seiner Maßnahmen die Amerikaner zurückweichen ließe, könnten tatsächlich zum Vorspiel eines großflächigen Konflikts werden – zu einem Krieg in Lateinamerika.
Umso mehr, als auch externe Akteure an diesem Krieg interessiert sind. Der erste ist selbstverständlich die Volksrepublik China. Peking pflegt seit Zeiten von Maduros Vorgänger Hugo Chávez privilegierte Beziehungen zu Venezuela und ist – wie im Falle Russlands und Irans – einer der wichtigsten Abnehmer venezolanischen Öls.
Zwar ist kaum zu erwarten, dass Peking sich direkt in einen amerikanisch-venezolanischen Krieg einmischt. Doch sollte Trump nach einigen Schüssen zurückweichen, würde dies für alle, die sich in der Region an China orientieren, ein weiterer Beweis sein, dass der amerikanische Einfluss auf dem lateinamerikanischen Kontinent endgültig geschwunden ist. Künftig würden sich nur noch jene lateinamerikanischen Staaten sicher fühlen, die sich auf Peking statt auf Washington ausrichten.
Das wäre eine Art „umgekehrte Monroe-Doktrin“ – eine neue „Xi-Jinping-Doktrin“, die chinesische Investitionen als Ersatz für besondere Beziehungen zu den USA vorsieht.
Ein weiteres Land, das daran interessiert ist, dass Trump sich lediglich vor Venezuelas Küsten „spazierenführt“, während sich das Regime Nicolás Maduros zumindest reputativ festigt, ist die Russische Föderation.
Zwar wäre es für Russland noch besser, wenn die USA in einen umfassenden Krieg auf dem lateinamerikanischen Kontinent hineingezogen würden – denn so hätte Donald Trump keine Zeit für den russisch-ukrainischen Krieg. Ebenso wenig hätten dann die amerikanischen Medien Zeit dafür; sie müssten sich auf das Schicksal ihrer Marines konzentrieren, die mit venezolanischen Soldaten kämpfen.
Damit sind die Einsätze in dieser Situation wirklich sehr hoch. Wir werden sehen müssen, wie weit Donald Trumps Entschlossenheit reicht, die lateinamerikanischen Drogenkartelle zu bekämpfen und diesen Kampf zu nutzen, um das Funktionieren jener Diktaturen zu behindern, die seit Langem Wahlfälschungen betreiben und der Opposition keine faire Betätigung erlauben.
Obwohl, genau genommen, die einzige „Opposition“ in Venezuela – gemessen an realen Wahlergebnissen – Nicolás Maduro selbst und seine Gefolgsleute sind. Demokratische Politiker Venezuelas haben mehrfach Wahlen gewonnen, doch zur Macht wurden sie niemals zugelassen.
Die offene Frage bleibt: Wird es gelingen, den Venezolanern zu helfen, die Macht selbst in die Hand zu nehmen – in einem Land, dessen Bevölkerung nicht nur Geisel ihres diktatorischen Regimes ist, sondern auch einer Armee, die sich unter diesem Regime höchst wohlfühlt?
Und ebenso bleibt offen: Ist die venezolanische Armee tatsächlich zu einem realen Krieg mit der US-Armee bereit? Und ist Donald Trump zu einem so großen Krieg bereit?
Denn selbst wenn eine US-Operation in Venezuela irgendein positives Resultat für die Vereinigten Staaten brächte – Opfer unter amerikanischen Marines wären unvermeidlich. Niemand weiß, wie lange ein solcher Krieg dauern würde. Zu viele haben in den letzten Jahren auf schnelle Kriege gesetzt und sich stattdessen in monatelange, ja mehrjährige zähe Konflikte verstrickt, deren Ende in einer Sackgasse endete. Und genau in einer solchen Sackgasse droht auch Donald Trump in Lateinamerika zu landen.