Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky hat mit dem Außenminister der Vereinigten Staaten, Marco Rubio, über all jene Sorgen gesprochen, die Kyiv in den vergangenen Wochen beschäftigt haben.
Dabei ging es sowohl um die Wiederherstellung der Geschwindigkeit der Satellitenkommunikationssysteme als auch um die Frühwarnung vor ballistischen Bedrohungen und um die Lage bei der Lieferung von Flugabwehrraketen für die Patriot-Systeme.
Wie wir sehen, war der amerikanische Außenminister auf einen solchen Dialog vorbereitet, und der ukrainische Präsident bezeichnete das Gespräch als konstruktiv.
Was ist also geschehen, dass Marco Rubio, der sich derzeit auf einer Auslandsreise befindet und Usbekistan und Indien besucht, so kurzfristig mit dem ukrainischen Präsidenten spricht?
Nun, wir wissen sehr genau, was vor sich geht. Es geht um die jüngsten Vereinbarungen zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs auf den Weltmarkt und die Aussetzung der Energiesanktionen gegen die Russische Föderation für ein halbes Jahr. Es geht um die Drosselung der Starlink-Geschwindigkeit, um die Lage bei den Warnmeldungen vor russischen Angriffen mit ballistischen Raketen und um die provokanten Äußerungen des amerikanischen Präsidenten.
Letztere waren buchstäblich nur wenige Stunden vor dem Gespräch des ukrainischen Präsidenten mit dem amerikanischen Außenminister zu hören. Und man könnte meinen, dass diese Äußerungen des US-Präsidenten und seine Zugeständnisse an Putin genau jene staatliche Politik der Vereinigten Staaten darstellen, die von der Trump-Regierung in die Praxis umgesetzt wird.
Doch so einfach ist die Sache keineswegs. Auch innerhalb dieser Regierung kann man die öffentliche Meinung im eigenen Land nicht ignorieren. Ebenso wenig lässt sich übersehen, dass die überwältigende Mehrheit der Wähler sowohl der Republikaner als auch der Demokraten die Begeisterung für Putin nicht teilt und die Ukraine in ihrem Krieg gegen die Russische Föderation unterstützt. Damit helfen Trumps Zugeständnisse an den russischen Diktator den Republikanern im Wahlkampf nicht, sondern schaden ihnen.
Aus seiner eigenen Sicht und aus Sicht seiner Mitstreiter betreibt Trump mit diesen Schritten gerade Wahlkampf. Denn Trump und sein Umfeld können ihre Geschäfte mit Putin mit dem Versuch erklären, die Kraftstoffpreise zu senken. Gleichzeitig aber zu demonstrieren, dass man der Ukraine nicht helfen will, bedeutet, sich selbst ins Knie zu schießen – sowohl vor den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress als auch danach. Denn eine solche Politik wird von zahlreichen Republikanern, die als Senatoren oder Mitglieder des Repräsentantenhauses im Kongress sitzen, nicht mitgetragen.
Gerade Republikaner bereiten heute Gesetzentwürfe vor, die Donald Trump eine weitere Annäherung an Putin unmöglich machen sollen. Und deshalb versucht der amerikanische Außenminister selbst während dieses Wahlkampfs, die Folgen der besonders provokanten Äußerungen und Handlungen des amerikanischen Präsidenten zu korrigieren.
Dabei sollte man nicht vergessen, dass Marco Rubio zugleich Nationaler Sicherheitsberater des Präsidenten der Vereinigten Staaten ist. Er bekleidet also beide wichtigen Positionen, die es ermöglichen, den außenpolitischen Kurs der USA zu kontrollieren. Und offensichtlich tut er dies in Abstimmung mit Donald Trump selbst. Denn dies ist keine Regierung, in der man sich gegen den Präsidenten stellen und anschließend sicher sein kann, seinen Posten zu behalten.
Donald Trump selbst hat, wie wir wissen, kein einziges Mal seine Verantwortung für die Drosselung der Starlink-Geschwindigkeit oder dafür eingeräumt, dass die Ukraine keine Warnmeldungen über ballistische Angriffe der Russischen Föderation erhält. Er hat seine Forderungen nach einem Rücktritt des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky faktisch abgeschwächt. In seiner jüngsten Serie provokanter Äußerungen sagte er lediglich, Zelensky solle jemand anderen zu den gar nicht existierenden Friedensverhandlungen entsenden. Damit hat er faktisch anerkannt, dass er keine Bedingungen schaffen kann, unter denen in unserem Land überhaupt irgendwelche Wahlen stattfinden könnten.
Und vor dem Hintergrund dieser hartnäckigen Weigerung Donald Trumps, die eigene Verantwortung für die ukrainefeindlichen Schritte seiner Regierung anzuerkennen, kommt es nun zu dem Gespräch zwischen Zelensky und Rubio.
Dabei ist es nicht Zelensky, der versucht, den Eindruck zu korrigieren, den seine Worte über die amerikanische Regierung hinterlassen haben – nämlich seine Aussage, dass diese die Ukraine faktisch zur Kapitulation vor dem gemeinsamen Gegner Kyivs und Washingtons drängt. Vielmehr ist es der amerikanische Außenminister, der den ukrainischen Präsidenten davon zu überzeugen versucht, dass die Vereinigten Staaten in der Lage sind, all jene Probleme bei der Unterstützung der Ukraine zu lösen, die offensichtlich durch tatsächliche, aber nicht öffentlich zugegebene Maßnahmen des amerikanischen Präsidenten selbst und hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter entstanden sind.
Denn tatsächlich erwarten wir von den Vereinigten Staaten heute vor allem, dass sie ihre bisherige Unterstützung für die Ukraine fortsetzen: die Bereitstellung von Starlink, Frühwarnmeldungen über russische Raketenangriffe und die Lieferung von Flugabwehrraketen – und das, obwohl diese Raketen auch in den USA selbst knapp sind und möglicherweise bereits Vorbereitungen auf eine neue Phase des Krieges mit dem Iran laufen. Während Rubio Usbekistan besucht, hält sich Hegseth im Nahen Osten auf. Genau diese Unterstützung ist es, die Kyiv von Washington erwartet.
Die Bemühungen um eine Friedenslösung durch Verhandlungen sind eher eine politische Inszenierung, die zumindest bis zum Winter 2029 kaum zu irgendwelchen konkreten Ergebnissen führen dürfte. Natürlich kann man gemeinsam einen Verhandlungsprozess vortäuschen. Doch wenn Putin nicht die Absicht hat, den Krieg zu beenden, wird es auch bei dieser Vortäuschung bleiben.
Die Gespräche über mögliche Wahlen in der Ukraine sind eben nur Gespräche, die wiederum daran scheitern, dass Trump nicht in der Lage ist, Putin von der Notwendigkeit irgendeiner Waffenruhe zu überzeugen.
Ebenso völlig unrealistisch sind all die Diskussionen darüber, ob die Ukraine der NATO beitreten sollte oder nicht, die erneut auf der Ebene hochrangiger amerikanischer Regierungsvertreter geführt werden, etwa durch den Vizepräsidenten der Vereinigten Staaten, JD Vance.
Solange wir keine realistischen Aussichten auf ein Ende des Krieges erkennen und nicht zumindest irgendeinen Verhandlungsprozess in Gang bringen, sind all diese Diskussionen nichts weiter als akademische Übungen. Und es könnte durchaus sein, dass diese Regierung nicht in der Lage sein wird, die Frage nach einer Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu lösen.
Mit anderen Worten: Was wir von der Trump-Regierung brauchen, ist keine politische Inszenierung, sondern Hilfe.
Und wir verstehen sehr gut, dass selbst die Vereinbarungen, die heute zwischen Trump und Putin bestehen, die Lage im russisch-ukrainischen Krieg nicht wesentlich verändern werden. Denn die amerikanische Gesetzgebung schränkt die Möglichkeiten weitreichender Zugeständnisse an den Präsidenten der Russischen Föderation erheblich ein. Und die Europäer werden ihre Sanktionen nicht aufheben.
Denn all die Erleichterungen, die Trump Putin bei einer Fortsetzung des Krieges gewähren kann, bringen bei Weitem nicht jene Geldsummen ein, die der russische Präsident benötigen würde, wenn die Ukraine ihre Angriffe zur Zerstörung der russischen Energieinfrastruktur und anderer kritischer Infrastruktur fortsetzt.
Wie wir sehen, müssen sich die Vereinigten Staaten mit dieser Entwicklung der Ereignisse abfinden, solange sie den Präsidenten der Russischen Föderation nicht aufhalten können, der seinerseits nicht die Absicht hat, seine Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur einzustellen.
Das Gespräch zwischen Zelensky und Rubio ist somit ein weiterer Beweis dafür, dass der Handlungsspielraum der Trump-Regierung wesentlich enger ist und bleiben wird, als wir glauben. Und keine noch so markigen Erklärungen des amerikanischen Präsidenten auf Wahlkampfveranstaltungen können etwas an der einfachen Tatsache ändern, dass er Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika ist – eines Landes mit eigenen Interessen und eigenen Werten.
Und wenn diese Interessen und Werte nicht mit den Interessen und Werten Donald Trumps übereinstimmen, bedeutet das noch lange nicht, dass er ihnen dauerhaft und wirksam entgegenwirken kann.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Зеленський – Рубіо: головне | Віталій
Портников. 20.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 20.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.