Trump: Russland verliert die Kontrolle | Vitaly Portnikov. 21.09.2026.

Der ukrainische Präsident Volodymyr Zelensky ist bereits auf dem Weg nach New York, wo die nächste Sitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen stattfinden wird. Der einzige Unterschied zum bisherigen Arbeitsplan Zelenskys bei dieser Generalversammlung könnte sein Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump sein. Bekanntlich war dieses Treffen ursprünglich nicht geplant. Es stand nicht im Arbeitsplan des amerikanischen Präsidenten, der sich allerdings mit vielen anderen Vertretern der Länder treffen wollte, die zur Generalversammlung anreisen werden.

Das Treffen ist wahrscheinlich nach dem Telefongespräch zwischen Trump und Zelensky in den Terminplan aufgenommen worden. Und ich möchte daran erinnern, dass dies das erste Telefongespräch zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine war, nachdem die Sondervermittler des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff und Jared Kushner, Moskau und Kyiv besucht hatten.

Wichtig ist die Tatsache, dass der amerikanische Präsident unmittelbar nach diesem Besuch, obwohl er sowohl mit seinem ukrainischen als auch mit seinem russischen Amtskollegen sprechen wollte, ausschließlich mit Putin sprach, mit Zelensky dagegen nicht, obwohl ursprünglich geplant gewesen war, dass ein virtuelles Gespräch mit beiden Präsidenten stattfinden würde.

Die Tatsache, dass Trump mit Putin sprach und das Gespräch mit seinem russischen Amtskollegen auch noch als gut bezeichnete, sprach im Grunde dafür, dass die amerikanischen Vermittler in der Position des russischen Präsidenten Konstruktivität gesehen hatten, in der ukrainischen Position dagegen nicht. Das schafft natürlich keine wirklichen Gründe für die Annahme, dass die Vereinigten Staaten weiterhin Druck auf Russland ausüben könnten.

Danach begannen sich jedoch Ereignisse anderer Art zu entwickeln, die, wie ich sagen würde, für Putin und für Russland selbst als Land, das seinen Angriffskrieg gegen unseren Staat fortsetzt, ungünstiger waren. Das Graham-Gesetz wurde verabschiedet. Und obwohl dieses Gesetz vor allem Instrumente bereitstellt und den Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht dazu verpflichtet, sie einzusetzen, zeugt bereits die Tatsache der Abstimmung und der feierlichen Unterzeichnung des Gesetzes von einer gewissen Veränderung der Haltung gegenüber Russland, zumindest vor den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten.

Wir haben viel über das Graham-Gesetz gesprochen. Und natürlich wäre es wesentlich besser, wenn der Kongress Donald Trump dazu verpflichten würde, bestimmte Sanktionen gegen Russland zu verhängen, statt ihm zu erlauben, Zölle von, sagen wir, einem bis 100 Prozent auf Produkte jener Länder zu erheben, die weiterhin als Unterstützer der Russischen Föderation im Energiebereich auftreten.

Wie dem auch sei: Dass der Kongress festgeschrieben hat, dass die Sanktionen gegen die Russische Föderation nicht aufgehoben werden können, und dem Präsidenten neue Möglichkeiten sowohl gegenüber russischen Produkten als auch gegenüber den Produkten jener Länder eingeräumt hat, die weiterhin Energiehandel mit Russland betreiben, ist eindeutig kein Schritt in Richtung Kreml.

Dann fand das Gespräch zwischen Trump und Zelensky statt. Und nach diesem Gespräch sagten amerikanische Journalisten, dass das Hauptthema dieses Gesprächs im Grunde die Ölfrage gewesen sein könnte, dass Trump den Präsidenten der Ukraine erneut gebeten habe, russische Ölraffinerien nicht anzugreifen. Und übrigens geschah dies vor dem Hintergrund eines massiven Angriffs ukrainischer Drohnen auf die Russische Föderation, bei dem die für Moskau und das Moskauer Gebiet wichtige Ölraffinerie in Kapotnja erneut brannte. Und dieser Angriff wird möglicherweise auch mit dem ersten Einsatz ukrainischer ballistischer Raketen gegen Ziele auf dem Territorium der Russischen Föderation in Verbindung gebracht.

Ein sehr unangenehmes Signal für den russischen Präsidenten Putin, und das auch noch während der Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation, die für Putin ein wichtiges Ritual der Stabilität sind. Jetzt hat zudem ein weiteres wichtiges Ereignis stattgefunden, das als Fortsetzung dieser Linie betrachtet werden kann. Es ist die Tatsache, dass während des Gesprächs zwischen Trump und Zelensky ihr mögliches Treffen in New York vereinbart wurde. Das alles trägt also eindeutig nicht zu den Beziehungen zwischen Washington und Moskau bei.

Und nun hat Trump eine Erklärung abgegeben, in der er sich ausdrücklich an Putin wandte, und das kann man als direktes Ergebnis seines Dialogs mit Zelensky bezeichnen. Darin betonte er, dass Russland die Kontrolle über seine Ölraffinerieindustrie verliere und deshalb den Krieg beenden müsse. Auch das ist, wie ich sagen würde, ein vielsagender Moment bei der Einschätzung der mit dem russisch-ukrainischen Krieg verbundenen Situation durch den amerikanischen Präsidenten. Denn er hat wiederholt gesagt, dass die Ukraine keine Karten in der Hand habe. Jetzt stellt sich heraus, dass auch Russland keine Karten in der Hand hat.

„Eine beträchtliche Zahl von Ölraffinerien der Russischen Föderation wurde gesprengt und zumindest vorübergehend außer Betrieb gesetzt. Dieser sinnlose und endlose Krieg gegen die Ukraine muss beendet werden. Die ganze Welt leidet, weil jeden Monat 25.000 Menschen sterben, überwiegend Soldaten. Was für eine Schande“, schrieb Trump in einem sozialen Netzwerk.

Und das ist ein wichtiger Punkt. Es zeigt, dass wir uns im Grunde bewusst machen müssen, dass die Situation in den Beziehungen im Dreieck Vereinigte Staaten–Russland–Ukraine davon abhängt, wie ernsthaft wir die Russische Föderation treffen und ihre Positionen schwächen können. Genau das sage ich immer wieder: Der Schlüssel zu diesem Krieg liegt nicht in der Tasche Donald Trumps und nicht einmal in neuen Sanktionen, welche die Vereinigten Staaten gegen die Russische Föderation verhängen können. Der Schlüssel zur Beendigung dieses Krieges liegt in der Widerstandsfähigkeit der Ukraine und in unserer Fähigkeit, der Russischen Föderation in der nächsten Phase dieser zermürbenden Konfrontation einen solchen Schlag zu versetzen, dass wir tatsächlich darauf hoffen können, dass ihr die Ressourcen zur Fortsetzung des Krieges fehlen werden und dass dies alle verstehen werden, die am Dialog über die Beendigung dieses Krieges beteiligt sind.

Natürlich verstehen wir, warum Trump so viel über die Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation spricht. Bald stehen die Zwischenwahlen an, und sie werden für den amerikanischen Präsidenten eine wirkliche Prüfung hinsichtlich der Perspektiven seiner politischen Karriere sein. Wenn die Demokraten nicht nur die Kontrolle über das Repräsentantenhaus, sondern auch über den Senat übernehmen – theoretische Möglichkeiten dafür gibt es –, dann können sie natürlich die gesamte Situation von Trumps Aufenthalt im Weißen Haus in einen endlosen Prozess der Untersuchung seiner Tätigkeit verwandeln, zumindest seiner Tätigkeit in der vorangegangenen Zeit.

Das Abstimmungsverhalten hängt sehr stark von den Preisen an den amerikanischen Tankstellen ab. Das verstehen Sie sehr gut. Für eine enorme Zahl von Wählern in den Vereinigten Staaten ist der eigene Geldbeutel entscheidend und nicht die politische Überzeugung. Und wenn sie diese Preise sehen, verstehen sie, dass im Land etwas nicht stimmt. Und das veranlasst den amerikanischen Präsidenten, diesen Preisen immer mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Dabei muss Trump sich ständig mit einer Situation auseinandersetzen, in der im Grunde jeder versteht, dass die Preise unmittelbar mit dem zusammenhängen, was rund um die Straße von Hormus geschieht, die weiterhin vom Iran blockiert wird. Und dann stellt sich die Frage nach der Vorbereitung der Vereinigten Staaten auf den Krieg, den der amerikanische Präsident begonnen hat. Das ist eine wichtige Situation.

Trump kann natürlich nach Schuldigen suchen. Und er versucht ständig davon zu überzeugen, dass die Ukraine schuld sei, weil sie die russischen Raffinerien angreift. Zugleich muss er sich jedoch bemühen zu zeigen, dass er das Problem mit den Preisen löst. Und wiederum sehen wir, dass er unter diesen Bedingungen auch über keine offensichtlichen Instrumente verfügt, um auf Kyiv so einzuwirken, dass die Ukraine gezwungen wäre, ihre Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen. Das ist eine paradoxe Situation: Ursprünglich hatte er keine wirklichen Instrumente, um Druck auf Moskau auszuüben, und er selbst hat sich der Instrumente beraubt, um Druck auf Kyiv auszuüben. Denn das Niveau der Unterstützung, welche die Vereinigten Staaten der Ukraine heute gewähren, erlaubt es Trump nicht, dem ukrainischen Präsidenten einfach vorzuschreiben, was gegenüber Russland getan werden darf und was nicht.

Diese Dinge hängen miteinander zusammen. Wenn die Vereinigten Staaten uns nicht genügend Flugabwehrraketen zur Verfügung stellen, dann kann man natürlich davon sprechen, dass wir eigene Schritte unternehmen müssen, die mit unseren Möglichkeiten zur Verteidigung gegen die russische Aggression zusammenhängen. Die Zerstörung der russischen Ölraffinerieindustrie ist einer dieser wichtigen Schritte, denn sie ist Teil des russischen Aggressionspotenzials. Mir scheint, dass das eine völlig offensichtliche Tatsache ist.

Und dann bleibt Trump nichts anderes übrig, als Putin dazu aufzurufen, den Krieg zu beenden, und ihn daran zu erinnern, dass er es ist, der seine Ölraffinerieindustrie verliert. Und Trump kann nichts dafür tun, dass Putin sie behält. Wenn Putin weiter in einer Sackgasse bleibt und so tut, als sei das eine völlig aussichtslose Situation, dann ist auch das ein wichtiger Punkt, über den gesprochen werden muss.

Das Paradoxe an der Situation ist, dass es für Trump nicht vorteilhaft ist, wenn wir aufhören, russische Ölraffinerien anzugreifen. Denn wenn wir diese Angriffe einstellen, wenn sich die Russische Föderation wieder von einem Land, das Diesel importiert, in ein Land verwandelt, das Diesel verkauft, wird sich die Preissituation auf dem Weltmarkt nicht wesentlich stabilisieren. Und das wird zeigen, dass die Position des Präsidenten der Vereinigten Staaten, der die Ukraine dafür verantwortlich machte, unrealistisch war. Und dass der Dieselpreis in Wirklichkeit überhaupt nicht von unseren Angriffen auf Russland abhängt, sondern von der fortdauernden Blockade der Straße von Hormus, also von etwas, das Trump mit aller Kraft zu verbergen versucht – gemeinsam sogar mit seinen zuständigen Ministern, dem Finanz- und dem Energieminister, die bekanntlich ebenfalls die Ukraine und nicht den Iran beschuldigten und so zu tun versuchten, als habe das Vorgehen des Iran keinen wesentlichen Einfluss auf die Marktpreise.

Vielleicht wendet sich Trump an Putin und erinnert ihn an das Schicksal der Ölraffinerieindustrie der Russischen Föderation, weil die Wahlen zur russischen Staatsduma inzwischen beendet sind. Putin könnte seinen amerikanischen Gesprächspartnern Witkoff und Kushner eingeredet haben, er könne erst nach Abschluss dieser Wahlen zu irgendeinem wirklichen politischen Prozess zurückkehren. Auch das wäre eine völlig fadenscheinige Ausrede des russischen Präsidenten gewesen, denn die Wahlen zur Staatsduma der Russischen Föderation bedeuten für den politischen Prozess in diesem Land rein gar nichts.

Mich erstaunt überhaupt sehr, wenn Kommentatoren bei diesen Wahlen darüber sprechen, was bei der Abstimmung geschieht, als könnten wir grundsätzlich davon ausgehen, dass es in Russland denselben politischen Prozess gibt wie in anderen demokratischen Ländern der Welt, dass dies echte Wahlen seien. Dabei ist es ein gewöhnliches Ritual. Einer der russischen Oppositionellen hat das übrigens völlig treffend als „elektorale Maßnahmen“ bezeichnet, denn das Wesen der russischen Wahlen besteht darin, dass all die Ergebnisse, die wir kennen, so oder so nicht nur mit dem zusammenhängen können, was in den Wahllokalen geschieht, sondern auch mit dem, was im Büro des stellvertretenden Leiters der russischen Präsidialverwaltung Sergej Kirijenko geschieht. Genau dort werden jene Prozentzahlen festgeschrieben, welche die politischen Parteien erhalten können – die Parteien des Krieges, also alle, die zur Teilnahme an diesen Wahlen zugelassen wurden. Das ist es, was bei der russischen Abstimmung tatsächlich geschieht. Und im Grunde haben wir gesehen, wie diese Ergebnisse unter diesen Parteien des Krieges verteilt wurden.

Übrigens gab es einen interessanten Moment, als man in einem der russischen Gebiete wegen irgendeines bürokratischen Durcheinanders schlicht vergaß, die Wahlliste der Partei Jabloko von der Abstimmung auszuschließen, der einzigen politischen Kraft, die bei diesen Wahlen mit einem, wenn auch zaghaften, Antikriegsprogramm antrat. Und sie zog in die Gebietsversammlung ein. Und ich bin überzeugt, dass sie, wäre sie zu den Wahlen zugelassen worden, auch in die Staatsduma eingezogen wäre. Denn das bedeutet, dass so viele Russen für Jabloko stimmen, dass man diese Situation nicht einmal vollständig fälschen kann. Man ist gezwungen, sich zumindest mit einem solchen Ergebnis abzufinden, und seien es nur fünf Prozent.

Aber welchen Einfluss wird das auf die politischen Prozesse in der Russischen Föderation haben? Keinen. Denn das Parlament in der Russischen Föderation ist seit Anfang der 2000er-Jahre jeder Eigenständigkeit beraubt. Und das hätte übrigens eine große Lehre für uns sein müssen, ist es aber nicht geworden: was mit einem Land geschieht, in dem das Parlament seiner Eigenständigkeit beraubt ist, in dem es ausschließlich ein Drucker ist, der Gesetze ausdruckt, die vom Umfeld des Präsidenten, von der Präsidialverwaltung vorbereitet werden, und zu was für einem Land es für seine Umwelt werden kann.

Aber leider erschien einer enormen Zahl unserer Landsleute ein solches Regierungsmodell mit einem starken Führer ziemlich effektiv und richtig. Und vielen erscheint es bis heute so. Sie verstehen nicht einmal, dass ein solches Regierungsmodell für eine Gesellschaft immer eine Katastrophe ist. Und man muss daran denken, dass uns genau ein solches autoritäres Regierungsmodell angegriffen hat, mit einer ersten Person an der Spitze, die auf die Abgeordneten des gewählten Parlaments keine Rücksicht nimmt und entscheidet, wer im Parlament sein darf und wer nicht.

In jedem Fall glaube ich, dass Donald Trump, wenn er sich an Putin wendet, die nächste Enttäuschung erwartet. Es ist kaum anzunehmen, dass Putin auf seine Schlussfolgerungen hören wird. Sie sehen, dass Putin der Ansicht sein kann, es sei für ihn besser, einen beträchtlichen Teil seiner Ölraffinerieindustrie zu opfern, als auch nur für kurze Zeit den Krieg gegen ein Land zu stoppen, das er in den kommenden Jahren nicht auf der politischen Weltkarte sehen will. Und er kann glauben, dass gerade die Vernichtung dieses Landes seine Eintrittskarte zur Fortsetzung der totalitären Herrschaft in Russland ist.

Deshalb sollte man beim Treffen zwischen Trump und Zelensky meiner Ansicht nach weniger darüber sprechen, wie man die russisch-ukrainischen Verhandlungen wiederbeleben kann – der Nutzen dieser Verhandlungen wird gleich null sein –, sondern darüber, wie man gemeinsam Druck auf die Führung der Russischen Föderation ausüben kann, indem man ihre Möglichkeiten zur Führung des Landes zerstört und die Möglichkeiten der Russen zerstört, in diesem Land normal zu leben. Also nur ein wirtschaftlicher Zusammenbruch und soziale Instabilität in Russland, die zu Krisenmomenten führen werden – natürlich mit dem großen Risiko, dass sich daraus eine Krise entwickelt, die alles ringsum überschwemmt. Auch daran muss man denken, dass diese Möglichkeit ebenfalls besteht. Und deshalb muss man dabei wohlüberlegt vorgehen. Das könnte die russische Führung in absehbarer Zukunft dazu bringen, über eine Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges nachzudenken. Darin liegt der Sinn solcher Treffen.

Trump wird mit Zelensky natürlich über Verhandlungen und über eine Einstellung der Angriffe auf den Ölraffineriesektor der Russischen Föderation sprechen. Wir dagegen müssen über neue Angriffe auf Russland sprechen, über Raketen für Patriot, über Sicherheitsgarantien für den Fall, dass irgendwann zumindest eine gewisse Perspektive auf ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges entsteht. Und natürlich müssen wir erklären, wie wir gegen Korruption auf höchster Ebene kämpfen, was zweifellos ebenfalls immer ein Thema unserer Gespräche mit den Amerikanern ist. Wir dürfen ihnen keine zusätzlichen Anlässe geben, mit denen sie eine Verringerung der Unterstützung für unser Land begründen könnten.

Und wir wissen, dass es solche Politiker auch in Trumps Umfeld gibt. Und nicht nur Politiker. Nachdem sich nun herausgestellt hat, dass ein russischer Oligarch mit einem vielsagenden Nachnamen Donald Trump Jr. Geschenke macht und selbst Trump einräumt, dass dieses Geld zurückgegeben werden müsse und sogar bereits zurückgegeben worden sei, könnte uns das erklären, warum Donald Trump Jr. während Trumps Wahlkampf mit derart unverhohlenen antiukrainischen Tiraden auftrat.

Im Grunde sagen wir ja, vielleicht seien das irgendwelche Überzeugungen, eine Art Ultrakonservatismus in seinen Ansichten. Nun, mit Überzeugungen hat das überhaupt nichts zu tun. Ein Mensch mit ultrakonservativen Ansichten kann seine Vorstellung von der Realität leicht ändern, wenn er mit Tatsachen konfrontiert wird. So hat es etwa diese Lieblingsbloggerin Donald Trumps getan, die hier in Kyiv war, sogar Zelensky interviewte, sich mit Worten der Unterstützung für die Ukraine äußerte und sagte, dass sie sich in Bezug auf Russland geirrt habe. Und ja, das ist ein Mensch mit solchen konservativen, wie ich sagen würde, verschwörungstheoretischen Ansichten. Aber wir sehen, dass, wenn jemand wie Laura Loomer Überzeugungen hat, diese entsprechend den Realitäten korrigiert werden können, mit denen sie konfrontiert wird. Man kann sie überzeugen.

Wenn aber viel Geld auf dem Spiel steht, dann sind das keine Überzeugungen. Dann ist es einfach die Summe, die man dir gibt oder die du infolge der einen oder anderen Partnerschaft zu verdienen beabsichtigst. Und dann kannst du rechtsradikal sein, du kannst linksradikal sein, du kannst verschiedene vermeintliche deklarierte Ansichten haben, aber wenn du auf russisches Geld triffst, passt du diese Ansichten an die Höhe des Geldbetrags an. Das könnte bei Donald Trump Jr. geschehen sein, denn es gab keinerlei Grund für ihn, mit einem solchen Feuerwerk antiukrainischer Äußerungen aufzutreten. Das war uns gegenüber völlig unrealistisch, völlig unsachlich. Und deshalb hat Putin diese Schwachstelle in der gegenwärtigen amerikanischen Regierung erkannt. Etwas, womit Zelensky, glaube ich, ständig konfrontiert ist.

Wozu brauchte Putin Kirill Dmitrijew, den er zu seinem sogenannten Sonderbeauftragten für Wirtschaftsbeziehungen mit anderen Ländern gemacht hat? Damit er Witkoff und Kushner verschiedene Pläne andreht, wie man durch Beziehungen mit der Russischen Föderation Billionen, Trilliarden und so weiter verdienen könne, weil Putin versteht, welchen Eindruck das auf sie machen und wie es die amerikanische Position verändern wird. Selbst wenn sie nicht vollständig daran glauben, bleibt doch ein gewisses Gefühl möglicher Verdienstmöglichkeiten bestehen. Das muss man sich bewusst machen, wenn wir über den Krieg Russlands gegen die Ukraine und über die Haltung der amerikanischen Regierung zu diesem Krieg sprechen.

Und übrigens ist das auch der Grund – auch das muss man verstehen –, warum der inzwischen verstorbene Lindsey Graham Zelensky geraten hatte, dieses Abkommen über Mineralien zu unterzeichnen, das hinsichtlich seiner tatsächlichen Umsetzbarkeit ebenfalls völlig bedeutungslos war. Lindsey Graham, als ein gegen Russland eingestellter Mensch – er hatte dort tatsächlich Überzeugungen, auch wenn er sie entsprechend der politischen Konjunktur anpasste –, konnte der Ansicht sein, dass man den russischen Versprechen von Geld ukrainische Versprechen von Geld entgegensetzen müsse. Und zumindest könnte man Donald Trump immer sagen: „Sehen Sie, Herr Präsident, Sie können an Russland verdienen, aber Sie können auch an der Ukraine verdienen, und das mit wesentlich besseren Folgen für Ihren Ruf.“ Und leider muss all das berücksichtigt werden, wenn wir über die nächsten Kontakte mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten und seiner Regierung sprechen. Das muss man berücksichtigen, wenn wir darüber sprechen, wie sich die gesamte Situation rund um das künftige Treffen von Trump und Zelensky am Rande der UN-Generalversammlung entwickelt.

Es ist also wirklich eine gute Nachricht, dass dieses Treffen überhaupt stattfinden wird. Das korrigiert bis zu einem gewissen Grad bereits das Fehlen von Kontakten zwischen Trump und Zelensky in der vergangenen Zeit. Es ist eine ziemlich gute Nachricht, dass Trump nun versteht, dass Russland wirkliche Probleme hat, und davon spricht, dass Russland die Kontrolle über seine Ölraffinerieindustrie verliert. Nun, das ist tatsächlich ein Kontrollverlust, wenn ein enormer Teil der Raffineriekapazitäten stillsteht und ein enormer Teil der Raffineriekapazitäten repariert wird. Es ist unbekannt, wann all das tatsächlich wieder funktionieren wird. Ein großer Teil des Rohöls muss in größeren Mengen auf den Markt gelangen, als Russland verkaufen kann. Und dann müssen die Bohrlöcher stillgelegt werden.

Aber zugleich glaube ich angesichts der Haltung der russischen Führung selbst grundsätzlich nicht, dass irgendjemand im Kreml Schlussfolgerungen über ein Ende des Krieges zieht, die für uns von Interesse wären, oder zumindest Putin über solche Schlussfolgerungen informieren will. Denn wie wir sehen, lebt Putin weiterhin für diesen Krieg und glaubt daran, dass die Zeit sein wichtigster und entscheidender Verbündeter in dieser erbitterten Konfrontation nicht nur mit der Ukraine, sondern auch mit der zivilisierten Welt bleibt. Einer Konfrontation, in der der Präsident der Russischen Föderation sowohl Inspiration als auch neue Möglichkeiten sieht. Und unsere Aufgabe in den kommenden Jahren dieses russisch-ukrainischen Krieges besteht darin, Putin zu beweisen, dass er in dieser Konfrontation und bei seinem Wunsch, die Ukraine zu vernichten, keinerlei neue Möglichkeiten hat.

Nun, das sind die ersten Kommentare zu diesen neuen Äußerungen Trumps und zur Möglichkeit eines Treffens zwischen Trump und Zelensky. Ich werde einige Fragen beantworten, die während dieser Sendung bereits gestellt wurden.

Frage. Das heißt, wir sollen an Trumps Zwischenwahlen denken und ihm den Rücken freihalten, während er überhaupt nichts getan hat, um das rund um die Uhr stattfindende Töten von Zivilisten zu stoppen? Warum zum Teufel sollten wir ihm entgegenkommen?

Portnikov. Ich sage doch nicht, dass wir über irgendetwas nachdenken müssen. Ich erkläre lediglich, dass Trump jetzt in erster Linie an die Zwischenwahlen denkt. Und es interessiert ihn überhaupt nicht, wann und unter welchen Umständen der russisch-ukrainische Krieg endet. Ihn interessiert jetzt, wie viele Stimmen bei den Kongresswahlen für die Republikaner abgegeben werden. Der russisch-ukrainische Krieg ist für Trump derzeit nur unter dem Gesichtspunkt der Wahl wichtig.

Und die Frage ist, wie wir diesen kurzen Zeitraum nutzen können – denn nach dem 3. November wird das wieder an die zehnte Stelle rücken –, um den Präsidenten der Vereinigten Staaten zu irgendwelchen für uns günstigen Schritten zu bewegen. Deshalb ist das Treffen zwischen Trump und Zelensky wichtig.

Wie Sie verstehen, ist der russisch-ukrainische Krieg für amerikanische Politiker heute Routine. Sie haben bereits verstanden, dass er in den nächsten Jahren kaum enden wird. Und sie simulieren Aktivität, um ihre Beteiligung an dem Prozess zu demonstrieren. Den russisch-ukrainischen Krieg können, zumindest wenn wir über die nächsten schwierigen Jahre sprechen, nur wir beenden und nicht die Amerikaner.

Ich erinnere noch einmal daran, dass kein Präsident der Vereinigten Staaten jemals irgendeinen goldenen Schlüssel besaß, den er hätte benutzen können, um den Krieg gegen die Ukraine zu beenden. Das ist der erste große Krieg des 21. Jahrhunderts, der lediglich eine Reihe neuer großer Kriege und Prüfungen eröffnet, deren Zeugen und Teilnehmer wir alle sein werden, wo auch immer wir heute in der zivilisierten Welt leben. Einfach deshalb, weil dies eine normale Entwicklung der Zivilisation ist, wenn die Menschen die Gefahr des Krieges vergessen, und genau in einer solchen historischen Epoche leben wir.

Die Frage ist also nicht, ob wir ihm entgegenkommen müssen. Wie Sie sehen, tun wir das nicht. Wir greifen die Ölraffinerien der Russischen Föderation weiter an. Das ist alles. Wir müssen diese Situation in den Vereinigten Staaten lediglich berücksichtigen.

Frage. In letzter Zeit mussten Sie häufig Trumps Äußerungen darüber kommentieren, dass die Ukraine am Dieselmangel schuld sei. Wenn man bedenkt, dass er und alle anderen verstehen, dass das Unsinn ist, sollten wir dann überhaupt so tun, als würden wir auf ihn hören?

Portnikov. Ich glaube, das sollten wir nicht. Ich habe es bereits erklärt. Wenn die Ukraine auf Trump hört und aufhört, die Ölraffinerien der Russischen Föderation anzugreifen, sich der Dieselpreis dadurch aber nicht verändert, wird damit allen klar werden, dass der Dieselpreis vom Iran und nicht von Russland abhängt. Und das wird die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit, zumindest derjenigen, die für Trump stimmen will, wieder auf Trumps Fehlkalkulationen im Iran-Krieg lenken. Deshalb ist es für Trump vorteilhafter, wenn wir die Ölraffinerien der Russischen Föderation weiterhin angreifen, während er uns auffordert, damit aufzuhören, und Russland zum Frieden aufruft.

Dabei kann Trump natürlich daran interessiert sein, dass zumindest bis zum 3. November nichts aufhört, dass sich diese Eskalation nur weiter verstärkt und ihm die Möglichkeit gibt zu sagen: „Sehen Sie, die Eskalation nimmt zu, die Ukraine verstärkt ihre Angriffe, ich fordere sie auf, damit aufzuhören. Ich erinnere Russland daran, dass es die Kontrolle über die Branche verloren hat, aber Russland verliert nicht den Wunsch, Krieg zu führen. Ein solcher Wahnsinn auf beiden Seiten.“ Hauptsache, sie kämpfen jetzt gerade um diese Raffinerien, damit man erklären kann, was geschieht und dass er nichts damit zu tun hat. „Denn wer hat diesen Krieg begonnen? Biden. Und nun hat er zu solchen Ergebnissen wie dem Dieselpreis geführt“‚.

Objektiv betrachtet ist Trump in dieser Situation also daran interessiert, dass die Eskalation gerade im Zusammenhang mit der russischen Ölraffinerieindustrie zunimmt. Wenn wir ihm also entgegenkommen, tun wir ihm damit nichts Gutes. Darin liegt das Problem. Und uns selbst ebenfalls nicht.

Frage. Sehen Sie bei den Demokraten den Willen, uns im Falle eines Wahlsiegs tatsächlich zu helfen? Oder sind die Ideen des Isolationismus in dieser Zeit nicht in alle Parteien der Vereinigten Staaten eingedrungen?

Portnikov. Nun, ich möchte Ihnen sagen, dass es konkrete Tatsachen gibt, die diese Behauptung widerlegen. Denn gerade mit den Stimmen der Demokraten im Repräsentantenhaus – praktisch alle stimmten dafür, mit Ausnahme eines demokratischen Kongressabgeordneten, und nur wenige Republikaner schlossen sich ihnen an – wurde der Ukraine Support Act verabschiedet, der im Senat feststeckt. Und dieses Dokument enthält sowohl finanzielle als auch militärische Hilfe für die Ukraine, also eine Rückkehr zu jener Politik, die Biden betrieben hatte. Wenn die Idee des Isolationismus, wie Sie sagen, in alle Parteien der Vereinigten Staaten eingedrungen wäre, warum sollten die Demokraten dann fast einstimmig für ein Gesetz stimmen, das die Möglichkeit vorsieht, amerikanisches Geld, das Geld amerikanischer Steuerzahler, an die Ukraine auszuzahlen? Seien Sie doch objektiv.

Ja, bei den Demokraten gab es ernsthafte Bedenken hinsichtlich dieses Graham-Gesetzes, weil sie glaubten, dass dieses Gesetz in Wirklichkeit nicht dazu führen werde, dass Trump der Ukraine hilft, sondern dazu, dass der Kongress ihm erlaubt, die Zollkriege wieder aufzunehmen. Das ist eine ganz konkrete Tatsache. Und man muss damit rechnen, dass es auch so kommen kann. Aber das hing nicht mit der Ukraine zusammen, denn für die Ukraine haben sie ein wesentlich präziseres und sinnvolleres Gesetz verabschiedet. Und ich würde mir sehr wünschen, dass der Kongress nach den Zwischenwahlen zum Kongress der Vereinigten Staaten über Druckmittel gegenüber der Regierung verfügt, die Trump dazu zwingen würden, dieses Gesetz zu unterzeichnen, und den Senat dazu, über dieses Gesetz abzustimmen. Ich setze nicht allzu große Hoffnungen darauf, aber das wäre eine Entwicklung in die richtige Richtung. Das muss man verstehen.

Frage. Wenn die Wahlergebnisse in Russland von oben mit den richtigen Zahlen vorgegeben werden, wozu dann dieser beschämende Zirkus mit den offensichtlichen Stimmzettelmanipulationen? Warum führt man nicht einfach eine sterile Abstimmung für die Wahlen durch?

Portnikov. Nun, gerade deshalb gibt es diese Manipulationen, weil die Zahlen von oben vorgegeben werden. Und jede Wahlkommission und jede Region muss die richtigen Zahlen liefern. Es ist völlig klar, warum das so geschieht. Das ist schließlich keine Abstimmung wie in der Sowjetunion. Eine Person für einen Sitz. Hier gibt es mehrere Wahlmöglichkeiten, auch wenn am Ende alles auf dasselbe hinausläuft.

Ganz zu schweigen von der Wahlbeteiligung, die wesentlich niedriger sein kann, als man es sich wünscht. Ganz zu schweigen davon, dass, wenn die Ergebnisse aus dem Kreml vorgegeben werden, das nicht bedeutet, dass die Beamten in der Verwaltung des jeweiligen Gebiets oder der jeweiligen Region das einfach sauber durchführen können. Sie können zeigen wollen, dass sie wesentlich eifriger und wesentlich erfolgreicher sind als ihre Kollegen in der Nachbarregion.

Und deshalb gibt es all diese Stimmzettelmanipulationen und all diese Wahlkarusselle. Und alles, was wir sehen, kann zusätzlich eine Initiative der örtlichen Behörden sein, wenn jeder der regionalen Barone sich beim Kreml einschmeicheln und zeigen will, dass er zur Demonstration seiner Loyalität wesentlich mehr leisten kann als sein Nachbar. Deshalb erreichen diese Wahlergebnisse bereits irgendwelche grotesken, wie ich sagen würde, sowjetischen Ergebnisse. Haben Sie das Wahlergebnis gesehen? Irgendwo 98, 99 Prozent – ich sehe die genaue Zahl gerade nicht –, so etwas in dieser Größenordnung erhielt der Vorsitzende der Staatsduma der Russischen Föderation Wjatscheslaw Wolodin.

Warum eine solche sowjetische Zahl? So wurde doch nur unter Stalin abgestimmt. Weil Wolodin sein Amt als Vorsitzender der Staatsduma unbedingt behalten möchte. Und in Moskau kursieren derzeit Gerüchte, dass der russische Außenminister Sergej Lawrow, der übrigens anstelle Medwedews die Wahlliste von „Einiges Russland“ angeführt hat, das Amt des Parlamentspräsidenten anstrebt. Und in dieser Situation, in der Lawrow seine politische Karriere so beenden möchte wie sein Vorgänger am Smolensker Platz, Andrei Gromyko, der bekanntlich jahrzehntelang Außenminister der Sowjetunion war und danach Vorsitzender des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR werden wollte, muss Wolodin Putin zeigen, dass er so sehr respektiert und geliebt wird, dass gerade er im Amt des Parlamentspräsidenten bleiben muss. Darum geht es, und das ist aus Sicht der Interessen des Vorsitzenden der russischen Staatsduma völlig offensichtlich. All das verwandelt diese Wahlen natürlich in eine komische Farce. Was soll man machen?

Frage. Ist die Wahl der Alternative für Deutschland einfach eine strategische Vogel-Strauß-Haltung oder so etwas wie eine andere Vorstellung davon, wie die deutschen Probleme gelöst werden sollen?

Portnikov. Nun, natürlich ist es eine andere Vorstellung davon, wie die deutschen Probleme gelöst werden sollen. Die Menschen, die für die Alternative für Deutschland stimmen, verstehen ganz genau, für wen sie stimmen, zumindest in den ostdeutschen Bundesländern. Und sie können völlig aufrichtig glauben – und Russland trägt mit seinen Sabotageakten auf deutschem Territorium dazu bei –, dass Politiker gebraucht werden, die sich mit Moskau einigen und jene wirtschaftliche Situation wiederherstellen, die vor Russlands großem Krieg gegen die Ukraine bestand. Und dass Politiker, die eine Konfrontation wollen, ernsthafte Probleme für die Zukunft der Deutschen schaffen.

Darüber hat übrigens auch die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, die Sozialdemokratin Manuela Schwesig, gesprochen: dass es in ihrem Bundesland viele Menschen gibt, die gegen die Unterstützung der Ukraine und für die Wiederaufnahme des Betriebs der Gaspipeline Nord Stream eintreten, weil diese Pipeline auch Arbeitsplätze in diesem Bundesland geschaffen hat. Und dass die Sozialdemokratische Partei Deutschlands solche Stimmungen nicht unterstützen will, weil sie versteht, dass sie nicht ihren Werten entsprechen, und mit einem völlig entgegengesetzten Programm antritt. Und dann stimmen Menschen, die beispielsweise früher die Sozialdemokraten gewählt haben, für die Alternative für Deutschland, die auf ihre Sicht der Realität eingeht.

Natürlich sind die russisch-deutschen Beziehungen und der Krieg in der Ukraine keineswegs das Wichtigste, was das Wahlverhalten in Deutschland bestimmt. Das mag ein Teil wichtiger Probleme sein, aber es ist nicht alles. Hinzu kommen in Ostdeutschland die Haltung zu Migrationsproblemen und zum Niveau der wirtschaftlichen Entwicklung, das im Osten, wie Sie verstehen, anders ist als im Westen. Aber dass die Wähler der Alternative für Deutschland bis zu einem gewissen Grad von demselben Wunsch nach einer Verständigung mit Putin geleitet werden, der jahrzehntelang die Wünsche ukrainischer Wähler bestimmte, ist im Grunde eine Tatsache, ja, eine im Grunde offensichtliche Sache.

Deshalb ist in dieser Situation gerade die gesellschaftliche Nachfrage wichtig. Verstehen Sie? Wenn Marine Le Pen eine gesonderte Erklärung mit scharfer Kritik an Putin veröffentlicht, bedeutet das, dass sie sieht, dass es in der französischen Gesellschaft keine Nachfrage nach einer Verständigung mit Moskau gibt und dass sie, wenn sie ihre politische Karriere fortsetzen und sogar Präsidentin Frankreichs werden will, auf diese gesellschaftlichen Stimmungen hören muss. Ein ultrarechter Politiker muss keineswegs prorussisch sein, wenn in der Gesellschaft eine völlig entgegengesetzte Stimmung herrscht. Und umgekehrt wird selbst jemand, der einer Zusammenarbeit mit Kyiv positiv gegenübersteht, sehr vorsichtig sein, wenn er sieht, dass die gesellschaftliche Stimmung nicht dafür ist.

So geschieht es auch mit dem neuen ungarischen Ministerpräsidenten Magyar. Er muss die Stimmungen seiner eigenen Gesellschaft berücksichtigen, die Russland und die Ukraine anders betrachtet als die Gesellschaften der Nachbarländer. Ja, dazu hat die jahrelange Herrschaft von Vertretern der Partei Orbáns beigetragen, aber das bedeutet keineswegs, dass diese gesellschaftlichen Stimmungen nicht fortbestehen.

Frage. Besteht die Chance, dass sich nach dem 3. November, wenn die Demokraten das Repräsentantenhaus und den Senat übernehmen, die Politik gegenüber der Ukraine verändert? Denn es gibt Fragen hinsichtlich der Qualität und Kompetenz der Vertreter der herrschenden Klasse der Vereinigten Staaten.

Portnikov. Ich habe im Augenblick überhaupt keine Fragen hinsichtlich der Qualität und Kompetenz der Vertreter der herrschenden Klasse der Vereinigten Staaten, wenn wir über den Kongress sprechen. Dort gibt es viele professionelle, kluge Menschen. Aber ich möchte Sie einfach daran erinnern, dass die Außenpolitik der Vereinigten Staaten in jedem Fall vom Präsidenten des Landes bestimmt wird. Wenn die Demokraten die Mehrheit der Stimmen im Repräsentantenhaus und im Senat erhalten – derzeit können wir nicht sagen, dass dies zwangsläufig geschehen wird; zumindest beim Senat gibt es ganz sicher eine große Frage –, dann haben die Demokraten einfach eine Chance bekommen, diese Mehrheit zu erreichen. Bis vor Kurzem hatten sie diese Chance nicht. Auf diese Weise kann es zu dem gewöhnlichen politischen Tauschgeschäft kommen, das es in Amerika immer gibt, wenn der Präsident eine der Kammern des Kongresses nicht kontrolliert.

Das heißt, Trump wird darauf angewiesen sein, dass der Kongress über etwas abstimmt, das für ihn wichtig ist. Der Kongress wird darauf angewiesen sein, dass Trump bestimmte Gesetze unterzeichnet, die den Vorstellungen der Demokraten entsprechen. Wenn sie nicht in den Abgrund einer absoluten Konfrontation abrutschen, dann wird man bestimmte Entscheidungen, die für den Präsidenten nicht so schmerzhaft sind, gegen andere eintauschen können. Hilfe für die Ukraine erscheint nicht als eine derart schmerzhafte Entscheidung. Deshalb schafft ein Sieg der Demokraten bei den Wahlen auch nur zu einer Kammer des Kongresses grundsätzlich Voraussetzungen dafür, dass der neu gewählte Kongress – das wird natürlich bereits im nächsten Jahr sein – ein Programm zur Unterstützung der Ukraine für die kommenden Kriegsjahre ausarbeitet. Das ist sehr wichtig, wenn man berücksichtigt, wie schwierig und schwer diese kommenden Jahre werden können.

Deshalb sehe ich gerade im Verlust der Kontrolle über eine Kammer solche Möglichkeiten. Denken Sie nur daran, dass derselbe Sprecher Mike Johnson bestimmte Gesetzesvorlagen schlicht nicht zur Abstimmung stellte. Ebenso stellt der Vorsitzende der republikanischen Mehrheit im Senat, Senator Thune, den Ukraine Support Act schlicht nicht zur Abstimmung. Die Frage ist nicht einmal, wer wie viele Stimmen hat. Die Frage ist, dass der Sprecher oder der Mehrheitsführer Gesetzesvorlagen einfach nicht zur Abstimmung stellen kann.

Ich versichere Ihnen: Wenn Senator Thune den Ukraine Support Act zur Abstimmung stellen würde, würde dieses Gesetz verabschiedet. Im Senat gibt es genügend Stimmen sowohl demokratischer als auch republikanischer Senatoren, die ihn unterstützen können. Und das ist kein Geheimnis. Über dieses Gesetz wird nicht deshalb nicht abgestimmt, weil es dafür keine Stimmen gibt, sondern weil es nicht zur Abstimmung gestellt wird. Das bedeutet, dass man die Situation sogar mithilfe der Zwischenwahlen verändern kann, denn wie Sie verstehen, ist es für den Präsidenten wesentlich schwieriger, ein bereits verabschiedetes Gesetz dieser Art nicht zu unterzeichnen, als ein Gesetz zu ignorieren, das im Senat nicht einmal behandelt wird. Das ist ein einfaches, elementares Beispiel für eine solche Situation.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп: Росія втрачає контроль | Віталій
Портников. 21.09.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 21.09.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:

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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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