Israelische Medien berichten, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II., gern in der Rolle eines neuen Vermittlers bei der Regelung der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sehen würde. Über eine solche Möglichkeit habe Trump angeblich bei ihrem jüngsten Treffen im Weißen Haus mit dem Patriarchen gesprochen. Und im Patriarchat von Jerusalem bestätigt man tatsächlich, dass der Patriarch sich gern mit Aufgaben humanitärer Natur befassen würde.
Diese Nachricht illustriert erstens, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in einer Sackgasse befindet. Seine wichtigsten Vermittler, Steve Witkoff und Jared Kushner, sind mit der Suche nach Auswegen aus einer anderen Krise beschäftigt – der Krise des Krieges mit dem Iran. Und ungeachtet der ständigen optimistischen Erklärungen Donald Trumps ist heute keinerlei reale Perspektive erkennbar, nicht einmal für die Beendigung des Konflikts als solchen, sondern vor allem für die Öffnung der Straße von Hormus. Bleiben wir jedoch gemeinsam mit Donald Trump optimistisch, denn die Folgen eines Scheiterns des amerikanischen Präsidenten bei dieser Aufgabe wären schlicht überwältigend.
Witkoff kann derzeit weder Moskau noch Kyiv besuchen, doch in der russischen Hauptstadt wartet man auch nicht besonders auf den Vertreter Trumps, denn man würde den Verhandlungsprozess gern in die gewöhnliche Routine von Treffen von Kommissionen und Berufsdiplomaten überführen – also in Verhandlungen um der Verhandlungen willen, die es dem russischen Präsidenten Putin erlauben würden, die Zerstörung der Ukraine fortzusetzen. Witkoff hingegen erwartet vom russischen Präsidenten ständig irgendwelche schnellen Ergebnisse, die Putin nicht interessieren.
Und nun hat Trump entschieden, dass möglicherweise der Patriarch von Jerusalem Putin überzeugen könne, seinen Standpunkt zu ändern. Zumal ein Treffen Theophilos’ II. mit dem russischen Präsidenten bereits für diesen Monat geplant ist.
Schon die Idee einer Vermittlung durch den Patriarchen von Jerusalem demonstriert eine weitere wichtige Eigenschaft der gegenwärtigen amerikanischen Administration: mangelndes Verständnis der Situation, man könnte sagen Dilettantismus. Muss es dort denn nicht irgendwelche Spezialisten für die orthodoxe Welt geben?
Denn Theophilos II., der zu Beginn seines Patriarchats ein Mann war, der sich scharfe Kritik an der Russisch-Orthodoxen Kirche erlaubte, wurde mit der Zeit zu einem der prorussischsten Patriarchen der orthodoxen Welt überhaupt – bis hin zu dem Versuch, ein schismatisches Treffen der Patriarchen im jordanischen Amman abzuhalten, was vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios verurteilt wurde.
Allerdings muss man der Wahrheit ins Auge sehen: Viele Oberhäupter orthodoxer Kirchen konnte der Patriarch von Jerusalem damals nicht versammeln. Doch der Kriegspatriarch Kirill kam. Ebenfalls kamen die der Russisch-Orthodoxen Kirche nahestehenden Oberhäupter der georgischen und der serbischen Kirche.
Patriarch Theophilos ist ein überzeugter Gegner der autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine und ein Anhänger der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Er gehört nicht einfach zu jenen, die die Rückkehr der Orthodoxen Kirche der Ukraine auf die religiöse Landkarte der modernen Welt nicht anerkennen. Er gehört zu jenen, die aktiv gegen diese Entscheidung des Ökumenischen Patriarchen kämpfen, und seine Position stimmt mit der Position Präsident Putins und des russischen Patriarchen Kirill überein.
Im vergangenen Jahr erhielt der Patriarch von Jerusalem Theophilos II. vom Präsidenten der Russischen Föderation den Orden der Freundschaft. Ganz so wie der inzwischen ehemalige ungarische Außenminister Péter Szijjártó. Und er erhielt ihn nicht ohne Grund, denn die faktische Bedienung der Interessen der Russischen Föderation und der Kirche Patriarch Kirills durch den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem ist für jeden, der sich in den Ereignissen der orthodoxen Welt auskennt, keineswegs eine große Neuigkeit.
Übrigens besitzt Patriarch Theophilos II. auch einen ukrainischen Orden. Er könnte ihn Donald Trump als weitere Zeile in seinem Lebenslauf präsentieren, die den amerikanischen Präsidenten von der Fähigkeit des Patriarchen von Jerusalem überzeugen sollte, zwischen Moskau und Kyiv zu vermitteln. Nur wurde dieser Orden, der Orden Jaroslaws des Weisen, dem Patriarchen von Jerusalem von niemand anderem als Viktor Janukowytsch verliehen. Und mir scheint, dass dies eine recht passende Ergänzung zu der hohen Auszeichnung ist, die der Patriarch von Jerusalem von Präsident Putin erhalten hat.
Zu behaupten, dass der orthodoxe Patriarch von Jerusalem ein wirklicher Vermittler zwischen Moskau und Kyiv sein könne, kann daher nur jemand, der nicht versteht, wen er vor sich hat.
Mit anderen Worten: Theophilos II. ist ein entschiedener Anhänger der Russischen Föderation. Er könnte weniger vermitteln als vielmehr Präsident Zelensky oder anderen ukrainischen Führungspersönlichkeiten Ultimaten des Präsidenten der Russischen Föderation überbringen. Eine Art Abramowitsch in einer Soutane. Und politisch betrachtet enthält der Lebenslauf des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem nichts anderes.
Doch offensichtlich muss Donald Trump die Aktivität imitieren, um zu demonstrieren, dass er den russisch-ukrainischen Krieg nicht vergessen hat, und zugleich nichts Realistisches tun, damit dieser Krieg tatsächlich endet. Denn wenn der amerikanische Präsident dies wirklich wollte, würde er nicht mit dem orthodoxen Patriarchen von Jerusalem über irgendetwas sprechen, sondern das Gesetz unterzeichnen, das kürzlich vom amerikanischen Kongress verabschiedet wurde.
Denn um den Krieg zu beenden, muss man das militärische und ölverarbeitende Potenzial der Russischen Föderation zerstören, die russische Wirtschaft in die Knie zwingen und Bedingungen für den Zusammenbruch des Putin-Regimes schaffen. Und das kann nur mit amerikanischer Hilfe und nur mit amerikanischem Geld geschehen, wenn man es schnell machen will.
Und das ist weit wirksamer als irgendwelche Gebete des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II. Zumal offensichtlich ist, dass dieser Kirchenfunktionär ausschließlich für die Gesundheit und das Wohlergehen des Präsidenten der Russischen Föderation Putin und seines kriegerischen Pseudopatriarchen Kirill beten wird.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Трамп міняє Віткоффа на Феофіла | Віталій Портников. 08.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.
Vielen Dank für die Übersetzung und die pointierte Analyse von Vitaly Portnikov.
Der Beitrag benennt nachvollziehbar ein zentrales Problem der gegenwärtigen Diplomatie: Die Suche nach einer politischen Lösung des russisch-ukrainischen Krieges steckt seit Langem in einer Sackgasse. Auch die Frage, welche Personen als Vermittler geeignet sind, ist legitim und wichtig. Sollte Patriarch Theophilos II. tatsächlich eine vermittelnde Rolle übernehmen, wäre seine bisherige Haltung gegenüber der Russisch-Orthodoxen Kirche, der Ukraine und dem Moskauer Patriarchat selbstverständlich Gegenstand einer kritischen Prüfung.
Dennoch erscheint mir die Argumentation an einigen Stellen sehr kategorisch. Zwischen der Feststellung, dass ein Vermittler möglicherweise politische oder religiöse Nähe zu einer Konfliktpartei besitzt, und der Schlussfolgerung, er könne deshalb grundsätzlich keine vermittelnde Rolle spielen, besteht ein erheblicher Unterschied. In der Geschichte internationaler Konflikte gab es wiederholt Vermittler, die nicht als vollständig neutral wahrgenommen wurden und dennoch Kommunikationskanäle offenhalten konnten.
Auch die Aussage, ein Kriegsende könne nur durch die wirtschaftliche und militärische Zerstörung Russlands sowie durch Bedingungen für den Zusammenbruch des Putin-Regimes erreicht werden, verdient eine kritische Betrachtung. Einerseits ist nachvollziehbar, dass Russland als Aggressor für die Fortsetzung des Krieges verantwortlich gemacht wird. Andererseits zeigt die Geschichte, dass Regimewechsel oder wirtschaftliche Zusammenbrüche keineswegs automatisch zu Frieden, Stabilität oder demokratischer Entwicklung führen. Die Folgen solcher Strategien sind häufig schwer vorhersehbar und können neue Risiken für die betroffenen Gesellschaften und darüber hinaus erzeugen.
Zudem sollte man zwischen berechtigter Kritik an der Politik des Kremls und der Vorstellung unterscheiden, dass Frieden ausschließlich durch die Niederlage einer Seite erreichbar sei. Nachhaltige Friedensordnungen entstehen meist durch eine Kombination aus militärischem Druck, diplomatischen Initiativen, Sicherheitsgarantien und politischen Verhandlungen – selbst dann, wenn diese Verhandlungen mit äußerst schwierigen Gesprächspartnern geführt werden müssen.
Der Beitrag regt wichtige Fragen an, insbesondere hinsichtlich der Rolle religiöser Akteure in geopolitischen Konflikten. Gerade deshalb wäre es hilfreich, neben der Kritik an einzelnen Personen auch die grundsätzliche Frage zu diskutieren, welche realistischen diplomatischen Wege derzeit überhaupt noch offenstehen und wie ein gerechter und zugleich tragfähiger Frieden für die Ukraine aussehen könnte.
Vielen Dank für den interessanten Denkanstoß.
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Sehr geehrter Herr Hans Gamma,
einerseits danke ich Ihnen dafür, dass Sie sich die Zeit nehmen, meine Übersetzungen und die Texte von Vitaly Portnikov zu kommentieren.
Andererseits veröffentliche ich auf meiner Website politische Analysen, die auf langjährigen Erfahrungen, Hintergrundwissen und nicht zuletzt auf persönlichen Eindrücken beruhen. Gerade deshalb empfinde ich es als wenig respektvoll, wenn auf solche Texte mit offensichtlich KI-generierten Stellungnahmen geantwortet wird, die kaum eine eigene Haltung erkennen lassen.
Zur Veranschaulichung habe ich selbst eine KI gebeten, die Struktur Ihrer Kommentare zu analysieren. Das Ergebnis lautete:
1. Lob für den Beitrag.
2. Anerkennung eines Kernarguments.
3. Einleitung der Kritik mit „Dennoch …“.
4. Hinweis auf Komplexität und historische Beispiele.
5. Warnung vor zu eindeutigen Schlussfolgerungen.
6. Versöhnliches Schlussfazit.
Diese Beschreibung trifft auf einen Großteil Ihrer Kommentare erstaunlich genau zu.
Das Letzte, was die Debatte über Krieg, Diktatur und historische Verantwortung braucht, sind standardisierte Texte, die unabhängig vom jeweiligen Thema stets zu mehr Differenzierung, Mäßigung und Ausgewogenheit aufrufen. Solche Antworten gehen oft am eigentlichen Inhalt vorbei.
Ich würde Sie daher bitten, künftig entweder kürzer und persönlicher zu kommentieren oder gegebenenfalls auf einen Kommentar zu verzichten. Mich interessieren Ihre eigenen Gedanken, Ihre eigene Einschätzung und auch Ihre Widersprüche – nicht die eines Sprachmodells.
Mit freundlichen Grüßen
Viktoriya Limbach
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Sehr geehrte Frau Limbach,
vielen Dank für Ihre offene und ehrliche Rückmeldung.
Ich kann nachvollziehen, dass bei einer Vielzahl ähnlich aufgebauter Kommentare der Eindruck entstehen kann, die Antworten seien zu schematisch oder würden dem jeweiligen Text nicht ausreichend gerecht. Ihr Hinweis ist daher berechtigt und regt zur Selbstreflexion an.
Mein Anliegen war und ist es, mich mit den von Ihnen übersetzten Beiträgen sowie den Analysen von Vitaly Portnikov sachlich auseinanderzusetzen. Dabei versuche ich bewusst, sowohl Zustimmung als auch kritische Nachfragen zu formulieren, weil ich politische Entwicklungen selten als eindimensional betrachte. Möglicherweise hat genau dieser Ansatz dazu geführt, dass manche Kommentare tatsächlich einer ähnlichen Struktur folgen.
Gleichzeitig möchte ich anmerken, dass der Wunsch nach Differenzierung nicht zwangsläufig Ausdruck von Beliebigkeit oder fehlender Haltung sein muss. Gerade bei Themen wie Krieg, autoritären Regimen, historischer Verantwortung und internationaler Politik halte ich es für wichtig, auch die Grenzen eigener Gewissheiten im Blick zu behalten.
Ihre Kritik, dass Kommentare stärker auf die Besonderheiten des jeweiligen Textes eingehen sollten, nehme ich jedoch ernst. Wenn meine bisherigen Beiträge teilweise den Eindruck erweckt haben, eher allgemeine Überlegungen als konkrete Reaktionen auf die Argumentation des Autors zu sein, dann ist das ein Punkt, den ich künftig stärker berücksichtigen werde.
Unabhängig davon schätze ich Ihre Arbeit sehr. Die Übersetzungen und die dadurch ermöglichte Auseinandersetzung mit ukrainischen Perspektiven leisten einen wichtigen Beitrag zum Verständnis eines Konflikts, der in vielen westlichen Debatten häufig nur durch die eigene politische oder mediale Brille betrachtet wird.
Vielen Dank für Ihre direkte Rückmeldung. Kritik gehört zu jeder ernsthaften Diskussion dazu – auch gegenüber den Kommentierenden.
Mit freundlichen Grüßen
Hans Gamma
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