Trump tauscht Witkoff gegen Theophilos aus | Vitaly Portnikov. 08.06.2026.

Israelische Medien berichten, dass der amerikanische Präsident Donald Trump den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II., gern in der Rolle eines neuen Vermittlers bei der Regelung der Frage der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges sehen würde. Über eine solche Möglichkeit habe Trump angeblich bei ihrem jüngsten Treffen im Weißen Haus mit dem Patriarchen gesprochen. Und im Patriarchat von Jerusalem bestätigt man tatsächlich, dass der Patriarch sich gern mit Aufgaben humanitärer Natur befassen würde.

Diese Nachricht illustriert erstens, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten hinsichtlich der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges in einer Sackgasse befindet. Seine wichtigsten Vermittler, Steve Witkoff und Jared Kushner, sind mit der Suche nach Auswegen aus einer anderen Krise beschäftigt – der Krise des Krieges mit dem Iran. Und ungeachtet der ständigen optimistischen Erklärungen Donald Trumps ist heute keinerlei reale Perspektive erkennbar, nicht einmal für die Beendigung des Konflikts als solchen, sondern vor allem für die Öffnung der Straße von Hormus. Bleiben wir jedoch gemeinsam mit Donald Trump optimistisch, denn die Folgen eines Scheiterns des amerikanischen Präsidenten bei dieser Aufgabe wären schlicht überwältigend.

Witkoff kann derzeit weder Moskau noch Kyiv besuchen, doch in der russischen Hauptstadt wartet man auch nicht besonders auf den Vertreter Trumps, denn man würde den Verhandlungsprozess gern in die gewöhnliche Routine von Treffen von Kommissionen und Berufsdiplomaten überführen – also in Verhandlungen um der Verhandlungen willen, die es dem russischen Präsidenten Putin erlauben würden, die Zerstörung der Ukraine fortzusetzen. Witkoff hingegen erwartet vom russischen Präsidenten ständig irgendwelche schnellen Ergebnisse, die Putin nicht interessieren.

Und nun hat Trump entschieden, dass möglicherweise der Patriarch von Jerusalem Putin überzeugen könne, seinen Standpunkt zu ändern. Zumal ein Treffen Theophilos’ II. mit dem russischen Präsidenten bereits für diesen Monat geplant ist.

Schon die Idee einer Vermittlung durch den Patriarchen von Jerusalem demonstriert eine weitere wichtige Eigenschaft der gegenwärtigen amerikanischen Administration: mangelndes Verständnis der Situation, man könnte sagen Dilettantismus. Muss es dort denn nicht irgendwelche Spezialisten für die orthodoxe Welt geben? 

Denn Theophilos II., der zu Beginn seines Patriarchats ein Mann war, der sich scharfe Kritik an der Russisch-Orthodoxen Kirche erlaubte, wurde mit der Zeit zu einem der prorussischsten Patriarchen der orthodoxen Welt überhaupt – bis hin zu dem Versuch, ein schismatisches Treffen der Patriarchen im jordanischen Amman abzuhalten, was vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios verurteilt wurde.

Allerdings muss man der Wahrheit ins Auge sehen: Viele Oberhäupter orthodoxer Kirchen konnte der Patriarch von Jerusalem damals nicht versammeln. Doch der Kriegspatriarch Kirill kam. Ebenfalls kamen die der Russisch-Orthodoxen Kirche nahestehenden Oberhäupter der georgischen und der serbischen Kirche.

Patriarch Theophilos ist ein überzeugter Gegner der autokephalen Orthodoxen Kirche der Ukraine und ein Anhänger der Ukrainischen Orthodoxen Kirche des Moskauer Patriarchats. Er gehört nicht einfach zu jenen, die die Rückkehr der Orthodoxen Kirche der Ukraine auf die religiöse Landkarte der modernen Welt nicht anerkennen. Er gehört zu jenen, die aktiv gegen diese Entscheidung des Ökumenischen Patriarchen kämpfen, und seine Position stimmt mit der Position Präsident Putins und des russischen Patriarchen Kirill überein.

Im vergangenen Jahr erhielt der Patriarch von Jerusalem Theophilos II. vom Präsidenten der Russischen Föderation den Orden der Freundschaft. Ganz so wie der inzwischen ehemalige ungarische Außenminister Péter Szijjártó. Und er erhielt ihn nicht ohne Grund, denn die faktische Bedienung der Interessen der Russischen Föderation und der Kirche Patriarch Kirills durch den orthodoxen Patriarchen von Jerusalem ist für jeden, der sich in den Ereignissen der orthodoxen Welt auskennt, keineswegs eine große Neuigkeit.

Übrigens besitzt Patriarch Theophilos II. auch einen ukrainischen Orden. Er könnte ihn Donald Trump als weitere Zeile in seinem Lebenslauf präsentieren, die den amerikanischen Präsidenten von der Fähigkeit des Patriarchen von Jerusalem überzeugen sollte, zwischen Moskau und Kyiv zu vermitteln. Nur wurde dieser Orden, der Orden Jaroslaws des Weisen, dem Patriarchen von Jerusalem von niemand anderem als Viktor Janukowytsch verliehen. Und mir scheint, dass dies eine recht passende Ergänzung zu der hohen Auszeichnung ist, die der Patriarch von Jerusalem von Präsident Putin erhalten hat.

Zu behaupten, dass der orthodoxe Patriarch von Jerusalem ein wirklicher Vermittler zwischen Moskau und Kyiv sein könne, kann daher nur jemand, der nicht versteht, wen er vor sich hat.

Mit anderen Worten: Theophilos II. ist ein entschiedener Anhänger der Russischen Föderation. Er könnte weniger vermitteln als vielmehr Präsident Zelensky oder anderen ukrainischen Führungspersönlichkeiten Ultimaten des Präsidenten der Russischen Föderation überbringen. Eine Art Abramowitsch in einer Soutane. Und politisch betrachtet enthält der Lebenslauf des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem nichts anderes.

Doch offensichtlich muss Donald Trump die Aktivität imitieren, um zu demonstrieren, dass er den russisch-ukrainischen Krieg nicht vergessen hat, und zugleich nichts Realistisches tun, damit dieser Krieg tatsächlich endet. Denn wenn der amerikanische Präsident dies wirklich wollte, würde er nicht mit dem orthodoxen Patriarchen von Jerusalem über irgendetwas sprechen, sondern das Gesetz unterzeichnen, das kürzlich vom amerikanischen Kongress verabschiedet wurde.

Denn um den Krieg zu beenden, muss man das militärische und ölverarbeitende Potenzial der Russischen Föderation zerstören, die russische Wirtschaft in die Knie zwingen und Bedingungen für den Zusammenbruch des Putin-Regimes schaffen. Und das kann nur mit amerikanischer Hilfe und nur mit amerikanischem Geld geschehen, wenn man es schnell machen will.

Und das ist weit wirksamer als irgendwelche Gebete des orthodoxen Patriarchen von Jerusalem, Theophilos II. Zumal offensichtlich ist, dass dieser Kirchenfunktionär ausschließlich für die Gesundheit und das Wohlergehen des Präsidenten der Russischen Föderation Putin und seines kriegerischen Pseudopatriarchen Kirill beten wird.


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Titel des Originals: Трамп міняє Віткоффа на Феофіла | Віталій Портников. 08.06.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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