Fünf Bedingungen für Putin | Vitaly Portnikov. 08.06.2026.

Das Londoner Treffen des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky mit dem Premierminister Großbritanniens Keir Starmer, dem Präsidenten Frankreichs Emmanuel Macron und dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz endete mit der Formulierung von fünf Bedingungen an die Russische Föderation im Zusammenhang mit einem möglichen Verhandlungsprozess.

Die Teilnehmer des Treffens fordern von Russland die Zustimmung zu einer vollständigen Einstellung der Kampfhandlungen auf allen Frontabschnitten und dazu, dass Verhandlungen in dem Moment beginnen können, in dem die Bedingung einer Waffenruhe entlang der aktuellen Kontaktlinie erreicht wird, ebenso unter strikter Beachtung der These, dass international anerkannte Grenzen nicht mit Gewalt verändert werden dürfen.

Außerdem soll die Ukraine Sicherheitsgarantien erhalten, die die verpflichtende Stationierung multinationaler Friedenstruppen einschließen.

Russische Vermögenswerte bleiben so lange eingefroren, bis die Russische Föderation der Ukraine Entschädigungen für alle Schäden zahlt, die mit der russischen Aggression verbunden sind.

Und Europa soll in einer neuen Sicherheitsarchitektur eine verlässliche Sicherung und den Schutz seiner strategischen Interessen erhalten.

Das sind, würde ich sagen, ziemlich ernsthafte und aussagekräftige Bedingungen. Unklar ist nur, auf welche Weise man beabsichtigt, sie umzusetzen und die Zustimmung des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, zu solchen Bedingungen zu erreichen.

Der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, hat bereits betont, dass die Aufstellung solcher Bedingungen die Widersprüchlichkeit des Westens widerspiegele und dass allein der Wunsch, die Ukraine weiter zu bewaffnen, die Möglichkeit irgendwelcher realen Verhandlungen ausschließe. Lawrow unterstrich, dass derzeit keinerlei Verhandlungen mit der Ukraine auf der Tagesordnung stünden. Alles werde von den russischen Streitkräften abhängen, die ihre Versuche fortsetzen, neue ukrainische Gebiete zu besetzen. Die möglichen Friedenstruppen auf ukrainischem Boden bezeichnete der Leiter des russischen Außenministeriums dreist als Besatzungstruppen.

Die Möglichkeit irgendwelcher russisch-ukrainischer Verhandlungen wurde auch vom Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitrij Peskow, zurückgewiesen. Und damit können wir erneut eine offensichtliche Sackgasse im Verhandlungsprozess feststellen.

Doch stellen wir uns vor, dass Verhandlungen tatsächlich beginnen. Wie soll man den Präsidenten der Russischen Föderation dazu bringen, zuzustimmen, dass solche Verhandlungen nur im Falle einer Einstellung der Kampfhandlungen stattfinden können? Schließlich hat Putin vom amerikanischen Präsidenten Donald Trump die Zustimmung zu einem Modell erhalten, nach dem Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine unter amerikanischer Vermittlung gerade dann stattfinden können, wenn die Kampfhandlungen weitergehen.

Wie soll man sich damit einverstanden erklären, dass Russland die Idee eines Waffenstillstands entlang der Kontaktlinie akzeptiert, wenn die Forderung nach dem Abzug ukrainischer Truppen aus den von der Russischen Föderation annektierten Gebieten faktisch die wichtigste politische Forderung des russischen Präsidenten bleibt? Und Putin beabsichtigt offensichtlich nicht, die Kampfhandlungen zu beenden, ohne dass die ukrainischen Streitkräfte die Gebiete der Regionen Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja verlassen.

Wie soll man sich damit einverstanden erklären, dass Russland die These von den international anerkannten Grenzen akzeptiert, wenn aus seiner Sicht die Regionen Donezk, Luhansk, Cherson, Saporischschja sowie die Krim Subjekte der Russischen Föderation sind, die in die von Putin zu einem Lumpen degradierte russische Verfassung eingetragen wurden?

Wie können die europäischen Länder von Russland Reparationszahlungen an die Ukraine verlangen, wenn in Moskau selbst betont wurde, dass man von Kyiv Zahlungen für die zerstörte Infrastruktur der von Russland besetzten ukrainischen Gebiete erwarte? Und ich kann mir sogar vorstellen, dass ein gegenseitiger Verzicht auf Reparationen im Kreml als ein durchaus brauchbarer Kompromiss für zukünftige Verhandlungen mit der Ukraine angesehen werden könnte, falls solche Verhandlungen überhaupt in absehbarer Zukunft stattfinden.

Und was die Einbindung der Interessen Europas in eine neue strategische Sicherheitsarchitektur betrifft, stellt sich die Frage, wie wahrscheinlich überhaupt das Entstehen einer solchen neuen Sicherheitsarchitektur in naher Zukunft ist und warum die europäischen Führer glauben, dass der Präsident der Russischen Föderation überhaupt die Absicht hat, mit ihnen über irgendwelche Themen zu sprechen, solange er in der Lage ist, seinen Dialog mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten zu führen.

Denn wir sehen bereits, dass Putin gegenüber den europäischen Führern weiterhin eine verächtliche Haltung einnimmt, überzeugt davon, dass gerade der Dialog mit den Vereinigten Staaten ihm Möglichkeiten politischen Einflusses auf Europa verschaffen wird.

Und ich sage nicht einmal, dass Putins Berechnungen zwangsläufig durch den tatsächlichen Verlauf der Ereignisse bestätigt werden müssen. Keineswegs. Ich betone lediglich, dass genau dies die politische Position ist, die der russische Präsident einnimmt. Und weder die europäischen Führer noch der ukrainische Präsident verfügen heute über reale Instrumente, um eine Änderung dieser Position herbeizuführen.

Somit lassen sich die Ergebnisse des Treffens des Präsidenten der Ukraine, des Präsidenten Frankreichs, des Premierministers Großbritanniens und des deutschen Bundeskanzlers als eine Absichtserklärung charakterisieren, die heute unrealistisch umzusetzen ist.

Doch auch eine solche Absichtserklärung hat ihren Sinn für die Zukunft, denn sie setzt eine aktivere Beteiligung Europas an der weiteren Bewaffnung der Ukraine voraus, einschließlich weitreichender Waffen zur weiteren Zerstörung der russischen Infrastruktur, des militärisch-industriellen Komplexes, der Ölraffinerien und der Ölhäfen, worauf der Außenminister der Russischen Föderation, Sergej Lawrow, auf seiner heutigen Pressekonferenz mit deutlicher Ablehnung reagierte.

Und in dieser Situation können wir klar sagen, dass genau hierin der Schlüssel zu einer Veränderung der Position des Präsidenten der Russischen Föderation in absehbarer Zukunft liegt. Putin könnten Verhandlungen mit der Ukraine und den europäischen Staaten nur dann interessieren, wenn die militärisch-industrielle Infrastruktur der Russischen Föderation sowie ihre energetischen Möglichkeiten infolge der langandauernden Konfrontation mit der Ukraine zerstört werden und Kyiv in der Lage ist, russische Militärbetriebe, die Ölverarbeitung und die Möglichkeiten des Ölexports zu vernichten.

Vergessen wir jedoch nicht, dass dieser Prozess heute erst beginnt. Das Jahr 2026 ist gewissermaßen das erste Jahr, in dem der Krieg tatsächlich auf das Territorium der Russischen Föderation selbst übergegangen ist und Probleme für das Funktionieren der russischen Wirtschaft schafft.

Und immer wird die Frage entstehen, wie viel Zeit die Ukraine benötigen wird, um die Wirtschaft des aggressiven Nachbarstaates tatsächlich zu zerstören. Und auf welche Weise die Verbündeten der Ukraine helfen können, sich gegen die russischen Angriffe zu verteidigen, die, wie wir sehen, weiterhin das wichtigste Argument des Kremls in der fortgesetzten langen Konfrontation bleiben.


🔗 Originalquelle

Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Пʼять умов для Путіна | Віталій Портников. 08.06.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.06.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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1 Kommentar

  1. Avatar von Gamma Hans Gamma Hans sagt:

    Vielen Dank für Ihren differenzierten Beitrag. Zutreffend erscheint die Einschätzung, dass die derzeitigen Verhandlungen festgefahren sind und dass die politischen Positionen der beteiligten Akteure weit auseinanderliegen. Kritisch sehe ich jedoch die Annahme, eine nachhaltige Verhandlungsbereitschaft könne vor allem durch die weitere Zerstörung wirtschaftlicher und militärischer Infrastruktur erzwungen werden. Die Erfahrungen vieler Konflikte zeigen, dass eine militärische Eskalation zwar Druck erzeugen kann, häufig aber auch zu einer Verlängerung des Krieges, höheren Opferzahlen und einer Verhärtung der politischen Fronten führt.

    Neben der Frage militärischer Stärke sollte daher auch diskutiert werden, welche diplomatischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen langfristig einen tragfähigen Frieden ermöglichen könnten. Eine europäische Sicherheitsordnung wird letztlich nur Bestand haben, wenn sie auf Dialog, gegenseitigen Sicherheitsgarantien und dem Völkerrecht basiert. Die Herausforderung besteht darin, Wege zu finden, die sowohl die Souveränität der Ukraine schützen als auch eine weitere Eskalation verhindern.

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