Kyiv. U-Bahn-Station. Oleg Kiy.

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Die Nacht zum 25. November 2025. Kyiv. Eine U-Bahn-Station – tief und rettend.

Zuerst ist der Granit so kalt, dass es scheint, als hätte er schon all die Wärme aufgesogen, die diejenigen abgegeben haben, die hier vor uns lagen. Aber wir wärmen ihn wieder mit unseren Körpern.

Licht gibt es kaum – nur schwache Notlampen und ein mattes Flackern der Handybildschirme. Manche haben noch „1 %“, manche schon einen schwarzen Bildschirm.

Die Menschen liegen da: manche als Familie, manche eng aneinandergedrückt, weil es so wärmer ist, manche allein – ganz wie im normalen Leben. Sie atmen. Manche röcheln, manche stöhnen im Schlaf, andere schweigen einfach und starren an die Decke oder auf das rettende Telefon.

Das kleine Kind, verängstigt von den Explosionen, schreit nicht mehr – es heult. Die Eltern können es nicht beruhigen, schämen sich für ihre Ohnmacht und warten nur darauf, dass es vor Erschöpfung nachgibt.

Die Mutter hält ihm die Hände über die Ohren, als könne sie damit das Echo der Explosionen dämpfen, das tief im Inneren geblieben ist.„Woher nimmst du nur so viel Kraft zum Leiden… Wir sind hier, wir sterben nicht, mein Sonnenschein… wir schlafen nur… schlaf auch du…“ – flüstert sie und küsst ihr Kind an die Schläfe, und ihr Körper zittert – vor ihrer eigenen Angst, aber vor allem wegen ihres untröstlichen Kindes.

Nicht weit weg – eine Großmutter. In ihren Händen eine kleine Ikone. Nach jedem Gebetskreis küsst sie sie, bekreuzigt sich und flüstert: „Vergib uns, Herr… vergib…“ Dann legt sie sich mit dem Gesicht zur Wand und weint leise – ohne Tränen, ohne Stimme, nur ihre Schultern zittern.

Oben ist es schon vier Uhr morgens, Explosionen und Autoalarmanlagen sind zu hören. Auf die Stadt prasseln „Kinschal“-Raketen, Erde und Himmel erzittern wie ein einziger Körper.

Ein Wohnhochhaus steht in Flammen.Ein Mann steht auf einem zerstörten Balkon und versucht verzweifelt, das Feuer mit einem Eimer Wasser zu löschen – es wirkt hoffnungslos. Das Innere des Hauses brennt wie ein gewaltiger Fackelstoß.

In der toten nächtlichen Stille zwischen den Explosionen hört man Schreie aus den Fenstern, jemand ruft nach der Rettung eines Kindes irgendwo auf einem höheren Stockwerk.

Endlich sind die Rettungskräfte da, es gibt Hoffnung, aber nicht für alle – manche können nicht mehr rechtzeitig erreicht werden.

Um sechs Uhr morgens beginnt wieder eine Angriffswelle. Die schlimmste. Die Stadt dröhnt, als würde jemand mit einem Hammer darauf einschlagen.

Das kleine Kind in der U-Bahn hat sich inzwischen beruhigt, liegt nicht im Kinderwagen, sondern in den Armen der Mutter. Die Mutter ist todesmüde, freut sich aber darüber, dass ihr Kind den Menschen um sie herum, die schlafen, keine Umstände macht.

Als um 8:37 Uhr endlich „Entwarnung“ gegeben wird, sammeln sich alle und kriechen nach oben. Draußen – der Geruch des Krieges. Über der Stadt schwarzer Smog. Vom U-Bahn-Eingang aus sieht man nicht, wie das fremde Leben weiterbrennt.

Diese Nacht hat mindestens sechs Bewohner Kyjivs das Leben gekostet.

Kyiv erwacht: Manche gehen in die U-Bahn, um zur Arbeit zu fahren, andere kommen aus ihr heraus wie aus einem Schutzraum.

Die Mutter trägt das Kind auf dem Arm – dasselbe Kind – der Vater den Kinderwagen und die Sachen. Sie wollen die Rollen nicht tauschen, kein Risiko eingehen: Es soll noch schlafen, und die Erwachsenen halten irgendwie durch.

Die Mutter küsst ihren schweren Schatz sanft auf die Stirn. Kyiv steht – wie immer – es hat standgehalten. Die Stadt beginnt wieder zu arbeiten, für das Leben und zur Unterstützung der Front.

Denn ein anderes Zuhause haben wir nicht…


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Autor: Oleg Kiy
Veröffentlichung / Entstehung: 25.11.2025.<Oleg Kiy Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Solowjow ruft zur Zerstörung der Ukraine auf | Vitaly Portnikov. 14.11.2025.

Der widerwärtige Putin-Agitator Wladimir Solowjow ruft dazu auf, Kyiv zu fluten, Charkiw, Odesa, Dnipro, Mykolajiw, Sumy und andere ukrainische Städte zu vernichten. Er schämt sich inzwischen nicht einmal mehr für diese menschenfeindlichen Aufrufe.

Noch vor einigen Jahren verstand jeder, dass Aufrufe zur Zerstörung von Städten mit Millionenbevölkerung ein echter Aufruf zum Völkermord sind, der übrigens nach den entsprechenden Artikeln des Strafgesetzbuches der Russischen Föderation selbst verfolgt werden müsste. Doch heute kann man sagen, dass alle roten Linien überschritten wurden.

Solowjow versucht, ein Adept des Terrors und der Verbrechen zu sein, weil er versteht, dass solche Aufrufe dem russischen Präsidenten Putin und der politischen Führung Russlands gefallen werden, dass genau solche Pläne zur Zerstörung von Kyiv, Charkiw, Odesa und anderer ukrainischer Städte im Kreml diskutiert werden. Und er muss der Erste sein, der diese menschenfeindlichen Träume Putins ausspricht.

Wenn ich sage, dass das Hauptziel des russischen Präsidenten die Zerstörung der Ukraine sei und dass Putin das Territorium unseres Staates in erster Linie als Sprungbrett zur Kontrolle über Europa wahrnimmt, können viele denken, dass ich übertreibe, dass ich ein Propagandist sei, der sich nicht mit der Möglichkeit einer Einigung mit der Russischen Föderation abfinden könne und daher vorschlage, weiter gegen eines der brutalsten Länder der modernen Welt zu kämpfen. Aber in meinen Aussagen gibt es, wie Sie sehen, keinerlei Propaganda. Ich stelle einfach nur Fakten fest. Fakten, die mit den Überzeugungen jener Führung verbunden sind, die heute in der Russischen Föderation existiert. Fakten, die mit dem Wunsch der Propagandisten zusammenhängen, sich vor dieser Führung einzuschmeicheln – selbst durch die Verkündung der abscheulichsten Thesen der Menschheitsgeschichte, Thesen, die mit den menschenfeindlichen Plänen der Hitler-Nazis konkurrieren könnten, mit dem einzigen Unterschied, dass diese ihre Absichten – sagen wir – zur endgültigen Lösung der Judenfrage und zur Vernichtung von Millionen Menschen nicht offen aussprachen, so wie im stalinistischen Kreml die Pläne zur Vernichtung von Millionen Ukrainern infolge des verbrecherischen Holodomors nicht offen ausgesprochen wurden. Solowjow aber verkündet all diese Pläne zur Tötung von Millionen Ukrainern in den größten ukrainischen Städten im russischen Fernsehen, damit niemand an den tatsächlichen Absichten Moskaus zweifelt.

Und natürlich zerstört das völlig die russische Mythologie darüber, dass die Ukraine eine Fortsetzung Russlands sei, dass auf dem Territorium unseres Staates ein Brudervolk lebe und überhaupt darüber, dass Ukrainer dieselben Russen seien. Wenn man in Moskau das wirklich glauben würde, hätte sich der widerwärtige Propagandist nicht erlaubt, vorzuschlagen, Millionen solcher „gleichen Russen“ zu vernichten – nur weil es den russischen Banditenarmeen nicht gelingt, das Territorium unseres Landes zu besetzen und Russland nun schon seit vier Jahren gezwungen ist, der ganzen Welt seine eigene Grausamkeit, Hilflosigkeit und Niedertracht zu demonstrieren.

Wie wir sehen, gehen die russischen Propagandisten gerade aus dieser Hilflosigkeit und Niedertracht zu den schrecklichsten, hinterhältigsten, abscheulichsten Einschüchterungen über und begehen faktisch Verbrechen live auf Sendung. Wenn es der zivilisierten Welt eines Tages gelingt, durch wirtschaftlichen und politischen Druck das menschenfeindliche russische Regime zu demontieren, ist es wichtig, dass Leute wie Solowjow tatsächlich für ihre Aufrufe und ihre propagandistischen Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden, damit sie später nicht behaupten können, sie hätten alles verstanden, aber keine andere Wahl gehabt. Damit Menschen, die lebenslange Strafe verdienen und ihr ruhmloses und untalentiertes Leben im Gefängnis beenden sollten, auch tatsächlich in diesen Gefängnissen landen – ohne jede Chance, das Tageslicht wiederzusehen, nachdem sie ihre eigenen Landsleute dazu aufgerufen haben, die Ermordung von Millionen – ich betone, Millionen – Frauen und Kindern, älteren Menschen, einfach lebenden Menschen zu unterstützen, die Solowjow töten will, weil sie mit der Politik seines Herrn Putin, mit der Politik einer verbrecherischen Organisation, die nur so tut, als sei sie ein Staat, nicht einverstanden sind.

Denn Staaten verhalten sich nicht so, wie Russland sich verhält. So verhalten sich nur wilde terroristische und mafiöse Gruppierungen. Und natürlich gab es immer schon das Verständnis, den Verdacht, dass Russland eine solche mafiöse Organisation ist, die sich als Staat ausgibt. Aber jetzt hat selbst dieses russische politische Regime nicht mehr das Bedürfnis, sich zu tarnen. Und Solowjow deckt praktisch die Karten auf, die auf dem Schreibtisch des russischen Präsidenten liegen.

Das wäre übrigens etwas, was Donald Trump sich anschauen und verstehen sollte. Welche Karten hat Putin auf seinem Schreibtisch und in seinen Taschen? Karten des Mordes, der Gewalt, der Vergewaltigung, des Völkermords – zu dem vom Bildschirm des russischen Fernsehens aufgerufen wird, so wie einst in Ruanda aus den Lautsprechern eines der Radiosender zu massenhaften Morden an den eigenen Landsleuten aufgerufen wurde. 

Allerdings kamen jene, die damals dazu aufriefen – wenn auch nicht sofort, sondern nach Jahrzehnten – auf die Anklagebank des Internationalen Tribunals und befinden sich heute genau dort, wo jene sein müssen, die zu Morden an unschuldigen Menschen aufrufen. Und ich glaube aufrichtig, dass Solowjow und andere Teilnehmer seiner widerwärtigen Propagandashow ebenfalls dort landen werden, wo Wiederholungstäter, Mörder und Psychopathen landen, dort, wo jene Unmenschen sein müssen, die sich von Angst ernähren und von Träumen über die Ermordung von Millionen. Ich weiß nicht, wo überhaupt der Boden, der Tiefpunkt, für die russische Propaganda und diese Schurken ist.


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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Соловйов закликає зруйнувати Україну | Віталій Портников. 14.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 14.11.2025
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Neue russische Attacke: die Folgen | Vitaly Portnikov. 14.11.2025.

Die Ukraine hat erneut einen massiven Angriff der russischen Armee erlitten. Im Zentrum dieser Attacke stand Kyiv, doch die Russen setzten ihre Raketen und Drohnen auch für Angriffe auf die Umgebung von Kyiv, Charkiw, Odesa und Sumy ein. Infolge dieses Angriffs gibt es Zerstörungen und Todesopfer. Ich möchte den Angehörigen und Nahestehenden der während dieser Attacke Getöteten sowie den Verletzten mein aufrichtiges Beileid aussprechen.

Wir sehen, dass diese Angriffe auf einem durchdachten und grausamen Plan der russischen politischen Führung für die nächste Phase des russisch-ukrainischen Krieges beruhen. Wie lautet dieser Plan? 

  • Erstens soll damit kompensiert werden, dass es der russischen Armee nicht gelingt, mehr ukrainisches Territorium zu erobern.

Zur Erinnerung: Als der Präsident Russlands im Februar 2022 die sogenannte „Spezialoperation“ begann, hatte die russische Armee die Aufgabe, zumindest die Verwaltungsgrenzen der ukrainischen Regionen Donezk und Luhansk zu erreichen, deren Unabhängigkeit Putin kurz zuvor anerkannt hatte, um diese Regionen auf eine Annexion vorzubereiten. Später wurden auch die Regionen Cherson und Saporischschja zu den annektierten Gebieten hinzugefügt. Und erneut erhielt die russische Armee die Aufgabe, bis an die administrativen Grenzen dieser ukrainischen Regionen vorzudringen.

Fast vier Jahre sind seit Beginn dieses großen Krieges vergangen, doch die Russen rücken bei Weitem nicht in dem Tempo vor, das Putin von seiner Armee erwartet hatte. Die Angriffe auf ziviles Territorium dienen somit als Ersatz für die Misserfolge der Armee.

  • Zweitens zeigt sich ein klarer Wille, die Ukraine in ein Gebiet zu verwandeln, das unbewohnbar ist. 

Es soll zumindest den ehemaligen Sowjetrepubliken demonstriert werden, dass Widerstand gegen Russland immer dazu führt, dass das Land, das diesen Widerstand leistet, jegliche Perspektive auf ein normales zukünftiges Leben verliert.

„Wenn ihr euch gegen die sogenannte russische Integration auflehnt, wird euch das widerfahren, was bereits mit der Ukraine und den Ukrainern geschehen ist und weiterhin geschehen wird“. 

Und auf diese Weise will Putin mit der Zerstörung unseres Landes die faktische Schwächung der russischen Positionen im postsowjetischen Raum negieren – eine Schwächung, die letztlich den Zerfall jenes imperialen Raums auslösen könnte, den die Russische Föderation selbst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kontrolliert. Und vor unseren Augen beginnt dieser Raum tatsächlich, wenn auch langsam, Risse zu bekommen.

  • Der dritte wichtige Aspekt dieses Plans besteht darin, die Ukraine entlang der Dnepr-Ufer zu spalten und insbesondere den Osten und Süden des Landes in lebensunfähige Gebiete zu verwandeln. 

Damit soll den Bewohnern dieser Regionen demonstriert werden, dass es zwei verschiedene Ukrainen gibt: In einem Teil gibt es Licht und Wärme, während der andere verlassen und vergessen bleibt.

Putin hofft, dass die Einwohner jener Regionen, auf die sich die prorussischen Kräfte im politischen Leben unseres Landes stets orientiert haben, die ukrainische Regierung und nicht die russischen Besatzer für die Situation verantwortlich machen werden, in der sie sich befinden. Das soll Möglichkeiten für zukünftige Konflikte schaffen.

  • Der vierte Teil dieses menschenverachtenden, ehrgeizigen Plans besteht darin, so viele Ukrainer wie möglich aus dem Osten und Süden in das Zentrum und den Westen des Landes umzusiedeln – und vom Zentrum und Westen der Ukraine weiter in die Nachbarländer Europas.

Erstens glaubt Putin, dass das Territorium der Ukraine ohnehin Teil Russlands werden wird. Deshalb braucht er so wenige illoyale Menschen wie möglich in den Gebieten, die er den Bürgern seines eigenen Landes überlassen will – wie es in der Geschichte zwischen dem russischen und ukrainischen Volk bereits mehrfach geschehen ist. Der „Virus der Demokratie“ und der Schutz eigener Rechte ist für ihn auf den Gebieten, die er zu erobern hofft, völlig unerwünscht.

Zweitens hofft Putin im Rahmen dieses Vertreibungsplans, ernste Probleme in den Beziehungen zwischen der Ukraine und den Nachbarländern sowie deren Bevölkerungen zu schaffen. Wir sehen bereits, dass sich die Haltung gegenüber ukrainischen Flüchtlingen in Europa verändert. Und es ist keineswegs zufällig, dass der deutsche Bundeskanzler vor dem Hintergrund dieser Angriffe dem ukrainischen Präsidenten mitteilte, er solle den Zuzug seiner Bürger – unabhängig von deren Alter – nach Deutschland bremsen.

Das heißt, die Europäer empfangen ukrainische Flüchtlinge heute mit weit weniger Enthusiasmus als noch 2022. Schon allein deshalb, weil damals viele Ukrainer glaubten, dies werde nur eine kurze Zeit dauern – und viele Europäer dachten dasselbe. Ein realistisches Verständnis, dass wir in den längsten Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg eingetreten sind – einen Krieg, der deutlich länger dauern könnte als der letzte große Krieg in Europa –, gab es damals weder hier in der Ukraine noch im Westen.

Heute wächst dieses Verständnis – und damit auch die Verärgerung darüber, dass aus temporären inzwischen dauerhafte Bewohner europäischer Länder geworden sind. Und glauben Sie mir: Mit jedem weiteren Jahr dieses großen Krieges wird diese Verärgerung nur zunehmen. Und Millionen neuer Menschen, die vor fehlender Wärme und Elektrizität in ihren Häusern fliehen werden, können die Europäer verärgern und die politischen Aktivitäten jener Kräfte stärken, auf die Putin setzt – in der Hoffnung, dass sein Land durch diesen Krieg zum politischen Hegemon Europas wird.

Denn der Zusammenbruch der Ukraine ist für ihn nur eine Stufe auf dem Weg zum geopolitischen Erfolg Russlands. Und Putin hofft, dass ukrainische Flüchtlinge ihren Beitrag leisten, indem sie den Wahlerfolg rechts- wie linksextremer prorussischer politischer Kräfte von Lissabon bis Warschau fördern. Von Budapest gar nicht zu reden.

Dies sind also nicht einfach nur Angriffe. Im Sicherheitsrat der Russischen Föderation sieht man jeden solchen Angriff als Schritt zum Erfolg. Auch wenn dieser Weg über die Körper der friedlichen ukrainischen Zivilbevölkerung führt – der Präsident Russlands, die politische Führung des Landes und die chauvinistisch eingestellte Bevölkerung sehen darin nur eine Inspiration, diesen Krieg fortzusetzen. Und wenn wir von westlichen Politikern hören, dass das Sanktionspotenzial ihrer Länder nahezu ausgeschöpft sei – wie kürzlich der US-Außenminister Marco Rubio sagte –, dann verstärkt das nur den russischen Wunsch zu bomben, zu töten und zu zerstören. Denn Putin kann so glauben, dass Erfolg – eine unterworfene Ukraine und ein eingeschüchtertes Europa – bereits greifbar nahe ist. Man müsse nur noch ein paar schwierige Jahre für Moskau durchhalten und die Bevölkerung durch wirtschaftliche Stabilität und chauvinistische Gier an der Stange halten.

Und wir müssen in dieser Situation ebenfalls durchhalten, damit diese vom russischen Führungspersonal ausgearbeiteten, menschenfresserischen Pläne genauso in einer schmachvollen Niederlage enden wie der Blitzkrieg von 2022.


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Titel des Originals: Нова атака Росії: наслідки | Віталій Портников. 14.11.2025.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 24.11.2025.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
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Das Volk, das tötet. Jan Valietov. 08.11.2025.

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Nach dem nächtlichen Angriff.

Nicht Putin persönlich, nicht Patruschew und nicht Medwedew haben die Drohnen und Raketen auf uns abgefeuert.

Sie standen nicht selbst an den Maschinen, um all das herzustellen.

Sie berechneten nicht die Flugbahnen und programmierten keine Flugaufträge.

Uns töten nicht diese einzelnen Schurken.

Uns tötet das multiethnische russische Volk.

Für ein Gehalt.

Für Geld aus einem Vertrag.

Für die Möglichkeit, in der Dienstlaufbahn aufzusteigen.

Einige dieser Unmenschen sind niemals auch nur auf tausend Kilometer an die Ukraine herangekommen.

Andere hatten hier Tanten, Onkel, Großmütter und Großväter.

Man schickte sie im Sommer hierher,  „für Obst zu genießen“, um Wareniki mit Kirschen zu essen und Karauschen im Fluss Orel oder Psel zu fangen.

Manche ihrer Eltern haben hier studiert, und einige haben aus der Ukraine ihren Ehemann oder ihre Ehefrau mitgebracht.

Doch weder die Kirschen-Wareniki noch die Tante bei Myrhorod stören irgendwen von ihnen.

Merkt euch das Gesagte:

Schuld an dem, was geschieht, tragen nicht nur die Machthaber, sondern auch jene,

die mit ihren Händen, ihrem Schweigen, ihren Steuern diesen Krieg unterstützen.

Sie sind keine unschuldigen Ausführenden, keine Opfer des Regimes.

Sie sind seine Stütze, seine Kraft, seine Fähigkeit.

Der gewöhnliche Programmierer, der in eine dumme Rakete die Zielkoordinaten und die Flugroute eingibt,

der gewöhnliche Arbeiter, der die „Shahed“-Drohne zusammenbaut, die in das nächste Wohnhaus im Stadtteil Pobeda einschlagen wird –

sie alle sind der Krieg.

Und wenn der Krieg irgendwann aussetzt oder endet,

werden sie erzählen, dass sie nichts wussten, nichts wollten, nichts erwartet, nichts gedacht hätten.

Dass sie nur Befehle ausgeführt haben.

Dass sie doch eine Tante in Myrhorod hätten.

Dass sie doch einen Onkel in Schmerynka hätten.

Dass sie in Kyjiw das Grab ihres Großvaters hätten.

Habt kein Mitleid mit ihnen.

Vergebt ihnen nicht.

Ein Mensch, der einen verbrecherischen Befehl ausführt, ist ein Verbrecher.

Sie alle sind Soldaten Putins.

Sie alle sind Mörder.

Alle, die diesen Krieg mit Tat, Schweigen oder Steuern unterstützen,

sind Unmenschen und Seelenmörder.

Man darf ihnen nichts verzeihen, man darf ihnen kein Mitgefühl entgegenbringen.

Sie sind keine Opfer des Regimes – sie sind das Regime.

Schon drei Tote im Stadtteil Pobeda.

Ich fürchte, das ist noch nicht alles.


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Titel des Originals: Das Volk, das tötet
Autor: Jan Valietov
Veröffentlichung / Entstehung: 08.11.2025.
Originalsprache: ru
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach“,
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Putin „antwortete“ Trump | Vitaly Portnikov. 22.10.2025.

Der massive russische Angriff auf Kyiv und andere ukrainische Städte und Regionen ist selbstverständlich nicht nur der Versuch, die ukrainische Energieversorgung und andere Infrastruktureinrichtungen unseres Landes zu zerstören. Er ist zugleich Putins Antwort an Trump – ein Zeichen dafür, dass der russische Präsident nicht nur nicht bereit ist, auf seine maximalistischen Forderungen zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges zu verzichten, sondern dass er im Gegenteil zeigt, dass er Fragen von Krieg und Frieden mit Gewalt zu lösen beabsichtigt – und nicht durch Verhandlungen mit seinem amerikanischen Kollegen.

Es ist bemerkenswert, dass Moskau nach dem Telefonat zwischen Putin und Trump zunächst versucht hatte, auf massive Angriffe zu verzichten, obwohl die Angriffe auf ukrainische Städte mit dem Ziel, die Energieinfrastruktur zu zerstören, weitergingen.

Doch sobald der russische Außenminister Sergei Lawrow sich mit dem US-Außenminister Marco Rubio auf nichts einigen konnte, und klar wurde, dass das Weiße Haus unsicher war, ob es überhaupt Sinn habe, ein Treffen zwischen Putin und Trump durchzuführen – und als Trump selbst sagte, er wolle nur eine „ergebnisorientierte Begegnung“ und werde zwei Tage lang überlegen, ob er sich überhaupt mit seinem russischen Kollegen treffen solle –, sahen wir unmittelbar danach den massiven kombinierten Beschuss von Kyiv und anderen ukrainischen Städten.

Wie bereits einige Beobachtungskanäle Tage zuvor berichteten, war Moskau längst bereit für eine solche Attacke. Und so kam es zu einem neuen Verbrechen, zu Todesopfern, deren Angehörigen man an diesem Morgen sein aufrichtiges Beileid aussprechen möchte. Es ist zugleich eine Demonstration, dass Russland bereit ist, den Krieg zur vollständigen Vernichtung des Nachbarstaates fortzusetzen – mit dem Ziel seiner endgültigen Auslöschung.

Denn wir müssen uns daran erinnern:

Das Ziel Putins im russisch-ukrainischen Krieg ist weder der Donbass, noch ein neutraler Status der Ukraine, noch die Rechte der russischen Sprache oder der Russisch-Orthodoxen Kirche auf fremdem Boden, sondern die Beseitigung der ukrainischen Staatlichkeit an sich und die Auslöschung der ukrainischen Identität als solcher.

Das ist die ideologische und nationale Zielsetzung Wladimir Putins und seiner vom Virus des Chauvinismus befallenen Mitbürger, die den Krieg gegen die Ukraine weiterhin unterstützen, trotz Mobilisierung und wirtschaftlicher Entbehrungen in Russland.

Daraus muss Donald Trump nun seine Schlussfolgerungen ziehen – denn Putin zeigt ihm erneut, dass ihn weder die Reputation des US-Präsidenten noch dessen Erscheinungsbild in der Weltöffentlichkeit nach jedem weiteren Gespräch mit seinem russischen Kollegen irgendwie interessieren.

Natürlich könnten die USA auch diesmal entscheiden, nicht zu reagieren – auf diesen neuen kombinierten Angriff, auf den Tod unschuldiger Menschen –, so wie sie es in den vergangenen Monaten taten, als jedes neue Verbrechen Putins einfach als „Kriegszwischenfall“ abgetan wurde.

Trump kann ja wohl nicht jedes Mal bemerken, dass Putin seine Appelle zur Beendigung des Tötens schlicht ignoriert, oder?

Doch tatsächlich wäre eine harte Reaktion auf Putins Handlungen weitaus logischer – eine Reaktion, die nicht in einer Eskalation der Worte besteht (die den russischen Präsidenten überhaupt nicht berührt), sondern in einer Eskalation der Taten – ein Bereich, in dem Putin, nicht Trump, derzeit der Meister der Weltpolitik ist.

Eine solche echte Eskalation der Handlungen müsste eine wirksame Unterstützung der Ukraine sein:

– wenn es um die Luftverteidigungssysteme geht,

– und wenn es um neue Waffensysteme geht, die die russische Ölverarbeitung zerstören und die Sicherheit des militärisch-industriellen Komplexes sowie anderer wichtiger wirtschaftlicher und infrastruktureller Einrichtungen Russlands infrage stellen könnten.

Die einzige realistische Möglichkeit, den russischen Angriffen auf die ukrainische Infrastruktur etwas entgegenzusetzen, wäre die Zerstörung der Startanlagen, von denen aus die russischen Kriegsverbrechen gegen die ukrainische Zivilbevölkerung begangen werden –

die Orte, an denen Raketen und Drohnen hergestellt werden, und die Orte, an denen die Entscheidungen über diese Verbrechen getroffen werden.

Nur das könnte – nicht etwa, um die Russen zum Nachdenken über eine „zivilisiertere“ Haltung oder über Frieden in Europa zu bewegen (denn glauben Sie mir, sie werden darüber nicht nachdenken) –, sondern schlicht, um ihre militärischen Möglichkeiten in den nächsten Phasen dieses zermürbenden Krieges zu reduzieren. Genau so müsste die amerikanische Reaktion aussehen.

  • Wenn Putin jedoch sieht, dass Trump versucht, ihn mit Worten einzuschüchtern, die für den Kremlchef und sein Umfeld völlig bedeutungslos sind und höchstens Anlass zu Spott über den US-Präsidenten und seine Regierung bieten; 
  • wenn Trump Angst hat, der Ukraine echte militärische Hilfe zu leisten, um keine russisch-amerikanische Konfrontation zu provozieren; 
  • wenn Trump über das Geld nachdenkt, das er angeblich bei der Ukraine-Hilfe sparen kann, ohne zu begreifen, dass er damit die Sicherheit der Vereinigten Staaten selbst gefährdet –

eines Landes, das vor den Augen der Welt zu genau jenem „Papiertiger“ wird, von dem Trump einst sprach, als er Putin meinte – dann, natürlich, kann in einer solchen Situation niemand, wirklich niemand, den russischen Präsidenten dazu bringen,

nicht nur den Krieg gegen die Ukraine zu beenden, sondern auch nur zehn Minuten darüber nachzudenken, ob es sich lohnen könnte, ihn anzuhalten oder einzufrieren.

Und wir sehen klar die Richtung von Putins Denken. Wir wissen, dass seine verbrecherischen Truppen nicht in der Lage sind, große ukrainische Gebiete zu erobern – das ist nach fast vier Jahren dieses zermürbenden Krieges längst offensichtlich.

Doch Putin hofft, 

  • dass die Ukraine innerlich verfault, dass er die ukrainische Gesellschaft destabilisiert,
  • dass er das Land „einfriert“ und möglichst viele seiner Bewohner zur Flucht zwingt – aus jenen Gebieten, die Russland als sein künftiges Okkupationsgebiet betrachtet.
  • Er hofft, die Stimmung in der ukrainischen Gesellschaft zu verändern und die Ukrainer davon zu überzeugen, dass es besser sei zu kapitulieren und den „staatlichen Versuch Ukraine“ zu beenden.

Putin führt also vor allem 

  • einen Krieg gegen die Heimat, 
  • einen Krieg gegen die Menschen,
  • einen Krieg gegen das ukrainische Volk – damit dieses Volk nie wieder auf den ethnographischen Karten der modernen Welt existiert.

Und jeder Schlag gegen die ukrainische Energieinfrastruktur erinnert uns an das wahre Ziel des russischen Präsidenten – und an seine Verachtung gegenüber dem amerikanischen.

Putin zerstört das Energiesystem | Vitaly Portnikov. 10.10.2025.

Eine weitere groß angelegte russische Attacke gegen die Ukraine. Eine weitere schreckliche, schlaflose Nacht für Millionen Einwohner ukrainischer Städte und Ortschaften. Opfer. Zunächst möchte ich den Angehörigen und Nahestehenden derjenigen, die bei diesem Angriff zu Schaden gekommen sind, mein aufrichtiges Beileid aussprechen. Denen, die Verletzungen erlitten haben und gesundheitliche Probleme infolge dessen, was in dieser Nacht geschah.

Der Feind hat die ukrainische Energieinfrastruktur angegriffen. In dieser Nacht hat niemand auch nur versucht, die Objekte zu verschleiern, auf die die russischen Raketen und Drohnen gezielt waren. Jetzt werden in einer ganzen Reihe ukrainischer Regionen — von Kyiv und der Oblast Kyiv bis Charkiw und der Oblast Charkiw — Notfall-Abschaltpläne für die Stromversorgung eingeführt. Praktisch überall gibt es Treffer in das Energiesystem. Praktisch überall gibt es Folgen russischer Angriffe. Und die Ziele Putins, die Ziele dieses Luftterrors, sind ebenfalls offensichtlich. Es besteht ein hartnäckiger Wunsch, die Ukrainer einzufrieren. Es besteht der feste Wille, ihr Leben unerträglich zu machen und sie so dazu zu zwingen, dem feindlichen Staat auf russische Bedingungen die Kapitulation aufzuzwingen.

Diese Logik lässt sich keinem realistischen historischen Analyse standhalten. Sowohl die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs als auch des Zweiten Weltkriegs haben gezeigt, dass Schläge gegen zivile Städte — wenn die Armee nicht die erwarteten Ergebnisse erzielt — nicht zu Änderungen an der Front führen und nicht zu neuen politischen Entscheidungen. Und die Bombardierung britischer Städte durch Hitler, und übrigens auch die Bombardierungen deutscher Städte durch die Alliierten, haben praktisch nichts an den Stimmungen der Bevölkerung der feindlichen Staaten geändert. Diese Bombardierungen, dieses Leid der Menschen, riefen bloß Wut hervor und führten keineswegs die Führung jenes oder eines anderen Landes zu Gedanken über Friedensverhandlungen oder Kapitulation. Und das weiß jeder, der die Geschichte des Zweiten Weltkriegs studiert hat.

Vielleicht war das während des Krieges selbst nicht offensichtlich, aber nach dem Krieg wurden die Ergebnisse solcher Bombardierungen von Militärs, Historikern und Politikern analysiert. Und daraus zog man die entsprechenden Schlussfolgerungen. Aber Putin, wie bekannt, ist ein schlechter Schüler. Er zieht keinerlei realistische Lehren. Er kann fest davon überzeugt sein, dass seine Schläge gegen friedliche ukrainische Städte die Führung der Ukraine zwingen werden, die Notwendigkeit der Auflösung ihres eigenen Staates zu erkennen. Nicht mehr und nicht weniger.

Er kann glauben, dass die ukrainische Gesellschaft es für notwendig halten werde, sich Russland anzuschließen — eben jenem Russland, das Tod und Kälte auf ukrainisches Land bringt. Er kann glauben — und das scheint mir eher der Realität näher zu kommen — dass er auf diese Weise die Ukrainer für ihre Weigerung bestraft, sich seiner Weltsicht zu beugen.

Denn Putin nimmt die Ukraine nicht als unabhängigen Staat wahr. Er sieht sich selbst als Herrn des postsowjetischen Raums und die Ukrainer als Aufrührer, die er für ihre Hartnäckigkeit bestrafen muss.

Aber, wie wir gut verstehen, entspricht diese Logik keinen Realitäten und, wie ich bereits sagte, keiner historischen Analyse. Sie erinnert uns nur daran, dass wir es mit einem grausamen Verbrecher zu tun haben, mit einem Sadisten, dem es gefällt, wenn Frauen und Kinder leiden, und dass wir es mit einem Staat zu tun haben, dessen Bürger nicht einmal über das Ausmaß ihrer eigenen Verbrechen nachdenken.

Die Stadt Glupiw ( Stadt der Dummen) aus den Erzählungen Saltykow-Schtschedrins hat sich vor unseren Augen in eine Stadt der Verbrecher verwandelt. Und diese Stadt der Verbrecher schießt mit Kinzhals, Iskander-Raketen und Drohnen auf die Ukraine, in der Hoffnung, die Ukrainer würden aufhören, Ukrainer zu sein, in der Hoffnung, die Ukrainer würden aufhören, in der Ukraine zu leben und die Ukraine vor diesen Verbrecher zu verteidigen.

Denn wer bei klarem Verstand wünscht sich, in der Stadt der Verbrecher zu leben, selbst wenn dort morgens Puschkin-Gedichte vorgelesen und Putins Reden gehört werden. Welch ein Glück.

Und deshalb müssen wir verstehen, dass ukrainische Angriffe auf Russland in erster Linie nicht darauf abzielen sollten, die Russen im Dunkeln und in der Kälte zu halten, sondern darauf, sie kampfunfähig zu machen. Das muss die Hauptaufgabe der ukrainischen Streitkräfte sein. Das müssen die Hauptziele jener Raketen sein, die, wie ich hoffe, uns von Verbündeten geliefert werden und die gezielt das Ziel treffen werden.

Welches Ziel genau? Die Raffinerien der Russischen Föderation, damit die Russen so wenig Geld wie möglich für ihr geliebtes Unternehmen — den Krieg — übrig haben. Wollen die Russen Krieg? Ja. Aber ohne Raffinerien können sie nicht kämpfen.

Man muss militärische Einrichtungen auf dem Territorium der Russischen Föderation zerstören: Flugplätze, Militärbasen, Militäreinheiten und vor allem Rüstungsbetriebe. Der militärisch-industrielle Komplex der Russischen Föderation muss ebenfalls Teil der ukrainischen Anstrengungen sein.

Es geht nicht darum, ob die Russen Licht haben oder nicht. Es geht darum, ihnen die Möglichkeit zu nehmen, andere Menschen zu vernichten. Ohne Waffen, ohne Geld wird es für Russland viel schwerer, seinen ungerechten, grausamen und schändlichen Krieg gegen unseren Staat fortzusetzen. Und daran muss man nach jedem massiven russischen Angriff auf friedliche ukrainische Städte und auf die zivile Infrastruktur der Ukraine denken.

Schrecklicher Angriff auf Lwiw | Vitaly Portnikov. 05.10.2025.

Lwiw ist zum Epizentrum eines weiteren massiven russischen Angriffs auf die Ukraine geworden. Natürlich wurden auch andere Regionen unseres Landes getroffen – in Saporischschja, im Gebiet Tscherkassy, in Winnyzja und in Iwano-Frankiwsk. Doch auf Lwiw und die Region Lwiw schien diesmal alles niederzugehen, was derzeit im Arsenal der russischen Streitkräfte vorhanden ist: „Kinschal“-Hyperschallraketen, Marschflugkörper, „Shahed“-Drohnen.

Über mehrere Stunden hinweg waren in Lwiw und seinen Vororten ständige Explosionen zu hören. Und die Folgen dieses Angriffs erschüttern nun die Bewohner der Stadt und ihre Gäste: Raketentrümmer liegen buchstäblich auf den Straßen, zahlreiche Brände an Objekten, die von Raketen oder Drohnen getroffen wurden. Und es handelt sich dabei ausschließlich um zivile Ziele, die keinerlei Bezug zum militärisch-industriellen Komplex haben – sie wurden gezielt beschossen, um die ukrainische Bevölkerung einzuschüchtern und die ukrainische Wirtschaft zu zerstören.

Es gibt Tote – das Schlimmste, was bei solchen Angriffen passieren kann. In Lapaiwka, einem Vorort von Lwiw, kam eine ganze Familie ums Leben. Auch aus der Region Saporischschja wird von Opfern berichtet. Wir erleben damit eine neue Dimension des Luftterrors: Es wird ein einzelner Ort ausgewählt, auf den sich die ganze Zerstörungswut der Angreifer konzentriert, während andere Regionen ebenfalls attackiert werden – um den Eindruck einer flächendeckenden Offensive zu erzeugen und deutlich zu machen, dass es keine sicheren Städte und keine sicheren Orte mehr in der Ukraine gibt.

Natürlich ist es nicht das erste Mal, dass Lwiw solch verheerende Schläge von den Besatzern erleidet. Ich erinnere mich an viele solcher Angriffe, aber ich kann mich nicht entsinnen, ob es je eine derart massive Attacke gegeben hat, bei der praktisch die ganze Stadt über viele Stunden hinweg in Schutzräumen ausharren musste – begleitet vom Donnern der Explosionen.

Warum die Russen gerade jetzt so massiv auf Lwiw zielen, scheint mir völlig offensichtlich: Es geht nicht darum, Schwachstellen in der militärischen Infrastruktur der Ukraine zu suchen. Es geht nicht einmal primär darum, die Energieversorgung zu zerstören, obwohl wir auch in dieser Nacht offensichtliche Versuche in der Region Iwano-Frankiwsk gesehen haben. Es geht vor allem darum zu zeigen, dass es nirgendwo sichere Orte gibt – weder in der Ukraine noch in Europa.

Denn jedes Mal, wenn es massive Angriffe auf Lwiw gibt, sind sie auch Signale an die Nachbarn der Ukraine – besonders nach dem jüngsten Fall, als Aufklärungsdrohnen in den polnischen Luftraum eindrangen.

Ich möchte daran erinnern, dass dies während einer früheren massiven Attacke auf Lwiw geschah – wenn auch nicht ganz so groß angelegt wie jetzt. Mit Angriffen auf Lwiw und andere westukrainische Städte wollen die Russen den Nachbarn der Ukraine signalisieren: „Wir sind ganz nah. Und wir sind bereit, euch anzugreifen.“

Was noch vor Kurzem wie politische Fantasie klang, wird nun Realität. Denn parallel zu den Meldungen über russische Raketen- und Drohnenangriffe auf ukrainische Regionen erfahren wir nun auch von der Anwesenheit dieser Drohnen im Luftraum von NATO- und EU-Staaten.

All das zeigt: Wir haben es mit einer bewusst geplanten, groß angelegten Einschüchterungskampagne zu tun. Ziel ist es, die Ukrainer glauben zu lassen, dass es nirgendwo im Land mehr einen sicheren Ort gibt.

Oft wird behauptet, die westlichen Regionen seien relativ sicherer als der Süden oder Osten der Ukraine – Regionen, die bekanntlich nicht nur mit ballistischen Raketen oder Drohnen, sondern auch mit sogenannten „KABs“ (lenkbaren Bomben) mit barbarischer, brutaler Grausamkeit angegriffen werden. Doch wie wir sehen, kann auch der Westen der Ukraine unter massiven Beschuss geraten.

Mit der Weiterentwicklung der Drohnentechnologie können Dutzende oder gar Hunderte Drohnen die westlichen Grenzen der Ukraine erreichen und sogar überfliegen – mit dem Ziel, auch Europa einzuschüchtern.

Dies ist außerdem ein deutliches Signal, dass Russland nicht bereit ist, auf irgendwelche Vorschläge für einen Waffenstillstand einzugehen – und dass das Ziel Russlands, wie schon zu Beginn dieses großen Krieges, die Kapitulation der Ukraine bleibt. Jeder dieser Angriffe soll aus Putins Sicht die Ukrainer dazu bringen, über Kapitulation nachzudenken, über ein Ende des Krieges zu russischen Bedingungen.

Dass bei solchen Angriffen Städte zerstört werden, dass dabei Zivilisten sterben, dass diese Angriffe nichts mit Krieg im klassischen Sinne zu tun haben, sondern reiner Terror gegen die Zivilbevölkerung sind – all das ist Putin nicht etwa egal: Es ist sein Hauptziel.

Denn in einer Situation, in der seine Armee auf ukrainischem Boden nicht so weit vorrücken kann, wie es der Kremlherrscher gerne hätte, will er, dass der Luftterror die Arbeit anstelle der Streitkräfte erledigt – dass er eine gesellschaftliche Zermürbung im gegnerischen Land herbeiführt. Und wenn eine solche Zermürbung nicht eintritt, wie wir sehen, wächst nur der Wille zur Intensivierung des Terrors.

Dem kann man natürlich nur durch gemeinsame Anstrengungen begegnen: durch die Schaffung einer gemeinsamen Sicherheitszone auf ukrainischem Territorium unter Einbeziehung der Streitkräfte von NATO-Mitgliedstaaten – wenn sie auch ihre eigene Sicherheit gewährleisten wollen. Ebenso durch eine Erhöhung der Lieferungen von Luftverteidigungssystemen, die alle ukrainischen Regionen schützen können, sowie durch die weitere Suche nach Wegen, sich gegen Drohnen- und Raketenterror zu verteidigen.

Denn wenn der Feind seine Angriffswaffen weiterentwickelt, müssen wir auch unsere Verteidigungswaffen weiterentwickeln.

Schrecklicher Angriff auf Dnipro | Vitaly Portnikov. 30.09.2025.

Die Russen haben mitten am helllichten Tag Dnipro und Charkiw angegriffen. Der Drohnenangriff hat in Dnipro bereits zu großen Bränden und zu Verletzten geführt. Jetzt werden die Informationen natürlich präzisiert, aber die ersten Aufnahmen, die aus dieser ukrainischen Stadt eintreffen, sind einfach schrecklich. Und sie erinnern übrigens an jene Bilder, die wir alle während des jüngsten massiven Angriffs auf Kyiv gesehen haben, als eine Straße in Kyiv-Borschtschahiwka durch russische Schläge buchstäblich in Trümmer verwandelt wurde. In Dnipro das Gleiche: Ein Schlag gegen das Stadtzentrum hat faktisch zur Zerstörung einer Straße geführt. Und das zeigt, dass der russische Luftterror nicht nur andauert, sondern sich sogar verstärkt.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die Russen ihre Angriffe auf ukrainische Städte synchron mit Auftritten des amerikanischen Präsidenten Donald Trump durchführen. Trump tritt auf, droht, spricht von Frieden durch Stärke, und Putin schickt seine Raketen und Drohnen, um die Ukrainer zu terrorisieren und ihre Städte in Ruinen zu verwandeln.

Darin besteht der Unterschied zwischen Eskalation der Worte und Eskalation der Gewalt. Darin unterscheidet sich der politische Ansatz Trumps vom politischen Ansatz Putins. Während der amerikanische Präsident Friedenspläne schmiedet und die Welt davon zu überzeugen versucht, dass er des Nobelpreises würdig sei, denken jene, die gegen Frieden und internationale Sicherheit kämpfen, nicht über Pläne nach, sondern über Taten.

Und aus dieser Perspektive unterscheidet sich Putins Logik überhaupt nicht von der Logik der Führer der terroristischen Organisation Hamas. Und die Logik der Führer der terroristischen Organisation Hamas unterscheidet sich in nichts von der Logik des Iran oder Nordkoreas. Und natürlich ist es für alle sehr bequem, es mit einem amerikanischen Präsidenten zu tun zu haben, der laute Reden und Versprechen liebt, jedoch nichts Konkretes unternimmt, um seine Stärke gegenüber diktatorischen Regimen und jenen zu demonstrieren, die glauben, mit Terror die gewünschten Ergebnisse zu erzielen.

Natürlich ist der Angriff auf Dnipro nicht der erste Angriff auf diese ukrainische Stadt. Und uns ist bewusst, dass es auch nicht der letzte ist. Putin beabsichtigt, den Luftterror während der gesamten nächsten Phase des russisch-ukrainischen Krieges zu betreiben – wie lange diese Konfrontation auch andauern mag. Doch wir sehen, dass Drohnen jetzt buchstäblich am helllichten Tag in ukrainische Städte eindringen und dass es nicht so einfach ist, gegen sie vorzugehen. Und das ist ebenfalls eine Frage danach, wie die Luftverteidigung der Ukraine selbst organisiert werden soll, wenn sich die ukrainische Führung darauf vorbereitet, den Militärs in Polen oder Dänemark zu helfen, gegen russische Drohnen zu kämpfen. Der Beweis dafür, dass wir dies effektiv tun, müssen unzerstörte Straßen ukrainischer Städte sein.

Und da stellt sich die völlig logische Frage: Wie soll man heute der Gefahr entgegentreten, die mit jedem Tag zunehmen wird? Wie baut man eine echte Mauer gegen Drohnen – nicht nur an der Grenze der Europäischen Union und der NATO zur Ukraine und zur Russischen Föderation, sondern vor allem an der ukrainischen Grenze zu Russland und jenen okkupierten ukrainischen Gebieten, die Moskau in einen Brückenkopf für den weiteren Angriff auf unser Land verwandelt hat?

Ziemlich symbolisch ist die Tatsache, dass Russland einen neuen niederträchtigen Angriff auf ukrainische Städte gerade an dem Tag unternommen hat, an dem man in Moskau den Tag der Aggression und Besatzung feiert. Den Tag, an dem in Russland die Entscheidung über die Annexion ukrainischer Territorien getroffen wird, um später von der internationalen Gemeinschaft und von der ukrainischen Führung den Abzug der ukrainischen Streitkräfte aus jenen Gebieten des Donezker, Luhansker, Chersoner und Saporischer Gebiets zu verlangen, die von der legitimen ukrainischen Staatsgewalt kontrolliert werden – und nicht vom grausamen Besatzungsregime.

Es sei auch darauf hingewiesen, dass es in der Rede des russischen Präsidenten Putin zu diesem schändlichen Tag nicht nur um den „gerechten Krieg“ Russlands gegen unser Land geht, sondern auch um die Stimmungen in den Gebieten Odessa und Mykolajiw, deren Bewohner sich aus Putins Sicht ebenfalls dem Beitritt zur Russischen Föderation „entgegen sehnen“. Und dabei geht es natürlich nicht um die Stimmung unserer Landsleute – die Putin ebenso wenig interessieren wie die Stimmung seiner eigenen Landsleute –, sondern um neue militärische Pläne des Kreml, um neue Besatzungspläne, um Regionen, die Putin in nächster Zeit an Russland anschließen möchte.

Und dies – ich erinnere daran – während der Präsident der Vereinigten Staaten von Friedensplänen und von der Möglichkeit eines Treffens der Präsidenten der Ukraine und Russlands spricht. Währenddessen hofft der Präsident der Russischen Föderation weiterhin auf die Besetzung neuer ukrainischer Regionen in einer neuen Runde der erbitterten russisch-ukrainischen Konfrontation. Ohne echte Stärke – ich betone: nicht ohne Reden über Stärke, sondern ohne wirkliche Stärke – wird der Terror Russlands gegen friedliche ukrainische Städte weiter an Fahrt gewinnen.

Putin ist fest davon überzeugt, dass die Verwandlung der Ukraine in Trümmer das beste Mittel sei, die Ukrainer davon zu überzeugen, dass nur eine vollständige Kapitulation vor Moskau für sie ein Ausweg aus diesem Krieg sein könne. Er will, dass wir die Staatsidee vergessen angesichts der Drohung der Vernichtung der Ukraine als solcher, der Vernichtung ihrer Städte, Siedlungen, eines normalen menschlichen Lebens auf dem gesamten Territorium des Staates, den Putin seinem eigenen Land einverleiben möchte – zerstört oder unzerstört, das ist ihm völlig gleichgültig. 

Denn jedes Territorium, das er besetzt, ist für ihn ausschließlich ein Brückenkopf für die weitere Besatzung. Und weiter – um Europa einzuschüchtern, das sich nach Putins Auffassung in den kommenden Jahren ebenfalls in eine Sphäre seines Einflusses verwandeln soll, in Jahre, die er zuversichtlich für Russland als Siegesjahre betrachtet, weil er im Weißen Haus wen sieht? Donald Trump, und weil er europäische Führer sieht, die bis heute nicht verstehen, wie sie auf diese Gefahr antworten sollen.

Und es stellt sich heraus, dass das einzige Land, das in der Lage ist, die volle Tiefe der Herausforderung zu begreifen, die heute vor der Welt steht, nur die Ukraine bleibt – deren Städte unter russischen Schlägen brennen.

Ich spreche mein aufrichtiges Beileid all jenen aus, die während des jüngsten russischen Angriffs verletzt wurden, sowie ihren Angehörigen und Freunden.

In der Region Donezk erschossen russische Truppen eine Familie und nahmen ein Kind als Geisel, um ihren Angriff zu decken. 24.09.2025.

https://life.pravda.com.ua/society/na-donechchini-rf-rozstrilyala-rodinu-a-ditinu-utrimuyut-dlya-prikrittya-310496/

Video zum Artikel:

https://tsn.ua/video/video-novini/shok-rosiiany-vbyly-rodynu-i-vykorystovuiut-dytynu-iak-zyvyy-shchyt.html

In der Nähe des Dorfes Schandryholowe in der Region Donezk haben russische Besatzer eine Zivilfamilie erschossen und ein Kind als Geisel genommen.

Der Feind nutzt ein minderjähriges Mädchen, um seine Einheiten zu decken und das weitere Vorrücken in Richtung Lyman zu ermöglichen, teilte das Dritte Armeekorps mit.

Aus abgefangenen Funksprüchen wurde bekannt, dass der Kommandeur der russischen Streitkräfte mit dem Rufzeichen „Bali“ bereits vor Beginn des Angriffs auf die Ortschaft den Befehl erteilt hatte, die gesamte Zivilbevölkerung unterschiedslos zu vernichten.

„Eine feindliche Einheit drang in ein Wohnhaus ein und erschoss die Zivilisten – die Eltern des Kindes. Die Russen entführten das Mädchen und setzen die Sturmoperationen fort, wobei sie es als Geisel halten, um zu verhindern, dass auf sie das Feuer eröffnet wird“, heißt es in der Erklärung des Korps.

Auf dem Video ist zu hören, wie der Kommandeur befiehlt, das Kind unter Beobachtung zu halten und anordnet, die Leichen der anderen Getöteten in einen separaten Raum zu bringen, damit das Mädchen sie nicht sieht.

„Das Kriegsverbrechen wird live von Einheiten des Korps dokumentiert. Alle abgefangenen Funksprüche belegen den im Voraus geplanten Charakter der Handlungen des Feindes“, heißt es in der Mitteilung.

Auf die Handlungen der russischen Besatzer reagierte auch der Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez:

„Solche Handlungen sind ein zynischer Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht, gegen die Vierte Genfer Konvention zum Schutz der Zivilbevölkerung und gegen alle Regeln der Kriegsführung.

Die Tötung von Zivilisten und der Einsatz eines Kindes als menschliches Schutzschild sind Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt.

Ich habe bereits offizielle Schreiben an die UNO und das IKRK geschickt. Die internationale Gemeinschaft muss sofort auf diese grausamen Verbrechen Russlands reagieren“, betonte der Ombudsmann.

Putin hat beschlossen, den Terror zu verstärken | Vitaly Portnikov. 20.09.2025.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg behauptet, der russische Präsident Putin habe angeordnet, die Angriffe auf die Ukraine zu intensivieren, insbesondere auf Wohngebiete unseres Landes sowie auf die ukrainische Infrastruktur — vor allem auf den Energiesektor —, um die Ukraine dazu zu zwingen, zu kapitulieren und zwar zu russischen Bedingungen.

Die Agentur behauptet, dass Putin nach dem Gipfeltreffen mit Trump in Anchorage überzeugt war, der amerikanische Präsident sei nicht bereit, der Ukraine nennenswerte Hilfe zu leisten. Und damit sind die Hände für weiteren Druck auf die Ukraine frei, und er könne sich jede Art von Verbrechen erlauben, von denen er glaubt, sie würden die ukrainische Bevölkerung davon überzeugen, dass Kapitulation der einzige Ausweg aus diesem Krieg sei.

Andererseits muss man sagen, dass allein das Auftauchen solcher Informationen auch Teil des propagandistischen Spiels der Russischen Föderation ist. Was bedeutet es überhaupt, die Angriffe Russlands auf die Ukraine „zu verstärken“ in einer Lage, in der ukrainische Bürger seit Jahren massiven Angriffen russischer Flugzeuge, Raketen und jetzt auch tödlicher Drohnen ausgesetzt sind – jene Drohnen, die zum Hauptinstrument des Erpressungsinstruments der russischen Streitkräfte geworden sind? Offensichtlich sind die Meldungen, Putin sei bereit, die Schläge zu verstärken, selbst Teil der russischen Propaganda mit dem Ziel, die Ukrainer davon zu überzeugen, besser schon vor Beginn solcher Angriffe zu kapitulieren, statt auf die vollständige Zerstörung der Ukraine als Lebensraum zu warten, falls die ukrainische Führung den Bedingungen des vermeintlichen von Putin vorgeschlagenen „Friedens“ nicht zustimme.

Es sei daran erinnert, dass diese Friedensbedingungen keineswegs darauf abzielen, dass die ukrainischen Streitkräfte sich lediglich aus den Gebieten der Oblaste Donezk, Luhansk, Cherson und Saporischschja zurückziehen – für Putin sind diese Gebiete de facto Subjekte der Russischen Föderation innerhalb ihrer administrativen Grenzen. Der russische Präsident hofft in erster Linie auf die Destabilisierung der Lage in der Ukraine, auf gesellschaftliche Konflikte, auf einen Konflikt zwischen Bevölkerung und Regierung, auf den Zusammenbruch der ukrainischen Armee; dies soll es ihm ermöglichen, schnell größere Teile der ukrainischen Territorien zu besetzen und dann nicht mehr von Kapitulation zu sprechen, sondern faktisch von der vollständigen Eingliederung ukrainischer Gebiete in die Russische Föderation als neue Regionen.

Ich erinnere daran: Genau das bleibt das politische und militärische Hauptziel der Russischen Föderation im Krieg gegen unseren Staat in den kommenden Jahren. Und Putin könnte der Meinung sein, dass er das, wofür er jahrelang gearbeitet hat, mithilfe der Rückgratlosigkeit des amerikanischen Präsidenten Donald Trump in Monaten erreichen könne.

Doch ich bin überzeugt, dass er sich, wie schon während des Blitzkriegs 2022, verrechnen wird. Er wird sich vor allem deshalb verrechnen, weil die Geschichte wiederholt gezeigt hat: Wenn die Armee des Aggressors keine operative Kontrolle über das Territorium hat, das sie erobern will, kann man nicht erwarten, dass dieses Land auf seinem eigenen freien Territorium kapituliert. Für eine wirksame Kapitulation ist eine wirksame Besetzung erforderlich — und die Geschwindigkeit des Vorrückens der russischen Streitkräfte auf ukrainischem Territorium lässt derzeit nicht von einer solchen wirksamen Besetzung sprechen.

Zweitens: Putin hat bereits versucht, die ukrainische Infrastruktur zu zerstören, so dass die ukrainische Bevölkerung den Winter in Kälte verbringen müsste und es als unmöglich ansehen würde, unter solchen Bedingungen weiterzuleben. Auch das führte weder zum Zusammenbruch der ukrainischen Staatlichkeit noch zum Zusammenbruch der ukrainischen Wirtschaft noch zu einer Änderung der öffentlichen Stimmung zugunsten einer bedingungslosen Kapitulation gegenüber der Russischen Föderation.

Außerdem muss man daran denken, dass selbst wenn Donald Trump seine Politik fortsetzt, die Putin bei seinem Druck auf die Ukraine hilft, die europäischen Verbündeten unseres Landes weiterhin gezwungen sein werden, uns zu unterstützen — denn sie haben bereits begriffen, dass eine Niederlage der Ukraine in diesem Krieg ein Schritt hin zu einem Verlust der Perspektive auf ein sicheres Leben in den europäischen Staaten selbst und zu neuen russischen Angriffen wäre.

So sind etwa das Auftauchen russischer Drohnen im Luftraum Polens oder das zwölfminütige Eindringen russischer Flugzeuge in den Luftraum Estlands weitere Belege dafür, dass die russischen Ambitionen keineswegs an den Grenzen der Ukraine Halt machen; in Wahrheit ist die Ukraine nur ein Sprungbrett für Russlands Kontrolle über Europa. Und natürlich haben die Europäer Angst vor einer solchen Kontrolle und vor solchen Angriffen.

Im Falle der Niederlage der Ukraine im russisch-ukrainischen Krieg, im Falle der Umwandlung des ukrainischen Staates in russisches Territorium oder sogar in einen Satellitenstaat der Russischen Föderation, würde die europäische Angst nur noch wachsen — und zwar exponentiell. Damit dies nicht passiert, werden die europäischen Staaten selbstverständlich der Ukraine helfen, auch wenn die putinschen Angriffe zunehmen.

Man darf außerdem nicht vergessen, dass die Ukraine zu solchen Angriffen antworten kann. In letzter Zeit verliert die Russische Föderation praktisch ihre Raffinerien. Und trotz Reparaturarbeiten nach Drohnenangriffen ist klar: Ein Anstieg der Zahl ukrainischer Drohnen würde automatisch erhebliche Verluste im Energiesektor Russlands bedeuten — und das würde sich deutlich auf den russischen Haushalt und auf die Fähigkeit Russlands auswirken, seine aggressive Kriegsführung in den kommenden Jahren fortzusetzen. Wenn also die Ukraine auf die terroristischen Angriffe Russlands mit eigenen Schlägen gegen die russische Energieinfrastruktur, gegen russische Militäreinheiten und gegen den militärisch-industriellen Komplex der Aggressormacht antwortet, wäre das weitaus wirksamer und effektiver als jene Sanktionen, die der Präsident der Vereinigten Staaten immer wieder ankündigt — und die er natürlich nicht umsetzt.

Damit das von Bloomberg beschriebene Szenario nicht eintritt und Putin nicht in der Lage ist, seine Angriffe auf unser Land massiv zu verstärken, muss der russische Präsident zumindest über Monate und Jahre hinweg nicht über ausreichende finanzielle, militärische, wirtschaftliche und demografische Ressourcen verfügen, um einen Eroberungskrieg gegen die Ukraine fortzuführen — ein Krieg, der jederzeit zu einem Eroberungskrieg gegen Europa ausufern könnte und folglich zu einem dritten Weltkrieg mit sämtlichen potenziellen Katastrophen eines derartigen Zusammenstoßes auf dem europäischen und darüber hinaus auf dem weltweiten Kontinent.

Wenn wir also sagen, dass der Schlüssel zur Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges weiterhin in Putins Tasche liegt, müssen wir uns daran erinnern: Die Möglichkeiten, diesen Schlüssel zu finden und den russischen Präsidenten zum Gebrauch desselben zu zwingen, liegen sowohl in den Händen der Streitkräfte der Ukraine als auch in den Händen unserer westlichen Verbündeten. Diese müssen das volle Ausmaß der Katastrophe erkennen, die mit expressartiger Geschwindigkeit auf den europäischen Kontinent zukommt — zumindest auf jene Länder, die in unmittelbarer Nähe zur Ukraine und zur Russischen Föderation liegen, zum Schauplatz der größten in Europa seit 1945 geführten Kriegsführung.