Budanov bestreitet Forderungen der USA | Vitaly Portnikov. 28.02.2026.

Der Leiter des Büros des Präsidenten der Ukraine, General Kyrylo Budanov, wies die Information zurück, dass die Vereinigten Staaten der Ukraine konkrete Fristen setzen, bis wann der russisch-ukrainische Krieg beendet sein müsse.

In letzter Zeit wird über solche Fristen viel gesprochen, und selbst ohne die Zurückweisung durch den Leiter des Präsidialamtes wirkt dies recht unlogisch. Die Vereinigten Staaten können der Ukraine zwar beliebige Bedingungen stellen. Offensichtlich ist jedoch, dass Präsident Donald Trump nicht über ausreichende Möglichkeiten verfügt, den russischen Präsidenten Putin dazu zu zwingen, den Krieg zu einem von Trump gewünschten Zeitpunkt zu beenden – zumal Putin den Verhandlungsprozess nutzt, um den russisch-ukrainischen Krieg fortzusetzen. Schon die Tatsache, dass Trump zugestimmt hat, dass Verhandlungen parallel zu den Kampfhandlungen stattfinden, verschafft Putin zusätzliche Möglichkeiten, die Wünsche des amerikanischen Präsidenten und seiner Unterhändler zu ignorieren.

Zugleich betont Budanov, dass seiner Meinung nach den russischen Unterhändlern klar sei, dass sie letztlich gezwungen sein werden, allen Sicherheitsgarantien zuzustimmen, die die Vereinigten Staaten der Ukraine zu gewähren bereit sind. Wir wissen nicht, auf welche Informationen sich der General dabei stützt. Offensichtlich ist jedoch auch, dass sämtliche Sicherheitsgarantien, die die Vereinigten Staaten und europäische Länder der Ukraine geben könnten, erst nach Beendigung der Kampfhandlungen wirksam würden. Gerade deshalb ist für den russischen Präsidenten bereits die bloße Diskussion zwischen dem amerikanischen und dem ukrainischen Präsidenten über Sicherheitsgarantien für unseren Staat – selbst auf theoretischer Ebene – ein zusätzlicher Anreiz, den Krieg nicht durch einen stabilen Friedensvertrag zu beenden und damit die Möglichkeit solcher Garantien in absehbarer Zeit auszuschließen.

Es scheint, dass auch Budanov sich dieser Tatsache bewusst ist, wenn er von der Komplexität des Verhandlungsprozesses spricht und betont, dass der wichtigste Garant dafür, dass Russland seine Ziele nicht erreicht, die ukrainische Armee sei, die seit zwölf Jahren die imperialen Ambitionen des Nachbarstaates zurückhält. Übrigens spricht Budanov auch ausführlich über diese imperialen Ambitionen und unterstreicht, dass die wichtigste Voraussetzung für das Überleben des ukrainischen Staates der Zusammenbruch Russlands als Imperium sei.

Er präzisiert nicht, was genau er unter einem solchen Zusammenbruch versteht oder welches Schicksal die heutige Russische Föderation innerhalb ihrer international anerkannten Grenzen erwarten könnte. Gemeint sind jedoch die imperialen Ambitionen der Russischen Föderation, die sich bekanntlich nicht auf das Territorium des heutigen Russland beschränken, sondern auf die Gebiete der ehemaligen Sowjetrepubliken.

Aus dieser Perspektive sind sowohl der Krieg Russlands gegen Georgien im Jahr 2008, die Annexion der Krim im Jahr 2014, der große Krieg Russlands gegen die Ukraine seit 2022 als auch die fortgesetzte russische Kontrolle über Transnistrien in Moldau Teil eines umfassenden Plans zur sogenannten Korrektur des „Fehlers“ von 1991, als die Sowjetunion von der politischen Landkarte verschwand.

Bekanntlich haben die russischen Sicherheitseliten das Verschwinden der Sowjetunion niemals akzeptiert. Mit dem Aufstieg Putins an die Spitze des russischen Staates wurden die Bemühungen intensiviert, die russische Staatlichkeit wieder an die Grenzen der Sowjetunion von 1991 heranzuführen. Der große Krieg gegen die Ukraine ist aus dieser Sicht nur eine Etappe dieser sogenannten Spezialoperation. Das Scheitern des Blitzkriegs hat diese Pläne jedoch erheblich gebremst.

Insofern kann man sagen, dass die imperialen Ambitionen Russlands heute deutlich geschwächt wirken. Selbst wenn man annimmt, dass der russische Staat in seinen international anerkannten Grenzen bestehen bleibt – auch nach dem Übergang von der heißen Phase des Krieges zu einem weniger intensiven, aber nicht minder beunruhigenden Konflikt in den kommenden Jahren und Jahrzehnten.

Tatsächlich könnte der Zusammenbruch dieser imperialen Ambitionen die einzige Garantie für das Überleben sowohl der Ukraine als auch anderer ehemaliger Sowjetrepubliken sein, die 1991 ihre Unabhängigkeit erklärten. Damit verteidigt die ukrainische Armee nicht nur die Ukraine, sondern auch diese Staaten vor den fortdauernden Versuchen, ihre Souveränität zu untergraben – Versuche, die stets Teil russischer Staatspolitik waren.

Libanesische Journalisten, die mit Budanov sprachen, fragten ihn auch nach möglichen eigenen Präsidentschaftsambitionen. Seine Antwort war weniger eine Aussage über persönliche Pläne als vielmehr eine Feststellung der objektiven Realität: Derzeit gebe es keine Voraussetzungen für Wahlen. Dieser Kommentar des Leiters des Präsidialamtes, der in aktuellen Umfragen als eine politisch populäre Persönlichkeit gilt, spiegelt die objektive Lage in Bezug auf Verhandlungen und Frieden stärker wider als seine Ausführungen zum Verhandlungsprozess selbst. Budanov macht deutlich, dass es nicht um persönliche Ambitionen geht, sondern darum, dass es in absehbarer Zeit keine objektiven Voraussetzungen für Präsidentschafts- oder Parlamentswahlen gibt. Denn es gibt keine realen Anzeichen dafür, dass die Friedensgespräche – ob in Abu Dhabi oder in Genf – zu konkreten Ergebnissen führen könnten, auf die man in Washington hofft.

Selbst die Wünsche Donald Trumps, die er mit den Präsidenten der Ukraine oder Russlands bespricht, ändern nichts an der Realität, in der Putin weiterhin auf militärischen Druck setzt. Solange das Kriegsrecht gilt, die Kampfhandlungen andauern und das Hinterland unter russischem Beschuss leidet, kann nur jemand von realen Wahlen träumen, der die Lage der Ukraine im fünften Jahr dieses erschöpfenden großen Krieges nicht begreift.

In diesem Sinne erscheint Budanovs Haltung zu Wahlen und Verhandlungen deutlich realistischer als die vieler ukrainischer Politiker und Kommentatoren, die den Prozess – offenbar vor allem im Interesse eines einzigen Zuschauers, Donald Trump – als reale und nicht als illusorische Politik betrachten, obwohl wir uns seit Januar 2025 in einer weitgehend von Illusionen geprägten außenpolitischen Situation befinden.


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Titel des Originals: Буданов заперечує вимоги США | Віталій
Портников. 28.02.2026.

Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 28.02.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Budanov: Details der Verhandlungen in Davos | Vitaly Portnikov. 21.01.2026.

Der Leiter des Präsidialamtes, Kyrylo Budanov, betonte in Davos, dass es im Verhandlungsprozess Bewegung gebe und dass sich dessen Teilnehmer vorwärts bewegten. Zugleich wollte der Leiter des Präsidialamtes keinerlei Prognosen darüber abgeben, wann genau dieser lange erwartete Frieden eintreten könne, und erinnerte daran, mit wem es die Ukraine zu tun habe. Dass die Verhandlungen fortgesetzt werden und dass die Ukraine einen Platz am Verhandlungstisch hat, sei jedoch nach Ansicht Budanovs ebenfalls eine offensichtliche Tatsache.

Unterdessen traf auf dem Internationalen Wirtschaftsforum der Sondergesandte des Präsidenten der Vereinigten Staaten, Steve Witkoff, mit dem Sondergesandten des Präsidenten der Russischen Föderation, Kirill Dmitriev, zusammen und bezeichnete dieses Treffen als positiv. Dmitriev wiederum betonte, dass immer mehr Menschen den russischen Ansatz dafür verstünden, wie der russisch-ukrainische Krieg enden solle.

Allerdings würde ich den Erklärungen des russischen Sondergesandten keine allzu große Bedeutung beimessen, denn es gehört zu seinen Aufgaben, optimistische Aussagen zu machen und die Öffentlichkeit zu desinformieren – selbst in einer Situation, in der es zwischen dem Kreml und dem Weißen Haus keinerlei realen Fortschritt bei der Fortsetzung der Friedensverhandlungen gibt. Damit sich dieser Prozess tatsächlich entwickeln kann, müsste der russische Präsident Wladimir Putin zumindest auf jene Vorschläge reagieren, die zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und dem Präsidenten der Ukraine, Volodymyr Zelensky, abgestimmt worden sind.

Ich erinnere daran, dass genau dies die Logik des Verhandlungsprozesses ist, der sich – so Budanov – weiter vorwärts bewegt. Und hier kann man dem Leiter des Präsidialamtes nur zustimmen, wenn er daran erinnert, mit welcher Seite es sowohl die Ukraine als auch ihre Verbündeten und die Vereinigten Staaten zu tun haben. Denn ohne den Willen des russischen Präsidenten Putin, sich auch nur ernsthaften Gesprächen über jene Bedingungen zu nähern, die angeblich zwischen den Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine abgestimmt worden sind, kann man kaum davon sprechen, dass es überhaupt einen echten Friedensprozess gibt.

Man kann über Details verhandeln, wie wir das im Laufe dieses Friedensprozesses mehrfach gesehen haben. Man kann große Abkommen schließen, die auf die Nachkriegszeit ausgerichtet sind. Ich möchte daran erinnern, dass sich die Welt seit 2022 mit Plänen für den Wiederaufbau der Ukraine nach dem Krieg beschäftigt. Doch in diesen vier Jahren hat niemand eine Antwort auf die zentrale Frage gefunden, wie man die Russische Föderation dazu zwingen kann, den Krieg gegen die Ukraine zu beenden.

Auch auf dem Internationalen Forum in Davos wollte man daher weniger über die Beendigung dieses Krieges sprechen als vielmehr über Pläne für den Wiederaufbau der Ukraine. Denn der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, und der Präsident der Ukraine, Volodymyr Zelensky, hätten – wenn nicht darüber verhandeln, so doch zumindest einen wichtigen Teil ihres Dialogs – der sogenannten Vereinbarung über den Wiederaufbau der Ukraine in Höhe von Hunderten Milliarden Dollar widmen sollen. Einige Quellen betonten sogar, dass die Präsidenten der Vereinigten Staaten und der Ukraine dieses Abkommen unterzeichnen könnten.

Doch die Unterschriften der Präsidenten unter einem derart umfassenden Investitionsabkommen hätten kaum einen realen inhaltlichen Wert, wenn sie nicht zugleich verstehen würden, wie genau der Prozess der Beendigung des russisch-ukrainischen Krieges voranschreitet. Ein solches Verständnis fehlt – wie wir sehen – nicht nur Volodymyr Zelensky, der gezwungen ist, mit der amerikanischen Position zur Beendigung des Krieges zu arbeiten, sondern auch Donald Trump. Ich erinnere daran, dass Trump noch vor einem Jahr erneut versprochen hatte, den russisch-ukrainischen Krieg innerhalb von zwei bis drei Wochen zu beenden, nun aber einräumen muss, dass sich diese Situation als weitaus komplexer erwiesen hat, als er erwartet hatte.

Und zwar vor allem nicht deshalb, weil Trump kein Interesse an der Beendigung des Krieges oder zumindest an einem Waffenstillstand an der russisch-ukrainischen Front hätte, sondern weil ein solches Interesse beim russischen Präsidenten Putin fehlt. Zudem verfügt Trump heute entweder nicht über reale Instrumente, um diesen Krieg schnell zu beenden, oder er hat nicht einmal den Willen, solche Instrumente einzusetzen, die das Ende des Krieges schneller näherbringen könnten, als es derzeit scheint.

Denn selbst die härtesten Sanktionen gegen die Russische Föderation schaffen – wie wir sehr gut verstehen – lediglich Voraussetzungen für einen Zusammenbruch der russischen Wirtschaft und dafür, dass die Führung der Russischen Föderation über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges nachdenkt. Und das auch nur unter der Voraussetzung, dass Putin der Wirtschaft überhaupt Aufmerksamkeit schenkt – einem Bereich, der nie zu den interessantesten Themen seiner Präsidentschaft gehörte und den er seit den ersten Tagen seiner Zeit im Kreml möglichst zu ignorieren versuchte.

Hätte die Ukraine hingegen die erforderliche Menge an Waffen aus den Vereinigten Staaten erhalten, hätte sie etwa auch die weitreichenden Tomahawk-Raketen aus den USA bekommen, dann hätte dies Putin möglicherweise gezwungen, die Realität anders zu betrachten. Man sollte sich daran erinnern, wie viel Mühe der russische Präsident in seinem Dialog mit seinem amerikanischen Amtskollegen darauf verwendet hat, selbst Gespräche über eine mögliche Lieferung von Tomahawks an die Ukraine zu verhindern – Raketen, die strategische Objekte auf dem Territorium der Russischen Föderation zerstören könnten. Genau jene Objekte, von denen aus die Bombardierung der ukrainischen Energieinfrastruktur fortgesetzt wird.

Und übrigens muss man sagen, dass Putin damit Erfolg hatte, denn Trump hat die Idee der Tomahawks endgültig aufgegeben – zumindest zum heutigen Zeitpunkt, nach seinen Gesprächen mit Zelensky im Weißen Haus und nach einem weiteren inhaltlich leeren, für ihn aber angenehmen Gespräch mit dem russischen Präsidenten, der sich an Trump mit den gewohnten und, wie wir sehen, durchaus wirksamen Schmeicheleien an den Präsidenten der Vereinigten Staaten wandte. Hier muss man sich nichts ausdenken.

So hat der Leiter des Präsidialamtes einerseits natürlich recht, wenn er sagt, dass sich der Verhandlungsprozess vorwärts bewegt. Doch der eigentliche Sinn dieses Prozesses besteht nicht darin, mit Russland über das Ende des russisch-ukrainischen Krieges zu verhandeln, sondern vor allem darin, sich im Verlauf dieses Prozesses nicht mit den Vereinigten Staaten zu überwerfen. Wenn jedoch externe Faktoren eingreifen – etwa die Grönland-Krise, die sich mit jedem Tag verschärft und bei der wir nicht wissen, zu welchen Schlussfolgerungen Trump und die europäischen Staats- und Regierungschefs bei ihrem Treffen in Davos kommen werden –, oder Trumps Wunsch, den russischen Präsidenten Putin und dessen belarussische Marionette Lukaschenko in den Friedensrat aufzunehmen und zugleich Zelensky sowie die europäischen Staats- und Regierungschefs in denselben Rat einzuladen, dann wird es immer schwieriger, sich nicht mit Präsident Trump zu zerstreiten – angesichts seiner extravaganten Wünsche und seines völligen Mangels an einer realistischen Weltsicht.

Und hier hat Budanov recht, wenn er sagt, dass wir in dieser Situation keine inneren Zerwürfnisse brauchen. Denn das Ausbleiben solcher Zerwürfnisse könnte derzeit eine Injektion von Professionalität in die ukrainische Staatsführung ermöglichen. Eine solche Injektion ist in einer Situation notwendig, in der sich die internationale Ordnung verändert und zerbricht – ganz abgesehen vom russisch-ukrainischen Krieg –, und dies buchstäblich vor unseren Augen geschieht und ernsthafte, abgewogene Antworten auf die entstehenden Herausforderungen erfordert.


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Titel des Originals: Буданов: подробиці перемовин в Давосі | Віталій Портников. 21.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 21.01.2026.
Originalsprache: uk
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

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Budanov statt Jermak | Vitaly Portnikov. 02.01.2026.

Der Leiter der Hauptverwaltung für militärische Aufklärung, General Kyrylo Budanov, wird neuer Chef des Präsidialamtes der Ukraine und ersetzt damit den kürzlich von diesem Posten entlassenen Andrij Jermak. Die Aufmerksamkeit sowohl der ukrainischen als auch der ausländischen Medien für diese Ernennung hängt meiner Ansicht nach nicht nur mit dem Amt selbst zusammen, sondern vor allem mit dem politischen und strukturellen Einfluss, den Andrij Jermak in den vergangenen Jahren auf die Entwicklungen in der Ukraine hatte.

Man muss jedoch eine wichtige Sache verstehen, die meiner Meinung nach vielen Kommentatoren sowohl dieser Entlassung als auch dieser Ernennung entgeht. Der Einfluss Andrij Jermaks beruhte nicht auf dem Amt, das er innehatte, sondern darauf, dass er zum echten Favoriten von Präsident Volodymyr Zelensky wurde und unter den Bedingungen einer nahezu alleinigen Führung des Landes alle Instrumente nutzen konnte, die dem Präsidialamt zur direkten Steuerung des Staates durch den Präsidenten zur Verfügung standen. Dabei ging es sowohl um Einfluss auf das ukrainische Parlament als auch um die Verwandlung der ukrainischen Regierung in eine Art Abteilung des Präsidialamtes.

All dies war natürlich nur möglich dank der besonderen Beziehungen, die sich zwischen Volodymyr Zelensky und Andrij Jermak entwickelt hatten. Gerade weil Andrij Jermak – im Gegensatz zu seinem Vorgänger als Leiter des Präsidialamtes, Andrij Bohdan – gelernt hatte, zu verstehen, was Präsident Zelensky wollte, noch bevor dieser selbst sich seiner Wünsche bewusst wurde. Und das ist das wichtigste Merkmal jedes einflussreichen Favoriten.

Daher ist es keineswegs zwingend, dass Kyrylo Budanov als Leiter des Präsidialamtes dieselben Möglichkeiten erhalten wird. Erstens existieren die Instrumente, die es Volodymyr Zelensky erlaubten, das Land von einem einzigen Büro aus zu steuern, de facto nicht mehr. Es ist offensichtlich, dass das ukrainische Parlament heute längst nicht mehr so leicht aus dem Präsidialamt heraus gesteuert werden kann wie in den ersten Jahren seines Bestehens, als die überwältigende Mehrheit der anonymen Abgeordneten des neu geschaffenen politischen Projekts „Diener des Volkes“ nur kleine Rädchen im Machtapparat Zelenskys waren.

Auch gegenüber den ukrainischen Regierungsmitgliedern wird es viele Fragen geben – zumindest von Seiten der westlichen Verbündeten – im Zusammenhang mit dem Prozess der europäischen Integration der Ukraine und dem Wunsch, gerade mit denjenigen zu sprechen, die tatsächlich Dokumente unterzeichnen, und nicht mit Managern des Präsidialamtes, die lediglich für die persönliche und dienstliche Kontrolle des Präsidenten zuständig sind.

Die Ernennung Budanovs zum Leiter des Präsidialamtes kann also das Wesen der Arbeit dieses Amtes verändern, muss aber keineswegs einen neuen Favoriten von Volodymyr Zelensky hervorbringen. Zumal Menschen, die zu einer Alleinherrschaft neigen, nach sechs Jahren an der Macht in der Regel lernen, auch ohne Favoriten zu regieren.

Doch allein die Tatsache, dass der ehemalige Chef des militärischen Nachrichtendienstes nun das Präsidialamt leitet, erlaubt die Annahme, dass dieses Amt künftig eher einem Hauptquartier des Oberbefehlshabers ähneln wird als einer Institution, die sich um parlamentarische und präsidentielle Funktionen kümmert. Denn Budanow, der viele Jahre direkt im System des Verteidigungsministeriums und der Streitkräfte der Ukraine gearbeitet hat, wird sich aus Gewohnheit für wesentlich kompetenter in militärischen Fragen halten als in Fragen des normalen Funktionierens des ukrainischen Staates.

Hier stellt sich natürlich eine neue, wichtige Frage: Wie wird die Zusammenarbeit zwischen der Führung der Streitkräfte der Ukraine und dem Präsidialamt aussehen, und werden dabei nicht dieselben Spannungen und Reibungen entstehen wie in der Zeit, als Andrij Jermak versuchte, Volodymyr Zelensky bei der direkten Steuerung des Parlaments, der Regierung und anderer Institutionen zu helfen, die eigentlich nicht zur verfassungsmäßigen Zuständigkeit des Präsidenten gehören?

Das hängt jedoch auch von Budanovs eigener Bereitschaft ab, mit der Führung der Streitkräfte der Ukraine zusammenzuarbeiten, oder davon, ob er auf seiner eigenen Kompetenz bei der Lösung der wichtigsten Fragen des Funktionierens der Streitkräfte bestehen wird – Streitkräfte, die, wie wir alle verstehen, in den kommenden Jahren des zermürbenden russisch-ukrainischen Krieges vor neuen Herausforderungen stehen werden, dessen Ende aus der Perspektive der realen politischen und militärischen Entwicklungen in der heutigen Welt nicht absehbar ist.

So ehrlich muss man sein: Ein kompetenter Militär an der Spitze des Präsidialamtes in einem Land, für das der Krieg zur Normalität geworden ist und für das es keine Perspektive auf ein baldiges Ende gibt, ist vielleicht keine schlechte Wahl – zumindest aus Sicht der institutionellen Reife eines solchen Staates. Denn ein Staat, dessen Eliten und später auch dessen Bevölkerung erkennen, dass es in absehbarer Zeit keinen Ausweg aus der Kriegssituation gibt, stellt sich zwangsläufig auf militärische Schienen um und beginnt nicht mehr nach den Regeln eines zivilen Staates zu leben, für den der Krieg nur eine von vielen Herausforderungen ist, sondern nach der Logik einer Festung, die sich im Krieg befindet und lernt, genau nach dieser militärischen Logik zu leben.

Ein solcher Staat – ein Staat, für den der Krieg Alltag ist und der Frieden ein fernes und kaum vorstellbares Phänomen – wird natürlich von Militärs geführt, von Menschen, die wissen, wie man in Kriegsjahren all die schwierigen Prozesse durchsteht, bei denen der Staat alle seine Funktionen dem Überleben und dem Widerstand gegen einen grausamen Gegner unterordnen muss, der seinerseits sein Land ebenfalls in eine militärische Festung verwandelt, bereit zur Konfrontation mit der gesamten zivilisierten Welt.

Natürlich kann man sagen, dass Volodymyr Zelensky mit der Ernennung Kyrylo Budanovs versucht hat, einen der aussichtsreichen Teilnehmer zukünftiger Präsidentschaftswahlen aus dem Weg zu räumen. Doch reale Möglichkeiten für Wahlen eines Staatsoberhauptes sind aber in absehbarer Zeit nicht zu erkennen, weil ebenso wenig reale Möglichkeiten für ein Ende des Krieges, die Aufhebung des Kriegsrechts und die Durchführung von Wahlen in der Ukraine sichtbar sind.

Und wenn solche Möglichkeiten eines Tages entstehen, wissen wir nicht, wann das sein wird. Dann könnten ganz andere Personen die Favoriten der Präsidentschaftswahlen sein – Menschen, die mit der politischen Entwicklung der Ukraine in der Nachkriegszeit und mit den Erwartungen der Gesellschaft an jene Person verbunden sein werden, die das Land entsprechend dem Ausgang dieses endlosen russisch-ukrainischen Krieges führen soll.


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Titel des Originals: Буданов замість Єрмака | Віталій Портников. 02.01.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung / Entstehung: 02.01.2026.
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