Worauf hofft Putin? | Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

На що сподівається Путін. Vitaly Portnikov. 05.10.2026.

Auf die Frage, worauf Putin nach viereinhalb Jahren des russisch-ukrainischen Krieges eigentlich noch hofft – in einer Situation, in der seine Truppen, die in den ersten Monaten nach dem Angriff zumindest das gesamte Gebiet Donezk hätten erobern sollen (tatsächlich hätten sie es nach Putins Plan bereits 2014 erobern sollen), während die Sanktionen fortbestehen und die Ukraine begonnen hat, russische Erdölraffinerien anzugreifen –, gibt es eine klare und verständliche Antwort.

Putin setzt auf Angst.

Mit Angst zu handeln ist ein beliebtes politisches Mittel der Russen. Sie betreiben diesen Handel seit Jahrhunderten, wenn es darum geht, die eigenen Schwächen und Probleme zu verschleiern. Die „Potemkinschen Dörfer“ des kaiserlichen Günstlings Fürst Potemkin – Kulissensiedlungen aus Pappe, mit denen der Fürst gegenüber Katharina II. die mangelnde Entwicklung und die Korruption in den ukrainischen Gebieten zu rechtfertigen versuchte – sind für die ganze Welt längst zu einem der wichtigsten Symbole russischer Staatlichkeit geworden.

Doch das wichtigste russische „Potemkinsche Dorf“ ist die Angst vor Russland.

Putin hofft, dass die Ukrainer angesichts der Brände, die russische Angriffe auslösen, aus Angst kapitulieren und er dann überhaupt keine Armee mehr braucht, weil er die ganze Ukraine bereits in der Tasche hat. Putin hofft, dass die Europäer vor einem Krieg mit Russland Angst bekommen und für Politiker stimmen werden, die die Hilfe für die Ukraine einstellen, dafür aber erneut die Inbetriebnahme von Pipelines für russisches Gas vereinbaren.

Putin hofft, dass die Amerikaner immer einen Atomkonflikt mit Russland fürchten und deshalb im Umgang mit ihm ein äußerst vorsichtiges Verhalten wählen werden. Natürlich wird er Vertreter der amtierenden Administration mit Versprechungen gemeinsamer Geschäfte bei Laune halten, aber das Wichtigste ist für ihn, dass sie Angst haben. 

Genau deshalb treffen seine Raketen die Brücken von Kyiv – nicht, um sie zu zerstören, sondern um Angst zu verbreiten. Genau deshalb veranstalteten die Russen am Vorabend der Landtagswahlen in Deutschland, die mit einem triumphalen Wahlerfolg der rechtsextremen und noch dazu kremlfreundlichen ‚Alternative für Deutschland‘ endeten, in den östlichen Bundesländern eine regelrechte Serie von Sabotageakten. 

Genau deshalb warnen russische Propagandisten und sogar der Außenminister persönlich, Lawrow, vor einem „sehr kurzen Krieg“ mit Europa. Genau deshalb sprach Putin bei seinem jüngsten Auftritt auf einer Sitzung des Waldai-Diskussionsklubs bereits über einen Atomkrieg, als wäre er nahezu unvermeidlich – das richtet sich nun an die Amerikaner, wie ein Gewehr, das bereits auf der Bühne des politischen Theaters des russischen Präsidenten hängt.

Man muss anerkennen, dass Putin es versteht, mit Angst zu handeln. Die Russen haben dafür Tradition, Erfahrung und, was am wichtigsten ist, den Willen: Gerade in der allgegenwärtigen Angst um sie herum sehen sie die wahre Befriedigung. Machen Sie abends einen Spaziergang durch die Randbezirke irgendeines Nischni Tagil oder Tscherepowez, und Sie werden alles verstehen, ganz ohne meine Erklärungen.

Wenn wir Angst bekommen, werden wir verlieren, ganz gleich, wie unsere tatsächliche Lage und unsere Möglichkeiten aussehen. Genau darauf setzt er.


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Art der Quelle: Essay
Titel des Originals: На що сподівається Путін. Віталій Портников. 05.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 05.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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