Ein anderer Donald Trump | Vitaly Portnikov. 19.10.2026.

Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.

Schon während seiner ersten Amtszeit im Oval Office kritisierte Donald Trump Europa für den Kauf russischen Gases und betonte, dass dadurch eine gefährliche Abhängigkeit vom Kreml entstehen würde. Es gibt bekannte A ML ufnahmen, auf denen deutsche Minister zu sehen sind, die über diese Worte des amerikanischen Präsidenten lachen. Heute erscheint dieses Lachen als hervorragender Beleg für Kurzsichtigkeit und mangelndes strategisches Denken. Schließlich war Berlin davor gewarnt worden, dass die Fertigstellung der Nord-Stream-Pipelines keineswegs dazu führen könnte, Putin in große Geschäfte mit Europa einzubinden, sondern zu einem großen Krieg in Europa.

Doch derjenige, der damals auf die Gefahren der Energieabhängigkeit hinwies, verhandelt heute unter völlig veränderten Umständen mit Putin über die Lieferung russischen Dieselkraftstoffs auf die Weltmärkte. Mehr noch: Medienberichten zufolge soll die Wiederaufnahme russischer Gaslieferungen nach Europa und die Nutzung des ukrainischen Gastransportsystems für diese Lieferungen zu einer wichtigen Bedingung für die Beendigung des Krieges werden.

Es entsteht der Eindruck, als würde diese Entscheidungen bereits ein anderer Donald Trump treffen – ein ganz anderer Mensch als jener, der den Europäern von den Gefahren einer Abhängigkeit von Russland erzählte. Aber warum hat sich die Haltung des amerikanischen Präsidenten gegenüber russischen Energieträgern so stark verändert? Vielleicht, weil er die Aussicht auf eine Bündelung der Kräfte und eine amerikanische Beteiligung am russischen Geschäft erkannt hat? Vielleicht erscheint eine solche Abhängigkeit gar nicht mehr als so große Abhängigkeit, wenn man nicht nur von russischen Energieträgern abhängig ist, sondern auch von amerikanischen Gewinnen aus deren Verkauf?

Doch welche Motive Donald Trump auch immer haben mag, sie dürften sich kaum auf die Beendigung des Krieges auswirken oder die Einnahmen Russlands beeinflussen.

Erstens, weil die Europäer offenbar der Ansicht Trumps zugestimmt haben – jenes Trumps, der sie davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit zu lösen, und nicht jenes Trumps, der ihnen nun anbieten könnte, diese Abhängigkeit wiederherzustellen. Der Verzicht auf russisches Gas – zumindest auf Pipelinegas – erfolgte in einem Tempo, mit dem selbst die Europäer nicht gerechnet hatten. Und selbst wenn man sich vorstellt, dass der Krieg endet und die Sanktionen gegen Russland gelockert werden: Wer sagt denn, dass Europa auf die Diversifizierung seiner Gaslieferungen verzichten wird? Schließlich hatte Trump recht: All diese Gaspipelines erwiesen sich als eine regelrechte Falle, mit deren Hilfe Putin Europa seine Bedingungen diktieren wollte – und möglicherweise noch immer diktieren will.

Zweitens: Russland hatte all das bereits. Es hatte eine Monopolstellung auf dem europäischen Markt, die durch jahrzehntelange Bemühungen sowjetischer und russischer Politiker und Energiefachleute aufgebaut worden war. Und es gab das ukrainische Gastransportsystem, das in der Lage war, größere Mengen russischen Gases zu transportieren, das in die europäischen Länder geliefert wurde.

Was tat Putin, als er gerade erst an die Macht gekommen war? Zunächst ersetzte er die Führung von Gazprom um den einflussreichen Mitbegründer des Konzerns Rem Wjachirew. Anschließend beauftragte er den neuen Gazprom-Chef Alexej Miller, der den Konzern inzwischen fast ebenso lange leitet, wie Putin Russland regiert, mit der Ausarbeitung eines Plans zum Bau sogenannter Umgehungspipelines – also eines Unterwassernetzes, das es ermöglichen sollte, auf die Dienste des ukrainischen Gastransportsystems zu verzichten. Und ungefähr zur selben Zeit begann die russische Propaganda, das mythische Bild eines Ukrainers zu erschaffen, der russisches Gas stiehlt und den man durch die Unterbrechung der Lieferungen erpressen kann. So begannen Putin und Miller, sich darauf vorzubereiten, auf die ukrainischen Dienstleistungen zu verzichten.

Mit anderen Worten: All das, was Trump Putin heute im Gegenzug für die Einstellung der Kampfhandlungen in der Ukraine und gemeinsame Energieprojekte anzubieten bereit ist, hatte Putin bereits. Und all das hat er für die Kontrolle über die Ukraine geopfert. Denn Putins politische Prioritäten unterscheiden sich erheblich von denen Trumps. Trump glaubt weiterhin an die Macht des Profits. Putin hingegen ist überzeugt, dass Profit mit Gewalt erwirtschaftet wird – genau das beweist er während seiner gesamten Herrschaft in Russland.

Deshalb wird aus den amerikanischen Vorschlägen an die Russen, Europäer und Ukrainer nichts werden. Putin will die Ukraine, und er ist überzeugt, dass er auf diese Weise auch ohne die Hilfe von Gazprom und Trump die Kontrolle über Europa erlangen wird – mit Gewalt. Die Ukrainer wiederum waren bereit, den Betrieb des Gastransportsystems sogar während des Krieges aufrechtzuerhalten, doch das hat uns nicht vor dem Krieg bewahrt.

Die Europäer haben einfach der Logik Donald Trumps vertraut, der sie vor fast zehn Jahren davon überzeugte, sich aus der Energieabhängigkeit von Russland zu lösen. Die Logik dieses „ersten“ Donald Trump gefiel uns allen besser.


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Art der Quelle: Artikel
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Autor/Kanal: Інший Дональд Трамп. Віталій Портников. 19.10.2026.
Veröffentlichung: 19.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: Zeitung
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf

uebersetzungenzuukraine.data.blog
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