Der Kreml stimmt dem Vorschlag des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky nicht zu, den Krieg für 60 Tage auszusetzen, damit die Ukraine eine Abstimmung bei den Präsidentschaftswahlen durchführen kann. Das erklärte der Pressesprecher des Präsidenten der Russischen Föderation, Dmitri Peskow, der betonte, Präsident Putin könne allenfalls zustimmen, die Ukraine am Tag der Abstimmung einen einzigen Tag lang nicht zu beschießen. Zelensky verdiene keine Atempause auf dem Schlachtfeld, pflichtet der russische Außenminister Sergej Lawrow dem Kremlsprecher bei.
Da könnte sich die Frage stellen: Warum will man in der russischen Hauptstadt denn überhaupt keine Waffenruhe, die es ermöglichen würde, den ukrainischen Präsidenten durch jemanden zu ersetzen, mit dem Putin an der Unterzeichnung eines Friedensabkommens interessiert wäre?
- Nun, erstens, weil niemand dem Kreml garantieren kann, dass die Ukrainer einen Menschen zu ihrem neuen Präsidenten wählen werden, der bereit ist, sämtlichen russischen Bedingungen zuzustimmen.
- Zweitens, weil Putin möglicherweise an überhaupt keinem Friedensabkommen mit der Ukraine interessiert ist.
- Und drittens, weil der russische Präsident möglicherweise an keinerlei Präsidentschaftswahlen in unserem Land interessiert ist. Für ihn könnte der sechste Präsident der Ukraine als letzter Staatschef eines künstlichen Staates erscheinen, der schon bald durch die Anstrengungen der russischen Streitkräfte liquidiert werden soll.
Dass man dies in der Ukraine nicht versteht, ist für den russischen Präsidenten kein großes Problem. Es ist vor allem ein Problem für jene unserer Landsleute, die sich hartnäckig weigern, sich der Realität zu stellen. Wenn wir schon offen sprechen, sollte nach Putins Vorstellung nicht der sechste Präsident der Ukraine der letzte sein, sondern bereits der vierte: Viktor Janukowytsch. Ihm, einem russischen Agenten, wurde die Aufgabe übertragen, die ukrainische Staatlichkeit abzubauen – bis hin zur Ernennung eines russischen Staatsbürgers zum Verteidigungsminister unseres Landes und bis hin zur Besetzung höchster Staatsämter mit russischen Agenten.
Aber Janukowytsch wurde mit dieser Aufgabe nicht fertig.
- Erstens, weil er all das Geld stehlen wollte, das sich stehlen ließ, und deshalb bereit war, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union zu unterzeichnen.
- Und zweitens, weil er den Protesten seines eigenen Volkes nichts entgegensetzen konnte, das weiterhin die europäische Integration forderte und sich offensichtlich für die Bewahrung der ukrainischen Souveränität einsetzte.
So sind wir bei der sechsten Präsidentschaft angelangt, die aus Sicht des russischen Staatschefs die letzte sein soll. In Moskau rechnet man für die Zukunft weder mit Präsidentschaftswahlen in der Ukraine noch erwartet man solche. Man erwartet vielmehr, dass der Präsident der Russischen Föderation die Leiter jener Föderalbezirke ernennen wird, die auf dem Gebiet der Ukraine geschaffen werden sollen. Und genau diese Haltung bestimmt die Reaktion der russischen politischen Führung auf sämtliche Vorschläge für eine Waffenruhe.
Russland führt diesen Krieg nicht um Territorien, nicht um den Donbas, nicht um die Krim, nicht um die Gebiete Saporischschja und Cherson, nicht um die russische Sprache und die russische Kirche, sondern darum, dass das gesamte Territorium der Ukraine in Form einzelner Regionen der Russischen Föderation angeschlossen wird. Und solange nicht jeder ukrainische Bürger dies begriffen hat, werden wir uns immer neue Illusionen über die Möglichkeiten machen, uns mit einem Regime zu einigen, das die Existenz des ukrainischen Volkes selbst auslöschen will. Das muss man verstehen. Und deshalb werden die Vorschläge für eine Waffenruhe im Kreml auf diese Weise kommentiert.
Übrigens kann man auch bemerken, was im Kreml nicht kommentiert wird. Nicht kommentiert werden nämlich die Vorschläge des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, zur sogenannten Waffenruhe im Energiebereich. Diesen Beitrag des amerikanischen Staatschefs in den sozialen Netzwerken hat man weder im Kreml noch im russischen Außenministerium zur Kenntnis genommen. Nicht einmal Kirill Dmitrijew, der sonst regelmäßig amerikanische Initiativen kommentiert, hat sich dazu geäußert, obwohl Putin gerade ihm die Aufgabe übertragen hat, leichtgläubigen und gierigen amerikanischen Beamten aus Trumps engstem Umfeld einen Bären aufzubinden.
Russland braucht keinerlei Waffenruhe im Energiebereich. Russland hofft, das ukrainische Energiesystem zu zerstören, die Bevölkerungszahl auf dem feindlichen Territorium zu verringern und die Menschen, die dort noch bleiben, zur Kapitulation zu russischen Bedingungen zu zwingen. Genau das ist das tatsächliche russische Kalkül für den Winter 2026–2027.
Trump, der weiterhin von der ukrainischen Führung verlangt, die Angriffe auf die Erdölverarbeitungsinfrastruktur der Russischen Föderation einzustellen, unterstützt im Grunde – sei es aus Dummheit, aus Gier oder aus Inkompetenz – diesen menschenverachtenden russischen Plan. Ebenso unterstützen ihn all jene Menschen in unserem Land, die so tun, als schlage Trump eine tatsächliche Waffenruhe vor, und die dem amerikanischen Präsidenten in amerikanischen Nachrichtensendungen weiterhin Komplimente machen. Damit erzeugen sie Illusionen über die Realisierbarkeit einer Waffenruhe im Energiebereich – nicht nur bei uns, den Menschen, die unter dem Beschuss des Putin-Regimes stehen, sondern auch in der amerikanischen Gesellschaft. Und das ist im Vorfeld der Zwischenwahlen in den Vereinigten Staaten unglaublich gefährlich.
Wir müssen klar sagen, dass all diese Menschen nicht einfach gegen den gesunden Menschenverstand und den Realismus arbeiten. Sie arbeiten gegen die Ukraine, selbst wenn sie sich hinter ihren Mandaten als Abgeordnete der Werchowna Rada unseres Landes verstecken. Das sind offene, unverhohlene, ernst zu nehmende Feinde. Ich weiß einfach nicht, was bei diesen Menschen stärker ausgeprägt ist: die Dummheit oder die zynische Berechnung, bei irgendwelchen mythischen Wahlen zum ukrainischen Parlament wieder einen Platz unter der Parlamentskuppel zu finden, die es vielleicht einfach nicht mehr geben wird.
Deshalb muss man sich klar darüber sein, wie eine Waffenruhe mit der Russischen Föderation zustande kommen kann. Sie wird dann eintreten, wenn die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation, die russischen Häfen, über die Erdöl verschifft wird, und die russische Energiewirtschaft niedergebrannt sind und die Russen auf den Trümmern ihrer eigenen Infrastruktur nach einem besseren Schicksal suchen werden. Einen anderen Weg zu einer Einigung mit der Russischen Föderation hat es niemals gegeben, gibt es bis heute nicht und wird es, glauben Sie mir, auch in den kommenden Jahren nicht geben.
Jeder, der versucht, das Gegenteil zu verkünden, wird erkennen müssen, wie trügerisch seine Hoffnungen und Versprechungen waren. Auch das kann ich mit voller Überzeugung in diesem schweren, aber historischen Augenblick sagen, den wir heute durchleben.
Aber sowohl Peskow als auch Lawrow und sogar Putin selbst werden in einem völlig anderen Ton sprechen, wenn sie ernsthafte Schwierigkeiten und die Unzufriedenheit ihrer eigenen Bevölkerung zu spüren bekommen. Das war bereits im Mai dieses Jahres der Fall, als Putin Trumps Dienste in Anspruch nahm, um am 9. Mai die Parade auf dem Roten Platz abhalten zu können. So kann es jederzeit wieder kommen, wenn Russland erschöpft ist. Und eine andere Wahl, als den Aggressor zu erschöpfen, haben wir leider nicht.
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Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Кремль відповів Зеленському | Віталій
Портников. 12.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 12.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
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Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach, veröffentlicht auf uebersetzungenzuukraine.data.blog.