Elon Musk hat sich Donald Trumps Forderung nach einem Wechsel an der ukrainischen Staatsspitze angeschlossen und betont, dass Zelensky zu weit gegangen sei. Offensichtlich meint der exzentrische Milliardär, der für seine engen Verbindungen zur Trump-Administration bekannt ist, jene Angriffe, die die Ukraine derzeit auf den militärisch-industriellen Komplex und die Erdölverarbeitungsindustrie der Russischen Föderation durchführen kann.
Das heißt, aus der Sicht von Trump und Musk müsste die Ukraine die Zerstörung ihrer eigenen Infrastruktur, die sich derzeit vor unseren Augen abspielt, die Ermordung friedlicher Einwohner der Ukraine durch Putin und die Besetzung ukrainischer Gebiete einfach hinnehmen, nur weil es im Weltbild von Trump und Musk drei starke Staatschefs gibt: Trump selbst, Xi Jinping und Putin. Und nur sie sollen darüber entscheiden, wie die Welt um sie herum aussieht. Die anderen Länder haben sich ihren Vorstellungen zu fügen.
Genau deshalb haben weder Trump noch Musk in ihren Äußerungen über Zelensky die russische Aggression gegen die Ukraine auch nur mit einem Wort erwähnt. Sie haben Putins Handlungen im Zusammenhang mit den Angriffen auf unser Land nicht erwähnt und auch den russischen Präsidenten selbst nicht erwähnt, der wiederholt jede Art von Vereinbarungen über ein Ende des russisch-ukrainischen Krieges abgelehnt hat.
Mehr noch: Trump sagt heute, dass er Putins Entscheidung begrüße, billiges Öl auf den Markt zu liefern. Und das, obwohl die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer eigenen Sanktionen gar keine Möglichkeit haben, russisches Öl zu kaufen. Das ist durch amerikanische Gesetze verboten. Übrigens gilt das auch für Dieselkraftstoff. Und das, obwohl die Vereinigten Staaten erst vor Kurzem ein Gesetz verabschiedet haben, nach dem sie vernichtende Sanktionen bis hin zu Zöllen von 100 Prozent gegen jene fünf Länder verhängen wollen, die die größten Mengen russischen Öls kaufen.
Der Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, hat dieses Gesetz unterzeichnet und damit geprahlt, dass es verabschiedet worden sei. Jetzt stellt sich heraus, dass eine Entscheidung, die Trump persönlich dem Andenken seines verstorbenen Mitstreiters, Senator Lindsey Graham, gewidmet hatte, in dem Moment in den Müll geworfen werden kann, in dem sich die Möglichkeit irgendwelcher Geschäftemachereien mit Putin ergibt. Und wie wir sehen, stimmt Musk dieser Logik vollkommen zu und unterstützt den amerikanischen Präsidenten gerade deshalb, weil die Weltbilder von Trump und Musk in dieser Situation übereinstimmen.
Wir können uns lange darüber wundern, wie sich die Sicht von Trump und Musk auf die Welt innerhalb buchstäblich weniger Tage verändert hat. Aber wir verstehen, dass es hier überhaupt nicht um die Lieferung russischen Öls auf den Weltmarkt entgegen den weiterhin gegen Russland geltenden westlichen Sanktionen geht, sondern um die Möglichkeit, mit den Aktien des russischen Konzerns Lukoil Geld zu verdienen.
Offensichtlich ist das genau der Grund, weshalb Trump bis heute die Möglichkeit offenhält, die Sanktionen gegen diesen russischen Konzern nicht einzuführen, die längst beschlossen und vom amerikanischen Präsidenten selbst und seinem Umfeld als Sanktionen aus der Hölle bezeichnet worden waren.
Offensichtlich ist das genau der Grund, weshalb Trumps Vertreter Steve Witkoff und Jared Kushner in die russische Hauptstadt gereist sind. Wie jetzt klar wird, sprachen sie mit dem Präsidenten der Russischen Föderation gerade über diese Aktien und keineswegs über eine Wiederbelebung des russisch-ukrainischen Friedensverhandlungsprozesses, der sich seitdem keinen Schritt vom Fleck bewegt hat.
Offensichtlich ist das genau der Grund, weshalb Trump und Putin sich über die Lieferung einer kleinen Menge russischen Diesels auf den Weltmarkt einigen konnten. Wiederum entgegen jener Sanktionspolitik, die die Vereinigten Staaten eigentlich selbst verfolgen müssten.
Und wie wir verstehen, geht es hier überhaupt nicht um die Person des ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelensky. Natürlich kann Trump ihm nicht verzeihen, dass er das Geschäft mit Putin als schwache Entscheidung eines starken Partners bezeichnet hat. Und es geht auch nicht um die Forderungen nach einem Wechsel des ukrainischen Präsidenten. Nein.
Das schwerwiegendste Problem besteht darin, dass man in Washington Russland als einen Staat betrachtet, der das Recht hat, seinen Nachbarn seinen Willen aufzuzwingen, einfach weil sein Präsident sich mit dem Präsidenten der Vereinigten Staaten über gemeinsame Interessen einigen kann. Denn der Konflikt liegt gerade darin, dass in der großen Politik Werte durch geschäftliche Interessen ersetzt werden, die zudem keinerlei wirklichen Bezug zur Politik der Vereinigten Staaten selbst, zu den Interessen des amerikanischen Volkes oder zu den Sicherheitsinteressen der gesamten Welt haben. Und wenn wir sehen, wie der Präsident der Vereinigten Staaten vor dem Hintergrund seines Interesses an solchen Geschäften einfach auf seine eigene Sanktionspolitik verzichtet, die er noch vor wenigen Wochen befürwortet hatte, kann sich die Frage stellen, wie verlässlich die Vereinigten Staaten unter dieser Administration als Partner sein können.
Andererseits verstehen wir aber, dass wir bis zu einem gewissen Grad Zeugen einer politischen Agonie sind. Sowohl Donald Trump als auch Elon Musk verfolgen die Meinungsumfragen aufmerksam und verstehen sehr gut, wie gefährlich ein Sieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen zum amerikanischen Kongress für sie wäre. Wie gefährlich die Tatsache wäre, dass in den Vereinigten Staaten nach einem solchen Sieg Untersuchungen über die Tätigkeit der Administration beginnen könnten.
Auch das ist ein gewaltiges Problem, das schon bald für Donald Trump, für sein engstes Umfeld und sogar für Elon Musk entstehen könnte. Musk leitete, wie wir uns erinnern, in den ersten Monaten nach Donald Trumps Einzug ins Weiße Haus, wenn auch informell, eine Kommission, die sich mit dem Abbau des Staatsdienstes beschäftigen sollte, und hat diesen Staatsdienst regelrecht zerschlagen.
Erinnern wir uns an das Schicksal eben jener US-Behörde für internationale Entwicklung, deren Zusammenbruch zu einem sprunghaften Anstieg der Einflussmöglichkeiten der Volksrepublik China im gesamten Globalen Süden geführt hat. Da beginnt man sich zu fragen, ob vielleicht auch das nicht im Interesse der Vereinigten Staaten lag, sondern im Interesse Elon Musks mit seinen erheblichen geschäftlichen Interessen gerade in der Volksrepublik China.
Aber wir haben heute keine Antwort auf diese Frage, könnten sie jedoch morgen erhalten. Und genau deshalb möchten sowohl Trump als auch Musk eine Niederlage der Republikaner verhindern und suchen selbst in zweifelhaften Geschäften mit dem Präsidenten der Russischen Föderation nach einem Ausweg. Das ist die Logik, von der sich diese Menschen leiten lassen, wenn sie über die Möglichkeit eines Sieges neuer Persönlichkeiten auf der politischen Bühne der Ukraine und über die Ablösung des ukrainischen Präsidenten sprechen. Das betrifft überhaupt nicht die Ukraine und nicht einmal Russland. Es könnte um ihr eigenes Schicksal und ihr eigenes Weltbild gehen.
🔗 Originalquelle
Art der Quelle: Artikel
Titel des Originals: Маск: «Зеленський зайшов занадто далеко» | Віталій Портников. 11.10.2026.
Autor: Vitaly Portnikov
Veröffentlichung: 11.10.2026.
Originalsprache: uk
Plattform / Quelle: YouTube
Link zum Originaltext:
Original ansehen
Deutsche Übersetzung von Viktoriya Limbach,
veröffentlicht auf
uebersetzungenzuukraine.data.blog.